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	<title>Was wäre wenn: Restauratio imperii</title>
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	<description>Was wäre wenn... jemand einen Blog über Alternative History schreiben würde?</description>
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	<title>Was wäre wenn: Restauratio imperii</title>
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		<title>800: De bello Baiuvaria (Romanprojekt)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Jan 2026 19:19:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayerische Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Fiktive Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Restauratio imperii]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was wäre, wenn das Römische Reich im Jahr 800 noch existieren würde? In der realen Geschichte wollte der oströmische Kaiser Justinian nach der Rückeroberung Italiens und Roms seinen Cousin Germanus vielleicht zum neuen Kaiser des 476 untergegangenen Weströmischen Reichs machen. Doch Germanus starb an einer Krankheit und der Plan wurde nie weiterverfolgt. Doch was wäre [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/800-de-bello-baiuvaria/">800: De bello Baiuvaria (Romanprojekt)</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Was wäre, wenn das Römische Reich im Jahr 800 noch existieren würde? In der realen Geschichte wollte der oströmische Kaiser Justinian nach der Rückeroberung Italiens und Roms seinen Cousin Germanus vielleicht zum neuen Kaiser des 476 untergegangenen Weströmischen Reichs machen. Doch Germanus starb an einer Krankheit und der Plan wurde nie weiterverfolgt. Doch was wäre gewesen, wenn Germanus von der Krankheit genesen wäre?</p>



<span id="more-522"></span>



<p>Im Jahr des Herrn 800 ist das christliche Abendland im Umbruch. Nicht nur steigen die Spannungen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/westroemische-reich-entsteht-neu/">zwischen beiden römischen Reichen</a>. Auch das Frankenreich strebt nach einem Platz <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/geschichte-roemisches-reich/">jenseits des Schattens Roms</a>. Während Kriege am Horizont immer deutlicher werden, rückt ein bisher unbekanntes Volk in das Zentrum der Ereignisse: das der Bajuwaren.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="629" height="435" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Karte-800-De-bello-Baiuvaria-Reiche.jpg?resize=629%2C435&#038;ssl=1" alt="Karte von Europa mit dem Al-Andalus auf der iberischen Halbinsel, dem Frankenreich in Westeuropa, dem Weströmischen Reich in Italien und in Dalmatien, dem Oströmischen Reich in Griechenland und der Türkei und der Baiuvaria im heutigen Bayern. " class="wp-image-7188" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Karte-800-De-bello-Baiuvaria-Reiche.jpg?w=1019&amp;ssl=1 1019w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Karte-800-De-bello-Baiuvaria-Reiche.jpg?resize=300%2C208&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Karte-800-De-bello-Baiuvaria-Reiche.jpg?resize=768%2C531&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Karte-800-De-bello-Baiuvaria-Reiche.jpg?resize=900%2C623&amp;ssl=1 900w" sizes="(max-width: 629px) 100vw, 629px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eigenes Bild, erstellt mithilfe von Copilot</figcaption></figure>
</div>


<p><em>Dieser <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">Beitrag als Alternative History Roman</a> erschien zum ersten Mal am 15. September 2020. Er wird seitdem immer wieder überarbeitet und mit neuen Kapiteln weitergeschrieben.</em></p>



<ol class="wp-block-list">
<li><a href="#gesandte">Der schweigende Gesandte</a></li>



<li><a href="#bootsmann">Der griechische Bootsmann</a></li>



<li><a href="#soldat">Der abwesende Soldat</a></li>



<li><a href="#edle">Die barbarische Edle</a></li>



<li><a href="#ratgeber">Der fremde Ratgeber</a></li>
</ol>



<h2 class="wp-block-heading" id="gesandte">1. Der schweigende Gesandte</h2>



<p>Ich musste weg. So schnell wie möglich. Und gleichzeitig nicht so tun. Nur so, als ob ich den Morgen genießen würde.</p>



<p>Als Gesandter Roms in Konstantinopel gehörte ich zu den bedeutendsten Männern dieser an Männern mit Bedeutung nicht armen Metropole. Normalerweise ein gewisser Schutz. Aber das Jahr des Herrn 800 war kein normales Jahr. Und deshalb ging ich nun wie ein gewöhnlicher Hafenarbeiter durch die Hauptstadt des östlichen Imperiums. Gekleidet in einem schäbigen Umhang. Und in nicht weniger schäbigen anderen Trachten.</p>



<p>Viele mögen mich dafür verachten. Ein Gesandter, der sich wie ein Dieb in der Nacht davonschleicht. Ein Vertreter Roms, der sich feige davon macht, wie ein ertappter Räuber.</p>



<p>Doch das war mir egal. Ich hatte keine andere Wahl.</p>



<p>Kurz fiel mein Blick auf eine Statue des aktuellen Kaisers in Rom. Sie stand in triumphaler Pose an einer Straßenkreuzung. Immerhin stand sie noch. Fielen die kaiserlichen Statuen, bedeutete das Krieg. Aber sie zeigte nur Spuren von mutwilliger Beschädigung. Keine bessere Beschreibung für das Verhältnis zwischen den beiden Imperien. Fand ich.</p>



<p>Ich lief weiter in Richtung des rettenden Hafens. Hatte kaum Augen für die Pracht des östlichen Imperiums, die sich langsam um mich herum begann, aus der Dunkelheit zu schälen.</p>



<p>Ich bemerkte in der weichenden Dämmerung eine weitere Statue vor mir. Kaiser Justinian und Kaiser Germanus. Dargestellt als Triumphatoren über alle Völker der Erde. Ausgerechnet.</p>



<p>Damit hatte der Abstieg des Imperiums begonnen. Und eine Entwicklung, deren heutige Fußnote mein vorzeitiges Ableben sein könnte.</p>



<p>Ich rastete kurz, um mich in der größer werdenden Helligkeit zu orientieren.</p>



<p>Dennoch blieb mein Blick an den beiden steingewordenen Männern heften. Manchmal fragte ich mich. Was wäre gewesen, wenn?</p>



<p>Vor über 300 Jahren war der Westen des Imperiums mitsamt Roms an die Barbaren verloren gewesen. Den letzten Kaiser hatten verräterische Generäle abgesetzt und die Insignien seiner nicht mehr vorhandenen Macht nach Konstantinopel geschickt. Doch dann hatte Kaiser Justinian das östliche Imperium zu neuer Blüte geführt. Gestützt auf seine besten Generäle entriss er den Barbaren Stück für Stück ihre Beute und eroberte sogar Rom zurück. Das Imperium schien wieder eine Zukunft gehabt zu haben.</p>



<p>Was wäre gewesen, wenn er sich danach nicht entschlossen hätte, mit Germanus einen seiner verdienstvollsten Generäle zum neuen Kaiser im Westen des Imperiums zu ernennen? Der zudem noch mit einer ostgotischen Frau verheiratet war und über gute Beziehungen zu den Überresten des weströmischen Senats verfügte.</p>



<p>Ich hatte einmal gelesen, dass Kaiser Germanus kurz vor seinem Aufbruch nach Rom und noch vor seiner Krönung fast einer Krankheit erlegen wäre. Die kaiserlichen Schriften behaupteten, dass seine wundersame Genesung alleine zeigte, dass Gott der Allmächtige hinter den Plänen Justinians stand.</p>



<p>Ich war, auch angesichts meiner aktuellen Lage, durchaus anderer Meinung.</p>



<p>Denn was wäre gewesen, wenn Gott in seiner allumfassenden Weisheit zu einem anderen Entschluss gekommen wäre? Würde es im Jahr des Herrn 800 nur ein Römisches Reich geben? Das geeint viel besser gegen die einfallenden Muslime bestanden hätte? Das im Osten nicht auf seine Provinzen in Griechenland und Kleinasien geschrumpft wäre? Das sich im Westen nicht nur an die territorialen Überreste in Italien und an der Grenze zum Osten klammerte?</p>



<p>Und das vor allem jetzt nicht vor der größten Krise seit den Zeiten von Justinian und Germanus stand. Einer Krise, die sich seit Jahren angedeutet hatte, als das östliche und westliche Rom immer weiter auseinanderdrifteten, als wären es unterschiedliche Staaten und nicht ein einziges Reich unter zwei Kaisern. Eine Krise, die wiederum mein Leben fordern konnte.</p>



<p>Ich huschte an der Statue vorbei. Wie ich hoffte, verstohlen. Ich näherte mich langsam dem vereinbarten Ort. Gleichzeitig erwachte um mich herum die Stadt zum Leben. War das potenziell gut für mich? Oder tödlich?</p>



<p>Als Gesandter war ein gewisses Maß an Feigheit nützlich. Niemanden zu beleidigen. Immer von allen unterschätzt zu werden. Dummerweise war dies in der unübersichtlichen Elite des östlichen Roms fast unmöglich. Oder nur für mich gewesen?</p>



<p>Irene von Athen hatte gezeigt, wie viel sie von Rom hielt. Nun gab es genügend Menschen in Konstantinopel, die vermeintliche Beleidigungen rächen wollten. Oder nur ihren Sadismus ausleben? Dagegen konnte ich nichts mehr tun. Außer mein Leben so schnell wie möglich zu retten. Als einzelner Mensch war ich machtlos im Spiel der Imperien.</p>



<p>Ich blicke mich nochmals subtil um. Sah keine Verfolger. Das konnte gut sein. Oder sehr schlecht? Zumindest erreichte ich den Hafen. Der mir mit seinem Lärm und Gestank etwas Schutz bot. Aber auch eventuellen Verfolgern? Ich musste überleben. Nur dann konnte diese Geschichte gut ausgehen. Oder nur für mich?</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="bootsmann">2. Der griechische Bootsmann</h2>



<p>Du warst Christopheros Technitis und du warst zufrieden mit deinem Leben. Du hattest gerade den frühen Sommermorgen genossen. Um diese Zeit war es selbst im Kontoskalion-Hafen von Konstantinopel noch ruhig. Du hattest keine Schwierigkeit, über den Pier zu schlendern und das langsam erwachende Treiben zwischen den Schiffen zu beobachten. Solange dein Klient nicht auftauchte, konntest du genießen, wie die aufgehende Sonne langsam die Kuppel der Hagia Sophia und die Dächer des Kaiserpalastes zum Leuchten brachte. Immer wieder ein erhabener Anblick.</p>



<p>Hier zu leben, war selbst für Pöbel wie dich gelegentlich ein Privileg. Auch wenn die Rhomäer, wie die östlichen Römer sich nannten, nicht mehr wie vor Jahrhunderten das Mittelmeer alleine beherrschten, gehörte ihr Reich doch zu den Großmächten der bekannten Welt. In der Hauptstadt des Oströmischen Reiches kreuzten sich noch immer viele Handelswege und Völker. Dein ungewöhnlich blondes Haar an Kopf und Bart war dafür nur ein Beweis unter vielen.</p>



<p>Du nahmst deine kräftigen Hände in den Blick, als du vor deinem kleinen Ruderboot eintrafst. Du warst nun schon weit in deinen Dreißigern. Aber dein Körper war durch deine harte Arbeit immer noch so durchtrainiert, dass sogar junge Frauen erröteten, wenn du sie ansprachst. Und das tatest du gerne.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="629" height="943" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/01/Technitis-2.png?resize=629%2C943&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Zeichnung eines ernst dreinblickenden muskulösen Mannes in Fischerkleidung. Er hält in der einen Hand einen Dolch und in der anderen Hand ein Ruderblatt." class="wp-image-7202" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/01/Technitis-2.png?resize=683%2C1024&amp;ssl=1 683w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/01/Technitis-2.png?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/01/Technitis-2.png?resize=768%2C1152&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/01/Technitis-2.png?resize=900%2C1350&amp;ssl=1 900w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/01/Technitis-2.png?w=1024&amp;ssl=1 1024w" sizes="(max-width: 629px) 100vw, 629px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eigenes Bild, erstellt mithilfe von ChatGPT.</figcaption></figure>
</div>


<p>Du warfst einen kurzen Blick auf die Umgebung um dein Boot. Die übliche Mischung aus ehrlichen und nicht so ehrlichen Menschen. Einer davon hatte noch eine Rechnung mit dir offen. Für ihn hattest du aber jetzt keine Zeit. Und du konntest keinen Ärger bei deinem Auftrag brauchen. Du hast ihn mit deinem Blick fixiert, bis er es bemerkte. Er wich deinem Blick zuerst nicht aus und schien kurz zu überlegen.</p>



<p>Ohne hinzusehen, hast du nach dem Dolch getastet. Ein hochwertiges Stück aus den kaiserlichen <em>fabricae. </em>Nichts, was jemand an diesem Pier gewöhnlich trug. Alles war so, wie du es brauchtest. Deine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Dein Gegenüber war ebenso kräftig wie du und vielleicht sogar etwas größer. Doch nach seinen Bewegungen zu urteilen, war er nicht so schnell wie du. Und er hatte nur wenige Narben an seinen Händen. Ganz im Gegensatz zu dir. Der Mann schien zu ähnlichen Gedanken gekommen zu sein, wie du. Denn er verließ schnell den Pier.</p>



<p>Du würdest trotzdem erst im letzten Moment in dein Boot steigen.</p>



<p>Das Leben hatte es bisher gut gemeint mit dir. Konstantinopel war eine Stadt voller Möglichkeiten für Leute deines Schlags. Und es würde noch besser werden, wenn du deine heutige Arbeit erledigt hättest. Es klang einfach: einen Passagier zu einem Schiff rudern, das bereits vor einer Stunde langsam den Hafen verlassen hatte und nun letzte Vorbereitungen traf, draußen die Segel zu setzen. Niemand war besser als du darin, im langsam erwachenden Irrsinn, der normalerweise den Hafen prägte, die schnellste Route zu den Segelschiffen am Bosporus zu finden. Und niemand war schweigsamer. Das war in diesem Falle die wichtigere Eigenschaft, fandest du, während du dein Boot nochmals von außen in Augenschein nahmst. Zu überstürzt erschien dir dein Auftraggeber.</p>



<p>Zum Glück hattest du noch vielfältige andere Talente, die in Konstantinopel seit mehr als 20 Jahren dein Überleben sicherten. Als Sohn eines Fischers hattest du zum Beispiel bemerkt, wie hastig das Schiff den Hafen noch bei Dunkelheit verlassen hatte. Für alles andere, was dafür der Grund sein konnte, hattest du dir diskret den Dolch erworben.</p>



<p>Du hast dich nochmals umgesehen. Bisher erkanntest du niemanden weiteren, der den Dolch nötig machen würde.</p>



<p>Auch wenn deine Auftraggeber versucht hatten, ihren Hintergrund zu verbergen, warst du dir sicher: Wie solche Dilettanten konnten nur die Halbbarbaren aus dem westlichen Rom arbeiten. Jeder niedrige oströmische Beamte hätte sich neben solchen Amateuren geschämt. Für die letzten Dilettanten, mit denen du zu tun gehabt hattest, war das schlecht ausgegangen. Aber sie hatten sich auf der anderen Seite deines Dolches befunden. Vielleicht würdest du sie kurz bei deinem Auftrag grüßen. Der Grund des Hafens war doch ziemlich einsam.</p>



<p>Manchmal fragtest du dich, ob deine Handlungen einmal Konsequenzen jenseits der unmittelbaren Gefahr hervorrufen würden. Die Priester, die dich vor 20 Jahren ein wenig ausgebildet – und mehr verprügelt hatten, bevor du geflohen warst&nbsp;–, hätten diese Frage sicher mit Ja beantwortet. Doch ihr Verhalten und das Verhalten der gesamten Stadt Konstantinopel verhöhnten diese christliche Moral bei jedem Sonnenaufgang. Doch die Priester hatten dir auch andere Möglichkeiten gezeigt. Aus ihrer Sicht nur, um die Überlegenheit des Christentums gegenüber seinen heidnischen Vorgängern zu beweisen. Sie schilderten dazu Männer, die so sehr in ihren Gedanken über die Welt versunken waren, dass sie in Brunnen fielen und von Mägden verspottet wurden. Doch in dir hatte etwas anderes einen Funken entzündet. Es waren Männer gewesen, die sich Gedanken über die großen Fragen der Welt gemacht hatten, unabhängig davon, was andere von ihnen dachten. Gedanken, die dich seitdem nicht mehr losließen. Auch wenn die Gosse von Konstantinopel keine Schule für diese Art Gedanken war, hattest du seitdem jede Gelegenheit genutzt, ihnen nachzugehen.</p>



<p>Du sahst dich nochmals um, während immer mehr Männer mit lautem Geschrei in einem schwer zu durchschaubaren Chaos den Hafen durchquerten. Du warst kein Philosoph wie die alten Griechen und Römer. Du konntest es dir nicht leisten, in einen Brunnen zu fallen.</p>



<p>Deshalb hattest du bei diesem Auftrag, wie immer, nicht nachgefragt. Du wusstest, was auf dem Spiel stand, schon alleine aufgrund der Bezahlung, die deine Auftraggeber nach einer viel zu kurzen Verhandlung herausgerückt hatten. Und jeder in Konstantinopel wusste, dass es um das Verhältnis zwischen den beiden Imperien nicht zum Besten stand. Nicht, seitdem Kaiserin Irene ihren Sohn geblendet und wieder die Regierung übernommen hatte.</p>



<p>Du hattest deinen Klienten sofort bemerkt. Der Kleidung nach zu urteilen eine hochgestellte Persönlichkeit, die so tat, als hätte sie sich als einfacher Hafenarbeiter verkleidet. Also wirklich, die Halbbarbaren. Du sprangst ohne große Eile in dein Boot. Und ohne den Klienten aus dem Blick zu verlieren. So offensichtlich in seinem Versuch, seine Nervosität zu verbergen. Und so offensichtlich in tödlicher Gefahr an diesem eigentlich friedlichen Morgen. Umso ruhiger bist du geblieben und hast ihn erst zu dir gewinkt, als sich eure Blicke trafen. Bevor dein Klient im Boot überhaupt Halt gefunden hatte, hattest du es bereits losgemacht und den ersten Ruderschlag getan. Dein Bauchgefühl sagte dir, dass es besser war, wenn du dich noch schneller bewegen würdest als sonst.</p>



<p>Natürlich solltest du recht behalten: Aus reinem Instinkt heraus gingst du in Deckung, als du ein sehr vertrautes Zischen in der Luft hörtest. Dein Klient, nervös, stolpernd auf dem schwankenden Boot, war weder so erfahren noch so schlau gewesen. Das sagte dir der Schrei sofort.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="soldat">3. Der abwesende Soldat</h2>



<p>Um Präfekt Maurikius Vulneratus, Oberbefehlshaber der III. italischen Legion, war die Hölle los. Männer schrien um ihn herum, als das massive Wildschwein kreischend auf ihn zukam. Die Sauhatz galt nicht umsonst als Mutprobe für die Edlen der Bajuwaren.</p>



<p>Lange war die Gruppe aus Bajuwaren und Römern durch die Sümpfe geschlichen, auf der Suche nach ihrer Beute. Vulneratus hatte seine wenigen Männer auf dieser Jagd sorgfältig ausgewählt. Obwohl die römische Armee in den vergangenen Jahrzehnten mehr in Überfällen und kleinen Scharmützeln gekämpft hatte, war das Waten durch das feuchte und schlammige Gelände für viele ihrer wenigen Offiziere unter ihrer Würde. Vulneratus hatte ein kurzes Dankgebet an den allmächtigen Gott gesandt, als sie das Wildschwein endlich aufgespürt und aufgescheucht hatten, während es sich arglos an einem Baum gerieben hatte.</p>



<p>Doch diese Überraschung war schnell vergangen, und der angegriffene Keiler ging mit einer Masse, die jeden Mann in der Gruppe übertraf, zum Angriff über.</p>



<p>Aber Vulneratus sah den nahenden Tod nicht. Stattdessen waren die Bilder wieder da.</p>



<p>Er war ein komplett grüner, bartloser Rekrut gewesen. Nur hatte er das nicht gewusst. Er wusste es erst bei seiner ersten Schlacht auf einem namenlosen Feld in Pannonien. Eine Welle an Reitern kam plötzlich schreiend auf ihn zu. Automatisch tastete er mit seinem linken Arm. Aber er fand es nicht. Anstatt zu kämpfen oder wenigstens wegzulaufen, erstarrt er wie ein Stein. Die Reiterkrieger der Awaren kamen immer näher. Er sah schon das Blitzen ihrer Schwerter und seine starren Augen erkannten sogar die Sehnen ihrer gefürchteten Bögen. Immer noch tastete sein linker Arm trotz des gelähmten restlichen Körpers. Aber er fand es nicht. Er hätte dort schon sterben sollen.</p>



<p>Der Keiler holte ihn mit einem markerschütternden Schrei zurück.</p>



<p>Dann übernahm wieder der Römer in ihm das Kommando und seine Reflexe aus einem Leben voller Kämpfe retteten ihm das Leben. Instinktiv sprang er zur Seite und entkam so den 200 Kilogramm, die an ihm vorbeirasten. Nun voll in seinem Element, hielt er trotz der schnellen Bewegung die Balance und stieß in einer fließenden Bewegung mit seiner Lanze nach dem Wildschwein.</p>



<p>Als er wieder komplett bei Sinnen war, lag der Eber schon im Sterben. Die Jagd war erfolgreich beendet.</p>



<p>Er streifte routiniert die letzten Reste der Verwirrung ab, als die übrigen Männer schnell näherkamen. Einer der bajuwarischen Jäger klopfte ihm anerkennend auf die Schulter. Vulneratus war einer der wenigen Römer, die der Bajuware nicht um mehr als einen Kopf überragte.</p>



<p>„Ihr Römer versteht etwas von der Jagd“, sprach er in einem wegen seines harten Dialektes kaum verständlichen Latein.</p>



<p>Vulneratus war bewusst, dass dies ein großes Kompliment gegenüber einem Landesfremden war. Doch er verkniff sich jeden Ausdruck des Triumphs. Es wäre ungehörig gewesen, sich gegenüber den Einheimischen beim ersten Zusammentreffen so zu gebärden. Es hätte gegen die römische Tugend der <em>pietas</em>, den Respekt für die natürliche soziale Ordnung, verstoßen.</p>



<p>Außerdem verstanden er und seine Männer die Bajuwaren kaum. Und umgekehrt.</p>



<p>Vulneratus lag dennoch richtig: Während seine Begleiter zuerst jubelten, wechselten die Einheimischen Blicke schweigend. Er war in erster Linie Soldat, aber er hatte sich über seinen Auftrag, wie es die römische Tugend der <em>prudentia, </em>der Voraussicht, verlangte, informiert. Diese Gesandtschaft würde ankommen. Daher schwieg er ebenso, bis auch seine Männer verstummten. Er hatte sie vorher persönlich ausgewählt. Nicht nur anhand ihrer Fähigkeiten bei der Jagd. Sondern auch im schnellen Gehorchen.</p>



<p>Das Volk in diesen Landen war zwar barbarisch, aber im Moment ein Verbündeter Roms.</p>



<p>Kurz gedachten die Männer stumm des Sohns des Herzogs, der vor Kurzem eine solche Sauhatz nicht überlebt hatte.</p>



<p>Anschließend begannen die Bajuwaren, das Wildschwein für den Transport ins Lager vorzubereiten.</p>



<p>Ein seltsames Volk mit seltsamen Traditionen, das hier zwischen der Zivilisation Roms und den fast unbewohnten Wäldern Germaniens hauste, dachte Vulneratus. Weder Vulneratus noch sie selbst schienen zu wissen, woher sie ursprünglich gekommen und weshalb sie in den ehemaligen römischen Provinzen Rätien und Noricum aufgetaucht waren, als Rom wieder seine Fühler gen Norden ausgestreckt hatte. Vulneratus hoffte, bald mehr über diese Leute herauszubekommen. Als Angehöriger der elitären <em>equites singulares Augusti</em>, die als die berittene Garde des Gesandten diente und den Kern der neuaufgestellten Legion bildete, musste er alles wissen, was es über diese Bajuwaren zu wissen gab.</p>



<p>Er überprüfte kurz den Griff seines Schwertes am Gürtel. Verbündete hin oder her. Wenn die Bajuwaren seinem Auftrag in die Quere kamen, würde er als Römer und Soldat handeln, wie er es immer gemäß seiner Pflicht getan hatte.</p>



<p>„Präfekt.“</p>



<p>Sein Dekurio, der ihn als sein Stellvertreter als einer der wenigen Römer bei der Jagd begleitet hatte, trat neben ihn. Unbewusst versteifte sich Vulneratus.</p>



<p>„Dekurio.“ Es war sein erstes eigenständiges Kommando. Obwohl sie bereits seit Wochen unterwegs waren, behielt Vulneratus zu seinen Untergebenen die Distanz, die zwischen Offizieren der römischen Armee angemessen war. Und die ihm im Notfall genügend Raum zum Ziehen des Schwertes gab.</p>



<p>„Wir können froh sein, wenn wir diese Sumpflandschaft am nächsten Tag hinter uns lassen können“, begann der Dekurio auf Latein in einem vorsichtigen Tonfall. „Die Bajuwaren versichern, dass wir den Fluss bald bei einer Furt an einem Kloster passieren und wieder in angenehmere Gegenden kommen, wo wir die Pferde besser nutzen können.“</p>



<p>In diesem Moment hatten die bajuwarischen Jäger das Schwein mit Seilen so vorbereitet, dass sie es zu viert in das Lager schleppen konnten. Vulneratus sah zu seinem Dekurio, der den Bajuwaren als Erster zu folgen begann. Ihm fiel dessen misstrauischer Blick in Richtung der eigentlichen Verbündeten auf. Vor allem, da er sich selbst diesen Blick erst mühsam abgewöhnt hatte. Zumindest, ihn so offen zu zeigen.</p>



<p>„Angenehmere Gegenden“, wiederholte Vulneratus tonlos, als er der Gruppe als Letzter folgte, und schnaubte innerlich über diese Einschätzung. Nach außen fuhr er sich durch den schwarzen Bart, in dem sich immer mehr weiße Strähnen mischten. Er musste ihn dringend wieder schneiden, wenn es die Umstände zuließen. Verlotterte der Befehlshaber, sank auch die Disziplin der ganzen Truppe.</p>



<p>Zum wahrscheinlich hundertsten Mal, seitdem sie in Rom aufgebrochen waren, ging er im Gedächtnis alle Männer durch, die zu seiner Legion gehörten. Einer Legion, die wie viele andere vor ihr, auch einmal ihre Unzufriedenheit durch einen überraschend toten Befehlshaber zeigen konnte. Seine Truppe bestand aus besonders unterschiedlichen Mitgliedern mit unterschiedlichen Vorstellungen von angenehmen Umständen. Als ihr Oberbefehlshaber musste er sie alle im Blick behalten.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="629" height="629" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?resize=629%2C629&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Zeichnung eines ernst dreinblickenden Mannes mit Vollbart, gerüstet mit einem Kettenhemd und Umhang, einem langen Schwert und einem runden Schild." class="wp-image-7192" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?w=1024&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?resize=768%2C768&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?resize=900%2C900&amp;ssl=1 900w" sizes="(max-width: 629px) 100vw, 629px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eigenes Bild, erstellt mithilfe von ChatGPT</figcaption></figure>
</div>


<p>Während die Soldaten ihre Unterkunft in einem Gehöft namens Kisoing als luxuriös empfanden, beschwerten sich die Mitglieder der Gesandtschaft ständig. Die Handwerker und Händler, die beiden Gruppen zu Diensten waren, waren ohnehin nur an ihren eigenen Geschäften interessiert. Das war sie also, die neue III. italische Legion, die im Auftrag des Kaisers in Rom ihre Verbündeten und die Interessen des Imperiums im Norden unterstützen sollte. Kein Vergleich zu ihrer ruhmreichen Vorgängerin. Aber umso entschlossener war er als ihr Kommandant, seine Pflicht zu tun und die unterschiedlichen Köpfe zu einer Legion zu machen.</p>



<p>Der Dekurio riss ihn erneut aus seinen Gedanken. Vulneratus konnte gerade noch den Impuls unterdrücken, das Gesicht missbilligend zu verziehen.</p>



<p>„Immerhin reichen die Bauernhöfe an diesem Bachlauf aus, um die Legion so weit zu versorgen, dass wir uns einmal der Sauhatz hingeben konnten.“ Den Dekurio schien die Jagd zumindest etwas amüsiert zu haben. Vulneratus sah keine Notwendigkeit, das zu kommentieren. Er behielt sowohl gegenüber dem Dekurio als auch gegenüber den Bajuwaren weiter Abstand.</p>



<p>Die Gruppe näherte sich langsam mit ihrer Beute dem Lager. Während die Bajuwaren inzwischen in ihrer Sprache lebhafte Unterhaltungen führten, schwiegen Vulneratus und der Dekurio wieder. Vulneratus war das ganz recht. So konnte er die Gegend weiter in Augenschein nehmen.</p>



<p>Er wusste, dass diese Region einmal römisch gewesen war. Die Bajuwaren behaupteten, dass sie etwa die alten Straßen noch nutzten. Doch er hatte bisher zu seinem Kummer kaum Spuren seiner Zivilisation gefunden. Vielleicht würde er fündig werden, wenn sie die herzogliche Pfalz namens <em>Frigisinga</em> erreichten.</p>



<p>Vulneratus schaltete diese Gedanken wie immer aus, als die Gruppe das provisorische Lager betrat, das seine Männer aufgeschlagen hatten.</p>



<p>„Die Feldbefestigungen sind etwas nachlässig.“ Der Dekurio war wieder neben ihm. Vulneratus erkannte ein ihm inzwischen bekanntes Lauern in dessen Blick.</p>



<p>„Sie erfüllen ihren Zweck“, antwortete er vorsichtig. Die Tugend der <em>prudentia</em> erforderte auch die Weisheit von ihm, dass es schon ein Erfolg war, seine Soldaten jeden Tag zum Aufbau dieser Befestigungen bewegt zu haben. Und dennoch seinen Kopf jeden Morgen danach noch auf seinen Schultern vorzufinden. Zumindest die Bajuwaren waren von den Befestigungen jedes Mal beeindruckt. Das zeigte sowohl ihre Bewunderung für die Leistungen Roms als auch ihren Mangel an militärischen Kompetenzen.</p>



<p>Der Dekurio nickte und schien mit der Antwort zufrieden zu sein. Vulneratus hatte auch dieses Gefecht erfolgreich ausgefochten.</p>



<p>Er hörte schon das Wiehern der vielen Pferde. Die Mehrzahl seiner wenigen brauchbaren Soldaten war stolz auf ihren Status als <em>catafractarii</em>, die als schwer gepanzerte Kavallerie die Elite des römischen Heeres im Westen darstellten. Auch die Bajuwaren hatten eine Vorliebe für die Pferdezucht. Daraus hatte sich zumindest zwischen zwei Gruppen ein Gesprächsthema jenseits der diplomatischen Etikette ergeben. Zumindest in einer seltsam ungelenkten Mischsprache aus Bajuwarisch, dem einfachen Latein der Legionäre sowie verschiedenen Gesten.</p>



<p>Aber bisher gab es diese Verbindung nur bei den Pferdenarren. Vulneratus setzte daher wieder die Maske des Präfekten der III. italischen Legion auf, als sie das Lager durchschritten.</p>



<p>Erst recht, als er dem Gesandten begegnete. Dieses Mal schaffte er es sogar beim Grüßen, dessen entstellende Narbe auf der rechten Kopfseite zu ignorieren. Der Gruppe um die bajuwarische Magistra wich er von vorneherein routiniert aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="edle">4. Die barbarische Edle</h2>



<p>Pilitrud von den Anniona sah nicht zum ersten Mal auf die Stadt herab. Doch zum ersten Mal fiel ihr auf, wie klein sie war. Ratisbona. Oder wie es ihre römischen Begleiter stoisch nannten: Castra Regina. In jedem Fall die <em>metropolis</em>, der Hauptsitz des Herzogs der Bajuwaren. Sie erkannte von diesem Berg aus sogar die Einteilung der Stadt, die ihr in einem anderen Leben verborgen geblieben war. In der Mitte noch gut sichtbar das Quadrat des ehemaligen römischen Lagers. Darum breitete sich immer mehr eine neue Siedlung aus, die schon zu einer eigenen Vorstadt herangewachsen war.</p>



<p>Hatten die Jahre im alten Rom also doch etwas gebracht.</p>



<p>Sie atmete tief ein, um sich für das, was heute noch kommen konnte, zu wappnen.</p>



<p>Als Mitglied der Anniona gehörte sie zum höchsten Stand der Bajuwaren. Ihr Clan gehörte wie vier andere zu den weitverzweigten Geschlechtern, die bereits vor den Herzögen der Agilolfinger im Land der Bajuwaren gelebt und geherrscht hatten. Und sich über die Jahrhunderte hinweg immer wieder Fehden geliefert hatten. Nicht umsonst wurden die Anniona sogar in der <em>Lex Baiuvariorum</em>, dem Gesetzbuch der Bajuwaren, als eines der vornehmsten Geschlechter des Landes genannt. Sie hatte eine Handschrift davon in ihrem unfreiwilligen Exil immer wieder gelesen, um die Bedeutung ihrer Herkunft nicht zu vergessen.</p>



<p>Pilitrud von den Anniona zeigte diesen Anspruch seit ihrem Aufbruch in Rom jeden Tag durch ihre golddurchwirkte und teuer gefärbte Kleidung deutlich nach außen. Sie versuchte, entspannt zu wirken, während sie auf ihrem ausgeklappten Stuhl saß und eine Magd ihren bis zum Bauch reichenden Zopf kämmte. Selbst wenn die Bajuwaren sie nicht offiziell willkommen heißen würden. Selbst wenn weder Römer noch die meisten Bajuwaren noch etwas mit dem Namen der Annonia anfangen konnten, zeigte sie, dass ihr Geschlecht nicht vergessen werden konnte. Nicht, solange sie lebte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="629" height="944" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Pilitrud-3.png?resize=629%2C944&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Zeichnung einer jungen Frau mit langem Zopf. Gekleidet mit einem langen geschlossenen Kleid, einem Mantel, einem Schwert am Gürtel und einem Mantelumhang." class="wp-image-7197" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Pilitrud-3.png?w=1024&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Pilitrud-3.png?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Pilitrud-3.png?resize=683%2C1024&amp;ssl=1 683w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Pilitrud-3.png?resize=768%2C1152&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Pilitrud-3.png?resize=900%2C1350&amp;ssl=1 900w" sizes="auto, (max-width: 629px) 100vw, 629px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eigenes Bild, erstellt mithilfe von ChatGPT</figcaption></figure>
</div>


<p>Sie streckte sich auf ihrem Stuhl und warf einen kurzen Blick auf den Rest der Gesandtschaft.</p>



<p>Die Soldaten begannen, ihre Schilde und Rüstungen anzulegen. Bisher hatten sie die Rüstungen nur teilweise und die Schilde auf dem Rücken getragen. Beides sah aber nicht so aus, wie sich viele eine Legion Roms vorstellen würden. Also nutzen die Männer die Pause, wie die Gesandtschaft, um sich für die in ihren Augen barbarischen Verbündeten herauszuputzen.</p>



<p>Sie würden von diesem Berg aus in die Stadt ihres Verbündeten einmarschieren, wie ein triumphierendes Heer. Eine Demonstration, die Pilitrud von den Anniona als durchaus zweischneidig empfand. Ebenso wie die Benennung der Krieger nach der Legion, die einst Ratisbona besetzt hatte. Doch sie verzichtete darauf, beides gegenüber irgendjemandem in der Gesandtschaft kundzutun. Nicht einmal er würde dafür Verständnis haben.</p>



<p>Während die Magd begann, ihr Armreife, einen Stirnreif und die Halsketten mit den Kreuzen aus Blattgold anzulegen, wandte sich Pilitrud von den Anniona einem Anblick zu, den sie bisher stoisch ignoriert hatte. Ob die Bajuwaren die wenig diplomatischen Manöver der Römer vorhergesehen hatten, wusste sie nicht. Sie glaubte allerdings nicht an einen Zufall, dass den Römern ihr letzter Lagerplatz in Sichtweite eines Galgens auf dem Berg vor Ratisbona zugewiesen worden war. Sie musterte aus der Entfernung die dort liegenden, offen verwesenden Leichen. Der Lagerplatz war weit genug weg, dass ihr zumindest der Verwesungsgeruch erspart blieb.</p>



<p>Sie seufzte kurz. Sie hatte in ihrem Leben bereits genug Leichen gesehen und gerochen.</p>



<p>Das Gesetz der Bajuwaren wandte sehr selten die Todesstrafe an. In diesen dünn besiedelten Landen war jede Arbeitskraft zu wertvoll, um sie nutzlos herumbaumeln zu lassen. Eine Tatsache, die Pilitrud wusste. Doch da bis auf eine Ausnahme niemand sie bei den Römern danach gefragt hatte, behielt sie auch dieses Wissen für sich. Die Botschaft der Bajuwaren sollte aus ihrer Sicht bei den Römern ruhig ankommen. Für die Römer, für die selbst Pilitrud von den Anniona nichts anderes war, als eine der ungewaschenen Barbaren, die eine Schwächephase des Imperiums genutzt hatten.</p>



<p>Sie löste ihre Blicke vom Galgen und bemerkte ihrerseits die Blicke, welche ihr die Römer zuwarfen, wenn sie sich unbemerkt von ihr fühlten. Mit kalkulierter Absicht richtete sie sich zu ihrer vollen Größe auf. Auch wenn es der Magd erschwerte, ihr den Umhang umzulegen. Dieser schützte sie nicht nur vor dem nebeligen Wetter, das diese Lande auszeichnete, sondern zeigte durch sein leuchtendes Blau und die bestickten, sich verschlingenden Drachenfiguren, dass neben den Römern noch ein weiterer edler Besuch in Ratisbona stattfinden sollte.</p>



<p>Manche Römer musterten sie trotz ihrer fertigen Gewandung weiter mit unverhohlenen Blicken, die ihr zeigten, dass sie mit Ende 20 immer noch eine attraktive Frau war. Sie nahm es inzwischen ohne Reaktion hin, dass sie für diese Männer nur eine exotische Wunschvorstellung war, keine ernst zu nehmende potenzielle Partnerin. Sie tröstete sich mit dem Gedanken, dass sie den meisten ohne Probleme die Kehle durchgeschnitten hätte, bevor diese auch nur in die Nähe der Nähte ihres Kleides gekommen wären. Dann gab es noch diejenigen, die ihren Blick mieden, als sei sie eine der Dämoninnen, die die Römer selbst noch vor wenigen Jahrhunderten verehrt hatten. Sie nahm diese Haltung als vorteilhafter hin als die der Lüstlinge. Zudem überragte sie die meisten dieser Männer ohnehin um mindestens einen Kopf.</p>



<p>Der Rest der Gesandtschaft ignorierte sie. Das war ihr so über die gesamte Reise hinweg recht gewesen. Nur zwei Männer waren in dieser Gruppe wichtig für sie.</p>



<p>Sie streckte sich erneut und prüfte, ob sie diese beiden Männer wie immer im Blick hatte. Dieses Verhalten war ihr auf der Reise in Fleisch und Blut übergegangen.</p>



<p>Es gab ihn, der gerade die angelegten Rüstungen der Krieger überprüfte. Er mied ihren Kontakt seit Beginn der Abreise aus Rom konsequent. Ihr war bewusst, dass er das nicht wegen ihrer Person tat. Sondern aus irgendeiner altertümlichen Vorstellung von Tugend, die sie an ihm schätzte. Auch wenn es sie dennoch schmerzte. Manchmal so sehr, dass sie ihm direkt gesagt hätte, warum sie, er und manch anderer wirklich Teil dieser Gesandtschaft waren.</p>



<p>Was sie in keinster Weise schmerzte, war der Abstand zum Gesandten, der gerade einen prächtigen Mantel anlegte. Dieser hatte zwar immer wieder das Gespräch mit ihr gesucht und sie über ihr Volk ausgefragt. Ihr war jedoch schnell klar geworden, dass sein Interesse nur geheuchelt war. Eigentlich wollte er so wenig wie möglich mit ihr oder den Bajuwaren zu tun haben. Eine Einstellung, die ihr mehr als vertraut war, seit ihrem Aufbruch in das alte Rom.</p>



<p>Doch ihr war das egal. Sie hatte andere Ziele als die römische Gesandtschaft. Oder die Bajuwaren, die sich inzwischen vor der Stadtmauer versammelten, um ihre Verbündeten willkommen zu heißen.</p>



<p>Ihr Gesicht verhärtete sich, wie immer, wenn sie daran dachte.</p>



<p>Sie erinnerte sich noch genau an jenen Tag kurz vor ihrem Aufbruch. Auch, wenn es Jahre her war. Als ihre Sippe am ersten warmen Tag des Frühjahrs die Leichen ihrer Brüder herausgeholt hatte, um sie endlich im aufgetauten Boden zu beerdigen. Sie waren gemeinsam gestorben und wurden gemeinsam in die Ewigkeit übergeben, wie es bei solchen Anlässen Tradition war. Unbewusst griff sie nach dem Elbenpfeil aus Bronze, den sie unter ihrem Umhang und zwischen den schmückenden Halsketten versteckt hatte. Solche Amulette sollten vor Krankheit und Bösem schützen. Doch sie hatten ihren Brüdern in der Fehde nichts genutzt, die fast ihre Sippe ausgelöscht hatte.</p>



<p>Sie war gerade erst in das heiratsfähige Alter gekommen. Daher schickte ihr Vater sie mit 12 Jahren nach Italien. Um einen Mann zu heiraten, der schon auf dem Sterbebett lag, als sie gerade die Alpen überquerte. Um ein Bündnis zu stärken, dem weder die Herzöge der Bajuwaren noch die Kaiser der Römer genug vertrauten, um es selbst mit Heiraten ihrer Sippen zu besiegeln. Aber auch, um dem möglichen Untergang ihrer Sippe zu entgehen.</p>



<p>Ihr Mann war tot.</p>



<p>Das Bündnis zwischen Bajuwaren und Römern war nach wie vor zerbrechlich.</p>



<p>Was aus ihrer Sippe geworden war, wusste sie bisher nicht.</p>



<p>Doch die Jahre in Italien hatten sich dennoch gelohnt.</p>



<p>Als Mitglied der Oberschicht der Bajuwaren war sie zwar für die Verhältnisse ihres Stammes gebildet, konnte auf die Beizjagd gehen, Brettspiele spielen und die Heldensagen der Vergangenheit auf der Leier spielen. Doch ungebunden und mit einem Geschlechternamen versehen, der bei vielen Römern die Illusion von zivilisierten Vorfahren weckte, hatte sie sich das wiedererstandene Imperium genauer ansehen können als manch anderer Bajuware. Sie hatte viel gelernt. Und sie war entschlossen, dieses Wissen zu nutzen.</p>



<p>Ganz bewusst fasste sie sich an die Spatha, die an ihrem Gürtel hing. Das zweischneidige Langschwert war eines der besten Schmiedestücke, das ihr Volk hervorbringen konnte. Es hatte sie nach Italien begleitet und ebenfalls nun bei ihrer Rückkehr.</p>



<p>Sie lächelte dabei kurz, was einen vorbeigehenden römischen Handwerker zurückschrecken ließ. Der Mann verließ mit schreckgeweiteten Augen den Umkreis um sie.</p>



<p>Zu Recht.</p>



<p>Denn bei den Blutfehden der Bajuwaren waren die Frauen nicht nur Opfer.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="ratgeber">5.&nbsp;Der fremde Ratgeber</h2>



<p>Manuel Palaiologos verzog keine Miene, auch wenn er zum wiederholten Male in diesem Heerlager in etwas getreten war, was er besser nicht wissen wollte. Ihm war bewusst, dass er sich auf einem Schlachtfeld bewegte, auf dem der Untergrund sein geringstes Problem war. Trotzdem zog er seinen dicken Reisemantel noch enger an sich, bevor er das kleine Lager seiner Delegation verließ. Nur die goldene Fibel an seiner Schulter zeigte noch, dass ihr Besitzer wohl der reichste Mensch in diesem Lager war. Ebenso der Schmuckring an seinem linken Ringfinger. Mehr wollte er von seinem Reichtum allerdings auch nicht zeigen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="629" height="629" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?resize=629%2C629&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-7195" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?w=1024&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?resize=768%2C768&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?resize=900%2C900&amp;ssl=1 900w" sizes="auto, (max-width: 629px) 100vw, 629px" /></figure>



<p>Im Gegensatz zu ihm blieb sein Leibwächter unbeeindruckt vom kalten und nassen Klima dieser dunklen Wälder. Die Chasaren stammten von der Pontischen Steppe an den nördlichen Füßen des Kaukasus. Sie waren schlimmeres Wetter gewohnt. Palaiologos hatte sie auf seinen zahlreichen Feldzügen in Kleinasien auch deshalb immer mehr als Leibwache zu schätzen gewusst.</p>



<p>Nur kurz dachte er an die vertraute Silhouette von Konstantinopel, das er vor Monaten verlassen hatte, um in das barbarische Frankenreich zu kommen. Bisher hatte er auch diesen Feldzug trotz der ungewohnten Umstände überlebt. Er hatte die winterlichen Stürme des Mittelmeeres überstanden und war – der Muttergottes sei Dank – von der Gefahr der arabischen Piraten verschont geblieben. Und auch die westlichen Römer hatten bei den Aufenthalten in ihren Häfen seine Anwesenheit nicht bemerkt.</p>



<p>Zu seiner Enttäuschung hatte ihn das Barbaricum nicht überrascht. Hatte er bei seiner Ankunft im Hafen von <em>Narbona</em> noch gehofft, auf Spuren der römischen Zivilisation zu treffen, hatte ihn der Anblick der zahlreichen Ruinen eines Besseren belehrt. Im gesamten Frankenreich hatte es nicht besser ausgesehen, auch wenn sein geübtes Auge die – natürlich unzulänglichen – Bemühungen des Frankenkönigs um eine Erneuerung der Zivilisation bemerkt hatte.</p>



<p>Bevor er das Lager seiner Verbündeten betrat, betrachtete Palaiologos sein Gesicht in einer Pfütze. Kritisch prüfte er nochmals sein Aussehen. Trotz der Strapazen der Reise wirkte er nicht müde. Das war gut. Sein schwarzer Bart war akkurat geschnitten, ebenso seine Haare, die trotz mehr als 40 Jahren kaum weiß zeigten. Sein Schwert, gefertigt in den besten Werkstätten Konstantinopels, saß fest und griffbereit an seiner linken Seite. Noch wichtiger war sein Kettenhemd, das so geschickt gearbeitet war, dass sein Reisemantel es vollständig verbarg. Damit konnte er Freunden und Feinden gegenübertreten.</p>



<p>Nur kurz wanderte sein Blick zu seinem eigenen Zelt. Ein letztes Mal prüfte er kritisch die Aufstellung der Wachen. Bereits ein paar Mal hatten unvorsichtige fränkische Krieger versucht, sich in aller ihrer Heimlichkeit an den Reichtümern ihres Verbündeten zu bedienen. Jedes Mal hatte Palaiologos ihre Leichen in aller Heimlichkeit verschwinden lassen. Inzwischen hatte sich im fränkischen Lager herumgesprochen, dass die Truhen der oströmischen Delegation wirklich fest verschlossen waren.</p>



<p>Dann fiel ihm auf, dass er nur das Unvermeidbare verzögerte. Er gab seinem Leibwächter, einem Chasaren namens Baghatur, den Befehl zum Losmarschieren. In gewissem Sinne galt der Befehl mehr ihm selbst.</p>



<p>Als Geschenk ihrer kaiserlichen Majestät aus Konstantinopel hatte er in seinem Zelt eine kostbare Ikone der heiligen Jungfrau Maria für den Frankenkönig mitgebracht. Ihr Weihgedicht galt der Hoffnung für die Hoffnungslosen. Das schien ihm im Moment sehr passend. Denn hier, mitten in der germanischen Wildnis, war sowohl von Zivilisation als auch von Hoffnung fast nichts mehr übrig. Palaiologos fühlte sich einen Moment unbemerkt genug für einen tiefen Seufzer.</p>



<p>Sein Geschlecht gehörte zwar nicht zu den bedeutendsten der Rhomäer. Aber es hatte sich in den vergangenen Jahrzehnten genügend Ehren verdient, um seinen Angehörigen ein Mindestmaß an Annehmlichkeiten und Kultur als Selbstverständlichkeit zu gewährleisten. Und nun stand er im wichtigsten Auftrag seines Lebens ohne beides da.</p>



<p>Er wusste nicht, wo er war. Diese Gebiete an der Grenze zwischen den fränkischen, bajuwarischen und slawischen Barbarenvölkern waren zwar schon länger nicht mehr unbesiedelt. Um das Lager herum sah er aber seit Tagen nur eine kleine Ebene, die größtenteils von Wäldern bedeckt war.</p>



<p>Er marschierte mitten durch das Heerlager der Franken, das aus seinen Zelten mehr stank als alle oströmischen Heere, die Palaiologos in seinen fast 30 Jahren Dienst begleitet hatte. Zu seinem Glück durchzogen mehrere Bachläufe die Ebene, um den Unrat des Heeres abzutransportieren und den Gestank der Barbaren in Grenzen zu halten. Und er war mitten unter diesen Barbaren, die er auf allerhöchsten Befehl der Kaiserwitwe Irene beraten sollte. Sofern das bei diesen stumpfsinnigen Völkerschaften überhaupt möglich war.</p>



<p>Er gönnte sich noch einen zweiten tiefen Seufzer. Damit war seine trübselige Stimmung vorerst so weit zurückgedrängt, dass er endgültig die Maske des oströmischen Diplomaten aufsetzen konnte.</p>



<p>Gefolgt von Baghatur, der diese Pausen wie immer stumm abgewartet hatte, durchschritt er weiter das Lager.</p>



<p>Der Militär in ihm versuchte, die Kampfkraft des kleinen fränkischen Heeres abzuschätzen, was ihm aber kaum gelang. Zu vielfältig waren die einzelnen Kontingente, die er auf seinem Weg antraf, und bei deren Sprachen er nur selten ein vertrautes Wort aus der lateinischen Sprache hörte. Zu schnell passierte er die chaotischen Lagerstätten der Krieger, deren misstrauische Blicke er wie bei jeder seiner bisherigen Wanderungen genau registrierte. Bewusst vermied er direkten Blickkontakt oder ein allzu langes Beobachten einzelner Gruppen. Sein in einem langen Leben geschulter Sinn für Gefahr schlug zwar nicht an. Aber barbarische Krieger waren noch leichter reizbar als die Soldaten und Generäle Konstantinopels.</p>



<p>Endlich trat er vor das bisher größte Zelt des Lagers und marschierte, ohne den Wachen die Gelegenheit zur Ankündigung zu geben, hinein. Sofort verstummten die Gespräche an einem größeren Holztisch. Wettergegerbte und kampferfahrene Gesichter musterten ihn erneut misstrauisch. Sie gehörten zu zehn Barbaren, die allesamt in leichten Rüstungen gekleidet waren. Und die bei seinem Eintreten alle instinktiv ihre Hände mehr oder weniger subtil an ihre Schwerter gelegt hatten.</p>



<p>Damit hatte Palaiologos schon einmal einen ersten, ehrlichen Eindruck gewonnen. Das waren also seine zeitweiligen Verbündeten. Und seine immerwährenden Gegner.</p>



<p>Er wartete bewusst einen Moment ab, bevor er sich knapp verneigte. Ebenso bewusst gab er dabei den Blick auf sein Kettenhemd unter dem Mantel und sein Kurzschwert frei. Dem gleichen Ziel diente Baghatur als Leibwächter, da er der größte aus seinem Gefolge war.</p>



<p>Kurz bevor die so entstandene Stille ungehörig wirkte, ergriff er das Wort. Er war froh, dass in diesem vielfältigen Heer wie im gesamten Reich König Karls Latein die Sprache der Elite war.</p>



<p>„Mein Name ist Manuel Palaiologos. Ich komme in Freundschaft und diene mit Freuden den Kriegern des Königs Karl.“ Kurz bemerkte er einige abschätzige Blicke und überlegte, ob seine Vorstellung doch zu unterwürfig ausgefallen war.</p>



<p>„Ihr seid uns willkommen.“ Einer der Krieger ergriff das Wort. „Mein Name ist Bischof Liutrid von Wirzaburga.“</p>



<p>Palaiologos stutzte kurz, bevor er sich ins Gedächtnis rief, dass in diesen barbarischen Landen selbst die Diener Gottes zuallererst noch Krieger waren. Anscheinend war dieser jedoch so etwas wie der Wortführer unter den Anführern dieses Heeres. Der Rest stellte sich nur kurz vor und bedachte ihn danach weiter mit misstrauischem Schweigen.</p>



<p>Palaiologos musste nun sehr vorsichtig sein. Er richtete sich bewusst zu voller Größe auf, bevor er weitersprach. Er vertrat die einzige kaiserliche Majestät in diesem Lager und Zelt. Das sollten die Barbaren durchaus verstehen.</p>



<p>„Kaiserin Irene sendet durch mich ihre Grüße an ihre Verbündeten und bietet jede Hilfe, die zum Gelingen unseres gemeinsamen Kampfes beiträgt.“</p>



<p>Er wartete nur kurz. Dies waren nicht nur barbarische Krieger, leicht reizbar und keinem Kampf abgeneigt. Sondern auch Männer, die auf ihren Stand und ihre Ehre bedacht waren. Eine Mischung, die schnell dazu führen konnte, dass der oströmische Verbündete auf diesem Feldzug einen tragischen Tod erlitt. Schnell fuhr er fort: „Ein gemeinsamer Kampf, der unser beider Reiche mit dem Segen des Herrn Christus Ruhm und Ehre bringen wird.“</p>



<p>An einem kurzen Aufblitzen im Blick einiger Barbaren erkannte er, dass er einen Punkt getroffen hatte. Wenn dieser Feldzug siegreich war, errangen sie Ruhm und Ehre. Was in deren Welt auch Reichtum und Land der Besiegten bedeutete.</p>



<p>Bischof Liutrid von Wirzaburga ergriff wieder das Wort. Palaiologos ließ es geschehen. Er hatte gesagt, was er sagen wollte. „Das Heer ist nun vollzählig auf dem Märzfeld versammelt.“ Palaiologos schwieg darüber, was er von diesem Heer hielt. Er wusste, dass die Franken inzwischen ihre Heere traditionell auf einem Maifeld sammelten, damit ihre Reiter im späten Frühjahr genügend Futter für die zahlreichen Pferde fanden. Doch bevor die Frankenkönige die Vorzüge von bewaffneten Reitern erkannt hatten, hatten sie ihre Krieger jedes Jahr zu Fuß bereits im März in einem Feldlager versammelt. Eine Tradition, die ihr König Karl dieses Jahr wieder hatte aufleben lassen. Zumindest zu einem kleinen Teil.</p>



<p>Der Bischof fuhr fort. „König Karl sammelt das restliche Heer auf dem Maifeld bei Fulda. Im Schutze der Berge werden unsere Gegner nicht allzu viel darüber erfahren. Wir werden ab morgen mit den Vorbereitungen beginnen, über die Fossa Carolina weiterzumarschieren.“</p>



<p>Palaiologos war ehrlich überrascht über den letzten Begriff. Er erkannte das Abwartende im Blick des Bischofs und entschloss sich, seine ursprünglich geplante Zurückhaltung wieder aufzugeben.</p>



<p>„Die Fossa Carolina?“</p>



<p>Er hatte genau die richtige Frage gestellt. Denn sofort bemerkte er, wie sich die Mienen der Barbaren zum ersten Mal voller Stolz aufhellten. Liutrid setzte erst nach einer kurzen Kunstpause zu einer Erwiderung an: „In seiner Weisheit gefiel es dem König, hier an der kürzesten Stelle zwischen den Flüssen Radentia und Alcmana einen Kanal nach Art der Römer zu bauen. Auf das Ruhm und Reichtum des Reiches gemehrt ist.“</p>



<p>„Fürwahr eine sehr weise Entscheidung.“ Dieses Mal musste Palaiologos nicht einmal viel lügen. Ein Kanal erlaubte es nicht nur Händlern, schneller und sicherer zu reisen. Sondern auch, ein Heer schneller und sicherer zu transportieren und zu versorgen.</p>



<p>Er kombinierte aus dem Gedächtnis, aus dem Hörensagen, das er im Lager bisher erfahren hatte, und einer sehr groben Karte auf dem Tisch die wahrscheinliche Strategie. Und musste gezwungenermaßen anerkennend nicken. Dieser König Karl hatte sich nicht ohne Grund so lange auf seinem von Blut getränkten Thron halten können. Wenn dessen Plan aufging, war das Bündnis zwischen Franken und Oströmern schneller erfolgreich, als Palaiologos gedacht hatte.</p>



<p>Das konnte er nicht zulassen.</p>



<p>Er trat näher an den Tisch und zeigte auf die Karte.</p>



<p>„Die Weisheit des Königs ist wirklich unerreicht. Doch wenn ihr es erlaubt, möchte ich die Weisheit des alten Roms einbringen.“</p>



<p>Eine Weisheit, die Palaiologos beabsichtigte, auch nur für das alte Rom einzubringen.</p>



<p></p>
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		<title>25 Punkte, an denen die Geschichte des Römischen Reiches anders verlaufen wäre</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Jun 2020 16:11:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Historische Hintergründe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Römische Reich wies von seiner mythischen Gründung 753 vor Christus bis in die Spätantike eine vielfältige Geschichte auf: Königszeit, Republik und Kaiserreich (Prinzipat, Dominat) füllten mehr als 1.000 Jahre aus. In dieser Zeit prägte das Imperium Asien und Afrika, vor allem aber Europa als einheitliches (christliches) Abendland, auch noch lange nach seinem Untergang. Entsprechend [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Das Römische Reich wies von seiner mythischen Gründung 753 vor Christus bis in die Spätantike eine vielfältige Geschichte auf: Königszeit, Republik und Kaiserreich (Prinzipat, Dominat) füllten mehr als 1.000 Jahre aus. </p>



<p>In dieser Zeit prägte das Imperium Asien und Afrika, vor allem aber Europa als einheitliches (christliches) Abendland, auch noch lange nach seinem Untergang. Entsprechend vielfältig und einflussreich sind die möglichen alternativen Geschichten, auch jenseits von &#8222;was wäre, wenn das römische Reich nicht untergegangen wäre&#8220;.</p>



<span id="more-545"></span>



<h2 class="wp-block-heading">Ankerpunkte</h2>



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<li><a href="#reichskrise">192: Die prägende Reichskrise des 3. Jahrhunderts</a></li>



<li><a href="#tetrarchie">284: Die revolutionäre Tetrarchie</a></li>



<li><a href="#christentum">313: Das neue Christentum</a></li>



<li><a href="#julian">363: Der Tod des heidnischen Kaisers Julian</a></li>



<li><a href="#adrianopel">378: Die vernichtende Niederlage von Adrianopel</a></li>



<li><a href="#reichsteilung">395: Die letzte Reichsteilung</a></li>



<li><a href="#rhein">406: Der vereiste Rhein</a></li>



<li><a href="#valentinian">455: Die rachsüchtige Ermordung von Kaiser Valentinian III.</a></li>



<li><a href="#letztenkaiser">476 bis 480: Die letzten Kaiser</a><br><br><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ol>



<h3 class="wp-block-heading" id="roemischerepublik">1. 500 vor Christus: Die Gründung der einzigartigen römischen Republik</h3>



<p>Rom war um diese Zeit zwar ein wachsender und verkehrstechnisch günstig gelegener Stadtstaat unter der Herrschaft von etruskischen Königen. Doch erst mit der Revolte gegen den Monarchen bildeten mächtige Adelsfamilien die neue Herrschaftsform der <em>res publica</em> (lateinisch für: Öffentliche Sache). </p>



<p>Nach längeren Kämpfen mit den Plebejern als Vertreter der Masse des Volkes entstand so im darauf folgenden Jahrhundert mit der römischen Republik ein einzigartiges, komplexes Staatssystem. Diese stark auf Leistung setzende Organisation beeinflusste den weiteren Aufstieg der Regionalmacht auf der italienischen Halbinsel. </p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Rom entwickelt, wenn es zu keiner Revolte gegen den etruskischen König gekommen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="kyme">2. 474 vor Christus: Die zerstörerische Seeschlacht von Kyme</h3>



<p>Im 5. Jahrhundert vor Christus expandierten zwei Großmächte im mittleren Italien: einerseits der etruskische Zwölfstädtebund mit seinem Zentrum in der heutigen Toskana. Andererseits die griechischen Kolonien, die sich an den Küsten von Sizilien und Kalabrien konzentrieren. </p>



<p>Beide Machtsphären prallten vor allem in Kampanien beim heutigen Neapel aufeinander. Dort kam es auch zu einer entscheidenden Seeschlacht. Griechische Schiffe aus Kyme bei Neapel und Syrakus auf Sizilien schlugen die etruskische Flotte vernichtend.</p>



<p>Damit war die Expansion der Etrusker gestoppt und der Zwölfstädtebund kam in die Defensive. Eine Lücke, in die Jahrzehnte später Rom stieß.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Rom gegenüber einem siegreichen Zwölfstädtebund verhalten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="veji">3. 396 vor Christus: Die dauerhafte Eroberung von Veji</h3>



<p>Lange konkurrierte der aufstrebende Stadtstaat mit dem benachbarten, etruskischen Veji um die Vorherrschaft in der Region. Ein Jahrhundert von zermürbenden Kriegen entschied sich erst in der erfolgreichen Belagerung von Veji und der anschließenden Zerstörung der Stadt. </p>



<p>Damit verdoppelte Rom nicht nur auf einen Schlag sein Staatsgebiet, sondern öffnete auch das Tor für die weitere Expansion über seine Kernregion hinaus. </p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Rom Veji nicht entscheidend geschlagen hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="kelten">4. 387 vor Christus: Der traumatische Einfall der Kelten</h3>



<p>Das Römische Reich erlebte wegen einfallender Kelten eine erste Krise. Das Heer erlitt gegen die Angreifer eine vernichtende Niederlage und die Kelten nahmen die Stadt bis auf den Kapitolinischen Hügel ein. Erst nach längerer Belagerung und der Auszahlung eines hohen Lösegelds zogen sie ab. </p>



<p>Dieses Trauma wirkte bei den Römern lange nach und führte zu weitreichenden militärischen sowie politischen Reformen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Kelten Rom tatsächlich erobert hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="sentium">5. 295 vor Christus: Die wechselhafte Schlacht von Sentium</h3>



<p>In dieser Schlacht zwischen den Römern und ihren Verbündeten gegen eine Koalition aus den Stämmen der Samniten, aus Etruskern, Umbrern und Kelten entschied sich das Schicksal des antiken Italiens. </p>



<p>Als die römischen Legionen nach wechselndem Schlachtglück den Sieg davon trugen, mussten die restlichen Mächte auf der italienischen Halbinsel die Vormacht von Rom anerkennen.</p>



<p>Dies zeigt auch die folgende Karte des westlichen Mittelmeerraums nach der Schlacht von Sentium und am Vorabend der Punischen Kriege.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="452" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Maximilian-D%C3%B6rrbecker-Rom-Karthago.png?resize=600%2C452&#038;ssl=1" alt="Das westliche Mittelmeer im Jahr 279 vor Christus, aufgeteilt zwischen Rom und Karthago." class="wp-image-642" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Maximilian-D%C3%B6rrbecker-Rom-Karthago.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Maximilian-D%C3%B6rrbecker-Rom-Karthago.png?resize=300%2C226&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption"><br>(Wikimedia Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:West_Mediterranean_Areas_279_BC-de.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Maximilian Dörrbecker/CC BY-SA 2.0</a>)</figcaption></figure>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich das antike Italien entwickelt, wenn die Schlacht von Sentium anders ausgegangen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="ersterpunischerkrieg">6. 264 vor Christus: Der überraschende Erste Punische Krieg</h3>



<p>Erstmals trafen in einem Konflikt die Großmächte des westlichen Mittelmeerraums aufeinander. Das Römische Reich kontrollierte fast die komplette italienische Halbinsel. Die Seemacht Karthago beherrschte neben der afrikanischen Küste im heutigen Tunesien noch die Inseln Sizilien, Sardinien und Korsika sowie Teile Spaniens. </p>



<p>Zuvor jahrhundertelang eher Verbündete kam es nun zum Machtkampf um das reiche und strategisch günstig gelegene Sizilien. </p>



<p>Obwohl die Seemacht Karthago zuerst im Vorteil erschien, gelang es den Römern, sich schnell an die bisher ungewohnten Gefechte im Mittelmeer anzupassen. </p>



<p>Nach mehreren Niederlagen musste Karthago um Frieden bitten. Sizilien wurde nach dem Sieg Roms die erste Provinz des entstehenden Imperiums, das begann über sein italienisches Stammland auszugreifen und das Mittelmeer als neues Ziel der Expansion auszuwählen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätten sich Rom und Karthago entwickelt, wenn das Römische Reich den Ersten Punischen Krieg verloren hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="zweiterpunischerkrieg">7. 218 vor Christus: Der entscheidende Zweite Punische Krieg</h3>



<p>Im Zweiten Punischen Krieg stand die römische Republik mehr als einmal am Rande einer Niederlage, was auch <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">für Szenarien in der Alternative History</a> sorgte.</p>



<p>Dem genialen Feldherrn Hannibal gelang es nicht nur, mit seinem Heer und mehreren Elefanten über die Alpen zu ziehen. Er konnte auch mehrfach gegen ihn entsandte römische Heere schlagen. </p>



<p>Höhepunkt war die Schlacht von Cannae, bei der fast die komplette Streitmacht Roms in Italien vernichtet wurde. Diese Schlacht gilt bei Militärs daher bis heute als Musterbeispiel einer Umfassungsschlacht.</p>



<p>Doch das Römische Reich lehnte eine Kapitulation ab, obwohl mehrere Verbündete abfielen. Stattdessen kämpften die Römer erfolgreich gegen die Karthager in deren Nachschubbasen im antiken Hispanien. </p>



<p>Als das römische Heer unter Scipio Africanus sogar in Afrika landete, musste sich Hannibal dorthin zurückziehen. Er verlor aber die Entscheidungsschlacht von Zama. </p>



<p>Am Ende gelang es Rom, Karthago nicht nur zu besiegen, sondern auch als Konkurrenten komplett auszuschalten. </p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre aus dem Römischen Reich geworden, wenn Hannibal es zu einer Kapitulation gezwungen hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="dritterpunischerkrieg">8. 149 vor Christus: Der letzte Dritte Punische Krieg</h3>



<p>Obwohl Karthago nach dem letzten Krieg und den harten Friedensbedingungen kein Rivale für das Römische Reich war, waren die Römer dennoch misstrauisch gegenüber jeder Entwicklung des ehemaligen Konkurrenten. </p>



<p>Als sich der nun mehr als Stadtstaat existierende Gegner wieder erholte, fürchten viele Senatoren eine Wiederholung der alten Konflikte. Als die Karthager in einen Konflikt mit römischen Verbündeten gerieten, erklärte die römische Republik daher sofort den Krieg.</p>



<p>Neben der endgültigen Zerstörung des alten Erzrivalen war dieser Konflikt noch auf zwei Ebenen ein Neustart von Entwicklungen: </p>



<p>Erstens wurde nach ersten Misserfolgen mit Scipio Aemilianus ein Mann zum Oberbefehlshaber und Konsul gewählt, der weder das entsprechende Alter erreicht, noch die vorgeschriebene Ämterlaufbahn absolviert hatte. Zudem förderte die vernichtende Niederlage der Karthager endgültig den Aufstieg von neureichen Plebejern. </p>



<p>Beide Prozesse schwächten die traditionelle Machtbalance der Republik und brachten diese langsam in eine Krise.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich das Römische Reich entwickelt, wenn Karthago nicht endgültig zerstört worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="gracchus">9. 133 vor Christus: Die folgenreiche Ermordung von Tiberius Gracchus</h3>



<p>Nach der Ausschaltung aller größeren Rivalen beherrschte die römische Republik das Mittelmeer. Doch innenpolitisch steckte der Staat in einer Krise. </p>



<p>Die Eliten des Senats und die Masse des Volkes, vertreten durch die Volkstribune, rangen um die Macht. Als der Volkstribun Tiberius Gracchus eine Landreform einbrachte, zerbrach die jahrhundertelang eingeübte friedliche Konsensfindung. </p>



<p>Denn er missachtete ausdrücklich das negative Votum des Senats. Das alte Machtzentrum des Staats zog sich dagegen größtenteils auf eine Blockadehaltung gegenüber den Reformen zurück. </p>



<p>Es kam so nicht nur zu Brüchen des bisher praktizierten Gewohnheitsrechts der <em>res publica</em>, sondern auch zu Straßenschlachten und Attentaten. </p>



<p>Nachdem Tiberius Gracchus und sein ihm nachfolgender Bruder Gaius ermordet wurden, glitt die Republik immer mehr in ein Jahrhundert der gewalttätigen Machtkämpfe zwischen ehrgeizigen Senatoren und Volkstribunen ab.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie wäre der innenpolitische Konflikt weitergelaufen, wenn Tiberius Gracchus nicht ermordet worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="arausio">10. 105 vor Christus: Die lehrreiche Schlacht von Arausio</h3>



<p>Als die germanischen Kimbern, Teutonen und Ambronen auf der Suche nach Land in Richtung Süden zogen, stellte sich ihnen in der heutigen Provence ein römisches Heer in den Weg und erlitt eine vernichtende Niederlage. </p>



<p>Befürchtungen vor einer Invasion in Italien führten zu größeren Reformen im römischen Militär unter dem Konsul Gaius Marius. Erstmals wurden die reformierten Legionen (siehe Bild) zum Beispiel statt aus Milizen aus Berufssoldaten rekrutiert. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/R%C3%B6mische-Legion.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Römische Legionäre in voller Rüstung und mit Schild." class="wp-image-721" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/R%C3%B6mische-Legion.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/R%C3%B6mische-Legion.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(MinDof/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dies machte sie einerseits deutlich professioneller: 102 vor Christus schlugen die Römer die Teutonen und Ambronen, ein Jahr später die Kimbern vernichtend. </p>



<p>Andererseits wurden dadurch die Soldaten zu einem eigenen Machtfaktor. Statt sich mit der römischen Republik insgesamt zu identifizieren, folgten sie immer mehr ihren jeweiligen Befehlshabern für Sold, Beute und Ruhm.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich das römische Heer entwickelt, wenn es die Schlacht von Aurasio gewonnen hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="caesar">11. 44 vor Christus: Die berühmte Ermordung Cäsars</h3>



<p>Zwar gelang es einigen Senatoren in den Iden des März den Diktator Julius Cäsar zu ermorden. Doch der sich daran anschließende Bürgerkrieg führte nicht zu einer Renaissance der römischen Republik. </p>



<p>Stattdessen förderte er den Aufstieg von Cäsars Adoptivsohn Oktavian. Dieser begründete als Augustus nach seinem Sieg offiziell die Republik wieder. </p>



<p>In Wahrheit baute er den Staat mit dem Prinzipat zu einer monarchischen Ordnung um. Diese lies formal die Institutionen der Republik bestehen, war aber in Wirklichkeit eine Militärdiktatur mit Ausnahmerechten für den Kaiser. </p>



<p>Diese komplexe Ordnung war durchaus labil, hielt sich aber in Abwandlungen bis zum Ende des Römischen Reiches.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Cäsar nicht ermordet worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="pannoniendalmatien">12. 6 nach Christus: Der verlustreiche pannonisch-dalmatische Aufstand</h3>



<p>Kurz nach Christi Geburt war das Römische Reich wieder auf Expansionskurs. Um Gallien abzusichern, drangen die Legionen immer weiter in Germanien vor und errichteten dort bis zur Elbe Stützpunkte für eine Unterwerfung des Landes. </p>



<p>Um die Küstenprovinzen an der Adria vor Einfällen zu schützen, eroberten römische Armeen fast zeitgleich die Regionen von Pannonien (heute in etwa Westungarn und östliches Österreich) und Dalmatien (Teile im Hinterland von Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien). </p>



<p>So erfolgreich waren die Angriffe, dass Kaiser Augustus eine Eroberung des Reiches von Marbod, eines romanisierten Germanenkönigs in der heutigen Tschechischen Republik, ins Auge fasste. </p>



<p>Doch 6 nach Christus brachen parallel zwei gewaltige Aufstände in den beiden eroberten Balkanprovinzen aus. Rom musste gewaltige Ressourcen mobilisieren und stand mehrfach am Rande der Niederlage, bevor der zukünftige Kaiser Tiberius die Rebellionen niederschlagen konnte. Einer seiner Befehlshaber war dabei der Cheruskerfürst Arminius, der bei germanischen Hilfstruppen diente. </p>



<p>Die Niederschlagung des Aufstandes sicherte endgültig eine Landverbindung zwischen dem westlichen und östlichen Teil des Imperiums. Sie kostete aber so viele Ressourcen, dass das römische Heer in anderen Regionen unterbesetzt war: zum Beispiel in Germanien.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie wäre die Expansion des Imperiums weitergelaufen, hätte es den pannonisch-dalmatischen Aufstand nicht gegeben?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="varusschlacht">13. 9 nach Christus: Die wegweisende Varusschlacht</h3>



<p>An einem bisher noch nicht näher bestimmten Ort in Norddeutschland geriet der römische Statthalter Publius Quintilius Varus in einen Hinterhalt von germanischen Aufständischen unter Führung des Cheruskers Arminius. </p>



<p>Die anschließende Vernichtung von drei Legionen zusammen mit ihrem Tross und Hilfstruppen führte zum Zusammenbruch der römischen Herrschaft in Germanien jenseits von Rhein und Donau. </p>



<p>Das Römische Reich hatte dort zwar seit 7 vor Christus die <em>Germania magna</em> unter Kontrolle und diese bereits als Provinz in das Imperium eingegliedert. Nun waren aber zwei Drittel der römischen Rheinarmee vernichtet, das restliche Drittel konnte sich nur schnell zurückziehen. </p>



<p>Arminius schickte den abgeschlagenen Kopf von Varus zu König Marbod, um ein Bündnis zu schließen, das den römischen Einfluss in Germanien endgültig beendet und sogar <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayerisch-schwaben-augsburg/">die Front an Rhein und Donau</a> in Gefahr gebracht hätte. Doch sowohl die Bündnisverhandlungen als auch Versuche von Arminius, ein größeres germanisches Königtum zu begründen, scheiterten.</p>



<p>Notdürftig gelang es wiederum Tiberius, neun neue Legionen auszuheben, um die Grenze zwischen dem aufständischen Germanien und Gallien zu sichern. </p>



<p>Fast fünf Jahre dauerte es, bis Roms Legionen wieder stark genug waren, um einen Gegenschlag zu wagen. Als aber mehrere Feldzüge in den folgenden Jahren den Aufstand nicht niederschlagen konnten, gab Rom schließlich seine Expansionspläne in dieser Region größtenteils auf. </p>



<p>Doch um die Grenze zu sichern, beseitigten römische Spione mithilfe von Intrigen zuerst Marbod, dann Arminius. Es dauerte über hundert Jahre, bis die Germanen wieder zu einer größeren Bedrohung für das Imperium wurden.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre mit dem römischen Germanien passiert, wenn Varus nicht in den Hinterhalt des Arminius geraten wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="augustus">14. 14 nach Christus: Die gelungene Nachfolge von Augustus</h3>



<p>Als der erste Kaiser mit 70 Jahren starb, trat mit Tiberius ein Verwandter problemlos die Nachfolge an. Bis dahin war es allerdings ein weiter Weg. </p>



<p>Augustus (siehe Bild) und seine Frau Livia konnten selbst keine Kinder bekommen und die noch wache republikanische Tradition stand der Gründung einer Familiendynastie zuerst entgegen. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="447" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Augustus.jpg?resize=600%2C447&#038;ssl=1" alt="Statue von Octavian, besser bekannt als Kaiser Augustus." class="wp-image-653" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Augustus.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Augustus.jpg?resize=300%2C224&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Gilmanshin/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Mehrere Nachfolgekandidaten aus der eigenen Familie, die Augustus adoptierte, starben vor ihm. Sein Stiefsohn Tiberius hatte sich nach dem Scheitern der Ehe mit Augustus Tochter Livia und mehreren Konflikten mit dem Kaiser sogar auf die Insel Rhodos zurückgezogen. </p>



<p>Erst kurz vor seinem Tod adoptierte letzterer Tiberius <em>&#8222;um des Staates willen&#8220;</em> und organisierte die Nachfolge für ihn erfolgreich.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich das römische Prinzipat entwickelt, wenn die Nachfolgeregelung des Augustus gescheitert wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="caligula">15. 41 nach Christus: Die folgenlose Ermordung von Caligula</h3>



<p>Als erster Kaiser fiel Caligula einem Attentat der Prätorianergarde, die eigentlich für seinen Schutz verantwortlich war, zum Opfer. Als Nachfolger riefen die Soldaten seinen Onkel Claudius aus, der als einer der wenigen aus der ersten Kaiserdynastie überlebt hatte. </p>



<p>Zwar diskutierte der Senat eine Wiedereinführung der Republik, konnte sich aber nicht einigen und unterwarf sich Claudius.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Senat tatsächlich versucht hätte, die Republik (wieder) auszurufen?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="trajan">16. 117: Der natürliche Tod von Kaiser Trajan</h3>



<p>Als der 63-jährige Kaiser an einer Krankheit starb, war das Römische Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht. </p>



<p>Der erste Adoptivkaiser eroberte nicht nur das Dakerreich im heutigen Rumänien, sondern auch weite Gebiete im heutigen Irak. Als erster und einziger Kaiser drangen seine Truppen sogar bis zum persischen Golf vor. Noch jahrhundertelang später galt seine Herrschaft als Idealbild. </p>



<p>Aber er hatte die Kräfte des Imperiums überdehnt. Als er plötzlich starb, waren in den eroberten Gebieten bereits Revolten ausgebrochen. Seine Nachfolger gaben daher einen Großteil dieser Territorien wieder auf. </p>



<p>Nie wieder dehnte Rom danach sein Reich weiter aus.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich das Römische Reich entwickelt, wenn Trajan nicht 117 gestorben wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="reichskrise">17. 192: Die prägende Reichskrise des 3. Jahrhunderts</h3>



<p>Als Commodus, der Sohn und Nachfolger von Kaiser Marc Aurel, einem Attentat zum Opfer fiel, endete nicht nur ein Goldendes Zeitalter für das Römische Reich. Es begann eine lang anhaltende Krise aus Bürgerkriegen, militärischen Krisen und wirtschaftlichem Niedergang. </p>



<p>Während der sogenannten Soldatenkaiser (235 bis 284) wechselten sich in 50 Jahren 50 Usurpatoren auf dem Thron in Rom ab, ohne dem Reich dauerhaft Stabilität zu bringen. Gleichzeitig erstarkte der persische Erzrivale im Osten unter der neuen Dynastie der Sassaniden, während sich im Norden die Germanen zu größeren Stämmen zusammenschlossen. An beiden Grenzen konnten die römischen Legionen die Bedrohungen nicht aufhalten.</p>



<p>Stattdessen waren die Truppen immer mehr in Staatsstreiche gegen die nur kurz amtierenden Kaiser verwickelt. Zeitweise spalteten sich sogar Teile des Reiches im Osten und Westen ab. </p>



<p>Erst unter Kaiser Diokletian ab 284 stabilisierte sich die Lage wieder dauerhaft.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte das Römische Reich die Reichskrise erlebt, wenn Commodus nicht ermordet worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="tetrarchie">18. 284: Die revolutionäre Tetrarchie</h3>



<p>Diokletian unternahm den bisher größten Reformversuch des Römischen Reiches: Statt eines Kaisers an der Spitze sollten zukünftig vier (siehe Bild) das Imperium regieren. Zwei gleichberechtigte <em>Augusti</em> als Seniorkaiser und zwei <em>Caesari</em> als Juniorkaiser, die gleichzeitig nach 20 Jahren die Nachfolge der <em>Augusti</em> antraten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="459" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Tetrarchie.jpg?resize=600%2C459&#038;ssl=1" alt="Statuen der ersten vier Kaiser der Tetrarchie." class="wp-image-639" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Tetrarchie.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Tetrarchie.jpg?resize=300%2C230&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Ralph Haeussler/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Jeder verantwortete einen bestimmten Bereich des Reiches, jeweils zwei im Westen und Osten. Gesetze ergingen weiterhin im Namen aller vier Kaiser, um die Einheit des Imperiums zu verdeutlichen. </p>



<p>Rom selbst hatte aber bereits in der Reichskrise an Bedeutung abgenommen und verlor nun weiter seine politische sowie strategische Bedeutung. Stattdessen nahmen die Kaiser ihre Residenzen jeweils nahe an den aus ihrer Sicht bedrohten Grenzen. </p>



<p>Auf diese Weise gelang es der Tetrarchie (&#8222;4er-Herrschaft&#8220;) bis 300 das Imperium zu stabilisieren. </p>



<p>Doch die Reformen gingen weiter. Hatten die Kaiser bis dahin die Illusion eines <em>Princeps inter pares</em> (Erster unter Gleichen) aufrechterhalten, verwandelte sich der Kaiser unter Diokletian endgültig in eine sakrale Person, die auch über den Senatoren stand. Auch die Provinzen und das Militär wurden von Grund auf neu organisiert. </p>



<p>Einen Erfolg hatten die neuen Entwicklungen in jedem Fall: Als Diokletian nach 20 Jahren wie vorgeschrieben zurücktrat, gelang erstmals nach Jahrhunderten ein geordneter und friedlicher Wechsel.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Diokletian mit seinen Reformen gescheitert wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="christentum">19. 313: Das neue Christentum</h3>



<p>Die Tetrarchie endete allerdings bereits nach zwei Generationen, als sich Kaiser Konstantin zuerst zum Amt eines Mitkaiser putschte und nach Ausschaltung aller Rivalen zu einem Alleinherrscher wurde. Dadurch etablierte sich erstmals seit fast 100 Jahren wieder eine Dynastie auf dem Kaiserthron.</p>



<p>Bedeutender war eine andere Entscheidung: Er erklärte das Christentum zur anerkannten Religion. </p>



<p>Bis dahin waren die Anhänger von Jesus Christus nur eine Minderheit in der Bevölkerung und insbesondere in den einflussreichen Eliten des Reiches eine Seltenheit. </p>



<p>Doch nach Konstantin waren fast alle Kaiser Christen, die ihre Religion mit Einfluss bedachten. Dieser Glauben entwickelte sich so zur dominierenden Macht, die sogar das Römische Reich überlebte. </p>



<p>Gleichzeitig wurden Glaubenskämpfe unter den unterschiedlichen christlichen Ausprägungen immer mehr zu einem Einflussfaktor für die Politik des Imperiums. </p>



<p>Die christliche Prägung zeigte sich auch bei der neuen Hauptstadt, die Konstantin 330 feierlich einweihen ließ: Konstantinopel. Um diese entstand in den darauf folgenden Jahrhunderten das Oströmische und Byzantinische Reich.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich das Römische Reich entwickelt, wenn die Tetrarchie bestanden hätte und das Christentum nicht anerkannt worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="julian">20. 363: Der Tod des heidnischen Kaisers Julian</h3>



<p>Eine Ausnahme unter den Kaisern der Spätantike bildete Julian, der 360 an die Macht kam. Obwohl christlich erzogen und aus der konstantinischen Dynastie, bemühte er sich, die alten heidnischen Kulte wiederzubeleben und den Einfluss des Christentums zurückzudrängen. Dafür bekam er in der christlich geprägten Überlieferung den Beinahmen <em>Apostata</em>, was Abtrünniger auf Griechisch bedeutet. </p>



<p>Zuerst militärisch erfolgreich gegen einfallende Germanen und Rivalen aus der eigenen Familie, starb der letzte heidnische Kaiser als letztes Mitglied der konstantinischen Dynastie 363 bei einem Feldzug gegen die Perser unter ungeklärten Umständen. Danach gab es keine Versuche einer heidnischen Renaissance mehr.</p>



<p>Zudem musste sein erneut von Soldaten ausgerufener Nachfolger Jovian einen demütigenden Frieden mit den Persern schließen. Nur so konnte er das angeschlagene Heer wieder in das Gebiet des Imperiums retten. Diese Grenzverschiebung gegenüber den Sassaniden konnten die Römer nie wieder ändern.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Kaiser Julian auf dem Feldzug nicht gestorben wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="adrianopel">21. 378: Die vernichtende Niederlage von Adrianopel</h3>



<p>Als die Goten 376 um Einlass in das Römische Reich baten, galt dies als Beginn der Völkerwanderung. Denn die überforderte und teilweise korrupte Verwaltung des Imperiums hielt die Neuankömmlinge nicht unter Kontrolle.</p>



<p> Als diese plündernd durch die Balkanprovinzen zogen, stellte sich ihnen Kaiser Valens entgegen. Er erlitt aber eine vernichtende Niederlage, die das Römische Reich nicht nur einen Kaiser, sondern auch einen großen Teil seiner gut ausgebildeten Berufssoldaten kostete. </p>



<p>382 musste Rom daher mit den Goten einen Vertrag schließen, der diese zu <em>Foederati</em> erklärte. Gegen Land verpflichteten sie sich, für das Römische Reich zu kämpfen. Damit bildeten sie aber den ersten germanischen <em>&#8222;Staat im Staate&#8220;</em> auf römischem Territorium.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Kaiser Valens die Schlacht von Adrianopel gewonnen hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="reichsteilung">22. 395: Die letzte Reichsteilung</h3>



<p>Kaiser Theodosius erklärte nicht nur das Christentum zur Staatsreligion, sondern teilte kurz vor seinem plötzlichen Tod mit 48 Jahren das Reich unter seinen unerfahrenen Söhnen (siehe Karte) auf. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="355" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Novarte-Reichsteilung.png?resize=600%2C355&#038;ssl=1" alt="Das weströmische und oströmische Reich kurz nach der Reichsteilung von 395." class="wp-image-555" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Novarte-Reichsteilung.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Novarte-Reichsteilung.png?resize=300%2C178&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Reichsteilung.svg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Novarte/CC BY-SA 4.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Diese Reichsteilungen waren bis dahin üblich, aber von ihren Grenzen und der Dauer her nie langfristig angelegt. </p>



<p>Dieses Mal war es anders, denn West- und Ostrom waren danach nie wieder unter einem Kaiser vereint.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Kaiser Theodosius nicht so plötzlich gestorben wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="rhein">23. 406: Der vereiste Rhein</h3>



<p>In einem angeblich bitterkalten Winter vereiste der Grenzfluss Rhein so stark, dass mehrere <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/800-de-bello-baiuvaria/">germanische Stämme</a> problemlos in das von der geschwächten römischen Armee verlassene Gallien einfallen konnten. </p>



<p>Zwar gelang es einem Usurpator aus Britannien, die Eindringlinge in Gallien kurzzeitig unter Kontrolle zu bringen. </p>



<p>Langfristig verlor das Weströmische Reich aber immer mehr die Kontrolle über Britannien, Gallien und Hispanien. Als die Vandalen ab 429 noch die nordafrikanischen Provinzen einnahmen, brach für das Weströmische Reich endgültig die Grundlage für Steuereinnahmen und die Rekrutierungsbasis für seine Armeen zusammen. </p>



<p>Damit erhöhte sich die Abhängigkeit von germanischen Söldnertruppen und deren Generälen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Rhein 406 nicht vereist gewesen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="valentinian">24. 455: Die rachsüchtige Ermordung von Kaiser Valentinian III.</h3>



<p>Als Kaiser Valentinian III. 454 seinen mächtigen Heermeister Flavius Aetius ermordete, sollte dies eigentlich ein Befreiungsschlag werden. Hatte der mächtige Feldherr doch nach seinem Sieg auf den Katalaunischen Feldern gegen die Hunnen 451 und dem Tod von deren König Attila 453 eine engere Bindung des Kaiserhauses angestrebt. </p>



<p>Dadurch wollte Aetius endgültig den schon machtlosen Kaiser in den Hintergrund drängen. Eine Herausforderung, die sich Valentinian nach dem Ende der hunnischen Bedrohung nicht mehr bieten lassen wollte.</p>



<p>Aber der Mord erwies sich als fatal: Zwei Gefolgsleute des Heermeisters rächten dessen Tod durch ein erfolgreiches Attentat auf den letzten weströmischen Kaiser der valentinianisch-theodosianischen Dynastie. </p>



<p>Ohne diese dynastische Legitimation waren die nachfolgenden, schnell wechselnden Kaiser kaum noch eigene Machtfaktoren. Stattdessen dominierten die meist germanischen Heermeister als eigentliche Herrscher.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Heermeister Aetius und/oder Kaiser Valentinian III. nicht ermordet worden wären?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="letztenkaiser">25. 476 bis 480: Die letzten Kaiser</h3>



<p>Das endgültige Ende des Weströmischen Reiches ist in der Forschung nach wie vor umstritten: 476 setzte der Heermeister Odoaker den letzten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/zeitmaschine-karls-des-grossen-oliver-henkel/">Marionetten-Kaiser Romulus Augustus</a> ab und schickte die kaiserlichen Insignien nach Konstantinopel. </p>



<p>Zwar lebte zur gleichen Zeit noch der von Ostrom anerkannte Kaiser Julius Nepos. Er war aber bereits 475 vom Heermeister Orestes aus Italien vertrieben worden. Als er 480 ermordet wurde, endete die Linie der weströmischen Kaiser auch endgültig.</p>



<p>Spätere Restaurationsversuche des oströmisch-byzantinischen Reiches scheiterten ebenso.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn das (West-)Römische Reich nicht nach 476 untergegangen wäre?

Mögliches Szenario
<a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/westroemische-reich-entsteht-neu/">550: Das Weströmische Reich entsteht neu</a></pre>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>GEO Epoche: Das Römische Imperium. April 2001.</li>



<li>GEO Epoche: ROM. Die Geschichte der Republik. August 2011.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=R%C3%B6misches+Reich&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1013161438" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>GEO Epoche: ROM. Die Geschichte des Kaiserreichs. April 2012.</li>



<li>DER SPIEGEL Geschichte: Das Ende des Römischen Reiches. Januar 2009.</li>



<li>DER SPIEGEL Geschichte: ROM. Aufstieg und Fall der Republik. Oktober 2015.</li>



<li>ZEIT Geschichte. Augustus. Roms erster Kaiser. Mai 2014.</li>
</ul>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/geschichte-roemisches-reich/">25 Punkte, an denen die Geschichte des Römischen Reiches anders verlaufen wäre</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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		<title>550: Das Weströmische Reich entsteht neu</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 May 2020 15:02:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Restauratio imperii]]></category>
		<category><![CDATA[Spekulative Szenarien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>550 eroberte das Oströmische Reich weitere Teile Westeuropas zurück. Doch was wäre gewesen, wenn auch das Weströmische Reich neu entstanden wäre? Um diese Frage kümmert sich folgendes Szenario. Quellen und Literatur Ankerpunkt Im Rahmen der Restauratio imperii eroberte das Oströmische Reich ab dem Jahr 527 weite Teile des erloschenen Weströmischen Reiches zurück: Italien und Teile [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/westroemische-reich-entsteht-neu/">550: Das Weströmische Reich entsteht neu</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>550 eroberte das Oströmische Reich weitere Teile Westeuropas zurück. Doch was wäre gewesen, wenn auch das Weströmische Reich neu entstanden wäre? Um diese Frage kümmert sich folgendes Szenario.</p>



<span id="more-496"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a></li>



<li><a href="#szenario">Szenario</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#westroemischesreich">Das neue Weströmische Reich</a></li>



<li><a href="#spaetantike">Die instabile Spätantike</a></li>



<li><a href="#feinde">Neue Feinde</a></li>
</ul>
</li>
</ul>



<p><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<p>Im Rahmen der <em>Restauratio imperii </em>eroberte das Oströmische Reich ab dem Jahr 527 weite Teile des <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/geschichte-roemisches-reich/">erloschenen Weströmischen Reiches</a> zurück: Italien und Teile von Nordafrika gehörten damit zeitweise wieder zum Imperium. </p>



<p>Einige spätantike Quellen sprachen sogar davon, dass der oströmische Feldherr Germanus 550 als neuer weströmischer Kaiser vorgesehen war. Er starb aber im selben Jahr kurz vor seiner Abreise nach Italien. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte verlor Konstantinopel auch einen Großteil der Eroberungen wieder. </p>



<h2 class="wp-block-heading" id="szenario">Szenario</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="westroemischesreich">Das neue Weströmische Reich</h3>



<p>Rom feiert. Nach langer Zeit wieder. Ein Kaiser zieht wieder in die Stadt ein, die bereits lange vor dem Sturz des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustulus 476 keinen mehr gesehen hat.</p>



<p>Doch es ist nicht der Kaiser des Ostens, dessen Reihe in Konstantinopel überlebte und die sich nun an die Rückeroberung der verlorenen Gebiete wagt, sondern ein neuer Kaiser des Westens.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="330" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Forum-Romanum.jpg?resize=600%2C330&#038;ssl=1" alt="Überblick über das Forum Romanorum, dass seit der Antike nur noch als Ruinen erhalten ist." class="wp-image-726" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Forum-Romanum.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Forum-Romanum.jpg?resize=300%2C165&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Viacheslav Lopatin/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Germanus ist sein Name. Aber er ist kein Barbar, wie aufgrund seines Namens zu glauben wäre. Verwandt mit dem Ostkaiser Justinian und aus altem Senatorengeschlecht gehört er zu den Spitzen der Gesellschaft von Konstantinopel. </p>



<p>Das einzig Barbarisch-Germanische an ihm ist seine arrangierte Ehe mit einer Gotin. Damit ist er mit dem ehemaligen Königshaus Theoderichs des Großen verschwägert, das vorher Italien beherrschte. Dies soll es den Goten leichter machen, den neuen Herrscher zu akzeptieren. Denn deren erbitterter Widerstand ist nur vorerst durch die oströmischen Generäle Belisar und Narses gebrochen worden. </p>



<p>Durch seine Erfahrungen im eroberten Afrika, wo Germanus erfolgreich Revolten niederschlug und das zerstörte Land in das Oströmische Reich eingliederte, scheint er prädestiniert für den <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/zeitmaschine-karls-des-grossen-oliver-henkel/">Wiederaufstieg des Weströmischen Reiches</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="spaetantike">Die instabile Spätantike</h3>



<p>Kaiser Germanus regiert aber nur noch über einen Bruchteil jenes Westreichs, das der letzte Gesamtkaiser Theodosius 150 Jahre vorher seinem Sohn Honorius hinterlassen hatte: Italien als Kernland, dazu das Illyricum mit der dalmatischen Küste, das von Belisar bereits 534 den Vandalen entrissene Nordafrika um Karthago und Teile von Südspanien.</p>



<p>Der Rest von Spanien, Gallien, Britannien und das ehemals römische Germanien ist dagegen weiter in der Hand von Germanenstämmen (siehe unten Karte aus der &#8222;realen&#8220; Spätantike). </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="330" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Captain-Blood-Sp%C3%A4tantike-Welt.png?resize=600%2C330&#038;ssl=1" alt="Karte der spätantiken Welt während der Restauratio Imperii." class="wp-image-540" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Captain-Blood-Sp%C3%A4tantike-Welt.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Captain-Blood-Sp%C3%A4tantike-Welt.png?resize=300%2C165&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Justinian_Byzanz.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Captain Blood/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Die Herrschaft des neuen Westkaisers ist entsprechend instabil.</p>



<p>Er ist von Kaiser Justinian ernannt und von dessen Unterstützung abhängig, muss aber in Italien als eigenständige Macht wahrgenommen werden.</p>



<p>Er verfügt über keine eigenen Streitkräfte, aber die oströmischen Legionen werden bald wieder an der <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-persien-iran/">Grenze zu Persien</a> gebraucht. </p>



<p>Er muss sich mit dem römischen Senat arrangieren, der zwar nur noch ein Schatten seiner früheren Macht ist, aber immer noch die Land besitzende Elite und die zivile Verwaltung des römischen Italiens umfasst. </p>



<p>Er muss sich in den zurückeroberten, noch kriegszerstörten Gebieten mit unterschiedlichsten Germanenstämme auseinandersetzen, die sich eine gewisse Unabhängigkeit bewahrt haben, aber die größeren Streitkräfte für ein weströmisches Heer stellen können. </p>



<h3 class="wp-block-heading" id="feinde">Neue Feinde</h3>



<p>So steht das <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">wiedererstandene Westrom</a> vor enormen Herausforderungen: Ab 568 fallen die germanischen Langobarden in Italien. </p>



<p>Gleichzeitig stellt sich nach dem Tode Kaiser Justinians 565 heraus, dass Ostrom die <em>Restauratio imperii</em> finanziell nicht verkraftet hat. Es muss den Großteil seiner Armee auflösen. Hinzu kommt es in den gleichen Jahren zur <em>Justinianischen Pest</em>, die im Mittelmeerraum ganze Landstriche entvölkert.</p>



<p>632 tauchen aus den glühenden Wüsten Arabiens die Anhänger eines Propheten namens Mohammed auf. Sie schlagen die Byzantiner mehrfach, reduzieren das Ostreich auf Kleinasien und Griechenland. Danach wenden sie sich gegen Westen, erobern Nordafrika und zerschlagen das Gotenreich in Spanien.</p>



<p>Auch im Norden bildet sich eine neue Großmacht: Das Frankenreich hat sich über Gallien ausgebreitet, sowohl die letzten Reste römischer Herrschaft als auch <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/800-de-bello-baiuvaria/">andere Germanenreiche</a> von der Landkarte getilgt. Bisher wurde es nur durch ständige Reichsteilungen unter den Königssöhnen der Merowinger-Dynastie geschwächt. Doch auch diese Zeit endet irgendwann.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Berthold Seewald: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.welt.de/geschichte/article138700483/Der-Krieg-gegen-Persien-fuehrte-zum-Sieg-des-Islam.html" target="_blank">Der Krieg gegen Persien führte zum Sieg des Islam</a>, auf: welt.de (24.03.2015).</li>



<li>Hannes Stein: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article181722470/Untergang-Roms-Klima-und-Pest-zerstoerten-das-Roemische-Weltreich.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Klima und Pest zerstörten das Römische Weltreich</a>, auf welt.de (01.10.2018).</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/westroemische-reich-entsteht-neu/">550: Das Weströmische Reich entsteht neu</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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		<title>476: Die Zeitmaschine Karls des Großen von Oliver Henkel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 May 2020 10:33:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Restauratio imperii]]></category>
		<category><![CDATA[Romane und Filme]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was wäre gewesen, wenn das Römische Reich seinen Untergang abgewendet hätte? Wie würde danach eine Welt im Jahr 800 aussehen, in der der fränkische König Karl seinen Auftritt hat? Diesen spannenden Fragen widmet sich Oliver Henkel in seinem Debütroman. Ankerpunkt Das Jahr 476 galt in der klassischen Geschichtsforschung als das Ende des Römischen Reiches. Der [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/zeitmaschine-karls-des-grossen-oliver-henkel/">476: Die Zeitmaschine Karls des Großen von Oliver Henkel</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Was wäre gewesen, wenn das Römische Reich seinen Untergang abgewendet hätte? Wie würde danach eine Welt im Jahr 800 aussehen, in der der fränkische König Karl seinen Auftritt hat? Diesen spannenden Fragen widmet sich Oliver Henkel in seinem Debütroman.</p>



<span id="more-346"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a></li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a></li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a><br><br><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<p>Das Jahr 476 galt in der klassischen Geschichtsforschung als das <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/geschichte-roemisches-reich/">Ende des Römischen Reiches</a>. Der Kriegsherr Odoaker tötete den letzten weströmischen Heermeister Orestes und setze dessen Marionetten-Kaiser Romulus ab. </p>



<p>Anschließend schickte er die kaiserlichen Insignien nach Konstantinopel und erklärte sich zum König von Italien. Damit erlosch das römische Kaisertum in Westeuropa.</p>



<p>Zwar gab es im 6. Jahrhundert unter dem Kaiser Justinian Versuche des Oströmischen Reiches, das alte Imperium im Westen zurückzuerobern – die <em><a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/westroemische-reich-entsteht-neu/">Restauratio imperii</a></em>. </p>



<p>Dieser Eroberungen konnte Konstantinopel aber nicht lange behaupten, da nicht genügend Truppen und Finanzmittel zur Verfügung standen. Vor allem der Aufstieg des Islam sorgte dafür, dass sich die Oströmer kaum mehr auf den Westen konzentrieren konnten. </p>



<p>Dies sorgte dafür, dass <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberpfalz-regensburg/">das Frankenreich das Vakuum</a> füllte – vor allem, als im Jahr 800 mit Karl dem Großen deren König zum ersten römischen Kaiser des Mittelalters gekrönt wurde. </p>



<p>Als Orientierung dient eine Karte des Jahres 550, auf dem Höhepunkt der <em>Restauratio imperii</em>.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="330" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Captain-Blood-Sp%C3%A4tantike-Welt.png?resize=600%2C330&#038;ssl=1" alt="Karte der spätantiken Welt während der Restauratio Imperii." class="wp-image-540" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Captain-Blood-Sp%C3%A4tantike-Welt.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Captain-Blood-Sp%C3%A4tantike-Welt.png?resize=300%2C165&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Justinian_Byzanz.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Captain Blood/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<p>Im Jahr 796 von <em>&#8222;Die Zeitmaschine Karls des Großen&#8220;</em> sehen Rom und das Weströmische Reich dagegen einer guten Zukunft entgegen. Seitdem das Kaiserhaus der Scorpii den Niedergang aufgehalten hatte, hat das Reich verlorene Provinzen in Afrika und Spanien zurückerobert. </p>



<p>So gestärkt konnte es den christlichen Religionskonflikt zwischen Arianern und Katholiken überstehen und das Oströmische Reich in dessen Krisen unterstützen. </p>



<p>Der gescheiterte Versuch von arabischen Stämmen, im Osten eine Religion namens Islam mit Feuer und Schwert zu etablieren, ist nur noch eine Randnotiz in der Geschichte.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="702" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Zeitmaschine-Karls-des-Gro%C3%9Fen.jpg?resize=600%2C702&#038;ssl=1" alt="Cover von &quot;Die Zeitmaschine Karls des Großen&quot;." class="wp-image-525" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Zeitmaschine-Karls-des-Gro%C3%9Fen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Zeitmaschine-Karls-des-Gro%C3%9Fen.jpg?resize=256%2C300&amp;ssl=1 256w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Doch diese Stabilität stellt sich als trügerisch heraus: Im Norden fällt der König der Franken, Karl, seltsame Entscheidungen in Form einer Invasion in das Land der Sachsen. Als Andreas Sigurdius als Spion Westroms dorthin geschickt wird, zeigt sich, dass dies kein Zufall ist. </p>



<p>Während er und ein mysteriöser Verbündeter auf immer mehr Geheimnisse im Norden stoßen, eskaliert im Osten ein weiterer Konflikt. Das Oströmische Reich muss sich mit einer massiven Invasion seines ewigen Rivalen, der persischen Sassaniden, auseinandersetzen. Auch hier stellt sich die Gefahr schnell als größer heraus, als es die beiden römischen Reiche gedacht hatten.</p>



<p> So erweisen sich schnell beide Entwicklungen als existentielle Bedrohung für die wiedererstarkten Imperien in West- und Ostrom.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<p>Das Szenario, das Oliver Henkel entwarf, erwies sich als sehr interessant, da er das Überleben des Römischen Reiches im Westen mit der Kaiserkrönung Karls des Großen in der realen Welt verband. Er baute auch die Welt des neu erstandenen Weströmischen Reiches gut auf.</p>



<p>Leider schöpfte er meines Erachtens das <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/kaisertag-oliver-henkel/">vorhandene Potenzial</a> der Geschichte nicht aus. <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-fahrt-des-leviathan-oliver-henkel/">Die Charaktere</a> wirkten zum Beispiel sehr schablonenhaft und schwarz-weiß. Die Handlung war dadurch vor allem für den Teil, der sich mit der Invasion der Sassaniden beschäftigt, stark vorhersehbar. </p>



<p>Ebenso unbefriedigend war für mich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/wechselwelten-oliver-henkel/">die Erklärung für die Entstehung der Alternativwelt</a>. Diese Mängel hatten mich aber auch für meine alternativen Geschichten zum Nachdenken gebracht. Denn für eine gute Erzählung genügt <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/im-jahre-ragnaroek-oliver-henkel/">eine gut gestaltete Alternativwelt</a> nicht.</p>



<p>Zuletzt war mir im Laufe meines Geschichtsstudiums aufgefallen, dass sich das Römische Reich natürlich im Laufe seiner Geschichte stark verändert hatte. Das Westrom des Jahres 476 hatte jenseits der Titel wenig mit dem klassischen Rom zu tun, das wir aus dem Geschichtsunterricht – oder aus Asterix – kennen. </p>



<p>Umso unrealistischer war es, dass das Weströmische Reich des Jahres 796 eher dem klassischen Imperium ähnelte, als dem spätantiken Reich, aus dem es hervorgegangen wäre. Ob dies vielleicht nur ein redaktioneller Kniff von Oliver Henkel war, um der Leserschaft das Verständnis für den Roman zu erleichtern, ist mir unklar.</p>



<p>Insgesamt blieb für mich der Eindruck eines Romans mit <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">sehr viel Potenzial</a>, dass aber leider nicht annähernd ausgeschöpft wurde. Daraus habe ich aber auch viel für <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/800-de-bello-baiuvaria/">meine eigenen Geschichten</a> gelernt.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Oliver Henkel: Die Zeitmaschine Karls des Großen. Norderstedt 2001.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Die+Zeitmaschine+Karls+des+Gro%C3%9Fen&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1030164890" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>GEO Epoche: Das Römische Imperium. April 2001.</li>



<li>GEO Epoche: ROM. Die Geschichte des Kaiserreichs. April 2012.</li>



<li>DER SPIEGEL Geschichte: Das Ende des Römischen Reiches. Januar 2009.</li>
</ul>
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