Der bayerische Regierungsbezirk Schwaben ist mehr als „nur“ der östliche Teil Schwabens. Er verfügt in seinen (historischen) Regionen über eine lange und vielfältige Geschichte. Mit enormem Potenzial für Alternative History.

Denn in seinen vier kreisfreien Städten Augsburg, Memmingen, Kaufbeuren und Kempten sowie den zehn Landkreisen haben sich über Jahrhunderte verschiedene Entwicklungen und Konflikte zwischen Bayern und Schwaben Bahn gebrochen.

Aktuelle Karte von Bayerisch-Schwaben mit von Norden nach Süden den kreisfreien Städten Augsburg, Memmingen, Kaufbeuren und Kempten sowie den LandkreisenDonau-Ries, Dillingen an der Donau, Augsburg, Aichach-Friedberg, Günzburg, Neu-Ulm, Unterallgäu, Ostallgäu, Oberallgäu und Lindau am Bodensee.
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Ankerpunkte

  1. 259/260: Die einschneidende Rücknahme des Limes
  2. 955: Die gescheiterte Belagerung von Augsburg
  3. 1167: Der ferne Tod von Welf VII.
  4. 1268: Der zersplitternde Tod von Konradin
  5. 1376: Die gescheiterte Belagerung von Ulm
  6. 1525: Der schlichtende Vertrag von Weingarten
  7. 1607: Die illegale Besetzung von Donauwörth
  8. 1634: Die „gebriefte“ Schlacht bei Nördlingen
  9. 1702: Der risikoreiche Handstreich auf Ulm
  10. 1810: Der bayerisch-württembergische Pariser Vertrag
  11. 1919: Der kurzzeitige Traum von „Großschwaben“
  12. 1945: Die verhinderte Verteidigung von Nördlingen
  13. 1947: Die selbstbewusste politische Siedlung Deiningen
  14. 1949: Die gescheiterte Gründung der Universität Augsburg

1.259/260: Die einschneidende Rücknahme des Limes

Bis Mitte des 3. Jahrhunderts war das heutige Bayerisch-Schwaben als Provinz Rätien ein prosperierender Teil des Römischen Reiches. Ausgehend von Städten wie Cambodunum (Kempten) oder Augusta Vindelicum (Augsburg) bildete sich im Schutz des Obergermanisch-Raetischen Limes eine ausgefeilte Wirtschafts- und Infrastruktur aus.

Diese Zeit endete in der sogenannten Reichskrise des 3. Jahrhunderts. In dieser musste das geschwächte Römische Reich die bisherige Grenze (siehe Bild) zu germanischen Stämmen zurücknehmen.

Foto eines römischen Wachturms aus Holz mit Palisade davor.
(ThePhotoFab/Shutterstock)

Der nach seinen Grenzflüssen benannte Donau-Iller-Rhein-Limes bedeutete auch für Rätien einen großen Einschnitt. Städte wie Cambodunum, bisher im Hinterland der Provinz gelegen, waren auf einmal Grenzfestungen.

Die neue Grenze trennte über die Donau wie heute das danach alemannisch besiedelte Ulm (auf der Karte oben am westlichsten Punkt von Bayerisch-Schwaben) vom noch römisch gebliebenen Gebiet von Neu-Ulm.

Diese Rücknahme verhinderte jedoch nicht, dass vor allem der sich bildende Stamm der Alemannen immer mehr in die Provinz einsickerte. Teilweise als Invasoren und Plünderer, teilweise als angeworbene Grenzsoldaten und friedliche Siedler.

Wie hätte sich Räten entwickelt, wenn der Limes zu einem anderen Zeitpunkt zurückgenommen worden wäre?

2. 955: Die gescheiterte Belagerung von Augsburg

Aus dem Stamm der Alemannen entwickelte sich über die nächsten Jahrhunderte das Herzogtum Schwaben.

Neben den wechselnden Herzögen bildete sich die Bischofsstadt Augsburg als Machtzentrum dieses Gebietes heraus.

Dies zeigte sich bei den Einfällen der Ungarn, die erst in der bekannten Schlacht auf dem Lechfeld vor der Stadt beendet wurden.

Dass es so weit kam, lag daran, dass Augsburg unter dem Bischof Ulrich lange genug der Blockade und Belagerung durch die Ungarn standhielt. So konnte das Reichsheer unter König Otto I. rechtzeitig heranrücken.

Bis dahin hatte Bischof Ulrich, der als Reichsfürst auch das Militär der Stadt leitete, Augsburg trotz mehrerer kritischer Situationen erfolgreich verteidigt.

Daher wurde Bischof Ulrich einer der Stadtpatrone von Augsburg.

Danach entwickelte sich Augsburg unter den Bischöfen weiter zur „Alemanniae metropolis“, zu einer Hauptstadt von Schwaben.

Was wäre gewesen, wenn die Ungarn 955 Augsburg vor dem Eintreffen des Reichsheeres eingenommen hätten?

3. 1167: Der ferne Tod von Welf VII.

Im 12. Jahrhundert kämpften zwei Geschlechter um das heutige Bayerisch-Schwaben: Die Staufer als Herzöge von Schwaben und die Welfen als Herzöge von Bayern.

Beide versuchten, die Region durch die Übernahme von Herrschaftsrechten, Klosterstiftungen und Landesausbau für sich zu gewinnen und in das jeweilige Herzogtum zu integrieren.

Es kam aber auch zu kriegerischen Auseinandersetzungen, bei denen 1134 der staufische Stützpunkt Ulm von einem Welfenheer erobert und zerstört wurde.

Entscheidend war 1167 der Malaria-Tod von Welf VII. bei einem Italienzug des staufischen Königs und Kaisers Friedrich I. Barbarossa (siehe Bild).

Reiterstatue von Kaiser Friedrich Barbarossa.
(quality_by_Simon/Shutterstock)

Hatten die Staufer vorher schon eine gewisse Übermacht im Machtkampf mit den Welfen errungen, indem sie den Königsbesitz in der Region nutzen, kippte die Balance nun endgültig.

Tief getroffen vom Tod seines einzigen Sohns und Nachfolgers, zog sich Herzog Welf VI. aus der Politik zurück und gab sich Vergnügungen hin.

1178/1179 überschrieb Welf VI. sogar seine Besitzungen an seinen Neffen Barbarossa, auch wenn diese erst endgültig 1191 mit dem Tod von Welf in den Besitz der Staufer übergingen.

Mit dieser Kombination aus eigenen Territorien, königlichen Gütern und den ehemaligen Gebieten der Welfen in Bayerisch-Schwaben konnten die Staufer die Region endgültig dominieren und in ihren Herrschaftsverband integrieren.

Wie hätte sich Bayerisch-Schwaben entwickelt, wenn Welf VII. nicht gestorben wäre?

4. 1268: Der zersplitternde Tod von Konradin

Danach war Schwaben, und damit auch die Region von Bayerisch-Schwaben, ein Zentrum des mittelalterlichen Kaiserreiches.

Diese Entwicklung hing allerdings an der Verbindung mit den Staufern. Als König Konrad 1254 nur 26-jährig starb, begann sich die Zentralmacht im Herzogtum Schwaben langsam aufzulösen.

Zwar gab es danach mit Konradin noch einen Staufer, der mit 10 Jahren zu Herzog von Schwaben erhoben worden war. Ihm gelang es jedoch aufgrund seines Alters nicht, das Herzogtum unter Kontrolle zu bekommen.

Zudem wurde er 1268 nach seiner Niederlage im Kampf um das Erbe in Sizilien hingerichtet, womit die Staufer als Herrschaftsgeschlecht aufhörten zu existieren.

Zwar hatte Konradin vor seiner Abreise seinen Vormund und Erzieher, den Bayernherzog Ludwig von Wittelsbach zu seinem Erbe ernannt. Dieser konnte sich allerdings nur einen kleinen Teil des Herzogtums am Lechrain sowie zwischen Lauingen und Neuburg sichern.

Das restliche Herzogtum zersplitterte sich danach in eine Vielzahl von Herrschaften (siehe Karte aus dem Jahr 1400).

Davon profitierten ausgehend von Augsburg, Ulm und Memmingen vor allem zahlreiche Städte, die zu den „oberschwäbischen Reichsstädten“ heranwuchsen.

Karte der heutigen Region von Bayerisch-Schwaben im Jahr 1400 mit zahlreichen kleinen Territorien.
(Wikimedia Autor unter CC-Lizenz: Ziegelbrenner)

Diese Zersplitterung blieb als „Fleckerlesteppich“ für Bayerisch-Schwaben typisch für die nächsten Jahrhunderte.

Wie hätte sich Bayerisch-Schwaben entwickelt, wenn Konradin nicht hingerichtet worden wäre?

5. 1376: Die gescheiterte Belagerung von Ulm

Bis ins 14. Jahrhundert hatte sich Ulm nicht nur zu einer freien und Reichsstadt entwickelt. Die reiche Handelsstadt hatte auch das befestigte Stadtgebiet (siehe Bild aus der heutigen Zeit) und das reichsstädtische Territorium erweitert.

Foto von der Donau aus in die mittelalterliche Alttadt von Ulm.
(Scirocco340/Shutterstock)

Dabei geriet sie in den Blickfeld der benachbarten Landesherren, vor allem der Herzöge von Württemberg und der von Bayern.

Kaiser Karl IV. als Schutzherr der Stadt war keine Unterstützung, da er aus Geldmangel dazu geneigt war, Rechte an der Stadt zu verpfänden. Zudem war er ein Gegner der Bündnisse, mit denen sich die schwäbischen Städte unter der Führung von Ulm zusammengeschlossen hatten.

Der Kaiser zog sogar mit einem Heer nach Ulm und belagerten die Stadt. Diese Belagerung war später mythenumrankt, aber erfolglos.

Dadurch sicherte Ulm nicht nur seine Unabhängigkeit, sondern auch von weiteren Teilen (Bayerisch-)Schwabens.

Auch für Ulm selbst hatte die Belagerung Folgen: Da die Pfarrkirche der Stadt außerhalb der Mauern lag, beschlossen die Bürger endgültig den Bau einer neuen Kirche innerhalb der Mauern: des späteren Ulmer Münsters.

Wie hätte sich Ulm entwickelt, wenn die Belagerung 1376 erfolgreich gewesen wäre?

6. 1525: Der schlichtende Vertrag von Weingarten

Anfang des 16. Jahrhunderts kam es auch in Bayerisch-Schwaben zu Bauernunruhen.

Inspiriert von der Reformation schlossen sich verschiedene Gruppen zu sogenannten „Haufen“ zusammen und gingen gegen ihre Lehensherren vor.

Höhepunkt waren die Memminger „12 Artikel“, in denen die Aufständischen ihre Förderungen zusammenfassten und die teilweise als erste Erklärung von Menschenrechten gelten.

Die regionale Obrigkeit bekämpfte jedoch die Aufstände hart. Dafür nutzte sie den „Schwäbischen Bund“ als Zusammenschluss verschiedener schwäbischer Gebiete.

Von diesem angeworbene Landsknechte (siehe Bild) zerschlugen daraufhin die meisten „Bauernhaufen“ und beendeten die „Bauernkriege“ blutig.

Illustration von einem Landsknecht auf dem Pferd und einem Fußsoldaten.
(Sammy33/Shutterstock)

Eine Ausnahme bildete der Vertrag von Weingarten. Diesen schlossen der „Schwäbische Bund“ sowie die Bauern des Allgäuer und des Seehaufens im April 1525.

Gegen eine Rückgabe der eroberten Güter und eine Auflösung der Haufen konnten sich die Bauern Straffreiheit und eine Schlichtungslösung ihrer Forderungen durchsetzen.

Zwar verlief diese Durchführung vielfach nicht wie vereinbart, sie brachte jedoch für die Region im Allgäu das Einführen von „Agarverfassungsverträgen“, die einen Interessensausgleich zwischen Bauern und ihren Lehensherren vorsahen.

Der „Oberallgäuer Bauernhaufen“ lehnte diese Lösung ab und wurde im Juli des gleichen Jahres in der Schlacht bei Leubas vernichtet.

Was wäre gewesen, wenn der Vertrag von Weingarten sich mehr durchgesetzt hätte?

7. 1607: Die illegale Besetzung von Donauwörth

Die freie und Reichsstadt Donauwörth (heute im Süden des Landkreises Donau-Ries) war mehrheitlich protestantisch, hatte aber eine katholische Minderheit zu dulden. Dazu gehörte zum Beispiel das katholisch gebliebene Kloster Heilig Kreuz am Stadtrand.

Foto der Klosterkirche Heilig Kreuz in Donauwörth.
(Eigenes Bild)

Anfang des 17. Jahrhunderts eskalierten allerdings im Heiligen Römischen Reich die Spannungen zwischen Katholiken und Protestanten.

Dies betraf auch Donauwörth, wo sich 1606 und 1607 die sogenannten „Kreuz- und Fahnengefechte“ ereigneten.

Dabei griffen Protestanten katholische Prozessionen, deren Auftreten mit Fahnen und Gesängen sie als Provokation empfanden, an und jagten die Katholiken auseinander.

Unklar ist bis heute, ob die Prozessionen von katholischer Seite bewusst als Provokation ausgelegt waren, um katholische Mächte zum Eingreifen zu bewegen.

Die Folgen waren dagegen klar. Nachdem Kaiser Rudolf II. 1606 noch die Reichsacht angedroht hatte, verfügte er diese nach dem zweiten „Gefecht“.

Eigentlich wäre der protestantische württembergische Herzog als Obmann des schwäbischen Reichskreises für die Exekution zuständig gewesen.

Rudolf II. beauftragte allerdings den katholischen, bayerischen Herzog Maximilian I.

Dieser nutzte die Gelegenheit und die kompromisslose Haltung von Donauwörth gegen seine Verhandlungsversuche, um die Stadt zu besetzen und de facto zu annektieren.

Als er Donauwörth zusätzlich rekatholisierte, führte dies nicht nur zu einer protestantischen Auswanderung und einer Verarmung der Stadt.

Die protestantischen Mächte des Reiches sahen diese Entwicklung als Bedrohung und schlossen sich zu einem Bündnis zusammen.

Daher gilt die Besetzung von Donauwörth als einer der bedeutendsten Auslöser des Dreißigjährigen Krieges wenige Jahre später.

Was wäre gewesen, wenn nicht der bayerische, sondern der zuständige württembergische Herzog die Reichsacht in Donauwörth exekutiert hätte?

8.1634: Die „gebriefte“ Schlacht bei Nördlingen

Die freie und Reichsstadt Nördlingen lag günstig inmitten der Region des Ries (siehe Bild aus der heutigen Zeit). Diese lag nicht nur verkehrstechnisch günstig, zum Beispiel zwischen Schwaben und Franken, sondern war auch sehr fruchtbar.

Foto der Landschaft des Nördlinger Ries mit zahlreichen Äckern.
(Wolfgang Zwanzger/Shutterstock)

Was die Stadt bis dahin reich gemacht hatte, bedrohte sie aber im Dreißigjährigen Krieg.

1634 geriet die protestantische, durch eine schwedische Besatzung geschützte Stadt in den Fokus der katholischen Verbündeten.

Zuerst begann ein bayerisches Heer die Stadt zu belagern und gleichzeitig die Region zu nutzen, um sich zu versorgen, bis Verstärkungen aus Spanien eintrafen.

Die harte Belagerung und das Ausbleiben einer protestantischen Entsatzstreitmacht führten am 22. August zu Diskussionen im Rat von Nördlingen, ob die Stadt auf die Übergabeforderungen der Belagerer eingehen sollte.

Erst ein in die Stadt geschmuggeltes Schreiben der protestantischen Heerführer, das deren baldige Ankunft ankündigte, beendete diese Diskussionen. Als zwei Tage später General Horn erfolgreich Nördlingen besuchte, war die Diskussion endgültig vorbei.

Nördlingen widerstand der Belagerung, bis das protestantische Entsatzheer ab dem 5. September in der „Schlacht auf dem Albuch“ die Belagerer angriff.

Dieser Angriff endete jedoch in einer desaströsen Niederlage der protestantischen Seite gegen die Katholiken, die im Dreißigjährigen Krieg für die nächsten Jahre die Oberhand behielten.

Nördlingen musste nach dieser Niederlage ebenfalls kapitulieren, hatte aber vergleichsweise wenig desaströse Bedingungen zu erfüllen.

Wie hätte sich die Schlacht bei Nördlingen entwickelt, wenn die Stadt bereits am 22. August kapituliert hätte?

9. 1702: Der risikoreiche Handstreich auf Ulm

Im 17. Jahrhundert war die Reichsstadt Ulm eine mächtige Festung. Noch während des Dreißigjährigen Krieges hatte die Stadt ihre Befestigungen modernisiert und ausgebaut.

Zudem war die Stadt Kreisfestung des Schwäbischen Reichskreises, der dort seine Artillerie lagerte.

Daher griff der bayerische Kurfürst Maximilian II. Emanuel zu einer hochriskanten List: Am 8. September versuchten seine als Bauern verkleidete Soldaten, sich über das Gänstor (siehe Bild) in die Stadt zu schmuggeln.

Foto des Gänstors von Ulm.
(Vollverglasung/Shutterstock)

Die Torwachen bemerkten die Kommandoaktion zu spät. Auch wenn einer der Angreifer im anschließenden Gefecht seinen Anführer aus Versehen erschoss,waren die wenigen Ulmer Wachen gegen die bayerischen Soldaten und deren schnell nachrückende Verstärkung chancenlos.

Zwar mobilisierte der Angriff die 3.000 Mann starken Bürgerkompanien schnell. Doch da eine Verteidigung nur zu Zerstörungen innerhalb der Stadt geführt hätte, kapitulierte Ulm.

Die anschließende bayerische und französische Besetzung sowie Kampfhandlungen im „Spanischen Erbfolgekrieg“ ruinierten die Stadt langfristig. Sie erholte sich davon nicht mehr, bis sie ihre Reichsfreiheit fast 100 Jahre später verlor.

Der Fall von Ulm machte den Weg des bayerischen Heeres für eine Invasion weiterer Städte frei. So wurde zum Beispiel Memmingen besetzt, wodurch dessen Reichsfreiheit ebenfalls in Gefahr geriet.

Was wäre gewesen, wenn die Ulmer Stadtwachen das bayerische Kommando rechtzeitig entdeckt hätten?

10. 1810: Der bayerisch-württembergische Pariser Vertrag

1802/1803 war Ulm in Folge des Bündnisses zwischen Frankreich unter Napoléon und Bayern in den Besitz des letzteren gekommen.

Bayern machte Ulm sogar zur Hauptstadt seiner neuen Provinz „Schwaben“, weshalb die Stadt eine Aufwertung durch viele Behörden erhielt.

Dies änderte sich 1810, als Bayern in Folge eines in Paris geschlossenen Grenzvertrags mit Württemberg Ulm an das benachbarte Königreich abtrat.

Zuvor hatte eine bayerisch-württembergische Kommission die bisherige Grenze (siehe Karte) zwischen beiden Staaten neu verhandelt und sich dabei vor allem an den Flüssen als Grenze orientiert.

Karte von Bayern im Jahr 1806.
(Wikimedia Autor unter CC-Lizenz: Ziegelbrenner)

Die Übergabe von Ulm führte nicht nur zu Ärger bei der bayerischen Verwaltung, die dem durch Mitnahme allen beweglichen Guts Ausdruck verlieh. Ebenso demolierten bayerischen Soldaten aus Frust über ihren Abzug ihre Kasernen.

Die Verträge trennten Ulm auch von seinen Gebieten auf dem rechten Ufer der Donau. Dort entstand ab 1811 mit Neu-Ulm eine bayerische Gemeinde.

Zwar gab es seitdem mehrere Versuche, Neu-Ulm wieder in Ulm einzugliedern. Diese scheiterten jedoch spätestens an der bayerischen Gegenforderung, dann Ulm nach Bayern einzugliedern.

Der Grenzvertrag hatte auch Folgen für andere Teile von Bayerisch-Schwaben: So trennte er Memmingen von Teilen seines ehemaligen reichsstädtischen Hinterlandes und machte es zur Grenzstadt.

Was wäre gewesen, wenn der Grenzvertrag anders verhandelt worden wäre?

11. 1919: Der kurzzeitige Traum von „Großschwaben“

Nach dem Ersten Weltkrieg und den revolutionären Wirren der Räterepubliken entstand in Bayerisch-Schwaben kurzzeitig eine „Großschwaben-Bewegung“.

Diese forderte die Integration der Region in ein eigenes „Reichsland Schwaben“, indem der gesamte schwäbische Raum vereinigt werden sollte.

Diese Bewegung fand zum Beispiel große Sympathien in Ulm, Neu-Ulm, Memmingen und Kaufbeuren. Dillingen, Nördlingen und Lindau blieben dagegen distanziert.

Auf Ebene des Deutschen Reiches gab es zu dieser Zeit ebenfalls Diskussionen über eine Niedergliederung der Länder zu in etwa gleich großen Einheiten.

Als die revolutionäre Instabilität allerdings zurückging und erste Neugliederungspläne auf Reichsebene scheiterten, ging auch die „Großschwaben-Bewegung“ zurück. In Memmingen zum Beispiel zugunsten der im Allgäu starken Heimatschutzbewegung.

Diskussionen über ein „Reichsland Schwaben“ blieben allerdings die gesamten 1920er Jahre lebendig.

Was wäre gewesen, wenn die "Großschwaben-Bewegung" länger einflussreich geblieben wäre?

12. 1945: Die verhinderte Verteidigung von Nördlingen

Bis in den April 1945 war Nördlingen (siehe Bild aus der heutigen Zeit) von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs verschont geblieben.

Luftbild der Altstadt von Nördlingen.
(oliverfoerschner/Shutterstock)

Dennoch sollten die wenigen verbliebenen deutschen Einheiten die Stadt verteidigen. Daher waren Schützengraben ausgehoben und die Brücke vor dem „Baldinger Tor“ mit Sprengsätzen ausgestattet.

Auch der Stadtkommandant lehnte eine friedliche Übergabe an die US-Amerikaner ab.

Dennoch gelang es den Mitarbeitern des Nördlinger Stabsarztes, auf dem Turm der Stadtkirche Rotkreuzfahnen zu hissen, zwischen denen ein weiterer Nördlinger sogar eine weiße Fahne geschmuggelt hatte.

Dies brachte Nördlingen jedoch in Gefahr, als der Stadtkommandant auf einem Einziehen der Fahnen bestand.

Denn die US-Amerikaner konnten dies nur als Signal verstehen, dass die Stadt verteidigt wird. Dies hätte in jedem Fall schwere Angriffe aus der Luft und mit Artillerie bedeutet.

Dass es nicht dazu kam, war Verhandlungen zwischen dem Stadtkommandanten und dem Stabsarzt zu verdanken. Zwar sollten die Fahnen abgehängt werden, jedoch nur Stück für Stück.

Diese Verzögerung genügte, denn am 23. April zog sich der Stadtkommandant plötzlich aus Nördlingen zurück und die Stadt konnte friedlich an die US-Amerikaner übergeben werden.

So blieb vor allem die historische Altstadt größtenteils erhalten und Nördlingens Bevölkerung überstand die „Eroberung“ durch die US-Amerikaner vergleichsweise glimpflich.

Was wäre mit Nördlingen passiert, wenn die Fahnen auf der Kirche schneller abhängt worden wären?

13. 1947: Die selbstbewusste politische Siedlung Deiningen

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Vertriebene auch nach Bayerisch-Schwaben. Um diese Masse unterzubringen, entstanden Flüchtlingslager, unter anderem in Deiningen.

Dieses Lager mit 400 Bewohnern war allerdings eine Ausnahme: Es bestand mehrheitlich aus sudetendeutschen Sozialdemokraten des Bezirks Marienbad und entwickelte 1947 ein enormes Eigenleben.

Höhepunkt war eine Erklärung an den Landkreis Nördlingen, in dem sich das Lager als „sozialistische Siedlung“ für autonom erklärte.

„Die SPD Umsiedlerstelle übernimmt somit die gesamte Verwaltung und Organisation der sozialistischen Siedlung und ersucht das Flüchtlingskommissariat um freundliche Kenntnisname dieser Mitteilung“.

Telegramm des Landratsamtes Nördlingen an den Gemeinderat von Deiningen, Betreff: Antifa-Siedlung Deiningen. (31.07.1947).

Dies führte zu heftigen Konflikten mit der bayerischen Flüchtlingsverwaltung und der Gemeinde Deiningen, die eine politische Siedlung und deren Autonomie strikt ablehnten.

Trotz dieser Konflikte und einer dadurch bedingten fehlenden Unterstützung existierte die Siedlung bis 1952, als sie wegen wirtschaftlicher Probleme aufgelöst wurde.

Was wäre gewesen, wenn die politische Siedlung Deiningen weiter existiert hätte?

14. 1949: Die gescheiterte Gründung der Universität Augsburg

Bayerisch-Schwaben hat eine lange Hochschultradition. Bereits 1543 gründete der Kemptener Fürstabt eine Universität in Ottobeuren.

Diese „Academia Ottemburana“ hatte den Zweck, als Reaktion auf die Reformation die Ausbildung von katholischen Priestern zu verbessern. Sie ging allerdings bereits drei Jahre später im „Schmalkaldischen Krieg“ unter.

Ihre Nachfolge trat 1549 die Universität Dillingen an, die der Augsburger Bischof in seiner Residenzstadt gründen ließ. Sie bestand bis zur Säkularisierung durch Bayern 1803. 1923 entstand sie als Philosophisch-Theologische Hochschule wieder.

Eine solche Hochschule existierte bis nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Augsburg. Dort gab es aber Bestrebungen, eine eigene Universität einzurichten.

Nachdem 1947 der erste Versuch am Widerstand der Kirche gescheitert war, kam es im darauf folgenden Jahr zu einem neuen Schub.

Denn vertriebene Mitglieder der 1945 aufgelösten Deutschen Universität Prag zeigten sich interessiert, die Tradition der ältesten deutschsprachigen Universität in Augsburg fortzusetzen.

Es gab sogar eine „Denkschrift über die Wiedererrichtung der juristischen und philosophischen Fakultät der deutschen Karlsuniversität in Prag in Augsburg“ sowie vom 31. August bis 4. September 1949 öffentlichkeitswirksame „Augsburger Hochschultage“.

Da die sudetendeutschen Professoren allerdings fast zeitgleich Regensburg als neuen potenziellen Standort für sich entdeckten, versandete der Versuch erneut.

Erst 1970 kam es zur Einrichtung der Universität Augsburg (siehe Bild), die 1972 auch die Hochschule und damit die Tradition aus Dillingen übernahm.

Foto der Universität Augsburg.
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Heute ist die Universität Augsburg mit knapp 20.000 Studierenden eine der größten Hochschulen Bayerns und prägt die Stadt trotz ihrer kurzen Geschichte stark.

Wie hätte sich Augsburg entwickelt, wenn die Universität bereits 1949 erfolgreich eingerichtet worden wäre? 

Quellen und Literatur

  • Christoph Engelhard: Memmingen. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2021.
  • Christopher R. Friedrichs: Nördlingen im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges. Neustadt an der Aisch 2018.
  • Karl-Ulrich Gelberg: Neugliederung des Reiches (1919-1945), auf historisches-lexikon-bayerns.de (15.11.2007).
  • Wolf-Henning: Ulm & Neu-Ulm. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2019.
  • Rolf Kießling: Kleine Geschichte Schwabens. Regensburg 2021.
  • Werner Lenger: Eine kleine Geschichte der Universität Augsburg. Augsburg 2004.
  • Wilfried Sponsel: Das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Jahre des Neubeginns in Nördlingen (1945-1950). Neustadt an der Aisch 2020.
  • Bastian Vergnon: Die sudetendeutschen Sozialdemokraten und die bayerische SPD 1945 bis 1978, Frankfurt am Main 2017.

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