Die Bewohner der Oberpfalz und ihrer Hauptstadt Regensburg werden in Bayern gerne unterschätzt.

Doch die Region zwischen Franken, der tschechischen Republik und Südbayern stand oft im Fokus der Geschichte. Vielfältige Herrschaften lösten sich im Spannungsfeld der Regional- und Großmächte in der Mitte Europas ab.

So kreuzten sich in der Oberpfalz und Regensburg viele Wege der alternativen Geschichte.

Karte der Bezirks Oberpfalz in Bayern mit den kreisfreien Städten Regensburg, Amberg und Weiden sowie den Landkreisen Regensburg, Neumarkt in der Oberpfalz, Amberg-Sulzbach, Schwandorf, Cham. Neustadt an der Waldnaab und Tirschenreuth.
Karte der heutigen Oberpfalz mit den Kreisfreien Städten Regensburg, Amberg und Weiden.
Umgeben ist sie von Oberfranken (gelblich), Mittelfranken (rötlich), Oberbayern (grün) und Niederbayern (orange). Im Westen in dunklerem Rot markiert ist die kreisfreie Stadt Nürnberg.
(Wikimedia Autor: TUBS)

Ankerpunkte

  1. 15 vor Christus: Die unbedeutende Eroberung durch das römische Reich
  2. 788: Das einschneidende Ende der Agilolfinger
  3. 1057: Das langwierige Ende der Schweinfurter
  4. 1245: Die freie und Reichsstadt Regensburg
  5. 1329: Der zersplitternde Hausvertrag von Pavia
  6. 1373: Das kurzfristige Ende von Neuböhmen
  7. 1492: Der erzwungene Verzicht auf Regensburg
  8. 1504: Die entscheidende Schlacht von Wenzenbach
  9. 1625: Die unfreiwillige Rekatholisierung
  10. 1663: Der zwiespältige immerwährende Reichstag
  11. 1810: Die neue Hauptstadt der Oberpfalz
  12. 1856: Die verspätete Gründung der Ostbahngesellschaft
  13. 1962: Die endgültige Gründung der Universität Regensburg
  14. 1978: Das langwierige Ende der „autofreundlichen“ Altstadt in Regensburg
  15. 1989: Die umkämpfte Aufgabe der WAA
  16. 1991: Die uneinige Gründung der OTH Amberg-Weiden

    Quellen und Literatur

1. 15 vor Christus: Die unbedeutende Eroberung durch das römische Reich

Vor der Zeitenwende war das Gebiet der Oberpfalz mehrheitlich von Kelten und weniger von Germanen besiedelt. Mit der Eroberung durch die römischen Legionen, die das strategische Vorfeld von Italien und Gallien sichern wollen, erhielt die Oberpfalz nicht nur Anschluss an den einheitlichen Kulturraum des Imperiums.

Die Römer gründeten in ihrer Provinz Rätien auch Städte, die bis in die heutige Zeit bestehen. Das bekannteste Beispiel ist nach der Zerstörung von Vorgängerbauten ein im Jahr 179 aufgebautes Legionslager: Castra Regina – das heutige Regensburg.

Legionäre waren auch für die römischen Provinzen in der südlichen Oberpfalz entscheidend.
Die Präsenz römischer Legionäre war auch in der heutigen Oberpfalz entscheidend für die Durchsetzung der Herrschaft des Imperiums.
(MinDof/Shutterstock)

Die Oberpfalz nördlich der Donau gehörte offiziell zwar zum freien Germanien. Das kaum bewohnte, von verschiedenen germanischen Stämmen besiedelte Land blieb aber nicht unbeeinflusst durch die Römer.

Es gab ausgehend von den Flusstälern von Naab und Regen Handelsbeziehungen, vor allem im 3. und 4. Jahrhundert auch Plünderungszüge in die römischen Provinzen. Diese bleiben aber bis zum Ende des Römischen Reiches unbedeutende Regionen des Imperiums.

Was wäre gewesen, wenn die Römer die Region nie erobert hätten?

2. 788: Das einschneidende Ende der Agilolfinger

Nach dem Abzug der Römer blieben Teile der romanisierten Bevölkerung im Land. Ebenso wie germanische Söldner aus Siedlungen nördlich der Donau, die immer mehr Aufgaben der römischen Grenztruppen übernommen hatten.

Aus beiden Gruppen, weiteren germanischen Stämmen und zahllosen anderen Zuwanderern bildete sich eine neue Ethnie heraus, die die bayerische Geschichte begründete: Die Bajuwaren.

Im 8. Jahrhundert dominierte die Familie der Agiloifinger vom immer noch stark befestigten Regensburg aus den Stamm. Um ihre Herrschaft zu sichern, richteten sie eine erste Kirchenverwaltung ein und gründeten zahlreiche Klöster als Stützpunkte zur Landgewinnung.

Im Zuge dessen kam es zu einer bajuwarischen Besiedlung der Oberpfalz, damals Nordgau genannt, entlang der Flussläufe wie der Naab. Von Westen her siedeln aber auch Franken, von Norden und Osten zusätzlich Slawen im Land.

788 endete diese Phase der bayerischen und Oberpfälzer Geschichte: Das unter den Karolingern erstarkende Frankenreich hatte die Unabhängigkeit der Agilolfinger immer mehr beschnitten. In diesem Jahr setzte Karl der Große schließlich deren letzten Herzog Tassilo III. ab.

Der Nordgau blieb zwar größtenteils bajuwarisch bzw. bayerisch, gehörte aber „nur“ noch zu einer Provinz an der Peripherie des Reiches. Regensburg dagegen entwickelte sich bis zum Aussterben der Karolinger zu einem Zentrum der Königsherrschaft im ostfränkisch-deutschen Reich.

Wie hätte sich die Oberpfalz weiter entwickelt, wenn die Agilolfinger in Regensburg an der Macht geblieben wären?

4. 1057: Das langwierige Ende der Schweinfurter

Ab 938/939 etablierten sich mithilfe der ostfränkischen Könige die Grafen von Schweinfurt als Herrscher über die bayerischen Gebiete im Nordgau. Als Marktgrafen übernahmen sie immer mehr Aufgaben in den Gebieten der mittleren und nördlichen Oberpfalz mit den Zentren in Nabburg (Landkreis Schwandorf) und Sulzbach (Landkreis Sulzbach-Rosenberg).

Diese herzogsähnliche Stellung in unmittelbarer Nähe der bayerischen Hauptstadt Regensburg konnte das damalige Herrschergeschlecht der Luitpoldinger nicht zulassen.

Als einer der ihren als König Heinrich II. über das ostfränkisch-deutsche Reich regierte, kam es zum Konflikt. Er schlug nicht nur einen Aufstand der Schweinfurter nieder. Er schwächte auch durch die Vergabe von Lehnsrechten, zum Beispiel an das Bistum Bamberg, die Stellung der Markgrafen.

Doch erst der Tod des letzten Schweinfurters, Otto, beendet die Versuche, die Oberpfalz von Bayern unabhängig zu machen. Stattdessen setzte eine Zersplitterung der Herrschaft zwischen unterschiedlichen Adelsgeschlechtern ein.

Diese endete für den größten Teil der Region erst als die Mehrzahl der Familien im Laufe des Mittelalters ausstarben und ihr Besitz an die neuen bayerischen Herzöge fiel: Die Wittelsbacher.

Was wäre gewesen, wenn die Schweinfurter die heutige Oberpfalz dauerhaft unter ihrer Herrschaft vereint hätten?

5. 1245: Die freie und Reichsstadt Regensburg

Regensburg hatte sich im Mittelalter nicht nur zum politischen und kulturellen Hauptort des bayerischen Herzogtums entwickelt. Gestützt auf den wachsenden europäischen Handel mit Luxusgütern über die Donau – aber auch über den Regen nach Böhmen –, wuchs die Stadt zur größten Wirtschaftsmetropole im süddeutschen Raum heran.

Zeugnis dieser Bedeutung und des Reichtums waren der Bau der Steinernen Brücke als einzigem festen Donauübergang zwischen Ulm und Wien von 1135 bis 1146 sowie des Doms ab 1273. Hinzu kamen zahlreiche Geschlechtertürme als Ausweis des Reichtums der Patrizier.

Davon profitiert auch die restliche Oberpfalz: Vor allem Amberg und Sulzbach-Rosenberg, wegen ihrer vielen Hammerwerke als „Ruhrgebiet des Mittelalters“ bekannt, exportieren über Vils und Naab ihr Eisenerz nach Regensburg.

Foto der Steinernen Brücke und des Doms in Regensburg.
Wahrzeichen aus der Goldenen Zeit Regensburgs: Die Steinerne Brücke und der Dom.
(Eigenes Foto)

Entsprechend umkämpft waren die Herrschaftsrechte in der Stadt zwischen den bayerischen Herzögen und den Bischöfen von Regensburg. Auch der deutsche König, ab 1138 aus der Familie der Staufer, versuchte, die Metropole mehr an seine Herrschaft zu binden.

Dieses Spannungsfeld nutzten die reichen Bürger, um über mehrere Jahrzehnte immer mehr Rechte der verschiedenen Streitparteien an sich zu ziehen. 1245 gewährte ihnen schließlich Kaiser Friedrich II. das Recht der freien Wahl von Bürgermeistern und Stadträten.

Die Wittelsbacher versuchten vergeblich, ihre „verlorene Hauptstadt“ zurückzuerobern. Stattdessen gelang es den Regensburgern sogar weitere Rechte an sich zu ziehen. Diese dehnten sie schließlich bis 1300 soweit aus, dass die Stadt sich de facto von Bayern unabhängig machte. 1337 scheiterte auch der letzte Versuch des wittelsbachischen Königs, Ludwigs des Bayern, die Stadt militärisch für das Herzogtum zurückzuerobern.

Wie hätte sich Regensburg entwickelt, wenn die Stadt bayerische Hauptstadt geblieben wäre?

6. 1329: Der zersplitternde Hausvertrag von Pavia

Um die ständigen Querellen innerhalb der Wittelsbacher zu beenden, teilte Kaiser Ludwig der Bayer die Territorien seiner Familie.

Grob gesagt entstanden zwei voneinander getrennte Linien: Die bayerische Linie bekam die Herrschaft über die größten Teile Bayerns mit dem Zentrum im heutigen Oberbayern. Der pfälzische Zweig verfügte über das Amt des Pfalzgrafen zu Rhein in der Region um Heidelberg.

Da die Pfalz an sich zu klein für ein Machtgleichgewicht war, kamen Teile des bayerischen Nordgaus hinzu. Aus diesen entwickelte sich die „Obere Pfalz“.

Foto von Amberg mit der Stadtbrille und dem kurfürstlichen Schloss
Wurde durch die Teilungen Hauptstadt der Oberen Pfalz: Amberg mit Stadtbrille und kurfürstlichem Schloss.
(Eigenes Foto)

Da der bisherige Verwaltungssitz Burglengenfeld in bayerischem Besitz blieb, brauchten die Pfälzer eine neue Hauptstadt. So wurde Amberg erstmals Sitz von Regierungsamt und Residenzstadt für die kurpfälzischen Statthalter.

Auch die Pfalzgrafen bei Rhein hielten sich nun häufig in der Stadt auf. Zeitweise war es Tradition, dass ihre designierten Nachfolger die Statthalterschaft in Amberg übernahmen, um das Regierungshandwerk zu lernen.

Wie hätten sich die Wittelsbachischen Besitzungen und damit die Oberpfalz noch aufteilen können?

7. 1373: Das kurzfristige Ende von Neuböhmen

Der Nachfolger Ludwigs des Bayern, Kaiser Karl IV., hatte ebenfalls Pläne in der Oberpfalz. Er wollte einen Landkorridor aufbauen, der von der heutigen Tschechischen Republik, die er als König von Böhmen beherrschte, bis zu den damaligen Zentren des Heiligen Römischen Reiches, Nürnberg und Frankfurt, reichte.

Dazu erwarb er bis 1353 von den Pfalzgrafen Gebiete in der nördlichen Oberpfalz, die er von Sulzbach aus verwalten ließ. Diese förderte er durch gezielte Vergabe von Privilegien sowie dem Ausbau des Straßen- und Handelsnetzes der „Goldenen Straße“. Ziel war es, diese Teile der Oberpfalz langfristig an die Krone Böhmens zu binden.

Jedoch gab er diese Strategie 1373 auf: Im Vertrag von Fürstenwalde tauschte er große Teile von „Neuböhmen“ gegen die strategisch wichtige Mark Brandenburg.

Zwar gab es um Auerbach (Landkreis Amberg-Sulzbach) noch ein kleines Restgebiet. Dieses ging aber unter Karls Nachfolger Wenzel in kriegerischen Auseinandersetzung fast vollständig verloren.

Wie hätte sich ein länger bestehendes Neuböhmen auf die restliche Oberpfalz ausgewirkt?

8. 1492: Der erzwungene Verzicht auf Regensburg

Im 15. Jahrhundert geriet das vormals reiche Regensburg in wirtschaftliche Schwierigkeiten: Der Fernhandel verschob sich weg von der Stadt, während die Patrizier aus den alten Handelsfamilien nur ihren Machterhalt im Sinn hatten. Da sie daher das Handwerk klein gehalten hatten, fehlte es der freien Reichsstadt an Wirtschaftszweigen, die den Abstieg abfangen konnten.

Der bayerische Herzog trug seinen Teil dazu bei. Nach dem Verlust der Stadt förderte er umliegende Städte und verwickelte die Stadt immer wieder in kräfteraubende Wirtschaftskriege. Er profitierte davon, dass das Territorium der freien Reichsstadt klein war und er selbst innerhalb ihrer Mauern – wie der Bischof – weiter Herrschaftsrechte ausübte.

Den letzten Schachzug machte Herzog Albrecht IV. 1486. Er zahlte auf einen Schlag die Schulden seiner Vorgänger bei Regensburg zurück. Dadurch löste er viele Rechte und Besitzungen aus, die die Stadt bis dahin als Pfand besessen hatte. Die Stadtherren, wirtschaftlich und durch soziale Spannungen geschwächt, gaben seinem Druck weiter nach und unterstellten sich dem Herzog. Beinahe wäre Regensburg wieder zu Bayern gekommen.

Doch der als machtlos unterschätze Kaiser Friedrich III. konnte Albrecht IV. in einem anderen Konflikt zur Kapitulation zwingen. Daher wurde Regensburg wieder Freie Reichsstadt, wenn auch beschränkt auf das schmale Gebiet der Stadtmauern und der beiden Donauinseln. Die Feindschaft zwischen der Stadt und dem bayerisch dominierten Umland blieb danach noch lange erhalten.

In der Stadt selbst erreichte der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation eine stärkere Position. Dies führte dazu, dass immer mehr Reichstage in der Stadt stattfanden.

Wie hätte es sich für Regensburg ausgewirkt, wenn die Stadt auch nach 1492 bayerisch geblieben wäre?

8. 1504: Die entscheidende Schlacht von Wenzenbach

Im 15. Jahrhundert hatten sich die Territorien der Wittelsbacher unter verschiedenen Linien der Pfälzer und bayerischen Zweige weiter aufgesplittert. Zu den mächtigsten gehörten neben dem Pfalzgrafen zu Rhein die reichen Herzöge aus der Linie Bayern-Landshut.

Beide Familien verbanden sich ab 1430 immer enger, beispielsweise durch die „Amberger Hochzeit“ 1474 zwischen Pfalzgraf Philipp und der Schwester des Herzogs Georg.

Als absehbar wurde, dass letzterer ohne männlichen Nachkommen sterben würde, löste dies vielfältige Aktivitäten aus. So versuchten die Pfälzer eine Vereinigung ihrer (ober-)pfälzer Territorien mit den Gebieten von Bayern-Landshut zu organisieren.

Obwohl der Sohn Philipps, Ruprecht, die einzige Tochter Georgs heiratete, scheiterte dieser Plan. Denn die Herzöge von Bayern-München hatten nicht nur den ersten Anspruch auf das Erbe, sondern auch ein größeres Bündnis hinter sich.

Im „Landshuter Erbfolgekrieg“ kam es zu großen Verwüstungen in Süddeutschland. Die endgültige Entscheidung brachte die Schlacht von Wenzenbach, nördlich von Regensburg. Hier unterlagen die Pfälzer.

Kurz darauf starb die Tochter Georgs. Da Ruprecht schon vor ihr an einer Krankheit gestorben war, waren die Ambitionen des Pfalzgrafen damit gescheitert. Ein Großteil der Gebiete von Bayern-Landshut kam in den Besitz Albrechts IV. Dies legte auch 1505 der „Kölner Schiedsspruch“ als Bedingung für den Frieden endgültig fest.

Was wäre gewesen, wenn die Pfälzer die Schlacht von Wenzenbach und den Landshuter Erbfolgekrieg gewonnen hätten?

9. 1625: Die unfreiwillige Rekatholisierung

Seit den 1520er Jahren hatte sich der evangelisch-reformierte Glaube in der Oberpfalz ausgebreitet und den altgläubigen Katholizismus zurückgedrängt.

Diese konfessionelle Zersplitterung verstärkte noch die Einführung des reformierten Calvinismus durch die pfälzische Regierung Ende des 16. Jahrhunderts. 1592 wurde der erbitterte Widerstand der evangelischen Residenzstadt im „Amberger Lärmen“ gebrochen. Dies kostete die Stadt einen großen Teil ihrer Autonomierechte.

Mit Repressalien gegen Abweichler und Bevorzugung von Calvinisten bei der Besetzung von Ämtern wäre es den Pfälzern fast gelungen, den größten Teil der Oberpfalz zu einer Hochburg des neuen Glaubens zu machen.

Dreifaltigkeitskirche Kappl in Waldsassen
Im Zuge der Rekatholisierung kam es auch zu zahlreichen Wiederherstellungen und Neubauten von katholischen Kirchen. Ein Beispiel ist die architektonisch einzigartige Dreifaltigkeitskirche Kappl in Waldsassen.
(AMB/Shutterstock)

Diese Entwicklung brach durch den Dreißigjährigen Krieg zusammen. Auslöser dieses europaweiten Konflikts war die Wahl des Pfalzgrafen Friedrich V. zum böhmischen König. Als „Winterkönig“ verlor er die Schlacht am Weißen Berg und seine Herrschaftsgebiete wurden zur Beute der Sieger. Da er als Führer des evangelisch-reformierten Bündnisses fungierte, hielten sich nun seine katholischen Gegner schadlos.

Für die „pfälzische“ Oberpfalz bedeutete dies 1625 die Rückkehr zu Bayern. Unter dem Herzog beziehungsweise Kurfürsten Maximilian setze nicht nur die Wiedervereinigung ein, sondern auch eine rigorose Rekatholisierung. Beispielsweise richteten die neuen Herrscher in der Hauptstadt Amberg ein katholisches Lyzeum als Kaderschmiede ein – das heutige Erasmus-Gymnasium.

Dies bedeutete einen tiefen Einschnitt in der Geschichte der Oberpfalz: Wirtschaftlicher Niedergang in Folge des Krieges und politische Vernachlässigung durch München trug zu einer inneren Distanz der Bevölkerung gegenüber ihren neuen Herren bei.

Welche anderen Entwicklungen wären für die verschiedenen Glaubenswechsel in der Oberpfalz möglich gewesen?

10. 1663: Der immerwährende Reichstag

Regensburg entwickelte sich im 16. Jahrhundert zu einem beliebten Standort für die Reichstage, die regelmäßigen Versammlungen der Kurfürsten, Fürsten und Reichsstädte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Die Stadt war verkehrstechnisch günstig gelegen, da über die Donau nah an der Hauptstadt der Habsburgerkaiser, Wien. Zudem bot die Stadt seit der Einführung des Luthertums für die städtischen Bürger – die Untertanen des Bischofs und des Herzogs blieben katholisch – Kirchenorganisationen für die beiden großen Konfessionen des Reiches.

Als 1663 der Reichstag nicht mehr wie üblich seinen Abschied nahm, entwickelte sich die Stadt zum permanenten Sitz dieser Institution. Dies brachte zwar fürstlichen Glanz und kulturelle Blüte nach Regensburg.

Da die Mitglieder des Reichstags aber politisch und wirtschaftlich nicht der Stadt unterstanden, besserten sie durch Schmuggel und Verkauf eigener Waren ihr Gehalt zum Schaden Regensburgs auf. Auch ließ sich der Kaiser meistens vertreten, seit 1748 durch die seitdem in Regensburg ansässige Familie von Thurn und Taxis.

Daher richtete der Stadtrat mehrfach ein Gesuch an den Kaiser, den Reichstag zu verlegen. Doch diese Bitte blieb ungehört bis zum Ende des Reiches 1806 im Zuge der Kriege des französischen Kaisers Napoléon.

Welche Folgen hätte es für die Reichsstadt Regensburg gehabt, wenn der Reichstag nicht dort geblieben wäre?

11. 1810: Die neue Hauptstadt der Oberpfalz

Die Zeit Napoléons führte zu großen Veränderungen für die Region. Zwar gab es seit 1799 eine „Provinz Oberpfalz“ als verwaltungstechnischer Zusammenschluss verschiedener wittelsbachischer Territorien. Erleichtert wurde dies durch den Zusammenschluss von Bayern und der Pfalz unter Kurfürst Karl Theodor seit 1778.

Durch die Kriege der Französischen Revolution und Napoléons kamen nun immer mehr kirchliche Gebiete und kleinere Herrschaften zu dieser Provinz.

Fahne der Oberpfalz mit Pfälzer Löwen, bayerischen Rauen und dem Stadtwappen von Regensburg
Das Wappen des heutigen Bezirks verweist auf die Geschichte der Oberpfalz. Links der Pfälzer Löwe, rechts die bayerischen Rauten und unten die Schlüssel des Regensburger Stadtwappens.
(Andreas Wolochow/Shutterstock)

1810 erhielt sie schließlich eine neue Hauptstadt: Aus dem aufgelösten Fürstentum Regensburg, das für eine kurze Reformperiode in der Stadt stand, wurde die ehemalige Reichsstadt wieder dem Königreich Bayern zugeschlagen.

Für Regensburg ein Abstieg. Von der Stadt der Reichstage mit einer gewissen kulturellen Bedeutung sank sie zu einer Provinzstadt unter vielen ab. Vor allem schmerzte die Abgabe von vielen über die Jahrhunderte angesammelten Kunstschätzen nach München.

Auch in Amberg waren die Bewohner nicht glücklich über den Verlust der jahrhundertelangen Hauptstadtfunktion, der zu einem spürbaren Verlust an wirtschaftlichen und kulturellen Impulsen führte. Seitdem verlieh sich Amberg den Titel „heimliche Hauptstadt der Oberpfalz“.

Damit war die Oberpfalz erstmals seit Jahrhunderten wieder unter einer Herrschaft vereint.

Wie hätten sich die wiedervereinigte Oberpfalz und Amberg entwickelt, wenn Regensburg nicht Hauptstadt geworden wäre?

12. 1856: Die verspätete Gründung der Ostbahngesellschaft

Bereits 1838 stellte Amberg ein Gesuch an den bayerischen König Ludwig I., eine Eisenbahnstrecke von Nürnberg über Amberg nach Regensburg zu bauen. Da der König aber auf sein Prestigeprojekt des Main-Donau-Kanals für die Erschließung Ostbayern setze, scheiterte es, ebenso wie weitere Vorschläge.

Erst als der Landtag fast 20 Jahre später aufgrund von fehlenden staatlichen Geldern die Erlaubnis zur Gründung von privaten Eisenbahngesellschaften gab, kam der Ausbau der Eisenbahn in der Oberpfalz voran.

Historische Lokomotive am Bahnhof Weiden.
Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes (hier eine historische Lokomotive am Bahnhof Weiden) kam es zu einem Industrialisierungsschub in der Oberpfalz, der die Region bis nach dem Zweiten Weltkrieg prägte.
(Andreas Wolochow/Shutterstock)

Statt Amberg entwickelte sich nun Schwandorf zum Knotenpunkt der Durchgangslinien nach Nürnberg, Regensburg und Prag.

Die Eisenbahn führte erstmals seit dem Mittelalter zu einem kleinen Industrialisierungsschub, vor allem in der Glas- und Porzellanherstellung der Nordoberpfalz.

Was wäre gewesen, wenn die Eisenbahn bereits vor 1856 in der Oberpfalz gebaut worden wäre?

13. 1962: Die endgültige Gründung der Universität Regensburg

Bereits seit Jahrhunderten strebte die Stadt Regensburg die Gründung einer Hochschule an. Scheitern Versuche zuerst am Geldmangel der Reichsstadt, stand die Provinzstadt lange nicht auf der Prioritätenliste Bayerns für eine solche Ansiedlung.

Erst 1962 beschloss der Landtag die Gründung der Universität Regensburg, um „die Begabungsreserven“ der Region zu fördern. Lehre und Forschung nahmen nicht nur einen langfristigen Einfluss auf das kulturelle Leben der bis dahin durch Kirche und Beamten geprägten Stadt.

Die Hochschule lieferte auch entscheidende Vorteile bei der Ansiedlung von vielen Unternehmen. Damit legte die Universität, der 1978 die Fachhochschule folgte, den Grundstein für den heutigen Großstadtstatus von Regensburg.

Wie hätte sich eine früher gegründete Universität Regensburg ausgewirkt?

14. 1978: Das langwierige Ende der „autofreundlichen“ Altstadt in Regensburg

Die heute als Weltkulturerbe berühmte Altstadt von Regensburg hatte zwar den Zweiten Weltkrieg ohne große Schäden überstanden.

Doch in den 1950er Jahren galt sie als dringend sanierungsbedürftiger Schandfleck. In vielen baufälligen Wohnungen fehlte es teilweise an grundsätzlichen hygienischen Voraussetzungen.

Bei einer Sanierung stand aber die Prämisse der „autofreundlichen Altstadt“ im Vordergrund. Ein gut ausgebautes Straßennetz mit vielen Parkplätzen sollte die Altstadt als Einkaufs- und Verwaltungsmittelpunkt schnell erreichbar machen.

Die Pläne dazu sahen für die historischen Viertel neben einem inneren und äußeren Straßenring auch eine Nord-Süd- sowie eine Ost-West-Achse vor. Krönung wäre eine vier- bis sechsspurige Bayerwaldbrücke von Stadtamhof aus gewesen.

Erst anfang der 1970er Jahre flossen nicht nur mehr Mittel für eine denkmalgeschütze Sanierung von Gebäuden.

Auch und vor allem erster Widerstand von verschiedenen Bürgerinitiativen sorgte für ein Umdenken. Zum Beispiel führte das erste Bürgerfest 1973 zu Gesinnungswandel vieler Bürger über den Stellenwert ihrer Altstadt.

So kam es bereits 1974 zu einer Abschwächung des Regensburger Straßenverkehrsplans. Aber erst 1978 wurden die Pläne für die Bayerwaldbrücke endgültig auf Eis gelegt.

Was wäre gewesen, wenn die Pläne der "autofreundlichen Stadt" in Regensburg durchgeführt worden wären?

15. 1989: Die umkämpfte Aufgabe der WAA

Als sich 1985 die Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen für Wackersdorf bei Schwandorf als Standort der bundesdeutschen atomaren Wiederaufbereitungsanlage (kurz WAA) entschied, galt die Atomkraft als Zukunftstechnologie.

Daher sah eine Mehrzahl der lokalen Politiker zuerst die Vorteile von hoch qualifizierten Arbeitsplätzen in der strukturschwachen Oberpfalz.

Doch die Stimmung in der Bevölkerung hatte sich bereits gedreht. Erste Initiativen gründeten sich und bauten den Widerstand mit Hilfe der Menschen in der Region auf. Vor allem der Landrat von Schwandorf, Hans Schuierer, entwickelte sich zur Symbolfigur des immer stärkeren Widerstandes.

Obwohl die Polizei, teilweise mit Gewalt, die Proteste im Zaum hielt, sank der wirtschaftliche und politische Rückhalt für das Projekt. Als 1988 mit dem Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß der einflussreichste Befürworter starb, beerdigten seine Nachfolger das bundesweit bekannte Projekt ein Jahr später.

Wie hätte sich eine tatsächlich gebaute Wiederaufbereitungsanlage in der Oberpfalz ausgewirkt?

16. 1991: Die uneinige Gründung der OTH Amberg-Weiden

Die Geschichte um die Vergabe der Fachhochschule in die Oberpfalz ist bis heute von zahlreichen Anekdoten und Legenden umwuchert. Da bereits Regensburg gezeigt hatte, welch enormen Einfluss eine solche Entscheidung hatte, war der Standort in der strukturschwachen Oberpfalz entsprechend umkämpft.

Fakt war in jedem Fall, dass sich Anfang der 1990er Jahre sowohl Amberg als auch Weiden darum beworben hatten.

Campus der OTH Amberg-Weiden in Amberg
In Amberg wurde der Hochschulcampus auf einem ehemaligen Kasernengelände untergebracht.
(Christian Mielke/Shutterstock)

Danach hörte die Einigkeit der Erzählung aber auf. Einmal galt der Standort Amberg als gesetzt, bis der bayerische Wirtschaftsminister wahlweise mit Rücktritt drohte oder sogar einen Herzinfarkt vortäuschte, um für seine Heimatstadt Weiden einen Standort zu sichern.

Einmal stand sogar im Raum, aufgrund der Rivalität beider Städte keine weitere Hochschule in der Region aufzubauen und stattdessen die Fachhochschule Regensburg auszubauen.

Am Ende einigte sich das bayerische Kabinett aber auf die Kompromisslösung eines Doppelstandortes, wodurch sowohl die mittlere als auch die nördliche Oberpfalz in den Vorteil der strukturellen Impulse kamen.

Was wäre passiert, wenn die Hochschule Amberg-Weiden nicht oder in einer anderen Konstellation gegründet worden wäre?

Quellen und Literatur

  • Horst Bieber: Bataille um eine Brücke, aus: zeit.de (29.03.1974)
  • Matthias Freitag: Regensburg. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2016.
  • Johannes Laschinger: Amberg. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2015.
  • Anna Schiener: Kleine Geschichte der Oberpfalz. Regensburg 2016.
  • Reinhold Willfurth: Der Krimi um den Hochschul-Zuschlag, aus mittelbayerische.de (10.11.2013).

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