Das Römische Reich wies von seiner mythischen Gründung 753 vor Christus bis in die Spätantike eine vielfältige Geschichte auf: Königszeit, Republik und Kaiserreich (Prinzipat, Dominat) füllten mehr als 1.000 Jahre aus.

In dieser Zeit prägte das Imperium Asien und Afrika, vor allem aber Europa als einheitliches (christliches) Abendland, auch noch lange nach seinem Untergang. Entsprechend vielfältig und einflussreich sind die möglichen alternativen Geschichten.

Ankerpunkte

  1. 500 vor Christus: Die Gründung der einzigartigen römischen Republik
  2. 474 vor Christus: Die zerstörerische Seeschlacht von Kyme
  3. 396 vor Christus: Die dauerhafte Eroberung von Veji
  4. 387 vor Christus: Der traumatische Einfall der Kelten
  5. 295 vor Christus: Die wechselhafte Schlacht von Sentium
  6. 264 vor Christus: Der überraschende Erste Punische Krieg
  7. 218 vor Christus: Der entscheidende Zweite Punische Krieg
  8. 149 vor Christus: Der letzte Dritte Punische Krieg
  9. 133 vor Christus: Die folgenreiche Ermordung von Tiberius Gracchus
  10. 105 vor Christus: Die lehrreiche Schlacht von Arausio
  11. 44 vor Christus: Die berühmte Ermordung Cäsars
  12. 6 nach Christus: Der verlustreiche pannonisch-dalmatische Aufstand
  13. 9 nach Christus: Die wegweisende Varusschlacht
  14. 14 nach Christus: Die gelungene Nachfolge von Augustus
  15. 41 nach Christus: Die folgenlose Ermordung von Caligula
  16. 117: Der natürliche Tod von Kaiser Trajan
  17. 192: Die prägende Reichskrise des 3. Jahrhunderts
  18. 284: Die revolutionäre Tetrarchie
  19. 313: Das neue Christentum
  20. 363: Der Tod des heidnischen Kaisers Julian
  21. 378: Die vernichtende Niederlage von Adrianopel
  22. 395: Die letzte Reichsteilung
  23. 406: Der vereiste Rhein
  24. 455: Die rachsüchtige Ermordung von Kaiser Valentinian III.
  25. 476 bis 480: Die letzten Kaiser

    Quellen und Literatur

1. 500 vor Christus: Die Gründung der einzigartigen römischen Republik

Rom war um diese Zeit zwar ein wachsender und verkehrstechnisch günstig gelegener Stadtstaat unter der Herrschaft von etruskischen Königen. Doch erst mit der Revolte gegen den Monarchen bildeten mächtige Adelsfamilien die neue Herrschaftsform der res publica (lateinisch für: Öffentliche Sache).

Nach längeren Kämpfen mit den Plebejern als Vertreter der Masse des Volkes entstand so im darauf folgenden Jahrhundert mit der römischen Republik ein einzigartiges, komplexes Staatssystem. Diese stark auf Leistung setzende Organisation beeinflusste den weiteren Aufstieg der Regionalmacht auf der italienischen Halbinsel.

Wie hätte sich Rom entwickelt, wenn es zu keiner Revolte gegen den etruskischen König gekommen wäre?

2. 474 vor Christus: Die zerstörerische Seeschlacht von Kyme

Im 5. Jahrhundert vor Christus expandierten zwei Großmächte im mittleren Italien: einerseits der etruskische Zwölfstädtebund mit seinem Zentrum in der heutigen Toskana. Andererseits die griechischen Kolonien, die sich an den Küsten von Sizilien und Kalabrien konzentrieren.

Beide Machtsphären prallten vor allem in Kampanien beim heutigen Neapel aufeinander. Dort kam es auch zu einer entscheidenden Seeschlacht. Griechische Schiffe aus Kyme bei Neapel und Syrakus auf Sizilien schlugen die etruskische Flotte vernichtend.

Damit war die Expansion der Etrusker gestoppt und der Zwölfstädtebund kam in die Defensive. Eine Lücke, in die Jahrzehnte später Rom stieß.

Wie hätte sich Rom gegenüber einem siegreichen Zwölfstädtebund verhalten?

3. 396 vor Christus: Die dauerhafte Eroberung von Veji

Lange konkurrierte der aufstrebende Stadtstaat mit dem benachbarten, etruskischen Veji um die Vorherrschaft in der Region. Ein Jahrhundert von zermürbenden Kriegen entschied sich erst in der erfolgreichen Belagerung von Veji und der anschließenden Zerstörung der Stadt.

Damit verdoppelte Rom nicht nur auf einen Schlag sein Staatsgebiet, sondern öffnete auch das Tor für die weitere Expansion über seine Kernregion hinaus.

Was wäre gewesen, wenn Rom Veji nicht entscheidend geschlagen hätte?

4. 387 vor Christus: Der traumatische Einfall der Kelten

Das Römische Reich erlebte wegen einfallender Kelten eine erste Krise. Das Heer erlitt gegen die Angreifer eine vernichtende Niederlage und die Kelten nahmen die Stadt bis auf den Kapitolinischen Hügel ein. Erst nach längerer Belagerung und der Auszahlung eines hohen Lösegelds zogen sie ab.

Dieses Trauma wirkte bei den Römern lange nach und führte zu weitreichenden militärischen sowie politischen Reformen.

Was wäre gewesen, wenn die Kelten Rom tatsächlich erobert hätten?

5. 295 vor Christus: Die wechselhafte Schlacht von Sentium

In dieser Schlacht zwischen den Römern und ihren Verbündeten gegen eine Koalition aus den Stämmen der Samniten, aus Etruskern, Umbrern und Kelten entschied sich das Schicksal des antiken Italiens.

Als die römischen Legionen nach wechselndem Schlachtglück den Sieg davon trugen, mussten die restlichen Mächte auf der italienischen Halbinsel die Vormacht von Rom anerkennen.

Das westliche Mittelmeer im Jahr 279 vor Christus, aufgeteilt zwischen Rom und Karthago.
Der westliche Mittelmeerraum nach der Schlacht von Sentium und am Vorabend der punischen Kriege.
(Wikimedia Autor: Maximilian Dörrbecker)
Wie hätte sich das antike Italien entwickelt, wenn die Schlacht von Sentium anders ausgegangen wäre?

6. 264 vor Christus: Der überraschende Erste Punische Krieg

Erstmals trafen in einem Konflikt die Großmächte des westlichen Mittelmeerraums aufeinander. Das Römische Reich kontrollierte fast die komplette italienische Halbinsel. Die Seemacht Karthago beherrschte neben der afrikanischen Küste im heutigen Tunesien noch die Inseln Sizilien, Sardinien und Korsika sowie Teile Spaniens.

Zuvor jahrhundertelang eher Verbündete kam es nun zum Machtkampf um das reiche und strategisch günstig gelegene Sizilien.

Obwohl die Seemacht Karthago zuerst im Vorteil erschien, gelang es den Römern, sich schnell an die bisher ungewohnten Gefechte im Mittelmeer anzupassen.

Nach mehreren Niederlagen musste Karthago um Frieden bitten. Sizilien wurde nach dem Sieg Roms die erste Provinz des entstehenden Imperiums, das begann über sein italienisches Stammland auszugreifen und das Mittelmeer als neues Ziel der Expansion auszuwählen.

Wie hätten sich Rom und Karthago entwickelt, wenn das Römische Reich den Ersten Punischen Krieg verloren hätte?

7. 218 vor Christus: Der entscheidende Zweite Punische Krieg

Im Zweiten Punischen Krieg stand die römische Republik mehr als einmal am Rande einer Niederlage. Dem genialen Feldherrn Hannibal gelang es nicht nur, mit seinem Heer und mehreren Elefanten über die Alpen zu ziehen. Er konnte auch mehrfach gegen ihn entsandte römische Heere schlagen.

Höhepunkt war die Schlacht von Cannae, bei der fast die komplette Streitmacht Roms in Italien vernichtet wurde. Diese Schlacht gilt bei Militärs daher bis heute als Musterbeispiel einer Umfassungsschlacht.

Doch das Römische Reich lehnte eine Kapitulation ab, obwohl mehrere Verbündete abfielen. Stattdessen kämpften die Römer erfolgreich gegen die Karthager in deren Nachschubbasen im antiken Hispanien.

Als das römische Heer unter Scipio Africanus sogar in Afrika landete, musste sich Hannibal dorthin zurückziehen. Er verlor aber die Entscheidungsschlacht von Zama.

Am Ende gelang es Rom, Karthago nicht nur zu besiegen, sondern auch als Konkurrenten komplett auszuschalten.

Was wäre aus dem Römischen Reich geworden, wenn Hannibal es zu einer Kapitulation gezwungen hätte?

8. 149 vor Christus: Der letzte Dritte Punische Krieg

Obwohl Karthago nach dem letzten Krieg und den harten Friedensbedingungen kein Rivale für das Römische Reich war, waren die Römer dennoch misstrauisch gegenüber jeder Entwicklung des ehemaligen Konkurrenten.

Als sich der nun mehr als Stadtstaat existierende Gegner wieder erholte, fürchten viele Senatoren eine Wiederholung der alten Konflikte. Als die Karthager in einen Konflikt mit römischen Verbündeten gerieten, erklärte die römische Republik daher sofort den Krieg.

Neben der endgültigen Zerstörung des alten Erzrivalen war dieser Konflikt noch auf zwei Ebenen ein Neustart von Entwicklungen:

Erstens wurde nach ersten Misserfolgen mit Scipio Aemilianus ein Mann zum Oberbefehlshaber und Konsul gewählt, der weder das entsprechende Alter erreicht, noch die vorgeschriebene Ämterlaufbahn absolviert hatte. Zudem förderte die vernichtende Niederlage der Karthager endgültig den Aufstieg von neureichen Plebejern.

Beide Prozesse schwächten die traditionelle Machtbalance der Republik und brachten diese langsam in eine Krise.

Wie hätte sich das Römische Reich entwickelt, wenn Karthago nicht endgültig zerstört worden wäre?

9. 133 vor Christus: Die folgenreiche Ermordung von Tiberius Gracchus

Nach der Ausschaltung aller größeren Rivalen beherrschte die römische Republik das Mittelmeer. Doch innenpolitisch steckte der Staat in einer Krise.

Die Eliten des Senats und die Masse des Volkes, vertreten durch die Volkstribune, rangen um die Macht. Als der Volkstribun Tiberius Gracchus eine Landreform einbrachte, zerbrach die jahrhundertelang eingeübte friedliche Konsensfindung.

Denn er missachtete ausdrücklich das negative Votum des Senats. Das alte Machtzentrum des Staats zog sich dagegen größtenteils auf eine Blockadehaltung gegenüber den Reformen zurück.

Es kam so nicht nur zu Brüchen des bisher praktizierten Gewohnheitsrechts der res publica, sondern auch zu Straßenschlachten und Attentaten.

Nachdem Tiberius Gracchus und sein ihm nachfolgender Bruder Gaius ermordet wurden, glitt die Republik immer mehr in ein Jahrhundert der gewalttätigen Machtkämpfe zwischen ehrgeizigen Senatoren und Volkstribunen ab.

Wie wäre der innenpolitische Konflikt weitergelaufen, wenn Tiberius Gracchus nicht ermordet worden wäre?

10. 105 vor Christus: Die lehrreiche Schlacht von Arausio

Als die germanischen Kimbern, Teutonen und Ambronen auf der Suche nach Land in Richtung Süden zogen, stellte sich ihnen in der heutigen Provence ein römisches Heer in den Weg und erlitt eine vernichtende Niederlage.

Befürchtungen vor einer Invasion in Italien führten zu größeren Reformen im römischen Militär unter dem Konsul Gaius Marius. Erstmals wurden die reformierten Legionen zum Beispiel statt aus Milizen aus Berufssoldaten rekrutiert.

Römische Legionäre in voller Rüstung und mit Schild.
Bildeten das Rückgrat des Imperiums: Hochprofessionelle Legionäre, die den meisten Gegnern an Disziplin und Ausbildung überlegen waren. Die hier gezeigten Personen stellen mit ihrer Ausrüstung die Zeit nach Christi Geburt dar.
(MinDof/Shutterstock)

Dies machte sie einerseits deutlich professioneller: 102 vor Christus schlugen die Römer die Teutonen und Ambronen, ein Jahr später die Kimbern vernichtend.

Andererseits wurden dadurch die Soldaten zu einem eigenen Machtfaktor. Statt sich mit der römischen Republik insgesamt zu identifizieren, folgten sie immer mehr ihren jeweiligen Befehlshabern für Sold, Beute und Ruhm.

Wie hätte sich das römische Heer entwickelt, wenn es die Schlacht von Aurasio gewonnen hätte?

11. 44 vor Christus: Die berühmte Ermordung Cäsars

Zwar gelang es einigen Senatoren in den Iden des März den Diktator Julius Cäsar zu ermorden. Doch der sich daran anschließende Bürgerkrieg führte nicht zu einer Renaissance der römischen Republik.

Stattdessen förderte er den Aufstieg von Cäsars Adoptivsohn Oktavian. Dieser begründete als Augustus nach seinem Sieg offiziell die Republik wieder.

In Wahrheit baute er den Staat mit dem Prinzipat zu einer monarchischen Ordnung um. Diese lies formal die Institutionen der Republik bestehen, war aber in Wirklichkeit eine Militärdiktatur mit Ausnahmerechten für den Kaiser.

Diese komplexe Ordnung war durchaus labil, hielt sich aber in Abwandlungen bis zum Ende des Römischen Reiches.

Was wäre gewesen, wenn Cäsar nicht ermordet worden wäre?

12. 6 nach Christus: Der verlustreiche pannonisch-dalmatische Aufstand

Kurz nach Christi Geburt war das Römische Reich wieder auf Expansionskurs. Um Gallien abzusichern, drangen die Legionen immer weiter in Germanien vor und errichteten dort bis zur Elbe Stützpunkte für eine Unterwerfung des Landes.

Um die Küstenprovinzen an der Adria vor Einfällen zu schützen, eroberten römische Armeen fast zeitgleich die Regionen von Pannonien (heute in etwa Westungarn und östliches Österreich) und Dalmatien (Teile im Hinterland von Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien).

So erfolgreich waren die Angriffe, dass Kaiser Augustus eine Eroberung des Reiches von Marbod, eines romanisierten Germanenkönigs in der heutigen Tschechischen Republik, ins Auge fasste.

Doch 6 nach Christus brachen parallel zwei gewaltige Aufstände in den beiden eroberten Balkanprovinzen aus. Rom musste gewaltige Ressourcen mobilisieren und stand mehrfach am Rande der Niederlage, bevor der zukünftige Kaiser Tiberius die Rebellionen niederschlagen konnte. Einer seiner Befehlshaber war dabei der Cheruskerfürst Arminius, der bei germanischen Hilfstruppen diente.

Die Niederschlagung des Aufstandes sicherte endgültig eine Landverbindung zwischen dem westlichen und östlichen Teil des Imperiums. Sie kostete aber so viele Ressourcen, dass das römische Heer in anderen Regionen unterbesetzt war: zum Beispiel in Germanien.

Wie wäre die Expansion des Imperiums weitergelaufen, hätte es den pannonisch-dalmatischen Aufstand nicht gegeben?

13. 9 nach Christus: Die wegweisende Varusschlacht

An einem bisher noch nicht näher bestimmten Ort in Norddeutschland geriet der römische Statthalter Publius Quintilius Varus in einen Hinterhalt von germanischen Aufständischen unter Führung des Cheruskers Arminius.

Die anschließende Vernichtung von drei Legionen zusammen mit ihrem Tross und Hilfstruppen führte zum Zusammenbruch der römischen Herrschaft in Germanien jenseits von Rhein und Donau.

Das Römische Reich hatte dort zwar seit 7 vor Christus die Germania magna unter Kontrolle und diese bereits als Provinz in das Imperium eingegliedert. Nun waren aber zwei Drittel der römischen Rheinarmee vernichtet, das restliche Drittel konnte sich nur schnell zurückziehen.

Arminius schickte den abgeschlagenen Kopf von Varus zu König Marbod, um ein Bündnis zu schließen, das den römischen Einfluss in Germanien endgültig beendet und sogar die Front an Rhein und Donau in Gefahr gebracht hätte. Doch sowohl die Bündnisverhandlungen als auch Versuche von Arminius, ein größeres germanisches Königtum zu begründen, scheiterten.

Notdürftig gelang es wiederum Tiberius, neun neue Legionen auszuheben, um die Grenze zwischen dem aufständischen Germanien und Gallien zu sichern.

Fast fünf Jahre dauerte es, bis Roms Legionen wieder stark genug waren, um einen Gegenschlag zu wagen. Als aber mehrere Feldzüge in den folgenden Jahren den Aufstand nicht niederschlagen konnten, gab Rom schließlich seine Expansionspläne in dieser Region größtenteils auf.

Doch um die Grenze zu sichern, beseitigten römische Spione mithilfe von Intrigen zuerst Marbod, dann Arminius. Es dauerte über hundert Jahre, bis die Germanen wieder zu einer größeren Bedrohung für das Imperium wurden.

Was wäre mit dem römischen Germanien passiert, wenn Varus nicht in den Hinterhalt des Arminius geraten wäre?

14. 14 nach Christus: Die gelungene Nachfolge von Augustus

Als der erste Kaiser mit 70 Jahren starb, trat mit Tiberius ein Verwandter problemlos die Nachfolge an. Bis dahin war es allerdings ein weiter Weg.

Augustus und seine Frau Livia konnten selbst keine Kinder bekommen und die noch wache republikanische Tradition stand der Gründung einer Familiendynastie zuerst entgegen.

Statue von Octavian, besser bekannt als Kaiser Augustus.
Begründete das römische Prinzipat und die erste Dynastie des römischen Kaiserreichs: Octavian, besser bekannt als Augustus.
(Gilmanshin/Shutterstock)

Mehrere Nachfolgekandidaten aus der eigenen Familie, die Augustus adoptierte, starben vor ihm. Sein Stiefsohn Tiberius hatte sich nach dem Scheitern der Ehe mit Augustus Tochter Livia und mehreren Konflikten mit dem Kaiser sogar auf die Insel Rhodos zurückgezogen.

Erst kurz vor seinem Tod adoptierte letzterer Tiberius „um des Staates willen“ und organisierte die Nachfolge für ihn erfolgreich.

Wie hätte sich das römische Prinzipat entwickelt, wenn die Nachfolgeregelung des Augustus gescheitert wäre?

15. 41 nach Christus: Die folgenlose Ermordung von Caligula

Als erster Kaiser fiel Caligula einem Attentat der Prätorianergarde, die eigentlich für seinen Schutz verantwortlich war, zum Opfer. Als Nachfolger riefen die Soldaten seinen Onkel Claudius aus, der als einer der wenigen aus der ersten Kaiserdynastie überlebt hatte.

Zwar diskutierte der Senat eine Wiedereinführung der Republik, konnte sich aber nicht einigen und unterwarf sich Claudius.

Was wäre gewesen, wenn der Senat tatsächlich versucht hätte, die Republik (wieder) auszurufen?

16. 117: Der natürliche Tod von Kaiser Trajan

Als der 63-jährige Kaiser an einer Krankheit starb, war das Römische Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht.

Der erste Adoptivkaiser eroberte nicht nur das Dakerreich im heutigen Rumänien, sondern auch weite Gebiete im heutigen Irak. Als erster und einziger Kaiser drangen seine Truppen sogar bis zum persischen Golf vor. Noch jahrhundertelang später galt seine Herrschaft als Idealbild.

Aber er hatte die Kräfte des Imperiums überdehnt. Als er plötzlich starb, waren in den eroberten Gebieten bereits Revolten ausgebrochen. Seine Nachfolger gaben daher einen Großteil dieser Territorien wieder auf.

Nie wieder dehnte Rom danach sein Reich weiter aus.

Wie hätte sich das Römische Reich entwickelt, wenn Trajan nicht 117 gestorben wäre?

17. 192: Die prägende Reichskrise des 3. Jahrhunderts

Als Commodus, der Sohn und Nachfolger von Kaiser Marc Aurel, einem Attentat zum Opfer fiel, endete nicht nur ein Goldendes Zeitalter für das Römische Reich. Es begann eine lang anhaltende Krise aus Bürgerkriegen, militärischen Krisen und wirtschaftlichem Niedergang.

Während der sogenannten Soldatenkaiser (235 bis 284) wechselten sich in 50 Jahren 50 Usurpatoren auf dem Thron in Rom ab, ohne dem Reich dauerhaft Stabilität zu bringen. Gleichzeitig erstarkte der persische Erzrivale im Osten unter der neuen Dynastie der Sassaniden, während sich im Norden die Germanen zu größeren Stämmen zusammenschlossen. An beiden Grenzen konnten die römischen Legionen die Bedrohungen nicht aufhalten.

Stattdessen waren die Truppen immer mehr in Staatsstreiche gegen die nur kurz amtierenden Kaiser verwickelt. Zeitweise spalteten sich sogar Teile des Reiches im Osten und Westen ab.

Erst unter Kaiser Diokletian ab 284 stabilisierte sich die Lage wieder dauerhaft.

Wie hätte das Römische Reich die Reichskrise erlebt, wenn Commodus nicht ermordet worden wäre?

18. 284: Die revolutionäre Tetrarchie

Diokletian unternahm den bisher größten Reformversuch des Römischen Reiches: Statt eines Kaisers an der Spitze sollten zukünftig vier das Imperium regieren. Zwei gleichberechtigte Augusti als Seniorkaiser und zwei Caesari als Juniorkaiser, die gleichzeitig nach 20 Jahren die Nachfolge der Augusti antraten.

Jeder verantwortete einen bestimmten Bereich des Reiches, jeweils zwei im Westen und Osten. Gesetze ergingen weiterhin im Namen aller vier Kaiser, um die Einheit des Imperiums zu verdeutlichen.

Rom selbst hatte aber bereits in der Reichskrise an Bedeutung abgenommen und verlor nun weiter seine politische sowie strategische Bedeutung. Stattdessen nahmen die Kaiser ihre Residenzen jeweils nahe an den aus ihrer Sicht bedrohten Grenzen.

Statuen der ersten vier Kaiser der Tetrarchie.
Diese Statuen gelten traditionell als Darstellung der Kaiser der ersten Tetrarchie.
(Ralph Haeussler/Shutterstock)

Auf diese Weise gelang es der Tetrarchie („4er-Herrschaft“) bis 300 das Imperium zu stabilisieren.

Doch die Reformen gingen weiter. Hatten die Kaiser bis dahin die Illusion eines Princeps inter pares (Erster unter Gleichen) aufrechterhalten, verwandelte sich der Kaiser unter Diokletian endgültig in eine sakrale Person, die auch über den Senatoren stand. Auch die Provinzen und das Militär wurden von Grund auf neu organisiert.

Einen Erfolg hatten die neuen Entwicklungen in jedem Fall: Als Diokletian nach 20 Jahren wie vorgeschrieben zurücktrat, gelang erstmals nach Jahrhunderten ein geordneter und friedlicher Wechsel.

Was wäre gewesen, wenn Diokletian mit seinen Reformen gescheitert wäre?

19. 313: Das neue Christentum

Die Tetrarchie endete allerdings bereits nach zwei Generationen, als sich Kaiser Konstantin zuerst zum Amt eines Mitkaiser putschte und nach Ausschaltung aller Rivalen zu einem Alleinherrscher wurde. Dadurch etablierte sich erstmals seit fast 100 Jahren wieder eine Dynastie auf dem Kaiserthron.

Bedeutender war eine andere Entscheidung: Er erklärte das Christentum zur anerkannten Religion.

Bis dahin waren die Anhänger von Jesus Christus nur eine Minderheit in der Bevölkerung und insbesondere in den einflussreichen Eliten des Reiches eine Seltenheit.

Doch nach Konstantin waren fast alle Kaiser Christen, die ihre Religion mit Einfluss bedachten. Dieser Glauben entwickelte sich so zur dominierenden Macht, die sogar das Römische Reich überlebte.

Gleichzeitig wurden Glaubenskämpfe unter den unterschiedlichen christlichen Ausprägungen immer mehr zu einem Einflussfaktor für die Politik des Imperiums.

Die christliche Prägung zeigte sich auch bei der neuen Hauptstadt, die Konstantin 330 feierlich einweihen ließ: Konstantinopel. Um diese entstand in den darauf folgenden Jahrhunderten das Oströmische und Byzantinische Reich.

Wie hätte sich das Römische Reich entwickelt, wenn die Tetrarchie bestanden hätte und das Christentum nicht anerkannt worden wäre?

20. 363: Der Tod des heidnischen Kaisers Julian

Eine Ausnahme unter den Kaisern der Spätantike bildete Julian, der 360 an die Macht kam. Obwohl christlich erzogen und aus der konstantinischen Dynastie, bemühte er sich, die alten heidnischen Kulte wiederzubeleben und den Einfluss des Christentums zurückzudrängen. Dafür bekam er in der christlich geprägten Überlieferung den Beinahmen Apostata, was Abtrünniger auf Griechisch bedeutet.

Zuerst militärisch erfolgreich gegen einfallende Germanen und Rivalen aus der eigenen Familie, starb der letzte heidnische Kaiser als letztes Mitglied der konstantinischen Dynastie 363 bei einem Feldzug gegen die Perser unter ungeklärten Umständen. Danach gab es keine Versuche einer heidnischen Renaissance mehr.

Zudem musste sein erneut von Soldaten ausgerufener Nachfolger Jovian einen demütigenden Frieden mit den Persern schließen. Nur so konnte er das angeschlagene Heer wieder in das Gebiet des Imperiums retten. Diese Grenzverschiebung gegenüber den Sassaniden konnten die Römer nie wieder ändern.

Was wäre gewesen, wenn Kaiser Julian auf dem Feldzug nicht gestorben wäre?

21. 378: Die vernichtende Niederlage von Adrianopel

Als die Goten 376 um Einlass in das Römische Reich baten, galt dies als Beginn der Völkerwanderung. Denn die überforderte und teilweise korrupte Verwaltung des Imperiums hielt die Neuankömmlinge nicht unter Kontrolle.

Als diese plündernd durch die Balkanprovinzen zogen, stellte sich ihnen Kaiser Valens entgegen. Er erlitt aber eine vernichtende Niederlage, die das Römische Reich nicht nur einen Kaiser, sondern auch einen großen Teil seiner gut ausgebildeten Berufssoldaten kostete.

382 musste Rom daher mit den Goten einen Vertrag schließen, der diese zu Foederati erklärte. Gegen Land verpflichteten sie sich, für das Römische Reich zu kämpfen. Damit bildeten sie aber den ersten germanischen „Staat im Staate“ auf römischem Territorium.

Was wäre gewesen, wenn Kaiser Valens die Schlacht von Adrianopel gewonnen hätte?

22. 395: Die letzte Reichsteilung

Kaiser Theodosius erklärte nicht nur das Christentum zur Staatsreligion, sondern teilte kurz vor seinem plötzlichen Tod mit 48 Jahren das Reich unter seinen unerfahrenen Söhnen auf.

Diese Reichsteilungen waren bis dahin üblich, aber von ihren Grenzen und der Dauer her nie langfristig angelegt.

Das weströmische und oströmische Reich kurz nach der Reichsteilung von 395.
Karte des Weströmischen und Oströmischen Reiches nach der letzten Reichsteilung. Originalquelle: (Wikimedia Autor: Novarte)

Dieses Mal war es anders, denn West- und Ostrom waren danach nie wieder unter einem Kaiser vereint.

Was wäre gewesen, wenn Kaiser Theodosius nicht so plötzlich gestorben wäre?

23. 406: Der vereiste Rhein

In einem angeblich bitterkalten Winter vereiste der Grenzfluss Rhein so stark, dass mehrere germanische Stämme problemlos in das von der geschwächten römischen Armee verlassene Gallien einfallen konnten.

Zwar gelang es einem Usurpator aus Britannien, die Eindringlinge in Gallien kurzzeitig unter Kontrolle zu bringen.

Langfristig verlor das Weströmische Reich aber immer mehr die Kontrolle über Britannien, Gallien und Hispanien. Als die Vandalen ab 429 noch die nordafrikanischen Provinzen einnahmen, brach für das Weströmische Reich endgültig die Grundlage für Steuereinnahmen und die Rekrutierungsbasis für seine Armeen zusammen.

Damit erhöhte sich die Abhängigkeit von germanischen Söldnertruppen und deren Generälen.

Was wäre gewesen, wenn der Rhein 406 nicht vereist gewesen wäre?

24. 455: Die rachsüchtige Ermordung von Kaiser Valentinian III.

Als Kaiser Valentinian III. 454 seinen mächtigen Heermeister Flavius Aetius ermordete, sollte dies eigentlich ein Befreiungsschlag werden. Hatte der mächtige Feldherr doch nach seinem Sieg auf den Katalaunischen Feldern gegen die Hunnen 451 und dem Tod von deren König Attila 453 eine engere Bindung des Kaiserhauses angestrebt.

Dadurch wollte Aetius endgültig den schon machtlosen Kaiser in den Hintergrund drängen. Eine Herausforderung, die sich Valentinian nach dem Ende der hunnischen Bedrohung nicht mehr bieten lassen wollte.

Aber der Mord erwies sich als fatal: Zwei Gefolgsleute des Heermeisters rächten dessen Tod durch ein erfolgreiches Attentat auf den letzten weströmischen Kaiser der valentinianisch-theodosianischen Dynastie.

Ohne diese dynastische Legitimation waren die nachfolgenden, schnell wechselnden Kaiser kaum noch eigene Machtfaktoren. Stattdessen dominierten die meist germanischen Heermeister als eigentliche Herrscher.

Was wäre gewesen, wenn der Heermeister Aetius und/oder Kaiser Valentinian III. nicht ermordet worden wären?

25. 476 bis 480: Die letzten Kaiser

Das endgültige Ende des Weströmischen Reiches ist in der Forschung nach wie vor umstritten: 476 setzte der Heermeister Odoaker den letzten Marionetten-Kaiser Romulus Augustus ab und schickte die kaiserlichen Insignien nach Konstantinopel.

Zwar lebte zur gleichen Zeit noch der von Ostrom anerkannte Kaiser Julius Nepos. Er war aber bereits 475 vom Heermeister Orestes aus Italien vertrieben worden. Als er 480 ermordet wurde, endete die Linie der weströmischen Kaiser auch endgültig.

Was wäre gewesen, wenn das (West-)Römische Reich nicht zwischen 476 und 480 untergegangen wäre?

Quellen und Literatur

  • GEO Epoche: Das Römische Imperium. April 2001.
  • GEO Epoche: ROM. Die Geschichte der Republik. August 2011.
  • GEO Epoche: ROM. Die Geschichte des Kaiserreichs. April 2012.
  • DER SPIEGEL Geschichte: Das Ende des Römischen Reiches. Januar 2009.
  • DER SPIEGEL Geschichte: ROM. Aufstieg und Fall der Republik. Oktober 2015.
  • ZEIT Geschichte. Augustus. Roms erster Kaiser. Mai 2014.

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