1. Alternative History
  2. Was wäre gewesen, wenn?
  3. Ankerpunkte für Alternative History
  4. Vorstellungskraft für Alternative History
  5. Alternative History im Ankerpunkte Blog
  6. Einführung in das Thema Alternative History
  7. Struktur des Ankerpunkte Blogs
  8. Quellen und Literatur

1. Alternative History

Alternative History, auch als Alternative Geschichte oder Alternativweltgeschichte bekannt, ist das Beschreiben von alternativen Verläufen der Geschichte.

Ausgehend von einer „Was wäre wenn“-Frage beschreibt Alternative History eine oder mehrere alternative Entwicklungen der Geschichte.

Alternative History ist deshalb einerseits ein literarisches Genre, andererseits bietet es die Möglichkeit für ein tiefgreifenderes Verständnis der Vergangenheit.

2. Was wäre gewesen, wenn?

Die hypothetische Frage, was sich verändern würde, wäre ein Ereignis in der Vergangenheit anders verlaufen, beschäftigt die Menschen seit Jahrhunderten.

Der starke Reiz solcher „Was-wäre-wenn“-Fragen erklärt sich meiner Meinung nach dadurch, dass sich jeder diese schon im eigenen Leben gestellt hat.

Klassische Beispiele sind:

  • Was wäre gewesen, wenn ich mich in dieser oder jener Situation in meinem Leben anders entschieden hätte?
  • Was wäre gewesen, wenn ich manche Personen nie oder bei einer anderen Gelegenheit getroffen hätte?
Deutsche Infanterie vor einem brennenden Dorf während der Operation Barbarossa
Eine Verbindung von persönlichen „Was wäre wenn“-Fragen und Alternative History stellt das Gedankenspiel dar, wie Menschen sich zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs und des Nationalsozialismus verhalten hätten.
(Everett Collection/Shutterstock)

Solche Gedankenexperimente gehören zur Analyse von Erfolgen und Misserfolgen im Leben eines jeden Menschen.

Die eigene Gegenwart und Zukunft werden so durch einen hypothetischen Griff in die Vergangenheit etwas ausgehebelt.

Eine solche Einordnung kann damit einerseits helfen, die eigene Situation realistischer einzuschätzen. Denn sie ermöglicht tiefergehende Erkenntnisse zur Vergangenheitsbewältigung, eröffnet neue Denkwege und zukünftige Handlungsmöglichkeiten

Sie kann aber andererseits zu einer verzerrten Rückschau und einer falschen negativen oder positiven Interpretation der eigenen Vergangenheit führen.

Drei Pfeile, die von einem gemeinsamen Punkt abgehen, zeigen die verschiedenen Richtungen einer alternativen Geschichte.
Ausgehend von einem festgelegten Ereignis sind verschiedene Abzweigungen im Leben und in der Geschichte möglich.
(Sasha Ka/Shutterstock)

Meiner Meinung nach verhält es sich mit der Analyse in der Geschichte ähnlich.

Denn die Menschheitsgeschichte hat sich nie linear auf einen Zielpunkt hinbewegt, sondern war immer offen für verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten.

Schön hat es der Paläoanthropologe Chris Stringer für sein Fach formuliert:

„Der Grund, weshalb sich aus unseren Vorfahren die anatomisch modernen Menschen entwickelt haben, ist doch nicht das Resultat eines geplanten oder direkten Prozesses, sondern es ist das Ergebnis vieler Zufälle. Und alles zusammen hat uns zu etwas gemacht, was man sich am Beginn dieses Prozesses niemals hätte vorstellen können.“

Chris Stringer

3. Ankerpunkte für Alternative History

Ausgangspunkt für solche Alternative Historys ist ein historisches Ereignis oder eine Entscheidung in der Vergangenheit.

Ausschlaggebend ist, dass bei der historischen Entscheidung verschiedene Optionen möglich waren oder das Ereignis in der Vergangenheit unterschiedliche Entwicklungen für die Zukunft auslösen konnte.

Ausgehend davon erforscht der jeweilige Autor – oder natürlich die Autorin – die Möglichkeiten für eine veränderte Vergangenheit und deren Folgen.

Die Wissenschaft und Literatur nennen solche Ereignisse und Entscheidungen Wende- oder Diversionspunkte.

Hier im Blog nenne ich sie Ankerpunkte.

Denn solche Punkte bilden quasi den Anker, von dem aus sich die Szenarien wie ein Segelschiff in das unbekannte Gewässer einer alternativen Vergangenheit aufmachen.

Altes Segelschiff, das auf den Nebel zusegelt
Einmal den Anker gesetzt, kann es auch zu bisher unbekannten Zielen gehen.
(James Steidl/Shutterstock)

Eine weitere Analogie ergibt sich dabei zum Bogenschießen: Dort ist der Anker oder Ankerpunkte die Stelle, an der die Abschusshand liegt, bevor der Schütze den Pfeil abschießt.

Alter Mann, der mit Bogen auf Zielscheibe zielt
Beim Bogenschießen ist die Abschusshand (hier vorne) entscheidend, damit der Schütze sein Ziel immer gut anvisieren kann.
(ChameleonsEye/Shutterstock)

Ein Beispiel für einen solchen historischen Ankerpunkt wäre, dass Adolf Hitler beim Attentat des 20. Julis 1944 nicht nur leicht verletzt wird. Sondern er stirbt an den Folgen des Bombenanschlags statt wie in der „realen“ Vergangenheit erst kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs.

Die Frage und das Szenario wären nun, wie sich ein früherer Tod Hitlers auf den weiteren Verlauf des Krieges ausgewirkt hätte.

4. Vorstellungskraft bei Alternative History

Der Vorstellungskraft sind bei solchen Szenarien zuerst keine Grenzen gesetzt, denn eine Alternative History ist zuerst nicht festgelegt.

Da sie nicht geschehen ist, kann niemand mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit sagen, wie sie verlaufen könnte.

Nach meiner Erfahrung gibt es für jede Vergangenheit, die sich Menschen als bessere Utopie vorstellen können, genauso viele Möglichkeiten für schlechtere Entwicklungen in Form von Dystopien.

Karte von Europa im Kalten Krieg
Neben dem Dritten Reich und dem Zweiten Weltkrieg bot das in zwei Blöcke geteilte Europa im Kalten Krieg zwischen 1945 und 1990 viel Raum für literarische Utopien und Dystopien.
(Borhax/Shutterstock)

So ist es theoretisch sowohl denkbar, dass die Nationalsozialisten 1933 nicht an die Macht gekommen wären, als auch dass sie 1945 den Zweiten Weltkrieg siegreich oder vergleichsweise unbeschadet überstanden hätten.

5. Alternative History im Ankerpunkte Blog

Aber in eine bloße Spekulation soll dieser Blog nicht abdriften.

Stattdessen strebe ich an, die Alternative History hier möglichst wissenschaftlich fundiert aufzubereiten.

Gleichzeitig möchte ich im Ankerpunkte Blog zeigen, dass Alternative History auch jenseits der üblichen Szenarien, wie der unvermeidlichen Nazis, möglich ist.

Foto des Autors und Blogbetreibers
Steckt hinter dem „ich“: Blogbetreiber und Autor Bastian Vergnon
(Foto: fotografie-ruidl.de)

Denn für Alternative History gilt aus meiner Sicht ein alter Grundsatz der Geschichtswissenschaft noch stärker:

Wer die Vergangenheit erforscht, beschreibt, analysiert und interpretiert, zeigt dabei mindestens so viel über die eigene Gegenwart wie über die Vergangenheit.

So sagt ein Ankerpunkt für eine alternative Vergangenheit zum Beispiel aus, wo die Gegenwart und der Autor die treibenden Kräfte der Geschichte vermuten.

Nur wenn sich die Autoren, egal ob im Ankerpunkte Blog oder anderswo, dies bewusstmachen, können sie gute Szenarien und Geschichten schreiben.

6. Einführung in das Thema Alternative History

Um neuen Lesern den Einstieg zu erleichtern, habe ich für eine erste Einführung in das Thema weitere Seiten aufgebaut.

Ausgehend von diesem Artikel behandeln sie die einzelnen Aspekte von Alternative History genauer.

Diese Seiten zeigen, dass Alternative History ein sehr breites Thema ist, das entsprechend umfassend behandelt, erklärt und eingeordnet werden muss.

7. Struktur des Ankerpunkte Blogs

Der Ankerpunkte Blog hat als Ziel, auch diese thematische Breite möglichst vollkommen abzubilden.

Dafür habe ich den Blog grob nach den folgenden Übersichten strukturiert:

  • Wo lagen mögliche Ankerpunkte für Alternative History in der Vergangenheit?
    Ausgehend von wissenschaftlichen Standards sammle ich solche Artikel in der Kategorie der „Historischen Hintergründe“.

  • Welche Ereignisse oder Entwicklungen ergaben sich aus möglichen Änderungen?
    Für diese Art der halb wissenschaftlichen, halb literarischen Spekulation gibt es die Kategorie der „Imaginären Szenarien“.

  • Welche Spielräume hatten die einzelnen Akteure in diesen Entwicklungen überhaupt?
    Diese fast komplett literarisch geprägte Kategorie gibt es unter „Fiktive Geschichten“.

  • Wie haben sich schon andere Autoren aus Wissenschaft und Literatur mit Alternative History beschäftigt?
    Deren Antworten sind in der Kategorie „Romane und Filme“ zu finden.

Mit dem Ankerpunkte Blog und seinen vielen verschiedenen Unterseiten möchte ich Alternative History fundiert verankern.

Am Ende soll der Blog nicht weniger als DIE Informationsquelle im deutschsprachigen Raum zu diesem Thema sein.

Ob mir das hier gelingt, bleibt wie überall im Internet dem von mir mehr oder minder geschätzten Urteil der Leserinnen und Leser überlassen.

8. Quellen und Literatur

  • Johannes Dillinger: Uchronie. Ungeschehene Geschichte von der Antike bis zum Steampunk. Paderborn 2015.
  • Richard J. Evans: Veränderte Vergangenheiten. Über kontrafaktisches Erzählen in der Geschichte. München 2013.
  • Thomas Lindemann: Wenn Nazis siegen und die Schweiz Krieg führt. Alternative Geschichte, auf: welt.de (26.09.2008).
  • Hans-Peter von Peschke: Was wäre wenn. Alternative Geschichte. Darmstadt 2016.
  • Michael Stang: Wo stand die „Wiege der Menschheit“? Streit unter Paläoanthropologen, auf: deutschlandfunk.de (20.05.2021).

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