<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Ankerpunkte Blog</title>
	<atom:link href="https://ankerpunkte-blog.de/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://ankerpunkte-blog.de/</link>
	<description>Was wäre wenn... jemand einen Blog über Alternative History schreiben würde?</description>
	<lastBuildDate>Wed, 25 Mar 2026 13:23:49 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/cropped-Favicon-Ankerpunkte.png?fit=32%2C32&#038;ssl=1</url>
	<title>Ankerpunkte Blog</title>
	<link>https://ankerpunkte-blog.de/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
<site xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">118181279</site>	<item>
		<title>23 Punkte, an denen die Geschichte der Oberpfalz und Regensburgs anders gelaufen wäre</title>
		<link>https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberpfalz-regensburg/</link>
					<comments>https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberpfalz-regensburg/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Feb 2026 19:42:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayerische Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Historische Hintergründe]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ankerpunkte-blog.de/?p=671</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Bewohner der Oberpfalz und ihrer Hauptstadt Regensburg werden in Bayern gerne unterschätzt. Doch die Region zwischen Franken, der Tschechischen Republik und Südbayern stand oft im Fokus der Geschichte. Vielfältige Herrschaften lösten sich im Spannungsfeld der Regional- und Großmächte in der Mitte Europas ab. So kreuzten sich in der Oberpfalz und Regensburg viele Wege der [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberpfalz-regensburg/">23 Punkte, an denen die Geschichte der Oberpfalz und Regensburgs anders gelaufen wäre</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Die Bewohner der Oberpfalz und ihrer Hauptstadt Regensburg werden in Bayern gerne unterschätzt. </p>



<p>Doch die Region zwischen Franken, der Tschechischen Republik und Südbayern stand oft im Fokus der Geschichte. Vielfältige Herrschaften lösten sich im Spannungsfeld der Regional- und Großmächte in der Mitte Europas ab. </p>



<span id="more-671"></span>



<p>So kreuzten sich in der Oberpfalz und Regensburg viele Wege der <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">Alternative History</a>. </p>



<p>Zur besseren Orientierung gibt es Anfang eine Karte der heutigen Oberpfalz mit den kreisfreien Städten Regensburg, Amberg und Weiden. Umgeben ist der Bezirk von <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberfranken-bayreuth/">Oberfranken (gelblich)</a>, <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-mittelfranken-nuernberg/">Mittelfranken (rötlich)</a>, <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/oberbayern-muenchen/">Oberbayern (grün)</a> und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-niederbayerns/">Niederbayern (orange)</a>. Im Westen in dunklerem Rot markiert ist die kreisfreie Stadt Nürnberg mit ihren Nachbarstädten Fürth und Erlangen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="598" height="424" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Oberpfalz.png?resize=598%2C424&#038;ssl=1" alt="Karte der Bezirks Oberpfalz in Bayern mit den kreisfreien Städten Regensburg, Amberg und Weiden sowie den Landkreisen Regensburg, Neumarkt in der Oberpfalz, Amberg-Sulzbach, Schwandorf, Cham. Neustadt an der Waldnaab und Tirschenreuth." class="wp-image-741" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Oberpfalz.png?w=598&amp;ssl=1 598w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Oberpfalz.png?resize=300%2C213&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 598px) 100vw, 598px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia Autor: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bavaria,_administrative_divisions_-_de_-_colored.svg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">TUBS/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p><em>Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal am 29. September 2020. Er wurde seitdem am 20. März und 18. Dezember 2021, am 10. April und 13. November 2023 sowie am 16. Februar 2026 überarbeitet.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ankerpunkte</h2>



<ol class="wp-block-list">
<li><a href="#rom">15 vor Christus: Die unbedeutende Eroberung durch das römische Reich</a></li>



<li><a href="#agilolfinger">788: Das einschneidende Ende der Agilolfinger</a></li>



<li><a href="#schweinfurter">1057: Das langwierige Ende der Schweinfurter</a></li>



<li><a href="#sulzbach">1167: Das vorzeitige Ende der Grafen von Sulzbach</a></li>



<li><a href="#regensburg">1245: Die freie und Reichsstadt Regensburg</a></li>



<li><a href="#eger">1322: Die endgültige Verpfändung von Eger</a></li>



<li><a href="#pavia">1329: Der zersplitternde Hausvertrag von Pavia</a></li>



<li><a href="#neuboehmen">1373: Das kurzfristige Ende von Neuböhmen</a></li>



<li><a href="#hiltersried">1433: Die hussitische Schlacht bei Hiltersried</a></li>



<li><a href="#albrecht">1492: Der erzwungene Verzicht auf Regensburg</a></li>



<li><a href="#wenzenbach">1504: Die entscheidende Schlacht von Wenzenbach</a></li>



<li><a href="#pfalz">1519: Die junge Pfalz-Neuburg</a></li>



<li><a href="#rekatholisierung">1625: Die unfreiwillige Rekatholisierung</a></li>



<li><a href="#reichstag">1663: Der zwiespältige immerwährende Reichstag</a></li>



<li><a href="#schlacht-amberg">1796: Die verhinderte Entscheidungsschlacht bei Amberg</a></li>



<li><a href="#hauptstadt">1810: Die neue Hauptstadt der Oberpfalz</a></li>



<li><a href="#maxhuette">1853/54: Der verhinderte Konkurs der Maxhütte</a></li>



<li><a href="#ostbahn">1856: Die verspätete Gründung der Ostbahngesellschaft</a></li>



<li><a href="#amberg">1945: Die tödlich verhinderte Verteidigung von Amberg</a></li>



<li><a href="#universitaet">1962: Die endgültige Gründung der Universität Regensburg</a></li>



<li><a href="#autofreundlich">1978: Das langwierige Ende der &#8222;autofreundlichen&#8220; Altstadt in Regensburg</a></li>



<li><a href="#waa">1989: Die umkämpfte Aufgabe der WAA</a></li>



<li><a href="#oth">1991: Die uneinige Gründung der OTH Amberg-Weiden</a><br><br><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ol>



<h3 class="wp-block-heading" id="rom">1. 15 vor Christus: Die unbedeutende Eroberung durch das römische Reich</h3>



<p>Vor der Zeitenwende war das Gebiet der Oberpfalz mehrheitlich von Kelten und weniger von Germanen besiedelt. </p>



<p class=".post-content">Mit der Eroberung durch die römischen Legionen, die das strategische Vorfeld von Italien und Gallien sichern wollten, erhielt die Oberpfalz nicht nur Anschluss an den <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/geschichte-roemisches-reich/">einheitlichen Kulturraum des Imperiums</a>. </p>



<p>Das bekannteste Beispiel ist nach der Zerstörung von Vorgängerbauten ein im Jahr 179 aufgebautes Legionslager: Castra Regina – das heutige Regensburg.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/R%C3%B6mische-Legion.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Legionäre waren auch für die römischen Provinzen in der südlichen Oberpfalz entscheidend." class="wp-image-721" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/R%C3%B6mische-Legion.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/R%C3%B6mische-Legion.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(MinDof/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Die Oberpfalz nördlich der Donau gehörte offiziell zwar zum freien Germanien. Das kaum bewohnte, von verschiedenen germanischen Stämmen besiedelte Land blieb aber nicht unbeeinflusst durch die Römer. </p>



<p>Es gab ausgehend von den Flusstälern von Naab und Regen Handelsbeziehungen, vor allem im 3. und 4. Jahrhundert auch Plünderungszüge in die römischen Provinzen. </p>



<p>Diese blieben aber bis zum Ende des Römischen Reiches unbedeutende Regionen des Imperiums.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Römer die Region nie erobert hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="agilolfinger">2. 788: Das einschneidende Ende der Agilolfinger</h3>



<p>Nach dem Abzug der Römer blieben Teile der romanisierten Bevölkerung im Land. Ebenso wie germanische Söldner aus Siedlungen nördlich der Donau, die immer mehr Aufgaben der römischen Grenztruppen übernommen hatten. </p>



<p>Aus beiden Gruppen, weiteren germanischen Stämmen und zahllosen anderen Zuwanderern bildete sich eine neue Ethnie heraus, die die bayerische Geschichte begründete: die Bajuwaren.</p>



<p>Im 8. Jahrhundert dominierte die Familie der Agilolfinger vom immer <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/800-de-bello-baiuvaria/">noch stark befestigten Regensburg</a> aus den Stamm. </p>



<p>Um ihre Herrschaft zu sichern, richteten sie eine erste Kirchenverwaltung ein und gründeten zahlreiche Klöster als Stützpunkte zur Landgewinnung. </p>



<p>Im Zuge dessen kam es zu einer bajuwarischen Besiedlung der Oberpfalz, damals Nordgau genannt, entlang der Flussläufe wie der Naab. Von Westen her siedelten aber auch Franken, von Norden und Osten zusätzlich Slawen im Land.</p>



<p>Da die heutige Oberpfalz zwischen Sulzbach (Landkreis Amberg-Sulzbach) und Premberg (Landkreis Schwandorf) im Frühmittelalter bereits ein wichtiges Zentrum der Eisenverarbeitung war, war die Region zwischen bajuwarischen Agilolfingern und fränkischen Karolingern umkämpft.</p>



<p>788 endete diese Phase der bayerischen und Oberpfälzer Geschichte: Das unter den Karolingern erstarkende Frankenreich (auf der Karte in grünen Farben) hatte die Unabhängigkeit der Agilolfinger immer mehr beschnitten. In diesem Jahr setzte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/zeitmaschine-karls-des-grossen-oliver-henkel/">Karl der Große</a> schließlich deren letzten Herzog, Tassilo&nbsp;III., ab.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="600" height="425" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Baiuvaria-im-Fraenkischen-Reich.png?resize=600%2C425&#038;ssl=1" alt="Karte des Fränkischen Reiches mit dem Gebiet der Bajuwaren" class="wp-image-2683" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Baiuvaria-im-Fraenkischen-Reich.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Baiuvaria-im-Fraenkischen-Reich.png?resize=300%2C213&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Baiuaria_im_Fr%C3%A4nkischen_Reich.svg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Plinganser/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Der Nordgau blieb zwar größtenteils bajuwarisch bzw. bayerisch, gehörte aber &#8222;nur&#8220; noch zu einer Provinz an der Peripherie des Reiches. </p>



<p>Regensburg dagegen entwickelte sich bis zum Aussterben der Karolinger zu einem Zentrum der Königsherrschaft im ostfränkisch-deutschen Reich.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich die Oberpfalz weiter entwickelt, wenn die Agilolfinger in Regensburg an der Macht geblieben wären?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="schweinfurter">3. 1057: Das langwierige Ende der Schweinfurter</h3>



<p>Ab 938/939 etablierten sich mithilfe der ostfränkischen Könige <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-unterfranken-wuerzburg/">die Grafen von Schweinfurt</a> als Herrscher über die bayerischen Gebiete im Nordgau. </p>



<p>Als Markgrafen übernahmen sie immer mehr Aufgaben in den Gebieten der mittleren und nördlichen Oberpfalz mit den Zentren in Nabburg (Landkreis Schwandorf, siehe Bild) und Sulzbach.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Nabburg.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto der Altstadt von Nabburg über dem Fluss Naab" class="wp-image-2686" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Nabburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Nabburg.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Robert Ruidl/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Diese herzogsähnliche Stellung in unmittelbarer Nähe ihrer Hauptstadt Regensburg konnte das damalige Herrschergeschlecht der bayerischen Ottonen nicht zulassen.</p>



<p>Als einer der ihren als König Heinrich II. über das ostfränkisch-deutsche Reich regierte, kam es zum Konflikt. </p>



<p>Er schlug nicht nur einen Aufstand der Schweinfurter nieder. Er schwächte auch durch die Vergabe von Lehnsrechten, zum Beispiel an das Bistum Bamberg, die Stellung der Markgrafen. </p>



<p>Doch erst der Tod des letzten Schweinfurters, Otto, beendet 1057 die Versuche, die Oberpfalz von Bayern unabhängig zu machen. </p>



<p>Stattdessen setzte eine Zersplitterung der Herrschaft zwischen unterschiedlichen Adelsgeschlechtern ein. </p>



<p>Diese endete für den größten Teil der Region erst, als die Mehrzahl der Familien im Laufe des Mittelalters ausstarb und ihr Besitz an die neuen bayerischen Herzöge fiel: die Wittelsbacher.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Schweinfurter die heutige Oberpfalz dauerhaft unter ihrer Herrschaft vereint hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="sulzbach">4. 1167: Das vorzeitige Ende der Grafen von Sulzbach</h3>



<p>Ein Beispiel für eine solche Adelsfamilie waren die mächtigen Grafen von Sulzbach. Ausgehend von ihrer gleichnamigen Stammburg (siehe unten Bild aus der heutigen Zeit) beherrschten sie nicht nur weite Teile der Oberpfalz, sondern waren durch weitere Güter im heutigen Bayern sowie zahlreiche Heiratsverbindungen eines der mächtigsten Geschlechter des Heiligen Römischen Reiches.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="312" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Burg-Sulzbach.jpg?resize=600%2C312&#038;ssl=1" alt="Foto der Burg Sulzbach im Landkreis Amberg-Sulzbach" class="wp-image-5946" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Burg-Sulzbach.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Burg-Sulzbach.jpg?resize=300%2C156&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(ManuEis &#8211; Photographie/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>1167 starb jedoch mit Berengar II. der letzte männliche Sulzbacher auf einem Italienzug mit Kaiser Barbarossa an der Pest.</p>



<p>Da der noch lebende Vater von Berengar, Gebhard II., sonst nur Töchter gezeugt hatte, war das Ende ihrer Herrschaft absehbar.</p>



<p>Als Gebhard III. im Jahr 1188 starb, verteilten sich daher seine Güter unter den Ehemännern seiner Töchter.</p>



<p>Besonders profitierte davon aber ein Geschlecht, das keine verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Sulzbachern gepflegt und mit ihnen sogar rivalisiert hatte – die Wittelsbacher.</p>



<p>Im Nordgau brachte der Tod von Berengar II. für sie einen ersten Durchbruch, da bereits vor dem Tod von Gebhard III. mehrere von dessen Gefolgsleuten auf die Seite der Wittelsbacher-Herzöge wechselten.</p>



<p>Abgeschlossen wurde diese Entwicklung 1305/1307, als nach dem Aussterben weiterer Adelsgeschlechter der ehemalige Sulzbacher Besitz in der Oberpfalz endgültig an die Wittelsbacher ging.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätten sich Sulzbach und die Oberpfalz entwickelt, wenn Berengar II. nicht vorzeitig gestorben wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="regensburg">5. 1245: Die freie und Reichsstadt Regensburg</h3>



<p>Regensburg hatte sich im Mittelalter nicht nur zum politischen und kulturellen Hauptort des bayerischen Herzogtums entwickelt. </p>



<p>Gestützt auf den wachsenden europäischen Handel mit Luxusgütern über die Donau – aber auch über den Regen nach Böhmen – wuchs die Stadt zur größten Wirtschaftsmetropole im süddeutschen Raum heran. </p>



<p>Zeugnisse dieser Bedeutung und des Reichtums waren der Bau der Steinernen Brücke als einzigem festen Donauübergang zwischen Ulm und Wien von 1135 bis 1146 sowie des Doms ab 1273. Hinzu kamen zahlreiche Geschlechtertürme als Ausweis des Reichtums der Patrizier.</p>



<p>Die verschiedenen Befestigungsanlagen von Regensburg zeigen deutlich die Expansion der Stadt bis ins hohe Mittelalter. Sie drückten außerdem die Wehrhaftigkeit der Stadt und ihrer Bürger aus.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="454" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Befestigungen-Regensburg.jpg?resize=600%2C454&#038;ssl=1" alt="Karte der Stadtmauern von Regensburg" class="wp-image-2684" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Befestigungen-Regensburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Befestigungen-Regensburg.jpg?resize=300%2C227&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Werk: Bernd Edtmaier)</figcaption></figure>



<p>Davon profitiert auch die restliche Oberpfalz: Vor allem Amberg und Sulzbach-Rosenberg, wegen ihrer vielen Hammerwerke als <em>&#8222;Ruhrgebiet des Mittelalters&#8220; </em>bekannt, exportieren über Vils und Naab ihr Eisenerz nach Regensburg.</p>



<p>Entsprechend umkämpft waren die Herrschaftsrechte in der Stadt zwischen den bayerischen Herzögen und den Bischöfen von Regensburg. </p>



<p>Auch der deutsche König, ab 1138 aus der Familie der Staufer, versuchte, die Metropole mehr an seine Herrschaft zu binden. </p>



<p>Dieses Spannungsfeld nutzten die vermögenden Bürger, um über mehrere Jahrzehnte immer mehr Rechte der verschiedenen Streitparteien an sich zu ziehen. 1245 gewährte ihnen schließlich Kaiser Friedrich II. das Recht der freien Wahl von Bürgermeistern und Stadträten.</p>



<p>Die Wittelsbacher versuchten vergeblich, ihre <em>&#8222;verlorene Hauptstadt&#8220;</em> zurückzuerobern. </p>



<p>Stattdessen gelang es den Regensburgern, sogar weitere Rechte an sich zu ziehen. Diese dehnten sie schließlich bis 1300 so weit aus, dass die Stadt sich de facto von Bayern unabhängig machte.</p>



<p>1337 scheiterte auch der letzte Versuch des wittelsbachischen Königs, Ludwig des Bayern, die Stadt militärisch für das Herzogtum zurückzuerobern.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Regensburg entwickelt, wenn die Stadt bayerische Hauptstadt geblieben wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="eger">6. 1322: Die endgültige Verpfändung von Eger</h3>



<p>Ab 1100 kolonisierten die Markgrafen von Vohburg und das Kloster Waldsassen das Gebiet um das heutige Eger (tschechisch: Cheb). Sie gliederten das Land in den Nordgau ein, der zu dieser Zeit den Großteil der heutigen Oberpfalz umfasste.</p>



<p>Das Grenzland (heute grob östlich des Landkreises Tirschenreuth) entwickelte sich vor allem unter der Herrschaft der Staufer ab 1146 zu einem strategisch wichtigen und durch den Handel prosperierenden Gebiet. So erhielt zum Beispiel Eger den Status einer Reichsstadt und war Schauplatz mehrerer Aufenthalte der Kaiser Friedrich Barbarossa und Friedrich II.</p>



<p>Vor allem die Burg von Eger (siehe Bild) war unter der Herrschaft der Staufer ein wichtiges Machtzentrum sowohl des Egerlandes als auch des Heiligen Römischen Reiches.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="800" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/12/Eger.jpg?resize=600%2C800&#038;ssl=1" alt="Foto von Burg und Kirche in Eger" class="wp-image-4347" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/12/Eger.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/12/Eger.jpg?resize=225%2C300&amp;ssl=1 225w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Dadurch geriet die Region in den Fokus der Könige von Böhmen, die daran interessiert waren, das angrenzende Egerland, also das Gebiet um die Stadt Eger, unter ihre Herrschaft zu bringen.</p>



<p>Nach dem Untergang der Staufer gelang es den böhmischen Königen jedoch zuerst nicht, das entstandene Machtvakuum dauerhaft zu nutzen.</p>



<p>Denn die bayerischen Wittelsbacher hatten sich einen Großteil des Nordgaus aus dem Besitz der Staufer unterworfen und konnten daher ebenfalls Anspruch auf die Gebiete um Eger erheben.</p>



<p>Erst 1322 entschied sich dieser Konflikt dauerhaft. </p>



<p>Denn der Wittelsbacher Kaiser Ludwig der Bayer verpfändete das Egerland als Dank für die Unterstützung der böhmischen Könige für 20.000 Mark Silber an diese.</p>



<p>Damit war das deutschsprachige Egerland aber formell noch kein Teil des Königreichs Böhmen. Es behielt nach außen eine unabhängige Sonderstellung, die erst im Laufe der Jahrhunderte immer mehr ausgehöhlt wurde.</p>



<p>Jedoch wurde zum Beispiel erst 1782 die kirchliche Bindung an das Bistum Regensburg beendet. Zudem blieb der egerländisch-deutsche Dialekt ein Teil der bairischen Sprachfamilie.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich die spätere Oberpfalz entwickelt, wenn das Egerland nicht dauerhaft Teil des Königreichs Böhmen geworden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="pavia">7. 1329: Der zersplitternde Hausvertrag von Pavia</h3>



<p>Um die ständigen Querelen innerhalb der Wittelsbacher zu beenden, teilte Kaiser Ludwig der Bayer die Territorien seiner Familie.</p>



<p>Grob gesagt entstanden zwei voneinander getrennte Linien: Die bayerische Linie bekam die Herrschaft über die größten Teile Bayerns mit dem Zentrum im heutigen Oberbayern. Der pfälzische Zweig verfügte über das Amt des Pfalzgrafen zu Rhein in der Region um Heidelberg. </p>



<p>Da die Pfalz an sich zu klein für ein Machtgleichgewicht war, kamen Teile des bayerischen Nordgaus hinzu. Aus diesen entwickelte sich die <em>&#8222;Obere Pfalz&#8220;.</em> </p>



<p>Da der bisherige regionale Verwaltungssitz Burglengenfeld in bayerischem Besitz blieb, brauchten die Pfälzer eine neue Hauptstadt. </p>



<p>So wurde Amberg erstmals Sitz von Regierungsamt und Residenzstadt für die kurpfälzischen Statthalter, die sich dort ein eigenes Schloss (im Bild links) in einem Teil der Stadtbefestigung bauten. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="450" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/09/Amberg.jpg?resize=600%2C450&#038;ssl=1" alt="Foto von Amberg mit der Stadtbrille und dem kurfürstlichen Schloss" class="wp-image-1896" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/09/Amberg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/09/Amberg.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Auch die Pfalzgrafen bei Rhein hielten sich nun häufig in der Stadt auf. Zeitweise war es Tradition, dass ihre designierten Nachfolger die Statthalterschaft in Amberg übernahmen, um das Regierungshandwerk zu lernen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätten sich die Wittelsbachischen Besitzungen und damit die Oberpfalz noch aufteilen können?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="neuboehmen">8. 1373: Das kurzfristige Ende von Neuböhmen</h3>



<p>Der Nachfolger Ludwigs des Bayern, Kaiser Karl IV., hatte ebenfalls Pläne in der Oberpfalz. </p>



<p>Er wollte einen Landkorridor aufbauen, der von der heutigen Tschechischen Republik, die er als König von Böhmen beherrschte, bis zu den damaligen Zentren des Heiligen Römischen Reiches, Nürnberg und Frankfurt, reichte. </p>



<p>Dazu erwarb er bis 1353 von den Pfalzgrafen Gebiete in der nördlichen Oberpfalz (auf der Karte der grüne Zipfel links von Böhmen), die er von Sulzbach aus verwalten ließ. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="599" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?resize=600%2C599&#038;ssl=1" alt="Karte der Länder der böhmischen Krone unter Karl IV." class="wp-image-2685" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Karte_B%C3%B6hmen_unter_Karl_IV.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Maximilian Dörrbecker (Chumwa)/CC BY-SA 2.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Diese Herrschaft förderte er durch gezielte Vergabe von Privilegien sowie den Ausbau des bereits bestehenden Straßen- und Handelsnetzes der <em>&#8222;Goldenen Straß</em>e&#8220;.</p>



<p>Ziel von Karl IV. war es, die lukrativen Handelswege zwischen Böhmen und Franken in der Oberpfalz auf sein eigenes Territorium umzuleiten und so zu monopolisieren. </p>



<p>Davon profitierte zum Beispiel die neue Residenzstadt Sulzbach, die in dieser Zeit ihr Stadtgebiet verdoppelte.</p>



<p>Alles deutete darauf hin, dass Karl IV. diese Teile der Oberpfalz langfristig an die Krone Böhmens binden wollte.</p>



<p>Jedoch gab er diese Strategie 1373 auf: Im <em>Vertrag von Fürstenwalde</em> tauschte er große Teile von <em>&#8222;Neuböhmen&#8220; </em>gegen die strategisch wichtige Mark Brandenburg. </p>



<p>Zwar gab es um Auerbach (Landkreis Amberg-Sulzbach) noch ein kleines Restgebiet. Dieses ging aber unter Karls Nachfolger Wenzel in kriegerischen Auseinandersetzungen fast vollständig verloren.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich ein länger bestehendes Neuböhmen auf die restliche Oberpfalz ausgewirkt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="hiltersried">9. 1433: Die hussitische Schlacht bei Hiltersried</h3>



<p>Die Verbindungen zwischen der Oberpfalz und Böhmen blieben danach bestehen. Sie waren jedoch bald von einer langwierigen Auseinandersetzung geprägt: den Hussitenkriegen.</p>



<p>1415 war Jan Hus, der Wortführer der böhmischen Reformbewegung innerhalb der Kirche, auf dem Konzil von Konstanz als Ketzer verbrannt worden. Dies führte zu einem Aufstand der reformorientierten Strömungen im Königreich Böhmen.</p>



<p>Die päpstliche Kirche und Kaiser Sigismund versuchten, den Aufstand durch mehrere Kreuzzüge niederzuschlagen. Sie scheiterten jedoch mit teilweise vernichtenden Niederlagen. Denn die Hussiten nutzten damalige Innovationen wie Feuerwaffen oder speziell gebaute Streitwägen, die sie in Schlachten zu Wagenburgen zusammenziehen konnten, sehr erfolgreich.</p>



<p>Die Oberpfalz war von diesen Auseinandersetzungen betroffen, als hussitische Heere seit 1421 begannen, Raubzüge gegen Nachbarländer zu unternehmen. Sie wollen damit zukünftige Kreuzzüge schwächen und die eigene Nachschubversorgung verbessern. Besonders stark traf es grenznahe Orte wie Furth im Wald, Cham, Waldmünchen (alle Landkreis Cham) oder Bärnau und Tirschenreuth (beide Landkreis Tirschenreuth).</p>



<p>Die Abwehrmaßnahmen in der damaligen Oberpfalz blieben aber Stückwerk und waren oft nicht erfolgreich, zum Beispiel bei einer fehlgeschlagenen Belagerung von Waldmünchen 1426. Ursache war die Zersplitterung der Region in verschiedene Territorien der bayerischen und pfälzischen Wittelsbacher, was eine gemeinsame Abwehrfront erschwerte.</p>



<p>1433 kam es erneut zu einem hussitischen Raubzug in die Oberpfalz. 2.000 bis 3.000 Mann sollten die Region plündern, um das hussitische Belagerungsheer vor der katholischen Stadt Pilsen zu versorgen.</p>



<p>Als ihnen ein Heer des Pfalzgrafen Johann von Pfalz-Neumarkt folgte, war die Lage für die Oberpfälzer zuerst ungünstig: Mit circa 1.200 Mann waren sie zahlenmäßig unterlegen, vor allem da ein Großteil der Verteidiger aus einfachen Bürgern und Bauern der umliegenden Gebiete bestand. Wie groß das Risiko einer Niederlage gesehen wurde, zeigt die Tatsache, dass Pfalzgraf Johann auf Bitten seiner Vasallen nicht an der Schlacht teilnahm.</p>



<p>Den Oberpfälzern gelang es jedoch am 21. September 1433, die Hussiten bei Hiltersried (Landkreis Cham) zur Abendzeit zu überraschen. Deren Wagenburg war noch nicht fertig aufgestellt. </p>



<p>Zudem konnte der Oberpfälzer Feldhauptmann Hindschi Pflug seine Kontingente schnell genug formieren, um einen Eingang der Wagenburg anzugreifen. Sein Heer drang in die Wagenburg ein und die Hussiten begannen zu fliehen.</p>



<p>Am Ende stand eine vernichtende Niederlage der Hussiten. Die Schlacht zerstörte aber nicht nur deren Ruf der Unbesiegbarkeit. </p>



<p>Die fehlende Beute aus der Oberpfalz erschwerte die Belagerung von Pilsen, die schließlich abgebrochen wurde. Vorher brachen aber angesichts der Niederlage und der schlechten Versorgungslage im Lager der Hussiten die Konflikte zwischen Radikalen und Gemäßigten offen aus. 1434 siegten schließlich die Gemäßigten im Königreich Böhmen und legten den Konflikt mit Papst sowie Kaiser vorerst bei.</p>



<pre class="wp-block-verse"><em>Was wäre gewesen, wenn die Oberpfälzer die Schlacht von Hiltersried verloren hätten?</em></pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="albrecht">10. 1492: Der erzwungene Verzicht auf Regensburg</h3>



<p>Im 15. Jahrhundert geriet das vormals reiche Regensburg in wirtschaftliche Schwierigkeiten. </p>



<p>Der Fernhandel verschob sich weg von der Stadt, während die Patrizier aus den alten Handelsfamilien nur ihren Machterhalt im Sinn hatten. Da sie daher das Handwerk klein gehalten hatten, fehlte es der freien Reichsstadt zum Beispiel <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayerisch-schwaben-augsburg/">im Vergleich zu Ulm</a> an Wirtschaftszweigen, die den Abstieg abfangen konnten. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="441" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Regensburg.jpg?resize=600%2C441&#038;ssl=1" alt="Foto der Steinernen Brücke und des Doms in Regensburg." class="wp-image-786" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Regensburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Regensburg.jpg?resize=300%2C221&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Der bayerische Herzog trug seinen Teil dazu bei. Nach dem Verlust der Stadt förderte er umliegende Städte und verwickelte die Stadt immer wieder in kräfteraubende Wirtschaftskriege. </p>



<p>Er profitierte davon, dass das Territorium der freien Reichsstadt klein war und er selbst innerhalb ihrer Mauern – wie der Bischof – weiter Herrschaftsrechte ausübte.</p>



<p>Den letzten Schachzug machte Herzog Albrecht IV. 1486. Er zahlte auf einen Schlag die Schulden seiner Vorgänger bei Regensburg zurück. </p>



<p>Dadurch löste er viele Rechte und Besitzungen aus, die die Stadt bis dahin als Pfand besessen hatte. Die Stadtherren, wirtschaftlich und durch soziale Spannungen geschwächt, gaben seinem Druck weiter nach und unterstellten sich dem Herzog. </p>



<p>Beinahe wäre Regensburg wieder zu Bayern gekommen. </p>



<p>Doch der als machtlos unterschätzte Kaiser Friedrich III. konnte Albrecht IV. in einem anderen Konflikt zur Kapitulation zwingen.</p>



<p>So wurde Regensburg wieder Freie Reichsstadt, wenn auch beschränkt auf das schmale Gebiet der Stadtmauern und der beiden Donauinseln. </p>



<p>Die Feindschaft zwischen der Stadt und dem bayerisch dominierten Umland blieb danach noch lange erhalten. </p>



<p>In der Stadt selbst erreichte der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation eine stärkere Position. Dies führte dazu, dass immer mehr Reichstage in der Stadt stattfanden.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte es sich für Regensburg ausgewirkt, wenn die Stadt auch nach 1492 bayerisch geblieben wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="wenzenbach">11. 1504: Die entscheidende Schlacht von Wenzenbach</h3>



<p>Im 15. Jahrhundert hatten sich die Territorien der Wittelsbacher unter verschiedenen Linien der Pfälzer und bayerischen Zweige weiter zersplittert (siehe Karte). </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="478" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Herzogt%C3%BCmer-Bayern.png?resize=600%2C478&#038;ssl=1" alt="Karte der vier bayerischen Herzogtümer im Jahr 1392." class="wp-image-803" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Herzogt%C3%BCmer-Bayern.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Herzogt%C3%BCmer-Bayern.png?resize=300%2C239&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bayern_nach_der_Teilung_1392.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lencer/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Zu den Mächtigsten gehörten neben dem Pfalzgrafen zu Rhein die reichen Herzöge aus der Linie Bayern-Landshut.</p>



<p>Beide Familien verbanden sich ab 1430 immer enger, beispielsweise durch die <em>&#8222;Amberger Hochzeit&#8220;</em> 1474 zwischen Pfalzgraf Philipp und der Schwester des Herzogs Georg. </p>



<p>Als absehbar wurde, dass Georg ohne männlichen Nachkommen sterben würde, löste dies vielfältige Aktivitäten aus. So versuchten die Pfälzer, eine Vereinigung ihrer (Ober-)pfälzer Territorien mit den Gebieten von Bayern-Landshut zu organisieren.</p>



<p>Obwohl der Sohn Philipps, Ruprecht, die einzige Tochter Georgs heiratete, scheiterte dieser Plan. </p>



<p>Denn die gegnerischen Herzöge von Bayern-München unter Albrecht IV. hatten nicht nur den ersten Anspruch auf das Erbe, sondern auch ein größeres Bündnis hinter sich. </p>



<p>Im <em>&#8222;Landshuter Erbfolgekrieg&#8220; </em>kam es daraufhin zu großen Verwüstungen in Süddeutschland. </p>



<p>Die endgültige Entscheidung brachte die Schlacht von Wenzenbach, nördlich von Regensburg. Hier unterlagen die Pfälzer. </p>



<p>Kurz darauf starb die Tochter Georgs. </p>



<p>Da Ruprecht schon vor ihr an einer Krankheit gestorben war, waren die Ambitionen des Pfalzgrafen damit gescheitert. </p>



<p>Ein Großteil der Gebiete von Bayern-Landshut kam in den Besitz Albrechts IV. Dies legte auch 1505 der <em>&#8222;Kölner Schiedsspruch&#8220;</em> als Bedingung für den Frieden endgültig fest.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Pfälzer die Schlacht von Wenzenbach und den Landshuter Erbfolgekrieg gewonnen hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="pfalz">12. 1519: Die junge Pfalz-Neuburg</h3>



<p>Für die Kinder des unterlegenen Gegners aus der Verbindung der verstorbenen Elisabeth von Bayern-Landshut und Rupprecht von der Pfalz, schufen der <em>&#8222;Kölner Schiedsspruch&#8220;</em>  und nach den darauffolgenden Verhandlungen der <em>&#8222;Ingolstädter Vertrag&#8220; </em>1509 aber ein eigenes Territorium.</p>



<p>Bis der endgültige Umfang dieser Gebiete klar war, dauerte es ebenfalls. So kam die strategisch wichtige Stadt Schwandorf erst nach Verhandlungen im Jahr 1506 vom Herzogtum Bayern-München zum neu geschaffenen Fürstentum.</p>



<p>Diese anfangs namenlose <em>&#8222;junge Pfalz&#8220;</em> für die Prinzen Ottheinrich und Philipp war stark zersplittert in grob sechs Teile, unter anderem in der Oberpfalz:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>die ehemalige Ingolstädter Residenz Neuburg mit Gebieten um Monheim und Reichertshofen</li>



<li>südlich davon Ämter um Höchstädt, Lauingen und Gundelfingen</li>



<li>auf der schwäbischen Alb Allersberg, Heideck und Hilpoltstein</li>



<li>den größten geschlossenen Block in der Oberpfalz um Velburg, Hemau, Regenstauf und Schwandorf, mit der alten Hauptstadt des Nordgau in Burglengenfeld</li>



<li>nördlich davon ein Gebiet um Sulzbach</li>



<li>ebenfalls im Norden die Region um Weiden, Vohenstrauß, Floß und Parkstein</li>
</ul>



<p>Entsprechend war die Hauptresidenz dieser geteilten Länder zuerst unklar, bevor die Wahl unter Ottheinrich auf Neuburg an der Donau fiel. Burglengenfeld wurde nur in einer kurzen Landesteilung zwischen 1535 und 1541 zur Nebenresidenz für Philipp.</p>



<p>Damit begann für Neuburg die <em>&#8222;Residenzzeit&#8220;</em>, die sich schon unter Ottheinrich durch eine seinem Stand gemäße fürstliche Hofhaltung und eine prachtvolle Bautätigkeit, zum Beispiel beim Residenzschloss (siehe Bild), auszeichnete.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Residenzschloss-Neuburg.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto des Residenzschlosses in Neuburg an der Donau mit dem Fluss im Vordergrund" class="wp-image-5461" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Residenzschloss-Neuburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Residenzschloss-Neuburg.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Fotowada/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Auch seine Nachfolger aus verschiedenen Linien der Pfälzer Wittelsbacher sorgten dafür, dass Neuburg bis 1790 architektonisch und politisch aufgewertet wurde.</p>



<p>In der Oberpfalz profitierte nur Sulzbach kurz als Residenz einer Nebenlinie der Neuburger Wittelsbacher zwischen 1656 und 1742.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Neuburg an der Donau nicht Hauptresidenz der <em>"jungen Pfalz"</em> geworden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="rekatholisierung">13. 1625: Die unfreiwillige Rekatholisierung</h3>



<p>Seit den 1520er Jahren hatte sich der reformierte evangelische Glaube in der Oberpfalz ausgebreitet und den altgläubigen Katholizismus zurückgedrängt. </p>



<p>Diese konfessionelle Zersplitterung verstärkte noch die Einführung des reformierten Calvinismus durch die pfälzische Regierung Ende des 16. Jahrhunderts. </p>



<p>1592 wurde zum Beispiel der erbitterte Widerstand der evangelischen Residenzstadt im <em>&#8222;Amberger Lärmen&#8220; </em> gebrochen. Dies kostete die Stadt einen großen Teil ihrer Autonomierechte.</p>



<p>Auch für die restliche Oberpfalz hatten diese Glaubenswechsel nicht nur religiöse Folgen: Als die Pfalzgrafen 1569 das Kloster Waldsassen (heute Landkreis Tirschenreuth) auflösten, führte dies zum Zusammenbruch der für die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung wichtigen und bis dahin durch die Mönche organisierten regionalen Teichwirtschaft.</p>



<p>Mit Repressalien gegen Abweichler und Bevorzugung von Calvinisten bei der Besetzung von Ämtern wäre es den Pfälzern fast gelungen, den größten Teil der Oberpfalz zu einer Hochburg des neuen Glaubens zu machen.</p>



<p>Diese Entwicklung brach durch den <em>Dreißigjährigen Krieg</em> zusammen. </p>



<p>Auslöser dieses europaweiten Konflikts war die Wahl des Pfalzgrafen Friedrich V. zum böhmischen König. </p>



<p>Als <em>&#8222;Winterkönig&#8220;</em> verlor er die Schlacht am Weißen Berg und seine Herrschaftsgebiete wurden zur Beute der Sieger. Da er als Führer des evangelisch-reformierten Bündnisses fungierte, hielten sich nun seine katholischen Gegner schadlos. </p>



<p>Für die &#8222;pfälzische&#8220; Oberpfalz bedeutete dies 1625 die Rückkehr zu Bayern. Unter dem Herzog beziehungsweise Kurfürsten Maximilian setzten nicht nur die Wiedervereinigung ein, sondern auch eine rigorose Rekatholisierung.</p>



<p>Dabei kam es zu zahlreichen Wiederherstellungen und Neubauten von katholischen Kirchen. Ein Beispiel ist die architektonisch einzigartige Dreifaltigkeitskirche Kappl in Waldsassen (siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Dreifaltigkeitskirche-Kappl.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Dreifaltigkeitskirche Kappl in Waldsassen" class="wp-image-923" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Dreifaltigkeitskirche-Kappl.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Dreifaltigkeitskirche-Kappl.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(AMB/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Beispielsweise richteten die neuen Herrscher in der Hauptstadt Amberg ein katholisches Lyzeum als Kaderschmiede ein – das heutige Erasmus-Gymnasium. </p>



<p>Dies bedeutete einen tiefen Einschnitt in der Geschichte der Oberpfalz: Wirtschaftlicher Niedergang in Folge des Krieges und politische Vernachlässigung durch München trugen zu einer inneren Distanz der Bevölkerung gegenüber ihren neuen Herren bei.</p>



<pre class="wp-block-verse">Welche anderen Entwicklungen wären für die verschiedenen Glaubenswechsel in der Oberpfalz möglich gewesen?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="reichstag">14. 1663: Der immerwährende Reichstag</h3>



<p>Regensburg entwickelte sich im 16. Jahrhundert zu einem beliebten Standort für die Reichstage, die regelmäßigen Versammlungen der Kurfürsten, Fürsten und Reichsstädte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. </p>



<p>Die Stadt war verkehrstechnisch günstig gelegen, da sie über die Donau nah an der Hauptstadt der Habsburgerkaiser, Wien, lag.</p>



<p>Zudem bot die Stadt seit der Einführung des Luthertums für die städtischen Bürger – die Untertanen des Regensburger Bischofs und des bayerischen Herzogs blieben katholisch – Kirchenorganisationen für die beiden großen Konfessionen des Reiches.</p>



<p>Als 1663 der Reichstag nicht mehr wie üblich seinen Abschied nahm, entwickelte sich die Stadt zum permanenten Sitz dieser Institution. </p>



<p>Dieser immerwährende Reichstag tagte im Reichssaalgebäude (links im Bild) mitten im historischen Kern von Regensburg neben dem Alten Rathaus der Stadt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="338" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Regensburg-Reichssaal.jpg?resize=600%2C338&#038;ssl=1" alt="Reichssaalgebäude in der Altstadt von Regensburg" class="wp-image-2715" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Regensburg-Reichssaal.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Regensburg-Reichssaal.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Dies brachte zwar fürstlichen Glanz und kulturelle Blüte nach Regensburg. </p>



<p>Da die Mitglieder des Reichstags aber politisch und wirtschaftlich nicht der Stadt unterstanden, besserten sie durch Schmuggel und Verkauf eigener Waren ihr Gehalt zum Schaden Regensburgs auf. </p>



<p>Auch ließ sich der Kaiser meistens vertreten, seit 1748 durch die seitdem in Regensburg ansässige Familie von Thurn und Taxis. </p>



<p>Daher richtete der Stadtrat mehrfach ein Gesuch an den Kaiser, den Reichstag zu verlegen. Doch diese Bitte blieb ungehört bis zum Ende des Reiches 1806 im Zuge der Kriege in der Folge der Französischen Revolution.</p>



<pre class="wp-block-verse">Welche Folgen hätte es für die Reichsstadt Regensburg gehabt, wenn der Reichstag nicht dortgeblieben wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="schlacht-amberg">15. 1796: Die verhinderte Entscheidungsschlacht bei Amberg</h3>



<p>In diesen Revolutionskriegen war die französische Sambre-Maas-Armee unter General Jean-Baptiste Jourdan Anfang 1796 erfolgreich über den Rhein und anschließend nach Franken eingedrungen.</p>



<p>Ziel war es, den in Bayern stehenden österreichischen Armeen unter Erzherzog Karl in den Rücken zu fallen, um anschließend Böhmen angreifen zu können.</p>



<p>Zuerst gelang es den Franzosen erfolgreich, die Österreicher am 17. August in der Schlacht von Sulzbach-Rosenberg zu schlagen und an die Naab abzudrängen. Dies bedeutete auch eine Besetzung der damaligen Oberpfälzer Hauptstadt Amberg.</p>



<p>Als Erzherzog Karl jedoch entgegen den Erwartungen von Jordan nach siegreichen Gefechten bei Deining und Neumarkt von Süden heranrückte und den Truppen an der Naab ebenfalls den Angriff befahl, errichtete Jordan um Amberg herum eine Verteidigungsstellung gegen den zahlenmäßig überlegenen Feind.</p>



<p>Dabei machte er den Fehler, einerseits zu lange auf sich umständlich zurückziehende Truppen zu warten und andererseits unter Zeitdruck eine fehlerhafte Verteidigung zu errichten.</p>



<p>Deshalb kam es am 24. August zur Schlacht bei Amberg (siehe Gedenkstein aus der heutigen Zeit unten).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="882" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Schlacht-bei-Amberg.jpg?resize=600%2C882&#038;ssl=1" alt="Foto des Gedenksteins für die Schlacht bei Amberg in der Oberpfalz" class="wp-image-5948" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Schlacht-bei-Amberg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Schlacht-bei-Amberg.jpg?resize=204%2C300&amp;ssl=1 204w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Hier machte nun Erzherzog Karl einen strategischen Fehler, als er sein Ziel, Jordan auszumanövrieren und im Rücken zu fassen, nicht weiterverfolgte und nur mit einem kleinen Teil seiner Kräfte von Süden gegen Amberg vorging.</p>



<p>Dennoch gelang es den österreichischen Truppen relativ schnell, die Stellungen der französischen Verteidiger, unter denen sich der später berühmte Kavalleriegeneral Ney befand, zu überrennen und Amberg einzunehmen.</p>



<p>Da sie aber erneut zu langsam und mit zu wenigen Kräften weiter angriffen, gelang es Jordan, sich geordnet zurückzuziehen.</p>



<p>Daher konnte ihn Erzherzog Karl zwar im Laufe des Jahres immer weiter aus Deutschland herausmanövrieren, seine Armee aber nie entscheidend zerschlagen.</p>



<p>Währenddessen entschied ein bis dato unbekannter General namens Napoléon Bonaparte den Feldzug in Italien und damit den Krieg zugunsten des revolutionären Frankreichs.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Erzherzog Karl seinen ursprünglichen Feldzugsplan weiterverfolgt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="hauptstadt">16. 1810: Die neue Hauptstadt der Oberpfalz</h3>



<p>Die Zeit Napoléons führte zu großen Veränderungen für die Region. </p>



<p>Zwar gab es seit 1799 eine <em>&#8222;Provinz Oberpfalz&#8220;</em> als verwaltungstechnischen Zusammenschluss verschiedener wittelsbachischer Territorien. Erleichtert wurde diese Entwicklung durch den Zusammenschluss von Bayern und der Pfalz unter Kurfürst Karl Theodor seit 1778.</p>



<p>Durch die Kriege der Französischen Revolution und Napoléons kamen nun immer mehr zuvor unabhängige kirchliche Gebiete und kleinere Herrschaften zu dieser Provinz.</p>



<p>1810 erhielt sie schließlich eine neue Hauptstadt: Aus dem aufgelösten Fürstentum Regensburg, das für eine kurze Reformperiode in der Stadt stand, wurde die ehemalige Reichsstadt wieder dem Königreich Bayern zugeschlagen.</p>



<p>Das Wappen des heutigen Bezirks (siehe Bild) verweist auf diese Geschichte: Links der Pfälzer Löwe, rechts die bayerischen Rauten und unten die Schlüssel des Regensburger Stadtwappens.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="429" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/09/Fahne-Oberpfalz.jpg?resize=600%2C429&#038;ssl=1" alt="Fahne der Oberpfalz mit Pfälzer Löwen, bayerischen Rauen und dem Stadtwappen von Regensburg" class="wp-image-1898" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/09/Fahne-Oberpfalz.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/09/Fahne-Oberpfalz.jpg?resize=300%2C215&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Andreas Wolochow/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Für Regensburg ein Abstieg. Von der Stadt der Reichstage mit einer gewissen kulturellen Bedeutung sank sie zu einer Provinzstadt unter vielen ab. Vor allem schmerzte die Abgabe von vielen über die Jahrhunderte angesammelten Kunstschätzen nach München. </p>



<p>Auch in Amberg waren die Bewohner nicht glücklich über den Verlust der jahrhundertelangen Hauptstadtfunktion, der zu einem spürbaren Verlust an wirtschaftlichen und kulturellen Impulsen führte. </p>



<p>Vor 1810 war Amberg nicht nur Verwaltungssitz der Oberpfalz, sondern auch Garnisons- und Schulstadt. Außerdem war es durch die sternförmige Ausrichtung der Straßen aus der Stadt heraus ein regionales Verkehrszentrum, das durch das damals übliche Botenwesen zusätzlich im Zentrum des Informationsflusses in der Region stand.</p>



<p>Nach 1810 verlieh sich Amberg den Titel <em>&#8222;heimliche Hauptstadt der Oberpfalz&#8220;.</em></p>



<p>Somit war die Oberpfalz erstmals seit Jahrhunderten wieder unter einer Herrschaft vereint.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätten sich die wiedervereinigte Oberpfalz und Amberg entwickelt, wenn Regensburg nicht Hauptstadt geworden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="maxhuette">17. 1853: Der verhinderte Konkurs der Maxhütte</h3>



<p>Die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts wirkte sich auch auf die Oberpfalz aus. Zwar bestanden dort noch aus dem Mittelalter einzelne Unternehmen in den Bereichen Eisenerzbergbau und Eisenverhüttung.</p>



<p>Doch erst mit der Gründung der späteren Maxhütte 1851 begann die Industrialisierung der Oberpfalz, die Folgen für ganz Bayern hatte. </p>



<p>Dies war nur möglich, da die <a href="https://ankerpunkte-blog.de/belgien/geschichte-belgien/" type="post" id="184">belgischen Industriellen</a> Télémaque Michiels und Henry Goffard Kapitel sowie Fachkräfte zur Verfügung stellen. Unter ihrer Führung errichtete die <em>Commanditgesellschaft auf Aktien Michiels &amp; Goffard Cie</em> ein Eisenwalzwerk im Weiler Sauforst (heute Stadt Maxhütte-Haidhof im Landkreis Schwandorf).</p>



<p>Das neu gegründete Unternehmen galt als entscheidend für die Eisenbahnerschließung des Königreichs Bayern. Daher verpflichtete sich der Staat bis 1862/63, die Produktion an Eisenbahnschienen abzunehmen. Mit circa 200 bis 250 Arbeitern begann die Fertigung von Eisenbahnschienen, Achsen, Radreifen und schweren Blechen, die bisher im Land nicht gefertigt worden waren.</p>



<p>Doch die belgischen Gründer standen bereits in den ersten Jahren vor Problemen.</p>



<p>Die Braunkohle, die maßgeblich für den Standortentscheid war, erwies sich als zu feucht und musste vor der Verwendung aufwendig getrocknet werden. Zudem kamen die Lieferungen von Eisenerz aus der Amberger Region unzuverlässig und die Ausbildung der bayerischen Arbeiter lief nicht so schnell wie geplant. Daher geriet das Unternehmen schnell in finanzielle Probleme, die sogar einen Konkurs zur Folge hätten haben können.</p>



<p>Daher kam es am 26.09.1853 zu einer Neuaufstellung des Unternehmens zur <em>Eisenwerk-Gesellschaft Maximilianshütte Aktiengesellschaft</em>, in die verstärkt bayerische Unternehmer investierten. Doch noch im September 1914 waren 20 % der Aktien des Unternehmens im Besitz belgischer Investoren.</p>



<p>Danach entwickelte sich die <em>&#8222;Maxhütte&#8220;</em> zu einem immer größeren Unternehmen, das nicht nur immer mehr Eisenerz in der Oberpfalz abbaute und verhüttete. Mit seinen Erzeugnissen förderte es den Ausbau der Eisenbahn und insgesamt die Industrialisierung von Bayern.</p>



<p>Die Maxhütte prägte Orte wie Maxhütte-Haidhof, Sulzbach-Rosenberg (siehe Bild aus der heutigen Zeit) und Auerbach (beide Landkreis Amberg-Sulzbach) bis weit in das 20. Jahrhundert. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="326" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/02/Maxhuette.jpg?resize=600%2C326&#038;ssl=1" alt="Foto des Industriegeländes der alten Maxhütte mit Schlackehügel im Hintergrund." class="wp-image-7213" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/02/Maxhuette.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/02/Maxhuette.jpg?resize=300%2C163&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Foto)</figcaption></figure>



<p>Beispielsweise hatte Auerbach nur einen Bahnanschluss, solange das Eisenerz, das über Seilbahnen zum Bahnhof transportiert wurde, von dort nach Sulzbach-Rosenberg gebracht wurde. Vor dem Bau des Bahnhofs 1903 ging die Drahtseilbahn sogar bis zur Bahnstrecke nach Nürnberg, und war die längste Deutschlands.</p>



<p>Nach einem ersten Konkurs 1987 erfolgte die Stilllegung der unterschiedlichen Unternehmensbereiche 2002 und zuletzt 2025.</p>



<pre class="wp-block-verse"><em>Was wäre gewesen, wenn Maxhütte bereits 1853/1854 Konkurs gegangen wäre?</em></pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="ostbahn">18. 1856: Die verspätete Gründung der Ostbahngesellschaft</h3>



<p>Bereits 1838 stellte Amberg ein Gesuch an den bayerischen König Ludwig I., eine Eisenbahnstrecke von Nürnberg über Amberg nach Regensburg zu bauen. </p>



<p>Da der König aber auf sein Prestigeprojekt des Main-Donau-Kanals für die Erschließung Ostbayerns setzte, scheiterte es, ebenso wie weitere Vorschläge in den nächsten Jahren.</p>



<p>Zum Beispiel schlug 1851 eine staatliche Bahnbau-Kommission eine Trasse von Nürnberg nach Schwandorf und Regensburg vor, favorisierte aber Schwarzenfeld als Knotenpunkt.</p>



<p>1853 erneuerten die Amberger ihre Bittschrift, die Strecke nach Regensburg über das Vilstal zu favorisieren. Dies lehnte das bayerische Handelsministerium 1854 endgültig ab.</p>



<p>Erst als der Landtag 1856 aufgrund von fehlenden staatlichen Geldern die Erlaubnis zur Gründung von privaten Eisenbahngesellschaften gab, kam der Ausbau der Eisenbahn in der <em>&#8222;Eisenbahnwüste&#8220;</em> Oberpfalz (im Bild eine historische Lokomotive am Bahnhof Weiden) voran.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="429" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Historische-Lokomotive-Weiden.jpg?resize=600%2C429&#038;ssl=1" alt="Historische Lokomotive am Bahnhof Weiden." class="wp-image-744" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Historische-Lokomotive-Weiden.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Historische-Lokomotive-Weiden.jpg?resize=300%2C215&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Andreas Wolochow/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Am 12. April 1856 gründete sich die <em>Königlich privilegierte Actiengesellschaft der bayerischen Ostbahnen</em>, zu deren Gesellschaftern neben Banken das Adelshaus Thurn und Taxis in Regensburg sowie die Städte Nürnberg, Fürth, Regensburg und Amberg gehörten.</p>



<p>Sie sollte die Bahnstrecken Nürnberg–Amberg–Regensburg, München–Landshut und bis zur Donau, Regensburg–Straubing–Passau und von der Amberg–Regensburger Linie aus eine Strecke an die böhmische Grenze bauen.</p>



<p>Nach der Konzessionsvergabe an die Ostbahngesellschaft versuchten Amberg und Weiden durch neue Bittschriften an den König,  die Trasse nach Böhmen über beide Städte laufen zu lassen. Dies scheiterte aber an der Ostbahngesellschaft, die aufgrund der günstigeren Topografie die Strecke über Schwandorf und Furth im Wald favorisierte.</p>



<p>1861 setzte schließlich Weiden unter dem einflussreichen Landtagsabgeordneten und späteren Handelsminister Gustav von Schlör durch, dass die nördliche Oberpfalz und Oberfranken über die Strecke Schwandorf–Weiden–Bayreuth erschlossen wurden und nicht über die Verbindung Amberg–Bayreuth.</p>



<p>Während sich Weiden und Schwandorf so zu neuen Knotenpunkten nach Nürnberg, Regensburg und Prag entwickelten, verlor Amberg stark an verkehrstechnischer Bedeutung.</p>



<p>Die Eisenbahn ermögliche auch einen vergleichsweise schnellen und billigen Transport von Menschen und Gütern.</p>



<p>Daher führte der Bau der Ostbahn, die 1875 verstaatlicht wurde, erstmals seit dem Mittelalter zu einem kleinen Industrialisierungsschub, vor allem in der Glas- und Porzellanherstellung der Nordoberpfalz. Ebenfalls profitierte Schwandorf von seinem Status als <em>&#8222;Eisenbahnerstadt&#8220;</em> und vervierfachte seine Bevölkerung bis 1890.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Eisenbahn bereits vor 1856 in der Oberpfalz gebaut worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="amberg">19. 1945: Die tödlich verhinderte Verteidigung von Amberg</h3>



<p>Als die US-Amerikaner Ende April 1945 in die Oberpfalz vorstießen, war die fast zerschlagene Wehrmacht zu keinem durchgängigen Widerstand mehr in der Lage.</p>



<p>Da die Angreifer allerdings kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges keine Risiken mehr eingehen wollten, führte auch nur geringer Widerstand zu massiven Bombardements durch die US-Luftwaffe und Artillerie.</p>



<p>Diese massiven Zerstörungen erlebte zum Beispiel Neumarkt, das von wenigen hundert Soldaten mehrere Tage verteidigt und fast vollständig zerstört wurde.</p>



<p>In Amberg waren die meisten nationalsozialistischen Verantwortlichen daher gegen eine Verteidigung der Stadt durch die wenigen verbliebenen Truppen. Zumal die Stadt (siehe Bild aus der heutigen Zeit vom Mariahilfberg aus) bis dahin von größeren Zerstörungen verschont geblieben war.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="506" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Blick-auf-Amberg.jpg?resize=600%2C506&#038;ssl=1" alt="Blick vom Mariahilfberg auf die Stadt Amberg und ihre historische Altstadt." class="wp-image-5945" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Blick-auf-Amberg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Blick-auf-Amberg.jpg?resize=300%2C253&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Der Kreisleiter der NSDAP, Artur Kolb, forderte jedoch eine bedingungslose Verteidigung von Amberg, und die anderen Verantwortlichen, darunter der Bürgermeister, wagten nicht, gegen ihn zu agieren.</p>



<p>Als die US-Amerikaner daraufhin am 22. April die Beschießung der Stadt begannen, wollte Kolb mit einem Auto die Front am Mariahilfberg inspizieren. Dabei geriet sein Wagen in Gewehrfeuer der Angreifer. Kolb wurde schwer verwundet und starb kurz darauf.</p>



<p>Das so entstandene Machtvakuum nutzten die restlichen Amberger Verantwortlichen, um doch noch zu kapitulieren.</p>



<p>Daher nahmen die US-Amerikaner Amberg am 23. April ohne Widerstand und ohne größere Zerstörungen ein.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Kolb nicht am 22. April erschossen worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="universitaet">20. 1962: Die endgültige Gründung der Universität Regensburg</h3>



<p>Bereits seit Jahrhunderten strebte die Stadt Regensburg die Gründung einer Hochschule an. </p>



<p>Scheiterten Versuche zuerst am Geldmangel der Reichsstadt, stand die Provinzstadt lange nicht auf der Prioritätenliste Bayerns für eine solche Ansiedlung. </p>



<p>Erst 1962 beschloss der Landtag die Gründung der Universität Regensburg, um <em>&#8222;die Begabungsreserven&#8220;</em> der Region zu fördern. </p>



<p>Doch der Standort war lange unklar. </p>



<p>Erst als der amtierende Fürst von Thurn und Taxis in einem umstrittenen Vertrag seine Wiesen am Galgenberg an die Landesregierung verkaufte, waren andere Möglichkeiten, wie das westlich davon gelegene Königswiesen, Haslbach im Stadtnorden oder die Altstadt, endgültig vom Tisch.</p>



<p>Gemäß dem damaligen Zeitgeist wurde die neue Hochschule bewusst als Voll- und Reformuniversität gegründet. Ein Geist, der sich auch in der Betonarchitektur der 1960er Jahre (siehe Bild) widerspiegelte, in dem die Gebäude errichtet wurden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="818" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Universitaet-Regensburg.jpg?resize=600%2C818&#038;ssl=1" alt="Gebäude der Fakultät Philosophie Theologie an der Universität Regensburg" class="wp-image-2716" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Universitaet-Regensburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Universitaet-Regensburg.jpg?resize=220%2C300&amp;ssl=1 220w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Lehre und Forschung nahmen nicht nur einen langfristigen Einfluss auf das kulturelle Leben der bis dahin vor allem durch Kirche und Beamte geprägten Stadt.</p>



<p>Die Hochschule lieferte auch durch ihre Absolventen entscheidende Vorteile bei der Ansiedlung von vielen Unternehmen. Damit legte die Universität, der 1978 die Fachhochschule folgte, den Grundstein für den heutigen Großstadtstatus von Regensburg.</p>



<p>Seitdem entwickelt sich das Viertel um die Hochschulen herum zu einem immer größeren Forschungs-, Entwicklungs- und Wirtschaftscluster.</p>



<p>Hinzu kamen langfristig soziale, politische und kulturelle Umwälzungen durch die teilweise nicht aus der Region kommenden Akademiker, die die Hochschulstadt Regensburg langfristig prägten.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich eine früher gegründete Universität Regensburg ausgewirkt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="autofreundlich">21. 1978: Das langwierige Ende der &#8222;autofreundlichen&#8220; Altstadt in Regensburg</h3>



<p>Die heute als Weltkulturerbe berühmte Altstadt von Regensburg hatte zwar den Zweiten Weltkrieg ohne große Schäden überstanden. </p>



<p>Doch nach dem Krieg galt sie als dringend sanierungsbedürftiger Schandfleck. In vielen baufälligen Wohnungen fehlte es teilweise an grundsätzlichen hygienischen Voraussetzungen. </p>



<p>Hinzu kam die schwierige Verkehrsführung in den engen Altstadtgassen, die bereits seit dem Wachstum von Regensburg im 19. Jahrhundert immer mehr zum Problem geworden war.</p>



<p>Als Lösung empfahlen daher bereits seit der Industrialisierung verschiedene Stadtplaner den Abbruch von alten Gebäuden, um Platz für den zunehmenden Verkehr zu schaffen. Da dies aber auf den hartnäckigen Widerstand von Denkmalschützern traf, wurden die großen Pläne bis zum Zweiten Weltkrieg nicht verwirklicht.</p>



<p>Andere Vorhaben, zum Beispiel das Schaffen einer <em>&#8222;Domfreiheit&#8220;</em> aus freien Plätzen rund um den Regensburger Dom oder der Abbruch der Steinernen Brücke zugunsten einer moderneren Version, scheiterten an anderen Gründen.</p>



<p>Bei der Sanierung nach dem Zweiten Weltkrieg, die &#8222;endlich&#8220; massiv in das Stadtbild eingreifen sollte, stand die Prämisse der &#8222;autofreundlichen Altstadt&#8220; im Vordergrund. Ein gut ausgebautes Straßennetz mit vielen Parkplätzen sollte die Altstadt als Einkaufs- und Verwaltungsmittelpunkt schnell erreichbar machen. </p>



<p>Verschiedene Pläne dazu sahen für die historischen Viertel neben einem inneren und äußeren Straßenring auch eine Nord-Süd- sowie eine Ost-West-Achse vor. Krönung wäre eine vier- bis sechsspurige Bayerwaldbrücke von Stadtamhof durch die Altstadt gewesen.</p>



<p>Zusätzlich gab es Pläne für einen Straßendurchbruch quer durch die Altstadt, von der Donau bis zum Bahnhof.</p>



<p>Auch die Steinerne Brücke, heute mit dem Dom als Panorama das Wahrzeichen der Altstadt (siehe Bild), sollte autogerecht verbreitert oder sogar abgerissen werden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="338" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Panorama-Altstadt-Regensburg.jpg?resize=600%2C338&#038;ssl=1" alt="Luftaufnahme eines Panoramas der Regensburger Altstadt mit Steinerner Brücke und Dom" class="wp-image-2725" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Panorama-Altstadt-Regensburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Panorama-Altstadt-Regensburg.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(AnBu89/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Teilweise kam es nach dem Zweiten Weltkrieg zur Vorbereitung der Pläne schon zu ersten Bau- beziehungsweise Abbruchmaßnahmen im heutigen Weltkulturerbe.</p>



<p>Erst Anfang der 1970er Jahre flossen nicht nur mehr Mittel für eine denkmalgeschützte Sanierung von Gebäuden. </p>



<p>Auch und vor allem erster Widerstand von verschiedenen Bürgerinitiativen sorgte für ein Umdenken. Zum Beispiel führte das erste Bürgerfest 1973 zu einem Gesinnungswandel vieler Bürger über den Stellenwert ihrer Altstadt.</p>



<p>So kam es bereits 1974 zu einer Abschwächung des Regensburger Straßenverkehrsplans. Aber erst 1978 wurden die Pläne für die Bayerwaldbrücke endgültig auf Eis gelegt.</p>



<pre class="wp-block-verse"><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/autofreundliche-altstadt-regensburg/">Was wäre gewesen, wenn die Pläne der "autofreundlichen Stadt" in Regensburg durchgeführt worden wären?</a></pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="waa">22. 1989: Die umkämpfte Aufgabe der WAA</h3>



<p>Als sich 1985 die <em>Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen</em> für Wackersdorf bei Schwandorf als Standort der bundesdeutschen atomaren Wiederaufbereitungsanlage (kurz WAA, im Bild der Komplex im französischen La Hague) entschied, galt die Atomkraft als Zukunftstechnologie.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="281" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Wiederaufbereitungsanlage-La-Hague.jpg?resize=600%2C281&#038;ssl=1" alt="Foto der Wiederaufbereitungsanlage von La Hague" class="wp-image-2726" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Wiederaufbereitungsanlage-La-Hague.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Wiederaufbereitungsanlage-La-Hague.jpg?resize=300%2C141&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(riekephotos/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Daher sah eine Mehrzahl der lokalen Politiker zuerst die Vorteile von hochqualifizierten Arbeitsplätzen in der strukturschwachen Oberpfalz.</p>



<p>Doch die Stimmung in der Bevölkerung hatte sich bereits gedreht. </p>



<p>Erste Initiativen gründeten sich und bauten den Widerstand mithilfe der Menschen in der Region auf. Vor allem der SPD-Landrat von Schwandorf, Hans Schuierer, entwickelte sich zur Symbolfigur des immer stärkeren Widerstandes.</p>



<p>Höhepunkt war 1986 das <em>&#8222;Anti-WAAhnsinns-Festival&#8220;</em> in Burglengenfeld mit deutschlandweit bekannten Musikern wie Herbert Grönemeyer und circa 100.000 Besuchern. </p>



<p>Heute erinnert ein Gedenkstein am Naabufer von Burglengenfeld an den Widerstand und das Festival, aber auch an die damals gespaltene Gesellschaft.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="727" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Widerstand-WAA.jpg?resize=600%2C727&#038;ssl=1" alt="Gedenkstein zur Erinnerung an den friedlichen Widerstand gegen die Wiederaufbereitungsanlage in der Oberpfalz und an das MUsikfestival" class="wp-image-5949" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Widerstand-WAA.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Widerstand-WAA.jpg?resize=248%2C300&amp;ssl=1 248w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Obwohl die Polizei, teilweise mit Gewalt, diese Proteste im Zaum hielt, sank der wirtschaftliche und politische Rückhalt für das Projekt im Lauf der 1980er. </p>



<p>Als 1988 mit dem Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß der einflussreichste Befürworter starb, beerdigten seine Nachfolger das bundesweit bekannte Projekt ein Jahr später.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich eine tatsächlich gebaute Wiederaufbereitungsanlage in der Oberpfalz ausgewirkt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="oth">23. 1991: Die uneinige Gründung der OTH Amberg-Weiden</h3>



<p>Die Geschichte um die Vergabe der Fachhochschule in die Oberpfalz ist bis heute von zahlreichen Anekdoten und Legenden umwuchert. </p>



<p>Da bereits Regensburg gezeigt hatte, welch enormen Einfluss eine solche Entscheidung hatte, war der Standort in der strukturschwachen Oberpfalz entsprechend umkämpft. </p>



<p>Fakt war in jedem Fall, dass sich Anfang der 1990er Jahre sowohl Amberg als auch Weiden darum beworben hatten. </p>



<p>Danach hörte die Einigkeit der Erzählung aber auf. Einmal galt der Standort Amberg als gesetzt, bis der bayerische Wirtschaftsminister wahlweise mit Rücktritt drohte oder sogar einen Herzinfarkt vortäuschte, um für seine Heimatstadt Weiden einen Standort zu sichern. </p>



<p>Einmal stand sogar im Raum, aufgrund der Rivalität beider Städte keine weitere Hochschule in der Region aufzubauen und stattdessen die Fachhochschule Regensburg auszubauen. </p>



<p>Am Ende einigte sich das bayerische Kabinett aber auf die Kompromisslösung eines Doppelstandortes, wodurch sowohl die mittlere (siehe Bild des Campus Amberg) als auch die nördliche Oberpfalz in den Vorteil der strukturellen Impulse kamen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="227" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/OTH-Amberg-Weiden.jpg?resize=600%2C227&#038;ssl=1" alt="Campus der OTH Amberg-Weiden in Amberg" class="wp-image-925" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/OTH-Amberg-Weiden.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/OTH-Amberg-Weiden.jpg?resize=300%2C114&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Christian Mielke/Shutterstock)</figcaption></figure>



<pre class="wp-block-verse"><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/oth-amberg-weiden/">Was wäre passiert, wenn die Hochschule Amberg-Weiden nicht oder in einer anderen Konstellation gegründet worden wäre?</a></pre>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Tobias Appl, Alfred Wolfsteiner (Hrsg.): Auf alten Wegen durch die Oberpfalz. Zur Geschichte der Mobilität und Kommunikation in der Mitte Europas. (Beiträge zur Geschichte und Kultur der Oberpfalz 3). Regensburg 2022.</li>



<li>Andreas Becker: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Universit%C3%A4t_Regensburg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Universität Regensburg</a>, auf: historisches-lexikon-bayerns.de (18.03.2021).</li>



<li>Michaela Bleicher: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Hussitenkriege" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hussitenkriege</a>, auf: historisches-lexikon-bayerns.de (01.07.2025).</li>



<li>Jaromír Boháč: Stadt Cheb/Eger. Historisch-touristischer Führer.</li>



<li>Diskussionen in der Facebook-Gruppe <a href="https://www.facebook.com/groups/133798160002068/search?q=bastian%20vergnon&amp;filters=eyJycF9hdXRob3IiOiJ7XCJuYW1lXCI6XCJhdXRob3JfbWVcIixcImFyZ3NcIjpcIlwifSJ9" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;Regensburg damals&#8220;</a></li>



<li>Josef Ederer: <a href="https://katzbach.com/aktuelles/die-schlacht-bei-hiltersried-im-jahr-1433" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Schlacht bei Hiltersried im Jahr 1433</a>, auf: katzbach.com (18.12.2024).</li>



<li>Benedikt Ertl: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Maxh%C3%BCtte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Maxhütte</a>, auf: historisches-lexikon-bayerns.de (06.09.2024).</li>



<li>Matthias Freitag: Regensburg. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2016.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1039876372" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Thomas Götz, Markus Nadler, Marcis Prell, Barbara Zeitelhack: Kleine Neuburger Stadtgeschichte. Regensburg 2012.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1063988323" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Stefan Helml: Franzosen gegen Österreicher in Bayern 1796. Amberg 1996.</li>



<li>Matthias Hensch: Erz – Feuer – Eisen. Eine kleine Geschichte des frühen Montanwesens in der mittleren Oberpfalz. Berlin 2018.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1052395935" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Johannes Laschinger: Amberg. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2015.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1036516104" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Ulrich List: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Goldene_Stra%C3%9Fe" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Goldene Straße</a>, auf: historisches-lexikon-bayerns.de (01.03.2010).</li>



<li>Emma Mages: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bayerische_Ostbahn-Aktiengesellschaft_(1856-1875)" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bayerische Ostbahn-Aktiengesellschaft (1856-1875</a>), auf: historisches-lexikon-bayerns.de (10.11.2022).</li>



<li>Rainer Ostermann: Kriegsende in der Oberpfalz. Ein historisches Tagebuch. Regensburg 2015.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1067920502" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Anna Schiener: Kleine Geschichte der Oberpfalz. Regensburg 2016.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1061937507" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Stadt Regensburg: Alte Stadt und moderner Verkehr. Konflikte und Konzepte aus drei Jahrhunderten. Regensburg 2020.</li>



<li>Hermann Weiß: <a href="https://www.welt.de/regionales/bayern/article149097453/Die-zaehen-Retter-der-Regensburger-Altstadt.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die zähen Retter der Regensburger Altstadt.</a> Unesco-Welterbe, auf: welt.de (21.11.2015).</li>



<li>Reinhold Willfurth: Der Krimi um den Hochschul-Zuschlag, aus mittelbayerische.de (10.11.2013).</li>



<li>Alfred Wolfsteiner: Schwandorf. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2023. <em>(Rezensionsexemplar)</em><a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1068847579" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Patrizia Zimmermann: Sulzbach-Rosenberg. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2023.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1067401133" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberpfalz-regensburg/">23 Punkte, an denen die Geschichte der Oberpfalz und Regensburgs anders gelaufen wäre</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberpfalz-regensburg/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>8</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">671</post-id>	</item>
		<item>
		<title>800: De bello Baiuvaria (Romanprojekt)</title>
		<link>https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/800-de-bello-baiuvaria/</link>
					<comments>https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/800-de-bello-baiuvaria/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Jan 2026 19:19:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayerische Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Fiktive Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Restauratio imperii]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ankerpunkte-blog.de/?p=522</guid>

					<description><![CDATA[<p>Was wäre, wenn das Römische Reich im Jahr 800 noch existieren würde? In der realen Geschichte wollte der oströmische Kaiser Justinian nach der Rückeroberung Italiens und Roms seinen Cousin Germanus vielleicht zum neuen Kaiser des 476 untergegangenen Weströmischen Reichs machen. Doch Germanus starb an einer Krankheit und der Plan wurde nie weiterverfolgt. Doch was wäre [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/800-de-bello-baiuvaria/">800: De bello Baiuvaria (Romanprojekt)</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Was wäre, wenn das Römische Reich im Jahr 800 noch existieren würde? In der realen Geschichte wollte der oströmische Kaiser Justinian nach der Rückeroberung Italiens und Roms seinen Cousin Germanus vielleicht zum neuen Kaiser des 476 untergegangenen Weströmischen Reichs machen. Doch Germanus starb an einer Krankheit und der Plan wurde nie weiterverfolgt. Doch was wäre gewesen, wenn Germanus von der Krankheit genesen wäre?</p>



<span id="more-522"></span>



<p>Im Jahr des Herrn 800 ist das christliche Abendland im Umbruch. Nicht nur steigen die Spannungen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/westroemische-reich-entsteht-neu/">zwischen beiden römischen Reichen</a>. Auch das Frankenreich strebt nach einem Platz <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/geschichte-roemisches-reich/">jenseits des Schattens Roms</a>. Während Kriege am Horizont immer deutlicher werden, rückt ein bisher unbekanntes Volk in das Zentrum der Ereignisse: das der Bajuwaren.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="629" height="435" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Karte-800-De-bello-Baiuvaria-Reiche.jpg?resize=629%2C435&#038;ssl=1" alt="Karte von Europa mit dem Al-Andalus auf der iberischen Halbinsel, dem Frankenreich in Westeuropa, dem Weströmischen Reich in Italien und in Dalmatien, dem Oströmischen Reich in Griechenland und der Türkei und der Baiuvaria im heutigen Bayern. " class="wp-image-7188" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Karte-800-De-bello-Baiuvaria-Reiche.jpg?w=1019&amp;ssl=1 1019w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Karte-800-De-bello-Baiuvaria-Reiche.jpg?resize=300%2C208&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Karte-800-De-bello-Baiuvaria-Reiche.jpg?resize=768%2C531&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Karte-800-De-bello-Baiuvaria-Reiche.jpg?resize=900%2C623&amp;ssl=1 900w" sizes="auto, (max-width: 629px) 100vw, 629px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eigenes Bild, erstellt mithilfe von Copilot</figcaption></figure>
</div>


<p><em>Dieser <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">Beitrag als Alternative History Roman</a> erschien zum ersten Mal am 15. September 2020. Er wird seitdem immer wieder überarbeitet und mit neuen Kapiteln weitergeschrieben.</em></p>



<ol class="wp-block-list">
<li><a href="#gesandte">Der schweigende Gesandte</a></li>



<li><a href="#bootsmann">Der griechische Bootsmann</a></li>



<li><a href="#soldat">Der abwesende Soldat</a></li>



<li><a href="#edle">Die barbarische Edle</a></li>



<li><a href="#ratgeber">Der fremde Ratgeber</a></li>
</ol>



<h2 class="wp-block-heading" id="gesandte">1. Der schweigende Gesandte</h2>



<p>Ich musste weg. So schnell wie möglich. Und gleichzeitig nicht so tun. Nur so, als ob ich den Morgen genießen würde.</p>



<p>Als Gesandter Roms in Konstantinopel gehörte ich zu den bedeutendsten Männern dieser an Männern mit Bedeutung nicht armen Metropole. Normalerweise ein gewisser Schutz. Aber das Jahr des Herrn 800 war kein normales Jahr. Und deshalb ging ich nun wie ein gewöhnlicher Hafenarbeiter durch die Hauptstadt des östlichen Imperiums. Gekleidet in einem schäbigen Umhang. Und in nicht weniger schäbigen anderen Trachten.</p>



<p>Viele mögen mich dafür verachten. Ein Gesandter, der sich wie ein Dieb in der Nacht davonschleicht. Ein Vertreter Roms, der sich feige davon macht, wie ein ertappter Räuber.</p>



<p>Doch das war mir egal. Ich hatte keine andere Wahl.</p>



<p>Kurz fiel mein Blick auf eine Statue des aktuellen Kaisers in Rom. Sie stand in triumphaler Pose an einer Straßenkreuzung. Immerhin stand sie noch. Fielen die kaiserlichen Statuen, bedeutete das Krieg. Aber sie zeigte nur Spuren von mutwilliger Beschädigung. Keine bessere Beschreibung für das Verhältnis zwischen den beiden Imperien. Fand ich.</p>



<p>Ich lief weiter in Richtung des rettenden Hafens. Hatte kaum Augen für die Pracht des östlichen Imperiums, die sich langsam um mich herum begann, aus der Dunkelheit zu schälen.</p>



<p>Ich bemerkte in der weichenden Dämmerung eine weitere Statue vor mir. Kaiser Justinian und Kaiser Germanus. Dargestellt als Triumphatoren über alle Völker der Erde. Ausgerechnet.</p>



<p>Damit hatte der Abstieg des Imperiums begonnen. Und eine Entwicklung, deren heutige Fußnote mein vorzeitiges Ableben sein könnte.</p>



<p>Ich rastete kurz, um mich in der größer werdenden Helligkeit zu orientieren.</p>



<p>Dennoch blieb mein Blick an den beiden steingewordenen Männern heften. Manchmal fragte ich mich. Was wäre gewesen, wenn?</p>



<p>Vor über 300 Jahren war der Westen des Imperiums mitsamt Roms an die Barbaren verloren gewesen. Den letzten Kaiser hatten verräterische Generäle abgesetzt und die Insignien seiner nicht mehr vorhandenen Macht nach Konstantinopel geschickt. Doch dann hatte Kaiser Justinian das östliche Imperium zu neuer Blüte geführt. Gestützt auf seine besten Generäle entriss er den Barbaren Stück für Stück ihre Beute und eroberte sogar Rom zurück. Das Imperium schien wieder eine Zukunft gehabt zu haben.</p>



<p>Was wäre gewesen, wenn er sich danach nicht entschlossen hätte, mit Germanus einen seiner verdienstvollsten Generäle zum neuen Kaiser im Westen des Imperiums zu ernennen? Der zudem noch mit einer ostgotischen Frau verheiratet war und über gute Beziehungen zu den Überresten des weströmischen Senats verfügte.</p>



<p>Ich hatte einmal gelesen, dass Kaiser Germanus kurz vor seinem Aufbruch nach Rom und noch vor seiner Krönung fast einer Krankheit erlegen wäre. Die kaiserlichen Schriften behaupteten, dass seine wundersame Genesung alleine zeigte, dass Gott der Allmächtige hinter den Plänen Justinians stand.</p>



<p>Ich war, auch angesichts meiner aktuellen Lage, durchaus anderer Meinung.</p>



<p>Denn was wäre gewesen, wenn Gott in seiner allumfassenden Weisheit zu einem anderen Entschluss gekommen wäre? Würde es im Jahr des Herrn 800 nur ein Römisches Reich geben? Das geeint viel besser gegen die einfallenden Muslime bestanden hätte? Das im Osten nicht auf seine Provinzen in Griechenland und Kleinasien geschrumpft wäre? Das sich im Westen nicht nur an die territorialen Überreste in Italien und an der Grenze zum Osten klammerte?</p>



<p>Und das vor allem jetzt nicht vor der größten Krise seit den Zeiten von Justinian und Germanus stand. Einer Krise, die sich seit Jahren angedeutet hatte, als das östliche und westliche Rom immer weiter auseinanderdrifteten, als wären es unterschiedliche Staaten und nicht ein einziges Reich unter zwei Kaisern. Eine Krise, die wiederum mein Leben fordern konnte.</p>



<p>Ich huschte an der Statue vorbei. Wie ich hoffte, verstohlen. Ich näherte mich langsam dem vereinbarten Ort. Gleichzeitig erwachte um mich herum die Stadt zum Leben. War das potenziell gut für mich? Oder tödlich?</p>



<p>Als Gesandter war ein gewisses Maß an Feigheit nützlich. Niemanden zu beleidigen. Immer von allen unterschätzt zu werden. Dummerweise war dies in der unübersichtlichen Elite des östlichen Roms fast unmöglich. Oder nur für mich gewesen?</p>



<p>Irene von Athen hatte gezeigt, wie viel sie von Rom hielt. Nun gab es genügend Menschen in Konstantinopel, die vermeintliche Beleidigungen rächen wollten. Oder nur ihren Sadismus ausleben? Dagegen konnte ich nichts mehr tun. Außer mein Leben so schnell wie möglich zu retten. Als einzelner Mensch war ich machtlos im Spiel der Imperien.</p>



<p>Ich blicke mich nochmals subtil um. Sah keine Verfolger. Das konnte gut sein. Oder sehr schlecht? Zumindest erreichte ich den Hafen. Der mir mit seinem Lärm und Gestank etwas Schutz bot. Aber auch eventuellen Verfolgern? Ich musste überleben. Nur dann konnte diese Geschichte gut ausgehen. Oder nur für mich?</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="bootsmann">2. Der griechische Bootsmann</h2>



<p>Du warst Christopheros Technitis und du warst zufrieden mit deinem Leben. Du hattest gerade den frühen Sommermorgen genossen. Um diese Zeit war es selbst im Kontoskalion-Hafen von Konstantinopel noch ruhig. Du hattest keine Schwierigkeit, über den Pier zu schlendern und das langsam erwachende Treiben zwischen den Schiffen zu beobachten. Solange dein Klient nicht auftauchte, konntest du genießen, wie die aufgehende Sonne langsam die Kuppel der Hagia Sophia und die Dächer des Kaiserpalastes zum Leuchten brachte. Immer wieder ein erhabener Anblick.</p>



<p>Hier zu leben, war selbst für Pöbel wie dich gelegentlich ein Privileg. Auch wenn die Rhomäer, wie die östlichen Römer sich nannten, nicht mehr wie vor Jahrhunderten das Mittelmeer alleine beherrschten, gehörte ihr Reich doch zu den Großmächten der bekannten Welt. In der Hauptstadt des Oströmischen Reiches kreuzten sich noch immer viele Handelswege und Völker. Dein ungewöhnlich blondes Haar an Kopf und Bart war dafür nur ein Beweis unter vielen.</p>



<p>Du nahmst deine kräftigen Hände in den Blick, als du vor deinem kleinen Ruderboot eintrafst. Du warst nun schon weit in deinen Dreißigern. Aber dein Körper war durch deine harte Arbeit immer noch so durchtrainiert, dass sogar junge Frauen erröteten, wenn du sie ansprachst. Und das tatest du gerne.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="629" height="943" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/01/Technitis-2.png?resize=629%2C943&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Zeichnung eines ernst dreinblickenden muskulösen Mannes in Fischerkleidung. Er hält in der einen Hand einen Dolch und in der anderen Hand ein Ruderblatt." class="wp-image-7202" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/01/Technitis-2.png?resize=683%2C1024&amp;ssl=1 683w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/01/Technitis-2.png?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/01/Technitis-2.png?resize=768%2C1152&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/01/Technitis-2.png?resize=900%2C1350&amp;ssl=1 900w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/01/Technitis-2.png?w=1024&amp;ssl=1 1024w" sizes="auto, (max-width: 629px) 100vw, 629px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eigenes Bild, erstellt mithilfe von ChatGPT.</figcaption></figure>
</div>


<p>Du warfst einen kurzen Blick auf die Umgebung um dein Boot. Die übliche Mischung aus ehrlichen und nicht so ehrlichen Menschen. Einer davon hatte noch eine Rechnung mit dir offen. Für ihn hattest du aber jetzt keine Zeit. Und du konntest keinen Ärger bei deinem Auftrag brauchen. Du hast ihn mit deinem Blick fixiert, bis er es bemerkte. Er wich deinem Blick zuerst nicht aus und schien kurz zu überlegen.</p>



<p>Ohne hinzusehen, hast du nach dem Dolch getastet. Ein hochwertiges Stück aus den kaiserlichen <em>fabricae. </em>Nichts, was jemand an diesem Pier gewöhnlich trug. Alles war so, wie du es brauchtest. Deine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Dein Gegenüber war ebenso kräftig wie du und vielleicht sogar etwas größer. Doch nach seinen Bewegungen zu urteilen, war er nicht so schnell wie du. Und er hatte nur wenige Narben an seinen Händen. Ganz im Gegensatz zu dir. Der Mann schien zu ähnlichen Gedanken gekommen zu sein, wie du. Denn er verließ schnell den Pier.</p>



<p>Du würdest trotzdem erst im letzten Moment in dein Boot steigen.</p>



<p>Das Leben hatte es bisher gut gemeint mit dir. Konstantinopel war eine Stadt voller Möglichkeiten für Leute deines Schlags. Und es würde noch besser werden, wenn du deine heutige Arbeit erledigt hättest. Es klang einfach: einen Passagier zu einem Schiff rudern, das bereits vor einer Stunde langsam den Hafen verlassen hatte und nun letzte Vorbereitungen traf, draußen die Segel zu setzen. Niemand war besser als du darin, im langsam erwachenden Irrsinn, der normalerweise den Hafen prägte, die schnellste Route zu den Segelschiffen am Bosporus zu finden. Und niemand war schweigsamer. Das war in diesem Falle die wichtigere Eigenschaft, fandest du, während du dein Boot nochmals von außen in Augenschein nahmst. Zu überstürzt erschien dir dein Auftraggeber.</p>



<p>Zum Glück hattest du noch vielfältige andere Talente, die in Konstantinopel seit mehr als 20 Jahren dein Überleben sicherten. Als Sohn eines Fischers hattest du zum Beispiel bemerkt, wie hastig das Schiff den Hafen noch bei Dunkelheit verlassen hatte. Für alles andere, was dafür der Grund sein konnte, hattest du dir diskret den Dolch erworben.</p>



<p>Du hast dich nochmals umgesehen. Bisher erkanntest du niemanden weiteren, der den Dolch nötig machen würde.</p>



<p>Auch wenn deine Auftraggeber versucht hatten, ihren Hintergrund zu verbergen, warst du dir sicher: Wie solche Dilettanten konnten nur die Halbbarbaren aus dem westlichen Rom arbeiten. Jeder niedrige oströmische Beamte hätte sich neben solchen Amateuren geschämt. Für die letzten Dilettanten, mit denen du zu tun gehabt hattest, war das schlecht ausgegangen. Aber sie hatten sich auf der anderen Seite deines Dolches befunden. Vielleicht würdest du sie kurz bei deinem Auftrag grüßen. Der Grund des Hafens war doch ziemlich einsam.</p>



<p>Manchmal fragtest du dich, ob deine Handlungen einmal Konsequenzen jenseits der unmittelbaren Gefahr hervorrufen würden. Die Priester, die dich vor 20 Jahren ein wenig ausgebildet – und mehr verprügelt hatten, bevor du geflohen warst&nbsp;–, hätten diese Frage sicher mit Ja beantwortet. Doch ihr Verhalten und das Verhalten der gesamten Stadt Konstantinopel verhöhnten diese christliche Moral bei jedem Sonnenaufgang. Doch die Priester hatten dir auch andere Möglichkeiten gezeigt. Aus ihrer Sicht nur, um die Überlegenheit des Christentums gegenüber seinen heidnischen Vorgängern zu beweisen. Sie schilderten dazu Männer, die so sehr in ihren Gedanken über die Welt versunken waren, dass sie in Brunnen fielen und von Mägden verspottet wurden. Doch in dir hatte etwas anderes einen Funken entzündet. Es waren Männer gewesen, die sich Gedanken über die großen Fragen der Welt gemacht hatten, unabhängig davon, was andere von ihnen dachten. Gedanken, die dich seitdem nicht mehr losließen. Auch wenn die Gosse von Konstantinopel keine Schule für diese Art Gedanken war, hattest du seitdem jede Gelegenheit genutzt, ihnen nachzugehen.</p>



<p>Du sahst dich nochmals um, während immer mehr Männer mit lautem Geschrei in einem schwer zu durchschaubaren Chaos den Hafen durchquerten. Du warst kein Philosoph wie die alten Griechen und Römer. Du konntest es dir nicht leisten, in einen Brunnen zu fallen.</p>



<p>Deshalb hattest du bei diesem Auftrag, wie immer, nicht nachgefragt. Du wusstest, was auf dem Spiel stand, schon alleine aufgrund der Bezahlung, die deine Auftraggeber nach einer viel zu kurzen Verhandlung herausgerückt hatten. Und jeder in Konstantinopel wusste, dass es um das Verhältnis zwischen den beiden Imperien nicht zum Besten stand. Nicht, seitdem Kaiserin Irene ihren Sohn geblendet und wieder die Regierung übernommen hatte.</p>



<p>Du hattest deinen Klienten sofort bemerkt. Der Kleidung nach zu urteilen eine hochgestellte Persönlichkeit, die so tat, als hätte sie sich als einfacher Hafenarbeiter verkleidet. Also wirklich, die Halbbarbaren. Du sprangst ohne große Eile in dein Boot. Und ohne den Klienten aus dem Blick zu verlieren. So offensichtlich in seinem Versuch, seine Nervosität zu verbergen. Und so offensichtlich in tödlicher Gefahr an diesem eigentlich friedlichen Morgen. Umso ruhiger bist du geblieben und hast ihn erst zu dir gewinkt, als sich eure Blicke trafen. Bevor dein Klient im Boot überhaupt Halt gefunden hatte, hattest du es bereits losgemacht und den ersten Ruderschlag getan. Dein Bauchgefühl sagte dir, dass es besser war, wenn du dich noch schneller bewegen würdest als sonst.</p>



<p>Natürlich solltest du recht behalten: Aus reinem Instinkt heraus gingst du in Deckung, als du ein sehr vertrautes Zischen in der Luft hörtest. Dein Klient, nervös, stolpernd auf dem schwankenden Boot, war weder so erfahren noch so schlau gewesen. Das sagte dir der Schrei sofort.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="soldat">3. Der abwesende Soldat</h2>



<p>Um Präfekt Maurikius Vulneratus, Oberbefehlshaber der III. italischen Legion, war die Hölle los. Männer schrien um ihn herum, als das massive Wildschwein kreischend auf ihn zukam. Die Sauhatz galt nicht umsonst als Mutprobe für die Edlen der Bajuwaren.</p>



<p>Lange war die Gruppe aus Bajuwaren und Römern durch die Sümpfe geschlichen, auf der Suche nach ihrer Beute. Vulneratus hatte seine wenigen Männer auf dieser Jagd sorgfältig ausgewählt. Obwohl die römische Armee in den vergangenen Jahrzehnten mehr in Überfällen und kleinen Scharmützeln gekämpft hatte, war das Waten durch das feuchte und schlammige Gelände für viele ihrer wenigen Offiziere unter ihrer Würde. Vulneratus hatte ein kurzes Dankgebet an den allmächtigen Gott gesandt, als sie das Wildschwein endlich aufgespürt und aufgescheucht hatten, während es sich arglos an einem Baum gerieben hatte.</p>



<p>Doch diese Überraschung war schnell vergangen, und der angegriffene Keiler ging mit einer Masse, die jeden Mann in der Gruppe übertraf, zum Angriff über.</p>



<p>Aber Vulneratus sah den nahenden Tod nicht. Stattdessen waren die Bilder wieder da.</p>



<p>Er war ein komplett grüner, bartloser Rekrut gewesen. Nur hatte er das nicht gewusst. Er wusste es erst bei seiner ersten Schlacht auf einem namenlosen Feld in Pannonien. Eine Welle an Reitern kam plötzlich schreiend auf ihn zu. Automatisch tastete er mit seinem linken Arm. Aber er fand es nicht. Anstatt zu kämpfen oder wenigstens wegzulaufen, erstarrt er wie ein Stein. Die Reiterkrieger der Awaren kamen immer näher. Er sah schon das Blitzen ihrer Schwerter und seine starren Augen erkannten sogar die Sehnen ihrer gefürchteten Bögen. Immer noch tastete sein linker Arm trotz des gelähmten restlichen Körpers. Aber er fand es nicht. Er hätte dort schon sterben sollen.</p>



<p>Der Keiler holte ihn mit einem markerschütternden Schrei zurück.</p>



<p>Dann übernahm wieder der Römer in ihm das Kommando und seine Reflexe aus einem Leben voller Kämpfe retteten ihm das Leben. Instinktiv sprang er zur Seite und entkam so den 200 Kilogramm, die an ihm vorbeirasten. Nun voll in seinem Element, hielt er trotz der schnellen Bewegung die Balance und stieß in einer fließenden Bewegung mit seiner Lanze nach dem Wildschwein.</p>



<p>Als er wieder komplett bei Sinnen war, lag der Eber schon im Sterben. Die Jagd war erfolgreich beendet.</p>



<p>Er streifte routiniert die letzten Reste der Verwirrung ab, als die übrigen Männer schnell näherkamen. Einer der bajuwarischen Jäger klopfte ihm anerkennend auf die Schulter. Vulneratus war einer der wenigen Römer, die der Bajuware nicht um mehr als einen Kopf überragte.</p>



<p>„Ihr Römer versteht etwas von der Jagd“, sprach er in einem wegen seines harten Dialektes kaum verständlichen Latein.</p>



<p>Vulneratus war bewusst, dass dies ein großes Kompliment gegenüber einem Landesfremden war. Doch er verkniff sich jeden Ausdruck des Triumphs. Es wäre ungehörig gewesen, sich gegenüber den Einheimischen beim ersten Zusammentreffen so zu gebärden. Es hätte gegen die römische Tugend der <em>pietas</em>, den Respekt für die natürliche soziale Ordnung, verstoßen.</p>



<p>Außerdem verstanden er und seine Männer die Bajuwaren kaum. Und umgekehrt.</p>



<p>Vulneratus lag dennoch richtig: Während seine Begleiter zuerst jubelten, wechselten die Einheimischen Blicke schweigend. Er war in erster Linie Soldat, aber er hatte sich über seinen Auftrag, wie es die römische Tugend der <em>prudentia, </em>der Voraussicht, verlangte, informiert. Diese Gesandtschaft würde ankommen. Daher schwieg er ebenso, bis auch seine Männer verstummten. Er hatte sie vorher persönlich ausgewählt. Nicht nur anhand ihrer Fähigkeiten bei der Jagd. Sondern auch im schnellen Gehorchen.</p>



<p>Das Volk in diesen Landen war zwar barbarisch, aber im Moment ein Verbündeter Roms.</p>



<p>Kurz gedachten die Männer stumm des Sohns des Herzogs, der vor Kurzem eine solche Sauhatz nicht überlebt hatte.</p>



<p>Anschließend begannen die Bajuwaren, das Wildschwein für den Transport ins Lager vorzubereiten.</p>



<p>Ein seltsames Volk mit seltsamen Traditionen, das hier zwischen der Zivilisation Roms und den fast unbewohnten Wäldern Germaniens hauste, dachte Vulneratus. Weder Vulneratus noch sie selbst schienen zu wissen, woher sie ursprünglich gekommen und weshalb sie in den ehemaligen römischen Provinzen Rätien und Noricum aufgetaucht waren, als Rom wieder seine Fühler gen Norden ausgestreckt hatte. Vulneratus hoffte, bald mehr über diese Leute herauszubekommen. Als Angehöriger der elitären <em>equites singulares Augusti</em>, die als die berittene Garde des Gesandten diente und den Kern der neuaufgestellten Legion bildete, musste er alles wissen, was es über diese Bajuwaren zu wissen gab.</p>



<p>Er überprüfte kurz den Griff seines Schwertes am Gürtel. Verbündete hin oder her. Wenn die Bajuwaren seinem Auftrag in die Quere kamen, würde er als Römer und Soldat handeln, wie er es immer gemäß seiner Pflicht getan hatte.</p>



<p>„Präfekt.“</p>



<p>Sein Dekurio, der ihn als sein Stellvertreter als einer der wenigen Römer bei der Jagd begleitet hatte, trat neben ihn. Unbewusst versteifte sich Vulneratus.</p>



<p>„Dekurio.“ Es war sein erstes eigenständiges Kommando. Obwohl sie bereits seit Wochen unterwegs waren, behielt Vulneratus zu seinen Untergebenen die Distanz, die zwischen Offizieren der römischen Armee angemessen war. Und die ihm im Notfall genügend Raum zum Ziehen des Schwertes gab.</p>



<p>„Wir können froh sein, wenn wir diese Sumpflandschaft am nächsten Tag hinter uns lassen können“, begann der Dekurio auf Latein in einem vorsichtigen Tonfall. „Die Bajuwaren versichern, dass wir den Fluss bald bei einer Furt an einem Kloster passieren und wieder in angenehmere Gegenden kommen, wo wir die Pferde besser nutzen können.“</p>



<p>In diesem Moment hatten die bajuwarischen Jäger das Schwein mit Seilen so vorbereitet, dass sie es zu viert in das Lager schleppen konnten. Vulneratus sah zu seinem Dekurio, der den Bajuwaren als Erster zu folgen begann. Ihm fiel dessen misstrauischer Blick in Richtung der eigentlichen Verbündeten auf. Vor allem, da er sich selbst diesen Blick erst mühsam abgewöhnt hatte. Zumindest, ihn so offen zu zeigen.</p>



<p>„Angenehmere Gegenden“, wiederholte Vulneratus tonlos, als er der Gruppe als Letzter folgte, und schnaubte innerlich über diese Einschätzung. Nach außen fuhr er sich durch den schwarzen Bart, in dem sich immer mehr weiße Strähnen mischten. Er musste ihn dringend wieder schneiden, wenn es die Umstände zuließen. Verlotterte der Befehlshaber, sank auch die Disziplin der ganzen Truppe.</p>



<p>Zum wahrscheinlich hundertsten Mal, seitdem sie in Rom aufgebrochen waren, ging er im Gedächtnis alle Männer durch, die zu seiner Legion gehörten. Einer Legion, die wie viele andere vor ihr, auch einmal ihre Unzufriedenheit durch einen überraschend toten Befehlshaber zeigen konnte. Seine Truppe bestand aus besonders unterschiedlichen Mitgliedern mit unterschiedlichen Vorstellungen von angenehmen Umständen. Als ihr Oberbefehlshaber musste er sie alle im Blick behalten.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="629" height="629" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?resize=629%2C629&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Zeichnung eines ernst dreinblickenden Mannes mit Vollbart, gerüstet mit einem Kettenhemd und Umhang, einem langen Schwert und einem runden Schild." class="wp-image-7192" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?w=1024&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?resize=768%2C768&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?resize=900%2C900&amp;ssl=1 900w" sizes="auto, (max-width: 629px) 100vw, 629px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eigenes Bild, erstellt mithilfe von ChatGPT</figcaption></figure>
</div>


<p>Während die Soldaten ihre Unterkunft in einem Gehöft namens Kisoing als luxuriös empfanden, beschwerten sich die Mitglieder der Gesandtschaft ständig. Die Handwerker und Händler, die beiden Gruppen zu Diensten waren, waren ohnehin nur an ihren eigenen Geschäften interessiert. Das war sie also, die neue III. italische Legion, die im Auftrag des Kaisers in Rom ihre Verbündeten und die Interessen des Imperiums im Norden unterstützen sollte. Kein Vergleich zu ihrer ruhmreichen Vorgängerin. Aber umso entschlossener war er als ihr Kommandant, seine Pflicht zu tun und die unterschiedlichen Köpfe zu einer Legion zu machen.</p>



<p>Der Dekurio riss ihn erneut aus seinen Gedanken. Vulneratus konnte gerade noch den Impuls unterdrücken, das Gesicht missbilligend zu verziehen.</p>



<p>„Immerhin reichen die Bauernhöfe an diesem Bachlauf aus, um die Legion so weit zu versorgen, dass wir uns einmal der Sauhatz hingeben konnten.“ Den Dekurio schien die Jagd zumindest etwas amüsiert zu haben. Vulneratus sah keine Notwendigkeit, das zu kommentieren. Er behielt sowohl gegenüber dem Dekurio als auch gegenüber den Bajuwaren weiter Abstand.</p>



<p>Die Gruppe näherte sich langsam mit ihrer Beute dem Lager. Während die Bajuwaren inzwischen in ihrer Sprache lebhafte Unterhaltungen führten, schwiegen Vulneratus und der Dekurio wieder. Vulneratus war das ganz recht. So konnte er die Gegend weiter in Augenschein nehmen.</p>



<p>Er wusste, dass diese Region einmal römisch gewesen war. Die Bajuwaren behaupteten, dass sie etwa die alten Straßen noch nutzten. Doch er hatte bisher zu seinem Kummer kaum Spuren seiner Zivilisation gefunden. Vielleicht würde er fündig werden, wenn sie die herzogliche Pfalz namens <em>Frigisinga</em> erreichten.</p>



<p>Vulneratus schaltete diese Gedanken wie immer aus, als die Gruppe das provisorische Lager betrat, das seine Männer aufgeschlagen hatten.</p>



<p>„Die Feldbefestigungen sind etwas nachlässig.“ Der Dekurio war wieder neben ihm. Vulneratus erkannte ein ihm inzwischen bekanntes Lauern in dessen Blick.</p>



<p>„Sie erfüllen ihren Zweck“, antwortete er vorsichtig. Die Tugend der <em>prudentia</em> erforderte auch die Weisheit von ihm, dass es schon ein Erfolg war, seine Soldaten jeden Tag zum Aufbau dieser Befestigungen bewegt zu haben. Und dennoch seinen Kopf jeden Morgen danach noch auf seinen Schultern vorzufinden. Zumindest die Bajuwaren waren von den Befestigungen jedes Mal beeindruckt. Das zeigte sowohl ihre Bewunderung für die Leistungen Roms als auch ihren Mangel an militärischen Kompetenzen.</p>



<p>Der Dekurio nickte und schien mit der Antwort zufrieden zu sein. Vulneratus hatte auch dieses Gefecht erfolgreich ausgefochten.</p>



<p>Er hörte schon das Wiehern der vielen Pferde. Die Mehrzahl seiner wenigen brauchbaren Soldaten war stolz auf ihren Status als <em>catafractarii</em>, die als schwer gepanzerte Kavallerie die Elite des römischen Heeres im Westen darstellten. Auch die Bajuwaren hatten eine Vorliebe für die Pferdezucht. Daraus hatte sich zumindest zwischen zwei Gruppen ein Gesprächsthema jenseits der diplomatischen Etikette ergeben. Zumindest in einer seltsam ungelenkten Mischsprache aus Bajuwarisch, dem einfachen Latein der Legionäre sowie verschiedenen Gesten.</p>



<p>Aber bisher gab es diese Verbindung nur bei den Pferdenarren. Vulneratus setzte daher wieder die Maske des Präfekten der III. italischen Legion auf, als sie das Lager durchschritten.</p>



<p>Erst recht, als er dem Gesandten begegnete. Dieses Mal schaffte er es sogar beim Grüßen, dessen entstellende Narbe auf der rechten Kopfseite zu ignorieren. Der Gruppe um die bajuwarische Magistra wich er von vorneherein routiniert aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="edle">4. Die barbarische Edle</h2>



<p>Pilitrud von den Anniona sah nicht zum ersten Mal auf die Stadt herab. Doch zum ersten Mal fiel ihr auf, wie klein sie war. Ratisbona. Oder wie es ihre römischen Begleiter stoisch nannten: Castra Regina. In jedem Fall die <em>metropolis</em>, der Hauptsitz des Herzogs der Bajuwaren. Sie erkannte von diesem Berg aus sogar die Einteilung der Stadt, die ihr in einem anderen Leben verborgen geblieben war. In der Mitte noch gut sichtbar das Quadrat des ehemaligen römischen Lagers. Darum breitete sich immer mehr eine neue Siedlung aus, die schon zu einer eigenen Vorstadt herangewachsen war.</p>



<p>Hatten die Jahre im alten Rom also doch etwas gebracht.</p>



<p>Sie atmete tief ein, um sich für das, was heute noch kommen konnte, zu wappnen.</p>



<p>Als Mitglied der Anniona gehörte sie zum höchsten Stand der Bajuwaren. Ihr Clan gehörte wie vier andere zu den weitverzweigten Geschlechtern, die bereits vor den Herzögen der Agilolfinger im Land der Bajuwaren gelebt und geherrscht hatten. Und sich über die Jahrhunderte hinweg immer wieder Fehden geliefert hatten. Nicht umsonst wurden die Anniona sogar in der <em>Lex Baiuvariorum</em>, dem Gesetzbuch der Bajuwaren, als eines der vornehmsten Geschlechter des Landes genannt. Sie hatte eine Handschrift davon in ihrem unfreiwilligen Exil immer wieder gelesen, um die Bedeutung ihrer Herkunft nicht zu vergessen.</p>



<p>Pilitrud von den Anniona zeigte diesen Anspruch seit ihrem Aufbruch in Rom jeden Tag durch ihre golddurchwirkte und teuer gefärbte Kleidung deutlich nach außen. Sie versuchte, entspannt zu wirken, während sie auf ihrem ausgeklappten Stuhl saß und eine Magd ihren bis zum Bauch reichenden Zopf kämmte. Selbst wenn die Bajuwaren sie nicht offiziell willkommen heißen würden. Selbst wenn weder Römer noch die meisten Bajuwaren noch etwas mit dem Namen der Annonia anfangen konnten, zeigte sie, dass ihr Geschlecht nicht vergessen werden konnte. Nicht, solange sie lebte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="629" height="944" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Pilitrud-3.png?resize=629%2C944&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Zeichnung einer jungen Frau mit langem Zopf. Gekleidet mit einem langen geschlossenen Kleid, einem Mantel, einem Schwert am Gürtel und einem Mantelumhang." class="wp-image-7197" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Pilitrud-3.png?w=1024&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Pilitrud-3.png?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Pilitrud-3.png?resize=683%2C1024&amp;ssl=1 683w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Pilitrud-3.png?resize=768%2C1152&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Pilitrud-3.png?resize=900%2C1350&amp;ssl=1 900w" sizes="auto, (max-width: 629px) 100vw, 629px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eigenes Bild, erstellt mithilfe von ChatGPT</figcaption></figure>
</div>


<p>Sie streckte sich auf ihrem Stuhl und warf einen kurzen Blick auf den Rest der Gesandtschaft.</p>



<p>Die Soldaten begannen, ihre Schilde und Rüstungen anzulegen. Bisher hatten sie die Rüstungen nur teilweise und die Schilde auf dem Rücken getragen. Beides sah aber nicht so aus, wie sich viele eine Legion Roms vorstellen würden. Also nutzen die Männer die Pause, wie die Gesandtschaft, um sich für die in ihren Augen barbarischen Verbündeten herauszuputzen.</p>



<p>Sie würden von diesem Berg aus in die Stadt ihres Verbündeten einmarschieren, wie ein triumphierendes Heer. Eine Demonstration, die Pilitrud von den Anniona als durchaus zweischneidig empfand. Ebenso wie die Benennung der Krieger nach der Legion, die einst Ratisbona besetzt hatte. Doch sie verzichtete darauf, beides gegenüber irgendjemandem in der Gesandtschaft kundzutun. Nicht einmal er würde dafür Verständnis haben.</p>



<p>Während die Magd begann, ihr Armreife, einen Stirnreif und die Halsketten mit den Kreuzen aus Blattgold anzulegen, wandte sich Pilitrud von den Anniona einem Anblick zu, den sie bisher stoisch ignoriert hatte. Ob die Bajuwaren die wenig diplomatischen Manöver der Römer vorhergesehen hatten, wusste sie nicht. Sie glaubte allerdings nicht an einen Zufall, dass den Römern ihr letzter Lagerplatz in Sichtweite eines Galgens auf dem Berg vor Ratisbona zugewiesen worden war. Sie musterte aus der Entfernung die dort liegenden, offen verwesenden Leichen. Der Lagerplatz war weit genug weg, dass ihr zumindest der Verwesungsgeruch erspart blieb.</p>



<p>Sie seufzte kurz. Sie hatte in ihrem Leben bereits genug Leichen gesehen und gerochen.</p>



<p>Das Gesetz der Bajuwaren wandte sehr selten die Todesstrafe an. In diesen dünn besiedelten Landen war jede Arbeitskraft zu wertvoll, um sie nutzlos herumbaumeln zu lassen. Eine Tatsache, die Pilitrud wusste. Doch da bis auf eine Ausnahme niemand sie bei den Römern danach gefragt hatte, behielt sie auch dieses Wissen für sich. Die Botschaft der Bajuwaren sollte aus ihrer Sicht bei den Römern ruhig ankommen. Für die Römer, für die selbst Pilitrud von den Anniona nichts anderes war, als eine der ungewaschenen Barbaren, die eine Schwächephase des Imperiums genutzt hatten.</p>



<p>Sie löste ihre Blicke vom Galgen und bemerkte ihrerseits die Blicke, welche ihr die Römer zuwarfen, wenn sie sich unbemerkt von ihr fühlten. Mit kalkulierter Absicht richtete sie sich zu ihrer vollen Größe auf. Auch wenn es der Magd erschwerte, ihr den Umhang umzulegen. Dieser schützte sie nicht nur vor dem nebeligen Wetter, das diese Lande auszeichnete, sondern zeigte durch sein leuchtendes Blau und die bestickten, sich verschlingenden Drachenfiguren, dass neben den Römern noch ein weiterer edler Besuch in Ratisbona stattfinden sollte.</p>



<p>Manche Römer musterten sie trotz ihrer fertigen Gewandung weiter mit unverhohlenen Blicken, die ihr zeigten, dass sie mit Ende 20 immer noch eine attraktive Frau war. Sie nahm es inzwischen ohne Reaktion hin, dass sie für diese Männer nur eine exotische Wunschvorstellung war, keine ernst zu nehmende potenzielle Partnerin. Sie tröstete sich mit dem Gedanken, dass sie den meisten ohne Probleme die Kehle durchgeschnitten hätte, bevor diese auch nur in die Nähe der Nähte ihres Kleides gekommen wären. Dann gab es noch diejenigen, die ihren Blick mieden, als sei sie eine der Dämoninnen, die die Römer selbst noch vor wenigen Jahrhunderten verehrt hatten. Sie nahm diese Haltung als vorteilhafter hin als die der Lüstlinge. Zudem überragte sie die meisten dieser Männer ohnehin um mindestens einen Kopf.</p>



<p>Der Rest der Gesandtschaft ignorierte sie. Das war ihr so über die gesamte Reise hinweg recht gewesen. Nur zwei Männer waren in dieser Gruppe wichtig für sie.</p>



<p>Sie streckte sich erneut und prüfte, ob sie diese beiden Männer wie immer im Blick hatte. Dieses Verhalten war ihr auf der Reise in Fleisch und Blut übergegangen.</p>



<p>Es gab ihn, der gerade die angelegten Rüstungen der Krieger überprüfte. Er mied ihren Kontakt seit Beginn der Abreise aus Rom konsequent. Ihr war bewusst, dass er das nicht wegen ihrer Person tat. Sondern aus irgendeiner altertümlichen Vorstellung von Tugend, die sie an ihm schätzte. Auch wenn es sie dennoch schmerzte. Manchmal so sehr, dass sie ihm direkt gesagt hätte, warum sie, er und manch anderer wirklich Teil dieser Gesandtschaft waren.</p>



<p>Was sie in keinster Weise schmerzte, war der Abstand zum Gesandten, der gerade einen prächtigen Mantel anlegte. Dieser hatte zwar immer wieder das Gespräch mit ihr gesucht und sie über ihr Volk ausgefragt. Ihr war jedoch schnell klar geworden, dass sein Interesse nur geheuchelt war. Eigentlich wollte er so wenig wie möglich mit ihr oder den Bajuwaren zu tun haben. Eine Einstellung, die ihr mehr als vertraut war, seit ihrem Aufbruch in das alte Rom.</p>



<p>Doch ihr war das egal. Sie hatte andere Ziele als die römische Gesandtschaft. Oder die Bajuwaren, die sich inzwischen vor der Stadtmauer versammelten, um ihre Verbündeten willkommen zu heißen.</p>



<p>Ihr Gesicht verhärtete sich, wie immer, wenn sie daran dachte.</p>



<p>Sie erinnerte sich noch genau an jenen Tag kurz vor ihrem Aufbruch. Auch, wenn es Jahre her war. Als ihre Sippe am ersten warmen Tag des Frühjahrs die Leichen ihrer Brüder herausgeholt hatte, um sie endlich im aufgetauten Boden zu beerdigen. Sie waren gemeinsam gestorben und wurden gemeinsam in die Ewigkeit übergeben, wie es bei solchen Anlässen Tradition war. Unbewusst griff sie nach dem Elbenpfeil aus Bronze, den sie unter ihrem Umhang und zwischen den schmückenden Halsketten versteckt hatte. Solche Amulette sollten vor Krankheit und Bösem schützen. Doch sie hatten ihren Brüdern in der Fehde nichts genutzt, die fast ihre Sippe ausgelöscht hatte.</p>



<p>Sie war gerade erst in das heiratsfähige Alter gekommen. Daher schickte ihr Vater sie mit 12 Jahren nach Italien. Um einen Mann zu heiraten, der schon auf dem Sterbebett lag, als sie gerade die Alpen überquerte. Um ein Bündnis zu stärken, dem weder die Herzöge der Bajuwaren noch die Kaiser der Römer genug vertrauten, um es selbst mit Heiraten ihrer Sippen zu besiegeln. Aber auch, um dem möglichen Untergang ihrer Sippe zu entgehen.</p>



<p>Ihr Mann war tot.</p>



<p>Das Bündnis zwischen Bajuwaren und Römern war nach wie vor zerbrechlich.</p>



<p>Was aus ihrer Sippe geworden war, wusste sie bisher nicht.</p>



<p>Doch die Jahre in Italien hatten sich dennoch gelohnt.</p>



<p>Als Mitglied der Oberschicht der Bajuwaren war sie zwar für die Verhältnisse ihres Stammes gebildet, konnte auf die Beizjagd gehen, Brettspiele spielen und die Heldensagen der Vergangenheit auf der Leier spielen. Doch ungebunden und mit einem Geschlechternamen versehen, der bei vielen Römern die Illusion von zivilisierten Vorfahren weckte, hatte sie sich das wiedererstandene Imperium genauer ansehen können als manch anderer Bajuware. Sie hatte viel gelernt. Und sie war entschlossen, dieses Wissen zu nutzen.</p>



<p>Ganz bewusst fasste sie sich an die Spatha, die an ihrem Gürtel hing. Das zweischneidige Langschwert war eines der besten Schmiedestücke, das ihr Volk hervorbringen konnte. Es hatte sie nach Italien begleitet und ebenfalls nun bei ihrer Rückkehr.</p>



<p>Sie lächelte dabei kurz, was einen vorbeigehenden römischen Handwerker zurückschrecken ließ. Der Mann verließ mit schreckgeweiteten Augen den Umkreis um sie.</p>



<p>Zu Recht.</p>



<p>Denn bei den Blutfehden der Bajuwaren waren die Frauen nicht nur Opfer.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="ratgeber">5.&nbsp;Der fremde Ratgeber</h2>



<p>Manuel Palaiologos verzog keine Miene, auch wenn er zum wiederholten Male in diesem Heerlager in etwas getreten war, was er besser nicht wissen wollte. Ihm war bewusst, dass er sich auf einem Schlachtfeld bewegte, auf dem der Untergrund sein geringstes Problem war. Trotzdem zog er seinen dicken Reisemantel noch enger an sich, bevor er das kleine Lager seiner Delegation verließ. Nur die goldene Fibel an seiner Schulter zeigte noch, dass ihr Besitzer wohl der reichste Mensch in diesem Lager war. Ebenso der Schmuckring an seinem linken Ringfinger. Mehr wollte er von seinem Reichtum allerdings auch nicht zeigen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="629" height="629" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?resize=629%2C629&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-7195" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?w=1024&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?resize=768%2C768&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?resize=900%2C900&amp;ssl=1 900w" sizes="auto, (max-width: 629px) 100vw, 629px" /></figure>



<p>Im Gegensatz zu ihm blieb sein Leibwächter unbeeindruckt vom kalten und nassen Klima dieser dunklen Wälder. Die Chasaren stammten von der Pontischen Steppe an den nördlichen Füßen des Kaukasus. Sie waren schlimmeres Wetter gewohnt. Palaiologos hatte sie auf seinen zahlreichen Feldzügen in Kleinasien auch deshalb immer mehr als Leibwache zu schätzen gewusst.</p>



<p>Nur kurz dachte er an die vertraute Silhouette von Konstantinopel, das er vor Monaten verlassen hatte, um in das barbarische Frankenreich zu kommen. Bisher hatte er auch diesen Feldzug trotz der ungewohnten Umstände überlebt. Er hatte die winterlichen Stürme des Mittelmeeres überstanden und war – der Muttergottes sei Dank – von der Gefahr der arabischen Piraten verschont geblieben. Und auch die westlichen Römer hatten bei den Aufenthalten in ihren Häfen seine Anwesenheit nicht bemerkt.</p>



<p>Zu seiner Enttäuschung hatte ihn das Barbaricum nicht überrascht. Hatte er bei seiner Ankunft im Hafen von <em>Narbona</em> noch gehofft, auf Spuren der römischen Zivilisation zu treffen, hatte ihn der Anblick der zahlreichen Ruinen eines Besseren belehrt. Im gesamten Frankenreich hatte es nicht besser ausgesehen, auch wenn sein geübtes Auge die – natürlich unzulänglichen – Bemühungen des Frankenkönigs um eine Erneuerung der Zivilisation bemerkt hatte.</p>



<p>Bevor er das Lager seiner Verbündeten betrat, betrachtete Palaiologos sein Gesicht in einer Pfütze. Kritisch prüfte er nochmals sein Aussehen. Trotz der Strapazen der Reise wirkte er nicht müde. Das war gut. Sein schwarzer Bart war akkurat geschnitten, ebenso seine Haare, die trotz mehr als 40 Jahren kaum weiß zeigten. Sein Schwert, gefertigt in den besten Werkstätten Konstantinopels, saß fest und griffbereit an seiner linken Seite. Noch wichtiger war sein Kettenhemd, das so geschickt gearbeitet war, dass sein Reisemantel es vollständig verbarg. Damit konnte er Freunden und Feinden gegenübertreten.</p>



<p>Nur kurz wanderte sein Blick zu seinem eigenen Zelt. Ein letztes Mal prüfte er kritisch die Aufstellung der Wachen. Bereits ein paar Mal hatten unvorsichtige fränkische Krieger versucht, sich in aller ihrer Heimlichkeit an den Reichtümern ihres Verbündeten zu bedienen. Jedes Mal hatte Palaiologos ihre Leichen in aller Heimlichkeit verschwinden lassen. Inzwischen hatte sich im fränkischen Lager herumgesprochen, dass die Truhen der oströmischen Delegation wirklich fest verschlossen waren.</p>



<p>Dann fiel ihm auf, dass er nur das Unvermeidbare verzögerte. Er gab seinem Leibwächter, einem Chasaren namens Baghatur, den Befehl zum Losmarschieren. In gewissem Sinne galt der Befehl mehr ihm selbst.</p>



<p>Als Geschenk ihrer kaiserlichen Majestät aus Konstantinopel hatte er in seinem Zelt eine kostbare Ikone der heiligen Jungfrau Maria für den Frankenkönig mitgebracht. Ihr Weihgedicht galt der Hoffnung für die Hoffnungslosen. Das schien ihm im Moment sehr passend. Denn hier, mitten in der germanischen Wildnis, war sowohl von Zivilisation als auch von Hoffnung fast nichts mehr übrig. Palaiologos fühlte sich einen Moment unbemerkt genug für einen tiefen Seufzer.</p>



<p>Sein Geschlecht gehörte zwar nicht zu den bedeutendsten der Rhomäer. Aber es hatte sich in den vergangenen Jahrzehnten genügend Ehren verdient, um seinen Angehörigen ein Mindestmaß an Annehmlichkeiten und Kultur als Selbstverständlichkeit zu gewährleisten. Und nun stand er im wichtigsten Auftrag seines Lebens ohne beides da.</p>



<p>Er wusste nicht, wo er war. Diese Gebiete an der Grenze zwischen den fränkischen, bajuwarischen und slawischen Barbarenvölkern waren zwar schon länger nicht mehr unbesiedelt. Um das Lager herum sah er aber seit Tagen nur eine kleine Ebene, die größtenteils von Wäldern bedeckt war.</p>



<p>Er marschierte mitten durch das Heerlager der Franken, das aus seinen Zelten mehr stank als alle oströmischen Heere, die Palaiologos in seinen fast 30 Jahren Dienst begleitet hatte. Zu seinem Glück durchzogen mehrere Bachläufe die Ebene, um den Unrat des Heeres abzutransportieren und den Gestank der Barbaren in Grenzen zu halten. Und er war mitten unter diesen Barbaren, die er auf allerhöchsten Befehl der Kaiserwitwe Irene beraten sollte. Sofern das bei diesen stumpfsinnigen Völkerschaften überhaupt möglich war.</p>



<p>Er gönnte sich noch einen zweiten tiefen Seufzer. Damit war seine trübselige Stimmung vorerst so weit zurückgedrängt, dass er endgültig die Maske des oströmischen Diplomaten aufsetzen konnte.</p>



<p>Gefolgt von Baghatur, der diese Pausen wie immer stumm abgewartet hatte, durchschritt er weiter das Lager.</p>



<p>Der Militär in ihm versuchte, die Kampfkraft des kleinen fränkischen Heeres abzuschätzen, was ihm aber kaum gelang. Zu vielfältig waren die einzelnen Kontingente, die er auf seinem Weg antraf, und bei deren Sprachen er nur selten ein vertrautes Wort aus der lateinischen Sprache hörte. Zu schnell passierte er die chaotischen Lagerstätten der Krieger, deren misstrauische Blicke er wie bei jeder seiner bisherigen Wanderungen genau registrierte. Bewusst vermied er direkten Blickkontakt oder ein allzu langes Beobachten einzelner Gruppen. Sein in einem langen Leben geschulter Sinn für Gefahr schlug zwar nicht an. Aber barbarische Krieger waren noch leichter reizbar als die Soldaten und Generäle Konstantinopels.</p>



<p>Endlich trat er vor das bisher größte Zelt des Lagers und marschierte, ohne den Wachen die Gelegenheit zur Ankündigung zu geben, hinein. Sofort verstummten die Gespräche an einem größeren Holztisch. Wettergegerbte und kampferfahrene Gesichter musterten ihn erneut misstrauisch. Sie gehörten zu zehn Barbaren, die allesamt in leichten Rüstungen gekleidet waren. Und die bei seinem Eintreten alle instinktiv ihre Hände mehr oder weniger subtil an ihre Schwerter gelegt hatten.</p>



<p>Damit hatte Palaiologos schon einmal einen ersten, ehrlichen Eindruck gewonnen. Das waren also seine zeitweiligen Verbündeten. Und seine immerwährenden Gegner.</p>



<p>Er wartete bewusst einen Moment ab, bevor er sich knapp verneigte. Ebenso bewusst gab er dabei den Blick auf sein Kettenhemd unter dem Mantel und sein Kurzschwert frei. Dem gleichen Ziel diente Baghatur als Leibwächter, da er der größte aus seinem Gefolge war.</p>



<p>Kurz bevor die so entstandene Stille ungehörig wirkte, ergriff er das Wort. Er war froh, dass in diesem vielfältigen Heer wie im gesamten Reich König Karls Latein die Sprache der Elite war.</p>



<p>„Mein Name ist Manuel Palaiologos. Ich komme in Freundschaft und diene mit Freuden den Kriegern des Königs Karl.“ Kurz bemerkte er einige abschätzige Blicke und überlegte, ob seine Vorstellung doch zu unterwürfig ausgefallen war.</p>



<p>„Ihr seid uns willkommen.“ Einer der Krieger ergriff das Wort. „Mein Name ist Bischof Liutrid von Wirzaburga.“</p>



<p>Palaiologos stutzte kurz, bevor er sich ins Gedächtnis rief, dass in diesen barbarischen Landen selbst die Diener Gottes zuallererst noch Krieger waren. Anscheinend war dieser jedoch so etwas wie der Wortführer unter den Anführern dieses Heeres. Der Rest stellte sich nur kurz vor und bedachte ihn danach weiter mit misstrauischem Schweigen.</p>



<p>Palaiologos musste nun sehr vorsichtig sein. Er richtete sich bewusst zu voller Größe auf, bevor er weitersprach. Er vertrat die einzige kaiserliche Majestät in diesem Lager und Zelt. Das sollten die Barbaren durchaus verstehen.</p>



<p>„Kaiserin Irene sendet durch mich ihre Grüße an ihre Verbündeten und bietet jede Hilfe, die zum Gelingen unseres gemeinsamen Kampfes beiträgt.“</p>



<p>Er wartete nur kurz. Dies waren nicht nur barbarische Krieger, leicht reizbar und keinem Kampf abgeneigt. Sondern auch Männer, die auf ihren Stand und ihre Ehre bedacht waren. Eine Mischung, die schnell dazu führen konnte, dass der oströmische Verbündete auf diesem Feldzug einen tragischen Tod erlitt. Schnell fuhr er fort: „Ein gemeinsamer Kampf, der unser beider Reiche mit dem Segen des Herrn Christus Ruhm und Ehre bringen wird.“</p>



<p>An einem kurzen Aufblitzen im Blick einiger Barbaren erkannte er, dass er einen Punkt getroffen hatte. Wenn dieser Feldzug siegreich war, errangen sie Ruhm und Ehre. Was in deren Welt auch Reichtum und Land der Besiegten bedeutete.</p>



<p>Bischof Liutrid von Wirzaburga ergriff wieder das Wort. Palaiologos ließ es geschehen. Er hatte gesagt, was er sagen wollte. „Das Heer ist nun vollzählig auf dem Märzfeld versammelt.“ Palaiologos schwieg darüber, was er von diesem Heer hielt. Er wusste, dass die Franken inzwischen ihre Heere traditionell auf einem Maifeld sammelten, damit ihre Reiter im späten Frühjahr genügend Futter für die zahlreichen Pferde fanden. Doch bevor die Frankenkönige die Vorzüge von bewaffneten Reitern erkannt hatten, hatten sie ihre Krieger jedes Jahr zu Fuß bereits im März in einem Feldlager versammelt. Eine Tradition, die ihr König Karl dieses Jahr wieder hatte aufleben lassen. Zumindest zu einem kleinen Teil.</p>



<p>Der Bischof fuhr fort. „König Karl sammelt das restliche Heer auf dem Maifeld bei Fulda. Im Schutze der Berge werden unsere Gegner nicht allzu viel darüber erfahren. Wir werden ab morgen mit den Vorbereitungen beginnen, über die Fossa Carolina weiterzumarschieren.“</p>



<p>Palaiologos war ehrlich überrascht über den letzten Begriff. Er erkannte das Abwartende im Blick des Bischofs und entschloss sich, seine ursprünglich geplante Zurückhaltung wieder aufzugeben.</p>



<p>„Die Fossa Carolina?“</p>



<p>Er hatte genau die richtige Frage gestellt. Denn sofort bemerkte er, wie sich die Mienen der Barbaren zum ersten Mal voller Stolz aufhellten. Liutrid setzte erst nach einer kurzen Kunstpause zu einer Erwiderung an: „In seiner Weisheit gefiel es dem König, hier an der kürzesten Stelle zwischen den Flüssen Radentia und Alcmana einen Kanal nach Art der Römer zu bauen. Auf das Ruhm und Reichtum des Reiches gemehrt ist.“</p>



<p>„Fürwahr eine sehr weise Entscheidung.“ Dieses Mal musste Palaiologos nicht einmal viel lügen. Ein Kanal erlaubte es nicht nur Händlern, schneller und sicherer zu reisen. Sondern auch, ein Heer schneller und sicherer zu transportieren und zu versorgen.</p>



<p>Er kombinierte aus dem Gedächtnis, aus dem Hörensagen, das er im Lager bisher erfahren hatte, und einer sehr groben Karte auf dem Tisch die wahrscheinliche Strategie. Und musste gezwungenermaßen anerkennend nicken. Dieser König Karl hatte sich nicht ohne Grund so lange auf seinem von Blut getränkten Thron halten können. Wenn dessen Plan aufging, war das Bündnis zwischen Franken und Oströmern schneller erfolgreich, als Palaiologos gedacht hatte.</p>



<p>Das konnte er nicht zulassen.</p>



<p>Er trat näher an den Tisch und zeigte auf die Karte.</p>



<p>„Die Weisheit des Königs ist wirklich unerreicht. Doch wenn ihr es erlaubt, möchte ich die Weisheit des alten Roms einbringen.“</p>



<p>Eine Weisheit, die Palaiologos beabsichtigte, auch nur für das alte Rom einzubringen.</p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/800-de-bello-baiuvaria/">800: De bello Baiuvaria (Romanprojekt)</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/800-de-bello-baiuvaria/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">522</post-id>	</item>
		<item>
		<title>1987: Die letzte Kosmonautin von Brandon Q. Morris</title>
		<link>https://ankerpunkte-blog.de/ddr/die-letzte-kosmonautin-brandon-q-morris/</link>
					<comments>https://ankerpunkte-blog.de/ddr/die-letzte-kosmonautin-brandon-q-morris/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Oct 2025 12:26:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Die weiter existierende DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Romane und Filme]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ankerpunkte-blog.de/?p=6429</guid>

					<description><![CDATA[<p>2029 feiert die DDR den 80. Republikgeburtstag, unter anderem mit der Kosmonautin Mandy Neumann auf der Raumstation &#8222;Völkerfreundschaft&#8220;. Doch die weiter existierende DDR verbirgt Geheimnisse, die sie in Lebensgefahr bringen. Ankerpunkt Das Weltraumprogramm der DDR Brandon Q. Morris verweist mit dem Hintergrund von &#8222;Die letzte Kosmonautin&#8220; sowohl auf das Weltraumprogramm der DDR als auch deren [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/die-letzte-kosmonautin-brandon-q-morris/">1987: Die letzte Kosmonautin von Brandon Q. Morris</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>2029 feiert die DDR den 80. Republikgeburtstag, unter anderem mit der Kosmonautin Mandy Neumann auf der Raumstation <em>&#8222;Völkerfreundschaft&#8220;.</em> Doch die weiter existierende DDR verbirgt Geheimnisse, die sie in Lebensgefahr bringen.</p>



<span id="more-6429"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#weltraum">Das Weltraumprogramm der DDR</a></li>



<li><a href="#volkspolizei">Die Volkspolizei der DDR</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ddr">Die DDR im Jahr 2029</a></li>



<li><a href="#kosmonautin">Die letzte Kosmonautin</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#szenario">Schwieriges Szenario</a></li>



<li><a href="#handlung">Schwankende Handlung</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="weltraum">Das Weltraumprogramm der DDR</h3>



<p>Brandon Q. Morris verweist mit dem Hintergrund von <em>&#8222;Die letzte Kosmonautin&#8220;</em> sowohl auf das Weltraumprogramm der DDR als auch deren Volkspolizei.</p>



<p>Einer der wenigen Erfolge der DDR war der erste Flug eines Deutschen ins All: Mit Sigmund Jähn flog 1978 ein Vogtländer an Bord einer Sojus-Kapsel für über eine Woche ins All. Erst 1983 zog die BRD mit Ulf Merbold – ebenfalls gebürtiger Vogltländer, aber 1960 in den Westen geflüchtet – an Bord eines Space Shuttles nach.</p>



<p>Der bescheiden auftretende Jähn wurde danach nicht nur ein gefeierter Star der Propaganda der DDR, sondern war auch durch seine unprätentiöse Art einer der wenigen echten Volkshelden des Landes.</p>



<p>Sein Flug war jedoch nicht der einzige Beitrag der DDR zur Raumfahrt.</p>



<p>Als die UdSSR 1967 das <em>&#8222;Interkosmos-Programm&#8220;</em> mit anderen sozialistischen Verbündeten startete, war die DDR von Anfang an beteiligt.</p>



<p>Vor allem aus den Bereichen Feinmechanik und Optik, Infrarottechnik und  Bildverarbeitung lieferte sie bis 1990 167 Geräte für sowjetische Weltraummissionen.</p>



<p>Aus diesen Entwicklungen ragte die Multispektralkamera MKF-6 heraus, die der VEB Carl Zeiss Jena (siehe Bild unten) 1975 mit 600 Wissenschaftlern, Technikern und Facharbeitern und unter Beteiligung von 20 Partner-Institutionen entwickelt hatte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="336" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/VEB-Carl-Zeiss-Jena.jpg?resize=600%2C336&#038;ssl=1" alt="Abbildung eines 10-Mark-Scheines der DDR mit Gebäuden des Volkseigenen Betriebs Carl Zeiss Jena" class="wp-image-6453" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/VEB-Carl-Zeiss-Jena.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/VEB-Carl-Zeiss-Jena.jpg?resize=300%2C168&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Prachaya Roekdeethaweesab/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Der Aufwand lohnte sich: Eine modifizierte Version arbeitete zwei Jahre an Bord der Raumstation Saljut 6 und übertraf damals die besten Luftbildkameras um den Faktor 2,5.</p>



<p>Auch war sie der passende Beitrag zum <em>&#8222;Interkosmos-Programm&#8220;</em>, um im Gegenzug den Flug von Jähn möglich zu machen. Zu weiteren Flügen kam es nicht mehr, da die UdSSR auf Geld- statt Technikbeiträgen bestand.</p>



<p>Als die DDR 1989/1990 in ihre Existenzkrise geriet, die in der <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/die-republik-von-maxim-voland/">Wiedervereinigung mit der BRD</a> endete, war dies auch für dortige Weltraumforschung ein harter Einschnitt. So fiel mit der UdSSR der wichtigste Partner weg.</p>



<p>Auch konnte nur ein Teil der ostdeutschen Wissenschaftler und Techniker übernommen werden: Zum Beispiel wurde das Institut für Kosmosforschung (IKF) in Berlin-Adlershof in das heutige Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eingegliedert und im privatisierten Unternehmen Carl Zeiss blieben viele Kompetenzen erhalten.</p>



<p>Damit gelang es, das Potenzial des ostdeutschen Weltraumforschungspotenzials größtenteils zu erhalten und zum Beispiel die wichtigsten Projekte noch abzuschließen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="volkspolizei">Die Volkspolizei der DDR</h3>



<p>Die meisten Leute außerhalb des heutigen Ostdeutschlands denken heute bei <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/das-moskau-spiel-christian-von-ditfurth/">den Sicherheitsorganen der DDR</a> vor allem an die Staatssicherheit (Stasi) als fast allmächtigen Geheimdienst.</p>



<p>Weniger bekannt in diesem Zusammenhang war die Volkspolizei (VP), obwohl sie der wichtigste Partner der Stasi war. </p>



<p>So war die Volkspolizei (siehe Bild einer Uniformmütze unten) an Großaktionen des Repressionsapparates der DDR, wie den Zwangsumsiedlungen an der innerdeutschen Grenze 1952 und 1961 aktiv beteiligt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="450" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Uniformmuetze-Volkspolizei-DDR.jpg?resize=600%2C450&#038;ssl=1" alt="Foto einer Uniformmütze der Volkspolizei der DDR" class="wp-image-6454" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Uniformmuetze-Volkspolizei-DDR.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Uniformmuetze-Volkspolizei-DDR.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(LanKS/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Theoretisch verfolgte die Stasi vor allem <em>&#8222;politische&#8220;</em> Straftaten, während die Volkspolizei <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/plan-d-simon-urban/">die <em>&#8222;klassische&#8220;</em> Polizeiarbeit</a> wie Kriminal-, Schutz-, Verkehrspolizei und Meldewesen übernahm.</p>



<p>In der Realität rivalisierten beide Führungsebenen aber innerhalb der Struktur der Sicherheitsorgane, wobei die Stasi ab der Machtübernahme von Erich Honecker 1971 zu dominieren begann. Zum Beispiel bekam sie mehr Mitarbeiter und begann, sich institutionell in der Volkspolizei zu verankern sowie Vorgänge und Zuträger zu übernehmen.</p>



<p>Nach außen war allerdings die Volkspolizei oft das <em>&#8222;Gesicht&#8220;</em> der Repressionesmaßnahmen. Denn die Stasi nutzte deren Organisation für Kontrollmaßnahmen und Aktionen gegen Bürger. So waren die Abschnittsbevollmächtigten der Volkspolizei für die Pläne der Stasi oft entscheidende Quellen.</p>



<p>Dennoch hatte die Stasi auch die Volkspolizei mit Zuträgern und inoffiziellen Mitarbeitern unterwandert. So waren Mitte der 1970er von den fünf Stellvertretern des für die Polizei zuständigen Innenministers zwei aktive und zwei ehemalige inoffizielle Mitarbeiter.</p>



<p>Über regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen konnte die Stasi zudem über Einstellungen – es gab hiefür keine öffentlich einsehbaren Voraussetzungen – und Beförderungen von Volkspolizisten entscheiden. Teilweise nutzte sie dies, um aus ihrer Sicht talentierte Nachwuchskräfte abzuwerben und eigene, aus ihrer Sicht leistungsschwache Mitarbeiter in die Volkspolizei abzuschieben.</p>



<p>Durch diese Verstrickungen hatte die Volkspolizei bis 1990 den Ruf, bei ihren Mitarbeitern politische Zuverlässigkeit über Kompetenz zu stellen. So galten zuerst Westkontakte, auch im persönlichen Umfeld, als Ausschlusskriterium und wurden von der Volkspolizei mit umfassenden <em>&#8222;Ermittlungsberichten&#8220;</em> geprüft. Auch das erste Einstellungsgespräch befasste sich vor allem mit der politische <em>&#8222;Persönlichkeit&#8220;</em> der Bewerber. Nachrangig waren Faktoren wie moralische Eignung oder Bildungsabschlüsse.</p>



<p>Daher führte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/hintergruende/was-waere-gewesen-wenn-zeit-geschichte/">der Untergang der DDR 1989/1990</a> zu einer Identitätskrise der Volkspolizei. Galt sie vor 1989 als allgegenwärtig und unantastbar, fiel sie in der Wendezeit durch <em>&#8222;Wegschauen&#8220;</em>, angeblich aus Angst vor gewaltsamen Reaktionen, auf. Viele Polizisten fürcheten auch um ihre berufliche Zukunft und gingen daher Konflikten bewusst aus dem Weg.</p>



<p>Hinzu kam, dass ab 1990 eine neue Rechtsgrundlage mit neuen Dienstvorschriften der BRD galten und auch die Volkspolizei sich erst in das neue System integrieren musste.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="ddr">Die DDR im Jahr 2029</h3>



<p>1987 wurden <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/">angeblich enorme Ölvorkommen</a> in der Lausitz entdeckt, welche die DDR auf das Level der arabischen Ölstaaten katapultierten. Daher überstand sie neben China, Vietnam, Nordkorea und Kuba den Untergang der Sowjetunion.</p>



<p>So konnte sich das Politbüro um Egon Krenz Lockerungen leisten: Bis 2029 haben Geschäfte aus dem Westen in der DDR eröffnet, zum Beispiel Ikea. Da die DDR-Bürger ihr Gehalt zudem auch in konvertierbarer Mark ausbezahlt bekommen, ist das Lebensniveau so stark gestiegen, dass die große Massenflucht 1987 nie stattgefunden hat. Zudem verhindern günstige Mieten und Lebensmittel <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/wechselwelten-oliver-henkel/">eine weitere Massenflucht</a>.</p>



<p>Teilweise kann die DDR auch Hightech liefern wie Multispektralkameras von Zeiss, die bei anderen Weltraummissionen sogar im Westen im Einsatz sind. Insgesamt scheint sich im Bereich der Missionen mehr getan zu haben als in der <em>&#8222;Realität&#8220;.</em></p>



<p>Daher konnte die DDR vor 2029 mit der <em>&#8222;Völkerfreundschaft&#8220;</em> eine eigene Raumstation in den Orbit schießen. Diese besteht aus alten Raketenteilen und gebrauchtem Material der Russen von der ehemaligen Raumstation ISS (siehe Bild der ISS unten).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="425" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Raumstation-ISS.jpg?resize=600%2C425&#038;ssl=1" alt="Foto der Raumstation ISS vor dem Hintergrund der bewölkten Erdkugel" class="wp-image-6451" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Raumstation-ISS.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Raumstation-ISS.jpg?resize=300%2C213&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(NikoNomad/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Die Kontrollstation für die <em>&#8222;Völkerfreundschaft&#8220;</em> liegt auf dem Brocken und die Kosmonauten starten vom Weltraumbahnhof Peenemünde.</p>



<p>Die <em>&#8222;Völkerfreundschaft&#8220;</em> dient neben wissenschaftlichen Versuchen vor allem der Propaganda, um die DDR zum Beispiel zum 80. <em>&#8222;Republikgeburtstag&#8220; </em>auf einem Level wie China, Russland und die USA zu zeigen.</p>



<p>Doch die Bürger identifizieren sich nicht mit ihrem Staat und dessen Propaganda. So kaufen sie bevorzugt Westwaren, wie Autos von BMW und Mercedes, oder lassen die billigen Mietwohnungen vergammeln.</p>



<p>Daher sind in der DDR des Jahres 2029 nach wie vor die Sicherheitsorgane um die Stasi aktiv und das Land wirkt gespalten zwischen neuem Wohlstand und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">alter sozialistischer Diktatur</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="kosmonautin">Die letzte Kosmonautin</h3>



<p>Im Oktober 2029 ist Mandy Neumann Kosmonautin auf der <em>&#8222;Völkerfreundschaft&#8220;</em>. Unterstützt wird sie vom autonomen Laufroboter <em>&#8222;Bummi&#8220;.</em></p>



<p>Sie hat Zwillinge, aber ihr Mann hat sie verlassen, da sie Kinder und Karriere gleichzeitig wollte.</p>



<p>Sie steht kurz vor ihrer Ablösung als einziges Besatzungsmitglied der Raumstation und freut sich bereits auf das Wiedersehen mit ihren Kindern. Bis dahin beobachtet sie die beiden gerne mit der neusten Multispektralkamera an Bord.</p>



<p>Da wird nach einer Aktualisierung der Software aus unbekannter Quelle die Verbindung zur Bodenstation getrennt. Gleichzeitig kommt es zu ersten Unfällen und der Roboter stellt sich immer mehr gegen sie.</p>



<p>Bis sogar die Station und das Leben von Mandy Neumann in Gefahr geraten.</p>



<p>Währenddessen ist Tobias Wagner Abschnittsbevollmächtigter der Volkspolizei in Dresden. Er ist Ende vierzig und lebt von seiner Frau getrennt. Bei dieser lebt auch seine pubertierende Tochter, während sein Sohn zum Wehrdienst eingezogen wird.</p>



<p>Er nimmt seine Pflichten zwar ernst, versucht aber auch ab und an ein Auge zuzudrücken.</p>



<p>Doch dann kontaktiert ihn seine alte Klassenkameradin Miriam. Sie ist mit dem bekannten und einflussreichen DDR-Wissenschaftler Ralf Prassnitz verheiratet, der unter anderem die neue Multispektralkamera MKF-8 auf der <em>&#8222;Völkerfreundschaft&#8220;</em> entwickelt hat.</p>



<p>Prassnitz ist verschwunden und Miriam bittet Wagner um Hilfe. Obwohl er sich der damit verbundenen Schwierigkeiten bewusst ist, sagt er zu. Denn war zu Schulzeiten ins sie verliebt und diese Verliebtheit kommt schnell wieder hoch.</p>



<p>Langsam kommen beide der Tatsache auf die Spur, dass das Verschwinden von Prassnitz etwas mit der MKF-8 auf der <em>&#8222;Völkerfreundschaft&#8220;</em> zu tun hat.</p>



<p>Die Suche nach ihm und der Lösung für sein Verschwinden liegt im früheren Braunkohleabbaugebiet (siehe Bild unten aus der heutigen Zeit) und dem aktuellen Erdöl-Sperrgebiet der Lausitz. Und inzwischen auch die einzige Möglichkeit zur Rettung von Mandy Neumann von der <em>&#8222;Völkerfreundschaft&#8220;.</em></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Braunkohle-Lausitz.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Landschaftsbild des ehemaligen Braunkohleabbaugebietes in der Lausitz, das in &quot;Die letzte Kosmonautin&quot; als angebliches Erdölfördergebiet gilt." class="wp-image-6452" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Braunkohle-Lausitz.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Braunkohle-Lausitz.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(photolike/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Doch das, auf das Wagner in der Lausitz stößt, übersteigt seinen Horizont bei weitem. Und die Grenzen der Physik wie wir sie kennen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="szenario">Schwieriges Szenario</h3>



<p>Für mich war es schwierig, das Szenario von <em>&#8222;Die letzte Kosmonautin&#8220; </em>einzuschätzen. Die nicht geschehene Wende durch die angeblichen Ölfunde in der Lausitz wirkten auf mich zuerst nur oberflächlich konstruiert, um den Hintergrund des Romans möglich zu machen.</p>



<p>Am Ende erklärt Brandon Q. Morris noch einige physikalische Grundsatzdiskussionen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">seines Ankerpunkts</a>. Denn hinter dem Pseudonym steht der deutsche Physiker und Autor Matthias Matting.</p>



<p>Diese Seiten waren für mich als Nicht-Physiker noch schwieriger, da er in den Erklärungen viele physikalische Informationen ausbreitet, die ich so kaum überprüfen konnte.</p>



<p>Zentrale Punkte der Handlung haben allerdings eine Verankerung in der <em>&#8222;realen&#8220;</em> Geschichte. So existierte das erwähnte ZfK Rossendorf tatsächlich seit 1956 als Zentralinstitut für Kernphysik (ZfK) und danach Zentralinstitut für Kernforschung in der DDR. Heute ist es Teil der Helmholtz-Zentren. </p>



<p>Auch ist die MKF-8 eine Anspielung auf die <em>&#8222;legendäre&#8220;</em> MKF-6 der Missionen um Sigmund Jähn.</p>



<p>Mit Peenemünde fehlt zuletzt nicht die Anspielung auf die Raketenversuche der Nationalsozialisten um Wernher von Braun<a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/"> im Zweiten Weltkrieg</a>.</p>



<p>Insgesamt schien mir das Szenario des Romans sehr unrealistisch. Er stellt allerdings mit seine Ereignissen im Jahr 2029 auch eine Mischung aus Alternative History und Science-fiction dar.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="handlung">Schwankende Handlung</h3>



<p>Auch die meisten Teile der Handlung wirken auf mich schwankend in ihrer Logik. So war für mich unklar, wo die DDR von <em>&#8222;Die letzte Kosmonautin&#8220;</em> (siehe Bild unten) noch sozialistische Diktatur ist und wo diese Diktatur inzwischen liberaler reagiert. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="846" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Buchcover-Die-letzte-Kosmonautin.jpg?resize=600%2C846&#038;ssl=1" alt="Buchcover des Romans &quot;Die letzte Kosmonautin&quot; von Brandon Q. Morris" class="wp-image-6455" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Buchcover-Die-letzte-Kosmonautin.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Buchcover-Die-letzte-Kosmonautin.jpg?resize=213%2C300&amp;ssl=1 213w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Viele Aktionen im Erzählstrang um Tobias Wagner wirken arg konstruiert. </p>



<p>So verhält sich der Volkspolizist aus meiner Sicht häufig irrational und kommt damit nur durch, weil ihm wildfremde Menschen am Rande der Hochsicherheitssperrzone spontan und ebenfalls ohne nachhaltigen Grund helfen. Ebenso profitiert er davon, dass die einerseits als fast allwissende geltende Stasi sich andererseits <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-mauer-steht-am-rhein-christian-von-ditfurth/">wie die anderen Sicherheitsorgane</a> oftmals merkwürdig passiv verhält.</p>



<p>Zuletzt bleibt für mich noch etwas unklar, wie es Miriam bis zum Zielpunkt in der Sperrzone geschafft hat und dort die Sicherheitsorgane nochmals überrumpelt, während Tobias Wagner mehrfach beim Versuch fast stirbt und erst mit Hilfe der Verantwortlichen der Sperrzone – wieder unter erheblichen Gefahren – dorthin gelangt.</p>



<p>Der Erzählstrang um Mandy Neumann wirkt dagegen im Vergleich zu geraffter, logischer und besser erzählt. Auch wenn am Ende wie bei Tobias Wagner eine Nebenfigur als Deux ex machina die Lösung bringt.</p>



<p>Zuletzt wirkte die Auflösung der Ereignisse in der Sperrzone auf mich unrealistisch, was auch daran liegt, dass Brandon Q. Morris sich hier in den noch nicht vollständig erforschten Grenzbereichen der Physik bewegt.</p>



<p>Für Menschen mit mehr Ahnung von Physik wäre <em>&#8222;Die letzte Kosmonautin&#8220;</em> daher eine bedingte Empfehlung.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Brandon Q. Morris: Die letzte Kosmonautin. Frankfurt am Main 2022.</li>



<li><a href="https://www.welt.de/geschichte/article119330593/Als-die-DDR-mal-kurz-zur-Grossmacht-aufstieg.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Als die DDR mal kurz zur Großmacht aufstieg.</a> Raumfahrt, auf: welt.de (26.08.2013).</li>



<li>Heidrun Budde: <a href="https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/53990/vopo-beruf-fuer-auserwaehlte/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vopo – Beruf für Auserwählte</a>, auf: bpb.de (30.03.2011).</li>



<li>Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf: <a href="https://www.hzdr.de/db/Cms?pNid=1826" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Geschichte des Forschungsstandortes Dresden-Rossendorf</a>, auf: hzdr.de (04.04.2023).</li>



<li>Henning Krause: <a href="https://www.helmholtz.de/newsroom/artikel/zur-geschichte-der-raumfahrt-in-der-ddr/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zur Geschichte der Raumfahrt in der DDR.</a> Hammer und Zirkel im All, auf: helmholtz.de (24.08.2018).</li>



<li>Christoph Seidler: <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/sigmund-jaehn-nachruf-auf-den-ersten-deutschen-im-all-a-1288043.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der leise Held.</a> Nachruf auf Sigmund Jähn, auf: spiegel.de (22.09.2019).</li>



<li>Volkspolizei 1990: <a href="https://www.mdr.de/geschichte/ddr/politik-gesellschaft/volkspolizei/volkspolizei-krise-wende-osten-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nichts hören, nichts sagen, nichts sehen.</a> Der Wilde Osten, auf: mdr.de (27.11.2018).</li>



<li>Tobias Wunschik: <a href="https://www.stasi-unterlagen-archiv.de/mfs-lexikon/detail/volkspolizei-und-staatssicherheit/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Volkspolizei und Staatssicherheit</a>, auf: stasi-unterlagen-archiv.de.</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/die-letzte-kosmonautin-brandon-q-morris/">1987: Die letzte Kosmonautin von Brandon Q. Morris</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://ankerpunkte-blog.de/ddr/die-letzte-kosmonautin-brandon-q-morris/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">6429</post-id>	</item>
		<item>
		<title>1521 bis 2015: ZEIT Geschichte 3/2025</title>
		<link>https://ankerpunkte-blog.de/hintergruende/was-waere-gewesen-wenn-zeit-geschichte/</link>
					<comments>https://ankerpunkte-blog.de/hintergruende/was-waere-gewesen-wenn-zeit-geschichte/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Aug 2025 16:49:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der andere Erste Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Der neue Klassiker Zweiter Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Die erfolgreiche Revolution 1848]]></category>
		<category><![CDATA[Die weiter existierende DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Historische Hintergründe]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ankerpunkte-blog.de/?p=7018</guid>

					<description><![CDATA[<p>Mit der Ausgabe zum 20-jährigen Jubiläum widmete sich ZEIT Geschichte, das auf Geschichte spezialisiertes Magazin von &#8222;DIE ZEIT Verlagsgruppe&#8220;, der Alternative History. Verschiedene Autoren betrachteten dort 20 Szenarien aus der deutschen Geschichte unter dem Thema &#8222;Was wäre gewesen, wenn …? 20 Wendepunkte der deutschen Geschichte – und die Frage, wie es auch anders hätte kommen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/hintergruende/was-waere-gewesen-wenn-zeit-geschichte/">1521 bis 2015: ZEIT Geschichte 3/2025</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Mit der Ausgabe zum 20-jährigen Jubiläum widmete sich ZEIT Geschichte, das auf Geschichte spezialisiertes Magazin von &#8222;DIE ZEIT Verlagsgruppe&#8220;, der Alternative History.</p>



<p>Verschiedene Autoren betrachteten dort 20 Szenarien aus der deutschen Geschichte unter dem Thema <em>&#8222;Was wäre gewesen, wenn …? 20 Wendepunkte der deutschen Geschichte – und die Frage, wie es auch anders hätte kommen können&#8220;</em>.</p>



<span id="more-7018"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#deutsche-geschichte">Wissensgewinn von Alternative History für die deutsche Geschichte</a></li>



<li><a href="#alternative-history">Gefahren von Alternative History für die Geschichtswissenschaft</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#karl-luther">1521: Vorschlag zur Güte</a></li>



<li><a href="#dreissigjaehriger-krieg">1629: Das Gemetzel hätte früher enden können</a></li>



<li><a href="#mirakel-haus-brandenburg">1762: &#8222;Mein Unglück ist, dass ich noch lebe&#8220;</a></li>



<li><a href="#1848-friedrich-wilhelm">1849: Ein Kaiser von Volkes Gnaden</a></li>



<li><a href="#bismarck-attentat">1866: Keine Durchschlagskraft</a></li>



<li><a href="#schlacht-koeniggraetz">1866: Das deutsche Duell</a></li>



<li><a href="#kaiser-friedrich-iii">1888: &#8222;Eine Tragödie für die Deutschen&#8220;</a></li>



<li><a href="#attentat-sarajevo">1914: Bei Mord Krieg?</a></li>



<li><a href="#lenin-zug">1917: Passage am Polarkreis</a></li>



<li><a href="#revolution-hugo-haase">1919: Wie die Revolution gelungen wäre</a></li>



<li><a href="#reichspraesident-friedrich-ebert">1925: Retter der Republik</a></li>



<li><a href="#rheinlandbesetzung">1936: Letzte Ausfahrt Rheinland</a></li>



<li><a href="#attentat-georg-elser">1939: Dann hätte es keinen Holocaust gegeben</a></li>



<li><a href="#wunder-duenkirchen">1940: Das Wunder von Dünkirchen</a></li>



<li><a href="#morgenthau-plan">1944: Kartoffelacker oder Aufbauhilfe</a></li>



<li><a href="#bundeskanzler-adenauer">1949: Ära ohne Adenauer</a></li>



<li><a href="#dritter-weltkrieg">1961: Showdown der Supermächte</a></li>



<li><a href="#stanislaw-petrow">1983: &#8222;Jetzt nur keine Panik&#8220;</a></li>



<li><a href="#revolution-ddr">1989: Unwahrscheinliches Glück</a></li>



<li><a href="#fluechtlingskrise">2015: Grenze offen, Grenze dicht</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#struktur-zufall">Struktur und Zufall in der Alternative History</a></li>



<li><a href="#deutsche-alternative-history">Deutsche Sicht auf Alternative History</a><br><br><a href="#quellen-literatur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>
</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="deutsche-geschichte">Wissensgewinn von Alternative History für die deutsche Geschichte</h3>



<p>Zu Beginn der Ausgabe diskutierten verschiedene Autoren die grundsätzlichen Fragen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">der Alternative History</a> für die deutsche Geschichte. Eingeleitet durch das Vorwort des Chefredakteurs von ZEIT Geschichte, Frank Werner.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>&#8222;Wer im Krimi immer zuerst auf die letzte Seite blättert, wird von seinen verblüffenden Wendungen nicht überrascht. Er liest den Roman wie einen Zieleinlauf. Ähnlich blicken wir auf die Vergangenheit. Wir betrachten die Geschichte von ihrem bekannten Ende her, und es scheint, als strebe sie auf dieses Ende zu, als sei alles <em>Vor</em>geschichte. Überhaupt halten wir oft nur die Geschichte für möglich, deren Ende wir kennen – obwohl es viele Enden hätte geben können.</p>



<p>Für die Zeitgenossen ist die Geschichte ein Buch, das noch nicht geschrieben ist.&#8220;</p>
<cite>Frank Werner, Chefredakteur ZEIT Geschichte</cite></blockquote>



<p>Kontrafaktische Fragen gehören aus dieser Sichtweise zum Handwerkszeug der Geschichtswissenschaft. Denn sie dienen dem Erkenntnisgewinn über Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten von historischen Entwicklungen. Beispielsweise, welche Ereignisse in der deutschen Geschichte eher Zufall oder historische Notwendigkeit waren. Oder welche Rolle politische oder wirtschaftliche Strukturen spielten.</p>



<p>Dan Diner, der als Geschichtsprofessor an der Ausstellung &#8222;Roads not Taken. Oder: Es hätte auch anders kommen können&#8220; mitgearbeitet hatte, beschrieb dazu zwei Bespiele: die Machtübertragung an Adolf Hitler 1933 und das gescheiterte Attentat auf ihn 1944.</p>



<p>War Adolf Hitler (siehe Bild aus dem Ersten Weltkrieg unten links) eine <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/1889-geschichte-machen-von-stephen-fry/">unvermeidbare Entwicklung der deutschen Geschichte</a>. Oder war seine Ernennung ein historischer Zufall?</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="404" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Weltkrieg.jpg?resize=600%2C404&#038;ssl=1" alt="Foto von Weltkriegssoldaten, links unten davon Adolf Hitler" class="wp-image-3087" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Weltkrieg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Weltkrieg.jpg?resize=300%2C202&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock) </figcaption></figure>



<p>Strukturell war die Weimarer Verfassung auf einen starken Reichspräsidenten angelegt, der den Reichskanzler ohne Zustimmung des Parlaments ernannte. Speziell die Ernennung Hitlers war jedoch ein Ergebnis von individuellen Intrigen im persönlichen Umfeld des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg.</p>



<p>Die gleiche Frage zwischen Struktur und Zufall stellte sich für das <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-21-juli-christian-von-ditfurth/">fehlgeschlagene Attentat von Stauffenberg 1944</a>.</p>



<p>Strukturell waren die Widerständler von Anfang an im Nachteil. Nur wenige Militärs hatten sich ihnen angeschlossen. Und Adolf Hitler verfolgte eine jeweils kurzfristig organisierte Tagesplanung, was Attentatspläne erschwerte. Beim konkreten Attentat am 20. Juli 1944 gab es jedoch Zufälle, die zum Scheitern beitrugen. Zum Beispiel ein schwerer Eichentisch, der Teile der Explosion für den über den Tisch gebeugten Hitler abfing.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="alternative-history">Gefahren von Alternative History für die Geschichtswissenschaft</h3>



<p>Danach ging ZEIT Geschichte auf die Gefahren von Alternative History in der Erforschung der Geschichte ein. Vor allem allerdings anhand der britischen Geschichte.</p>



<p>In einem Interview kritisierte der britische Historiker Richard Evans, dass viele kontrafaktische Fragen <em>&#8222;dem Wunschdenken konservativer Historiker&#8220;</em> entspringen, die aktuelle Entwicklungen eher kritisch sehen. So entstand die Frage &#8222;Was wäre gewesen, wenn es zwischen Großbritannien und dem Deutschen Reich vor oder im Ersten Weltkrieg zu einem früheren Friedensabkommen gekommen wäre?&#8220; aus der konservativen Hoffnung, eine solche Entwicklung hätte das britische Empire (siehe Bild unten) nach 1914 erhalten und den linken Wohlfahrtsstaat nach 1945 verhindert.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="450" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Koenigin-Viktoria.jpg?resize=600%2C450&#038;ssl=1" alt="Foto einer Statue von Queen Viktoria" class="wp-image-3857" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Koenigin-Viktoria.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Koenigin-Viktoria.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(casinozack/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Evans erinnerte an diesem Beispiel an die politische Dimension von <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/literatur/">Alternative History Literatur</a>. Unter EU-Skeptikern in Großbritannien waren solche Romane weit vor dem Brexit 2016 verbreitet. Teilweise schrieben Gegner der EU selbst Alternative History Romane, um einen vermeintlichen Kampf gegen die EU in der Gegenwart populär zu machen.</p>



<p>Zwar können kontrafaktische Spekulationen Historiker unterstützen, den Spielraum Einzelner in der Geschichte realistisch einzuschätzen. Nach Evans sahen konservative Historiker aber größere individuelle Spielräume als tendenziell linke Wissenschaftler, die eher Strukturen betonten.</p>



<p>Um Wunschdenken auszuschließen, plädierte er daher dafür, die Antworten auf kontrafaktische Fragestellungen <em>&#8222;auf die für Zeitgenossen überschaubare Zukunft zu begrenzen.&#8220;</em> Denn ansonsten würden Fragesteller <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/wechselwelten-oliver-henkel/">mit ihren Szenarien in unbewusste Wunschvorstellunge</a>n geraten. Der Realitätsgehalt dieser wissenschaftlichen Spekulationen ist mit zunehmendem Fortschreiten der weiteren historischen Entwicklung aber unmöglich einzuschätzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<p>Die 20 darauf folgenden Alternative History Szenarien laufen von der frühen Neuzeit bis in die aktuelle Zeit.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="karl-luther">1521: Vorschlag zur Güte</h3>



<p>Anstatt Martin Luther wie in der realen Geschichte am 18. April 1521 beim Reichstag in Worms zum Widerruf seiner Thesen zu zwingen und bei einer Ablehnung die Reichsacht zu verhängen, schlug Kaiser Karl V. im ersten Szenario einen Kompromiss vor: Martin Luther (siehe auf der rechten Seite Bild unten) sollte unter seinem Schutz an einer Reform der Kirche mitarbeiten. Beide Seiten sahen diese Einigung zwar nur als Zeitgewinn, bis sich ihre jeweilige Sichtweise für die Reform durchgesetzt hatte. Daher stimmte Martin Luther vorerst zu.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Johannes-Eck-und-Martin-Luther.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Bronzerelief von Joahnnes Eck und Martin Luther an einem Denkmalsockel" class="wp-image-5458" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Johannes-Eck-und-Martin-Luther.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Johannes-Eck-und-Martin-Luther.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Anastazzo/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Mit einer solchen Alternative History wäre zwar die konfessionellen Begründungen für viele folgende Konflikte weggefallen. Aber nicht die sozialen Verwerfungen und die Machtkonflikte zwischen den einzelnen Monarchen. Allerdings hätte es mit dem interkonfessionellen Dialog, wie im <em>Augsburger Religionsfrieden</em> von 1555, auch kein Einüben von religiöser Toleranz gegeben.</p>



<p>Der Historiker Tillmann Bendikowski sieht das Szenario allerdings als unrealistisch. Denn 1521 waren die Spielräume der zwei handelnden Personen bereits eingeschränkt. Luther war von der katholischen Kirche als Ketzer exkommuniziert und seitdem gerade als Kritiker des römischen Papsttums enorm populär in der deutschsprachigen Bevölkerung. Karl V. war abhängig von anderen Machtfaktoren, wie Papst Leo X., der erst überraschend wenige Monate nach dem Reichstag starb.</p>



<p>Daher kam es in der realen Geschichte zu einem anderen Kompromiss: Karl V. verhängte zwar die Reichsacht über Luther und erklärte ihn damit für vogelfrei. Er ließ ihn aber unter dem Schutz des protestantischen sächsischen Kurfürsten entkommen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="dreissigjaehriger-krieg">1629: Das Gemetzel hätte früher enden können</h3>



<p>Elf Jahre nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges bestand Hoffnung, den Konflikt zu beenden.</p>



<p>Nach mehreren Niederlagen der Protestanten hatte König Christian IV. von Dänemark eine vernichtende Niederlage gegen die katholischen Heere erlitten. Daraufhin musste er einen relativ milden Frieden schließen, der den Krieg nach dem Kulturredakteur Raoul Löbbert zu einem Abschluss gebracht hätte. </p>



<p>Am 6. März 1620 erließ Kaiser Ferdinand II. aber das <em>&#8222;Restitutionsedikt&#8220;</em>: Mit diesem sollten die protestantischen Reichsstände alle katholischen Besitztümer zurückgeben, die sie sich seit 1555 angeeignet hatten. Ferdinand sah sich als Repräsentant <a href="https://ankerpunkte-blog.de/mittelalter/pavane-keith-roberts/">der katholischen Gegenreformation</a>, die er mit dem Edikt entscheidend voranbringen wollte. Machtpolitische Einwände gegen die Verabschiedung ließ er nicht gelten.</p>



<p>Daher fachte <em>&#8222;Restitutionsedikt&#8220;</em> den Widerstandswillen der Protestanten wieder an und lieferte die Begründung für den Kriegseintritt von König Gustav Adolf von Schweden (siehe Bild unten). Beides ließ den Konflikt wieder eskalieren und führte zu weiteren 19 Jahren in einem verheerenden Krieg.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="612" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Gustav-Adolf.jpg?resize=600%2C612&#038;ssl=1" alt="Statue von König Gustav Adolf" class="wp-image-5067" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Gustav-Adolf.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Gustav-Adolf.jpg?resize=294%2C300&amp;ssl=1 294w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(high fliers/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Hätte Kaiser Ferdinand II. auf das Restitutionsedikt verzichtet, wären durch ein Kriegsende Katastrophen wie die <em>&#8222;Magdeburger Bluthochzeit&#8220; </em>– die Zerstörung der Stadt Magdeburg im Jahr 1631 – und andere Grausamkeiten, die zu massiven Bevölkerungsverlusten führten, vorerst verhindert worden.</p>



<p>Jedoch wären andere Konflikte in dieser Alternative History nicht gelöst worden: Beispielsweise das Streben des schwedischen Königs nach der Vormachtstellung im Ostseeraum und der machtpolitische Gegensatz zwischen den französischen Königen sowie den österreichischen und spanischen Habsburgern.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="mirakel-haus-brandenburg">1762: &#8222;Mein Unglück ist, dass ich noch lebe&#8220;</h3>



<p>Das <em>&#8222;Mirakel des Hauses Brandenburg&#8220;</em> gehörte zu den Legenden um den preußischen König Friedrich den Großen.</p>



<p>1762 kämpfte er seit sechs Jahren gegen eine übermächtige Allianz aus Russland, Frankreich, Schweden, dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation und den österreichischen Habsburgern. Bevor er aber der Übermacht unterlag, sorgte der Tod der russischen Zarin Elisabeth am 5. Januar 1762 für ein Auseinanderbrechen des Bündnisses. Preußen konnte sich im <em>&#8222;Siebenjährigen Krieg&#8220;</em> als Großmacht behaupten.</p>



<p>1762 war die Lage Preußens nach mehreren Niederlagen und dem Einstellen der britischen Subsidien aber kritisch.</p>



<p>Jedoch hätte auch ein längeres Leben von Zarin Elisabeth dem Siebenjährigen Krieg nach Meinung des Redakteurs Samuel Rieth keine entscheidende Wendung gegeben. Bereits zuvor agierten die Verbündeten gegen Preußen zögerlich und unkoordiniert. Dies erlaubte es König Friedrich, auch vernichtende Niederlagen, wie in der Schlacht bei Kunersdorf 1759, zu überstehen. Zudem waren alle Kriegsbeteiligten 1762 kriegsmüde, finanziell ruiniert und kaum noch in der Lage, den Krieg im bisherigen Ausmaß weiterzuführen.</p>



<p>Daher hätte ein Szenario mit einem späterem Tod von Zarin Elisabeth den Krieg verlängert und verlustreicher gemacht. Auch wäre ein nach Erschöpfung aller Kriegsparteien geschlossener Frieden für Preußen nicht so günstig ausgefallen wie in der Realität. Doch selbst ein Tod von Friedrich 1759 hätte den Aufstieg Preußens nur gebremst, aber nicht verhindert.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="1848-friedrich-wilhelm">1849: Ein Kaiser von Volkes Gnaden</h3>



<p>Am 3. April 1849 traf eine Delegation des Frankfurter Paulskirchenparlaments auf den preußischen König Friedrich Wilhelm IV., um ihm die Kaiserwürde anzubieten. Friedrich Wilhelm IV. antwortete zwar diplomatisch, knüpfte seine Entscheidung aber an die Zustimmung der übrigen deutschen Monarchen und Staaten. Eine mehr oder minder verklausulierte Absage.</p>



<p>Denn zwar stimmen 28 von 38 Regierungen der deutschen Staaten bis April 1849 der Reichsverfassung mit einem möglichen Kaiser Wilhelm IV. an der Spitze zu. Aber es fehlen die großen Staaten wie <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayern/">die Königreiche Bayern</a> und Hannover, ebenso wie das Königreich Preußen selbst. Am 28. April 1849 lehnte Friedrich Wilhelm die Krone daher endgültig ab. Anschließende Revolten in vielen deutschen Staaten scheitern, ebenso wie ein Gegenentwurf unter preußischer Führung in Gestalt der <em>&#8222;Erfurter Union&#8220;</em>.</p>



<p>Wenn Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone angenommen hätte, wäre in dieser Alternative History <a href="https://ankerpunkte-blog.de/1848-revolution/revolution-1848/">ein relativ liberales Deutsches Reich</a> mit weitreichendem Männer-Wahlrecht und relativ vielen Befugnissen für das Parlament entstanden. Dieses Reich hätte sich sofort im Konflikt mit Österreich, Frankreich und Russland befunden. Bereits im Paulskirchenparlament zeigte sich auch ein starker deutscher Nationalismus mit weitreichenden Zielen. Daher wäre es unrealistisch, dass es selbst bei einer liberaleren Entwicklung Deutschlands nicht zu Kolonialismus und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/die-schlacht-bei-dorking-von-sir-george-tomkyns-chesney/">Konflikten mit anderen europäischen Mächten</a> gekommen wäre.</p>



<p>Am Ende sieht der Historiker Ralf Zerback eine Annahme der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. als unrealistisch: Der preußische König galt als <em>&#8222;Romantiker auf dem Thron&#8220;</em>, der sich eher für Gottesgnadentum und mittelalterliches Königtum begeisterte, als für demokratische und liberale Reformen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="bismarck-attentat">1866: Keine Durchschlagskraft</h3>



<p>Als der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck am 7. Mai 1866 auf dem Heimweg von einer Besprechung war, schoss der 22-jährige Ferdinand Cohen-Blind mehrfach auf ihn. Doch Bismarck blieb unverletzt: Die ersten Kugeln streiften ihn nur und drei prallten ab, da der eingesetzte Bündelrevolver zu wenig Durchschlagskraft entwickelt hatte, um seine dicke Kleidung zu durchdringen.</p>



<p>Cohen-Blind beging nach seiner Verhaftung Selbstmord. Der radikale Demokrat wollte einen möglichen Konflikt zwischen Preußen und Österreich verhindern. Dieser entzündete sich vordergründig um die Zukunft der Herzogtümer Schleswig und Holstein. Vor allem aber an der Frage um die Vorherrschaft um Deutschen Bund. Bismarck galt als treibende Kraft des sich immer mehr zuspitzenden Konflikts, der im Mai 1866 bereits zu einer preußischen Mobilmachung geführt hatte.</p>



<p>Doch ob Cohen-Blind sein Ziel erreichen hätte können, wenn er Bismarck getötet hätte, ist nach der Geschichtsprofessorin Ute Planert unwahrscheinlich. Erstens war Bismarck nicht der einzige Entscheidungsträger in der preußischen Regierung, der für einen Krieg plädiert hatte. Zweitens setzten die Mobilmachung sowie ein befristeter Geheimvertrag mit Italien gegen Österreich die preußische Regierung unter Handlungsdruck. Drittens war auch Österreich einem Krieg nicht abgeneigt, um seine angespannte Innenpolitik zu stabilisieren.</p>



<p>Bei einem gelungenen Attentat wäre Bismarck allerdings nicht als Reichseiniger in die Geschichte eingegangen, sondern nur als umstrittener preußischer <em>&#8222;Konfliktminister&#8220;.</em></p>



<h3 class="wp-block-heading" id="schlacht-koeniggraetz">1866: Das deutsche Duell</h3>



<p>Am 3. Juli 1866 trafen die preußische und die österreichische Armee bei Königgrätz im damaligen Böhmen zur Entscheidungsschlacht des Deutschen Krieges aufeinander. Gegen Mittag war die Lage der Preußen prekär, da ihre Angriffe gegen die überlegene Artillerie der Verteidiger erfolglos blieben. Eine preußische Division war sogar schweren Gegenattacken ausgesetzt, fügte den Österreichern aber mit dem Zündnadelgewehr enorme Verluste zu. Erst als die Armee des Kronprinzen Friedrich am frühen Nachmittag eintraf, wendete sich das Blatt. Die Österreicher erlitten schwere Verluste und mussten sich zurückziehen.</p>



<p>Generell war Österreich bereits vor der Schlacht im Nachteil. Es hatte mehrere Gefechte gegen die getrennt nach Königgrätz marschierenden preußischen Armeen verloren. Zudem waren Generalstab, Offiziere und Soldaten der Preußen (siehe Bild unten) besser ausgebildet als ihre österreichischen Gegner.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="657" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Preussische-Soldaten.jpg?resize=600%2C657&#038;ssl=1" alt="Bild von zwei preußischen Soldaten" class="wp-image-3020" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Preussische-Soldaten.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Preussische-Soldaten.jpg?resize=274%2C300&amp;ssl=1 274w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Marzolino/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Nach dem Sieg bei Königgrätz gelang es Bismarck, den preußischen König Wilhelm von einem raschen, milden Frieden zu überzeugen, um seine Ziele der Einigung Deutschlands unter preußischer Führung durchzusetzen. So kam es zur Gründung des Norddeutschen Bundes. Und 1871, nach dem Sieg gegen das kaiserliche Frankreich, zur Gründung des Deutschen Reichs.</p>



<p>In einer Alternative History hätte eine Niederlage von Preußen dagegen die Einigung verhindert. Neben Rücktritten von König Wilhelm und Ministerpräsident Bismarck hätte es nach dem Feuilleton-Redakteur Alexander Cammann keine kleindeutsche Lösung gegeben, sondern einen mehr oder minder starken Staatenbund mit einem deutlich geschwächten Preußen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="kaiser-friedrich-iii">1888: &#8222;Eine Tragödie für die Deutschen&#8220;</h3>



<p>Als am 9. März 1888 Kaiser Wilhelm I. mit 91 Jahren starb, hofften viele Liberale im Deutschen Reich auf seinen Nachfolger Friedrich III. Doch dieser litt seit Februar 1887 an Kehlkopfkrebs. Im Februar 1888 mussten die Ärzte einen Luftröhrenschnitt durchführen, was den zukünftigen Kaiser die Stimme kostete.</p>



<p>Daher konnte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-fahrt-des-leviathan-oliver-henkel/">Friedrich III. nur symbolische Handlungen</a> durchführen. Weitergehende Maßnahmen scheiterten an seinem schlechten Gesundheitszustand und dem Widerstand des Reichskanzlers Bismarck. Bereits am 15. Juni 1888 starb Friedrich (siehe Bild unten). Seine Nachfolge trat sein Sohn Wilhelm an, der als sprunghaft und preußisch-konservativ galt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="873" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Friedrich-III.jpg?resize=600%2C873&#038;ssl=1" alt="Porträt des Kaisers Friedrich III" class="wp-image-1592" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Friedrich-III.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Friedrich-III.jpg?resize=206%2C300&amp;ssl=1 206w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Oleg Golovnev/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Ob eine längere Regierungszeit Friedrich III. eine nachhaltige liberale Ausrichtung des Deutschen Reichs angestoßen hätte, ist umstritten. Denn Bismarck hatte den als liberal geltenden Kronprinzen bereits vor 1888 politisch isoliert, um seine konservative Politik weiterverfolgen zu können. Zudem waren die Machstrukturen und führenden Eliten des Deutschen Reiches konservativ dominiert, was den Spielraum für liberale Reformen weiter einschränkte. Zuletzt schwankte Friedrich als Kronprinz zwischen seiner liberalen Einstellung und der militärischen Tradition Preußens.</p>



<p>Jedoch galt der frühe Tod Friedrichs III., vor allem vor dem Hintergrund der desaströsen Weltpolitik Wilhelms II., für viele damalige Wissenschaftler und Literaten als Tragödie. Denn auch wenn die Vorstellungen von einer weitgehenden Liberalisierung unter Kaiser Friedrich III. eher Wunschvorstellung sind, wäre laut dem Historiker Volker Ulrich seine Politik moderater gewesen, als die von Wilhelm II.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="attentat-sarajevo">1914: Bei Mord Krieg?</h3>



<p>Als der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 Sarajevo besuchte, entging er zunächst mehreren Attentatsversuchen. Erst der fünfte Attentäter, Gavrilo Princip, konnte durch einen Zufall auf das vor ihm stoppende Auto des Thronfolgers schießen und sowohl Franz Ferdinand als auch dessen Ehefrau mit zwei Schüssen töten. Damit ging der Plan einer serbischen Verschwörergruppe auf, Österreich zu einer harten Reaktion gegen das Königreich Serbien zu provozieren. Und den Ersten Weltkrieg auszulösen.</p>



<p>Doch das gelungene Attentat (siehe Bild unten) hätte nicht zwangsläufig zum großen Konflikt führen müssen. So forderten die deutschen Militärs zwar häufig Präventivkriege gegen Frankreich und Russland. Die deutsche Militärführung unternahm jedoch nach dem Attentat zuerst keine entsprechenden Schritte. Auch hatte es in der Vergangenheit immer wieder erfolgreiche diplomatische Lösungen für ausgebrochene Konflikte zwischen den europäischen Großmächten gegeben.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="405" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Sarajevo.jpg?resize=600%2C405&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-440" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Sarajevo.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Sarajevo.jpg?resize=300%2C203&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Historical/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Doch aus Furcht vor einem Abfallen Österreich-Ungarns als einzigem Verbündeten gab die deutsche Regierung eine bedingungslose Bündniszusage. Ebenso gab es eine ähnliche Zusage von Frankreich an seinen Verbündeten Russland für einen Konflikt mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn. Erst <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/1906-der-zusammenbruch-der-alten-welt-ferdinand-grauthoff/">diese diplomatische Eskalation</a> ebnete den Weg <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/erster-weltkrieg/">in den Ersten Weltkrieg</a>. </p>



<p>Jedoch war diese Eskalation nicht das Ergebnis von Plänen oder Strukturen, sondern von Zufällen und politischen Fehleinschätzungen. Daher war diese Entwicklung auch nach dem Attentat nicht zwangsläufig. Ein gescheitertes Attentat auf Franz Ferdinand hätte daher nach dem Redakteur Christoph Nonn <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/kaisertag-oliver-henkel/">den Ersten Weltkrieg verhindert</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="lenin-zug">1917: Passage am Polarkreis</h3>



<p>Im April 1917 reiste eine Gruppe von russischen Kommunisten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/ich-werde-hier-sein-im-sonnenschein-und-im-schatten-christian-kracht/">aus der Schweiz zurück nach Russland</a>. Vermittelt hatte diese aufwändige Reise die deutsche Regierung, um den russischen Kriegsgegner zu destabilisieren. Denn zur Gruppe gehörte auch Wladimir Iljitsch Uljanow, besser bekannt unter dem Namen Lenin (siehe Bild unten), der für ein Ausscheiden seines Landes aus dem Krieg plädierte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="461" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?resize=600%2C461&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Foto von Lenin an seinem Schreibtisch" class="wp-image-4808" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?resize=300%2C231&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Daher war der britische Botschafter in Schweden alarmiert, als er von der Durchreise der Kommunisten erfuhr. Doch beim entscheidenden Grenzübertritt durchsuchten zwar russische Grenzbeamte mit britischer Unterstützung Lenin und seine Gruppe. Sie bekamen aber keine Anweisung zur Festnahme.</p>



<p>So reiste Lenin nach Russland ein und initiierte als Führer der Bolschewiki nach wenigen Monaten erfolgreich die <em>&#8222;Oktoberrevolution&#8220;</em>.</p>



<p>Was wäre gewesen, wenn Lenin und seine Gruppe an der Grenze aufgehalten worden wären? Der Redakteur Markus Flohr geht von einem anderen Verlauf der Geschichte aus. Denn vor seinem Grenzübertritt war Lenin keineswegs so unumstritten und bekannt, wie er es bis zur <em>&#8222;Oktoberrevolution&#8220;</em> wurde. Die Bolschewiki sowie andere sozialistische Gruppen um diverse Anführer wären zu gespalten gewesen, um eine Revolution durchzuführen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="revolution-hugo-haase">1919: Wie die Revolution gelungen wäre</h3>



<p>Als die Revolution im Jahr 1918 das Deutsche Reich am Ende des Ersten Weltkriegs erschütterte, bildete sich eine neue Regierung: ein <em>&#8222;Rat der Volksbeauftragten&#8220;</em> aus jeweils drei Vertretern von der sozialdemokratischen Parteien MSPD und USPD. Der Rat verständigte sich schnell auf innenpolitische Reformen wie den 8-Stunden-Tag oder das allgemeine Wahlrecht.</p>



<p>Dem gegenüber stand die <em>&#8222;Oberste Heeresleitung&#8220;</em>, die in der Revolution fast jeglichen Einfluss verloren hatte. Sie wollte aber die neuen Entwicklungen nutzen, um ihre alte politische und militärische Macht wiederherzustellen.</p>



<p>Denn der Rat war sich uneinig, wie stark der Einfluss der alten Eliten in Verwaltung und Militär beschnitten werden konnte und sollte. Die MSPD vertraute Loyalitätsbekundungen, während die USPD die Macht den sozialistisch geprägten Arbeiter- und Soldatenräten übertragen wollte. Als es ab 23. Dezember 1918 zu Gefechten von Armeeeinheiten mit der <em>&#8222;Volksmarinedivision&#8220;</em> aus linken Matrosen kam, schied die USPD aus der Regierung aus.</p>



<p>Der USPD-Vorsitzende Hugo Hase, selbst bis dahin Mitglied des <em>&#8222;Rats der Volksbeauftragten&#8220;</em>, entwarf danach selbst folgendes Alternative History Szenario.</p>



<p>Zuvor hatte die USPD die Wahlen zu einem neuen Zentralrat boykottiert, der die Regierung kontrollieren sollte. Hätte die USPD sich nach Haase beteiligt, hätte sie nach den Kämpfen im Dezember die MSPD-Regierungsmitglieder wegen der Zusammenarbeit mit der Heeresleitung zum Rücktritt zwingen können. Ausgehend von einem Rücktritt der MSPD-Regierungsmitglieder hätte die USPD die Regierung übernehmen und ihre Ziele wie ein <em>&#8222;Volkswehrprojekt&#8220;</em> durchsetzen können, um die Heeresleitung zu entmachten. </p>



<p>Dieses Wunsch-Szenario von Haase hatte nach dem Historiker Klaus Latzel jedoch zwei Haken: Erstens hatte die MSPD um Friedrich Ebert eine loyale Mehrheit im Zentralrat. Unabhängig davon arbeitete die Heeresleitung aktiv an einem Wiederaufbau ihrer Machtbasis. Zweitens war die USPD in sich stark gespalten zwischen gemäßigten Linken und radikalen Sozialisten, die sich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">an Rosa Luxemburg</a> (siehe Bild unten) orientierten. Dies engte den Spielraum der Parteiführung stark ein.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="683" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Statue-Rosa-Luxemburg.jpg?resize=600%2C683&#038;ssl=1" alt="Foto einer Statue Rosa Luxemburgs" class="wp-image-2608" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Statue-Rosa-Luxemburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Statue-Rosa-Luxemburg.jpg?resize=264%2C300&amp;ssl=1 264w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(ArTono/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>In der Realität billigte der Zentralrat die Entscheidungen der MSPD-Regierungsmitglieder. Daraufhin zog die USPD ihre Regierungsmitglieder endgültig zurück und verlor jeden Einfluss auf den weiteren Verlauf der Revolution.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="reichspraesident-friedrich-ebert">1925: Retter der Republik</h3>



<p>Als erster Reichspräsident nach der Revolution nutzte Friedrich Ebert ab 1919 das mächtige Amt, um in zahlreichen Krisen Kompromisse auszuloten, die bedrohte demokratische Ordnung zu stabilisieren und Realpolitik zu betreiben. Damit gelang es ihm, die <em>&#8222;Weimarer Republik&#8220;</em> bis 1924 etwas zu stabilisieren.</p>



<p>Aufgrund eines Prozesses wegen Verleumdung verschleppte Ebert (siehe Bild unten) aber eine Blinddarmentzündung, an der er am 28. Februar 1925 starb. Bei den darauf folgenden Wahlen gewann der Weltkriegsgeneral Paul von Hindenburg knapp gegen den Sammelkandidaten der demokratischen Parteien. Er leitete <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-consul-christian-von-ditfurth/">während seiner Amtszeit ab 1930 das Ende des parlamentarischen Systems</a> ein und ernannte im Jahr 1933 Hitler zum Reichskanzler.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="910" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Friedrich-Ebert.jpg?resize=600%2C910&#038;ssl=1" alt="Foto des Reichspräsidenten Friedrich Ebert" class="wp-image-2607" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Friedrich-Ebert.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Friedrich-Ebert.jpg?resize=198%2C300&amp;ssl=1 198w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Hätte Ebert 1925 überlebt, hätte er weiter die demokratische Ordnung verteidigt. Beispielsweise hätte er 1930 nicht die parlamentarisch gewählte Regierung des Reichskanzlers Hermann Müller gestürzt, um ein Präsidialkabinett zu installieren. Auch hätte er den Reichstag 1930 nicht aufgelöst. Die darauf folgenden Neuwahlen des Parlaments hatten den bis dahin im Reichstag bedeutungslosen Nationalsozialisten einen großen Wahlerfolg gebracht.</p>



<p>Das Szenario von Bernd Braun, Geschäftsführer der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte, kann allerdings nicht den weiteren Fortgang der Geschichte klären. Beispielsweise für den Fall, dass es 1932 nach der Weltwirtschaftskrise zu einer Reichspräsidentenwahl zwischen Friedrich Ebert und Adolf Hitler gekommen wäre.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="rheinlandbesetzung">1936: Letzte Ausfahrt Rheinland</h3>



<p>Im Alternatiuve History Szenario des freien Autors Andreas Molitor versuchte Adolf Hitler wie in der realen Geschichte 1936, das entmilitarisierte deutsche Rheinland zu besetzen. Allerdings griff Frankreich mit seiner Armee ein und überrannte die deutsche Vorhut förmlich. Der Rest der Wehrmacht musste sich zurückziehen. Hitler hatte in diesem Fall alles riskiert und verloren. Als Gespött der Weltöffentlichkeit und mit zerstörter Aura der Unfehlbarkeit trat er zurück und flüchtete auf den Berghof in die Alpen.</p>



<p>Danach übernahm Hermann Göring den Posten Hitlers als Reichskanzler. Unter ihm wandelt sich das Dritte Reich zu einer Einparteiendiktatur mit mehreren Machtzentren. Seine Politik zielte zwar auf eine Stärkung des Deutschen Reiches in Europa ab, wollte dafür aber nur begrenzte Kriege führen. Auch der Holocaust hätte wohl nie in diesem Ausmaß stattgefunden.</p>



<p>In der Realität war die Rheinlandbesetzung ab 7. März 1936 ein voller Erfolg für Adolf Hitler (siehe Bild unten) und das Dritte Reich. Denn die westlichen Demokratien Frankreich und Großbritannien leisteten keinen Widerstand, als die Wehrmacht das Gebiet besetzte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="600" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=600%2C600&#038;ssl=1" alt="Münze mit dem Bild von Adolf Hitler und dem Motto &quot;Unser die Zukunft Adolf Hitler&quot;" class="wp-image-3088" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Sytilin Pavel/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Jedoch war sich die deutsche Regierung um Hitler bis zum Einmarsch unsicher, ob die Westmächte nicht doch reagieren würden. Es gab sogar Berichte über einen Nervenzusammenbruch Hitlers während des Einmarsches, der fast zu einem Rückzug geführt hätte.</p>



<p>Am Ende triumphierte Hitler in den Augen der Weltöffentlichkeit sowie der eigenen Bevölkerung und galt <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/nacht-der-braunen-schatten-katharine-burdekin/">bald als unfehlbarer Stratege</a>. Ein Bild, das er sogar selbst begann, zu glauben.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="attentat-georg-elser">1939: Dann hätte es keinen Holocaust gegeben</h3>



<p>Bei den jährlichen Feierlichkeiten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-staehlerne-traum-norman-spinrad/">zum Putschversuch 1922</a> musste Hitler am 8. November 1939 wegen stürmischem Wetter statt des vorgesehenen Flugzeugs den Zug nehmen. Daher verließ er <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/oberbayern-muenchen/">den Münchner Bürgerbräukeller</a> früher als geplant und entging so dem Attentat, das Georg Elser geplant hatte. Die Explosion einer Bombe zerstörte erst nach seiner Abreise große Teil des Saals.</p>



<p>Elser, der persönliche Gewissensgründe als Grund angab, hatte das Attentat vorher monatelang und akribisch vorbereitet. Er wurde beim versuchten illegalen Übertritt über die Grenze <a href="https://ankerpunkte-blog.de/europaeische-geschichte/geschichte-schweiz/">zur Schweiz</a> verhaftet und kurz vor Kriegsende 1945 ermordet. Er galt daher &#8222;nur&#8220; als moralisches Beispiel, dass sich selbst unter einem Regime wie dem Dritten Reich erfolgreich Widerstand leisten ließ.</p>



<p>Wäre das Attentat gelungen, hätte es nach dem Historiker Michael Wildt <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">den Beginn des Zweiten Weltkrieges</a> zwar nicht mehr verhindern können. Aber die Bevölkerung und die Militärführung waren trotz des Sieges gegen Polen im September 1939 noch unsicher, was einen Angriff gegen die Großmächte Frankreich und Großbritannien anging.</p>



<p>Daher standen die Zeichen günstig, dass sich nach dem Tod Hitlers durch das Attentat eine Militärregierung unter Einbezug von nationalsozialistischen Parteiführern etabliert hätte. Diese hätte weiterhin Polen ausgebeutet und versucht, Land und Bevölkerung zu &#8222;germanisieren&#8220;. Aber ein Angriff auf die Westmächte und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/wenn-das-der-fuehrer-wuesste-otto-basil/">der Holocaust</a> (siehe Bild unten) wären unwahrscheinlicher geworden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="389" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Auschwitz.jpg?resize=600%2C389&#038;ssl=1" alt="Foto des Eingangs zum Konzentrationslager Auschwitz" class="wp-image-3089" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Auschwitz.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Auschwitz.jpg?resize=300%2C195&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(rafaelcavlaz/Shutterstock)</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading" id="wunder-duenkirchen">1940: Das Wunder von Dünkirchen</h3>



<p>Als der deutsche Angriff auf Frankreich erfolgte, kesselte die Wehrmacht Ende Mai 1940 den Großteil des britischen Heeres bei Dünkirchen an der französischen Kanalküste (siehe Bild unten) ein. Mehr als zwei Drittel der britischen Truppen in Europa, darunter die fünf besten Divisionen, standen vor der Vernichtung. Um den Krieg fortzusetzen, musste der kurz zuvor neugewählte britische Premier Winston Churchill die Soldaten evakuieren. Aber der britischen Flotte fehlten die kurzfristigen Kapazitäten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="191" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Duenkirchen.jpg?resize=600%2C191&#038;ssl=1" alt="Panorama des Strandes von Dünkirchen" class="wp-image-4816" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Duenkirchen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Duenkirchen.jpg?resize=300%2C96&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(rightclickstudios/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Da scheute Hitler das Risiko eines Angriffs und ließ diesen mehr als zwei Tage verzögern. Diese Zeit konnte die Royal Navy nutzen, um mit <em>&#8222;Operation Dynamo&#8220;</em> die Rettungsaktion für die eingeschlossenen Divisionen zu starten. Da sich die britisch-französischen Verteidiger inzwischen eingegraben hatten und auch deutsche Luftangriffe nicht den erhofften Erfolg brachten, evakuierten britische Schiffe mit 338.000 Soldaten den Großteil der Eingeschlossenen nach Großbritannien.</p>



<p>Gestützt auf die erfolgreiche Evakuierung konnte Churchill Großbritannien auf seine Linie des erbitterten Widerstands gegen das Dritte Reich einschwören.</p>



<p>Hätte es keinen solchen Haltebefehl gegeben, hätte die Amtszeit von Churchill schon nach wenigen Tagen mit einer vernichtenden Niederlage begonnen. In seinem Kriegskabinett gab es einflussreiche Personen, die für <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-pakt-philip-kerr/">eine Verständigung mit dem Dritten Reich</a> plädierten. Hauke Friedrichs, sicherheitspolitischer Korrespondent der ZEIT, ging davon aus, dass Churchill eventuell nach der Niederlage bereits durch einen Vertreter dieser Linie ersetzt worden wäre. Danach hätte Hitler <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/vaterland-robert-harris/">keinen Zwei-Fronten-Krieg gegen die Sowjetunion</a> befürchten müssen. Am Ende hätte jedoch der Kriegseintritt der USA <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/angriff-pearl-harbor/">nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour</a> doch noch <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/orakel-vom-berge-philip-dick/">das Blatt im Zweiten Weltkrieg gegen das Dritte Reich</a> gedreht.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="morgenthau-plan">1944: Kartoffelacker oder Aufbauhilfe</h3>



<p>Im September 1944 berichteten US-amerikanische Zeitungen über den Plan des US-amerikanischen Finanzministers Henry Morgenthau jr., das vor der Niederlage stehende Deutsche Reich in mehrere Teilstaaten aufzusplitten sowie weitgehend zu deindustrialisieren.</p>



<p>Der Morgenthau-Plan hätte nach dem Geschichtsprofessor Manfred Berg zu einer weitgehenden wirtschaftlichen Schwächung sowie Ernährungskrise in Deutschland geführt. Da sich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/morbus-kitahara-christoph-ransmayr/">damit die Erholung Europas</a> von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs verzögert hätte, wäre die Nachkriegsordnung <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/im-jahre-ragnaroek-oliver-henkel/">erheblich instabiler</a> gewesen.</p>



<p>In der Realität stieß der Plan in der US-amerikanischen Öffentlichkeit auf scharfe Ablehnung. Einerseits wollten die USA nicht die wirtschaftlichen Folgen des Planes tragen. Andererseits fürchten sie, der Plan könnte den Widerstandswillen der Deutschen kurz vor Kriegsende nochmals stärken. Daher wurde er schnell wieder fallen gelassen. Der Morgenthau-Plan erlangte aber Berühmtheit durch die nationalsozialistische Propaganda, die bis in die Nachkriegszeit wirkte.</p>



<p>Realistisch war das Alternative History Szenario daher nicht, beflügelte aber seitdem immer wieder die Fantasie von Romanschreibern.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="bundeskanzler-adenauer">1949: Ära ohne Adenauer</h3>



<p>Als im Sommer 1949 der erste Wahlkampf zum Bundestag erfolgte, waren die Kanzlerkandidaten in der Bundesrepublik noch nicht so zentral wie bei späteren Wahlen. Beispielsweise war Konrad Adenauer zwar einer der bekanntesten Politiker der CDU, musste aber Rücksicht auf andere mächtige Teile der Partei nehmen, ebenso wie auf die bayerische CSU.</p>



<p>Da das Wahlergebnis im August nur wenige Prozente und Abgeordnetenmandate zwischen CDU/CSU und SPD ergab, gab es in beiden Parteien viele Sympathisanten für eine gemeinsame Koalition. Obwohl es Adenauer gelang, in mehreren Verhandlungsrunden stattdessen eine konservativ-liberale Koalition aus CDU/CSU, FDP und der rechtskonservativen Deutschen Partei zu schmieden, war die Stabilität des Bündnisses unklar. Am 15. September 1949 wurde Adenauer nur mit dem denkbar knappsten Ergebnis von 202 aus 402 möglichen Stimmen zum ersten Bundeskanzler gewählt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="600" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=600%2C600&#038;ssl=1" alt="Karte der ehemaligen BRD und DDR" class="wp-image-2209" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Anupong Boonma/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Was wäre gewesen, wenn sich Adenauer nicht mit seiner eigenen Stimme gewählt hätte? Nach dem Geschichtsprofessor Norbert Frei hätte der Bundestag in zwei weiteren Wahlgängen einen Bundeskanzler wählen können. Frei hielt es für wahrscheinlich, dass dies im zweiten Anlauf auch Adenauer gewesen wäre. Es bestand jedoch auch die Möglichkeit, da ein Gegenbündnis der SPD unter Kurt Schumacher keine rechnerische Mehrheit hatte, dass sich danach dennoch eine schwarz-rote Koalition gebildet hätte.</p>



<p>Ein solches Bündnis hätte die Westbindung zögerlicher verfolgt, um<a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/die-republik-von-maxim-voland/"> eine mögliche Wiedervereinigung</a> nicht zu gefährden. Auch wäre die Innen-, Sozial- und Wirtschaftspolitik der entstehenden Bundesrepublik deutlich sozialdemokratischer geprägt worden, als in der Realität durch Adenauer und seinen Wirtschaftsminister Ludwig Erhard. Jedoch wäre es wie in der realen Geschichte auch zu einer umfassenden Amnestierung der Nationalsozialisten gekommen. Denn diese Politik war politischer Konsens unter allen Parteien.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="dritter-weltkrieg">1961: Showdown der Supermächte</h3>



<p>Im Oktober 1961 drohte der Kalte Krieg in Berlin zu eskalieren. Die ehemalige Hauptstadt des Dritten Reichs hatte für die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs eine enorme Bedeutung. Sie galt seit der ersten Berlin-Krise im Jahr 1948 mit der 300 Tage dauernden Blockade als Testfall für die Glaubwürdigkeit des westlichen Verteidigungsbündnisses und der USA. Für die Sowjetunion war Berlin ebenfalls von hohem Symbolwert, da es als westliches Schaufenster in die DDR und als Fluchtpunkt für deren Bevölkerung galt.</p>



<p>Im Oktober 1961 kam es zu einer neuen Krise, als DDR-Grenzer entgegen bestehender Abkommen von den US-Offiziellen Ausweiskontrollen einforderten. Dies war ein Verstoß gegen die Besatzungsrechte der US-Amerikaner, die <a href="https://ankerpunkte-blog.de/science-fiction-fantasy/der-anschlag-stephen-king/">Präsident Kennedy</a> zuvor in einer Rede als unverhandelbar bezeichnet hatte.</p>



<p>Lucius Clay, der als persönlicher Vertreter des Präsidenten in Berlin bei einem Nachgeben weitere Provokationen befürchtete, antwortete darauf mit einer Abordnung von Panzern zum Checkpoint Charlie. Am nächsten Tag, dem 27. Oktober 1961, fuhren sowjetische Panzer auf und richteten ihre Geschützrohre auf die US-Amerikaner. Dieser Showdown dauerte 16 Stunden. Erst dann waren Verhandlungen erfolgreich: Die Panzer zogen ab und die zweite Berlin-Krise war endgültig beendet.</p>



<p>Hätte Clay die Provokation durchgehen lassen, wäre es aus Sicht der USA wahrscheinlich gewesen, dass die Sowjetunion weitere Versuche unternommen hätte, die Position der westlichen Besatzungsmächte auszuhöhlen: bis zu einer endgültigen Vertreibung aus Westberlin und einer Integration der Gesamtstadt in die DDR. Dies hätte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/romane-filme/der-letzte-tag-der-schoepfung-wolfgang-jeschke/">in der Logik des Kalten Krieges</a> fatale Auswirkungen auf die globale Glaubwürdigkeit und Machtposition der USA gehabt.</p>



<p>Wäre die Situation am Checkpoint Charlie dagegen eskaliert, hätten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/dritter-weltkrieg/im-sturm-tom-clancy/">die militärischen Planungen</a> beider Seiten eine weitere Eskalation bis zum Nuklearkrieg vorgesehen. Der Historiker Andreas Etges merkte aber für ein solches Alternative History Szenario an, dass die Kuba-Krise ein Jahr später zeigte: Beide Seiten waren nicht an einem Atomkrieg interessiert und versuchten ihn im Krisenfall aktiv zu verhindern.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="stanislaw-petrow">1983: &#8222;Jetzt nur keine Panik&#8220;</h3>



<p>Von 1981 bis 1983 war der NATO-Doppelbeschluss Gegenstand heftiger Demonstrationen in der Bundesrepublik Deutschland. Er führte allerdings nach Michael Thumann, Osteuropa-Korrespondent der ZEIT, wenige Jahre später zu einer radikalen Abrüstung beider Seiten.</p>



<p>Dies war nur möglich, da am 26. September 1983 der Offizier Stanislaw Petrow die Nerven bewahrte. Er kommandierte ein Frühwarnzentrum der sowjetischen Atomstreitkräfte, das kurz nach Mitternacht Alarm gab und den Start einer US-amerikanischen Interkontinentalrakete meldete. Vom Start einer Rakete bis zum Einschlag blieben nur 25 Minuten Reaktionszeit. Zudem waren 1983 sowohl die USA und der Westen sowie die Sowjetunion und deren Verbündete <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-mauer-steht-am-rhein-christian-von-ditfurth/">noch stark auf Konfrontationskurs</a>.</p>



<p>Hätte Petrow sofort seinen Vorgesetzten informiert, hätte dieser einen Gegenschlag angeordnet. In der <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/das-moskau-spiel-christian-von-ditfurth/">Logik der Abschreckung im Kalten Krieg</a> hätte dies eine verheerende Welle an Atomangriffen beider Seiten (siehe Bild unten) ausgelöst.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="476" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Abschuss-einer-Atomgranate.jpg?resize=600%2C476&#038;ssl=1" alt="Foto des Abschusses einer Atomgranate mit Atompilz" class="wp-image-3729" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Abschuss-einer-Atomgranate.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Abschuss-einer-Atomgranate.jpg?resize=300%2C238&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Stattdessen meldete Petrow einen Fehlalarm. Er misstraute dem von ihm selbst mitentwickelten Frühwarnsystem und fürchtete, einen Dritten Weltkrieg auszulösen. Erst ein halbes Jahr später bestätigen Spezialisten einen seltenen technischen Fehler als Ursache.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="revolution-ddr">1989: Unwahrscheinliches Glück</h3>



<p>Als es am 9. Oktober 1989 zu Massendemonstrationen in Leipzig gegen die Führung der DDR kam, fürchteten viele Demonstranten und Beobachter eine gewaltsame Niederschlagung durch die staatlichen Sicherheitsorgane. Entsprechende Gerüchte kursierten seit Tagen und am 7. Oktober war die Staatsmacht noch mit Gewalt gegen Proteste in Ostberlin vorgegangen. Gleichlautende Pläne der Sicherheitsorgane gab es auch für Leipzig.</p>



<p>Zwar begann der Ostblock seit 1985 zu bröckeln. Ein entschlossenes Niederschlagen von Protesten war daher nicht mehr so selbstverständlich wie in den 1950er und 1960er Jahren. Die Führungsspitze der DDR um Generalsekretär Honecker verweigerte sich aber <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/plan-d-simon-urban/">trotz des maroden Zustands</a> des Landes (siehe Symbolbild unten) Reformversuchen und favorisierte eine <em>&#8222;chinesische&#8220;</em> Lösung. In China hatte die dortige Führung Proteste auf dem &#8222;Platz des Himmlischen Friedens&#8220; gewaltsam niedergeschlagen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto des alten Wappens der DDR" class="wp-image-2203" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(dimm3d/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Wäre die Demonstration in Leipzig ebenfalls niedergeschlagen worden, hätte das die Bürgerrechtsbewegung zwar kurzfristig geschwächt. Die Opposition gegen die Führung der DDR wäre jedoch nicht beendet gewesen, sondern hätte sich anders entwickelt. Vor allem aufgrund <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/">der steigenden Auswanderungszahlen in den Westen</a> hätte sich die DDR nicht halten können.</p>



<p>Verhindert hatten dieses Szenario nach der Historikerin Franka Maubach neben einem offen vorgetragenen Gewaltverzicht der Demonstranten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/die-letzte-kosmonautin-brandon-q-morris/">nur einige Zufälle</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="fluechtlingskrise">2015: Grenze offen, Grenze dicht</h3>



<p>Im letzten Artikel fanden sich zwei Perspektiven auf die Frage: Was wäre gewesen, wenn Kanzlerin Angela Merkel 2015 die Grenze gegenüber den Flüchtlingen geschlossen hätte?</p>



<p>Heinrich Wifing, Leiter des Politik-Ressorts bei der ZEIT, bezweifelte, dass sich die Grenze überhaupt hätte schließen lassen. Dies wäre nur unter harten Gewalteinsatz der Polizei möglich gewesen. Bilder, die Kanzlerin Merkel nicht wollte und die ihr schwere Kritik im In- sowie Ausland eingebracht hätten. Gleichzeitig hätten sich anderen europäische Staaten auf diese Entscheidung berufen und ihre Grenzen früher als in der Realität für Geflüchtete geschlossen. Dieses Alternative History Szenario hätte sowohl die Bilder der <em>&#8222;Willkommenskultur&#8220;</em> verhindert, als auch das Gefühl des <em>&#8222;Kontrollverlusts&#8220;</em>, der maßgeblich zum Aufstieg der deutschen Rechtspopulisten beitrug.</p>



<p>Der Geschichtsprofessor Andreas Rödder kritisierte dagegen das Nicht-Handeln der deutschen Regierung im September 2015. Er verwies ebenfalls auf die Angst vor Bildern von niedergeknüppelten geflüchteten Frauen und Kindern. Er argumentiert jedoch, dass durch eine Zurückweisung ein Magneteffekt auf andere Geflüchtete vermieden worden wäre. Zudem wäre die europäische Migrationspolitik früher reformiert worden. Zuletzt wäre ein Mobilisierungseffekt für die Rechtspopulisten ausgeblieben.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="struktur-zufall">Struktur und Zufall in der Alternative History</h3>



<p>Alle 20 Szenarien von ZEIT Geschichte griffen folgende Fragen auf: Welche Rolle spielten Struktur und Zufall für die Geschichte und die Alternative History.</p>



<p>Aus Sicht des Blogautors entschieden sich die meisten Autoren für die Struktur. In vielen Artikeln in einer solchen Art und Weise, dass eine Änderung der Geschichte kaum realistisch gewesen wäre oder dass sich die Veränderungen kaum ausgewirkt hätten.</p>



<p>In <em>&#8222;1521: Vorschlag zur Güte&#8220;</em> war ein Sinneswandel von Karl V. der Deus ex machina, der das Gedankenexperiment erst möglich machte. Tillmann Bendikowski betonte aber, dass das Szenario aufgrund der strukturell eingeschränkten Spielräume der Akteure unrealistisch war.</p>



<p>Bei <em>&#8222;1629: Das Gemetzel hätte früher enden können&#8220;</em> gestand Raoul Löbbert der Entscheidung zum <em>&#8222;Restitutionsedikt&#8220;</em> eine teilweise zufällige Entwicklung zu. Er verwies aber auf die begrenzte Veränderung der Geschichte angesichts der machtpolitischen Strukturen Europas im Jahr 1621.</p>



<p><em>&#8222;Mein Unglück ist, dass ich noch lebe&#8220;</em> gab dem Zufall durch einen möglichen Schlachtentot Friedrichs II. oder den Tod von Zarin Elisabeth zwar großen Raum. Eher deterministisch führte Samuel Rieth aber aus, dass sich dadurch die Entwicklung Preußens zur Großmacht nicht geändert hätte. Eine Einschätzung, die der Blogautor in diesem Artikel ausnahmsweise nicht nachvollziehen konnte.</p>



<p>Mit <em>&#8222;Ein Kaiser von Volkes Gnaden&#8220;</em> griff Ralf Zerback zwar ein durchaus populäres Szenario auf. Er sah aber angesichts der gesellschaftlichen Strukturen und der Person Friedrich Wilhelms IV. keine realistische Basis für eine andere Entwicklung der Geschichte.</p>



<p>In <em>&#8222;Keine Durchschlagskraft&#8220;</em> argumentierte Ute Planert zwar für den Zufall eines gelungenen Attentats auf Bismarck für eine große Änderung von dessen historischer Rolle. Aber auch sie betonte, dass der Konflikt zwischen Preußen und Österreich im Jahr 1866 aufgrund von militärischen und politischen Strukturen dennoch ausgebrochen wäre.</p>



<p>In eine andere Richtung schrieb Alexander Cammann mit <em>&#8222;Das deutsche Duell&#8220;</em> für den Fall einer preußischen Niederlage in der Schlacht bei Königgrätz. Seine Alternative History Spekulation ging aus Sicht des Blogautors ausnahmsweise aber bei der Änderung der Strukturen zeitlich sehr weit und sprengte bei weitem den Rahmen des <em>&#8222;auf die für Zeitgenossen überschaubare Zukunft&#8220;</em>.</p>



<p><em>&#8222;Eine Tragödie für die Deutschen&#8220;</em> von Volker Ulrich stellte erneut die politisch-wirtschaftlichen Strukturen der Gesellschaft des Deutschen Reichs im Jahr 1888 in den Vordergrund. Nur indirekt erkannte er im Vergleich der Personen Friedrich III. und Wilhelm II. die Rolle von Individuen und damit des Zufalls etwas an.</p>



<p>Christoph Nonn beantwortete in <em>&#8222;Bei Mord Krieg?&#8220;</em> dagegen die kontrafaktische Frage eindeutig für den Zufall. Denn die politischen Strukturen Europas im Jahr 1914 waren aus seiner Sicht nicht so deterministisch auf Krieg festgelegt, wie allgemein angenommen. Daher hätte ein durch Zufall erfolgloses Attentat keinen Ersten Weltkrieg auslösen können.</p>



<p>In eine ähnliche Richtung ging Markus Flohr bei <em>&#8222;Passage am Polarkreis&#8220;</em>. Die Strukturen im Russland des Jahres 1917 waren nicht von vorneherein auf eine kommunistische Revolution ausgelegt. Daher hätte eine durch Zufälle gelungene Verhaftung Lenins die Geschichte verändert.</p>



<p>Mit <em>&#8222;Wie die Revolution gelungen wäre&#8220;</em> beschrieb Klaus Latzel lange ein vermeintliches Wunschszenario der deutschen Revolution. Am Ende erklärte er aber, weshalb diese Entwicklung angesichts der politischen Strukturen von Anfang an unrealistisch gewesen wäre.</p>



<p><em>&#8222;Retter der Republik&#8220;</em> zeigte die Rolle des Zufalls in der Person sowie im Tod des Reichspräsidenten Ebert und hielt sich an die wissenschaftlich begründeten Begrenzungen von Alternative History Szenarien. Aus Sicht des Blogautors erklärte der Artikel auch gut, wie begrenzt <em>&#8222;wünschenswerte&#8220;</em> Entwicklungen laufen können.</p>



<p><em>&#8222;Letzte Ausfahrt Rheinland&#8220;</em> erzählte zwar zuerst breit ein mögliches Alternative History Szenario. Indirekt gab Andreas Molitor aber zu, dass auch diese Entwicklung unrealistisch gewesen wäre.</p>



<p>Michael Wildt betonte mit <em>&#8222;Dann hätte es keinen Holocaust gegeben&#8220;</em> die Rolle des Zufalls bei einem erfolgreichen Attentat auf Adolf Hitler. Er beschrieb aber auch, wie begrenzt sich die Geschichte dadurch geändert hätte.</p>



<p>Mit <em>&#8222;Das Wunder von Dünkirchen&#8220;</em> erklärte Hauke Friedrichs zuerst ein von einem zufälligen Haltebefehl ausgelöstes Szenario. Ebenso erläuterte er die kurzfristigen Veränderungen der Geschichte, die sich daraus ergeben hätten. Am Ende schränkte er diese Änderungen aber wieder zugunsten der militärischen Strukturen ein.</p>



<p>Bei <em>&#8222;Kartoffelacker oder Aufbauhilfe&#8220;</em> beschrieb Manfred Berg zwar ein enorm populäres Alternative History Szenario. Eines, dass allerdings aufgrund der Strukturen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">in den USA</a> des Jahres 1944 keine Chance auf eine Realisierung in der Geschichte hatte.</p>



<p>In <em>&#8222;Ära ohne Adenauer&#8220;</em> erklärte Norbert Frei umfassend die politischen Strukturen vor der ersten Kanzlerwahl 1949. Mit dem Verweis auf diese Strukturen schränkte er die historischen Folgen einer Nichtwahl von Adenauer stark ein.</p>



<p><em>&#8222;Showdown der Supermächte&#8220;</em> widmete sich ebenfalls einem populären Szenario der Alternative History. Aus Sicht von Andreas Etges hätten aber politische Strukturen einen Dritten Weltkrieg verhindern können.</p>



<p>Anders sah es bei <em>&#8222;Jetzt nur keine Panik&#8220;</em> von Michael Thumann aus. Hier spielte der Zufall in der schnellen Entscheidung des Offiziers Stanislaw Petrow eine entscheidende Rolle, um den Dritten Weltkrieg zu verhindern.</p>



<p><em>&#8222;Unwahrscheinliches Glück&#8220;</em> zeigte zwar, dass Zufälle durchaus eine Rolle in der Geschichte spielen können. In diesem Fall wäre nach Franka Maubach aber die strukturelle Entwicklung bzw. der strukturelle Niedergang der DDR unvermeidbar gewesen.</p>



<p><em>&#8222;Grenze offen, Grenze dicht&#8220;</em> als sehr aktuelles Alternative History Szenario blieb mit den beiden Autoren Heinrich Wifing und Andreas Rödder dagegen etwas vage. Zwar wurde einer anderen Entscheidung in der sogenannten Flüchtlingskrise im Jahr 2015 eine große Veränderung der Gegenwart zugebilligt. Beide Autoren lieferten aber keine Begründung, wie eine solche Änderung angesichts der damaligen politischen Strukturen erfolgt wäre. Der Artikel zeigte aber gut, dass historische Fragestellungen immer mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten verbunden sind.</p>



<p>Persönlich seltsam fand der Blogautor die Argumentation im letzten Artikel: Bei beiden Autoren ging es nur um die Angst der Politik vor Bildern bei eventuellen Gewalteinsätzen gegen Geflüchtete. Aber nicht um die Menschen, die auf den Bildern niedergeknüppelt worden wären.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="deutsche-alternative-history">Deutsche Sicht auf Alternative History</h3>



<p>Aus Sicht des Blogautors zeigte die Ausgabe von ZEIT Geschichte (siehe Bild) die Schwierigkeiten und Unsicherheiten beim Thema Alternative History in Deutschland bzw. <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/historiker/">in der deutschen wissenschaftlichen Community</a>.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="680" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/08/ZEIT-Geschichte.jpg?resize=600%2C680&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-7119" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/08/ZEIT-Geschichte.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/08/ZEIT-Geschichte.jpg?resize=265%2C300&amp;ssl=1 265w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Foto)</figcaption></figure>



<p>Wo im angelsächsischen Raum zu viel Fantasie und Spekulation herrscht, hat man aus Sicht des Blogautors in Deutschland fast Angst davor, den Pfad der realen Geschichte zu verlassen.</p>



<p>Diese Argumentation stützte sich auf den Eindruck des Blogautors von sehr langen Herleitungen und Erklärungen für die reale historische Entwicklung und dazu im Vergleich eher knappen Was-wäre-wenn-Teilen in den meisten Artikeln. Diese Schreibweise konnte aber auch daran liegen, dass die Ausgabe insgesamt einem Nicht-Fachpublikum eine enorme Spanne an historischen Zeiträumen und Ereignissen vorstellte.</p>



<p>Auffällig war, dass Historiker skeptischer waren, was die Auswirkungen der Was-wäre-wenn-Fragen anging, als die Autoren, die &#8222;nur&#8220; als Redakteure beschrieben wurden.</p>



<p>Bei einzelnen Was-wäre-wenn-Spekulationen war diese Skepsis durchaus angemessen. Es stellte sich aber die Frage, ob die Auswahl der 20 Ankerpunkte eventuell Szenarien begünstigte, die Strukturen oder unrealistische Alternative History betonten.</p>



<p>Allerdings versuchte ZEIT Geschichte in dieser Ausgabe durchaus einen schwierigen Spagat: Zwischen populären, relativ häufig vorkommenden Szenarien wie der niedergeschlagenen Revolution in der DDR 1989 und historischen Ereignissen der deutschen Geschichte, die in der Alternative History bisher nicht oft auftauchten wie der Tod Eberts 1925.</p>



<p>Allgemein stellte sich für den Blogautor aber der Sinn von Szenarien, wenn diese am Ende des Artikels als von vorneherein &#8222;unrealistisch&#8220; eingestuft wurden. Ein solches Ergebnis konnte ausdrücklich eine Antwort der kontrafaktischen Fragestellung sein. Aber wenn es die einzige Antwort ist, stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/ankerpunkte-alternative-history-canvas/">der wissenschaftlichen Methodik</a>.</p>



<p>Insgesamt war ZEIT Geschichte mit der Ausgabe <em>&#8222;Was wäre gewesen, wenn &#8230;? 20 Wendepunkte der deutschen Geschichte – und die Frage, wie es auch anders hätte kommen können&#8220;</em>, eine anregende Lektüre, die im Ankerpunkte Blog auch an anderer Stelle verarbeitet wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellen-literatur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Benjamin Bidder: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/vergessener-held-a-948852.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Mann, der den dritten Weltkrieg verhinderte.</a> Vergessene Helden, auf: spiegel.de (21.04.2010).</li>



<li>Philip Cassier: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article255568930/Kaiser-Friedrich-III-Was-waere-gewesen-wenn-er-laenger-Zeit-gehabt-haette.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Kaiser, der den Deutschen viel Unglück erspart hätte.</a> Friedrich III., auf: welt.de (15.03.2025).</li>



<li>Richard J. Evans: Veränderte Vergangenheiten. Über kontrafaktisches Erzählen in der Geschichte. München 2013.</li>



<li>Erich Follath: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/attentat-von-sarajevo-1914-franz-ferdinand-und-der-erste-weltkrieg-a-977651.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Am Tag, als das Feuer kam.</a> Sarajevo-Attentat 1914, auf: spiegel.de (24.09.2013).</li>



<li>Lukas Gedziorowski: <a href="https://www.deutschlandfunk.de/friedrich-ebert-todestag-weimarer-republik-reichspraesident-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der ungeliebte erste Reichspräsident.</a> Friedrich Ebert, auf. deutschlandfunk.de (27.02.2025).</li>



<li>Lars-Broder Keil, Sven-Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/geschichten/article186127052/Aus-dem-Bundesarchiv-So-blutig-war-Weihnachten-1918-in-Berlin.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">So blutig waren die Berliner Weihnachtstage 1918.</a> Aus dem Bundesarchiv, auf: welt.de (27.12.20218).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article201592538/Friedliche-Revolution-Was-war-am-Morgen-des-10-Oktobers-anders.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Bis heute wissen wir nicht, warum es gewaltfrei blieb“</a>. Friedliche Revolution, auf: welt.de (30.08. 2021).</li>



<li>Sven-Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article230928921/Ferdinand-Cohen-Blind-Was-den-Bismarck-Attentaeter-antrieb.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Die einzige Lösung ist die Beseitigung Bismarcks“.</a> Ferdinand Cohen-Blind, auf: welt.de (07.05.2021).</li>



<li>Sven-Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article251243936/Deutschland-Wie-das-Land-waere-wenn-Preussens-Koenig-die-Kaiserkrone-genommen-haette.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie Deutschland wäre, wenn Preußens König die Kaiserkrone genommen hätte.</a> Friedrich Wilhelm IV., auf: welt.de (06.05.2024).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article231034257/Henry-Morgenthau-So-kam-es-zu-seinem-beruechtigen-Plan.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie es zum berüchtigten „Morgenthau-Plan“ kam.</a> Henry Morgenthau, auf: welt.de (11.05.2021).</li>



<li>Tim Pröse: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/georg-elser-und-das-attentat-auf-adolf-hitler-nur-13-minuten-fehlten-a-1142134.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Es fehlten nur dreizehn Minuten.</a> Hitler-Attentäter Georg Elser, auf: spiegel.de (07.04.2017).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article156742070/Koeniggraetz-1866-Diese-gigantische-Schlacht-schuf-Deutschland.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Diese gigantische Schlacht schuf Deutschland.</a> Königgrätz 1866, auf: welt.de (03.07.2016).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article208208325/Halt-Befehl-Warum-Hitler-den-Sturm-auf-Duenkirchen-stoppte.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Warum Hitler den Sturm auf Dünkirchen stoppte.</a> &#8222;Halt-Befehl&#8220;, auf: welt.de (25.11.2021).</li>



<li>Bernd Ulrich: <a href="https://www.deutschlandfunk.de/berlin-1961-konfrontation-am-checkpoint-charlie-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Konfrontation am Checkpoint Charlie.</a> Berlin 1961, auf: deutschlandfunk.de (27.10.2021).</li>



<li>ZEIT Geschichte: Was wäre gewesen, wenn…?&#8220; 20 Wendepunkte der deutschen Geschichte – und die Frage, wie es auch anders hätte kommen können. Mai 2025.</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/hintergruende/was-waere-gewesen-wenn-zeit-geschichte/">1521 bis 2015: ZEIT Geschichte 3/2025</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://ankerpunkte-blog.de/hintergruende/was-waere-gewesen-wenn-zeit-geschichte/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">7018</post-id>	</item>
		<item>
		<title>28 Punkte, an denen die Geschichte Bayerns anders gelaufen wäre</title>
		<link>https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayern/</link>
					<comments>https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayern/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 May 2025 09:33:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayerische Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Historische Hintergründe]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ankerpunkte-blog.de/?p=698</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Geschichte Bayerns zeigt mit vielen Ereignissen und Entwicklungen, wie regionale Geschichte mit der deutschen und europäischen Geschichte verknüpft ist. Die Alternative History des Freistaats und seiner Regionen hat damit nicht nur häufig Folgen für ganz Deutschland oder sogar Europa. Sie kann auch das Verständnis für historische Entscheidungen verbessern und Möglichkeiten für Vergangenheit sowie Zukunft [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayern/">28 Punkte, an denen die Geschichte Bayerns anders gelaufen wäre</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Die Geschichte Bayerns zeigt mit vielen Ereignissen und Entwicklungen, wie regionale Geschichte mit der deutschen und europäischen Geschichte verknüpft ist. Die Alternative History des Freistaats und seiner Regionen hat damit nicht nur häufig Folgen für ganz Deutschland oder sogar Europa. Sie kann auch das Verständnis für historische Entscheidungen verbessern und Möglichkeiten für Vergangenheit sowie Zukunft aufzeigen.</p>



<span id="more-698"></span>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="591" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Bayern-Regierungsbezirke.png?resize=600%2C591&#038;ssl=1" alt="Karte des Freistaats Bayern mit den Regierungsbezirken Unterfranken, Oberfranken, Mittelfranken, Oberpfalz, Schwaben, Niederbayern und Oberbayern." class="wp-image-6978" style="width:599px;height:auto" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Bayern-Regierungsbezirke.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Bayern-Regierungsbezirke.png?resize=300%2C296&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Bayern-Regierungsbezirke.png?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bayern#/media/Datei:Bavaria,_administrative_divisions_(government_districts_only)_-_de_-_colored.svg">TUBS/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Näheres zu den Ankerpunkten der bayerischen Geschichte in den verschiedenen Regionen des Freistaats gibt es unter folgenden Seiten:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberpfalz-regensburg/">21 Punkte, an denen die Geschichte der Oberpfalz und Regensburgs anders gelaufen wäre</a></li>



<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayerisch-schwaben-augsburg/">19 Punkte, an denen die Geschichte von Bayerisch-Schwaben und Augsburg anders gelaufen wäre</a></li>



<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-mittelfranken-nuernberg/">11 Punkte, an denen die Geschichte Mittelfrankens und Nürnbergs anders gelaufen wäre</a></li>



<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberfranken-bayreuth/">17 Punkte, an denen die Geschichte Oberfrankens anders gelaufen wäre</a></li>



<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-unterfranken-wuerzburg/">10 Punkte, an denen die Geschichte Unterfrankens und von Würzburg anders gelaufen wäre</a></li>



<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-niederbayerns/">14 Punkte, an denen die Geschichte Niederbayerns anders gelaufen wäre</a></li>



<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/oberbayern-muenchen/">16 Punkte, an denen die Geschichte Oberbayerns und Münchens anders gelaufen wäre</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Ankerpunkte</h2>



<ol class="wp-block-list">
<li><a href="#varusschlacht">9 nach Christus: Die wegweisende Varusschlacht</a></li>



<li><a href="#agilolfinger">788: Das unbekannte Ende der Agilolfinger</a></li>



<li><a href="#pressburg">907: Die vernichtende Niederlage von Pressburg</a></li>



<li><a href="#augsburg">955: Die schlachtentscheidende Verteidigung von Augsburg</a></li>



<li><a href="#schweinfurter">1057: Das langwierige Ende der Schweinfurter</a></li>



<li><a href="#muenchen">1158: Die umstrittene Gründung Münchens</a></li>



<li><a href="#wittelsbacher">1204: Der endgültige Durchbruch der Wittelsbacher</a></li>



<li><a href="#regensburg">1245: Die freie und Reichsstadt Regensburg</a></li>



<li><a href="#konradin">1268: Der zersplitternde Tod von Konradin</a></li>



<li><a href="#ampfing-muehldorf">1313: Die entscheidende Schlacht bei Ampfing/Mühldorf</a></li>



<li><a href="#pavia">1329: Der zersplitternde Hausvertrag von Pavia</a></li>



<li><a href="#neuboehmen">1373: Das kurzfristige Ende von Neuböhmen</a></li>



<li><a href="#agnes-bernauer">1435: Die berühmte Ermordung von Agnes Bernauer</a></li>



<li><a href="#donauwoerth">1607: Die illegale Besetzung von Donauwörth</a></li>



<li><a href="#schlacht-hoechstaedt">1704: Die zu Beginn verlorene Schlacht von Höchstädt</a></li>



<li><a href="#niederbayern">1778: Das österreichische Niederbayern</a></li>



<li><a href="#markgraf">1791: Die amouröse Abdankung des letzten Markgrafen</a></li>



<li><a href="#pariser-vertrag">1810: Der bayerisch-württembergische Pariser Vertrag</a></li>



<li><a href="#sued-nord-bahn">1838: Die umstrittene Ludwig-Süd-Nord-Bahn</a></li>



<li><a href="#ludwig-II">1886: Der vermeidbare Tod von Ludwig II.</a></li>



<li><a href="#kurt-eisner">1919: Die sekundenschnelle Ermordung von Kurt Eisner</a></li>



<li><a href="#hitler">1923: Der gescheiterte Hitler-Putsch</a></li>



<li><a href="#georg-elser">1939: Das zu präzise Attentat von Georg Elser</a></li>



<li><a href="#amberg">1945: Die tödlich verhinderte Verteidigung von Amberg</a></li>



<li><a href="#neu-gablonz">1945: Das Kaufbeurer Neu-Gablonz</a></li>



<li><a href="#aschermittwoch">1948: Der &#8222;erste politische&#8220; Aschermittwoch</a></li>



<li><a href="#waa">1989: Die kontroverse Aufgabe der WAA</a></li>



<li><a href="#th-deggendorf">1992: Die umkämpfte Fachhochschule Deggendorf</a><br><br><a href="#quellen-literatur">Quellen und Literatur</a></li>
</ol>



<h3 class="wp-block-heading" id="varusschlacht">1. 9 nach Christus: Die wegweisende Varusschlacht</h3>



<p>Als der römische Statthalter Publius Quinctilius Varus im <em>Teutoburger Wald</em> in einen Hinterhalt von germanischen Aufständischen unter Führung des Cheruskers Arminius geriet, hatte dies Folgen für Bayern.</p>



<p>Seit 15 vor Christus hatte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/geschichte-roemisches-reich/">das Römische Reich</a> das Alpenvorland bis zur Donau erobert.</p>



<p>Die Pläne gingen jedoch weiter. Seit 7 vor Christus waren in der sogenannten <em>Germania magna</em> auch Teile des späteren Nordbayerns unter Kontrolle gebracht und als Provinz in das Imperium eingegliedert worden.</p>



<p>Davon zeugte ein 1985 entdecktes Legionslager in Marktbreit (Unterfranken). Es konnte zwei Legionen aufnehmen und war als Stützpunkt für eine weitere Expansion angelegt worden.</p>



<p>Nach der Niederlage des Varus waren aber zwei Drittel der römischen Rheinarmee vernichtet. Das restliche Drittel konnte sich nur schnell hinter Rhein und Donau zurückziehen.</p>



<p>Daher – und als folgende römische Gegenoffensiven ohne dauerhaften Erfolg blieben – wurde das Lager in Marktbreit aufgegeben. Die Legionäre (siehe Reenactment-Bild aus der heutigen Zeit) verließen das heutige Unterfranken wieder.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/08/roemische-Legionaere.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto von fünf Römischen Legionären in einem Reenactment" class="wp-image-5283" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/08/roemische-Legionaere.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/08/roemische-Legionaere.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(J.Sabel/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Zwar expandierten die Römer ab 90 nach Christus erneut nach Schwaben und Franken. Sie errichteten den obergermanisch-raetischen Limes und gründeten im Jahr 175 mit dem Legionslager Castra Regina das heutige Regensburg, um die Grenzflüsse Donau, Naab und Regen zu überwachen.</p>



<p>Sie blieben aber auf „ihrer“ Seite von Main sowie Donau und unternahmen keine Eroberungsversuche in Richtung der Gebiete der heutigen Oberpfalz oder von Oberfranken.</p>



<p>Als der obergermanisch-raetische Limes schließlich 253/254 angesichts der Angriffe der Alamannen aufgeben wurde, endete die römische Präsenz in Nordbayern endgültig.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich das "römische Bayern" entwickelt, wenn Varus nicht in den Hinterhalt des Arminius geraten wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="agilolfinger">2. 788: Das unbekannte Ende der Agilolfinger</h3>



<p>Nach dem endgültigen Abzug der Römer im 5. Jahrhundert blieben Teile der romanisierten Bevölkerung in Südbayern. Ebenso wie germanische Söldner aus Siedlungen nördlich der Donau, die immer mehr Aufgaben der römischen Grenztruppen übernommen hatten.</p>



<p>Aus beiden Gruppen, weiteren germanischen Stämmen und zahllosen anderen Zuwanderern bildete sich eine neue Ethnie heraus, die die bayerische Geschichte begründete: die Bajuwaren.</p>



<p>Im 8. Jahrhundert dominierte vom immer noch stark befestigten Regensburg aus <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/800-de-bello-baiuvaria/">die Familie der Agilolfinger</a> als Herzöge diesen neuen Stamm.</p>



<p>Zwar sahen die Könige des Frankenreiches (auf der Karte in grünen Farben) sich als Oberherrscher der bajuwarischen Herzöge. Die Agilolfinger, die zu den mächtigsten und ältesten Familien des gesamten Reiches gehörten, versuchten aber immer wieder, sich dieser Oberherrschaft zu entziehen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="425" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Baiuvaria-im-Fraenkischen-Reich.png?resize=600%2C425&#038;ssl=1" alt="Karte des Fränkischen Reiches mit dem Gebiet der Bajuwaren" class="wp-image-2683" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Baiuvaria-im-Fraenkischen-Reich.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Baiuvaria-im-Fraenkischen-Reich.png?resize=300%2C213&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Baiuaria_im_Fr%C3%A4nkischen_Reich.svg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Plinganser/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Dabei waren sie unterschiedlich erfolgreich: Einzelne Herzöge regierten fast ohne Einmischung der Frankenkönige. Andere wurden durch Kriegszüge zur Unterwerfung gezwungen.</p>



<p>788 endete diese Phase der bayerischen Geschichte: Das unter den Karolingern erstarkende Frankenreich hatte die Unabhängigkeit der Agilolfinger immer mehr beschnitten. In diesem Jahr <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/zeitmaschine-karls-des-grossen-oliver-henkel/">setzte Karl der Große</a> schließlich Herzog Tassilo III. ab.</p>



<p>Dieser Sturz war für die bayerische Geschichte einschneidend, sein Ablauf blieb aber unbekannt, da die wenigen Quellen Propaganda der Franken wiedergeben.</p>



<p>Für Bayern hatte dies große Folgen. Das Land sank von einem fast unabhängigen Stammesherzogtum zu einer Provinz an der Peripherie des großen Frankenreiches herab.</p>



<p>Der Hauptsitz der Agilolfinger, Regensburg, entwickelte sich dagegen bis zum Aussterben der Karolinger zu einem Zentrum der Königsherrschaft im entstehenden ostfränkisch-deutschen Reich.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Bayern weiterentwickelt, wenn die Agilolfinger an der Macht geblieben wären?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="pressburg">3. 907: Die vernichtende Niederlage von Pressburg</h3>



<p>Um 900 war Bayern zwar weiter Teil des ostfränkischen Reiches.</p>



<p>Der bayerische Markgraf Luitpold handelte aber immer mehr wie ein unabhängiger Herrscher in einem neu entstandenen Stammesherzogtum.</p>



<p>Zu seinen Aufgaben gehörte die Sicherung der Grenzen gegen die stärker werdenden Einfälle des Reitervolks der Ungarn.</p>



<p>Nachdem er in den ersten Gefechten erfolgreich geblieben war, ging er 907 mit einem Großteil des bayerischen Heeres in die Offensive.</p>



<p>Unter bis heute unklaren Umständen erlitt er aber in der Umgebung von Pressburg, des heutigen Bratislavas (siehe Bild der Burg Devin unten), eine verheerende Niederlage. Dabei wurde ein Großteil des bayerischen Heeres, mit mehreren hohen bayerischen Würdenträgern, vernichtet.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="295" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Burg-Devin.jpg?resize=600%2C295&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5368" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Burg-Devin.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Burg-Devin.jpg?resize=300%2C148&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Rasto SK/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dies hatte enorme Folgen für Bayern unter dem neuen Markgrafen, Luitpolds Sohn Arnulf.</p>



<p>Um neue Mittel und Soldaten gegen weitere Ungarneinfälle zu gewinnen, säkularisierte dieser zahlreiche Klöster. Stattdessen entstanden die ersten Burgen in der Region als Fluchtpunkte für die Bevölkerung.</p>



<p>Dennoch konnte Arnulf die Ungarneinfälle nicht unterbinden. Die Ungarn verwüsteten Bayern häufig. Der Markgraf konnte höchstens Siege gegen Heere erringen, die mit Beute beladen auf dem Rückweg waren.</p>



<p>Erst der Sieg König Ottos I. auf dem Lechfeld bei Augsburg 955 beendete die Angriffe der Ungarn endgültig.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Markgraf Luitpold die Schlacht bei Pressburg nicht verloren hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="augsburg">4. 955: Die schlachtentscheidende Verteidigung von Augsburg</h3>



<p>Dieser für die deutsche Geschichte bedeutende Sieg hatte viel mit den Entwicklungen im heutigen Bayerisch-Schwaben zu tun.</p>



<p>Aus dem Stamm der Alemannen hatte sich im Frühmittelalter westlich des bayerischen Herzogtums das Herzogtum Schwaben entwickelt.</p>



<p>Neben den häufig wechselnden Herzögen bildete sich die Bischofsstadt Augsburg als ein Machtzentrum dieses Gebietes heraus.</p>



<p>Dies zeigte sich bei den Einfällen der Ungarn, die erst in der Schlacht auf dem Lechfeld vor der Stadt beendet wurden.</p>



<p>Dass es so weit kam, lag daran, dass Augsburg unter dem Bischof Ulrich lange genug der Blockade und Belagerung durch die angreifenden Ungarn standhielt. So konnte das ostfränkische Reichsheer unter König Otto I. rechtzeitig heranrücken.</p>



<p>Bis dahin hatte Bischof Ulrich, der als Reichsfürst auch das Militär der Stadt leitete, Augsburg trotz mehrerer kritischer Situationen erfolgreich verteidigt.</p>



<p>Die erfolgreiche Verteidigung ermöglichte es dem Heer unter König Otto I., die Ungarn in einer dramatischen Schlacht entscheidend zu schlagen. Dieser Sieg beendete nicht nur die Ungarneinfälle, sondern gab König Otto I. genug Prestige, um sich zum Kaiser krönen zu lassen und damit das spätere Heilige Römische Reich Deutscher Nation zu begründen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Ungarn Augsburg vor dem Eintreffen des Reichsheeres eingenommen hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="schweinfurter">5. 1057: Das langwierige Ende der Schweinfurter</h3>



<p>Im Jahr 1000 war das heutige Bayern machtpolitisch zweigeteilt.</p>



<p>In Nordbayern hatten die Grafen von Schweinfurt ein großes Herrschaftsgebiet im Raum zwischen der Stadt Schweinfurt mit ihrer Stammburg und der heutigen Oberpfalz bis zum Böhmerwald etabliert.</p>



<p>Diese starke Stellung nördlich ihrer Herrschaftsgebiete mit der Hauptstadt Regensburg konnte das damalige bayerische Herzogsgeschlecht der bayerischen Ottonen nicht zulassen.</p>



<p>Als einer der ihren als König Heinrich II. ab 1002 über das ostfränkisch-deutsche Reich regierte, brach der Konflikt zwischen ihm als bayerischer Herzog und der Schweinfurter Grafenfamilie offen aus.</p>



<p>Heinrich II. schlug einen Aufstand der Schweinfurter nieder und schwächte durch die Vergabe von Lehnsrechten die Stellung der Markgrafen.</p>



<p>Zum Beispiel gründete er, um ein Wiedererstarken der Schweinfurter zu verhindern, 1007 das Bistum Bamberg. Dieses baute er durch reiche Beschenkungen und die Vergabe von Herrschaftsrechten zum regionalen geistlichen Zentrum und einem weltlichen Machtfaktor in Nordbayern aus.</p>



<p>Zuletzt beschenkte er das Bistum zahlreich, zum Beispiel mit Reliquien, um eine dauerhafte Grablege für sich zu schaffen. Daher ist Heinrich II. auch im heutigen Bamberger Dom (siehe Bild) beerdigt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="450" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/06/Bamberg-Dom.jpg?resize=600%2C450&#038;ssl=1" alt="Foto des Bamberger Doms." class="wp-image-5187" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/06/Bamberg-Dom.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/06/Bamberg-Dom.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Takashi Images/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Doch erst der Tod des letzten Schweinfurters, Otto, beendet 1057 die Versuche der Markgrafen, ein geschlossenes Herrschaftsgebiet im heutigen Nordbayern aufzubauen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Nordbayern entwickelt, wenn die Schweinfurter nicht gescheitert wären?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="muenchen">6. 1158: Die umstrittene Gründung Münchens</h3>



<p>Die Gründung der heutigen bayerischen Hauptstadt München war das Ergebnis eines Konfliktes zwischen dem welfisch-bayerischen Herzog Heinrich dem Löwen und Bischof Otto von Freising.</p>



<p>Als Beispiel galt das Zerstören der bisherigen Freisinger Isarbrücke in Oberföhring samt Markt und Zollstation durch Heinrich.</p>



<p>Aber Otto von Freising war kein simples Opfer. Er stand im Verdacht, mit Oberföhring bisherige Reichsrechte an Brücke, Zoll und Markt an sich gerissen zu haben.</p>



<p>Erste Versuche der Freisinger Seite, die Brücke wiederaufzubauen, scheiterten jedoch an Heinrichs Gegenmaßnahmen.</p>



<p>Dadurch gewann der von Heinrich verlegte Isarübergang an einen Ort namens „Munichen“ (siehe Foto der Isar in München aus der heutigen Zeit) immer mehr regionales Gewicht.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Isar-bei-Muenchen.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto der Isar bei München zwischen Bäumen" class="wp-image-5457" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Isar-bei-Muenchen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Isar-bei-Muenchen.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(streetflash/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Diese Verlegung bestätige schließlich Kaiser Friedrich I. Barbarossa im <em>„Augsburger Schied“</em> am 14. Juni 1158. Als Ersatz erhielt der Freisinger Bischof in der Urkunde ein Drittel des Münchner Brückenzolls.</p>



<p>Dieses Dokument gilt aufgrund der ersten Erwähnung als Gründungsurkunde von München.</p>



<p>Schnell entstand danach auf dem bisher weitgehend unbesiedelten Gebiet eine wachsende Stadt als überregionaler herzoglicher Stützpunkt.</p>



<p>Daran änderte sich auch nichts, als Kaiser Friedrich I. Barbarossa nach dem Sturz Heinrichs des Löwen 1180 den <em>„Augsburger Schied“</em> für ungültig erklärte. Denn der Freisinger Bischof zog es vor, die gesicherten Einnahmen aus dem Münchner Brückenzoll zu bekommen, anstatt in Oberföhring die Infrastruktur neu aufzubauen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Verlegung der Isarbrücke bis 1158 gescheitert wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="wittelsbacher">7. 1204: Der endgültige Durchbruch der Wittelsbacher</h3>



<p>Als die Wittelsbacher 1180 als Nachfolger der Welfen die bayerische Herzogswürde durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa erlangten, gehörten sie zwar zum bayerischen Uradel und hatten viele Besitzungen im heutigen Bayerisch-Schwaben sowie in Ober- und Niederbayern.</p>



<p>Das von ihnen neu beherrschte Herzogtum war jedoch 1180 deutlich reduziert worden: Es verlor zum Beispiel die meisten Gebiete im heutigen Österreich.</p>



<p>Im übrigen Herzogtum standen mehrere mächtige Adelsfamilien dem Herrschaftsanspruch der neuen Herzöge entgegen.</p>



<p>In Niederbayern agierten die Grafen von Bogen als Vormacht. Sie herrschten zum Beispiel von Burgen wie Natternberg beim wichtigen Donauübergang Deggendorf (siehe Bild aus der heutigen Zeit) und dominierten die Besiedlung des Bayerischen Waldes.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="524" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Natternberg.jpg?resize=600%2C524&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5374" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Natternberg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Natternberg.jpg?resize=300%2C262&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Martin Erdniss/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Die Wittelsbacher versuchten, diese regionale Herrschaft zu brechen. Die Kämpfe endeten zuerst ohne eindeutigen Sieger.</p>



<p>Erst als 1204 sowohl der amtierende Graf von Bogen starb und gleichzeitig die Markgrafen von Cham-Vohburg endgültig ausstarben, gelang den Wittelsbachern der Durchbruch.</p>



<p>Denn Herzog Ludwig I. heiratete die Witwe des Bogener Grafen, womit er Ansprüche auf dessen Erbe geltend machen konnte. Und er zog den Besitz der Markgrafen von Cham-Vohburg komplett ein. Damit verschaffte er sich die Vormacht im niederbayerischen Raum bis zur böhmischen Grenze.</p>



<p>Auch später profitierten die Wittelsbacher Herzöge vom Aussterben regionaler Herrscher. 1248 starb zum Beispiel der letzte Herzog von Andechs-Meranien kinderlos und unter ungeklärten Umständen. Danach gelang es den Wittelsbachern, den oberbayerischen Besitz der Andechs-Meranier, zum Beispiel bei München, an sich zu bringen und den oberbayerischen Raum endgültig zu dominieren.</p>



<p>In der Oberpfalz zogen die Wittelsbacher 1305/1307 endgültig den Besitz der ehemaligen Grafen von Sulzbach ein, die weite Teile des späteren Bezirks beherrscht hatten. In diesem Fall war es eine längere Entwicklung, bis sämtliche Nachfolgefamilien der Grafen von Sulzbach ausgestorben waren.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die ersten Wittelsbacher Herzöge mit ihrem Machtanspruch 1204 gescheitert wären?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="regensburg">8. 1245: Die freie und Reichsstadt Regensburg</h3>



<p>Die Entwicklung des bayerischen Herzogtums unter den Wittelsbachern ging jedoch nicht nur in eine Richtung. Denn die neuen Herzöge mussten auch Verluste hinnehmen, zum Beispiel Regensburg.</p>



<p>Die Stadt entwickelte sich im Mittelalter nicht nur zum politischen und kulturellen Hauptort des bayerischen Herzogtums. Gestützt auf den wachsenden europäischen Handel mit Luxusgütern über die Donau – aber auch über den Regen nach Böhmen – wuchs die Stadt zur größten Wirtschaftsmetropole im süddeutschen Raum heran.</p>



<p>Zeugnis dieser Bedeutung und des Reichtums waren der Bau der Steinernen Brücke als einzigem festen Donauübergang zwischen Ulm und Wien von 1135 bis 1146 sowie des Doms ab 1273 (siehe Bild unten). Hinzu kamen zahlreiche Geschlechtertürme als Ausweis des Reichtums der Patrizier.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="441" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Regensburg.jpg?resize=600%2C441&#038;ssl=1" alt="Foto der Steinernen Brücke und des Doms in Regensburg." class="wp-image-786" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Regensburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Regensburg.jpg?resize=300%2C221&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Foto)</figcaption></figure>



<p>Entsprechend umkämpft waren die Herrschaftsrechte in der Stadt zwischen den bayerischen Herzögen und den Bischöfen von Regensburg. Auch der deutsche König, ab 1138 aus der Familie der Staufer, versuchte, die Metropole mehr an seine Herrschaft zu binden.</p>



<p>Dieses Spannungsfeld nutzten die reichen Bürger, um immer mehr Rechte der verschiedenen Streitparteien an sich zu ziehen. 1245 gewährte ihnen schließlich Kaiser Friedrich II. das Recht der freien Wahl von Bürgermeistern und Stadträten. Regensburg wurde freie und Reichsstadt.</p>



<p>Was für ein bedeutender Verlust die Stadt für die bayerischen Herzöge war, zeigten mehrere Versuche, die „verlorene Hauptstadt“ zurückzuerobern. Der damit einhergehende Wirtschaftskrieg und sich verändernde Handelsströme führten aber zu einer Verarmung der Reichsstadt.</p>



<p>Gleichzeitig entwickelte sich Regensburg im 16. Jahrhundert zu einem beliebten Standort für die Reichstage, die regelmäßigen Versammlungen der Kurfürsten, Fürsten und Reichsstädte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.</p>



<p>Als 1663, als der Reichstag nicht mehr wie üblich seinen Abschied nahm, entwickelte sich die Stadt sogar zum permanenten Sitz dieser Institution bis zum Ende des Reiches 1806.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Regensburg entwickelt, wenn die Stadt bayerische Hauptstadt geblieben wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="konradin">9. 1268: Der zersplitternde Tod von Konradin</h3>



<p>Im Gegensatz zu Bayern war Schwaben, und damit Bayerisch-Schwaben, im Hochmittelalter ein Zentrum der mittelalterlichen Kaiserherrschaft.</p>



<p>Diese Entwicklung hing an der Verbindung von schwäbischer Herzogswürde und römisch-deutschem Kaisertitel in der Familie der Staufer seit 1138.</p>



<p>Diese Verbindung erlosch jedoch, als König Konrad 1254 nur 26-jährig bei einem Kriegszug im Königreich Sizilien starb.</p>



<p>Damit endete nicht nur die Linie der staufischen Könige und Kaiser. Auch die Zentralmacht im Herzogtum Schwaben begann, sich langsam aufzulösen.</p>



<p>Zwar gab es danach mit Konradin noch einen Staufer, der mit 10 Jahren zum Herzog von Schwaben erhoben worden war. Ihm gelang es jedoch aufgrund seines Alters nicht, das Herzogtum unter Kontrolle zu bekommen.</p>



<p>Zudem wurde er 1268 nach seiner Niederlage im Kampf um das Erbe in Sizilien hingerichtet, womit die Staufer als Herrschaftsgeschlecht aufhörten zu existieren.</p>



<p>Das schwäbische Herzogtum zersplitterte sich danach in eine Vielzahl von Herrschaften (siehe Karte aus dem Jahr 1400).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="856" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayerisch-Schwaben-1400.png?resize=600%2C856&#038;ssl=1" alt="Karte der heutigen Region von Bayerisch-Schwaben im Jahr 1400 mit zahlreichen kleinen Territorien." class="wp-image-4930" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayerisch-Schwaben-1400.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayerisch-Schwaben-1400.png?resize=210%2C300&amp;ssl=1 210w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:HRR_1400.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ziegelbrenner/CC BY-SA 3.0 (Ausschnitt)</a>)</figcaption></figure>



<p>Davon profitierten ausgehend von Augsburg, Ulm und Memmingen vor allem zahlreiche Städte, die zu den <em>„oberschwäbischen Reichsstädten“</em> heranwuchsen.</p>



<p>Diese Zersplitterung blieb als „Fleckerlesteppich“ für Bayerisch-Schwaben typisch für die nächsten Jahrhunderte, ebenso wie die ständigen Konflikte mit den bayerischen Herzögen, die das Erbe der Staufer in Schwaben für sich reklamierten, um Herrschaftsrechte.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätten sich Schwaben und Bayern entwickelt, wenn Konradin nicht hingerichtet worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="ampfing-muehldorf">10. 1313: Die entscheidende Schlacht bei Ampfing/Mühldorf</h3>



<p>An anderer Stelle waren die bayerischen Herzöge im 14. Jahrhundert erfolgreicher.</p>



<p>Als am 28. September 1322 die Heere der Wittelsbacher und der Habsburger bei Ampfing oder Mühldorf (beides in Oberbayern) aufeinandertrafen, entschied sich nicht nur der Streit um die deutsche Königskrone zwischen Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen.</p>



<p>Durch den Sieg Ludwigs, der daraufhin König und Kaiser wurde, kam es auch zu neuen Entwicklungen für die Geschichte von Bayern.</p>



<p>Die Schlacht selbst wurde daher stark mythologisiert, wodurch wenige Details klar sind.</p>



<p>So ist zum Beispiel nicht geklärt, warum Friedrich trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit die von Ludwig angebotene Schlacht annahm, an deren Ende der Habsburger in Gefangenschaft geriet. Denn von Süden marschierten noch Verstärkungen seines Bruders heran, die die Heeresgrößen zugunsten von Friedrich gedreht hätten.</p>



<p>Auch die konkrete Rolle von Ludwig (siehe Statue aus der heutigen Zeit) in der Schlacht ist bis heute unklar.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="765" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Statue-Ludwig-der-Bayer.jpg?resize=600%2C765&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5497" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Statue-Ludwig-der-Bayer.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Statue-Ludwig-der-Bayer.jpg?resize=235%2C300&amp;ssl=1 235w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(ArTono/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Für Bayern hatte die gewonnene Schlacht große Folgen.</p>



<p>Zum Beispiel für München bedeutete die Königs- und Kaiserkrone von Ludwig trotz dessen fortwährenden Kämpfen mit Habsburgern, Luxemburgern und dem Papst eine enorme Aufwertung. Denn die Stadt blieb weiter seine geförderte Hauptresidenz und wurde beispielsweise zum europaweiten Sammelpunkt von papstkritischen Intellektuellen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Ludwig der Bayer die Schlacht von Ampfing/Mühldorf verloren hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="pavia">11. 1329: Der zersplitternde Hausvertrag von Pavia</h3>



<p>Diese Vormachtstellung der bayerischen Wittelsbacher endete jedoch schnell.</p>



<p>Um die ständigen Querelen innerhalb der Wittelsbacher zu beenden, teilte Kaiser Ludwig der Bayer die Territorien seiner Familie im Hausvertrag von Pavia.</p>



<p>Der Versuch, durch einen Interessenausgleich die Einheit der Familie zu wahren, war jedoch erfolglos.</p>



<p>Stattdessen spaltete sie sich in zuerst zwei Hauptlinien, eine pfälzische mit dem Zentrum um Heidelberg und eine bayerische mit den meisten Besitzungen im heutigen Ober- und Niederbayern.</p>



<p>Da die Pfalz an sich zu klein für ein Machtgleichgewicht war, kamen im Hausvertrag von Pavia Teile des bayerischen Nordgaus zur pfälzischen Linie. Aus diesen entwickelte sich die <em>„Obere Pfalz“</em>.</p>



<p>Die bayerische Linie begann sich danach sogar noch weiter aufzuspalten, bis 1392 sogar vier Familien existierten (siehe Karte unten).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="478" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Herzogt%C3%BCmer-Bayern.png?resize=600%2C478&#038;ssl=1" alt="Karte der vier bayerischen Herzogtümer im Jahr 1392." class="wp-image-803" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Herzogt%C3%BCmer-Bayern.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Herzogt%C3%BCmer-Bayern.png?resize=300%2C239&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">Wikimedia-Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bayern_nach_der_Teilung_1392.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lencer/CC BY-SA 3.0</a></figcaption></figure>



<p>Einerseits profitierten viele Städte von der Aufteilung. So wurde Amberg erstmals Sitz des Regierungsamts und Residenzstadt für die kurpfälzischen Statthalter in der Oberpfalz. Nicht selten waren dies die Söhne und designierten Nachfolger der Pfalzgrafen.</p>



<p>Die Zersplitterung der Herrschaft und die internen Konflikte innerhalb der Familie sorgten jedoch dafür, dass die bayerischen Herzöge im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation nicht als einheitlicher Machtfaktor auftreten konnten.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Bayern ohne den Hausvertrag von Pavia entwickeln können?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="neuboehmen">12. 1373: Das kurzfristige Ende von Neuböhmen</h3>



<p>Kaiser Karl IV., Nachfolger von Ludwig dem Bayern, nutzte diese Zersplitterung für seine eigene Machtpolitik.</p>



<p>Er wollte einen Landkorridor aufbauen, der von der heutigen Tschechischen Republik, die er als König von Böhmen beherrschte, bis zu den Zentren des Heiligen Römischen Reiches, Nürnberg und Frankfurt, reichte.</p>



<p>Dazu erwarb er bis 1353 Gebiete in der nördlichen Oberpfalz (auf der Karte der grüne Zipfel links von Böhmen), die er von Sulzbach aus verwalten ließ.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="599" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?resize=600%2C599&#038;ssl=1" alt="Karte der Länder der böhmischen Krone unter Karl IV." class="wp-image-2685" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Karte_B%C3%B6hmen_unter_Karl_IV.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Maximilian Dörrbecker (Chumwa)/CC BY-SA 2.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Diese Herrschaft, kurz Neuböhmen genannt, förderte er durch gezielte Vergabe von Privilegien sowie den Ausbau des Straßen- und Handelsnetzes der <em>„Goldenen Straße“</em>.</p>



<p>Besonders profitierte Nürnberg von Neuböhmen. Die Handelsgesellschaften der Stadt finanzierten große Teile der Pläne Karls IV. im Ausgleich für Handelsprivilegien in dessen Herrschaftsgebiet. Der Kaiser wertete Nürnberg entsprechend auf, beispielsweise in der dort verkündeten <em>„Goldenen Bulle“</em> 1356 als <em>„vornehmste und bestgelegendste Stadt des Reiches“</em>.</p>



<p>Jedoch gab Karl IV. seine Ziele 1373 kurzfristig auf: Im Vertrag von Fürstenwalde tauschte er große Teile von Neuböhmen gegen die strategisch wichtigere Mark Brandenburg.</p>



<p>Zwar gab es um Auerbach in der Oberpfalz noch ein kleines Restgebiet. Dieses ging aber unter Karls Nachfolger Wenzel in kriegerischen Auseinandersetzungen fast vollständig verloren.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich ein länger bestehendes Neuböhmen auf Bayern ausgewirkt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="agnes-bernauer">13. 1435: Die berühmte Ermordung von Agnes Bernauer</h3>



<p>In Straubing spielte sich zwischen 1433 und 1435 eine Episode ab, die entscheidend für die bayerischen Wittelsbacher war.</p>



<p>Denn dort residierte mit Albrecht, dem einzigen Sohn von Herzog Ernst, der einzige, herrschaftsfähige Nachkomme der Linie Bayern-München.</p>



<p>Daher erregte seine Affäre mit Agnes Bernauer, über die selbst nicht viel bekannt ist, die Aufmerksamkeit des Münchner Hofes.</p>



<p>Denn es gab bis heute unbestätigte, aber in der Forschung nicht mehr bezweifelte Gerüchte um eine Eheschließung von Albrecht mit der nicht standesgemäßen Frau. Beide agierten in Straubing zunehmend selbstständig gegenüber dem Hof in München.</p>



<p>Da damit die Einheit des Herzogtums und der Fortbestand der Linie Bayern-München in Gefahr waren, entschloss sich Herzog Ernst zu einem riskanten Manöver.</p>



<p>Er nutzte die Abwesenheit seines Sohnes bei einem Jagdausflug, um Agnes Bernauer am 12. Oktober 1435 in Straubing verhaften zu lassen. Danach ließ er sie dort in der Donau (siehe Bild aus der heutigen Zeit) ertränken.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Straubing-Donau.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5366" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Straubing-Donau.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Straubing-Donau.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wirestock Creators/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Der erzürnte Albrecht plante zuerst mit den verwandten Herzögen von Bayern-Landshut einen Krieg gegen seinen Vater.</p>



<p>Bereits 1436 söhnte er sich aber mit Ernst aus, heiratete standesgemäß und sicherte den Weiterbestand der Herzöge von Bayern-München. Die Linie von Bayern-München vereinte schließlich nach dem Aussterben der anderen bayerischen Linien das bayerische Herzogtum wieder unter einem Herrscher.</p>



<p>Agnes Bernauer und ihre tragische Geschichte brachten es dagegen zu einem gewissen Nachruhm, zum Beispiel durch die in Straubing alle vier Jahre stattfindenden <em>„Agnes-Bernauer-Festspiele“</em>.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Plan zur Ermordung von Agnes Bernauer 1435 gescheitert wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="donauwoerth">14. 1607: Die illegale Besetzung von Donauwörth</h3>



<p>Diese bayerischen Herzöge spielten eine große Rolle, als Anfang des 17. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich die Spannungen zwischen Katholiken und Protestanten eskalierten.</p>



<p>Ein Höhepunkt war der Konflikt in der freien und Reichsstadt Donauwörth.</p>



<p>Die Stadt war mehrheitlich protestantisch, hatte aber eine katholische Minderheit um das Kloster Heilig Kreuz (siehe Bild) zu dulden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="604" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?resize=600%2C604&#038;ssl=1" alt="Foto der Klosterkirche Heilig Kreuz in Donauwörth." class="wp-image-4929" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?resize=298%2C300&amp;ssl=1 298w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>In dieser Ausgangslage ereigneten sich 1606 und 1607 die sogenannten <em>„Kreuz- und Fahnengefechte“</em>. Dabei griffen Protestanten katholische Prozessionen, deren Auftreten mit Kreuzen und Fahnen sie als Provokation empfanden, an und jagten die Katholiken auseinander.</p>



<p>Nachdem Kaiser Rudolf II. 1606 die Reichsacht angedroht hatte, verfügte er diese nach dem zweiten <em>„Gefecht“</em> ein Jahr später.</p>



<p>Eigentlich wäre der protestantische württembergische Herzog als Obmann des schwäbischen Reichskreises, zu dem Donauwörth gehörte, für die Exekution zuständig gewesen.</p>



<p>Rudolf II. beauftragte allerdings den katholischen, bayerischen Herzog Maximilian I.</p>



<p>Dieser nutzte die Gelegenheit, um die Stadt zu besetzen und de facto zu annektieren. Als er Donauwörth rekatholisierte, führte dies zur Auswanderung vieler Protestanten.</p>



<p>Die protestantischen Mächte des Reiches sahen diese Entwicklung als Bedrohung und schlossen sich zu einem Bündnis zusammen. Daher galt die Besetzung von Donauwörth als einer der bedeutendsten Auslöser des Dreißigjährigen Krieges wenige Jahre später.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn nicht der bayerische, sondern der zuständige württembergische Herzog die Reichsacht in Donauwörth exekutiert hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="schlacht-hoechstaedt">15. 1704: Die zu Beginn verlorene Schlacht von Höchstädt</h3>



<p>Die in Folge des Dreißigjährigen Krieges zu Kurfürsten aufgestiegenen bayerischen Wittelsbacher planten vor allem unter Maximilian II. Emanuel eine europäische Großmachtpolitik. So stellte er sich zu Beginn des <em>„Spanischen Erbfolgekrieges“</em> 1702 auf die Seite des Königreichs Frankreich und damit gegen das Heilige Römische Reich unter den Habsburger-Kaisern.</p>



<p>Obwohl von feindlichen Mächten umgeben, gelang es dem militärisch erfahreneren Kurfürsten, Bayern zu verteidigen und Vorstöße gegen die Habsburger zu unternehmen. Bis diese in so große militärische Schwierigkeiten gerieten, dass die englisch-niederländischen Alliierten eine Armee unter dem Herzog von Marlborough entsandten. Als Reaktion schickten die Franzosen auch Verstärkungen.</p>



<p>Am Ende von mehreren Manövern stellte die alliierte Armee unter Marlborough und Prinz Eugen von Savoyen in der Nähe des Schlosses Höchstädt (in Bayerisch-Schwaben, siehe Bild unten) die bayerisch-französische Armee unter Maximilian II. Emanuel sowie den Marschällen Tallard und Marsin.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="336" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Schloss-Hoechstaedt-1.jpg?resize=600%2C336&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-6975" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Schloss-Hoechstaedt-1.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Schloss-Hoechstaedt-1.jpg?resize=300%2C168&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Obwohl die französisch-bayerischen Linien unter dem Befehl von Maximilian II. Emanuel und Marsin mehrere Attacken bis zur Erschöpfung der Angreifer abwehrten und sogar Gegenangriffe starteten, beging die Armee von Tallard bereits zu Beginn einen entscheidenden Fehler beim Dorf Blindheim.</p>



<p>Die zuerst angegriffenen Franzosen verstärkten ihre Garnison dort so stark, dass ihnen keine Reserven mehr blieben. Obwohl Tallard mehrere Attacken zurückschlagen konnte, brach Marlborough genau westlich des Dorfes massiv durch die Linien der Verteidiger. Die übrigen Einheiten von Tallards Armee flohen, aber die Truppen von Maximilian II. Emanuel und Marsin zogen sich geordnet zurück.</p>



<p>Doch die Niederlage entwickelte sich durch Bindheim zur Katastrophe. Marschall Tallard wurde beim Versuch, das Dorf zu erreichen, gefangen genommen. Die demoralisierten und ohne Befehlshaber verbliebenen Franzosen kapitulierten dort in großer Masse.</p>



<p>Dadurch verblieb der übrigen bayerisch-französischen Armee nicht mehr genug Schlagkraft, um den Alliierten weiteren Widerstand in Bayern entgegenzusetzen. Bis 1714 wurde Bayern besetzt und ausgeplündert. Aufflammende Rebellionen wurden, wie in der <em>„Sendlinger Mordweihnacht“</em>, unterdrückt. Die Gefahr eines militärischen Zusammenbruchs der Habsburger war beendet.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätten sich die Schlacht und der weitere Krieg in Bayern entwickelt, wenn die Franzosen ihre Soldaten nicht in Blindheim konzentriert hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="niederbayern">16. 1778: Das österreichische Niederbayern</h3>



<p>1777 endete die bayerische Linie der Wittelsbacher, als Kurfürst Maximilian III. Joseph kinderlos starb.</p>



<p>Nach den Wittelsbachischen Erbverträgen hätte nun der Pfälzer Kurfürst Karl Theodor (siehe Bild) die Macht in ganz Bayern ergreifen sollen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="879" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Karl-Theodor.jpg?resize=600%2C879&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5370" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Karl-Theodor.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Karl-Theodor.jpg?resize=205%2C300&amp;ssl=1 205w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Oleg Senkov/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Kaiser Joseph II. sah aber nach den verlorenen Schlesischen Kriegen gegen den preußischen König Friedrich II. die Gelegenheit zu Gebietsgewinnen.</p>



<p>Er übte Druck auf Karl Theodor aus und schloss mit ihm 1778 die <em>„Wiener Konvention“</em>. Darin trat Karl Theodor unter anderem Gebiete um Straubing und Burghausen an Österreich ab.</p>



<p>Als die einmarschierenden kaiserlichen Armeen aber fast ganz Ostbayern bis kurz vor Landshut besetzten, rief dies Friedrich II. auf den Plan.</p>



<p>Zusammen mit anderen Reichsfürsten stellte er sich im sogenannten „Bayerischen Erbfolgekrieg“ gegen die Wiener Konvention.</p>



<p>Nachdem der <em>„Kartoffelkrieg“</em> oder <em>„Zwetschgenrummel“</em> genannte Konflikt ohne große kriegerische Entscheidung geblieben war, beendete erst der Frieden von Teschen 1779 die Auseinandersetzungen.</p>



<p>Der Großteil von Niederbayern wurde wieder bayerisch. Nur das Innviertel mit den Städten Braunau und Schärding blieb bis in die heutige Zeit österreichisch.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Österreicher 1778 nur die ihnen durch die <em>"Wiener Konvention" </em>zugestandenen bayerischen Gebiete besetzt hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="markgraf">17. 1791: Die amouröse Abdankung des letzten Markgrafen</h3>



<p>Während die Wittelsbacher die heutigen Bezirke Nieder- und Oberbayern sowie die Oberpfalz beherrschten, war Franken in zahlreiche Territorien zersplittert. Eine gewisse Vormacht hatten dort neben den Fürstbischöfen von Bamberg und Würzburg die Markgrafen aus der fränkischen Linie der Hohenzollern inne.</p>



<p>1769 vereinigte Markgraf Karl Alexander diese Gebiete um Ansbach und Bayreuth unter seiner Herrschaft.</p>



<p>Er war ein Anhänger des aufgeklärten Absolutismus und förderte zum Beispiel die Universität in Erlangen (siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Schloss-Erlangen.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Foto des Erlanger Schlosses mit Park" class="wp-image-5069" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Schloss-Erlangen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Schloss-Erlangen.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Scirocco340/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Auch bei der Wahl seiner Partnerinnen zog er persönliche Interessen dynastischen Erwägungen vor: Während sich seine erste Geliebte nicht in die Politik einmischte, tat dies jedoch die zweite, Lady Elisa Craven.</p>



<p>Sie nutzte vor allem den Pessimismus des Markgrafen über die Zukunft seiner Länder, die durch seine Kinderlosigkeit nach seinem Tod an Preußen fallen sollten.</p>



<p>Daher gelang es Craven, ihn davon zu überzeugen, bereits im Januar 1791 seine Länder in einem Geheimvertrag an Preußen zu übertragen. Als er gegen eine finanzielle Zuwendung im Dezember 1791 zurücktrat, gingen so Ansbach und Bayreuth an Preußen – bis 1806.</p>



<p>In diesem Jahr – fast 15 Jahre nach seiner Abdankung – verstarb Karl Alexander mit knapp 70 Jahren.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich das fränkische Hohenzollerngebiet entwickelt, wenn Karl Alexander nicht oder zu einem anderen Zeitpunkt abgedankt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="pariser-vertrag">18. 1810: Der bayerisch-württembergische Pariser Vertrag</h3>



<p>Infolge der Kriege des revolutionären Frankreichs und später des Kaisers Napoleon kam es in diesen Jahren zu großen Umwälzungen in Bayern, Franken und Schwaben.</p>



<p>So expandierte das seit 1806 als Königreich existierende Bayern in Richtung Schwaben und Franken.</p>



<p>Ein entscheidender Einschnitt war der Grenzvertrag mit Württemberg, den Bayern 1810 in Paris schloss.</p>



<p>Darin trat es das 1802/1803 erworbene Ulm an das benachbarte Königreich ab und erhielt von Frankreich das ehemalige Fürstentum Bayreuth.</p>



<p>Zuvor hatte eine bayerisch-württembergische Kommission die bisherige Grenze (siehe Karte) zwischen beiden Staaten neu verhandelt und sich dabei an den Flüssen als Grenze orientiert.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="654" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayern-1806.png?resize=600%2C654&#038;ssl=1" alt="Karte von Bayern im Jahr 1806. " class="wp-image-4928" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayern-1806.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayern-1806.png?resize=275%2C300&amp;ssl=1 275w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rheinbund_1806,_political_map.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ziegelbrenner/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Der Grenzvertrag hatte auch Folgen für andere Teile Bayerns: So machte er Memmingen zur Grenzstadt. Im heutigen Oberfranken verschob sich das Zentrum durch den Vertrag. Denn der Regierungssitz wechselte in das neu erworbene Bayreuth und die ehemalige Bischofsresidenz Bamberg verlor an Bedeutung.</p>



<p>Der Vertrag stand stellvertretend für die verschiedenen Veränderungen in Bayern während der Ära Napoleons.</p>



<p>So nahm das Königreich Bayern wenige Tage nach dem Grenzvertrag endgültig <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/autofreundliche-altstadt-regensburg/">Regensburg</a> in Besitz und machte es zur Hauptstadt des späteren Bezirks Oberpfalz. Dafür büßte Amberg seine jahrhundertealte Hauptstadtfunktion ein.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Grenzvertrag anders verhandelt worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="sued-nord-bahn">19. 1838: Die umstrittene Ludwig-Süd-Nord-Bahn</h3>



<p>Als das Eisenbahnzeitalter in Bayern anbrach, bedeutete dies für verschiedene Regionen langfristige Entscheidungen. Denn die Eisenbahn war im 19. Jahrhundert der entscheidende Treiber für die Industrialisierung der an sie angeschlossenen Städte und Regionen.</p>



<p>Entsprechend war die geplante Trasse der Ludwig-Süd-Nord-Bahn umstritten. Denn sie war die erste ganz Bayern durchquerende Eisenbahnstrecke.</p>



<p>So bildeten sich in Bayreuth und Hof Eisenbahnkomitees, die für einen Anschluss an die Ludwig-Süd-Nord-Bahn warben. Bayreuth argumentierte mit dem Hauptstadtstatus, Hof mit einem besseren Anschluss an das sächsische Eisenbahnnetz.</p>



<p>1838 entschied König Ludwig I. schließlich, dass die Strecke in Oberfranken von Bamberg über Kulmbach nach Hof führen sollte. Damit gewann Hof nicht nur einen Verkehrsknotenpunkt, sondern auch die Möglichkeit zur Versorgung mit Steinkohle aus dem Zwickauer Revier. So wurde Hof eine der ersten Industriestädte von Oberfranken und Bayern.</p>



<p>Auch in Bayerisch-Schwaben war die Streckenführung der Ludwig-Süd-Nord-Bahn umkämpft. Ursprünglich sollte die Strecke zwischen Augsburg und Lindau auf einer technisch einfacheren Route gebaut werden. Denn das Allgäu war aufgrund seiner gebirgigen Landschaft (siehe Bild aus der heutigen Zeit unten) für Planer und Ingenieure bereits eine enorme Herausforderung.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Zugfahrt-Allgaeu.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Foto eines modernen Zuges mit zwei Triebwägen in einer Stadt im Allgäu vor den Bergen der Alpen" class="wp-image-6478" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Zugfahrt-Allgaeu.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Zugfahrt-Allgaeu.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Hagen Simon/Shuttertock)</figcaption></figure>



<p>Der geplanten Streckenführung widersetzten sich jedoch Kempten und Kaufbeuren am Ende erfolgreich, und die Bahnstrecke musste auf der technisch schwierigeren Route gebaut werden. Letztere erwies sich jedoch als wirtschaftlich erfolgreich und förderte die ab 1840 einsetzende Industrialisierung im Allgäu, zum Beispiel mit Textilherstellung in Kaufbeuren.</p>



<p>Auch andere neue Eisenbahnstrecken waren umstritten: In Unterfranken sorgte die Ludwigs-West-Bahn ab 1852 durch eine länger als ursprünglich geplante Streckenführung für das Aufblühen von Schweinfurt als Industriestandort. In der Oberpfalz profitierten Schwandorf und Weiden von der Eisenbahn, während Amberg verkehrstechnisch zurückfiel.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn sich König Ludwig I. für eine der anderen Eisenbahnstrecken entschieden hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="ludwig-II">20. 1886: Der vermeidbare Tod von Ludwig II.</h3>



<p>Als das Königreich Bayern 1871 Teil <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/kaisertag-oliver-henkel/">des Deutschen Reiches</a> wurde, verlor der junge König Ludwig II. große Teile seiner bisherigen Macht. Als er, und der ihn begleitende Psychiater Bernhard von Gudden am Abend des 13. Juni im Starnberger See starben, begann mit dem bis heute ungeklärten und von zahlreichen Theorien überwucherten Tod der Mythos um den <em>„Märchenkönig“</em>.</p>



<p>Verstärkt durch seine heute als Tourismusmagneten bestehenden Bauten Linderhof, Herrenchiemsee (beides in Oberbayern) und das im Allgäu liegende Neuschwanstein prägte er das Bild von Bayern bis in die heutige Zeit.</p>



<p>Deren Baukosten führten aber 1886 mit zur Absetzung von Ludwig II. Erleichtert wurde dies durch sein immer soziopathischeres Verhalten, das in Regierung und Bevölkerung auf Unverständnis stieß.</p>



<p>Als für die amtierende Landesregierung die Gefahr bestand, vom König abgesetzt zu werden, stieß diese seine rechtlich umstrittene Absetzung an. Basis war ein fachlich ungeeignetes Gutachten durch Bernhard von Gudden.</p>



<p>Als eine Kommission am 10. Juni 1886 in Neuschwanstein (siehe Bild) eintraf, um Ludwig II. abzusetzen, endete ihr Besuch im Desaster. Auf Befehl des Königs nahm die Gendarmerie von Füssen deren Mitglieder gefangen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="394" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Schloss-Neuschwanstein.jpg?resize=600%2C394&#038;ssl=1" alt="Foto von Schloss Neuschwanstein" class="wp-image-2771" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Schloss-Neuschwanstein.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Schloss-Neuschwanstein.jpg?resize=300%2C197&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Natalia Klenova/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dann jedoch blieb Ludwig II. überraschenderweise passiv. Weder folgte er Ratschlägen, nach München zu fahren, um sich dem Volk zu zeigen, oder nach Tirol zu fliehen. Noch ergriff er weitere Sicherungsmaßnahmen oder regierte auf die ohne sein Wissen erfolgte Freilassung der Kommission.</p>



<p>Vermutungen gehen davon aus, dass der wirklich kranke König unter einem plötzlichen Schub von Depression litt.</p>



<p>Der Rest der Geschichte ist Teil des Mythos: In der Nacht vom 11. auf den 12. Juli ließ sich Ludwig II. ruhig und widerstandslos durch eine zweite Kommission unter von Gudden gefangen nehmen. Erst der am nächsten Tag erfolgte mysteriöse Tod machte aus der <em>„Königskrise“</em> dann den <em>„Märchenkönig“</em>.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Ludwig II. zwischen dem 10. und 12. Juni nach München oder Tirol geflohen wäre oder sich gegen eine Gefangennahme geschützt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="kurt-eisner">21. 1919: Die sekundenschnelle Ermordung von Kurt Eisner</h3>



<p>Am 21. Februar 1919 schien die Zeit linker Macht in München und Bayern endgültig zu Ende zu gehen: Zwar wurde das Land seit dem Sturz der Wittelsbacher Monarchie am Ende des Ersten Weltkrieges von einer Revolutionsregierung unter dem Ministerpräsidenten Kurt Eisner regiert.</p>



<p>Dieser unabhängige Sozialdemokrat hatte am 7. November 1918 die Republik ausgerufen und danach den Freistaat Bayern begründet.</p>



<p>Nach der Niederlage bei der ersten freien Landtagswahl 1919 war Eisner aber nach Druck durch die Mehrheitssozialdemokraten bereit, zurückzutreten.</p>



<p>Doch dazu kam es nicht, als er die heutige Karl-Faulhaber-Straße (siehe Bild) betrat.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Muenchen-Kardinal-Faulhaber-Strasse.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5494" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Muenchen-Kardinal-Faulhaber-Strasse.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Muenchen-Kardinal-Faulhaber-Strasse.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Ihor Pasternak/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Auf dem kurzen Weg zwischen seinem Dienstsitz und dem Landtag folgte der demobilisierte Offizier Anton Graf Arco-Valley dem noch amtierenden Ministerpräsidenten, ohne von dessen beiden Leibwächtern und dessen Sekretär bemerkt zu werden.</p>



<p>So gelang es Arco-Valley schnell hinter Eisner zu kommen, eine Pistole zu ziehen und zwei Schüsse in dessen Nacken abzugeben. Der Ministerpräsident war auf der Stelle tot.</p>



<p>Dies löste eine Welle von Unruhen, Attentaten und linken Aufständen in München und Bayern aus.</p>



<p>So kam es zur Ausrufung <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">von mehreren, immer radikaleren Räterepubliken</a> in München und Umgebung, die erst durch rechtsradikale Freikorps blutig niedergeschlagen wurden.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich die Lage in München und Bayern entwickelt, wenn das Attentat auf Eisner erfolglos gewesen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="hitler">23. 1923: Der gescheiterte Hitler-Putsch</h3>



<p>In den 1920er Jahren galt Bayern daher als Zentrum der politischen Rechten im Deutschen Reich. So vertrat der Ministerpräsident Gustav Ritter von Kahr das Konzept einer „Ordnungszelle Bayern“ gegen die <em>„marxistische“</em> und <em>„verjudete“</em> Weimarer Republik.</p>



<p>Im Herbst 1923 eskalierte dieser ideologische Konflikt auf politischer Ebene. Der mit diktatorischen Vollmachten als Generalstatthalter regierende von Kahr ignorierte einen von Reichspräsident Friedrich Ebert verhängten reichsweiten Ausnahmezustand und unterstellte rechtswidrig die bayerischen Reichswehreinheiten seinem Oberbefehl. In seinem Umfeld gab es Pläne, die <em>„Ordnungszelle Bayern“</em> als Ausgangspunkt für eine nationale Erhebung und einen <em>„Marsch auf Berlin“</em> zu nutzen.</p>



<p>Diese angespannte Atmosphäre wollte Adolf Hitler mit seiner inzwischen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/nacht-der-braunen-schatten-katharine-burdekin/">40.000 Mitglieder umfassenden NSDAP</a> ausnutzen. Die Nationalsozialisten waren unter ihm zu einer starken Kraft im rechtsextremistischen Spektrum herangewachsen, ohne Einfluss auf die Landespolitik zu gewinnen.</p>



<p>Ausgangspunkt <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/1889-geschichte-machen-von-stephen-fry/">der Pläne Hitlers</a> war eine Kundgebung der <em>„Vaterländischen Verbände“</em> im Münchner Bürgerbräukeller am 8. November 1923, bei der auch von Kahr, Ministerpräsident von Knilling sowie die Oberbefehlshaber der bayerischen Reichswehr und der Landespolizei anwesend waren.</p>



<p>Zwar <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-staehlerne-traum-norman-spinrad/">gelang es den Nationalsozialisten</a> unter Adolf Hitler und dem bekannten Weltkriegsgeneral Erich von Ludendorff, diese Kundgebung zu stürmen und unter dem Jubel des Publikums eine <em>„nationale Revolution“</em> zu verkünden.</p>



<p>Als sie jedoch die anwesenden Landespolitiker entließen, begannen diese, den Widerstand gegen den <em>„Hitlerputsch“</em> zu organisieren.</p>



<p>Daher scheiterte ein Demonstrationszug am nächsten Tag im Feuer der bayerischen Landespolizei an der Feldherrnhalle (siehe Bild aus der heutigen Zeit).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="403" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Muenchen-Odeonsplatz-Feldherrnhalle.jpg?resize=600%2C403&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5495" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Muenchen-Odeonsplatz-Feldherrnhalle.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Muenchen-Odeonsplatz-Feldherrnhalle.jpg?resize=300%2C202&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Diego Grandi/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Nach der Niederschlagung des <em>„Hitlerputsches“</em> kam es zu einer kurzfristigen Schwächung der <em>„Ordnungszelle Bayern“</em>. Langfristig profitierte aber Adolf Hitler von der durch den Putsch und die darauffolgende Gerichtsverhandlung gestiegenen Bekanntheit.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich der "Hitlerputsch" in München entwickelt, wenn die Nationalsozialisten die im Bürgerbräukeller anwesenden Landespolitiker nicht freigelassen hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="georg-elser">24. 1939: Das zu präzise Attentat von Georg Elser</h3>



<p>Diesen Putschversuch <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/wenn-das-der-fuehrer-wuesste-otto-basil/">feierten die Nationalsozialisten</a> jedes Jahr, vor allem nach <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-consul-christian-von-ditfurth/">ihrer Machtergreifung 1933</a>, am Jahrestag in München.</p>



<p>1938 brachte dies den Möbeltischler Georg Elser auf die Idee eines Attentats.</p>



<p>Dieses bereitete er akribisch vor.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Er ließ sich an 30 Tagen im Bürgerbräukeller einsperren, um eine Säule neben dem Rednerpult von Hitler für seine Bombe auszuhöhlen.</li>



<li>Zusätzlich wählte er eine Säule aus, die statisch enorm wichtig für den Keller war, denn sie stabilisierte zwei Längs- und einen Querträger, die weitere Träger stützten.</li>



<li>Er baute in den Mechanismus zwei Uhrwerke ein, um eine zeitlich präzise Detonation zu sichern.</li>



<li>Die Bombe an sich war, wie selbst die Ermittler einräumten, meisterhaft konstruiert und funktionierte problemlos.</li>
</ul>



<p>Alles verlief wie geplant: Am 8. November 1939 explodierte um 21 Uhr 20 die Bombe und führte nach der unmittelbaren Detonation zum Einsturz der ganzen Dachkonstruktion. Der Bürgerbräukeller war danach eine einzige Trümmerlandschaft und es kam zu acht Toten sowie 63 Verletzten.</p>



<p>Nur Hitler (siehe Bild) und seine Entourage waren nicht darunter.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="600" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=600%2C600&#038;ssl=1" alt="Münze mit dem Bild von Adolf Hitler und dem Motto &quot;Unser die Zukunft Adolf Hitler&quot;" class="wp-image-3088" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Sytilin Pavel/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Entgegen der Ankündigung und seiner sonstigen Redegewohnheit hatte Hitler den Saal bereits 13 Minuten vor der Explosion verlassen. Denn im nebligen München musste er statt mit dem Flugzeug mit dem früher fahrenden Zug reisen.</p>



<p>Damit scheiterte das durch den Einzelgänger perfekt vorbereitete Attentat.</p>



<p>Elser wurde bereits vor dem Attentat beim gescheiterten Grenzübertritt verhaftet und später mit dem Anschlag in Verbindung gebracht. Danach wurde er gefoltert, ins Konzentrationslager eingeliefert und dort kurz vor Kriegsende ermordet. Erst lange nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde sein Attentatsversuch Teil der bundesdeutschen Erinnerungskultur.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn das Attentat auf Hitler 1939 gelungen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="amberg">25. 1945: Die tödlich verhinderte Verteidigung von Amberg</h3>



<p>Am Ende der nationalsozialistischen Herrschaft und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">des Zweiten Weltkrieges</a> ging es für viele bayerische Städte nur noch darum, <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/im-jahre-ragnaroek-oliver-henkel/">einer Zerstörung</a> zu entgehen.</p>



<p>Denn <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">als die US-Amerikaner</a> im April 1945 nach Bayern vorstießen, war die fast zerschlagene Wehrmacht zu keinem durchgängigen Widerstand mehr in der Lage. Da die Angreifer allerdings kurz vor Ende Krieges keine Risiken mehr eingehen wollten, führte auch nur geringer örtlicher Widerstand zu massiven Bombardements durch die US-Luftwaffe und Artillerie. Das erlebte zum Beispiel das oberpfälzische Neumarkt, das von wenigen hundert Soldaten mehrere Tage verteidigt und so fast vollständig zerstört wurde.</p>



<p>Im benachbarten Amberg waren die meisten nationalsozialistischen Verantwortlichen gegen eine Verteidigung der Stadt durch die wenigen verbliebenen Truppen. Zumal die Stadt (siehe Bild vom Mariahilfberg aus der heutigen Zeit) bis dahin von größeren Zerstörungen verschont geblieben war.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="506" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Blick-auf-Amberg.jpg?resize=600%2C506&#038;ssl=1" alt="Blick vom Mariahilfberg auf die Stadt Amberg und ihre historische Altstadt." class="wp-image-5945" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Blick-auf-Amberg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Blick-auf-Amberg.jpg?resize=300%2C253&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Der Kreisleiter der NSDAP, Artur Kolb, forderte jedoch eine bedingungslose Verteidigung von Amberg und die anderen Verantwortlichen, darunter der Bürgermeister, wagten nicht, gegen ihn zu agieren.</p>



<p>Als die US-Amerikaner daraufhin am 22. April die Beschießung der Stadt begannen, wollte Kolb mit einem Auto die Front am Mariahilfberg inspizieren. Dabei geriet sein Wagen in das Gewehrfeuer der Angreifer. Kolb wurde schwer verwundet und starb kurz darauf.</p>



<p>Das so entstandene Machtvakuum nutzten die restlichen Amberger Verantwortlichen, um zu kapitulieren. Daher nahmen die US-Amerikaner Amberg am 23. April ohne Widerstand und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/morbus-kitahara-christoph-ransmayr/">ohne größere Zerstörunge</a>n ein.</p>



<p>Solche dramatischen Entwicklungen spielten sich auch in anderen Städten ab: Im schwäbischen Nördlingen konnten nur zähe Verhandlungen mit dem Stadtkommandanten der Wehrmacht das Einziehen von weißen Flaggen so lange verzögern, bis der Kommandant die Stadt verließ und Nördlingen ohne Zerstörung an die US-Amerikaner übergeben werden konnte.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Amberger NSDAP-Kreisleiter Kolb nicht am 22. April erschossen worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="neu-gablonz">26. 1945: Das Kaufbeurer Neu-Gablonz</h3>



<p>Als es nach 1945 zur Vertreibung unter anderem der Sudetendeutschen kam, suchte eine Gruppe um den Diplomingenieur Erich Huschka einen neuen Standort für die Vertriebenen aus der Stadt Gablonz an der Neiße. Diese war bis dahin ein Zentrum der böhmischen Glas- und Schmuckherstellung gewesen. Diese Wirtschaftsstruktur wollte die Gruppe in Deutschland wiederaufbauen.</p>



<p>Dazu sondierten sie verschiedene Regionen, zum Beispiel in Süddeutschland und im Bayerischen Wald. Kaufbeuren (siehe Bild unten) in Bayerisch-Schwaben war eine Möglichkeit wegen einer ehemaligen Sprengstofffabrik mit einem großen Gelände und eigener Versorgungsinfrastruktur.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="200" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Altstadt-Kaufbeuren.jpg?resize=600%2C200&#038;ssl=1" alt="Panoramabild der Altstadt von Kaufbeuren mit alter Stadtmauer und Kirchentürmen" class="wp-image-6477" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Altstadt-Kaufbeuren.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Altstadt-Kaufbeuren.jpg?resize=300%2C100&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(cityfoto24/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Allerdings war der für Wirtschaftsfragen zuständige Beamte im Kaufbeurer Rathaus gegen eine Ansiedlung der Vertriebenen, da er das Gelände als ungeeignet ansah.</p>



<p>Huschka gelang es, diesen Widerstand zu überwinden, indem er einen ausgearbeiteten Ansiedlungsplan für Kaufbeuren direkt an die bayerischen Ministerien schickte. Diese waren sehr daran interessiert, die Gablonzer Industrien in Bayern anzusiedeln. Der damalige bayerische Wirtschaftsminister Ludwig Erhard favorisierte allerdings eine Ansiedlung der Gablonzer mehrheitlich im Fichtelgebirge und in Bayreuth.</p>



<p>Ein weiteres Hindernis waren Vorbehalte der US-amerikanischen Besatzungsbehörden, die gegen eine geschlossene Ansiedlung der Sudetendeutschen auf diesem Gelände waren. Dies konnte der Oberbürgermeister von Kaufbeuren erst umgehen, als er die kommunale Planungshoheit über das Gelände beanspruchte. Damit übernahm die Stadt auch die Verantwortung für die kostspielige Infrastruktur von den US-Amerikanern.</p>



<p>Somit gelang es ab Juni 1946, die Gablonzer im neuen Stadtteil Kaufbeuren-Hart anzusiedeln. 1952 erfolgte die Umbenennung in Kaufbeuren-Neugablonz. Die dort angesiedelte Industrie erwies sich bis in die 1970er Jahre als Wachstumsmotor der Stadt und Region. Bis 1961 verdreifachte Kaufbeuren so durch die 17.000 Vertriebenen seine Einwohnerzahl.</p>



<p>Lange blieb Neu-Gablonz eine Sprachinsel des im sudetendeutschen Gablonz gesprochenen <em>„Paurischen“</em> und bis in die heutige Zeit sind dort Traditionen aus dem böhmischen Kulturkreis lebendig.</p>



<pre class="wp-block-verse">Welche Folgen hätte eine Ansiedlung der Gablonzer an einem anderen Standort gehabt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="aschermittwoch">27. 1948: Der &#8222;erste politische&#8220; Aschermittwoch</h3>



<p>Bereits 1919 hatte der Bayerische Bauernbund den traditionellen Viehmarkt in Vilshofen zu einer Volksversammlung geladen, um bei den Bauern in Niederbayern für seine politischen Ziele zu werben.</p>



<p>Dies begründete jedoch keine langfristige Tradition. Erst 1927 kam es zu einer neuen Kundgebung des Christlichen Bauernvereins, der im Kernland des Bayerischen Bauernbundes dessen Einfluss zurückdrängen wollte.</p>



<p>Erst 1932 gab es nach mehrjähriger Pause erstmals mehr als eine Veranstaltung am Aschermittwoch in Vilshofen (siehe Bild): Neben dem Christlichen Bauernverein hielt die Bayerische Volkspartei eine Kundgebung ab. 1933 kam es bereits zu Veranstaltungen des Bauern- und Mittelstandsbunds sowie der Kommunisten und der NSDAP.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="322" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Vilshofen.jpg?resize=600%2C322&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5367" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Vilshofen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Vilshofen.jpg?resize=300%2C161&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Animaflora PicsStock/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Diese Entwicklung endete jedoch sofort mit der Gleichschaltung der Nationalsozialisten. Diese propagierten zwar dort bis 1937 eigene Veranstaltungen über die Wochenschau im ganzen Reich, danach fanden aber bis 1945 keine Kundgebungen mehr statt.</p>



<p>Erst 1946 lud der Bayerische Bauernverband zu einer „unpolitischen“ Veranstaltung am Aschermittwoch ein, um die Erlaubnis der alliierten Besatzungsbehörden für politische Kundgebungen zu umgehen. 1947 fand aber wiederum keine Kundgebung statt.</p>



<p>Die Initialzündung legte schließlich das Jahr 1948. Erstmals hielten Bayernpartei, CSU und SPD Großkundgebungen für die Bauern ab. Besondere Emotionalität brachte der Auftritt von Josef Baumgartner für die Bayernpartei ein, da er kurz zuvor aus der Landesregierung und der CSU ausgetreten war.</p>



<p>Dies legte den Grundstein für erbitterte politische Schlagabtausche zwischen beiden Parteien in den 1950er und Anfang der 1960er Jahre, für die besonders die Rededuelle zwischen Josef Baumgartner und dem CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß standen.</p>



<p>Damit begründete sich endgültig die bis heute bundesweit bekannte Tradition des politischen Aschermittwochs.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn sich nach 1948 keine Tradition des politischen Aschermittwochs etabliert hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="waa">28. 1989: Die kontroverse Aufgabe der WAA</h3>



<p>Als sich 1985 die Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen für Wackersdorf bei Schwandorf als Standort der bundesdeutschen atomaren Wiederaufbereitungsanlage (kurz WAA, im Bild der Komplex im französischen La Hague) entschied, galt die Atomkraft als Zukunftstechnologie.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="281" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Wiederaufbereitungsanlage-La-Hague.jpg?resize=600%2C281&#038;ssl=1" alt="Foto der Wiederaufbereitungsanlage von La Hague" class="wp-image-2726" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Wiederaufbereitungsanlage-La-Hague.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Wiederaufbereitungsanlage-La-Hague.jpg?resize=300%2C141&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(riekephotos/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Daher sah eine Mehrzahl der lokalen und bayerischen Politiker zuerst die Vorteile von hochqualifizierten Arbeitsplätzen in der strukturschwachen Oberpfalz.</p>



<p>Doch die Stimmung in der Bevölkerung hatte sich bereits gedreht.</p>



<p>Erste Initiativen gründeten sich und bauten den Widerstand mithilfe der Menschen in der Region auf. Vor allem der Landrat von Schwandorf, Hans Schuierer, entwickelte sich zur Symbolfigur des immer stärkeren Widerstands.</p>



<p>Höhepunkt war 1986 das <em>„Anti-WAAhnsinns-Festival“</em> in Burglengenfeld mit deutschlandweit bekannten Musikern wie Herbert Grönemeyer und circa 100.000 Besuchern.</p>



<p>Heute erinnert ein Gedenkstein am Naabufer von Burglengenfeld an den Widerstand und das Festival, aber auch an die damals gespaltene Gesellschaft.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="727" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Widerstand-WAA.jpg?resize=600%2C727&#038;ssl=1" alt="Gedenkstein zur Erinnerung an den friedlichen Widerstand gegen die Wiederaufbereitungsanlage in der Oberpfalz und an das MUsikfestival" class="wp-image-5949" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Widerstand-WAA.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Widerstand-WAA.jpg?resize=248%2C300&amp;ssl=1 248w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Obwohl die Polizei, teilweise mit Gewalt, diese Proteste im Zaum hielt, sank der wirtschaftliche und politische Rückhalt für das Projekt im Laufe der 1980er.</p>



<p>Als 1988 mit dem Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß der einflussreichste Befürworter starb, beendeten seine Nachfolger das bundesweit bekannte Projekt ein Jahr später.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich eine tatsächlich gebaute Wiederaufbereitungsanlage in der Oberpfalz und in Bayern ausgewirkt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="th-deggendorf">29. 1992: Die umkämpfte Fachhochschule Deggendorf</h3>



<p>Als die bayerische Regierung Anfang der 1990er Jahre die Gründung von neuen Fachhochschulen in Aussicht stellte, löste dies in ganz Bayern einen harten Wettbewerb um die zukünftigen Standorte aus.</p>



<p>Vor allem zwischen Straubing und Deggendorf (siehe Bild) kam es zu einem langen Ringen um die Fachhochschule in Niederbayern.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="312" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Marktplatz-Deggendorf.jpg?resize=600%2C312&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5372" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Marktplatz-Deggendorf.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Marktplatz-Deggendorf.jpg?resize=300%2C156&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Martin Erdniss/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Während Straubing (siehe Bild) auf seine alte und neue Zentrumsfunktion in Niederbayern setze, argumentierte Deggendorf vor allem mit seiner günstigen Lage im Einzugsbereich des Bayerischen Waldes.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Marktplatz-Straubing.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5373" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Marktplatz-Straubing.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Marktplatz-Straubing.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Boerescu/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Am Ende setzte sich Deggendorf durch und wurde 1994 Standort der heutigen <em>„Technischen Hochschule“</em>. Diese brachte mit ihren inzwischen mehreren tausend Studierenden und acht Fakultäten, vor allem aber durch ihre über ganz Ostbayern verteilten Forschungscampi entscheidende Impulse in die Stadt und Region an der Grenze zum und im Bayerischen Wald.</p>



<p>Erst 2000 zog Straubing durch die Gründung des <em>„Kompetenzzentrums für Nachwachsende Rohstoffe“</em> nach und wurde ebenfalls Hochschulstandort.</p>



<p>Auch in anderen Regionen war der Fachhochschulstandort hart umkämpft: In der Oberpfalz hatten sich sowohl Amberg als auch Weiden beworben und nach harten Diskussionen kam es zur Kompromisslösung eines Doppelstandortes in Form <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/oth-amberg-weiden/">der heutigen Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Amberg-Weiden</a>.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Straubing statt Deggendorf 1992 die Fachhochschule bekommen hätte?</pre>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellen-literatur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Tobias Appl, Alfred Wolfsteiner (Hrsg.): Auf alten Wegen durch die Oberpfalz. Zur Geschichte der Mobilität und Kommunikation in der Mitte Europas. (Beiträge zur Geschichte und Kultur der Oberpfalz 3). Regensburg 2022.</li>



<li>Martina Bauernfeind, Horst-Dieter Beyerstedt, Michael Diefenbacher: Nürnberg. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2017.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Mittelfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1046148825" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Lutz-Dieter Behrendt: Deggendorf. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2017.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Niederbayern&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1043270552" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Karin Dengler-Schreiber: Kleine Bamberger Stadtgeschichte. Regensburg 2013.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1059307917" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Günter Dippold: Kleine Geschichte Oberfrankens. Regensburg 2020.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1058295150" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Matthias Freitag: Regensburg. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2016.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1039876372" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Stefan Fischer: Kleine Geschichte des Allgäus. Regensburg 2024.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1068847871" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Axel Hermann: Kleine Hofer Stadtgeschichte. Regensburg 2012.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1023271403" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Reinhard Heydenreuter: Kleine Münchner Stadtgeschichte. Regensburg 2012.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberbayern&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1000916281" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Thomas Horling, Uwe Müller, Erich Schneider: Schweinfurt. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2014.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Unterfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1033858512" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Gerald Huber: Kleine Geschichte Niederbayerns. Regensburg 2015.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Niederbayern&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1063823608" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Gerhard Immler: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/K%C3%B6nigskrise_(1885/86)" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Königskrise (1885/86)</a>, in: historisches-lexikon-bayerns.de (19.10.2021).</li>



<li>Marcus Junkelmann: Das greulichste Spectaculum. Die Schlacht von Höchstädt 1704 (Hefte zur bayerischen Geschichte und Kultur, Band 30). Augsburg 2004.</li>



<li>Lars-Broder Keil, Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article189020253/Attentat-auf-Kurt-Eisner-1919-Rechte-hassten-Bayerns-Regierungschef.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bayerns Ministerpräsident war für die Rechte eine Unperson.</a> Attentat auf Kurt Eisner, auf: welt.de (14.06.2021).</li>



<li>Rolf Kießling: Kleine Geschichte Schwabens. Regensburg 2021.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1062033411" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Dorit-Maria Krenn: Straubing. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2019.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Niederbayern&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1053099923" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Johannes Laschinger: Amberg. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2015.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1036516104" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Bernd Mayer: Kleine Bayreuther Stadtgeschichte. Regensburg 2010.</li>



<li>Franz Metzger: Kleine Geschichte Mittelfrankens. Regensburg 2020.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Mittelfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1058271794" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Karl Borromäus Murr: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Schlacht_von_M%C3%BChldorf,_1322" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schlacht von Mühldorf.</a> 1322, in: historisches-lexikon-bayerns.de (18.10.2010).</li>



<li>Rainer Ostermann: Kriegsende in der Oberpfalz. Ein historisches Tagebuch. Regensburg 2015.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1067920502" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Marita A. Panzer: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Ermordung_der_Agnes_Bernauer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ermordung der Agnes Bernauer</a>, auf: historisches-lexikon-bayerns.de (08.03.2010).</li>



<li>Wolf-Henning Petershagen: Ulm &amp; Neu-Ulm. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2019. <a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1053094556" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Ernst Piper: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/elser-attentat-vor-70-jahren-allein-gegen-hitler-a-948584.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Allein gegen Hitler.</a> Elser-Attentat, auf: spiegel.de (06.11.2009).</li>



<li>Tim Pröse: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/georg-elser-und-das-attentat-auf-adolf-hitler-nur-13-minuten-fehlten-a-1142134.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Es fehlten nur dreizehn Minuten.</a> Hitler-Attentäter Georg Elser, auf: spiegel.de (07.04.2017).</li>



<li>Erich Schneider: Kleine Geschichte Unterfrankens. Regensburg 2020.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Unterfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1058295199" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Anna Schiener: Kleine Geschichte der Oberpfalz. Regensburg 2016.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1061937507" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article157867599/Der-Kini-entlarvte-den-Putsch-bevor-er-starb.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Kini entlarvte den Putsch, bevor er starb.</a> Brief Ludwigs II., auf: welt.de (26.08.2016).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/kultur/history/article13370444/Die-Suechte-trieben-Ludwig-II-in-den-Tod.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Süchte trieben Ludwig II. in den Tod.</a> Deutsche Royals, auf: welt.de (13.05.2011).</li>



<li>Wilfried Sponsel: Das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Jahre des Neubeginns in Nördlingen (1945-1950). Neustadt an der Aisch 2020.</li>



<li>Florian Stark: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article128076618/Warum-Ludwig-II-seinen-Psychiater-in-den-Tod-zog.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Warum Ludwig II. seinen Psychiater in den Tod zog.</a> Märchenkönig, auf: welt.de (16.05.2014).</li>



<li>Michael W. Weithmann: Kleine Geschichte Oberbayerns. Regensburg 2016.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberbayern&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1041372312" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Florian Felix Weyh: <a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/kaufbeuren-neugablonz-wie-die-sudetendeutsche-100.html">Wie die sudetendeutsche Schmuckindustrie nach Bayern kam. Kaufbeuren-Neugablonz</a>, auf: deutschlandfunkkultur.de (03.02.2019).</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayern/">28 Punkte, an denen die Geschichte Bayerns anders gelaufen wäre</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayern/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">698</post-id>	</item>
		<item>
		<title>1989: Schwarzes Gold aus Warnemünde von Harald Martenstein und Tom Peuckert</title>
		<link>https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/</link>
					<comments>https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 Nov 2024 17:02:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Die weiter existierende DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Romane und Filme]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ankerpunkte-blog.de/?p=5722</guid>

					<description><![CDATA[<p>In dieser Alternative History recherchieren zwei Journalisten in der DDR des Jahres 2015. Denn am 9. November 1989 verkündete Günter Schabowski statt des Mauerfalls den Fund von Erdöl. Ankerpunkt Der Untergang der DDR Bereits Anfang der 1980er Jahre stand die &#8222;Deutsche Demokratische Republik&#8220; (DDR) vor dem Staatsbankrott. Eine ineffiziente Wirtschaft, ein schwacher Rückhalt in der [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/">1989: Schwarzes Gold aus Warnemünde von Harald Martenstein und Tom Peuckert</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>In dieser Alternative History recherchieren zwei Journalisten in der DDR des Jahres 2015. Denn am 9. November 1989 verkündete Günter Schabowski statt des Mauerfalls den Fund von Erdöl.</p>



<span id="more-5722"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ddr">Der Untergang der DDR</a></li>



<li><a href="#ossis-wessis">Das Verhältnis zwischen Ossis und Wessis</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#warnemuende">Das schwarze Gold aus Warnemünde</a></li>



<li><a href="#martenstein-peuckert">Harald Martenstein und Tom Peuckert</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#alternative-history">Die fiktive Erdöl-Alternative-History</a></li>



<li><a href="#alternativwelt">Der gelungene Alternativwelt-Roman</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="ddr">Der Untergang der DDR</h3>



<p>Bereits Anfang der 1980er Jahre stand die <em>&#8222;Deutsche Demokratische Republik&#8220; (DDR)</em> vor dem Staatsbankrott.</p>



<p>Eine ineffiziente Wirtschaft, ein schwacher Rückhalt in der Bevölkerung und immer größere Schulden im Westen verschärften die Probleme des Landes dauerhaft.</p>



<p>Zwar gab es Gegenmaßnahmen wie die teilweise illegale Devisenbeschaffung der mit Sonderbefugnissen ausgestatteten Abteilung <em>&#8222;Kommerzielle Koordinierung&#8220; (KoKo)</em> im Ministerium für Außenhandel unter Alexander Schalck-Golodkowkski. Diese verzögerten aber wie ein mit dem bayerischen Ministerpräsidenten im Jahr 1983 vereinbarter Milliardenkredit den Untergang nur.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto des alten Wappens der DDR" class="wp-image-2203" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(dimm3d/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Aus Angst vor Unruhen räumte die Führung der SED  der Konsumindustrie und dem Sozialstaat Vorrang ein. Sie vernachlässigte dadurch aber die restliche Wirtschaft und die Infrastruktur der DDR.</p>



<p>Gleichzeitig konnte sie nicht die wirtschaftliche und soziale Diskrepanz zur Bundesrepublik schließen, mit deren Lebensstandard die Einwohner der DDR ihren eigenen verglichen.</p>



<p>Trotz der dadurch zunehmenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung und der immer schwächeren Unterstützung durch die Sowjetunion unter dem Generalsekretär Michail Gorbatschow stand die DDR Anfang 1989 nicht vor dem Kollaps.</p>



<p>Doch der Widerstand gegen die Diktatur der SED wuchs.</p>



<p>Internationale Proteste zwangen die DDR-Führung, <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/wechselwelten-oliver-henkel/">Maßnahmen gegen die Opposition</a> aufzuheben, zum Beispiel den Schießbefehl an der Grenze und der Berliner Mauer.</p>



<p>Das ermutigte die Bevölkerung, gegen das Unrechtsregime und vor allem seine Wahlfälschungen im selben Jahr zu protestieren.</p>



<p>Auch stiegen die Flüchtlingszahlen in den Westen, vor allem, nachdem Ostblockländer wie Ungarn ihre eigenen Grenzen dorthin geöffnet hatten.</p>



<p>Als politische Alternative gründeten sich im September 1989 erste Oppositionsgruppen wie das <em>&#8222;Neue Forum&#8220;</em>, <em>&#8222;Demokratie jetzt&#8220;</em> oder die <em>&#8222;Sozialdemokratische Partei in der DDR&#8220;.</em> Sie waren aber noch klein.</p>



<p>Daher waren die ersten Demonstrationen in Plauen, Leipzig und Dresden wenig organisiert. Aber sie überrumpelten dadurch und durch die überraschend große Masse die Sicherheitsorgane der DDR.</p>



<p>Die Kritik und Unzufriedenheit war so groß, dass nicht einmal der Sturz des langjährigen SED-Generalsekretärs Erich Honecker zugunsten von Egon Krenz die Lage beruhigte.</p>



<p>Dennoch war bis zum 9. November unklar, ob die DDR nicht doch aus eigener Kraft überleben konnte.</p>



<p>Dann aber gab es im Zentralkomitee der SED eine chaotische Sitzung, in der eine neue Reiseverordnung nur am Rande besprochen wurde. Sie sollte aber trotzdem am selben Tag verkündet werden.</p>



<p>Als Sinnbild für dieses Chaos galt der stotternde und überforderte, aber für die Medien zuständige Sekretär des Zentralkomitees, Günter Schabowski.</p>



<p>Er gab auf einer inzwischen legendären Pressekonferenz die Verordnung falsch wieder.</p>



<p>Aus Unkenntnis und Überforderung erwähnte er sowohl die Pflicht zu einem Visaantrag als auch das Inkrafttreten ab dem 10. November nicht. Stattdessen benutzte er das Wort <em>&#8222;unverzüglich&#8220;</em> und noch in derselben Nacht brach die Grenzsicherung nach Westberlin zusammen.</p>



<p>Unter den jubelnden Maßen fiel die Berliner Mauer. Und in den Monaten danach die DDR.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="ossis-wessis">Das Verhältnis zwischen Ossis und Wessis</h3>



<p>Am 3. Oktober 1990 kam es danach zur friedlichen Wiedervereinigung von Bundesrepublik und DDR. </p>



<p>Am 1. Juli 1990 war bereits der Staatsvertrag über die Währungs-, Wirtschaft- und Sozialunion in Kraft getreten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="600" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=600%2C600&#038;ssl=1" alt="Karte der ehemaligen BRD und DDR" class="wp-image-2209" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Anupong Boonma/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dieser führte aber dazu, dass die marode DDR-Wirtschaft fast sofort dem Weltmarkt ausgesetzt war. Durch den 1:1 Umtausch zwischen D-Mark und Ost-Mark war sie schlagartig überbewertet und gegenüber der internationalen Konkurrenz zu teuer.</p>



<p>Die von der Bundesregierung eingesetzte Treuhandanstalt, die die DDR-Wirtschaft übernehmen und sanieren sollte, verwaltete so nur noch deren Zusammenbruch.</p>



<p>Investoren, vor allem aus Westdeutschland, übernahmen DDR-Betriebe nur, wenn der Staat hohe Subventionen garantierte. Oder um diese sofort gewinnbringend zu verkaufen und damit ebenfalls stillzulegen.</p>



<p>Dies führte, da an der staatseigenen Wirtschaft große Teile des Sozialstaates hingen, zu einer Übernahme der DDR durch Westdeutsche – kurz <em>&#8222;Wessis&#8220;</em>.</p>



<p>Der damit verbundene Zusammenbruch der Wirtschafts- und Sozialstrukturen führte aber bei den Ostdeutschen – kurz <em>&#8222;Ossis&#8220;</em> – zu enormen Verlusterfahrungen bis in die heutige Zeit.</p>



<p>Zusätzlich erfolgten nach 1990 die forcierte Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Umbau der bisherigen staatlichen Strukturen vor allem unter der Leitung von westdeutschen Führungskräften.</p>



<p>Bei Westdeutschen hielt sich im Gegenzug lange das Klischee <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/die-letzte-kosmonautin-brandon-q-morris/">der auf allen Feldern zurückgebliebenen</a> und nur am Konsum von Westgütern interessierten Ostdeutschen.</p>



<p>Dieser fast komplette Verlust der bis 1990 geltenden Stabilität und das Gefühl, von Westdeutschland quasi übernommen worden zu sein, führten in den 1990er Jahren zu einer immer stärkeren Verklärung der DDR.</p>



<p>Dieses <em>&#8222;Ostalgie&#8220;</em> geprägte Gefühl, das in Westdeutschland lange unverstanden blieb, sorgte, obwohl viele Begrifflichkeiten wie <em>&#8222;Ossi&#8220; </em>und<em> &#8222;Wessi&#8220;</em> kaum mehr verwendet werden, nach wie vor für eine mentale Trennung zwischen beiden Bevölkerungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="warnemuende">Das schwarze Gold aus Warnemünde</h3>



<p><em>&#8222;Schwarzes Gold aus Warnemünde&#8220;</em> besteht aus den Reportagen zweier Undercover-Journalisten in der DDR des Jahres 2015.</p>



<p>Denn am 9. November 1989 verkündete Günter Schabowski statt des Mauerfalls den Fund eines der größten Erdöl-Vorkommen der Welt vor der Küste der DDR.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>&#8222;Manchmal passieren Sachen, die sind so unwahrscheinlich, dass du dich nicht mal freuen kannst. Dein Klo ist wieder mal verstopft, nichts hilft, du ziehst dir also fluchend die Gummihandschuhe an, greifst in den Abfluss, fühlst etwas und plötzlich ziehst du ein zwei Kilo schweres Golddiadem aus dem 14. Jahrhundert ans Licht. Ich denke mal, in diesem Moment hast du den gleichen Gesichtsausdruck wie Schabowski an jenem 9. November 1989.&#8220;</p>
<cite>Schwarzes Gold aus Warnemünde</cite></blockquote>



<p>Der neue Reichtum führte innerhalb weniger Monate zum Ende der Unzufriedenheit in der Bevölkerung und zum Zusammenbruch der bisherigen Opposition.</p>



<p>In der DDR unterteilt die <em>&#8222;Agentur für sozialistische Demokratie und angewandten Wohlstand&#8220;</em> die Bevölkerung in verschiedene Stufen der Gesinnung ein: von A für &#8222;Aktiv unterstützend&#8220; bis zu E  für &#8222;aktive Gegner&#8220;. Wobei 94 Prozent der Bürger unter die Kategorien A und B (&#8222;passiv angepasst&#8220;) fallen. </p>



<p>Als einzige Änderung des politischen Systems bearbeiten <em>&#8222;Die Grünen&#8220;</em> als eine Blockpartei das Thema Umweltschutz im Sinne des Regimes.</p>



<p>Bis 2015 ist das Erdölkombinat zum mächtigsten Organ der DDR geworden. Von seinem Sitz auf dem zum Sperrgebiet erklärten und zur ökologischen Wüste gewordenen Rügen (siehe Bild einer Erdöl-Raffinerie unten) verteilt es den wertvollen Rohstoff in die Welt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="292" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/01/Erdoel-Raffinerie.jpg?resize=600%2C292&#038;ssl=1" alt="Foto einer Erdöl-Raffinerie" class="wp-image-5772" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/01/Erdoel-Raffinerie.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/01/Erdoel-Raffinerie.jpg?resize=300%2C146&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(jutawat Rawichot/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Die reiche DDR konnte es sich sogar leisten, <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-mauer-steht-am-rhein-christian-von-ditfurth/">die Mauer</a> für ihre eigenen Bürger ab 1990 zu öffnen. Die Einreise aus der von wirtschaftlichen Krisen betroffenen Bundesrepublik ist für Westdeutsche nach wie vor mit Schikanen verbunden.</p>



<p>Mit dem Bürgergeld als bedingungsloses Grundgehalt versorgte DDR-Bürger können sich ein einigermaßen sicheres Leben leisten. Manche schicken sogar Geld an die westdeutsche Verwandtschaft.</p>



<p>Da die wohlhabenden Ostdeutschen viele einfache Arbeiten ablehnen, kommen Westdeutsche nur als weitgehend rechtlose, aber im Vergleich zur Bundesrepublik gut bezahlte Vertragsarbeiter ins Land.</p>



<p>Ausnahmen sind abgeworbene Spezialisten wie Uli Hoeneß, der Dynamo Dresden zum internationalen Spitzenverein gemanagt hat, oder der neue Wirtschaftsminister Karl Theodor Guttenberg.</p>



<p>Unter dem Generalsekretär Egon Krenz und dem Erdölminister Markus Wolf pumpt die DDR sogar Kredite nach Westdeutschland und sichert sich dort Einfluss.</p>



<p>Westberlin ist ein Glücksspielparadies für reiche DDR-Bürger, während die Westberliner oftmals als Reinigungskräfte und Chauffeure in der DDR arbeiten.</p>



<p><a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/die-republik-von-maxim-voland/">Die Wiedervereinigung</a> ist zwar offiziell Thema, wird von den DDR-Bürgern aber wegen der Armut der Bundesrepublik mehrheitlich abgelehnt. Stattdessen propagiert die DDR die langfristige Formel <em>&#8222;Wandel durch Annäherung&#8220;.</em></p>



<h3 class="wp-block-heading" id="martenstein-peuckert">Harald Martenstein und Tom Peuckert</h3>



<p>1989 lernten sich der Westdeutsche Harald Martenstein und der Ostdeutsche Tom Peuckert kurz nach der Pressekonferenz von Schabowski kennen. Danach arbeiten sie in den 25 Jahren nach dem Erdölfund an verschiedenen Berichten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/ich-werde-hier-sein-im-sonnenschein-und-im-schatten-christian-kracht/">über das veränderte Land</a>.</p>



<p>Harald Martenstein arbeitete in der DDR bereits vor 1989 für verschiedene Medien. Später musste er wegen seiner kritischen Berichte zeitweise in anderen Berufen arbeiten. </p>



<p>Tom Peuckert galt immer als systemkritisch. Er publizierte daher über seinen Blog <em>&#8222;Pankow privat&#8220;</em> und über westdeutsche Medien.</p>



<p>In <em>&#8222;Schwarzes Gold aus Warnemünde&#8220;</em> sammelte und kommentierte Martenstein mehrere Reportagen der beiden. Nach mehreren erfolglosen Versuchen konnte er diese in einem kleinen westdeutschen Verlag veröffentlichen.</p>



<p>In der ersten Reportage nahm Martenstein Kontakt mit dem inzwischen alkoholkranken Entdecker der Erdölfelder, Maxim Krolikowski, auf. Dieser machte ihn auf Ungereimtheiten beim ersten Fund des Erdöls aufmerksam.</p>



<p>Danach gingen beide den Spuren der seit 1994 verschwundenen Angela Merkel nach, deren Verhaftung als harmlose Mitläuferin 1990 das Misstrauen der Reporter erweckt hatte.</p>



<p>Als Nachtportier im Palasthotel, in dem sich die Elite der DDR vergnügt, erhielt Martenstein Einblicke in den dekadenten Führungsstil der politischen Elite. Am Ende geriet er in das tödliche Intrigenspiel des Erdöl-Sozialismus.</p>



<p>Dennoch begleitete er eine kleine Gruppe der wenigen Oppositionellen bei einer Aktion gegen den <em>&#8222;Goldenen Brunnen&#8220;</em> in der Zentrale des Erdölkombinats in Prora auf Rügen (siehe unten Bild aus der heutigen Zeit).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="337" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/01/Ruegen-Prora.jpg?resize=600%2C337&#038;ssl=1" alt="Luftbild des ehemaligen Ferienkomplexes Prora auf der Insel Rügen, der in &quot;Schwarzes Gold aus Warnemünde&quot; die Zentrale des Erdölkombinats beherbergt." class="wp-image-5773" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/01/Ruegen-Prora.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/01/Ruegen-Prora.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(konradkerker/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Mit Viktor Erdmann interviewte er <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">sogar einen Veteranen der kommunistischen Bewegung der DDR</a>, der die Entwicklung der SED von Anfang an miterlebt hatte.</p>



<p>Peuckert schlich sich dagegen als Masseur bei Robotron in Dresden ein. Dort werden unter dem Generaldirektor Hartmut Mehdorn, 1997 in die DDR gewechselt, angeblich die besten Computer des Landes gebaut.</p>



<p>Beide verfolgen auf der Dresdner Buchmesse und bei der Verleihung des Walter-Benjamin-Preises die Entwicklung der Literatur in der DDR. Zum Beispiel bekommt Kati Witt den Unterhaltungspreis für ihre Sendung <em>&#8222;Straße der Besten&#8220;</em>, eine Abwandlung des westlichen <em>&#8222;Dschungelcamps&#8220;</em>.</p>



<p>Martenstein gelang es sogar, den neuen Wirtschaftsminister Karl Theodor Guttenberg zu interviewen. Dieser ist nach dem Skandal über seine Doktorarbeit in die DDR &#8222;übergelaufen&#8220; und soll die durch sinkende Erdölumsätze unter Druck geratene DDR-Wirtschaft modernisieren.</p>



<p>In Bayern besuchte Peuckert einen sterbenden Kunsthändler, der in den 1980er Jahren im Ministerium für Außenhandel unter Alexander Schalck-Golodkowski begann, wertvolle Kunstwerke für die DDR zu erwerben. Zuletzt war er für den größten Skandal der jüngeren DDR-Geschichte verantwortlich.</p>



<p>In Friedenfelde, Uckermark, suchte Peuckert danach den verbannten Regisseur Frank Castorf auf, der auf einem verlassenen Gut auf dem immer menschenleereren Land eine neue Faust-Inszenierung probt.</p>



<p>Währenddessen konnte Martenstein in einem öffentlichen Interview 99 höchst unterschiedliche Fragen an den Kultusminister Gregor Gysi stellen. Damit schadet er aber seiner journalistischen Karriere enorm.</p>



<p>Als Boilerbrater im Ferienheim &#8222;Roter Oktober&#8220; mit seinem Tropenstrand unter dem Glasdach machte er anschließend die Erfahrung, wie schlecht die DDR und die dortige Bevölkerung mit den Gastarbeitern, vor allem aus Westdeutschland, umgehen.</p>



<p>Am Ende berichtete Peuckert von den dekadenten Feierlichkeiten zu 25 Jahren Erdölförderung in der DDR im Palast der Republik. Und danach beim Ball des Ports über den von der Öffentlichkeit komplett abgeschotteten Fußballer Rico Fitzke. Dieer markierte beim 7:1 Sieg der DDR gegen die BRD im Finale der Weltmeisterschaft 2014 auf besonders arrogante Art das letzte Tor.</p>



<p>Am Ende von <em>&#8222;Schwarzes Gold aus Warnemünde&#8220;</em> stand ein Brief von Peuckert an Martenstein, in dem er reinen Tisch über das gegenseitige Verhältnis machen wollte.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="alternative-history">Die fiktive Erdöl-Alternative-History</h3>



<p><em>&#8222;Schwarzes Gold aus Warnemünde&#8220;</em> (siehe Bild unten) startet mit dem transparenten Ankerpunkt, dass in den 1980er Jahren enorme Erdöl-Vorkommen vor der Küste der DDR gefunden werden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="976" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/01/Cover-Schwarzes-Gold-aus-Warnemuende.jpg?resize=600%2C976&#038;ssl=1" alt="Cover des Romans &quot;Schwarzes Gold aus Warnemünde&quot;" class="wp-image-5771" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/01/Cover-Schwarzes-Gold-aus-Warnemuende.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/01/Cover-Schwarzes-Gold-aus-Warnemuende.jpg?resize=184%2C300&amp;ssl=1 184w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Dadurch bricht die DDR 1989 nicht zusammen, sondern entwickelt sich zu einem wohlhabenden und stabilen Erdöl-Staat.</p>



<p>Dieser Fund dient allerdings nur als literarischer <em>&#8222;Deus ex machina&#8220;</em>, der ohne Bezug zur Realität das Erschaffen der Alternativwelt ermöglicht.</p>



<p>Die so entstandene DDR ist im Jahr 2015 eine Mischung aus der DDR vor 1989, den Erdölstaaten Saudi-Arabien und Katar sowie dem Überwachungsstaat China.</p>



<p>Als Beispiele dienen die weitgehend rechtlosen Gastarbeiter aus Westdeutschland und Österreich sowie die Einteilung der weitgehend passiven Bevölkerung in Gesinnungskategorien.</p>



<p>Einen Hinweis in Richtung Katar geben Martenstein und Peuckert in der Figur des Scheich Abdul, der als Repräsentant für den arabischen Staat in der DDR fungiert.</p>



<p>Ansonsten bleibt <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">die Alternativwelt</a> von <em>&#8222;Schwarzes Gold aus Warnemünde&#8220;</em> bis auf wenige Andeutungen im Dunkeln: <a href="https://ankerpunkte-blog.de/dritter-weltkrieg/im-sturm-tom-clancy/">Der Kalte Krieg</a> findet nach wie vor statt und die Bundesrepublik ist nach außen hin Teil des Westens.</p>



<p>Das Verhältnis zwischen <em>&#8222;Ossis&#8220;</em> und <em>&#8222;Wessis&#8220;</em> hat sich aber umgekehrt. Während die Westdeutschen als arme Bittsteller auftreten, gelten die Ostdeutschen als reich und arrogant.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="alternativwelt">Der gelungene Alternativwelt-Roman</h3>



<p>In diesen Andeutungen und in den einzelnen Reportagen zeigt sich die große Stärke des Romans.</p>



<p>Martenstein und Peuckert vermischen hier reale Personen mit fiktiven Lebensläufen und Charakteren. Dabei machen sie auch nicht vor sich selbst halt.</p>



<p>Dies nutzen beide Künstler auch für satirische Spitzen: So ist Sahra Wagenknecht aus dem Politbüro verbannt worden und betreibt ein Yoga-Studio. Und Gerhard Schröder ist Sprecher des Zentronik-Kombinats.</p>



<p>Beide triezen auch Bayern gerne, zum Beispiel, indem sie auf den bayerischen Dialekt der Gastarbeiter hinweisen.</p>



<p>Auch die Mischung der Kapitel von <em>&#8222;Schwarzes Gold aus Warnemünde&#8220;</em> aus einzelnen Reportagen sowie persönlichen Kommentaren von Martenstein über die DDR und Peuckert gelingt aus meiner Sicht sehr gut.</p>



<p>Denn Martenstein schreibt sehr persönlich, auch über sein Misstrauen gegenüber Peuckert. Bei ihm ist er sich nie ganz sicher ist, ob dieser nicht doch <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/plan-d-simon-urban/">mit den Sicherheitsorganen der DDR</a> wie der Stasi (siehe Bild unten) zusammenarbeitet.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/Stasi.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto der Mütze eines Stasi-Offiziers" class="wp-image-2201" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/Stasi.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/Stasi.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Steve Scott/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Denn da die DDR stabil ist, können es sich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/das-moskau-spiel-christian-von-ditfurth/">die DDR-Sicherheitsorgane</a> leisten, bei den wenigen Oppositionellen nicht sofort zuzuschlagen. Dadurch ist unklar, ob die Aktionen von Martenstein und Peuckert unter Beobachtung stehen oder nicht.</p>



<p>Am Ende stellt <em>&#8222;Schwarzes Gold aus Warnemünde&#8220;</em> auch die Frage, was Wahrheit bedeutet. Diese ist für Reportage-Journalisten zentral, aber in der reichen und diktatorischen DDR fast unmöglich herauszufinden.</p>



<p>Auch zeigt das Verhältnis der beiden die Komplexität des Verhältnisses zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen. Trotz langer Zusammenarbeit verstehen sich die beiden nie vollständig und haben Schwierigkeiten, sich als Freunde zu bezeichnen.</p>



<p>Diese komplexe Beziehung dient als roter Faden für die abwechslungsreichen Reportagen. </p>



<p>Dadurch war <em>&#8222;Schwarzes Gold aus Warnemünde&#8220;</em> für mich sehr angenehm und schnell – zwischen 22 und 2 Uhr nachts – zu lesen.</p>



<p>Daher empfehle ich den Roman trotz seines unrealistischen Ankerpunktes gerne zum Lesen weiter.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Harald Martenstein, Tom Peuckert: Schwarzes Gold aus Warnemünde. Berlin 2016.</li>



<li>GEO Epoche: 1989. Europas Schicksalsjahr und seine Folgen. Februar 2019.</li>



<li>GEO Epoche: Die DDR. Alltag im Arbeiter-und-Bauern-Staat 1949–1990. Dezember 2013.</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article201592538/Friedliche-Revolution-Was-war-am-Morgen-des-10-Oktobers-anders.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Bis heute wissen wir nicht, warum es gewaltfrei blieb“</a>. Friedliche Revolution, auf: welt.de (30.08. 2021).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article217034324/Wiedervereinigung-Wurden-die-Ostdeutschen-nicht-gefragt.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wurden die Ostdeutschen wirklich nicht gefragt?</a> Wiedervereinigung 1990, auf: welt.de (02.10. 2020).</li>



<li>Antonia Kleikamp: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article232161697/Franz-Josef-Strauss-Der-Kommunistenfresser-und-ein-Milliardenkredit-an-die-DDR.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Kommunistenfresser besorgte der DDR den Milliarden-Kredit.</a> Franz Josef Strauss, auf: welt.de (14.11. 2022).</li>



<li>Torsten Krauel: <a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/article142897477/Schalck-Der-gewissenlos-begabte-Stasi-Mafioso.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schalck – Der gewissenlos begabte Stasi-Mafioso</a>. DDR-Devisenbeschaffer, auf: welt.de (22.06. 2015).</li>



<li>Antonia Kleikamp: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article234925102/Guenter-Schabowski-Sein-Versprecher-machte-den-Mauerfall-moeglich.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sein Versprecher machte den Fall der Mauer möglich.</a> Günter Schabowski, auf: welt.de (09.11. 2021).</li>



<li>Christina Sticht: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article133212183/Mauerfall-Zonen-Gaby-ihre-komische-Sucht-nach-Bananen.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Zonen-Gaby“ und ihre komische Sucht nach Bananen.</a> Mauerfall, auf: welt.de (28.12. 2020).</li>



<li>Siegfried Wittenburg: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/revolution-in-rostock-zeitzeugenbericht-ueber-das-ende-der-ddr-a-999453.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;Unser Leben war ausgefüllt, erfüllte sich aber nicht&#8220;.</a> Das Ende der DDR, auf: spiegel.de (30.10. 2014).</li>



<li>ZEIT Geschichte: 1989. Die geglückte Revolution. Mai 2009.</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/">1989: Schwarzes Gold aus Warnemünde von Harald Martenstein und Tom Peuckert</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">5722</post-id>	</item>
	</channel>
</rss>
