Die Geschichte von Persien und des heutigen Irans ist in Europa fast unbekannt, aber reich an Wendungen für alternative Geschichte. Denn im Laufe von über 2.000 Jahren gab es dort viele Reiche, die aber durch eine gemeinsame Vergangenheit stark verbunden waren.

Karte des heutigen Iran mit den wichtigsten Städten
Karte des heutigen Iran. Dieser stellt allerdings nur einen Bruchteil der alten persischen Reiche dar.
(pavalena/Shutterstock)

So stellt der heutige Iran zwar eine Großmacht am Persischen Golf dar, umfasst aber nur einen Bruchteil seiner persischen Vorgänger. Diese dominierten mit ihren Reichen nicht nur die Region, sondern hatten erheblichen Einfluss auf die Weltgeschichte.

Diese große Vergangenheit ist heute auch noch tief im historischen Bewusstsein der Bevölkerung im Iran verankert.

Ankerpunkte

  1. 542 vor Christus: Der riskante Feldzug gegen Krösus
  2. 490 vor Christus: Die unterschiedlichen „Perserkriege“
  3. 334 vor Christus: Die ehrgeizige Invasion Alexanders des Großen
  4. 323 vor Christus: Der persische Alexander der Große
  5. 97: Der verhinderte Chinese
  6. 224: Der Sieg der ambitionierten Sassaniden
  7. 260: Die nicht genutzte Schlacht von Edessa
  8. 628: Der folgenreiche Tod von Chosrau II.
  9. 1218: Der provozierte Mongolensturm
  10. 1501: Die kleinere Shia als große Staatsreligion
  11. 1629: Der ruinöse Tod von Abbas I.
  12. 1747: Der ambivalente Tod von Nadir Shah
  13. 1953: Der fast gescheiterte Sturz des Premierministers Mossadegh
  14. 1979: Die vielfältige Islamische Revolution
  15. 1979: Die riskante Besetzung der US-Botschaft
  16. 1980: Der wechselhafte irakisch-iranische Krieg

1. 542 vor Christus: Der riskante Feldzug gegen Krösus

Der Begründer des ersten persischen Reiches, Kyros der Große, dehnte sein Territorium im heutigen Südiran zuerst relativ problemlos auf Kosten seiner Nachbarreiche bis in Richtung der heutigen Türkei aus.

Dann kam es zum Konflikt mit dem reichen König der Lyder Krösus, der die westliche Türkei mitsamt den griechischen Handelsstädten an der Küste beherrschte. Zudem verbündete sich Krösus mit den mächtigen Reichen von Babylonien, Ägypten und Sparta.

Nach ersten unentschiedenen Kämpfen entließ Krösus seine Truppen in die Winterlager, um im nächsten Jahr mit seinen Verbündeten in die Offensive zu gehen.

Kyros nutzte diese Chance für einen riskanten Feldzug gegen die Hauptstadt des Gegners im Winter: mit Erfolg. Die Lyder und die griechischen Städte an der Küste müssen sich unterwerfen.

Karte des persischen Achämenidenreichs
Das Achämenidenreich galt als erstes Weltreich der Geschichte. Denn es umfasste dauerhaft unterschiedliche Völker.
(Wikimedia-Autor: Fabienkhan)

Durch die Niederlage des reichen Lydiens stieg Persien endgültig zur Großmacht auf – und am Ende unter der Dynastie der Achämeniden zum ersten Imperium der Weltgeschichte.

539 vor Christus erobert Kyros noch Babylonien, seine Nachfolger die Levante und Ägypten. Damit erstreckt sich ein Weltreich erstmals über Asien, Europa und Afrika.

Dieses Reich blieb für die persischen Nachfolgestaaten sowohl historisches Vorbild als auch Referenzpunkt für die gesamte Geschichte des heutigen Iran.

Was wäre gewesen, wenn Kyros den Krieg gegen die Lyder verloren hätte?

2. 490 vor Christus: Die unterschiedlichen „Perserkriege“

Dieser Konflikt ist vor allem für die Schlachten bei Marathon (490 vor Christus), an den Thermopylen und bei Salamis (480 vor Christus) bekannt.

Propagandistisch wurde er von den griechischen Stadtstaaten als Verteidigung des demokratischen und freiheitlichen Abendlandes gegen die persische Despotie aufgeladen. Teilweise galten die Kämpfe als Gründungsmythos der europäischen Zivilisation.

Jedoch waren weder die griechischen Städte im heutigen Sinne demokratisch, noch stellen die persischen Herrscher unfähige Tyrannen dar.

Relief mit den Silhouetten persischer Soldaten
Mit Soldaten, wie auf diesem Relief gezeigt, unterwerfen die Perser zwar ein Weltreich, aber nicht alle griechischen Städte.
(Zoran Karapancev/Shutterstock)

Begonnen als Strafaktionen für die Unterstützung eines Aufstandes griechischer Städte in der heutigen Türkei, stellten die Konflikte für das Perserreich eine Möglichkeit dar, sein Herrschaftsgebiet bis zur vollständigen Ägäis und Adria auszudehnen.

Als die Griechen die persischen Angriffe endgültig abwehren konnten, beeinträchtigte dies nicht die Stabilität des Achämenidenreiches. Aber propagandistisch bildete es den Auftakt für unser heutiges Bild des antiken Griechenlands und Persiens.

Was wäre gewesen, wenn die Perser die nach ihnen benannten Kriege gewonnen hätten?

3. 334 vor Christus: Die ehrgeizige Invasion Alexanders des Großen

Ein 21-jähriger König mit einem Heer von gerade 40.000 Mann gegen ein durchorganisiertes Weltreich, dass mit Dareios III. von einem durchaus – anders als in der alten Geschichtsschreibung dargestellten – fähigen Herrscher regiert wurde.

Dennoch gelang es dem makedonisch-griechischen Heer, den Großkönig bei Issos (333 vor Christus) und bei Gaugamela zwei Jahre später vernichtend zu schlagen.

Vor allem eine Niederlage der Perser bei Gaugamela galt als unwahrscheinlich. Waren doch die kampfstarken Truppen aus allen Reichsteilen den makedonischen Angreifern zahlenmäßig weiter überlegen. Zudem hatte Dareios III. das Schlachtfeld entsprechend ausgewählt und präpariert, um diese Überlegenheit voll ausspielen zu können.

Doch stattdessen ging der Plan von Alexander dem Großen auf: Er setzte auf den besseren Drill seiner erfahrenen Truppen. Diese waren durch die zahlreichen vergangenen Schlachten aufeinander eingespielt und siegesgewiss. Zuletzt verfügte er über erfahrene Kommandeure, die selbstständig agieren konnten.

Dies erlaubte im Chaos der Schlacht von Gaugamela eine sehr flexible Abwehrstrategie. Bis eine Lücke in der persischen Formation den Weg zu Dareios III. freigab.

Relief mit der Silhouette von Alexander dem Großen
Die klassische Darstellung von Alexander dem Großen: Im Angriff auf dem Schlachtfeld gegen die Perser.
(giannimarchetti/Shutterstock)

Nun gab die Risikobereitschaft des jungen Alexander den Ausschlag. An der Spitze seiner persönlichen Reitergarde konnte er den gegnerischen Oberbefehlshaber wie bei Issos mit einer Attacke in die Flucht schlagen.

Damit löste sich die Schlacht endgültig in zahlreiche Einzelgefechte auf, in denen die unkoordiniert vorgehenden Perser aufgerieben wurden.

Nach dieser Schlacht bracht die Herrschaft der Achämeniden endgültig zusammen und das erste persische Großreich ging unter.

Was wäre gewesen, wenn Dareios III. die Schlachten von Issos oder Gaugamela gewonnen hätte?

4. 323 vor Christus: Der persische Alexander der Große

Alexander selbst nahm nach dem Erfolg seiner Eroberung sehr schnell persische Riten an. Nicht nur übernahm er persische Beamte in seine Dienste und stellte seine Herrschaft immer mehr in die Tradition der von ihm besiegten Großkönige.

Er verheiratete in der Massenhochzeit von Susa sogar 10.000 seiner makedonischen Soldaten mit persischen Frauen. Als er 323 vor Christus aber starb, endet diese Entwicklung vorerst.

Zwar übernahmen die ihm nachfolgenden Dynastie der Seleukiden diese Strategie, herrschten aber nach jahrelangen Bürgerkriegen, den Diadochenkriegen, nur noch über den Kernbereich des ehemaligen Weltreichs.

Was wäre gewesen, wenn Alexander der Große seine persische Entwicklung weiter vollzogen hätte?

5. 97: Der verhinderte Chinese

Der kaiserliche Beamte Gan Yin hatte im Jahr 97 den Auftrag, direkten Kontakt mit dem Römischen Reich aufzunehmen. Er reiste dafür weiter in den Westen als jeder Chinese vor ihm und erreicht nach Chroniken die „westliche See“, was Historiker teilweise auf den Persischen Golf beziehen.

Nur wenige Wochen Reisezeit von der römischen Grenze entfernt, brach er die Reise aber ab. Durch Gerüchte über eine viel längere Reisezeit gelang es den Einheimischen den direkten Kontakt zwischen Rom und China zu verhindern.

Das Partherreich, dass einen Großteil der entstehenden Seidenstraße beherrschte und als Zwischenhändler vom chinesisch-römischen Handel enorm profitierte, verhinderte so seine Weiterreise.

So blieb ihr Handelsmonopol bis zum Ende ihres Reiches erhalten.

Was hätte es für Folgen für das Partherreich gehabt, wenn China direkten Kontakt mit Rom aufgenommen hätte?

6. 224: Der Sieg der ambitionierten Sassaniden

Die Parther schlugen zwar immer wieder römische Angriffe zurück und galten dort als respektabler Gegner. Der letzte König ihrer Arsakiden-Dynastie konnte jedoch während eines solchen Abwehrerfolges die Usurpation eines seiner Vasallenfürsten nicht eindämmen.

Nachdem er in der Entscheidungsschlacht unterlag und getötet wurde, bestieg mit Ardaschir nicht nur ein neuer König mit seiner Dynastie den Thron.

Anders als die Parther strebten die neuen Herrscher aus dem Clan der Sassaniden nach einer Renaissance der persischen Traditionen. Dazu gehörte auch der Anspruch als „Könige der Könige“ den Herrschaftsanspruch von Rom offensiv in Frage zu stellen.

Daher läutete der Dynastiewechsel eine Serie von fast ununterbrochenen Kriegen ein, die bis zum Untergang des Sassanidenreiches währten.

Wie hätten sich die römisch-persischen Beziehungen entwickelt, wenn die Parther an der Macht geblieben wären?

7. 260: Die nicht genutzte Schlacht von Edessa

In einer Ebene im nördlichen Mesopotamien stießen die beiden Großmächte jener Zeit aufeinander, um die Entscheidung über die Oberherrschaft in der Region zu suchen:

Das Römische Imperium unter Kaiser Valerian strebte nach jahrelangen Krisen danach, seine an das östliche Mittelmeer grenzenden Provinzen zu stabilisieren. Besonders das reiche Syrien mit seiner Hauptstadt Antiochia galt als eines der entscheidenden Pfeiler römischer Herrschaft.

Das Reich der Sassaniden, Nachfolger der Parther, forderte diese Vormachtstellung unter seinem König Schapur offen heraus.

Vor der Grenzstadt Edessa stießen daher die Legionäre Roms auf das im Kern aus Panzerreitern sowie Bogenschützen zu Fuß und zu Pferde bestehende persische Heer.

Foto eines Steinreliefs mit dem vor Shapur knieenden Valerian
Triumphrelief Schapurs, das seine Siege über die Römer feiert.
(Wen Chi OLCEL/Shutterstock)

Die Schlacht endete in einem glanzvollen Sieg der Perser: Sie vernichteten das zahlenmäßig überlegene römische Heer und nahmen erstmals einen römischen Kaiser gefangen.

Propagandistisch war die Schlacht ein enormer Erfolg für den Sassanidenherrscher. In den Quellen wurde sogar berichtet, er hätte seinen gefangengenommenen Gegner als Fußabtreter zum Besteigen des Pferdes benutzt.

Allerdings konnte Schapur diesen großen Sieg nicht nutzen, um die römischen Provinzen endgültig zu erobern.

Konflikte an der Ostgrenze seines Reiches und anhaltender Widerstand der restlichen römischen Verteidiger um den Fürsten der reichen Handelsstadt Palmyra verhindern ein Wiederaufleben des Achämenidenreichs.

Was wäre gewesen, wenn Schapur den Sieg in der Schlacht zur Eroberung der römischen Provinzen hätte nutzen können?

8. 628: Der folgenreiche Tod von Chosrau II.

Diesem Ziel war mit Chosrau II. kein Herrscher der Sassaniden näher. Nicht nur sein in den Quellen märchenhafter Reichtum, sondern auch die Größe seiner Armee bringen die Perser nahe an einen entscheidenden Sieg.

Nicht nur gelang es ihnen, kurzweilig sogar Jerusalem und Ägypten zu erobern. Auch die byzantinische Hauptstadt Konstantinopel wurde erstmalig von ihnen belagert.

Erst das Scheitern dieser Belagerung und ein byzantinischer Überraschungsangriff auf die Hauptstadt der Sassaniden beim heutigen Bagdad beenden diese Expansion.

Am Ende stand ein Frieden auf dem Status der Grenzen vor dem Krieg.

Doch der jahrelange Konflikt mit den Byzantinern hatte an den Ressourcen der Großmacht gezehrt ohne neue Eroberungen zu bringen.

Als Chosrau II. schließlich starb, versank das Reich in einem jahrelangen Bürgerkrieg. Erst unter seinem Enkel Yazdegerd III., dem letzten Angehörigen der Dynastie, kehrte wieder Frieden ein.

Doch zu spät: Ab 634 begann die Invasion der Muslime gegen die alte Vormacht der Region.

Obwohl die Perser den Invasoren in der ersten Schlacht eine vernichtende Niederlage beibrachten, war das Reich noch immer nicht stark genug, der Ausbreitung des Islams dauerhaft zu trotzen.

Nach mehreren Niederlagen und mit dem Tod Yazdegerds III. 651 endete das Sassanidenreich und die islamisch-persische Zeit begann.

Wie hätte sich das Sassanidenreich gegen die islamische Offensive gehalten, wenn der Krieg gegen die Byzantiner erfolgreicher gewesen wäre?

9. 1218: Der provozierte Mongolensturm

1218 hatte sich um die Dynastie der Anuschteginiden, die ursprünglich aus der Region südlich des Aralsees stammte, wieder ein persisches Großreich gebildet.

Deren Anführer Ala ad-Din Muhammad II. ernannte sich wieder zum Shah und expandierte vom Persischen Golf bis in das heutige Afghanistan, vom Indus bis nach Zentralasien.

1218 war er Herrscher über das bedeutendste islamische Reich des Jahrhunderts. Auch die persische Kultur blühte unter seiner Herrschaft in Zentren wie Samarkand und Buchara auf.

Im selben Jahr eskalierte allerdings der Konflikt mit der Supermacht dieser Zeit: den Mongolen, die damals schon weite Teile Asiens beherrschten.

Als Ala ad-Din Muhammad II. schließlich eine mongolische Gesandtschaft je nach Quelle töten oder erniedrigen ließ, griffen die Mongolen unter ihrem Anführer Dschingis Khan an.

Foto eines Mausoleums aus Gurgandsch
Mausoleum in Gurgandsch (heute Köneürgenç), das als eines der wenigen Gebäude die Eroberung durch die Mongolen 1221 überstand. (AlexelA/Shutterstock)

Sie zerstörten 1221 die Hauptstadt des Choresm-Reichs, Gurgandsch, und verwüsteten die Kerngebiete so gründlich, dass sich die Landwirtschaft über Jahrhunderte nicht davon erholte.

Doch obwohl Ala ad-Din Muhammad II. angesichts der mongolischen Grausamkeiten schnell floh und 1221 starb, dauerte es bis 1231, bis sein Sohn als letzter Choresm-Shah starb und der Widerstand endgültig erlosch.

Was wäre gewesen, wenn der Konflikt zwischen dem Choresm-Shah und den Mongolen 1218 nicht eskaliert wäre?

10. 1501: Die kleinere Shia als große Staatsreligion

Unter Shah Ismail I. eroberte eine schiitische Sekte, die Safawiden, das persische Reich. Sie förderten ihren Glauben und drängten die bisher dominierenden Sunniten in den Hintergrund.

Als sie die Shia zur Staatsreligion erklärten, wobei sie zuerst tolerant gegenüber anderen Religionsgemeinschaften waren, legten sie damit das erste Fundament für den heutigen Iran als Vormacht des schiitischen Islam.

Denn sie schufen mit der Staatsreligion erstmals ein gemeinsames Fundament für die unterschiedlichen Völker des Reiches. Gleichzeitig grenzten sie sich somit klar gegen das sunnitisch geprägte Osmanische Reich ab, das als Nachbar die Vormachtstellung im Islam und über die Gebiete des heutigen Irak beanspruchte.

Was wäre gewesen, wenn die Shia nicht Staatsreligion des persischen Reiches geworden wäre?

11. 1629: Der ruinöse Tod von Abbas I.

Unter ihm erreichte die Herrschaft der Safawiden ihren Höhepunkt. Er ließ seine neue Hauptstadt Isfahan zu einer Weltmetropole ausbauen, die bald 600.000 Einwohner zählte und eine der prächtigsten Städte der Welt darstellte.

Foto des Esfahan oder Imam-Platzes in Isfahan
(Milonk/Shutterstock)

Neben erfolgreichen Kriegen führte er eine zentrale Verwaltung und eine davon gelenkte Wirtschaft ein, deren Boom zu einem allgemeinen Wohlstand führte.

Jedoch erwies er sich als stark paranoid gegenüber der eigenen Familie: Seinen ältesten Sohn tötete er, zwei weitere Prinzen ließ er blenden. Die restlichen Söhne führten ein isoliertes Leben fern der Öffentlichkeit.

Dies rächte sich nach dem Tod des Herrschers: Seinen überlebenden Nachkommen fehlten die Erfahrungen, um Aufständen, Wirtschaftskrisen und Invasionen dauerhaft gewachsen zu sein.

Damit fällt Persien genau in jener Zeit entwicklungstechnisch zurück, in der die europäischen Staaten in Zeichen der Moderne beginnen, die Welt aufzuteilen.

Wie hätte sich das Safawidenreich entwickelt, wenn Abbas einen erfahrenen Nachfolger hinterlassen hätte? 

12. 1747: Der ambivalente Tod von Nadir Shah

Eine kurze Pause in diese Phase des Niedergangs war die Herrschaft des Generals Nadir, der sich 1736 zum Shah erheben ließ.

Gestützt auf eine gut ausgebildete Armee gelang es dem fähigen Strategen nicht nur die Kernlande des Safawidenreiches zurückzuerobern.

Auf erfolgreichen Feldzügen bis in das heutige Indien konnte er Persien kurzzeitig als regionale Vormacht wieder etablieren. Symbol dafür war der in Delhi geraubte „Pfauenthron“, der zum Zeichen persischer Herrschaft wurde.

Nadir selbst gelang es aber nicht, eine neue Herrscher-Dynastie zu begründen. 1747 ermordeten ihn seine eigenen Wachen und seine Nachkommen konnten sich nur in einer Provinz für wenige Jahrzehnte halten.

Damit versanken große Teile des Landes wieder in Anarchie. So ging das heutige Afghanistan im selben Jahr endgültig verloren.

Erst 1796 gelang es dem turkmenischen Stamm der Kadscharen wieder eine dauerhafte Dynastie in Persien zu etablieren. Den Niedergang hielten deren als korrupt geltende Herrscher jedoch nicht auf.

Wie hätte sich Persien entwickelt, wenn Nadir Shah eine eigene Dynastie begründet hätte?

13. 1953: Der fast gescheiterte Sturz des Premierministers Mossadegh

Anfang der 1950er Jahre bestand im Iran ein relativ liberales politisches System.

Seit 1906 besaß das Land eine Verfassung und seit 1925 fanden unter dem neuen Shah Reza Pahlevi Reformen nach westlichem Muster statt.

1941 hatten die Alliierten im Zweiten Weltkrieg den immer autoritärer regierenden Shah zugunsten seines Sohnes Mohammed Reza gestürzt. Seitdem hielt sich letzterer politisch zurück.

Die politische Lage verschärfte sich jedoch 1951 mit dem Sieg der „Nationalen Front“ bei den Parlamentswahlen und deren neuen Premierminister Mohammed Mossadegh.

Sein Bündnis aus Liberalen, Sozialisten, Nationalisten und religiösen Gruppen wollte die ungerecht verteilten Einnahmen aus der Ölförderung mit der britisch dominierten „Anglo-Iranian Oil Company“ ändern. Den entsprechenden Vertrag hatten die Briten 1901 vor den ersten Ölfunden geschlossen.

Historisches Foto von Doldaten der britischen Armee in Abadan
Die Wichtigkeit des iranischen Öls zeigte sich bereits im Zweiten Weltkrieg als die Briten die damals größte Raffinerie der Welt in Abadan besetzten.
(Everett Collection/Shutterstock)

Als die Iraner nach gescheiterten Vermittlungsversuchen die Ölgesellschaft verstaatlichten, scheiterten zuerst eine britische Blockade und eine diplomatische Offensive bei den Vereinten Nationen.

Erst als in den USA und Großbritannien konservative Regierung gewählt wurden, verschärfte sich die Lage.

Trotz enormem Aufwand mit Bestechungssummen für Militärs, Parlamentsmitglieder und Schlägertrupps auf den Straßen von Teheran gelang die Operation aber erst nach mehreren Anläufen. Dann konnte der Shah mit diktatorischen Vollmachten die Politik bestimmen.

Was wie eine gestiegene Machtfülle aussah, unterhöhlte allerdings nachhaltig seine Machtbasis. Die zunehmenden Repressionen gegen Oppositionelle stärken nicht nur linke Gruppierungen wie die kommunistische Tudeh-Partei.

Auch der schiitische Klerus, der sich seit 1941 unpolitisch verhalten hatte, wechselte unter jungen Geistlichen wie Ajatollah Chomeini ins Lager der Gegner der Shah-Herrschaft.

Vor allem letztere setzten sich zunehmend an die Spitze des Widerstands und propagierte einen Gottesstaat als Alternative zum bisherigen Regime. Dabei profitierten sie davon, dass der Putsch das Vertrauen der Iraner in die Demokratie westlicher Prägung nachhaltig erschüttert hatte.

14. 1979: Die vielfältige Islamische Revolution

In den 1960er Jahren regierte scheinbar unangefochten Shah Mohammad Reza Pahlevi. In einem ehrgeizigen Reformprogramm versuchte er das in großen Teilen arme und rückständige Land zu modernisieren.

Porträt von Schah Reza Pahlavi
Wollte sein Land mit einer „Revolution von oben“ reformieren, scheiterte aber an der eigenen Diktatur: Shah Mohammad Reza Pahlevi.
(Prachaya Roekdeethaweesab/Shutterstock)

Dazu gehörten Kampagnen zur Alphabetisierung über die Stärkung der Frauenrechte bis zur Umverteilung von Land an Kleinbauern.

Doch diese Revolution von oben basierte vor allem auf einem gefürchteten Polizeistaat. Neben der Unterdrückung der Meinungsfreiheit machten vor allem die eigene Prunksucht diese Modernisierung gegen alle Widerstände, vor allem der schiitischen Geistlichkeit zu einem Bumerang für den Herrscher.

1979 war die vereinte Opposition unter Führung des populären Ajatollah Chomeini stark genug, den letzten Shah aus dem Land zu vertreiben. Vor allem dessen riskanter Flug am 1. Februar nach Teheran, wo Teile der Shah-treuen Truppen mit einem Abschuss drohten, blieb eine Ikone der nun folgenden Revolution.

15. 1979: Die riskante Besetzung der US-Botschaft

Doch die vereinte Front der Shah-Gegner aus schiitischen Geistlichen, Bürgerlichen und linken Parteien zerbrach schnell nach ihrem Sieg.

Stattdessen gelang es vor allem dem schiitischen Klerus unter der Führung des unterschätzen Ajatollah Chomeini immer mehr Schaltstellen zu besetzen. Bereits während des Sturzes des Shas waren sie am besten organisiert und hatten durch ihre sozialen Einrichtungen Rückhalt bei einem Großteil der verarmten Bevölkerung.

Porträt von Ajatollah Chomeini
War nach der Revolution der neue starke Mann des Iran: Ajatollah Chomeini.
(Prachaya Roekdeethaweesab/Shutterstock)

Am Ende stand die Errichtung einer schiitischen Diktatur, deren Verfassung eine einzigartige Mischung aus demokratischen Strukturen und Glaubensstaat darstellte.

Neben dem schiitischen Glaubensbekenntnis wurde nun auch eine neue Außenpolitik eine Grundkonstante des Regimes: War der Shah noch der engste Verbündete der USA in der Region des Nahen Ostens gewesen, fuhren die neuen Herrscher nun eine strikt anti-amerikanische Linie.

Höhepunkt war die Besetzung der US-Botschaft in der iranischen Hauptstadt Teheran am 4. November 1979. Protestierende Studierende nahmen dabei das Botschaftspersonal als Geiseln.

Die 444tägige Krise war für die neu entstandene Diktatur ein wertvoller Stabilisator, auch wenn die schiitischen Mullahs keinem großen Plan dabei folgten.

Stattdessen profitierten sie von der Überraschtheit und Planlosigkeit der US-Regierung, die zuerst militärische Reaktionen ausschließt und danach mit einem Kommandounternehmen schmählich scheitert.

Erst als sich die politische Großwetterlage 1980 änderte, gelang es auf diplomatischer Ebene, die Geiseln zu befreien. Seitdem unterhalten die USA und der Iran aber keine diplomatischen Beziehungen mehr.

Was wäre gewesen, wenn die Besetzung der Botschaft tatsächlich zu einem Krieg zwischen den USA und dem Iran geführt hätte? 

16. 1980: Der wechselhafte irakisch-iranische Krieg

Einer der Gründe, weshalb die iranische Führung in der Frage der US-amerikanischen Geiseln verhandlungsbereit war, war der Beginn des Grenzkriegs mit dem Irak.

Offizielle Gründe für diesen auch als „Ersten Golfkrieg“ bekannten Konflikt waren Streitigkeiten um den Grenzfluss Schatt-al-Arab am Persischen Golf.

Foto aus dem Irak in den Iran am Grenzfluss Schatt al-Arab
Blick aus dem Irak in den Iran an der ehemaligen Front am Schatt al-Arab
(Angela N Perryman/Shutterstock)

Inoffiziell erhoffte sich der irakische Machthaber Saddam Hussein nicht nur eine Grenzverschiebung, sondern auch eine Eroberung der ölreichen Provinz Chusestan im Südwesten des Irans.

Zu Beginn plante die irakische Armee eine Art Blitzkrieg. Sie setzte darauf, dass das iranische Militär seit den Säuberungen im Zuge der „islamischen Revolution“ geschwächt war und durch das Embargo der westlichen Staaten auch langfristig keine Reserven an Waffen besitzen konnte.

Dieses Kalkül ging allerdings nur kurzfristig auf. Stattdessen kam es zu einem Stellungs- und Abnutzungskrieg, indem der deutlich bevölkerungsreichere Iran im Vorteil war.

1982 wendete sich sogar das Blatt und die Iraner gingen nach der Rückeroberung der im ersten Kriegsjahr besetzten Gebiete zu Gegenoffensiven über.

Erst der Einsatz von Giftgas und massive westliche Unterstützung bewahrten den Irak vor einer Niederlage.

So kam es bis 1988 zu blutigen Gefechten ohne große Ergebnisse, die vor allem durch den fanatischen Opferwillen von jugendlichen Mitgliedern der schiitischen„Bassidisch-Milizen“ geprägt waren. Diese schickte das iranische Regime als „menschliche Wellen“ ohne militärische Ausbildung in das Feuer der irakischen Soldaten.

Erst als beide Seiten nach acht Jahren Kampf erkennen mussten, dass keine Siegmöglichkeit für den Irak oder den Iran bestand, schlossen sie einen Waffenstillstand. Bis dahin hatte der längste Krieg zwischen zwei Staaten im 20. Jahrhundert über eine halbe Million Tote gefordert.

Was wäre gewesen, wenn der irakische Plan 1980 erfolgreich gewesen wäre? Was wäre gewesen, wenn die iranischen Offensiven 1982 zu einem Durchbruch auf irakischem Gebiet geführt hätten?

Quellen- und Literatur

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