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	<title>Was wäre wenn: Bayerische Geschichte</title>
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	<description>Was wäre wenn... jemand einen Blog über Alternative History schreiben würde?</description>
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	<title>Was wäre wenn: Bayerische Geschichte</title>
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		<title>800: De bello Baiuvaria (Romanprojekt)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Jan 2026 19:19:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayerische Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Fiktive Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Restauratio imperii]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was wäre, wenn das Römische Reich im Jahr 800 noch existieren würde? In der realen Geschichte wollte der oströmische Kaiser Justinian nach der Rückeroberung Italiens und Roms seinen Cousin Germanus vielleicht zum neuen Kaiser des 476 untergegangenen Weströmischen Reichs machen. Doch Germanus starb an einer Krankheit und der Plan wurde nie weiterverfolgt. Doch was wäre [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/800-de-bello-baiuvaria/">800: De bello Baiuvaria (Romanprojekt)</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Was wäre, wenn das Römische Reich im Jahr 800 noch existieren würde? In der realen Geschichte wollte der oströmische Kaiser Justinian nach der Rückeroberung Italiens und Roms seinen Cousin Germanus vielleicht zum neuen Kaiser des 476 untergegangenen Weströmischen Reichs machen. Doch Germanus starb an einer Krankheit und der Plan wurde nie weiterverfolgt. Doch was wäre gewesen, wenn Germanus von der Krankheit genesen wäre?</p>



<span id="more-522"></span>



<p>Im Jahr des Herrn 800 ist das christliche Abendland im Umbruch. Nicht nur steigen die Spannungen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/westroemische-reich-entsteht-neu/">zwischen beiden römischen Reichen</a>. Auch das Frankenreich strebt nach einem Platz <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/geschichte-roemisches-reich/">jenseits des Schattens Roms</a>. Während Kriege am Horizont immer deutlicher werden, rückt ein bisher unbekanntes Volk in das Zentrum der Ereignisse: das der Bajuwaren.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="629" height="435" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Karte-800-De-bello-Baiuvaria-Reiche.jpg?resize=629%2C435&#038;ssl=1" alt="Karte von Europa mit dem Al-Andalus auf der iberischen Halbinsel, dem Frankenreich in Westeuropa, dem Weströmischen Reich in Italien und in Dalmatien, dem Oströmischen Reich in Griechenland und der Türkei und der Baiuvaria im heutigen Bayern. " class="wp-image-7188" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Karte-800-De-bello-Baiuvaria-Reiche.jpg?w=1019&amp;ssl=1 1019w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Karte-800-De-bello-Baiuvaria-Reiche.jpg?resize=300%2C208&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Karte-800-De-bello-Baiuvaria-Reiche.jpg?resize=768%2C531&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Karte-800-De-bello-Baiuvaria-Reiche.jpg?resize=900%2C623&amp;ssl=1 900w" sizes="(max-width: 629px) 100vw, 629px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eigenes Bild, erstellt mithilfe von Copilot</figcaption></figure>
</div>


<p><em>Dieser <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">Beitrag als Alternative History Roman</a> erschien zum ersten Mal am 15. September 2020. Er wird seitdem immer wieder überarbeitet und mit neuen Kapiteln weitergeschrieben.</em></p>



<ol class="wp-block-list">
<li><a href="#gesandte">Der schweigende Gesandte</a></li>



<li><a href="#bootsmann">Der griechische Bootsmann</a></li>



<li><a href="#soldat">Der abwesende Soldat</a></li>



<li><a href="#edle">Die barbarische Edle</a></li>



<li><a href="#ratgeber">Der fremde Ratgeber</a></li>
</ol>



<h2 class="wp-block-heading" id="gesandte">1. Der schweigende Gesandte</h2>



<p>Ich musste weg. So schnell wie möglich. Und gleichzeitig nicht so tun. Nur so, als ob ich den Morgen genießen würde.</p>



<p>Als Gesandter Roms in Konstantinopel gehörte ich zu den bedeutendsten Männern dieser an Männern mit Bedeutung nicht armen Metropole. Normalerweise ein gewisser Schutz. Aber das Jahr des Herrn 800 war kein normales Jahr. Und deshalb ging ich nun wie ein gewöhnlicher Hafenarbeiter durch die Hauptstadt des östlichen Imperiums. Gekleidet in einem schäbigen Umhang. Und in nicht weniger schäbigen anderen Trachten.</p>



<p>Viele mögen mich dafür verachten. Ein Gesandter, der sich wie ein Dieb in der Nacht davonschleicht. Ein Vertreter Roms, der sich feige davon macht, wie ein ertappter Räuber.</p>



<p>Doch das war mir egal. Ich hatte keine andere Wahl.</p>



<p>Kurz fiel mein Blick auf eine Statue des aktuellen Kaisers in Rom. Sie stand in triumphaler Pose an einer Straßenkreuzung. Immerhin stand sie noch. Fielen die kaiserlichen Statuen, bedeutete das Krieg. Aber sie zeigte nur Spuren von mutwilliger Beschädigung. Keine bessere Beschreibung für das Verhältnis zwischen den beiden Imperien. Fand ich.</p>



<p>Ich lief weiter in Richtung des rettenden Hafens. Hatte kaum Augen für die Pracht des östlichen Imperiums, die sich langsam um mich herum begann, aus der Dunkelheit zu schälen.</p>



<p>Ich bemerkte in der weichenden Dämmerung eine weitere Statue vor mir. Kaiser Justinian und Kaiser Germanus. Dargestellt als Triumphatoren über alle Völker der Erde. Ausgerechnet.</p>



<p>Damit hatte der Abstieg des Imperiums begonnen. Und eine Entwicklung, deren heutige Fußnote mein vorzeitiges Ableben sein könnte.</p>



<p>Ich rastete kurz, um mich in der größer werdenden Helligkeit zu orientieren.</p>



<p>Dennoch blieb mein Blick an den beiden steingewordenen Männern heften. Manchmal fragte ich mich. Was wäre gewesen, wenn?</p>



<p>Vor über 300 Jahren war der Westen des Imperiums mitsamt Roms an die Barbaren verloren gewesen. Den letzten Kaiser hatten verräterische Generäle abgesetzt und die Insignien seiner nicht mehr vorhandenen Macht nach Konstantinopel geschickt. Doch dann hatte Kaiser Justinian das östliche Imperium zu neuer Blüte geführt. Gestützt auf seine besten Generäle entriss er den Barbaren Stück für Stück ihre Beute und eroberte sogar Rom zurück. Das Imperium schien wieder eine Zukunft gehabt zu haben.</p>



<p>Was wäre gewesen, wenn er sich danach nicht entschlossen hätte, mit Germanus einen seiner verdienstvollsten Generäle zum neuen Kaiser im Westen des Imperiums zu ernennen? Der zudem noch mit einer ostgotischen Frau verheiratet war und über gute Beziehungen zu den Überresten des weströmischen Senats verfügte.</p>



<p>Ich hatte einmal gelesen, dass Kaiser Germanus kurz vor seinem Aufbruch nach Rom und noch vor seiner Krönung fast einer Krankheit erlegen wäre. Die kaiserlichen Schriften behaupteten, dass seine wundersame Genesung alleine zeigte, dass Gott der Allmächtige hinter den Plänen Justinians stand.</p>



<p>Ich war, auch angesichts meiner aktuellen Lage, durchaus anderer Meinung.</p>



<p>Denn was wäre gewesen, wenn Gott in seiner allumfassenden Weisheit zu einem anderen Entschluss gekommen wäre? Würde es im Jahr des Herrn 800 nur ein Römisches Reich geben? Das geeint viel besser gegen die einfallenden Muslime bestanden hätte? Das im Osten nicht auf seine Provinzen in Griechenland und Kleinasien geschrumpft wäre? Das sich im Westen nicht nur an die territorialen Überreste in Italien und an der Grenze zum Osten klammerte?</p>



<p>Und das vor allem jetzt nicht vor der größten Krise seit den Zeiten von Justinian und Germanus stand. Einer Krise, die sich seit Jahren angedeutet hatte, als das östliche und westliche Rom immer weiter auseinanderdrifteten, als wären es unterschiedliche Staaten und nicht ein einziges Reich unter zwei Kaisern. Eine Krise, die wiederum mein Leben fordern konnte.</p>



<p>Ich huschte an der Statue vorbei. Wie ich hoffte, verstohlen. Ich näherte mich langsam dem vereinbarten Ort. Gleichzeitig erwachte um mich herum die Stadt zum Leben. War das potenziell gut für mich? Oder tödlich?</p>



<p>Als Gesandter war ein gewisses Maß an Feigheit nützlich. Niemanden zu beleidigen. Immer von allen unterschätzt zu werden. Dummerweise war dies in der unübersichtlichen Elite des östlichen Roms fast unmöglich. Oder nur für mich gewesen?</p>



<p>Irene von Athen hatte gezeigt, wie viel sie von Rom hielt. Nun gab es genügend Menschen in Konstantinopel, die vermeintliche Beleidigungen rächen wollten. Oder nur ihren Sadismus ausleben? Dagegen konnte ich nichts mehr tun. Außer mein Leben so schnell wie möglich zu retten. Als einzelner Mensch war ich machtlos im Spiel der Imperien.</p>



<p>Ich blicke mich nochmals subtil um. Sah keine Verfolger. Das konnte gut sein. Oder sehr schlecht? Zumindest erreichte ich den Hafen. Der mir mit seinem Lärm und Gestank etwas Schutz bot. Aber auch eventuellen Verfolgern? Ich musste überleben. Nur dann konnte diese Geschichte gut ausgehen. Oder nur für mich?</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="bootsmann">2. Der griechische Bootsmann</h2>



<p>Du warst Christopheros Technitis und du warst zufrieden mit deinem Leben. Du hattest gerade den frühen Sommermorgen genossen. Um diese Zeit war es selbst im Kontoskalion-Hafen von Konstantinopel noch ruhig. Du hattest keine Schwierigkeit, über den Pier zu schlendern und das langsam erwachende Treiben zwischen den Schiffen zu beobachten. Solange dein Klient nicht auftauchte, konntest du genießen, wie die aufgehende Sonne langsam die Kuppel der Hagia Sophia und die Dächer des Kaiserpalastes zum Leuchten brachte. Immer wieder ein erhabener Anblick.</p>



<p>Hier zu leben, war selbst für Pöbel wie dich gelegentlich ein Privileg. Auch wenn die Rhomäer, wie die östlichen Römer sich nannten, nicht mehr wie vor Jahrhunderten das Mittelmeer alleine beherrschten, gehörte ihr Reich doch zu den Großmächten der bekannten Welt. In der Hauptstadt des Oströmischen Reiches kreuzten sich noch immer viele Handelswege und Völker. Dein ungewöhnlich blondes Haar an Kopf und Bart war dafür nur ein Beweis unter vielen.</p>



<p>Du nahmst deine kräftigen Hände in den Blick, als du vor deinem kleinen Ruderboot eintrafst. Du warst nun schon weit in deinen Dreißigern. Aber dein Körper war durch deine harte Arbeit immer noch so durchtrainiert, dass sogar junge Frauen erröteten, wenn du sie ansprachst. Und das tatest du gerne.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="629" height="943" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/01/Technitis-2.png?resize=629%2C943&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Zeichnung eines ernst dreinblickenden muskulösen Mannes in Fischerkleidung. Er hält in der einen Hand einen Dolch und in der anderen Hand ein Ruderblatt." class="wp-image-7202" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/01/Technitis-2.png?resize=683%2C1024&amp;ssl=1 683w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/01/Technitis-2.png?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/01/Technitis-2.png?resize=768%2C1152&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/01/Technitis-2.png?resize=900%2C1350&amp;ssl=1 900w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2026/01/Technitis-2.png?w=1024&amp;ssl=1 1024w" sizes="(max-width: 629px) 100vw, 629px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eigenes Bild, erstellt mithilfe von ChatGPT.</figcaption></figure>
</div>


<p>Du warfst einen kurzen Blick auf die Umgebung um dein Boot. Die übliche Mischung aus ehrlichen und nicht so ehrlichen Menschen. Einer davon hatte noch eine Rechnung mit dir offen. Für ihn hattest du aber jetzt keine Zeit. Und du konntest keinen Ärger bei deinem Auftrag brauchen. Du hast ihn mit deinem Blick fixiert, bis er es bemerkte. Er wich deinem Blick zuerst nicht aus und schien kurz zu überlegen.</p>



<p>Ohne hinzusehen, hast du nach dem Dolch getastet. Ein hochwertiges Stück aus den kaiserlichen <em>fabricae. </em>Nichts, was jemand an diesem Pier gewöhnlich trug. Alles war so, wie du es brauchtest. Deine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Dein Gegenüber war ebenso kräftig wie du und vielleicht sogar etwas größer. Doch nach seinen Bewegungen zu urteilen, war er nicht so schnell wie du. Und er hatte nur wenige Narben an seinen Händen. Ganz im Gegensatz zu dir. Der Mann schien zu ähnlichen Gedanken gekommen zu sein, wie du. Denn er verließ schnell den Pier.</p>



<p>Du würdest trotzdem erst im letzten Moment in dein Boot steigen.</p>



<p>Das Leben hatte es bisher gut gemeint mit dir. Konstantinopel war eine Stadt voller Möglichkeiten für Leute deines Schlags. Und es würde noch besser werden, wenn du deine heutige Arbeit erledigt hättest. Es klang einfach: einen Passagier zu einem Schiff rudern, das bereits vor einer Stunde langsam den Hafen verlassen hatte und nun letzte Vorbereitungen traf, draußen die Segel zu setzen. Niemand war besser als du darin, im langsam erwachenden Irrsinn, der normalerweise den Hafen prägte, die schnellste Route zu den Segelschiffen am Bosporus zu finden. Und niemand war schweigsamer. Das war in diesem Falle die wichtigere Eigenschaft, fandest du, während du dein Boot nochmals von außen in Augenschein nahmst. Zu überstürzt erschien dir dein Auftraggeber.</p>



<p>Zum Glück hattest du noch vielfältige andere Talente, die in Konstantinopel seit mehr als 20 Jahren dein Überleben sicherten. Als Sohn eines Fischers hattest du zum Beispiel bemerkt, wie hastig das Schiff den Hafen noch bei Dunkelheit verlassen hatte. Für alles andere, was dafür der Grund sein konnte, hattest du dir diskret den Dolch erworben.</p>



<p>Du hast dich nochmals umgesehen. Bisher erkanntest du niemanden weiteren, der den Dolch nötig machen würde.</p>



<p>Auch wenn deine Auftraggeber versucht hatten, ihren Hintergrund zu verbergen, warst du dir sicher: Wie solche Dilettanten konnten nur die Halbbarbaren aus dem westlichen Rom arbeiten. Jeder niedrige oströmische Beamte hätte sich neben solchen Amateuren geschämt. Für die letzten Dilettanten, mit denen du zu tun gehabt hattest, war das schlecht ausgegangen. Aber sie hatten sich auf der anderen Seite deines Dolches befunden. Vielleicht würdest du sie kurz bei deinem Auftrag grüßen. Der Grund des Hafens war doch ziemlich einsam.</p>



<p>Manchmal fragtest du dich, ob deine Handlungen einmal Konsequenzen jenseits der unmittelbaren Gefahr hervorrufen würden. Die Priester, die dich vor 20 Jahren ein wenig ausgebildet – und mehr verprügelt hatten, bevor du geflohen warst&nbsp;–, hätten diese Frage sicher mit Ja beantwortet. Doch ihr Verhalten und das Verhalten der gesamten Stadt Konstantinopel verhöhnten diese christliche Moral bei jedem Sonnenaufgang. Doch die Priester hatten dir auch andere Möglichkeiten gezeigt. Aus ihrer Sicht nur, um die Überlegenheit des Christentums gegenüber seinen heidnischen Vorgängern zu beweisen. Sie schilderten dazu Männer, die so sehr in ihren Gedanken über die Welt versunken waren, dass sie in Brunnen fielen und von Mägden verspottet wurden. Doch in dir hatte etwas anderes einen Funken entzündet. Es waren Männer gewesen, die sich Gedanken über die großen Fragen der Welt gemacht hatten, unabhängig davon, was andere von ihnen dachten. Gedanken, die dich seitdem nicht mehr losließen. Auch wenn die Gosse von Konstantinopel keine Schule für diese Art Gedanken war, hattest du seitdem jede Gelegenheit genutzt, ihnen nachzugehen.</p>



<p>Du sahst dich nochmals um, während immer mehr Männer mit lautem Geschrei in einem schwer zu durchschaubaren Chaos den Hafen durchquerten. Du warst kein Philosoph wie die alten Griechen und Römer. Du konntest es dir nicht leisten, in einen Brunnen zu fallen.</p>



<p>Deshalb hattest du bei diesem Auftrag, wie immer, nicht nachgefragt. Du wusstest, was auf dem Spiel stand, schon alleine aufgrund der Bezahlung, die deine Auftraggeber nach einer viel zu kurzen Verhandlung herausgerückt hatten. Und jeder in Konstantinopel wusste, dass es um das Verhältnis zwischen den beiden Imperien nicht zum Besten stand. Nicht, seitdem Kaiserin Irene ihren Sohn geblendet und wieder die Regierung übernommen hatte.</p>



<p>Du hattest deinen Klienten sofort bemerkt. Der Kleidung nach zu urteilen eine hochgestellte Persönlichkeit, die so tat, als hätte sie sich als einfacher Hafenarbeiter verkleidet. Also wirklich, die Halbbarbaren. Du sprangst ohne große Eile in dein Boot. Und ohne den Klienten aus dem Blick zu verlieren. So offensichtlich in seinem Versuch, seine Nervosität zu verbergen. Und so offensichtlich in tödlicher Gefahr an diesem eigentlich friedlichen Morgen. Umso ruhiger bist du geblieben und hast ihn erst zu dir gewinkt, als sich eure Blicke trafen. Bevor dein Klient im Boot überhaupt Halt gefunden hatte, hattest du es bereits losgemacht und den ersten Ruderschlag getan. Dein Bauchgefühl sagte dir, dass es besser war, wenn du dich noch schneller bewegen würdest als sonst.</p>



<p>Natürlich solltest du recht behalten: Aus reinem Instinkt heraus gingst du in Deckung, als du ein sehr vertrautes Zischen in der Luft hörtest. Dein Klient, nervös, stolpernd auf dem schwankenden Boot, war weder so erfahren noch so schlau gewesen. Das sagte dir der Schrei sofort.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="soldat">3. Der abwesende Soldat</h2>



<p>Um Präfekt Maurikius Vulneratus, Oberbefehlshaber der III. italischen Legion, war die Hölle los. Männer schrien um ihn herum, als das massive Wildschwein kreischend auf ihn zukam. Die Sauhatz galt nicht umsonst als Mutprobe für die Edlen der Bajuwaren.</p>



<p>Lange war die Gruppe aus Bajuwaren und Römern durch die Sümpfe geschlichen, auf der Suche nach ihrer Beute. Vulneratus hatte seine wenigen Männer auf dieser Jagd sorgfältig ausgewählt. Obwohl die römische Armee in den vergangenen Jahrzehnten mehr in Überfällen und kleinen Scharmützeln gekämpft hatte, war das Waten durch das feuchte und schlammige Gelände für viele ihrer wenigen Offiziere unter ihrer Würde. Vulneratus hatte ein kurzes Dankgebet an den allmächtigen Gott gesandt, als sie das Wildschwein endlich aufgespürt und aufgescheucht hatten, während es sich arglos an einem Baum gerieben hatte.</p>



<p>Doch diese Überraschung war schnell vergangen, und der angegriffene Keiler ging mit einer Masse, die jeden Mann in der Gruppe übertraf, zum Angriff über.</p>



<p>Aber Vulneratus sah den nahenden Tod nicht. Stattdessen waren die Bilder wieder da.</p>



<p>Er war ein komplett grüner, bartloser Rekrut gewesen. Nur hatte er das nicht gewusst. Er wusste es erst bei seiner ersten Schlacht auf einem namenlosen Feld in Pannonien. Eine Welle an Reitern kam plötzlich schreiend auf ihn zu. Automatisch tastete er mit seinem linken Arm. Aber er fand es nicht. Anstatt zu kämpfen oder wenigstens wegzulaufen, erstarrt er wie ein Stein. Die Reiterkrieger der Awaren kamen immer näher. Er sah schon das Blitzen ihrer Schwerter und seine starren Augen erkannten sogar die Sehnen ihrer gefürchteten Bögen. Immer noch tastete sein linker Arm trotz des gelähmten restlichen Körpers. Aber er fand es nicht. Er hätte dort schon sterben sollen.</p>



<p>Der Keiler holte ihn mit einem markerschütternden Schrei zurück.</p>



<p>Dann übernahm wieder der Römer in ihm das Kommando und seine Reflexe aus einem Leben voller Kämpfe retteten ihm das Leben. Instinktiv sprang er zur Seite und entkam so den 200 Kilogramm, die an ihm vorbeirasten. Nun voll in seinem Element, hielt er trotz der schnellen Bewegung die Balance und stieß in einer fließenden Bewegung mit seiner Lanze nach dem Wildschwein.</p>



<p>Als er wieder komplett bei Sinnen war, lag der Eber schon im Sterben. Die Jagd war erfolgreich beendet.</p>



<p>Er streifte routiniert die letzten Reste der Verwirrung ab, als die übrigen Männer schnell näherkamen. Einer der bajuwarischen Jäger klopfte ihm anerkennend auf die Schulter. Vulneratus war einer der wenigen Römer, die der Bajuware nicht um mehr als einen Kopf überragte.</p>



<p>„Ihr Römer versteht etwas von der Jagd“, sprach er in einem wegen seines harten Dialektes kaum verständlichen Latein.</p>



<p>Vulneratus war bewusst, dass dies ein großes Kompliment gegenüber einem Landesfremden war. Doch er verkniff sich jeden Ausdruck des Triumphs. Es wäre ungehörig gewesen, sich gegenüber den Einheimischen beim ersten Zusammentreffen so zu gebärden. Es hätte gegen die römische Tugend der <em>pietas</em>, den Respekt für die natürliche soziale Ordnung, verstoßen.</p>



<p>Außerdem verstanden er und seine Männer die Bajuwaren kaum. Und umgekehrt.</p>



<p>Vulneratus lag dennoch richtig: Während seine Begleiter zuerst jubelten, wechselten die Einheimischen Blicke schweigend. Er war in erster Linie Soldat, aber er hatte sich über seinen Auftrag, wie es die römische Tugend der <em>prudentia, </em>der Voraussicht, verlangte, informiert. Diese Gesandtschaft würde ankommen. Daher schwieg er ebenso, bis auch seine Männer verstummten. Er hatte sie vorher persönlich ausgewählt. Nicht nur anhand ihrer Fähigkeiten bei der Jagd. Sondern auch im schnellen Gehorchen.</p>



<p>Das Volk in diesen Landen war zwar barbarisch, aber im Moment ein Verbündeter Roms.</p>



<p>Kurz gedachten die Männer stumm des Sohns des Herzogs, der vor Kurzem eine solche Sauhatz nicht überlebt hatte.</p>



<p>Anschließend begannen die Bajuwaren, das Wildschwein für den Transport ins Lager vorzubereiten.</p>



<p>Ein seltsames Volk mit seltsamen Traditionen, das hier zwischen der Zivilisation Roms und den fast unbewohnten Wäldern Germaniens hauste, dachte Vulneratus. Weder Vulneratus noch sie selbst schienen zu wissen, woher sie ursprünglich gekommen und weshalb sie in den ehemaligen römischen Provinzen Rätien und Noricum aufgetaucht waren, als Rom wieder seine Fühler gen Norden ausgestreckt hatte. Vulneratus hoffte, bald mehr über diese Leute herauszubekommen. Als Angehöriger der elitären <em>equites singulares Augusti</em>, die als die berittene Garde des Gesandten diente und den Kern der neuaufgestellten Legion bildete, musste er alles wissen, was es über diese Bajuwaren zu wissen gab.</p>



<p>Er überprüfte kurz den Griff seines Schwertes am Gürtel. Verbündete hin oder her. Wenn die Bajuwaren seinem Auftrag in die Quere kamen, würde er als Römer und Soldat handeln, wie er es immer gemäß seiner Pflicht getan hatte.</p>



<p>„Präfekt.“</p>



<p>Sein Dekurio, der ihn als sein Stellvertreter als einer der wenigen Römer bei der Jagd begleitet hatte, trat neben ihn. Unbewusst versteifte sich Vulneratus.</p>



<p>„Dekurio.“ Es war sein erstes eigenständiges Kommando. Obwohl sie bereits seit Wochen unterwegs waren, behielt Vulneratus zu seinen Untergebenen die Distanz, die zwischen Offizieren der römischen Armee angemessen war. Und die ihm im Notfall genügend Raum zum Ziehen des Schwertes gab.</p>



<p>„Wir können froh sein, wenn wir diese Sumpflandschaft am nächsten Tag hinter uns lassen können“, begann der Dekurio auf Latein in einem vorsichtigen Tonfall. „Die Bajuwaren versichern, dass wir den Fluss bald bei einer Furt an einem Kloster passieren und wieder in angenehmere Gegenden kommen, wo wir die Pferde besser nutzen können.“</p>



<p>In diesem Moment hatten die bajuwarischen Jäger das Schwein mit Seilen so vorbereitet, dass sie es zu viert in das Lager schleppen konnten. Vulneratus sah zu seinem Dekurio, der den Bajuwaren als Erster zu folgen begann. Ihm fiel dessen misstrauischer Blick in Richtung der eigentlichen Verbündeten auf. Vor allem, da er sich selbst diesen Blick erst mühsam abgewöhnt hatte. Zumindest, ihn so offen zu zeigen.</p>



<p>„Angenehmere Gegenden“, wiederholte Vulneratus tonlos, als er der Gruppe als Letzter folgte, und schnaubte innerlich über diese Einschätzung. Nach außen fuhr er sich durch den schwarzen Bart, in dem sich immer mehr weiße Strähnen mischten. Er musste ihn dringend wieder schneiden, wenn es die Umstände zuließen. Verlotterte der Befehlshaber, sank auch die Disziplin der ganzen Truppe.</p>



<p>Zum wahrscheinlich hundertsten Mal, seitdem sie in Rom aufgebrochen waren, ging er im Gedächtnis alle Männer durch, die zu seiner Legion gehörten. Einer Legion, die wie viele andere vor ihr, auch einmal ihre Unzufriedenheit durch einen überraschend toten Befehlshaber zeigen konnte. Seine Truppe bestand aus besonders unterschiedlichen Mitgliedern mit unterschiedlichen Vorstellungen von angenehmen Umständen. Als ihr Oberbefehlshaber musste er sie alle im Blick behalten.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="629" height="629" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?resize=629%2C629&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Zeichnung eines ernst dreinblickenden Mannes mit Vollbart, gerüstet mit einem Kettenhemd und Umhang, einem langen Schwert und einem runden Schild." class="wp-image-7192" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?w=1024&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?resize=768%2C768&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Vulneratus-2.jpg?resize=900%2C900&amp;ssl=1 900w" sizes="(max-width: 629px) 100vw, 629px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eigenes Bild, erstellt mithilfe von ChatGPT</figcaption></figure>
</div>


<p>Während die Soldaten ihre Unterkunft in einem Gehöft namens Kisoing als luxuriös empfanden, beschwerten sich die Mitglieder der Gesandtschaft ständig. Die Handwerker und Händler, die beiden Gruppen zu Diensten waren, waren ohnehin nur an ihren eigenen Geschäften interessiert. Das war sie also, die neue III. italische Legion, die im Auftrag des Kaisers in Rom ihre Verbündeten und die Interessen des Imperiums im Norden unterstützen sollte. Kein Vergleich zu ihrer ruhmreichen Vorgängerin. Aber umso entschlossener war er als ihr Kommandant, seine Pflicht zu tun und die unterschiedlichen Köpfe zu einer Legion zu machen.</p>



<p>Der Dekurio riss ihn erneut aus seinen Gedanken. Vulneratus konnte gerade noch den Impuls unterdrücken, das Gesicht missbilligend zu verziehen.</p>



<p>„Immerhin reichen die Bauernhöfe an diesem Bachlauf aus, um die Legion so weit zu versorgen, dass wir uns einmal der Sauhatz hingeben konnten.“ Den Dekurio schien die Jagd zumindest etwas amüsiert zu haben. Vulneratus sah keine Notwendigkeit, das zu kommentieren. Er behielt sowohl gegenüber dem Dekurio als auch gegenüber den Bajuwaren weiter Abstand.</p>



<p>Die Gruppe näherte sich langsam mit ihrer Beute dem Lager. Während die Bajuwaren inzwischen in ihrer Sprache lebhafte Unterhaltungen führten, schwiegen Vulneratus und der Dekurio wieder. Vulneratus war das ganz recht. So konnte er die Gegend weiter in Augenschein nehmen.</p>



<p>Er wusste, dass diese Region einmal römisch gewesen war. Die Bajuwaren behaupteten, dass sie etwa die alten Straßen noch nutzten. Doch er hatte bisher zu seinem Kummer kaum Spuren seiner Zivilisation gefunden. Vielleicht würde er fündig werden, wenn sie die herzogliche Pfalz namens <em>Frigisinga</em> erreichten.</p>



<p>Vulneratus schaltete diese Gedanken wie immer aus, als die Gruppe das provisorische Lager betrat, das seine Männer aufgeschlagen hatten.</p>



<p>„Die Feldbefestigungen sind etwas nachlässig.“ Der Dekurio war wieder neben ihm. Vulneratus erkannte ein ihm inzwischen bekanntes Lauern in dessen Blick.</p>



<p>„Sie erfüllen ihren Zweck“, antwortete er vorsichtig. Die Tugend der <em>prudentia</em> erforderte auch die Weisheit von ihm, dass es schon ein Erfolg war, seine Soldaten jeden Tag zum Aufbau dieser Befestigungen bewegt zu haben. Und dennoch seinen Kopf jeden Morgen danach noch auf seinen Schultern vorzufinden. Zumindest die Bajuwaren waren von den Befestigungen jedes Mal beeindruckt. Das zeigte sowohl ihre Bewunderung für die Leistungen Roms als auch ihren Mangel an militärischen Kompetenzen.</p>



<p>Der Dekurio nickte und schien mit der Antwort zufrieden zu sein. Vulneratus hatte auch dieses Gefecht erfolgreich ausgefochten.</p>



<p>Er hörte schon das Wiehern der vielen Pferde. Die Mehrzahl seiner wenigen brauchbaren Soldaten war stolz auf ihren Status als <em>catafractarii</em>, die als schwer gepanzerte Kavallerie die Elite des römischen Heeres im Westen darstellten. Auch die Bajuwaren hatten eine Vorliebe für die Pferdezucht. Daraus hatte sich zumindest zwischen zwei Gruppen ein Gesprächsthema jenseits der diplomatischen Etikette ergeben. Zumindest in einer seltsam ungelenkten Mischsprache aus Bajuwarisch, dem einfachen Latein der Legionäre sowie verschiedenen Gesten.</p>



<p>Aber bisher gab es diese Verbindung nur bei den Pferdenarren. Vulneratus setzte daher wieder die Maske des Präfekten der III. italischen Legion auf, als sie das Lager durchschritten.</p>



<p>Erst recht, als er dem Gesandten begegnete. Dieses Mal schaffte er es sogar beim Grüßen, dessen entstellende Narbe auf der rechten Kopfseite zu ignorieren. Der Gruppe um die bajuwarische Magistra wich er von vorneherein routiniert aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="edle">4. Die barbarische Edle</h2>



<p>Pilitrud von den Anniona sah nicht zum ersten Mal auf die Stadt herab. Doch zum ersten Mal fiel ihr auf, wie klein sie war. Ratisbona. Oder wie es ihre römischen Begleiter stoisch nannten: Castra Regina. In jedem Fall die <em>metropolis</em>, der Hauptsitz des Herzogs der Bajuwaren. Sie erkannte von diesem Berg aus sogar die Einteilung der Stadt, die ihr in einem anderen Leben verborgen geblieben war. In der Mitte noch gut sichtbar das Quadrat des ehemaligen römischen Lagers. Darum breitete sich immer mehr eine neue Siedlung aus, die schon zu einer eigenen Vorstadt herangewachsen war.</p>



<p>Hatten die Jahre im alten Rom also doch etwas gebracht.</p>



<p>Sie atmete tief ein, um sich für das, was heute noch kommen konnte, zu wappnen.</p>



<p>Als Mitglied der Anniona gehörte sie zum höchsten Stand der Bajuwaren. Ihr Clan gehörte wie vier andere zu den weitverzweigten Geschlechtern, die bereits vor den Herzögen der Agilolfinger im Land der Bajuwaren gelebt und geherrscht hatten. Und sich über die Jahrhunderte hinweg immer wieder Fehden geliefert hatten. Nicht umsonst wurden die Anniona sogar in der <em>Lex Baiuvariorum</em>, dem Gesetzbuch der Bajuwaren, als eines der vornehmsten Geschlechter des Landes genannt. Sie hatte eine Handschrift davon in ihrem unfreiwilligen Exil immer wieder gelesen, um die Bedeutung ihrer Herkunft nicht zu vergessen.</p>



<p>Pilitrud von den Anniona zeigte diesen Anspruch seit ihrem Aufbruch in Rom jeden Tag durch ihre golddurchwirkte und teuer gefärbte Kleidung deutlich nach außen. Sie versuchte, entspannt zu wirken, während sie auf ihrem ausgeklappten Stuhl saß und eine Magd ihren bis zum Bauch reichenden Zopf kämmte. Selbst wenn die Bajuwaren sie nicht offiziell willkommen heißen würden. Selbst wenn weder Römer noch die meisten Bajuwaren noch etwas mit dem Namen der Annonia anfangen konnten, zeigte sie, dass ihr Geschlecht nicht vergessen werden konnte. Nicht, solange sie lebte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="629" height="944" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Pilitrud-3.png?resize=629%2C944&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Zeichnung einer jungen Frau mit langem Zopf. Gekleidet mit einem langen geschlossenen Kleid, einem Mantel, einem Schwert am Gürtel und einem Mantelumhang." class="wp-image-7197" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Pilitrud-3.png?w=1024&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Pilitrud-3.png?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Pilitrud-3.png?resize=683%2C1024&amp;ssl=1 683w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Pilitrud-3.png?resize=768%2C1152&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Pilitrud-3.png?resize=900%2C1350&amp;ssl=1 900w" sizes="auto, (max-width: 629px) 100vw, 629px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eigenes Bild, erstellt mithilfe von ChatGPT</figcaption></figure>
</div>


<p>Sie streckte sich auf ihrem Stuhl und warf einen kurzen Blick auf den Rest der Gesandtschaft.</p>



<p>Die Soldaten begannen, ihre Schilde und Rüstungen anzulegen. Bisher hatten sie die Rüstungen nur teilweise und die Schilde auf dem Rücken getragen. Beides sah aber nicht so aus, wie sich viele eine Legion Roms vorstellen würden. Also nutzen die Männer die Pause, wie die Gesandtschaft, um sich für die in ihren Augen barbarischen Verbündeten herauszuputzen.</p>



<p>Sie würden von diesem Berg aus in die Stadt ihres Verbündeten einmarschieren, wie ein triumphierendes Heer. Eine Demonstration, die Pilitrud von den Anniona als durchaus zweischneidig empfand. Ebenso wie die Benennung der Krieger nach der Legion, die einst Ratisbona besetzt hatte. Doch sie verzichtete darauf, beides gegenüber irgendjemandem in der Gesandtschaft kundzutun. Nicht einmal er würde dafür Verständnis haben.</p>



<p>Während die Magd begann, ihr Armreife, einen Stirnreif und die Halsketten mit den Kreuzen aus Blattgold anzulegen, wandte sich Pilitrud von den Anniona einem Anblick zu, den sie bisher stoisch ignoriert hatte. Ob die Bajuwaren die wenig diplomatischen Manöver der Römer vorhergesehen hatten, wusste sie nicht. Sie glaubte allerdings nicht an einen Zufall, dass den Römern ihr letzter Lagerplatz in Sichtweite eines Galgens auf dem Berg vor Ratisbona zugewiesen worden war. Sie musterte aus der Entfernung die dort liegenden, offen verwesenden Leichen. Der Lagerplatz war weit genug weg, dass ihr zumindest der Verwesungsgeruch erspart blieb.</p>



<p>Sie seufzte kurz. Sie hatte in ihrem Leben bereits genug Leichen gesehen und gerochen.</p>



<p>Das Gesetz der Bajuwaren wandte sehr selten die Todesstrafe an. In diesen dünn besiedelten Landen war jede Arbeitskraft zu wertvoll, um sie nutzlos herumbaumeln zu lassen. Eine Tatsache, die Pilitrud wusste. Doch da bis auf eine Ausnahme niemand sie bei den Römern danach gefragt hatte, behielt sie auch dieses Wissen für sich. Die Botschaft der Bajuwaren sollte aus ihrer Sicht bei den Römern ruhig ankommen. Für die Römer, für die selbst Pilitrud von den Anniona nichts anderes war, als eine der ungewaschenen Barbaren, die eine Schwächephase des Imperiums genutzt hatten.</p>



<p>Sie löste ihre Blicke vom Galgen und bemerkte ihrerseits die Blicke, welche ihr die Römer zuwarfen, wenn sie sich unbemerkt von ihr fühlten. Mit kalkulierter Absicht richtete sie sich zu ihrer vollen Größe auf. Auch wenn es der Magd erschwerte, ihr den Umhang umzulegen. Dieser schützte sie nicht nur vor dem nebeligen Wetter, das diese Lande auszeichnete, sondern zeigte durch sein leuchtendes Blau und die bestickten, sich verschlingenden Drachenfiguren, dass neben den Römern noch ein weiterer edler Besuch in Ratisbona stattfinden sollte.</p>



<p>Manche Römer musterten sie trotz ihrer fertigen Gewandung weiter mit unverhohlenen Blicken, die ihr zeigten, dass sie mit Ende 20 immer noch eine attraktive Frau war. Sie nahm es inzwischen ohne Reaktion hin, dass sie für diese Männer nur eine exotische Wunschvorstellung war, keine ernst zu nehmende potenzielle Partnerin. Sie tröstete sich mit dem Gedanken, dass sie den meisten ohne Probleme die Kehle durchgeschnitten hätte, bevor diese auch nur in die Nähe der Nähte ihres Kleides gekommen wären. Dann gab es noch diejenigen, die ihren Blick mieden, als sei sie eine der Dämoninnen, die die Römer selbst noch vor wenigen Jahrhunderten verehrt hatten. Sie nahm diese Haltung als vorteilhafter hin als die der Lüstlinge. Zudem überragte sie die meisten dieser Männer ohnehin um mindestens einen Kopf.</p>



<p>Der Rest der Gesandtschaft ignorierte sie. Das war ihr so über die gesamte Reise hinweg recht gewesen. Nur zwei Männer waren in dieser Gruppe wichtig für sie.</p>



<p>Sie streckte sich erneut und prüfte, ob sie diese beiden Männer wie immer im Blick hatte. Dieses Verhalten war ihr auf der Reise in Fleisch und Blut übergegangen.</p>



<p>Es gab ihn, der gerade die angelegten Rüstungen der Krieger überprüfte. Er mied ihren Kontakt seit Beginn der Abreise aus Rom konsequent. Ihr war bewusst, dass er das nicht wegen ihrer Person tat. Sondern aus irgendeiner altertümlichen Vorstellung von Tugend, die sie an ihm schätzte. Auch wenn es sie dennoch schmerzte. Manchmal so sehr, dass sie ihm direkt gesagt hätte, warum sie, er und manch anderer wirklich Teil dieser Gesandtschaft waren.</p>



<p>Was sie in keinster Weise schmerzte, war der Abstand zum Gesandten, der gerade einen prächtigen Mantel anlegte. Dieser hatte zwar immer wieder das Gespräch mit ihr gesucht und sie über ihr Volk ausgefragt. Ihr war jedoch schnell klar geworden, dass sein Interesse nur geheuchelt war. Eigentlich wollte er so wenig wie möglich mit ihr oder den Bajuwaren zu tun haben. Eine Einstellung, die ihr mehr als vertraut war, seit ihrem Aufbruch in das alte Rom.</p>



<p>Doch ihr war das egal. Sie hatte andere Ziele als die römische Gesandtschaft. Oder die Bajuwaren, die sich inzwischen vor der Stadtmauer versammelten, um ihre Verbündeten willkommen zu heißen.</p>



<p>Ihr Gesicht verhärtete sich, wie immer, wenn sie daran dachte.</p>



<p>Sie erinnerte sich noch genau an jenen Tag kurz vor ihrem Aufbruch. Auch, wenn es Jahre her war. Als ihre Sippe am ersten warmen Tag des Frühjahrs die Leichen ihrer Brüder herausgeholt hatte, um sie endlich im aufgetauten Boden zu beerdigen. Sie waren gemeinsam gestorben und wurden gemeinsam in die Ewigkeit übergeben, wie es bei solchen Anlässen Tradition war. Unbewusst griff sie nach dem Elbenpfeil aus Bronze, den sie unter ihrem Umhang und zwischen den schmückenden Halsketten versteckt hatte. Solche Amulette sollten vor Krankheit und Bösem schützen. Doch sie hatten ihren Brüdern in der Fehde nichts genutzt, die fast ihre Sippe ausgelöscht hatte.</p>



<p>Sie war gerade erst in das heiratsfähige Alter gekommen. Daher schickte ihr Vater sie mit 12 Jahren nach Italien. Um einen Mann zu heiraten, der schon auf dem Sterbebett lag, als sie gerade die Alpen überquerte. Um ein Bündnis zu stärken, dem weder die Herzöge der Bajuwaren noch die Kaiser der Römer genug vertrauten, um es selbst mit Heiraten ihrer Sippen zu besiegeln. Aber auch, um dem möglichen Untergang ihrer Sippe zu entgehen.</p>



<p>Ihr Mann war tot.</p>



<p>Das Bündnis zwischen Bajuwaren und Römern war nach wie vor zerbrechlich.</p>



<p>Was aus ihrer Sippe geworden war, wusste sie bisher nicht.</p>



<p>Doch die Jahre in Italien hatten sich dennoch gelohnt.</p>



<p>Als Mitglied der Oberschicht der Bajuwaren war sie zwar für die Verhältnisse ihres Stammes gebildet, konnte auf die Beizjagd gehen, Brettspiele spielen und die Heldensagen der Vergangenheit auf der Leier spielen. Doch ungebunden und mit einem Geschlechternamen versehen, der bei vielen Römern die Illusion von zivilisierten Vorfahren weckte, hatte sie sich das wiedererstandene Imperium genauer ansehen können als manch anderer Bajuware. Sie hatte viel gelernt. Und sie war entschlossen, dieses Wissen zu nutzen.</p>



<p>Ganz bewusst fasste sie sich an die Spatha, die an ihrem Gürtel hing. Das zweischneidige Langschwert war eines der besten Schmiedestücke, das ihr Volk hervorbringen konnte. Es hatte sie nach Italien begleitet und ebenfalls nun bei ihrer Rückkehr.</p>



<p>Sie lächelte dabei kurz, was einen vorbeigehenden römischen Handwerker zurückschrecken ließ. Der Mann verließ mit schreckgeweiteten Augen den Umkreis um sie.</p>



<p>Zu Recht.</p>



<p>Denn bei den Blutfehden der Bajuwaren waren die Frauen nicht nur Opfer.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="ratgeber">5.&nbsp;Der fremde Ratgeber</h2>



<p>Manuel Palaiologos verzog keine Miene, auch wenn er zum wiederholten Male in diesem Heerlager in etwas getreten war, was er besser nicht wissen wollte. Ihm war bewusst, dass er sich auf einem Schlachtfeld bewegte, auf dem der Untergrund sein geringstes Problem war. Trotzdem zog er seinen dicken Reisemantel noch enger an sich, bevor er das kleine Lager seiner Delegation verließ. Nur die goldene Fibel an seiner Schulter zeigte noch, dass ihr Besitzer wohl der reichste Mensch in diesem Lager war. Ebenso der Schmuckring an seinem linken Ringfinger. Mehr wollte er von seinem Reichtum allerdings auch nicht zeigen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="629" height="629" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?resize=629%2C629&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-7195" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?w=1024&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?resize=768%2C768&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/07/Palaiologos-1.jpg?resize=900%2C900&amp;ssl=1 900w" sizes="auto, (max-width: 629px) 100vw, 629px" /></figure>



<p>Im Gegensatz zu ihm blieb sein Leibwächter unbeeindruckt vom kalten und nassen Klima dieser dunklen Wälder. Die Chasaren stammten von der Pontischen Steppe an den nördlichen Füßen des Kaukasus. Sie waren schlimmeres Wetter gewohnt. Palaiologos hatte sie auf seinen zahlreichen Feldzügen in Kleinasien auch deshalb immer mehr als Leibwache zu schätzen gewusst.</p>



<p>Nur kurz dachte er an die vertraute Silhouette von Konstantinopel, das er vor Monaten verlassen hatte, um in das barbarische Frankenreich zu kommen. Bisher hatte er auch diesen Feldzug trotz der ungewohnten Umstände überlebt. Er hatte die winterlichen Stürme des Mittelmeeres überstanden und war – der Muttergottes sei Dank – von der Gefahr der arabischen Piraten verschont geblieben. Und auch die westlichen Römer hatten bei den Aufenthalten in ihren Häfen seine Anwesenheit nicht bemerkt.</p>



<p>Zu seiner Enttäuschung hatte ihn das Barbaricum nicht überrascht. Hatte er bei seiner Ankunft im Hafen von <em>Narbona</em> noch gehofft, auf Spuren der römischen Zivilisation zu treffen, hatte ihn der Anblick der zahlreichen Ruinen eines Besseren belehrt. Im gesamten Frankenreich hatte es nicht besser ausgesehen, auch wenn sein geübtes Auge die – natürlich unzulänglichen – Bemühungen des Frankenkönigs um eine Erneuerung der Zivilisation bemerkt hatte.</p>



<p>Bevor er das Lager seiner Verbündeten betrat, betrachtete Palaiologos sein Gesicht in einer Pfütze. Kritisch prüfte er nochmals sein Aussehen. Trotz der Strapazen der Reise wirkte er nicht müde. Das war gut. Sein schwarzer Bart war akkurat geschnitten, ebenso seine Haare, die trotz mehr als 40 Jahren kaum weiß zeigten. Sein Schwert, gefertigt in den besten Werkstätten Konstantinopels, saß fest und griffbereit an seiner linken Seite. Noch wichtiger war sein Kettenhemd, das so geschickt gearbeitet war, dass sein Reisemantel es vollständig verbarg. Damit konnte er Freunden und Feinden gegenübertreten.</p>



<p>Nur kurz wanderte sein Blick zu seinem eigenen Zelt. Ein letztes Mal prüfte er kritisch die Aufstellung der Wachen. Bereits ein paar Mal hatten unvorsichtige fränkische Krieger versucht, sich in aller ihrer Heimlichkeit an den Reichtümern ihres Verbündeten zu bedienen. Jedes Mal hatte Palaiologos ihre Leichen in aller Heimlichkeit verschwinden lassen. Inzwischen hatte sich im fränkischen Lager herumgesprochen, dass die Truhen der oströmischen Delegation wirklich fest verschlossen waren.</p>



<p>Dann fiel ihm auf, dass er nur das Unvermeidbare verzögerte. Er gab seinem Leibwächter, einem Chasaren namens Baghatur, den Befehl zum Losmarschieren. In gewissem Sinne galt der Befehl mehr ihm selbst.</p>



<p>Als Geschenk ihrer kaiserlichen Majestät aus Konstantinopel hatte er in seinem Zelt eine kostbare Ikone der heiligen Jungfrau Maria für den Frankenkönig mitgebracht. Ihr Weihgedicht galt der Hoffnung für die Hoffnungslosen. Das schien ihm im Moment sehr passend. Denn hier, mitten in der germanischen Wildnis, war sowohl von Zivilisation als auch von Hoffnung fast nichts mehr übrig. Palaiologos fühlte sich einen Moment unbemerkt genug für einen tiefen Seufzer.</p>



<p>Sein Geschlecht gehörte zwar nicht zu den bedeutendsten der Rhomäer. Aber es hatte sich in den vergangenen Jahrzehnten genügend Ehren verdient, um seinen Angehörigen ein Mindestmaß an Annehmlichkeiten und Kultur als Selbstverständlichkeit zu gewährleisten. Und nun stand er im wichtigsten Auftrag seines Lebens ohne beides da.</p>



<p>Er wusste nicht, wo er war. Diese Gebiete an der Grenze zwischen den fränkischen, bajuwarischen und slawischen Barbarenvölkern waren zwar schon länger nicht mehr unbesiedelt. Um das Lager herum sah er aber seit Tagen nur eine kleine Ebene, die größtenteils von Wäldern bedeckt war.</p>



<p>Er marschierte mitten durch das Heerlager der Franken, das aus seinen Zelten mehr stank als alle oströmischen Heere, die Palaiologos in seinen fast 30 Jahren Dienst begleitet hatte. Zu seinem Glück durchzogen mehrere Bachläufe die Ebene, um den Unrat des Heeres abzutransportieren und den Gestank der Barbaren in Grenzen zu halten. Und er war mitten unter diesen Barbaren, die er auf allerhöchsten Befehl der Kaiserwitwe Irene beraten sollte. Sofern das bei diesen stumpfsinnigen Völkerschaften überhaupt möglich war.</p>



<p>Er gönnte sich noch einen zweiten tiefen Seufzer. Damit war seine trübselige Stimmung vorerst so weit zurückgedrängt, dass er endgültig die Maske des oströmischen Diplomaten aufsetzen konnte.</p>



<p>Gefolgt von Baghatur, der diese Pausen wie immer stumm abgewartet hatte, durchschritt er weiter das Lager.</p>



<p>Der Militär in ihm versuchte, die Kampfkraft des kleinen fränkischen Heeres abzuschätzen, was ihm aber kaum gelang. Zu vielfältig waren die einzelnen Kontingente, die er auf seinem Weg antraf, und bei deren Sprachen er nur selten ein vertrautes Wort aus der lateinischen Sprache hörte. Zu schnell passierte er die chaotischen Lagerstätten der Krieger, deren misstrauische Blicke er wie bei jeder seiner bisherigen Wanderungen genau registrierte. Bewusst vermied er direkten Blickkontakt oder ein allzu langes Beobachten einzelner Gruppen. Sein in einem langen Leben geschulter Sinn für Gefahr schlug zwar nicht an. Aber barbarische Krieger waren noch leichter reizbar als die Soldaten und Generäle Konstantinopels.</p>



<p>Endlich trat er vor das bisher größte Zelt des Lagers und marschierte, ohne den Wachen die Gelegenheit zur Ankündigung zu geben, hinein. Sofort verstummten die Gespräche an einem größeren Holztisch. Wettergegerbte und kampferfahrene Gesichter musterten ihn erneut misstrauisch. Sie gehörten zu zehn Barbaren, die allesamt in leichten Rüstungen gekleidet waren. Und die bei seinem Eintreten alle instinktiv ihre Hände mehr oder weniger subtil an ihre Schwerter gelegt hatten.</p>



<p>Damit hatte Palaiologos schon einmal einen ersten, ehrlichen Eindruck gewonnen. Das waren also seine zeitweiligen Verbündeten. Und seine immerwährenden Gegner.</p>



<p>Er wartete bewusst einen Moment ab, bevor er sich knapp verneigte. Ebenso bewusst gab er dabei den Blick auf sein Kettenhemd unter dem Mantel und sein Kurzschwert frei. Dem gleichen Ziel diente Baghatur als Leibwächter, da er der größte aus seinem Gefolge war.</p>



<p>Kurz bevor die so entstandene Stille ungehörig wirkte, ergriff er das Wort. Er war froh, dass in diesem vielfältigen Heer wie im gesamten Reich König Karls Latein die Sprache der Elite war.</p>



<p>„Mein Name ist Manuel Palaiologos. Ich komme in Freundschaft und diene mit Freuden den Kriegern des Königs Karl.“ Kurz bemerkte er einige abschätzige Blicke und überlegte, ob seine Vorstellung doch zu unterwürfig ausgefallen war.</p>



<p>„Ihr seid uns willkommen.“ Einer der Krieger ergriff das Wort. „Mein Name ist Bischof Liutrid von Wirzaburga.“</p>



<p>Palaiologos stutzte kurz, bevor er sich ins Gedächtnis rief, dass in diesen barbarischen Landen selbst die Diener Gottes zuallererst noch Krieger waren. Anscheinend war dieser jedoch so etwas wie der Wortführer unter den Anführern dieses Heeres. Der Rest stellte sich nur kurz vor und bedachte ihn danach weiter mit misstrauischem Schweigen.</p>



<p>Palaiologos musste nun sehr vorsichtig sein. Er richtete sich bewusst zu voller Größe auf, bevor er weitersprach. Er vertrat die einzige kaiserliche Majestät in diesem Lager und Zelt. Das sollten die Barbaren durchaus verstehen.</p>



<p>„Kaiserin Irene sendet durch mich ihre Grüße an ihre Verbündeten und bietet jede Hilfe, die zum Gelingen unseres gemeinsamen Kampfes beiträgt.“</p>



<p>Er wartete nur kurz. Dies waren nicht nur barbarische Krieger, leicht reizbar und keinem Kampf abgeneigt. Sondern auch Männer, die auf ihren Stand und ihre Ehre bedacht waren. Eine Mischung, die schnell dazu führen konnte, dass der oströmische Verbündete auf diesem Feldzug einen tragischen Tod erlitt. Schnell fuhr er fort: „Ein gemeinsamer Kampf, der unser beider Reiche mit dem Segen des Herrn Christus Ruhm und Ehre bringen wird.“</p>



<p>An einem kurzen Aufblitzen im Blick einiger Barbaren erkannte er, dass er einen Punkt getroffen hatte. Wenn dieser Feldzug siegreich war, errangen sie Ruhm und Ehre. Was in deren Welt auch Reichtum und Land der Besiegten bedeutete.</p>



<p>Bischof Liutrid von Wirzaburga ergriff wieder das Wort. Palaiologos ließ es geschehen. Er hatte gesagt, was er sagen wollte. „Das Heer ist nun vollzählig auf dem Märzfeld versammelt.“ Palaiologos schwieg darüber, was er von diesem Heer hielt. Er wusste, dass die Franken inzwischen ihre Heere traditionell auf einem Maifeld sammelten, damit ihre Reiter im späten Frühjahr genügend Futter für die zahlreichen Pferde fanden. Doch bevor die Frankenkönige die Vorzüge von bewaffneten Reitern erkannt hatten, hatten sie ihre Krieger jedes Jahr zu Fuß bereits im März in einem Feldlager versammelt. Eine Tradition, die ihr König Karl dieses Jahr wieder hatte aufleben lassen. Zumindest zu einem kleinen Teil.</p>



<p>Der Bischof fuhr fort. „König Karl sammelt das restliche Heer auf dem Maifeld bei Fulda. Im Schutze der Berge werden unsere Gegner nicht allzu viel darüber erfahren. Wir werden ab morgen mit den Vorbereitungen beginnen, über die Fossa Carolina weiterzumarschieren.“</p>



<p>Palaiologos war ehrlich überrascht über den letzten Begriff. Er erkannte das Abwartende im Blick des Bischofs und entschloss sich, seine ursprünglich geplante Zurückhaltung wieder aufzugeben.</p>



<p>„Die Fossa Carolina?“</p>



<p>Er hatte genau die richtige Frage gestellt. Denn sofort bemerkte er, wie sich die Mienen der Barbaren zum ersten Mal voller Stolz aufhellten. Liutrid setzte erst nach einer kurzen Kunstpause zu einer Erwiderung an: „In seiner Weisheit gefiel es dem König, hier an der kürzesten Stelle zwischen den Flüssen Radentia und Alcmana einen Kanal nach Art der Römer zu bauen. Auf das Ruhm und Reichtum des Reiches gemehrt ist.“</p>



<p>„Fürwahr eine sehr weise Entscheidung.“ Dieses Mal musste Palaiologos nicht einmal viel lügen. Ein Kanal erlaubte es nicht nur Händlern, schneller und sicherer zu reisen. Sondern auch, ein Heer schneller und sicherer zu transportieren und zu versorgen.</p>



<p>Er kombinierte aus dem Gedächtnis, aus dem Hörensagen, das er im Lager bisher erfahren hatte, und einer sehr groben Karte auf dem Tisch die wahrscheinliche Strategie. Und musste gezwungenermaßen anerkennend nicken. Dieser König Karl hatte sich nicht ohne Grund so lange auf seinem von Blut getränkten Thron halten können. Wenn dessen Plan aufging, war das Bündnis zwischen Franken und Oströmern schneller erfolgreich, als Palaiologos gedacht hatte.</p>



<p>Das konnte er nicht zulassen.</p>



<p>Er trat näher an den Tisch und zeigte auf die Karte.</p>



<p>„Die Weisheit des Königs ist wirklich unerreicht. Doch wenn ihr es erlaubt, möchte ich die Weisheit des alten Roms einbringen.“</p>



<p>Eine Weisheit, die Palaiologos beabsichtigte, auch nur für das alte Rom einzubringen.</p>



<p></p>
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		<title>28 Punkte, an denen die Geschichte Bayerns anders gelaufen wäre</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 May 2025 09:33:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayerische Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Historische Hintergründe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Geschichte Bayerns zeigt mit vielen Ereignissen und Entwicklungen, wie regionale Geschichte mit der deutschen und europäischen Geschichte verknüpft ist. Die Alternative History des Freistaats und seiner Regionen hat damit nicht nur häufig Folgen für ganz Deutschland oder sogar Europa. Sie kann auch das Verständnis für historische Entscheidungen verbessern und Möglichkeiten für Vergangenheit sowie Zukunft [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayern/">28 Punkte, an denen die Geschichte Bayerns anders gelaufen wäre</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Die Geschichte Bayerns zeigt mit vielen Ereignissen und Entwicklungen, wie regionale Geschichte mit der deutschen und europäischen Geschichte verknüpft ist. Die Alternative History des Freistaats und seiner Regionen hat damit nicht nur häufig Folgen für ganz Deutschland oder sogar Europa. Sie kann auch das Verständnis für historische Entscheidungen verbessern und Möglichkeiten für Vergangenheit sowie Zukunft aufzeigen.</p>



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<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="591" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Bayern-Regierungsbezirke.png?resize=600%2C591&#038;ssl=1" alt="Karte des Freistaats Bayern mit den Regierungsbezirken Unterfranken, Oberfranken, Mittelfranken, Oberpfalz, Schwaben, Niederbayern und Oberbayern." class="wp-image-6978" style="width:599px;height:auto" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Bayern-Regierungsbezirke.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Bayern-Regierungsbezirke.png?resize=300%2C296&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Bayern-Regierungsbezirke.png?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bayern#/media/Datei:Bavaria,_administrative_divisions_(government_districts_only)_-_de_-_colored.svg">TUBS/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Näheres zu den Ankerpunkten der bayerischen Geschichte in den verschiedenen Regionen des Freistaats gibt es unter folgenden Seiten:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberpfalz-regensburg/">21 Punkte, an denen die Geschichte der Oberpfalz und Regensburgs anders gelaufen wäre</a></li>



<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayerisch-schwaben-augsburg/">19 Punkte, an denen die Geschichte von Bayerisch-Schwaben und Augsburg anders gelaufen wäre</a></li>



<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-mittelfranken-nuernberg/">11 Punkte, an denen die Geschichte Mittelfrankens und Nürnbergs anders gelaufen wäre</a></li>



<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberfranken-bayreuth/">17 Punkte, an denen die Geschichte Oberfrankens anders gelaufen wäre</a></li>



<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-unterfranken-wuerzburg/">10 Punkte, an denen die Geschichte Unterfrankens und von Würzburg anders gelaufen wäre</a></li>



<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-niederbayerns/">14 Punkte, an denen die Geschichte Niederbayerns anders gelaufen wäre</a></li>



<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/oberbayern-muenchen/">16 Punkte, an denen die Geschichte Oberbayerns und Münchens anders gelaufen wäre</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Ankerpunkte</h2>



<ol class="wp-block-list">
<li><a href="#varusschlacht">9 nach Christus: Die wegweisende Varusschlacht</a></li>



<li><a href="#agilolfinger">788: Das unbekannte Ende der Agilolfinger</a></li>



<li><a href="#pressburg">907: Die vernichtende Niederlage von Pressburg</a></li>



<li><a href="#augsburg">955: Die schlachtentscheidende Verteidigung von Augsburg</a></li>



<li><a href="#schweinfurter">1057: Das langwierige Ende der Schweinfurter</a></li>



<li><a href="#muenchen">1158: Die umstrittene Gründung Münchens</a></li>



<li><a href="#wittelsbacher">1204: Der endgültige Durchbruch der Wittelsbacher</a></li>



<li><a href="#regensburg">1245: Die freie und Reichsstadt Regensburg</a></li>



<li><a href="#konradin">1268: Der zersplitternde Tod von Konradin</a></li>



<li><a href="#ampfing-muehldorf">1313: Die entscheidende Schlacht bei Ampfing/Mühldorf</a></li>



<li><a href="#pavia">1329: Der zersplitternde Hausvertrag von Pavia</a></li>



<li><a href="#neuboehmen">1373: Das kurzfristige Ende von Neuböhmen</a></li>



<li><a href="#agnes-bernauer">1435: Die berühmte Ermordung von Agnes Bernauer</a></li>



<li><a href="#donauwoerth">1607: Die illegale Besetzung von Donauwörth</a></li>



<li><a href="#schlacht-hoechstaedt">1704: Die zu Beginn verlorene Schlacht von Höchstädt</a></li>



<li><a href="#niederbayern">1778: Das österreichische Niederbayern</a></li>



<li><a href="#markgraf">1791: Die amouröse Abdankung des letzten Markgrafen</a></li>



<li><a href="#pariser-vertrag">1810: Der bayerisch-württembergische Pariser Vertrag</a></li>



<li><a href="#sued-nord-bahn">1838: Die umstrittene Ludwig-Süd-Nord-Bahn</a></li>



<li><a href="#ludwig-II">1886: Der vermeidbare Tod von Ludwig II.</a></li>



<li><a href="#kurt-eisner">1919: Die sekundenschnelle Ermordung von Kurt Eisner</a></li>



<li><a href="#hitler">1923: Der gescheiterte Hitler-Putsch</a></li>



<li><a href="#georg-elser">1939: Das zu präzise Attentat von Georg Elser</a></li>



<li><a href="#amberg">1945: Die tödlich verhinderte Verteidigung von Amberg</a></li>



<li><a href="#neu-gablonz">1945: Das Kaufbeurer Neu-Gablonz</a></li>



<li><a href="#aschermittwoch">1948: Der &#8222;erste politische&#8220; Aschermittwoch</a></li>



<li><a href="#waa">1989: Die kontroverse Aufgabe der WAA</a></li>



<li><a href="#th-deggendorf">1992: Die umkämpfte Fachhochschule Deggendorf</a><br><br><a href="#quellen-literatur">Quellen und Literatur</a></li>
</ol>



<h3 class="wp-block-heading" id="varusschlacht">1. 9 nach Christus: Die wegweisende Varusschlacht</h3>



<p>Als der römische Statthalter Publius Quinctilius Varus im <em>Teutoburger Wald</em> in einen Hinterhalt von germanischen Aufständischen unter Führung des Cheruskers Arminius geriet, hatte dies Folgen für Bayern.</p>



<p>Seit 15 vor Christus hatte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/geschichte-roemisches-reich/">das Römische Reich</a> das Alpenvorland bis zur Donau erobert.</p>



<p>Die Pläne gingen jedoch weiter. Seit 7 vor Christus waren in der sogenannten <em>Germania magna</em> auch Teile des späteren Nordbayerns unter Kontrolle gebracht und als Provinz in das Imperium eingegliedert worden.</p>



<p>Davon zeugte ein 1985 entdecktes Legionslager in Marktbreit (Unterfranken). Es konnte zwei Legionen aufnehmen und war als Stützpunkt für eine weitere Expansion angelegt worden.</p>



<p>Nach der Niederlage des Varus waren aber zwei Drittel der römischen Rheinarmee vernichtet. Das restliche Drittel konnte sich nur schnell hinter Rhein und Donau zurückziehen.</p>



<p>Daher – und als folgende römische Gegenoffensiven ohne dauerhaften Erfolg blieben – wurde das Lager in Marktbreit aufgegeben. Die Legionäre (siehe Reenactment-Bild aus der heutigen Zeit) verließen das heutige Unterfranken wieder.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/08/roemische-Legionaere.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto von fünf Römischen Legionären in einem Reenactment" class="wp-image-5283" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/08/roemische-Legionaere.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/08/roemische-Legionaere.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(J.Sabel/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Zwar expandierten die Römer ab 90 nach Christus erneut nach Schwaben und Franken. Sie errichteten den obergermanisch-raetischen Limes und gründeten im Jahr 175 mit dem Legionslager Castra Regina das heutige Regensburg, um die Grenzflüsse Donau, Naab und Regen zu überwachen.</p>



<p>Sie blieben aber auf „ihrer“ Seite von Main sowie Donau und unternahmen keine Eroberungsversuche in Richtung der Gebiete der heutigen Oberpfalz oder von Oberfranken.</p>



<p>Als der obergermanisch-raetische Limes schließlich 253/254 angesichts der Angriffe der Alamannen aufgeben wurde, endete die römische Präsenz in Nordbayern endgültig.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich das "römische Bayern" entwickelt, wenn Varus nicht in den Hinterhalt des Arminius geraten wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="agilolfinger">2. 788: Das unbekannte Ende der Agilolfinger</h3>



<p>Nach dem endgültigen Abzug der Römer im 5. Jahrhundert blieben Teile der romanisierten Bevölkerung in Südbayern. Ebenso wie germanische Söldner aus Siedlungen nördlich der Donau, die immer mehr Aufgaben der römischen Grenztruppen übernommen hatten.</p>



<p>Aus beiden Gruppen, weiteren germanischen Stämmen und zahllosen anderen Zuwanderern bildete sich eine neue Ethnie heraus, die die bayerische Geschichte begründete: die Bajuwaren.</p>



<p>Im 8. Jahrhundert dominierte vom immer noch stark befestigten Regensburg aus <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/800-de-bello-baiuvaria/">die Familie der Agilolfinger</a> als Herzöge diesen neuen Stamm.</p>



<p>Zwar sahen die Könige des Frankenreiches (auf der Karte in grünen Farben) sich als Oberherrscher der bajuwarischen Herzöge. Die Agilolfinger, die zu den mächtigsten und ältesten Familien des gesamten Reiches gehörten, versuchten aber immer wieder, sich dieser Oberherrschaft zu entziehen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="425" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Baiuvaria-im-Fraenkischen-Reich.png?resize=600%2C425&#038;ssl=1" alt="Karte des Fränkischen Reiches mit dem Gebiet der Bajuwaren" class="wp-image-2683" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Baiuvaria-im-Fraenkischen-Reich.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Baiuvaria-im-Fraenkischen-Reich.png?resize=300%2C213&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Baiuaria_im_Fr%C3%A4nkischen_Reich.svg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Plinganser/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Dabei waren sie unterschiedlich erfolgreich: Einzelne Herzöge regierten fast ohne Einmischung der Frankenkönige. Andere wurden durch Kriegszüge zur Unterwerfung gezwungen.</p>



<p>788 endete diese Phase der bayerischen Geschichte: Das unter den Karolingern erstarkende Frankenreich hatte die Unabhängigkeit der Agilolfinger immer mehr beschnitten. In diesem Jahr <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/zeitmaschine-karls-des-grossen-oliver-henkel/">setzte Karl der Große</a> schließlich Herzog Tassilo III. ab.</p>



<p>Dieser Sturz war für die bayerische Geschichte einschneidend, sein Ablauf blieb aber unbekannt, da die wenigen Quellen Propaganda der Franken wiedergeben.</p>



<p>Für Bayern hatte dies große Folgen. Das Land sank von einem fast unabhängigen Stammesherzogtum zu einer Provinz an der Peripherie des großen Frankenreiches herab.</p>



<p>Der Hauptsitz der Agilolfinger, Regensburg, entwickelte sich dagegen bis zum Aussterben der Karolinger zu einem Zentrum der Königsherrschaft im entstehenden ostfränkisch-deutschen Reich.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Bayern weiterentwickelt, wenn die Agilolfinger an der Macht geblieben wären?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="pressburg">3. 907: Die vernichtende Niederlage von Pressburg</h3>



<p>Um 900 war Bayern zwar weiter Teil des ostfränkischen Reiches.</p>



<p>Der bayerische Markgraf Luitpold handelte aber immer mehr wie ein unabhängiger Herrscher in einem neu entstandenen Stammesherzogtum.</p>



<p>Zu seinen Aufgaben gehörte die Sicherung der Grenzen gegen die stärker werdenden Einfälle des Reitervolks der Ungarn.</p>



<p>Nachdem er in den ersten Gefechten erfolgreich geblieben war, ging er 907 mit einem Großteil des bayerischen Heeres in die Offensive.</p>



<p>Unter bis heute unklaren Umständen erlitt er aber in der Umgebung von Pressburg, des heutigen Bratislavas (siehe Bild der Burg Devin unten), eine verheerende Niederlage. Dabei wurde ein Großteil des bayerischen Heeres, mit mehreren hohen bayerischen Würdenträgern, vernichtet.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="295" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Burg-Devin.jpg?resize=600%2C295&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5368" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Burg-Devin.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Burg-Devin.jpg?resize=300%2C148&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Rasto SK/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dies hatte enorme Folgen für Bayern unter dem neuen Markgrafen, Luitpolds Sohn Arnulf.</p>



<p>Um neue Mittel und Soldaten gegen weitere Ungarneinfälle zu gewinnen, säkularisierte dieser zahlreiche Klöster. Stattdessen entstanden die ersten Burgen in der Region als Fluchtpunkte für die Bevölkerung.</p>



<p>Dennoch konnte Arnulf die Ungarneinfälle nicht unterbinden. Die Ungarn verwüsteten Bayern häufig. Der Markgraf konnte höchstens Siege gegen Heere erringen, die mit Beute beladen auf dem Rückweg waren.</p>



<p>Erst der Sieg König Ottos I. auf dem Lechfeld bei Augsburg 955 beendete die Angriffe der Ungarn endgültig.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Markgraf Luitpold die Schlacht bei Pressburg nicht verloren hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="augsburg">4. 955: Die schlachtentscheidende Verteidigung von Augsburg</h3>



<p>Dieser für die deutsche Geschichte bedeutende Sieg hatte viel mit den Entwicklungen im heutigen Bayerisch-Schwaben zu tun.</p>



<p>Aus dem Stamm der Alemannen hatte sich im Frühmittelalter westlich des bayerischen Herzogtums das Herzogtum Schwaben entwickelt.</p>



<p>Neben den häufig wechselnden Herzögen bildete sich die Bischofsstadt Augsburg als ein Machtzentrum dieses Gebietes heraus.</p>



<p>Dies zeigte sich bei den Einfällen der Ungarn, die erst in der Schlacht auf dem Lechfeld vor der Stadt beendet wurden.</p>



<p>Dass es so weit kam, lag daran, dass Augsburg unter dem Bischof Ulrich lange genug der Blockade und Belagerung durch die angreifenden Ungarn standhielt. So konnte das ostfränkische Reichsheer unter König Otto I. rechtzeitig heranrücken.</p>



<p>Bis dahin hatte Bischof Ulrich, der als Reichsfürst auch das Militär der Stadt leitete, Augsburg trotz mehrerer kritischer Situationen erfolgreich verteidigt.</p>



<p>Die erfolgreiche Verteidigung ermöglichte es dem Heer unter König Otto I., die Ungarn in einer dramatischen Schlacht entscheidend zu schlagen. Dieser Sieg beendete nicht nur die Ungarneinfälle, sondern gab König Otto I. genug Prestige, um sich zum Kaiser krönen zu lassen und damit das spätere Heilige Römische Reich Deutscher Nation zu begründen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Ungarn Augsburg vor dem Eintreffen des Reichsheeres eingenommen hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="schweinfurter">5. 1057: Das langwierige Ende der Schweinfurter</h3>



<p>Im Jahr 1000 war das heutige Bayern machtpolitisch zweigeteilt.</p>



<p>In Nordbayern hatten die Grafen von Schweinfurt ein großes Herrschaftsgebiet im Raum zwischen der Stadt Schweinfurt mit ihrer Stammburg und der heutigen Oberpfalz bis zum Böhmerwald etabliert.</p>



<p>Diese starke Stellung nördlich ihrer Herrschaftsgebiete mit der Hauptstadt Regensburg konnte das damalige bayerische Herzogsgeschlecht der bayerischen Ottonen nicht zulassen.</p>



<p>Als einer der ihren als König Heinrich II. ab 1002 über das ostfränkisch-deutsche Reich regierte, brach der Konflikt zwischen ihm als bayerischer Herzog und der Schweinfurter Grafenfamilie offen aus.</p>



<p>Heinrich II. schlug einen Aufstand der Schweinfurter nieder und schwächte durch die Vergabe von Lehnsrechten die Stellung der Markgrafen.</p>



<p>Zum Beispiel gründete er, um ein Wiedererstarken der Schweinfurter zu verhindern, 1007 das Bistum Bamberg. Dieses baute er durch reiche Beschenkungen und die Vergabe von Herrschaftsrechten zum regionalen geistlichen Zentrum und einem weltlichen Machtfaktor in Nordbayern aus.</p>



<p>Zuletzt beschenkte er das Bistum zahlreich, zum Beispiel mit Reliquien, um eine dauerhafte Grablege für sich zu schaffen. Daher ist Heinrich II. auch im heutigen Bamberger Dom (siehe Bild) beerdigt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="450" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/06/Bamberg-Dom.jpg?resize=600%2C450&#038;ssl=1" alt="Foto des Bamberger Doms." class="wp-image-5187" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/06/Bamberg-Dom.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/06/Bamberg-Dom.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Takashi Images/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Doch erst der Tod des letzten Schweinfurters, Otto, beendet 1057 die Versuche der Markgrafen, ein geschlossenes Herrschaftsgebiet im heutigen Nordbayern aufzubauen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Nordbayern entwickelt, wenn die Schweinfurter nicht gescheitert wären?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="muenchen">6. 1158: Die umstrittene Gründung Münchens</h3>



<p>Die Gründung der heutigen bayerischen Hauptstadt München war das Ergebnis eines Konfliktes zwischen dem welfisch-bayerischen Herzog Heinrich dem Löwen und Bischof Otto von Freising.</p>



<p>Als Beispiel galt das Zerstören der bisherigen Freisinger Isarbrücke in Oberföhring samt Markt und Zollstation durch Heinrich.</p>



<p>Aber Otto von Freising war kein simples Opfer. Er stand im Verdacht, mit Oberföhring bisherige Reichsrechte an Brücke, Zoll und Markt an sich gerissen zu haben.</p>



<p>Erste Versuche der Freisinger Seite, die Brücke wiederaufzubauen, scheiterten jedoch an Heinrichs Gegenmaßnahmen.</p>



<p>Dadurch gewann der von Heinrich verlegte Isarübergang an einen Ort namens „Munichen“ (siehe Foto der Isar in München aus der heutigen Zeit) immer mehr regionales Gewicht.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Isar-bei-Muenchen.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto der Isar bei München zwischen Bäumen" class="wp-image-5457" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Isar-bei-Muenchen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Isar-bei-Muenchen.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(streetflash/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Diese Verlegung bestätige schließlich Kaiser Friedrich I. Barbarossa im <em>„Augsburger Schied“</em> am 14. Juni 1158. Als Ersatz erhielt der Freisinger Bischof in der Urkunde ein Drittel des Münchner Brückenzolls.</p>



<p>Dieses Dokument gilt aufgrund der ersten Erwähnung als Gründungsurkunde von München.</p>



<p>Schnell entstand danach auf dem bisher weitgehend unbesiedelten Gebiet eine wachsende Stadt als überregionaler herzoglicher Stützpunkt.</p>



<p>Daran änderte sich auch nichts, als Kaiser Friedrich I. Barbarossa nach dem Sturz Heinrichs des Löwen 1180 den <em>„Augsburger Schied“</em> für ungültig erklärte. Denn der Freisinger Bischof zog es vor, die gesicherten Einnahmen aus dem Münchner Brückenzoll zu bekommen, anstatt in Oberföhring die Infrastruktur neu aufzubauen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Verlegung der Isarbrücke bis 1158 gescheitert wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="wittelsbacher">7. 1204: Der endgültige Durchbruch der Wittelsbacher</h3>



<p>Als die Wittelsbacher 1180 als Nachfolger der Welfen die bayerische Herzogswürde durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa erlangten, gehörten sie zwar zum bayerischen Uradel und hatten viele Besitzungen im heutigen Bayerisch-Schwaben sowie in Ober- und Niederbayern.</p>



<p>Das von ihnen neu beherrschte Herzogtum war jedoch 1180 deutlich reduziert worden: Es verlor zum Beispiel die meisten Gebiete im heutigen Österreich.</p>



<p>Im übrigen Herzogtum standen mehrere mächtige Adelsfamilien dem Herrschaftsanspruch der neuen Herzöge entgegen.</p>



<p>In Niederbayern agierten die Grafen von Bogen als Vormacht. Sie herrschten zum Beispiel von Burgen wie Natternberg beim wichtigen Donauübergang Deggendorf (siehe Bild aus der heutigen Zeit) und dominierten die Besiedlung des Bayerischen Waldes.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="524" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Natternberg.jpg?resize=600%2C524&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5374" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Natternberg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Natternberg.jpg?resize=300%2C262&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Martin Erdniss/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Die Wittelsbacher versuchten, diese regionale Herrschaft zu brechen. Die Kämpfe endeten zuerst ohne eindeutigen Sieger.</p>



<p>Erst als 1204 sowohl der amtierende Graf von Bogen starb und gleichzeitig die Markgrafen von Cham-Vohburg endgültig ausstarben, gelang den Wittelsbachern der Durchbruch.</p>



<p>Denn Herzog Ludwig I. heiratete die Witwe des Bogener Grafen, womit er Ansprüche auf dessen Erbe geltend machen konnte. Und er zog den Besitz der Markgrafen von Cham-Vohburg komplett ein. Damit verschaffte er sich die Vormacht im niederbayerischen Raum bis zur böhmischen Grenze.</p>



<p>Auch später profitierten die Wittelsbacher Herzöge vom Aussterben regionaler Herrscher. 1248 starb zum Beispiel der letzte Herzog von Andechs-Meranien kinderlos und unter ungeklärten Umständen. Danach gelang es den Wittelsbachern, den oberbayerischen Besitz der Andechs-Meranier, zum Beispiel bei München, an sich zu bringen und den oberbayerischen Raum endgültig zu dominieren.</p>



<p>In der Oberpfalz zogen die Wittelsbacher 1305/1307 endgültig den Besitz der ehemaligen Grafen von Sulzbach ein, die weite Teile des späteren Bezirks beherrscht hatten. In diesem Fall war es eine längere Entwicklung, bis sämtliche Nachfolgefamilien der Grafen von Sulzbach ausgestorben waren.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die ersten Wittelsbacher Herzöge mit ihrem Machtanspruch 1204 gescheitert wären?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="regensburg">8. 1245: Die freie und Reichsstadt Regensburg</h3>



<p>Die Entwicklung des bayerischen Herzogtums unter den Wittelsbachern ging jedoch nicht nur in eine Richtung. Denn die neuen Herzöge mussten auch Verluste hinnehmen, zum Beispiel Regensburg.</p>



<p>Die Stadt entwickelte sich im Mittelalter nicht nur zum politischen und kulturellen Hauptort des bayerischen Herzogtums. Gestützt auf den wachsenden europäischen Handel mit Luxusgütern über die Donau – aber auch über den Regen nach Böhmen – wuchs die Stadt zur größten Wirtschaftsmetropole im süddeutschen Raum heran.</p>



<p>Zeugnis dieser Bedeutung und des Reichtums waren der Bau der Steinernen Brücke als einzigem festen Donauübergang zwischen Ulm und Wien von 1135 bis 1146 sowie des Doms ab 1273 (siehe Bild unten). Hinzu kamen zahlreiche Geschlechtertürme als Ausweis des Reichtums der Patrizier.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="441" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Regensburg.jpg?resize=600%2C441&#038;ssl=1" alt="Foto der Steinernen Brücke und des Doms in Regensburg." class="wp-image-786" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Regensburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Regensburg.jpg?resize=300%2C221&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Foto)</figcaption></figure>



<p>Entsprechend umkämpft waren die Herrschaftsrechte in der Stadt zwischen den bayerischen Herzögen und den Bischöfen von Regensburg. Auch der deutsche König, ab 1138 aus der Familie der Staufer, versuchte, die Metropole mehr an seine Herrschaft zu binden.</p>



<p>Dieses Spannungsfeld nutzten die reichen Bürger, um immer mehr Rechte der verschiedenen Streitparteien an sich zu ziehen. 1245 gewährte ihnen schließlich Kaiser Friedrich II. das Recht der freien Wahl von Bürgermeistern und Stadträten. Regensburg wurde freie und Reichsstadt.</p>



<p>Was für ein bedeutender Verlust die Stadt für die bayerischen Herzöge war, zeigten mehrere Versuche, die „verlorene Hauptstadt“ zurückzuerobern. Der damit einhergehende Wirtschaftskrieg und sich verändernde Handelsströme führten aber zu einer Verarmung der Reichsstadt.</p>



<p>Gleichzeitig entwickelte sich Regensburg im 16. Jahrhundert zu einem beliebten Standort für die Reichstage, die regelmäßigen Versammlungen der Kurfürsten, Fürsten und Reichsstädte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.</p>



<p>Als 1663, als der Reichstag nicht mehr wie üblich seinen Abschied nahm, entwickelte sich die Stadt sogar zum permanenten Sitz dieser Institution bis zum Ende des Reiches 1806.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Regensburg entwickelt, wenn die Stadt bayerische Hauptstadt geblieben wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="konradin">9. 1268: Der zersplitternde Tod von Konradin</h3>



<p>Im Gegensatz zu Bayern war Schwaben, und damit Bayerisch-Schwaben, im Hochmittelalter ein Zentrum der mittelalterlichen Kaiserherrschaft.</p>



<p>Diese Entwicklung hing an der Verbindung von schwäbischer Herzogswürde und römisch-deutschem Kaisertitel in der Familie der Staufer seit 1138.</p>



<p>Diese Verbindung erlosch jedoch, als König Konrad 1254 nur 26-jährig bei einem Kriegszug im Königreich Sizilien starb.</p>



<p>Damit endete nicht nur die Linie der staufischen Könige und Kaiser. Auch die Zentralmacht im Herzogtum Schwaben begann, sich langsam aufzulösen.</p>



<p>Zwar gab es danach mit Konradin noch einen Staufer, der mit 10 Jahren zum Herzog von Schwaben erhoben worden war. Ihm gelang es jedoch aufgrund seines Alters nicht, das Herzogtum unter Kontrolle zu bekommen.</p>



<p>Zudem wurde er 1268 nach seiner Niederlage im Kampf um das Erbe in Sizilien hingerichtet, womit die Staufer als Herrschaftsgeschlecht aufhörten zu existieren.</p>



<p>Das schwäbische Herzogtum zersplitterte sich danach in eine Vielzahl von Herrschaften (siehe Karte aus dem Jahr 1400).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="856" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayerisch-Schwaben-1400.png?resize=600%2C856&#038;ssl=1" alt="Karte der heutigen Region von Bayerisch-Schwaben im Jahr 1400 mit zahlreichen kleinen Territorien." class="wp-image-4930" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayerisch-Schwaben-1400.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayerisch-Schwaben-1400.png?resize=210%2C300&amp;ssl=1 210w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:HRR_1400.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ziegelbrenner/CC BY-SA 3.0 (Ausschnitt)</a>)</figcaption></figure>



<p>Davon profitierten ausgehend von Augsburg, Ulm und Memmingen vor allem zahlreiche Städte, die zu den <em>„oberschwäbischen Reichsstädten“</em> heranwuchsen.</p>



<p>Diese Zersplitterung blieb als „Fleckerlesteppich“ für Bayerisch-Schwaben typisch für die nächsten Jahrhunderte, ebenso wie die ständigen Konflikte mit den bayerischen Herzögen, die das Erbe der Staufer in Schwaben für sich reklamierten, um Herrschaftsrechte.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätten sich Schwaben und Bayern entwickelt, wenn Konradin nicht hingerichtet worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="ampfing-muehldorf">10. 1313: Die entscheidende Schlacht bei Ampfing/Mühldorf</h3>



<p>An anderer Stelle waren die bayerischen Herzöge im 14. Jahrhundert erfolgreicher.</p>



<p>Als am 28. September 1322 die Heere der Wittelsbacher und der Habsburger bei Ampfing oder Mühldorf (beides in Oberbayern) aufeinandertrafen, entschied sich nicht nur der Streit um die deutsche Königskrone zwischen Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen.</p>



<p>Durch den Sieg Ludwigs, der daraufhin König und Kaiser wurde, kam es auch zu neuen Entwicklungen für die Geschichte von Bayern.</p>



<p>Die Schlacht selbst wurde daher stark mythologisiert, wodurch wenige Details klar sind.</p>



<p>So ist zum Beispiel nicht geklärt, warum Friedrich trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit die von Ludwig angebotene Schlacht annahm, an deren Ende der Habsburger in Gefangenschaft geriet. Denn von Süden marschierten noch Verstärkungen seines Bruders heran, die die Heeresgrößen zugunsten von Friedrich gedreht hätten.</p>



<p>Auch die konkrete Rolle von Ludwig (siehe Statue aus der heutigen Zeit) in der Schlacht ist bis heute unklar.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="765" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Statue-Ludwig-der-Bayer.jpg?resize=600%2C765&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5497" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Statue-Ludwig-der-Bayer.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Statue-Ludwig-der-Bayer.jpg?resize=235%2C300&amp;ssl=1 235w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(ArTono/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Für Bayern hatte die gewonnene Schlacht große Folgen.</p>



<p>Zum Beispiel für München bedeutete die Königs- und Kaiserkrone von Ludwig trotz dessen fortwährenden Kämpfen mit Habsburgern, Luxemburgern und dem Papst eine enorme Aufwertung. Denn die Stadt blieb weiter seine geförderte Hauptresidenz und wurde beispielsweise zum europaweiten Sammelpunkt von papstkritischen Intellektuellen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Ludwig der Bayer die Schlacht von Ampfing/Mühldorf verloren hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="pavia">11. 1329: Der zersplitternde Hausvertrag von Pavia</h3>



<p>Diese Vormachtstellung der bayerischen Wittelsbacher endete jedoch schnell.</p>



<p>Um die ständigen Querelen innerhalb der Wittelsbacher zu beenden, teilte Kaiser Ludwig der Bayer die Territorien seiner Familie im Hausvertrag von Pavia.</p>



<p>Der Versuch, durch einen Interessenausgleich die Einheit der Familie zu wahren, war jedoch erfolglos.</p>



<p>Stattdessen spaltete sie sich in zuerst zwei Hauptlinien, eine pfälzische mit dem Zentrum um Heidelberg und eine bayerische mit den meisten Besitzungen im heutigen Ober- und Niederbayern.</p>



<p>Da die Pfalz an sich zu klein für ein Machtgleichgewicht war, kamen im Hausvertrag von Pavia Teile des bayerischen Nordgaus zur pfälzischen Linie. Aus diesen entwickelte sich die <em>„Obere Pfalz“</em>.</p>



<p>Die bayerische Linie begann sich danach sogar noch weiter aufzuspalten, bis 1392 sogar vier Familien existierten (siehe Karte unten).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="478" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Herzogt%C3%BCmer-Bayern.png?resize=600%2C478&#038;ssl=1" alt="Karte der vier bayerischen Herzogtümer im Jahr 1392." class="wp-image-803" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Herzogt%C3%BCmer-Bayern.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Herzogt%C3%BCmer-Bayern.png?resize=300%2C239&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">Wikimedia-Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bayern_nach_der_Teilung_1392.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lencer/CC BY-SA 3.0</a></figcaption></figure>



<p>Einerseits profitierten viele Städte von der Aufteilung. So wurde Amberg erstmals Sitz des Regierungsamts und Residenzstadt für die kurpfälzischen Statthalter in der Oberpfalz. Nicht selten waren dies die Söhne und designierten Nachfolger der Pfalzgrafen.</p>



<p>Die Zersplitterung der Herrschaft und die internen Konflikte innerhalb der Familie sorgten jedoch dafür, dass die bayerischen Herzöge im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation nicht als einheitlicher Machtfaktor auftreten konnten.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Bayern ohne den Hausvertrag von Pavia entwickeln können?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="neuboehmen">12. 1373: Das kurzfristige Ende von Neuböhmen</h3>



<p>Kaiser Karl IV., Nachfolger von Ludwig dem Bayern, nutzte diese Zersplitterung für seine eigene Machtpolitik.</p>



<p>Er wollte einen Landkorridor aufbauen, der von der heutigen Tschechischen Republik, die er als König von Böhmen beherrschte, bis zu den Zentren des Heiligen Römischen Reiches, Nürnberg und Frankfurt, reichte.</p>



<p>Dazu erwarb er bis 1353 Gebiete in der nördlichen Oberpfalz (auf der Karte der grüne Zipfel links von Böhmen), die er von Sulzbach aus verwalten ließ.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="599" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?resize=600%2C599&#038;ssl=1" alt="Karte der Länder der böhmischen Krone unter Karl IV." class="wp-image-2685" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Karte_B%C3%B6hmen_unter_Karl_IV.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Maximilian Dörrbecker (Chumwa)/CC BY-SA 2.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Diese Herrschaft, kurz Neuböhmen genannt, förderte er durch gezielte Vergabe von Privilegien sowie den Ausbau des Straßen- und Handelsnetzes der <em>„Goldenen Straße“</em>.</p>



<p>Besonders profitierte Nürnberg von Neuböhmen. Die Handelsgesellschaften der Stadt finanzierten große Teile der Pläne Karls IV. im Ausgleich für Handelsprivilegien in dessen Herrschaftsgebiet. Der Kaiser wertete Nürnberg entsprechend auf, beispielsweise in der dort verkündeten <em>„Goldenen Bulle“</em> 1356 als <em>„vornehmste und bestgelegendste Stadt des Reiches“</em>.</p>



<p>Jedoch gab Karl IV. seine Ziele 1373 kurzfristig auf: Im Vertrag von Fürstenwalde tauschte er große Teile von Neuböhmen gegen die strategisch wichtigere Mark Brandenburg.</p>



<p>Zwar gab es um Auerbach in der Oberpfalz noch ein kleines Restgebiet. Dieses ging aber unter Karls Nachfolger Wenzel in kriegerischen Auseinandersetzungen fast vollständig verloren.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich ein länger bestehendes Neuböhmen auf Bayern ausgewirkt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="agnes-bernauer">13. 1435: Die berühmte Ermordung von Agnes Bernauer</h3>



<p>In Straubing spielte sich zwischen 1433 und 1435 eine Episode ab, die entscheidend für die bayerischen Wittelsbacher war.</p>



<p>Denn dort residierte mit Albrecht, dem einzigen Sohn von Herzog Ernst, der einzige, herrschaftsfähige Nachkomme der Linie Bayern-München.</p>



<p>Daher erregte seine Affäre mit Agnes Bernauer, über die selbst nicht viel bekannt ist, die Aufmerksamkeit des Münchner Hofes.</p>



<p>Denn es gab bis heute unbestätigte, aber in der Forschung nicht mehr bezweifelte Gerüchte um eine Eheschließung von Albrecht mit der nicht standesgemäßen Frau. Beide agierten in Straubing zunehmend selbstständig gegenüber dem Hof in München.</p>



<p>Da damit die Einheit des Herzogtums und der Fortbestand der Linie Bayern-München in Gefahr waren, entschloss sich Herzog Ernst zu einem riskanten Manöver.</p>



<p>Er nutzte die Abwesenheit seines Sohnes bei einem Jagdausflug, um Agnes Bernauer am 12. Oktober 1435 in Straubing verhaften zu lassen. Danach ließ er sie dort in der Donau (siehe Bild aus der heutigen Zeit) ertränken.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Straubing-Donau.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5366" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Straubing-Donau.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Straubing-Donau.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wirestock Creators/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Der erzürnte Albrecht plante zuerst mit den verwandten Herzögen von Bayern-Landshut einen Krieg gegen seinen Vater.</p>



<p>Bereits 1436 söhnte er sich aber mit Ernst aus, heiratete standesgemäß und sicherte den Weiterbestand der Herzöge von Bayern-München. Die Linie von Bayern-München vereinte schließlich nach dem Aussterben der anderen bayerischen Linien das bayerische Herzogtum wieder unter einem Herrscher.</p>



<p>Agnes Bernauer und ihre tragische Geschichte brachten es dagegen zu einem gewissen Nachruhm, zum Beispiel durch die in Straubing alle vier Jahre stattfindenden <em>„Agnes-Bernauer-Festspiele“</em>.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Plan zur Ermordung von Agnes Bernauer 1435 gescheitert wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="donauwoerth">14. 1607: Die illegale Besetzung von Donauwörth</h3>



<p>Diese bayerischen Herzöge spielten eine große Rolle, als Anfang des 17. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich die Spannungen zwischen Katholiken und Protestanten eskalierten.</p>



<p>Ein Höhepunkt war der Konflikt in der freien und Reichsstadt Donauwörth.</p>



<p>Die Stadt war mehrheitlich protestantisch, hatte aber eine katholische Minderheit um das Kloster Heilig Kreuz (siehe Bild) zu dulden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="604" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?resize=600%2C604&#038;ssl=1" alt="Foto der Klosterkirche Heilig Kreuz in Donauwörth." class="wp-image-4929" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?resize=298%2C300&amp;ssl=1 298w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>In dieser Ausgangslage ereigneten sich 1606 und 1607 die sogenannten <em>„Kreuz- und Fahnengefechte“</em>. Dabei griffen Protestanten katholische Prozessionen, deren Auftreten mit Kreuzen und Fahnen sie als Provokation empfanden, an und jagten die Katholiken auseinander.</p>



<p>Nachdem Kaiser Rudolf II. 1606 die Reichsacht angedroht hatte, verfügte er diese nach dem zweiten <em>„Gefecht“</em> ein Jahr später.</p>



<p>Eigentlich wäre der protestantische württembergische Herzog als Obmann des schwäbischen Reichskreises, zu dem Donauwörth gehörte, für die Exekution zuständig gewesen.</p>



<p>Rudolf II. beauftragte allerdings den katholischen, bayerischen Herzog Maximilian I.</p>



<p>Dieser nutzte die Gelegenheit, um die Stadt zu besetzen und de facto zu annektieren. Als er Donauwörth rekatholisierte, führte dies zur Auswanderung vieler Protestanten.</p>



<p>Die protestantischen Mächte des Reiches sahen diese Entwicklung als Bedrohung und schlossen sich zu einem Bündnis zusammen. Daher galt die Besetzung von Donauwörth als einer der bedeutendsten Auslöser des Dreißigjährigen Krieges wenige Jahre später.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn nicht der bayerische, sondern der zuständige württembergische Herzog die Reichsacht in Donauwörth exekutiert hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="schlacht-hoechstaedt">15. 1704: Die zu Beginn verlorene Schlacht von Höchstädt</h3>



<p>Die in Folge des Dreißigjährigen Krieges zu Kurfürsten aufgestiegenen bayerischen Wittelsbacher planten vor allem unter Maximilian II. Emanuel eine europäische Großmachtpolitik. So stellte er sich zu Beginn des <em>„Spanischen Erbfolgekrieges“</em> 1702 auf die Seite des Königreichs Frankreich und damit gegen das Heilige Römische Reich unter den Habsburger-Kaisern.</p>



<p>Obwohl von feindlichen Mächten umgeben, gelang es dem militärisch erfahreneren Kurfürsten, Bayern zu verteidigen und Vorstöße gegen die Habsburger zu unternehmen. Bis diese in so große militärische Schwierigkeiten gerieten, dass die englisch-niederländischen Alliierten eine Armee unter dem Herzog von Marlborough entsandten. Als Reaktion schickten die Franzosen auch Verstärkungen.</p>



<p>Am Ende von mehreren Manövern stellte die alliierte Armee unter Marlborough und Prinz Eugen von Savoyen in der Nähe des Schlosses Höchstädt (in Bayerisch-Schwaben, siehe Bild unten) die bayerisch-französische Armee unter Maximilian II. Emanuel sowie den Marschällen Tallard und Marsin vor Höchstädt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="336" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Schloss-Hoechstaedt-1.jpg?resize=600%2C336&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-6975" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Schloss-Hoechstaedt-1.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Schloss-Hoechstaedt-1.jpg?resize=300%2C168&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Obwohl die französisch-bayerischen Linien unter dem Befehl von Maximilian II. Emanuel und Marsin mehrere Attacken bis zur Erschöpfung der Angreifer abwehrten und sogar Gegenangriffe starteten, beging die Armee von Tallard bereits zu Beginn einen entscheidenden Fehler beim Dorf Blindheim.</p>



<p>Die zuerst angegriffenen Franzosen verstärkten ihre Garnison dort so stark, dass ihnen keine Reserven mehr blieben. Obwohl Tallard mehrere Attacken zurückschlagen konnte, brach Marlborough genau westlich des Dorfes massiv durch die Linien der Verteidiger. Die übrigen Einheiten von Tallards Armee flohen, aber die Truppen von Maximilian II. Emanuel und Marsin zogen sich geordnet zurück.</p>



<p>Doch die Niederlage entwickelte sich durch Bindheim zur Katastrophe. Marschall Tallard wurde beim Versuch, das Dorf zu erreichen, gefangen genommen. Die demoralisierten und ohne Befehlshaber verbliebenen Franzosen kapitulierten dort in großer Masse.</p>



<p>Dadurch verblieb der übrigen bayerisch-französischen Armee nicht mehr genug Schlagkraft, um den Alliierten weiteren Widerstand in Bayern entgegenzusetzen. Bis 1714 wurde Bayern besetzt und ausgeplündert. Aufflammende Rebellionen wurden, wie in der <em>„Sendlinger Mordweihnacht“</em>, unterdrückt. Die Gefahr eines militärischen Zusammenbruchs der Habsburger war beendet.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätten sich die Schlacht und der weitere Krieg in Bayern entwickelt, wenn die Franzosen ihre Soldaten nicht in Blindheim konzentriert hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="niederbayern">16. 1778: Das österreichische Niederbayern</h3>



<p>1777 endete die bayerische Linie der Wittelsbacher, als Kurfürst Maximilian III. Joseph kinderlos starb.</p>



<p>Nach den Wittelsbachischen Erbverträgen hätte nun der Pfälzer Kurfürst Karl Theodor (siehe Bild) die Macht in ganz Bayern ergreifen sollen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="879" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Karl-Theodor.jpg?resize=600%2C879&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5370" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Karl-Theodor.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Karl-Theodor.jpg?resize=205%2C300&amp;ssl=1 205w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Oleg Senkov/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Kaiser Joseph II. sah aber nach den verlorenen Schlesischen Kriegen gegen den preußischen König Friedrich II. die Gelegenheit zu Gebietsgewinnen.</p>



<p>Er übte Druck auf Karl Theodor aus und schloss mit ihm 1778 die <em>„Wiener Konvention“</em>. Darin trat Karl Theodor unter anderem Gebiete um Straubing und Burghausen an Österreich ab.</p>



<p>Als die einmarschierenden kaiserlichen Armeen aber fast ganz Ostbayern bis kurz vor Landshut besetzten, rief dies Friedrich II. auf den Plan.</p>



<p>Zusammen mit anderen Reichsfürsten stellte er sich im sogenannten „Bayerischen Erbfolgekrieg“ gegen die Wiener Konvention.</p>



<p>Nachdem der <em>„Kartoffelkrieg“</em> oder <em>„Zwetschgenrummel“</em> genannte Konflikt ohne große kriegerische Entscheidung geblieben war, beendete erst der Frieden von Teschen 1779 die Auseinandersetzungen.</p>



<p>Der Großteil von Niederbayern wurde wieder bayerisch. Nur das Innviertel mit den Städten Braunau und Schärding blieb bis in die heutige Zeit österreichisch.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Österreicher 1778 nur die ihnen durch die <em>"Wiener Konvention" </em>zugestandenen bayerischen Gebiete besetzt hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="markgraf">17. 1791: Die amouröse Abdankung des letzten Markgrafen</h3>



<p>Während die Wittelsbacher die heutigen Bezirke Nieder- und Oberbayern sowie die Oberpfalz beherrschten, war Franken in zahlreiche Territorien zersplittert. Eine gewisse Vormacht hatten dort neben den Fürstbischöfen von Bamberg und Würzburg die Markgrafen aus der fränkischen Linie der Hohenzollern inne.</p>



<p>1769 vereinigte Markgraf Karl Alexander diese Gebiete um Ansbach und Bayreuth unter seiner Herrschaft.</p>



<p>Er war ein Anhänger des aufgeklärten Absolutismus und förderte zum Beispiel die Universität in Erlangen (siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Schloss-Erlangen.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Foto des Erlanger Schlosses mit Park" class="wp-image-5069" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Schloss-Erlangen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Schloss-Erlangen.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Scirocco340/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Auch bei der Wahl seiner Partnerinnen zog er persönliche Interessen dynastischen Erwägungen vor: Während sich seine erste Geliebte nicht in die Politik einmischte, tat dies jedoch die zweite, Lady Elisa Craven.</p>



<p>Sie nutzte vor allem den Pessimismus des Markgrafen über die Zukunft seiner Länder, die durch seine Kinderlosigkeit nach seinem Tod an Preußen fallen sollten.</p>



<p>Daher gelang es Craven, ihn davon zu überzeugen, bereits im Januar 1791 seine Länder in einem Geheimvertrag an Preußen zu übertragen. Als er gegen eine finanzielle Zuwendung im Dezember 1791 zurücktrat, gingen so Ansbach und Bayreuth an Preußen – bis 1806.</p>



<p>In diesem Jahr – fast 15 Jahre nach seiner Abdankung – verstarb Karl Alexander mit knapp 70 Jahren.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich das fränkische Hohenzollerngebiet entwickelt, wenn Karl Alexander nicht oder zu einem anderen Zeitpunkt abgedankt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="pariser-vertrag">18. 1810: Der bayerisch-württembergische Pariser Vertrag</h3>



<p>Infolge der Kriege des revolutionären Frankreichs und später des Kaisers Napoleon kam es in diesen Jahren zu großen Umwälzungen in Bayern, Franken und Schwaben.</p>



<p>So expandierte das seit 1806 als Königreich existierende Bayern in Richtung Schwaben und Franken.</p>



<p>Ein entscheidender Einschnitt war der Grenzvertrag mit Württemberg, den Bayern 1810 in Paris schloss.</p>



<p>Darin trat es das 1802/1803 erworbene Ulm an das benachbarte Königreich ab und erhielt von Frankreich das ehemalige Fürstentum Bayreuth.</p>



<p>Zuvor hatte eine bayerisch-württembergische Kommission die bisherige Grenze (siehe Karte) zwischen beiden Staaten neu verhandelt und sich dabei an den Flüssen als Grenze orientiert.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="654" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayern-1806.png?resize=600%2C654&#038;ssl=1" alt="Karte von Bayern im Jahr 1806. " class="wp-image-4928" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayern-1806.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayern-1806.png?resize=275%2C300&amp;ssl=1 275w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rheinbund_1806,_political_map.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ziegelbrenner/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Der Grenzvertrag hatte auch Folgen für andere Teile Bayerns: So machte er Memmingen zur Grenzstadt. Im heutigen Oberfranken verschob sich das Zentrum durch den Vertrag. Denn der Regierungssitz wechselte in das neu erworbene Bayreuth und die ehemalige Bischofsresidenz Bamberg verlor an Bedeutung.</p>



<p>Der Vertrag stand stellvertretend für die verschiedenen Veränderungen in Bayern während der Ära Napoleons.</p>



<p>So nahm das Königreich Bayern wenige Tage nach dem Grenzvertrag endgültig <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/autofreundliche-altstadt-regensburg/">Regensburg</a> in Besitz und machte es zur Hauptstadt des späteren Bezirks Oberpfalz. Dafür büßte Amberg seine jahrhundertealte Hauptstadtfunktion ein.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Grenzvertrag anders verhandelt worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="sued-nord-bahn">19. 1838: Die umstrittene Ludwig-Süd-Nord-Bahn</h3>



<p>Als das Eisenbahnzeitalter in Bayern anbrach, bedeutete dies für verschiedene Regionen langfristige Entscheidungen. Denn die Eisenbahn war im 19. Jahrhundert der entscheidende Treiber für die Industrialisierung der an sie angeschlossenen Städte und Regionen.</p>



<p>Entsprechend war die geplante Trasse der Ludwig-Süd-Nord-Bahn umstritten. Denn sie war die erste ganz Bayern durchquerende Eisenbahnstrecke.</p>



<p>So bildeten sich in Bayreuth und Hof Eisenbahnkomitees, die für einen Anschluss an die Ludwig-Süd-Nord-Bahn warben. Bayreuth argumentierte mit dem Hauptstadtstatus, Hof mit einem besseren Anschluss an das sächsische Eisenbahnnetz.</p>



<p>1838 entschied König Ludwig I. schließlich, dass die Strecke in Oberfranken von Bamberg über Kulmbach nach Hof führen sollte. Damit gewann Hof nicht nur einen Verkehrsknotenpunkt, sondern auch die Möglichkeit zur Versorgung mit Steinkohle aus dem Zwickauer Revier. So wurde Hof eine der ersten Industriestädte von Oberfranken und Bayern.</p>



<p>Auch in Bayerisch-Schwaben war die Streckenführung der Ludwig-Süd-Nord-Bahn umkämpft. Ursprünglich sollte die Strecke zwischen Augsburg und Lindau auf einer technisch einfacheren Route gebaut werden. Denn das Allgäu war aufgrund seiner gebirgigen Landschaft (siehe Bild aus der heutigen Zeit unten) für Planer und Ingenieure bereits eine enorme Herausforderung.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Zugfahrt-Allgaeu.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Foto eines modernen Zuges mit zwei Triebwägen in einer Stadt im Allgäu vor den Bergen der Alpen" class="wp-image-6478" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Zugfahrt-Allgaeu.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Zugfahrt-Allgaeu.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Hagen Simon/Shuttertock)</figcaption></figure>



<p>Der geplanten Streckenführung widersetzten sich jedoch Kempten und Kaufbeuren am Ende erfolgreich, und die Bahnstrecke musste auf der technisch schwierigeren Route gebaut werden. Letztere erwies sich jedoch als wirtschaftlich erfolgreich und förderte die ab 1840 einsetzende Industrialisierung im Allgäu, zum Beispiel mit Textilherstellung in Kaufbeuren.</p>



<p>Auch andere neue Eisenbahnstrecken waren umstritten: In Unterfranken sorgte die Ludwigs-West-Bahn ab 1852 durch eine länger als ursprünglich geplante Streckenführung für das Aufblühen von Schweinfurt als Industriestandort. In der Oberpfalz profitierten Schwandorf und Weiden von der Eisenbahn, während Amberg verkehrstechnisch zurückfiel.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn sich König Ludwig I. für eine der anderen Eisenbahnstrecken entschieden hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="ludwig-II">20. 1886: Der vermeidbare Tod von Ludwig II.</h3>



<p>Als das Königreich Bayern 1871 Teil <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/kaisertag-oliver-henkel/">des Deutschen Reiches</a> wurde, verlor der junge König Ludwig II. große Teile seiner bisherigen Macht. Als er, und der ihn begleitende Psychiater Bernhard von Gudden am Abend des 13. Juni im Starnberger See starben, begann mit dem bis heute ungeklärten und von zahlreichen Theorien überwucherten Tod der Mythos um den <em>„Märchenkönig“</em>.</p>



<p>Verstärkt durch seine heute als Tourismusmagneten bestehenden Bauten Linderhof, Herrenchiemsee (beides in Oberbayern) und das im Allgäu liegende Neuschwanstein prägte er das Bild von Bayern bis in die heutige Zeit.</p>



<p>Deren Baukosten führten aber 1886 mit zur Absetzung von Ludwig II. Erleichtert wurde dies durch sein immer soziopathischeres Verhalten, das in Regierung und Bevölkerung auf Unverständnis stieß.</p>



<p>Als für die amtierende Landesregierung die Gefahr bestand, vom König abgesetzt zu werden, stieß diese seine rechtlich umstrittene Absetzung an. Basis war ein fachlich ungeeignetes Gutachten durch Bernhard von Gudden.</p>



<p>Als eine Kommission am 10. Juni 1886 in Neuschwanstein (siehe Bild) eintraf, um Ludwig II. abzusetzen, endete ihr Besuch im Desaster. Auf Befehl des Königs nahm die Gendarmerie von Füssen deren Mitglieder gefangen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="394" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Schloss-Neuschwanstein.jpg?resize=600%2C394&#038;ssl=1" alt="Foto von Schloss Neuschwanstein" class="wp-image-2771" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Schloss-Neuschwanstein.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Schloss-Neuschwanstein.jpg?resize=300%2C197&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Natalia Klenova/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dann jedoch blieb Ludwig II. überraschenderweise passiv. Weder folgte er Ratschlägen, nach München zu fahren, um sich dem Volk zu zeigen, oder nach Tirol zu fliehen. Noch ergriff er weitere Sicherungsmaßnahmen oder regierte auf die ohne sein Wissen erfolgte Freilassung der Kommission.</p>



<p>Vermutungen gehen davon aus, dass der wirklich kranke König unter einem plötzlichen Schub von Depression litt.</p>



<p>Der Rest der Geschichte ist Teil des Mythos: In der Nacht vom 11. auf den 12. Juli ließ sich Ludwig II. ruhig und widerstandslos durch eine zweite Kommission unter von Gudden gefangen nehmen. Erst der am nächsten Tag erfolgte mysteriöse Tod machte aus der <em>„Königskrise“</em> dann den <em>„Märchenkönig“</em>.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Ludwig II. zwischen dem 10. und 12. Juni nach München oder Tirol geflohen wäre oder sich gegen eine Gefangennahme geschützt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="kurt-eisner">21. 1919: Die sekundenschnelle Ermordung von Kurt Eisner</h3>



<p>Am 21. Februar 1919 schien die Zeit linker Macht in München und Bayern endgültig zu Ende zu gehen: Zwar wurde das Land seit dem Sturz der Wittelsbacher Monarchie am Ende des Ersten Weltkrieges von einer Revolutionsregierung unter dem Ministerpräsidenten Kurt Eisner regiert.</p>



<p>Dieser unabhängige Sozialdemokrat hatte am 7. November 1918 die Republik ausgerufen und danach den Freistaat Bayern begründet.</p>



<p>Nach der Niederlage bei der ersten freien Landtagswahl 1919 war Eisner aber nach Druck durch die Mehrheitssozialdemokraten bereit, zurückzutreten.</p>



<p>Doch dazu kam es nicht, als er die heutige Karl-Faulhaber-Straße (siehe Bild) betrat.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Muenchen-Kardinal-Faulhaber-Strasse.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5494" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Muenchen-Kardinal-Faulhaber-Strasse.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Muenchen-Kardinal-Faulhaber-Strasse.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Ihor Pasternak/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Auf dem kurzen Weg zwischen seinem Dienstsitz und dem Landtag folgte der demobilisierte Offizier Anton Graf Arco-Valley dem noch amtierenden Ministerpräsidenten, ohne von dessen beiden Leibwächtern und dessen Sekretär bemerkt zu werden.</p>



<p>So gelang es Arco-Valley schnell hinter Eisner zu kommen, eine Pistole zu ziehen und zwei Schüsse in dessen Nacken abzugeben. Der Ministerpräsident war auf der Stelle tot.</p>



<p>Dies löste eine Welle von Unruhen, Attentaten und linken Aufständen in München und Bayern aus.</p>



<p>So kam es zur Ausrufung <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">von mehreren, immer radikaleren Räterepubliken</a> in München und Umgebung, die erst durch rechtsradikale Freikorps blutig niedergeschlagen wurden.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich die Lage in München und Bayern entwickelt, wenn das Attentat auf Eisner erfolglos gewesen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="hitler">23. 1923: Der gescheiterte Hitler-Putsch</h3>



<p>In den 1920er Jahren galt Bayern daher als Zentrum der politischen Rechten im Deutschen Reich. So vertrat der Ministerpräsident Gustav Ritter von Kahr das Konzept einer „Ordnungszelle Bayern“ gegen die <em>„marxistische“</em> und <em>„verjudete“</em> Weimarer Republik.</p>



<p>Im Herbst 1923 eskalierte dieser ideologische Konflikt auf politischer Ebene. Der mit diktatorischen Vollmachten als Generalstatthalter regierende von Kahr ignorierte einen von Reichspräsident Friedrich Ebert verhängten reichsweiten Ausnahmezustand und unterstellte rechtswidrig die bayerischen Reichswehreinheiten seinem Oberbefehl. In seinem Umfeld gab es Pläne, die <em>„Ordnungszelle Bayern“</em> als Ausgangspunkt für eine nationale Erhebung und einen <em>„Marsch auf Berlin“</em> zu nutzen.</p>



<p>Diese angespannte Atmosphäre wollte Adolf Hitler mit seiner inzwischen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/nacht-der-braunen-schatten-katharine-burdekin/">40.000 Mitglieder umfassenden NSDAP</a> ausnutzen. Die Nationalsozialisten waren unter ihm zu einer starken Kraft im rechtsextremistischen Spektrum herangewachsen, ohne Einfluss auf die Landespolitik zu gewinnen.</p>



<p>Ausgangspunkt <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/1889-geschichte-machen-von-stephen-fry/">der Pläne Hitlers</a> war eine Kundgebung der <em>„Vaterländischen Verbände“</em> im Münchner Bürgerbräukeller am 8. November 1923, bei der auch von Kahr, Ministerpräsident von Knilling sowie die Oberbefehlshaber der bayerischen Reichswehr und der Landespolizei anwesend waren.</p>



<p>Zwar <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-staehlerne-traum-norman-spinrad/">gelang es den Nationalsozialisten</a> unter Adolf Hitler und dem bekannten Weltkriegsgeneral Erich von Ludendorff, diese Kundgebung zu stürmen und unter dem Jubel des Publikums eine <em>„nationale Revolution“</em> zu verkünden.</p>



<p>Als sie jedoch die anwesenden Landespolitiker entließen, begannen diese, den Widerstand gegen den <em>„Hitlerputsch“</em> zu organisieren.</p>



<p>Daher scheiterte ein Demonstrationszug am nächsten Tag im Feuer der bayerischen Landespolizei an der Feldherrnhalle (siehe Bild aus der heutigen Zeit).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="403" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Muenchen-Odeonsplatz-Feldherrnhalle.jpg?resize=600%2C403&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5495" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Muenchen-Odeonsplatz-Feldherrnhalle.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Muenchen-Odeonsplatz-Feldherrnhalle.jpg?resize=300%2C202&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Diego Grandi/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Nach der Niederschlagung des <em>„Hitlerputsches“</em> kam es zu einer kurzfristigen Schwächung der <em>„Ordnungszelle Bayern“</em>. Langfristig profitierte aber Adolf Hitler von der durch den Putsch und die darauffolgende Gerichtsverhandlung gestiegenen Bekanntheit.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich der "Hitlerputsch" in München entwickelt, wenn die Nationalsozialisten die im Bürgerbräukeller anwesenden Landespolitiker nicht freigelassen hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="georg-elser">24. 1939: Das zu präzise Attentat von Georg Elser</h3>



<p>Diesen Putschversuch <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/wenn-das-der-fuehrer-wuesste-otto-basil/">feierten die Nationalsozialisten</a> jedes Jahr, vor allem nach <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-consul-christian-von-ditfurth/">ihrer Machtergreifung 1933</a>, am Jahrestag in München.</p>



<p>1938 brachte dies den Möbeltischler Georg Elser auf die Idee eines Attentats.</p>



<p>Dieses bereitete er akribisch vor.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Er ließ sich an 30 Tagen im Bürgerbräukeller einsperren, um eine Säule neben dem Rednerpult von Hitler für seine Bombe auszuhöhlen.</li>



<li>Zusätzlich wählte er eine Säule aus, die statisch enorm wichtig für den Keller war, denn sie stabilisierte zwei Längs- und einen Querträger, die weitere Träger stützten.</li>



<li>Er baute in den Mechanismus zwei Uhrwerke ein, um eine zeitlich präzise Detonation zu sichern.</li>



<li>Die Bombe an sich war, wie selbst die Ermittler einräumten, meisterhaft konstruiert und funktionierte problemlos.</li>
</ul>



<p>Alles verlief wie geplant: Am 8. November 1939 explodierte um 21 Uhr 20 die Bombe und führte nach der unmittelbaren Detonation zum Einsturz der ganzen Dachkonstruktion. Der Bürgerbräukeller war danach eine einzige Trümmerlandschaft und es kam zu acht Toten sowie 63 Verletzten.</p>



<p>Nur Hitler (siehe Bild) und seine Entourage waren nicht darunter.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="600" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=600%2C600&#038;ssl=1" alt="Münze mit dem Bild von Adolf Hitler und dem Motto &quot;Unser die Zukunft Adolf Hitler&quot;" class="wp-image-3088" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Sytilin Pavel/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Entgegen der Ankündigung und seiner sonstigen Redegewohnheit hatte Hitler den Saal bereits 13 Minuten vor der Explosion verlassen. Denn im nebligen München musste er statt mit dem Flugzeug mit dem früher fahrenden Zug reisen.</p>



<p>Damit scheiterte das durch den Einzelgänger perfekt vorbereitete Attentat.</p>



<p>Elser wurde bereits vor dem Attentat beim gescheiterten Grenzübertritt verhaftet und später mit dem Anschlag in Verbindung gebracht. Danach wurde er gefoltert, ins Konzentrationslager eingeliefert und dort kurz vor Kriegsende ermordet. Erst lange nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde sein Attentatsversuch Teil der bundesdeutschen Erinnerungskultur.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn das Attentat auf Hitler 1939 gelungen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="amberg">25. 1945: Die tödlich verhinderte Verteidigung von Amberg</h3>



<p>Am Ende der nationalsozialistischen Herrschaft und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">des Zweiten Weltkrieges</a> ging es für viele bayerische Städte nur noch darum, <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/im-jahre-ragnaroek-oliver-henkel/">einer Zerstörung</a> zu entgehen.</p>



<p>Denn <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">als die US-Amerikaner</a> im April 1945 nach Bayern vorstießen, war die fast zerschlagene Wehrmacht zu keinem durchgängigen Widerstand mehr in der Lage. Da die Angreifer allerdings kurz vor Ende Krieges keine Risiken mehr eingehen wollten, führte auch nur geringer örtlicher Widerstand zu massiven Bombardements durch die US-Luftwaffe und Artillerie. Das erlebte zum Beispiel das oberpfälzische Neumarkt, das von wenigen hundert Soldaten mehrere Tage verteidigt und so fast vollständig zerstört wurde.</p>



<p>Im benachbarten Amberg waren die meisten nationalsozialistischen Verantwortlichen gegen eine Verteidigung der Stadt durch die wenigen verbliebenen Truppen. Zumal die Stadt (siehe Bild vom Mariahilfberg aus der heutigen Zeit) bis dahin von größeren Zerstörungen verschont geblieben war.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="506" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Blick-auf-Amberg.jpg?resize=600%2C506&#038;ssl=1" alt="Blick vom Mariahilfberg auf die Stadt Amberg und ihre historische Altstadt." class="wp-image-5945" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Blick-auf-Amberg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Blick-auf-Amberg.jpg?resize=300%2C253&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Der Kreisleiter der NSDAP, Artur Kolb, forderte jedoch eine bedingungslose Verteidigung von Amberg und die anderen Verantwortlichen, darunter der Bürgermeister, wagten nicht, gegen ihn zu agieren.</p>



<p>Als die US-Amerikaner daraufhin am 22. April die Beschießung der Stadt begannen, wollte Kolb mit einem Auto die Front am Mariahilfberg inspizieren. Dabei geriet sein Wagen in das Gewehrfeuer der Angreifer. Kolb wurde schwer verwundet und starb kurz darauf.</p>



<p>Das so entstandene Machtvakuum nutzten die restlichen Amberger Verantwortlichen, um zu kapitulieren. Daher nahmen die US-Amerikaner Amberg am 23. April ohne Widerstand und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/morbus-kitahara-christoph-ransmayr/">ohne größere Zerstörunge</a>n ein.</p>



<p>Solche dramatischen Entwicklungen spielten sich auch in anderen Städten ab: Im schwäbischen Nördlingen konnten nur zähe Verhandlungen mit dem Stadtkommandanten der Wehrmacht das Einziehen von weißen Flaggen so lange verzögern, bis der Kommandant die Stadt verließ und Nördlingen ohne Zerstörung an die US-Amerikaner übergeben werden konnte.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Amberger NSDAP-Kreisleiter Kolb nicht am 22. April erschossen worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="neu-gablonz">26. 1945: Das Kaufbeurer Neu-Gablonz</h3>



<p>Als es nach 1945 zur Vertreibung unter anderem der Sudetendeutschen kam, suchte eine Gruppe um den Diplomingenieur Erich Huschka einen neuen Standort für die Vertriebenen aus der Stadt Gablonz an der Neiße. Diese war bis dahin ein Zentrum der böhmischen Glas- und Schmuckherstellung gewesen. Diese Wirtschaftsstruktur wollte die Gruppe in Deutschland wiederaufbauen.</p>



<p>Dazu sondierten sie verschiedene Regionen, zum Beispiel in Süddeutschland und im Bayerischen Wald. Kaufbeuren (siehe Bild unten) in Bayerisch-Schwaben war eine Möglichkeit wegen einer ehemaligen Sprengstofffabrik mit einem großen Gelände und eigener Versorgungsinfrastruktur.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="200" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Altstadt-Kaufbeuren.jpg?resize=600%2C200&#038;ssl=1" alt="Panoramabild der Altstadt von Kaufbeuren mit alter Stadtmauer und Kirchentürmen" class="wp-image-6477" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Altstadt-Kaufbeuren.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Altstadt-Kaufbeuren.jpg?resize=300%2C100&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(cityfoto24/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Allerdings war der für Wirtschaftsfragen zuständige Beamte im Kaufbeurer Rathaus gegen eine Ansiedlung der Vertriebenen, da er das Gelände als ungeeignet ansah.</p>



<p>Huschka gelang es, diesen Widerstand zu überwinden, indem er einen ausgearbeiteten Ansiedlungsplan für Kaufbeuren direkt an die bayerischen Ministerien schickte. Diese waren sehr daran interessiert, die Gablonzer Industrien in Bayern anzusiedeln. Der damalige bayerische Wirtschaftsminister Ludwig Erhard favorisierte allerdings eine Ansiedlung der Gablonzer mehrheitlich im Fichtelgebirge und in Bayreuth.</p>



<p>Ein weiteres Hindernis waren Vorbehalte der US-amerikanischen Besatzungsbehörden, die gegen eine geschlossene Ansiedlung der Sudetendeutschen auf diesem Gelände waren. Dies konnte der Oberbürgermeister von Kaufbeuren erst umgehen, als er die kommunale Planungshoheit über das Gelände beanspruchte. Damit übernahm die Stadt auch die Verantwortung für die kostspielige Infrastruktur von den US-Amerikanern.</p>



<p>Somit gelang es ab Juni 1946, die Gablonzer im neuen Stadtteil Kaufbeuren-Hart anzusiedeln. 1952 erfolgte die Umbenennung in Kaufbeuren-Neugablonz. Die dort angesiedelte Industrie erwies sich bis in die 1970er Jahre als Wachstumsmotor der Stadt und Region. Bis 1961 verdreifachte Kaufbeuren so durch die 17.000 Vertriebenen seine Einwohnerzahl.</p>



<p>Lange blieb Neu-Gablonz eine Sprachinsel des im sudetendeutschen Gablonz gesprochenen <em>„Paurischen“</em> und bis in die heutige Zeit sind dort Traditionen aus dem böhmischen Kulturkreis lebendig.</p>



<pre class="wp-block-verse">Welche Folgen hätte eine Ansiedlung der Gablonzer an einem anderen Standort gehabt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="aschermittwoch">27. 1948: Der &#8222;erste politische&#8220; Aschermittwoch</h3>



<p>Bereits 1919 hatte der Bayerische Bauernbund den traditionellen Viehmarkt in Vilshofen zu einer Volksversammlung geladen, um bei den Bauern in Niederbayern für seine politischen Ziele zu werben.</p>



<p>Dies begründete jedoch keine langfristige Tradition. Erst 1927 kam es zu einer neuen Kundgebung des Christlichen Bauernvereins, der im Kernland des Bayerischen Bauernbundes dessen Einfluss zurückdrängen wollte.</p>



<p>Erst 1932 gab es nach mehrjähriger Pause erstmals mehr als eine Veranstaltung am Aschermittwoch in Vilshofen (siehe Bild): Neben dem Christlichen Bauernverein hielt die Bayerische Volkspartei eine Kundgebung ab. 1933 kam es bereits zu Veranstaltungen des Bauern- und Mittelstandsbunds sowie der Kommunisten und der NSDAP.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="322" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Vilshofen.jpg?resize=600%2C322&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5367" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Vilshofen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Vilshofen.jpg?resize=300%2C161&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Animaflora PicsStock/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Diese Entwicklung endete jedoch sofort mit der Gleichschaltung der Nationalsozialisten. Diese propagierten zwar dort bis 1937 eigene Veranstaltungen über die Wochenschau im ganzen Reich, danach fanden aber bis 1945 keine Kundgebungen mehr statt.</p>



<p>Erst 1946 lud der Bayerische Bauernverband zu einer „unpolitischen“ Veranstaltung am Aschermittwoch ein, um die Erlaubnis der alliierten Besatzungsbehörden für politische Kundgebungen zu umgehen. 1947 fand aber wiederum keine Kundgebung statt.</p>



<p>Die Initialzündung legte schließlich das Jahr 1948. Erstmals hielten Bayernpartei, CSU und SPD Großkundgebungen für die Bauern ab. Besondere Emotionalität brachte der Auftritt von Josef Baumgartner für die Bayernpartei ein, da er kurz zuvor aus der Landesregierung und der CSU ausgetreten war.</p>



<p>Dies legte den Grundstein für erbitterte politische Schlagabtausche zwischen beiden Parteien in den 1950er und Anfang der 1960er Jahre, für die besonders die Rededuelle zwischen Josef Baumgartner und dem CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß standen.</p>



<p>Damit begründete sich endgültig die bis heute bundesweit bekannte Tradition des politischen Aschermittwochs.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn sich nach 1948 keine Tradition des politischen Aschermittwochs etabliert hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="waa">28. 1989: Die kontroverse Aufgabe der WAA</h3>



<p>Als sich 1985 die Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen für Wackersdorf bei Schwandorf als Standort der bundesdeutschen atomaren Wiederaufbereitungsanlage (kurz WAA, im Bild der Komplex im französischen La Hague) entschied, galt die Atomkraft als Zukunftstechnologie.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="281" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Wiederaufbereitungsanlage-La-Hague.jpg?resize=600%2C281&#038;ssl=1" alt="Foto der Wiederaufbereitungsanlage von La Hague" class="wp-image-2726" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Wiederaufbereitungsanlage-La-Hague.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Wiederaufbereitungsanlage-La-Hague.jpg?resize=300%2C141&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(riekephotos/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Daher sah eine Mehrzahl der lokalen und bayerischen Politiker zuerst die Vorteile von hochqualifizierten Arbeitsplätzen in der strukturschwachen Oberpfalz.</p>



<p>Doch die Stimmung in der Bevölkerung hatte sich bereits gedreht.</p>



<p>Erste Initiativen gründeten sich und bauten den Widerstand mithilfe der Menschen in der Region auf. Vor allem der Landrat von Schwandorf, Hans Schuierer, entwickelte sich zur Symbolfigur des immer stärkeren Widerstands.</p>



<p>Höhepunkt war 1986 das <em>„Anti-WAAhnsinns-Festival“</em> in Burglengenfeld mit deutschlandweit bekannten Musikern wie Herbert Grönemeyer und circa 100.000 Besuchern.</p>



<p>Heute erinnert ein Gedenkstein am Naabufer von Burglengenfeld an den Widerstand und das Festival, aber auch an die damals gespaltene Gesellschaft.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="727" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Widerstand-WAA.jpg?resize=600%2C727&#038;ssl=1" alt="Gedenkstein zur Erinnerung an den friedlichen Widerstand gegen die Wiederaufbereitungsanlage in der Oberpfalz und an das MUsikfestival" class="wp-image-5949" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Widerstand-WAA.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Widerstand-WAA.jpg?resize=248%2C300&amp;ssl=1 248w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Obwohl die Polizei, teilweise mit Gewalt, diese Proteste im Zaum hielt, sank der wirtschaftliche und politische Rückhalt für das Projekt im Laufe der 1980er.</p>



<p>Als 1988 mit dem Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß der einflussreichste Befürworter starb, beendeten seine Nachfolger das bundesweit bekannte Projekt ein Jahr später.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich eine tatsächlich gebaute Wiederaufbereitungsanlage in der Oberpfalz und in Bayern ausgewirkt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="th-deggendorf">29. 1992: Die umkämpfte Fachhochschule Deggendorf</h3>



<p>Als die bayerische Regierung Anfang der 1990er Jahre die Gründung von neuen Fachhochschulen in Aussicht stellte, löste dies in ganz Bayern einen harten Wettbewerb um die zukünftigen Standorte aus.</p>



<p>Vor allem zwischen Straubing und Deggendorf (siehe Bild) kam es zu einem langen Ringen um die Fachhochschule in Niederbayern.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="312" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Marktplatz-Deggendorf.jpg?resize=600%2C312&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5372" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Marktplatz-Deggendorf.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Marktplatz-Deggendorf.jpg?resize=300%2C156&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Martin Erdniss/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Während Straubing (siehe Bild) auf seine alte und neue Zentrumsfunktion in Niederbayern setze, argumentierte Deggendorf vor allem mit seiner günstigen Lage im Einzugsbereich des Bayerischen Waldes.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Marktplatz-Straubing.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5373" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Marktplatz-Straubing.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Marktplatz-Straubing.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Boerescu/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Am Ende setzte sich Deggendorf durch und wurde 1994 Standort der heutigen <em>„Technischen Hochschule“</em>. Diese brachte mit ihren inzwischen mehreren tausend Studierenden und acht Fakultäten, vor allem aber durch ihre über ganz Ostbayern verteilten Forschungscampi entscheidende Impulse in die Stadt und Region an der Grenze zum und im Bayerischen Wald.</p>



<p>Erst 2000 zog Straubing durch die Gründung des <em>„Kompetenzzentrums für Nachwachsende Rohstoffe“</em> nach und wurde ebenfalls Hochschulstandort.</p>



<p>Auch in anderen Regionen war der Fachhochschulstandort hart umkämpft: In der Oberpfalz hatten sich sowohl Amberg als auch Weiden beworben und nach harten Diskussionen kam es zur Kompromisslösung eines Doppelstandortes in Form <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/oth-amberg-weiden/">der heutigen Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Amberg-Weiden</a>.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Straubing statt Deggendorf 1992 die Fachhochschule bekommen hätte?</pre>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellen-literatur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Tobias Appl, Alfred Wolfsteiner (Hrsg.): Auf alten Wegen durch die Oberpfalz. Zur Geschichte der Mobilität und Kommunikation in der Mitte Europas. (Beiträge zur Geschichte und Kultur der Oberpfalz 3). Regensburg 2022.</li>



<li>Martina Bauernfeind, Horst-Dieter Beyerstedt, Michael Diefenbacher: Nürnberg. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2017.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Mittelfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1046148825" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Lutz-Dieter Behrendt: Deggendorf. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2017.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Niederbayern&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1043270552" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Karin Dengler-Schreiber: Kleine Bamberger Stadtgeschichte. Regensburg 2013.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1059307917" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Günter Dippold: Kleine Geschichte Oberfrankens. Regensburg 2020.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1058295150" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Matthias Freitag: Regensburg. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2016.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1039876372" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Stefan Fischer: Kleine Geschichte des Allgäus. Regensburg 2024.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1068847871" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Axel Hermann: Kleine Hofer Stadtgeschichte. Regensburg 2012.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1023271403" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Reinhard Heydenreuter: Kleine Münchner Stadtgeschichte. Regensburg 2012.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberbayern&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1000916281" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Thomas Horling, Uwe Müller, Erich Schneider: Schweinfurt. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2014.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Unterfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1033858512" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Gerald Huber: Kleine Geschichte Niederbayerns. Regensburg 2015.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Niederbayern&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1063823608" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Gerhard Immler: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/K%C3%B6nigskrise_(1885/86)" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Königskrise (1885/86)</a>, in: historisches-lexikon-bayerns.de (19.10.2021).</li>



<li>Marcus Junkelmann: Das greulichste Spectaculum. Die Schlacht von Höchstädt 1704 (Hefte zur bayerischen Geschichte und Kultur, Band 30). Augsburg 2004.</li>



<li>Lars-Broder Keil, Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article189020253/Attentat-auf-Kurt-Eisner-1919-Rechte-hassten-Bayerns-Regierungschef.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bayerns Ministerpräsident war für die Rechte eine Unperson.</a> Attentat auf Kurt Eisner, auf: welt.de (14.06.2021).</li>



<li>Rolf Kießling: Kleine Geschichte Schwabens. Regensburg 2021.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1062033411" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Dorit-Maria Krenn: Straubing. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2019.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Niederbayern&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1053099923" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Johannes Laschinger: Amberg. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2015.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1036516104" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Bernd Mayer: Kleine Bayreuther Stadtgeschichte. Regensburg 2010.</li>



<li>Franz Metzger: Kleine Geschichte Mittelfrankens. Regensburg 2020.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Mittelfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1058271794" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Karl Borromäus Murr: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Schlacht_von_M%C3%BChldorf,_1322" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schlacht von Mühldorf.</a> 1322, in: historisches-lexikon-bayerns.de (18.10.2010).</li>



<li>Rainer Ostermann: Kriegsende in der Oberpfalz. Ein historisches Tagebuch. Regensburg 2015.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1067920502" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Marita A. Panzer: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Ermordung_der_Agnes_Bernauer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ermordung der Agnes Bernauer</a>, auf: historisches-lexikon-bayerns.de (08.03.2010).</li>



<li>Wolf-Henning Petershagen: Ulm &amp; Neu-Ulm. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2019. <a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1053094556" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Ernst Piper: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/elser-attentat-vor-70-jahren-allein-gegen-hitler-a-948584.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Allein gegen Hitler.</a> Elser-Attentat, auf: spiegel.de (06.11.2009).</li>



<li>Tim Pröse: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/georg-elser-und-das-attentat-auf-adolf-hitler-nur-13-minuten-fehlten-a-1142134.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Es fehlten nur dreizehn Minuten.</a> Hitler-Attentäter Georg Elser, auf: spiegel.de (07.04.2017).</li>



<li>Erich Schneider: Kleine Geschichte Unterfrankens. Regensburg 2020.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Unterfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1058295199" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Anna Schiener: Kleine Geschichte der Oberpfalz. Regensburg 2016.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1061937507" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article157867599/Der-Kini-entlarvte-den-Putsch-bevor-er-starb.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Kini entlarvte den Putsch, bevor er starb.</a> Brief Ludwigs II., auf: welt.de (26.08.2016).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/kultur/history/article13370444/Die-Suechte-trieben-Ludwig-II-in-den-Tod.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Süchte trieben Ludwig II. in den Tod.</a> Deutsche Royals, auf: welt.de (13.05.2011).</li>



<li>Wilfried Sponsel: Das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Jahre des Neubeginns in Nördlingen (1945-1950). Neustadt an der Aisch 2020.</li>



<li>Florian Stark: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article128076618/Warum-Ludwig-II-seinen-Psychiater-in-den-Tod-zog.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Warum Ludwig II. seinen Psychiater in den Tod zog.</a> Märchenkönig, auf: welt.de (16.05.2014).</li>



<li>Michael W. Weithmann: Kleine Geschichte Oberbayerns. Regensburg 2016.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberbayern&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1041372312" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Florian Felix Weyh: <a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/kaufbeuren-neugablonz-wie-die-sudetendeutsche-100.html">Wie die sudetendeutsche Schmuckindustrie nach Bayern kam. Kaufbeuren-Neugablonz</a>, auf: deutschlandfunkkultur.de (03.02.2019).</li>
</ul>
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		<title>1991: Die OTH Amberg-Weiden wird nicht oder anders gegründet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Mar 2024 14:06:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayerische Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Spekulative Szenarien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als die Ostbayerische Technische Hochschule, kurz OTH Amberg-Weiden, vor 30 Jahren gegründet wurde, war vieles unklar. Ob die Fachhochschule in die Oberpfalz kommen würde. Oder ob sie mit Amberg oder Weiden nur einen Standort bekommen würde. Mit den unterschiedlichen Möglichkeiten der damaligen Entwicklung für ein Alternative History Szenario – und dem Einfluss von Hochschulen im [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/oth-amberg-weiden/">1991: Die OTH Amberg-Weiden wird nicht oder anders gegründet</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Als die Ostbayerische Technische Hochschule, kurz OTH Amberg-Weiden, vor 30 Jahren gegründet wurde, war vieles unklar. Ob die Fachhochschule in die Oberpfalz kommen würde. Oder ob sie mit Amberg oder Weiden nur einen Standort bekommen würde. Mit den unterschiedlichen Möglichkeiten der damaligen Entwicklung für ein Alternative History Szenario – und dem Einfluss von Hochschulen im (ländlichen) Raum – beschäftigte sich 2024 eine Gruppe aus Amberg und Weiden.</p>



<span id="more-6517"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#fachhochschule">Fachhochschulen in Bayern</a></li>



<li><a href="#amberg-weiden">Die Gründung der Fachhochschule in Amberg und Weiden</a></li>



<li><a href="#oth-aw">Die OTH Amberg-Weiden im Jahr 2024</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#szenario">Szenario</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#amberg">Gruppe Amberg: Was wäre gewesen, wenn 1991 keine Hochschule in der Oberpfalz neben Regensburg gegründet worden wäre?</a></li>



<li><a href="#weiden">Gruppe Weiden: Was wäre gewesen, wenn weder Amberg noch Weiden einen Fachhochschulstandort erhalten hätten?</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<p><em>Transparenzerklärung: Der Blogautor ist seit 2018 Mitarbeiter der OTH Amberg-Weiden.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="fachhochschule">Fachhochschulen in Bayern</h3>



<p>Fachhochschulen wie die heutige <em>&#8222;Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden&#8220;</em> (kurz OTH Amberg-Weiden, siehe Bild unten) waren im Vergleich zu den Universitäten ein junger Hochschultyp. Sie entstanden erst im Laufe der 1970er Jahre, um die steigenden Studierendenzahlen an den Universitäten aufzufangen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized is-style-default"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="227" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/OTH-Amberg-Weiden.jpg?resize=600%2C227&#038;ssl=1" alt="Campus der OTH Amberg-Weiden in Amberg" class="wp-image-925" style="width:597px;height:auto" title="" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/OTH-Amberg-Weiden.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/OTH-Amberg-Weiden.jpg?resize=300%2C114&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Christian Mielke/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Erst 1969 hatte das Hochschulrahmengesetz in der Bundesrepublik Deutschland die dafür nötigen rechtlichen Voraussetzungen geschaffen. In Bayern war die Grundlage ein 1970 verabschiedetes Fachhochschulgesetz.</p>



<p>Hauptsächliches Merkmal von Fachhochschulen im Vergleich zu den Universitäten waren seitdem eine stark anwendungsbezogene Lehre und Forschung sowie entsprechende Transferprojekte. Daher richteten sich die Studiengänge vor allem auf die konkreten Anforderungen der beruflichen Praxis aus und weniger auf die Grundlagenforschung beziehungsweise -lehre wie an den Universitäten.</p>



<p>Zur Abgrenzung von den Universitäten erhielten die Abschlüsse von Ingenieuren und Betriebswirten an den Fachhochschulen bis zu den Bologna-Reformen 1999 den Zusatz &#8222;FH&#8220; oder &#8222;grad&#8220;. Seitdem waren die Abschlüsse gleichgestellt. Seit 2010 hatten auch die Professuren im Hinblick auf zum Beispiel Freiheit von Lehre und Forschung den gleichen Status wie an den Universitäten. Zuletzt bekamen die inzwischen teilweise zu &#8222;Technischen Hochschulen&#8220; aufgewerteten Fachhochschulen in einigen Feldern auch das Promotionsrecht zugesprochen.</p>



<p>Historisch entstanden viele Fachhochschulen aus Ingenieurschulen, Fachschulen oder -akademien. Damit erhöhten diese Institutionen Status und Abschlüsse ihrer Absolventen. Ebenso trugen sie den Anforderungen der Wirtschaft nach einer Höherqualifizierung ihrer Beschäftigten Rechnung.</p>



<p>In Bayern diente die Gründung von Fachhochschulen neben der Entlastung der Universitäten auch der Regionalisierung der Hochschullandschaft. So entstanden viele Fachhochschulgründungen in mittelgroßen Städten.</p>



<p>Konkret lassen sich bei den staatlichen, bayerischen Hochschulen zwei große Gründungswellen feststellen. Zuerst in den 1970er Jahren:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>1971: Hochschule für angewandte Wissenschaften Augsburg</li>



<li>1971: Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg</li>



<li>1971: Hochschule für angewandte Wissenschaften München</li>



<li>1971: Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm</li>



<li>1971: Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg (OTH Regensburg)</li>



<li>1971: Technische Hochschule Rosenheim</li>



<li>1971: Hochschule für angewandte Wissenschaften Weihenstephan-Triesdorf</li>



<li>1971: Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt</li>



<li>1974/75: Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern (HföD)</li>



<li>1977: Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten</li>



<li>1978: Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut</li>
</ul>



<p>Eine zweite Welle an Hochschulgründungen erfolgte ab Mitte der 1990er Jahre:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>1994: Ostbayerisch-Technische-Hochschule Amberg-Weiden</li>



<li>1994: <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-niederbayerns/">Technische Hochschule Deggendorf</a></li>



<li>1994: Hochschule für angewandte Wissenschaften Hof</li>



<li>1994: Technische Hochschule Ingolstadt</li>



<li>1994: Hochschule für angewandte Wissenschaften Neu-Ulm</li>



<li>1995: Technische Hochschule Aschaffenburg</li>



<li>1996: Hochschule für angewandte Wissenschaften Ansbach</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading" id="amberg-weiden">Die Gründung der Fachhochschule in Amberg und Weiden</h3>



<p>Die Geschichte um die Vergabe der Fachhochschule in die Oberpfalz Anfang der 1990er Jahre ist bis heute von zahlreichen Anekdoten und Legenden umwuchert. </p>



<p>Denn der Standort in der strukturschwachen  Oberpfalz war zuerst hart umkämpft zwischen den etwa gleich großen und gegeneinander rivalisierenden Städten Amberg und Weiden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="470" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/03/Gruendung-OTH-Amberg-Weiden.jpg?resize=600%2C470&#038;ssl=1" alt="Foto des Blogautors Dr. Bastian Vergnon mit der ersten PowerPoint-Folie zu den Umständen der Gründung der OTH Amberg-Weiden." class="wp-image-6546" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/03/Gruendung-OTH-Amberg-Weiden.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/03/Gruendung-OTH-Amberg-Weiden.jpg?resize=300%2C235&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Weiden begann bereits kurz nach der Entscheidung der bayerischen Staatsregierung zur Neugründung von drei Hochschulen 1990 die Initiative zu ergreifen: Der damalige Oberbürgermeister Hans Schröpf bestellte bei der <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberfranken-bayreuth/">Universität Bayreuth</a> ein Gutachten für die <em>&#8222;Neugründung einer FH in Weiden&#8220;</em>. Gleichzeitig gründete sich der <em>&#8222;Verein zur Förderung der Fachhochschule Weiden e.V&#8220;</em>.</p>



<p>Amberg zog unter dem neu gewählten Oberbürgermeister und ehemaligen Landtagsabgeordneten Wolfgang Dandorfer schnell nach. Bereits im Juni 1990 reichte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberpfalz-regensburg/">die ehemalige Hauptstadt der Oberpfalz</a> nach einem einstimmigen Stadtratsbeschluss ihre Bewerbung im Juni 1990 ein.</p>



<p>Nachdem beide Städte sich beworben hatten, entwickelte sich die Entscheidung für den Standort in der Region zu einem <em>&#8222;Krimi&#8220;</em>, wie es in der lokalen Presse teilweise genannt wurde.</p>



<p>Einmal galt der  Standort Amberg als gesetzt, bis der bayerische Wirtschaftsminister August &#8222;Gustl&#8220; Lang angeblich mit Rücktritt drohte oder sogar einen Herzinfarkt vortäuschte, um für seine Heimatstadt Weiden einen Standort zu sichern. </p>



<p>Diese Legende hielt sich lange: So wurde noch 2023 im Artikel über den plötzlichen Tod des ehemaligen Amberger Oberbürgermeisters Wolfgang Dandorfer ein Zitat von ihm über den angeblichen Herzinfarkt veröffentlicht.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Es stimmte ja auch wirklich, dass er [Gustl Lang] eine Herzattacke hatte und medizinisch behandelt wurde.“</p>
<cite>Wolfgang Dandorfer</cite></blockquote>



<p>Ein anderes Mal stand im Raum, aufgrund der Rivalität beider Städte keine weitere Hochschule in der Region aufzubauen. Stattdessen sollte die  Fachhochschule Regensburg ausgebaut werden. </p>



<p>Am Ende einigte sich das bayerische Kabinett – der Vorschlag wurde Kultusminister Hans Zehetmair zugeschrieben – aber auf die  Kompromisslösung eines Doppelstandortes. </p>



<p>Nachdem diese Lösung am 26.11.1991 beschlossen war, wurde 1993 ein entsprechendes Ausbaukonzept vorgelegt. Am 01.05.1994 kam es zur endgültigen Gründung der Fachhochschule (FH) Amberg-Weiden.</p>



<p>Deren konkrete Standorte waren zunächst unklar.</p>



<p>In Amberg war zunächst ein ehemaliges innenstadtnahes Industriegebiet – das sogenannte <em>&#8222;Baumanngelände&#8220;</em> – in der Diskussion, bevor sich die große Fläche der nach dem Ende des Kalten Krieges geschlossenen Kaiser-Wilhelm-Kaserne – direkt an der Altstadt – als ideal herausstellte.</p>



<p>In Weiden plante die Stadt zuerst mit einer ehemaligen Schule oder einem großen Parkplatz, die beide relativ innenstadtnah waren. Beide Standorte boten aber dadurch keinen Platz für mögliche Erweiterungen. Am Ende entschied sich der zuständige Strukturbeirat für einen kompletten Neubau am damaligen Stadtrand.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="oth-aw">Die OTH Amberg-Weiden im Jahr 2024</h3>



<p>Insgesamt kamen sowohl die mittlere als auch die nördliche Oberpfalz in den Vorteil der strukturellen Impulse durch die Hochschulgründung.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="450" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/03/Gegenwart-OTH-Amberg-Weiden.jpg?resize=600%2C450&#038;ssl=1" alt="Foto des Blogautors Dr. Bastian Vergnon mit der ersten PowerPoint-Folie zu den aktuellen Zahlen der OTH Amberg-Weiden." class="wp-image-6545" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/03/Gegenwart-OTH-Amberg-Weiden.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/03/Gegenwart-OTH-Amberg-Weiden.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Die Hochschule erfuhr zwischen 1994 und 2024 eine große Aufwertung – wie viele andere Fachhochschulen –, die sich in zwei Namensänderungen zeigte: 2008 die Umbenennung in <em>Hochschule für angewandte Wissenschaften</em> (HAW) und 2013 in Kooperation mit der HAW Regensburg zur <em>Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden.</em></p>



<p>Seit der Aufnahme des Lehrbetriebs zum Wintersemester 1995/1996 stiegen die Studierendenzahlen der heutigen OTH Amberg-Weiden an beiden Standorten von knapp 1.000 bis 1.500 auf inzwischen über 4.000 in 54 Studiengängen.</p>



<p>Diese verteilen sich auf vier Fakultäten, die bereits von den Standorten im Ausbaukonzept festgelegt waren: Während Betriebswirtschaft (heute Weiden Business School) und Wirtschaftsingenieurwesen (heute Wirtschaftsingenieurwesen und Gesundheit) in Weiden angesiedelt sind, befinden sich Elektrotechnik, Medien und Informatik sowie Maschinenbau/Umwelttechnik in Amberg.</p>



<p>Die Impulse der OTH Amberg-Weiden beschränken sich aber nicht auf die Studierenden. Mit über 450 Beschäftigten, davon über 100 Professuren, wirkt die Hochschule auch durch anwendungsbezogene Forschung und einen Transfer des Knowhows über Partnerschaften mit (regionalen) Unternehmen.</p>



<p>34 Firmen hat die OTH Amberg-Weiden seit 2003 in einem <em>&#8222;Partner Circle&#8220;</em> zusammengefasst. Dieser Zusammenschluss reicht von großen Konzernen wie Siemens bis hin zu kleinen Startups. Seit 2014 kooperiert die Hochschule in <em>&#8222;Innovativen Lernorten&#8220;</em> mit verschiedenen Unternehmen und Institutionen jeweils vor Ort in der Hochschulregion.</p>



<p>Dadurch reicht die Bandbreite an Einflüssen der Hochschule über die Wirtschaft hinaus in breite Teile der Gesellschaft der Oberpfalz.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="szenario">Szenario</h2>



<p>In einem Workshop gemeinsam mit dem <a href="https://www.oth-aw.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">OTH Amberg-Weiden</a> bearbeiteten zwei Gruppen daher nicht nur ein Alternative History Szenario. Sie spekulierten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/historiker/">auch wissenschaftlich fundiert</a> über den möglichen Einfluss einer Hochschule in einer (ländlichen) Region. </p>



<p>Der Workshop fand am 01.März 2024 zur Frage <em>„Was wäre gewesen, wenn die OTH Amberg-Weiden so nicht gegründet worden wäre?“</em> statt. <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/autofreundliche-altstadt-regensburg/">Zum zweiten Mal</a> wurde dabei die Methode des <em><a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/ankerpunkte-alternative-history-canvas/">Ankerpunkte Alternative History Canvas</a></em> verwendet.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="amberg">Gruppe Amberg: Was wäre gewesen, wenn 1991 keine Hochschule in der Oberpfalz neben Regensburg gegründet worden wäre?</h3>



<p>Die erste Gruppe setzte sich vor allem aus Amberger Teilnehmenden zusammen. Sie beleuchtete ihre Was-wäre-wenn-Frage vor dem historischen Hintergrund, dass Amberg eine jahrhundertealte Tradition als Hochschulstandort hatte. 1991 stand zudem ein Strukturwandel an, da sich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/dritter-weltkrieg/im-sturm-tom-clancy/">die militärischen Strukturen nach Ende des Kalten Krieges</a> aus der Stadt zurückzogen. Dies leitete eine verstärkte Entwicklung zum Wirtschafts- sowie Industriestandort ein.</p>



<p>Als unrealistisch bewertete die Gruppe unter anderem, dass bei einer Entscheidung gegen die Hochschule in Amberg-Weiden eine Kompensation, zum Beispiel durch Teile der Bezirksregierung Oberpfalz, erfolgt wäre. Die Orientierung der Region <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-mittelfranken-nuernberg/">in Richtung Nürnberg</a> hätte zudem unabhängig von der Hochschule in jedem Fall stattgefunden.</p>



<p>In ihrem <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">Alternative History Szenario</a> gingen die Teilnehmenden (siehe Bild von der Vorstellung durch den Amberger Oberbürgermeister Michael Cerny unten) vor allem auf die Auswirkungen eines fehlenden Hochschulstandorts für Amberg ein. Neben der negativen demografischen Entwicklung, vor allem einem Bevölkerungsrückgang wäre es auch zu einem Fachkräftemangel und Brain Drain – einer Abwanderung von Talenten – gekommen. Die dadurch verursachte geringere Wirtschaftskraft und höhere Arbeitslosigkeit hätten ein noch stärkeres Gefälle in der Oberpfalz zwischen der Großstadt Regensburg und dem restlichen Bezirk ausgelöst.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="429" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/03/Ergebnisse-Workshop-Amberg.jpg?resize=600%2C429&#038;ssl=1" alt="Vorstellung der Workshopergebnisse aus Sicht der Gruppe aus Amberg." class="wp-image-6543" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/03/Ergebnisse-Workshop-Amberg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/03/Ergebnisse-Workshop-Amberg.jpg?resize=300%2C215&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Die reale Entwicklung war dagegen durch eine stabile Bevölkerungsentwicklung gekennzeichnet, da durch die OTH Amberg-Weiden vor allem junge Menschen und Absolvierende der Hochschule in der Region blieben. Die so gestärkte Wirtschaftskraft der mittleren und nördlichen Oberpfalz führte nach Meinung der Gruppe zu einer hohen Anzahl von Marktführern (Hidden Champions) vor Ort und zu neuen Unternehmensgründungen. Dadurch kam es zu einem höheren Gleichgewicht innerhalb des Bezirks Oberpfalz.</p>



<p>Als wissenschaftliche Erkenntnis sah die Gruppe vor allem die Schlussfolgerung <em>&#8222;Bildungspolitik ist Strukturpolitik&#8220;</em>, da die Gründung der OTH Amberg-Weiden sehr große strukturelle Folgen für die mittlere und nördliche Oberpfalz hatte. Auch wäre durch eine Hochschulgründung mehr Bildungsgleichheit im ländlichen Raum möglich.</p>



<p>Bei den weiteren Forschungsfragen gingen die Amberger Teilnehmenden auf drei Bereiche ein: Erstens die genauere Überprüfung der im Workshop gestellten Überlegungen, zum Beispiel durch eine Analyse der Herkunft der Studierenden an der OTH Amberg-Weiden. Oder durch einen Vergleich der Strukturen des Arbeitsmarktes vor und nach der Hochschulgründung. Zweitens stellten sie die Frage, welchen Einfluss die Auswahl der Fakultäten und Studienangebote auf die zwei Standorte – betriebswirtschaftlicher Schwerpunkt in Weiden, technischer Schwerpunkt in Amberg – hatte. Drittens schlugen sie einen Vergleich der Hochschulgründungen im ländlichen Raum zwischen Bayern/Deutschland und eher zentralistischen Ländern wie zum Beispiel Frankreich vor.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="weiden">Gruppe Weiden: Was wäre gewesen, wenn weder Amberg noch Weiden einen Fachhochschulstandort erhalten hätten?</h3>



<p>Die zweite Gruppe bestand vor allem aus Teilnehmenden mit Weidener Hintergrund. Sie stellte wie die andere Gruppe eine Was-wäre-wenn-Frage, die auf keinen Fachhochschulstandort in Amberg und Weiden hinauslief.</p>



<p>Als historischen Hintergrund sahen sie die Entscheidung für den Doppelstandort angesichts der damaligen bayerischen Bildungs-, Regional- und Strukturpolitik. So sollten bisher <em>&#8222;unversorgte Regionen&#8220;</em> des Landes Fachhochschulen erhalten, während die Standorte sich an <em>&#8222;zentralen Orten&#8220;</em> orientieren sollten.</p>



<p>Die Gruppe bewertete es daher als unrealistisch, dass nur eine Stadt die Hochschulgründung erhalten hätte. Eine solche Entscheidung wäre aus Sicht der Teilnehmenden politisch nicht akzeptabel für die Oberpfalz gewesen, ebenso wenig wie eine mögliche Ersatzlösung durch Nebenstellen bereits existierender Fachhochschulen oder Universitäten. Eine weitere unrealistische Entwicklung wäre eine Vergabe einer Hochschule an die bis dahin wenig bekannte Bewerbung der Kleinstadt Grafenwöhr gewesen.</p>



<p>Für das Alternative History Szenario sahen die Weidener Teilnehmenden (siehe Bild von der Vorstellung durch den Landtagsabgeordneten Dr. Stephan Oetzinger unten) negative wirtschaftliche und strukturelle Entwicklungen für Amberg und Weiden. Mit der OTH Amberg-Weiden hätte ein zentraler <em>&#8222;Innovationsmotor&#8220;</em> gefehlt, der zum Beispiel durch die <em>&#8222;Innovativen Lernorte&#8220;</em> in die gesamte Oberpfalz wirkte. Auch hätte es keine Stadtentwicklung durch eine Konversion der Kaiser-Wilhelm-Kaserne in Amberg oder den Neubau der Hochschulgebäude in Weiden gegeben. Zuletzt wäre die Internationalisierung der Region durch die fehlenden Hochschulangebote weitaus geringer ausfallen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="629" height="434" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/03/Ergebnisse-Workshop-Weiden.jpg?resize=629%2C434&#038;ssl=1" alt="Vorstellung der Workshopergebnisse aus Sicht der Gruppe aus Weiden." class="wp-image-6544" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/03/Ergebnisse-Workshop-Weiden.jpg?resize=1024%2C706&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/03/Ergebnisse-Workshop-Weiden.jpg?resize=300%2C207&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/03/Ergebnisse-Workshop-Weiden.jpg?resize=768%2C530&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/03/Ergebnisse-Workshop-Weiden.jpg?resize=1536%2C1059&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/03/Ergebnisse-Workshop-Weiden.jpg?resize=900%2C621&amp;ssl=1 900w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/03/Ergebnisse-Workshop-Weiden.jpg?resize=1280%2C883&amp;ssl=1 1280w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/03/Ergebnisse-Workshop-Weiden.jpg?w=1766&amp;ssl=1 1766w" sizes="auto, (max-width: 629px) 100vw, 629px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Dem gegenüber brachte die Gruppe für die reale Entwicklung die OTH Amberg-Weiden neben den demografischen und strukturellen Gewinnen auch den Vorteil für das Image der Region ein. Auch führte die Hochschule zu einem Knowhow-Transfer in die mittlere und nördliche Oberpfalz, zum Beispiel durch Technologietransferzentren. Zuletzt kam es durch die Hochschulgründung und die darauf folgenden Entwicklungen zu großen Investitionen an den beiden Standorten, die sich mittlerweile auf mehrere Millionen Euro pro Jahr summieren.</p>



<p>Bei den wissenschaftlichen Erkenntnissen sahen die Teilnehmenden vor allem die strukturellen Effekte einer Hochschulgründung im ländlichen Raum als belegt an. Zum Beispiel durch eine höhere Akademisierung der regionalen Wirtschaft und eine Stärkung der Kaufkraft der Bevölkerung.</p>



<p>Als weitere Forschungsfragen sah die Weidener Gruppe einen Vergleich mit Städten im ländlichen Raum, die keine Hochschule vor Ort hatten, eine Wirkungsanalyse von anderen Doppelstandorten und eine empirische Studie zu den Effekten der OTH Amberg-Weiden bei den Unternehmen der Region. Für die Zukunft sollte auch das neu etablierte Promotionsrecht als weiterer Effekt beleuchtet werden. </p>



<pre class="wp-block-verse">Dieses Szenario und seine Unterfragen sind in ständiger Entwicklung und werden in Zukunft weiter ausgebaut.</pre>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Workshop gemeinsam mit OTH Amberg-Weiden am 01. März 2024 unter Verwendung des Ankerpunkte Alternative History Canvas.</li>



<li><a href="https://www.oth-aw.de/hochschule/ueber-uns/profil/chronik/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Chronik</a> sowie <a href="https://www.oth-aw.de/hochschule/ueber-uns/profil/daten-und-fakten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Daten und Fakten</a> auf der Homepage der OTH-Amberg-Weiden.</li>



<li>Jürgen Herda: <a href="https://www.oberpfalzecho.de/beitrag/ploetzlicher-herztod-wolfgang-dandorfer-bescherte-amberg-das-acc-die-oth-und-die-landesgartenschau" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Plötzlicher Herztod: Wolfgang Dandorfer bescherte Amberg das ACC, die OTH und die Landesgartenschau</a>, auf: oberpfalzecho.de (31.07.2023).</li>



<li>Unveröffentlichtes Material für eine Chronik zum 25. Jubiläum der OTH Amberg-Weiden.</li>



<li>Werner Wiater: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Fachhochschulen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fachhochschulen</a>, auf: historisches-lexikon-bayerns.de (03.09.2019).</li>



<li>Reinhold Willfurth: Der Krimi um den Hochschul-Zuschlag, aus mittelbayerische.de (10.11.2013).</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/oth-amberg-weiden/">1991: Die OTH Amberg-Weiden wird nicht oder anders gegründet</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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		<title>19 Punkte, an denen die Geschichte von Bayerisch-Schwaben und Augsburg anders gelaufen wäre</title>
		<link>https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayerisch-schwaben-augsburg/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Feb 2024 13:37:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayerische Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Historische Hintergründe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der bayerische Regierungsbezirk Schwaben ist mehr als &#8222;nur&#8220; der östliche Teil Schwabens. Er verfügt in seinen (historischen) Regionen über eine lange und vielfältige Geschichte. Mit enormem Potenzial für Alternative History. Denn in seinen vier kreisfreien Städten Augsburg, Memmingen, Kaufbeuren und Kempten sowie den zehn Landkreisen haben sich über Jahrhunderte verschiedene Entwicklungen und Konflikte zwischen Bayern [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayerisch-schwaben-augsburg/">19 Punkte, an denen die Geschichte von Bayerisch-Schwaben und Augsburg anders gelaufen wäre</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Der bayerische Regierungsbezirk Schwaben ist mehr als &#8222;nur&#8220; der östliche Teil Schwabens. Er verfügt in seinen (historischen) Regionen über eine lange und vielfältige Geschichte. Mit enormem Potenzial für Alternative History.</p>



<span id="more-4851"></span>



<p>Denn in seinen vier kreisfreien Städten Augsburg, Memmingen, Kaufbeuren und Kempten sowie den zehn Landkreisen haben sich über Jahrhunderte verschiedene <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">Entwicklungen und Konflikte</a> zwischen Bayern und Schwaben Bahn gebrochen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="931" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Karte-Bayerisch-Schwaben.png?resize=600%2C931&#038;ssl=1" alt="Aktuelle Karte von Bayerisch-Schwaben mit von Norden nach Süden den kreisfreien Städten Augsburg, Memmingen, Kaufbeuren und Kempten sowie den LandkreisenDonau-Ries, Dillingen an der Donau, Augsburg, Aichach-Friedberg, Günzburg, Neu-Ulm, Unterallgäu, Ostallgäu, Oberallgäu und Lindau am Bodensee." class="wp-image-4931" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Karte-Bayerisch-Schwaben.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Karte-Bayerisch-Schwaben.png?resize=193%2C300&amp;ssl=1 193w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia Autor: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bavaria,_administrative_divisions_-_de_-_colored.svg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">TUBS/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p><em>Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal am 3. April 2022. Er wurde am 17. Februar 2023 und am 04. Februar 2024 überarbeitet.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ankerpunkte</h2>



<ol class="wp-block-list">
<li><a href="#limes">259/260: Die einschneidende Rücknahme des Limes</a></li>



<li><a href="#augsburg">955: Die gescheiterte Belagerung von Augsburg</a></li>



<li><a href="#welf">1167: Der ferne Tod von Welf VII.</a></li>



<li><a href="#konradin">1268: Der zersplitternde Tod von Konradin</a></li>



<li><a href="#ulm">1376: Die gescheiterte Belagerung von Ulm</a></li>



<li><a href="#reichsfreiheit">1426: Die endgültige Reichsfreiheit von Augsburg</a></li>



<li><a href="#weingarten">1525: Der schlichtende Vertrag von Weingarten</a></li>



<li><a href="#kempten">1525: Der trennende <em>„Große Kauf“ von Kempten</em></a></li>



<li><a href="#donauwoerth">1607: Die illegale Besetzung von Donauwörth</a></li>



<li><a href="#lindau">1626: Der folgenreiche <em>&#8222;Neukomm-Aufstand&#8220;</em> in Lindau</a></li>



<li><a href="#noerdlingen">1634: Die &#8222;gebriefte&#8220; Schlacht bei Nördlingen</a></li>



<li><a href="#maxemanuel">1702: Der risikoreiche Handstreich auf Ulm</a></li>



<li><a href="#pariservertrag">1810: Der bayerisch-württembergische Pariser Vertrag</a></li>



<li><a href="#ludwig-sued-nord-bahn">1843: Der umkämpfte Verlauf der „Ludwig -Süd-Nord-Bahn“</a></li>



<li><a href="#grossschwaben">1919: Der kurzzeitige Traum von <em>&#8222;Großschwaben&#8220;</em></a></li>



<li><a href="#zweiterweltkrieg">1945: Die verhinderte Verteidigung von Nördlingen</a></li>



<li><a href="#neu-gablonz">1945: Das Kaufbeurer Neu-Gablonz</a></li>



<li><a href="#deiningen">1947: Die selbstbewusste politische Siedlung Deiningen</a></li>



<li><a href="#universitaetaugsburg">1949: Die gescheiterte Gründung der Universität Augsburg</a><br><br><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ol>



<h3 class="wp-block-heading" id="limes">1.259/260: Die einschneidende Rücknahme des Limes</h3>



<p>Bis Mitte des 3. Jahrhunderts war das heutige Bayerisch-Schwaben als Provinz Rätien ein prosperierender <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/geschichte-roemisches-reich/">Teil des Römischen Reiches</a>. Ausgehend von Städten wie Cambodunum (Kempten) oder Augusta Vindelicum (Augsburg) bildete sich im Schutz des Obergermanisch-Raetischen Limes eine ausgefeilte Wirtschafts- und Infrastruktur aus.</p>



<p>Diese Zeit endete in der sogenannten Reichskrise des 3. Jahrhunderts. In dieser musste das geschwächte Römische Reich die bisherige Grenze (siehe Bild) zu germanischen Stämmen zurücknehmen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Roemischer-Limes.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Foto eines römischen Wachturms aus Holz mit Palisade davor." class="wp-image-4938" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Roemischer-Limes.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Roemischer-Limes.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(ThePhotoFab/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Der nach seinen Grenzflüssen benannte Donau-Iller-Rhein-Limes bedeutete auch für Rätien einen großen Einschnitt. Städte wie Cambodunum, bisher im Hinterland der Provinz gelegen, waren auf einmal Grenzfestungen und mussten in besser zu verteidigende Flächen verlegt werden. </p>



<p>Die neue Grenze trennte über die Donau wie heute das danach alemannisch besiedelte Ulm (auf der Karte oben am westlichsten Punkt von Bayerisch-Schwaben) vom noch römisch gebliebenen Gebiet von Neu-Ulm.</p>



<p>Diese Rücknahme verhinderte jedoch nicht, dass vor allem der sich bildende Stamm der Alemannen immer mehr in die Provinz einsickerte. Teilweise als Invasoren und Plünderer, teilweise als angeworbene Grenzsoldaten und friedliche Siedler.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Räten entwickelt, wenn der Limes zu einem anderen Zeitpunkt zurückgenommen worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="augsburg">2. 955: Die gescheiterte Belagerung von Augsburg</h3>



<p>Aus dem Stamm der Alemannen entwickelte sich über die nächsten Jahrhunderte das Herzogtum Schwaben. </p>



<p>Neben den wechselnden Herzögen bildete sich die Bischofsstadt Augsburg als ein Machtzentrum dieses Gebietes heraus.</p>



<p>Dies zeigte sich bei den Einfällen der Ungarn, die erst in der bekannten Schlacht auf dem Lechfeld vor der Stadt beendet wurden.</p>



<p>Dass es so weit kam, lag daran, dass Augsburg unter dem Bischof Ulrich lange genug der Blockade und Belagerung durch die Ungarn standhielt. So konnte das Reichsheer unter König Otto I. rechtzeitig heranrücken. </p>



<p>Bis dahin hatte Bischof Ulrich, der als Reichsfürst auch das Militär der Stadt leitete, Augsburg trotz mehrerer kritischer Situationen erfolgreich verteidigt.</p>



<p>Daher wurde Bischof Ulrich einer der Stadtpatrone von Augsburg.</p>



<p>Danach entwickelte sich Augsburg unter den Bischöfen weiter zur <em>&#8222;Alemanniae metropolis&#8220;</em>, zu einer Hauptstadt von Schwaben.</p>



<p>Das gestiegene Prestige von Bischof Ulrich förderte zudem den Ausbau des Hochstiftes Augsburg, das sein Territorium unter dessen Nachfolgern bis zu den wichtigen Alpenpässen erweitern konnte.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Ungarn 955 Augsburg vor dem Eintreffen des Reichsheeres eingenommen hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="welf">3. 1167: Der ferne Tod von Welf VII.</h3>



<p>Im 12. Jahrhundert kämpften zwei Geschlechter um das heutige Bayerisch-Schwaben: Die Staufer als Herzöge von Schwaben und die Welfen als Herzöge von Bayern.</p>



<p>Beide versuchten, die Region durch die Übernahme von Herrschaftsrechten, Klosterstiftungen und Landesausbau für sich zu gewinnen und in das jeweilige Herzogtum zu integrieren.</p>



<p>Es kam aber auch zu kriegerischen Auseinandersetzungen, bei denen 1134 der staufische Stützpunkt Ulm von einem Welfenheer erobert und zerstört wurde.</p>



<p>Entscheidend war 1167 der Malaria-Tod von Welf VII. bei einem Italienzug des staufischen Königs und Kaisers Friedrich I. Barbarossa (siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Kaiser-Barbarossa.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Reiterstatue von Kaiser Friedrich Barbarossa." class="wp-image-4939" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Kaiser-Barbarossa.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Kaiser-Barbarossa.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(quality_by_Simon/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Hatten die Staufer vorher schon eine gewisse Übermacht im Machtkampf mit den Welfen errungen, indem sie den Königsbesitz in der Region nutzten, kippte die Balance nun endgültig.</p>



<p>Tief getroffen vom Tod seines einzigen Sohns und Nachfolgers, zog sich Herzog Welf VI. aus der Politik zurück und gab sich Vergnügungen hin. </p>



<p>1178/1179 überschrieb Welf VI. sogar seine Besitzungen an seinen Neffen Barbarossa, auch wenn diese erst endgültig 1191 mit dem Tod von Welf in den Besitz der Staufer übergingen.</p>



<p>Mit dieser Kombination aus eigenen Territorien, königlichen Gütern und den ehemaligen Gebieten der Welfen in Bayerisch-Schwaben konnten die Staufer die Region endgültig dominieren und in ihren Herrschaftsverband integrieren.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Bayerisch-Schwaben entwickelt, wenn Welf VII. nicht gestorben wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="konradin">4. 1268: Der zersplitternde Tod von Konradin</h3>



<p>Danach war Schwaben, und damit auch die Region von Bayerisch-Schwaben, ein Zentrum des mittelalterlichen Kaiserreiches.</p>



<p>Diese Entwicklung hing allerdings an der Verbindung mit den Staufern. Als König Konrad 1254 nur 26-jährig starb, begann sich die Zentralmacht im Herzogtum Schwaben langsam aufzulösen.</p>



<p>Zwar gab es danach mit Konradin noch einen Staufer, der mit 10 Jahren zu Herzog von Schwaben erhoben worden war. Ihm gelang es jedoch aufgrund seines Alters nicht, das Herzogtum unter Kontrolle zu bekommen.</p>



<p>Zudem wurde er 1268 nach seiner Niederlage im Kampf um das Erbe in Sizilien hingerichtet, womit die Staufer als Herrschaftsgeschlecht aufhörten zu existieren.</p>



<p>Zwar hatte Konradin vor seiner Abreise seinen Vormund und Erzieher, den <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/oberbayern-muenchen/">Bayernherzog Ludwig von Wittelsbach</a> zu seinem Erbe ernannt. Dieser konnte sich allerdings nur einen kleinen Teil des Herzogtums am Lechrain sowie zwischen Lauingen und Neuburg sichern. </p>



<p>Das restliche Herzogtum zersplitterte sich danach in eine Vielzahl von Herrschaften (siehe Karte aus dem Jahr 1400). </p>



<p>Davon profitierten ausgehend von Augsburg, Ulm und Memmingen vor allem zahlreiche Städte, die zu den &#8222;oberschwäbischen Reichsstädten&#8220; heranwuchsen. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="856" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayerisch-Schwaben-1400.png?resize=600%2C856&#038;ssl=1" alt="Karte der heutigen Region von Bayerisch-Schwaben im Jahr 1400 mit zahlreichen kleinen Territorien." class="wp-image-4930" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayerisch-Schwaben-1400.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayerisch-Schwaben-1400.png?resize=210%2C300&amp;ssl=1 210w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:HRR_1400.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ziegelbrenner/CC BY-SA 3.0 (Ausschnitt)</a>)</figcaption></figure>



<p>Diese Zersplitterung blieb als <em>&#8222;Fleckerlesteppich&#8220;</em> für Bayerisch-Schwaben typisch für die nächsten Jahrhunderte.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Bayerisch-Schwaben entwickelt, wenn Konradin nicht hingerichtet worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="ulm">5. 1376: Die gescheiterte Belagerung von Ulm</h3>



<p>Bis ins 14. Jahrhundert hatte sich Ulm nicht nur zu einer freien und Reichsstadt entwickelt. Die reiche Handelsstadt hatte auch das befestigte Stadtgebiet (siehe Bild aus der heutigen Zeit) und das reichsstädtische Territorium erweitert.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Ulm.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Foto von der Donau aus in die mittelalterliche Alttadt von Ulm." class="wp-image-4932" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Ulm.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Ulm.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Scirocco340/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dabei geriet sie in das Blickfeld der benachbarten Landesherren, vor allem der Herzöge von Württemberg und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-niederbayerns/">der von Bayern</a>.</p>



<p>Kaiser Karl IV. als Schutzherr der Stadt war keine Unterstützung, da er aus Geldmangel dazu geneigt war, Rechte an der Stadt zu verpfänden. Zudem war er ein Gegner der Bündnisse, mit denen sich die schwäbischen Städte unter der Führung von Ulm zusammengeschlossen hatten.</p>



<p>Der Kaiser zog sogar mit einem Heer nach Ulm und belagerten die Stadt. Diese Belagerung war später mythenumrankt, aber erfolglos. </p>



<p>Dadurch sicherte Ulm nicht nur seine Unabhängigkeit, sondern auch von weiteren Teilen (Bayerisch-)Schwabens.</p>



<p>Auch für Ulm selbst hatte die Belagerung Folgen: Da die Pfarrkirche der Stadt außerhalb der Mauern lag, beschlossen die Bürger endgültig den Bau einer neuen Kirche innerhalb der Mauern: des späteren Ulmer Münsters.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Ulm entwickelt, wenn die Belagerung 1376 erfolgreich gewesen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="reichsfreiheit">6. 1426: Die endgültige Reichsfreiheit von Augsburg</h3>



<p>Als Kaiser Sigismund in diesem Jahr der Stadt das Privileg der Wahl des Stadtvogtes verlieh, kam damit ein langer Prozess zum Abschluss. Zwar hatte sich Augsburg seit dem 12. Jahrhundert um eine Emanzipation gegenüber dem Bischof bemüht.</p>



<p>Da das durchaus mächtige Hochstift Augsburg dies nicht widerstandslos hinnahm und die römisch-deutschen Könige/Kaiser ihre eigenen Interessen verfolgten, war die Reichsfreiheit der Stadt ein umkämpfter und langer Prozess.</p>



<p>Erst 1156 hatte Kaiser Friedrich I. Barbarossa in einem Stadtrechtsprivileg die Rechte der Bürgerschaft erweitert und festgeschrieben. 1237 ist das erste Bürgersiegel feststellbar, 1276 kodifizierte das Stadtbuch eine Art innere Verfassung von Augsburg und 1316 legte Kaiser Ludwig der Bayer die Unveräußerlichkeit der Stadt vom Reich fest.</p>



<p>Auch wenn der Bischof noch im 15. Jahrhundert versuchte, die Herrschaft über die Stadt zurückzugewinnen, waren es immer mehr die römisch-deutschen Monarchen, die dominierten. </p>



<p>Sinnbild dafür und für das Selbstbewusstsein der Bürgerschaft ist das 1624 fertig gestellte Rathaus von Augsburg (siehe Bild). Es war von der Größe sogar für das Abhalten von Reichstagen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation konzipiert.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="431" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Rathaus-Augsburg.jpg?resize=600%2C431&#038;ssl=1" alt="Foto des Rathauses von Augsburg mit dem Perlachturm" class="wp-image-5853" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Rathaus-Augsburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Rathaus-Augsburg.jpg?resize=300%2C216&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Dmitry Naumov/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Vor allem in der Blütezeit der reichen Handelsstadt im 15. und 16. Jahrhundert fanden viele Reichstage am Lech statt. Darunter die bedeutenden von 1518 (Verhör von Martin Luther), 1530 <em>(„Confessio Augustana“</em>) und 1555 (<em>„Augsburger Religionsfriede“</em>).</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Augsburg entwickelt, wenn die Stadt keine freie Reichsstadt geworden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="weingarten">7. 1525: Der schlichtende Vertrag von Weingarten</h3>



<p>Anfang des 16. Jahrhunderts kam es auch in Bayerisch-Schwaben zu Bauernunruhen. </p>



<p>Inspiriert von der Reformation schlossen sich verschiedene Gruppen zu sogenannten<em> &#8222;Haufen&#8220;</em> zusammen und gingen gegen ihre Lehensherren vor.</p>



<p>Höhepunkt waren die Memminger <em>&#8222;12 Artikel&#8220;</em>, in denen die Aufständischen ihre Förderungen zusammenfassten und die teilweise als erste Erklärung von Menschenrechten gelten.</p>



<p>Die regionale Obrigkeit bekämpfte jedoch die Aufstände hart. Dafür nutzte sie den <em>&#8222;Schwäbischen Bund&#8220;</em> als Zusammenschluss verschiedener schwäbischer Gebiete. </p>



<p>Von diesem angeworbene Landsknechte (siehe Bild) zerschlugen daraufhin die meisten <em>&#8222;Bauernhaufen&#8220;</em> und beendeten die <em>&#8222;Bauernkriege&#8220;</em> blutig.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="876" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Landsknechte.jpg?resize=600%2C876&#038;ssl=1" alt="Illustration von einem Landsknecht auf dem Pferd und einem Fußsoldaten." class="wp-image-4936" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Landsknechte.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Landsknechte.jpg?resize=205%2C300&amp;ssl=1 205w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Sammy33/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Eine Ausnahme bildete der Vertrag von Weingarten. Diesen schlossen der <em>&#8222;Schwäbische Bund&#8220; </em>sowie die Bauern des Allgäuer und des Seehaufens im April 1525.</p>



<p>Gegen eine Rückgabe der eroberten Güter und eine Auflösung der Haufen konnten sich die Bauern Straffreiheit und eine Schlichtungslösung ihrer Forderungen durchsetzen.</p>



<p>Zwar verlief diese Durchführung vielfach nicht wie vereinbart, sie brachte jedoch für die Region im Allgäu das Einführen von &#8222;Agarverfassungsverträgen&#8220;, die einen Interessensausgleich zwischen Bauern und ihren Lehensherren vorsahen.</p>



<p>Der &#8222;Oberallgäuer Bauernhaufen&#8220; lehnte diese Lösung ab und wurde im Juli des gleichen Jahres in der Schlacht bei Leubas vernichtet.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Vertrag von Weingarten sich mehr durchgesetzt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="kempten">8. 1525: Der trennende <em>„Große Kauf“ </em>von Kempten</h3>



<p>Auch Kempten hatte bis in das 16. Jahrhundert eine lange Entwicklung bis zur freien Reichsstadt durchgemacht. </p>



<p>Zwar hatte die Bürgerschaft ab dem 14. Jahrhundert immer mehr Rechte der Fürstabtei an sich gezogen. Die Fürstäbte behielten aber nach wie vor bedeutende Rechte in Kempten, wie die Besetzung des Stadtamtmannes und Anteile an städtischen Einnahmen.</p>



<p>Zudem bauten sie die Fürstabtei zu einem bedeutenden Herrschaftsgebiet in Schwaben und im Allgäu aus, in dem die Stadt Kempten wie eine kleine Insel lag.</p>



<p>Erst im <em>„Großen Kauf“</em> gelang es den Kemptener Verhandlungsführern, dem Fürstabt alle seine Rechte innerhalb der Bürgerstadt abzukaufen. Für 30.000 Gulden trat der Geistliche damit ein Territorium ab, das nahe an seinem Kloster lag.</p>



<p>Er sah sich kurzfristig dazu gezwungen, da er durch aufständische Bauern, die sich der Territorialherrschaft des Klosters und der damit einhergehenden Leibeigenschaft nicht beugen wollten, in Bedrängnis war.</p>



<p>So hatte der Abt vor den Aufständischen, die ihn und den Klosterkonvent zeitweise auf der Burg Liebenthann bei Obergünzburg belagert hatten, in die Reichsstadt flüchten müssen.</p>



<p>Die immer mehr der Reformation zuneigenden Kemptener konnten so den <em>„Großen Kauf“</em> größtenteils mit den eingezogenen und eingeschmolzenen Kirchenschätzen der Stadt abwickeln.</p>



<p>Damit endeten die Streitigkeiten nicht. Das Territorium der Reichsstadt war komplett von der Fürstabtei umgeben und wirtschaftlich eng mit diesem verflochten. Sowohl die Reichsstadt als auch die Stiftstadt Kempten lagen auf dem westlichen Ufer der Iller und waren räumlich kaum zu trennen.</p>



<p>So sind die ehemalige Residenz des Fürstabtes (siehe erster Bild unten) und das Rathaus der ehemaligen Reichsstadt (siehe zweites Bild unten) kaum mehr als einen halben Kilometer voneinander entfernt. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="481" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Klosterresidenz-Kempten.jpg?resize=600%2C481&#038;ssl=1" alt="Foto der Kirche St. Lorenz in Kempten mit der ehemaligen Residenz der Fürstäbte von Kempten" class="wp-image-5851" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Klosterresidenz-Kempten.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Klosterresidenz-Kempten.jpg?resize=300%2C241&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(FooTToo/Shutterstock)</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Rathaus-Kempten.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto des Rathauses von Kempten" class="wp-image-5854" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Rathaus-Kempten.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Rathaus-Kempten.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Sina Ettmer Photography/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Diese Trennung blieb sogar nach der Besetzung durch Bayern 1802 bestehen, da die Verwaltungsakte zur gewünschten Vereinigung der Doppelstadt lange dauerten. </p>



<p>Erst 1818 fusionierten die ehemalige Reichsstadt und Stiftsstadt zum heutigen Kempten. Die Reichsstadt wurde zur Altstadt, die Stiftstadt zur Neustadt der neu eingerichteten Gemeinde.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Kempten bis 1818 entwickelt, wenn der „Große Kauf“ nicht erfolgreich gewesen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="donauwoerth">9. 1607: Die illegale Besetzung von Donauwörth</h3>



<p>Die freie und Reichsstadt Donauwörth (heute im Süden des Landkreises Donau-Ries) war mehrheitlich protestantisch, hatte aber eine katholische Minderheit zu dulden. Dazu gehörte zum Beispiel das katholisch gebliebene Kloster Heilig Kreuz am Stadtrand (siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="604" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?resize=600%2C604&#038;ssl=1" alt="Foto der Klosterkirche Heilig Kreuz in Donauwörth." class="wp-image-4929" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?resize=298%2C300&amp;ssl=1 298w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Anfang des 17. Jahrhunderts eskalierten allerdings im Heiligen Römischen Reich die Spannungen zwischen Katholiken und Protestanten.</p>



<p>Dies betraf auch Donauwörth, wo sich 1606 und 1607 die sogenannten <em>&#8222;Kreuz- und Fahnengefechte&#8220;</em> ereigneten.</p>



<p>Dabei griffen Protestanten katholische Prozessionen, deren Auftreten mit Fahnen und Gesängen sie als Provokation empfanden, an und jagten die Katholiken auseinander.</p>



<p>Unklar ist bis heute, ob die Prozessionen von katholischer Seite bewusst als Provokation ausgelegt waren, um katholische Mächte zum Eingreifen zu bewegen.</p>



<p>Die Folgen waren dagegen klar: Nachdem Kaiser Rudolf II. 1606 noch die Reichsacht angedroht hatte, verfügte er diese nach dem zweiten <em>&#8222;Gefecht&#8220;.</em></p>



<p>Eigentlich wäre der protestantische württembergische Herzog als Obmann des schwäbischen Reichskreises für die Exekution zuständig gewesen. </p>



<p>Rudolf II. beauftragte allerdings den katholischen, bayerischen Herzog Maximilian I.</p>



<p>Dieser nutzte die Gelegenheit und die kompromisslose Haltung von Donauwörth gegen seine Verhandlungsversuche, um die Stadt zu besetzen und de facto zu annektieren.</p>



<p>Als er Donauwörth zusätzlich rekatholisierte, führte dies nicht nur zu einer protestantischen Auswanderung und einer Verarmung der Stadt.</p>



<p>Die protestantischen Mächte des Reiches sahen diese Entwicklung als Bedrohung und schlossen sich zu einem Bündnis zusammen.</p>



<p>Daher gilt die Besetzung von Donauwörth als einer der bedeutendsten Auslöser des Dreißigjährigen Krieges wenige Jahre später.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn nicht der bayerische, sondern der zuständige württembergische Herzog die Reichsacht in Donauwörth exekutiert hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="lindau">10. 1626: Der folgenreiche <em>„Neukomm-Aufstand“</em> in Lindau</h3>



<p>Die freie und Reichsstadt Lindau war durch den Handel am Bodensee und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/europaeische-geschichte/geschichte-schweiz/">über die Alpenpässe</a> lange reich geworden.</p>



<p>Diese günstige Lage (siehe Bild unten) sorgte aber im beginnenden Dreißigjährigen Krieg dafür, dass die durchziehenden katholischen Heere die protestantische Stadt wirtschaftlich und sozial stark belasteten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="337" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Lindau.jpg?resize=600%2C337&#038;ssl=1" alt="Luftaufnahme der Stadt Lindau auf einer Insel im Bodensee aus Richtung Norden." class="wp-image-5852" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Lindau.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Lindau.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(megula/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dies führte zu immer größeren Spannungen in Lindau.</p>



<p>Diese entzündeten sich vor allem zwischen dem Stadtrat aus Patriziern, der die Neutralität der Stadt im Krieg und die Treue zum Kaiser erhalten wollte, und einigen Einwohnern, die als Protestanten unten wirtschaftlichen sowie sozialen Nöten litten. Besonders der rangälteste protestantische Prediger der Stadt, Alexius Neukomm, nutzte die Spannungen zu seinem persönlichen Vorteil und griff den Stadtrat mehrfach scharf in demagogischen Predigten an.</p>



<p>Als der Rat seinen Angriffen nicht energisch entgegentrat eskalierte der Konflikt in der Karwoche 1626 um die Frage der Wiedereinführung er Privatbeichte. Neukomm verweigerte diese strikt und hatte bereits vorher den Rat scharf angegriffen, ohne dass dieser harte Gegenmaßnahmen gegen ihn durchgesetzt hatte.</p>



<p>Als der Stadtrat den immer stärker eskalierenden Konflikt am 6. November mit der Absetzung von Neukomm beenden wollte, löste dies am nächsten Tag den offenen Aufstand von Neukomms Anhängerschaft und vielen unzufriedenen Einwohnern aus.</p>



<p>Unter diesem Druck musste der Rat am 7. November faktisch vor den Aufständischen kapitulieren und sagte in einer schriftlichen Vereinbarung die Erfüllung von dessen Forderungen wie einer Wiedereinsetzung von Neukomm zu.</p>



<p>Im Laufe des Novembers/Dezembers gelang es zwar, diese Vereinbarungen durch einen für alle Seiten annehmbaren Vergleich zu ersetzen. Und im Februar 1627 starb mit Alexius Neukomm der Verursacher des nach ihm benannten Aufstandes.</p>



<p>Allerdings nutzte der katholische Kaiser Ferdinand II., der die protestantische Stadt schon vor Kriegsbeginn des Verrats verdächtigt hatte, den Aufstand als Vorwand für eine Untersuchungskommission. Deren Erkenntnisse führten im Februar/März 1628 schließlich zur Besetzung der Stadt mit einer kaiserlichen Streitmacht für die Dauer des Krieges.</p>



<p>Diese verstärkte nicht nur die wirtschaftlichen und sozialen Lasten von Lindau im Krieg, sondern involvierten die Stadt als kaiserliche Festung auch bis zum Ende des Krieges noch stärker in die Konflikte des Krieges.</p>



<p>Als Vorteil erwies sich, dass die kaiserliche Besatzung die Befestigungen der Stadt ausbauen konnte. Die Pläne dafür hatte es bereits länger gegeben. Der katholische Kaiser hatte aber der Reichststadt aufgrund seines Misstrauens die Erlaubnis zum Ausbau der Stadtverteidigung verweigert.</p>



<p>Nachdem 1632 schwedische Patrouillen zum ersten Mal die Lindauer Region erreicht hatten, kam es in der strategisch und wirtschaftlich wertvollen Bodenseeregion immer wieder zu Kämpfen zwischen Schweden und Kaiserlichen. Nur gegen die Festigung Lindau gingen die Angreifer nicht vor, da ihre Kräfte dafür zu schwach waren.</p>



<p>Erst am Ende des Krieges, Anfang 1647, belagerten die Schweden einmalig Lindau für mehrere Wochen, scheiterten aber an der vorbereiteten Garnison und den inzwischen ausgebauten Befestigungen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Stadtrat Alexius Neukomm früher entgegengetreten wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="noerdlingen">11.1634: Die &#8222;gebriefte&#8220; Schlacht bei Nördlingen</h3>



<p>Die freie und Reichsstadt Nördlingen lag günstig inmitten der Region des  Ries (siehe Bild aus der heutigen Zeit). Diese lag nicht nur verkehrstechnisch günstig, zum Beispiel zwischen Schwaben <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-mittelfranken-nuernberg/">und Franken</a>, sondern war auch sehr fruchtbar.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Noerdlinger-Ries.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto der Landschaft des Nördlinger Ries mit zahlreichen Äckern." class="wp-image-4934" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Noerdlinger-Ries.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Noerdlinger-Ries.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wolfgang Zwanzger/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Was die Stadt bis dahin reich gemacht hatte, bedrohte sie aber im Dreißigjährigen Krieg.  </p>



<p>1634 geriet die protestantische, durch eine schwedische Besatzung geschützte Stadt in den Fokus der katholischen Verbündeten.</p>



<p>Zuerst begann ein bayerisches Heer die Stadt zu belagern und gleichzeitig die Region zu nutzen, um sich zu versorgen, bis Verstärkungen aus Spanien eintrafen.</p>



<p>Die harte Belagerung und das Ausbleiben einer protestantischen Entsatzstreitmacht führten am 22. August zu Diskussionen im Rat von Nördlingen, ob die Stadt auf die Übergabeforderungen der Belagerer eingehen sollte.</p>



<p>Erst ein in die Stadt geschmuggeltes Schreiben der protestantischen Heerführer, das deren baldige Ankunft ankündigte, beendete diese Diskussionen. Als zwei Tage später General Horn erfolgreich Nördlingen besuchte, war die Diskussion endgültig vorbei.</p>



<p>Nördlingen widerstand der Belagerung, bis das protestantische Entsatzheer ab dem 5. September in der <em>&#8222;Schlacht auf dem Albuch&#8220;</em> die Belagerer angriff.</p>



<p>Dieser Angriff endete jedoch in einer desaströsen Niederlage der protestantischen Seite gegen die Katholiken, die im Dreißigjährigen Krieg für die nächsten Jahre die Oberhand behielten.</p>



<p>Nördlingen musste nach dieser Niederlage ebenfalls kapitulieren, hatte aber vergleichsweise wenig desaströse Bedingungen zu erfüllen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich die Schlacht bei Nördlingen entwickelt, wenn die Stadt bereits am 22. August kapituliert hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="maxemanuel">12. 1702: Der risikoreiche Handstreich auf Ulm</h3>



<p>Im 17. Jahrhundert war die Reichsstadt Ulm eine mächtige Festung. Noch während des Dreißigjährigen Krieges hatte die Stadt ihre Befestigungen modernisiert und ausgebaut.</p>



<p>Zudem war die Stadt Kreisfestung des Schwäbischen Reichskreises, der dort seine Artillerie lagerte.</p>



<p>Daher griff der bayerische Kurfürst Maximilian II. Emanuel zu einer hochriskanten List: Am 8. September versuchten seine als Bauern verkleidete Soldaten, sich über das Gänstor (siehe Bild) in die Stadt zu schmuggeln. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="582" height="1024" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Gaenstor-Ulm.jpg?resize=582%2C1024&#038;ssl=1" alt="Foto des Gänstors von Ulm." class="wp-image-4935" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Gaenstor-Ulm.jpg?resize=582%2C1024&amp;ssl=1 582w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Gaenstor-Ulm.jpg?resize=170%2C300&amp;ssl=1 170w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Gaenstor-Ulm.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w" sizes="auto, (max-width: 582px) 100vw, 582px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Vollverglasung/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Die Torwachen bemerkten die Kommandoaktion zu spät. Auch wenn einer der Angreifer im anschließenden Gefecht seinen Anführer aus Versehen erschoss,waren die wenigen Ulmer Wachen gegen die bayerischen Soldaten und deren schnell nachrückende Verstärkung chancenlos. </p>



<p>Zwar mobilisierte der Angriff die 3.000 Mann starken Bürgerkompanien schnell. Doch da eine Verteidigung nur zu Zerstörungen innerhalb der Stadt geführt hätte, kapitulierte Ulm.</p>



<p>Die anschließende bayerische und französische Besetzung sowie Kampfhandlungen im <em>&#8222;Spanischen Erbfolgekrieg&#8220;</em> ruinierten die Stadt langfristig. Sie erholte sich davon nicht mehr, bis sie ihre Reichsfreiheit fast 100 Jahre später verlor.</p>



<p>Der Fall von Ulm machte den Weg des bayerischen Heeres für eine Invasion weiterer Städte frei. So wurde zum Beispiel Memmingen besetzt, wodurch dessen Reichsfreiheit ebenfalls in Gefahr geriet.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Ulmer Stadtwachen das bayerische Kommando rechtzeitig entdeckt hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="pariservertrag">13. 1810: Der bayerisch-württembergische Pariser Vertrag</h3>



<p>1802/1803 war Ulm in Folge des Bündnisses zwischen Frankreich unter Napoléon und Bayern in den Besitz des letzteren gekommen.</p>



<p>Bayern machte Ulm sogar zur Hauptstadt seiner neuen Provinz &#8222;Schwaben&#8220;, weshalb die Stadt eine Aufwertung durch viele Behörden erhielt.</p>



<p>Dies änderte sich 1810, als Bayern in Folge eines in Paris geschlossenen Grenzvertrags mit Württemberg Ulm an das benachbarte Königreich abtrat.</p>



<p>Dafür erhielt es von Frankreich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberfranken-bayreuth/">das ehemalige Fürstentum Bayreuth</a>.</p>



<p>Zuvor hatte eine bayerisch-württembergische Kommission die bisherige Grenze (siehe Karte) zwischen beiden Staaten neu verhandelt und sich dabei vor allem an den Flüssen als Grenze orientiert.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="654" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayern-1806.png?resize=600%2C654&#038;ssl=1" alt="Karte von Bayern im Jahr 1806. " class="wp-image-4928" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayern-1806.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayern-1806.png?resize=275%2C300&amp;ssl=1 275w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rheinbund_1806,_political_map.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ziegelbrenner/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Die Übergabe von Ulm führte nicht nur zu Ärger bei der bayerischen Verwaltung, die dem durch Mitnahme allen beweglichen Guts Ausdruck verlieh. Ebenso demolierten bayerischen Soldaten aus Frust über ihren Abzug ihre Kasernen.</p>



<p>Die Verträge trennten Ulm auch von seinen Gebieten auf dem rechten Ufer der Donau. Dort entstand ab 1811 mit Neu-Ulm eine bayerische Gemeinde.</p>



<p>Zwar gab es seitdem mehrere Versuche, Neu-Ulm wieder in Ulm einzugliedern. Diese scheiterten jedoch spätestens an der bayerischen Gegenforderung, dann Ulm nach Bayern einzugliedern.</p>



<p>Der Grenzvertrag hatte auch Folgen für andere Teile von Bayerisch-Schwaben: So trennte er Memmingen von Teilen seines ehemaligen reichsstädtischen Hinterlandes und machte es zur Grenzstadt.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Grenzvertrag anders verhandelt worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="ludwig-sued-nord-bahn">14. 1843: Der umkämpfte Verlauf der „Ludwig -Süd-Nord-Bahn“</h3>



<p>Bereits 1835 gab es in Bayerisch-Schwaben Versuche, eine Eisenbahnstrecke zwischen Lindau und Augsburg zu etablieren. Dies scheiterte aber an den Uneinigkeiten über die Streckenführung.</p>



<p>Dies galt ebenso bei der geplanten „Ludwig -Süd-Nord-Bahn“, die Bayern von Lindau bis nach Hof erschließen sollte. Ursprünglich sollte die Strecke auf der technisch einfacheren Route von Buchloe über Marktoberdorf und Unterthingau bis nach Immenstadt gebaut werden.</p>



<p>Wobei das Allgäu an sich aufgrund seiner gebirgigen Landschaft (siehe Bild aus der heutigen Zeit unten) für die Planer und Ingenieure bereits eine enorme Herausforderung war.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Zugfahrt-Allgaeu.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Foto eines modernen Zuges mit zwei Triebwägen in einer Stadt im Allgäu vor den Bergen der Alpen" class="wp-image-6478" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Zugfahrt-Allgaeu.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Zugfahrt-Allgaeu.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Hagen Simon/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Der geplanten Streckenführung widersetzten sich jedoch Kempten und Kaufbeuren, am Ende erfolgreich. Daher musste die Bahnstrecke auf einer technisch noch anspruchsvolleren Route gebaut werden.</p>



<p>Diese erwies sich jedoch als wirtschaftlich erfolgreich und förderte die ab 1840 einsetzende Industrialisierung im Allgäu entscheidend. So begann mit dem Eisenbahnanschluss von Kaufbeuren im Jahr 1847 der Erfolg der dortigen Textilherstellung. Doch vor allem Kempten entwickelte sich zu einem Zentrum der Industrialisierung in der Region.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die „Ludwig -Süd-Nord-Bahn“ die ursprüngliche Streckenführung beibehalten hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="grossschwaben">15. 1919: Der kurzzeitige Traum von <em>&#8222;Großschwaben&#8220;</em> </h3>



<p><a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/erster-weltkrieg/">Nach dem Ersten Weltkrieg</a> und den revolutionären Wirren der Räterepubliken entstand in Bayerisch-Schwaben kurzzeitig  eine <em>&#8222;Großschwaben-Bewegung&#8220;</em>. </p>



<p>Diese forderte die Integration der Region in ein eigenes <em>&#8222;Reichsland Schwaben&#8220;</em>, indem der gesamte schwäbische Raum vereinigt werden sollte.</p>



<p>Diese Bewegung fand zum Beispiel große Sympathien in Ulm, Neu-Ulm, Memmingen und Kaufbeuren. Dillingen, Nördlingen und Lindau blieben dagegen distanziert.</p>



<p>Auf Ebene des Deutschen Reiches gab es zu dieser Zeit ebenfalls Diskussionen über eine Niedergliederung der Länder zu in etwa gleich großen Einheiten. </p>



<p>Als <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">die revolutionäre Instabilität</a> allerdings zurückging und erste Neugliederungspläne auf Reichsebene scheiterten, ging auch die <em>&#8222;Großschwaben-Bewegung&#8220;</em> zurück. In Memmingen zum Beispiel zugunsten der im Allgäu starken Heimatschutzbewegung.</p>



<p>Diskussionen über ein <em>&#8222;Reichsland Schwaben&#8220;</em> blieben allerdings die gesamten 1920er Jahre lebendig.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die <em>"Großschwaben-Bewegung"</em> länger einflussreich geblieben wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="zweiterweltkrieg">16. 1945: Die verhinderte Verteidigung von Nördlingen</h3>



<p>Bis in den April 1945 war Nördlingen (siehe Bild aus der heutigen Zeit) von den Zerstörungen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">des Zweiten Weltkriegs</a> verschont geblieben. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="338" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Noerdlingen-Altstadt.jpg?resize=600%2C338&#038;ssl=1" alt="Luftbild der Altstadt von Nördlingen." class="wp-image-4937" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Noerdlingen-Altstadt.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Noerdlingen-Altstadt.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(oliverfoerschner/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dennoch sollten die wenigen verbliebenen deutschen Einheiten die Stadt verteidigen. Daher waren Schützengraben ausgehoben und die Brücke vor dem <em>&#8222;Baldinger Tor&#8220;</em> mit Sprengsätzen ausgestattet.</p>



<p>Auch der Stadtkommandant lehnte eine friedliche Übergabe an die US-Amerikaner ab.</p>



<p>Dennoch gelang es den Mitarbeitern des Nördlinger Stabsarztes, auf dem Turm der Stadtkirche Rotkreuzfahnen zu hissen, zwischen denen ein weiterer Nördlinger sogar eine weiße Fahne geschmuggelt hatte.</p>



<p>Dies brachte Nördlingen jedoch in Gefahr, als der Stadtkommandant auf einem Einziehen der Fahnen bestand. </p>



<p>Denn die US-Amerikaner konnten dies nur als Signal verstehen, dass die Stadt verteidigt wird. Dies hätte in jedem Fall <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-unterfranken-wuerzburg/">schwere Angriffe</a> aus der Luft und mit Artillerie bedeutet.</p>



<p>Dass es nicht dazu kam, war Verhandlungen zwischen dem Stadtkommandanten und dem Stabsarzt zu verdanken. Zwar sollten die Fahnen abgehängt werden, jedoch nur Stück für Stück.</p>



<p>Diese Verzögerung genügte, denn am 23. April zog sich der Stadtkommandant plötzlich aus Nördlingen zurück und die Stadt konnte friedlich an die US-Amerikaner übergeben werden. </p>



<p>So blieb vor allem die historische Altstadt größtenteils erhalten und Nördlingens Bevölkerung überstand die &#8222;Eroberung&#8220; durch die US-Amerikaner vergleichsweise glimpflich.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre mit Nördlingen passiert, wenn die Fahnen auf der Kirche schneller abhängt worden wären?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="neu-gablonz">17. 1945: Das Kaufbeurer Neu-Gablonz</h3>



<p>Als es nach 1945 zur Vertreibung unter anderem der Sudetendeutschen kam, suchte eine Gruppe um den Diplomingenieur Erich Huschka in Eigeninitiative einen neuen Standort für die Vertriebenen aus der Stadt Gablonz an der Neiße.</p>



<p>Diese war bis zur Vertreibung ihrer Einwohner ein Zentrum der böhmischen Glas- und Schmuckherstellung gewesen. Diese ausdifferenzierte Wirtschaftsstruktur wollte die Gruppe um Huschka an einem geeigneten Standort in Deutschland wiederaufbauen.</p>



<p>Dazu sondierten sie verschiedene Regionen, zum Beispiel in Süddeutschland und im Bayerischen Wald. Kaufbeuren war eine Möglichkeit, da die Stadt mit einer ehemaligen Sprengstofffabrik über ein großes Gelände verfügte, das durch Versorgungsinfrastruktur erschlossen war, aber noch keine neue Funktion hatte.</p>



<p>Kaufbeuren mit seiner mittelalterlichen Altstadt (siehe Bild unten) und das Allgäu waren bis größtenteils ländlich-landwirtschaftlich strukturiert und vergleichsweise dünn besiedelt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="200" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Altstadt-Kaufbeuren.jpg?resize=600%2C200&#038;ssl=1" alt="Panoramabild der Altstadt von Kaufbeuren mit alter Stadtmauer und Kirchentürmen" class="wp-image-6477" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Altstadt-Kaufbeuren.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Altstadt-Kaufbeuren.jpg?resize=300%2C100&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(cityfoto24/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Allerdings war der für Wirtschaftsfragen zuständige Beamte im Kaufbeurer Rathaus gegen eine Ansiedlung der Vertriebenen, da er das Gelände als ungeeignet ansah.</p>



<p>Huschka gelang es, diesen Widerstand zu überwinden, indem er einen ausgearbeiteten Ansiedlungsplan für Kaufbeuren direkt an die bayerischen Ministerien schickte. Diese waren sehr daran interessiert, die Gablonzer Industrien in Bayern anzusiedeln.</p>



<p>Der damalige bayerische Wirtschaftsminister Ludwig Erhard favorisierte allerdings eine Ansiedlung der Gablonzer mehrheitlich im Fichtelgebirge und in Bayreuth.</p>



<p>Ein weiteres Hindernis waren Vorbehalte der US-amerikanischen Besatzungsbehörden, die gegen eine geschlossene Ansiedlung der Sudetendeutschen auf diesem Gelände waren. Dies konnte der Oberbürgermeister von Kaufbeuren erst umgehen, als er die kommunale Planungshoheit über das Gelände beanspruchte. Damit übernahm die Stadt auch die Verantwortung für die kostspielige Infrastruktur von den US-Amerikanern.</p>



<p>Somit gelang es ab Juni 1946, die Gablonzer im neuen Stadtteil Kaufbeuren-Hart anzusiedeln. 1952 erfolgte die Umbenennung in Kaufbeuren-Neugablonz. Die dort angesiedelte Industrie erwies sich bis in die 1970er Jahre als Wachstumsmotor der Stadt und Region. Bis 1961 verdreifachte Kaufbeuren so durch die 17.000 Vertriebenen seine Einwohnerzahl.</p>



<p>Lange blieb Neu-Gablonz eine Sprachinsel des im sudetendeutschen Gablonz gesprochenen <em>„Paurischen“</em> und bis in die heutige Zeit sind dort Traditionen aus dem böhmischen Kulturkreis lebendig.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Kaufbeuren entwickelt, wenn sich die Gablonzer mit ihrer Industrie nicht in der Stadt angesiedelt hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="deiningen">18. 1947: Die selbstbewusste politische Siedlung Deiningen</h3>



<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Vertriebene auch nach Bayerisch-Schwaben. Um diese Masse unterzubringen, entstanden Flüchtlingslager, unter anderem in Deiningen.</p>



<p>Dieses Lager mit 400 Bewohnern war allerdings eine Ausnahme: Es bestand mehrheitlich aus sudetendeutschen Sozialdemokraten des Bezirks Marienbad und entwickelte 1947 ein enormes Eigenleben.</p>



<p>Höhepunkt war eine Erklärung an den Landkreis Nördlingen, in dem sich das Lager als <em>&#8222;sozialistische Siedlung&#8220;</em> für autonom erklärte.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>&#8222;Die SPD Umsiedlerstelle übernimmt somit die gesamte Verwaltung und Organisation der sozialistischen Siedlung und ersucht das Flüchtlingskommissariat um freundliche Kenntnisname dieser Mitteilung&#8220;.</em></p>
<cite>Telegramm des Landratsamtes Nördlingen an den Gemeinderat von Deiningen, Betreff:&nbsp;Antifa-Siedlung Deiningen. (31.07.1947).</cite></blockquote>



<p>Dies führte zu heftigen Konflikten mit der bayerischen Flüchtlingsverwaltung und der Gemeinde Deiningen, die eine politische Siedlung und deren Autonomie strikt ablehnten.</p>



<p>Trotz dieser Konflikte und einer dadurch bedingten fehlenden Unterstützung existierte die Siedlung bis 1952, als sie wegen wirtschaftlicher Probleme aufgelöst wurde.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die politische Siedlung Deiningen weiter existiert hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="universitaetaugsburg">19. 1949: Die gescheiterte Gründung der Universität Augsburg</h3>



<p>Bayerisch-Schwaben hat eine lange Hochschultradition. Bereits 1543 gründete der Kemptener Fürstabt eine Universität in Ottobeuren.</p>



<p>Diese <em>&#8222;Academia Ottemburana&#8220;</em> hatte den Zweck, als Reaktion auf die Reformation die Ausbildung von katholischen Priestern zu verbessern. Sie ging allerdings bereits drei Jahre später im <em>&#8222;Schmalkaldischen Krieg&#8220;</em> unter.</p>



<p>Ihre Nachfolge trat 1549 die Universität Dillingen an, die der Augsburger Bischof in seiner Residenzstadt gründen ließ. Sie bestand bis zur Säkularisierung durch Bayern 1803. 1923 entstand sie als Philosophisch-Theologische Hochschule wieder.</p>



<p>Eine solche Hochschule existierte bis nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Augsburg. Dort gab es aber Bestrebungen, eine eigene Universität einzurichten.</p>



<p>Nachdem 1947 der erste Versuch am Widerstand der Kirche gescheitert war, kam es im darauf folgenden Jahr zu einem neuen Schub.</p>



<p>Denn vertriebene Mitglieder der 1945 aufgelösten Deutschen Universität Prag zeigten sich interessiert, die Tradition der ältesten deutschsprachigen Universität in Augsburg fortzusetzen.</p>



<p>Es gab sogar eine <em>&#8222;Denkschrift über die Wiedererrichtung der juristischen und philosophischen Fakultät der deutschen Karlsuniversität in Prag in Augsburg&#8220;</em>  sowie vom 31. August bis 4. September 1949 öffentlichkeitswirksame <em>&#8222;Augsburger Hochschultage&#8220;</em>.</p>



<p>Da die sudetendeutschen Professoren allerdings fast <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberpfalz-regensburg/">zeitgleich Regensburg</a> als neuen potenziellen Standort für sich entdeckten, versandete der Versuch erneut.</p>



<p>Erst 1970 kam es zur Einrichtung der Universität Augsburg (siehe Bild), die 1972 auch die Hochschule und damit die Tradition aus Dillingen übernahm.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="301" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Universitaet-Augsburg.jpg?resize=600%2C301&#038;ssl=1" alt="Foto der Universität Augsburg." class="wp-image-4933" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Universitaet-Augsburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Universitaet-Augsburg.jpg?resize=300%2C151&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Werner Rebel/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Heute ist die Universität Augsburg mit knapp 20.000 Studierenden eine der größten Hochschulen Bayerns und prägt die Stadt trotz ihrer kurzen Geschichte stark.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Augsburg entwickelt, wenn die Universität bereits 1949 erfolgreich eingerichtet worden wäre? </pre>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Christoph Engelhard: Memmingen. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2021. <a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1060833827" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Stefan Fischer: Kleine Geschichte des Allgäus. Regensburg 2024.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1068847871" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Christopher R. Friedrichs: Nördlingen im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges. Neustadt an der Aisch 2018.</li>



<li>Karl-Ulrich Gelberg: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Neugliederung_des_Reiches_(1919-1945)" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Neugliederung des Reiches (1919-1945)</a>, auf historisches-lexikon-bayerns.de (15.11.2007).</li>



<li>Gerhard Immler: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Kempten,_F%C3%BCrstabtei:_Politische_Geschichte_(Sp%C3%A4tmittelalter)" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kempten</a>, Fürstabtei: Politische Geschichte (Spätmittelalter), auf: historisches-lexikon-bayerns.de (15.09.2009).</li>



<li>Birgit Kata, Volker Laube, Markus Naumann, Wolfgang Petz (Hrsg.): „Mehr als tausend Jahre. Das Stift Kempten zwischen Gründung und Auflassung 752 bis 1802 (Allgäuer Forschungen zur Archäologie und Geschichte 1). Friedberg 2006.</li>



<li>Wolf-Henning Petershagen: Ulm &amp; Neu-Ulm. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2019. <a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1053094556" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Rolf Kießling: Kleine Geschichte Schwabens. Regensburg 2021.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1062033411" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Werner Lenger: <a href="https://assets.uni-augsburg.de/media/filer_public/a7/7b/a77b0d2e-8e21-4b94-8145-a60d52933611/geschichte_der_universitaet_augsburg__pdf.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Eine kleine Geschichte der Universität Augsburg</a>. Augsburg 2004.  </li>



<li>Otto Mayr: Die schwedische Belagerung von Lindau 1647. Der Dreißigjährige Krieg am Bodensee und in Oberschwaben (Historischer Verein Lindau (B), Neujahrsblatt 53). München 2016.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1039653076" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Christoph Paulus: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Augsburg,_Reichsstadt:_Politische_und_soziale_Entwicklung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Augsburg</a>, Augsburg, Reichsstadt: Politische und soziale Entwicklung, auf: historisches-lexikon-bayerns.de (08.12.2017).</li>



<li>Wolfgang Petz: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Kempten,_Reichsstadt" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kempten</a>, Reichsstadt, auf: historisches-lexikon-bayerns.de (10.09.2012).</li>



<li>Wilfried Sponsel: Das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Jahre des Neubeginns in Nördlingen (1945-1950). Neustadt an der Aisch 2020.</li>



<li>Bastian Vergnon: Die sudetendeutschen Sozialdemokraten und die bayerische SPD 1945 bis 1978, Frankfurt am Main 2017.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1046354157" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Florian Felix Weyh: <a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/kaufbeuren-neugablonz-wie-die-sudetendeutsche-100.html">Wie die sudetendeutsche Schmuckindustrie nach Bayern kam. Kaufbeuren-Neugablonz</a>, auf: deutschlandfunkkultur.de (03.02.2019).</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayerisch-schwaben-augsburg/">19 Punkte, an denen die Geschichte von Bayerisch-Schwaben und Augsburg anders gelaufen wäre</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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		<title>21 Punkte, an denen die Geschichte der Oberpfalz und Regensburgs anders gelaufen wäre</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Nov 2023 14:35:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayerische Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Historische Hintergründe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Bewohner der Oberpfalz und ihrer Hauptstadt Regensburg werden in Bayern gerne unterschätzt. Doch die Region zwischen Franken, der Tschechischen Republik und Südbayern stand oft im Fokus der Geschichte. Vielfältige Herrschaften lösten sich im Spannungsfeld der Regional- und Großmächte in der Mitte Europas ab. So kreuzten sich in der Oberpfalz und Regensburg viele Wege der [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberpfalz-regensburg/">21 Punkte, an denen die Geschichte der Oberpfalz und Regensburgs anders gelaufen wäre</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Die Bewohner der Oberpfalz und ihrer Hauptstadt Regensburg werden in Bayern gerne unterschätzt. </p>



<p>Doch die Region zwischen Franken, der Tschechischen Republik und Südbayern stand oft im Fokus der Geschichte. Vielfältige Herrschaften lösten sich im Spannungsfeld der Regional- und Großmächte in der Mitte Europas ab. </p>



<span id="more-671"></span>



<p>So kreuzten sich in der Oberpfalz und Regensburg viele Wege der <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">Alternative History</a>. </p>



<p>Zur besseren Orientierung gibt es Anfang eine Karte der heutigen Oberpfalz mit den kreisfreien Städten Regensburg, Amberg und Weiden. Umgeben ist der Bezirk von <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberfranken-bayreuth/">Oberfranken (gelblich)</a>, <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-mittelfranken-nuernberg/">Mittelfranken (rötlich)</a>, <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/oberbayern-muenchen/">Oberbayern (grün)</a> und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-niederbayerns/">Niederbayern (orange)</a>. Im Westen in dunklerem Rot markiert ist die kreisfreie Stadt Nürnberg mit ihren Nachbarstädten Fürth und Erlangen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="598" height="424" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Oberpfalz.png?resize=598%2C424&#038;ssl=1" alt="Karte der Bezirks Oberpfalz in Bayern mit den kreisfreien Städten Regensburg, Amberg und Weiden sowie den Landkreisen Regensburg, Neumarkt in der Oberpfalz, Amberg-Sulzbach, Schwandorf, Cham. Neustadt an der Waldnaab und Tirschenreuth." class="wp-image-741" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Oberpfalz.png?w=598&amp;ssl=1 598w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Oberpfalz.png?resize=300%2C213&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 598px) 100vw, 598px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia Autor: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bavaria,_administrative_divisions_-_de_-_colored.svg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">TUBS/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p><em>Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal am 29. September 2020. Er wurde seitdem am 20. März und 18. Dezember 2021 sowie am 10. April und 13. November 2023 überarbeitet.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ankerpunkte</h2>



<ol class="wp-block-list">
<li><a href="#rom">15 vor Christus: Die unbedeutende Eroberung durch das römische Reich</a></li>



<li><a href="#agilolfinger">788: Das einschneidende Ende der Agilolfinger</a></li>



<li><a href="#schweinfurter">1057: Das langwierige Ende der Schweinfurter</a></li>



<li><a href="#sulzbach">1167: Das vorzeitige Ende der Grafen von Sulzbach</a></li>



<li><a href="#regensburg">1245: Die freie und Reichsstadt Regensburg</a></li>



<li><a href="#eger">1322: Die endgültige Verpfändung von Eger</a></li>



<li><a href="#pavia">1329: Der zersplitternde Hausvertrag von Pavia</a></li>



<li><a href="#neuboehmen">1373: Das kurzfristige Ende von Neuböhmen</a></li>



<li><a href="#albrecht">1492: Der erzwungene Verzicht auf Regensburg</a></li>



<li><a href="#wenzenbach">1504: Die entscheidende Schlacht von Wenzenbach</a></li>



<li><a href="#pfalz">1519: Die junge Pfalz-Neuburg</a></li>



<li><a href="#rekatholisierung">1625: Die unfreiwillige Rekatholisierung</a></li>



<li><a href="#reichstag">1663: Der zwiespältige immerwährende Reichstag</a></li>



<li><a href="#schlacht-amberg">1796: Die verhinderte Entscheidungsschlacht bei Amberg</a></li>



<li><a href="#hauptstadt">1810: Die neue Hauptstadt der Oberpfalz</a></li>



<li><a href="#ostbahn">1856: Die verspätete Gründung der Ostbahngesellschaft</a></li>



<li><a href="#amberg">1945: Die tödlich verhinderte Verteidigung von Amberg</a></li>



<li><a href="#universitaet">1962: Die endgültige Gründung der Universität Regensburg</a></li>



<li><a href="#autofreundlich">1978: Das langwierige Ende der &#8222;autofreundlichen&#8220; Altstadt in Regensburg</a></li>



<li><a href="#waa">1989: Die umkämpfte Aufgabe der WAA</a></li>



<li><a href="#oth">1991: Die uneinige Gründung der OTH Amberg-Weiden</a><br><br><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ol>



<h3 class="wp-block-heading" id="rom">1. 15 vor Christus: Die unbedeutende Eroberung durch das römische Reich</h3>



<p>Vor der Zeitenwende war das Gebiet der Oberpfalz mehrheitlich von Kelten und weniger von Germanen besiedelt. </p>



<p class=".post-content">Mit der Eroberung durch die römischen Legionen, die das strategische Vorfeld von Italien und Gallien sichern wollten, erhielt die Oberpfalz nicht nur Anschluss an den <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/geschichte-roemisches-reich/">einheitlichen Kulturraum des Imperiums</a>. </p>



<p>Das bekannteste Beispiel ist nach der Zerstörung von Vorgängerbauten ein im Jahr 179 aufgebautes Legionslager: Castra Regina – das heutige Regensburg.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/R%C3%B6mische-Legion.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Legionäre waren auch für die römischen Provinzen in der südlichen Oberpfalz entscheidend." class="wp-image-721" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/R%C3%B6mische-Legion.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/R%C3%B6mische-Legion.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(MinDof/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Die Oberpfalz nördlich der Donau gehörte offiziell zwar zum freien Germanien. Das kaum bewohnte, von verschiedenen germanischen Stämmen besiedelte Land blieb aber nicht unbeeinflusst durch die Römer. </p>



<p>Es gab ausgehend von den Flusstälern von Naab und Regen Handelsbeziehungen, vor allem im 3. und 4. Jahrhundert auch Plünderungszüge in die römischen Provinzen. </p>



<p>Diese blieben aber bis zum Ende des Römischen Reiches unbedeutende Regionen des Imperiums.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Römer die Region nie erobert hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="agilolfinger">2. 788: Das einschneidende Ende der Agilolfinger</h3>



<p>Nach dem Abzug der Römer blieben Teile der romanisierten Bevölkerung im Land. Ebenso wie germanische Söldner aus Siedlungen nördlich der Donau, die immer mehr Aufgaben der römischen Grenztruppen übernommen hatten. </p>



<p>Aus beiden Gruppen, weiteren germanischen Stämmen und zahllosen anderen Zuwanderern bildete sich eine neue Ethnie heraus, die die bayerische Geschichte begründete: die Bajuwaren.</p>



<p>Im 8. Jahrhundert dominierte die Familie der Agilolfinger vom immer <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/800-de-bello-baiuvaria/">noch stark befestigten Regensburg</a> aus den Stamm. </p>



<p>Um ihre Herrschaft zu sichern, richteten sie eine erste Kirchenverwaltung ein und gründeten zahlreiche Klöster als Stützpunkte zur Landgewinnung. </p>



<p>Im Zuge dessen kam es zu einer bajuwarischen Besiedlung der Oberpfalz, damals Nordgau genannt, entlang der Flussläufe wie der Naab. Von Westen her siedelten aber auch Franken, von Norden und Osten zusätzlich Slawen im Land.</p>



<p>Da die heutige Oberpfalz zwischen Sulzbach (Landkreis Amberg-Sulzbach) und Premberg (Landkreis Schwandorf) im Frühmittelalter bereits ein wichtiges Zentrum der Eisenverarbeitung war, war die Region zwischen bajuwarischen Agilolfingern und fränkischen Karolingern umkämpft.</p>



<p>788 endete diese Phase der bayerischen und Oberpfälzer Geschichte: Das unter den Karolingern erstarkende Frankenreich (auf der Karte in grünen Farben) hatte die Unabhängigkeit der Agilolfinger immer mehr beschnitten. In diesem Jahr setzte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/zeitmaschine-karls-des-grossen-oliver-henkel/">Karl der Große</a> schließlich deren letzten Herzog Tassilo III. ab. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="425" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Baiuvaria-im-Fraenkischen-Reich.png?resize=600%2C425&#038;ssl=1" alt="Karte des Fränkischen Reiches mit dem Gebiet der Bajuwaren" class="wp-image-2683" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Baiuvaria-im-Fraenkischen-Reich.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Baiuvaria-im-Fraenkischen-Reich.png?resize=300%2C213&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Baiuaria_im_Fr%C3%A4nkischen_Reich.svg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Plinganser/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Der Nordgau blieb zwar größtenteils bajuwarisch bzw. bayerisch, gehörte aber &#8222;nur&#8220; noch zu einer Provinz an der Peripherie des Reiches. </p>



<p>Regensburg dagegen entwickelte sich bis zum Aussterben der Karolinger zu einem Zentrum der Königsherrschaft im ostfränkisch-deutschen Reich.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich die Oberpfalz weiter entwickelt, wenn die Agilolfinger in Regensburg an der Macht geblieben wären?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="schweinfurter">3. 1057: Das langwierige Ende der Schweinfurter</h3>



<p>Ab 938/939 etablierten sich mithilfe der ostfränkischen Könige <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-unterfranken-wuerzburg/">die Grafen von Schweinfurt</a> als Herrscher über die bayerischen Gebiete im Nordgau. </p>



<p>Als Marktgrafen übernahmen sie immer mehr Aufgaben in den Gebieten der mittleren und nördlichen Oberpfalz mit den Zentren in Nabburg (Landkreis Schwandorf, siehe Bild) und Sulzbach.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Nabburg.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto der Altstadt von Nabburg über dem Fluss Naab" class="wp-image-2686" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Nabburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Nabburg.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Robert Ruidl/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Diese herzogsähnliche Stellung in unmittelbarer Nähe ihrer Hauptstadt Regensburg konnte das damalige bayerische Herrschergeschlecht der Luitpoldinger nicht zulassen. </p>



<p>Als einer der ihren als König Heinrich II. über das ostfränkisch-deutsche Reich regierte, kam es zum Konflikt. </p>



<p>Er schlug nicht nur einen Aufstand der Schweinfurter nieder. Er schwächte auch durch die Vergabe von Lehnsrechten, zum Beispiel an das Bistum Bamberg, die Stellung der Markgrafen. </p>



<p>Doch erst der Tod des letzten Schweinfurters, Otto, beendet 1057 die Versuche, die Oberpfalz von Bayern unabhängig zu machen. </p>



<p>Stattdessen setzte eine Zersplitterung der Herrschaft zwischen unterschiedlichen Adelsgeschlechtern ein. </p>



<p>Diese endete für den größten Teil der Region erst, als die Mehrzahl der Familien im Laufe des Mittelalters ausstarben und ihr Besitz an die neuen bayerischen Herzöge fiel: die Wittelsbacher.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Schweinfurter die heutige Oberpfalz dauerhaft unter ihrer Herrschaft vereint hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="sulzbach">4. 1167: Das vorzeitige Ende der Grafen von Sulzbach</h3>



<p>Ein Beispiel für eine solche Adelsfamilie waren die mächtigen Grafen von Sulzbach. Ausgehend von ihrer gleichnamigen Stammburg (siehe unten Bild aus der heutigen Zeit) beherrschten sie nicht nur weite Teile der Oberpfalz, sondern waren durch weitere Güter im heutigen Bayern sowie zahlreiche Heiratsverbindungen eines der mächtigsten Geschlechter des Heiligen Römischen Reiches.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="312" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Burg-Sulzbach.jpg?resize=600%2C312&#038;ssl=1" alt="Foto der Burg Sulzbach im Landkreis Amberg-Sulzbach" class="wp-image-5946" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Burg-Sulzbach.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Burg-Sulzbach.jpg?resize=300%2C156&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(ManuEis &#8211; Photographie/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>1167 starb jedoch mit Berengar II. der letzte männliche Sulzbacher auf einem Italienzug mit Kaiser Barbarossa an der Pest.</p>



<p>Da der noch lebende Vater von Berengar, Gebhard II., sonst nur Töchter gezeugt hatte, war das Ende ihrer Herrschaft absehbar.</p>



<p>Als Gebhard III. im Jahr 1188 starb, verteilten sich daher seine Güter unter den Ehemännern seiner Töchter.</p>



<p>Besonders profitierte davon aber ein Geschlecht, das keine verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Sulzbachern gepflegt und mit ihnen sogar rivalisiert hatte – die Wittelsbacher.</p>



<p>Im Nordgau brachte der Tod von Berengar II. für sie einen ersten Durchbruch, da bereits vor dem Tod von Gebhard III. mehrere von dessen Gefolgsleuten auf die Seite der Wittelsbacher-Herzöge wechselten.</p>



<p>Abgeschlossen wurde diese Entwicklung 1305/1307, als nach dem Aussterben weiterer Adelsgeschlechter der ehemalige Sulzbacher Besitz in der Oberpfalz endgültig an die Wittelsbacher ging.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätten sich Sulzbach und die Oberpfalz entwickelt, wenn Berengar II. nicht vorzeitig gestorben wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="regensburg">5. 1245: Die freie und Reichsstadt Regensburg</h3>



<p>Regensburg hatte sich im Mittelalter nicht nur zum politischen und kulturellen Hauptort des bayerischen Herzogtums entwickelt. </p>



<p>Gestützt auf den wachsenden europäischen Handel mit Luxusgütern über die Donau – aber auch über den Regen nach Böhmen – wuchs die Stadt zur größten Wirtschaftsmetropole im süddeutschen Raum heran. </p>



<p>Zeugnis dieser Bedeutung und des Reichtums waren der Bau der Steinernen Brücke als einzigem festen Donauübergang zwischen Ulm und Wien von 1135 bis 1146 sowie des Doms ab 1273. Hinzu kamen zahlreiche Geschlechtertürme als Ausweis des Reichtums der Patrizier. </p>



<p>Die verschiedenen Befestigungsanlagen von Regensburg zeigen deutlich die Expansion der Stadt bis ins hohe Mittelalter. Sie drückten außerdem die Wehrhaftigkeit der Stadt und ihrer Bürger aus.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="454" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Befestigungen-Regensburg.jpg?resize=600%2C454&#038;ssl=1" alt="Karte der Stadtmauern von Regensburg" class="wp-image-2684" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Befestigungen-Regensburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Befestigungen-Regensburg.jpg?resize=300%2C227&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Werk: Bernd Edtmaier)</figcaption></figure>



<p>Davon profitiert auch die restliche Oberpfalz: Vor allem Amberg und Sulzbach-Rosenberg, wegen ihrer vielen Hammerwerke als <em>&#8222;Ruhrgebiet des Mittelalters&#8220; </em>bekannt, exportieren über Vils und Naab ihr Eisenerz nach Regensburg.</p>



<p>Entsprechend umkämpft waren die Herrschaftsrechte in der Stadt zwischen den bayerischen Herzögen und den Bischöfen von Regensburg. </p>



<p>Auch der deutsche König, ab 1138 aus der Familie der Staufer, versuchte, die Metropole mehr an seine Herrschaft zu binden. </p>



<p>Dieses Spannungsfeld nutzten die reichen Bürger, um über mehrere Jahrzehnte immer mehr Rechte der verschiedenen Streitparteien an sich zu ziehen. 1245 gewährte ihnen schließlich Kaiser Friedrich II. das Recht der freien Wahl von Bürgermeistern und Stadträten. </p>



<p>Die Wittelsbacher versuchten vergeblich, ihre <em>&#8222;verlorene Hauptstadt&#8220;</em> zurückzuerobern. </p>



<p>Stattdessen gelang es den Regensburgern sogar weitere Rechte an sich zu ziehen. Diese dehnten sie schließlich bis 1300 soweit aus, dass die Stadt sich de facto von Bayern unabhängig machte. </p>



<p>1337 scheiterte auch der letzte Versuch des wittelsbachischen Königs, Ludwigs des Bayern, die Stadt militärisch für das Herzogtum zurückzuerobern.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Regensburg entwickelt, wenn die Stadt bayerische Hauptstadt geblieben wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="eger">6. 1322: Die endgültige Verpfändung von Eger</h3>



<p>Ab 1100 kolonisierten die Markgrafen von Vohburg und das Kloster Waldsassen das Gebiet um das heutige Eger (tschechisch: Cheb). Sie gliederten das Land in den Nordgau ein, der zu dieser Zeit den Großteil der heutigen Oberpfalz umfasste.</p>



<p>Das Grenzland (heute grob östlich des Landkreises Tirschenreuth) entwickelte sich vor allem unter der Herrschaft der Staufer ab 1146 zu einem strategisch wichtigen und durch den Handel prosperierenden Gebiet. So erhielt zum Beispiel Eger den Status einer Reichsstadt und war Schauplatz mehrerer Aufenthalte der Kaiser Friedrich Barbarossa und Friedrich II.</p>



<p>Vor allem die Burg von Eger (siehe Bild) war unter der Herrschaft der Staufer ein wichtiges Machtzentrum sowohl des Egerlandes als auch des Heiligen Römischen Reiches.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="800" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/12/Eger.jpg?resize=600%2C800&#038;ssl=1" alt="Foto von Burg und Kirche in Eger" class="wp-image-4347" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/12/Eger.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/12/Eger.jpg?resize=225%2C300&amp;ssl=1 225w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Dadurch geriet die Region in den Fokus der Könige von Böhmen, die daran interessiert waren, das angrenzende Egerland, also das Gebiet um die Stadt Eger, unter ihre Herrschaft zu bringen.</p>



<p>Nach dem Untergang der Staufer gelang es den böhmischen Königen jedoch zuerst nicht, das entstandene Machtvakuum dauerhaft zu nutzen.</p>



<p>Denn die Grafen von Wittelsbach hatten sich einen Großteil des Nordgaus aus dem Besitz der Staufer unterworfen und konnten daher ebenfalls Anspruch auf die Gebiete um Eger erheben.</p>



<p>Erst 1322 entschied sich dieser Konflikt dauerhaft. </p>



<p>Denn der Wittelsbacher Kaiser Ludwig der Bayer verpfändete das Egerland als Dank für die Unterstützung der böhmischen Könige für 20.000 Mark Silber an diese.</p>



<p>Damit war das deutschsprachige Egerland aber formell noch kein Teil des Königreichs Böhmen. Es behielt nach außen eine unabhängige Sonderstellung, die erst im Laufe der Jahrhunderte immer mehr ausgehöhlt wurde.</p>



<p>Jedoch wurde zum Beispiel erst 1782 die kirchliche Bindung an das Bistum Regensburg beendet. Zudem blieb der egerländisch-deutsche Dialekt ein Teil der baierischen Sprachfamilie.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich die spätere Oberpfalz entwickelt, wenn das Egerland nicht dauerhaft Teil des Königreichs Böhmen geworden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="pavia">7. 1329: Der zersplitternde Hausvertrag von Pavia</h3>



<p>Um die ständigen Querellen innerhalb der Wittelsbacher zu beenden, teilte Kaiser Ludwig der Bayer die Territorien seiner Familie. </p>



<p>Grob gesagt entstanden zwei voneinander getrennte Linien: Die bayerische Linie bekam die Herrschaft über die größten Teile Bayerns mit dem Zentrum im heutigen Oberbayern. Der pfälzische Zweig verfügte über das Amt des Pfalzgrafen zu Rhein in der Region um Heidelberg. </p>



<p>Da die Pfalz an sich zu klein für ein Machtgleichgewicht war, kamen Teile des bayerischen Nordgaus hinzu. Aus diesen entwickelte sich die <em>&#8222;Obere Pfalz&#8220;.</em> </p>



<p>Da der bisherige regionale Verwaltungssitz Burglengenfeld in bayerischem Besitz blieb, brauchten die Pfälzer eine neue Hauptstadt. </p>



<p>So wurde Amberg erstmals Sitz von Regierungsamt und Residenzstadt für die kurpfälzischen Statthalter, die sich dort ein eigenes Schloss (im Bild links) in einem Teil der Stadtbefestigung bauten. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="450" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/09/Amberg.jpg?resize=600%2C450&#038;ssl=1" alt="Foto von Amberg mit der Stadtbrille und dem kurfürstlichen Schloss" class="wp-image-1896" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/09/Amberg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/09/Amberg.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Auch die Pfalzgrafen bei Rhein hielten sich nun häufig in der Stadt auf. Zeitweise war es Tradition, dass ihre designierten Nachfolger die Statthalterschaft in Amberg übernahmen, um das Regierungshandwerk zu lernen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätten sich die Wittelsbachischen Besitzungen und damit die Oberpfalz noch aufteilen können?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="neuboehmen">8. 1373: Das kurzfristige Ende von Neuböhmen</h3>



<p>Der Nachfolger Ludwigs des Bayern, Kaiser Karl IV., hatte ebenfalls Pläne in der Oberpfalz. </p>



<p>Er wollte einen Landkorridor aufbauen, der von der heutigen Tschechischen Republik, die er als König von Böhmen beherrschte, bis zu den damaligen Zentren des Heiligen Römischen Reiches, Nürnberg und Frankfurt, reichte. </p>



<p>Dazu erwarb er bis 1353 von den Pfalzgrafen Gebiete in der nördlichen Oberpfalz (auf der Karte der grüne Zipfel links von Böhmen), die er von Sulzbach aus verwalten ließ. Diese Herrschaft förderte er durch gezielte Vergabe von Privilegien sowie dem Ausbau des Straßen- und Handelsnetzes der <em>&#8222;Goldenen Straß</em>e&#8220;.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="599" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?resize=600%2C599&#038;ssl=1" alt="Karte der Länder der böhmischen Krone unter Karl IV." class="wp-image-2685" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Karte_B%C3%B6hmen_unter_Karl_IV.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Maximilian Dörrbecker (Chumwa)/CC BY-SA 2.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Ziel von Karl IV. war es, die lukrativen Handelswege zwischen Böhmen und Franken in der Oberpfalz auf sein eigenes Territorium umzuleiten und so zu monopolisieren.</p>



<p>Davon profitierte zum Beispiel die neue Residenzstadt Sulzbach, die in dieser Zeit ihr Stadtgebiet verdoppelte.</p>



<p>Alles deutete darauf hin, dass Karl IV. diese Teile der Oberpfalz langfristig an die Krone Böhmens binden wollte.</p>



<p>Jedoch gab er diese Strategie 1373 auf: Im <em>Vertrag von Fürstenwalde</em> tauschte er große Teile von <em>&#8222;Neuböhmen&#8220; </em>gegen die strategisch wichtige Mark Brandenburg. </p>



<p>Zwar gab es um Auerbach (Landkreis Amberg-Sulzbach) noch ein kleines Restgebiet. Dieses ging aber unter Karls Nachfolger Wenzel in kriegerischen Auseinandersetzungen fast vollständig verloren.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich ein länger bestehendes Neuböhmen auf die restliche Oberpfalz ausgewirkt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="albrecht">9. 1492: Der erzwungene Verzicht auf Regensburg</h3>



<p>Im 15. Jahrhundert geriet das vormals reiche Regensburg in wirtschaftliche Schwierigkeiten. </p>



<p>Der Fernhandel verschob sich weg von der Stadt, während die Patrizier aus den alten Handelsfamilien nur ihren Machterhalt im Sinn hatten. Da sie daher das Handwerk klein gehalten hatten, fehlte es der freien Reichsstadt zum Beispiel <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayerisch-schwaben-augsburg/">im Vergleich zu Ulm</a> an Wirtschaftszweigen, die den Abstieg abfangen konnten. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="441" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Regensburg.jpg?resize=600%2C441&#038;ssl=1" alt="Foto der Steinernen Brücke und des Doms in Regensburg." class="wp-image-786" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Regensburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Regensburg.jpg?resize=300%2C221&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Der bayerische Herzog trug seinen Teil dazu bei. Nach dem Verlust der Stadt förderte er umliegende Städte und verwickelte die Stadt immer wieder in kräfteraubende Wirtschaftskriege. </p>



<p>Er profitierte davon, dass das Territorium der freien Reichsstadt klein war und er selbst innerhalb ihrer Mauern – wie der Bischof – weiter Herrschaftsrechte ausübte.</p>



<p>Den letzten Schachzug machte Herzog Albrecht IV. 1486. Er zahlte auf einen Schlag die Schulden seiner Vorgänger bei Regensburg zurück. </p>



<p>Dadurch löste er viele Rechte und Besitzungen aus, die die Stadt bis dahin als Pfand besessen hatte. Die Stadtherren, wirtschaftlich und durch soziale Spannungen geschwächt, gaben seinem Druck weiter nach und unterstellten sich dem Herzog. </p>



<p>Beinahe wäre Regensburg wieder zu Bayern gekommen. </p>



<p>Doch der als machtlos unterschätze Kaiser Friedrich III. konnte Albrecht IV. in einem anderen Konflikt zur Kapitulation zwingen. </p>



<p>So wurde Regensburg wieder Freie Reichsstadt, wenn auch beschränkt auf das schmale Gebiet der Stadtmauern und der beiden Donauinseln. </p>



<p>Die Feindschaft zwischen der Stadt und dem bayerisch dominierten Umland blieb danach noch lange erhalten. </p>



<p>In der Stadt selbst erreichte der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation eine stärkere Position. Dies führte dazu, dass immer mehr Reichstage in der Stadt stattfanden.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte es sich für Regensburg ausgewirkt, wenn die Stadt auch nach 1492 bayerisch geblieben wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="wenzenbach">10. 1504: Die entscheidende Schlacht von Wenzenbach</h3>



<p>Im 15. Jahrhundert hatten sich die Territorien der Wittelsbacher unter verschiedenen Linien der Pfälzer und bayerischen Zweige weiter zersplittert (siehe Karte). </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="478" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Herzogt%C3%BCmer-Bayern.png?resize=600%2C478&#038;ssl=1" alt="Karte der vier bayerischen Herzogtümer im Jahr 1392." class="wp-image-803" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Herzogt%C3%BCmer-Bayern.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Herzogt%C3%BCmer-Bayern.png?resize=300%2C239&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bayern_nach_der_Teilung_1392.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lencer/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Zu den mächtigsten gehörten neben dem Pfalzgrafen zu Rhein die reichen Herzöge aus der Linie Bayern-Landshut. </p>



<p>Beide Familien verbanden sich ab 1430 immer enger, beispielsweise durch die <em>&#8222;Amberger Hochzeit&#8220;</em> 1474 zwischen Pfalzgraf Philipp und der Schwester des Herzogs Georg. </p>



<p>Als absehbar wurde, dass Georg ohne männlichen Nachkommen sterben würde, löste dies vielfältige Aktivitäten aus. So versuchten die Pfälzer eine Vereinigung ihrer (Ober-)pfälzer Territorien mit den Gebieten von Bayern-Landshut zu organisieren.</p>



<p>Obwohl der Sohn Philipps, Ruprecht, die einzige Tochter Georgs heiratete, scheiterte dieser Plan. </p>



<p>Denn die gegnerischen Herzöge von Bayern-München unter Albrecht IV. hatten nicht nur den ersten Anspruch auf das Erbe, sondern auch ein größeres Bündnis hinter sich. </p>



<p>Im <em>&#8222;Landshuter Erbfolgekrieg&#8220; </em>kam es daraufhin zu großen Verwüstungen in Süddeutschland. </p>



<p>Die endgültige Entscheidung brachte die Schlacht von Wenzenbach, nördlich von Regensburg. Hier unterlagen die Pfälzer. </p>



<p>Kurz darauf starb die Tochter Georgs. </p>



<p>Da Ruprecht schon vor ihr an einer Krankheit gestorben war, waren die Ambitionen des Pfalzgrafen damit gescheitert. </p>



<p>Ein Großteil der Gebiete von Bayern-Landshut kam in den Besitz Albrechts IV. Dies legte auch 1505 der <em>&#8222;Kölner Schiedsspruch&#8220;</em> als Bedingung für den Frieden endgültig fest.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Pfälzer die Schlacht von Wenzenbach und den Landshuter Erbfolgekrieg gewonnen hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="pfalz">11. 1519: Die junge Pfalz-Neuburg</h3>



<p>Für die Kinder des unterlegenen Gegners aus der Verbindung der verstorbenen Elisabeth von Bayern-Landshut und Rupprecht von der Pfalz, schufen der <em>&#8222;Kölner Schiedsspruch&#8220;</em>  und nach den darauffolgenden Verhandlungen der <em>&#8222;Ingolstädter Vertrag&#8220; </em>1509 aber ein eigenes Territorium.</p>



<p>Bis der endgültige Umfang dieser Gebiete klar war, dauert es ebenfalls. So kam die strategisch wichtige Stadt Schwandorf erst nach Verhandlungen im Jahr 1506 vom Herzogtum Bayern-München zum neu geschaffenen Fürstentum.</p>



<p>Diese anfangs namenlose <em>&#8222;junge Pfalz&#8220;</em> für die Prinzen Ottheinrich und Philipp war stark zersplittert in grob sechs Teile, unter anderem in der Oberpfalz:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>die ehemalige Ingolstädter Residenz Neuburg mit Gebieten um Monheim und Reichertshofen</li>



<li>südlich davon Ämter um Höchstädt, Lauingen und Gundelfingen</li>



<li>auf der schwäbischen Alb Allersberg, Heideck und Hilpoltstein</li>



<li>den größten geschlossenen Block in der Oberpfalz um Velburg, Hemau, Regenstauf und Schwandorf, mit der alten Hauptstadt des Nordgau in Burglengenfeld</li>



<li>nördlich davon ein Gebiet um Sulzbach</li>



<li>ebenfalls im Norden die Region um Weiden, Vohenstrauß, Floß und Parkstein</li>
</ul>



<p>Entsprechend war die Hauptresidenz dieser geteilten Länder zuerst unklar, bevor die Wahl unter Ottheinrich auf Neuburg an der Donau fiel. Burglengenfeld wurde nur in einer kurzen Landesteilung zwischen 1535 und 1541 zur Nebenresidenz für Philipp.</p>



<p>Damit begann für Neuburg die <em>&#8222;Residenzzeit&#8220;</em>, die sich schon unter Ottheinrich durch eine seinem Stand gemäße fürstliche Hofhaltung und eine prachtvolle Bautätigkeit, zum Beispiel beim Residenzschloss (siehe Bild), auszeichnete.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Residenzschloss-Neuburg.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto des Residenzschlosses in Neuburg an der Donau mit dem Fluss im Vordergrund" class="wp-image-5461" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Residenzschloss-Neuburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Residenzschloss-Neuburg.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Fotowada/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Auch seine Nachfolger aus verschiedenen Linien der Pfälzer Wittelsbacher sorgten dafür, dass Neuburg bis 1790 architektonisch und politisch aufgewertet wurde.</p>



<p>In der Oberpfalz profitierte nur Sulzbach kurz als Residenz einer Nebenlinie der Neuburger Wittelsbacher zwischen 1656 und 1742.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Neuburg an der Donau nicht Hauptresidenz der <em>"jungen Pfalz"</em> geworden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="rekatholisierung">12. 1625: Die unfreiwillige Rekatholisierung</h3>



<p>Seit den 1520er Jahren hatte sich der reformierte evangelische Glaube in der Oberpfalz ausgebreitet und den altgläubigen Katholizismus zurückgedrängt. </p>



<p>Diese konfessionelle Zersplitterung verstärkte noch die Einführung des reformierten Calvinismus durch die pfälzische Regierung Ende des 16. Jahrhunderts. </p>



<p>1592 wurde zum Beispiel der erbitterte Widerstand der evangelischen Residenzstadt im <em>&#8222;Amberger Lärmen&#8220; </em> gebrochen. Dies kostete die Stadt einen großen Teil ihrer Autonomierechte.</p>



<p>Auch für die restliche Oberpfalz hatten diese Glaubenswechsel nicht nur religiöse Folgen: Als die Pfalzgrafen 1569 das Kloster Waldsassen (heute Landkreis Tirschenreuth) auflösten, führte dies zum Zusammenbruch der für die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung wichtigen und bis dahin durch die Mönche organisierten regionalen Teichwirtschaft.</p>



<p>Mit Repressalien gegen Abweichler und Bevorzugung von Calvinisten bei der Besetzung von Ämtern wäre es den Pfälzern fast gelungen, den größten Teil der Oberpfalz zu einer Hochburg des neuen Glaubens zu machen.</p>



<p>Diese Entwicklung brach durch den <em>Dreißigjährigen Krieg</em> zusammen. </p>



<p>Auslöser dieses europaweiten Konflikts war die Wahl des Pfalzgrafen Friedrich V. zum böhmischen König. </p>



<p>Als <em>&#8222;Winterkönig&#8220;</em> verlor er die Schlacht am Weißen Berg und seine Herrschaftsgebiete wurden zur Beute der Sieger. Da er als Führer des evangelisch-reformierten Bündnisses fungierte, hielten sich nun seine katholischen Gegner schadlos. </p>



<p>Für die &#8222;pfälzische&#8220; Oberpfalz bedeutete dies 1625 die Rückkehr zu Bayern. Unter dem Herzog beziehungsweise Kurfürsten Maximilian setze nicht nur die Wiedervereinigung ein, sondern auch eine rigorose Rekatholisierung.</p>



<p>Dabei kam es zu zahlreichen Wiederherstellungen und Neubauten von katholischen Kirchen. Ein Beispiel ist die architektonisch einzigartige Dreifaltigkeitskirche Kappl in Waldsassen (siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Dreifaltigkeitskirche-Kappl.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Dreifaltigkeitskirche Kappl in Waldsassen" class="wp-image-923" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Dreifaltigkeitskirche-Kappl.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Dreifaltigkeitskirche-Kappl.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(AMB/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Beispielsweise richteten die neuen Herrscher in der Hauptstadt Amberg ein katholisches Lyzeum als Kaderschmiede ein – das heutige Erasmus-Gymnasium. </p>



<p>Dies bedeutete einen tiefen Einschnitt in der Geschichte der Oberpfalz: Wirtschaftlicher Niedergang in Folge des Krieges und politische Vernachlässigung durch München trug zu einer inneren Distanz der Bevölkerung gegenüber ihren neuen Herren bei.</p>



<pre class="wp-block-verse">Welche anderen Entwicklungen wären für die verschiedenen Glaubenswechsel in der Oberpfalz möglich gewesen?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="reichstag">13. 1663: Der immerwährende Reichstag</h3>



<p>Regensburg entwickelte sich im 16. Jahrhundert zu einem beliebten Standort für die Reichstage, die regelmäßigen Versammlungen der Kurfürsten, Fürsten und Reichsstädte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. </p>



<p>Die Stadt war verkehrstechnisch günstig gelegen, da über die Donau nah an der Hauptstadt der Habsburgerkaiser, Wien. </p>



<p>Zudem bot die Stadt seit der Einführung des Luthertums für die städtischen Bürger – die Untertanen des Regensburger Bischofs und des bayerischen Herzogs blieben katholisch – Kirchenorganisationen für die beiden großen Konfessionen des Reiches.</p>



<p>Als 1663 der Reichstag nicht mehr wie üblich seinen Abschied nahm, entwickelte sich die Stadt zum permanenten Sitz dieser Institution. </p>



<p>Dieser immerwährende Reichstag tagte im Reichssaalgebäude (links im Bild) mitten im historischen Kern von Regensburg neben dem Alten Rathaus der Stadt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="338" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Regensburg-Reichssaal.jpg?resize=600%2C338&#038;ssl=1" alt="Reichssaalgebäude in der Altstadt von Regensburg" class="wp-image-2715" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Regensburg-Reichssaal.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Regensburg-Reichssaal.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Dies brachte zwar fürstlichen Glanz und kulturelle Blüte nach Regensburg. </p>



<p>Da die Mitglieder des Reichstags aber politisch und wirtschaftlich nicht der Stadt unterstanden, besserten sie durch Schmuggel und Verkauf eigener Waren ihr Gehalt zum Schaden Regensburgs auf. </p>



<p>Auch ließ sich der Kaiser meistens vertreten, seit 1748 durch die seitdem in Regensburg ansässige Familie von Thurn und Taxis. </p>



<p>Daher richtete der Stadtrat mehrfach ein Gesuch an den Kaiser, den Reichstag zu verlegen. Doch diese Bitte blieb ungehört bis zum Ende des Reiches 1806 im Zuge der Kriege in der Folge der Französischen Revolution.</p>



<pre class="wp-block-verse">Welche Folgen hätte es für die Reichsstadt Regensburg gehabt, wenn der Reichstag nicht dortgeblieben wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="schlacht-amberg">14. 1796: Die verhinderte Entscheidungsschlacht bei Amberg</h3>



<p>In diesen Revolutionskriegen war die französische Sambre-Maas-Armee unter General Jean Baptiste Jourdan Anfang 1796 erfolgreich über den Rhein und anschließend nach Franken eingedrungen.</p>



<p>Ziel war es, den in Bayern stehenden österreichischen Armeen unter Erzherzog Karl in den Rücken zu fallen, um anschließend Böhmen angreifen zu können.</p>



<p>Zuerst gelang es den Franzosen erfolgreich, die Österreicher am 17. August in der Schlacht von Sulzbach-Rosenberg zu schlagen und an die Naab anzudrängen. Dies bedeutete auch eine Besetzung der damaligen Oberpfälzer Hauptstadt Amberg.</p>



<p>Als Erzherzog Karl jedoch entgegen den Erwartungen von Jordan nach siegreichen Gefechten bei Deining und Neumarkt von Süden heranrückte und den Truppen an der Naab ebenfalls den Angriff befahl, errichtete Jordan um Amberg herum eine Verteidigungsstellung gegen den zahlenmäßig überlegenen Feind.</p>



<p>Dabei machte er den Fehler, einerseits zu lange auf sich umständlich zurückziehende Truppen zu warten und andererseits unter Zeitdruck eine fehlerhafte Verteidigung zu errichten.</p>



<p>Deshalb kam es am 24. August zur Schlacht bei Amberg (siehe Gedenkstein aus der heutigen Zeit unten).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="882" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Schlacht-bei-Amberg.jpg?resize=600%2C882&#038;ssl=1" alt="Foto des Gedenksteins für die Schlacht bei Amberg in der Oberpfalz" class="wp-image-5948" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Schlacht-bei-Amberg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Schlacht-bei-Amberg.jpg?resize=204%2C300&amp;ssl=1 204w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Hier machten nun Erzherzog Karl einen strategischen Fehler, als er sein Ziel, Jordan auszumanövrieren und im Rücken zu fassen, nicht weiterverfolgte und nur mit einem kleinen Teil seiner Kräfte von Süden gegen Amberg vorging.</p>



<p>Dennoch gelang es den österreichischen Truppen relativ schnell, die Stellungen der französischen Verteidiger, unter denen sich der später berühmte Kavalleriegeneral Ney befand, zu überrennen und Amberg einzunehmen.</p>



<p>Da sie aber erneut zu langsam und mit zu wenigen Kräften weiter angriffen, gelang es Jordan, sich geordnet zurückzuziehen.</p>



<p>Daher konnte ihn Erzherzog Karl zwar im Laufe des Jahres immer weiter aus Deutschland herausmanövrieren, seine Armee aber nie entscheidend zerschlagen.</p>



<p>Währenddessen entschied ein bis dato unbekannter General namens Napoléon Bonaparte den Feldzug in Italien und damit den Krieg zugunsten des revolutionären Frankreichs.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Erzherzog Karl seinen ursprünglichen Feldzugsplan weiterverfolgt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="hauptstadt">15. 1810: Die neue Hauptstadt der Oberpfalz</h3>



<p>Die Zeit Napoléons führte zu großen Veränderungen für die Region. </p>



<p>Zwar gab es seit 1799 eine <em>&#8222;Provinz Oberpfalz&#8220;</em> als verwaltungstechnischer Zusammenschluss verschiedener wittelsbachischer Territorien. Erleichtert wurde diese Entwicklung durch den Zusammenschluss von Bayern und der Pfalz unter Kurfürst Karl Theodor seit 1778. </p>



<p>Durch die Kriege der Französischen Revolution und Napoléons kamen nun immer mehr zuvor unabhängige kirchliche Gebiete und kleinere Herrschaften zu dieser Provinz.</p>



<p>1810 erhielt sie schließlich eine neue Hauptstadt: Aus dem aufgelösten Fürstentum Regensburg, das für eine kurze Reformperiode in der Stadt stand, wurde die ehemalige Reichsstadt wieder dem Königreich Bayern zugeschlagen.</p>



<p>Das Wappen des heutigen Bezirks (siehe Bild) verweist auf diese Geschichte: Links der Pfälzer Löwe, rechts die bayerischen Rauten und unten die Schlüssel des Regensburger Stadtwappens.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="429" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/09/Fahne-Oberpfalz.jpg?resize=600%2C429&#038;ssl=1" alt="Fahne der Oberpfalz mit Pfälzer Löwen, bayerischen Rauen und dem Stadtwappen von Regensburg" class="wp-image-1898" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/09/Fahne-Oberpfalz.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/09/Fahne-Oberpfalz.jpg?resize=300%2C215&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Andreas Wolochow/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Für Regensburg ein Abstieg. Von der Stadt der Reichstage mit einer gewissen kulturellen Bedeutung sank sie zu einer Provinzstadt unter vielen ab. Vor allem schmerzte die Abgabe von vielen über die Jahrhunderte angesammelten Kunstschätzen nach München. </p>



<p>Auch in Amberg waren die Bewohner nicht glücklich über den Verlust der jahrhundertelangen Hauptstadtfunktion, der zu einem spürbaren Verlust an wirtschaftlichen und kulturellen Impulsen führte. </p>



<p>Vor 1810 war Amberg nicht nur Verwaltungssitz der Oberpfalz, sondern auch Garnisons- und Schulstadt. Außerdem war es durch die sternförmige Ausrichtung der Straßen aus der Stadt heraus ein regionales Verkehrszentrum, das durch das damals übliche Botenwesen zusätzlich im Zentrum des Informationsflusses in der Region stand.</p>



<p>Danach verlieh sich Amberg den Titel <em>&#8222;heimliche Hauptstadt der Oberpfalz&#8220;.</em> </p>



<p>Insgesamt war die Oberpfalz erstmals seit Jahrhunderten wieder unter einer Herrschaft vereint.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätten sich die wiedervereinigte Oberpfalz und Amberg entwickelt, wenn Regensburg nicht Hauptstadt geworden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="ostbahn">16. 1856: Die verspätete Gründung der Ostbahngesellschaft</h3>



<p>Bereits 1838 stellte Amberg ein Gesuch an den bayerischen König Ludwig I., eine Eisenbahnstrecke von Nürnberg über Amberg nach Regensburg zu bauen. </p>



<p>Da der König aber auf sein Prestigeprojekt des Main-Donau-Kanals für die Erschließung Ostbayern setze, scheiterte es, ebenso wie weitere Vorschläge in den nächsten Jahren. </p>



<p>Zum Beispiel schlug 1851 eine staatliche Bahnbau-Kommission eine Trasse von Nürnberg nach Schwandorf und Regensburg vor, favorisierte aber Schwarzenfeld als Knotenpunkt.</p>



<p>1853 erneuerten die Amberger ihre Bittschrift, die Strecke nach Regensburg über das Vilstal zu favorisieren. Dies lehnte das bayerische Handelsministerium 1854 endgültig ab.</p>



<p>Erst als der Landtag fast 20 Jahre später aufgrund von fehlenden staatlichen Geldern die Erlaubnis zur Gründung von privaten Eisenbahngesellschaften gab, kam der Ausbau der Eisenbahn in der Oberpfalz (im Bild eine historische Lokomotive am Bahnhof Weiden) voran. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="429" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Historische-Lokomotive-Weiden.jpg?resize=600%2C429&#038;ssl=1" alt="Historische Lokomotive am Bahnhof Weiden." class="wp-image-744" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Historische-Lokomotive-Weiden.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Historische-Lokomotive-Weiden.jpg?resize=300%2C215&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Andreas Wolochow/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Nach der Konzessionsvergabe an die Ostbahngesellschaft versuchten Amberg und Weiden durch neue Bittschriften an den König,  die Trasse nach Böhmen über beide Städte laufen zu lassen. Dies scheiterte aber an der Ostbahngesellschaft, die aufgrund der günstigeren Topografie die Strecke über Schwandorf und Furth im Wald favorisierte.</p>



<p>1861 setzte schließlich Weiden unter dem einflussreichen Landtagsabgeordneten und späteren Handelsminister Gustav von Schlör durch, dass die nördliche Oberpfalz und Oberfranken über die Strecke Schwandorf-Weiden-Bayreuth erschlossen wurden und nicht über die Verbindung Amberg-Bayreuth.</p>



<p>Während sich Weiden und Schwandorf so zu neuen Knotenpunkten nach Nürnberg, Regensburg und Prag entwickelten, verlor Amberg stark an verkehrstechnischer Bedeutung.</p>



<p>Die Eisenbahn ermögliche auch einen vergleichsweise schnellen und billigen Transport von Menschen und Gütern.</p>



<p>Daher führte der Bau der Ostbahn erstmals seit dem Mittelalter zu einem kleinen Industrialisierungsschub, vor allem in der Glas- und Porzellanherstellung der Nordoberpfalz. Ebenfalls profitierte Schwandorf von seinem Status als <em>&#8222;Eisenbahnerstadt&#8220;</em> und vervierfachte seine Bevölkerung bis 1890.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Eisenbahn bereits vor 1856 in der Oberpfalz gebaut worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="amberg">17. 1945: Die tödlich verhinderte Verteidigung von Amberg</h3>



<p>Als die US-Amerikaner Ende April 1945 in die Oberpfalz vorstießen, war die fast zerschlagene Wehrmacht zu keinem durchgängigen Widerstand mehr in der Lage.</p>



<p>Da die Angreifer allerdings kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges keine Risiken mehr eingehen wollten, führte auch nur geringer Widerstand zu massiven Bombardements durch die US-Luftwaffe und Artillerie.</p>



<p>Diese massiven Zerstörungen erlebte zum Beispiel Neumarkt, das von wenigen hundert Soldaten mehrere Tage verteidigt und fast vollständig zerstört wurde.</p>



<p>In Amberg waren die meisten nationalsozialistischen Verantwortlichen daher gegen eine Verteidigung der Stadt durch die wenigen verbliebenen Truppen. Zumal die Stadt (siehe Bild vom Mariahilfberg aus aus der heutigen Zeit) bis dahin von größeren Zerstörungen verschont geblieben war.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="506" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Blick-auf-Amberg.jpg?resize=600%2C506&#038;ssl=1" alt="Blick vom Mariahilfberg auf die Stadt Amberg und ihre historische Altstadt." class="wp-image-5945" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Blick-auf-Amberg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Blick-auf-Amberg.jpg?resize=300%2C253&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Der Kreisleiter der NSDAP, Artur Kolb, forderte jedoch eine bedingungslose Verteidigung von Amberg und die anderen Verantwortlichen, darunter der Bürgermeister, wagten nicht, gegen ihn zu agieren.</p>



<p>Als die US-Amerikaner daraufhin am 22. April die Beschießung der Stadt begannen, wollte Kolb mit einem Auto die Front am Mariahilfberg inspizieren. Dabei geriet sein Wagen in Gewehrfeuer der Angreifer. Kolb wurde schwer verwundet und starb kurz darauf.</p>



<p>Das so entstandene Machtvakuum nutzten die restlichen Amberger Verantwortlichen, um doch noch zu kapitulieren.</p>



<p>Daher nahmen die US-Amerikaner Amberg am 23. April ohne Widerstand und ohne größere Zerstörungen ein.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Kolb nicht am 22. April erschossen worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="universitaet">18. 1962: Die endgültige Gründung der Universität Regensburg</h3>



<p>Bereits seit Jahrhunderten strebte die Stadt Regensburg die Gründung einer Hochschule an. </p>



<p>Scheiterten Versuche zuerst am Geldmangel der Reichsstadt, stand die Provinzstadt lange nicht auf der Prioritätenliste Bayerns für eine solche Ansiedlung. </p>



<p>Erst 1962 beschloss der Landtag die Gründung der Universität Regensburg, um <em>&#8222;die Begabungsreserven&#8220;</em> der Region zu fördern. </p>



<p>Doch der Standort war lange unklar. </p>



<p>Erst als der amtierende Fürst von Thurn und Taxis in einem umstrittenen Vertrag seine Wiesen am Galgenberg an die Landesregierung verkaufte waren andere Möglichkeiten, wie das westlich davon gelegene Königswiesen, Haslbach im Stadtnorden oder die Altstadt, endgültig vom Tisch.</p>



<p>Gemäß dem damaligen Zeitgeist wurde die neue Hochschule bewusst als Voll- und Reformuniversität gegründet. Ein Geist, der sich auch in der Betonarchitektur der 1960er Jahre (siehe Bild) widerspiegelte, in dem die Gebäude errichtet wurden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="818" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Universitaet-Regensburg.jpg?resize=600%2C818&#038;ssl=1" alt="Gebäude der Fakultät Philosophie Theologie an der Universität Regensburg" class="wp-image-2716" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Universitaet-Regensburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Universitaet-Regensburg.jpg?resize=220%2C300&amp;ssl=1 220w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Lehre und Forschung nahmen nicht nur einen langfristigen Einfluss auf das kulturelle Leben der bis dahin vor allem durch Kirche und Beamten geprägten Stadt. </p>



<p>Die Hochschule lieferte auch durch ihre Absolventen entscheidende Vorteile bei der Ansiedlung von vielen Unternehmen. Damit legte die Universität, der 1978 die Fachhochschule folgte, den Grundstein für den heutigen Großstadtstatus von Regensburg.</p>



<p>Seitdem entwickelt sich das Viertel um die Hochschulen herum zu einem immer größeren Forschungs-, Entwicklungs- und Wirtschaftscluster.</p>



<p>Hinzu kamen langfristig soziale, politische und kulturelle Umwälzungen durch die teilweise nicht aus der Region kommenden Akademiker, die die Hochschulstadt Regensburg langfristig prägten.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich eine früher gegründete Universität Regensburg ausgewirkt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="autofreundlich">19. 1978: Das langwierige Ende der &#8222;autofreundlichen&#8220; Altstadt in Regensburg</h3>



<p>Die heute als Weltkulturerbe berühmte Altstadt von Regensburg hatte zwar den Zweiten Weltkrieg ohne große Schäden überstanden. </p>



<p>Doch nach dem Krieg galt sie als dringend sanierungsbedürftiger Schandfleck. In vielen baufälligen Wohnungen fehlte es teilweise an grundsätzlichen hygienischen Voraussetzungen. </p>



<p>Hinzu kam die schwierige Verkehrsführung in den engen Altstadtgassen, die bereits seit dem Wachstum von Regensburg im 19. Jahrhundert immer mehr zum Problem geworden war.</p>



<p>Als Lösung empfahlen daher bereits seit der Industrialisierung verschiedene Stadtplaner den Abbruch von alten Gebäuden, um Platz für den zunehmenden Verkehr zu schaffen. Da dies aber auf den hartnäckigen Widerstand von Denkmalschützern traf, wurden die großen Pläne bis zum Zweiten Weltkrieg nicht verwirklicht.</p>



<p>Andere Vorhaben, zum Beispiel das Schaffen einer <em>&#8222;Domfreiheit&#8220;</em> aus freien Plätzen rund um den Regensburger Dom oder der Abbruch der Steinernen Brücke zugunsten einer moderneren Version, scheiterten an anderen Gründen.</p>



<p>Bei der Sanierung nach dem Zweiten Weltkrieg, die &#8222;endlich&#8220; massiv in das Stadtbild eingreifen sollte, stand die Prämisse der &#8222;autofreundlichen Altstadt&#8220; im Vordergrund. Ein gut ausgebautes Straßennetz mit vielen Parkplätzen sollte die Altstadt als Einkaufs- und Verwaltungsmittelpunkt schnell erreichbar machen. </p>



<p>Verschiedene Pläne dazu sahen für die historischen Viertel neben einem inneren und äußeren Straßenring auch eine Nord-Süd- sowie eine Ost-West-Achse vor. Krönung wäre eine vier- bis sechsspurige Bayerwaldbrücke von Stadtamhof durch die Altstadt gewesen.</p>



<p>Zusätzlich gab es Pläne für einen Straßendurchbruch quer durch die Altstadt, von der Donau bis zum Bahnhof.</p>



<p>Auch die Steinerne Brücke, heute mit dem Dom als Panorama das Wahrzeichen der Altstadt (siehe Bild), sollte autogerecht verbreitet oder sogar abgerissen werden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="338" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Panorama-Altstadt-Regensburg.jpg?resize=600%2C338&#038;ssl=1" alt="Luftaufnahme eines Panoramas der Regensburger Altstadt mit Steinerner Brücke und Dom" class="wp-image-2725" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Panorama-Altstadt-Regensburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Panorama-Altstadt-Regensburg.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(AnBu89/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Teilweise kam es nach dem Zweiten Weltkrieg zur Vorbereitung der Pläne schon zu ersten Bau- beziehungsweise Abbruchmaßnahmen im heutigen Weltkulturerbe.</p>



<p>Erst Anfang der 1970er Jahre flossen nicht nur mehr Mittel für eine denkmalgeschützte Sanierung von Gebäuden. </p>



<p>Auch und vor allem erster Widerstand von verschiedenen Bürgerinitiativen sorgte für ein Umdenken. Zum Beispiel führte das erste Bürgerfest 1973 zu Gesinnungswandel vieler Bürger über den Stellenwert ihrer Altstadt. </p>



<p>So kam es bereits 1974 zu einer Abschwächung des Regensburger Straßenverkehrsplans. Aber erst 1978 wurden die Pläne für die Bayerwaldbrücke endgültig auf Eis gelegt.</p>



<pre class="wp-block-verse"><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/autofreundliche-altstadt-regensburg/">Was wäre gewesen, wenn die Pläne der "autofreundlichen Stadt" in Regensburg durchgeführt worden wären?</a></pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="waa">20. 1989: Die umkämpfte Aufgabe der WAA</h3>



<p>Als sich 1985 die <em>Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen</em> für Wackersdorf bei Schwandorf als Standort der bundesdeutschen <em>atomaren Wiederaufbereitungsanlage</em> (kurz WAA, im Bild der Komplex im französischen La Hague) entschied, galt die Atomkraft als Zukunftstechnologie. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="281" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Wiederaufbereitungsanlage-La-Hague.jpg?resize=600%2C281&#038;ssl=1" alt="Foto der Wiederaufbereitungsanlage von La Hague" class="wp-image-2726" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Wiederaufbereitungsanlage-La-Hague.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Wiederaufbereitungsanlage-La-Hague.jpg?resize=300%2C141&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(riekephotos/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Daher sah eine Mehrzahl der lokalen Politiker zuerst die Vorteile von hoch qualifizierten Arbeitsplätzen in der strukturschwachen Oberpfalz. </p>



<p>Doch die Stimmung in der Bevölkerung hatte sich bereits gedreht. </p>



<p>Erste Initiativen gründeten sich und bauten den Widerstand mit Hilfe der Menschen in der Region auf. Vor allem der Landrat von Schwandorf, Hans Schuierer, entwickelte sich zur Symbolfigur des immer stärkeren Widerstandes. </p>



<p>Höhepunkt war 1986 das <em>&#8222;Anti-WAAhnsinns-Festival&#8220;</em> in Burglengenfeld mit deutschlandweit bekannten Musikern wie Herbert Grönemeyer und circa 100.000 Besuchern. </p>



<p>Heute erinnert ein Gedenkstein am Naabufer von Burglengenfeld an den Widerstand und das Festival, aber auch an die damals gespaltene Gesellschaft.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="727" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Widerstand-WAA.jpg?resize=600%2C727&#038;ssl=1" alt="Gedenkstein zur Erinnerung an den friedlichen Widerstand gegen die Wiederaufbereitungsanlage in der Oberpfalz und an das MUsikfestival" class="wp-image-5949" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Widerstand-WAA.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Widerstand-WAA.jpg?resize=248%2C300&amp;ssl=1 248w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Obwohl die Polizei, teilweise mit Gewalt, diese Proteste im Zaum hielt, sank der wirtschaftliche und politische Rückhalt für das Projekt im Lauf der 1980er. </p>



<p>Als 1988 mit dem Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß der einflussreichste Befürworter starb, beerdigten seine Nachfolger das bundesweit bekannte Projekt ein Jahr später.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich eine tatsächlich gebaute Wiederaufbereitungsanlage in der Oberpfalz ausgewirkt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="oth">21. 1991: Die uneinige Gründung der OTH Amberg-Weiden</h3>



<p>Die Geschichte um die Vergabe der Fachhochschule in die Oberpfalz ist bis heute von zahlreichen Anekdoten und Legenden umwuchert. </p>



<p>Da bereits Regensburg gezeigt hatte, welch enormen Einfluss eine solche Entscheidung hatte, war der Standort in der strukturschwachen Oberpfalz entsprechend umkämpft. </p>



<p>Fakt war in jedem Fall, dass sich Anfang der 1990er Jahre sowohl Amberg als auch Weiden darum beworben hatten. </p>



<p>Danach hörte die Einigkeit der Erzählung aber auf. Einmal galt der Standort Amberg als gesetzt, bis der bayerische Wirtschaftsminister wahlweise mit Rücktritt drohte oder sogar einen Herzinfarkt vortäuschte, um für seine Heimatstadt Weiden einen Standort zu sichern. </p>



<p>Einmal stand sogar im Raum, aufgrund der Rivalität beider Städte keine weitere Hochschule in der Region aufzubauen und stattdessen die Fachhochschule Regensburg auszubauen. </p>



<p>Am Ende einigte sich das bayerische Kabinett aber auf die Kompromisslösung eines Doppelstandortes, wodurch sowohl die mittlere (siehe Bild des Campus Amberg) als auch die nördliche Oberpfalz in den Vorteil der strukturellen Impulse kamen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="227" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/OTH-Amberg-Weiden.jpg?resize=600%2C227&#038;ssl=1" alt="Campus der OTH Amberg-Weiden in Amberg" class="wp-image-925" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/OTH-Amberg-Weiden.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/OTH-Amberg-Weiden.jpg?resize=300%2C114&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Christian Mielke/Shutterstock)</figcaption></figure>



<pre class="wp-block-verse"><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/oth-amberg-weiden/">Was wäre passiert, wenn die Hochschule Amberg-Weiden nicht oder in einer anderen Konstellation gegründet worden wäre?</a></pre>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Tobias Appl, Alfred Wolfsteiner (Hrsg.): Auf alten Wegen durch die Oberpfalz. Zur Geschichte der Mobilität und Kommunikation in der Mitte Europas. (Beiträge zur Geschichte und Kultur der Oberpfalz 3). Regensburg 2022.</li>



<li>Andreas Becker: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Universit%C3%A4t_Regensburg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Universität Regensburg</a>, auf: historisches-lexikon-bayerns.de (18.03.2021).</li>



<li>Jaromír Boháč: Stadt Cheb/Eger. Historisch-touristischer Führer. </li>



<li>Diskussionen in der Facebook-Gruppe <a href="https://www.facebook.com/groups/133798160002068/search?q=bastian%20vergnon&amp;filters=eyJycF9hdXRob3IiOiJ7XCJuYW1lXCI6XCJhdXRob3JfbWVcIixcImFyZ3NcIjpcIlwifSJ9" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;Regensburg damals&#8220;</a></li>



<li>Matthias Freitag: Regensburg. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2016.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1039876372" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Thomas Götz, Markus Nadler, Marcis Prell, Barbara Zeitelhack: Kleine Neuburger Stadtgeschichte. Regensburg 2012.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1063988323" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Stefan Helml: Franzosen gegen Österreicher in Bayern 1796. Amberg 1996.</li>



<li>Matthias Hensch: Erz – Feuer – Eisen. Eine kleine Geschichte des frühen Montanwesens in der mittleren Oberpfalz. Berlin 2018.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1052395935" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Johannes Laschinger: Amberg. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2015.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1036516104" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Rainer Ostermann: Kriegsende in der Oberpfalz. Ein historisches Tagebuch. Regensburg 2015.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1067920502" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Anna Schiener: Kleine Geschichte der Oberpfalz. Regensburg 2016.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1061937507" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Stadt Regensburg: Alte Stadt und moderner Verkehr. Konflikte und Konzepte aus drei Jahrhunderten. Regensburg 2020.</li>



<li>Hermann Weiß: <a href="https://www.welt.de/regionales/bayern/article149097453/Die-zaehen-Retter-der-Regensburger-Altstadt.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die zähen Retter der Regensburger Altstadt.</a> Unesco-Welterbe, auf: welt.de (21.11.2015).</li>



<li>Reinhold Willfurth: Der Krimi um den Hochschul-Zuschlag, aus mittelbayerische.de (10.11.2013).</li>



<li>Alfred Wolfsteiner: Schwandorf. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2023. <em>(Rezensionsexemplar)</em><a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1068847579" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Patrizia Zimmermann: Sulzbach-Rosenberg. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2023.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1067401133" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>
</ul>
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		<title>1978: Die &#8222;autofreundliche Altstadt&#8220; in Regensburg wird weiter umgesetzt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Jun 2023 12:17:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayerische Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Spekulative Szenarien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Für die historische Altstadt von Regensburg gab es bis in die 1970er Jahre umfangreiche Pläne. Unter dem Begriff der &#8222;autofreundlichen Altstadt&#8220; sollten die historischen Viertel bis zur Aufgabe der Planungen im Jahr 1978 umfangreich verändert werden. Doch was wäre gewesen, wenn diese Pläne weiter verwirklicht worden wären? Ankerpunkt Regensburg nach dem Zweiten Weltkrieg Regensburg war [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Für die historische Altstadt von Regensburg gab es bis in die 1970er Jahre umfangreiche Pläne. Unter dem Begriff der &#8222;autofreundlichen Altstadt&#8220; sollten die historischen Viertel bis zur Aufgabe der Planungen im Jahr 1978 umfangreich verändert werden. Doch was wäre gewesen, wenn diese Pläne weiter verwirklicht worden wären?</p>



<span id="more-5975"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#regensburg">Regensburg nach dem Zweiten Weltkrieg</a></li>



<li><a href="#altstadt">Die &#8222;autofreundliche Altstadt&#8220;</a></li>



<li><a href="#plaene">Widerstand und Ende der Pläne</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#szenario">Szenario</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#buergerfest">Was wäre gewesen, wenn das erste Bürgerfest gescheitert wäre?</a></li>



<li><a href="#universitaet">Was wäre gewesen, wenn die Universität Regensburg später gegründet worden wäre?</a><br><br><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>
</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="regensburg">Regensburg nach dem Zweiten Weltkrieg</h3>



<p>Regensburg war im <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">Zweiten Weltkrieg</a> durch Zufälle nicht so stark bombardiert worden. Daher hatte die mittelalterliche Altstadt (siehe Bild unten) die Kämpfe ohne große Schäden überstanden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="338" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Panorama-Altstadt-Regensburg.jpg?resize=600%2C338&#038;ssl=1" alt="Luftaufnahme eines Panoramas der Regensburger Altstadt mit Steinerner Brücke und Dom" class="wp-image-2725" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Panorama-Altstadt-Regensburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Panorama-Altstadt-Regensburg.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(AnBu89/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Doch in der Nachkriegszeit galt sie als dringend sanierungsbedürftiger Schandfleck. So fehlte es in vielen baufälligen Wohnungen an grundsätzlicher Infrastruktur, beispielsweise für die tägliche Hygiene. </p>



<p>Zudem waren die engen mittelalterlichen Gassen bereits seit dem 19.&nbsp;Jahrhundert für den stetig wachsenden Verkehr zum Problem geworden.</p>



<p>Daher gab es seit dem Zeitalter der Industrialisierung verschiedene Lösungsvorschläge von Stadtplanern, die den Abbruch von alten Gebäuden vorsahen. Da dies aber auf den hartnäckigen Widerstand von Denkmalschützern traf, wurden die großen Pläne bis zum Zweiten Weltkrieg nicht verwirklicht und nur wenige Gebäude abgerissen.</p>



<p>Andere Vorhaben, zum Beispiel das Schaffen einer <em>&#8222;Domfreiheit&#8220;</em> aus freien Plätzen rund um den Regensburger Dom oder der Abbruch der Steinernen Brücke zugunsten einer moderneren Version, scheiterten aus anderen Gründen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="altstadt">Die &#8222;autofreundliche Altstadt&#8220;</h3>



<p>Anders lag der Fall bei den Sanierungsplänen nach dem Zweiten Weltkrieg.</p>



<p>Diese sollten &#8222;endlich&#8220; massiv in das Stadtbild von Regensburg eingreifen.</p>



<p>Im Vordergrund stand die Prämisse der &#8222;autofreundlichen Altstadt&#8220;. Auf Basis der <em>Charta von Athen</em> 1933 war der Hauptgedanke, dass der Zugang von motorisiertem Individualverkehr für die wirtschaftliche Entwicklung einer Stadt <em>&#8222;lebenswichtig&#8220;</em> sei.</p>



<p>Dabei sollte ein gut ausgebautes Straßennetz mit vielen Parkplätzen die Altstadt als Einkaufs- und Verwaltungsmittelpunkt schnell erreichbar machen. Damit sollte sich Regensburg als <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberpfalz-regensburg/">Oberzentrum für Ostbayern</a> weiter etablieren.</p>



<p>Daher kam es nach dem Zweiten Weltkrieg zur Vorbereitung der verschiedenen Pläne zu ersten Bau- und Abbruchmaßnahmen im heutigen Welterbe, zum Beispiel an der Donau beim heutigen <em>Museum der bayerischen Geschichte</em>.</p>



<p>Deshalb sah 1948 der Regierungsbaumeister Rudolf Eichhorn in einem <em>Generalverkehrsplan</em> erste <em>&#8222;Aufschließungsstraßen&#8220;</em> durch die Altstadt vor.</p>



<p>1961 forderte der Verkehrsplaner Karl Leibbrand, den Altstadtkern als Geschäftszentrum zu erhalten und dazu mittels breiter Straßen von Norden nach Süden (heute Doktor-Martin-Luther-Straße) sowie von Osten nach Westen (südlich der heutigen Gesandtenstraße oder am Donauufer) zu <em>&#8222;durchstoßen&#8220;. </em>Für diese Achsen und einen großen Parkplatz beim alten Rathaus sollten mehrere Gebäude abgerissen werden.</p>



<p>Ein Straßenverkehrsplan fasste 1963 die vorhandenen Ideen und Pläne zusammen. Er sah für die historischen Viertel neben einem inneren und äußeren Straßenring auch eine Nord-Süd- sowie eine Ost-West-Achse vor, um eine Anbindung an die Autobahnen zu erreichen. Mehrere Donaubrücken zur Altstadt sowie ein System aus Tiefgaragen und Parkhäusern sollten die schnelle motorisierte Erreichbarkeit der Altstadt gewährleisten.</p>



<p>Krönung und Symbol der Pläne wäre die vier- bis sechsspurige Bayerwaldbrücke von Stadtamhof zur Altstadt (siehe Bild unten) gewesen. Zusätzlich wäre die Doktor-Martin-Luther-Straße untertunnelt worden, da sonst die Infrastruktur dem Verkehr nicht mehr gewachsen gewesen wäre.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="827" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/06/Sonderveroeffentlichung-Bayerwaldbruecke-1972.jpg?resize=600%2C827&#038;ssl=1" alt="Sonderveröffentlichung der Mittelbayerischen Zeitung, die auf dem Titel &quot;Brückenschlag aus der Geschichte in die Zukunft&quot; die Bayerwaldbrücke von Stadtamhof in die Altstadt Regensburg zeigt." class="wp-image-5988" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/06/Sonderveroeffentlichung-Bayerwaldbruecke-1972.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/06/Sonderveroeffentlichung-Bayerwaldbruecke-1972.jpg?resize=218%2C300&amp;ssl=1 218w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Bernd Edtmaier/Mittelbayerische Zeitung)</figcaption></figure>



<p>Von Süden wiederum hätte nach den ursprünglichen Plänen die heutige Autobahn A93 direkt vom Universitätsgelände in die Stadt hineingeführt.</p>



<p>Auch die Steinerne Brücke, heute mit dem Dom als Panorama das Wahrzeichen der Altstadt, sollte zeitweise autogerecht verbreitet werden. Bis 1997 fuhren auf ihr noch Autos, bis 2008 Busse und Taxis.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="plaene">Widerstand und Ende der Pläne</h3>



<p>Erst Anfang der 1970er Jahre flossen nicht nur mehr Mittel für eine denkmalgeschützte Sanierung von Gebäuden. </p>



<p>Auch und vor allem erster Widerstand von verschiedenen Bürgerinitiativen, zum Beispiel der 1966 gegründeten <em>Vereinigung Freunde der Altstadt Regensburg e.V. (Altstadtfreunde)</em>, sorgte für ein Umdenken. Zum Beispiel führte das erste Bürgerfest 1973 zum Gesinnungswandel vieler Bürgerinnen und Bürger über den Stellenwert ihrer Altstadt. </p>



<p>Parallel dazu richtete die Stadtverwaltung erste Fußgängerzonen ein, die zu einer Neudefinition der Altstadt und deren Funktionen für die Regensburger Bevölkerung führten.</p>



<p>So kam es bereits 1974 zu einer Abschwächung des Straßenausbaus durch einen neuen Straßenverkehrsplan. Aber erst 1978 wurden die Pläne für die Bayerwaldbrücke endgültig auf Eis gelegt.</p>



<p>Da es bereits Vorarbeiten gab, weist die heutige (2023) Straßenführung von Regensburg noch Spuren der <em>&#8222;autofreundlichen Altstadt&#8220;</em> auf. So enden mehrere breite Straßen (auf der Karte unten in Rot) abrupt vor der Altstadt, da die Pläne vorher gestoppt wurden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="376" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/06/Karte-Strassen-Regensburg-2023.png?resize=600%2C376&#038;ssl=1" alt="Aktuelle Karte von Regensburg mit rot eingezeichneten Straßen im Norden, Osten, Süden und Westen, die durch ihre Breite zeigen, dass sie unter den alten Plänen gebaut wurden." class="wp-image-6027"/><figcaption class="wp-element-caption">(<a href="https://www.mapz.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">mapz.com</a>)</figcaption></figure>



<p>Die parallel einsetzende denkmalgerechte Sanierung der Regensburger Altstadt ist bis heute keine abgeschlossene Aufgabe. Da entsprechende Pläne und ihre Umsetzung sehr aufwendig sind, dauert der gesamte Prozess bereits 50 Jahre an. </p>



<p>Auch ist der Status der Altstadt, die seit 2006 Welterbe ist, immer wieder Gegenstand von Diskussionen in der Stadtgesellschaft. Beispielhaft dafür stehen mehrere durch Bürgerbegehren verhinderte Pläne, am Rand des historischen Viertels ein Kultur- und Kongresszentrum zu bauen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="szenario">Szenario</h2>



<p>In einem Workshop gemeinsam mit dem <a href="https://www.regensburg.de/welterbe">Welterbe Regensburg</a> bearbeiteten zwei Gruppen das Szenario. Der Workshop fand am 03. Juni 2023 zur Frage <em>&#8222;Was wäre gewesen, wenn die Pläne der &#8222;autofreundlichen Stadt</em>&#8222;<em> in Regensburg durchgeführt worden wären?&#8220;</em> statt. Erstmal wurde dabei die Methode des <em><a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/ankerpunkte-alternative-history-canvas/">Ankerpunkte Alternative History Canvas</a></em> verwendet.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="730" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/06/Workshop-Welterbe-Alternative-History.jpg?resize=600%2C730&#038;ssl=1" alt="Foto des gemeinsamen Alternative History Workshops des Ankerpunkte Blogs mit dem Welterbe Regensburg. Im Vordergrund Dr. Bastian Vergnon." class="wp-image-5992" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/06/Workshop-Welterbe-Alternative-History.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/06/Workshop-Welterbe-Alternative-History.jpg?resize=247%2C300&amp;ssl=1 247w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading" id="buergerfest">Was wäre gewesen, wenn das erste Bürgerfest gescheitert wäre?</h3>



<p>Die Gruppe 1 hatte sich das erste Bürgerfest 1973 <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">als Ankerpunkt</a> ausgesucht und stellte dazu folgende Fragen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Was wäre, wenn das erste Bürgerfest gescheitert wäre, zum Beispiel aus Desinteresse der Bevölkerung, Widerstand der städtischen &#8222;Obrigkeit&#8220; oder unvorhergesehenen Ereignissen?</li>



<li>Wäre die Bürgerbewegung daraufhin gegen die &#8222;autofreundliche Altstadt&#8220; gescheitert?</li>



<li>Inwieweit wäre die &#8222;autofreundliche Altstadt&#8220; dann Realität geworden?</li>
</ul>



<p>Als unrealistische Entwicklung konnte die Gruppe 1 zumindest ausschließen, dass der Kern der Altstadt mit dem Dom und zahlreichen Kirchen abgerissen worden wäre. Auch ein noch stärkeres Wachstum eines &#8222;autofreundlicheren&#8220; Regensburgs als in der &#8222;realen&#8220; Entwicklung sah die Gruppe 1 als unwahrscheinlich.</p>



<p>Das alternativgeschichtliche Szenario folgte dem gescheiterten Bürgerfest, durch das sich die gesellschaftliche Entwicklung in Regensburg verzögerte.</p>



<p>Infolgedessen wurden große Teile der &#8222;autofreundlichen Altstadt&#8220; umgesetzt, zum Beispiel die Bayerwaldbrücke und ein äußerer Straßenring um die Altstadt.</p>



<p>Die weiteren Abrisse mobilisierten jedoch neue Betroffene, die eine weitere Bürgerbewegung gegen die Straßenausbaupläne initiierten.</p>



<p>Die &#8222;autofreundliche Altstadt&#8220; hatte davor jedoch weitere Folgen. So blieben viele archäologische Funde durch den schnellen Ausbau unentdeckt und die geschrumpfte Altstadt entwickelte nicht die Magnetfunktion für den Tourismus.</p>



<p>Die breiten Straßentrassen hätten aber den Vorteil, dass der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in Regensburg bis in die heutige Zeit einfacher zu bewerkstelligen wäre.</p>



<p>Als Erkenntnis zog die Gruppe 1 (siehe Bild unten) aus ihrem Szenario, dass gesellschaftliche Bewegungen ihren Wert für politische Entscheidungen haben. Zum Beispiel bei der Sensibilisierung der Bevölkerung für den Wert historischer Gebäude.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="787" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/06/Gruppe-Szenario-Buergerfest.jpg?resize=600%2C787&#038;ssl=1" alt="Ergebnisbericht der Gruppe 1, die sich mit dem Szenario eines gescheiterten Bürgerfestes befasste." class="wp-image-5998" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/06/Gruppe-Szenario-Buergerfest.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/06/Gruppe-Szenario-Buergerfest.jpg?resize=229%2C300&amp;ssl=1 229w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Zur weiteren Forschung empfahl die Gruppe 1 die Verwurzelung der Bürgerbewegung in der damaligen Stadtgesellschaft und daraus folgend deren Einfluss auf die Stadtpolitik zu untersuchen. Damit ließe sich die Frage, welche Rolle das erste Bürgerfest – und deren Nachfolger – für das Ende der &#8222;autofreundlichen Altstadt&#8220; spielte, besser nachvollziehen.</p>



<p>Zudem stellte die Gruppe 1 noch die Nachfrage, welchen Einfluss das Ende der Regensburger Straßenbahn in den 1960er Jahren auf die Konzepte zur &#8222;autofreundlichen Altstadt&#8220; hatte.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="universitaet">Was wäre gewesen, wenn die Universität Regensburg später gegründet worden wäre?</h3>



<p>Die Gruppe 2 fokussierte sich auf den Einfluss der 1962 gegründeten Universität Regensburg in Bezug auf die &#8222;autofreundliche Altstadt&#8220;. Denn die zumeist auswärtigen Akademiker waren in den Bürgerinitiativen gegen den Straßenausbau stark vertreten. </p>



<p>Als unrealistische Entwicklung konnte die Gruppe 2 ausschließen, dass die Gründung der Universität Regensburg gar nicht stattgefunden hätte. Dabei kam sie auf die Unterfrage, welche Rolle die zuerst aufgebauten natur- und geisteswissenschaftlichen Fakultäten spielten.</p>



<p>Als Wunschdenken identifizierte die Gruppe anschließend, dass die alteingesessenen Regensburger alleine erfolgreich gegen den Straßenausbau protestiert hätten.</p>



<p>Im alternativgeschichtlichen Szenario hatte die spätere Gründung der Universität große Folgen. So hätte Regensburg zum Beispiel nur einen kleinen Hochschulstandort, wie aktuell Straubing.</p>



<p>Auch wären die Pläne der &#8222;autofreundlichen Altstadt&#8220; stärker umgesetzt worden, weshalb Regensburg danach eher im Krieg mehr zerstörten und in der Nachkriegszeit neu aufgebauten Städten ähneln würde, beispielsweise Ludwigsburg oder <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-unterfranken-wuerzburg/">Würzburg</a>.</p>



<p>Die Altstadt mit Stadtamhof hätte eine andere Rolle eingenommen: Ohne Welterbe hätte sie weniger Touristen angelockt, weshalb die Viertel mit mehr Leerstand zu kämpfen hätten und weniger Cafés das Straßenbild prägen würden. Damit hätte auch die vorhandene Industrie in Regensburg eine größere Rolle in der lokalen Wirtschaftsstruktur inne.</p>



<p>Der Trend zur &#8222;autofreien Altstadt&#8220; wäre ebenfalls später gekommen. Daher wären die ausgebauten Straßen danach entweder zu groß und unbrauchbar gewesen. Im positiven Falle wären sie eventuell groß genug, um in Regensburg ein Verkehrschaos durch das Bevölkerungswachstum zu vermeiden.</p>



<p>Als wissenschaftliche Erkenntnis sah die Gruppe 2 vor allem zwei Dinge.</p>



<p>Erstens den Einfluss, den die zumeist auswärtigen Akademiker auf die &#8222;reale&#8220; Stadtentwicklung hatten.</p>



<p>Zweitens den Funktionswandel, den die Altstadt in dieser Zeit durchmachte und immer noch durchmacht. Das bündelte die Gruppe in der Zustandsbeschreibung <em>&#8222;nur schön reicht nicht&#8220;</em>. Denn die wachsende Stadt Regensburg basiert nicht nur auf einer für Touristen &#8222;schönen&#8220; Altstadt. </p>



<p>Für die weiteren Forschungen empfahl die Gruppe 2 (siehe Bild unten), die Interessenlage rund um die &#8222;autofreundliche Altstadt&#8220; zu erkunden. Zum Beispiel welche <em>&#8222;Gegenbewegungen&#8220;</em> es zu den Bürgerbewegungen gab, welche konkreten Beweggründe und Interessen hinter den Ausbauplänen standen und wann die Stimmung in der Stadtgesellschaft gekippt ist.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="409" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/06/Gruppe-Szenario-Universitaet.jpg?resize=600%2C409&#038;ssl=1" alt="Ergebnisbericht der Gruppe 2, die sich mit dem Szenario einer späteren Gründung der Universität Regensburg beschäftigte." class="wp-image-5997" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/06/Gruppe-Szenario-Universitaet.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/06/Gruppe-Szenario-Universitaet.jpg?resize=300%2C205&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Zuletzt empfahl die Gruppe 2, sich die städtebauliche Entwicklung in Städten ähnlicher Größe, die im Zweiten Weltkrieg ebenfalls weniger zerstört worden waren, zum Beispiel <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-mittelfranken-nuernberg/">Rothenburg ob der Tauber</a> oder <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-niederbayerns/">Passau</a>, anzusehen und diese mit Regensburg zu vergleichen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Dieses Szenario und seine Unterfragen sind in ständiger Entwicklung und werden in Zukunft weiter ausgebaut.</pre>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Workshop gemeinsam mit dem Welterbe Regensburg am 03. Juni 2023 unter Verwendung des Ankerpunkte Alternative History Canvas.</li>



<li>Diskussionen in der Facebook-Gruppe <a href="https://www.facebook.com/groups/133798160002068/search?q=bastian%20vergnon&amp;filters=eyJycF9hdXRob3IiOiJ7XCJuYW1lXCI6XCJhdXRob3JfbWVcIixcImFyZ3NcIjpcIlwifSJ9" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Regensburg damals“</a></li>



<li>Tobias Appl, Alfred Wolfsteiner (Hrsg.): Auf alten Wegen durch die Oberpfalz. Zur Geschichte der Mobilität und Kommunikation in der Mitte Europas. (Beiträge zur Geschichte und Kultur der Oberpfalz 3). Regensburg 2022.</li>



<li>Matthias Freitag: Regensburg. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2016.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=autofreundliche+Altstadt&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1039876372" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Stadt Regensburg: Alte Stadt und moderner Verkehr. Konflikte und Konzepte aus drei Jahrhunderten. Regensburg 2020.</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/autofreundliche-altstadt-regensburg/">1978: Die &#8222;autofreundliche Altstadt&#8220; in Regensburg wird weiter umgesetzt</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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