<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Verschwundene Reiche Archive &#8211; Ankerpunkte Blog</title>
	<atom:link href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link></link>
	<description>Was wäre wenn... jemand einen Blog über Alternative History schreiben würde?</description>
	<lastBuildDate>Tue, 07 Oct 2025 12:58:15 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9</generator>

<image>
	<url>https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/cropped-Favicon-Ankerpunkte.png?fit=32%2C32&#038;ssl=1</url>
	<title>Verschwundene Reiche Archive &#8211; Ankerpunkte Blog</title>
	<link></link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
<site xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">118181279</site>	<item>
		<title>22 Punkte, an denen die Geschichte von Japan vielleicht anders verlaufen wäre</title>
		<link>https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/alternative-history-japan/</link>
					<comments>https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/alternative-history-japan/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Jun 2024 16:47:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Historische Hintergründe]]></category>
		<category><![CDATA[Verschwundene Reiche]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ankerpunkte-blog.de/?p=674</guid>

					<description><![CDATA[<p>Japan weist nicht nur eine 2000-jährige Geschichte mit unterschiedlichen Entwicklungen und vielfältigen Verknüpfungen nach Asien auf. In dieser Geschichte finden sich auch zahlreiche Ankerpunkte für Alternative History, die Japan in eine andere Richtung hätten bringen können. Diese Alternative Histories hätten auch Einfluss auf die Geschichte von Asien und der Welt darüber hinaus gehabt. Das heutige [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/alternative-history-japan/">22 Punkte, an denen die Geschichte von Japan vielleicht anders verlaufen wäre</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Japan weist nicht nur eine 2000-jährige Geschichte mit unterschiedlichen Entwicklungen und vielfältigen Verknüpfungen nach Asien auf. </p>



<p>In dieser Geschichte finden sich auch zahlreiche Ankerpunkte für Alternative History, die Japan in eine andere Richtung hätten bringen können.</p>



<span id="more-674"></span>



<p>Diese <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">Alternative Histories</a> hätten auch Einfluss auf die Geschichte von Asien und der Welt darüber hinaus gehabt.</p>



<p>Das heutige Japan (siehe Karte) erstreckt sich über seine vier Hauptinseln (Honshū, Shikoku, Kyūshū, Hokkaidō) sowie über 6.800 Nebeninseln, von denen das zu den Ryūkyū-Inseln gehörige Okinawa die größte ist.</p>



<p>Daneben ist das Land in 47 Präfekturen eingeteilt. Die größte Insel Honshū ist zusätzlich in Großregionen wie die Kantō-Ebene um die Hauptstadt Tokyo eingeteilt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="600" height="542" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Karte-Japan.png?resize=600%2C542&#038;ssl=1" alt="Karte des heutigen Japans" class="wp-image-4138" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Karte-Japan.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Karte-Japan.png?resize=300%2C271&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Japan_(regions%2Bprovinces)_(-Kuril_Islands),_administrative_divisions_-_de_-_colored.svg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">TUBS/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p><em>Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal am 26. November 2021. Er wurde am 11. Juni 2024 überarbeitet.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkte</h2>



<ol class="wp-block-list">
<li><a href="#paecke">663: Die gescheiterte Rückeroberung von Paekche</a></li>



<li><a href="#dokyo">769: Das zweifache Orakel des Dōkyō</a></li>



<li><a href="#dan-no-ura">1185: Die endgültige Niederlage von Dan-no-ura</a></li>



<li><a href="#mongolen">1274: Die zurückgeschlagene Invasion der Mongolen</a></li>



<li><a href="#go-daigo">1336: Die versuchte Restauration des Kaisers Go-Daigo</a></li>



<li><a href="#onin-bunmai">1467: Der Beginn des verheerenden <em>&#8222;Ōnin-Bunmei-Krieges&#8220;</em></a></li>



<li><a href="#okehazama">1560: Der unerwartete Sieger von Okehazama</a></li>



<li><a href="#oda-nobunaga">1582: Der überraschende Tod von Oda Nobunaga</a></li>



<li><a href="#sekigahara">1600: Die entscheidende Schlacht von Sekigahara</a></li>



<li><a href="#philippinen">1637/38: Die nie erfolgte Eroberung der Philippinen</a></li>



<li><a href="#tanuma-okitsugu">1788: Die gescheiterten Reformen des Tanuma Okitsugu</a></li>



<li><a href="#seidenraupe">1854: Die lukrative Seidenraupenepidemie in Europa (neu)</a></li>



<li><a href="#tokugawa">1858: Die Nachfolge des vorletzten Tokugawa- Shōgun (neu)</a></li>



<li><a href="#komei">1867: Der schnelle Tod des Kaisers Kōmei</a></li>



<li><a href="#korea">1873: Die verhinderte Invasion von Korea</a></li>



<li><a href="#inukai-tsuyoshi">1932: Die folgenreiche Ermordung von Inukai Tsuyoshi</a></li>



<li><a href="#offiziere">1936: Der umkämpfte Staatsstreich der Offiziere (neu)</a></li>



<li><a href="#pearl-harbor">1941: Der riskante Angriff auf Pearl Harbor</a></li>



<li><a href="#hirohito">1945: Der gescheiterte Putsch gegen Kaiser Hirohito</a></li>



<li><a href="#blacklist">1946: Die erfolgreiche Operation &#8222;Blacklist&#8220;</a></li>



<li><a href="#ldp">1994: Die kurzlebige Koalitionsregierung</a></li>



<li><a href="#fukushima">2011: Die verheerende Katastrophe von Fukushima (neu)</a></li>
</ol>



<p><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></p>



<h3 class="wp-block-heading" id="paecke">1. 663: Die gescheiterte Rückeroberung von Paekche</h3>



<p>Bis 562 besaß der damalige japanische Staat, <em>&#8222;Wa&#8220;</em> oder <em>&#8222;Yamato&#8220;</em>, auch Besitzungen auf der koreanischen Halbinsel. Welchen Status diese Besitzungen hatten, ist bis heute zwischen japanischen und koreanischen Historikern umstritten.</p>



<p>In jedem Fall war der japanische Staat in die Kämpfe zwischen verschiedenen koreanischen sowie chinesischen Reichen eingebunden. Gleichzeitig kam es immer wieder zu einem Kultur- und Elitentransfer.</p>



<p>Die Leistungsfähigkeit dieses japanischen Staates &#8222;Wa/Yamato&#8220; zeigten Grabhügel wie die riesige Landschaft des Daisenryō Kofun (siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Daisenryo-Kofun.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto des Grabhügels Daisenryō Kofun" class="wp-image-4143" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Daisenryo-Kofun.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Daisenryo-Kofun.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(panparinda/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Der <em>&#8222;Mimana&#8220;</em> genannte Bereich in Korea ging aber 562 verloren.</p>



<p>Als 663 das verbündete koreanische Reich Paekche vom verfeindeten Silla zerstört wurde, unternahm Wa/Yamato einen neuen Versuch, in Korea Fuß zu fassen.</p>



<p>Die Rückeroberung von Paekche scheiterte jedoch in der entscheidenden Seeschlacht von Haku-suki-no-e desaströs. </p>



<p>Stattdessen geriet Wa/Yamato nach dieser Niederlage unter Druck durch das erstarkende China unter der Tang-Dynastie. </p>



<p>Diese Entwicklung hatte weitreichende Folgen für die Geschichte Japans. </p>



<p>Die damals an die Macht gekommene Tang-freundliche Dynastie setze sich endgültig durch und etablierte das bis heute amtierende Kaiserhaus. </p>



<p>Unter diesen Herrschern begann Wa/Yamato seine Expansion weg von der koreanischen Halbinsel. Stattdessen erkämpften die Streitkräfte des neuen Kaiserhauses bis 811 Gebiete bis zur Nordspitze von Honshū gegen das Volk der Emishi und eroberten 720 Süd-Kyūshū vom Volk der Hayahito.</p>



<p>In dieser geografischen Ausdehnung blieb der nun entstandene japanische Staat bis in das 19. Jahrhundert erhalten.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Rückeroberung von Paekche nicht gescheitert wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="dokyo">2. 769: Das zweifache Orakel des Dōkyō</h3>



<p>Gleichzeitig zur territorialen Expansion veränderte sich das nun <em>&#8222;Nippon/Nihon&#8220;</em> genannte Japan.</p>



<p>Unter den neuen Kaisern, <em>&#8222;tennō&#8220;</em> genannt, und von China geprägten Reformern entwickelte es sich immer mehr zu einem zentralisierten Beamtenstaat.</p>



<p>Diese Entwicklung ging einher mit dem Erstarken des aus Indien und China kommenden Buddhismus gegenüber der einheimischen Naturreligion des Shintō.</p>



<p>So zeigte die mit enormem Aufwand 751 fertig gestellte, 15 Meter große und 450 Tonnen schwere Figur des Großen Buddha im Tōdai-ji-Tempel von Nara den starken Einfluss des Buddhismus in dieser Zeit bei den japanischen Kaisern.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Buddha-Nara.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto des Großen Buddha von Nara" class="wp-image-4142" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Buddha-Nara.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Buddha-Nara.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Luciano Mortula &#8211; LGM/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Einen vorläufigen Höhepunkt stellte die Zeit der Kaiserin Kōken dar. Denn nachdem sie der bekannte Mönch Dōkyō angeblich von einer schweren Krankheit geheilt hatte, verlieh sie ihm immer mächtigere Ämter.</p>



<p>Bald hatte er eine tennō-ähnliche Machtstellung erreicht und zahlreiche Ämter mit seinen Anhängern besetzt.</p>



<p>Höhepunkt war 769 die Bekanntgabe eines Orakelspruches, der für eine Ernennung von Dōkyō eine Friedenszeit prophezeite – der Beginn des sogenannten <em>&#8222;Dōkyō-Zwischenfalls&#8220;</em>. </p>



<p>Doch die Kaiserin war sich unsicher, da der <em>&#8222;tennō&#8220;</em> im Gegensatz zu allen anderen Ämtern des japanischen Staates – und zum chinesischen Kaiser – seine Autorität aus einer Abstammung aus der kaiserlichen Familie zog.</p>



<p>Daher bat sie um eine Bestätigung des Orakelspruches. Statt einer solchen Nachricht gab das Orakel aber bekannt, dass kein Untertan jemals Kaiser werden dürfte.</p>



<p>Dieser zweite Orakelspruch schwächte die Position Dōkyōs bei Hofe entscheidend, noch bevor Kōken 770 starb.</p>



<p>Danach wurde Dōkyō sofort vom Hof verbannt und starb zwei Jahre später im Exil.</p>



<p>Einer der Nachfolger von  Kōken, Kammu, erbaute schließlich zwei neue Hauptstädte. Seine Begründung war, dass er sich und den Hof dem zu starken Einfluss der buddhistischen Mönche entziehen wollte.</p>



<p>So gründete er im Jahr 794 mit Haian das heutige Kyoto, das bis 1869 der Sitz des japanischen Kaiserhauses bleiben sollte.</p>



<p>Zu seiner Regierungszeit entstanden außerdem in Japan neue buddhistische Schulen, die mehr mit dem traditionellen Shintō -Glauben verschmolzen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätten sich Japan und der Buddhismus dort entwickelt, wenn Dōkyō 769/770 tatsächlich Kaiser geworden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="dan-no-ura">3. 1185: Die endgültige Niederlage von Dan-no-ura</h3>



<p>Im Laufe der nächsten Jahrhunderte erodierte die Machtbasis des kaiserlichen Japans zusehends. </p>



<p>Ein Grund war, dass es den Kaisern nie gelang, zwei Prinzipien durchzusetzen.</p>



<p>Erstens konnten sie eine Vergabe von Hofämtern nie komplett an den Bildungsabschluss, also unabhängig von Familienbanden, knüpfen. </p>



<p>Stattdessen bildeten sich immer mehr Familienverbände wie die Fujiwara, die über de facto erbliche Ämter die Kaiser auf eine zeremonielle und religiöse Rolle zurückdrängten.</p>



<p>Zweitens schaffte es die zivile kaiserliche Verwaltung nicht dauerhaft, alles Land in der Hand des Staates zu halten und zu besteuern. Im Laufe der Jahrhunderte bildete sich so vor allem in den neu eroberten Gebieten ein Provinzadel, der im Grenzland kampfstarke Milizen unterhielt. </p>



<p>Aus diesen Kampfverbänden und dem Provinzadel entwickelte sich der spätere Stand der Samurai, aus denen im 12. Jahrhundert vor allem die Familien der Taira und der Minamoto herausragten.</p>



<p>Beide griffen schließlich in Streitigkeiten innerhalb der Kaiserfamilie ein.</p>



<p>Bis 1159 ging aus diesen Konflikten Taira no Kiyomori (siehe Bild) als Sieger hervor. </p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Ashikaga-Takauji.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Statue von Taira no Kiyomori" class="wp-image-4163" style="width:600px;height:400px" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Ashikaga-Takauji.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Ashikaga-Takauji.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Chi-kama/Shutterstock) </figcaption></figure>



<p>Obwohl als Provinzadeliger und Militär Außenseiter, fügte er sich noch in die Struktur des Kaiserhofes ein. So verschaffte er dort Mitgliedern seiner Familie Ämter und verheiratete sie mit dem Kaiserhaus.</p>



<p>Eine neue Entwicklung ergab sich, als nach seinem Tod die Minamoto mit ihren Verbündeten zum Gegenangriff übergingen und der <em>&#8222;Gempei-Krieg&#8220;</em> ausbrach.</p>



<p>Das Zentrum der Minamoto unter ihrem Anführer Yoritomo war die heutige Kantō-Region und der Nordosten des Landes. Yoritomo errichtete dort in Kamakura erfolgreich eine eigene Residenz mit angeschlossener Verwaltung – japanisch <em>„samurai dokoro“</em> –, die der Hauptstadt Kyoto als Herrschaftszentrum Konkurrenz machte.</p>



<p>Nachdem er sowohl Anhänger der Taira als auch Rivalen im eigenen Clan eliminiert hatte, griffen die Truppen der Minamoto die Taira erfolgreich in Kyoto an.</p>



<p>Nach mehreren Schlachten, in denen vor allem Yoshitsune no Minamoto einen Ruf als legendärer Krieger und General erwarb, kam es in der Seeschlacht von Dan-no-ura zur Entscheidung.</p>



<p>Anfangs feierte die Flotte der einheimischen Taira durch ihre größere Erfahrung und Kenntnis der Strömung Erfolge. </p>



<p>Doch als sich die Gezeiten drehten und ein Verbündeter der Taira die Seiten wechselte, endete die Schlacht von Dan-no-ura in einem Blutbad unter den Verlierern. </p>



<p>Die siegreichen Minamoto unter ihrem Anführer Yoritomo, der auch seinen Bruder Yoshitsune als möglichen Rivalen ausgeschaltet hatte, strebten aber nicht nach Ämtern und direktem Einfluss am Kaiserhof. </p>



<p>Stattdessen setzte Yoritomo eine neue Struktur durch.</p>



<p>Als <em>&#8222;Shōgun&#8220;</em>, ein vom Kaiser eingesetzter Militärherrscher, ernannte er in den verschiedenen Provinzen Militärgouverneure und militärische Verwalter von großen Landgütern.</p>



<p>Die Männer für diese Aufgaben rekrutierte Yoritomo aus seinen persönlichen Hausvasallen, die im ihm gegenüber bedingungslos loyal waren. Diese <em>„bushi“</em> wurden vor Ort zu lokalen Herrschern, waren aber nach wie vor an den Shōgun gebunden. Aus ihnen entwickelte sich die spätere Gesellschaftsschicht der Samurai.</p>



<p>Damit etablierte er von seiner Residenz Kamakura aus das System des <em>&#8222;Bakufu&#8220;</em> als &#8222;Regierung im Feldlager&#8220;, benannt nach den im Feld um die Kommandozentrale gespannten Vorhängen.</p>



<p>Mit Kamakura etablierte sich in der Folge die heutige Region Kantō als zweites Landeszentrum neben der Kinki-Region um Kyoto.</p>



<p>Beispielhaft für diesen Aufschwung sind zahlreiche Tempelbauten Kamakura, darunter der Kōtoku-in mit der bekannten Statue des Großen Buddha (siehe Bild unten).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="781" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Grosser-Buddha-Kamakura.jpg?resize=600%2C781&#038;ssl=1" alt="Große Buddha-Statue aus Metall vor einer japanischen Tempelanlage in Kamakura" class="wp-image-6840" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Grosser-Buddha-Kamakura.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Grosser-Buddha-Kamakura.jpg?resize=230%2C300&amp;ssl=1 230w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Damit entstand eine militärische Struktur, die den Kaiserhof sowie dessen zivile Verwaltung entmachtete und die japanische Regierung bis 1869 prägen sollte.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich die japanische Regierungsform entwickelt, wenn die Taira die Seeschlacht von Dan-no-ura gewonnen hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="mongolen">4. 1274: Die zurückgeschlagene Invasion der Mongolen</h3>



<p>Bis in das 13. Jahrhundert hinein war dieses Japan zwar in den Kulturtransfer und das eher lockere Tributsystem des Kaiserreiches China eingebunden. Es hatte diese Hierarchie allerdings nie in Form einer chinesischen Oberherrschaft anerkannt.</p>



<p>Diese Haltung hatte China bis dahin nie zu einer militärischen Reaktion gegen die Inseln provoziert.</p>



<p>Diese Position ändert sich jedoch mit der Machtübernahme der mongolischen Yuan-Dynastie unter Kaiser Kublai Khan in Beijing.</p>



<p>Denn dieser sah sich mit zwei Gegnern konfrontiert: </p>



<ol class="wp-block-list">
<li>In Südchina der nach wie vor Widerstand leistenden Song-Dynastie, die sich teilweise über Handelsbeziehungen mit Japan finanzierte. </li>



<li>Auf der unterworfenen koreanischen Halbinsel mit Aufständischen, deren Nachschubbasen auf kleineren japanischen Inseln lagen.</li>
</ol>



<p>Daher rüstete Kublai Khan, nachdem Verhandlungen gescheitert waren, eine gewaltige Invasionsflotte gegen Japan aus.</p>



<p>Die aus 900 Schiffen und 40.000 Mann bestehende Armee landeten erfolgreich in der Hakata-Bucht des nördlichen Kyūshū.</p>



<p>Diese ist eine ausnahmsweise etwas weiter ins gebirgige Landesinnere gehende flache Landschaft (siehe Bild aus der heutigen Zeit).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Hakata.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Luftaufnahme der Bucht von Hakata" class="wp-image-4160" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Hakata.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Hakata.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(motive56/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Anfangs war die Angreifer den japanischen Verteidigern sowohl zahlenmäßig als auch technisch überlegen. Die Samurai mussten sich unter hohen Verlusten und schockiert von der Kampfweise sowie der Militärtechnik der Angreifer von den Stränden zurückziehen.</p>



<p>Dennoch zogen sich die Mongolen am ersten Tag wegen eigener hoher Verluste ebenfalls zurück.</p>



<p>Danach sind sich die Quellen uneins. In der bisherigen japanischen Geschichtsschreibung dominierte die Überlieferung, dass ein Taifun die angreifende Flotte schließlich zerstörte.</p>



<p>Aber erst als 1281 eine erneute Invasion an den besser vorbereiteten Verteidigern und deren Befestigungen sowie am Ende einem zweiten Taifun, von den Japanern als göttlicher Wind <em>„Kamikaze“</em> interpretiert, scheiterte, wagten die Mongolen keine neue Invasion.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die erste Invasion der Mongolen erfolgreich gewesen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="go-daigo">5. 1336: Die versuchte Restauration des Kaisers Go-Daigo</h3>



<p>Die Mongoleninvasion hatte jedoch dazu geführt, dass die Samurai hoch verschuldet waren. Denn sie hatten sich für die Verteidigung von Hakata auf eigene Kosten ausgerüstet, aber keine Beute als Kompensation erhalten.</p>



<p>Zugleich war die zentrale Militärregierung durch die Ausgaben für die Verteidigungsanlagen in Hakata, die sie bis zum Tod Kublai Khans 1294 unterhielt, ebenfalls stark verschuldet.</p>



<p>In Kamakura hatte der Clan der Hōjō die Macht als Regenten – japanisch <em>„Shikken“</em> – inne. Die Minamoto-Shōgune waren dagegen nur noch Strohmänner. Hatten die Hōjō bis Anfang des 14. Jahrhunderts vergleichsweise kompetent und ohne interne Streitigkeiten regiert, waren sie 1284 durch den überraschenden Tod des fähigen Hōjō Tokimure und 1313 durch den Tod seines Nachfolgers Sadatoki geschwächt. Denn beide hinterließen zuerst minderjährige Nachfolger, die nicht selbst regieren konnten.</p>



<p>Eher mit internen Machtkämpfen beschäftigt, konnte das Shōgunat immer weniger die öffentliche Ordnung in Japan gegen ein wachsendes Banditenwesen aufrecht erhalten. Ein Grund dafür war häufig, dass selbst örtliche <em>„bushi“</em> sich den wachsenden Banden anschlossen oder diese anführten.</p>



<p>Diese Krise des Kamakura-Shōgunats versuchte 1331 der Kaiser Go-Daigo mit einem Aufstand zu nutzen. Unterstützt von fähigen Beratern und Feldherren wie dem später berühmten General Kusunoki Masahige (siehe Bild unten) rief er zum Widerstand gegen das geschwächte Shōgunat auf.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="658" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Statue-Kusunoki-Masahige.jpg?resize=600%2C658&#038;ssl=1" alt="Statue von Kusunoki Masahige in den kaiserlichen Gärten von Tokyo" class="wp-image-6843" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Statue-Kusunoki-Masahige.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Statue-Kusunoki-Masahige.jpg?resize=274%2C300&amp;ssl=1 274w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Dieser Aufstand gelang allerdings erst nach mehreren Niederlagen zwei Jahre später, als Go-Daigo mit Ashikaga Taka’uji einen mächtigen Militär auf seine Seite zog.</p>



<p>Daraufhin versuchte Go-Daigo mit der sogenannten <em>&#8222;Kemmu-Restauration&#8220;</em> die Macht des Kaisers wiederherzustellen. So ernannte er seinen Sohn zum neuen Shōgun, um den Militärapparat unter seine Kontrolle zu bekommen.</p>



<p>Dieser Versuch scheiterte nach einigen Fehlentscheidungen von Go-Daigo vor allem am Widerstand von Ashikaga Taka’uji. Dieser rebellierte erfolgreich gegen den Kaiser und übernahm in Kyoto die Macht des Shōgunats für seinen Clan.</p>



<p>Der abgesetzte Kaiser konnte sich aber nach Yoshino südlich von Kyoto zurückziehen (<em>&#8222;Südhof&#8220;</em>), wo er sich erfolgreich gegenüber den Ashikaga-Shōgunen und dem von ihnen eingesetzten Kaiser (<em>&#8222;Nordhof&#8220;</em>) behauptete.</p>



<p>Erst 1392 wurden beide Höfe unter den Ashikaga-Shōgunen zugunsten des Nordhofes wieder vereinigt.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Japan entwickelt, wenn sich Kaiser Go-Daigo durchgesetzt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="onin-bunmai">6. 1467: Der Beginn des verheerenden <em>&#8222;Ōnin-Bunmei-Krieges&#8220;</em></h3>



<p>Das Ashikaga-Shōgunat konnte aber ein halbes Jahrhundert später den Ausbruch eines Konfliktes zwischen den verfeindeten Clans der Yamana und Hosokawa nicht verhindern.</p>



<p>Denn seit der Ermordung des despotisch regierenden Shōguns Ashikaga Yoshinari 1441 hatte die Zentralregierung das Recht zur Ernennung von mächtigen Clanoberhäuptern an die jeweiligen Familien verloren. Da damit keine verlässlichen Nachfolgeregelungen existierten, die Oberhäupter aber immer mächtiger und einflussreicher innerhalb ihrer Clans wurden, kam es in den Kriegerfamilien zu immer mehr Konflikten.</p>



<p>Gleichzeitig zogen die Clans immer mehr Provinzen an sich, ohne das die Ashikaga dies verhindern konnten. Deshalb und dadurch dass große Clans nicht alle von ihnen beanspruchte Provinzen gegen lokale Kräfte beherrschen konnten, wurde die Zentralregierung immer schwächer.</p>



<p>Anfang 1467 eskalierten schließlich drei Konflikte gleichzeitig:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Im Clan der Hatakeyama stritten sich Sohn und Neffe des Familienoberhauptes um die Nachfolge. Da das Oberhaupt der Hatakeyama amtierender Stellvertreter des Shōguns war, betraf dieser Streit eine der mächtigsten Familien Japans.</li>



<li>Im Clan der Shiba, der wie die Hatakeyama das Recht hatte im Wechsel die Stellvertreter des Shōguns zu stellen, kam es ebenfalls über die Nachfolge des Familienoberhaupts zu einer Spaltung. Dieser Konflikt eskalierte so stark, dass der Vasallenclan der Asakura die Macht von ihren Herren übernahm. Ein Grund dafür war, dass das Oberhaupt des mächtigen Yamana-Clans die Asakura unterstützte.</li>



<li>1464 hatte amtierende Shōgun Yoshimasa seinen Rücktritt verkündet und angesichts der eigenen Kinderlosigkeit seinen Bruder Yoshimi als Nachfolger eingesetzt. Ein Jahr später gebar jedoch Yoshimasas Frau Hino Tokimo mit Yoshihisa einen Sohn, den sie zum neuen Shōgun aufbaute.</li>
</ul>



<p>Diese drei Konflikte innerhalb der mächtigsten Clans des Landes spalteten bereits vor dem Ausbruch des Krieges Kyoto. Während die Shiba und Hatakeyama gespalten blieben, beherrschten die Hosokawa den Osten der Hauptstadt und unterstützten Yoshimi. Die Yamana agierten im Osten der Stadt und wollten die eigene Macht ausbauen.</p>



<p>Der daraus hervorgehende verheerende, elfjährige <em>&#8222;Ōnin-Bunmei-Krieg&#8220; </em>zerstörte nicht nur die Hauptstadt Kyōto als Hauptschauplatz fast vollständig.</p>



<p>Er ruinierte auch die Machtbasis der bisher anerkannten zentralen Instanzen, also sowohl des Kaiserhauses als auch des Shōgunats, vollständig.</p>



<p>Am Ende gab es nach zahlreichen Scharmützeln keinen Sieger, auch wenn Yoshihisa Shōgun wurde.</p>



<p>Das Ergebnis war der Beginn der <em>&#8222;Ära der streitenden Reiche&#8220;</em>. Denn die Provinzfürsten konnten sich nun als <em>&#8222;Daimyō&#8220;</em> ihre Machtbasis unabhängig vom Zentralstaat und dessen Legitimation sichern.</p>



<p>Ein Beispiel waren die Takeda, von deren einstigen Macht noch die Ruine ihrer Hauptburg (siehe Bild) zeugt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Takeda-Burg.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Bild der Burgruine der Takeda, die sich vor Bergen aus dem Nebel erhebt." class="wp-image-4165" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Takeda-Burg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Takeda-Burg.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Kenan Yarici/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Das Ergebnis war, dass Japan in dieser <em>&#8222;Sengoku-Zeit&#8220;</em> fast ein Jahrhundert ohne zentrale Macht war. </p>



<p>Durch dieses Machtvakuum entstand aber auch eine große soziale Beweglichkeit, denn auch buddhistische Klöster, einzelne Städte und Zusammenschlüsse von Landständen erkämpften sich Autonomie.</p>



<p>Allerdings war es das Ziel aller <em>&#8222;Daimyō&#8220;</em> genügend militärische und wirtschaftliche Macht auf sich zu vereinen, um durch einen &#8222;Marsch auf  Kyōto&#8220; eine neue Zentralgewalt unter eigener Vorherrschaft zu installieren.</p>



<p>In dieser Zeit traten daher viele Männer auf, die bis heute im historischen Gedächtnis als idealisierte Verkörperung der japanischen Samurai gelten: Zu nennen sind hier Persönlichkeiten wie Takeda Shingen (<em>&#8222;Der Tiger von Kai&#8220;</em>), dessen hartnäckigster Gegner Uesugi Kenshin (<em>&#8222;Der Tiger von Echigo&#8220;</em>), aber auch Date Masamune (<em>&#8222;Der einäugige Drache des Nordens&#8220;</em>, siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Date-Masamune.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto einer Reiterstatue von Date Masamune" class="wp-image-4166" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Date-Masamune.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Date-Masamune.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(nagomi_camera/Shutterstock)</figcaption></figure>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Japan entwickelt, wenn der <em>"Ōnin-Bunmei-Krieg"</em> nicht ausgebrochen wäre?

</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="okehazama">7. 1560: Der unerwartete Sieger von Okehazama</h3>



<p>1560 wollte der mächtige Kriegsherr Imagawa Yoshimoto aus Shizuoka wie mancher vor ihm auf Kyoto marschieren. </p>



<p>Seine Chancen standen aber nicht schlecht: Er galt als einer mächtigsten Daimyō Japans und der Region Chūbu. Daher konnte er mit 25.000 Mann eine vergleichsweise große Armee aufstellen.</p>



<p>Auf seinem Weg passierte er auch seine Nachbarprovinz Owari, die der mit ihm rivalisierende Clan der Oda beherrschte. </p>



<p>Dessen Herrscher Oda Nobunaga (siehe Bild) war auf den ersten Blick kein großes Hindernis. Er galt als extravaganter Außenseiter, der mit seinen regelmäßigen Verstößen gegen Sitten und Rituale der Zeit aneckte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="899" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Oda-Nobunaga.jpg?resize=600%2C899&#038;ssl=1" alt="Statue von Oda Nobunaga" class="wp-image-4161" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Oda-Nobunaga.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Oda-Nobunaga.jpg?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(mTaira/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>So hatte sich Nobunaga erst nach längeren Kämpfen gegen Rivalen in der Familie als Oberhaupt des Oda-Clans durchgesetzt.</p>



<p>Auch konnte er nur 3.000 Mann mobilisieren und Imagawa Yoshimoto nur durch ausgestopfte Attrappen von einer deutlich größeren Verteidigungsarmee überzeugen.</p>



<p>Doch erst die Schlacht von Okehazama bedeutete die überraschende Wende in diesem Konflikt.</p>



<p>Oda Nobunaga gelang es mit der unkonventionellen Strategie, während eines Unwetters anzugreifen, die bereits den Sieg mit Alkohol feiernden Imagawa-Truppen zu überrumpeln und Yoshimoto zu töten.</p>



<p>Dieser Sieg besiegelte nicht nur den Abstieg der Imagawa, sondern auch den Aufstieg von Oda Nobunaga zum ersten <em>&#8222;Reichseiniger&#8220;</em>. </p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Oda Nobunaga die Schlacht von Okehazama verloren hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="oda-nobunaga">8. 1582: Der überraschende Tod von Oda Nobunaga</h3>



<p>12 Jahre später war Oda Nobunaga nahe daran, Alleinherrscher von Japan zu werden.</p>



<p>Er besiegte in dieser Zeit mehrere rivalisierende <em>&#8222;Daimyō&#8220;</em>, setzte die machtlosen Ashikaga-Shōgune ab und ging als bei weitem stärkster Feudalherr daran, den Rest Japans außerhalb der Kernregionen auf Honshū zu unterwerfen.</p>



<p>Dazu nutzte er zum Beispiel verstärkt die von Portugiesen ins Land gebrachten Feuerwaffen. Mit diesen importierten Arkebusen und im Land gefertigten <em>&#8222;Tanegashima&#8220;</em> vernichtete er 1575 in der Schlacht von Nagashino die legendäre Reiterei des Takeda-Clans.</p>



<p>Gleichzeitig rekrutierte er fähige Untergebene aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten, zum Beispiel die späteren <em>&#8222;Reichseiniger&#8220;</em> Toyotomi Hideyoshi (1536–1598) und Tokugawa Ieyasu (1543–1616). Mit diesen sicherte er auch die eroberten Gebiete ab und stabilisierte so seine Herrschaft dauerhaft.</p>



<p>Zuletzt zeigte er sich unerbittlich und grausam bei der Verfolgung der Gegner seiner <em>„Herrschaft durch Gewalt“</em>. Zum Beispiel ließ er die Mönche und Anhänger der bewaffneten und ihm feindlich gesinnten buddhistischen Ikko-Sekte sowie deren Familien gnadenlos vernichten. Damit löschte er auch potenzielle Gegner für die Zukunft vollkommen aus.</p>



<p>Nach später wiedergegebenen Äußerungen reichten seine Ambitionen schon über Japan hinaus und er spielte zumindest mit dem Gedanken einer Eroberung Koreas.</p>



<p>1582 aber schickte er seinen Feldherrn Toyotomi Hideyoshi als Vorhut auf den nächsten Feldzug und machte sich selbst daran, mit der Hauptstreitmacht von Kyōto aus loszumarschieren.</p>



<p>Bevor er dies jedoch konnte, attackierte ihn überraschend der sich zurückgesetzt fühlende General Akechi Mitsuhide im Tempel Honnō-ji von Kyoto (siehe Bild aus der heutigen Zeit unten).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="416" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Honno-ji-Tempel.jpg?resize=600%2C416&#038;ssl=1" alt="Foto des japanischen Honno-ji Tempels in Kyoto" class="wp-image-6852" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Honno-ji-Tempel.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Honno-ji-Tempel.jpg?resize=300%2C208&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Umzingelt im brennenden Gebäude beging Oda Nobunaga Seppuku, den ritualisierten Selbstmord der Samurai.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Oda Nobunaga nicht im Tempel Honnō-ji überrascht worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="sekigahara">9. 1600: Die entscheidende Schlacht von Sekigahara</h3>



<p>Diese Schlacht entschied die weitere Entwicklung Japans für Jahrhunderte. </p>



<p>Grob gesagt standen sich in ihr die Daimyō aus Ostjapan als Anhänger der Toyotomi-Familie und die Kriegsherren aus Westjapan unter der Familie  Tokugawa gegenüber.</p>



<p>Der Ort der Schlacht war kein Zufall. Das Tal von Sekigahara (siehe Bild aus der heutigen Zeit) war ein strategisch wichtiger Durchgang in den Bergen zwischen den bedeutenden Regionen Chūbu und Kinki.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Sekigahara.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Bild in das Tal von Sekigahara" class="wp-image-4164" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Sekigahara.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Sekigahara.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(hayakato/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Die Schlacht selbst wogte mehrfach hin- und her, vor allem da am Anfang dichter Nebel eine taktische Kampführung unmöglich machte.</p>



<p>Am Ende führte erst der überraschende Verrat einiger Verbündeter zur Niederlage des Toyotomi-Heeres unter seinem Anführer Ishida Mitsunari.</p>



<p>Nach seinem Sieg ging stattdessen Tokugawa Ieyasu daran, seine Herrschaft als Shōgun dauerhaft zu sichern. </p>



<p>Sein Ziel war es nach den Bürgerkriegsjahren ein stabiles, geografisch klar umrissenes Japan mit einer hierarchisch abgestuften Gesellschaft aufzubauen</p>



<p>Nach Abschluss der von ihm durchgesetzten Reformen bis Mitte des 16. Jahrhunderts prägte diese Zielsetzung die japanische Gesellschaft über 200 Jahre. </p>



<p>Denn Tokugawa Ieyasu sicherte nicht nur das Amt des Shōguns für diese Zeit in seiner Familie. </p>



<p>Er machte mit Edo auch das heutige Tokio zu seiner Hauptstadt. Daher prägte sich für die Herrschaft seines Clans der Name <em>&#8222;Edo-Zeit&#8220;</em> ein.</p>



<p>Die Gesellschaft teilte er dauerhaft in die vier Stände Samurai, Bauern, Handwerker und Händler ein. Nur das Kaiserhaus, dessen Hofadel und Minderheiten wie die Ainu in Hokkaidō standen außerhalb dieser Ordnung.</p>



<p>Zusätzlich versetzte er die Daimyō-Familien je nach deren Loyalität innerhalb des Landes und teilte ihnen verschiedene jährliche Reismengen als Steuereinnahmen zu.</p>



<p>Erst dadurch entwickelte sich eine Kultur, die im Westen als typisch-japanische wahrgenommen wurde. Zum Beispiel über den Ehrencodex der Samurai (siehe Bild), die sich jedoch in der <em>&#8222;Edo-Zeit&#8220;</em> immer mehr von einer Kriegerelite zur Beamtenschaft des neuen Staates entwickelten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="403" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Samurai.jpg?resize=600%2C403&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Bild von mehreren Samurai" class="wp-image-4159" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Samurai.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Samurai.jpg?resize=300%2C202&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Marzolino/Shutterstock)</figcaption></figure>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Japan entwickelt, wenn die Tokugawa die Schlacht von Sekigahara verloren hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="philippinen">10. 1637/38: Die nie erfolgte Eroberung der Philippinen</h3>



<p>Am Beginn der Tokugawa-Herrschaft war Japan keineswegs so abgeschlossen, wie es die spätere Geschichtsschreibung behauptete.</p>



<p>Denn Japaner waren im 16. und beginnenden 17. Jahrhundert als Händler und Söldner in ganz Ostasien unterwegs. Nachweisbar waren sie zum Beispiel im heutigen Thailand, Myanmar (Birma) und Kambodscha.</p>



<p>Auch in Kagayan und Manila auf den Philippinen gab es japanische Niederlassungen und Handelsposten.</p>



<p>Mehrfach beschuldigten die dort herrschenden Spanier die Japaner, Aufstände der Einheimischen gegen die Europäer angezettelt zu haben. Oftmals kam es zu Auseinandersetzungen zwischen japanischen Schiffen und spanischen Galeonen.</p>



<p>Gleichzeitig galten die spanisch beherrschten Inseln als potenzielles Sprungbrett für eine Invasion der Europäer gegen die japanischen Inseln.</p>



<p>Daher plante der Shōgun Tokugawa Iemitsu, Enkel von Ieyasu, einen Angriff auf die Philippinen. </p>



<p>Dies war auch Teil der japanischen Pläne, nach dem Vorbild Chinas um das Kernland einen Ring aus tributpflichtigen Vasallenstaaten zu legen.</p>



<p>Sie sollten das Kernland nicht nur militärisch abschirmen, sondern auch als Wirtschaftszone die ökonomische Unabhängigkeit Japans sichern.</p>



<p>Die strategische Lage war für Iemitsu günstig, da japanische Kolonien auf Taiwan und das 1609 eroberte Königreich von Ryūkyū auf Okinawa als Basis dienen konnten.</p>



<p>Doch die 1637 ausgebrochene Shimabara-Revolte ließ sich nur unter großen militärischen Anstrengungen und mithilfe von holländischen Schiffen niederschlagen.</p>



<p>Danach verfolgte Iemitsu seine Pläne nicht mehr weiter.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Tokugawa Iemitsu auch nach der Shimabara-Revolte eine Invasion der Philippinen geplant hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="tanuma-okitsugu">11. 1788: Die gescheiterten Reformen des Tanuma Okitsugu</h3>



<p>Im Laufe des 18. Jahrhunderts begannen die Strukturen des Tokugawa-Shōgunats langsam zu bröckeln.</p>



<p>Zwar erlebte Japan eine relativ friedliche Zeit und war nicht von äußeren Feinden bedroht.</p>



<p>Im Inneren zerfiel jedoch immer mehr die Basis der Gesellschaft. </p>



<p>Denn in den 1720er und 1730er Jahren hatten mehrere Naturkatastrophen zu Missernten und Hungersnöten geführt.</p>



<p>So gilt der Vulkan Fuji heute als touristisches Wahrzeichen und religiöses Symbol Japans. In dieser Zeit lösten seine Ausbrüche aber auch immer wieder Hungersnöte aus.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Fuji.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Foto des japanischen Vulkans Fuji mit seiner schneebedeckten Spitze" class="wp-image-4242" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Fuji.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Fuji.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(p_jirawat/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dies minderte auch die Einnahmen der regionalen Daimyō und des Zentralstaates, da der Großteil der Steuern von den Bauern aufgebracht und in Reis bezahlt wurde.</p>



<p>Da die Steuern nur langsam an den realen Reisertrag angepasst wurden, spaltete sich die formell egalitäre Landbevölkerung in verarmte Bauern und eine bäuerliche Oberschicht, die immer mehr Bodennutzungsrechte erwarb.</p>



<p>In den prosperierenden Städten errangen die teilweise als Oligopol agierenden und von Steuern weitgehend unbehelligt gebliebenen Händler, formell am Ende der konfuzianisch strukturierten Gesellschaft stehend, durch ihren Reichtum eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorrangstellung. </p>



<p>Zusammengefasst führten diese Entwicklungen dazu, dass sich die regionalen Fürstenhäuser und Samurai immer mehr verschuldeten und teilweise in Abhängigkeit zu den Händlern gerieten.</p>



<p>Dagegen forderten konfuzianische Gelehrte ein Eingreifen des Shōgunats, das mit autoritären Eingriffen in Wirtschaft und Gesellschaft die alte Sozialordnung wiederherstellen sollte.</p>



<p>Diese <em>&#8222;Sparsamkeitsedikte&#8220;</em> scheiterten jedoch jeweils nach kurzer Zeit, da sie eine idealisierte Ordnung verteidigten, die so nie Bestand gehabt hatte.</p>



<p>In eine andere Richtung gingen die Reformen von Tanuma Okitsugu, der 1769 aus der Stellung eines niedrigen Vasallen des Shōguns zum einflussreichsten Fürsten der Regierung aufgestiegen war.</p>



<p>Er verwarf die bisherigen konfuzianischen Reformversuche vollständig.</p>



<p>Stattdessen förderte er den innerjapanischen Handel und besteuerte ihn im Gegenzug erfolgreich. Zum Beispiel führte er ein staatliches Monopol auf den Handel für Ginseng, Kupfer, Eisen sowie Messing ein und vergab gegen Bezahlung Handelslizenzen. Außerdem förderte er die Erschließung von neuen landwirtschaftlichen Flächen und Minen.</p>



<p>Auch den Außenhandel über Nagasaki wollte er ausbauen und damit die finanzielle Basis des Staates dauerhaft verbessern sowie von den Reisernten unabhängiger machen.</p>



<p>Zudem unterstützte er den Import von holländischen Büchern und damit Wissenschaft sowie Kultur. </p>



<p>Als jedoch sein Förderer, der Shōgun Ieharu 1786 starb, und Japan erneut von Naturkatastrophen und Bauernaufständen erschüttert wurde, entmachteten seine konfuzianisch gesinnten Gegner den zusätzlich noch unter Korruptionsvorwürfen leidenden Tanuma Okitsugu.</p>



<p>Sein Reformprogramm war damit ebenfalls am Ende und wurde von den Tokugawa-Shōgunen niemals mehr in Betracht gezogen.</p>



<p>Daher blieb das System dauerhaft instabil und geriet gegenüber den aufstrebenden Europäern immer mehr ins Hintertreffen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich das Tokugawa-Shōgunat entwickelt, wenn Tanuma Okitsugu eine Reformen fortgesetzt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="seidenraupe">12. 1854: Die lukrative Seidenraupenepidemie in Europa (neu)</h3>



<p>Diese Rückständigkeit zeigte sich dramatisch mit der Ankunft der <em>&#8222;Schwarzen Schiffe&#8220;</em> unter dem US-amerikanischen Commodore Matthew Perry 1853.</p>



<p>Japan konnte aufgrund der ausgebliebenen Reformen und erneuter wirtschaftlicher Krisen, die die Autorität des Tokugawa-Shōgunats bereits untergraben hatten, seine in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verstärkte Isolationspolitik nicht länger aufrechterhalten.</p>



<p>Stattdessen musste das Shōgunat danach zahlreiche <em>&#8222;ungleiche Verträge&#8220;</em> <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">mit den USA</a> und den europäischen Großmächten schließen, die endgültig die Machtlosigkeit der Zentralregierung zeigten.</p>



<p>Um dem gleichen Schicksal wie China, das von den Europäern bereits mehrfach militärisch gedemütigt worden war, zu entgehen, begann Japan eine vorsichtige Reformpolitik.</p>



<p>Ein Ereignis in Europa erwies sich in diesen Krisen- und Umbruchszeiten des 19. Jahrhunderts für Japan als günstig. Ab 1854 vernichtete eine plötzlich auftretende Krankheit die gesamte Seidenraupenzucht in Frankreich und Europa.</p>



<p>Die so entstandene Marktlücke konnte das sich öffnende Japan als eine der wenigen Gelegenheiten nutzen, um Überschüsse im Außenhandel zu erwirtschaften.</p>



<p>Normalerweise war das Land in den Handelsbeziehungen durch die <em>„ungleichen Verträge“</em> im Welthandel stark diskriminiert. Zum Beispiel durfte es auf importierte Güter keine Zölle erheben, japanische Unternehmen mussten aber Zölle bei Exporten ins Ausland zahlen.</p>



<p>Mit den überwirtschafteten Überschüssen aus der Seide konnte das Land dringend benötige Maschinen und Waffen für die Modernisierung von Wirtschaft und Armee auf dem Weltmarkt einkaufen.</p>



<p>Entsprechend stark stiegen die Exportzahlen in diesem Bereich an. Exportierte Japan 1868 noch 2,3 Millionen Pfund Rohseide, waren es 1893 bereits 10,2 Millionen Pfund. Durchschnittlich wies Seide einen Anteil von 42 % an allen exportierten Gütern in diesem Zeitraum aus.</p>



<p>Da das japanische Steuersystem sich vor allem aus der Landwirtschaft und deren Produkten finanzierte, bedeutete dieser Boom eine wichtige dauerhafte Einnahme, um den Entwicklungsrückstand des Landes aufzuholen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Japan entwickelt, wenn es nicht zur Seidenraupen-Epidemie in Europa gekommen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="tokugawa">13. 1858: Die Nachfolge des vorletzten Tokugawa- Shōgun (neu)</h3>



<p>Der eingeschlagene Reformkurs bedeutete aber endgültig die Auflösung einer Gesellschaftsordnung, auf der das Tokugawa-Shōgunat eigentlich basierte.</p>



<p>So war der gegenüber den Großmächten friedliche Kurs innerhalb der japanischen Gesellschaft hochumstritten. So kam es in der strategisch wichtigen Seestraße von Shimonoseki zwischen den Inseln Honshū und Kyūshū häufig zu Kämpfen zwischen britischen Schiffen sowie japanischen Truppen der Tokugawa-Gegner (siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="370" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/HMS-Medusa-Shimonoseki.jpg?resize=600%2C370&#038;ssl=1" alt="Gemälde eines britischen Kriegsschiffes, dass in Japan kämpft" class="wp-image-4238" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/HMS-Medusa-Shimonoseki.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/HMS-Medusa-Shimonoseki.jpg?resize=300%2C185&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Zusätzlich gab es einen Streit um die absehbare Nachfolge des kränkelnden Shōgun Iesada, der keine Kinder hatte. </p>



<p>Einige Daimyō favorisierten mit Tokugawa Yoshinobu den 20-jährigen Sohn des Daimyō von Mito, der als durchaus begabt galt und dessen Vater einer der härtesten Kritiker der bisherigen Politik war.</p>



<p>Dennoch blieb die Nachfolgefrage lange ungeklärt, da der Streit um den Abschluss von Handelsverträgen die Anführer des Shōgunats beschäftigte und zu mehreren Wechsel in den Verwaltungsspitzen führte.</p>



<p>Beim Tod von Iesada im August 1858 entschied sich Ii Naosuke, der im gleichen Jahr die Regierung übernommen hatte, statt für Yoshinobu für den unmündigen Tokugawa Iemochi aus einer weiteren Nebenfamilie der Tokugawa. Sein Ziel war es, für diesen als Regent weiter die Macht inne zu haben.</p>



<p>Dennoch gab es Kritik von vielen Daimyō und von Widersachern am Kaiserhof. Ii Naosuke konnte sich aber durchsetzen.</p>



<p>Danach begann Ii Naosuke seine Gegner sowie Anhänger von Yoshinobu mit Gewalt zu verfolgen, bis er 1860 im sogenannten <em>„Sakuradamon-Zwischenfall“</em> am gleichnamigen Tor der Burg von Edo durch Samurai, die ein Ende des Shōgunats forderten, ermordet wurde.</p>



<p>Sowohl durch die schwache Stellung von Iemochi als auch durch den Tod von Ii Naosuke war das Tokugawa-Shōgunat so stark geschwächt, dass es trotz einiger Reformbemühungen und Erfolge in den 1860er Jahren sich immer weniger gegen seine zahlreichen Gegner behaupten konnte.</p>



<p>So wurde Yoshinobu nach dem überraschenden Tod Iemochis 1866 zwar noch Shōgun. Er sollte aber der letzte werden.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Tokugawa Yoshinobu bereits 1858 Shogun geworden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="komei">14. 1867: Der schnelle Tod des Kaisers Kōmei</h3>



<p>In Folge der Schwäche des Shōgunats erstarkten zahlreiche Reformkräfte, unter denen viele im seit langem entmachteten Kaiserhaus einen Identifikationspunkt sahen.</p>



<p>Der amtierende Komei-tennō nahm diese Rolle durchaus gerne an und gab sich als großer Gegner jeglichen ausländischen Einflusses.</p>



<p>Der 35-jährige Kaiser war aber an größeren Reformen, wie sie sich die stärksten Tokugawa-Gegner wünschten, nicht interessiert.</p>



<p>Im Januar 1867 starb er jedoch plötzlich und in relativ kurzer Zeit an den Pocken.</p>



<p>Sein Nachfolger, der 14-jährige Mutsuhito und spätere Meiji-tennō, war weder alt noch erfahren genug, um eine selbständige Rolle im immer mehr eskalierenden Konflikt zwischen dem Shōgunat und seinen Gegnern zu spielen.</p>



<p>Letztere machten ihn aber nach ihrem Sieg im kurzen <em>&#8222;Boshin-Krieg&#8220;</em> nur ein Jahr nach dem Tod seines Vaters zum eigentlichen Staatsoberhaupt von Japan. Symbol dafür war der Umzug des Kaisers aus Kyoto in die ehemalige Residenz des Shōgun (siehe Bild unten) in der neuen Hauptstadt Tokyo.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="208" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Kaiserpalast-Tokyo.jpg?resize=600%2C208&#038;ssl=1" alt="Japanischer Turm mit Mauer vor Wassergraben in den kaiserlichen Gärten von Tokyo" class="wp-image-6841" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Kaiserpalast-Tokyo.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Kaiserpalast-Tokyo.jpg?resize=300%2C104&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Dabei fungierte der junge Herrscher aber nur als formelles Oberhaupt, das es den Reformern ermöglichte, ihren Kurs aus Modernisierungen im Inneren und Zurückhaltung gegenüber den Großmächten mit kaiserlichem Segen voranzutreiben.</p>



<p>So gab es gegen die verschiedenen Reformen nach westlichem Muster zwar mehrere Aufstände von Samurai und Bauern. Diese war aber nie stark genug, um den Reformkurs an sich zu gefährden.</p>



<p>Stattdessen ging diese Zeit als <em>&#8222;Meji-Restauration&#8220;</em> in die japanische Geschichte ein.</p>



<pre class="wp-block-verse">Welche Rolle hätte der ältere und erfahrenere Komei-tennō gegenüber den Reformern gespielt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="korea">15. 1873: Die verhinderte Invasion von Korea</h3>



<p>Seit 1854 reformierte sich Japan nicht nur im Inneren.</p>



<p>Es begann auch, neben der Propaganda einer <em>&#8222;pan-asiatischen Solidarität&#8220;</em> gegen &#8222;westliche&#8220; Einmischung erste Schritte in Richtung einer eigenen aggressiven Außenpolitik.</p>



<p>Erstes Ziel war das Königreich Korea, das 1873 den japanischen Forderungen nach Handelsprivilegien – ähnlich denjenigen westlicher Länder in Japan – nicht nachgeben wollte.</p>



<p>In Japan war in diesem Jahr nur eine Statthalter-Regierung vor Ort, da sich die Spitzen des neuen Regimes größtenteils auf der sogenannten <em>&#8222;Iwakura-Gesandtschaft&#8220;</em> befanden.</p>



<p>Die von Außenminister Iwakura Tomomi (siehe Bild) geleitete Delegation sollte die <em>&#8222;ungleichen Verträge&#8220;</em> in Europa und den USA neu verhandeln sowie die Gelegenheit nutzen, um neues Wissen für Japan zu erwerben. Sie erreichte aber nur das zweite Ziel.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="715" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Iwakura-Tomomi.jpg?resize=600%2C715&#038;ssl=1" alt="Porträt von Iwakura Tomomi" class="wp-image-4246" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Iwakura-Tomomi.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Iwakura-Tomomi.jpg?resize=252%2C300&amp;ssl=1 252w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Prachaya Roekdeethaweesab/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dieses Machtvakuum wollte der Samurai Saigō Takamori, einer der wenigen zurückgebliebenen Mächtigen, nutzen, um als Reaktion auf den koreanischen Widerstand eine Invasion des Nachbarlandes voranzutreiben.  </p>



<p>Er wollte damit auch die Stellung der Samurai als Kriegerelite wieder stärken.</p>



<p>Denn durch die Reformen waren die Samurai als Stand immer mehr politisch ausgeschaltet und wirtschaftlich deklassiert worden.</p>



<p>Als die <em>&#8222;Iwakura-Gesandtschaft&#8220;</em> von diesen Plänen erfuhr, lehnten die Mitglieder die Angriffspläne ab. Aus ihrer Sicht war Japan noch nicht innenpolitisch stark und reformiert genug, um mögliche außenpolitische Folgen eines Krieges ausgleichen zu können.</p>



<p>Daher änderte die Gesandtschaft kurzfristig ihre Reiseroute und konnte die Invasionspläne noch rechtzeitig verhindern. </p>



<p>Enttäuscht von dieser Reaktion zog sich Saigō Takamori aus den Regierungsgeschäften zurück. Von seiner Heimatprovinz heraus entwickelte er sich zum gefährlichsten Gegner der Regierung. 1877 war er schließlich Anführer der <em>&#8222;Satsuma-Revolution&#8220;</em> aus unzufriedenen Samurai. </p>



<p>Der Versuch, die Regierung zu stürzen, scheiterte jedoch schnell und endete im Tod von Saigō Takamori sowie in einer endgültigen Stabilisierung der Regierung.</p>



<p>Dass diese eine Unterwerfung der Nachbarstaaten nicht prinzipiell ablehnte, zeigten militärische Interventionen und Drohungen gegen das chinesische Taiwan 1874 und auch gegen Korea 1876.</p>



<p>Im gleichen Jahr gelang es Japan auch, den einst von Saigō Takamori  geforderten Handelsvertrag durchzusetzen.</p>



<p>Ende des 19. Jahrhunderts annektierte es sogar nach einem siegreichen Krieg gegen China Korea und Taiwan.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie wäre eine japanische Invasion gegen Korea 1873 ausgefallen und was wären deren Folgen gewesen?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="inukai-tsuyoshi">16. 1932: Die folgenreiche Ermordung von Inukai Tsuyoshi</h3>



<p>Zwischen 1918 und 1927/28 machte Japan eine Phase durch, die als <em>&#8222;Taishō-Demokratie&#8220;</em> bezeichnet wurde.</p>



<p>Sie zeichnete sich durch einen verstärkten gesellschaftlichen Wandel, das Entstehen von verschiedenen sozialen und politischen Bewegungen sowie in den Städten durch eine Orientierung an westlichen Lebensstilen aus.</p>



<p>Ein Merkmal dieser Phase war, dass sich Premierminister und Regierungen nicht mehr aus der alten zivilen und militärischen Oligarchie der <em>&#8222;Meji-Restauration&#8220;</em> rekrutierten.</p>



<p>Stattdessen stellten meistens die zwei stärksten konservativen Parteien den Premierminister.</p>



<p>Allerdings bildeten die Parteien und ihre Regierungskabinette nur eines von mehreren Machtzentren und konnten andere Machtzirkel wie das Militär oder das von der Oligarchie nach wie vor dominierte Oberhaus des Parlaments nicht unter ihre Kontrolle bringen.</p>



<p>Über allem stand der Kaiser, seit 1912 der die Ära prägende Taishō-tennō. </p>



<p>Dieser war allerdings bereits bei Regierungsantritt kränklich, weshalb 1921 sein Sohn Hirohito die Regierungsgeschäfte übernahm. 1925 starb der Kaiser und Hirohito wurde als Shōwa-tennō Staatsoberhaupt.</p>



<p>Zu dieser Zeit kämpften die Parteienregierungen bereits mit vielen wirtschaftlichen und sozialen Problemen, die sich mit der Weltwirtschaftskrise 1929 verschärften.</p>



<p>Auch rechtsradikale Kräfte, die die Parteienregierung ablehnten, erstarkten. So starb Hamaguchi Osachi im August 1931 an den Folgen eines Attentats, das ein Rechtsradikaler im November 1930 auf den damaligen Premierminister verübt hatte.</p>



<p>Zudem gerieten die moderaten Parteiregierungen immer mehr in einen Gegensatz zu den Kräften in Militär und Gesellschaft, die eine aggressive Linie vor allem bei der Expansion in China, zum Beispiel in der Mandschurei, forderten.</p>



<p>So versuchte der Premierminister Inukai Tsuyoshi trotz der teilweise eigenmächtigen Angriffe der japanischen Armee in der Mandschurei und auf Shanghai 1931 noch zu einer Verhandlungslösung mit China zu kommen.</p>



<p>Dennoch blieb das Prinzip der Premierminister aus Parteien bestehen.</p>



<p>Bis am 15. Mai 1932 Marineoffiziere einen Putschversuch unternahmen.</p>



<p>Dieser scheiterte zwar. Aber es gelang ihnen, den konservativen Premierminister Inukai Tsuyoshi zu ermorden.</p>



<p>Vor allem das geringe Strafmaß für die Attentäter und die große Sympathie, die ihnen aus Teilen der Bevölkerung entgegenschlug, schwächten die Parteien entscheidend und führten zu einem nicht mehr rückgängig zu machenden Machtzuwachs des Militärs.</p>



<p>Dieses nutzte seinen gestiegenen Einfluss, um eine ultranationalistische und antiliberale, autoritäre Innen- und Außenpolitik durchzusetzen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Inukai Tsuyoshi den Putschversuch überlebt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="offiziere">17. 1936: Der umkämpfte Staatsstreich der Offiziere (neu)</h3>



<p>In den nächsten Jahren steigerte sich ebenfalls der Einfluss der ultranationalistischen Kräfte, die Rückhalt bei Grundbesitzern, Bauern, jungen Offizieren und rechtsradikalen Intellektuellen hatten.</p>



<p>Dabei schreckten die Ultranationalisten weiter vor Gewalt als Mittel der Politik nicht zurück. Dies führte aber dazu, dass die konservativen Eliten, die sich auf große Teile der Finanzwelt, der Industrie, der Verwaltung und der Parteien stützten nur teilweise auf die ultranationalistischen Forderungen eingingen.</p>



<p>Dass Armee und Marine in der Frage der Loyalität gegenüber diesen Gruppierungen gespalten waren, zeigte sich im Februar 1936. </p>



<p>Nachdem ein junger Offizier den Chef des Militärbüros im Heeresministerium ermordet hatte und ultranationalistische Kräfte den folgenden Prozess für ihre Propaganda nutzten, wollte die Regierung besonders radikale Armeeangehörige aus Japan in die Mandschurei zu verlegen.</p>



<p>Als Reaktion darauf entschloss sich die <em>„Fraktion des kaiserlichen Weges“</em> – japanisch <em>„kōdōha“</em> –, ein Zusammenschluss von radikalen Ultranationalisten – zu einem Staatsstreich.</p>



<p>Am 26. Februar 1936 startete der Putsch in Tokyo mit 1.500 Soldaten unter dem Kommando von ultranationalistischen Offizieren. Innerhalb weniger Stunden gelang es den Aufständischen, mit Angriffen auf die Ministerien das Regierungsviertel unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie ermordeten zudem den ehemaligen Premierminister Saitō Makoto und den amtierenden Finanzminister Takahashi Korekiyo.</p>



<p>Allerdings konnte Premierminister Okada Keisuke fliehen. Zusammen mit loyalen Kräften von Armee und Marine organisierte er anschließend den Widerstand.</p>



<p>Dennoch war mehr als drei Tage unklar, ob der Staatsstreich nicht doch Erfolg haben könnte. Erst eine Erklärung des Tennō Hirohito, der sich gegen den Putsch stellte, beendete die Kämpfe zugunsten der Regierung.</p>



<p>Die Anführer des Aufstands, 17 Offiziere, wurden zum Tode verurteilt und gehängt.</p>



<p>Dennoch übernahmen weiter – vergleichsweise gemäßigte – Militärs die Macht in der japanischen Regierung.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der ultranationalistische Putsch Erfolg gehabt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="pearl-harbor">18. 1941: Der riskante Angriff auf Pearl Harbor</h3>



<p>Ende 1941 befanden sich Japan und die USA auf klarem Konfrontationskurs wegen der aggressiven japanischen Expansionsbestrebungen in China und Südostasien.</p>



<p>Während die japanische Militärführung die Truppen in den britischen (Hongkong, Singapur, Malaysia, Birma) und niederländischen (Niederländisch-Indien, heute Indonesien) Kolonien als schlagbar einschätze, sah sie in den USA den Hauptgegner.</p>



<p>Insbesondere die in Pearl Harbor auf Hawaii konzentrierte US-Pazifikflotte galt als Haupthindernis für die japanischen Angriffspläne.</p>



<p>Daher fasste das japanische Militär den Plan, die USA durch einen Überraschungsangriff so zu schwächen, dass diese keinen Widerstand gegen die japanische Expansion leisten konnten und am Ende in einem Friedensvertrag die neuen Eroberungen in den europäischen Kolonien anerkennen mussten.</p>



<p>Dieser mit erheblichen Risiken behaftete Überraschungsangriff gelang am 7. Dezember 1941 fast vollständig. </p>



<p>Nicht nur schaffte es der japanische Flottenverband der <em>&#8222;Kidō Butai&#8220;</em> (deutsch: mobile Truppe) mit sechs Flugzeugträgern und fast der gesamten Elite der Trägerpiloten, sich unbemerkt nördlich von Pearl Harbor zu platzieren. </p>



<p>Es gelang den Japanern auch, in zwei Angriffswellen elf amerikanische Schiffe, darunter fünf Schlachtschiffe (im Bild unten) zu versenken. Zusätzlich zerstörten sie 188 Flugzeuge und töteten 2.349 Soldaten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/07/Pearl-Harbor.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Blick aus einem japanischen Flugzeug beim Angriff auf den Hafen von Pearl Harbor" class="wp-image-1146" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/07/Pearl-Harbor.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/07/Pearl-Harbor.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Der Angriff war jedoch nicht nur aufgrund der riskanten und dadurch für die US-Amerikaner überraschenden Strategie erfolgreich. </p>



<p>Die Verteidigung eines der wichtigsten Stützpunkte der USA war so pannenbehaftet, dass sich bis heute Verschwörungstheorien dazu halten.</p>



<p>Denn die amerikanischen Oberbefehlshaber in Washington rechneten zwar mit einem baldigen japanischen Angriff, waren aber nicht auf den Ort und die Zeit vorbereitet. </p>



<p>So wurden geknackte japanische Meldungen zu spät oder gar nicht weitergegeben, erste Meldungen über gesichtete japanische U-Boote und Flugzeuge ignoriert. Da der 7. Dezember auf einen Sonntag fiel, waren viele Offiziere nicht auf ihrem Posten und die Munition für die Flugabwehrgeschütze war teilweise weggesperrt. Die Flugzeuge auf den Basen waren noch dazu kurz zuvor aus Angst vor Sabotage mitten auf den Flugfeldern in Reih und Glied aufgestellt worden.</p>



<p>Die so verursachte Niederlage sorgte dafür, dass die Japaner im ersten Jahr des Pazifikkrieges bei ihren Offensiven in Südostasien relativ freie Hand hatten.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie wäre der Angriff auf Pearl Harbor verlaufen, wenn die US-Amerikaner die Warnungen früher ernst genommen und Verteidigungsmaßnahmen gegen den japanischen Angriff unternommen hätten?

Mögliches Szenario
<a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/angriff-pearl-harbor/">1941: Der Angriff auf Pearl Harbor wird erkannt</a></pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="hirohito">19. 1945: Der gescheiterte Putsch gegen Kaiser Hirohito</h3>



<p>In der Endphase des <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">Zweiten Weltkrieges</a> im August 1945 war die Lage von Japan dagegen unhaltbar: Seine Verbündeten hatten wie das Deutsche Reich kapituliert oder wie Italien die Seiten gewechselt. </p>



<p>Seine Flotte war bereits seit 1944 nicht mehr in der Lage, eine sichere Verbindung zwischen den Hauptinseln und den anderen Teilen des Reiches aufrechtzuerhalten. </p>



<p>Seit der erfolgreichen Eroberung der Inseln Iwo Jima und Okinawa besaßen die US-Amerikaner sogar Basen in direkter Nähe der japanischen Hauptinseln für Luftangriffe und zur Vorbereitung einer Invasion. </p>



<p>In den letzten Wochen des Sommers 1945 hatte sich die Lage weiter verschlechtert. </p>



<p>Durch die Kriegserklärung der Sowjetunion am 8. August und ihrer Invasion in China sowie Korea war nicht nur dieser Kriegsschauplatz für das Kaiserreich verloren, sondern auch der Weg für eine Verhandlungslösung über die bisher neutrale UdSSR. </p>



<p>Zudem hatten die US-Amerikaner durch den Abwurf der Atombomben auf Hiroshima (6. August) und Nagasaki (9. August, siehe Bild) bewiesen, dass sie auf keine großangelegte und möglicherweise verlustreiche Invasion angewiesen waren, um Japan zu zerstören.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="464" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/07/Nagasaki.jpg?resize=600%2C464&#038;ssl=1" alt="Foto der Explosion der Atombombe über Nagasaki" class="wp-image-1144" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/07/Nagasaki.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/07/Nagasaki.jpg?resize=300%2C232&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dennoch war die Kapitulation im japanischen Obersten Kriegsrat eine nach wie vor umstrittene, teilweise sogar undenkbare Option. </p>



<p>Erst als Kaiser Hirohito auf Veranlassung von friedenswilligen Regierungsmitgliedern sein jahrelanges Schweigen brach, stimmten die Kriegsbefürworter aus Loyalität zu ihm einer Kapitulation zu. </p>



<p>Doch auch dies bedeutete nicht das Ende der Kämpfe. </p>



<p>In der Nacht vom 14. auf den 15. August versuchten jüngere Offiziere gegen die friedenswillige Fraktion zu putschen und die Nachricht des Kaisers, in der er die Kapitulation verkündete, zu vernichten. </p>



<p>Sie wollten stattdessen weiter gegen die Alliierten kämpfen. </p>



<p>Dass ihre Haltung keine Ausnahme war, zeigten zwei Entwicklungen nach der Kapitulation.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Erstens mussten teilweise Angehörige des Kaiserhauses zu verschiedenen japanischen Truppen reisen, um diese zur Aufgabe zu bewegen.</li>



<li>Zweitens hielten sich bis in die 1970ern Jahre einzelne Soldaten der kaiserlich-japanischen Armee in den Dschungeln Südostasiens versteckt, da sie die Kapitulation nicht wahrhaben wollten.</li>
</ul>



<p>Doch der Putsch scheiterte bereits nach wenigen Stunden, da es den Putschisten nicht gelang, das Militär am Kaiserhof auf ihre Seite zu ziehen, und vor allem die Nachricht von Hirohito nicht zerstört werden konnte. </p>



<p>Daher kapitulierte Japan am 2. September 1945 und beendete so den Zweiten Weltkrieg.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte der Zweite Weltkrieg geendet, wenn der Putsch erfolgreich gewesen wäre und die Japaner im September 1945 weitergekämpft hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="blacklist">20. 1946: Die erfolgreiche Operation &#8222;Blacklist&#8220;</h3>



<p>Nach der Kapitulation besetzten die USA Japan vollständig und wollten das Land demilitarisieren, demokratisieren und eine Friedenswirtschaft aufbauen.</p>



<p>Entscheidend für diese Phase waren zwei Personen beziehungsweise deren Rollen.</p>



<p>Auf japanischer Seite war dies Kaiser Hirohito, dessen Rolle im Zweiten Weltkrieg noch umstritten war. </p>



<p>Einerseits hatte er die Kriege und Verbrechen der japanischen Armee bis 1945 abgesegnet. Andererseits war er auch daran beteiligt, dass das Land schließlich bedingungslos kapitulierte und sich friedlich der US-amerikanischen Besatzungsherrschaft unterwarf.</p>



<p>So war 1945 bezeichnenderweise der Kaiserpalast (siehe Bild) eines der wenigen Gebäude in Tokyo, das den Krieg relativ unbeschadet überstanden hatte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="476" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Kaiserpalast-Tokyo.jpg?resize=600%2C476&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Foto des Japanischen Kaiserpalastes von 1945" class="wp-image-4237" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Kaiserpalast-Tokyo.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Kaiserpalast-Tokyo.jpg?resize=300%2C238&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Die andere Person war General Douglas MacArthur, der als Oberkommandierender der alliierten Besatzungsmächte das letzte Wort für das konkrete Ausgestalten der Besatzungsherrschaft in Japan hatte.</p>



<p>Er hatte große Gestaltungsspielräume, da die US-amerikanischen Nachkriegspläne für Japan im Vergleich zu Deutschland nicht so präzise ausgearbeitet waren.</p>



<p>Als Kriegsheld war er in der US-amerikanischen Bevölkerung beliebt. Auch bei den Japanern erwarb er sich Sympathien: Einerseits durch sein mutiges und lässiges Auftreten als Soldat, andererseits durch eine gegenüber den Japanern freundliche Rhetorik.</p>



<p>MacArthur galt aber auch als arroganter und selbstverliebter Charakter, der Vorschriften nach eigenen Gutdünken und entgegen den Weisungen aus Washington anwandte.</p>



<p>Er musste nun über das Schicksal des Kaisers entscheiden. </p>



<p>Denn viele US-amerikanische Politiker und Militärs forderten mindestens eine Anklage gegen Hirohito bei den anstehenden Kriegsverbrecherprozessen.</p>



<p>MacArthur entschied jedoch, den Kaiser zu verschonen und stattdessen als nationales Symbol beizubehalten, um den demokratischen Umbruch abzusichern.</p>



<p>So wies er seinen Stab an, entlastendes Material zu recherchieren und in den Kriegsverbrecherprozessen Angeklagte so zu beeinflussen, dass sie die Schuld für die Verbrechen auf sich nahmen — die schließlich erfolgreiche <em>&#8222;Operation Blacklist&#8220;</em>.</p>



<p>Auch gegenüber Kritik aus Washington verteidigte MacArthur seinen Kurs: Sein Argument war, dass es ohne den Kaiser zu einem Guerillakrieg der bislang friedlich gebliebenen Japaner gegen die US-amerikanischen Besatzer käme.</p>



<p>Diese herausragende Stellung von Hirohito in der Bevölkerung gilt mittlerweile aber als nicht mehr unumstritten. Denn viele Japaner waren mit dem unmittelbaren Überleben im Nachkriegselend beschäftigt.</p>



<p>Hirohito füllte danach seine Rolle insofern aus, dass er den Kurs von MacArthur zur Demokratisierung unterstützte und so gegen die noch bestehenden nationalen Kräfte abschirmte.</p>



<p>Zum Beispiel im Geschichtsbild gegenüber den Nachbarstaaten oder beim Besuch des nationalistischen Yasukuni-Schreins – beides Symbole für die im Land nicht aufgearbeitete Rolle Japans im Zweiten Weltkrieg – gab er sich liberaler als die meisten demokratisch gewählten konservativen Regierungen.</p>



<p>Kritiker bemängeln aber, dass durch das Verschonen von Hirohito die alten Eliten ebenfalls eine Symbolfigur behielten, wodurch eine gesellschaftlich breite und dauerhafte Demokratisierung unterblieb.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Japan entwickelt, wenn sich MacArthur dazu entschieden hätte, Kaiser Hirohito doch anzuklagen?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="ldp">21. 1994: Die kurzlebige Koalitionsregierung</h3>



<p>Seit den 1950er Jahren hatte die &#8222;Liberaldemokratische Partei&#8220; (LDP) als absolute Regierungspartei Nachkriegsjapan dominiert. </p>



<p>Sie profitierte dabei neben dem enormen wirtschaftlichen Erfolg von einer engen Bindung an Unternehmen und die Ministerialbürokratie, ein zeitweise <em>&#8222;eisernes Dreieck&#8220;</em> genanntes Beziehungsgeflecht bis auf lokale Ebene.</p>



<p>Ein Symbol für den Aufstieg von Japan zur wirtschaftlichen Großmacht war die Skyline von Tokyo aus zahlreichen modernen Wolkenkratzern (siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Tokyo.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Panoramabild der Wolkenkratzer von Tokyo in Japan" class="wp-image-4239" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Tokyo.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Tokyo.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(nyker/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Anfang der 1990er Jahre schien dieses politische Modell an ein Ende zu kommen. </p>



<p>Nicht nur geriet die japanische Wirtschaft durch das Platzen der <em>&#8222;Seifenblasenwirtschaft&#8220;</em> in die Rezession. Auch mehrere Korruptionsskandale nährten erstmals Zweifel an der LDP und deren  <em>&#8222;eisernem Dreieck&#8220;</em>.</p>



<p>So kam es 1993 nach politischen Turbulenzen erstmals seit 1948 mit Hosokawa Morihito zur Wahl eines Nicht-LDP-Politikers als Premierminister. Die LDP wurde sogar durch eine Sieben-Parteien-Koalition in der Regierung abgelöst und in die Opposition geschickt.</p>



<p>Hosokawa Morihito selbst galt zu Beginn seiner Amtszeit als sehr populär. Seine Regierung hatte einige starke Persönlichkeiten wie Ozawa Ichirō, der 1994 durch programmatische Schriften zur Außen- und Regionalpolitik für Aufsehen gesorgt hatte.</p>



<p>Die neue Koalition reformierte zwar die Wahlgesetze und Bestimmungen für den politischen Wettbewerb.</p>



<p>Sie war jedoch instabil und primär von der Antipathie gegen die LDP zusammengehalten.</p>



<p>Dennoch gelang es letzterer, selbst von einer Spaltung bedroht, 1994 zwei Parteien aus der Koalition zu lösen und wieder in die Regierung zu kommen.</p>



<p>Seitdem dominiert sie wieder die japanische Politik — bis heute.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn es der LDP 1994 nicht mehr gelungen wäre, die Regierungskoalition rechtzeitig vor der eigenen Spaltung zu spalten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="fukushima">22. 2011: Die verheerende Katastrophe von Fukushima (neu)</h3>



<p>Als am 11. März 2011 im Nordosten Japans die Erde bebte war dies der Auftakt zur größten Katastrophe in der neueren Geschichte Japans.</p>



<p>Das Erdbeben der Stärke 9,0 auf der Richter-Skala war bis Zentral-Japan zu spüren. Hinzu kamen in den folgenden Stunden und Tagen über 80 Nachbeben der Stärke 6,0 oder mehr.</p>



<p>Die Folge des massiven Erdbebens, dessen Wucht die Insel Honshu mehrere Meter nach Osten verschob, war ein Tsunami in Höhe von über 15 Metern. Dieser verwüstete einen Küstenstreifen von circa 1.000 Kilometern in Nordostjapan und war Todesursache bei 90 % der 22.000 Toten der <em>„Großen Katastrophe von Ost-Japan“.</em></p>



<p>Anschließend eskalierte die Lage am dortigen Atomkraftwerk Fukushima I, das von der Tsunami-Welle überspült wurde. Dadurch entfiel die Stromversorgung für die Reaktorkühlung. Es kam in drei Blöcken zu einer Kernschmelze, die Luft und Wasser radioaktiv verseuchte.</p>



<p>Diese <em>„Dreifachkatastrophe“</em> stellte selbst die katastrophenerfahrenen japanischen Behörden vor enorme Herausforderungen. Zusätzlich zur aufwändigen Suche nach Vermissten, der Versorgung der Verletzten und der Bergung der Toten mussten sie die Region um das Atomkraftwerk evakuieren und die Folgen der Kernschmelze bewältigen.</p>



<p>Dabei sah es lange Zeit nach einer viel größeren Katastrophe aus: Die politische Führung um den Premierminister Kan Naoto beklagte vor allem mangelnde Informationen des Kraftwerksbetreibers TEPCO. Die eigentlich zuständige Atomaufsichtsbehörde erwies sich als wenig hilfreich, da ihr Leiter ein Ökonom ohne Expertise im Bereich Atomkraft war.</p>



<p>Zeitweise wollte TEPCO das Atomkraftwerk sogar aufgeben, da die Lage dort vollkommen außer Kontrolle zu geraten schien. Im Raum stand im schlimmsten Fall eine Evakuierung Nordostjapans und des Großraums Tokyo mit circa 50 Millionen Menschen.</p>



<p>Premierminister Kan zwang aber TEPCO alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um diesen schlimmsten Fall abzuwenden. Am Ende gelang es einigen wenigen Fachleuten vor Ort mit <em>„einer Portion Glück“</em> (Wolfgang Schwentker) die Kühlung der Brennelemente wiederherzustellen und eine weitere Eskalation zu verhindern.</p>



<p>Bis heute ist das Atomkraftwerk Fukushima jedoch Katastrophengebiet. Die Maßnahmen zur Stabilisierung und anschließenden Stilllegung der Anlage sollen 30 bis 40 Jahre dauern.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Lage im Atomkraftwerk Fukushima nochmals eskaliert wäre?</pre>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Jan von Flocken: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article155939149/So-rettete-Kamikaze-Japan-vor-dem-Untergang.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">So rettete Kamikaze Japan vor dem Untergang.</a> Mongolen-Sturm, auf: welt.de (05.06.2016).</li>



<li>GEO Epoche: Das kaiserliche Japan. Samurai und Shogune, Mönche und Kaiser, Geisha und Kurtisanen: Wie sie die Geschicke der ältesten Monarchie der Welt bestimmten. Februar 2006.</li>



<li>GEO Epoche: Der Zweite Weltkrieg. Teil 1 1939-1942. Von Polen bis zum Pazifik: Wie die Katastrophe begann. Juni 2010.</li>



<li>GEO Epoche: Der Zweite Weltkrieg. Teil 2 1943-1945. Von der Ostfront bis Nagasaki: Wie die Katastrophe endete. August 2010.</li>



<li><a href="https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte/Shinto_Mittelalter/Kamikaze" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Götterwinde Religion und Krieg zur Zeit der mongolischen Eroberungen</a>, auf Bernhard Scheid, <em>Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch</em>. Universität Wien, seit 2001.</li>



<li>Daniel Hedinger: <a href="https://www.nzz.ch/international/kapitulation-japans-in-asien-dauerte-der-zweite-weltkrieg-laenger-ld.1570650" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der letzte japanische Soldat kämpfte fast dreissig Jahre über das Kriegsende hinaus – sein Fall sagt viel über den Zweiten Weltkrieg in Asien aus</a>, auf: nzz.de (15.08.2020).</li>



<li>Felix Hill: <a href="https://www.deutschlandfunk.de/japans-kronprinz-und-kaiser-hirohito-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kaiser / Vor 100 Jahren übernahm Japans Kronprinz Hirohito die Regentschaft</a>, auf: deutschlandfunk.de (25.11.2021).</li>



<li>Josef Kreiner (Hrsg.): Geschichte Japans. Ditzingen 2018.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Japan&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1049976245" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Jasmin Lörchner: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/teruo-nakamura-und-co-japans-letzte-weltkriegssoldaten-versteckt-im-dschungel-a-99a09f95-5c89-482c-a3f1-73f6c7cb631f" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Japans letzte Krieger.</a> Versteckt im Dschungel, auf: spiegel.de (14.09.2020).</li>



<li>Maria-Laura Mitsuoka: <a href="https://www.japandigest.de/kulturerbe/geschichte/geschichte/aus-edo-wird-tokyo-der-traum-eines-shoguns/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Aus Edo wird Tōkyō – Der Traum eines Shōguns</a>, auf: Japandigest.de (06.10.2022).</li>



<li>Maria-Laura Mitsuoka: <a href="https://www.japandigest.de/kulturerbe/geschichte/geschichte/shimabara-rebellion/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Shimabara-Rebellion: Der größte Aufstand der Edo-Zeit</a>, auf: Japandigest.de (14.10.2022).</li>



<li>Maria-Laura Mitsuoka: <a href="https://www.japandigest.de/kulturerbe/geschichte/geschichte/minamoto-no-yoritomo/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Minamoto-no-Yoritomo: Von Krieg und Brudermord</a>, auf: Japandigest.de (26.12.2022).</li>



<li>Maria-Laura Mitsuoka: <a href="https://www.japandigest.de/kulturerbe/geschichte/geschichte/oda-nobunaga/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Oda Nobunaga: Der Große Teufel des Sechsten Himmels</a>, auf: Japandigest.de (12.01.2021).</li>



<li>Maria-Laura Mitsuoka: <a href="https://www.japandigest.de/kulturerbe/geschichte/geschichte/uesugi-kenshin/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Uesugi Kenshin – Der Tiger von Echigo</a>, auf: Japandigest.de (31.05.2021).</li>



<li>Manfred Pohl: Geschichte Japans. München 2014.<a href="https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1033272359?pid=1574010-Japan&amp;partner_ref=Japan&amp;contactdate=1718136992&amp;group_id=0&amp;banner_id=0&amp;product_id=0&amp;utm_medium=affiliate&amp;utm_source=ankerpunkte-blog.de&amp;sv1=affiliate&amp;sv_campaign_id=1574010&amp;awc=14158_1718136992_98d4e07b1e3630e864f33bb5ce4dc68a&amp;ProvID=10911403" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Uwe Schmitt: <a href="https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article114766366/Warum-Japans-Kaiser-nicht-gehaengt-werden-durfte.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Warum Japans Kaiser nicht gehängt werden durfte.</a> Krieg im Pazifik, auf: welt.de (26.03.2013).</li>



<li>Wolfgang Schwendtker: Die Samurai. München 2019.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Japan&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1068178906" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Wolfgang Schwentker: Geschichte Japans. München 2022.<a href="https://www.thalia.de/shop/home/suggestartikel/A1056699175?pid=1574010-Japan&amp;partner_ref=Japan&amp;contactdate=1718136984&amp;group_id=0&amp;banner_id=0&amp;product_id=0&amp;utm_medium=affiliate&amp;utm_source=ankerpunkte-blog.de&amp;sv1=affiliate&amp;sv_campaign_id=1574010&amp;awc=14158_1718136984_e35186e4bd3474b175913839ab893045&amp;ProvID=10911403" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article688b396deba40421e07df71f/Japan-1945-Der-Kriegsminister-und-acht-hohe-Militaers-schlitzten-sich-den-Bauch-auf.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Kriegsminister und acht hohe Militärs schlitzten sich den Bauch auf.</a> Putsch gegen Japans Kaiser, auf: welt.de (22.08.2025).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article227943715/Samurai-Gegen-Gewehre-hatten-sie-bei-Nagashino-keine-Chance.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Eine Waffe aus Portugal vernichtete Japans Samurai.</a> Schlacht bei Nagashino 1575, auf: welt.de (10.03.2021).</li>



<li>SPIEGEL Geschichte: Japan. Das geheimnisvolle Kaiserreich. September 2011.</li>



<li>Florian Stark: <a href="https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article213576548/Kapitulation-Japans-Wie-der-Pazifikkrieg-fast-weitergegangen-waere.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie der Weltkrieg im Pazifik beinahe weitergegangen wäre.</a> Kapitulation Japans 1945, auf: welt.de (15.08.2020).</li>



<li>ZEIT Geschichte: 1945. Auschwitz, Berlin, Hiroshima: Die Welt zwischen Krieg und Frieden. Februar 2015.</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/alternative-history-japan/">22 Punkte, an denen die Geschichte von Japan vielleicht anders verlaufen wäre</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/alternative-history-japan/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">674</post-id>	</item>
		<item>
		<title>1862: Die Fahrt des Leviathan von Oliver Henkel</title>
		<link>https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-fahrt-des-leviathan-oliver-henkel/</link>
					<comments>https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-fahrt-des-leviathan-oliver-henkel/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Sep 2022 15:15:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Romane und Filme]]></category>
		<category><![CDATA[Verschwundene Reiche]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ankerpunkte-blog.de/?p=2983</guid>

					<description><![CDATA[<p>Während des &#8222;Amerikanischen Bürgerkriegs&#8220; gerät die preußische Kolonie Karolina, das frühere South Carolina, zwischen die Fronten. Mittendrin ermittelt der schwarze Soldat Wilhelm Pfeyfer und könnte damit den Krieg entscheidend beeinflussen. Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal am 01. September 2022. Er wurde seitdem am 24. September 2022 überarbeitet. Ankerpunkt Der &#8222;Amerikanische Bürgerkrieg&#8220; Von 1861 bis [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-fahrt-des-leviathan-oliver-henkel/">1862: Die Fahrt des Leviathan von Oliver Henkel</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Während des <em>&#8222;Amerikanischen Bürgerkriegs&#8220;</em> gerät die preußische Kolonie Karolina, das frühere South Carolina, zwischen die Fronten. Mittendrin ermittelt der schwarze Soldat Wilhelm Pfeyfer und könnte damit den Krieg entscheidend beeinflussen.</p>



<span id="more-2983"></span>



<p><em>Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal am 01. September 2022. Er wurde seitdem am 24. September 2022 überarbeitet.</em></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#buergerkrieg">Der &#8222;Amerikanische Bürgerkrieg&#8220;</a></li>



<li><a href="#greateastern">Die Great Eastern</a></li>



<li><a href="#mohren">Die &#8222;preußischen Mohren&#8220;</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#karolina">Preußisch Karolina</a></li>



<li><a href="#kolonie">Die gespaltene Kolonie</a></li>



<li><a href="#leviathan">Die konföderierte &#8222;Leviathan&#8220;</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#unklar">Unklarer Ankerpunkt</a></li>



<li><a href="#positiv">Das positive Karolina</a></li>



<li><a href="#figuren">Realistische Figuren</a></li>



<li><a href="#charaktere">Historische Charaktere</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="buergerkrieg">Der &#8222;Amerikanische Bürgerkrieg&#8220;</h3>



<p>Von 1861 bis 1865 tobte in <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">Vereinigten Staaten</a> der <em>&#8222;Amerikanische Bürgerkrieg&#8220;</em>. </p>



<p>Der Grund dafür lag an zwei Streitpunkten, die die Bundesstaaten der USA seit ihrer Gründung entzweiten.</p>



<p>Erstens die Frage, wie das Verhältnis zwischen dem Bund und seinen Bundesstaaten ausgestaltet war. Während die Südstaaten ihre Autonomie notfalls mit einer Abspaltung verteidigen wollten, sahen die Nordstaaten den Bund als ewig und unauflösbar an.</p>



<p>Zweitens sorgte der Streit um die Sklaverei (siehe Bild) für eine emotionale Eskalation. Die Staaten im Süden der USA hatten ihre Wirtschaft und ihr Gesellschaftsmodell auf der Arbeit und den Status von Sklaven aufgebaut. Im Norden bekamen dagegen die Sklavereigegner immer mehr Zulauf.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="306" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Sklavenmarkt.jpg?resize=600%2C306&#038;ssl=1" alt="Gravur eines Sklavenmarktes von 1856" class="wp-image-2341" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Sklavenmarkt.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Sklavenmarkt.jpg?resize=300%2C153&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Als mit Abraham Lincoln 1860 ein gemäßigter Sklavereigegner zum Präsidenten gewählt wurde, eskalierte der Konflikt.</p>



<p>Die meisten US-Bundesstaaten, in denen Sklaverei herrschte, verließen die Union bis ins Frühjahr 1861 und wollten als <em>&#8222;Konföderierte Staaten von Amerika&#8220;</em> ihre Unabhängigkeit mit Gewalt erringen.</p>



<p>Doch die Nordstaaten, oftmals <em>&#8222;Union&#8220;</em> genannt, wollten dies nicht zulassen und mobilisierten ebenfalls ihre militärischen Kräfte.</p>



<p>Dass sich dieser Konflikt nicht schnell beenden ließ, zeigte sich aber 1862. </p>



<p>Zwar hatte die Armee der Union im September den Vormarsch der Konföderierten in der blutigen Schlacht von Antietam aufgehalten.</p>



<p>Doch im Gegenzug zögerte der General der Nordstaaten, George B. McClellan, die geschlagenen Feinde zu verfolgen.</p>



<p>Erst sein Nachfolger, Ambrose Burnside, ging im November in die Offensive. </p>



<p>Doch er erlitt in der Schlacht von Fredericksburg eine verherrende Niederlage gegen seinen Kontrahenten Robert E. Lee. </p>



<p>Danach geriet die Kriegsführung der Union in eine Krise, die sich erst mit der Schlacht von Gettysburg (siehe Bild) und der gleichzeitigen Eroberung von Vicksburg am Mississippi 1863 legte.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="423" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Schlacht-von-Gettysburg.jpg?resize=600%2C423&#038;ssl=1" alt="Panoramabild der Schlacht von Gettysburg" class="wp-image-2340" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Schlacht-von-Gettysburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Schlacht-von-Gettysburg.jpg?resize=300%2C212&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Danach war das Offensivpotenzial der Konföderierten so erschöpft, dass die Initiative bis Kriegsende und der Kapitulation der Südstaaten bei der Union blieb.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="greateastern">Die Great Eastern</h3>



<p>Als die spätere <em>&#8222;Great Eastern&#8220;</em> 1857 vom Stapel lief, galt sie nicht nur als das größte, sondern auch als das modernste Schiff ihrer Zeit.</p>



<p>Der Segeldampfer (siehe Bild) bot circa 4.000 Passagieren Platz und hätte mit seinen Kohlevorräten theoretisch einmal die Erde umrunden können, ohne einen Hafen anlaufen zu müssen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="279" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Bild-Great-Eastern.jpg?resize=600%2C279&#038;ssl=1" alt="Illustration der Great Eastern" class="wp-image-3022" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Bild-Great-Eastern.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Bild-Great-Eastern.jpg?resize=300%2C140&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Morphart Creation/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Als sie zum ersten Mal von Großbritannien nach New York auslief, schaffte sie die Strecke in nur neun Tagen, während Segelschiffe 40 Tage dafür benötigten.</p>



<p>Doch das Schiff hatte damals schon einen Ruf als Unglücksbringer.</p>



<p>Der erste Stapellauf scheiterte und zwei Matrosen starben. Der Konstrukteur des Schiffes, Isambard Kingdom Brunel, erlitt dabei einen Schlaganfall, an dem er später starb.</p>



<p>Weitere Unfälle sorgten für weniger Passagiere als erwartet und die <em>&#8222;Great Eastern&#8220;</em> erwies sich als dauerhaftes Zuschussgeschäft.</p>



<p>Als sie 1862 vor New York noch auf ein bis dahin nicht kartiertes Riff lief, was sie wegen ihrer fortschrittlichen Konstruktion ohne Gefahr überstand, ging ihre Reederei pleite.</p>



<p>Danach fand das Schiff verschiedene Verwendungen: Zum Beispiel als Kabelleger für das erste Unterseekabel zwischen Großbritannien und den USA.</p>



<p>Doch als Passagierschiff hatte es nie Erfolg, bis es 1886 bis 1889 abgewrackt wurde.</p>



<p>Es hatte nichts geholfen, dass die Reederei das Schiff nach dem gescheiterten Stapellauf umbenannt hatte. Vorher hieß es <em>&#8222;Leviathan&#8220;.</em></p>



<h3 class="wp-block-heading" id="preußischemohren">Die preußischen &#8222;Mohren&#8220;</h3>



<p>Die Anwesenheit von &#8222;dunkelhäutigen&#8220; &#8222;Exoten&#8220; war an den europäischen Fürstenhöfen ab dem 17. Jahrhundert nicht ungewöhnlich.</p>



<p>Beim Begriff &#8222;Mohr&#8220; differenzierten die damaligen Quellen jedoch nicht nach der Herkunft der jeweiligen Personen.</p>



<p>Sie verstanden darunter quasi alle Nicht-Europäer dunkler Hautfarbe aus Asien und Afrika.</p>



<p>Die meisten von diesen kamen als Sklaven oder Kriegsgefangene nach Europa. Dort wurden sie weiterverkauft oder aus politischen Gründen &#8222;verschenkt&#8220;.</p>



<p>An den Fürstenhöfen wurden sie oftmals getauft und erhielten eine nach damaligen Verständnis gute Bildung. Als Beispiel dafür galten der ghanaisch-preußische Philosoph und Jurist Anton Wilhelm Amo sowie der Hofdiener und Freimaurer Angelo Soliman.</p>



<p>Da für sie als <em>&#8222;exotische Prestigeobjekte&#8220; </em>teilweise hohe Summen beim Kauf geflossen waren, erhielten sie oftmals eine bessere Behandlung als die durchschnittliche Bevölkerung.</p>



<p>Denn oftmals galten sie durch ihre &#8222;Zivilisierung&#8220; als Beispiel für die Überlegenheit der europäischen Kultur und mehrten so das Prestige ihrer jeweiligen &#8222;Herren&#8220;<em>.</em> </p>



<p>Zuletzt blieben diese <em>&#8222;Hofmohren&#8220;</em> dennoch meistens ihr ganzes Leben lang Sklaven und waren selbst nach einer Freilassung fast vollständig rechtlos sowie oftmals weiter abhängig von ihren ehemaligen <em>&#8222;Besitzern&#8220;</em>.</p>



<p>So verstarb Amo nach dem Tod seines Förderers verarmt und zurückgezogen in seiner alten Heimat Guinea. Soliman wurde sogar trotz Protesten seiner Familie und seiner Freunde nach seinem Tod ausgestopft und im k.u.k. Naturalienkabinett ausgestellt.</p>



<p>Oftmals dienten sie auch als Musiker unter anderem in der preußischen Armee. Als Eigentum des preußischen Königs waren sie dort als <em>&#8222;Mohrenpfeifer oder -tamboure&#8220;</em> aktiv und bezogen sogar Gehälter.</p>



<p>Wie alle Soldaten der preußischen Armee bis zu den Reformen im 19. Jahrhundert waren sie in den Häusern der zivilen Bevölkerung einquartiert und durften auch heiraten.</p>



<p>Doch diese relativ offene Haltung und die Existenz dieser &#8222;preußischen Mohren&#8220; endete spätestens im 19. Jahrhundert, als die Konzepte des Rassismus nochmals verstärkt eine Ungleichheit von Weißen und Schwarzen propagierten.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="karolina">Preußisch Karolina</h3>



<p>Im Jahr 1862 geht der <em>&#8222;Amerikanische Bürgerkrieg&#8220;</em> bereits in das zweite Jahr. Die preußische Kolonie Karolina, das ehemalige South Carolina, gerät dabei immer mehr zwischen die Fronten.</p>



<p>Denn wie die folgende Karte zeigt, liegt das fiktive Karolina (lila) für die Konföderation strategisch günstig.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="382" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Karte-Amerikanischer-Buergerkrieg.jpg?resize=600%2C382&#038;ssl=1" alt="Karte des Amerikanischen Bürgerkriegs" class="wp-image-3021" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Karte-Amerikanischer-Buergerkrieg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Karte-Amerikanischer-Buergerkrieg.jpg?resize=300%2C191&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Rainer Lesniewski/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Die Nordstaaten haben enorme Probleme, die rebellischen Südstaaten zu schlagen und verdächtigen Karolina, als Ausgangspunkt für Waffenschmuggel zu dienen.</p>



<p>Bei den Konföderierten ist die preußische Kolonie sogar noch mehr verhasst. Denn sie bietet entflohenen Sklaven Schutz und integriert diese in die Kolonie sowie das preußische Militär (siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="657" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Preussische-Soldaten.jpg?resize=600%2C657&#038;ssl=1" alt="Bild von zwei preußischen Soldaten" class="wp-image-3020" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Preussische-Soldaten.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Preussische-Soldaten.jpg?resize=274%2C300&amp;ssl=1 274w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption"> (Marzolino/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Einer dieser Schwarzen Soldaten ist Major Wilhelm Pfeyfer, Kommandant des Militär-Sicherheits-Detachements in der Hauptstadt Friedrichsburg und preußischer Soldat wie aus dem Bilderbuch. </p>



<p>Eigentlich für die Sicherheit beim Besuch des preußischen Königs und seines Thronfolgers zuständig, erhält er in Washington neue Befehle.</p>



<p>Das britische Schiff <em>&#8222;Great Eastern&#8220;</em>, das die preußische Delegation nach Amerika brachte, lief vor New York auf ein Riff. Pfeyfer soll die Umstände dieses angeblichen Unfalls klären.</p>



<p>Zwar ergeben sich keine Anhaltspunkte für ein Attentat, aber der Vorfall gibt dem <em>&#8222;Amerikanischen Bürgerkrieg&#8220;</em> und den Plänen der Konföderierten, Karolina &#8222;zurückzuerobern&#8220; eine überraschende Wendung.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="kolonie">Die gespaltene Kolonie</h3>



<p>In der Hauptstadt von Karolina, Friedrichsburg (siehe Bild von Charleston aus der heutigen Zeit), versucht inzwischen die Lehrerin Amalie von Rheine, sich in der ungewöhnlichen Umgebung und an der <em>&#8222;Karolingischen Höheren Töchterschule&#8220;</em> zurechtzufinden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="690" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Altstadt-Charleston.jpg?resize=600%2C690&#038;ssl=1" alt="Altstadt von Charleston South Carolina" class="wp-image-2767" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Altstadt-Charleston.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Altstadt-Charleston.jpg?resize=261%2C300&amp;ssl=1 261w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">  (f11photo/Shuttestock)</figcaption></figure>



<p>Sie bemerkt schnell, dass die Kolonie in sich gespalten ist. </p>



<p>Während die Weißen mehrheitlich liberal und republikanisch gesinnt sind, ist die nicht-weiße Bevölkerung seit der Befreiung aus der Sklaverei dem preußischen Königshaus treu und konservativ. </p>



<p>Entsprechend bevorzugen beide Bevölkerungsteile unterschiedliche Seiten im <em>&#8222;Amerikanischen Bürgerkrieg&#8220;</em>.</p>



<p>Die Lage verschärft sich zusätzlich, da die Wirtschaft der Provinz unter dem Bürgerkrieg und der daraus resultierenden Handelsblockaden leidet. </p>



<p>Zuletzt versuchen die Südstaaten noch, mithilfe von Sympathisanten in der englischsprachigen Bevölkerung Unruhen zu schüren, um eine Anerkennung der Konföderation oder sogar eine Abspaltung Karolinas auszulösen.</p>



<p>Diese Unruhe lässt auch nicht nach, als der preußische König seinen liberal gesinnten Sohn und Thronfolger Friedrich als Gouverneur der Provinz zurücklässt.</p>



<p>Von Rheine gerät in diese Spannungen, da die Direktorin der Schule, Rebekka Heinrich, als Schwarze und Liberale nicht nur zwischen allen Gruppierungen steht, sondern auch als Agitatorin politisch aktiv ist.</p>



<p>Ebenfalls vor Ort ist Alvin H. Healy, der nach außen die <em>&#8222;Richmond-Handelsgesellschaft&#8220;</em> vertritt. Eigentlich ist er damit Verantwortlicher für eine der chronisch erfolglosen Tarnfirmen, mit denen die Konföderierten die Blockade der Unionsstaaten umgehen wollen. </p>



<h3 class="wp-block-heading" id="leviathan">Die konföderierte &#8222;Leviathan&#8220;</h3>



<p>Doch die Dinge geraten durch das Auftreten eines undurchsichtigen Herrn weiter in Bewegung. </p>



<p>Während er sich gegenüber Pfeyfer als <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/im-jahre-ragnaroek-oliver-henkel/">Geheimpolizist</a> Krüger im Auftrag der preußischen Regierung ausgibt, tritt er gegenüber Healy und den Konföderiertensympathisanten als österreichischer Geheimagent Wenzel Edler von Kolowrath auf.</p>



<p>Ein zweifacher Mord im Hafenviertel, bei dem der Stellvertreter Pfeyfers sowie ein bekannter Verleger und Konföderiertensympathisant ums Leben kommen, sorgt für weitere Unruhe.</p>



<p>Während die US-Amerikaner sich zwischen den Schlachten von Antietam und Fredericksburg zerfleischen, gerät Karolina immer mehr in Gefahr durch die internen Unruhen sowie die Pläne der Konföderiertensympathisanten.</p>



<p>Im Rahmen dieser Planungen kauft die <em>&#8222;Richmond-Handelsgesellschaft&#8220;</em> schließlich die <em>&#8222;Great Eastern&#8220;</em> und bringt sie in den Hafen von Friedrichsburg. Sie wird dort in <em>&#8222;Leviathan&#8220;</em> umbenannt &#8211; doch das wird nicht die einzige Änderung sein.</p>



<p>In der immer weiter eskalierenden Lage müssen Pfeyfer, Heinrich und von Rheine nicht nur versuchen, Karolina zu schützen, sondern auch ihre eigenen Überzeugungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="unklar">Unklarer Ankerpunkt</h3>



<p><em>&#8222;Die letzte Fahrt des Leviathan&#8220;</em> ist eine Fortsetzung der Kurzgeschichte <em>&#8222;Mr. Lincoln fährt nach Friedrichsburg&#8220;</em> aus Oliver Henkels Sammelband <em><a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/wechselwelten-oliver-henkel/">&#8222;Wechselwelten&#8220;</a></em>.<em> </em></p>



<p>Diese endete mit einem durchaus spannenden Ausblick auf Abraham Lincolns Leben. Dieses Szenario setzt der Roman nun fort.</p>



<p>Eine historische Bewertung des vorerst letzten Werks von Oliver Henkel ist allerdings schwer. </p>



<p>Denn der Ankerpunkt, also die preußische Eroberung von South Carolina während des <em>&#8222;Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs&#8220;</em> wird zwar mehrfach angedeutet und konkretisiert, bleibt aber trotzdem von seinen Gründen her unklar.</p>



<p>Der Roman macht sogar innerhalb seiner Erzählung ein Geheimnis um die preußische Annexion und das Einverständnis der Gründerväter der USA, was etwas verschwörungstheoretisch wirkt.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="positiv">Das positive Karolina</h3>



<p>Insgesamt wirkt die Alternativwelt von <em>&#8222;Preußisch Karolina&#8220;</em> eher wie ein erzählerischer Kniff von Oliver Henkel als ein halbwegs realistisches <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">Alternative History Szenario</a>.</p>



<p>Die preußische Provinz erscheint als ein Land, indem sich zuerst ein positives Bild <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/kaisertag-oliver-henkel/">des alten Preußens</a> durchgesetzt hat: Die religiöse und &#8222;rassische&#8220; Toleranz führt zu ehemaligen Sklaven und Native Americans, die sogar Offiziere und Adelige werden können.</p>



<p>Dass Preußen bis 1918 jedoch sehr intolerant gegenüber &#8222;Minderheiten&#8220;, vor allem im Offizierskorps war, zeigt die Erzählung um einen jüdischen Leutnant, der aufgrund der Diskriminierungen kurz vor dem Verrat steht.</p>



<p>Dass dagegen Schwarze sich größtmöglicher Toleranz erfreuen, erscheint dagegen zwar wünschenswert, aber auch ebenso unrealistisch. Ebenso wie diverse Freiheiten, die in der amerikanischen Provinz Preußens für die Bevölkerung gelten.</p>



<p>Rede- und Pressefreiheit, die Prinz Heinrich bei der Annexion der Provinz im 18. Jahrhundert versprochen hatte, halten dort bis 1862. Und dies obwohl – wie <em>&#8222;Die letzte Fahrt des Leviathan&#8220;</em> auch offen zugibt – die preußischen Könige bis dahin nichts von diesen Freiheiten hielten.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="figuren">Realistische Figuren</h3>



<p>Bei <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/zeitmaschine-karls-des-grossen-oliver-henkel/">den handelnden Personen</a> wirkt der Roman dagegen durchaus realistisch.</p>



<p>So ist Pfeyfer quasi der einzige &#8222;echte&#8220; Preuße, der sein Vaterland liebt, weil er die Stabilität des königlichen Staates schätzt und dessen Tugenden komplett verinnerlicht hat.</p>



<p>Nur seine Stellung erschien mir etwas seltsam. Zwar gehört er zu den höchsten Offizieren der Provinz. Aber er kümmert sich quasi um alles selbst, weshalb bis auf den Anfang und das Ende unklar ist, ob das Militär-Sicherheits-Detachement nur aus ihm, seinem Stellvertreter und einem Adjutanten zum Kaffeemachen besteht.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="835" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Buchcover-Die-Fahrt-des-Leviathan.jpg?resize=600%2C835&#038;ssl=1" alt="Buchcover von &quot;Die letzte Fahrt des Leviathan&quot;" class="wp-image-3018" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Buchcover-Die-Fahrt-des-Leviathan.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Buchcover-Die-Fahrt-des-Leviathan.jpg?resize=216%2C300&amp;ssl=1 216w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Amalie von Rheine und Rebekka Heinrich, die meistens zu zweit auftreten, kämpfen dagegen für ihre liberalen Prinzipien, die nicht nur den Wünschen Pfeyfers gegenüber stehen.</p>



<p>Zwar gibt ihnen der Roman in Preußisch-Karolina mehr Freiheiten als bürgerlichen Frauen im 19. Jahrhundert normalerweise. Aber auch für sie gibt es die Grenzen der preußischen Gesellschaft.</p>



<p>Ein Vorzug von <em>&#8222;Die letzte Fahrt des Leviathan&#8220;</em> ist, dass er seine Charaktere wie Pfeyfer nicht so einfach aus ihren Beschränkungen und Zwiespälten entlässt. Erst am Ende entwickeln sich Pfeyfer und Heinrich weiter, was aber weniger für von Rheine gilt.</p>



<p>Auch die (konföderierten) Verschwörer zeigen sich durchaus beschränkt, wobei ihr Hass auf die Nordstaaten, die Preußen in Karolina und besonders die dortige Schwarze Bevölkerung sehr realistisch wirken. </p>



<p>Nur die große Auskunftsfreude in ihrer Gruppe erstaunt angesichts der Ermittlungen Pfeyfers.</p>



<p>Neben Pfeyfer und Heinrich verblassen die anderen Hauptcharaktere etwas. Sie wirken deutlich holzschnittartiger, obwohl Oliver Henkel zum Beispiel bei Alvin H. Healy den Versuch einer Weiterentwicklung unternimmt.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="charaktere">Historische Charaktere</h3>



<p>Dazwischen treten mehrere Charaktere aus der &#8222;realen&#8220; Geschichte auf: so Arthur de Gobineau als Begründer des &#8222;wissenschaftlichen&#8220; Rassismus, Theodor Fontane und Mark Twain als Reporter sowie Henry Hopkins Sibley als angreifender konföderierter General.</p>



<p>Auch die Einschübe mit Kapiteln, die die US-amerikanischen Feldzüge zwischen den Schlachten von Antietam und Fredericksburg schildern, wirken mit ihren Charakteren um Präsident Lincoln durchaus nahe an den historischen Figuren. </p>



<p>Nur bei Kronprinz Friedrich und Robert E. Lee zeigt sich eine wissenschaftlich veraltete und dadurch etwas naive Sicht. </p>



<p>So war Friedrich (siehe Bild) nicht so liberal, wie er früher in der Geschichtsschreibung und in <em>&#8222;Die letzte Fahrt des Leviathan&#8220;</em> geschildert wurde. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="873" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Friedrich-III.jpg?resize=600%2C873&#038;ssl=1" alt="Porträt des Kaisers Friedrich III" class="wp-image-1592" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Friedrich-III.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Friedrich-III.jpg?resize=206%2C300&amp;ssl=1 206w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Oleg Golovnev/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Auch Lee war deutlich ambivalenter, als sein lange bekanntes Bild, das ihn als einzigen Ehrenmann der Konföderierten darstellt.</p>



<p>Die Handlung selbst entfaltet sich durch die &#8222;realistischen&#8220; charakterlichen Beschränkungen der Charaktere sehr spannend. </p>



<p>Auch spielt Oliver Henkel daneben mit Zufällen wie bei einer versuchten Verhaftung. Tatsächlich bleibt die Handlung so bis zum Schluss spannend. </p>



<p>Die Auflösung der Geschichte ließ mich dagegen zwiespältig zurück. </p>



<p>Einerseits war sie durchaus kreativ und kam überraschend. </p>



<p>Andererseits erschien mir das Ende mit seinem Deus-ex-machina-Charakter, der von Anfang an alles in seinen Plan integriert hatte, etwas unrealistisch und entwertete aus meiner Sicht etwas die Handlungen der Hauptcharaktere.</p>



<p>Dennoch empfehle ich die <em>&#8222;Die Fahrt des Leviathan&#8220;</em> von Oliver Henkel gerne weiter.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Oliver Henkel: Die Fahrt des Leviathan. Stolberg 2012.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Die+Fahrt+des+Leviathan&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1011406401" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Maritta Adam-Tkalec: <a href="https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/multikulti-in-preussen-wie-in-berliner-schloessern-mit-exoten-umgegangen-wurde-li.60641" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Multikulti in Preußen: Wie in Berliner Schlössern mit „Exoten“ umgegangen wurde</a>, auf: berliner-zeitung.de (01.03.20217).</li>



<li>André Niedostadek: <a href="https://www.lto.de/recht/feuilleton/f/spion-geheimdienstchef-wilhelm-stieber-bismarck/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Einer der &#8222;elendesten Polizeilumpen&#8220;.</a> Bismarcks Meisterspion, auf: Legal Tribune Online (08.03.2014).</li>



<li>Manuel Opitz: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article119006544/Der-Schiffsgigant-der-Ungluecke-magisch-anzog.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Schiffsgigant, der Unglücke magisch anzog.</a> „Great Eastern“, auf: welt.de (14.08.2013).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article204276952/Fredericksburg-1862-Leichen-schwollen-auf-das-Doppelte-ihrer-Groesse-an.htmlhttps://www.welt.de/geschichte/article204276952/Fredericksburg-1862-Leichen-schwollen-auf-das-Doppelte-ihrer-Groesse-an.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Leichen schwollen auf das Doppelte ihrer natürlichen Größe an“.</a> Fredericksburg 1862, auf: welt.de (13.12.2019).</li>



<li>DER SPIEGEL Geschichte: Sklaverei. Wie Menschen zur Ware wurden – und Deutschland profitierte. September 2022.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Die+Fahrt+des+Leviathan&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1067335094" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-fahrt-des-leviathan-oliver-henkel/">1862: Die Fahrt des Leviathan von Oliver Henkel</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-fahrt-des-leviathan-oliver-henkel/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">2983</post-id>	</item>
		<item>
		<title>1985: Das Moskau-Spiel von Christian v. Ditfurth</title>
		<link>https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/das-moskau-spiel-christian-von-ditfurth/</link>
					<comments>https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/das-moskau-spiel-christian-von-ditfurth/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Feb 2022 12:49:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Romane und Filme]]></category>
		<category><![CDATA[Verschwundene Reiche]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ankerpunkte-blog.de/?p=2618</guid>

					<description><![CDATA[<p>Anfang der 1980er Jahre stand die Welt am Abgrund des &#8222;Kalten Krieges&#8220;. Doch im Jahr 2010 stellt sich heraus, dass der Atomkrieg näher war als gedacht. Ankerpunkt Die Blöcke Anfang der 1980er Jahre Anfang der 1980er Jahre stand die Welt am Rande eines Nuklearkrieges. Zwar war sie vor allem in Europa bereits seit Ende des [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/das-moskau-spiel-christian-von-ditfurth/">1985: Das Moskau-Spiel von Christian v. Ditfurth</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Anfang der 1980er Jahre stand die Welt am Abgrund des <em>&#8222;Kalten Krieges&#8220;. </em>Doch im Jahr 2010 stellt sich heraus, dass der Atomkrieg näher war als gedacht.</p>



<span id="more-2618"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#bloecke">Die Blöcke Anfang der 1980er Jahre</a></li>



<li><a href="#doppelbeschluss">Der NATO-Doppelbeschluss</a></li>



<li><a href="#marode">Die marode Sowjetunion</a></li>



<li><a href="#abgrund">Die Welt am Abgrund</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#2010">Der Mord im Jahr 2010</a></li>



<li><a href="#1980">Der Kalte Krieg in den 1980ern</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#staerke">Stärke: Charaktere und Moskau</a></li>



<li><a href="#history">Schwäche: Alternative History</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="bloecke">Die Blöcke Anfang der 1980er Jahre</h3>



<p>Anfang der 1980er Jahre stand die Welt am Rande eines Nuklearkrieges.</p>



<p>Zwar war sie vor allem in Europa bereits <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">seit Ende des Zweiten Weltkriegs</a> in die zwei Blöcke der USA-geführten, westlichen NATO (auf der Karte in blau) sowie den von der UdSSR angeführten östlichen <em>&#8222;Warschauer Pakt&#8220;</em> (rot) geteilt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="390" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Europa-Kalter-Krieg.jpg?resize=600%2C390&#038;ssl=1" alt="Karte von Europa im Kalten Krieg" class="wp-image-2649" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Europa-Kalter-Krieg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Europa-Kalter-Krieg.jpg?resize=300%2C195&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Borhax/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>In dieser Zeit verschärfte sich der Konflikt aber ein letztes Mal entscheidend.</p>



<p><a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">In den USA</a> war 1980 mit Ronald Reagan ein konservativer Hardliner Präsident geworden, der die UdSSR nicht nur als Gegner im <em>&#8222;Kalten Krieg&#8220;</em> sah. </p>



<p>Für ihn war sie das <em>&#8222;Reich des Bösen&#8220;</em>, das mit allen Mitteln zu bekämpfen und zu besiegen war.</p>



<p>Daher startete er eine gigantische Aufrüstung des US-Militärs, um die UdSSR in einem möglichen Krieg schlagen zu können. </p>



<p>Im Frieden sollte die US-Dominanz gezeigt und die Sowjetunion quasi <em>&#8222;tot gerüstet&#8220; werd</em>en.</p>



<p>In <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-mauer-steht-am-rhein-christian-von-ditfurth/">Westdeutschland</a> war dieser Kurs mehr als umstritten. 1982 brach zum Beispiel die sozial-liberale Koalition des Kanzlers Helmut Schmidt an der Frage des <em>&#8222;NATO-Doppelbeschlusses&#8220;</em> auseinander.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="doppelbeschluss">Der NATO-Doppelbeschluss</h3>



<p>Dieser sah vor, dass die UdSSR die Aufforderung bekommen sollte, ihre atomar bestückten Mittelstreckenraketen abzurüsten. </p>



<p>Denn diese bedrohten zwar Westeuropa, aber nicht die USA. </p>



<p>Daher fürchteten die westeuropäischen NATO-Länder ein Auseinanderbrechen des Militärbündnisses, falls die Sowjetunion mit einem Einsatz der Raketen drohen würde.</p>



<p>Sollte die UdSSR nicht auf diese Aufforderung eingehen, sah der <em>&#8222;Doppelbeschluss&#8220;</em> vor, in Westeuropa US-amerikanische Mittelstreckenraketen als Gegenstück zum sowjetischen Arsenal zu installieren.</p>



<p>Diese Konfrontation sorgte vor allem in der westdeutschen Bevölkerung für enorme Ängste vor einem Atomkrieg. Anfang der 1980er Jahre kam es daher zu zahlreichen Friedensdemonstrationen mit hunderttausenden Teilnehmern.</p>



<p>1983 gewann aber die nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition an die Macht gekommene konservative Regierung unter Helmut Kohl die Bundestagswahl, die im Vorfeld teilweise als Referendum über den <em>&#8222;Doppelbeschluss&#8220;</em> gegolten hatte. </p>



<p>Die neue Regierung konnte den Beschluss daher Ende des Jahres endgültig durchsetzen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="marode">Die marode Sowjetunion</h3>



<p>Die UdSSR war seit Ende der 1970er Jahre vom Kurs der Entspannung abgewichen. </p>



<p>1979 war sie mit Truppen der <em>&#8222;Roten Armee&#8220;</em> in das benachbarte Afghanistan einmarschiert, um dort ein kommunistisches Regime zu unterstützen.</p>



<p>Auch die Stationierung der atomar bestückten Mittelstreckenraketen galt als Provokation für die NATO.</p>



<p>Eine These war, dass die Sowjetunion mit diesem Kurs der außenpolitischen Härte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/die-letzte-kosmonautin-brandon-q-morris/">von der eigenen maroden Lage</a> ablenken wollte.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/09/Kommunismus.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Kommunistische rote Fahne mit Hammer und Sichel" class="wp-image-1885" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/09/Kommunismus.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/09/Kommunismus.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(All themes/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p><a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/">Nicht nur wirtschaftlich</a> befand sich die Supermacht Anfang der 1980er Jahre in einer immer größeren Krise. Auch gesellschaftlich und politisch stagnierte das repressive Regime immer mehr.</p>



<p>Symbol dafür war das überalterte Zentralkomitee der herrschenden kommunistischen Partei, das nach dem Tod des langjährigen Generalsekretärs Leonid Breschnew zunächst nur zwei altgediente Funktionäre zu Nachfolgern wählte.</p>



<p>So folgten auf den 76-jährigen Breschnew der 70-jährige Yuri Andropow und nach dessen Tod 1984 der 72-jährige Konstantin Tschernenko.</p>



<p>Während der ehemalige KGB-Chef Andropow noch als vergleichsweise energischer und intellektueller Anführer gegolten hatte, war Tschernenko ein Symbol des Stillstands.</p>



<p>Da Breschnew in den letzten Jahren seiner Amtszeit unter schweren gesundheitlichen Problemen gelitten hatte und seine beiden Nachfolger ebenfalls aufgrund mehrerer Krankheiten schnell verstarben, galt die kommunistische Partei und ihr System insgesamt als veraltet sowie im Niedergang.</p>



<p>Passend fasste der Journalist Wolfram Neidhard diese Lage zusammen:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Spötter regten kurz vor Gorbatschows Machtübernahme im März 1985 an, den UN-Sitz von New York nach Moskau zu verlegen, weil sich die Spitzenpolitiker der Welt dort ohnehin jedes Jahr zum Begräbnis treffen würden.</p>
<cite>Wolfram Neidhard</cite></blockquote>



<h3 class="wp-block-heading" id="abgrund">Die Welt am Abgrund</h3>



<p>Insgesamt führte die Situation in beiden Blöcken des <em>&#8222;Kalten Krieges&#8220;</em> zu einer höchst angespannten Lage. </p>



<p>Beide Seiten standen sich wieder feindselig gegenüber und verfügten über das Potenzial, die Erde in einem Atomkrieg mehrfach zu vernichten.</p>



<p>Als Symbol galten die gegenseitigen Boykotte der Olympischen Spiele in Moskau 1980 und in Los Angeles 1984.</p>



<p>Mehrfach stand die Welt in dieser Zeit tatsächlich auch am Rande eines Atomkrieges. Daher blühte auch das Genre der Dystopie, dessen Geschichten in vom Atomkrieg verwüsteten Städten stattfanden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="265" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/dystopie.jpg?resize=600%2C265&#038;ssl=1" alt="Grafik einer zerstörten Stadt" class="wp-image-1616" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/dystopie.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/dystopie.jpg?resize=300%2C133&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(SugaBom86/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Im November 1983 interpretierte die UdSSR beispielsweise das NATO-Manöver <em>&#8222;Able Archer 83</em>&#8220; als Vorbereitung für einen Angriff auf das eigene Land. </p>



<p>Im September 1983 hatte nur das besonnene Verhalten des Offiziers Stanislaw Petrow im sowjetischen Frühwarnsystem einen Atomkrieg verhindert. </p>



<p>Denn er interpretierte einen angeblichen Abschluss von einzelnen US-amerikanischen Atomwaffen korrekt als technischen Fehler. </p>



<p>Ansonsten wäre die Wahrscheinlichkeit sehr hoch gewesen, dass angesichts der kurzen Zeiten für eine Entscheidung die sowjetische Führung bei einer Angriffsmeldung einen sofortigen Gegenschlag befohlen hätte.</p>



<p>Die Lage entspannte sich erst mit der Wahl des mit 54 Jahren vergleichsweise jungen Michail Gorbatschow zum Generalsekretär der kommunistischen Partei in der UdSSR. </p>



<p>Er setzte mit Reagan gemeinsam erfolgreich auf Kommunikation zwischen den Blöcken, Entspannungspolitik und Abrüstungsverträge.</p>



<p>Daher geriet die Welt seitdem nie mehr in so große Gefahr eines Atomkriegs wie Anfang der 1980er Jahre.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<p>In <em>&#8222;Das Moskau-Spiel&#8220;</em> verschachtelt Christian von Ditfurth mehrere Handlungsstränge ineinander: einerseits im Jahr 2010, andererseits im <em>&#8222;Kalten Krieg&#8220;</em> <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/replay-das-zweite-spiel-ken-grimwood/">Anfang der 1980er Jahre</a>.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="903" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Cover-Das-Moskau-Spiel.jpg?resize=600%2C903&#038;ssl=1" alt="Cover des Romans &quot;Das Moskau-Spiel&quot;" class="wp-image-2660" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Cover-Das-Moskau-Spiel.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Cover-Das-Moskau-Spiel.jpg?resize=199%2C300&amp;ssl=1 199w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading" id="2010">Der Mord im Jahr 2010</h3>



<p>Die Handlung beginnt 2010 mit einem Auftrag an den jungen Agenten des <em>&#8222;Bundesnachrichtendienst&#8220; </em>(BND) Theo Martenthaler.</p>



<p>In Moskau starb mit Georg Scheffer einer der fähigsten BND-Mitarbeiter. </p>



<p>Doch der angebliche Verkehrsunfall warf so viele Fragen auf, dass der Geheimdienst dem nachgehen möchte.</p>



<p>Da sein Vater, Henri Martenthaler, mit Scheffer schon einmal für den BND in den 1980er Jahren in Moskau zusammengearbeitet hat, befragt Theo auch diesen.</p>



<p>Schnell stellt der junge Agent, dessen Verhältnis zum Vater zwischen Ablehnung und Nachahmung schwankt, fest, dass dieser mehr als nur ein Geheimnis verbirgt.</p>



<p>Doch seine ersten Nachforschungen in Moskau bestätigen zwar die Verdächtigungen. </p>



<p>Sie scheitern aber schnell und enden für Theo blamabel.</p>



<p>Gedemütigt und von Alkoholproblemen geplagt, entschließt sich Theo, noch einmal auf eigene Faust nach Moskau zu reisen und zu ermitteln.</p>



<p>Dabei stößt er zunächst auf keine Lösung seines Falls. </p>



<p>Dafür aber auf ein viel größeres Geheimnis aus der Zeit des <em>&#8222;Kalten Krieges&#8220;</em>. </p>



<p>Ein Geheimnis, das sowohl der russische Geheimdienst als auch sein Vater mit allen Kräften verbergen wollen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="1980">Das Moskau-Spiel in den 1980ern</h3>



<p>Im zweiten Handlungsstrang folgt <em>&#8222;Das Moskau-Spiel&#8220;</em> dem jungen BND-Agenten Henri Martenthaler, der Anfang der 1980er Jahre nach Moskau versetzt wird.</p>



<p>Er übernimmt den Posten des BND-Residenten an der Botschaft, der im Geheimdienst zwar als prestigeträchtig gilt. </p>



<p>Er hat es aber mit dem sowjetischen Geheimdienst, dem legendären KGB, mit einem Gegner zu tun, der nicht nur über viel größere Ressourcen verfügt, sondern auch mit allen Wassern gewaschen ist.</p>



<p>Gleichzeitig eskaliert der <em>&#8222;Kalte Krieg&#8220;</em> immer mehr und läuft Gefahr, <a href="https://ankerpunkte-blog.de/dritter-weltkrieg/im-sturm-tom-clancy/">in einen heißen Konflikt</a> überzugehen.</p>



<p>Während der Westen rhetorisch und militärisch immer weiter aufrüstet, fühlt sich die kriselnde UdSSR immer mehr in die Ecke gedrängt.</p>



<p>So arbeitet Henri Martenthaler nicht nur gegen den aggressiv auftretenden KGB, sondern auch gegen nicht minder gefährlichen CIA-Agenten Craig Mavick.</p>



<p>Letzterer fordert vor allem Informationen, mit denen er hofft, einen Krieg gegen die UdSSR gewinnen zu können.</p>



<p>Als dritter Handlungsstrang von <em>&#8222;Das Moskau-Spiel&#8220;</em> folgt der Roman dem Agenten Kasimir Jewgonowitsch Eblow, der in den 1980er Jahren für den KGB arbeitet und 2010 zum General des russischen Geheimdienstes aufgestiegen ist.</p>



<p>In den 1980er Jahren sieht er es nicht nur als seine Aufgabe, feindliche Agenten in Moskau dingfest zu machen, sondern auch die marode Sowjetunion zu beschützen.</p>



<p>Als er davon erfährt, dass nur die Befehlsverweigerung von Stanislaw Petrow  einen Atomkrieg verhindert hat, wachsen seine Zweifel <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/die-republik-von-maxim-voland/">an der derzeitigen Ausgestaltung des kommunistischen Systems</a>.</p>



<p>Danach bleibt er dem KGB und der Sowjetunion weiter treu, wandelt sich aber zu einem Gegner des stagnierenden Kurses der kommunistischen Führung. </p>



<p>Als jedoch mit dem Generalsekretär Andropow seine Hoffnung auf einen Kurswechsel stirbt und mit Konstantin Tschernenko ein Verfechter der Stagnation gewählt wird, sieht er sich zu drastischen Maßnahmen gezwungen.</p>



<p>Maßnahmen, zu deren Umsetzung er die Hilfe von Henri Martenthaler braucht. </p>



<p>Maßnahmen, die auch 2010 noch im Dunkeln bleiben müssen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="staerke">Stärke: Charaktere und Moskau</h3>



<p><em>&#8222;Das Moskau-Spiel&#8220;</em> stellt im Vergleich zu anderen Romanen des Autors Christian von Ditfurth keine <em>&#8222;Alternative History&#8220;</em> dar. </p>



<p>Denn an der für die breite Öffentlichkeit bekannten, <em>&#8222;realen&#8220;</em> Geschichte ändert sich nichts.</p>



<p>Nur an der Geheimdienstfront spielt Christian von Ditfurth ein &#8222;Was wäre wenn&#8220;-Szenario durch. </p>



<p>Hier versuchen Agenten verschiedener Seiten, der Geschichte eine Wendung zu geben.</p>



<p>Dazu spielt er zwei Stärken aus.</p>



<p>Erstens ist <em>&#8222;Das Moskau-Spiel&#8220;</em> spannend geschrieben. Die ständigen Wendungen in den verschiedenen Handlungssträngen sorgen für große Lust auf das jeweils nächste Kapitel.</p>



<p>Zweitens beschreibt er sowohl das Moskau der 1980er Jahre als auch des Jahres 20210 sehr detailreich und lässt den Leser daher schnell in die Handlung eintauchen.</p>



<p>Manchmal und vor allem am Anfang ist der Roman allerdings etwas verwirrend, da Christian von Ditfurth zwischen mehreren Zeitebenen in einem Kapitel springt.</p>



<p>Auch bei seinen Charakteren bleibt sich der Autor treu.</p>



<p>Erneut ist der Hauptcharakter ein Einzelgänger, der wie im klassischen <em>&#8222;Film noir&#8220; </em>auf sich gestellt in feindseliger Umgebung agiert – und wegen einer Frau seine professionelle Erfahrung vergisst und in Schwierigkeiten kommt.</p>



<p>Dieses Mal übertreibt es Christian von Ditfurth aus meiner Sicht aber auch mit einzelnen Charakteren, die nicht nur mental gebrochen agieren, sondern auch überzeichnet wirken.</p>



<p>So wird der CIA-Mann Craig Mavick als 1:1-Karikatur des neokonservativen Reagan-Anhängers und arroganten Neureichen beschrieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="history">Schwäche: Alternative History</h3>



<p>Vor dem <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">Hintergrund der <em>&#8222;Alternative History&#8220;</em></a> ist <em>&#8222;Das Moskau-Spiel&#8220;</em> natürlich unrealistisch, vor allem, was den Höhepunkt der Handlung in den 1980er Jahren und das folgende Leben der Charaktere aus dieser Zeit angeht.</p>



<p>Auch das Bild von Tschernenko hat nichts mit der Realität zu tun, sondern dient als Vorlage für die <em>&#8222;Alternative History&#8220;</em>-Handlung.</p>



<p>Apropos Handlung: Deren Beschreibung im Klappentext stimmt nicht mit dem Inhalt im Roman überein.</p>



<p>Mein Fazit daher: <em>&#8222;Das Moskau-Spiel&#8220;</em> ist aus Sicht der reinen Handlung sehr gut geschrieben und empfehlenswert, aus Sicht der reinen Alternative History nicht.</p>



<p>Bei diesem Thema empfehle ich eher die Werke <em><a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">&#8222;Das Luxemburg-Komplott&#8220;</a></em>,  <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-consul-christian-von-ditfurth/"><em>&#8222;Der Consul&#8220;</em></a> oder <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-21-juli-christian-von-ditfurth/"><em>&#8222;Der 21.Juli&#8220;</em></a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Christian von Ditfurth: Das Moskau-Spiel. Köln 2010.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Das+Moskau-Spiel&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1033434831" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Benjamin Bidder: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/vergessener-held-a-948852.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Mann, der den dritten Weltkrieg verhinderte.</a> Vergessene Helden, auf: spiegel.de (21.04.2010).</li>



<li>Solveig Grothe: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/us-raketenabwehr-ronald-skywalkers-albtraum-a-946765.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ronald Skywalkers Albtraum.</a> US-Raketenabwehr SDI, auf: spiegel.de (19.03.2008).</li>



<li>Christoph Gunkel: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/korean-airlines-kal-007-abschuss-durch-die-sowjetunion-a-981736.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Absturz in den Kalten Krieg.</a> Todesflug der KAL007, auf: spiegel.de (19.07.2014).</li>



<li>Wiebke Junk: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/spassvogel-ronald-reagan-a-948428.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fünf Minuten bis zum dritten Weltkrieg.</a> Spaßvogel Ronald Reagan, auf: spiegel.de (10.08.2009).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article155333355/Die-wahren-Ursachen-fuer-den-Untergang-der-Sowjetunion.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die wahren Ursachen für den Untergang der Sowjetunion.</a> Ostblock, auf: welt.de (16.05.2016).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article204247742/Nato-Doppelbeschluss-So-gewann-der-Westen-den-Kalten-Krieg.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">So gewann der Westen den Kalten Krieg.</a> Nato-Doppelbeschluss, auf: welt.de (12.12.2019).</li>



<li>Antonia Kleikamp: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article125292391/Ehrenzeichen-Wie-St-Georg-zum-Heiligen-des-BND-wurde.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie St. Georg zum Heiligen des BND wurde. </a>Geheimdienste, auf: welt.de (23.12.2020).</li>



<li>Wolfram Neidhard: <a href="https://www.n-tv.de/politik/Zu-Hause-verhasst-im-Westen-geachtet-article15177291.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zu Hause verhasst, im Westen geachtet.</a> Gorbatschow wird 90, auf. ntv.de (28.02.2021).</li>



<li>Manfred Quiring: <a href="https://www.welt.de/print-welt/article556583/Ich-unterstuetze-Putin-jetzt-noch.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;Ich unterstütze Putin jetzt noch&#8220;.</a> Interview mit Michail Gorbatschow, auf: welt.de (08.03.2005).</li>



<li>Christian Siepmann: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/25-jahre-proteste-gegen-nachruestung-a-947980.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Atomraketen im Nachbargarten.</a> Proteste gegen Nachrüstung, auf: spiegel.de (22.10.2008).</li>



<li><a href="https://www.spiegel.de/politik/ausland/kalter-krieg-nato-manoever-fuehrte-1983-beinahe-zum-atomkrieg-a-931489.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">So nah kam die Welt 1983 einem Atomkrieg.</a> Geheimdokumente zu Nato-Manöver, auf: spiegel.de (03.11.2013).</li>



<li><a href="https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13509315.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tschernenko &#8211; „die Rache des Apparats“</a>, auf: spiegel.de (20.02.1984).</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/das-moskau-spiel-christian-von-ditfurth/">1985: Das Moskau-Spiel von Christian v. Ditfurth</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/das-moskau-spiel-christian-von-ditfurth/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">2618</post-id>	</item>
		<item>
		<title>1988: Replay – Das zweite Spiel von Ken Grimwood</title>
		<link>https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/replay-das-zweite-spiel-ken-grimwood/</link>
					<comments>https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/replay-das-zweite-spiel-ken-grimwood/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Oct 2021 11:06:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Romane und Filme]]></category>
		<category><![CDATA[Verschwundene Reiche]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ankerpunkte-blog.de/?p=3747</guid>

					<description><![CDATA[<p>Was wäre, wenn Du Dein Leben noch einmal leben könntest? Jeff Winston erhält genau diese Chance. Doch ist es wirklich Glück, sein Leben immer wieder zu leben, oder ein Fluch? Ankerpunkt Die Rolle von Individuen in der Geschichte In der Geschichtswissenschaft gibt es schon lange eine Debatte darüber, wer der eigentliche &#8222;Treiber&#8220; der Geschichte ist. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/replay-das-zweite-spiel-ken-grimwood/">1988: Replay – Das zweite Spiel von Ken Grimwood</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Was wäre, wenn Du Dein Leben noch einmal leben könntest? Jeff Winston erhält genau diese Chance. Doch ist es wirklich Glück, sein Leben immer wieder zu leben, oder ein Fluch?</p>



<span id="more-3747"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#individuen">Die Rolle von Individuen in der Geschichte</a></li>



<li><a href="#kennedyattentat">Das Beispiel des Kennedy Attentats</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#zweitechance">Die zweite Chance</a></li>



<li><a href="#fluchodersegen">Fluch oder Segen?</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#alternativehistory">Die große Frage der Alternative History</a></li>



<li><a href="#roman">Die Reifeprozesse des Romans</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="individuen">Die Rolle von Individuen in der Geschichte </h3>



<p>In der Geschichtswissenschaft gibt es schon lange eine Debatte darüber, wer der eigentliche &#8222;Treiber&#8220; der Geschichte ist.</p>



<p>Lange galt das Credo des Historikers Heinrich von Treitschke, das lautete <em>&#8222;(Große) Männer sind es, welche die Geschichte machen&#8220;</em>.</p>



<p>Als klassisches Beispiel dafür galt Otto von Bismarck mit seinem Einfluss auf die Gründung des Deutschen Reiches 1871.</p>



<p>Diese Einsicht hat sich mittlerweile überlebt, nicht nur, weil sie faktisch zum Beispiel Frauen ausschloss.</p>



<p>In Deutschland konzentrierte sich die seitdem dominierende Sozialgeschichte der <em>&#8222;Bielefelder Schule&#8220;</em> vor allem auf Strukturen, seien sie nun wirtschaftlicher, sozialer oder politischer Natur.</p>



<p>Damit öffnete sie die Geschichtsschreibung nicht nur für bis dahin vernachlässigte Gruppen, sondern überhaupt für größere Entwicklungen.</p>



<p>Sie vernachlässigte darüber aber wiederum Individuen.</p>



<p>Denn im gleichen Maße, wie Strukturen Individuen in ihren Handlungsspielräumen bestimmen, sind sie jedoch von Individuen geschaffen und ausgestaltet.</p>



<p>So ist die Struktur des Nationalsozialismus ohne den Einfluss des &#8222;Führers&#8220;, des Individuums Adolf Hitler, nicht zu denken.</p>



<p>Auch das Christentum basiert auf jahrhundertealten Strukturen, ist aber ohne seinen Gründer Jesus Christus undenkbar.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Beschaedigter-Christus.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto einer beschädigten Christus-Figur, die an einem rostigen Kreuz hängt" class="wp-image-1718" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Beschaedigter-Christus.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Beschaedigter-Christus.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Michel Stevelmans/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dieser je nach Sichtweise Gegensatz oder dieses Wechselspiel sorgen für ein nicht sauber erklärbares Spannungsfeld in der Erklärung von Geschichte.</p>



<p>Daher ist die Frage der Geschichtswissenschaft, welche Rolle Individuen in der Geschichte spielen, noch lange nicht geklärt.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="kennedyattentat">Das Beispiel des Kennedy-Attentats</h3>



<p>Das erfolgreiche <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">Attentat auf den US-Präsidenten John F. Kennedy</a> in Dallas am 22. November 1963 zeigte dieses Spannungsfeld sehr stark.</p>



<p>Der Tod des US-Präsidenten (siehe Bild) galt in jedem Fall als nationales Trauma und einer der Tage, an den sich die Zeitzeugen ein Leben lang erinnern.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="601" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/John-F.-Kenney.jpg?resize=600%2C601&#038;ssl=1" alt="Gedenkmünze für Präsident John F. Kennedy" class="wp-image-2332" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/John-F.-Kenney.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/John-F.-Kenney.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/John-F.-Kenney.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/John-F.-Kenney.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Prachaya Roekdeethaweesab/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Viele &#8222;Was wäre wenn&#8220;-Fragen kreisen um eine verhinderte Ermordung von Kennedy, der durch seinen gewaltsamen Tod zu einem nationalen Mythos wurde.</p>



<p>So wurde in der Nacherzählung die Präsidentschaft von Kennedy verklärt, was die danach folgende Entwicklung, zum Beispiel durch den Vietnamkrieg noch negativer aussehen ließ.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>&#8222;Sein Tod markiert für viele Amerikaner den Übergang vom selbstbewussten, hoffnungsvollen Amerika zum irrenden, zweifelnden, angstgetriebenen Amerika.&#8220;</p>
<cite>Sebastian Fischer: Der Tag, an dem Amerika seine Unschuld verlor</cite></blockquote>



<p>Kritiker dieser Sichtweise erklären, dass Kennedy als Präsident und Individuum kaum auf die Strukturen seiner Zeit einwirkte.</p>



<p>Daher hätte ein verhindertes Attentat auch keine Auswirkungen auf die generelle Entwicklung der Weltgeschichte gehabt.</p>



<p>So hätte Kennedy weder den Vietnamkrieg verhindert, noch die Rassendiskriminierung schneller beendet.</p>



<p>Jedoch ist das Paradoxe daran, dass erst sein Tod dazu führte, dass wichtige Gesetzesvorhaben, zum Beispiel gegen die Rassendiskriminierung von Schwarzen von seinem Nachfolger Lyndon B. Johnson durchgesetzt werden konnten.</p>



<p>Zuletzt lebt das Individuum John F. Kennedy trotz seiner persönlichen Mängel und politischen Fehler als Mythos weiter und beeinflusst damit weit nach seinem Tod immer noch die USA.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="zweitechance">Die zweite Chance </h3>



<p>Am 18. Oktober 1988 erleidet Jeffrey &#8222;Jeff&#8220; Winston in seinem Büro einen Herzinfarkt, während er mit seiner Frau telefoniert.</p>



<p>Der 43-jährige Nachrichtendirektor beim Radio stirbt unzufrieden mit seinem erfolglosen Leben und vor allem seiner langsam scheiternden Ehe.</p>



<p>Umso mehr ist er überrascht, als er nach seinem Herzinfarkt in seinem Collegezimmer aufwacht – im Jahr 1963.</p>



<p>Nachdem er die erste Überraschung abgeschüttelt hat, entschließt sich Jeff, die Möglichkeiten zu nutzen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>&#8222;Die Welt jenseits der Fenster war kein Traum – sie war ebenso konkret wie unschuldig, ebenso wirklich wie blind optimistisch.<br>Frühling 1963.<br>Und es gab so viele Möglichkeiten.</p>
<cite>Ken Grimmwood: Replay – Das zweite Spiel</cite></blockquote>



<p>Zuerst  beginnt er auf Sportereignisse zu wetten. Da er die größten Überraschungen kennt, gewinnt er schnell enorme Summen. </p>



<p>Damit investiert er in Firmen, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten von den wirtschaftlichen Entwicklungen profitieren.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="fluchodersegen">Fluch oder Segen?</h3>



<p>Doch als Jeff versucht, den Mord an John F. Kennedy zu verhindern, scheitert er. </p>



<p>Zwar kann er Lee Harvey Oswald bei der Polizei als Verdächtigen anschwärzen.</p>



<p>Doch Kennedy stirbt trotzdem beim Attentat eines neuen, bisher unbekannten Mörders.</p>



<p>Gleichzeitig steigt sein Geschäftspartner aus und Jeff grübelt über den Sinn seines Reichtums.</p>



<p>Auch sein Beziehungsleben erweist sich als Serie von Misserfolgen. So scheitert daran, seine zukünftige Frau für sich zu gewinnen.</p>



<p>Auch mit dem Vorwissen eines anderen Lebens erweist sich sein Leben als schwer plan- und optimierbar.</p>



<p>Danach heiratet er aus Kalkül eine Frau aus der Ostküstenelite, die er nicht liebt.</p>



<p>Aber aus dieser Ehe geht seine Tochter Gretchen hervor, die er abgöttisch liebt.</p>



<p>Sie und die Tatsache, dass er 1988 von den Ärzten für gesund erklärt wird, halten ihn am Leben.</p>



<p>Doch dann erleidet er wieder einen Herzinfarkt. Stirbt. Und wacht 1963 auf.</p>



<p>Diesen Zyklus durchlebt Jeff mehrfach mit unterschiedlichen Erfahrungen.</p>



<p>Erst als er Pamela Philips kennenlernt, stellt er fest, dass er nicht der einzige ist, der sein Leben nochmals lebt.</p>



<p>Falls er dachte, dass er damit einer Lösung des Rätsels näherkommt, irrt er sich. </p>



<p>Eher im Gegenteil. Er lernt Fluch und Segen der zweiten Chancen erst richtig kennen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="alternativehistory">Die große Frage der Alternative History</h3>



<p>Warum gibt es nach <em><a href="https://ankerpunkte-blog.de/romane-filme/der-letzte-tag-der-schoepfung-wolfgang-jeschke/">&#8222;Der letzte Tag der Schöpfung&#8220;</a></em> wieder einen Science-Fiction Roman in <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">einem Blog für Alternative Geschichte</a>?</p>



<p>Weil auch Ken Grimwood an einer Grundfrage der Alternative History rührt: </p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Was wäre, wenn ich selbst mein Leben nochmals leben könnte? </li>
</ul>



<p>Welche Entscheidungen würde ich anders und welche genauso wieder treffen? Und welche Folgen hätte diese Wiederholung?</p>



<p>Diese Frage ist eine, die jeden Mensch bewegt. </p>



<p>Diesem Thema widmet sich <em>&#8222;Replay – Das zweite Spiel&#8220;</em> umfassend.</p>



<p>Dies wird schon im Titel deutlich, denn &#8222;Replay&#8220; bedeutet im Englischen sowohl &#8222;Wiederholung&#8220; als auch &#8222;Wiederholungsspiel&#8220;.</p>



<p>Nicht umsonst war der Roman die Inspiration für die Filme <em>&#8222;Und täglich grüßt das Murmeltier&#8220;</em> sowie <em>&#8222;12:01&#8220;</em>.</p>



<p>Ken Grimwood geht dabei aber nicht den Pfad des Wunschdenkens, sondern widerlegt diesen komplett.</p>



<p>Vielmehr zeigt <em>&#8222;Replay – Das zweite Spiel&#8220;</em>, wie unmöglich es auch mit dem Vorwissen eines &#8222;vorherigen&#8220; Lebens ist, ein &#8222;perfektes&#8220; Leben zu führen.</p>



<p>Denn neue &#8222;bessere&#8220; Entscheidungen führen für Jeff Winston und Pamela Philips zu neuen unerwarteten und negativen Konsequenzen. </p>



<p>Aus dieser Unmöglichkeit ergeben sich eine Reihe von Folgefragen.</p>



<p>Diese machen den Wunsch nach einer &#8222;zweiten Chance&#8220; eher zu einem Fluch, denn zu einem Segen machen.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Wie viel ist ein einmaliges, individuelles Leben wert, wenn es wie bei einem Computerspiel – vermeintlich – beliebig oft wiederholen lässt?</li>



<li>Was ist dann auch die Erinnerung an die einzelnen Leben wert?</li>



<li>Wie viel wert sind die Mühen und Erfolge, in einem einzigen Leben ein erfolgreicher oder guter Mensch zu sein?</li>
</ul>



<p>So merkt Jeff sehr schnell, dass einmalige emotionale Erlebnisse aus einem Leben nach einer Wiederholung unweigerlich für ihn mental verbrannt sind. </p>



<p>Mehrfach stehen beide Charaktere daher vor der Gefahr, mental an den Wiederholungen zu zerbrechen.</p>



<p>Vergeblich suchen Jeff und Pamela auch nach einem Sinn in ihren &#8222;Wiedergeburten&#8220; ohne ihn je zu finden. </p>



<p>Denn sie finden heraus, dass sie zwar das Wissen hätten, den Lauf der Geschichte zu verändern. </p>



<p>Aber sie können damit zwar ihr eigenes Leben stark verändern, aber nie den generellen Lauf der Geschichte.</p>



<p>Hinzu kommt die mentale Isolation, als einzige die wiederholten Leben mitzumachen, was das Erlebte oftmals zu einem Gefängnis macht.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="roman">Die Reifeprozesse des Romans</h3>



<p>Ken Gromwood gelingt es in <em>&#8222;Replay – Das zweite Spiel&#8220;</em>, diese großen Fragen in einen Reifeprozess der Hauptfiguren Jeff Winston und Pamela Philips einzubetten.</p>



<p>Wobei beide Charaktere bis zum Ende des Romans Menschen mit Widersprüchen und Fehlern bleiben. </p>



<p>So durchläuft zum Beispiel Jeff nur langsam einen charakterlichen Reifeprozess. Er lernt erst nach mehrfachem Scheitern, andere Menschen einzubeziehen und nicht nur alleine mit seinem Wissen zu arbeiten.</p>



<p>Diese Fehler machen <em>&#8222;Replay – Das zweite Spiel&#8220;</em> auch realistisch.</p>



<p>So agiert Jeff beim ersten Mal im Jahr 1963 verwirrt, da er sich natürlich nicht an alles erinnern kann. Er verliert zum Beispiel seine damalige Freundin, da er sich nicht mehr an die Sexualmoral der frühen 1960er erinnern kann.</p>



<p>Ken Grimwood schafft es auch, die großen Fragen seines Romans in unterschiedliche Entwicklungen der Leben von Jeff Winston und Pamela Philips einzubetten. </p>



<p>Aus meiner Sicht spielt er dabei plausible Möglichkeiten durch, die jemand hat, der sein Leben nochmal leben kann.</p>



<p>Dabei gibt es auch kleine Anspielungen, da Pamela in einer Wiederholung mit Hollywoodstars wie Dustin Hofmann zusammen ist.</p>



<p>Das ist für mich eine große Leistung von Ken Grimwood.</p>



<p>Denn vielen Leben der Hauptfiguren summieren sich insgesamt auf mehrere hundert Jahre Handlung.</p>



<p>Ein guter erzählerischer Kniff besteht darin, dass <em>&#8222;Replay – Das zweite Spiel&#8220;</em> weder den Grund für die Zeitschleifen erklärt, noch ob die alternativen Realitäten nach dem Tod von Jeff und Pamela noch weiter existieren.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="945" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Cover-Replay-Das-zweite-Spiel.jpg?resize=600%2C945&#038;ssl=1" alt="Buchcover von Replay – Das Zweite Spiel" class="wp-image-3782" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Cover-Replay-Das-zweite-Spiel.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Cover-Replay-Das-zweite-Spiel.jpg?resize=190%2C300&amp;ssl=1 190w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Insgesamt empfehle ich daher <em>&#8222;Replay – Das zweite Spiel&#8220;</em> absolut weiter. Denn Ken Grimwood erschuf damit nicht nur einen Klassiker der Science-Fiction, sondern auch ein Werk, das sich zum Nachdenken über das eigene Leben lohnt.</p>



<p>Ich persönlich verlor fast jeglichen Wunsch, mein Leben nochmal zu leben. </p>



<p>Umso mehr war ich dankbar für das einzigartige Leben, das ich bisher habe.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Ken Grimwood. Replay – Das zweite Spiel. München 2004.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Replay+%E2%80%93+Das+zweite+Spiel&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1031209703" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Sebastian Fischer: <a href="https://www.spiegel.de/politik/ausland/kennedy-attentat-der-tag-an-dem-usa-ihre-unschuld-verloren-a-932459.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Tag, an dem Amerika seine Unschuld verlor.</a> Augenzeugen des Kennedy-Attentats, auf: spiegel.de (19.11.2013).</li>



<li>GEO Epoche: John F. Kennedy. Kuba, Apollo, Rassenunruhen, Vietnam. Tausend Tage, die Amerika veränderten. Januar 2010.</li>



<li>Mark Hengerer: <a href="https://www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/Geschichte/Tutorium/Themenkomplexe/Grundlagen/Gegenstandskonstitution/Struktur/struktur.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Struktur</a>, auf: uni-konstanz.de (19.11.2002).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article223481284/Kopf-des-Tages-Menschen-machen-Geschichte-wer-denn-sonst.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Menschen machen Geschichte – wer denn sonst?</a> Kopf des Tages, auf: welt.de (30.12.2020).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article122070975/Die-Fahrt-von-John-F-Kennedy-in-den-Tod.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Fahrt von John F. Kennedy in den Tod.</a> Minutenprotokoll, auf: welt.de (22.11.2013).</li>



<li>Rudolf Schlögl: <a href="https://www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/Geschichte/Tutorium/Themenkomplexe/Grundlagen/Gegenstandskonstitution/Handeln/handeln.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Handeln</a>, auf: uni-konstanz.de (19.11.2002).</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/replay-das-zweite-spiel-ken-grimwood/">1988: Replay – Das zweite Spiel von Ken Grimwood</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/replay-das-zweite-spiel-ken-grimwood/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">3747</post-id>	</item>
		<item>
		<title>356 vor Christus bis 1989: Wechselwelten von Oliver Henkel</title>
		<link>https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/wechselwelten-oliver-henkel/</link>
					<comments>https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/wechselwelten-oliver-henkel/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Mar 2021 19:50:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Romane und Filme]]></category>
		<category><![CDATA[Verschwundene Reiche]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ankerpunkte-blog.de/?p=2694</guid>

					<description><![CDATA[<p>Sieben Alternativwelten in sieben Geschichten: Oliver Henkel wechselt in seinem dritten Werk zwischen den unterschiedlichsten Zeiten und Stilen. Von der Antike bis ins 20. Jahrhundert, vom Krieg zwischen Alexander dem Großen und dem Römischen Reich bis zur blutigen Niederschlagung der Revolution in der DDR ist alles dabei. Ankerpunkt Da jeder der sieben Kurzgeschichten von &#8222;Wechselwelten&#8220; [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/wechselwelten-oliver-henkel/">356 vor Christus bis 1989: Wechselwelten von Oliver Henkel</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Sieben Alternativwelten in sieben Geschichten: Oliver Henkel wechselt in seinem dritten Werk zwischen den unterschiedlichsten Zeiten und Stilen. </p>



<p>Von der Antike bis ins 20. Jahrhundert, vom Krieg zwischen Alexander dem Großen und dem Römischen Reich bis zur blutigen Niederschlagung der Revolution in der DDR ist alles dabei.</p>



<span id="more-2694"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#knackpunkt">Der Knackpunkt der DDR</a></li>



<li><a href="#kolumbus">Die Reisen des Kolumbus</a></li>



<li><a href="#christentum">Die Gründung des Christentums</a></li>



<li><a href="#disney">Der Antisemitismus des Walt Disney</a></li>



<li><a href="#lincoln">Die Karriere des Abraham Lincoln</a></li>



<li><a href="#ephesos">Die Zerstörung des Tempels von Ephesos</a></li>



<li><a href="#alexander">Der Tod von Alexander dem Großen</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#oktober">Ein neunter Oktober</a></li>



<li><a href="#adler">Der Adler ist gelandet</a></li>



<li><a href="#menschen">&#8230;auf daß er die Menschen erlöse</a></li>



<li><a href="#kalifornia">Kalifornia Dreaming</a></li>



<li><a href="#friedrichsburg">Mr. Lincoln fährt nach Friedrichsburg</a></li>



<li><a href="#harold-strait">Die Unsterblichkeit des Harold Strait</a></li>



<li><a href="#nikandros">Aus den &#8218;Symphosien&#8216; des Nikandros von Athen: Dialog XIV, auch bekannt als &#8222;Zweites Gastmahl des Sophrionos&#8220;</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#wechselwelten">Vielfältige Wechselwelten</a></li>



<li><a href="#qualitaet">Unterschiedliche Qualität</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<p>Da jeder der sieben Kurzgeschichten von <em>&#8222;Wechselwelten&#8220; </em>einen anderen Bezugspunkt in der Geschichte hat, gehe ich jeweils nur kurz auf deren Ankerpunkte ein.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="knackpunkt">Der Knackpunkt der DDR</h3>



<p>Die Montagsdemos in Leipzig 1989 galten als eine der größten Widerstandsaktionen gegen das kommunistische Regime. Besonders als am 9. Oktober an die 70.000 Menschen gegen die Diktatur demonstrierten.</p>



<p>Dass die bis dato als unüberwindlich geltenden Sicherheitsorgane wie dei Stasi (siehe Bild) an diesem Tag keine Gewalt anwandten, galt als Knackpunkt der DDR und Startschuss für die friedliche Wende.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/Stasi.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto der Mütze eines Stasi-Offiziers" class="wp-image-2201" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/Stasi.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/Stasi.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Steve Scott/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Doch bis heute ist unklar, warum das Regime <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-mauer-steht-am-rhein-christian-von-ditfurth/">die Demonstrationen nicht gewaltsam niederschlug</a>. </p>



<p>Noch am 8. Oktober hatte die DDR-Regierung zahlreiche Einheiten ihrer Sicherheitsorgane, darunter auch der Armee, in Leipzig zusammengezogen. Gerüchte über auf zahlreiche Verletzte vorbereitete Krankenhäuser gingen in der Stadt um.</p>



<p>Mitte des Jahres hatte vor allem die SED auch große Sympathien für die <em>&#8222;chinesische Lösung&#8220;</em> gezeigt. Diese bestand im blutigen Niederschlagen der Demokratiebewegung durch das Massaker am Tian’anmen-Platz in Peking.</p>



<p>So aber zeigte sich, dass nicht einmal die gefürchteten Sicherheitsorgane der DDR und SED den Demonstranten etwas entgegensetzen wollten oder konnten.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="kolumbus">Die Reisen des Kolumbus</h3>



<p>Zu jeder Erzählung über die europäische Entdeckung Amerikas gehörte die zunächst vergebliche Suche von Christoph Kolumbus (siehe Bild) nach Geldgebern für seine Expedition.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="805" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Christoph-Kolumbus.jpg?resize=600%2C805&#038;ssl=1" alt="Bild von Christoph Kolumbus" class="wp-image-2769" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Christoph-Kolumbus.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Christoph-Kolumbus.jpg?resize=224%2C300&amp;ssl=1 224w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Der genuesische Seefahrer hatte zuerst in Portugal für sein Vorhaben geworben, nach Westen zu segeln, um auf diesem Wege den Anschluss an die Reichtümer Asiens zu bekommen. Doch sein Plan wurde abgelehnt.</p>



<p>Auch in Spanien stieß sein Vorschlag zuerst auf Ablehnung. </p>



<p>Für die spanischen Könige Isabella I. von Kastilien und König Ferdinand II. von Aragón hatte die Eroberung des muslimischen Emirats Granada als Abschluss der Reconquista höchste Priorität.</p>



<p>Erst als mit dessen Kapitulation Ressourcen frei wurden, statteten sie den hartnäckig gebliebenen Genueser mit drei Schiffen für seine erste Expedition aus.</p>



<p>Der Rest war Geschichte und führte zu gewaltigen Umwälzungen.</p>



<p>So verschoben sich durch die gewaltsame Erschließung Amerikas die Handelswege weg von den traditionellen Strecken durch das Mittelmeer sowie Ost- und Nordsee.</p>



<p>Davon wurde die Hanse, der Zusammenschluss von vor allem norddeutschen Handelsstädten, hart getroffen. </p>



<p>Der Fernhandelsbund mit dem inoffiziellen Hauptort Lübeck befand sich aber bereits vorher im Abstieg, da er sich immer weniger gegen die erstarkenden Landesherrschaften durchsetzen konnte.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="christentum">Die Gründung des Christentums</h3>



<p>Die biblische Erzählung über das Todesurteil, die Kreuzigung und Wiederauferstehung von Jesus Christus ist weltbekannt.</p>



<p>Weit weniger offensichtlich ist die Möglichkeit, dass es auch anders hätte kommen können. </p>



<p>Denn der römische Statthalter Pontius Pilatus hatte nach den Zeugnissen der Bibel zuerst kein Interesse daran, den bis dato relativ unbekannten Prediger zu verurteilen.</p>



<p>So galt als Zeichen seines Desinteresses und des bekannten <em>&#8222;Waschens seiner Hände in Unschuld&#8220;</em> seine Entscheidung, dazu die Volksmenge in Jerusalem zu befragen.</p>



<p>Erst die daraus resultierende Kreuzigung und Wiederauferstehung von Jesus Christus begründeten die spätere Weltreligion des Christentums.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Beschaedigter-Christus.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto einer beschädigten Christus-Figur, die an einem rostigen Kreuz hängt" class="wp-image-1718" style="width:600px;height:400px" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Beschaedigter-Christus.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Beschaedigter-Christus.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Michel Stevelmans/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Eine Entwicklung, die im Übrigen nicht ohne den Verrat von Judas Ischariot möglich gewesen wäre. </p>



<p>Nach dem neuen Testament packte diesen  zu spät das schlechte Gewissen und er beging Selbstmord.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="disney">Der Antisemitismus des Walt Disney</h3>



<p>Walt Disney galt nicht nur als Schöpfer einiger der berühmtesten Zeichentrickfilme der Weltgeschichte und als Begründer eines weltweiten Medienimperiums.</p>



<p>Disney hatte auch einen Ruf als antikommunistischer Frauenfeind und Antisemit. </p>



<p>Sogar von Sympathien für die Nationalsozialisten in den 1930er Jahren war die Rede, auch wenn es dafür keine eindeutigen Beweise gab.</p>



<p>Unstrittiger war, dass die Nationalsozialisten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-staehlerne-traum-norman-spinrad/">um Adolf Hitler</a> und Josef Goebbels den US-Amerikaner für seine massentauglichen Filme bewunderten. </p>



<p>Dies lag sicher auch daran, dass viele Disney-Filme von deutschsprachigen Märchen und Orten in Deutschland inspiriert waren. 1935 hatte er aus Interesse sogar Schloss Neuschwanstein (siehe Bild aus der heutigen Zeit) besucht.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="394" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Schloss-Neuschwanstein.jpg?resize=600%2C394&#038;ssl=1" alt="Foto von Schloss Neuschwandstein" class="wp-image-2771" style="width:600px;height:394px" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Schloss-Neuschwanstein.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Schloss-Neuschwanstein.jpg?resize=300%2C197&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Natalia Klenova/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>So war Hitler großer Fan von <em>&#8222;Schneewittchen und die sieben Zwerge&#8220;</em> und Goebbels wollte den Erfolg Disneys mit einer eigenen Zeichentrickgesellschaft kopieren.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="lincoln">Die Karriere des Abraham Lincoln</h3>



<p>Als Abraham Lincoln 1861 sein Amt als US-Präsident antrat, standen die <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">USA direkt vor dem langjährigen Bürgerkrieg</a>.</p>



<p>Doch dieser Konflikt hatte eine lange Vorgeschichte: Bereits seit der Gründung der Vereinigten Staaten schwelte die Frage über den Status der Sklaverei in mehreren Bundesstaaten.</p>



<p>Bis zum Amerikanischen Bürgerkrieg galten Afroamerikaner innerhalb der USA in ihrer Mehrzahl als Sklaven, die wie andere Dinge auf Märkten (siehe Bild einer Sklavenauktion in Richmond im Bundesstaat Virginia) verkauft werden konnten. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="306" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Sklavenmarkt.jpg?resize=600%2C306&#038;ssl=1" alt="Gravur eines Sklavenmarktes von 1856" class="wp-image-2341" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Sklavenmarkt.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Sklavenmarkt.jpg?resize=300%2C153&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Lincoln hatte sich dabei bereits vor seiner Präsidentschaftskandidatur engagiert. </p>



<p>Neben seiner politischen Karriere war er vor allem als Anwalt in seinem Heimatstaat Illinois aktiv. </p>



<p>Lincoln, der Jura nur als Autodidakt studiert hatte, bestritt an die 5.000 Fälle und schulte so auch rhetorisches Talent.</p>



<p>Vor allem Letzteres machte ihn schließlich landesweit bekannt und zusammen mit seinem gemäßigten Kurs in der Sklavereifrage zum Kandidaten der Republikaner bei der Wahl 1860.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="ephesos">Die Zerstörung des Tempels von Ephesos</h3>



<p>Der Tempel von Ephesos (siehe Bild) galt nicht nur wegen seiner Größe und Pracht als eines der bedeutendsten Heiligtümer der Antike. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="413" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Tempel-von-Ephesos.jpg?resize=600%2C413&#038;ssl=1" alt="Illustration des Tempels von Ephesos" class="wp-image-2772" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Tempel-von-Ephesos.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Tempel-von-Ephesos.jpg?resize=300%2C207&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(garanga/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Er zählte sogar zu den <em>&#8222;Sieben Weltwundern&#8220;</em> dieser Zeit.</p>



<p>Vor allem die zwei Meter große Statue der Jagd- und Fruchtbarkeitsgöttin Artemis galt als Herzstück eines Tempels, wie er selten erbaut worden war. </p>



<p>Hinzu kam, dass das an der Schnittstelle zwischen Asien und Europa gelegene Ephesos eine der größten und reichsten griechischen Städte jener Zeit war. </p>



<p>Der Artemis-Tempel unterstrich diesen Status eindrucksvoll.</p>



<p>Umso größer war der Schock, als der Tempel im Jahr 356 vor Christus abbrannte. </p>



<p>Nach den antiken Quellen war ein Mann namens Herostratos verantwortlich, der mit seiner Tat Unsterblichkeit erringen wollte.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="alexander">Der Tod von Alexander dem Großen</h3>



<p>In derselben Nacht, in der der Tempel in Ephesos abbrannte, kam angeblich der spätere Alexander der Große (siehe Bild) auf die Welt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="337" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/10/Alexander-der-Grosse.jpg?resize=600%2C337&#038;ssl=1" alt="Relief mit der Silhouette von Alexander dem Großen" class="wp-image-2087" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/10/Alexander-der-Grosse.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/10/Alexander-der-Grosse.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(giannimarchetti/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Seinen unsterblichen Ruhm begründete er mit mehreren Siegen gegen die Perser und der Eroberung <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-persien-iran/">der ersten antiken Großmacht</a>. </p>



<p>So schuf der makedonische Herrscher die Grundlage für die  von griechischer Kultur dominierte antike Welt im östlichen Europa und dem westlichen Asien.</p>



<p>Was Alexander den Großen endgültig zur Legende machte, war sein überraschender Tod mit 32 Jahren in Babylon.</p>



<p>Vor allem die Umstände seines Todes waren unklar: Von Vergiftung über eine Krankheit bis hin zu übermäßigem Alkoholkonsum stand schon alles zur Debatte.</p>



<p>In jedem Fall gehörte Alexander zu den jung verstorbenen Herrschern, bei denen sofort die Fragen einsetzten, was gewesen wäre, hätten sie länger gelebt.</p>



<p>Denn sein gerade erobertes Weltreich überlebte den erfolgreichen Feldherrn nicht.</p>



<p>Stattdessen eroberte mit dem Römischen Reich eine aufstrebende Großmacht große Teile seines ehemaligen Reiches.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<p>Oliver Henkel überschreibt die Kurzgeschichten von <em>&#8222;Wechselwelten&#8220; </em>mit dem Untertitel <em>&#8222;Sieben Ausflüge in Welten, die vielleicht beinahe existiert hätten&#8220;.</em></p>



<p>Diese Alternativwelten streifen verschiedene Zeiten, Orte und Szenarien.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="oktober">Ein neunter Oktober</h3>



<p>1989: In <em>&#8222;Ein neunter Oktober&#8220;</em> wird der junge Armeeoffizier Walter Lenschow nach Leipzig zur Niederschlagung der dortigen Bürgerbewegung entsandt. </p>



<p>Anders als in der Realität entschließt sich hier die DDR-Führung, <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/die-republik-von-maxim-voland/">die Demonstration mit allen verfügbaren Kräften</a> gewaltsam zu beenden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto des alten Wappens der DDR" class="wp-image-2203" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(dimm3d/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Doch die verschiedenen Sicherheitsorgane sind den Demonstranten zahlenmäßig weit unterlegen.</p>



<p>Mitten im entstehenden blutigen Chaos versucht Lenschow bei Verstand zu bleiben und unverhofft <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/die-letzte-kosmonautin-brandon-q-morris/">ein Leben zu retten</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="adler">Der Adler ist gelandet</h3>



<p>1491: Während der Belagerung von Granada trifft der Lübecker Kaufmann Hinrich Staacke auf einen Seemann aus Genua, der ebenfalls auf eine Audienz bei den spanischen Königen wartet.</p>



<p>Beide sind bisher von den Monarchen bitter enttäuscht worden und suchen neue Chancen, um die bisherigen Misserfolge auszuwetzen.</p>



<p>Entsprechend hellhörig wird Staacke als Christoph Kolumbus von einem neuen Weg zu den Gewürzen und Reichtümern Asiens berichtet.</p>



<p>So macht sich die Hanse unter der Führung Lübecks (siehe Bild aus der heutigen Zeit) auf die Fahrt gen Westen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="450" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Altstadt-Luebeck.jpg?resize=600%2C450&#038;ssl=1" alt="Luftbild der Altstadt von Lübeck" class="wp-image-2768" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Altstadt-Luebeck.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Altstadt-Luebeck.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption"> (saiko3p/Shutterstock)</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading" id="menschen">&#8230;auf daß er die Menschen erlöse</h3>



<p>Als Jesus von Nazareth durch den Verrat von Judas Ischariot in Jerusalem festgenommen wird und gekreuzigt werden soll, fügt sich zuerst alles wie in der Bibel. </p>



<p>Doch einmal bekommt Judas Gewissensbisse.</p>



<p>Verzweifelt sucht er einen Weg, seinen Meister vor der Verurteilung durch Pontius Pilatus zu retten.</p>



<p>Da trifft er zufällig auf einen römischen Zenturio, der Jesus noch für eine Heilung sehr dankbar ist.</p>



<p>Dann kommt ihm eine Idee.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="kalifornia">Kalifornia Dreaming</h3>



<p>Zur Eröffnung des neuen Disneylands bekommt Walt Disney 1955 Bewunderungsbriefe aus der ganzen Welt. </p>



<p>Unter anderem schreibt ihm Joseph Goebbels und schlägt sogar den Bau eines Disneylands im Deutschen Reich vor.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="friedrichsburg">Mr. Lincoln fährt nach Friedrichsburg</h3>



<p>Während im Jahr 1857 in den USA die Frage der Sklaverei immer mehr eskaliert, bekommt der aufstrebende Anwalt und Politiker Abraham Lincoln einen ungewöhnlichen Fall vorgelegt. </p>



<p>Nicht nur, dass die Sklavereibefürworter auf neue juristische Argumente für eine Rückführung von geflohenen Sklaven in die Südstaaten hoffen.</p>



<p>Dieser Fall führt ihn sogar an einen ungewöhnlichen Ort in Nordamerika: in das ehemalige South Carolina und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-fahrt-des-leviathan-oliver-henkel/">die jetzige preußische Kolonie Karolina</a>.</p>



<p>Die Altstadt von Charleston (siehe Bild aus der heutigen Zeit) ist als Friedrichsburg der Schauplatz der Verhandlung.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="690" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Altstadt-Charleston.jpg?resize=600%2C690&#038;ssl=1" alt="Altstadt von Charleston South Carolina" class="wp-image-2767" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Altstadt-Charleston.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Altstadt-Charleston.jpg?resize=261%2C300&amp;ssl=1 261w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(f11photo/Shuttestock)</figcaption></figure>



<p>Hier muss er sich nicht nur mit einem äußert findigen Anwalt der Gegenseite herumschlagen, sondern sich auch in einem für ihn fremden System.</p>



<p>Denn Preußen hat seine ganz eigene Art, die Frage der Sklaverei zu beantworten.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="harold-strait">Die Unsterblichkeit des Harold Strait</h3>



<p>Als Student nimmt Harold Strait an einem geheimen Experiment <a href="https://ankerpunkte-blog.de/romane-filme/der-letzte-tag-der-schoepfung-wolfgang-jeschke/">mit Zeitreisen</a> teil.</p>



<p>Diese Reisen sind größtenteils unspektakulär und nur für die Wissenschaftler interessant. </p>



<p>Erst als einer der anderen Teilnehmer beginnt, in der Antike Spuren zu hinterlassen, um Straits große Liebe zu beeindrucken, ändert er seine Pläne.</p>



<p>Doch erste Versuche, durch ähnliche Aktionen bei seiner Flamme zu punkten, scheitern. </p>



<p>Doch dann erhält Harold Strait die Gelegenheit, den Tempel von Ephesos im Jahr 356 vor Christus zu besuchen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="nikandros">Aus den &#8218;Symphosien&#8216; des Nikandros von Athen: Dialog XIV, auch bekannt als &#8222;Zweites Gastmahl des Sophrionos&#8220;</h3>



<p>Im Schlusskapitel diskutieren zwei Philosophen den Weg Alexanders des Großen nach seiner überraschenden Genesung.</p>



<p>Denn die Eroberungslust des makedonischen Herrschers war danach noch größer als vor der Eroberung des Perserreiches.</p>



<p>Da fiel ihm eine Delegation durch ihr arrogantes Verhalten ins Auge und sein Blick wanderte zu einem neuen Ziel: einem bisher wenig bekannten Reich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/geschichte-roemisches-reich/">um die Stadt Rom</a>.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="452" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Maximilian-D%C3%B6rrbecker-Rom-Karthago.png?resize=600%2C452&#038;ssl=1" alt="Das westliche Mittelmeer im Jahr 279 vor Christus, aufgeteilt zwischen Rom und Karthago." class="wp-image-642" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Maximilian-D%C3%B6rrbecker-Rom-Karthago.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Maximilian-D%C3%B6rrbecker-Rom-Karthago.png?resize=300%2C226&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:West_Mediterranean_Areas_279_BC-de.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Maximilian Dörrbecker/CC BY-SA 2.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Und so setzen sich die gewaltigste Kriegsmaschinerie und einer der genialsten Feldherren der Antike in Bewegung nach Westen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="wechselwelten">Vielfältige Wechselwelten</h3>



<p>Mit <em>&#8222;Wechselwelten&#8220;</em> und seinem Untertitel <em>&#8222;Sieben Ausflüge in Welten, die vielleicht beinahe existiert hätten&#8220;</em> stellt <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/im-jahre-ragnaroek-oliver-henkel/">Oliver Henkel</a> einen hohen Anspruch an sein Buch auf.</p>



<p>Diesen auf gerade einmal 246 Seiten für sieben Kurzgeschichten einzulösen ist in jedem Falle ambitioniert, wenn nicht sogar unmöglich.</p>



<p>Dennoch sind die Geschichten sehr abwechslungsreich und vielfältig. </p>



<p>Sie umspannen nicht nur 2.000 Jahre Geschichte, sondern auch sieben verschiedene Orte und Hintergründe.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="835" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Cover-Wechselwelten.jpg?resize=600%2C835&#038;ssl=1" alt="Buchcover von Wechselwelten" class="wp-image-2770" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Cover-Wechselwelten.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Cover-Wechselwelten.jpg?resize=216%2C300&amp;ssl=1 216w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Daher ist es auf jeden Fall spannend, sich in die einzelnen <em>&#8222;Wechselwelten&#8220; </em>hineinzudenken.</p>



<p>Historisch gesehen sind viele von ihnen unrealistisch, was aber gerade bei literarischen Kurzgeschichten in Ordnung ist. </p>



<p>So erscheint es sehr unrealistisch, dass ein ambitionierter Eroberer wie Alexander der Große sein gesamtes Militär für eine damals unbedeutende Regionalmacht einsetzt.</p>



<p>Oder, dass die sehr stark auf  traditionelle Handelswege in Europa fokussierte und sich bereits im Niedergang befindliche Hanse eine Expedition über den Atlantik finanziert und ausrüstet. </p>



<p>Auf wenigen Seiten lassen sich historische Hintergründe <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">von alternativen Geschichten</a> nicht aufschlüsseln.</p>



<p>Häufig bleibt es nur bei Andeutungen über die Gründe für den alternativen Verlauf.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="qualitaet">Unterschiedliche Qualität</h3>



<p>Die Geschichten sind jedoch von unterschiedlicher Qualität.</p>



<p>So sticht besonders <em>&#8222;Mr. Lincoln fährt nach Friedrichsburg&#8220;</em> durch seine dichte Erzählung und den Spannungsbogen positiv heraus.</p>



<p>Hier zeigt Oliver Henkel wie in <em><a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/kaisertag-oliver-henkel/">&#8222;Kaisertag&#8220;</a></em> seine Stärke in der Beschreibung der Alternativwelt und Anspielungen auf die Realität.</p>



<p>Auch das Schlusskapitel um die Diskussion der beiden griechischen Philosophen ist gut geschrieben und eine stilistische Abwechslung.</p>



<p>Andere Kurzgeschichten fallen dagegen ab. So wirkt <em>&#8222;auf daß er die Menschen erlöse&#8220;</em> stark konstruiert, vor allem mit dem Deus ex machina des zufällig auftauchenden römischen Zenturios.</p>



<p><em>&#8222;Kalifornia Dreaming&#8220;</em> war für mich zuerst etwas unschlüssig in der Interpretation, stellt aber einen durchaus geschickter Hinweis auf den Antisemitismus und den geschäftlichen Opportunismus von Walt Disney dar.</p>



<p>Insgesamt legt <em>&#8222;Wechselwelten&#8220; </em>als literarische Kurzgeschichtensammlung einen starken Fokus auf Einzelpersonen, die Geschichten gestalten. </p>



<p>Zum Beispiel Hinrich Staack in <em>&#8222;Der Adler ist gelandet&#8220;</em>, der es im Alleingang schafft, Kolumbus von einer Zusammenarbeit mit der Hanse zu überzeugen.</p>



<p>Nur in zwei Geschichten dreht Oliver Henkel diesen Fokus auf wirkmächtige Individuen um.</p>



<p>In <em>&#8222;Die Unsterblichkeit des Harold Strait&#8220;</em> bemüht sich die Hauptfigur zwar verzweifelt darum, die Geschichte zu prägen, scheitert aber immer wieder.</p>



<p>Und in <em>&#8222;Ein neunter Oktober&#8220;</em> ist die Hauptfigur nicht nur in der großen Geschichte, sondern auch in der gesamten Handlung <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/">bloßer Spielball</a> der Ereignisse.</p>



<p>Zusammengefasst zeigt Oliver Henkel in <em>&#8222;Wechselwelten&#8220;</em> unterschiedliche Gesichter.</p>



<p>Spannend und schlau geschriebenen Kurzgeschichten mit guten Anspielungen über Abraham Lincoln und Alexander den Großen stehen Erzählungen gegenüber, die aus meiner Sicht <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/zeitmaschine-karls-des-grossen-oliver-henkel/">ihr großes Potenzial verschenken</a>.</p>



<p>Etwas enttäuscht hat mich die unglaublich große Schriftgröße für das kleine Buch. So ist es zwar schnell lesbar, aber manche Kurzgeschichte ist deshalb zu schnell vorbei.</p>



<p>Daher empfehle ich <em>&#8222;Wechselwelten&#8220;</em> nur bedingt weiter.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Oliver Henkel: Wechselwelten. Sieben Ausflüge in Welten, die vielleicht beinahe existiert hätten, Norderstedt 2004.</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article201592538/Leipziger-Montagsdemos-Was-war-denn-am-Morgen-des-10-Oktobers-anders.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Bis heute wissen wir nicht, warum es gewaltfrei blieb“.</a> Friedliche Revolution, auf: welt.de (05.01.2021).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article194512807/Tian-anmen-Platz-1989-Darum-lobte-die-SED-die-chinesische-Loesung.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Warum die SED-Führung die „chinesische Lösung“ lobte.</a> Tian’anmen-Massaker, auf: welt.de (22.03.2021).</li>



<li>Ehrhart Neubert: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/leipzig-9-oktober-1989-a-948186.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;Wir sind das Volk!&#8220;</a> Leipzig, 9. Oktober 1989, auf: spiegel.de (07.10.2007).</li>



<li><a href="https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-vertrag-kolumbus-spanien-krone-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">April 1492 &#8211; Vertrag zwischen Kolumbus und der spanischen Krone</a>, auf: wdr.de (17.04.2017).</li>



<li><a href="https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/Die-Geschichte-des-Staedtebundes-Hanse,hanse30.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mittelalter: Die Hanse beherrscht den Norden</a>, auf: ndr.de (21.09.2016).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article207171753/Ungeschehene-Geschichte-Wenn-Pilatus-Jesus-begnadigt-haette.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wenn Pontius Pilatus Jesus begnadigt hätte.</a> Ungeschehene Geschichte, auf: welt.de (10.04.2020).</li>



<li>Hannes Stein: <a href="https://www.welt.de/debatte/kommentare/article127115533/Lasst-doch-endlich-den-armen-Judas-in-Ruhe.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lasst doch endlich den armen Judas in Ruhe!</a> Ostern, welt.de (19.04.2014).</li>



<li>Rolf Giesen: <a href="https://www.welt.de/kultur/kino/article143537734/Was-Walt-Disney-in-Hitlerdeutschland-wollte.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Was Walt Disney in Hitlerdeutschland wollte.</a> Ergiebige Reise, auf: welt.de (05.07.2015).</li>



<li>Marc Pitzke: <a href="https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/film-ueber-walt-disney-saving-mr-banks-mit-tom-hanks-a-942905.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Wolf im Tom-Hanks-Pelz.</a> Disney-Biopic &#8222;Saving Mr. Banks&#8220;, spiegel.de (16.01.2014).</li>



<li>Kathrin Fromm: <a href="https://www.zeit.de/campus/2011/01/ehemaligenverein-lincoln" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Abraham Lincoln.</a> Studenten von früher, auf: zeit.de (14.12.20210).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/kultur/history/article10708318/Wie-Abraham-Lincoln-die-Sklavenhalter-provozierte.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie Abraham Lincoln die Sklavenhalter provozierte.</a> Amerikanischer Bürgerkrieg, auf: welt.de (05.11.2010).</li>



<li><a href="https://www.scinexx.de/dossierartikel/der-artemis-tempel-von-ephesos/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Artemis-Tempel von Ephesos.</a> Wohnstätte der Götter auf Erden, auf: scinexx.de (26.07.2001).</li>



<li>Jan von Flocken: <a href="https://www.welt.de/kultur/history/article10926783/Der-raetselhafte-Tod-Alexanders-des-Grossen.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der rätselhafte Tod Alexanders des Großen.</a> Verschwörung in Babylon, auf: welt.de (23.11.2010).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article116789477/Zehn-Gruende-warum-Alexander-die-Welt-eroberte.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zehn Gründe, warum Alexander die Welt eroberte.</a> Alexander der Große, auf: welt.de (07.04.2016).</li>



<li>ZEIT Geschichte: Die Hanse. Kaufleute, Könige, Krieger: Europas heimliche Supermacht 1150 bis 1650. Mai 2021.</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/wechselwelten-oliver-henkel/">356 vor Christus bis 1989: Wechselwelten von Oliver Henkel</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/wechselwelten-oliver-henkel/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">2694</post-id>	</item>
		<item>
		<title>28 Punkte, an denen die Geschichte der USA anders verlaufen wäre</title>
		<link>https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/</link>
					<comments>https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Jan 2021 15:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Historische Hintergründe]]></category>
		<category><![CDATA[Verschwundene Reiche]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ankerpunkte-blog.de/?p=2227</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika, den USA, ist mit fast 250 Jahren vergleichsweise kurz. Sie weist aber langfristige Entwicklungen auf, die sich aktuell entladen, und bietet dadurch unzählige Ankerpunkte. Ankerpunkte, die nicht nur die Geschichte der USA beeinflussen, sondern von ganz Amerika und der Welt. Denn die USA und ihre 50 Bundesstaaten (siehe [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">28 Punkte, an denen die Geschichte der USA anders verlaufen wäre</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika, den USA, ist mit fast 250 Jahren vergleichsweise kurz. Sie weist aber langfristige Entwicklungen auf, die sich aktuell entladen, und bietet dadurch unzählige Ankerpunkte.</p>



<span id="more-2227"></span>



<p><a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">Ankerpunkte</a>, die nicht nur die Geschichte der USA beeinflussen, sondern von ganz Amerika und der Welt. </p>



<p>Denn die USA und ihre 50 Bundesstaaten (siehe Bild) entstanden in einer fast 250 Jahre langen, sehr wechselvollen Geschichte.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="372" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Karte-USA.png?resize=600%2C372&#038;ssl=1" alt="Karte der USA mit ihren 50 Bundesstaaten" class="wp-image-2370" style="width:600px;height:372px" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Karte-USA.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Karte-USA.png?resize=300%2C186&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:United_States,_administrative_divisions_-_de_-_colored.svg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">TUBS/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Ankerpunkte</h2>



<ol class="wp-block-list">
<li><a href="#soto">1540: Der vernichtende Sieg des Hernando de Soto</a></li>



<li><a href="#dunmore">1775: Die zweischneidige Erklärung des General Dunmore</a></li>



<li><a href="#trenton">1776: Die überraschende Schlacht von Trenton</a></li>



<li><a href="#verfassung">1787: Die hart erkämpfte Verfassung</a></li>



<li><a href="#muhlenberg">1794: Die legendäre Petition an Muhlenberg</a></li>



<li><a href="#cherokee">1838: Die gescheiterte Unabhängigkeit der Cherokee</a></li>



<li><a href="#princeton">1844: Der vierte Schuss der <em>USS Princeton</em></a></li>



<li><a href="#tom">1852: Das erschütternde Buch &#8222;Onkel Toms Hütte&#8220;</a></li>



<li><a href="#gettysburg">1863: Die entscheidende Schlacht von Gettysburg</a></li>



<li><a href="#reconstruction">1876: Das umstrittene Ende der <em>&#8222;Reconstruction&#8220;</em></a></li>



<li><a href="#corporate">1882: Die erlogenen Rechte von Unternehmen</a></li>



<li><a href="#maine">1898: Der ungeklärte Untergang der Maine</a></li>



<li><a href="#wilson">1919: Der verheimlichte Schlaganfall von Wilson</a></li>



<li><a href="#roosevelt">1933: Das gescheiterte Attentat auf Roosevelt</a></li>



<li><a href="#pearlharbor">1941: Der schockierende Angriff auf Pearl Harbor</a></li>



<li><a href="#oppenheimer">1942: Die überraschende Berufung von Robert Oppenheimer</a></li>



<li><a href="#groenland">1946: Der gescheiterte Kauf von Grönland</a></li>



<li><a href="#vinson">1953: Der folgenreiche Herzinfarkt des Richters Vinson</a></li>



<li><a href="#mccarthy">1954: Das unrühmliche Ende des Joseph McCarthy</a></li>



<li><a href="#sputnik">1957: Der elitäre Sputnik-Schock</a></li>



<li><a href="#kuba">1959: Der vermeidbare Bruch mit Kuba</a></li>



<li><a href="#kennedy">1960: Der umkämpfte Sieg von John F. Kennedy</a></li>



<li><a href="#bobby">1968: Das fast unbekannte Attentat auf Bobby Kennedy</a></li>



<li><a href="#tetoffensive">1968: Die zweifach desaströse Tet-Offensive</a></li>



<li><a href="#wtc">1993: Der gescheiterte Anschlag auf das World Trade Center</a></li>



<li><a href="#911">2001: Der einschneidende Anschlag von 9/11</a></li>



<li><a href="#trump">2016: Der überraschende Sieg von Donald Trump</a></li>



<li><a href="#biden">2020: Die knappe Wahl von Joe Biden</a></li>
</ol>



<p><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></p>



<h3 class="wp-block-heading" id="soto">1. 1540: Der vernichtende Sieg des Hernando de Soto</h3>



<p>1539 drohte Nordamerika, das Schicksal von Süd- und Mittelamerika zu teilen: Der Konquistador Hernando de Soto brach zu einem Feldzug in das heutige Florida auf, um die Gebiete auf der Suche nach Gold für die spanische Krone zu erobern.</p>



<p>Die verschiedenen Indianerstämme, denen er bis zum Mississippi begegnete, leisteten zwar vielfach Widerstand. Sie waren den spanischen Panzerreitern und Feuerwaffen (siehe Bild) aber nicht gewachsen. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="943" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Konquistatdor.jpg?resize=600%2C943&#038;ssl=1" alt="Grafische Darstellung eines typischen Konquistadors" class="wp-image-2335" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Konquistatdor.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Konquistatdor.jpg?resize=191%2C300&amp;ssl=1 191w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Kletr/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>1540 kam es bei der Stadt Mabila zur Schlacht mit einer Koalition verschiedener Stämme. Nach heftigen Kämpfen blieben auch dieses Mal die Spanier Sieger.</p>



<p>Doch die Schlacht hatte die Konquistadoren desillusioniert: Erneut gab es keine Hinweise auf große Reiche mit Gold und Edelsteinen. </p>



<p>Zwar führte de Soto seine Männer noch bis zu seinem Tod 1542 sogar in das heutige Texas. Als er aber am Mississippi starb, zogen sich die restlichen Männer zurück.</p>



<p>Die spanische Krone schloss aus diesem Misserfolg, dass sich eine Eroberung des Landes nicht lohnen würde. Sie konzentrierte sich danach bis auf wenige Vorstöße auf die Ausbeutung der vorhandenen Besitzungen in Süd<strong>‐</strong> und Mittelamerika.</p>



<p>Der hartnäckige Widerstand der Indianer hatte so zwar die Spanier vorerst zurückgeschlagen. Deren Krankheiten dezimierten aber die Stämme, die den Feldzug überlebt hatten. Bis in das 17. Jahrhundert entwickelten sich blühende Siedlungen zu einer unbewohnten Wildnis.</p>



<p>Nach dem Rückzug der Spanier und den Verlusten der Indianer waren damit zwei große Hindernisse <a href="https://ankerpunkte-blog.de/science-fiction-und-fantasy/marvel-1602-neil-gaiman/">für die Besiedlung durch die Menschen</a> beseitigt, die später die USA bilden sollten.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn sich die Spanier dauerhaft in Nordamerika festgesetzt hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="dunmore">2. 1775: Die zweischneidige Erklärung des General Dunmore</h3>



<p>Seit dem Frühjahr 1775 war die Lage in den 13 britischen Kolonien von Nordamerika immer mehr eskaliert.</p>



<p>Seit dem Ende des <em>&#8222;Siebenjährigen Krieges&#8220;</em> hatte sich der Konflikt zwischen Eliten in den Kolonien und dem britischen Mutterland zugespitzt. </p>



<p>Am Anfang ging es noch um Steuern zur Begleichung der Kriegskosten. 1775 hatte sich die Diskussion immer mehr zur Frage entwickelt, welche Rechte die Kolonisten als Untertanen des britischen Königs hatten und welche sie als freie Menschen jenseits der Autorität der Krone hatten.</p>



<p>In dieser explosiven Lage war es nach der versuchten Beschlagnahme von Munition zu ersten Gefechten zwischen kolonialen Milizen sowie der britischen Armee bei Lexington und Concord gekommen.</p>



<p>Doch obwohl der Kontinentalkongress als oberste Versammlung der 13 Kolonien einen immer schärferen Ton anschlug und den Aufbau einer eigenen Armee unter dem Befehl von George Washington beschloss, war damit noch keine Forderung nach Unabhängigkeit verbunden.</p>



<p>Dieses Ziel verfolgte nur eine radikale, wachsende Minderheit. Die meisten Aufständischen waren nur darauf aus, ihre angeblich angeborenen Rechte als britische Bürger zu verteidigen.</p>



<p>Viele Kolonisten fürchteten aber, dass die Briten ihre große Schwäche nutzen würden: In allen Kolonien war die Sklaverei noch erlaubt und die meisten führenden Männer, vor allem der südlichen Kolonien, waren Sklavenbesitzer.</p>



<p>Sie einte nicht nur die Furcht vor einem Aufstand der afroamerikanischen Bevölkerung in ihren Staaten. Versuche dazu hatte es schon mehrfach gegeben, ebenso wie erfolgreiche Mordversuche von Sklaven auf ihre Herren.</p>



<p>Den britischen Autoritäten war diese offensichtliche <em>&#8222;Achillesferse&#8220; </em>bekannt. Eines der Argumente der britischen Regierung gegen die Forderungen der Kolonien war daher, dass die Kolonisten Freiheiten für sich forderten, die sie ihren Sklaven niemals gewähren wollten.</p>



<p>Daher verwundert es nicht, dass General Dunmore, der königliche Gouverneur von Virginia, im November 1775 in einer Proklamation nicht nur das Kriegsrecht ausrief, sondern auch allen Sklaven die Freiheit versprach, die von ihren Besitzern flohen und sich den königlichen Streitkräften anschlossen.</p>



<p>Allerdings scheiterte dieses Ziel und nur wenige Afroamerikaner liefen zu Dunmores Armee über. Stattdessen verloren die Briten die Loyalität der meisten sklavenbesitzenden Eliten in ihrer größten und reichsten Kolonie.</p>



<p>Dies war einer der größten Schritte, um den Befürwortern der Unabhängigkeit eine Mehrheit im Kontinentalkongress zu bescheren. Im Juli 1776 beschloss dieser die Unabhängigkeitserklärung.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Aufruf von General Dunmore nicht in der Frühphase des späteren Unabhängigkeitskrieges verfasst worden wäre? Oder was wäre gewesen, wenn sie erfolgreicher gewesen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="trenton">3. 1776: Die überraschende Schlacht von Trenton</h3>



<p>Ende des Jahres 1776 war die Lage für die amerikanischen Aufständischen so prekär, dass die <em>&#8222;Amerikanische Revolution&#8220;</em> bereits im zweiten Jahr am Ende schien.</p>



<p>Den Amerikanern mehr noch als den Briten mangelte es an einer ausreichenden Anzahl ausgebildeter Soldaten, um größere Schlachten zu führen und zu gewinnen. </p>



<p>Im Gegensatz zu den Aufständischen konnte die britische Krone dieses Defizit aber durch das Anheuern von ausländischen Regimentern ausgleichen. </p>



<p>Da diese gut ausgebildeten Soldaten vor allem aus der deutschen Landgrafschaft Hessen-Kassel stammten, bürgerte sich auf amerikanischer Seite für diesen durchaus gefürchteten Gegner der Name <em>&#8222;Hessen&#8220;</em> ein.</p>



<p>Da die Moral der US<strong>‐</strong>amerikanischen Armee angesichts dieser Verhältnisse am Boden lag, entschloss sich deren Oberbefehlshaber George Washington zu einem waghalsigen Manöver.</p>



<p>Mitten im Winter, in dem die Armeen normalerweise im Winterlager inaktiv waren, überquerte er mit einigen seiner Truppen den eisigen Fluss Delaware (siehe Bild), um die bei Trenton in New Jersey liegenden hessischen Regimenter anzugreifen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="377" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Washington-Delaware.jpg?resize=600%2C377&#038;ssl=1" alt="Bild von Washington, der den Delaware überquert" class="wp-image-2347" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Washington-Delaware.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Washington-Delaware.jpg?resize=300%2C189&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Victorian Traditions/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Die Überraschung gelang: Bei geringen eigenen Verlusten schlugen die US-Amerikaner die unvorbereiteten Hessen vernichtend. Diese hatten größtenteils auf Verteidigungs- und Wachdienste verzichtet und reagierten bei Näherrücken der Angreifer zu langsam sowie zu unkoordiniert.</p>



<p>Eine Woche später besiegte George Washington auch eine britische Armee, die nach Trenton einen Gegenangriff gestartet hatte.</p>



<p>Die Schlacht von Trenton änderte zwar nichts an der schlechten strategischen Lage der US-Amerikaner. </p>



<p>Sie zeigte jedoch, dass diese in der Lage waren, auch die sehr gut ausgebildeten hessischen Regimenter zu besiegen. Dadurch hob sich die Moral der Aufständischen wieder auf ein Level, dass eine Fortführung des Krieges erlaubte.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn George Washington die Schlacht von Trenton auch verloren hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="verfassung">4. 1787: Die hart erkämpfte Verfassung</h3>



<p>Nach dem Ende des Unabhängigkeitskrieges standen die neu gegründeten USA vor weiteren Problemen.</p>



<p>Besonders das Verhältnis zwischen dem Bund und den einzelnen Staaten war ungeklärt und durch die Frage der Kriegsschulden belastet.</p>



<p>Erst ein Kongress im Jahr 1787 sollte das Problem lösen. </p>



<p>Doch zuerst mussten alle Delegierten der zwölf Kolonien – Rhode Island hatte keine Notwendigkeit gesehen, überhaupt Delegierte zu schicken – überzeugt werden, eine neue Verfassung auszuarbeiten.</p>



<p>Die Hauptschwierigkeit betraf dabei neben der unterschiedlichen Repräsentation von großen und kleinen Bundesstaaten die Frage des Umgangs mit der Sklaverei.</p>



<p>Während und nach dem Unabhängigkeitskrieg hatten die ersten Staaten im Norden die Sklaverei verboten. Immer mehr Kritiker sahen die Diskrepanz zwischen den Idealen der Unabhängigkeitserklärung und der Realität der Sklaverei.</p>



<p>Doch die südlichen Bundesstaaten bestanden auf einem Verbot für die Bundesebene, hier einzugreifen oder gar die Sklaverei zu verbieten. Sie wollten aber auch, dass Sklaven in die Berechnung für die politische Repräsentanz einflossen.</p>



<p>Nach harten Debatten, in denen einzelnen Südstaaten mit einem Verlassen des Bundes drohten, einigten sich die erschöpften Delegierten auf mehrere Kompromisse.</p>



<p>So wurde in der Verfassung (siehe Bild) festgelegt, dass die Bevölkerung einmal im Repräsentantenhaus nach ihrer Größe und im Senat mit jeweils zwei Vertretern pro Bundesstaat repräsentiert werden sollte.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Verfassung-USA.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Grafik der ersten Seite der US-amerikanischen Verfassung" class="wp-image-2345" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Verfassung-USA.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Verfassung-USA.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(David Smart/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Bei der Berechnung der Bevölkerungsgröße zählten Sklaven zu drei Fünftel, obwohl ihnen das Wahlrecht durch die Bundesstaaten nicht gewährt wurde.</p>



<p>Bezeichnenderweise fand sich das Wort <em>&#8222;Sklaverei&#8220; </em>kein einziges Mal im Text. Ein Teil der Delegierten sah darin eine zu große Schande für die Ideale der USA. Andere wollten verhindern, dass der Bundesstaat bei diesem Thema die Möglichkeit bekam, Rechte von den Einzelstaaten an sich zu ziehen. </p>



<p>Daher verweigerten einige Sklavereigegner die Unterschrift. Auch bei der Ratifizierung in den einzelnen Staaten brachen die Konflikte des Verfassungskongresses erneut aus. </p>



<p>Hinderlich für die Debatten war, dass sich die Delegierten des Verfassungskonvents auf eine 50-jährige Verschwiegenheitspflicht über die Beratungen geeinigt hatten – und sich daran hielten. Dies erschwerte es aber den kommenden Generationen von Politikern und Juristen, die Gründe für die Verfassungsregeln nachzuvollziehen.</p>



<p>Erst als nicht nur die vorgeschriebenen neun von dreizehn Staaten, sondern auch die bevölkerungsreichen Virginia und New York sie mit knapper Mehrheit in ihren Konventen ratifizierten, war sie gültig – bis heute. </p>



<p>Sie vertagte jedoch die Frage der Sklaverei in die Zukunft und belastete somit die jungen USA bis zum Bürgerkrieg mit diesem Thema. Bis dahin brachen quasi jedes Jahrzehnt neue politische und juristische Konflikte auf, die ihre Wurzeln in dieser Frage hatten.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Verfassung 1787 gescheitert wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="muhlenberg">5. 1794: Die legendäre Petition an Muhlenberg</h3>



<p>Knapp 20 Jahre nach Gründung der USA beschäftige eine Petition das Repräsentantenhaus. </p>



<p>Eine Gruppe deutscher Einwanderer aus Virginia bat darum, Gesetzestexte neben dem Englischen auch in der deutschen Sprache zu veröffentlichen. Damit würde sich, so ihre Argumentation, die Integration der deutschen Immigranten erleichtern.</p>



<p>Zu dieser Zeit und bis heute besaßen die USA und die meisten Bundesstaaten keine offizielle Amtssprache. Aus der Kolonialzeit hielt sich allerdings das Englische als faktische Amtssprache.</p>



<p>Die Reaktion des Repräsentantenhauses auf die Petition wurde in den Quellen unterschiedlich beschrieben. Am Ende verwarf die Kammer aber das Anliegen und empfahl, eher das Erlernen der englischen Sprache zu fördern. </p>



<p>Eine gewisse Ironie bestand darin, dass mit Frederick Muhlenberg der erste Sprecher des Repräsentantenhauses, auch noch zum Zeitpunkt der Petition, ein Deutschamerikaner war. </p>



<p>Aus dieser Geschichte entwickelte sich vor allem im 19. Jahrhundert die sogenannte <em>&#8222;Muhlenberg-Legende&#8220;</em>: Angeblich hätte es 1794 eine Abstimmung über die Einführung einer deutschen Amtssprache in den USA oder im Bundesstaat Pennsylvania gegeben. Dieser Versuch wäre nur an der entscheidenden  Stimme von Muhlenberg gescheitert.</p>



<p>Auch wenn sich dahinter nur eine Legende verbarg, so hat sie neben der Petition auch einen demografischen wahren Kern. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich die Deutschen zur größten Einwanderergruppe der USA.</p>



<p>Viele nach der gescheiterten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/1848-revolution/revolution-1848/">Revolution von 1848</a> geflohene Liberale – die sogenannten <em>&#8222;Forty-Eighters&#8220; – </em>machten sogar Karriere, zum Beispiel Carl Schurz (siehe Bild) als Innenminister der USA von 1877 bis 1881. Auch im Bürgerkrieg war diese Gruppe vor allem auf der Seite der Union stark engagiert.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="802" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Carl-Schurz.jpg?resize=600%2C802&#038;ssl=1" alt="Foto Carl Schurz" class="wp-image-2348" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Carl-Schurz.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Carl-Schurz.jpg?resize=224%2C300&amp;ssl=1 224w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Obwohl nach Herkunftsländern (Deutsches Reich, Österreich-Ungarn, verschiedene andere Staaten) und nach Religionen (Katholizismus, Protestantismus, Judentum) unterschiedlich sozialisiert, galten sie vor allem englischsprachigen US-Amerikanern als eine geschlossene Gruppe. Eine, die vor allem durch Kinderreichtum und Bierkonsum auffiel.</p>



<p>Auch entwickelte sich ein reges deutschsprachiges Vereins- und Medienwesen, das erst mit dem Kriegseintritt der USA in den Ersten Weltkrieg und der damit einhergehenden Deutschfeindlichkeit ein Ende fand.</p>



<p>Noch in der Volkszählung des Jahres 2000 gaben 17,4 % der US-Amerikaner an, hauptsächlich von deutschen Einwandern abzustammen und nur 9,5 % von englischsprachigen Vorfahren.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Petition hinter der <em>"Muhlenberg-Legende"</em>  erfolgreich gewesen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="cherokee">6. 1838: Die gescheiterte Unabhängigkeit der Cherokee</h3>



<p>Der 1829 ins Amt gekommene Präsident Andrew Jackson galt nicht nur als erfolgreicher Populist gegen die angeblich abgehobenen Elite in Washington. Er war auch ein großer Anhänger der Expansion der USA auf Kosten der Indianer-Stämme.</p>



<p>Daher war sein größtes Ziel, die Umsiedlung aller Stämme aus der Region östlich des Mississippi, um das Land den Bundesstaaten und neuen Siedlern zur Verfügung zu stellen.</p>



<p>Die Begründung dafür war, dass die Indianer <em>&#8222;unzivilisiert&#8220; </em>wären, da sie keine Regierung, keine Schrift und keine Religion besaßen. Daher würden sie keine eigene Souveränität und somit keine Landrechte besitzen.</p>



<p>Der Stamm der Cherokee drehte diese Argumentation am Anfang erfolgreich um: Seine Mitglieder entwickelten ein eigenes Alphabet für ihre Sprache und bildeten mit dem  <em>&#8222;Cherokee National Council&#8220;</em> eine Regierung, die 1827 eine geschriebene Verfassung verabschiedete.</p>



<p>Auch die heutige Fahne der Cherokee Nation (siehe Bild) verweist stolz auf das frühe Gründungsdatum einer weiteren Stammesregierung im Jahr 1839.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="357" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Cherokee-Nation-Fahne.jpg?resize=600%2C357&#038;ssl=1" alt="Fahne der heutigen Cherokee Nation" class="wp-image-2325" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Cherokee-Nation-Fahne.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Cherokee-Nation-Fahne.jpg?resize=300%2C179&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(yui/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Als die Anhänger von Jackson dennoch weiter an der bisherigen Argumentation festhielten, listeten die Cherokee sogar ihre Besitztümer auf, um ihre <em>&#8222;Zivilisation&#8220;</em> zu belegen.</p>



<p>Zwar gelang es Jackson, unter heftigen Protesten der nördlichen Bundesstaaten mit dem <em>&#8222;Indian Removal Act&#8220;</em> die gesetzliche Grundlage für die Zwangsumsiedlung zu schaffen. </p>



<p>Doch der Oberste Gerichtshof erklärte in zwei Urteilen, dass die Cherokee durchaus über eine eigene Souveränität auf ihrem Gebiet verfügten und daher eine Zwangsumsiedlung illegal wäre.</p>



<p>Mehrere andere Indianerstämme wollten diesem Beispiel folgen und die Urteile lösten eine große Diskussion in der US-amerikanischen Politik aus.</p>



<p>Doch Andrew Jackson entschloss sich, die Urteile schlicht zu ignorieren, und daraufzusetzen, dass er seinen Machtanspruch als Präsident durchsetzen konnte. Diese Einstellung brachte ihm ebenfalls viel Kritik ein, aber er war erfolgreich.</p>



<p>Die Cherokee mussten ihr Land im <em>&#8222;Pfad der Tränen&#8220;</em> verlassen und unter schweren Verlusten in das <em>&#8222;Indian Territory&#8220; </em>im heutigen Oklahoma ziehen.</p>



<p>1905 gab es dort nochmals den Versuch einer Souveränität der Indianer: Unter anderem die Cherokee bereiteten die Gründung eines eigenen Bundesstaates vor, mit dem sie den USA beitreten wollten.</p>



<p>Doch auch dieser Plan scheiterte am Widerstand der US-Regierung. Daher wurde dieses Territorium nur als Teil des Bundesstaats Oklahoma Mitglied der USA.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Cherokee ihre Souveränität gegenüber Andrew Jackson durchgesetzt hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="princeton">7. 1844: Der vierte Schuss der <em>&#8222;USS Princeton&#8220;</em></h3>



<p>Als am 28. Februar die <em>&#8222;USS Princeton&#8220;</em> auf dem Potomac-Fluss bei der Hauptstadt Washington den Anker legte waren aus einem besonderen Grund fast das gesamte Kabinett des Präsidenten John Tyler und der mexikanische Botschafter an Bord.</p>



<p>Im US-Kongress stand die Abstimmung über die Annexion von Texas an.  Das Land war nominell noch Teil von Mexiko, hatte sich aber in einem Aufstand losgesagt.</p>



<p>Daher war die Fahrt des stärksten Schiffs der US-Marine mit der größten bis dahin auf einem Schiff installierten Kanone eine klare Machtdemonstration der USA in Richtung des mexikanischen Botschafters.</p>



<p>Dieses Manöver funktionierte bei den ersten drei Schüssen, denn das anwesende Publikum zeigte sich sehr beeindruckt von der Feuerkraft der <em>&#8222;USS Princeton&#8220;</em>.</p>



<p>Doch der vierte Schuss – ein Salut für George Washington – mündete in eine Katastrophe: Das größte Geschütz explodierte und tötete sieben Männer, darunter den Außenminister Abel Upshur.</p>



<p>Präsident Tyler entging der Katastrophe nur, weil er sich mit der 24-jährigen Verlegerstochter Julia Gardiner unter Deck aufhielt. Während ihr Vater ebenfalls zu den Opfern der Explosion gehörte, trug der 54-jährige Tyler die ohnmächtige Frau zu den Rettungsboten – und ehelichte sie im Juni des gleichen Jahres.</p>



<p>Doch der Tod von Upshur verband die emotionale Frage der Texas-Annexion noch mehr mit der noch emotionaleren Frage der Sklaverei.</p>



<p>Bis zum Unglück  hatten Tyler und Upshur vor allem die positiven Seiten einer Annexion von Texas betont: Mit den neuen Territorien könnten noch mehr Menschen sich eine Existenz als freie Landbesitzer aufbauen.</p>



<p>Beide waren aber auch Südstaatenpolitiker, die mit Texas auch die Ausdehnung der Sklaverei auf diese neuen Gebiete ermöglichen wollten. Nur betonten beide die erste Begründung und hüteten sich, das zweite Ziel in der Öffentlichkeit breitzutreten. Damit waren sie bis dahin auch fast erfolgreich.</p>



<p>Der Nachfolger von Upshur, John C. Calhoun, war jedoch einer der bekanntesten Befürworter der Sklaverei in den USA und betonte dieses Thema entsprechend ausschließlich in der Frage der Texas-Annexion.</p>



<p>Damit kam es im Kongress erneut zur Frontstellung, die die US-Politik bis zum Bürgerkrieg beschäftigte: Die meisten Sklaverei-Staaten befürworteten die Aufnahme von Texas, die Sklaverei-freien Staaten waren dagegen.</p>



<p>Zwar lehnte der Senat entlang dieser Grenzen eine Annexion zuerst ab.</p>



<p>Doch die Präsidentschaftswahl von 1844, die ebenfalls als ein Referendum über die Fragen Texas und Ausdehnung der Sklaverei galt, ging mit nur 30.000 Stimmen zugunsten des Befürworters James K. Polk aus.</p>



<p>Daher sah sich der noch amtierende Präsident Tyler im Recht, erfolgreich die Annexion im Kongress durchzusetzen. </p>



<p>Diese führte unmittelbar zum <em>&#8222;Amerikanisch-Mexikanischen Krie</em>g&#8220;, der von 1846 bis 1848 tobte und den die USA relativ problemlos gewannen.</p>



<p>Im <em>&#8222;Frieden von Guadalupe Hidalgo&#8220;</em> musste Mexiko nicht nur die Annexion von Texas anerkennen. Das Land musste auch mit allen seinen Gebieten nördlich des 32. Breitengrades fast die Hälfte seines damaligen Territoriums an die USA abtreten (siehe auf der Karte dunkelgrau, rot und dazwischen hellgrau dargestellt). </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="534" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Karte-USA-Mexiko-1938.png?resize=600%2C534&#038;ssl=1" alt="Karte der mexikanischen Provinzen 1838" class="wp-image-2334" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Karte-USA-Mexiko-1938.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Karte-USA-Mexiko-1938.png?resize=300%2C267&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mexican_map_en_1838.PNG" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jaimiko/Gemeinfrei</a>)</figcaption></figure>



<p>Polk, wie Tyler und Upshur, ein Anhänger der Expansion der USA, hatte sogar noch höhere Ziele: Er wollte den 26. Breitengrad als neue Grenze ziehen, was den USA noch die mexikanischen Provinzen Baja California (hellgrau), Sonora (dunkelgrün) und Chihuahua (hellgrün) beschert hätte. </p>



<p>Er konnte sich jedoch in der emotionalen Debatte gegen seine Gegner, die schon aus den oben genannten Gründen gegen den Krieg gewesen waren, nicht durchsetzen.</p>



<p>Aus dem gleichen Grund scheiterte 1853 der Versuch, mit dem sogenannten <em>&#8222;Gadsden<em>&#8211;</em>Kauf&#8220;</em> weite Teile von Baja California und Sonora zu kaufen. Stattdessen wechselte nur ein kleines Gebiet den Besitzer beziehungsweise den Staat, da es für den Eisenbahnbau nach Kalifornien als nötig eingeschätzt wurde.</p>



<p>So blieb die Ironie, dass die USA mit der Annexion von Texas und den im <em>&#8222;Frieden von Guadalupe Hidalgo&#8220;</em> erworbenen Gebieten zwar den größten Zuwachs ihrer Geschichte errungen hatten, diesen aber selbst noch wegen des Konfliktes um die Sklaverei eher verkleinert hatten.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich die Debatte um die Annexion von Texas, der <em>"Amerikanisch-mexikanische Krie</em>g" und der <em>"Frieden von Guadalupe Hidalgo"</em> gestaltet, wenn Abel Upshur nicht bei der Explosion auf der <em>"USS Princeton"</em> ums Leben gekommen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="tom">8. 1852: Das erschütternde Buch &#8222;Onkel Toms Hütte&#8220;</h3>



<p>Seit ihrer Gründung hatte die Sklaverei die USA in den Norden und den Süden geteilt. </p>



<p>Zwar war die Sklaverei in den meisten nördlichen Staaten verboten, dies bedeutete aber nicht, dass diese jenseits von einzelnen politischen und juristischen Gruppierungen auch eine Abschaffung im Süden forderten. </p>



<p>Solange das Gleichgewicht zwischen beiden Staatengruppen in der Union sich nicht verschob, war die Befreiung aller Sklaven die Forderung einer  Minderheit.</p>



<p>Sowohl die Politik als auch die größten Teile der Bevölkerung im Norden standen der schwarzen Bevölkerung im Süden abwehrend gegenüber. Sie fürchteten eine massenhafte Einwanderung von befreiten Sklaven aus dem Süden, die vor allem für Arbeiter zu Lohndruck führen würde.</p>



<p>Diese Einstellung änderte erst das Buch <em>&#8222;Onkel Toms Hütte&#8220;</em> von Harriert Beecher Stowe. Sie beschrieb darin emotional das Schicksal der schwarzen Bevölkerung in den Südstaaten.</p>



<p>Das Buch war für seine Zeit ein Bestseller und wurde von einer immer größeren Gruppe als Aufruf zur Sklavenbefreiung verstanden. Radikale Gruppen wie die <em>&#8222;Abolitionisten&#8220;</em> erhielten Zulauf und starteten erste Befreiungsversuche – teilweise mit Gewalt.</p>



<p>Im Gegenzug stieg in den Südstaaten die Furcht der Eliten vor einem Verlust der lukrativen Sklavereiwirtschaft. Zusätzlich sahen sie die Befreiungsaktionen als Angriff auf die Selbstbestimmung der Bundesstaaten.</p>



<p>So schaukelte sich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-fahrt-des-leviathan-oliver-henkel/">der Konflikt um die Sklaverei</a> von einer rein politischen, teilweise juristischen und publizistischen Frage zu einer emotionalen Gewissensfrage hoch, die breite Bevölkerungsschichten betraf. </p>



<p>Damit beschleunigte sich die Entwicklung hin zum <em>&#8222;Amerikanischen Bürgerkrieg&#8220;</em>, der schließlich zum Verbot der Sklaverei führte.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich der Konflikt um die Sklaverei entwickelt, wenn <em>"Onkel Toms Hütte" </em>nicht erschienen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="gettysburg">9. 1863: Die entscheidende Schlacht von Gettysburg</h3>



<p>Keine Schlacht des <em>&#8222;Amerikanischen Bürgerkriegs&#8220;</em> ist in der <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">Alternative History</a> beliebter. Gilt sie doch als eine, wenn nicht sogar als die entscheidende Schlacht des Krieges.</p>



<p>Zuvor waren die Voraussetzungen für die konföderierte Nord-Virginia-Armee sehr gut: Sie hatte ihren Gegner, die Potomac-Armee der Union, zuvor mehrfach und teilweise vernichtend geschlagen. </p>



<p>Trotz erheblicher Unterlegenheit bei Anzahl und Ausrüstung ihrer Soldaten waren die Veteranen unter General Robert E. Lee hoch motiviert. Zusätzlich galt Lee nach seinen Siegen gegen den zahlenmäßig überlegenen Gegner als nahezu unbesiegbarer, genialer Stratege.</p>



<p>Die dreitägige Schlacht vom 1. bis 3. Juli 1863 (siehe Bild) war entsprechend hart umkämpft. Sie fand nördlich von Washington D.C. statt, was bei einem erneuten konföderierten Sieg die Hauptstadt der Union der Gefahr einer Einkesselung ausgesetzt hätte.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="423" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Schlacht-von-Gettysburg.jpg?resize=600%2C423&#038;ssl=1" alt="Panoramabild der Schlacht von Gettysburg" class="wp-image-2340" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Schlacht-von-Gettysburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Schlacht-von-Gettysburg.jpg?resize=300%2C212&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Bereits am ersten Tag gelang es den zuerst überlegenen Konföderierten, die gerade erst eintreffenden Verteidiger der Union aus der Stadt zu drängen. Aber letztere konnten nach wie vor eine geschlossene Front bilden und halten.</p>



<p>Der zweite Tag führte zu gleichfalls heftigen Gefechten um wenige strategisch wichtige Hügel. Auch dieses Mal konnten sich die inzwischen zahlenmäßig stärkere Unions-Armee halten, obwohl mehrere ihrer Einheiten nahezu vernichtet wurden.</p>



<p>Am dritten Tag setzte Lee alles auf eine Karte und schickte 15.000 Mann gegen das Zentrum der Potomac-Armee. Dieses Mal verbluteten vor allem die angreifenden Konföderierten. </p>



<p>Danach war die Angriffskraft der größten Armee der Konföderierten Staaten ausgelöscht. Über ein Drittel ihrer Soldaten hatte die Schlacht nicht überlebt. Nie wieder konnte sie derartige Offensiven gegen den Norden starten. </p>



<p>Die Niederlage von General Lee war so vernichtend, dass die siegreichen Generäle der Union es gar nicht erfassen konnten. Daher verzichteten sie mit ihren erschöpften Truppen auf eine Verfolgung des geschlagenen Feindes.</p>



<p>Was die Niederlage noch vergrößerte war neben der Symbolik, dass die Nord-Virginia-Armee ausgerechnet am 4. Juli, dem Nationalfeiertag der USA, den Rückzug antrat, noch eine andere, parallel laufende Schlacht.</p>



<p>Ebenfalls am 4. Juli kapitulierte mit Vicksburg einer der letzten konföderierten Stützpunkte am Mississippi. Indem die Union die zentrale Verkehrsader der Südstaaten beherrschte, konnte sie die Konföderierten Staaten in zwei Teile spalten.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Nord-Virgina-Armee tatsächlich die Schlacht von Gettysburg gewonnen hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="reconstruction">10. 1876: Das umstrittene Ende der <em>&#8222;Reconstruction&#8220;</em></h3>



<p>Die Präsidentschaftswahl von 1876 galt lange Zeit als die umstrittenste und folgenreichste Wahl der US-Geschichte.</p>



<p>Es begann damit, dass der demokratische Kandidat, Samuel Tilden, zwar deutlich mehr Wählerstimmen als der Republikaner Rutherford B. Hayes (siehe Bild) bekam. Im Wählermännergremium ergab sich aber die denkbar knappste Mehrheit für Hayes mit 185 zu 184 Stimmen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="793" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Rutherford-B.-Hayes.jpg?resize=600%2C793&#038;ssl=1" alt="Foto des Präsidenten Rutherford B. Hayes" class="wp-image-2339" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Rutherford-B.-Hayes.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Rutherford-B.-Hayes.jpg?resize=227%2C300&amp;ssl=1 227w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock) </figcaption></figure>



<p>Darauf folgten nicht nur gegenseitige Vorwürfe der Wahlmanipulation, sondern auch gewalttätige Proteste, vor allem der Demokraten.</p>



<p>Um eine weitere Eskalation zu vermeiden, handelte ein Wahlausschuss einen folgenreichen Kompromiss aus: Die Demokraten akzeptierten Hayes als Präsidenten. </p>



<p>Dafür sicherten die Republikaner zu, die seit dem Bürgerkrieg in den Südstaaten stationierten Bundestruppen abzuziehen.</p>



<p>Dies bedeutete de facto das Ende der <em>&#8222;Reconstruction&#8220;</em>: In dieser Phase hatte der Bund mit seiner Armee die Bürgerrechte der ehemals versklavten Afroamerikaner in den Südstaaten geschützt und ihnen somit erstmals unter anderem politische Teilhabe erlaubt.</p>



<p>Mit Gewalt eroberten daraufhin die Demokraten die Macht in diesen Bundesstaaten und sicherten diese danach mit Gesetzen zur Rassentrennung gegenüber den Afroamerikanern bis in die 1960er Jahre ab.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Republikaner 1878 nicht den Kompromiss geschlossen hätten, der die <em>"Reconstruction"</em> beendete?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="corporate">11. 1882: Die erlogenen Rechte von Unternehmen</h3>



<p>Der im Bürgerkrieg verabschiedete 14. Verfassungszusatz sollte eigentlich den befreiten Afroamerikanern die gleichen Rechte vor dem Gesetz und den Gerichten sichern.</p>



<p>1882 erhielt dieser Zusatz jedoch durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs eine neue Bedeutung. </p>



<p>Die <em>&#8222;Southern Pacific Railroad Company&#8220;</em> klagte gegen ein Steuergesetz von Kalifornien und berief sich dabei auf das Diskriminierungsverbot des 14. Verfassungszusatzes.</p>



<p>Das Unternehmen war im Vorteil: Ihr Anwalt, Roscoe Conkling, war in diesem Jahr das einzige noch lebende Mitglied des Ausschusses, der diesen Zusatz verfasst hatte. </p>



<p>Mit dieser Autorität behauptete er, dass unter die dort gemeinten <em>&#8222;Personen&#8220;</em> auch Unternehmen als <em>&#8222;juristische Personen&#8220;</em> fielen und dass der Ausschuss dies mit Absicht so formuliert hätte.</p>



<p>Vieles sprach jedoch dafür, dass er mit dieser Aussage gelogen hatte. Weder in den Unterlagen noch in den überlieferten Aussagen der verstorbenen Mitglieder fanden sich Hinweise auf diese Interpretation.</p>



<p>Dennoch gelang es Roscoe, diese Sichtweise durchzusetzen, was Unternehmen auf einen Schlag eine große juristische Waffe in die Hand gab, um sich vor Eingriffen des Staates zu schützen. </p>



<p>Was diese auch stark bis in die heutige Zeit nutzten.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Conkling seine Interpretation des 14. Verfassungszusatzes nicht vor dem Obersten Gerichtshof durchgesetzt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="maine">12. 1898: Der ungeklärte Untergang der Maine</h3>



<p>Als der Kreuzer <em>&#8222;USS Maine&#8220;</em> am 15. Februar 1892 im Hafen von Havanna explodierte, war die Ursache zuerst ungeklärt. Erst später setzte sich ein Brand in einem Kohledepot, der zur Explosion der nahe gelagerten Munition geführte hatte, als Erklärung durch.</p>



<p>Die Ursachenforschung ging allerdings in den Folgen des Schiffsverlusts unter. </p>



<p>Bereits vor dem Einlaufen der <em>&#8222;Maine&#8220;</em> in den Hafen der kubanischen Hauptstadt waren die US-amerikanisch-spanischen Beziehungen angespannt.</p>



<p>Seit 1895 kämpften kubanische Rebellen um eine Unabhängigkeit der letzten spanischen Kolonie auf dem amerikanischen Kontinent. </p>



<p>Nach spanischen Gegenaktionen, wie der Isolierung von Städten und Dörfern mit Stacheldraht, eskalierte der Bürgerkrieg mit Hunger und Krankheiten.</p>



<p>Angesichts der Kämpfe forderten nicht nur exil<strong>‐</strong>kubanische Kreise in Miami und New York, sondern auch immer mehr Stimmen aus der Politik und Medien eine Intervention der USA, um die letzten Kolonien auf dem amerikanischen Kontinent zu beseitigen.</p>



<p>Doch erst der Untergang der <em>&#8222;USS Maine&#8220;</em> (siehe Bild) eskalierte die Spannungen zur Kriegserklärung der USA. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="411" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Explision-Maine.jpg?resize=600%2C411&#038;ssl=1" alt="Illustration der Explosion der USS Maine" class="wp-image-2328" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Explision-Maine.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Explision-Maine.jpg?resize=300%2C206&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Der darauf folgende <em>&#8222;Spanisch-Amerikanische Krieg&#8220;</em> war so kurz wie einseitig. Gegen die hochgerüsteten, motivierten US-Streitkräfte hatten die demoralisierten, mit veralteten Materialien ausgerüsteten spanischen Soldaten keine Chance.</p>



<p>Nach zehn Wochen Krieg musste Spanien um Frieden bitten. Es verlor Kuba, Puerto Rico in der Karibik sowie die Philippinen an die USA. </p>



<p>Damit griffen die Vereinigten Staaten das erste Mal massiv über den eigenen Kontinent hinaus aus und wurden endgültig von einer Regional- zur Weltmacht.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätten sich die spanisch-amerikanischen Beziehungen entwickelt, wenn die <em>"USS Maine" </em>nicht explodiert wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="wilson">13. 1919: Der verheimlichte Schlaganfall von Wilson</h3>



<p>Nach dem <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/erster-weltkrieg/">Ersten Weltkrieg</a> propagierte vor allem der US-Präsident Woodrow Wilson einen Völkerbund, der die Friedensordnung des <em>&#8222;Versailler Vertrags&#8220;</em> absichern sollte.</p>



<p>Jedoch gab es vor allem im Senat große Widerstände gegen eine interventionistische Rolle der USA in der Welt.</p>



<p>Als die Senatoren begannen, den Beschluss über den <em>&#8222;Versailler Vertrag&#8220;</em> mit dem Völkerbund zu verschleppen, wollte Wilson das Ruder mit einer Kampagne im ganzen Land herumreißen.</p>



<p>Auf dieser Reise erlitt er aber einen Schlaganfall, der seine linke Seite komplett lähmte.</p>



<p>Die Reaktion darauf verschlimmerte die politische Lage noch mehr. </p>



<p>Auf Veranlassung seiner Frau hielt die Regierung den Gesundheitszustand des Präsidenten geheim. Nicht einmal seine Minister bekamen Wilson im Laufe der nächsten fünf Monate zu sehen.</p>



<p>Auch die Senatoren wussten von nichts. Als sie daher einen Kompromiss ausloten wollten und der Präsident ohne Begründung nicht reagierte, lehnten sie den <em>&#8222;Versailler Vertrag&#8220;</em> und damit den Völkerbund (siehe Bild) ab. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="605" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Voelkerbund-Fahne.png?resize=600%2C605&#038;ssl=1" alt="Fahne des Völkerbundes" class="wp-image-2346" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Voelkerbund-Fahne.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Voelkerbund-Fahne.png?resize=298%2C300&amp;ssl=1 298w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Voelkerbund-Fahne.png?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Voelkerbund-Fahne.png?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Flag_of_the_League_of_Nations_(1939).svg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Martin Grandjean/CC BY-SA 4.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Später galt es als einer der Geburtsfehler des Völkerbundes, dass die USA sich nicht dort engagierten und sich wieder mehr von der Weltpolitik zurückzogen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätten sich die USA entwickelt, wenn Wilson 1919 nicht wegen seines Schlaganfalls ausgefallen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="roosevelt">14. 1933: Das gescheiterte Attentat auf Roosevelt</h3>



<p>Über drei Jahre nach dem Börsenkrach am <em>&#8222;Schwarzen Freitag&#8220;</em> 1929 saßen die USA noch tief in der <em>&#8222;Großen Depression&#8220;</em>. </p>



<p>Nach dem Zusammenbruch der Finanzordnung sorgten Dürren und Staubstürme zusätzlich für den Niedergang der Landwirtschaft in den großen Ebenen in der Mitte des Landes. Handelskriege schädigten darüber hinaus alle Wirtschaftszweige, die auf Import und Export angewiesen waren.</p>



<p>Diese lang anhaltende Wirtschaftskrise führte nicht nur zu hohen Arbeitslosenzahlen und durch den fehlenden Wohlfahrtsstaat zu einer sozialen Krise.</p>



<p>Da die Politik keine Lösung für die Probleme finden konnte oder wollte und vor allem in Europa viele Staaten in autoritär-faschistische Systeme abdrifteten, befand sich auch die US-amerikanische Demokratie in einer dramatischen Vertrauenskrise. </p>



<p>Erste Kommentatoren und faschistische Diktatoren wie der Italiener Mussolini sahen schon ihr Ende gekommen.</p>



<p>Einziger Hoffnungsträger war 1933 der neu gewählte Präsident, Franklin D. Roosevelt (siehe Bild). Er versprach mit seinem Programm des <em>&#8222;New Deal&#8220;</em> den US-Amerikanern neue Chancen zu eröffnen und die Krise aktiv zu bekämpfen. Mehr als 8.000 Briefe pro Tag zeigten die hohen Erwartungen an das neue Staatsoberhaupt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/10/Franklin-D.-Roosevelt.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Außenansicht des Franklin Delano Roosevelt Memorial in Washington DC" class="wp-image-2049" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/10/Franklin-D.-Roosevelt.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/10/Franklin-D.-Roosevelt.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Vacclav/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Was in der Rückschau aber ebenso wichtig wie seine zahlreichen verabschiedeten Programme war, war die Rhetorik von Roosevelt. </p>



<p>Vor allem seine als <em>&#8222;Kamingespräche&#8220;</em> bekannten Radioansprachen, in denen er seine Politik erklärte und dafür warb, versammelten die US-Amerikaner vor ihren Geräten und wurden Teil der Legende des Wiederaufstiegs der USA.</p>



<p>Weniger bekannt war, dass Roosevelt am 15. Februar 1933, kurz vor seiner Vereidigung, <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/orakel-vom-berge-philip-dick/">einem Attentäter entging</a>. Die Hintergründe dafür sind bis heute unklar. In jedem Fall feuerte ein italienischer Anarchist in Miami in Richtung des Präsidenten.</p>



<p>Roosevelt wurde aber nicht getroffen und konnte einen Monat später als vereidigter Präsident seine Politik beginnen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Hoffnungsträger Roosevelt 1933 tatsächlich bei einem Attentat ums Leben gekommen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="pearlharbor">15. 1941: Der schockierende Angriff auf Pearl Harbor</h3>



<p>Der 7. Dezember 1941 gilt als die größte Blamage der US<strong>&#8211;</strong>amerikanischen Militärgeschichte. Er sorgte aber auch für den Eintritt der USA in den <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">Zweiten Weltkrieg</a>.</p>



<p>Vollkommen unbemerkt gelang es einem japanischen Flottenverband mit sechs Flugzeugträgern, sich nördlich des Hauptstützpunktes der US-Pazifikflotte zu platzieren.</p>



<p>Anschließend versenkten die Japaner mit zwei Angriffswellen elf amerikanische Schiffe, darunter fünf Schlachtschiffe (siehe Bild). Zusätzlich zerstörten sie 188 Flugzeuge und töteten 2.349 Soldaten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="356" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Pearl-Harbor.jpg?resize=600%2C356&#038;ssl=1" alt="Foto von zerstörtem Schiff in Pearl Harbor" class="wp-image-2337" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Pearl-Harbor.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Pearl-Harbor.jpg?resize=300%2C178&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Der Angriff wurde durch so viele Pannen aufseiten der Amerikaner begleitet, dass sich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/nsa-nationales-sicherheits-amt-andreas-eschbach/">bis heute Verschwörungstheorien</a> dazu halten: Geknackte japanische Meldungen wurden zu spät oder gar nicht weitergegeben, erste Meldungen über gesichtete japanische U-Boote und Flugzeuge ignoriert.</p>



<p>Die amerikanischen Oberbefehlshaber rechneten zwar mit einem baldigen Angriff, waren aber nicht darauf vorbereitet, dass dieser Pearl Harbor treffen konnte. </p>



<p>Da der 7. Dezember auf einen Sonntag fiel, waren viele Offiziere nicht auf ihrem Posten und die Munition für die Flugabwehrgeschütze war teilweise weggesperrt. </p>



<p>Die Flugzeuge auf den Basen wurden noch dazu kurz zuvor zwecks Angst vor Sabotage auf den Flugfeldern in Reih und Glied aufgestellt.</p>



<p>Die so verursachte Niederlage sorgte dafür, dass die Japaner im ersten Jahr des Pazifikkrieges bei ihren Offensiven in Südostasien relativ freie Hand hatten.</p>



<pre class="wp-block-verse" id="block-935d82f3-1ccb-4517-9469-8af75592407e">Wie wäre der Angriff auf Pearl Harbor verlaufen, wenn die US-Amerikaner die Warnungen früher ernst genommen und Verteidigungsmaßnahmen gegen den japanischen Angriff unternommen hätten?

Mögliches Szenario
<a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/angriff-pearl-harbor/">1941: Der Angriff auf Pearl Harbor wird erkannt</a></pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="oppenheimer">16. 1942: Die überraschende Berufung von Robert Oppenheimer</h3>



<p>Als General Leslie Groves, der militärische Leiter des US-amerikanischen Atomprogramms, sein Amt antrat musste er nicht nur ein Projekt aus dem Boden stampfen, das organisatorisch einmalig in der Weltgeschichte war.</p>



<p>Das <em>&#8222;Manhattan-Projekt&#8220;</em> betrat auch wissenschaftliches Neuland, da selbst die Grundlagen für den Bau einer Atombombe zuerst nur als konkurrierende, ungetestete Theorien existierten.</p>



<p>Umso wichtiger war die Stelle des wissenschaftlichen Leiters: Doch als sich Groves für Robert Oppenheimer entschied, protestierte die Spionageabwehr.</p>



<p>Oppenheimer galt nicht nur wie große Teile seiner Umgebung als Kommunistensympatisant. Er war zudem wegen Schizophrenie in Behandlung und hatte nach wie vor psychische Probleme. </p>



<p>Auch die bereits beteiligten Wissenschaftler standen der Entscheidung skeptisch gegenüber: Einerseits sollte ein Professor der theoretischen Physik ohne Leitungserfahrung ein Projekt übernehmen, dass primär aus experimentellen und technischen Aufgaben bestand. </p>



<p>Andererseits war die Sorge, dass Oppenheimer als Nicht-Nobelpreisträger von weiteren potenziell beteiligten Wissenschaftlern nicht respektiert würde.</p>



<p>Dennoch setzte General Groves seine Entscheidung durch, die sich für das <em>&#8222;Manhattan-Projekt&#8220; </em>als Glücksfall erwies.</p>



<p>Oppenheimer sah im Projekt die Gelegenheit, die ihm aus seiner Sicht bisher vorenthaltenen wissenschaftlichen Lorbeeren zu ernten. Daher ging er mit größtem Ehrgeiz an die Rekrutierung der besten Wissenschaftler auf den benötigten Gebieten, wie den Nobelpreisträger Enrico Fermi.</p>



<p>Zudem besaß Oppenheimer genügend Selbstbewusstsein, um General Groves in einem entscheidenden Punkt zu widersprechen: Letzterer wollte die einzelnen Forschungsgruppen strikt voneinander trennen, um die Geheimhaltung zu gewährleisten.</p>



<p>Erst Oppenheimer setzte durch, dass die Wissenschaftler sich in den Gebäudekomplexen wie Oak Ridge in Tennessee (siehe Bild) untereinander austauschen konnten. Durch diesen offenen Diskurs konnte er den Bau der Atombombe entscheidend voranbringen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="462" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Projekt-Manhattan-in-Oak-Ridge.jpg?resize=600%2C462&#038;ssl=1" alt="Foto des Komplexes des Manhatten-Projektes in Oak Ridge" class="wp-image-2338" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Projekt-Manhattan-in-Oak-Ridge.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Projekt-Manhattan-in-Oak-Ridge.jpg?resize=300%2C231&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock) </figcaption></figure>



<p>Am 16. Juli 1945 konnten daher die USA als erste Nation weltweit eine Atombombe erfolgreich testen. Danach folgten die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, deren Rolle bei der Kapitulation Japans bis heute umstritten ist.</p>



<p>In jedem Fall blieben die USA bis zur Zündung der ersten sowjetischen Atombombe im August 1949 die einzige Nation, die einen nuklearen Angriff ausführen konnte.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich die Entwicklung der Atombombe gestaltet, wenn sich die Bedenken gegen Robert Oppenheimer durchgesetzt hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="groenland">17. 1946: Der gescheiterte Kauf von Grönland</h3>



<p>Mit dem Kauf von Land hatten die USA in ihrer Geschichte gute Erfahrungen gemacht: Neben dem <em>&#8222;Louisiana Purchase&#8220;</em> 1803 und dem <em>&#8222;Gadsden Purchase&#8220;</em> 1853 hatten die Staaten auch 1867 das heutige Alaska sowie 1917 die damals dänischen und danach <em>&#8222;Amerikanischen Jungferninseln&#8220;</em> in der Karibik mit Millionen von Dollars erworben.</p>



<p>Einmal jedoch scheiterte ein Kaufangebot für Grönland. </p>



<p>Während des Zweiten Weltkriegs hatten die US-Streitkräfte mit dem Einverständnis der dänischen Autoritäten die größte Insel des Planeten besetzt.</p>



<p>Nach dem Ende des Krieges machte die US-Regierung unter Präsident Truman der dänischen Regierung sogar ein offizielles Angebot, um das strategisch wichtige Gebiet (siehe Karte) zu kaufen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="421" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Karte-Groenland.jpg?resize=600%2C421&#038;ssl=1" alt="Weltkarte mit Grünland hervorgehoben" class="wp-image-2333" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Karte-Groenland.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Karte-Groenland.jpg?resize=300%2C211&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Paul Stringer/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dänemark lehnte dieses Ansinnen jedoch ab und wollte selbst für größere Summen in die Insel investieren. </p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Grönland als US-Territorium oder Bundesstaat entwickelt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="vinson">18. 1953: Der folgenreiche Herzinfarkt des Richters Vinson</h3>



<p>Als der Oberste Gerichtshof (siehe Bild) sich Ende 1952 mit der Entscheidung <em>&#8222;Brown vs. Board of Education&#8220;</em> befasste, schien nach der mündlichen Verhandlung das Urteil zu Gunsten der Rassentrennung gefallen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Gebaeude-des-Obersten-Gerichtshofs.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Amtssitz des Obersten Gerichtshofs" class="wp-image-2330" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Gebaeude-des-Obersten-Gerichtshofs.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Gebaeude-des-Obersten-Gerichtshofs.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Steven Frame/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Zwar sah eine Mehrheit der Richter, wie die Kläger, die Rassentrennung an Schulen als verfassungswidrig an. </p>



<p>Aber nur vier der neun Richter wollten dies in einem Urteil so aussprechen. Zwei andere plädierten für die weitere Rassentrennung. Drei hatten Skrupel, eine so weitreichende Entscheidung mit einem einzigen Gerichtsurteil zu treffen und bevorzugten ein Gesetz durch den Kongress.</p>



<p>Der Vorsitzende des Obersten Gerichts Fred Vinson wollte aber eine eindeutige Entscheidung der neun Richter. Er setzte daher eine neue Verhandlung für den Dezember 1953 an.</p>



<p>Als folgenreich erwies sich, dass Vinson überraschend im September dieses Jahres einem Herzinfarkt erlag. </p>



<p>Präsident Eisenhower nominierte als Nachfolger für den Vorsitzenden des Obersten Gerichts seinen Justizminister Earl Warren.</p>



<p>Dieser verfolgte eine komplett andere Linie als sein Vorgänger. </p>



<p>Er verurteilte innerhalb des Obersten Gerichts offen die Rassentrennung an Schulen und schaffte es, dass das Gericht diese einstimmig im Urteil als verfassungswidrig erklärte.</p>



<p>Damit zerstörte das Gericht auch das juristische Fundament der Rassentrennung in den Südstaaten. Dieser Linie folgte das Gericht auch weiter unter dem Vorsitz von Warren.</p>



<p>Da sich in diesen Bundesstaaten aber noch eine Mehrheit der weißen Bevölkerung und der Politik als Befürworter der Rassentrennung zeigten, war das Urteil gleichzeitig der Beginn der nicht nur juristisch ausgefochtenen Kämpfe um die Bürgerrechte in den 1950er und 1960er Jahre.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Fred Vinson 1953 nicht einem Herzinfarkt erlegen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="mccarthy">19. 1954: Das unrühmliche Ende des Joseph McCarthy</h3>



<p>Anfang der 1950er Jahre befanden sich die USA in einer Phase der antikommunistischen Hysterie. Mehrere Spionagefälle und Niederlagen im Kalten Krieg ließen in der Bevölkerung die Angst vor einer <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-mauer-steht-am-rhein-christian-von-ditfurth/">kommunistischen Unterwanderung</a> steigen.</p>



<p>Als zentrale Person dieser Entwicklung zeigte sich Joseph McCarthy, Senator für Wisconsin, der mit immer neuen Zahlen über angebliche Spione und Kommunistensympatisanten die Angst schürte.</p>



<p>Dabei galt McCarthy lange als opportunistisch und war im Senat eher als Lügner, Trinker sowie Spieler bekannt. Erst als er begann, sich als Kommunistenjäger zu profilieren, fand er Unterstützung bei Republikanern und konservativen Organisationen. Auch das FBI <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/im-jahre-ragnaroek-oliver-henkel/">unter seinem Direktor J. Edgar Hoover</a> lieferte ihm Informationen, die teilweise illegal besorgt wurden.</p>



<p>So unterstützt, wuchs seine Popularität immer weiter an. </p>



<p>1952 übernahm er nach seiner erfolgreichen Wiederwahl den Vorsitz des Senatskomitees für Regierungsangelegenheiten. Somit konnte er alle Regierungsaktivitäten prüfen, indem er Anhörungen ansetzte, Zeugen vorlud und Berichte erstellen konnte.</p>



<p>Ausgestattet mit diesen Kompetenzen startete McCarthy eine beispiellose Anklagewelle gegen echte und vermeintliche Kommunisten.</p>



<p>Doch so schnell wie seine Karriere Fahrt aufnahm, so schnell endete sie 1954. </p>



<p>Zuerst prangerte der angesehene Journalist Edward Murrow die Methoden und den Lebenswandel des Senators öffentlichkeitswirksam an.</p>



<p>Als McCarthy zudem Präsident Eisenhower widersprach und das Militär ins Visier seiner antikommunistischen Kampagne nahm, stellten sich beide gegen ihn.</p>



<p>So wurde im selben Jahr ein Senatsausschuss gebildet, der mit öffentlichen Anhörungen die Vorwürfe von McCarthy und die Gegenvorwürfe an ihn untersuchen sollte. </p>



<p>Besonders bei den live übertragenen Anhörungen zerstörte nun der schimpfende, drohende und beleidigende McCarthy seinen Ruf. Am Ende stimmte der US-Senat mit breiter Mehrheit dafür, ihm eine Rüge zu erteilen.</p>



<p>Damit war seine politische Karriere zerstört. 1957 starb McCarthy an seiner Alkoholsucht. </p>



<p>Der Antikommunismus spielte so zwar noch eine politische Rolle im Land. Aber ohne sein bekanntestes Gesicht erlange er nie wieder diese polarisierende Kampagnenfähigkeit.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn McCarthy seine Kampagne nach 1954 hätte weiterführen können?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="sputnik">20. 1957: Der elitäre Sputnik-Schock</h3>



<p>Am 4. Oktober 1957 schrieb die sowjetische Raumfahrt Geschichte: Mit dem Satelliten <em>&#8222;Sputnik&#8220;</em> (siehe Bild) gelang es erstmals einen künstlichen Gegenstand dauerhaft ins All zu schießen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Sputnik.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Grafik des ersten Satelitten Sputnik in der Umlaufbahn um die Erde" class="wp-image-2343" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Sputnik.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Sputnik.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(AuntSpray/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Da die UdSSR damit auch bewies, dass sie über leistungsstarke Raketen verfügte, die auch in der Lage waren, Atombomben bis an das US-amerikanische Festland zu bringen, löste dies in den USA den sogenannten &#8222;<em>Sputnik-Schock&#8220;</em> aus.</p>



<p>Allerdings beschränkte sich diese Reaktion nur auf Teile der Elite. Die breite Bevölkerung sah andere Probleme, wie zum Beispiel die <em>&#8222;Rassenfrage&#8220;</em> als dringlicher an. </p>



<p>Auch der Präsident Dwight D. Eisenhower reagierte zuerst gelassen. Nach wie vor war das Arsenal der USA bei Atomwaffen und der dafür vorgesehene  Luftwaffe dem der UdSSR drückend überlegen.</p>



<p>Da jedoch vor allem in der Politik, im Militär und in den Medien die Angst vor einem angeblichen Rückstand der USA in den Bereichen Rüstung, Forschung und Bildung umging, musste Eisenhower reagieren.</p>



<p>Er legte daher milliardenschwere Programme für diese Bereiche auf. Persönlich war er der Meinung, dass der Großteil davon nur der Beruhigung der angeblichen Öffentlichkeit diente.</p>



<p>Aus diesen Programmen entstand nicht nur die <em>&#8222;National Aeronautics and Space Administration&#8220;</em>, besser bekannt unter ihrem Kürzel NASA, sondern auch Forschungseinrichtungen, die Jahre später die Grundlagen für das Internet legten.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Eisenhower sich nicht durch den Druck aus Politik, Militär und Medien über den <em>"Sputnik-Schock"</em> beeinflussen hätte lassen?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="kuba">21. 1959: Der vermeidbare Bruch mit Kuba</h3>



<p>Als die kubanischen Revolutionäre unter Fidel Castro und Che Guevara 1959 den Diktator Fulgencio Batista stürzten (siehe Bild), war noch nicht absehbar, dass es binnen eines Jahres zu einem Bruch im bis dato sehr engen Verhältnis zwischen beiden Ländern kommen würde.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="331" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Einzug-Castro-Havanna.jpg?resize=600%2C331&#038;ssl=1" alt="Illustration des Einzugs von Castro und seiner Armee in Havanna" class="wp-image-2326" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Einzug-Castro-Havanna.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Einzug-Castro-Havanna.jpg?resize=300%2C166&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Prachaya Roekdeethaweesab/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Batista hatte zwar als US-freundlich gegolten, aber am Ende seiner Herrschaft auch als korrupt und unfähig. Daher begegneten Teile der US-Medien und -Politik den politisch ungebunden erscheinenden Revolutionären zuerst mit Sympathien.</p>



<p>Im April 1959 kam es sogar zu einer USA-Reise von Fidel Castro in seiner Rolle als neuer kubanischer Ministerpräsident und einem kurzen Gespräch mit dem damaligen Vizepräsidenten Richard Nixon.</p>



<p>Auch wenn die Kubaner bei dieser Reise keine Bittsteller sein wollten, standen sie einer möglichen US-Unterstützung offen gegenüber.</p>



<p>Erst eine Landreform ab Mai 1959 und die Reaktion der USA darauf vergifteten das Verhältnis auf Jahrzehnte hinaus.</p>



<p>Die kubanische Regierung verstaatlichte auf Druck von landlosen Bauern und radikalen Revolutionären Landbesitz über 400 Hektar und verbot den ausländischen Besitz bei den lukrativen Zuckerohr-Plantagen. </p>



<p>Im Gegensatz zu anderen ausländischen Besitzern gingen die USA nicht auf die Entschädigungsangebote ein. </p>



<p>Stattdessen setzen sie auf maximalen wirtschaftlichen und teilweise auch militärischen Druck. Ziel dieser teilweise bis heute andauernden, aber erfolglosen Strategie war der Regimewechsel.</p>



<p>Diese feindselige Haltung trieb die kubanischen Revolutionäre noch mehr in die Arme der UdSSR. </p>



<p>Diese ließ sich die Chance nicht entgehen sich einen Verbündeten direkt im karibischen <em>&#8222;Hinterhof&#8220;</em> der USA zu sichern. Eine Konstellation, die Ereignisse wie die Kuba-Krise 1962 erst möglich machte.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn das Verhältnis zwischen den USA und Kuba 1959 nicht ins Negative eskaliert wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="kennedy">22. 1960: Der umkämpfte Sieg von John F. Kennedy</h3>



<p>Die Präsidentschaft von John F. Kennedy gilt bis heute – auch wegen des von Unklarheiten überschatteten, tödlichen Attentats in Dallas – als von Mythen und großen Reden umwobene Zeit.</p>



<p>Weniger bekannt war lange, dass vor allem seine Wahl 1960 fast in einer Niederlage geendet hätte. </p>



<p>Als der 42-jährige Senator von Massachusetts Anfang des Jahres seine Kandidatur für die Vorwahlen der Demokraten ankündigte, hatte er zwar eine für seine Zeit hochprofessionelle Wahlkampfmaschinerie aufgebaut.</p>



<p>Doch der Aufsteiger war vor allem bei den einflussreichen Parteifunktionären als <em>&#8222;politisches Leichtgewicht&#8220; </em>verhasst.</p>



<p>Erst als er mit hohem finanziellem und persönlichem Einsatz die wichtigsten Vorwahlen gegen Schwergewichte wie den Senator Hubert Humphrey gewann, war er auf dem Parteitag der Demokraten klarer Favorit.</p>



<p>Dennoch wurde Kennedy dort zwar im ersten Wahlgang, aber erst mit den letzten ausgezählten Stimmen zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten gewählt. </p>



<p>Daher bot er dem Senator von Texas, Lyndon B. Johnson, die Vizepräsidentschaft an, um seine Gefolgschaft in der Partei zu verbreitern.</p>



<p>Auch bei der eigentlichen Präsidentschaftswahl war Kennedy nicht sofort Favorit. Sein Gegner auf Seiten der republikanischen Partei, Richard Nixon, galt nach acht Jahren Vizepräsidentschaft unter dem populären Dwight D. Eisenhower als bekannter und kompetenter. </p>



<p>Kennedy dagegen war für viele Amerikaner zu unerfahren und vor allem sein katholischer Glaube wurde von protestantischer Seite angegriffen. </p>



<p>Das erste TV-Duell galt als entscheidender Höhepunkt: Während der optisch perfekt vorbereitete Kennedy vor allem durch sein telegenes Aussehen beim Publikum punktete, wirkte Nixon blass und kränklich. So wurde Kennedy gleich im ersten Duell einem breiten Publikum als jugendlicher Kandidat bekannt.</p>



<p>Eine weitere unerwartete Entwicklung war die Verhaftung des populären Predigers und Vorkämpfers gegen die Rassentrennung Martin Luther King. Bis dahin tendierten die Afroamerikaner vor allem zur republikanischen Partei und deren Kandidaten Nixon. </p>



<p>Aber als sich das Team von Kennedy medienwirksam und erfolgreich für seine Freilassung einsetzte, kam es zu einem ersten Wähler-Umschwung.</p>



<p>Dennoch blieb die Wahl am 8. November knapp. In fast der Hälfte der Bundesstaaten waren die Ergebnisse innerhalb einer Differenz von 5 %-Punkten. Erst als nach Stunden Michigan an Kennedy (siehe Bild) fiel, war das Rennen entschieden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="601" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/John-F.-Kenney.jpg?resize=600%2C601&#038;ssl=1" alt="Gedenkmünze für Präsident John F. Kennedy" class="wp-image-2332" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/John-F.-Kenney.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/John-F.-Kenney.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/John-F.-Kenney.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/John-F.-Kenney.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Prachaya Roekdeethaweesab/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>So gewann Kennedy zwar mit 303 zu 219 Wahlleuten, aber nur mit einem hauchdünnen Vorsprung der Wählerstimmen: Am Ende stand es 49,7 % gegen 49,6 % für Nixon.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn John F. Kennedy die Präsidentschaftswahl gegen Richard Nixon verloren hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="tetoffensive">23. 1968: Die zweifach desaströse Tet-Offensive</h3>



<p>Seit 1964 hatten die USA immer mehr Truppen und Material nach Süd-Vietnam geschickt, um das Land vor einer kommunistischen Machtübernahme durch Nord-Vietnam zu schützen.</p>



<p>Dieses Engagement wurde in der US-amerikanischen Öffentlichkeit zunehmend kritisch gesehen. Dafür gab es mehrere Gründe:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die Verluste unter den kaum für einen Kampf im Dschungel ausgebildeten Truppen stiegen. </li>



<li>Das Regime von Süd-Vietnam galt als korrupt, unfähig und in der Bevölkerung unbeliebt.</li>



<li>Die auf Feuerkraft setzende Strategie der US-Streitkräfte führte zu großen Opfern unter der vietnamesischen Zivilbevölkerung und unterhöhlte deren Unterstützung für die US-Amerikaner.</li>



<li>Der Vietcong genannte Gegner setzte den US-Soldaten durch einen Guerillakrieg im Dschungel, der sich auf ausgeklügelte Tunnel-Systeme stützte, stark zu.</li>



<li>In der Logik des Kalten Krieges konnte die US-Luftwaffe zwar Nordvietnam bombardieren. Aber weitere Maßnahmen gegen die Unterstützung des Vietcong oder die Infiltration von nordvietnamesischen Streitkräften waren unmöglich, da sie das Risiko einer Konfrontation mit der UdSSR bis zum Atomkrieg bargen.</li>
</ul>



<p>Dennoch behaupteten die US-Streitkräfte in Vietnam, dass der Vietcong Anfang 1968 kurz vor der Niederlage stand und ein Sieg bald erreichbar wäre.</p>



<p>Die Tet-Offensive stellte dieses Bild auf den Kopf. Nicht nur war es dem Vietcong und seinen nordvietnamesischen Verbündeten gelungen, die US-Streitkräfte von den Vorbereitungen der Offensive abzulenken.</p>



<p>Sowohl die USA als auch Süd-Vietnam hatten weder mit Angriffen während der Tet-Feiertage, für die bisher immer ein inoffizieller Waffenstillstand gegolten hatte, noch mit der Größe der Offensive gerechnet.</p>



<p>So überrannte der Vietcong mithilfe des Überraschungseffekts große Teile Süd-Vietnams.</p>



<p>In den darauf folgenden Tagen entwickelte sich die Offensive aber zum militärischen Desaster als die US-Streitkräfte und die süd-vietnamesische Armee zum Gegenschlag ansetzen. Der Vietcong verlor zwei Drittel seiner Soldaten und die Fähigkeit ohne die nord-vietnamesische Armee zu operieren.</p>



<p>Für die USA war die Tet-Offensive vor allem ein PR-Desaster: Die Bilder der überrumpelten US-Armee, zum Beispiel beim Überfall auf die US-Botschaft in Saigon, zerstörten die Hoffnung auf einen Sieg im Vietnamkrieg endgültig.</p>



<p>Die im Gefolge der Gegenoffensive ans Licht kommenden Kriegsverbrechen, wie das Massaker von My Lai im März 1968, prägten das Bild des Krieges als verbrecherisch und illegitim.</p>



<p>Als Folge trat nicht nur Präsident Johnson nicht mehr für eine Wiederwahl an. </p>



<p>Auch das US-Militär verabschiedete sich vom Ziel, im Vietnamkrieg einen vollständigen Sieg zu erringen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie wäre der Vietnamkrieg weiter verlaufen, wenn die Tet-Offensive nicht so erfolgreich für den Vietcong gelaufen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="bobby">24. 1968: Das fast unbekannte Attentat auf Bobby Kennedy</h3>



<p>Bei den Vorwahlen der Demokraten für die Präsidentschaftswahlen des Jahres 1968 zeigte sich die Partei vor allem in der Frage des Vietnamkriegs gespalten. </p>



<p>Das Partei-Establishment stellte sich hinter den Kriegskurs des nicht antretenden Präsidenten Lyndon B. Johnson und den Vizepräsidenten Hubert Humphrey als Kandidaten.</p>



<p>Die Partei-Basis tendierte zu den Gegnern des Vietnamkriegs und versuchte, entsprechende Kandidaten über Siege in den Vorwahlen bekannt zu machen. Dies war die einzige Chance, sich auf einem Parteitag gegen die eigene Führung durchzusetzen.</p>



<p>Eine Chance dafür ergab sich, als im März 1968 der ehemalige Justizminister und Bruder des Präsidenten John F. Kennedy, Robert F. Kennedy, in die Vorwahlen einstieg.</p>



<p>Charismatisch und als Versöhner angetreten galt &#8222;Bobby&#8220; Kennedy vor allem nach seinem Sieg bei der wichtigen Vorwahl in Kalifornien am 4. Juni 1968 als ernstzunehmender Kandidat. </p>



<p>Doch am selben Abend fiel er dem Attentat eines Palästinensers zum Opfer als ihn seine Entourage ohne Sicherung durch die Küche eines Hotels führte. </p>



<p>Da seine Ermordung keine größeren Untersuchungen nach sich zog und der Attentäter widersprüchliche Aussagen über seine Motivation traf, ist dieses Ereignis bis heute auch von Verschwörungstheorien überwuchert. </p>



<p>Gleichwohl ist es im Schatten des Attentats auf John F. Kennedy etwas vergessen.</p>



<p>Die Folgen waren aber vor allem für die demokratische Partei dramatisch: Auf einem chaotischen und von Gewalt überschatteten Parteitag setzte sich Humphrey mithilfe des Establishments gegen verschiedene Anti-Kriegs-Kandidaten durch.</p>



<p>Gespalten und ohne Rückenwind durch den Parteitag verlor Humphrey die Präsidentschaftswahl knapp nach Wählerstimmen und deutlich nach Wahlleuten in den Bundesstaaten. Der nächste Präsident war Richard Nixon.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie wären die Vorwahlen und Präsidentschaftswahlen 1968 gelaufen, wenn Robert F. Kennedy das Attentat überlebt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="wtc">25. 1993: Der gescheiterte Anschlag auf das World Trade Center</h3>



<p>Am 26. Februar 1993 stellten ein paar Männer einen Lieferwagen in der Tiefgarage des Nordturms im World Trade Center (siehe Bild) ab. Weder als sie in das Gebäude fuhren noch als sie es kurz darauf fluchtartig verließen, gab es irgendeine Art von Sicherheitskontrolle.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="663" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Skyline-New-York.jpg?resize=600%2C663&#038;ssl=1" alt="Silhouette von New York mit dem World Trade Center" class="wp-image-2342" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Skyline-New-York.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Skyline-New-York.jpg?resize=271%2C300&amp;ssl=1 271w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(robert paul van beets/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Kurz darauf zerstörte eine gewaltige Explosion den Wagen, riss einen 40 Meter Krater in die Tiefgarage und brachte alle vier Stockwerke des Parkhauses zum Einsturz. </p>



<p>Sechs Menschen starben und über 1.000 wurden verletzt, vor allem da das Feuer aus der Tiefgarage im gesamten Gebäude für dichten Rauch sorgte.</p>



<p>Dennoch war das World Trade Center nur knapp einer noch größeren Katastrophe entgangen: Der Lieferwagen stand nur etwas zu weit weg von den tragenden Pfeilern des Nordturms. </p>



<p>Fast wäre der Anschlagsplan geglückt, den einen Turm zum Einsturz zu bringen und auf den anderen Turm fallen zu lassen.</p>



<p>So dauerte es einige Tage bis die Ermittler die Drahtzieher identifiziert hatten: Es waren islamistische Fundamentalisten, die die USA für die Unterstützung Israels im Palästinakonflikt bestrafen wollten.</p>



<p>Da der Anschlag keinen größeren Schaden anrichtete, beließen es die USA bei einer Verfolgung der direkten Täter. </p>



<p>Erst als weitere Anschläge ab Mitte der 1990er Jahre vereitelt wurden und 1998 die Attacken auf die US-Botschaften in Daressalam sowie Nairobi hunderte von Toten forderten, rückte der islamistische Terrorismus stärker in den Fokus der US-Behörden. </p>



<p>Trotzdem konnten sie den zweiten, erfolgreichen Anschlag auf das Word Trade Center 2001 nicht verhindern.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Anschlag auf das Word Trade Center 1993 erfolgreich gewesen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="911">26. 2001: Der einschneidende Anschlag von 9/11</h3>



<p>Bei den Anschlägen am 11. September in New York und Washington entführten islamistische Terroristen vier Flugzeuge und steuerten zwei davon in das World Trade Center in New York.</p>



<p>Das dritte Flugzeug flog ins Pentagon, das US-amerikanische Verteidigungsministerium, und die vierte Maschine stürzte aufgrund des Widerstands der Passagiere vor seinem unbekannten Ziel ab.</p>



<p>Kurz darauf bekannte sich die islamistische Gruppierung <em>&#8222;al-Qaida&#8220;</em> unter ihrem Anführer Osama bin-Laden zu den Angriffen. </p>



<p>Zwar hatten bereits an den Flughäfen automatische Systeme Alarm geschlagen. Allerdings kam es meistens nur zu Durchsuchungen des Gepäcks oder dieses wurde erst verladen, nachdem die Männer sicher die Flugzeuge bestiegen hatten.</p>



<p>Die Terroranschläge forderten nicht nur das Leben von über 3.000 Menschen. Sie lösten auch den <em><a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/mirage-matt-ruff/">„Krieg gegen den Terror“</a></em> aus, der in den USA zu schärferen Sicherheitsgesetzen führte.</p>



<p>Die bekanntesten Folgen waren die Angriffe von US-geführten Koalitionen gegen Afghanistan 2001 und den Irak 2003. Beide Invasionen führten zu langwierigen Kriegen gegen einheimische und islamistische Guerilla-Krieger.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Anschläge von 9/11 verhindert worden wären?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="trump">27. 2016: Der überraschende Sieg von Donald Trump</h3>



<p>Als Donald Trump seine Kandidatur für die amerikanische Präsidentschaft verkündete, galt seine Ankündigung eher als Marketing-Gag.</p>



<p>Doch nach einem längeren Wahlkampf setzte er sich im Vorwahlkampf der Republikaner gegen die bis dahin favorisierten Kandidaten wie Jeb Bush, Ted Cruz und Marco Rubio durch.</p>



<p>Bei den Präsidentschaftswahlen galt Hillary Clinton als klare Favoritin, auch wenn ihre Nominierung bei den Demokraten gegen den Senator Bernie Sanders länger als gedacht dauerte.</p>



<p>Erst in den letzten Tagen vor der Wahl gab es erste Berichte, die eine Wahl von Donald Trump mit seinem Motto <em>&#8222;Make America Great Again&#8220;</em> (siehe Bild) als Möglichkeit erfassten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="600" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Trump-Button.jpg?resize=600%2C600&#038;ssl=1" alt="Grafik eines Buttons mit dem Wahlkampfmotto &quot;Make America Great Again&quot; von Donald Trump" class="wp-image-2344" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Trump-Button.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Trump-Button.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Trump-Button.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/01/Trump-Button.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(cbies/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Die Wahl selbst lief gespalten: Zwar erhielt Hillary Clinton mit 65.853.516 Wahlstimmen 48,18 % der Stimmen, Donald Trump 62.984.825 Wahlstimmen (46,09 %).</p>



<p>Bei den Wahlleuten war das Ergebnis umgekehrt: Trump erhielt 304 und Clinton nur 227. Damit war Trump entgegen vieler Erwartungen zum US-Präsidenten gewählt.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Hillary Clinton die Präsidentenwahl 2016 gewonnen hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="biden">28. 2020: Die knappe Wahl von Joe Biden</h3>



<p>Als Joe Biden 2020 zum US-Präsidenten gewählt wurde, schien das Ergebnis (siehe Bild) zuerst sehr deutlich: Er gewann die Wahl mit 81.284.778 Stimmen (51,3 %) und 306 Wahlleuten gegenüber 74.224.501 Stimmen (46,8 %) und 232 Wahlleuten des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="297" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Praesidentschaftswahlen-2020.jpg?resize=600%2C297&#038;ssl=1" alt="Karte der US-Bundesstaaten nach der Wahl 2020 mit roten (republikanischen) und blauen (demokratischen) Siegerstaaten" class="wp-image-4818" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Praesidentschaftswahlen-2020.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Praesidentschaftswahlen-2020.jpg?resize=300%2C149&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Oleksii Arseniuk/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Doch bis dahin war es ein weiter Weg: 2019 galt eine Wiederwahl von Donald Trump als durchaus wahrscheinlich, da die Republikaner geschlossen hinter ihm standen, er den Amtsbonus der Bekanntheit hatte und die Wirtschaftsdaten sehr positiv waren.</p>



<p>Gleichzeitig waren die oppositionellen Demokraten gespalten, mit welchem Kandidaten und welcher Programmatik sie in den Wahlkampf ziehen sollten. Hier setzte sich am Ende zwar Joe Biden durch, aber seine Kandidatur löste keine Begeisterung aus.</p>



<p>Erst die Corona-Epidemie und deren Folgen wirbelten den Wahlkampf durcheinander. Einerseits litt die Trump-Kampagne unter dem wirtschaftlichen Schock und den Einschränkungen im Wahlkampf. Anderseits kam der relativ ruhige Wahlkampf vor allem der Persönlichkeit von Joe Biden entgegen.</p>



<p>Trotz einer daraus resultierenden Favoritenrolle von Biden herrschte bis zum Schluss Unsicherheit über das endgültige Ergebnis. Erst nach mehreren Tagen und Auszählungen stand fest, dass er durch knappe Ergebnisse in einigen Bundesstaaten die nötigen Wahlleute zusammen hatte. </p>



<p>Im Senat konnten die Demokraten erst durch zwei Stichwahlen im Januar eine knappe Mehrheit erringen, im Repräsentantenhaus hatten die Demokraten sogar Stimmen verloren.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Donald Trump die Präsidentenwahl 2020 doch noch gewonnen hätte?</pre>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Deutsches Auswandererhaus: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/deutsche-auswanderer-in-den-usa-a-947913.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Getilgte Spuren.</a> Deutsche Auswanderer in den USA, auf: spiegel.de (04.10.2007).</li>



<li>GEO Epoche: Amerikas Weg zur Weltmacht. 1498-1898. Oktober 2003.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=USA&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1001366736" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>GEO Epoche: Der Kalte Krieg. Das Kräftemessen der Supermächte im Schatten der Atombombe. 1947-1991. September 2018.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=USA&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1048463592" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Christoph Gunkel: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/donald-trumps-kauf-angebot-fuer-groenland-historische-vorlaeufer-a-1283135.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schnäppchen Alaska.</a> Vorläufer von Trumps Grönland-Plan, spiegel.de (22.08.2019).</li>



<li>Elke Huber: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.fr.de/politik/us-wahl-2016-donald-trump-hillary-clinton-wahlkampf-wahlsieg-90056550.html" target="_blank">Rückblick auf die US-Wahlen 2016: So kam Donald Trump an die Macht</a>, auf: fr online (29.09.2020).</li>



<li>Marcel Jossifov: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article158475904/Der-Sputnik-Schock-traf-vor-allem-Amerikas-Elite.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Sputnik-Schock traf vor allem Amerikas Elite.</a> Rennen ins Weltall, welt.de (03.10.2016)</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article140194483/Sechs-Gruende-warum-die-USA-in-Vietnam-verloren.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sechs Gründe, warum die USA in Vietnam verloren.</a> Asymmetrischer Krieg, auf: welt.de (28.04.2015).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff, Sophie Koch: <a href="https://www.welt.de/channels-extern/ipad_2/thema_des_tages_ipad_2/article13595998/Das-Protokoll-des-Tages-der-die-Welt-veraenderte.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das Protokoll des Tages, der die Welt veränderte.</a> 11. September 2001, auf: welt.de (09.09.2011).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article231590655/Robert-F-Kennedy-Nach-dem-Sieg-traf-ihn-die-toedliche-Kugel.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nach seinem Sieg trafen ihn die Kugeln des Mörders.</a> Robert F. Kennedy, auf: welt.de (05.06.2021).</li>



<li>Ella Koeze: <a href="https://projects.fivethirtyeight.com/electoral-college-new-states-2016-election/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">How 13 Rejected States Would Have Changed The Electoral College.</a> Our state borders define our presidential elections. But what if they were different? auf: FiveThirtyEight.com (22.07.2019).</li>



<li>Ulli Kulke: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article137080245/Als-Castro-noch-ein-lieber-Gast-in-Washington-war.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Als Castro noch ein lieber Gast in Washington war.</a> Kuba und USA, auf: welt.de (04.02.2015).</li>



<li>Jill Lepore: Diese Wahrheiten. Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. München 2020.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=USA&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1054540470" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Johanna Lutteroth: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/world-trade-center-anschlag-1993-vorbeben-des-11-septembers-a-951053.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das vergessene 9/11.</a> Erster Anschlag auf die Zwillingstürme, auf: spiegel.de (26.02.2013).</li>



<li>Jonathan Miske, Fabian Pieper: <a href="https://www.spiegel.de/politik/ausland/us-wahl-warum-die-umfragen-auch-diesmal-so-daneben-lagen-a-30b12b2b-28c4-45b9-8287-85b3809b8ef0" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wo war die blaue Welle?</a> Wahlumfragen in den USA, auf: spiegel.de (08.11.2020).</li>



<li>Gregor Peter Schmitz: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/attentat-a-947054.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Tag, als Bobby Kennedy starb.</a> Attentat, auf: spiegel.de (03.06.2008).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article224008154/Frederick-Muhlenberg-Soll-Deutsch-als-US-Sprache-verhindert-haben.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Mann, der die USA um Deutsch als Amtssprache gebracht haben soll.</a> Frederick Muhlenberg, auf: welt.de (09.01.2021).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article117594083/Die-groesste-Schlacht-des-amerikanischen-Kontinents.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die größte Schlacht des amerikanischen Kontinents.</a> Gettysburg 1863, auf: welt.de (01.07.2013).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article173603403/USS-Maine-Die-Explosion-eroeffnete-den-USA-einen-lukrativen-Krieg.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Diese Explosion eröffnete den USA einen lukrativen Krieg.</a> US-Schlachtschiff „Maine“, auf: welt.de (04.06.2021).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article235935124/US-Unabhaengigkeitskrieg-Wie-die-hessischen-Soeldner-geschlagen-wurden.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">So verloren die furchtbaren hessischen Söldner den Nimbus der Unbesiegbarkeit.</a> US-General Hugh Mercer, auf: welt.de (03.01.2022).</li>



<li>Florian Stark: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article231079641/Migration-So-haben-deutsche-Einwanderer-die-USA-gepraegt.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">So haben deutsche Einwanderer die USA geprägt</a>, auf: welt.de (12.05.2021).</li>



<li>SPIEGEL Geschichte: Die Bombe. Das Zeitalter der nuklearen Bedrohung. Juli 2015.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=USA&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1059839090" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>ZEIT Geschichte. Unser Amerika. Wie Deutsche die USA prägten. August 2011</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">28 Punkte, an denen die Geschichte der USA anders verlaufen wäre</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">2227</post-id>	</item>
	</channel>
</rss>
