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	<title>Die weiter existierende DDR Archive &#8211; Ankerpunkte Blog</title>
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	<description>Was wäre wenn... jemand einen Blog über Alternative History schreiben würde?</description>
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	<title>Die weiter existierende DDR Archive &#8211; Ankerpunkte Blog</title>
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		<title>1987: Die letzte Kosmonautin von Brandon Q. Morris</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Oct 2025 12:26:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Die weiter existierende DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Romane und Filme]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>2029 feiert die DDR den 80. Republikgeburtstag, unter anderem mit der Kosmonautin Mandy Neumann auf der Raumstation &#8222;Völkerfreundschaft&#8220;. Doch die weiter existierende DDR verbirgt Geheimnisse, die sie in Lebensgefahr bringen. Ankerpunkt Das Weltraumprogramm der DDR Brandon Q. Morris verweist mit dem Hintergrund von &#8222;Die letzte Kosmonautin&#8220; sowohl auf das Weltraumprogramm der DDR als auch deren [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/die-letzte-kosmonautin-brandon-q-morris/">1987: Die letzte Kosmonautin von Brandon Q. Morris</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>2029 feiert die DDR den 80. Republikgeburtstag, unter anderem mit der Kosmonautin Mandy Neumann auf der Raumstation <em>&#8222;Völkerfreundschaft&#8220;.</em> Doch die weiter existierende DDR verbirgt Geheimnisse, die sie in Lebensgefahr bringen.</p>



<span id="more-6429"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#weltraum">Das Weltraumprogramm der DDR</a></li>



<li><a href="#volkspolizei">Die Volkspolizei der DDR</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ddr">Die DDR im Jahr 2029</a></li>



<li><a href="#kosmonautin">Die letzte Kosmonautin</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#szenario">Schwieriges Szenario</a></li>



<li><a href="#handlung">Schwankende Handlung</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="weltraum">Das Weltraumprogramm der DDR</h3>



<p>Brandon Q. Morris verweist mit dem Hintergrund von <em>&#8222;Die letzte Kosmonautin&#8220;</em> sowohl auf das Weltraumprogramm der DDR als auch deren Volkspolizei.</p>



<p>Einer der wenigen Erfolge der DDR war der erste Flug eines Deutschen ins All: Mit Sigmund Jähn flog 1978 ein Vogtländer an Bord einer Sojus-Kapsel für über eine Woche ins All. Erst 1983 zog die BRD mit Ulf Merbold – ebenfalls gebürtiger Vogltländer, aber 1960 in den Westen geflüchtet – an Bord eines Space Shuttles nach.</p>



<p>Der bescheiden auftretende Jähn wurde danach nicht nur ein gefeierter Star der Propaganda der DDR, sondern war auch durch seine unprätentiöse Art einer der wenigen echten Volkshelden des Landes.</p>



<p>Sein Flug war jedoch nicht der einzige Beitrag der DDR zur Raumfahrt.</p>



<p>Als die UdSSR 1967 das <em>&#8222;Interkosmos-Programm&#8220;</em> mit anderen sozialistischen Verbündeten startete, war die DDR von Anfang an beteiligt.</p>



<p>Vor allem aus den Bereichen Feinmechanik und Optik, Infrarottechnik und  Bildverarbeitung lieferte sie bis 1990 167 Geräte für sowjetische Weltraummissionen.</p>



<p>Aus diesen Entwicklungen ragte die Multispektralkamera MKF-6 heraus, die der VEB Carl Zeiss Jena (siehe Bild unten) 1975 mit 600 Wissenschaftlern, Technikern und Facharbeitern und unter Beteiligung von 20 Partner-Institutionen entwickelt hatte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="600" height="336" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/VEB-Carl-Zeiss-Jena.jpg?resize=600%2C336&#038;ssl=1" alt="Abbildung eines 10-Mark-Scheines der DDR mit Gebäuden des Volkseigenen Betriebs Carl Zeiss Jena" class="wp-image-6453" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/VEB-Carl-Zeiss-Jena.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/VEB-Carl-Zeiss-Jena.jpg?resize=300%2C168&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Prachaya Roekdeethaweesab/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Der Aufwand lohnte sich: Eine modifizierte Version arbeitete zwei Jahre an Bord der Raumstation Saljut 6 und übertraf damals die besten Luftbildkameras um den Faktor 2,5.</p>



<p>Auch war sie der passende Beitrag zum <em>&#8222;Interkosmos-Programm&#8220;</em>, um im Gegenzug den Flug von Jähn möglich zu machen. Zu weiteren Flügen kam es nicht mehr, da die UdSSR auf Geld- statt Technikbeiträgen bestand.</p>



<p>Als die DDR 1989/1990 in ihre Existenzkrise geriet, die in der <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/die-republik-von-maxim-voland/">Wiedervereinigung mit der BRD</a> endete, war dies auch für dortige Weltraumforschung ein harter Einschnitt. So fiel mit der UdSSR der wichtigste Partner weg.</p>



<p>Auch konnte nur ein Teil der ostdeutschen Wissenschaftler und Techniker übernommen werden: Zum Beispiel wurde das Institut für Kosmosforschung (IKF) in Berlin-Adlershof in das heutige Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eingegliedert und im privatisierten Unternehmen Carl Zeiss blieben viele Kompetenzen erhalten.</p>



<p>Damit gelang es, das Potenzial des ostdeutschen Weltraumforschungspotenzials größtenteils zu erhalten und zum Beispiel die wichtigsten Projekte noch abzuschließen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="volkspolizei">Die Volkspolizei der DDR</h3>



<p>Die meisten Leute außerhalb des heutigen Ostdeutschlands denken heute bei <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/das-moskau-spiel-christian-von-ditfurth/">den Sicherheitsorganen der DDR</a> vor allem an die Staatssicherheit (Stasi) als fast allmächtigen Geheimdienst.</p>



<p>Weniger bekannt in diesem Zusammenhang war die Volkspolizei (VP), obwohl sie der wichtigste Partner der Stasi war. </p>



<p>So war die Volkspolizei (siehe Bild einer Uniformmütze unten) an Großaktionen des Repressionsapparates der DDR, wie den Zwangsumsiedlungen an der innerdeutschen Grenze 1952 und 1961 aktiv beteiligt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="600" height="450" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Uniformmuetze-Volkspolizei-DDR.jpg?resize=600%2C450&#038;ssl=1" alt="Foto einer Uniformmütze der Volkspolizei der DDR" class="wp-image-6454" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Uniformmuetze-Volkspolizei-DDR.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Uniformmuetze-Volkspolizei-DDR.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(LanKS/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Theoretisch verfolgte die Stasi vor allem <em>&#8222;politische&#8220;</em> Straftaten, während die Volkspolizei <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/plan-d-simon-urban/">die <em>&#8222;klassische&#8220;</em> Polizeiarbeit</a> wie Kriminal-, Schutz-, Verkehrspolizei und Meldewesen übernahm.</p>



<p>In der Realität rivalisierten beide Führungsebenen aber innerhalb der Struktur der Sicherheitsorgane, wobei die Stasi ab der Machtübernahme von Erich Honecker 1971 zu dominieren begann. Zum Beispiel bekam sie mehr Mitarbeiter und begann, sich institutionell in der Volkspolizei zu verankern sowie Vorgänge und Zuträger zu übernehmen.</p>



<p>Nach außen war allerdings die Volkspolizei oft das <em>&#8222;Gesicht&#8220;</em> der Repressionesmaßnahmen. Denn die Stasi nutzte deren Organisation für Kontrollmaßnahmen und Aktionen gegen Bürger. So waren die Abschnittsbevollmächtigten der Volkspolizei für die Pläne der Stasi oft entscheidende Quellen.</p>



<p>Dennoch hatte die Stasi auch die Volkspolizei mit Zuträgern und inoffiziellen Mitarbeitern unterwandert. So waren Mitte der 1970er von den fünf Stellvertretern des für die Polizei zuständigen Innenministers zwei aktive und zwei ehemalige inoffizielle Mitarbeiter.</p>



<p>Über regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen konnte die Stasi zudem über Einstellungen – es gab hiefür keine öffentlich einsehbaren Voraussetzungen – und Beförderungen von Volkspolizisten entscheiden. Teilweise nutzte sie dies, um aus ihrer Sicht talentierte Nachwuchskräfte abzuwerben und eigene, aus ihrer Sicht leistungsschwache Mitarbeiter in die Volkspolizei abzuschieben.</p>



<p>Durch diese Verstrickungen hatte die Volkspolizei bis 1990 den Ruf, bei ihren Mitarbeitern politische Zuverlässigkeit über Kompetenz zu stellen. So galten zuerst Westkontakte, auch im persönlichen Umfeld, als Ausschlusskriterium und wurden von der Volkspolizei mit umfassenden <em>&#8222;Ermittlungsberichten&#8220;</em> geprüft. Auch das erste Einstellungsgespräch befasste sich vor allem mit der politische <em>&#8222;Persönlichkeit&#8220;</em> der Bewerber. Nachrangig waren Faktoren wie moralische Eignung oder Bildungsabschlüsse.</p>



<p>Daher führte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/hintergruende/was-waere-gewesen-wenn-zeit-geschichte/">der Untergang der DDR 1989/1990</a> zu einer Identitätskrise der Volkspolizei. Galt sie vor 1989 als allgegenwärtig und unantastbar, fiel sie in der Wendezeit durch <em>&#8222;Wegschauen&#8220;</em>, angeblich aus Angst vor gewaltsamen Reaktionen, auf. Viele Polizisten fürcheten auch um ihre berufliche Zukunft und gingen daher Konflikten bewusst aus dem Weg.</p>



<p>Hinzu kam, dass ab 1990 eine neue Rechtsgrundlage mit neuen Dienstvorschriften der BRD galten und auch die Volkspolizei sich erst in das neue System integrieren musste.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="ddr">Die DDR im Jahr 2029</h3>



<p>1987 wurden <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/">angeblich enorme Ölvorkommen</a> in der Lausitz entdeckt, welche die DDR auf das Level der arabischen Ölstaaten katapultierten. Daher überstand sie neben China, Vietnam, Nordkorea und Kuba den Untergang der Sowjetunion.</p>



<p>So konnte sich das Politbüro um Egon Krenz Lockerungen leisten: Bis 2029 haben Geschäfte aus dem Westen in der DDR eröffnet, zum Beispiel Ikea. Da die DDR-Bürger ihr Gehalt zudem auch in konvertierbarer Mark ausbezahlt bekommen, ist das Lebensniveau so stark gestiegen, dass die große Massenflucht 1987 nie stattgefunden hat. Zudem verhindern günstige Mieten und Lebensmittel <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/wechselwelten-oliver-henkel/">eine weitere Massenflucht</a>.</p>



<p>Teilweise kann die DDR auch Hightech liefern wie Multispektralkameras von Zeiss, die bei anderen Weltraummissionen sogar im Westen im Einsatz sind. Insgesamt scheint sich im Bereich der Missionen mehr getan zu haben als in der <em>&#8222;Realität&#8220;.</em></p>



<p>Daher konnte die DDR vor 2029 mit der <em>&#8222;Völkerfreundschaft&#8220;</em> eine eigene Raumstation in den Orbit schießen. Diese besteht aus alten Raketenteilen und gebrauchtem Material der Russen von der ehemaligen Raumstation ISS (siehe Bild der ISS unten).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="600" height="425" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Raumstation-ISS.jpg?resize=600%2C425&#038;ssl=1" alt="Foto der Raumstation ISS vor dem Hintergrund der bewölkten Erdkugel" class="wp-image-6451" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Raumstation-ISS.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Raumstation-ISS.jpg?resize=300%2C213&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(NikoNomad/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Die Kontrollstation für die <em>&#8222;Völkerfreundschaft&#8220;</em> liegt auf dem Brocken und die Kosmonauten starten vom Weltraumbahnhof Peenemünde.</p>



<p>Die <em>&#8222;Völkerfreundschaft&#8220;</em> dient neben wissenschaftlichen Versuchen vor allem der Propaganda, um die DDR zum Beispiel zum 80. <em>&#8222;Republikgeburtstag&#8220; </em>auf einem Level wie China, Russland und die USA zu zeigen.</p>



<p>Doch die Bürger identifizieren sich nicht mit ihrem Staat und dessen Propaganda. So kaufen sie bevorzugt Westwaren, wie Autos von BMW und Mercedes, oder lassen die billigen Mietwohnungen vergammeln.</p>



<p>Daher sind in der DDR des Jahres 2029 nach wie vor die Sicherheitsorgane um die Stasi aktiv und das Land wirkt gespalten zwischen neuem Wohlstand und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">alter sozialistischer Diktatur</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="kosmonautin">Die letzte Kosmonautin</h3>



<p>Im Oktober 2029 ist Mandy Neumann Kosmonautin auf der <em>&#8222;Völkerfreundschaft&#8220;</em>. Unterstützt wird sie vom autonomen Laufroboter <em>&#8222;Bummi&#8220;.</em></p>



<p>Sie hat Zwillinge, aber ihr Mann hat sie verlassen, da sie Kinder und Karriere gleichzeitig wollte.</p>



<p>Sie steht kurz vor ihrer Ablösung als einziges Besatzungsmitglied der Raumstation und freut sich bereits auf das Wiedersehen mit ihren Kindern. Bis dahin beobachtet sie die beiden gerne mit der neusten Multispektralkamera an Bord.</p>



<p>Da wird nach einer Aktualisierung der Software aus unbekannter Quelle die Verbindung zur Bodenstation getrennt. Gleichzeitig kommt es zu ersten Unfällen und der Roboter stellt sich immer mehr gegen sie.</p>



<p>Bis sogar die Station und das Leben von Mandy Neumann in Gefahr geraten.</p>



<p>Währenddessen ist Tobias Wagner Abschnittsbevollmächtigter der Volkspolizei in Dresden. Er ist Ende vierzig und lebt von seiner Frau getrennt. Bei dieser lebt auch seine pubertierende Tochter, während sein Sohn zum Wehrdienst eingezogen wird.</p>



<p>Er nimmt seine Pflichten zwar ernst, versucht aber auch ab und an ein Auge zuzudrücken.</p>



<p>Doch dann kontaktiert ihn seine alte Klassenkameradin Miriam. Sie ist mit dem bekannten und einflussreichen DDR-Wissenschaftler Ralf Prassnitz verheiratet, der unter anderem die neue Multispektralkamera MKF-8 auf der <em>&#8222;Völkerfreundschaft&#8220;</em> entwickelt hat.</p>



<p>Prassnitz ist verschwunden und Miriam bittet Wagner um Hilfe. Obwohl er sich der damit verbundenen Schwierigkeiten bewusst ist, sagt er zu. Denn war zu Schulzeiten ins sie verliebt und diese Verliebtheit kommt schnell wieder hoch.</p>



<p>Langsam kommen beide der Tatsache auf die Spur, dass das Verschwinden von Prassnitz etwas mit der MKF-8 auf der <em>&#8222;Völkerfreundschaft&#8220;</em> zu tun hat.</p>



<p>Die Suche nach ihm und der Lösung für sein Verschwinden liegt im früheren Braunkohleabbaugebiet (siehe Bild unten aus der heutigen Zeit) und dem aktuellen Erdöl-Sperrgebiet der Lausitz. Und inzwischen auch die einzige Möglichkeit zur Rettung von Mandy Neumann von der <em>&#8222;Völkerfreundschaft&#8220;.</em></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Braunkohle-Lausitz.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Landschaftsbild des ehemaligen Braunkohleabbaugebietes in der Lausitz, das in &quot;Die letzte Kosmonautin&quot; als angebliches Erdölfördergebiet gilt." class="wp-image-6452" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Braunkohle-Lausitz.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Braunkohle-Lausitz.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(photolike/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Doch das, auf das Wagner in der Lausitz stößt, übersteigt seinen Horizont bei weitem. Und die Grenzen der Physik wie wir sie kennen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="szenario">Schwieriges Szenario</h3>



<p>Für mich war es schwierig, das Szenario von <em>&#8222;Die letzte Kosmonautin&#8220; </em>einzuschätzen. Die nicht geschehene Wende durch die angeblichen Ölfunde in der Lausitz wirkten auf mich zuerst nur oberflächlich konstruiert, um den Hintergrund des Romans möglich zu machen.</p>



<p>Am Ende erklärt Brandon Q. Morris noch einige physikalische Grundsatzdiskussionen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">seines Ankerpunkts</a>. Denn hinter dem Pseudonym steht der deutsche Physiker und Autor Matthias Matting.</p>



<p>Diese Seiten waren für mich als Nicht-Physiker noch schwieriger, da er in den Erklärungen viele physikalische Informationen ausbreitet, die ich so kaum überprüfen konnte.</p>



<p>Zentrale Punkte der Handlung haben allerdings eine Verankerung in der <em>&#8222;realen&#8220;</em> Geschichte. So existierte das erwähnte ZfK Rossendorf tatsächlich seit 1956 als Zentralinstitut für Kernphysik (ZfK) und danach Zentralinstitut für Kernforschung in der DDR. Heute ist es Teil der Helmholtz-Zentren. </p>



<p>Auch ist die MKF-8 eine Anspielung auf die <em>&#8222;legendäre&#8220;</em> MKF-6 der Missionen um Sigmund Jähn.</p>



<p>Mit Peenemünde fehlt zuletzt nicht die Anspielung auf die Raketenversuche der Nationalsozialisten um Wernher von Braun<a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/"> im Zweiten Weltkrieg</a>.</p>



<p>Insgesamt schien mir das Szenario des Romans sehr unrealistisch. Er stellt allerdings mit seine Ereignissen im Jahr 2029 auch eine Mischung aus Alternative History und Science-fiction dar.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="handlung">Schwankende Handlung</h3>



<p>Auch die meisten Teile der Handlung wirken auf mich schwankend in ihrer Logik. So war für mich unklar, wo die DDR von <em>&#8222;Die letzte Kosmonautin&#8220;</em> (siehe Bild unten) noch sozialistische Diktatur ist und wo diese Diktatur inzwischen liberaler reagiert. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="846" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Buchcover-Die-letzte-Kosmonautin.jpg?resize=600%2C846&#038;ssl=1" alt="Buchcover des Romans &quot;Die letzte Kosmonautin&quot; von Brandon Q. Morris" class="wp-image-6455" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Buchcover-Die-letzte-Kosmonautin.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Buchcover-Die-letzte-Kosmonautin.jpg?resize=213%2C300&amp;ssl=1 213w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Viele Aktionen im Erzählstrang um Tobias Wagner wirken arg konstruiert. </p>



<p>So verhält sich der Volkspolizist aus meiner Sicht häufig irrational und kommt damit nur durch, weil ihm wildfremde Menschen am Rande der Hochsicherheitssperrzone spontan und ebenfalls ohne nachhaltigen Grund helfen. Ebenso profitiert er davon, dass die einerseits als fast allwissende geltende Stasi sich andererseits <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-mauer-steht-am-rhein-christian-von-ditfurth/">wie die anderen Sicherheitsorgane</a> oftmals merkwürdig passiv verhält.</p>



<p>Zuletzt bleibt für mich noch etwas unklar, wie es Miriam bis zum Zielpunkt in der Sperrzone geschafft hat und dort die Sicherheitsorgane nochmals überrumpelt, während Tobias Wagner mehrfach beim Versuch fast stirbt und erst mit Hilfe der Verantwortlichen der Sperrzone – wieder unter erheblichen Gefahren – dorthin gelangt.</p>



<p>Der Erzählstrang um Mandy Neumann wirkt dagegen im Vergleich zu geraffter, logischer und besser erzählt. Auch wenn am Ende wie bei Tobias Wagner eine Nebenfigur als Deux ex machina die Lösung bringt.</p>



<p>Zuletzt wirkte die Auflösung der Ereignisse in der Sperrzone auf mich unrealistisch, was auch daran liegt, dass Brandon Q. Morris sich hier in den noch nicht vollständig erforschten Grenzbereichen der Physik bewegt.</p>



<p>Für Menschen mit mehr Ahnung von Physik wäre <em>&#8222;Die letzte Kosmonautin&#8220;</em> daher eine bedingte Empfehlung.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Brandon Q. Morris: Die letzte Kosmonautin. Frankfurt am Main 2022.</li>



<li><a href="https://www.welt.de/geschichte/article119330593/Als-die-DDR-mal-kurz-zur-Grossmacht-aufstieg.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Als die DDR mal kurz zur Großmacht aufstieg.</a> Raumfahrt, auf: welt.de (26.08.2013).</li>



<li>Heidrun Budde: <a href="https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/53990/vopo-beruf-fuer-auserwaehlte/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vopo – Beruf für Auserwählte</a>, auf: bpb.de (30.03.2011).</li>



<li>Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf: <a href="https://www.hzdr.de/db/Cms?pNid=1826" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Geschichte des Forschungsstandortes Dresden-Rossendorf</a>, auf: hzdr.de (04.04.2023).</li>



<li>Henning Krause: <a href="https://www.helmholtz.de/newsroom/artikel/zur-geschichte-der-raumfahrt-in-der-ddr/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zur Geschichte der Raumfahrt in der DDR.</a> Hammer und Zirkel im All, auf: helmholtz.de (24.08.2018).</li>



<li>Christoph Seidler: <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/sigmund-jaehn-nachruf-auf-den-ersten-deutschen-im-all-a-1288043.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der leise Held.</a> Nachruf auf Sigmund Jähn, auf: spiegel.de (22.09.2019).</li>



<li>Volkspolizei 1990: <a href="https://www.mdr.de/geschichte/ddr/politik-gesellschaft/volkspolizei/volkspolizei-krise-wende-osten-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nichts hören, nichts sagen, nichts sehen.</a> Der Wilde Osten, auf: mdr.de (27.11.2018).</li>



<li>Tobias Wunschik: <a href="https://www.stasi-unterlagen-archiv.de/mfs-lexikon/detail/volkspolizei-und-staatssicherheit/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Volkspolizei und Staatssicherheit</a>, auf: stasi-unterlagen-archiv.de.</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/die-letzte-kosmonautin-brandon-q-morris/">1987: Die letzte Kosmonautin von Brandon Q. Morris</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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		<title>1521 bis 2015: ZEIT Geschichte 3/2025</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Aug 2025 16:49:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der andere Erste Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Der neue Klassiker Zweiter Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Die erfolgreiche Revolution 1848]]></category>
		<category><![CDATA[Die weiter existierende DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Historische Hintergründe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit der Ausgabe zum 20-jährigen Jubiläum widmete sich ZEIT Geschichte, das auf Geschichte spezialisiertes Magazin von &#8222;DIE ZEIT Verlagsgruppe&#8220;, der Alternative History. Verschiedene Autoren betrachteten dort 20 Szenarien aus der deutschen Geschichte unter dem Thema &#8222;Was wäre gewesen, wenn …? 20 Wendepunkte der deutschen Geschichte – und die Frage, wie es auch anders hätte kommen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/hintergruende/was-waere-gewesen-wenn-zeit-geschichte/">1521 bis 2015: ZEIT Geschichte 3/2025</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Mit der Ausgabe zum 20-jährigen Jubiläum widmete sich ZEIT Geschichte, das auf Geschichte spezialisiertes Magazin von &#8222;DIE ZEIT Verlagsgruppe&#8220;, der Alternative History.</p>



<p>Verschiedene Autoren betrachteten dort 20 Szenarien aus der deutschen Geschichte unter dem Thema <em>&#8222;Was wäre gewesen, wenn …? 20 Wendepunkte der deutschen Geschichte – und die Frage, wie es auch anders hätte kommen können&#8220;</em>.</p>



<span id="more-7018"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#deutsche-geschichte">Wissensgewinn von Alternative History für die deutsche Geschichte</a></li>



<li><a href="#alternative-history">Gefahren von Alternative History für die Geschichtswissenschaft</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#karl-luther">1521: Vorschlag zur Güte</a></li>



<li><a href="#dreissigjaehriger-krieg">1629: Das Gemetzel hätte früher enden können</a></li>



<li><a href="#mirakel-haus-brandenburg">1762: &#8222;Mein Unglück ist, dass ich noch lebe&#8220;</a></li>



<li><a href="#1848-friedrich-wilhelm">1849: Ein Kaiser von Volkes Gnaden</a></li>



<li><a href="#bismarck-attentat">1866: Keine Durchschlagskraft</a></li>



<li><a href="#schlacht-koeniggraetz">1866: Das deutsche Duell</a></li>



<li><a href="#kaiser-friedrich-iii">1888: &#8222;Eine Tragödie für die Deutschen&#8220;</a></li>



<li><a href="#attentat-sarajevo">1914: Bei Mord Krieg?</a></li>



<li><a href="#lenin-zug">1917: Passage am Polarkreis</a></li>



<li><a href="#revolution-hugo-haase">1919: Wie die Revolution gelungen wäre</a></li>



<li><a href="#reichspraesident-friedrich-ebert">1925: Retter der Republik</a></li>



<li><a href="#rheinlandbesetzung">1936: Letzte Ausfahrt Rheinland</a></li>



<li><a href="#attentat-georg-elser">1939: Dann hätte es keinen Holocaust gegeben</a></li>



<li><a href="#wunder-duenkirchen">1940: Das Wunder von Dünkirchen</a></li>



<li><a href="#morgenthau-plan">1944: Kartoffelacker oder Aufbauhilfe</a></li>



<li><a href="#bundeskanzler-adenauer">1949: Ära ohne Adenauer</a></li>



<li><a href="#dritter-weltkrieg">1961: Showdown der Supermächte</a></li>



<li><a href="#stanislaw-petrow">1983: &#8222;Jetzt nur keine Panik&#8220;</a></li>



<li><a href="#revolution-ddr">1989: Unwahrscheinliches Glück</a></li>



<li><a href="#fluechtlingskrise">2015: Grenze offen, Grenze dicht</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#struktur-zufall">Struktur und Zufall in der Alternative History</a></li>



<li><a href="#deutsche-alternative-history">Deutsche Sicht auf Alternative History</a><br><br><a href="#quellen-literatur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>
</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="deutsche-geschichte">Wissensgewinn von Alternative History für die deutsche Geschichte</h3>



<p>Zu Beginn der Ausgabe diskutierten verschiedene Autoren die grundsätzlichen Fragen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">der Alternative History</a> für die deutsche Geschichte. Eingeleitet durch das Vorwort des Chefredakteurs von ZEIT Geschichte, Frank Werner.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>&#8222;Wer im Krimi immer zuerst auf die letzte Seite blättert, wird von seinen verblüffenden Wendungen nicht überrascht. Er liest den Roman wie einen Zieleinlauf. Ähnlich blicken wir auf die Vergangenheit. Wir betrachten die Geschichte von ihrem bekannten Ende her, und es scheint, als strebe sie auf dieses Ende zu, als sei alles <em>Vor</em>geschichte. Überhaupt halten wir oft nur die Geschichte für möglich, deren Ende wir kennen – obwohl es viele Enden hätte geben können.</p>



<p>Für die Zeitgenossen ist die Geschichte ein Buch, das noch nicht geschrieben ist.&#8220;</p>
<cite>Frank Werner, Chefredakteur ZEIT Geschichte</cite></blockquote>



<p>Kontrafaktische Fragen gehören aus dieser Sichtweise zum Handwerkszeug der Geschichtswissenschaft. Denn sie dienen dem Erkenntnisgewinn über Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten von historischen Entwicklungen. Beispielsweise, welche Ereignisse in der deutschen Geschichte eher Zufall oder historische Notwendigkeit waren. Oder welche Rolle politische oder wirtschaftliche Strukturen spielten.</p>



<p>Dan Diner, der als Geschichtsprofessor an der Ausstellung &#8222;Roads not Taken. Oder: Es hätte auch anders kommen können&#8220; mitgearbeitet hatte, beschrieb dazu zwei Bespiele: die Machtübertragung an Adolf Hitler 1933 und das gescheiterte Attentat auf ihn 1944.</p>



<p>War Adolf Hitler (siehe Bild aus dem Ersten Weltkrieg unten links) eine <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/1889-geschichte-machen-von-stephen-fry/">unvermeidbare Entwicklung der deutschen Geschichte</a>. Oder war seine Ernennung ein historischer Zufall?</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="404" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Weltkrieg.jpg?resize=600%2C404&#038;ssl=1" alt="Foto von Weltkriegssoldaten, links unten davon Adolf Hitler" class="wp-image-3087" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Weltkrieg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Weltkrieg.jpg?resize=300%2C202&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock) </figcaption></figure>



<p>Strukturell war die Weimarer Verfassung auf einen starken Reichspräsidenten angelegt, der den Reichskanzler ohne Zustimmung des Parlaments ernannte. Speziell die Ernennung Hitlers war jedoch ein Ergebnis von individuellen Intrigen im persönlichen Umfeld des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg.</p>



<p>Die gleiche Frage zwischen Struktur und Zufall stellte sich für das <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-21-juli-christian-von-ditfurth/">fehlgeschlagene Attentat von Stauffenberg 1944</a>.</p>



<p>Strukturell waren die Widerständler von Anfang an im Nachteil. Nur wenige Militärs hatten sich ihnen angeschlossen. Und Adolf Hitler verfolgte eine jeweils kurzfristig organisierte Tagesplanung, was Attentatspläne erschwerte. Beim konkreten Attentat am 20. Juli 1944 gab es jedoch Zufälle, die zum Scheitern beitrugen. Zum Beispiel ein schwerer Eichentisch, der Teile der Explosion für den über den Tisch gebeugten Hitler abfing.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="alternative-history">Gefahren von Alternative History für die Geschichtswissenschaft</h3>



<p>Danach ging ZEIT Geschichte auf die Gefahren von Alternative History in der Erforschung der Geschichte ein. Vor allem allerdings anhand der britischen Geschichte.</p>



<p>In einem Interview kritisierte der britische Historiker Richard Evans, dass viele kontrafaktische Fragen <em>&#8222;dem Wunschdenken konservativer Historiker&#8220;</em> entspringen, die aktuelle Entwicklungen eher kritisch sehen. So entstand die Frage &#8222;Was wäre gewesen, wenn es zwischen Großbritannien und dem Deutschen Reich vor oder im Ersten Weltkrieg zu einem früheren Friedensabkommen gekommen wäre?&#8220; aus der konservativen Hoffnung, eine solche Entwicklung hätte das britische Empire (siehe Bild unten) nach 1914 erhalten und den linken Wohlfahrtsstaat nach 1945 verhindert.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="450" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Koenigin-Viktoria.jpg?resize=600%2C450&#038;ssl=1" alt="Foto einer Statue von Queen Viktoria" class="wp-image-3857" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Koenigin-Viktoria.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Koenigin-Viktoria.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(casinozack/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Evans erinnerte an diesem Beispiel an die politische Dimension von <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/literatur/">Alternative History Literatur</a>. Unter EU-Skeptikern in Großbritannien waren solche Romane weit vor dem Brexit 2016 verbreitet. Teilweise schrieben Gegner der EU selbst Alternative History Romane, um einen vermeintlichen Kampf gegen die EU in der Gegenwart populär zu machen.</p>



<p>Zwar können kontrafaktische Spekulationen Historiker unterstützen, den Spielraum Einzelner in der Geschichte realistisch einzuschätzen. Nach Evans sahen konservative Historiker aber größere individuelle Spielräume als tendenziell linke Wissenschaftler, die eher Strukturen betonten.</p>



<p>Um Wunschdenken auszuschließen, plädierte er daher dafür, die Antworten auf kontrafaktische Fragestellungen <em>&#8222;auf die für Zeitgenossen überschaubare Zukunft zu begrenzen.&#8220;</em> Denn ansonsten würden Fragesteller <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/wechselwelten-oliver-henkel/">mit ihren Szenarien in unbewusste Wunschvorstellunge</a>n geraten. Der Realitätsgehalt dieser wissenschaftlichen Spekulationen ist mit zunehmendem Fortschreiten der weiteren historischen Entwicklung aber unmöglich einzuschätzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<p>Die 20 darauf folgenden Alternative History Szenarien laufen von der frühen Neuzeit bis in die aktuelle Zeit.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="karl-luther">1521: Vorschlag zur Güte</h3>



<p>Anstatt Martin Luther wie in der realen Geschichte am 18. April 1521 beim Reichstag in Worms zum Widerruf seiner Thesen zu zwingen und bei einer Ablehnung die Reichsacht zu verhängen, schlug Kaiser Karl V. im ersten Szenario einen Kompromiss vor: Martin Luther (siehe auf der rechten Seite Bild unten) sollte unter seinem Schutz an einer Reform der Kirche mitarbeiten. Beide Seiten sahen diese Einigung zwar nur als Zeitgewinn, bis sich ihre jeweilige Sichtweise für die Reform durchgesetzt hatte. Daher stimmte Martin Luther vorerst zu.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Johannes-Eck-und-Martin-Luther.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Bronzerelief von Joahnnes Eck und Martin Luther an einem Denkmalsockel" class="wp-image-5458" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Johannes-Eck-und-Martin-Luther.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Johannes-Eck-und-Martin-Luther.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Anastazzo/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Mit einer solchen Alternative History wäre zwar die konfessionellen Begründungen für viele folgende Konflikte weggefallen. Aber nicht die sozialen Verwerfungen und die Machtkonflikte zwischen den einzelnen Monarchen. Allerdings hätte es mit dem interkonfessionellen Dialog, wie im <em>Augsburger Religionsfrieden</em> von 1555, auch kein Einüben von religiöser Toleranz gegeben.</p>



<p>Der Historiker Tillmann Bendikowski sieht das Szenario allerdings als unrealistisch. Denn 1521 waren die Spielräume der zwei handelnden Personen bereits eingeschränkt. Luther war von der katholischen Kirche als Ketzer exkommuniziert und seitdem gerade als Kritiker des römischen Papsttums enorm populär in der deutschsprachigen Bevölkerung. Karl V. war abhängig von anderen Machtfaktoren, wie Papst Leo X., der erst überraschend wenige Monate nach dem Reichstag starb.</p>



<p>Daher kam es in der realen Geschichte zu einem anderen Kompromiss: Karl V. verhängte zwar die Reichsacht über Luther und erklärte ihn damit für vogelfrei. Er ließ ihn aber unter dem Schutz des protestantischen sächsischen Kurfürsten entkommen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="dreissigjaehriger-krieg">1629: Das Gemetzel hätte früher enden können</h3>



<p>Elf Jahre nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges bestand Hoffnung, den Konflikt zu beenden.</p>



<p>Nach mehreren Niederlagen der Protestanten hatte König Christian IV. von Dänemark eine vernichtende Niederlage gegen die katholischen Heere erlitten. Daraufhin musste er einen relativ milden Frieden schließen, der den Krieg nach dem Kulturredakteur Raoul Löbbert zu einem Abschluss gebracht hätte. </p>



<p>Am 6. März 1620 erließ Kaiser Ferdinand II. aber das <em>&#8222;Restitutionsedikt&#8220;</em>: Mit diesem sollten die protestantischen Reichsstände alle katholischen Besitztümer zurückgeben, die sie sich seit 1555 angeeignet hatten. Ferdinand sah sich als Repräsentant <a href="https://ankerpunkte-blog.de/mittelalter/pavane-keith-roberts/">der katholischen Gegenreformation</a>, die er mit dem Edikt entscheidend voranbringen wollte. Machtpolitische Einwände gegen die Verabschiedung ließ er nicht gelten.</p>



<p>Daher fachte <em>&#8222;Restitutionsedikt&#8220;</em> den Widerstandswillen der Protestanten wieder an und lieferte die Begründung für den Kriegseintritt von König Gustav Adolf von Schweden (siehe Bild unten). Beides ließ den Konflikt wieder eskalieren und führte zu weiteren 19 Jahren in einem verheerenden Krieg.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="612" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Gustav-Adolf.jpg?resize=600%2C612&#038;ssl=1" alt="Statue von König Gustav Adolf" class="wp-image-5067" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Gustav-Adolf.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Gustav-Adolf.jpg?resize=294%2C300&amp;ssl=1 294w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(high fliers/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Hätte Kaiser Ferdinand II. auf das Restitutionsedikt verzichtet, wären durch ein Kriegsende Katastrophen wie die <em>&#8222;Magdeburger Bluthochzeit&#8220; </em>– die Zerstörung der Stadt Magdeburg im Jahr 1631 – und andere Grausamkeiten, die zu massiven Bevölkerungsverlusten führten, vorerst verhindert worden.</p>



<p>Jedoch wären andere Konflikte in dieser Alternative History nicht gelöst worden: Beispielsweise das Streben des schwedischen Königs nach der Vormachtstellung im Ostseeraum und der machtpolitische Gegensatz zwischen den französischen Königen sowie den österreichischen und spanischen Habsburgern.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="mirakel-haus-brandenburg">1762: &#8222;Mein Unglück ist, dass ich noch lebe&#8220;</h3>



<p>Das <em>&#8222;Mirakel des Hauses Brandenburg&#8220;</em> gehörte zu den Legenden um den preußischen König Friedrich den Großen.</p>



<p>1762 kämpfte er seit sechs Jahren gegen eine übermächtige Allianz aus Russland, Frankreich, Schweden, dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation und den österreichischen Habsburgern. Bevor er aber der Übermacht unterlag, sorgte der Tod der russischen Zarin Elisabeth am 5. Januar 1762 für ein Auseinanderbrechen des Bündnisses. Preußen konnte sich im <em>&#8222;Siebenjährigen Krieg&#8220;</em> als Großmacht behaupten.</p>



<p>1762 war die Lage Preußens nach mehreren Niederlagen und dem Einstellen der britischen Subsidien aber kritisch.</p>



<p>Jedoch hätte auch ein längeres Leben von Zarin Elisabeth dem Siebenjährigen Krieg nach Meinung des Redakteurs Samuel Rieth keine entscheidende Wendung gegeben. Bereits zuvor agierten die Verbündeten gegen Preußen zögerlich und unkoordiniert. Dies erlaubte es König Friedrich, auch vernichtende Niederlagen, wie in der Schlacht bei Kunersdorf 1759, zu überstehen. Zudem waren alle Kriegsbeteiligten 1762 kriegsmüde, finanziell ruiniert und kaum noch in der Lage, den Krieg im bisherigen Ausmaß weiterzuführen.</p>



<p>Daher hätte ein Szenario mit einem späterem Tod von Zarin Elisabeth den Krieg verlängert und verlustreicher gemacht. Auch wäre ein nach Erschöpfung aller Kriegsparteien geschlossener Frieden für Preußen nicht so günstig ausgefallen wie in der Realität. Doch selbst ein Tod von Friedrich 1759 hätte den Aufstieg Preußens nur gebremst, aber nicht verhindert.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="1848-friedrich-wilhelm">1849: Ein Kaiser von Volkes Gnaden</h3>



<p>Am 3. April 1849 traf eine Delegation des Frankfurter Paulskirchenparlaments auf den preußischen König Friedrich Wilhelm IV., um ihm die Kaiserwürde anzubieten. Friedrich Wilhelm IV. antwortete zwar diplomatisch, knüpfte seine Entscheidung aber an die Zustimmung der übrigen deutschen Monarchen und Staaten. Eine mehr oder minder verklausulierte Absage.</p>



<p>Denn zwar stimmen 28 von 38 Regierungen der deutschen Staaten bis April 1849 der Reichsverfassung mit einem möglichen Kaiser Wilhelm IV. an der Spitze zu. Aber es fehlen die großen Staaten wie <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayern/">die Königreiche Bayern</a> und Hannover, ebenso wie das Königreich Preußen selbst. Am 28. April 1849 lehnte Friedrich Wilhelm die Krone daher endgültig ab. Anschließende Revolten in vielen deutschen Staaten scheitern, ebenso wie ein Gegenentwurf unter preußischer Führung in Gestalt der <em>&#8222;Erfurter Union&#8220;</em>.</p>



<p>Wenn Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone angenommen hätte, wäre in dieser Alternative History <a href="https://ankerpunkte-blog.de/1848-revolution/revolution-1848/">ein relativ liberales Deutsches Reich</a> mit weitreichendem Männer-Wahlrecht und relativ vielen Befugnissen für das Parlament entstanden. Dieses Reich hätte sich sofort im Konflikt mit Österreich, Frankreich und Russland befunden. Bereits im Paulskirchenparlament zeigte sich auch ein starker deutscher Nationalismus mit weitreichenden Zielen. Daher wäre es unrealistisch, dass es selbst bei einer liberaleren Entwicklung Deutschlands nicht zu Kolonialismus und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/die-schlacht-bei-dorking-von-sir-george-tomkyns-chesney/">Konflikten mit anderen europäischen Mächten</a> gekommen wäre.</p>



<p>Am Ende sieht der Historiker Ralf Zerback eine Annahme der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. als unrealistisch: Der preußische König galt als <em>&#8222;Romantiker auf dem Thron&#8220;</em>, der sich eher für Gottesgnadentum und mittelalterliches Königtum begeisterte, als für demokratische und liberale Reformen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="bismarck-attentat">1866: Keine Durchschlagskraft</h3>



<p>Als der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck am 7. Mai 1866 auf dem Heimweg von einer Besprechung war, schoss der 22-jährige Ferdinand Cohen-Blind mehrfach auf ihn. Doch Bismarck blieb unverletzt: Die ersten Kugeln streiften ihn nur und drei prallten ab, da der eingesetzte Bündelrevolver zu wenig Durchschlagskraft entwickelt hatte, um seine dicke Kleidung zu durchdringen.</p>



<p>Cohen-Blind beging nach seiner Verhaftung Selbstmord. Der radikale Demokrat wollte einen möglichen Konflikt zwischen Preußen und Österreich verhindern. Dieser entzündete sich vordergründig um die Zukunft der Herzogtümer Schleswig und Holstein. Vor allem aber an der Frage um die Vorherrschaft um Deutschen Bund. Bismarck galt als treibende Kraft des sich immer mehr zuspitzenden Konflikts, der im Mai 1866 bereits zu einer preußischen Mobilmachung geführt hatte.</p>



<p>Doch ob Cohen-Blind sein Ziel erreichen hätte können, wenn er Bismarck getötet hätte, ist nach der Geschichtsprofessorin Ute Planert unwahrscheinlich. Erstens war Bismarck nicht der einzige Entscheidungsträger in der preußischen Regierung, der für einen Krieg plädiert hatte. Zweitens setzten die Mobilmachung sowie ein befristeter Geheimvertrag mit Italien gegen Österreich die preußische Regierung unter Handlungsdruck. Drittens war auch Österreich einem Krieg nicht abgeneigt, um seine angespannte Innenpolitik zu stabilisieren.</p>



<p>Bei einem gelungenen Attentat wäre Bismarck allerdings nicht als Reichseiniger in die Geschichte eingegangen, sondern nur als umstrittener preußischer <em>&#8222;Konfliktminister&#8220;.</em></p>



<h3 class="wp-block-heading" id="schlacht-koeniggraetz">1866: Das deutsche Duell</h3>



<p>Am 3. Juli 1866 trafen die preußische und die österreichische Armee bei Königgrätz im damaligen Böhmen zur Entscheidungsschlacht des Deutschen Krieges aufeinander. Gegen Mittag war die Lage der Preußen prekär, da ihre Angriffe gegen die überlegene Artillerie der Verteidiger erfolglos blieben. Eine preußische Division war sogar schweren Gegenattacken ausgesetzt, fügte den Österreichern aber mit dem Zündnadelgewehr enorme Verluste zu. Erst als die Armee des Kronprinzen Friedrich am frühen Nachmittag eintraf, wendete sich das Blatt. Die Österreicher erlitten schwere Verluste und mussten sich zurückziehen.</p>



<p>Generell war Österreich bereits vor der Schlacht im Nachteil. Es hatte mehrere Gefechte gegen die getrennt nach Königgrätz marschierenden preußischen Armeen verloren. Zudem waren Generalstab, Offiziere und Soldaten der Preußen (siehe Bild unten) besser ausgebildet als ihre österreichischen Gegner.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="657" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Preussische-Soldaten.jpg?resize=600%2C657&#038;ssl=1" alt="Bild von zwei preußischen Soldaten" class="wp-image-3020" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Preussische-Soldaten.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Preussische-Soldaten.jpg?resize=274%2C300&amp;ssl=1 274w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Marzolino/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Nach dem Sieg bei Königgrätz gelang es Bismarck, den preußischen König Wilhelm von einem raschen, milden Frieden zu überzeugen, um seine Ziele der Einigung Deutschlands unter preußischer Führung durchzusetzen. So kam es zur Gründung des Norddeutschen Bundes. Und 1871, nach dem Sieg gegen das kaiserliche Frankreich, zur Gründung des Deutschen Reichs.</p>



<p>In einer Alternative History hätte eine Niederlage von Preußen dagegen die Einigung verhindert. Neben Rücktritten von König Wilhelm und Ministerpräsident Bismarck hätte es nach dem Feuilleton-Redakteur Alexander Cammann keine kleindeutsche Lösung gegeben, sondern einen mehr oder minder starken Staatenbund mit einem deutlich geschwächten Preußen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="kaiser-friedrich-iii">1888: &#8222;Eine Tragödie für die Deutschen&#8220;</h3>



<p>Als am 9. März 1888 Kaiser Wilhelm I. mit 91 Jahren starb, hofften viele Liberale im Deutschen Reich auf seinen Nachfolger Friedrich III. Doch dieser litt seit Februar 1887 an Kehlkopfkrebs. Im Februar 1888 mussten die Ärzte einen Luftröhrenschnitt durchführen, was den zukünftigen Kaiser die Stimme kostete.</p>



<p>Daher konnte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-fahrt-des-leviathan-oliver-henkel/">Friedrich III. nur symbolische Handlungen</a> durchführen. Weitergehende Maßnahmen scheiterten an seinem schlechten Gesundheitszustand und dem Widerstand des Reichskanzlers Bismarck. Bereits am 15. Juni 1888 starb Friedrich (siehe Bild unten). Seine Nachfolge trat sein Sohn Wilhelm an, der als sprunghaft und preußisch-konservativ galt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="873" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Friedrich-III.jpg?resize=600%2C873&#038;ssl=1" alt="Porträt des Kaisers Friedrich III" class="wp-image-1592" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Friedrich-III.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Friedrich-III.jpg?resize=206%2C300&amp;ssl=1 206w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Oleg Golovnev/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Ob eine längere Regierungszeit Friedrich III. eine nachhaltige liberale Ausrichtung des Deutschen Reichs angestoßen hätte, ist umstritten. Denn Bismarck hatte den als liberal geltenden Kronprinzen bereits vor 1888 politisch isoliert, um seine konservative Politik weiterverfolgen zu können. Zudem waren die Machstrukturen und führenden Eliten des Deutschen Reiches konservativ dominiert, was den Spielraum für liberale Reformen weiter einschränkte. Zuletzt schwankte Friedrich als Kronprinz zwischen seiner liberalen Einstellung und der militärischen Tradition Preußens.</p>



<p>Jedoch galt der frühe Tod Friedrichs III., vor allem vor dem Hintergrund der desaströsen Weltpolitik Wilhelms II., für viele damalige Wissenschaftler und Literaten als Tragödie. Denn auch wenn die Vorstellungen von einer weitgehenden Liberalisierung unter Kaiser Friedrich III. eher Wunschvorstellung sind, wäre laut dem Historiker Volker Ulrich seine Politik moderater gewesen, als die von Wilhelm II.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="attentat-sarajevo">1914: Bei Mord Krieg?</h3>



<p>Als der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 Sarajevo besuchte, entging er zunächst mehreren Attentatsversuchen. Erst der fünfte Attentäter, Gavrilo Princip, konnte durch einen Zufall auf das vor ihm stoppende Auto des Thronfolgers schießen und sowohl Franz Ferdinand als auch dessen Ehefrau mit zwei Schüssen töten. Damit ging der Plan einer serbischen Verschwörergruppe auf, Österreich zu einer harten Reaktion gegen das Königreich Serbien zu provozieren. Und den Ersten Weltkrieg auszulösen.</p>



<p>Doch das gelungene Attentat (siehe Bild unten) hätte nicht zwangsläufig zum großen Konflikt führen müssen. So forderten die deutschen Militärs zwar häufig Präventivkriege gegen Frankreich und Russland. Die deutsche Militärführung unternahm jedoch nach dem Attentat zuerst keine entsprechenden Schritte. Auch hatte es in der Vergangenheit immer wieder erfolgreiche diplomatische Lösungen für ausgebrochene Konflikte zwischen den europäischen Großmächten gegeben.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="405" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Sarajevo.jpg?resize=600%2C405&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-440" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Sarajevo.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Sarajevo.jpg?resize=300%2C203&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Historical/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Doch aus Furcht vor einem Abfallen Österreich-Ungarns als einzigem Verbündeten gab die deutsche Regierung eine bedingungslose Bündniszusage. Ebenso gab es eine ähnliche Zusage von Frankreich an seinen Verbündeten Russland für einen Konflikt mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn. Erst <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/1906-der-zusammenbruch-der-alten-welt-ferdinand-grauthoff/">diese diplomatische Eskalation</a> ebnete den Weg <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/erster-weltkrieg/">in den Ersten Weltkrieg</a>. </p>



<p>Jedoch war diese Eskalation nicht das Ergebnis von Plänen oder Strukturen, sondern von Zufällen und politischen Fehleinschätzungen. Daher war diese Entwicklung auch nach dem Attentat nicht zwangsläufig. Ein gescheitertes Attentat auf Franz Ferdinand hätte daher nach dem Redakteur Christoph Nonn <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/kaisertag-oliver-henkel/">den Ersten Weltkrieg verhindert</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="lenin-zug">1917: Passage am Polarkreis</h3>



<p>Im April 1917 reiste eine Gruppe von russischen Kommunisten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/ich-werde-hier-sein-im-sonnenschein-und-im-schatten-christian-kracht/">aus der Schweiz zurück nach Russland</a>. Vermittelt hatte diese aufwändige Reise die deutsche Regierung, um den russischen Kriegsgegner zu destabilisieren. Denn zur Gruppe gehörte auch Wladimir Iljitsch Uljanow, besser bekannt unter dem Namen Lenin (siehe Bild unten), der für ein Ausscheiden seines Landes aus dem Krieg plädierte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="461" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?resize=600%2C461&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Foto von Lenin an seinem Schreibtisch" class="wp-image-4808" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?resize=300%2C231&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Daher war der britische Botschafter in Schweden alarmiert, als er von der Durchreise der Kommunisten erfuhr. Doch beim entscheidenden Grenzübertritt durchsuchten zwar russische Grenzbeamte mit britischer Unterstützung Lenin und seine Gruppe. Sie bekamen aber keine Anweisung zur Festnahme.</p>



<p>So reiste Lenin nach Russland ein und initiierte als Führer der Bolschewiki nach wenigen Monaten erfolgreich die <em>&#8222;Oktoberrevolution&#8220;</em>.</p>



<p>Was wäre gewesen, wenn Lenin und seine Gruppe an der Grenze aufgehalten worden wären? Der Redakteur Markus Flohr geht von einem anderen Verlauf der Geschichte aus. Denn vor seinem Grenzübertritt war Lenin keineswegs so unumstritten und bekannt, wie er es bis zur <em>&#8222;Oktoberrevolution&#8220;</em> wurde. Die Bolschewiki sowie andere sozialistische Gruppen um diverse Anführer wären zu gespalten gewesen, um eine Revolution durchzuführen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="revolution-hugo-haase">1919: Wie die Revolution gelungen wäre</h3>



<p>Als die Revolution im Jahr 1918 das Deutsche Reich am Ende des Ersten Weltkriegs erschütterte, bildete sich eine neue Regierung: ein <em>&#8222;Rat der Volksbeauftragten&#8220;</em> aus jeweils drei Vertretern von der sozialdemokratischen Parteien MSPD und USPD. Der Rat verständigte sich schnell auf innenpolitische Reformen wie den 8-Stunden-Tag oder das allgemeine Wahlrecht.</p>



<p>Dem gegenüber stand die <em>&#8222;Oberste Heeresleitung&#8220;</em>, die in der Revolution fast jeglichen Einfluss verloren hatte. Sie wollte aber die neuen Entwicklungen nutzen, um ihre alte politische und militärische Macht wiederherzustellen.</p>



<p>Denn der Rat war sich uneinig, wie stark der Einfluss der alten Eliten in Verwaltung und Militär beschnitten werden konnte und sollte. Die MSPD vertraute Loyalitätsbekundungen, während die USPD die Macht den sozialistisch geprägten Arbeiter- und Soldatenräten übertragen wollte. Als es ab 23. Dezember 1918 zu Gefechten von Armeeeinheiten mit der <em>&#8222;Volksmarinedivision&#8220;</em> aus linken Matrosen kam, schied die USPD aus der Regierung aus.</p>



<p>Der USPD-Vorsitzende Hugo Hase, selbst bis dahin Mitglied des <em>&#8222;Rats der Volksbeauftragten&#8220;</em>, entwarf danach selbst folgendes Alternative History Szenario.</p>



<p>Zuvor hatte die USPD die Wahlen zu einem neuen Zentralrat boykottiert, der die Regierung kontrollieren sollte. Hätte die USPD sich nach Haase beteiligt, hätte sie nach den Kämpfen im Dezember die MSPD-Regierungsmitglieder wegen der Zusammenarbeit mit der Heeresleitung zum Rücktritt zwingen können. Ausgehend von einem Rücktritt der MSPD-Regierungsmitglieder hätte die USPD die Regierung übernehmen und ihre Ziele wie ein <em>&#8222;Volkswehrprojekt&#8220;</em> durchsetzen können, um die Heeresleitung zu entmachten. </p>



<p>Dieses Wunsch-Szenario von Haase hatte nach dem Historiker Klaus Latzel jedoch zwei Haken: Erstens hatte die MSPD um Friedrich Ebert eine loyale Mehrheit im Zentralrat. Unabhängig davon arbeitete die Heeresleitung aktiv an einem Wiederaufbau ihrer Machtbasis. Zweitens war die USPD in sich stark gespalten zwischen gemäßigten Linken und radikalen Sozialisten, die sich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">an Rosa Luxemburg</a> (siehe Bild unten) orientierten. Dies engte den Spielraum der Parteiführung stark ein.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="683" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Statue-Rosa-Luxemburg.jpg?resize=600%2C683&#038;ssl=1" alt="Foto einer Statue Rosa Luxemburgs" class="wp-image-2608" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Statue-Rosa-Luxemburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Statue-Rosa-Luxemburg.jpg?resize=264%2C300&amp;ssl=1 264w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(ArTono/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>In der Realität billigte der Zentralrat die Entscheidungen der MSPD-Regierungsmitglieder. Daraufhin zog die USPD ihre Regierungsmitglieder endgültig zurück und verlor jeden Einfluss auf den weiteren Verlauf der Revolution.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="reichspraesident-friedrich-ebert">1925: Retter der Republik</h3>



<p>Als erster Reichspräsident nach der Revolution nutzte Friedrich Ebert ab 1919 das mächtige Amt, um in zahlreichen Krisen Kompromisse auszuloten, die bedrohte demokratische Ordnung zu stabilisieren und Realpolitik zu betreiben. Damit gelang es ihm, die <em>&#8222;Weimarer Republik&#8220;</em> bis 1924 etwas zu stabilisieren.</p>



<p>Aufgrund eines Prozesses wegen Verleumdung verschleppte Ebert (siehe Bild unten) aber eine Blinddarmentzündung, an der er am 28. Februar 1925 starb. Bei den darauf folgenden Wahlen gewann der Weltkriegsgeneral Paul von Hindenburg knapp gegen den Sammelkandidaten der demokratischen Parteien. Er leitete <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-consul-christian-von-ditfurth/">während seiner Amtszeit ab 1930 das Ende des parlamentarischen Systems</a> ein und ernannte im Jahr 1933 Hitler zum Reichskanzler.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="910" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Friedrich-Ebert.jpg?resize=600%2C910&#038;ssl=1" alt="Foto des Reichspräsidenten Friedrich Ebert" class="wp-image-2607" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Friedrich-Ebert.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Friedrich-Ebert.jpg?resize=198%2C300&amp;ssl=1 198w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Hätte Ebert 1925 überlebt, hätte er weiter die demokratische Ordnung verteidigt. Beispielsweise hätte er 1930 nicht die parlamentarisch gewählte Regierung des Reichskanzlers Hermann Müller gestürzt, um ein Präsidialkabinett zu installieren. Auch hätte er den Reichstag 1930 nicht aufgelöst. Die darauf folgenden Neuwahlen des Parlaments hatten den bis dahin im Reichstag bedeutungslosen Nationalsozialisten einen großen Wahlerfolg gebracht.</p>



<p>Das Szenario von Bernd Braun, Geschäftsführer der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte, kann allerdings nicht den weiteren Fortgang der Geschichte klären. Beispielsweise für den Fall, dass es 1932 nach der Weltwirtschaftskrise zu einer Reichspräsidentenwahl zwischen Friedrich Ebert und Adolf Hitler gekommen wäre.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="rheinlandbesetzung">1936: Letzte Ausfahrt Rheinland</h3>



<p>Im Alternatiuve History Szenario des freien Autors Andreas Molitor versuchte Adolf Hitler wie in der realen Geschichte 1936, das entmilitarisierte deutsche Rheinland zu besetzen. Allerdings griff Frankreich mit seiner Armee ein und überrannte die deutsche Vorhut förmlich. Der Rest der Wehrmacht musste sich zurückziehen. Hitler hatte in diesem Fall alles riskiert und verloren. Als Gespött der Weltöffentlichkeit und mit zerstörter Aura der Unfehlbarkeit trat er zurück und flüchtete auf den Berghof in die Alpen.</p>



<p>Danach übernahm Hermann Göring den Posten Hitlers als Reichskanzler. Unter ihm wandelt sich das Dritte Reich zu einer Einparteiendiktatur mit mehreren Machtzentren. Seine Politik zielte zwar auf eine Stärkung des Deutschen Reiches in Europa ab, wollte dafür aber nur begrenzte Kriege führen. Auch der Holocaust hätte wohl nie in diesem Ausmaß stattgefunden.</p>



<p>In der Realität war die Rheinlandbesetzung ab 7. März 1936 ein voller Erfolg für Adolf Hitler (siehe Bild unten) und das Dritte Reich. Denn die westlichen Demokratien Frankreich und Großbritannien leisteten keinen Widerstand, als die Wehrmacht das Gebiet besetzte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="600" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=600%2C600&#038;ssl=1" alt="Münze mit dem Bild von Adolf Hitler und dem Motto &quot;Unser die Zukunft Adolf Hitler&quot;" class="wp-image-3088" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Sytilin Pavel/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Jedoch war sich die deutsche Regierung um Hitler bis zum Einmarsch unsicher, ob die Westmächte nicht doch reagieren würden. Es gab sogar Berichte über einen Nervenzusammenbruch Hitlers während des Einmarsches, der fast zu einem Rückzug geführt hätte.</p>



<p>Am Ende triumphierte Hitler in den Augen der Weltöffentlichkeit sowie der eigenen Bevölkerung und galt <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/nacht-der-braunen-schatten-katharine-burdekin/">bald als unfehlbarer Stratege</a>. Ein Bild, das er sogar selbst begann, zu glauben.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="attentat-georg-elser">1939: Dann hätte es keinen Holocaust gegeben</h3>



<p>Bei den jährlichen Feierlichkeiten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-staehlerne-traum-norman-spinrad/">zum Putschversuch 1922</a> musste Hitler am 8. November 1939 wegen stürmischem Wetter statt des vorgesehenen Flugzeugs den Zug nehmen. Daher verließ er <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/oberbayern-muenchen/">den Münchner Bürgerbräukeller</a> früher als geplant und entging so dem Attentat, das Georg Elser geplant hatte. Die Explosion einer Bombe zerstörte erst nach seiner Abreise große Teil des Saals.</p>



<p>Elser, der persönliche Gewissensgründe als Grund angab, hatte das Attentat vorher monatelang und akribisch vorbereitet. Er wurde beim versuchten illegalen Übertritt über die Grenze <a href="https://ankerpunkte-blog.de/europaeische-geschichte/geschichte-schweiz/">zur Schweiz</a> verhaftet und kurz vor Kriegsende 1945 ermordet. Er galt daher &#8222;nur&#8220; als moralisches Beispiel, dass sich selbst unter einem Regime wie dem Dritten Reich erfolgreich Widerstand leisten ließ.</p>



<p>Wäre das Attentat gelungen, hätte es nach dem Historiker Michael Wildt <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">den Beginn des Zweiten Weltkrieges</a> zwar nicht mehr verhindern können. Aber die Bevölkerung und die Militärführung waren trotz des Sieges gegen Polen im September 1939 noch unsicher, was einen Angriff gegen die Großmächte Frankreich und Großbritannien anging.</p>



<p>Daher standen die Zeichen günstig, dass sich nach dem Tod Hitlers durch das Attentat eine Militärregierung unter Einbezug von nationalsozialistischen Parteiführern etabliert hätte. Diese hätte weiterhin Polen ausgebeutet und versucht, Land und Bevölkerung zu &#8222;germanisieren&#8220;. Aber ein Angriff auf die Westmächte und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/wenn-das-der-fuehrer-wuesste-otto-basil/">der Holocaust</a> (siehe Bild unten) wären unwahrscheinlicher geworden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="389" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Auschwitz.jpg?resize=600%2C389&#038;ssl=1" alt="Foto des Eingangs zum Konzentrationslager Auschwitz" class="wp-image-3089" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Auschwitz.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Auschwitz.jpg?resize=300%2C195&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(rafaelcavlaz/Shutterstock)</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading" id="wunder-duenkirchen">1940: Das Wunder von Dünkirchen</h3>



<p>Als der deutsche Angriff auf Frankreich erfolgte, kesselte die Wehrmacht Ende Mai 1940 den Großteil des britischen Heeres bei Dünkirchen an der französischen Kanalküste (siehe Bild unten) ein. Mehr als zwei Drittel der britischen Truppen in Europa, darunter die fünf besten Divisionen, standen vor der Vernichtung. Um den Krieg fortzusetzen, musste der kurz zuvor neugewählte britische Premier Winston Churchill die Soldaten evakuieren. Aber der britischen Flotte fehlten die kurzfristigen Kapazitäten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="191" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Duenkirchen.jpg?resize=600%2C191&#038;ssl=1" alt="Panorama des Strandes von Dünkirchen" class="wp-image-4816" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Duenkirchen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Duenkirchen.jpg?resize=300%2C96&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(rightclickstudios/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Da scheute Hitler das Risiko eines Angriffs und ließ diesen mehr als zwei Tage verzögern. Diese Zeit konnte die Royal Navy nutzen, um mit <em>&#8222;Operation Dynamo&#8220;</em> die Rettungsaktion für die eingeschlossenen Divisionen zu starten. Da sich die britisch-französischen Verteidiger inzwischen eingegraben hatten und auch deutsche Luftangriffe nicht den erhofften Erfolg brachten, evakuierten britische Schiffe mit 338.000 Soldaten den Großteil der Eingeschlossenen nach Großbritannien.</p>



<p>Gestützt auf die erfolgreiche Evakuierung konnte Churchill Großbritannien auf seine Linie des erbitterten Widerstands gegen das Dritte Reich einschwören.</p>



<p>Hätte es keinen solchen Haltebefehl gegeben, hätte die Amtszeit von Churchill schon nach wenigen Tagen mit einer vernichtenden Niederlage begonnen. In seinem Kriegskabinett gab es einflussreiche Personen, die für <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-pakt-philip-kerr/">eine Verständigung mit dem Dritten Reich</a> plädierten. Hauke Friedrichs, sicherheitspolitischer Korrespondent der ZEIT, ging davon aus, dass Churchill eventuell nach der Niederlage bereits durch einen Vertreter dieser Linie ersetzt worden wäre. Danach hätte Hitler <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/vaterland-robert-harris/">keinen Zwei-Fronten-Krieg gegen die Sowjetunion</a> befürchten müssen. Am Ende hätte jedoch der Kriegseintritt der USA <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/angriff-pearl-harbor/">nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour</a> doch noch <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/orakel-vom-berge-philip-dick/">das Blatt im Zweiten Weltkrieg gegen das Dritte Reich</a> gedreht.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="morgenthau-plan">1944: Kartoffelacker oder Aufbauhilfe</h3>



<p>Im September 1944 berichteten US-amerikanische Zeitungen über den Plan des US-amerikanischen Finanzministers Henry Morgenthau jr., das vor der Niederlage stehende Deutsche Reich in mehrere Teilstaaten aufzusplitten sowie weitgehend zu deindustrialisieren.</p>



<p>Der Morgenthau-Plan hätte nach dem Geschichtsprofessor Manfred Berg zu einer weitgehenden wirtschaftlichen Schwächung sowie Ernährungskrise in Deutschland geführt. Da sich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/morbus-kitahara-christoph-ransmayr/">damit die Erholung Europas</a> von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs verzögert hätte, wäre die Nachkriegsordnung <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/im-jahre-ragnaroek-oliver-henkel/">erheblich instabiler</a> gewesen.</p>



<p>In der Realität stieß der Plan in der US-amerikanischen Öffentlichkeit auf scharfe Ablehnung. Einerseits wollten die USA nicht die wirtschaftlichen Folgen des Planes tragen. Andererseits fürchten sie, der Plan könnte den Widerstandswillen der Deutschen kurz vor Kriegsende nochmals stärken. Daher wurde er schnell wieder fallen gelassen. Der Morgenthau-Plan erlangte aber Berühmtheit durch die nationalsozialistische Propaganda, die bis in die Nachkriegszeit wirkte.</p>



<p>Realistisch war das Alternative History Szenario daher nicht, beflügelte aber seitdem immer wieder die Fantasie von Romanschreibern.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="bundeskanzler-adenauer">1949: Ära ohne Adenauer</h3>



<p>Als im Sommer 1949 der erste Wahlkampf zum Bundestag erfolgte, waren die Kanzlerkandidaten in der Bundesrepublik noch nicht so zentral wie bei späteren Wahlen. Beispielsweise war Konrad Adenauer zwar einer der bekanntesten Politiker der CDU, musste aber Rücksicht auf andere mächtige Teile der Partei nehmen, ebenso wie auf die bayerische CSU.</p>



<p>Da das Wahlergebnis im August nur wenige Prozente und Abgeordnetenmandate zwischen CDU/CSU und SPD ergab, gab es in beiden Parteien viele Sympathisanten für eine gemeinsame Koalition. Obwohl es Adenauer gelang, in mehreren Verhandlungsrunden stattdessen eine konservativ-liberale Koalition aus CDU/CSU, FDP und der rechtskonservativen Deutschen Partei zu schmieden, war die Stabilität des Bündnisses unklar. Am 15. September 1949 wurde Adenauer nur mit dem denkbar knappsten Ergebnis von 202 aus 402 möglichen Stimmen zum ersten Bundeskanzler gewählt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="600" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=600%2C600&#038;ssl=1" alt="Karte der ehemaligen BRD und DDR" class="wp-image-2209" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Anupong Boonma/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Was wäre gewesen, wenn sich Adenauer nicht mit seiner eigenen Stimme gewählt hätte? Nach dem Geschichtsprofessor Norbert Frei hätte der Bundestag in zwei weiteren Wahlgängen einen Bundeskanzler wählen können. Frei hielt es für wahrscheinlich, dass dies im zweiten Anlauf auch Adenauer gewesen wäre. Es bestand jedoch auch die Möglichkeit, da ein Gegenbündnis der SPD unter Kurt Schumacher keine rechnerische Mehrheit hatte, dass sich danach dennoch eine schwarz-rote Koalition gebildet hätte.</p>



<p>Ein solches Bündnis hätte die Westbindung zögerlicher verfolgt, um<a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/die-republik-von-maxim-voland/"> eine mögliche Wiedervereinigung</a> nicht zu gefährden. Auch wäre die Innen-, Sozial- und Wirtschaftspolitik der entstehenden Bundesrepublik deutlich sozialdemokratischer geprägt worden, als in der Realität durch Adenauer und seinen Wirtschaftsminister Ludwig Erhard. Jedoch wäre es wie in der realen Geschichte auch zu einer umfassenden Amnestierung der Nationalsozialisten gekommen. Denn diese Politik war politischer Konsens unter allen Parteien.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="dritter-weltkrieg">1961: Showdown der Supermächte</h3>



<p>Im Oktober 1961 drohte der Kalte Krieg in Berlin zu eskalieren. Die ehemalige Hauptstadt des Dritten Reichs hatte für die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs eine enorme Bedeutung. Sie galt seit der ersten Berlin-Krise im Jahr 1948 mit der 300 Tage dauernden Blockade als Testfall für die Glaubwürdigkeit des westlichen Verteidigungsbündnisses und der USA. Für die Sowjetunion war Berlin ebenfalls von hohem Symbolwert, da es als westliches Schaufenster in die DDR und als Fluchtpunkt für deren Bevölkerung galt.</p>



<p>Im Oktober 1961 kam es zu einer neuen Krise, als DDR-Grenzer entgegen bestehender Abkommen von den US-Offiziellen Ausweiskontrollen einforderten. Dies war ein Verstoß gegen die Besatzungsrechte der US-Amerikaner, die <a href="https://ankerpunkte-blog.de/science-fiction-fantasy/der-anschlag-stephen-king/">Präsident Kennedy</a> zuvor in einer Rede als unverhandelbar bezeichnet hatte.</p>



<p>Lucius Clay, der als persönlicher Vertreter des Präsidenten in Berlin bei einem Nachgeben weitere Provokationen befürchtete, antwortete darauf mit einer Abordnung von Panzern zum Checkpoint Charlie. Am nächsten Tag, dem 27. Oktober 1961, fuhren sowjetische Panzer auf und richteten ihre Geschützrohre auf die US-Amerikaner. Dieser Showdown dauerte 16 Stunden. Erst dann waren Verhandlungen erfolgreich: Die Panzer zogen ab und die zweite Berlin-Krise war endgültig beendet.</p>



<p>Hätte Clay die Provokation durchgehen lassen, wäre es aus Sicht der USA wahrscheinlich gewesen, dass die Sowjetunion weitere Versuche unternommen hätte, die Position der westlichen Besatzungsmächte auszuhöhlen: bis zu einer endgültigen Vertreibung aus Westberlin und einer Integration der Gesamtstadt in die DDR. Dies hätte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/romane-filme/der-letzte-tag-der-schoepfung-wolfgang-jeschke/">in der Logik des Kalten Krieges</a> fatale Auswirkungen auf die globale Glaubwürdigkeit und Machtposition der USA gehabt.</p>



<p>Wäre die Situation am Checkpoint Charlie dagegen eskaliert, hätten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/dritter-weltkrieg/im-sturm-tom-clancy/">die militärischen Planungen</a> beider Seiten eine weitere Eskalation bis zum Nuklearkrieg vorgesehen. Der Historiker Andreas Etges merkte aber für ein solches Alternative History Szenario an, dass die Kuba-Krise ein Jahr später zeigte: Beide Seiten waren nicht an einem Atomkrieg interessiert und versuchten ihn im Krisenfall aktiv zu verhindern.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="stanislaw-petrow">1983: &#8222;Jetzt nur keine Panik&#8220;</h3>



<p>Von 1981 bis 1983 war der NATO-Doppelbeschluss Gegenstand heftiger Demonstrationen in der Bundesrepublik Deutschland. Er führte allerdings nach Michael Thumann, Osteuropa-Korrespondent der ZEIT, wenige Jahre später zu einer radikalen Abrüstung beider Seiten.</p>



<p>Dies war nur möglich, da am 26. September 1983 der Offizier Stanislaw Petrow die Nerven bewahrte. Er kommandierte ein Frühwarnzentrum der sowjetischen Atomstreitkräfte, das kurz nach Mitternacht Alarm gab und den Start einer US-amerikanischen Interkontinentalrakete meldete. Vom Start einer Rakete bis zum Einschlag blieben nur 25 Minuten Reaktionszeit. Zudem waren 1983 sowohl die USA und der Westen sowie die Sowjetunion und deren Verbündete <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-mauer-steht-am-rhein-christian-von-ditfurth/">noch stark auf Konfrontationskurs</a>.</p>



<p>Hätte Petrow sofort seinen Vorgesetzten informiert, hätte dieser einen Gegenschlag angeordnet. In der <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/das-moskau-spiel-christian-von-ditfurth/">Logik der Abschreckung im Kalten Krieg</a> hätte dies eine verheerende Welle an Atomangriffen beider Seiten (siehe Bild unten) ausgelöst.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="476" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Abschuss-einer-Atomgranate.jpg?resize=600%2C476&#038;ssl=1" alt="Foto des Abschusses einer Atomgranate mit Atompilz" class="wp-image-3729" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Abschuss-einer-Atomgranate.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Abschuss-einer-Atomgranate.jpg?resize=300%2C238&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Stattdessen meldete Petrow einen Fehlalarm. Er misstraute dem von ihm selbst mitentwickelten Frühwarnsystem und fürchtete, einen Dritten Weltkrieg auszulösen. Erst ein halbes Jahr später bestätigen Spezialisten einen seltenen technischen Fehler als Ursache.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="revolution-ddr">1989: Unwahrscheinliches Glück</h3>



<p>Als es am 9. Oktober 1989 zu Massendemonstrationen in Leipzig gegen die Führung der DDR kam, fürchteten viele Demonstranten und Beobachter eine gewaltsame Niederschlagung durch die staatlichen Sicherheitsorgane. Entsprechende Gerüchte kursierten seit Tagen und am 7. Oktober war die Staatsmacht noch mit Gewalt gegen Proteste in Ostberlin vorgegangen. Gleichlautende Pläne der Sicherheitsorgane gab es auch für Leipzig.</p>



<p>Zwar begann der Ostblock seit 1985 zu bröckeln. Ein entschlossenes Niederschlagen von Protesten war daher nicht mehr so selbstverständlich wie in den 1950er und 1960er Jahren. Die Führungsspitze der DDR um Generalsekretär Honecker verweigerte sich aber <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/plan-d-simon-urban/">trotz des maroden Zustands</a> des Landes (siehe Symbolbild unten) Reformversuchen und favorisierte eine <em>&#8222;chinesische&#8220;</em> Lösung. In China hatte die dortige Führung Proteste auf dem &#8222;Platz des Himmlischen Friedens&#8220; gewaltsam niedergeschlagen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto des alten Wappens der DDR" class="wp-image-2203" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(dimm3d/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Wäre die Demonstration in Leipzig ebenfalls niedergeschlagen worden, hätte das die Bürgerrechtsbewegung zwar kurzfristig geschwächt. Die Opposition gegen die Führung der DDR wäre jedoch nicht beendet gewesen, sondern hätte sich anders entwickelt. Vor allem aufgrund <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/">der steigenden Auswanderungszahlen in den Westen</a> hätte sich die DDR nicht halten können.</p>



<p>Verhindert hatten dieses Szenario nach der Historikerin Franka Maubach neben einem offen vorgetragenen Gewaltverzicht der Demonstranten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/die-letzte-kosmonautin-brandon-q-morris/">nur einige Zufälle</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="fluechtlingskrise">2015: Grenze offen, Grenze dicht</h3>



<p>Im letzten Artikel fanden sich zwei Perspektiven auf die Frage: Was wäre gewesen, wenn Kanzlerin Angela Merkel 2015 die Grenze gegenüber den Flüchtlingen geschlossen hätte?</p>



<p>Heinrich Wifing, Leiter des Politik-Ressorts bei der ZEIT, bezweifelte, dass sich die Grenze überhaupt hätte schließen lassen. Dies wäre nur unter harten Gewalteinsatz der Polizei möglich gewesen. Bilder, die Kanzlerin Merkel nicht wollte und die ihr schwere Kritik im In- sowie Ausland eingebracht hätten. Gleichzeitig hätten sich anderen europäische Staaten auf diese Entscheidung berufen und ihre Grenzen früher als in der Realität für Geflüchtete geschlossen. Dieses Alternative History Szenario hätte sowohl die Bilder der <em>&#8222;Willkommenskultur&#8220;</em> verhindert, als auch das Gefühl des <em>&#8222;Kontrollverlusts&#8220;</em>, der maßgeblich zum Aufstieg der deutschen Rechtspopulisten beitrug.</p>



<p>Der Geschichtsprofessor Andreas Rödder kritisierte dagegen das Nicht-Handeln der deutschen Regierung im September 2015. Er verwies ebenfalls auf die Angst vor Bildern von niedergeknüppelten geflüchteten Frauen und Kindern. Er argumentiert jedoch, dass durch eine Zurückweisung ein Magneteffekt auf andere Geflüchtete vermieden worden wäre. Zudem wäre die europäische Migrationspolitik früher reformiert worden. Zuletzt wäre ein Mobilisierungseffekt für die Rechtspopulisten ausgeblieben.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="struktur-zufall">Struktur und Zufall in der Alternative History</h3>



<p>Alle 20 Szenarien von ZEIT Geschichte griffen folgende Fragen auf: Welche Rolle spielten Struktur und Zufall für die Geschichte und die Alternative History.</p>



<p>Aus Sicht des Blogautors entschieden sich die meisten Autoren für die Struktur. In vielen Artikeln in einer solchen Art und Weise, dass eine Änderung der Geschichte kaum realistisch gewesen wäre oder dass sich die Veränderungen kaum ausgewirkt hätten.</p>



<p>In <em>&#8222;1521: Vorschlag zur Güte&#8220;</em> war ein Sinneswandel von Karl V. der Deus ex machina, der das Gedankenexperiment erst möglich machte. Tillmann Bendikowski betonte aber, dass das Szenario aufgrund der strukturell eingeschränkten Spielräume der Akteure unrealistisch war.</p>



<p>Bei <em>&#8222;1629: Das Gemetzel hätte früher enden können&#8220;</em> gestand Raoul Löbbert der Entscheidung zum <em>&#8222;Restitutionsedikt&#8220;</em> eine teilweise zufällige Entwicklung zu. Er verwies aber auf die begrenzte Veränderung der Geschichte angesichts der machtpolitischen Strukturen Europas im Jahr 1621.</p>



<p><em>&#8222;Mein Unglück ist, dass ich noch lebe&#8220;</em> gab dem Zufall durch einen möglichen Schlachtentot Friedrichs II. oder den Tod von Zarin Elisabeth zwar großen Raum. Eher deterministisch führte Samuel Rieth aber aus, dass sich dadurch die Entwicklung Preußens zur Großmacht nicht geändert hätte. Eine Einschätzung, die der Blogautor in diesem Artikel ausnahmsweise nicht nachvollziehen konnte.</p>



<p>Mit <em>&#8222;Ein Kaiser von Volkes Gnaden&#8220;</em> griff Ralf Zerback zwar ein durchaus populäres Szenario auf. Er sah aber angesichts der gesellschaftlichen Strukturen und der Person Friedrich Wilhelms IV. keine realistische Basis für eine andere Entwicklung der Geschichte.</p>



<p>In <em>&#8222;Keine Durchschlagskraft&#8220;</em> argumentierte Ute Planert zwar für den Zufall eines gelungenen Attentats auf Bismarck für eine große Änderung von dessen historischer Rolle. Aber auch sie betonte, dass der Konflikt zwischen Preußen und Österreich im Jahr 1866 aufgrund von militärischen und politischen Strukturen dennoch ausgebrochen wäre.</p>



<p>In eine andere Richtung schrieb Alexander Cammann mit <em>&#8222;Das deutsche Duell&#8220;</em> für den Fall einer preußischen Niederlage in der Schlacht bei Königgrätz. Seine Alternative History Spekulation ging aus Sicht des Blogautors ausnahmsweise aber bei der Änderung der Strukturen zeitlich sehr weit und sprengte bei weitem den Rahmen des <em>&#8222;auf die für Zeitgenossen überschaubare Zukunft&#8220;</em>.</p>



<p><em>&#8222;Eine Tragödie für die Deutschen&#8220;</em> von Volker Ulrich stellte erneut die politisch-wirtschaftlichen Strukturen der Gesellschaft des Deutschen Reichs im Jahr 1888 in den Vordergrund. Nur indirekt erkannte er im Vergleich der Personen Friedrich III. und Wilhelm II. die Rolle von Individuen und damit des Zufalls etwas an.</p>



<p>Christoph Nonn beantwortete in <em>&#8222;Bei Mord Krieg?&#8220;</em> dagegen die kontrafaktische Frage eindeutig für den Zufall. Denn die politischen Strukturen Europas im Jahr 1914 waren aus seiner Sicht nicht so deterministisch auf Krieg festgelegt, wie allgemein angenommen. Daher hätte ein durch Zufall erfolgloses Attentat keinen Ersten Weltkrieg auslösen können.</p>



<p>In eine ähnliche Richtung ging Markus Flohr bei <em>&#8222;Passage am Polarkreis&#8220;</em>. Die Strukturen im Russland des Jahres 1917 waren nicht von vorneherein auf eine kommunistische Revolution ausgelegt. Daher hätte eine durch Zufälle gelungene Verhaftung Lenins die Geschichte verändert.</p>



<p>Mit <em>&#8222;Wie die Revolution gelungen wäre&#8220;</em> beschrieb Klaus Latzel lange ein vermeintliches Wunschszenario der deutschen Revolution. Am Ende erklärte er aber, weshalb diese Entwicklung angesichts der politischen Strukturen von Anfang an unrealistisch gewesen wäre.</p>



<p><em>&#8222;Retter der Republik&#8220;</em> zeigte die Rolle des Zufalls in der Person sowie im Tod des Reichspräsidenten Ebert und hielt sich an die wissenschaftlich begründeten Begrenzungen von Alternative History Szenarien. Aus Sicht des Blogautors erklärte der Artikel auch gut, wie begrenzt <em>&#8222;wünschenswerte&#8220;</em> Entwicklungen laufen können.</p>



<p><em>&#8222;Letzte Ausfahrt Rheinland&#8220;</em> erzählte zwar zuerst breit ein mögliches Alternative History Szenario. Indirekt gab Andreas Molitor aber zu, dass auch diese Entwicklung unrealistisch gewesen wäre.</p>



<p>Michael Wildt betonte mit <em>&#8222;Dann hätte es keinen Holocaust gegeben&#8220;</em> die Rolle des Zufalls bei einem erfolgreichen Attentat auf Adolf Hitler. Er beschrieb aber auch, wie begrenzt sich die Geschichte dadurch geändert hätte.</p>



<p>Mit <em>&#8222;Das Wunder von Dünkirchen&#8220;</em> erklärte Hauke Friedrichs zuerst ein von einem zufälligen Haltebefehl ausgelöstes Szenario. Ebenso erläuterte er die kurzfristigen Veränderungen der Geschichte, die sich daraus ergeben hätten. Am Ende schränkte er diese Änderungen aber wieder zugunsten der militärischen Strukturen ein.</p>



<p>Bei <em>&#8222;Kartoffelacker oder Aufbauhilfe&#8220;</em> beschrieb Manfred Berg zwar ein enorm populäres Alternative History Szenario. Eines, dass allerdings aufgrund der Strukturen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">in den USA</a> des Jahres 1944 keine Chance auf eine Realisierung in der Geschichte hatte.</p>



<p>In <em>&#8222;Ära ohne Adenauer&#8220;</em> erklärte Norbert Frei umfassend die politischen Strukturen vor der ersten Kanzlerwahl 1949. Mit dem Verweis auf diese Strukturen schränkte er die historischen Folgen einer Nichtwahl von Adenauer stark ein.</p>



<p><em>&#8222;Showdown der Supermächte&#8220;</em> widmete sich ebenfalls einem populären Szenario der Alternative History. Aus Sicht von Andreas Etges hätten aber politische Strukturen einen Dritten Weltkrieg verhindern können.</p>



<p>Anders sah es bei <em>&#8222;Jetzt nur keine Panik&#8220;</em> von Michael Thumann aus. Hier spielte der Zufall in der schnellen Entscheidung des Offiziers Stanislaw Petrow eine entscheidende Rolle, um den Dritten Weltkrieg zu verhindern.</p>



<p><em>&#8222;Unwahrscheinliches Glück&#8220;</em> zeigte zwar, dass Zufälle durchaus eine Rolle in der Geschichte spielen können. In diesem Fall wäre nach Franka Maubach aber die strukturelle Entwicklung bzw. der strukturelle Niedergang der DDR unvermeidbar gewesen.</p>



<p><em>&#8222;Grenze offen, Grenze dicht&#8220;</em> als sehr aktuelles Alternative History Szenario blieb mit den beiden Autoren Heinrich Wifing und Andreas Rödder dagegen etwas vage. Zwar wurde einer anderen Entscheidung in der sogenannten Flüchtlingskrise im Jahr 2015 eine große Veränderung der Gegenwart zugebilligt. Beide Autoren lieferten aber keine Begründung, wie eine solche Änderung angesichts der damaligen politischen Strukturen erfolgt wäre. Der Artikel zeigte aber gut, dass historische Fragestellungen immer mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten verbunden sind.</p>



<p>Persönlich seltsam fand der Blogautor die Argumentation im letzten Artikel: Bei beiden Autoren ging es nur um die Angst der Politik vor Bildern bei eventuellen Gewalteinsätzen gegen Geflüchtete. Aber nicht um die Menschen, die auf den Bildern niedergeknüppelt worden wären.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="deutsche-alternative-history">Deutsche Sicht auf Alternative History</h3>



<p>Aus Sicht des Blogautors zeigte die Ausgabe von ZEIT Geschichte (siehe Bild) die Schwierigkeiten und Unsicherheiten beim Thema Alternative History in Deutschland bzw. <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/historiker/">in der deutschen wissenschaftlichen Community</a>.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="680" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/08/ZEIT-Geschichte.jpg?resize=600%2C680&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-7119" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/08/ZEIT-Geschichte.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/08/ZEIT-Geschichte.jpg?resize=265%2C300&amp;ssl=1 265w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Foto)</figcaption></figure>



<p>Wo im angelsächsischen Raum zu viel Fantasie und Spekulation herrscht, hat man aus Sicht des Blogautors in Deutschland fast Angst davor, den Pfad der realen Geschichte zu verlassen.</p>



<p>Diese Argumentation stützte sich auf den Eindruck des Blogautors von sehr langen Herleitungen und Erklärungen für die reale historische Entwicklung und dazu im Vergleich eher knappen Was-wäre-wenn-Teilen in den meisten Artikeln. Diese Schreibweise konnte aber auch daran liegen, dass die Ausgabe insgesamt einem Nicht-Fachpublikum eine enorme Spanne an historischen Zeiträumen und Ereignissen vorstellte.</p>



<p>Auffällig war, dass Historiker skeptischer waren, was die Auswirkungen der Was-wäre-wenn-Fragen anging, als die Autoren, die &#8222;nur&#8220; als Redakteure beschrieben wurden.</p>



<p>Bei einzelnen Was-wäre-wenn-Spekulationen war diese Skepsis durchaus angemessen. Es stellte sich aber die Frage, ob die Auswahl der 20 Ankerpunkte eventuell Szenarien begünstigte, die Strukturen oder unrealistische Alternative History betonten.</p>



<p>Allerdings versuchte ZEIT Geschichte in dieser Ausgabe durchaus einen schwierigen Spagat: Zwischen populären, relativ häufig vorkommenden Szenarien wie der niedergeschlagenen Revolution in der DDR 1989 und historischen Ereignissen der deutschen Geschichte, die in der Alternative History bisher nicht oft auftauchten wie der Tod Eberts 1925.</p>



<p>Allgemein stellte sich für den Blogautor aber der Sinn von Szenarien, wenn diese am Ende des Artikels als von vorneherein &#8222;unrealistisch&#8220; eingestuft wurden. Ein solches Ergebnis konnte ausdrücklich eine Antwort der kontrafaktischen Fragestellung sein. Aber wenn es die einzige Antwort ist, stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/ankerpunkte-alternative-history-canvas/">der wissenschaftlichen Methodik</a>.</p>



<p>Insgesamt war ZEIT Geschichte mit der Ausgabe <em>&#8222;Was wäre gewesen, wenn &#8230;? 20 Wendepunkte der deutschen Geschichte – und die Frage, wie es auch anders hätte kommen können&#8220;</em>, eine anregende Lektüre, die im Ankerpunkte Blog auch an anderer Stelle verarbeitet wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellen-literatur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Benjamin Bidder: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/vergessener-held-a-948852.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Mann, der den dritten Weltkrieg verhinderte.</a> Vergessene Helden, auf: spiegel.de (21.04.2010).</li>



<li>Philip Cassier: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article255568930/Kaiser-Friedrich-III-Was-waere-gewesen-wenn-er-laenger-Zeit-gehabt-haette.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Kaiser, der den Deutschen viel Unglück erspart hätte.</a> Friedrich III., auf: welt.de (15.03.2025).</li>



<li>Richard J. Evans: Veränderte Vergangenheiten. Über kontrafaktisches Erzählen in der Geschichte. München 2013.</li>



<li>Erich Follath: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/attentat-von-sarajevo-1914-franz-ferdinand-und-der-erste-weltkrieg-a-977651.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Am Tag, als das Feuer kam.</a> Sarajevo-Attentat 1914, auf: spiegel.de (24.09.2013).</li>



<li>Lukas Gedziorowski: <a href="https://www.deutschlandfunk.de/friedrich-ebert-todestag-weimarer-republik-reichspraesident-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der ungeliebte erste Reichspräsident.</a> Friedrich Ebert, auf. deutschlandfunk.de (27.02.2025).</li>



<li>Lars-Broder Keil, Sven-Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/geschichten/article186127052/Aus-dem-Bundesarchiv-So-blutig-war-Weihnachten-1918-in-Berlin.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">So blutig waren die Berliner Weihnachtstage 1918.</a> Aus dem Bundesarchiv, auf: welt.de (27.12.20218).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article201592538/Friedliche-Revolution-Was-war-am-Morgen-des-10-Oktobers-anders.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Bis heute wissen wir nicht, warum es gewaltfrei blieb“</a>. Friedliche Revolution, auf: welt.de (30.08. 2021).</li>



<li>Sven-Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article230928921/Ferdinand-Cohen-Blind-Was-den-Bismarck-Attentaeter-antrieb.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Die einzige Lösung ist die Beseitigung Bismarcks“.</a> Ferdinand Cohen-Blind, auf: welt.de (07.05.2021).</li>



<li>Sven-Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article251243936/Deutschland-Wie-das-Land-waere-wenn-Preussens-Koenig-die-Kaiserkrone-genommen-haette.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie Deutschland wäre, wenn Preußens König die Kaiserkrone genommen hätte.</a> Friedrich Wilhelm IV., auf: welt.de (06.05.2024).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article231034257/Henry-Morgenthau-So-kam-es-zu-seinem-beruechtigen-Plan.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie es zum berüchtigten „Morgenthau-Plan“ kam.</a> Henry Morgenthau, auf: welt.de (11.05.2021).</li>



<li>Tim Pröse: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/georg-elser-und-das-attentat-auf-adolf-hitler-nur-13-minuten-fehlten-a-1142134.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Es fehlten nur dreizehn Minuten.</a> Hitler-Attentäter Georg Elser, auf: spiegel.de (07.04.2017).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article156742070/Koeniggraetz-1866-Diese-gigantische-Schlacht-schuf-Deutschland.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Diese gigantische Schlacht schuf Deutschland.</a> Königgrätz 1866, auf: welt.de (03.07.2016).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article208208325/Halt-Befehl-Warum-Hitler-den-Sturm-auf-Duenkirchen-stoppte.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Warum Hitler den Sturm auf Dünkirchen stoppte.</a> &#8222;Halt-Befehl&#8220;, auf: welt.de (25.11.2021).</li>



<li>Bernd Ulrich: <a href="https://www.deutschlandfunk.de/berlin-1961-konfrontation-am-checkpoint-charlie-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Konfrontation am Checkpoint Charlie.</a> Berlin 1961, auf: deutschlandfunk.de (27.10.2021).</li>



<li>ZEIT Geschichte: Was wäre gewesen, wenn…?&#8220; 20 Wendepunkte der deutschen Geschichte – und die Frage, wie es auch anders hätte kommen können. Mai 2025.</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/hintergruende/was-waere-gewesen-wenn-zeit-geschichte/">1521 bis 2015: ZEIT Geschichte 3/2025</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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		<title>1989: Schwarzes Gold aus Warnemünde von Harald Martenstein und Tom Peuckert</title>
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					<comments>https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 Nov 2024 17:02:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Die weiter existierende DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Romane und Filme]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ankerpunkte-blog.de/?p=5722</guid>

					<description><![CDATA[<p>In dieser Alternative History recherchieren zwei Journalisten in der DDR des Jahres 2015. Denn am 9. November 1989 verkündete Günter Schabowski statt des Mauerfalls den Fund von Erdöl. Ankerpunkt Der Untergang der DDR Bereits Anfang der 1980er Jahre stand die &#8222;Deutsche Demokratische Republik&#8220; (DDR) vor dem Staatsbankrott. Eine ineffiziente Wirtschaft, ein schwacher Rückhalt in der [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/">1989: Schwarzes Gold aus Warnemünde von Harald Martenstein und Tom Peuckert</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>In dieser Alternative History recherchieren zwei Journalisten in der DDR des Jahres 2015. Denn am 9. November 1989 verkündete Günter Schabowski statt des Mauerfalls den Fund von Erdöl.</p>



<span id="more-5722"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ddr">Der Untergang der DDR</a></li>



<li><a href="#ossis-wessis">Das Verhältnis zwischen Ossis und Wessis</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#warnemuende">Das schwarze Gold aus Warnemünde</a></li>



<li><a href="#martenstein-peuckert">Harald Martenstein und Tom Peuckert</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#alternative-history">Die fiktive Erdöl-Alternative-History</a></li>



<li><a href="#alternativwelt">Der gelungene Alternativwelt-Roman</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="ddr">Der Untergang der DDR</h3>



<p>Bereits Anfang der 1980er Jahre stand die <em>&#8222;Deutsche Demokratische Republik&#8220; (DDR)</em> vor dem Staatsbankrott.</p>



<p>Eine ineffiziente Wirtschaft, ein schwacher Rückhalt in der Bevölkerung und immer größere Schulden im Westen verschärften die Probleme des Landes dauerhaft.</p>



<p>Zwar gab es Gegenmaßnahmen wie die teilweise illegale Devisenbeschaffung der mit Sonderbefugnissen ausgestatteten Abteilung <em>&#8222;Kommerzielle Koordinierung&#8220; (KoKo)</em> im Ministerium für Außenhandel unter Alexander Schalck-Golodkowkski. Diese verzögerten aber wie ein mit dem bayerischen Ministerpräsidenten im Jahr 1983 vereinbarter Milliardenkredit den Untergang nur.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto des alten Wappens der DDR" class="wp-image-2203" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(dimm3d/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Aus Angst vor Unruhen räumte die Führung der SED  der Konsumindustrie und dem Sozialstaat Vorrang ein. Sie vernachlässigte dadurch aber die restliche Wirtschaft und die Infrastruktur der DDR.</p>



<p>Gleichzeitig konnte sie nicht die wirtschaftliche und soziale Diskrepanz zur Bundesrepublik schließen, mit deren Lebensstandard die Einwohner der DDR ihren eigenen verglichen.</p>



<p>Trotz der dadurch zunehmenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung und der immer schwächeren Unterstützung durch die Sowjetunion unter dem Generalsekretär Michail Gorbatschow stand die DDR Anfang 1989 nicht vor dem Kollaps.</p>



<p>Doch der Widerstand gegen die Diktatur der SED wuchs.</p>



<p>Internationale Proteste zwangen die DDR-Führung, <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/wechselwelten-oliver-henkel/">Maßnahmen gegen die Opposition</a> aufzuheben, zum Beispiel den Schießbefehl an der Grenze und der Berliner Mauer.</p>



<p>Das ermutigte die Bevölkerung, gegen das Unrechtsregime und vor allem seine Wahlfälschungen im selben Jahr zu protestieren.</p>



<p>Auch stiegen die Flüchtlingszahlen in den Westen, vor allem, nachdem Ostblockländer wie Ungarn ihre eigenen Grenzen dorthin geöffnet hatten.</p>



<p>Als politische Alternative gründeten sich im September 1989 erste Oppositionsgruppen wie das <em>&#8222;Neue Forum&#8220;</em>, <em>&#8222;Demokratie jetzt&#8220;</em> oder die <em>&#8222;Sozialdemokratische Partei in der DDR&#8220;.</em> Sie waren aber noch klein.</p>



<p>Daher waren die ersten Demonstrationen in Plauen, Leipzig und Dresden wenig organisiert. Aber sie überrumpelten dadurch und durch die überraschend große Masse die Sicherheitsorgane der DDR.</p>



<p>Die Kritik und Unzufriedenheit war so groß, dass nicht einmal der Sturz des langjährigen SED-Generalsekretärs Erich Honecker zugunsten von Egon Krenz die Lage beruhigte.</p>



<p>Dennoch war bis zum 9. November unklar, ob die DDR nicht doch aus eigener Kraft überleben konnte.</p>



<p>Dann aber gab es im Zentralkomitee der SED eine chaotische Sitzung, in der eine neue Reiseverordnung nur am Rande besprochen wurde. Sie sollte aber trotzdem am selben Tag verkündet werden.</p>



<p>Als Sinnbild für dieses Chaos galt der stotternde und überforderte, aber für die Medien zuständige Sekretär des Zentralkomitees, Günter Schabowski.</p>



<p>Er gab auf einer inzwischen legendären Pressekonferenz die Verordnung falsch wieder.</p>



<p>Aus Unkenntnis und Überforderung erwähnte er sowohl die Pflicht zu einem Visaantrag als auch das Inkrafttreten ab dem 10. November nicht. Stattdessen benutzte er das Wort <em>&#8222;unverzüglich&#8220;</em> und noch in derselben Nacht brach die Grenzsicherung nach Westberlin zusammen.</p>



<p>Unter den jubelnden Maßen fiel die Berliner Mauer. Und in den Monaten danach die DDR.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="ossis-wessis">Das Verhältnis zwischen Ossis und Wessis</h3>



<p>Am 3. Oktober 1990 kam es danach zur friedlichen Wiedervereinigung von Bundesrepublik und DDR. </p>



<p>Am 1. Juli 1990 war bereits der Staatsvertrag über die Währungs-, Wirtschaft- und Sozialunion in Kraft getreten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="600" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=600%2C600&#038;ssl=1" alt="Karte der ehemaligen BRD und DDR" class="wp-image-2209" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Anupong Boonma/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dieser führte aber dazu, dass die marode DDR-Wirtschaft fast sofort dem Weltmarkt ausgesetzt war. Durch den 1:1 Umtausch zwischen D-Mark und Ost-Mark war sie schlagartig überbewertet und gegenüber der internationalen Konkurrenz zu teuer.</p>



<p>Die von der Bundesregierung eingesetzte Treuhandanstalt, die die DDR-Wirtschaft übernehmen und sanieren sollte, verwaltete so nur noch deren Zusammenbruch.</p>



<p>Investoren, vor allem aus Westdeutschland, übernahmen DDR-Betriebe nur, wenn der Staat hohe Subventionen garantierte. Oder um diese sofort gewinnbringend zu verkaufen und damit ebenfalls stillzulegen.</p>



<p>Dies führte, da an der staatseigenen Wirtschaft große Teile des Sozialstaates hingen, zu einer Übernahme der DDR durch Westdeutsche – kurz <em>&#8222;Wessis&#8220;</em>.</p>



<p>Der damit verbundene Zusammenbruch der Wirtschafts- und Sozialstrukturen führte aber bei den Ostdeutschen – kurz <em>&#8222;Ossis&#8220;</em> – zu enormen Verlusterfahrungen bis in die heutige Zeit.</p>



<p>Zusätzlich erfolgten nach 1990 die forcierte Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Umbau der bisherigen staatlichen Strukturen vor allem unter der Leitung von westdeutschen Führungskräften.</p>



<p>Bei Westdeutschen hielt sich im Gegenzug lange das Klischee <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/die-letzte-kosmonautin-brandon-q-morris/">der auf allen Feldern zurückgebliebenen</a> und nur am Konsum von Westgütern interessierten Ostdeutschen.</p>



<p>Dieser fast komplette Verlust der bis 1990 geltenden Stabilität und das Gefühl, von Westdeutschland quasi übernommen worden zu sein, führten in den 1990er Jahren zu einer immer stärkeren Verklärung der DDR.</p>



<p>Dieses <em>&#8222;Ostalgie&#8220;</em> geprägte Gefühl, das in Westdeutschland lange unverstanden blieb, sorgte, obwohl viele Begrifflichkeiten wie <em>&#8222;Ossi&#8220; </em>und<em> &#8222;Wessi&#8220;</em> kaum mehr verwendet werden, nach wie vor für eine mentale Trennung zwischen beiden Bevölkerungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="warnemuende">Das schwarze Gold aus Warnemünde</h3>



<p><em>&#8222;Schwarzes Gold aus Warnemünde&#8220;</em> besteht aus den Reportagen zweier Undercover-Journalisten in der DDR des Jahres 2015.</p>



<p>Denn am 9. November 1989 verkündete Günter Schabowski statt des Mauerfalls den Fund eines der größten Erdöl-Vorkommen der Welt vor der Küste der DDR.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>&#8222;Manchmal passieren Sachen, die sind so unwahrscheinlich, dass du dich nicht mal freuen kannst. Dein Klo ist wieder mal verstopft, nichts hilft, du ziehst dir also fluchend die Gummihandschuhe an, greifst in den Abfluss, fühlst etwas und plötzlich ziehst du ein zwei Kilo schweres Golddiadem aus dem 14. Jahrhundert ans Licht. Ich denke mal, in diesem Moment hast du den gleichen Gesichtsausdruck wie Schabowski an jenem 9. November 1989.&#8220;</p>
<cite>Schwarzes Gold aus Warnemünde</cite></blockquote>



<p>Der neue Reichtum führte innerhalb weniger Monate zum Ende der Unzufriedenheit in der Bevölkerung und zum Zusammenbruch der bisherigen Opposition.</p>



<p>In der DDR unterteilt die <em>&#8222;Agentur für sozialistische Demokratie und angewandten Wohlstand&#8220;</em> die Bevölkerung in verschiedene Stufen der Gesinnung ein: von A für &#8222;Aktiv unterstützend&#8220; bis zu E  für &#8222;aktive Gegner&#8220;. Wobei 94 Prozent der Bürger unter die Kategorien A und B (&#8222;passiv angepasst&#8220;) fallen. </p>



<p>Als einzige Änderung des politischen Systems bearbeiten <em>&#8222;Die Grünen&#8220;</em> als eine Blockpartei das Thema Umweltschutz im Sinne des Regimes.</p>



<p>Bis 2015 ist das Erdölkombinat zum mächtigsten Organ der DDR geworden. Von seinem Sitz auf dem zum Sperrgebiet erklärten und zur ökologischen Wüste gewordenen Rügen (siehe Bild einer Erdöl-Raffinerie unten) verteilt es den wertvollen Rohstoff in die Welt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="292" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/01/Erdoel-Raffinerie.jpg?resize=600%2C292&#038;ssl=1" alt="Foto einer Erdöl-Raffinerie" class="wp-image-5772" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/01/Erdoel-Raffinerie.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/01/Erdoel-Raffinerie.jpg?resize=300%2C146&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(jutawat Rawichot/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Die reiche DDR konnte es sich sogar leisten, <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-mauer-steht-am-rhein-christian-von-ditfurth/">die Mauer</a> für ihre eigenen Bürger ab 1990 zu öffnen. Die Einreise aus der von wirtschaftlichen Krisen betroffenen Bundesrepublik ist für Westdeutsche nach wie vor mit Schikanen verbunden.</p>



<p>Mit dem Bürgergeld als bedingungsloses Grundgehalt versorgte DDR-Bürger können sich ein einigermaßen sicheres Leben leisten. Manche schicken sogar Geld an die westdeutsche Verwandtschaft.</p>



<p>Da die wohlhabenden Ostdeutschen viele einfache Arbeiten ablehnen, kommen Westdeutsche nur als weitgehend rechtlose, aber im Vergleich zur Bundesrepublik gut bezahlte Vertragsarbeiter ins Land.</p>



<p>Ausnahmen sind abgeworbene Spezialisten wie Uli Hoeneß, der Dynamo Dresden zum internationalen Spitzenverein gemanagt hat, oder der neue Wirtschaftsminister Karl Theodor Guttenberg.</p>



<p>Unter dem Generalsekretär Egon Krenz und dem Erdölminister Markus Wolf pumpt die DDR sogar Kredite nach Westdeutschland und sichert sich dort Einfluss.</p>



<p>Westberlin ist ein Glücksspielparadies für reiche DDR-Bürger, während die Westberliner oftmals als Reinigungskräfte und Chauffeure in der DDR arbeiten.</p>



<p><a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/die-republik-von-maxim-voland/">Die Wiedervereinigung</a> ist zwar offiziell Thema, wird von den DDR-Bürgern aber wegen der Armut der Bundesrepublik mehrheitlich abgelehnt. Stattdessen propagiert die DDR die langfristige Formel <em>&#8222;Wandel durch Annäherung&#8220;.</em></p>



<h3 class="wp-block-heading" id="martenstein-peuckert">Harald Martenstein und Tom Peuckert</h3>



<p>1989 lernten sich der Westdeutsche Harald Martenstein und der Ostdeutsche Tom Peuckert kurz nach der Pressekonferenz von Schabowski kennen. Danach arbeiten sie in den 25 Jahren nach dem Erdölfund an verschiedenen Berichten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/ich-werde-hier-sein-im-sonnenschein-und-im-schatten-christian-kracht/">über das veränderte Land</a>.</p>



<p>Harald Martenstein arbeitete in der DDR bereits vor 1989 für verschiedene Medien. Später musste er wegen seiner kritischen Berichte zeitweise in anderen Berufen arbeiten. </p>



<p>Tom Peuckert galt immer als systemkritisch. Er publizierte daher über seinen Blog <em>&#8222;Pankow privat&#8220;</em> und über westdeutsche Medien.</p>



<p>In <em>&#8222;Schwarzes Gold aus Warnemünde&#8220;</em> sammelte und kommentierte Martenstein mehrere Reportagen der beiden. Nach mehreren erfolglosen Versuchen konnte er diese in einem kleinen westdeutschen Verlag veröffentlichen.</p>



<p>In der ersten Reportage nahm Martenstein Kontakt mit dem inzwischen alkoholkranken Entdecker der Erdölfelder, Maxim Krolikowski, auf. Dieser machte ihn auf Ungereimtheiten beim ersten Fund des Erdöls aufmerksam.</p>



<p>Danach gingen beide den Spuren der seit 1994 verschwundenen Angela Merkel nach, deren Verhaftung als harmlose Mitläuferin 1990 das Misstrauen der Reporter erweckt hatte.</p>



<p>Als Nachtportier im Palasthotel, in dem sich die Elite der DDR vergnügt, erhielt Martenstein Einblicke in den dekadenten Führungsstil der politischen Elite. Am Ende geriet er in das tödliche Intrigenspiel des Erdöl-Sozialismus.</p>



<p>Dennoch begleitete er eine kleine Gruppe der wenigen Oppositionellen bei einer Aktion gegen den <em>&#8222;Goldenen Brunnen&#8220;</em> in der Zentrale des Erdölkombinats in Prora auf Rügen (siehe unten Bild aus der heutigen Zeit).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="337" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/01/Ruegen-Prora.jpg?resize=600%2C337&#038;ssl=1" alt="Luftbild des ehemaligen Ferienkomplexes Prora auf der Insel Rügen, der in &quot;Schwarzes Gold aus Warnemünde&quot; die Zentrale des Erdölkombinats beherbergt." class="wp-image-5773" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/01/Ruegen-Prora.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/01/Ruegen-Prora.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(konradkerker/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Mit Viktor Erdmann interviewte er <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">sogar einen Veteranen der kommunistischen Bewegung der DDR</a>, der die Entwicklung der SED von Anfang an miterlebt hatte.</p>



<p>Peuckert schlich sich dagegen als Masseur bei Robotron in Dresden ein. Dort werden unter dem Generaldirektor Hartmut Mehdorn, 1997 in die DDR gewechselt, angeblich die besten Computer des Landes gebaut.</p>



<p>Beide verfolgen auf der Dresdner Buchmesse und bei der Verleihung des Walter-Benjamin-Preises die Entwicklung der Literatur in der DDR. Zum Beispiel bekommt Kati Witt den Unterhaltungspreis für ihre Sendung <em>&#8222;Straße der Besten&#8220;</em>, eine Abwandlung des westlichen <em>&#8222;Dschungelcamps&#8220;</em>.</p>



<p>Martenstein gelang es sogar, den neuen Wirtschaftsminister Karl Theodor Guttenberg zu interviewen. Dieser ist nach dem Skandal über seine Doktorarbeit in die DDR &#8222;übergelaufen&#8220; und soll die durch sinkende Erdölumsätze unter Druck geratene DDR-Wirtschaft modernisieren.</p>



<p>In Bayern besuchte Peuckert einen sterbenden Kunsthändler, der in den 1980er Jahren im Ministerium für Außenhandel unter Alexander Schalck-Golodkowski begann, wertvolle Kunstwerke für die DDR zu erwerben. Zuletzt war er für den größten Skandal der jüngeren DDR-Geschichte verantwortlich.</p>



<p>In Friedenfelde, Uckermark, suchte Peuckert danach den verbannten Regisseur Frank Castorf auf, der auf einem verlassenen Gut auf dem immer menschenleereren Land eine neue Faust-Inszenierung probt.</p>



<p>Währenddessen konnte Martenstein in einem öffentlichen Interview 99 höchst unterschiedliche Fragen an den Kultusminister Gregor Gysi stellen. Damit schadet er aber seiner journalistischen Karriere enorm.</p>



<p>Als Boilerbrater im Ferienheim &#8222;Roter Oktober&#8220; mit seinem Tropenstrand unter dem Glasdach machte er anschließend die Erfahrung, wie schlecht die DDR und die dortige Bevölkerung mit den Gastarbeitern, vor allem aus Westdeutschland, umgehen.</p>



<p>Am Ende berichtete Peuckert von den dekadenten Feierlichkeiten zu 25 Jahren Erdölförderung in der DDR im Palast der Republik. Und danach beim Ball des Ports über den von der Öffentlichkeit komplett abgeschotteten Fußballer Rico Fitzke. Dieer markierte beim 7:1 Sieg der DDR gegen die BRD im Finale der Weltmeisterschaft 2014 auf besonders arrogante Art das letzte Tor.</p>



<p>Am Ende von <em>&#8222;Schwarzes Gold aus Warnemünde&#8220;</em> stand ein Brief von Peuckert an Martenstein, in dem er reinen Tisch über das gegenseitige Verhältnis machen wollte.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="alternative-history">Die fiktive Erdöl-Alternative-History</h3>



<p><em>&#8222;Schwarzes Gold aus Warnemünde&#8220;</em> (siehe Bild unten) startet mit dem transparenten Ankerpunkt, dass in den 1980er Jahren enorme Erdöl-Vorkommen vor der Küste der DDR gefunden werden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="976" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/01/Cover-Schwarzes-Gold-aus-Warnemuende.jpg?resize=600%2C976&#038;ssl=1" alt="Cover des Romans &quot;Schwarzes Gold aus Warnemünde&quot;" class="wp-image-5771" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/01/Cover-Schwarzes-Gold-aus-Warnemuende.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/01/Cover-Schwarzes-Gold-aus-Warnemuende.jpg?resize=184%2C300&amp;ssl=1 184w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Dadurch bricht die DDR 1989 nicht zusammen, sondern entwickelt sich zu einem wohlhabenden und stabilen Erdöl-Staat.</p>



<p>Dieser Fund dient allerdings nur als literarischer <em>&#8222;Deus ex machina&#8220;</em>, der ohne Bezug zur Realität das Erschaffen der Alternativwelt ermöglicht.</p>



<p>Die so entstandene DDR ist im Jahr 2015 eine Mischung aus der DDR vor 1989, den Erdölstaaten Saudi-Arabien und Katar sowie dem Überwachungsstaat China.</p>



<p>Als Beispiele dienen die weitgehend rechtlosen Gastarbeiter aus Westdeutschland und Österreich sowie die Einteilung der weitgehend passiven Bevölkerung in Gesinnungskategorien.</p>



<p>Einen Hinweis in Richtung Katar geben Martenstein und Peuckert in der Figur des Scheich Abdul, der als Repräsentant für den arabischen Staat in der DDR fungiert.</p>



<p>Ansonsten bleibt <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">die Alternativwelt</a> von <em>&#8222;Schwarzes Gold aus Warnemünde&#8220;</em> bis auf wenige Andeutungen im Dunkeln: <a href="https://ankerpunkte-blog.de/dritter-weltkrieg/im-sturm-tom-clancy/">Der Kalte Krieg</a> findet nach wie vor statt und die Bundesrepublik ist nach außen hin Teil des Westens.</p>



<p>Das Verhältnis zwischen <em>&#8222;Ossis&#8220;</em> und <em>&#8222;Wessis&#8220;</em> hat sich aber umgekehrt. Während die Westdeutschen als arme Bittsteller auftreten, gelten die Ostdeutschen als reich und arrogant.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="alternativwelt">Der gelungene Alternativwelt-Roman</h3>



<p>In diesen Andeutungen und in den einzelnen Reportagen zeigt sich die große Stärke des Romans.</p>



<p>Martenstein und Peuckert vermischen hier reale Personen mit fiktiven Lebensläufen und Charakteren. Dabei machen sie auch nicht vor sich selbst halt.</p>



<p>Dies nutzen beide Künstler auch für satirische Spitzen: So ist Sahra Wagenknecht aus dem Politbüro verbannt worden und betreibt ein Yoga-Studio. Und Gerhard Schröder ist Sprecher des Zentronik-Kombinats.</p>



<p>Beide triezen auch Bayern gerne, zum Beispiel, indem sie auf den bayerischen Dialekt der Gastarbeiter hinweisen.</p>



<p>Auch die Mischung der Kapitel von <em>&#8222;Schwarzes Gold aus Warnemünde&#8220;</em> aus einzelnen Reportagen sowie persönlichen Kommentaren von Martenstein über die DDR und Peuckert gelingt aus meiner Sicht sehr gut.</p>



<p>Denn Martenstein schreibt sehr persönlich, auch über sein Misstrauen gegenüber Peuckert. Bei ihm ist er sich nie ganz sicher ist, ob dieser nicht doch <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/plan-d-simon-urban/">mit den Sicherheitsorganen der DDR</a> wie der Stasi (siehe Bild unten) zusammenarbeitet.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/Stasi.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto der Mütze eines Stasi-Offiziers" class="wp-image-2201" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/Stasi.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/Stasi.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Steve Scott/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Denn da die DDR stabil ist, können es sich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/das-moskau-spiel-christian-von-ditfurth/">die DDR-Sicherheitsorgane</a> leisten, bei den wenigen Oppositionellen nicht sofort zuzuschlagen. Dadurch ist unklar, ob die Aktionen von Martenstein und Peuckert unter Beobachtung stehen oder nicht.</p>



<p>Am Ende stellt <em>&#8222;Schwarzes Gold aus Warnemünde&#8220;</em> auch die Frage, was Wahrheit bedeutet. Diese ist für Reportage-Journalisten zentral, aber in der reichen und diktatorischen DDR fast unmöglich herauszufinden.</p>



<p>Auch zeigt das Verhältnis der beiden die Komplexität des Verhältnisses zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen. Trotz langer Zusammenarbeit verstehen sich die beiden nie vollständig und haben Schwierigkeiten, sich als Freunde zu bezeichnen.</p>



<p>Diese komplexe Beziehung dient als roter Faden für die abwechslungsreichen Reportagen. </p>



<p>Dadurch war <em>&#8222;Schwarzes Gold aus Warnemünde&#8220;</em> für mich sehr angenehm und schnell – zwischen 22 und 2 Uhr nachts – zu lesen.</p>



<p>Daher empfehle ich den Roman trotz seines unrealistischen Ankerpunktes gerne zum Lesen weiter.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Harald Martenstein, Tom Peuckert: Schwarzes Gold aus Warnemünde. Berlin 2016.</li>



<li>GEO Epoche: 1989. Europas Schicksalsjahr und seine Folgen. Februar 2019.</li>



<li>GEO Epoche: Die DDR. Alltag im Arbeiter-und-Bauern-Staat 1949–1990. Dezember 2013.</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article201592538/Friedliche-Revolution-Was-war-am-Morgen-des-10-Oktobers-anders.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Bis heute wissen wir nicht, warum es gewaltfrei blieb“</a>. Friedliche Revolution, auf: welt.de (30.08. 2021).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article217034324/Wiedervereinigung-Wurden-die-Ostdeutschen-nicht-gefragt.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wurden die Ostdeutschen wirklich nicht gefragt?</a> Wiedervereinigung 1990, auf: welt.de (02.10. 2020).</li>



<li>Antonia Kleikamp: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article232161697/Franz-Josef-Strauss-Der-Kommunistenfresser-und-ein-Milliardenkredit-an-die-DDR.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Kommunistenfresser besorgte der DDR den Milliarden-Kredit.</a> Franz Josef Strauss, auf: welt.de (14.11. 2022).</li>



<li>Torsten Krauel: <a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/article142897477/Schalck-Der-gewissenlos-begabte-Stasi-Mafioso.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schalck – Der gewissenlos begabte Stasi-Mafioso</a>. DDR-Devisenbeschaffer, auf: welt.de (22.06. 2015).</li>



<li>Antonia Kleikamp: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article234925102/Guenter-Schabowski-Sein-Versprecher-machte-den-Mauerfall-moeglich.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sein Versprecher machte den Fall der Mauer möglich.</a> Günter Schabowski, auf: welt.de (09.11. 2021).</li>



<li>Christina Sticht: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article133212183/Mauerfall-Zonen-Gaby-ihre-komische-Sucht-nach-Bananen.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Zonen-Gaby“ und ihre komische Sucht nach Bananen.</a> Mauerfall, auf: welt.de (28.12. 2020).</li>



<li>Siegfried Wittenburg: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/revolution-in-rostock-zeitzeugenbericht-ueber-das-ende-der-ddr-a-999453.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;Unser Leben war ausgefüllt, erfüllte sich aber nicht&#8220;.</a> Das Ende der DDR, auf: spiegel.de (30.10. 2014).</li>



<li>ZEIT Geschichte: 1989. Die geglückte Revolution. Mai 2009.</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/">1989: Schwarzes Gold aus Warnemünde von Harald Martenstein und Tom Peuckert</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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		<title>1989: Plan D von Simon Urban</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Oct 2024 06:07:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Die weiter existierende DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Romane und Filme]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Jahr 2011 existiert die DDR weiter unter der Führung von Egon Krenz. Mit dem neuen Bundeskanzler Oskar Lafontaine soll es deutsch-deutsche Gespräche geben. Da verwickelt ein Mord den Volkspolizei-Hauptmann Martin Wegener direkt in die größten Geheimnisse der &#8222;wiederbelebten&#8220; DDR. Ankerpunkt Der gescheiterte Kronprinz Egon Krenz Als Egon Krenz am 18. Oktober 1989 die Macht [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/plan-d-simon-urban/">1989: Plan D von Simon Urban</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Im Jahr 2011 existiert die DDR weiter unter der Führung von Egon Krenz. Mit dem neuen Bundeskanzler Oskar Lafontaine soll es deutsch-deutsche Gespräche geben. Da verwickelt ein Mord den Volkspolizei-Hauptmann Martin Wegener direkt in die größten Geheimnisse der <em>&#8222;wiederbelebten&#8220;</em> DDR.</p>



<span id="more-6386"></span>



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<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
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<li><a href="#egon-krenz">Der gescheiterte Kronprinz Egon Krenz</a></li>



<li><a href="#energiediplomatie">Die deutsch-russischen &#8222;Energiediplomatie&#8220;</a></li>
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<li><a href="#ddr">Die &#8222;wiederbelebte&#8220; DDR</a></li>



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<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#albert-hofmann">Albert Hofmann als Deus ex machina</a></li>



<li><a href="#martin-wegener">Martin Wegener als spannender Klischeekommissar</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="egon-krenz">Der gescheiterte Kronprinz Egon Krenz</h3>



<p>Als Egon Krenz am 18. Oktober 1989 die Macht in der DDR von Erich Honecker übernahm, schien dieser Schritt zuerst logisch.</p>



<p>Das mit 52 Jahren jüngste Mitglied des Politbüros der SED hatte als Vorsitzender der Pionierorganisation &#8222;Ernst Thälmann&#8220; und Spitzenfunktionär der Freien Deutschen Jugend (FDJ) eine lange Karriere in den Organisationen der DDR und SED hinter sich.</p>



<p>Bereits seit 1984 wurde er als Mitglied des Politbüros – des engsten Führungszirkels der SED und damit der DDR – und Stellvertreter des Vorsitzenden des Staatsrates zum zweitmächtigsten Mann des Regimes und galt als &#8222;Kronprinz&#8220; des über 20 Jahre älteren Erich Honecker.</p>



<p>Doch die DDR und die SED befanden sich im Oktober 1989 bereits <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/die-letzte-kosmonautin-brandon-q-morris/">im fortschreitenden Zerfal</a>l.</p>



<p>Viele Wirtschaftszweige waren unproduktiv. Die Infrastruktur an Schiene und Straße war in Teilen nicht mehr nutzbar. Die Defizite in der Landwirtschaft führten sogar zu Engpässen in der Versorgung mit Grundnahrungsmitteln. Der teuer subventionierte Wohnungsbau konnte den Sanierungsstau bei zerfallenden Wohnungen nicht auflösen. Hinzu kam durch die hohe Umweltverschmutzung und die zurückfallende Gesundheitsversorgung eine sinkende Lebenserwartung.</p>



<p>Diese Probleme konnten weder durch politische Propaganda noch durch die Überwachung des Staatssicherheitsdienstes (Stasi) beseitigt werden.</p>



<p>Stattdessen wuchs ab 1985 die Opposition in Form von Kirchengruppen und deren Umfeld. Die meisten dieser Gruppen strebten eine Reform der DDR an, keine Revolution <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/die-republik-von-maxim-voland/">oder Wiedervereinigung</a>.</p>



<p>Erst das Ende der Grenzbefestigungen zwischen Ungarn und Österreich im Mai 1989 sowie die im gleichen Monat von massiven, dieses Mal durch die Opposition nachgewiesenen Wahlfälschungen begleiteten Kommunalwahlen führen zu einer enormen Fluchtwelle aus dem Land sowie zur Gründung von größeren Oppositionsgruppen.</p>



<p>Dem stand die Führung der SED passiv gegenüber. So verweigerte Honecker stets eine Anpassung an die Reformversuche Gorbatschows in der Sowjetunion.</p>



<p>Gleichwohl waren die Sicherheits- und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/das-moskau-spiel-christian-von-ditfurth/">Geheimdienstorgane</a> der DDR nach wie vor intakt, wie sich bei <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/wechselwelten-oliver-henkel/">Repressionen gegen Demonstrationen</a> Anfang Oktober 1989 in Ost-Berlin zeigte. Auch verhielt sich die Mehrheit der Bevölkerung weiterhin passiv und abwartend.</p>



<p>Doch die Schwäche des Systems zeigte sich immer mehr. Am 9. Oktober ließ Egon Krenz als der für Sicherheit zuständige Sekretär des Zentralkomitees die Sicherheitskräfte in Leipzig lange im Unklaren über ein Eingreifen gegen eine große Demonstration, bevor er nachträglich deren passiven und gewaltfreien Kurs absegnete.</p>



<p>Ähnlich scheitere Egon Krenz (siehe Bild von 1989 unten) auch, als er im Zuge einer bereits länger vorbereiteten Intrige am 17. und 18. Oktober 1989 die Nachfolge von Erich Honecker in dessen verschiedenen Ämtern antrat. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="741" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Egon-Krenz.jpg?resize=600%2C741&#038;ssl=1" alt="Offizielles Porträt von Egon Krenz als Generalsekretär des ZK der SED, Vorsitzender des Staatsrates der DDR, Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates der DDR im Jahr 1989. Was er in &quot;Plan D&quot; bis 2011 bleibt." class="wp-image-6414" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Egon-Krenz.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Egon-Krenz.jpg?resize=243%2C300&amp;ssl=1 243w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: Bundesarchiv, Bild 183-1984-0704-400/<a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-1984-0704-400,_Egon_Krenz.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">CC-BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Zuvor hatte Krenz tagelang mit den anderen Mitgliedern des Politbüros Einzelgespräche geführt, um Honecker abzulösen. In der entscheidenden Sitzung des mächstigsten Gremiums stimmten schließlich nach anfänglicher Unsicherheit alle Mitglieder – sogar Honecker selbst – für einen Führungswechsel.</p>



<p>Krenz konnte die Lage jedoch weder durch Reden noch durch kurzfristige Grenzöffnungen zur Tschechoslowakei beruhigen. Unter ihm beriet das SED-Zentralkomitee nur kleinere Reformvorhaben.</p>



<p>Zum Beispiel zeigte eine Krisensitzung ab dem 8. November nur das gesamte Ausmaß der wirtschaftlichen Katastrophe und der politisch schwindenden Macht der zerfallenden SED.</p>



<p>Der parallel entstandene Plan, <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-mauer-steht-am-rhein-christian-von-ditfurth/">die Mauer</a> Anfang November kurzzeitig zu öffnen, um politischen Druck herauszunehmen und danach wieder zu schließen, scheiterte am 9. November welthistorisch mit dem Mauerfall.</p>



<p>Dieser führte zum endgültigen Zusammenbruch des SED-Regimes, zu den ersten freien Volkskammer-Wahlen im März 1990 und zur Wiedervereinigung im Oktober 1990.</p>



<p>Egon Krenz konnte diese Phase nicht mehr prägen: Ihm blieb nur der Rücktritt von allen politischen Führungsämtern im Dezember 1989.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="energiediplomatie">Die deutsch-russische &#8222;Energiediplomatie&#8220;</h3>



<p>Eine der wenigen Devisenbringer der DDR waren die Gebühren aus der Durchleitung <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/">von Erdgas</a> aus den sibirischen Fördergebieten der Sowjetunion in die Bundesrepublik.</p>



<p>Diese Art der Außen- und Wirtschaftspolitik war in der Bundesrepublik Deutschland lange umstritten.</p>



<p>Zwar hatte es bereits nach der offiziellen Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zwischen BRD und UdSSR im Jahr 1955 erste Interessensbekundungen von westdeutschen Röhrenherstellern an den Erdgasfeldern gegeben.</p>



<p>Doch ein <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">durch die USA</a> 1962 durchgesetztes Exportverbot von Röhren in den Ostblock schob den bereits unterzeichneten Lieferverträgen einen Riegel vor. Als das Embargo 1966 ablief, begannen die Unternehmen erneut mit der Lobbyarbeit für Geschäfte mit der Sowjetunion.</p>



<p>Ein Durchbruch gelang erst mit der <em>&#8222;Neuen Ostpolitik&#8220;</em> unter Bundeskanzler Willy Brandt, der die Initiative der Wirtschaft als Unterstützung seiner politischen Pläne sah.</p>



<p>1970 kam es zum ersten Vertrag, bei dem westdeutsche Konzerne die Röhren für die Gasleitungen errichten und die Sowjetunion diese mit Gaslieferungen über 20 Jahre bezahlte.</p>



<p>Diese „deutsch-sowjetische Energiediplomatie“ hielt auch weiter <a href="https://ankerpunkte-blog.de/dritter-weltkrieg/im-sturm-tom-clancy/">über Krisen des <em>&#8222;Kalten Krieges&#8220;</em></a>, Regierungswechsel in der Bundesrepublik und den Zerfall der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre.</p>



<p>So baute die UdSSR in den 1970er und 1980er Jahren zum Beispiel mit Unterstützung der DDR weitere große Gasleitungen (siehe Bild aus der heutigen Zeit vom Bau einer Pipeline in Brandenburg unten), zum Beispiel die <em>&#8222;Druschba-Trasse&#8220;</em>, um durch den Gasexport Devisen in den Ostblock zu bekommen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Bau-Gaspipline.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Luftaufnahme vom Bau einer Gas-Pipeline in den Wäldern von Brandenburg." class="wp-image-6413" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Bau-Gaspipline.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Bau-Gaspipline.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(KarachoBerlin/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Einen neuen Höhepunkt erreichte der Gas-Handel ab den 2000er Jahren. Die Energiewende der rot-grünen Bundesregierung setzte neben den Erneuerbaren Energien vor allem auf Gas als Strom- und Wärmequelle.</p>



<p>So gingen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Präsident Wladimir Putin das Geschäft ein, das zur späteren Ostseepipeline <em>&#8222;Nord Stream 1&#8220;</em> führte. Seit 2015 kam es zum weiteren Projekt <em>&#8222;Nord Stream 2&#8220;</em>. Beide wurden erst 2022 als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sowie der daraus folgenden bundesdeutschen <em>&#8222;Zeitenwende&#8220; </em>eingestellt.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="ddr">Die &#8222;wiederbelebte&#8220; DDR</h3>



<p>In <em>&#8222;Plan D&#8220;</em> gab es statt der Wiedervereinigung 1990 eine <em>&#8222;Wiederbelebung&#8220;</em>, unter der Führung des vor den großen Unruhen an die Macht gekommenen Egon Krenz. Dabei wurde die Stasi unter dem aus der BRD rekrutierten Otto Schily – in der realen Geschichte war er 1998 bis 2005 SPD-Innenminister unter dem Kanzler Gehard Schröder – offiziell umstrukturiert und verkleinert.</p>



<p>Damit sicherte sich die DDR finanzielle Unterstützung aus dem Westen.</p>



<p>Auch wurde die Mauer kurzzeitig von Egon Krenz geöffnet, aber nach der Flucht von über einer Million Bürger wieder geschlossen.</p>



<p>2011 existiert die DDR daher immer noch und ist Mitglied einer <em>&#8222;Sozialistischen Union&#8220;</em>. Auf der anderen Seite ist die Bundesrepublik Deutschland Teil der EU.</p>



<p>Doch die DDR ist immer maroder geworden (siehe Bild unten). Als einige von wenigen Möglichkeiten bringen die Einnahmen aus den Transitgebühren der Gasleitungen Geld ins Land.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto des alten Wappens der DDR" class="wp-image-2203" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption"> (dimm3d/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Im November 2011 stehen nun neue Verhandlungen mit dem Bundeskanzler Oskar Lafontaine – in der realen Geschichte von 1998 bis 1999 SPD-Wirtschaftsminister unter Gerhard Schröder, danach Mitgründer der Linkspartei – an. Dieser hat sich nach der Finanzkrise gegen den hessischen CDU-Ministerpräsidenten Roland Koch durchgesetzt und möchte die Transit- und Erdgasgeschäfte nochmals ausweiten.</p>



<p>Lafontaine hatte die SPD zu einer linken Bürgerbewegung umgebaut und regiert 2011 mit den Grünen um Claudia Roth. Letzte war in der realen Geschichte Anfang der 200er Jahre zweimal Co-Vorsitzender ihrer Partei als Vertreterin des linken Flügels.</p>



<p>Doch die deutsch-deutschen Gespräche sind vorbelastet, denn seit der Zeit von Kanzler Schäuble sind die Kontakte zwischen beiden deutschen Staaten an Rechtsstaatsprinzipien gebunden, die unter anderem die Stasi einschränken.</p>



<p>Gleichzeitig ist die Bundesrepublik für ihre wirtschaftliche Stabilität von den Gaslieferungen abhängig und Lafontaine als Kanzler hat kein Interesse an deren Abbruch. Allerdings muss er auch die Rechtsstaatsprinzipien beachten, auf die die EU inzwischen ebenfalls achtet.</p>



<p>Die politische Lage vor den Gesprächen ist also kompliziert.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="plan-d">Der Mord und der &#8222;Plan D&#8220;</h3>



<p><em>&#8222;Plan D&#8220;</em> beginnt mit einem Mordfall des Volkspolizei-Hauptmanns Martin Wegener. Doch obwohl der Mord nach Methoden der Stasi aussieht, muss er den Fall nicht an die dafür zuständigen Behörden abgeben.</p>



<p>Denn der Tote, Albert Hoffmann, war in der Zeit der <em>&#8222;Wiederbelebung&#8220;</em> Berater von Egon Krenz und ehemaliger westdeutscher Staatsbürger.</p>



<p>Als der SPIEGEL daraus eine Titelgeschichte über eine mögliche Ermordung durch die Stasi (siehe Bild unten) macht, kann diese den Fall wegen der internationalen Verwicklungen vor den deutsch-deutschen Gesprächen nicht übernehmen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/Stasi.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto der Mütze eines Stasi-Offiziers" class="wp-image-2201" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/Stasi.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/Stasi.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Steve Scott/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Stattdessen soll Wegener als Kompromiss vor den innerdeutschen Konsultationen gemeinsam mit westdeutschen Ermittlern den Fall untersuchen. </p>



<p>Dabei steht er unter enormen politischen Druck. Denn die Bundesrepublik droht bei einem Nachweis der Vermittlung der Stasi mit einem Abbruch der Gespräche. Und die DDR braucht die zusätzlichen Einnahmen, um den Zusammenbruch zu verhindern.</p>



<p>Als er die Ermittlungen mit Richard Brendel, Chef der Westberliner Sonderermittler, und Christian Kayser, dem Verbindungsmann zum Bundesnachrichtendienst beginnt, findet er zunächst keine Spur bis auf kleine Indizien, mit denen im Zuge der <em>&#8222;Wiederbelebung&#8220;</em> entlassene Stasi-Agenten vermeintliche Verräter ermordeten.</p>



<p>Und dass Hoffmann ein Doppelleben als Gärtner im Regierungsviertel Wandlitz führte.</p>



<p>Dann kommt es zu einem schweren Anschlag auf den Palast der Republik durch die Gruppe <em>&#8222;Brigade Bürger&#8220;</em>. Gleichzeitig stoßen die Ermittler um Wegener immer tiefer in das Leben von Albert Hoffmann vor und kommen auf den <em>&#8222;Plan D&#8220;</em>, seine Visionen für die DDR vor 30 Jahren. </p>



<p>Damit kommt Wegener immer mehr den größten Geheimnissen der <em>&#8222;wiederbelebten&#8220;</em> DDR auf die Spur. Geheimissen, die sogar seine Vorstellungskraft übersteigen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="albert-hofmann">Albert Hofmann als Deus ex machina</h3>



<p>Das Szenario der <em>&#8222;Wiederbelebung&#8220;</em> der DDR bleibt in <em>&#8222;Plan D&#8220;</em> lange Zeit ungeklärt. Bis zum Ende deutet Simon Urban nur ein paar Mal an, wie es der SED-Führung um Egon Krenz gelungen war, die DDR bis ins Jahr 2011 zu erhalten.</p>



<p>Aufgrund dessen tue ich mich schwer, den Realismusgehalt der Alternativwelt von <em>&#8222;Plan D&#8220;</em> zu bewerten. </p>



<p>Vielmehr finden sich im Roman Diskussionen wieder, die eher mit den energie- und umweltpolitischen Debatten des Erscheinungsjahres, aber auch seit der <em>&#8222;Zeitenwende&#8220;</em> 2022 zu tun haben, wie dem Ausbau der erneuerbaren Energien und dem Bau von Nord Stream 1.</p>



<p>Da die Situation im Ostblock bzw. in <em>&#8222;Plan D&#8220;</em> der <em>&#8222;sozialistischen Union&#8220;</em> kaum Erwähnung findet, ist auch unklar, wie stabil sich die anderen sozialistischen Diktaturen bis zum Jahr 2011 entwickelt haben. Nur die russisch-sowjetischen Gashändler werden in wenigen Kapiteln beschrieben.</p>



<p>Ein weiterhin stabiler Ostblock (siehe Karte unten) wäre aber ein Grundpfeiler des Szenarios: Denn die DDR verlor 1989 bereits vor dem Mauerfall viele Menschen durch die Grenzöffnungen von zum Beispiel Ungarn. Und eine Schließung der Grenzen zu Polen und der Tschechoslowakei erwähnt Simon Urban nirgends.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="390" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Europa-Kalter-Krieg.jpg?resize=600%2C390&#038;ssl=1" alt="Karte von Europa im Kalten Krieg" class="wp-image-2649" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Europa-Kalter-Krieg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Europa-Kalter-Krieg.jpg?resize=300%2C195&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Borhax/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Auch die Auflösung des <em>&#8222;Plan D&#8220;</em> ist aus meiner Sicht unrealistisch. Hier und bei der <em>&#8222;Wiederbelebung&#8220;</em> nimmt Albert Hofmann für Simon Urban eher die Rolle eines Deus ex machina ein. Allerdings nur, was seine ursprünglichen Planungen und seine kurzzeitige Rolle als Berater von Egon Krenz angeht.</p>



<p>Ob beabsichtigt oder nicht: Googelt man den Namen Albert Hof(f)mann, kommt man bezeichnenderweise auf den fast gleichnamigen Erfinder des Halluzinogens LSD.</p>



<p>Aus meiner Sicht steht daher das <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">Alternative History Szenario</a> des Romans auf sehr wackeligen Füßen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="martin-wegener">Martin Wegener als spannender Klischeekommissar</h3>



<p>Abseits der Alternativwelt war <em>&#8222;Plan D&#8220;</em> für mich flüssig und gut zu lesen.</p>



<p>Bis zum Ende gibt es immer wieder erzählerische Wendungen und Überraschungen. </p>



<p>Hinzukommt eine sehr detaillierte Beschreibung der <em>&#8222;wiederbelebten&#8220;</em>, aber komplett maroden DDR des Jahres 2011. Teilweise wirkt das Land aber nur &#8222;eingefroren&#8220; in der Bröckeligkeit von 1989/1990.</p>



<p>Dabei tauchen viele bekannte Namen auf, die Simon Urban ironisch verarbeitet: Von der SED/PDS/Linken-Politikern Gesine Lötzsch (<em>&#8222;Lötzsch-2-Empfänger&#8220;</em>) und Gregor Gysi über Angelika Unterlauf als weiter amtierende Sprecherin im DDR-Fernsehen bis zu Matthias Sammer als Trainer der Fußballnationalelf um Michael Ballack.</p>



<p>Den größten Platz nimmt Sahra Wagenknecht ein, die als Schauspielerin an der Seite von Peter Sodann für den Film <em>&#8222;Red Revenge&#8220;</em> gefeiert wird.</p>



<p>Am Ende taucht auch kurz Angela Merkel in einem Werbespot unter ihrem Geburtsnamen auf.</p>



<p>Simon Urban erzählt <em>&#8222;Plan D&#8220;</em> (siehe Bild unten) jedoch aus der Perspektive des Ermittlers Martin Wegener.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="895" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Buchcover-Plan-D.jpg?resize=600%2C895&#038;ssl=1" alt="Buchcover von &quot;Plan D&quot; des Autors Simon Urban" class="wp-image-6424" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Buchcover-Plan-D.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/12/Buchcover-Plan-D.jpg?resize=201%2C300&amp;ssl=1 201w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Dieser wirkt zuerst wie ein klischeehafter Krimikommissar aus einem Film Noir. Er ist zwar ein hervorragender Ermittler, wird aber verfolgt vom Verschwinden seines Vorgesetzten und Freundes Josef Früchtl. Zudem lebt er alleine, nachdem ihn seine Freundin verlassen hatte, die er natürlich immer noch liebt.</p>



<p>Wegener wirkt durch die zahlreichen Beschreibungen aber auch sehr nahbar. Besonders seine gedanklichen Diskussionen mit einem imaginären Josef Früchtl lesen sich spannend.</p>



<p>Hinzu kommen seine oft paranoiden Vermutungen, mit denen er sich einerseits oft auf den ersten Blick falsche Fährten legt und manchmal selbst schadet. Andererseits bewahrheiten sich im Laufe der Romanhandlung viele seiner paranoiden Ideen.</p>



<p>Zum Beispiel in den Gedanken von Wegener greift Simon Urban zu viel Wortakrobatik und -neuschöpfungen. Das war aus meiner Sicht manchmal des Guten etwas zu viel, aber selten langweilig.</p>



<p>Vor allem in den imaginären Diskussionen zwischen Wegener und Früchtl führt Simon Urban auch politische Diskussionen, zum Beispiel um die Reformfähigkeit des Sozialismus in der DDR auf. Dabei fallen durchaus interessante Begrifflichkeiten wie <em>&#8222;Redundante Politische Generationendämlichkeit&#8220;.</em></p>



<p>Mit letzterem wird <em>&#8222;Plan D&#8220;</em> aus meiner Sicht ein Lehrstück über die Zähigkeit von <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">Ideologien wie des Sozialismus</a> und des Wunschdenkens, das Menschen damit verknüpfen.</p>



<p>Daher empfehle ich <em>&#8222;Plan D&#8220;</em> zwar nicht als Alternative History Roman, aber als spannenden allgemeinen Lesestoff.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Simon Urban: Plan D. Frankfurt am Main 2012.</li>



<li>GEO Epoche: Die DDR. Alltag im Arbeiter-und-Bauern-Staat 1949-1990. April 2014.</li>



<li>Lars-Broder Keil, Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article193057821/Wahlen-in-der-DDR-Diese-Faelschung-laeutete-das-Ende-ein.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Diese Fälschung läutete das Ende der DDR ein.</a> Kommunalwahl 1989, auf: welt.de (30.01.2023).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article230833269/Machtwechsel-1971-Als-Honecker-mit-Maschinenpistolen-zu-Ulbricht-fuhr.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Als Honecker mit Maschinenpistolen zu Ulbricht fuhr.</a> Machtwechsel 1971, auf: welt.de (03.05.2021).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article238261733/Russland-Pipelines-Mit-dem-Wechsel-zu-Brandt-begannen-die-Deals.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mit Willy Brandt begannen die Russland-Deals der SPD.</a> Streit über Pipelines, auf: welt.de (20.04.2022).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article254036334/Honeckers-Sturz-1989-Alle-liessen-den-SED-Chef-im-Stich.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sogar seine engsten Vertrauten ließen den SED-Chef im Stich.</a> Honeckers Sturz 1989, auf: welt.de (17.10.2024)</li>



<li>MDR: <a href="https://www.mdr.de/geschichte/ddr/wirtschaft/sowjetisches-erdoel-ergas-pipeline-drushba-druschba-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie die &#8222;Druschba-Trasse&#8220; zum wichtigsten Symbol der deutsch-sowjetischen Freundschaft wurde.</a> Erdöl-Pipeline &#8222;Druschba&#8220;, auf: mdr.de (13.10.2022).</li>



<li>DER SPIEGEL Geschichte: Die DDR. Leben im sozialistischen Deutschland. Mai 2015.</li>



<li>ZEIT Geschichte: 1989. Die geglückte Revolution. Mai 2009.</li>



<li>ZEIT Geschichte: Die Ukraine, Russland und wir. Eine wechselvolle Beziehung – von Mittelalter bis heute. Mai 2023.</li>



<li>Irmgard Zürndorf: <a href="https://www.hdg.de/lemo/biografie/egon-krenz" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Biografie Egon Krenz</a>, auf: Lebendiges Museum Online (04.10.2019).</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/plan-d-simon-urban/">1989: Plan D von Simon Urban</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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