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	<title>Was wäre wenn: Der andere Erste Weltkrieg</title>
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	<description>Was wäre wenn... jemand einen Blog über Alternative History schreiben würde?</description>
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	<title>Was wäre wenn: Der andere Erste Weltkrieg</title>
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		<title>1521 bis 2015: ZEIT Geschichte 3/2025</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Aug 2025 16:49:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der andere Erste Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Der neue Klassiker Zweiter Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Die erfolgreiche Revolution 1848]]></category>
		<category><![CDATA[Die weiter existierende DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Historische Hintergründe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit der Ausgabe zum 20-jährigen Jubiläum widmete sich ZEIT Geschichte, das auf Geschichte spezialisiertes Magazin von &#8222;DIE ZEIT Verlagsgruppe&#8220;, der Alternative History. Verschiedene Autoren betrachteten dort 20 Szenarien aus der deutschen Geschichte unter dem Thema &#8222;Was wäre gewesen, wenn …? 20 Wendepunkte der deutschen Geschichte – und die Frage, wie es auch anders hätte kommen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/hintergruende/was-waere-gewesen-wenn-zeit-geschichte/">1521 bis 2015: ZEIT Geschichte 3/2025</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Mit der Ausgabe zum 20-jährigen Jubiläum widmete sich ZEIT Geschichte, das auf Geschichte spezialisiertes Magazin von &#8222;DIE ZEIT Verlagsgruppe&#8220;, der Alternative History.</p>



<p>Verschiedene Autoren betrachteten dort 20 Szenarien aus der deutschen Geschichte unter dem Thema <em>&#8222;Was wäre gewesen, wenn …? 20 Wendepunkte der deutschen Geschichte – und die Frage, wie es auch anders hätte kommen können&#8220;</em>.</p>



<span id="more-7018"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#deutsche-geschichte">Wissensgewinn von Alternative History für die deutsche Geschichte</a></li>



<li><a href="#alternative-history">Gefahren von Alternative History für die Geschichtswissenschaft</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#karl-luther">1521: Vorschlag zur Güte</a></li>



<li><a href="#dreissigjaehriger-krieg">1629: Das Gemetzel hätte früher enden können</a></li>



<li><a href="#mirakel-haus-brandenburg">1762: &#8222;Mein Unglück ist, dass ich noch lebe&#8220;</a></li>



<li><a href="#1848-friedrich-wilhelm">1849: Ein Kaiser von Volkes Gnaden</a></li>



<li><a href="#bismarck-attentat">1866: Keine Durchschlagskraft</a></li>



<li><a href="#schlacht-koeniggraetz">1866: Das deutsche Duell</a></li>



<li><a href="#kaiser-friedrich-iii">1888: &#8222;Eine Tragödie für die Deutschen&#8220;</a></li>



<li><a href="#attentat-sarajevo">1914: Bei Mord Krieg?</a></li>



<li><a href="#lenin-zug">1917: Passage am Polarkreis</a></li>



<li><a href="#revolution-hugo-haase">1919: Wie die Revolution gelungen wäre</a></li>



<li><a href="#reichspraesident-friedrich-ebert">1925: Retter der Republik</a></li>



<li><a href="#rheinlandbesetzung">1936: Letzte Ausfahrt Rheinland</a></li>



<li><a href="#attentat-georg-elser">1939: Dann hätte es keinen Holocaust gegeben</a></li>



<li><a href="#wunder-duenkirchen">1940: Das Wunder von Dünkirchen</a></li>



<li><a href="#morgenthau-plan">1944: Kartoffelacker oder Aufbauhilfe</a></li>



<li><a href="#bundeskanzler-adenauer">1949: Ära ohne Adenauer</a></li>



<li><a href="#dritter-weltkrieg">1961: Showdown der Supermächte</a></li>



<li><a href="#stanislaw-petrow">1983: &#8222;Jetzt nur keine Panik&#8220;</a></li>



<li><a href="#revolution-ddr">1989: Unwahrscheinliches Glück</a></li>



<li><a href="#fluechtlingskrise">2015: Grenze offen, Grenze dicht</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#struktur-zufall">Struktur und Zufall in der Alternative History</a></li>



<li><a href="#deutsche-alternative-history">Deutsche Sicht auf Alternative History</a><br><br><a href="#quellen-literatur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>
</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="deutsche-geschichte">Wissensgewinn von Alternative History für die deutsche Geschichte</h3>



<p>Zu Beginn der Ausgabe diskutierten verschiedene Autoren die grundsätzlichen Fragen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">der Alternative History</a> für die deutsche Geschichte. Eingeleitet durch das Vorwort des Chefredakteurs von ZEIT Geschichte, Frank Werner.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>&#8222;Wer im Krimi immer zuerst auf die letzte Seite blättert, wird von seinen verblüffenden Wendungen nicht überrascht. Er liest den Roman wie einen Zieleinlauf. Ähnlich blicken wir auf die Vergangenheit. Wir betrachten die Geschichte von ihrem bekannten Ende her, und es scheint, als strebe sie auf dieses Ende zu, als sei alles <em>Vor</em>geschichte. Überhaupt halten wir oft nur die Geschichte für möglich, deren Ende wir kennen – obwohl es viele Enden hätte geben können.</p>



<p>Für die Zeitgenossen ist die Geschichte ein Buch, das noch nicht geschrieben ist.&#8220;</p>
<cite>Frank Werner, Chefredakteur ZEIT Geschichte</cite></blockquote>



<p>Kontrafaktische Fragen gehören aus dieser Sichtweise zum Handwerkszeug der Geschichtswissenschaft. Denn sie dienen dem Erkenntnisgewinn über Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten von historischen Entwicklungen. Beispielsweise, welche Ereignisse in der deutschen Geschichte eher Zufall oder historische Notwendigkeit waren. Oder welche Rolle politische oder wirtschaftliche Strukturen spielten.</p>



<p>Dan Diner, der als Geschichtsprofessor an der Ausstellung &#8222;Roads not Taken. Oder: Es hätte auch anders kommen können&#8220; mitgearbeitet hatte, beschrieb dazu zwei Bespiele: die Machtübertragung an Adolf Hitler 1933 und das gescheiterte Attentat auf ihn 1944.</p>



<p>War Adolf Hitler (siehe Bild aus dem Ersten Weltkrieg unten links) eine <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/1889-geschichte-machen-von-stephen-fry/">unvermeidbare Entwicklung der deutschen Geschichte</a>. Oder war seine Ernennung ein historischer Zufall?</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="600" height="404" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Weltkrieg.jpg?resize=600%2C404&#038;ssl=1" alt="Foto von Weltkriegssoldaten, links unten davon Adolf Hitler" class="wp-image-3087" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Weltkrieg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Weltkrieg.jpg?resize=300%2C202&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock) </figcaption></figure>



<p>Strukturell war die Weimarer Verfassung auf einen starken Reichspräsidenten angelegt, der den Reichskanzler ohne Zustimmung des Parlaments ernannte. Speziell die Ernennung Hitlers war jedoch ein Ergebnis von individuellen Intrigen im persönlichen Umfeld des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg.</p>



<p>Die gleiche Frage zwischen Struktur und Zufall stellte sich für das <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-21-juli-christian-von-ditfurth/">fehlgeschlagene Attentat von Stauffenberg 1944</a>.</p>



<p>Strukturell waren die Widerständler von Anfang an im Nachteil. Nur wenige Militärs hatten sich ihnen angeschlossen. Und Adolf Hitler verfolgte eine jeweils kurzfristig organisierte Tagesplanung, was Attentatspläne erschwerte. Beim konkreten Attentat am 20. Juli 1944 gab es jedoch Zufälle, die zum Scheitern beitrugen. Zum Beispiel ein schwerer Eichentisch, der Teile der Explosion für den über den Tisch gebeugten Hitler abfing.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="alternative-history">Gefahren von Alternative History für die Geschichtswissenschaft</h3>



<p>Danach ging ZEIT Geschichte auf die Gefahren von Alternative History in der Erforschung der Geschichte ein. Vor allem allerdings anhand der britischen Geschichte.</p>



<p>In einem Interview kritisierte der britische Historiker Richard Evans, dass viele kontrafaktische Fragen <em>&#8222;dem Wunschdenken konservativer Historiker&#8220;</em> entspringen, die aktuelle Entwicklungen eher kritisch sehen. So entstand die Frage &#8222;Was wäre gewesen, wenn es zwischen Großbritannien und dem Deutschen Reich vor oder im Ersten Weltkrieg zu einem früheren Friedensabkommen gekommen wäre?&#8220; aus der konservativen Hoffnung, eine solche Entwicklung hätte das britische Empire (siehe Bild unten) nach 1914 erhalten und den linken Wohlfahrtsstaat nach 1945 verhindert.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="600" height="450" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Koenigin-Viktoria.jpg?resize=600%2C450&#038;ssl=1" alt="Foto einer Statue von Queen Viktoria" class="wp-image-3857" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Koenigin-Viktoria.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Koenigin-Viktoria.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(casinozack/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Evans erinnerte an diesem Beispiel an die politische Dimension von <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/literatur/">Alternative History Literatur</a>. Unter EU-Skeptikern in Großbritannien waren solche Romane weit vor dem Brexit 2016 verbreitet. Teilweise schrieben Gegner der EU selbst Alternative History Romane, um einen vermeintlichen Kampf gegen die EU in der Gegenwart populär zu machen.</p>



<p>Zwar können kontrafaktische Spekulationen Historiker unterstützen, den Spielraum Einzelner in der Geschichte realistisch einzuschätzen. Nach Evans sahen konservative Historiker aber größere individuelle Spielräume als tendenziell linke Wissenschaftler, die eher Strukturen betonten.</p>



<p>Um Wunschdenken auszuschließen, plädierte er daher dafür, die Antworten auf kontrafaktische Fragestellungen <em>&#8222;auf die für Zeitgenossen überschaubare Zukunft zu begrenzen.&#8220;</em> Denn ansonsten würden Fragesteller <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/wechselwelten-oliver-henkel/">mit ihren Szenarien in unbewusste Wunschvorstellunge</a>n geraten. Der Realitätsgehalt dieser wissenschaftlichen Spekulationen ist mit zunehmendem Fortschreiten der weiteren historischen Entwicklung aber unmöglich einzuschätzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<p>Die 20 darauf folgenden Alternative History Szenarien laufen von der frühen Neuzeit bis in die aktuelle Zeit.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="karl-luther">1521: Vorschlag zur Güte</h3>



<p>Anstatt Martin Luther wie in der realen Geschichte am 18. April 1521 beim Reichstag in Worms zum Widerruf seiner Thesen zu zwingen und bei einer Ablehnung die Reichsacht zu verhängen, schlug Kaiser Karl V. im ersten Szenario einen Kompromiss vor: Martin Luther (siehe auf der rechten Seite Bild unten) sollte unter seinem Schutz an einer Reform der Kirche mitarbeiten. Beide Seiten sahen diese Einigung zwar nur als Zeitgewinn, bis sich ihre jeweilige Sichtweise für die Reform durchgesetzt hatte. Daher stimmte Martin Luther vorerst zu.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Johannes-Eck-und-Martin-Luther.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Bronzerelief von Joahnnes Eck und Martin Luther an einem Denkmalsockel" class="wp-image-5458" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Johannes-Eck-und-Martin-Luther.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Johannes-Eck-und-Martin-Luther.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Anastazzo/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Mit einer solchen Alternative History wäre zwar die konfessionellen Begründungen für viele folgende Konflikte weggefallen. Aber nicht die sozialen Verwerfungen und die Machtkonflikte zwischen den einzelnen Monarchen. Allerdings hätte es mit dem interkonfessionellen Dialog, wie im <em>Augsburger Religionsfrieden</em> von 1555, auch kein Einüben von religiöser Toleranz gegeben.</p>



<p>Der Historiker Tillmann Bendikowski sieht das Szenario allerdings als unrealistisch. Denn 1521 waren die Spielräume der zwei handelnden Personen bereits eingeschränkt. Luther war von der katholischen Kirche als Ketzer exkommuniziert und seitdem gerade als Kritiker des römischen Papsttums enorm populär in der deutschsprachigen Bevölkerung. Karl V. war abhängig von anderen Machtfaktoren, wie Papst Leo X., der erst überraschend wenige Monate nach dem Reichstag starb.</p>



<p>Daher kam es in der realen Geschichte zu einem anderen Kompromiss: Karl V. verhängte zwar die Reichsacht über Luther und erklärte ihn damit für vogelfrei. Er ließ ihn aber unter dem Schutz des protestantischen sächsischen Kurfürsten entkommen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="dreissigjaehriger-krieg">1629: Das Gemetzel hätte früher enden können</h3>



<p>Elf Jahre nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges bestand Hoffnung, den Konflikt zu beenden.</p>



<p>Nach mehreren Niederlagen der Protestanten hatte König Christian IV. von Dänemark eine vernichtende Niederlage gegen die katholischen Heere erlitten. Daraufhin musste er einen relativ milden Frieden schließen, der den Krieg nach dem Kulturredakteur Raoul Löbbert zu einem Abschluss gebracht hätte. </p>



<p>Am 6. März 1620 erließ Kaiser Ferdinand II. aber das <em>&#8222;Restitutionsedikt&#8220;</em>: Mit diesem sollten die protestantischen Reichsstände alle katholischen Besitztümer zurückgeben, die sie sich seit 1555 angeeignet hatten. Ferdinand sah sich als Repräsentant <a href="https://ankerpunkte-blog.de/mittelalter/pavane-keith-roberts/">der katholischen Gegenreformation</a>, die er mit dem Edikt entscheidend voranbringen wollte. Machtpolitische Einwände gegen die Verabschiedung ließ er nicht gelten.</p>



<p>Daher fachte <em>&#8222;Restitutionsedikt&#8220;</em> den Widerstandswillen der Protestanten wieder an und lieferte die Begründung für den Kriegseintritt von König Gustav Adolf von Schweden (siehe Bild unten). Beides ließ den Konflikt wieder eskalieren und führte zu weiteren 19 Jahren in einem verheerenden Krieg.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="612" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Gustav-Adolf.jpg?resize=600%2C612&#038;ssl=1" alt="Statue von König Gustav Adolf" class="wp-image-5067" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Gustav-Adolf.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Gustav-Adolf.jpg?resize=294%2C300&amp;ssl=1 294w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(high fliers/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Hätte Kaiser Ferdinand II. auf das Restitutionsedikt verzichtet, wären durch ein Kriegsende Katastrophen wie die <em>&#8222;Magdeburger Bluthochzeit&#8220; </em>– die Zerstörung der Stadt Magdeburg im Jahr 1631 – und andere Grausamkeiten, die zu massiven Bevölkerungsverlusten führten, vorerst verhindert worden.</p>



<p>Jedoch wären andere Konflikte in dieser Alternative History nicht gelöst worden: Beispielsweise das Streben des schwedischen Königs nach der Vormachtstellung im Ostseeraum und der machtpolitische Gegensatz zwischen den französischen Königen sowie den österreichischen und spanischen Habsburgern.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="mirakel-haus-brandenburg">1762: &#8222;Mein Unglück ist, dass ich noch lebe&#8220;</h3>



<p>Das <em>&#8222;Mirakel des Hauses Brandenburg&#8220;</em> gehörte zu den Legenden um den preußischen König Friedrich den Großen.</p>



<p>1762 kämpfte er seit sechs Jahren gegen eine übermächtige Allianz aus Russland, Frankreich, Schweden, dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation und den österreichischen Habsburgern. Bevor er aber der Übermacht unterlag, sorgte der Tod der russischen Zarin Elisabeth am 5. Januar 1762 für ein Auseinanderbrechen des Bündnisses. Preußen konnte sich im <em>&#8222;Siebenjährigen Krieg&#8220;</em> als Großmacht behaupten.</p>



<p>1762 war die Lage Preußens nach mehreren Niederlagen und dem Einstellen der britischen Subsidien aber kritisch.</p>



<p>Jedoch hätte auch ein längeres Leben von Zarin Elisabeth dem Siebenjährigen Krieg nach Meinung des Redakteurs Samuel Rieth keine entscheidende Wendung gegeben. Bereits zuvor agierten die Verbündeten gegen Preußen zögerlich und unkoordiniert. Dies erlaubte es König Friedrich, auch vernichtende Niederlagen, wie in der Schlacht bei Kunersdorf 1759, zu überstehen. Zudem waren alle Kriegsbeteiligten 1762 kriegsmüde, finanziell ruiniert und kaum noch in der Lage, den Krieg im bisherigen Ausmaß weiterzuführen.</p>



<p>Daher hätte ein Szenario mit einem späterem Tod von Zarin Elisabeth den Krieg verlängert und verlustreicher gemacht. Auch wäre ein nach Erschöpfung aller Kriegsparteien geschlossener Frieden für Preußen nicht so günstig ausgefallen wie in der Realität. Doch selbst ein Tod von Friedrich 1759 hätte den Aufstieg Preußens nur gebremst, aber nicht verhindert.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="1848-friedrich-wilhelm">1849: Ein Kaiser von Volkes Gnaden</h3>



<p>Am 3. April 1849 traf eine Delegation des Frankfurter Paulskirchenparlaments auf den preußischen König Friedrich Wilhelm IV., um ihm die Kaiserwürde anzubieten. Friedrich Wilhelm IV. antwortete zwar diplomatisch, knüpfte seine Entscheidung aber an die Zustimmung der übrigen deutschen Monarchen und Staaten. Eine mehr oder minder verklausulierte Absage.</p>



<p>Denn zwar stimmen 28 von 38 Regierungen der deutschen Staaten bis April 1849 der Reichsverfassung mit einem möglichen Kaiser Wilhelm IV. an der Spitze zu. Aber es fehlen die großen Staaten wie <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayern/">die Königreiche Bayern</a> und Hannover, ebenso wie das Königreich Preußen selbst. Am 28. April 1849 lehnte Friedrich Wilhelm die Krone daher endgültig ab. Anschließende Revolten in vielen deutschen Staaten scheitern, ebenso wie ein Gegenentwurf unter preußischer Führung in Gestalt der <em>&#8222;Erfurter Union&#8220;</em>.</p>



<p>Wenn Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone angenommen hätte, wäre in dieser Alternative History <a href="https://ankerpunkte-blog.de/1848-revolution/revolution-1848/">ein relativ liberales Deutsches Reich</a> mit weitreichendem Männer-Wahlrecht und relativ vielen Befugnissen für das Parlament entstanden. Dieses Reich hätte sich sofort im Konflikt mit Österreich, Frankreich und Russland befunden. Bereits im Paulskirchenparlament zeigte sich auch ein starker deutscher Nationalismus mit weitreichenden Zielen. Daher wäre es unrealistisch, dass es selbst bei einer liberaleren Entwicklung Deutschlands nicht zu Kolonialismus und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/die-schlacht-bei-dorking-von-sir-george-tomkyns-chesney/">Konflikten mit anderen europäischen Mächten</a> gekommen wäre.</p>



<p>Am Ende sieht der Historiker Ralf Zerback eine Annahme der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. als unrealistisch: Der preußische König galt als <em>&#8222;Romantiker auf dem Thron&#8220;</em>, der sich eher für Gottesgnadentum und mittelalterliches Königtum begeisterte, als für demokratische und liberale Reformen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="bismarck-attentat">1866: Keine Durchschlagskraft</h3>



<p>Als der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck am 7. Mai 1866 auf dem Heimweg von einer Besprechung war, schoss der 22-jährige Ferdinand Cohen-Blind mehrfach auf ihn. Doch Bismarck blieb unverletzt: Die ersten Kugeln streiften ihn nur und drei prallten ab, da der eingesetzte Bündelrevolver zu wenig Durchschlagskraft entwickelt hatte, um seine dicke Kleidung zu durchdringen.</p>



<p>Cohen-Blind beging nach seiner Verhaftung Selbstmord. Der radikale Demokrat wollte einen möglichen Konflikt zwischen Preußen und Österreich verhindern. Dieser entzündete sich vordergründig um die Zukunft der Herzogtümer Schleswig und Holstein. Vor allem aber an der Frage um die Vorherrschaft um Deutschen Bund. Bismarck galt als treibende Kraft des sich immer mehr zuspitzenden Konflikts, der im Mai 1866 bereits zu einer preußischen Mobilmachung geführt hatte.</p>



<p>Doch ob Cohen-Blind sein Ziel erreichen hätte können, wenn er Bismarck getötet hätte, ist nach der Geschichtsprofessorin Ute Planert unwahrscheinlich. Erstens war Bismarck nicht der einzige Entscheidungsträger in der preußischen Regierung, der für einen Krieg plädiert hatte. Zweitens setzten die Mobilmachung sowie ein befristeter Geheimvertrag mit Italien gegen Österreich die preußische Regierung unter Handlungsdruck. Drittens war auch Österreich einem Krieg nicht abgeneigt, um seine angespannte Innenpolitik zu stabilisieren.</p>



<p>Bei einem gelungenen Attentat wäre Bismarck allerdings nicht als Reichseiniger in die Geschichte eingegangen, sondern nur als umstrittener preußischer <em>&#8222;Konfliktminister&#8220;.</em></p>



<h3 class="wp-block-heading" id="schlacht-koeniggraetz">1866: Das deutsche Duell</h3>



<p>Am 3. Juli 1866 trafen die preußische und die österreichische Armee bei Königgrätz im damaligen Böhmen zur Entscheidungsschlacht des Deutschen Krieges aufeinander. Gegen Mittag war die Lage der Preußen prekär, da ihre Angriffe gegen die überlegene Artillerie der Verteidiger erfolglos blieben. Eine preußische Division war sogar schweren Gegenattacken ausgesetzt, fügte den Österreichern aber mit dem Zündnadelgewehr enorme Verluste zu. Erst als die Armee des Kronprinzen Friedrich am frühen Nachmittag eintraf, wendete sich das Blatt. Die Österreicher erlitten schwere Verluste und mussten sich zurückziehen.</p>



<p>Generell war Österreich bereits vor der Schlacht im Nachteil. Es hatte mehrere Gefechte gegen die getrennt nach Königgrätz marschierenden preußischen Armeen verloren. Zudem waren Generalstab, Offiziere und Soldaten der Preußen (siehe Bild unten) besser ausgebildet als ihre österreichischen Gegner.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="657" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Preussische-Soldaten.jpg?resize=600%2C657&#038;ssl=1" alt="Bild von zwei preußischen Soldaten" class="wp-image-3020" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Preussische-Soldaten.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Preussische-Soldaten.jpg?resize=274%2C300&amp;ssl=1 274w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Marzolino/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Nach dem Sieg bei Königgrätz gelang es Bismarck, den preußischen König Wilhelm von einem raschen, milden Frieden zu überzeugen, um seine Ziele der Einigung Deutschlands unter preußischer Führung durchzusetzen. So kam es zur Gründung des Norddeutschen Bundes. Und 1871, nach dem Sieg gegen das kaiserliche Frankreich, zur Gründung des Deutschen Reichs.</p>



<p>In einer Alternative History hätte eine Niederlage von Preußen dagegen die Einigung verhindert. Neben Rücktritten von König Wilhelm und Ministerpräsident Bismarck hätte es nach dem Feuilleton-Redakteur Alexander Cammann keine kleindeutsche Lösung gegeben, sondern einen mehr oder minder starken Staatenbund mit einem deutlich geschwächten Preußen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="kaiser-friedrich-iii">1888: &#8222;Eine Tragödie für die Deutschen&#8220;</h3>



<p>Als am 9. März 1888 Kaiser Wilhelm I. mit 91 Jahren starb, hofften viele Liberale im Deutschen Reich auf seinen Nachfolger Friedrich III. Doch dieser litt seit Februar 1887 an Kehlkopfkrebs. Im Februar 1888 mussten die Ärzte einen Luftröhrenschnitt durchführen, was den zukünftigen Kaiser die Stimme kostete.</p>



<p>Daher konnte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-fahrt-des-leviathan-oliver-henkel/">Friedrich III. nur symbolische Handlungen</a> durchführen. Weitergehende Maßnahmen scheiterten an seinem schlechten Gesundheitszustand und dem Widerstand des Reichskanzlers Bismarck. Bereits am 15. Juni 1888 starb Friedrich (siehe Bild unten). Seine Nachfolge trat sein Sohn Wilhelm an, der als sprunghaft und preußisch-konservativ galt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="873" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Friedrich-III.jpg?resize=600%2C873&#038;ssl=1" alt="Porträt des Kaisers Friedrich III" class="wp-image-1592" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Friedrich-III.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Friedrich-III.jpg?resize=206%2C300&amp;ssl=1 206w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Oleg Golovnev/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Ob eine längere Regierungszeit Friedrich III. eine nachhaltige liberale Ausrichtung des Deutschen Reichs angestoßen hätte, ist umstritten. Denn Bismarck hatte den als liberal geltenden Kronprinzen bereits vor 1888 politisch isoliert, um seine konservative Politik weiterverfolgen zu können. Zudem waren die Machstrukturen und führenden Eliten des Deutschen Reiches konservativ dominiert, was den Spielraum für liberale Reformen weiter einschränkte. Zuletzt schwankte Friedrich als Kronprinz zwischen seiner liberalen Einstellung und der militärischen Tradition Preußens.</p>



<p>Jedoch galt der frühe Tod Friedrichs III., vor allem vor dem Hintergrund der desaströsen Weltpolitik Wilhelms II., für viele damalige Wissenschaftler und Literaten als Tragödie. Denn auch wenn die Vorstellungen von einer weitgehenden Liberalisierung unter Kaiser Friedrich III. eher Wunschvorstellung sind, wäre laut dem Historiker Volker Ulrich seine Politik moderater gewesen, als die von Wilhelm II.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="attentat-sarajevo">1914: Bei Mord Krieg?</h3>



<p>Als der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 Sarajevo besuchte, entging er zunächst mehreren Attentatsversuchen. Erst der fünfte Attentäter, Gavrilo Princip, konnte durch einen Zufall auf das vor ihm stoppende Auto des Thronfolgers schießen und sowohl Franz Ferdinand als auch dessen Ehefrau mit zwei Schüssen töten. Damit ging der Plan einer serbischen Verschwörergruppe auf, Österreich zu einer harten Reaktion gegen das Königreich Serbien zu provozieren. Und den Ersten Weltkrieg auszulösen.</p>



<p>Doch das gelungene Attentat (siehe Bild unten) hätte nicht zwangsläufig zum großen Konflikt führen müssen. So forderten die deutschen Militärs zwar häufig Präventivkriege gegen Frankreich und Russland. Die deutsche Militärführung unternahm jedoch nach dem Attentat zuerst keine entsprechenden Schritte. Auch hatte es in der Vergangenheit immer wieder erfolgreiche diplomatische Lösungen für ausgebrochene Konflikte zwischen den europäischen Großmächten gegeben.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="405" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Sarajevo.jpg?resize=600%2C405&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-440" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Sarajevo.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Sarajevo.jpg?resize=300%2C203&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Historical/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Doch aus Furcht vor einem Abfallen Österreich-Ungarns als einzigem Verbündeten gab die deutsche Regierung eine bedingungslose Bündniszusage. Ebenso gab es eine ähnliche Zusage von Frankreich an seinen Verbündeten Russland für einen Konflikt mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn. Erst <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/1906-der-zusammenbruch-der-alten-welt-ferdinand-grauthoff/">diese diplomatische Eskalation</a> ebnete den Weg <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/erster-weltkrieg/">in den Ersten Weltkrieg</a>. </p>



<p>Jedoch war diese Eskalation nicht das Ergebnis von Plänen oder Strukturen, sondern von Zufällen und politischen Fehleinschätzungen. Daher war diese Entwicklung auch nach dem Attentat nicht zwangsläufig. Ein gescheitertes Attentat auf Franz Ferdinand hätte daher nach dem Redakteur Christoph Nonn <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/kaisertag-oliver-henkel/">den Ersten Weltkrieg verhindert</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="lenin-zug">1917: Passage am Polarkreis</h3>



<p>Im April 1917 reiste eine Gruppe von russischen Kommunisten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/ich-werde-hier-sein-im-sonnenschein-und-im-schatten-christian-kracht/">aus der Schweiz zurück nach Russland</a>. Vermittelt hatte diese aufwändige Reise die deutsche Regierung, um den russischen Kriegsgegner zu destabilisieren. Denn zur Gruppe gehörte auch Wladimir Iljitsch Uljanow, besser bekannt unter dem Namen Lenin (siehe Bild unten), der für ein Ausscheiden seines Landes aus dem Krieg plädierte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="461" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?resize=600%2C461&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Foto von Lenin an seinem Schreibtisch" class="wp-image-4808" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?resize=300%2C231&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Daher war der britische Botschafter in Schweden alarmiert, als er von der Durchreise der Kommunisten erfuhr. Doch beim entscheidenden Grenzübertritt durchsuchten zwar russische Grenzbeamte mit britischer Unterstützung Lenin und seine Gruppe. Sie bekamen aber keine Anweisung zur Festnahme.</p>



<p>So reiste Lenin nach Russland ein und initiierte als Führer der Bolschewiki nach wenigen Monaten erfolgreich die <em>&#8222;Oktoberrevolution&#8220;</em>.</p>



<p>Was wäre gewesen, wenn Lenin und seine Gruppe an der Grenze aufgehalten worden wären? Der Redakteur Markus Flohr geht von einem anderen Verlauf der Geschichte aus. Denn vor seinem Grenzübertritt war Lenin keineswegs so unumstritten und bekannt, wie er es bis zur <em>&#8222;Oktoberrevolution&#8220;</em> wurde. Die Bolschewiki sowie andere sozialistische Gruppen um diverse Anführer wären zu gespalten gewesen, um eine Revolution durchzuführen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="revolution-hugo-haase">1919: Wie die Revolution gelungen wäre</h3>



<p>Als die Revolution im Jahr 1918 das Deutsche Reich am Ende des Ersten Weltkriegs erschütterte, bildete sich eine neue Regierung: ein <em>&#8222;Rat der Volksbeauftragten&#8220;</em> aus jeweils drei Vertretern von der sozialdemokratischen Parteien MSPD und USPD. Der Rat verständigte sich schnell auf innenpolitische Reformen wie den 8-Stunden-Tag oder das allgemeine Wahlrecht.</p>



<p>Dem gegenüber stand die <em>&#8222;Oberste Heeresleitung&#8220;</em>, die in der Revolution fast jeglichen Einfluss verloren hatte. Sie wollte aber die neuen Entwicklungen nutzen, um ihre alte politische und militärische Macht wiederherzustellen.</p>



<p>Denn der Rat war sich uneinig, wie stark der Einfluss der alten Eliten in Verwaltung und Militär beschnitten werden konnte und sollte. Die MSPD vertraute Loyalitätsbekundungen, während die USPD die Macht den sozialistisch geprägten Arbeiter- und Soldatenräten übertragen wollte. Als es ab 23. Dezember 1918 zu Gefechten von Armeeeinheiten mit der <em>&#8222;Volksmarinedivision&#8220;</em> aus linken Matrosen kam, schied die USPD aus der Regierung aus.</p>



<p>Der USPD-Vorsitzende Hugo Hase, selbst bis dahin Mitglied des <em>&#8222;Rats der Volksbeauftragten&#8220;</em>, entwarf danach selbst folgendes Alternative History Szenario.</p>



<p>Zuvor hatte die USPD die Wahlen zu einem neuen Zentralrat boykottiert, der die Regierung kontrollieren sollte. Hätte die USPD sich nach Haase beteiligt, hätte sie nach den Kämpfen im Dezember die MSPD-Regierungsmitglieder wegen der Zusammenarbeit mit der Heeresleitung zum Rücktritt zwingen können. Ausgehend von einem Rücktritt der MSPD-Regierungsmitglieder hätte die USPD die Regierung übernehmen und ihre Ziele wie ein <em>&#8222;Volkswehrprojekt&#8220;</em> durchsetzen können, um die Heeresleitung zu entmachten. </p>



<p>Dieses Wunsch-Szenario von Haase hatte nach dem Historiker Klaus Latzel jedoch zwei Haken: Erstens hatte die MSPD um Friedrich Ebert eine loyale Mehrheit im Zentralrat. Unabhängig davon arbeitete die Heeresleitung aktiv an einem Wiederaufbau ihrer Machtbasis. Zweitens war die USPD in sich stark gespalten zwischen gemäßigten Linken und radikalen Sozialisten, die sich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">an Rosa Luxemburg</a> (siehe Bild unten) orientierten. Dies engte den Spielraum der Parteiführung stark ein.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="683" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Statue-Rosa-Luxemburg.jpg?resize=600%2C683&#038;ssl=1" alt="Foto einer Statue Rosa Luxemburgs" class="wp-image-2608" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Statue-Rosa-Luxemburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Statue-Rosa-Luxemburg.jpg?resize=264%2C300&amp;ssl=1 264w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(ArTono/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>In der Realität billigte der Zentralrat die Entscheidungen der MSPD-Regierungsmitglieder. Daraufhin zog die USPD ihre Regierungsmitglieder endgültig zurück und verlor jeden Einfluss auf den weiteren Verlauf der Revolution.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="reichspraesident-friedrich-ebert">1925: Retter der Republik</h3>



<p>Als erster Reichspräsident nach der Revolution nutzte Friedrich Ebert ab 1919 das mächtige Amt, um in zahlreichen Krisen Kompromisse auszuloten, die bedrohte demokratische Ordnung zu stabilisieren und Realpolitik zu betreiben. Damit gelang es ihm, die <em>&#8222;Weimarer Republik&#8220;</em> bis 1924 etwas zu stabilisieren.</p>



<p>Aufgrund eines Prozesses wegen Verleumdung verschleppte Ebert (siehe Bild unten) aber eine Blinddarmentzündung, an der er am 28. Februar 1925 starb. Bei den darauf folgenden Wahlen gewann der Weltkriegsgeneral Paul von Hindenburg knapp gegen den Sammelkandidaten der demokratischen Parteien. Er leitete <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-consul-christian-von-ditfurth/">während seiner Amtszeit ab 1930 das Ende des parlamentarischen Systems</a> ein und ernannte im Jahr 1933 Hitler zum Reichskanzler.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="910" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Friedrich-Ebert.jpg?resize=600%2C910&#038;ssl=1" alt="Foto des Reichspräsidenten Friedrich Ebert" class="wp-image-2607" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Friedrich-Ebert.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Friedrich-Ebert.jpg?resize=198%2C300&amp;ssl=1 198w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Hätte Ebert 1925 überlebt, hätte er weiter die demokratische Ordnung verteidigt. Beispielsweise hätte er 1930 nicht die parlamentarisch gewählte Regierung des Reichskanzlers Hermann Müller gestürzt, um ein Präsidialkabinett zu installieren. Auch hätte er den Reichstag 1930 nicht aufgelöst. Die darauf folgenden Neuwahlen des Parlaments hatten den bis dahin im Reichstag bedeutungslosen Nationalsozialisten einen großen Wahlerfolg gebracht.</p>



<p>Das Szenario von Bernd Braun, Geschäftsführer der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte, kann allerdings nicht den weiteren Fortgang der Geschichte klären. Beispielsweise für den Fall, dass es 1932 nach der Weltwirtschaftskrise zu einer Reichspräsidentenwahl zwischen Friedrich Ebert und Adolf Hitler gekommen wäre.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="rheinlandbesetzung">1936: Letzte Ausfahrt Rheinland</h3>



<p>Im Alternatiuve History Szenario des freien Autors Andreas Molitor versuchte Adolf Hitler wie in der realen Geschichte 1936, das entmilitarisierte deutsche Rheinland zu besetzen. Allerdings griff Frankreich mit seiner Armee ein und überrannte die deutsche Vorhut förmlich. Der Rest der Wehrmacht musste sich zurückziehen. Hitler hatte in diesem Fall alles riskiert und verloren. Als Gespött der Weltöffentlichkeit und mit zerstörter Aura der Unfehlbarkeit trat er zurück und flüchtete auf den Berghof in die Alpen.</p>



<p>Danach übernahm Hermann Göring den Posten Hitlers als Reichskanzler. Unter ihm wandelt sich das Dritte Reich zu einer Einparteiendiktatur mit mehreren Machtzentren. Seine Politik zielte zwar auf eine Stärkung des Deutschen Reiches in Europa ab, wollte dafür aber nur begrenzte Kriege führen. Auch der Holocaust hätte wohl nie in diesem Ausmaß stattgefunden.</p>



<p>In der Realität war die Rheinlandbesetzung ab 7. März 1936 ein voller Erfolg für Adolf Hitler (siehe Bild unten) und das Dritte Reich. Denn die westlichen Demokratien Frankreich und Großbritannien leisteten keinen Widerstand, als die Wehrmacht das Gebiet besetzte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="600" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=600%2C600&#038;ssl=1" alt="Münze mit dem Bild von Adolf Hitler und dem Motto &quot;Unser die Zukunft Adolf Hitler&quot;" class="wp-image-3088" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Sytilin Pavel/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Jedoch war sich die deutsche Regierung um Hitler bis zum Einmarsch unsicher, ob die Westmächte nicht doch reagieren würden. Es gab sogar Berichte über einen Nervenzusammenbruch Hitlers während des Einmarsches, der fast zu einem Rückzug geführt hätte.</p>



<p>Am Ende triumphierte Hitler in den Augen der Weltöffentlichkeit sowie der eigenen Bevölkerung und galt <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/nacht-der-braunen-schatten-katharine-burdekin/">bald als unfehlbarer Stratege</a>. Ein Bild, das er sogar selbst begann, zu glauben.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="attentat-georg-elser">1939: Dann hätte es keinen Holocaust gegeben</h3>



<p>Bei den jährlichen Feierlichkeiten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-staehlerne-traum-norman-spinrad/">zum Putschversuch 1922</a> musste Hitler am 8. November 1939 wegen stürmischem Wetter statt des vorgesehenen Flugzeugs den Zug nehmen. Daher verließ er <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/oberbayern-muenchen/">den Münchner Bürgerbräukeller</a> früher als geplant und entging so dem Attentat, das Georg Elser geplant hatte. Die Explosion einer Bombe zerstörte erst nach seiner Abreise große Teil des Saals.</p>



<p>Elser, der persönliche Gewissensgründe als Grund angab, hatte das Attentat vorher monatelang und akribisch vorbereitet. Er wurde beim versuchten illegalen Übertritt über die Grenze <a href="https://ankerpunkte-blog.de/europaeische-geschichte/geschichte-schweiz/">zur Schweiz</a> verhaftet und kurz vor Kriegsende 1945 ermordet. Er galt daher &#8222;nur&#8220; als moralisches Beispiel, dass sich selbst unter einem Regime wie dem Dritten Reich erfolgreich Widerstand leisten ließ.</p>



<p>Wäre das Attentat gelungen, hätte es nach dem Historiker Michael Wildt <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">den Beginn des Zweiten Weltkrieges</a> zwar nicht mehr verhindern können. Aber die Bevölkerung und die Militärführung waren trotz des Sieges gegen Polen im September 1939 noch unsicher, was einen Angriff gegen die Großmächte Frankreich und Großbritannien anging.</p>



<p>Daher standen die Zeichen günstig, dass sich nach dem Tod Hitlers durch das Attentat eine Militärregierung unter Einbezug von nationalsozialistischen Parteiführern etabliert hätte. Diese hätte weiterhin Polen ausgebeutet und versucht, Land und Bevölkerung zu &#8222;germanisieren&#8220;. Aber ein Angriff auf die Westmächte und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/wenn-das-der-fuehrer-wuesste-otto-basil/">der Holocaust</a> (siehe Bild unten) wären unwahrscheinlicher geworden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="389" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Auschwitz.jpg?resize=600%2C389&#038;ssl=1" alt="Foto des Eingangs zum Konzentrationslager Auschwitz" class="wp-image-3089" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Auschwitz.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Auschwitz.jpg?resize=300%2C195&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(rafaelcavlaz/Shutterstock)</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading" id="wunder-duenkirchen">1940: Das Wunder von Dünkirchen</h3>



<p>Als der deutsche Angriff auf Frankreich erfolgte, kesselte die Wehrmacht Ende Mai 1940 den Großteil des britischen Heeres bei Dünkirchen an der französischen Kanalküste (siehe Bild unten) ein. Mehr als zwei Drittel der britischen Truppen in Europa, darunter die fünf besten Divisionen, standen vor der Vernichtung. Um den Krieg fortzusetzen, musste der kurz zuvor neugewählte britische Premier Winston Churchill die Soldaten evakuieren. Aber der britischen Flotte fehlten die kurzfristigen Kapazitäten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="191" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Duenkirchen.jpg?resize=600%2C191&#038;ssl=1" alt="Panorama des Strandes von Dünkirchen" class="wp-image-4816" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Duenkirchen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Duenkirchen.jpg?resize=300%2C96&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(rightclickstudios/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Da scheute Hitler das Risiko eines Angriffs und ließ diesen mehr als zwei Tage verzögern. Diese Zeit konnte die Royal Navy nutzen, um mit <em>&#8222;Operation Dynamo&#8220;</em> die Rettungsaktion für die eingeschlossenen Divisionen zu starten. Da sich die britisch-französischen Verteidiger inzwischen eingegraben hatten und auch deutsche Luftangriffe nicht den erhofften Erfolg brachten, evakuierten britische Schiffe mit 338.000 Soldaten den Großteil der Eingeschlossenen nach Großbritannien.</p>



<p>Gestützt auf die erfolgreiche Evakuierung konnte Churchill Großbritannien auf seine Linie des erbitterten Widerstands gegen das Dritte Reich einschwören.</p>



<p>Hätte es keinen solchen Haltebefehl gegeben, hätte die Amtszeit von Churchill schon nach wenigen Tagen mit einer vernichtenden Niederlage begonnen. In seinem Kriegskabinett gab es einflussreiche Personen, die für <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-pakt-philip-kerr/">eine Verständigung mit dem Dritten Reich</a> plädierten. Hauke Friedrichs, sicherheitspolitischer Korrespondent der ZEIT, ging davon aus, dass Churchill eventuell nach der Niederlage bereits durch einen Vertreter dieser Linie ersetzt worden wäre. Danach hätte Hitler <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/vaterland-robert-harris/">keinen Zwei-Fronten-Krieg gegen die Sowjetunion</a> befürchten müssen. Am Ende hätte jedoch der Kriegseintritt der USA <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/angriff-pearl-harbor/">nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour</a> doch noch <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/orakel-vom-berge-philip-dick/">das Blatt im Zweiten Weltkrieg gegen das Dritte Reich</a> gedreht.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="morgenthau-plan">1944: Kartoffelacker oder Aufbauhilfe</h3>



<p>Im September 1944 berichteten US-amerikanische Zeitungen über den Plan des US-amerikanischen Finanzministers Henry Morgenthau jr., das vor der Niederlage stehende Deutsche Reich in mehrere Teilstaaten aufzusplitten sowie weitgehend zu deindustrialisieren.</p>



<p>Der Morgenthau-Plan hätte nach dem Geschichtsprofessor Manfred Berg zu einer weitgehenden wirtschaftlichen Schwächung sowie Ernährungskrise in Deutschland geführt. Da sich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/morbus-kitahara-christoph-ransmayr/">damit die Erholung Europas</a> von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs verzögert hätte, wäre die Nachkriegsordnung <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/im-jahre-ragnaroek-oliver-henkel/">erheblich instabiler</a> gewesen.</p>



<p>In der Realität stieß der Plan in der US-amerikanischen Öffentlichkeit auf scharfe Ablehnung. Einerseits wollten die USA nicht die wirtschaftlichen Folgen des Planes tragen. Andererseits fürchten sie, der Plan könnte den Widerstandswillen der Deutschen kurz vor Kriegsende nochmals stärken. Daher wurde er schnell wieder fallen gelassen. Der Morgenthau-Plan erlangte aber Berühmtheit durch die nationalsozialistische Propaganda, die bis in die Nachkriegszeit wirkte.</p>



<p>Realistisch war das Alternative History Szenario daher nicht, beflügelte aber seitdem immer wieder die Fantasie von Romanschreibern.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="bundeskanzler-adenauer">1949: Ära ohne Adenauer</h3>



<p>Als im Sommer 1949 der erste Wahlkampf zum Bundestag erfolgte, waren die Kanzlerkandidaten in der Bundesrepublik noch nicht so zentral wie bei späteren Wahlen. Beispielsweise war Konrad Adenauer zwar einer der bekanntesten Politiker der CDU, musste aber Rücksicht auf andere mächtige Teile der Partei nehmen, ebenso wie auf die bayerische CSU.</p>



<p>Da das Wahlergebnis im August nur wenige Prozente und Abgeordnetenmandate zwischen CDU/CSU und SPD ergab, gab es in beiden Parteien viele Sympathisanten für eine gemeinsame Koalition. Obwohl es Adenauer gelang, in mehreren Verhandlungsrunden stattdessen eine konservativ-liberale Koalition aus CDU/CSU, FDP und der rechtskonservativen Deutschen Partei zu schmieden, war die Stabilität des Bündnisses unklar. Am 15. September 1949 wurde Adenauer nur mit dem denkbar knappsten Ergebnis von 202 aus 402 möglichen Stimmen zum ersten Bundeskanzler gewählt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="600" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=600%2C600&#038;ssl=1" alt="Karte der ehemaligen BRD und DDR" class="wp-image-2209" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Anupong Boonma/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Was wäre gewesen, wenn sich Adenauer nicht mit seiner eigenen Stimme gewählt hätte? Nach dem Geschichtsprofessor Norbert Frei hätte der Bundestag in zwei weiteren Wahlgängen einen Bundeskanzler wählen können. Frei hielt es für wahrscheinlich, dass dies im zweiten Anlauf auch Adenauer gewesen wäre. Es bestand jedoch auch die Möglichkeit, da ein Gegenbündnis der SPD unter Kurt Schumacher keine rechnerische Mehrheit hatte, dass sich danach dennoch eine schwarz-rote Koalition gebildet hätte.</p>



<p>Ein solches Bündnis hätte die Westbindung zögerlicher verfolgt, um<a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/die-republik-von-maxim-voland/"> eine mögliche Wiedervereinigung</a> nicht zu gefährden. Auch wäre die Innen-, Sozial- und Wirtschaftspolitik der entstehenden Bundesrepublik deutlich sozialdemokratischer geprägt worden, als in der Realität durch Adenauer und seinen Wirtschaftsminister Ludwig Erhard. Jedoch wäre es wie in der realen Geschichte auch zu einer umfassenden Amnestierung der Nationalsozialisten gekommen. Denn diese Politik war politischer Konsens unter allen Parteien.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="dritter-weltkrieg">1961: Showdown der Supermächte</h3>



<p>Im Oktober 1961 drohte der Kalte Krieg in Berlin zu eskalieren. Die ehemalige Hauptstadt des Dritten Reichs hatte für die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs eine enorme Bedeutung. Sie galt seit der ersten Berlin-Krise im Jahr 1948 mit der 300 Tage dauernden Blockade als Testfall für die Glaubwürdigkeit des westlichen Verteidigungsbündnisses und der USA. Für die Sowjetunion war Berlin ebenfalls von hohem Symbolwert, da es als westliches Schaufenster in die DDR und als Fluchtpunkt für deren Bevölkerung galt.</p>



<p>Im Oktober 1961 kam es zu einer neuen Krise, als DDR-Grenzer entgegen bestehender Abkommen von den US-Offiziellen Ausweiskontrollen einforderten. Dies war ein Verstoß gegen die Besatzungsrechte der US-Amerikaner, die <a href="https://ankerpunkte-blog.de/science-fiction-fantasy/der-anschlag-stephen-king/">Präsident Kennedy</a> zuvor in einer Rede als unverhandelbar bezeichnet hatte.</p>



<p>Lucius Clay, der als persönlicher Vertreter des Präsidenten in Berlin bei einem Nachgeben weitere Provokationen befürchtete, antwortete darauf mit einer Abordnung von Panzern zum Checkpoint Charlie. Am nächsten Tag, dem 27. Oktober 1961, fuhren sowjetische Panzer auf und richteten ihre Geschützrohre auf die US-Amerikaner. Dieser Showdown dauerte 16 Stunden. Erst dann waren Verhandlungen erfolgreich: Die Panzer zogen ab und die zweite Berlin-Krise war endgültig beendet.</p>



<p>Hätte Clay die Provokation durchgehen lassen, wäre es aus Sicht der USA wahrscheinlich gewesen, dass die Sowjetunion weitere Versuche unternommen hätte, die Position der westlichen Besatzungsmächte auszuhöhlen: bis zu einer endgültigen Vertreibung aus Westberlin und einer Integration der Gesamtstadt in die DDR. Dies hätte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/romane-filme/der-letzte-tag-der-schoepfung-wolfgang-jeschke/">in der Logik des Kalten Krieges</a> fatale Auswirkungen auf die globale Glaubwürdigkeit und Machtposition der USA gehabt.</p>



<p>Wäre die Situation am Checkpoint Charlie dagegen eskaliert, hätten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/dritter-weltkrieg/im-sturm-tom-clancy/">die militärischen Planungen</a> beider Seiten eine weitere Eskalation bis zum Nuklearkrieg vorgesehen. Der Historiker Andreas Etges merkte aber für ein solches Alternative History Szenario an, dass die Kuba-Krise ein Jahr später zeigte: Beide Seiten waren nicht an einem Atomkrieg interessiert und versuchten ihn im Krisenfall aktiv zu verhindern.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="stanislaw-petrow">1983: &#8222;Jetzt nur keine Panik&#8220;</h3>



<p>Von 1981 bis 1983 war der NATO-Doppelbeschluss Gegenstand heftiger Demonstrationen in der Bundesrepublik Deutschland. Er führte allerdings nach Michael Thumann, Osteuropa-Korrespondent der ZEIT, wenige Jahre später zu einer radikalen Abrüstung beider Seiten.</p>



<p>Dies war nur möglich, da am 26. September 1983 der Offizier Stanislaw Petrow die Nerven bewahrte. Er kommandierte ein Frühwarnzentrum der sowjetischen Atomstreitkräfte, das kurz nach Mitternacht Alarm gab und den Start einer US-amerikanischen Interkontinentalrakete meldete. Vom Start einer Rakete bis zum Einschlag blieben nur 25 Minuten Reaktionszeit. Zudem waren 1983 sowohl die USA und der Westen sowie die Sowjetunion und deren Verbündete <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-mauer-steht-am-rhein-christian-von-ditfurth/">noch stark auf Konfrontationskurs</a>.</p>



<p>Hätte Petrow sofort seinen Vorgesetzten informiert, hätte dieser einen Gegenschlag angeordnet. In der <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/das-moskau-spiel-christian-von-ditfurth/">Logik der Abschreckung im Kalten Krieg</a> hätte dies eine verheerende Welle an Atomangriffen beider Seiten (siehe Bild unten) ausgelöst.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="476" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Abschuss-einer-Atomgranate.jpg?resize=600%2C476&#038;ssl=1" alt="Foto des Abschusses einer Atomgranate mit Atompilz" class="wp-image-3729" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Abschuss-einer-Atomgranate.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Abschuss-einer-Atomgranate.jpg?resize=300%2C238&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Stattdessen meldete Petrow einen Fehlalarm. Er misstraute dem von ihm selbst mitentwickelten Frühwarnsystem und fürchtete, einen Dritten Weltkrieg auszulösen. Erst ein halbes Jahr später bestätigen Spezialisten einen seltenen technischen Fehler als Ursache.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="revolution-ddr">1989: Unwahrscheinliches Glück</h3>



<p>Als es am 9. Oktober 1989 zu Massendemonstrationen in Leipzig gegen die Führung der DDR kam, fürchteten viele Demonstranten und Beobachter eine gewaltsame Niederschlagung durch die staatlichen Sicherheitsorgane. Entsprechende Gerüchte kursierten seit Tagen und am 7. Oktober war die Staatsmacht noch mit Gewalt gegen Proteste in Ostberlin vorgegangen. Gleichlautende Pläne der Sicherheitsorgane gab es auch für Leipzig.</p>



<p>Zwar begann der Ostblock seit 1985 zu bröckeln. Ein entschlossenes Niederschlagen von Protesten war daher nicht mehr so selbstverständlich wie in den 1950er und 1960er Jahren. Die Führungsspitze der DDR um Generalsekretär Honecker verweigerte sich aber <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/plan-d-simon-urban/">trotz des maroden Zustands</a> des Landes (siehe Symbolbild unten) Reformversuchen und favorisierte eine <em>&#8222;chinesische&#8220;</em> Lösung. In China hatte die dortige Führung Proteste auf dem &#8222;Platz des Himmlischen Friedens&#8220; gewaltsam niedergeschlagen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto des alten Wappens der DDR" class="wp-image-2203" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(dimm3d/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Wäre die Demonstration in Leipzig ebenfalls niedergeschlagen worden, hätte das die Bürgerrechtsbewegung zwar kurzfristig geschwächt. Die Opposition gegen die Führung der DDR wäre jedoch nicht beendet gewesen, sondern hätte sich anders entwickelt. Vor allem aufgrund <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/">der steigenden Auswanderungszahlen in den Westen</a> hätte sich die DDR nicht halten können.</p>



<p>Verhindert hatten dieses Szenario nach der Historikerin Franka Maubach neben einem offen vorgetragenen Gewaltverzicht der Demonstranten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/die-letzte-kosmonautin-brandon-q-morris/">nur einige Zufälle</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="fluechtlingskrise">2015: Grenze offen, Grenze dicht</h3>



<p>Im letzten Artikel fanden sich zwei Perspektiven auf die Frage: Was wäre gewesen, wenn Kanzlerin Angela Merkel 2015 die Grenze gegenüber den Flüchtlingen geschlossen hätte?</p>



<p>Heinrich Wifing, Leiter des Politik-Ressorts bei der ZEIT, bezweifelte, dass sich die Grenze überhaupt hätte schließen lassen. Dies wäre nur unter harten Gewalteinsatz der Polizei möglich gewesen. Bilder, die Kanzlerin Merkel nicht wollte und die ihr schwere Kritik im In- sowie Ausland eingebracht hätten. Gleichzeitig hätten sich anderen europäische Staaten auf diese Entscheidung berufen und ihre Grenzen früher als in der Realität für Geflüchtete geschlossen. Dieses Alternative History Szenario hätte sowohl die Bilder der <em>&#8222;Willkommenskultur&#8220;</em> verhindert, als auch das Gefühl des <em>&#8222;Kontrollverlusts&#8220;</em>, der maßgeblich zum Aufstieg der deutschen Rechtspopulisten beitrug.</p>



<p>Der Geschichtsprofessor Andreas Rödder kritisierte dagegen das Nicht-Handeln der deutschen Regierung im September 2015. Er verwies ebenfalls auf die Angst vor Bildern von niedergeknüppelten geflüchteten Frauen und Kindern. Er argumentiert jedoch, dass durch eine Zurückweisung ein Magneteffekt auf andere Geflüchtete vermieden worden wäre. Zudem wäre die europäische Migrationspolitik früher reformiert worden. Zuletzt wäre ein Mobilisierungseffekt für die Rechtspopulisten ausgeblieben.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="struktur-zufall">Struktur und Zufall in der Alternative History</h3>



<p>Alle 20 Szenarien von ZEIT Geschichte griffen folgende Fragen auf: Welche Rolle spielten Struktur und Zufall für die Geschichte und die Alternative History.</p>



<p>Aus Sicht des Blogautors entschieden sich die meisten Autoren für die Struktur. In vielen Artikeln in einer solchen Art und Weise, dass eine Änderung der Geschichte kaum realistisch gewesen wäre oder dass sich die Veränderungen kaum ausgewirkt hätten.</p>



<p>In <em>&#8222;1521: Vorschlag zur Güte&#8220;</em> war ein Sinneswandel von Karl V. der Deus ex machina, der das Gedankenexperiment erst möglich machte. Tillmann Bendikowski betonte aber, dass das Szenario aufgrund der strukturell eingeschränkten Spielräume der Akteure unrealistisch war.</p>



<p>Bei <em>&#8222;1629: Das Gemetzel hätte früher enden können&#8220;</em> gestand Raoul Löbbert der Entscheidung zum <em>&#8222;Restitutionsedikt&#8220;</em> eine teilweise zufällige Entwicklung zu. Er verwies aber auf die begrenzte Veränderung der Geschichte angesichts der machtpolitischen Strukturen Europas im Jahr 1621.</p>



<p><em>&#8222;Mein Unglück ist, dass ich noch lebe&#8220;</em> gab dem Zufall durch einen möglichen Schlachtentot Friedrichs II. oder den Tod von Zarin Elisabeth zwar großen Raum. Eher deterministisch führte Samuel Rieth aber aus, dass sich dadurch die Entwicklung Preußens zur Großmacht nicht geändert hätte. Eine Einschätzung, die der Blogautor in diesem Artikel ausnahmsweise nicht nachvollziehen konnte.</p>



<p>Mit <em>&#8222;Ein Kaiser von Volkes Gnaden&#8220;</em> griff Ralf Zerback zwar ein durchaus populäres Szenario auf. Er sah aber angesichts der gesellschaftlichen Strukturen und der Person Friedrich Wilhelms IV. keine realistische Basis für eine andere Entwicklung der Geschichte.</p>



<p>In <em>&#8222;Keine Durchschlagskraft&#8220;</em> argumentierte Ute Planert zwar für den Zufall eines gelungenen Attentats auf Bismarck für eine große Änderung von dessen historischer Rolle. Aber auch sie betonte, dass der Konflikt zwischen Preußen und Österreich im Jahr 1866 aufgrund von militärischen und politischen Strukturen dennoch ausgebrochen wäre.</p>



<p>In eine andere Richtung schrieb Alexander Cammann mit <em>&#8222;Das deutsche Duell&#8220;</em> für den Fall einer preußischen Niederlage in der Schlacht bei Königgrätz. Seine Alternative History Spekulation ging aus Sicht des Blogautors ausnahmsweise aber bei der Änderung der Strukturen zeitlich sehr weit und sprengte bei weitem den Rahmen des <em>&#8222;auf die für Zeitgenossen überschaubare Zukunft&#8220;</em>.</p>



<p><em>&#8222;Eine Tragödie für die Deutschen&#8220;</em> von Volker Ulrich stellte erneut die politisch-wirtschaftlichen Strukturen der Gesellschaft des Deutschen Reichs im Jahr 1888 in den Vordergrund. Nur indirekt erkannte er im Vergleich der Personen Friedrich III. und Wilhelm II. die Rolle von Individuen und damit des Zufalls etwas an.</p>



<p>Christoph Nonn beantwortete in <em>&#8222;Bei Mord Krieg?&#8220;</em> dagegen die kontrafaktische Frage eindeutig für den Zufall. Denn die politischen Strukturen Europas im Jahr 1914 waren aus seiner Sicht nicht so deterministisch auf Krieg festgelegt, wie allgemein angenommen. Daher hätte ein durch Zufall erfolgloses Attentat keinen Ersten Weltkrieg auslösen können.</p>



<p>In eine ähnliche Richtung ging Markus Flohr bei <em>&#8222;Passage am Polarkreis&#8220;</em>. Die Strukturen im Russland des Jahres 1917 waren nicht von vorneherein auf eine kommunistische Revolution ausgelegt. Daher hätte eine durch Zufälle gelungene Verhaftung Lenins die Geschichte verändert.</p>



<p>Mit <em>&#8222;Wie die Revolution gelungen wäre&#8220;</em> beschrieb Klaus Latzel lange ein vermeintliches Wunschszenario der deutschen Revolution. Am Ende erklärte er aber, weshalb diese Entwicklung angesichts der politischen Strukturen von Anfang an unrealistisch gewesen wäre.</p>



<p><em>&#8222;Retter der Republik&#8220;</em> zeigte die Rolle des Zufalls in der Person sowie im Tod des Reichspräsidenten Ebert und hielt sich an die wissenschaftlich begründeten Begrenzungen von Alternative History Szenarien. Aus Sicht des Blogautors erklärte der Artikel auch gut, wie begrenzt <em>&#8222;wünschenswerte&#8220;</em> Entwicklungen laufen können.</p>



<p><em>&#8222;Letzte Ausfahrt Rheinland&#8220;</em> erzählte zwar zuerst breit ein mögliches Alternative History Szenario. Indirekt gab Andreas Molitor aber zu, dass auch diese Entwicklung unrealistisch gewesen wäre.</p>



<p>Michael Wildt betonte mit <em>&#8222;Dann hätte es keinen Holocaust gegeben&#8220;</em> die Rolle des Zufalls bei einem erfolgreichen Attentat auf Adolf Hitler. Er beschrieb aber auch, wie begrenzt sich die Geschichte dadurch geändert hätte.</p>



<p>Mit <em>&#8222;Das Wunder von Dünkirchen&#8220;</em> erklärte Hauke Friedrichs zuerst ein von einem zufälligen Haltebefehl ausgelöstes Szenario. Ebenso erläuterte er die kurzfristigen Veränderungen der Geschichte, die sich daraus ergeben hätten. Am Ende schränkte er diese Änderungen aber wieder zugunsten der militärischen Strukturen ein.</p>



<p>Bei <em>&#8222;Kartoffelacker oder Aufbauhilfe&#8220;</em> beschrieb Manfred Berg zwar ein enorm populäres Alternative History Szenario. Eines, dass allerdings aufgrund der Strukturen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">in den USA</a> des Jahres 1944 keine Chance auf eine Realisierung in der Geschichte hatte.</p>



<p>In <em>&#8222;Ära ohne Adenauer&#8220;</em> erklärte Norbert Frei umfassend die politischen Strukturen vor der ersten Kanzlerwahl 1949. Mit dem Verweis auf diese Strukturen schränkte er die historischen Folgen einer Nichtwahl von Adenauer stark ein.</p>



<p><em>&#8222;Showdown der Supermächte&#8220;</em> widmete sich ebenfalls einem populären Szenario der Alternative History. Aus Sicht von Andreas Etges hätten aber politische Strukturen einen Dritten Weltkrieg verhindern können.</p>



<p>Anders sah es bei <em>&#8222;Jetzt nur keine Panik&#8220;</em> von Michael Thumann aus. Hier spielte der Zufall in der schnellen Entscheidung des Offiziers Stanislaw Petrow eine entscheidende Rolle, um den Dritten Weltkrieg zu verhindern.</p>



<p><em>&#8222;Unwahrscheinliches Glück&#8220;</em> zeigte zwar, dass Zufälle durchaus eine Rolle in der Geschichte spielen können. In diesem Fall wäre nach Franka Maubach aber die strukturelle Entwicklung bzw. der strukturelle Niedergang der DDR unvermeidbar gewesen.</p>



<p><em>&#8222;Grenze offen, Grenze dicht&#8220;</em> als sehr aktuelles Alternative History Szenario blieb mit den beiden Autoren Heinrich Wifing und Andreas Rödder dagegen etwas vage. Zwar wurde einer anderen Entscheidung in der sogenannten Flüchtlingskrise im Jahr 2015 eine große Veränderung der Gegenwart zugebilligt. Beide Autoren lieferten aber keine Begründung, wie eine solche Änderung angesichts der damaligen politischen Strukturen erfolgt wäre. Der Artikel zeigte aber gut, dass historische Fragestellungen immer mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten verbunden sind.</p>



<p>Persönlich seltsam fand der Blogautor die Argumentation im letzten Artikel: Bei beiden Autoren ging es nur um die Angst der Politik vor Bildern bei eventuellen Gewalteinsätzen gegen Geflüchtete. Aber nicht um die Menschen, die auf den Bildern niedergeknüppelt worden wären.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="deutsche-alternative-history">Deutsche Sicht auf Alternative History</h3>



<p>Aus Sicht des Blogautors zeigte die Ausgabe von ZEIT Geschichte (siehe Bild) die Schwierigkeiten und Unsicherheiten beim Thema Alternative History in Deutschland bzw. <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/historiker/">in der deutschen wissenschaftlichen Community</a>.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="680" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/08/ZEIT-Geschichte.jpg?resize=600%2C680&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-7119" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/08/ZEIT-Geschichte.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/08/ZEIT-Geschichte.jpg?resize=265%2C300&amp;ssl=1 265w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Foto)</figcaption></figure>



<p>Wo im angelsächsischen Raum zu viel Fantasie und Spekulation herrscht, hat man aus Sicht des Blogautors in Deutschland fast Angst davor, den Pfad der realen Geschichte zu verlassen.</p>



<p>Diese Argumentation stützte sich auf den Eindruck des Blogautors von sehr langen Herleitungen und Erklärungen für die reale historische Entwicklung und dazu im Vergleich eher knappen Was-wäre-wenn-Teilen in den meisten Artikeln. Diese Schreibweise konnte aber auch daran liegen, dass die Ausgabe insgesamt einem Nicht-Fachpublikum eine enorme Spanne an historischen Zeiträumen und Ereignissen vorstellte.</p>



<p>Auffällig war, dass Historiker skeptischer waren, was die Auswirkungen der Was-wäre-wenn-Fragen anging, als die Autoren, die &#8222;nur&#8220; als Redakteure beschrieben wurden.</p>



<p>Bei einzelnen Was-wäre-wenn-Spekulationen war diese Skepsis durchaus angemessen. Es stellte sich aber die Frage, ob die Auswahl der 20 Ankerpunkte eventuell Szenarien begünstigte, die Strukturen oder unrealistische Alternative History betonten.</p>



<p>Allerdings versuchte ZEIT Geschichte in dieser Ausgabe durchaus einen schwierigen Spagat: Zwischen populären, relativ häufig vorkommenden Szenarien wie der niedergeschlagenen Revolution in der DDR 1989 und historischen Ereignissen der deutschen Geschichte, die in der Alternative History bisher nicht oft auftauchten wie der Tod Eberts 1925.</p>



<p>Allgemein stellte sich für den Blogautor aber der Sinn von Szenarien, wenn diese am Ende des Artikels als von vorneherein &#8222;unrealistisch&#8220; eingestuft wurden. Ein solches Ergebnis konnte ausdrücklich eine Antwort der kontrafaktischen Fragestellung sein. Aber wenn es die einzige Antwort ist, stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/ankerpunkte-alternative-history-canvas/">der wissenschaftlichen Methodik</a>.</p>



<p>Insgesamt war ZEIT Geschichte mit der Ausgabe <em>&#8222;Was wäre gewesen, wenn &#8230;? 20 Wendepunkte der deutschen Geschichte – und die Frage, wie es auch anders hätte kommen können&#8220;</em>, eine anregende Lektüre, die im Ankerpunkte Blog auch an anderer Stelle verarbeitet wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellen-literatur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Benjamin Bidder: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/vergessener-held-a-948852.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Mann, der den dritten Weltkrieg verhinderte.</a> Vergessene Helden, auf: spiegel.de (21.04.2010).</li>



<li>Philip Cassier: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article255568930/Kaiser-Friedrich-III-Was-waere-gewesen-wenn-er-laenger-Zeit-gehabt-haette.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Kaiser, der den Deutschen viel Unglück erspart hätte.</a> Friedrich III., auf: welt.de (15.03.2025).</li>



<li>Richard J. Evans: Veränderte Vergangenheiten. Über kontrafaktisches Erzählen in der Geschichte. München 2013.</li>



<li>Erich Follath: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/attentat-von-sarajevo-1914-franz-ferdinand-und-der-erste-weltkrieg-a-977651.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Am Tag, als das Feuer kam.</a> Sarajevo-Attentat 1914, auf: spiegel.de (24.09.2013).</li>



<li>Lukas Gedziorowski: <a href="https://www.deutschlandfunk.de/friedrich-ebert-todestag-weimarer-republik-reichspraesident-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der ungeliebte erste Reichspräsident.</a> Friedrich Ebert, auf. deutschlandfunk.de (27.02.2025).</li>



<li>Lars-Broder Keil, Sven-Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/geschichten/article186127052/Aus-dem-Bundesarchiv-So-blutig-war-Weihnachten-1918-in-Berlin.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">So blutig waren die Berliner Weihnachtstage 1918.</a> Aus dem Bundesarchiv, auf: welt.de (27.12.20218).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article201592538/Friedliche-Revolution-Was-war-am-Morgen-des-10-Oktobers-anders.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Bis heute wissen wir nicht, warum es gewaltfrei blieb“</a>. Friedliche Revolution, auf: welt.de (30.08. 2021).</li>



<li>Sven-Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article230928921/Ferdinand-Cohen-Blind-Was-den-Bismarck-Attentaeter-antrieb.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Die einzige Lösung ist die Beseitigung Bismarcks“.</a> Ferdinand Cohen-Blind, auf: welt.de (07.05.2021).</li>



<li>Sven-Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article251243936/Deutschland-Wie-das-Land-waere-wenn-Preussens-Koenig-die-Kaiserkrone-genommen-haette.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie Deutschland wäre, wenn Preußens König die Kaiserkrone genommen hätte.</a> Friedrich Wilhelm IV., auf: welt.de (06.05.2024).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article231034257/Henry-Morgenthau-So-kam-es-zu-seinem-beruechtigen-Plan.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie es zum berüchtigten „Morgenthau-Plan“ kam.</a> Henry Morgenthau, auf: welt.de (11.05.2021).</li>



<li>Tim Pröse: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/georg-elser-und-das-attentat-auf-adolf-hitler-nur-13-minuten-fehlten-a-1142134.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Es fehlten nur dreizehn Minuten.</a> Hitler-Attentäter Georg Elser, auf: spiegel.de (07.04.2017).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article156742070/Koeniggraetz-1866-Diese-gigantische-Schlacht-schuf-Deutschland.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Diese gigantische Schlacht schuf Deutschland.</a> Königgrätz 1866, auf: welt.de (03.07.2016).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article208208325/Halt-Befehl-Warum-Hitler-den-Sturm-auf-Duenkirchen-stoppte.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Warum Hitler den Sturm auf Dünkirchen stoppte.</a> &#8222;Halt-Befehl&#8220;, auf: welt.de (25.11.2021).</li>



<li>Bernd Ulrich: <a href="https://www.deutschlandfunk.de/berlin-1961-konfrontation-am-checkpoint-charlie-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Konfrontation am Checkpoint Charlie.</a> Berlin 1961, auf: deutschlandfunk.de (27.10.2021).</li>



<li>ZEIT Geschichte: Was wäre gewesen, wenn…?&#8220; 20 Wendepunkte der deutschen Geschichte – und die Frage, wie es auch anders hätte kommen können. Mai 2025.</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/hintergruende/was-waere-gewesen-wenn-zeit-geschichte/">1521 bis 2015: ZEIT Geschichte 3/2025</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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		<title>1910: Das Fliegerbuch von Kurt Möser</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Mar 2023 13:52:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der andere Erste Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Romane und Filme]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Um 1910 ist in dieser Alternative History ein Weltkrieg unvorstellbar. Dafür feiert die dampfbetriebene Luftfahrt immer neue Entwicklungen und Rekorde. Aber diese Geschichte hat auch ihre Schattenseiten. Ankerpunkt Die ersten Flugzeuge Als Beginn der modernen Luftfahrt gilt der Flug der Gebrüder Wright 1903. Ihnen gelang es am 17. Dezember erstmals selbstständig mit Motorkraft kurze Flüge [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-fliegerbuch-kurt-moeser/">1910: Das Fliegerbuch von Kurt Möser</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Um 1910 ist in dieser Alternative History ein Weltkrieg unvorstellbar. Dafür feiert die dampfbetriebene Luftfahrt immer neue Entwicklungen und Rekorde. Aber diese Geschichte hat auch ihre Schattenseiten.</p>



<span id="more-5584"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#flugzeug">Die ersten Flugzeuge</a></li>



<li><a href="#science-fiction">Die Science-Fiction um die Jahrhundertwende</a></li>
</ul>
</li>



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<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#1910">Das andere Jahr 1910</a></li>



<li><a href="#das-fliegerbuch">Die Welt von &#8222;Das Fliegerbuch&#8220;</a></li>



<li><a href="#dienststelle">Die Dienststelle und ihre Agenten</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#buch">Kleines, komplexes und nerdiges Buch</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="flugzeug">Die ersten Flugzeuge</h3>



<p>Als Beginn der modernen Luftfahrt gilt der Flug der Gebrüder Wright 1903. Ihnen gelang es am 17. Dezember erstmals selbstständig mit Motorkraft kurze Flüge (siehe unten Bild von einem späteren Test) zu absolvieren. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="428" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Flugtest-Brueder-Wright.jpg?resize=600%2C428&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Foto eines Flugzeugs der Gebrüder Wright bei einem Testflug nach 1903" class="wp-image-5646" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Flugtest-Brueder-Wright.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Flugtest-Brueder-Wright.jpg?resize=300%2C214&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Doch bereits davor gab es Konstrukteure und Flieger (in der Mehrzahl Männer). Zum Beispiel den Deutschen Otto Lilienthal, der bis zu seinem Tod bei einem Gleitflugversuch viele Grundlagen der Aerodynamik entdeckte.</p>



<p>Das führte dazu, dass verschiedene Modelle erprobt wurden, bevor sich die heute bekannte Form von Flugzeugen (und Hubschraubern) durchsetzte.</p>



<p>Noch nach 1903 gab es verschiedene Experimente mit Doppel-, Dreifach- und Mehrfachdeckern. Auch testeten Pioniere die Anordnung von Propellern, verschiedene Materialien wie Holz, mit Tuch bespannte Tragflächen und Spanndrähte, oder andere Innovationen wie gewölbte Flügel.</p>



<p>Entsprechend gab es viele Flugzeugmodelle, die in der Realität nie vom Boden abhoben.</p>



<p>Zudem gab es andere Konzepte, die mit den Flugzeugen konkurrierten. Zum Beispiel die nach ihrem Schöpfer benannten Zeppeline.</p>



<p>Diese Vielfalt hatte ihren Hintergrund darin, dass viele physikalische Theorien über den Flug in größerer Höhe noch nicht getestet waren. Ebenso waren grundlegende Konstruktionstechniken der Flugzeuge noch unbekannt und Erfahrungen der Piloten in großer Höhe kaum vorhanden.</p>



<p>Dennoch kam es schnell zu Durchbrüchen und Rekorden im modernen Fliegen. Zum Beispiel überquerte der Franzose Louis Blériot im Jahr 1909 als erster Mensch in einem selbst gebauten Flugzeug den Ärmelkanal.</p>



<p>Dem gegenüber standen zahlreiche Unfälle. Diese gingen aufgrund der Leichtbauweise der Flugzeuge und der geringen Geschwindigkeiten manchmal glimpflich aus. Oft starben aber Pioniere aus der ersten Zeit der modernen Luftfahrt.</p>



<p>Erst nach dem <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/erster-weltkrieg/">Ersten Weltkrieg</a> und der Entwicklung von moderneren Kampfflugzeugen dafür entwickelte sich die Luftfahrt zum heutigen Wirtschaftszweig.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="science-fiction">Die Science-Fiction um die Jahrhundertwende</h3>



<p>Die Science-Fiction um das Jahr 1900 war stark geprägt von den neuen Techniken der Industriellen Revolution. </p>



<p>Dies waren neben der Dampfkraft vor allem die Eisenbahn, die Elektrizität und die neuen Möglichkeiten der Fliegerei.</p>



<p>Anders als einer der ersten Science-Fiction-Romane aller Zeiten, <em>&#8222;Frankenstein&#8220; </em>der Autorin Mary Shelley, waren Autoren wie Jules Verne von starkem Fortschrittsoptimismus durchdrungen.</p>



<p>So schossen in diesen Geschichten geniale Erfinder Menschen mit Projektilen zum Mond oder lebten in U-Booten unter Wasser.</p>



<p>Ein anderer bekannter Autor der Zeit war skeptischer: H.G. Wells griff von Zeitreisen über politische Dystopien und Invasionen von Außerirdischen alle Themen auf, die die Science-Fiction bis heute prägen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="800" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/07/steampunk.jpg?resize=600%2C800&#038;ssl=1" alt="Illustration einer Steampunk-Welt" class="wp-image-1181" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/07/steampunk.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/07/steampunk.jpg?resize=225%2C300&amp;ssl=1 225w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Melkor3D/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>1908 behandelte er auch die Luftfahrt in einem seiner Romane: In <em>&#8222;The War in the Air&#8220;</em> griffen deutsche Luftschiffe New York an.</p>



<p>Aus diesem Science-Fiction-Hintergrund entwickelte sich seit den 1970ern der Steampunk (siehe Bild oben) als Teil der Jugendkultur. Dieser erschuf ausgehend vom 19. Jahrhundert eine andere Technikgeschichte mit Dampfmaschinen und Luftschiffen als Ausgangspunkt seiner Geschichten. </p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="1910">Das andere Jahr 1910</h3>



<p>In <em>&#8222;Das Fliegerbuch&#8220; </em>steht ebenfalls die Luftfahrt im Vordergrund.</p>



<p>Um das Jahr 1910 lebt Kaiser Friedrich III. noch, während Wilhelm II. als flottenbegeisterter Kronprinz eine skurrile Randerscheinung darstellt.</p>



<p>In Europa belauern sich zwar die Großmächte, aber <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/1906-der-zusammenbruch-der-alten-welt-ferdinand-grauthoff/">ein echter Krieg</a> erscheint den Menschen komplett unwahrscheinlich.</p>



<p>Das britische Empire beherrscht die Meere. Da Alfred von Tirpitz aber einem Attentat zum Opfer gefallen ist, gibt es kein Wettrüsten zwischen den Flotten.</p>



<p>Straßburg scheint französisch zu sein, weshalb die Republik Frankreich und das Deutsche Reich ein freundschaftliches Verhältnis pflegen.</p>



<p>Nur <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">die USA</a> sind nach zwei Sezessionskriegen zwischen Union und Konföderierten großflächig kriegszerstört und spielen neben dem prosperierenden Europa keine Rolle in der Weltpolitik.</p>



<p>Am Rande erwähnt Kurt Möser noch, dass die Titanic und die Lusitania ebenfalls gesunken sind.</p>



<p>Der Autor gliedert <em>&#8222;Das Fliegerbuch&#8220;</em> in zwei verschiedene Arten von Kapiteln, in denen er unterschiedliche Aspekte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">dieser Alternativwelt</a> behandelt.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="das-fliegerbuch">Die Welt von &#8222;Das Fliegerbuch&#8220;</h3>



<p>In mehreren kleinen Kapiteln schildert Kurt Möser unterschiedliche Entwicklungen, die die Welt von <em>&#8222;Das Fliegerbuch&#8220;</em> ausmachen.</p>



<p>In <em>&#8222;Luxus und Moden&#8220; </em>beschreibt er vor allem Trends in der Unterhaltungsbranche, die stark vom Fliegen geprägt sind. Dies geht von Flugphantasmagorien (Attrappen, die Flüge simulieren) über Ferrotypien (Fotografien) mit Flughintergründen bis zum Jugendsport des Gleitfliegens.</p>



<p>Die Kapitel <em>&#8222;Erste und letzte Flüge&#8220;</em> befassen sich mit den Gefühlen und Eindrücken, die bei ersten Flügen und Abstürzen als letzten Flügen aufkommen. Als Beispiele nennt Kurt Möser Blériots ersten Kanalflug (siehe unten Bild eines Flugzeug-Nachbaus) und die zahlreichen Todesfälle bei neuen Flugversuchen. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Flugzeug-Bleriot.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Nachbau eines alten Flugzeugs des Pioniers Louis Blériot in der Luft" class="wp-image-5645" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Flugzeug-Bleriot.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Flugzeug-Bleriot.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Petr Masek/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Bei <em>&#8222;Aus dem Ausbildungsbetrieb&#8220;</em> geht es vor allem um die schwierige Ausbildung der nächsten Generation von Piloten. Diese ist sowohl von verschiedenen Tätigkeiten als auch von Tests wie der damals gängigen Untersuchungen der Schädelform geprägt.</p>



<p><em>&#8222;Schöne Maschinen&#8220;</em> dreht sich um Details der neuen Flugzeuge und anderer neuen Erfindungen, zum Beispiel bei einem Wellblechflugzeug oder hydraulischen Maschinen in Venedig.</p>



<p>Im Kapitel <em>&#8222;Geselliges&#8220;</em> beschreibt Kurt Möser vor allem soziale Anlässe in <em>&#8222;Das Fliegerbuch&#8220;</em>. Dabei erzählt ein Amtsrat zum Beispiel vom Spionagegeschäft im Bereich der Flugzeugtechnik, bei dem verschiedene Persönlichkeiten von Männern und Frauen aktiv waren.</p>



<p><em>&#8222;Flugimaginationen&#8220;</em> bezeichnet verschiedene Vorstellungen von Menschen mit Bezug zur Fliegerei. Dies geht von vorgetäuschten Flugversuchen über unbekannte Flugobjekte in großen Höhen bis zu den angeblich illusorischen Plänen für Zeppeline.</p>



<p><em>&#8222;Liquidationen&#8220;</em> verfolgt Agenten eines deutschen Geheimdienstes, die mehrere Personen bei Attentaten ermorden: Einen Sherlock Holmes Darsteller eines Detektivkollektives, aber auch den österreich-ungarischen Generalstabs-Offizier Franz Conrad von Hötzendorf und Alfred von Tirpitz.</p>



<p>In <em>&#8222;Ausstellungsberichten&#8220; </em>dreht sich alles um die neusten Techniken, wobei diese sich auf andere Bereiche als in der &#8222;realen&#8220; Welt konzentriert: Den Dampfmotor für Flugzeuge, Flugortung mittels Erfassens der Fluggeräusche sowie optische Navigationshilfen für Pilotinnen und Piloten.</p>



<p>Die Kapitel <em>&#8222;Phantasiebilder&#8220;</em> beschreiben vor allem die Kunst mit Bezug zum Fliegen und zur Technik. Zum Beispiel ein Selbstporträt eines Fliegers, das den tödlichen Absturz überstanden hat und zu einem Kunstwerk verarbeitet wird.</p>



<p><em>&#8222;Anblicke in technischen Räumen&#8220;</em> umfasst als Letztes noch Eindrücke von verschiedenen Orten wie einer Kontrollstelle, deren eigentliche Technik im Verborgenen bleibt.</p>



<p>Am Ende dieser Kapitel steht die Erklärung eines Amtsrates, der seine Erlebnisse in <em>&#8222;Das Fliegerbuch&#8220;</em> eingebracht hat und sich nun erklärt.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="dienststelle">Die Dienststelle und ihre Agenten</h3>



<p>In mehreren, vergleichsweise längeren Kapiteln folgt der Roman parallel einem Agenten, der für eine Dienstelle des Deutschen Reiches die neusten Entwicklungen im Flugzeugbau beobachtet.</p>



<p>Die Aufträge führen den Agenten manchmal zu aus seiner Sicht ereignislosen Orten (<em>&#8222;Beobachtungen im Adriahafen&#8220;</em>) oder enden erfolglos (<em>&#8222;Das Flugbuch des Kanonenclubs&#8220;</em>).</p>



<p>Häufig hat es der Agent mit den Arkanisten zu tun, freigeistigen Technikern und Flugzeugentwicklern, die aufgrund ihres Ideenreichtums (<em>&#8222;Der Arkanist an der Meeresküste&#8220;, &#8222;Der Erbauer der Stratosphärenhaubitze</em>&#8222;, <em>&#8222;Das Luftboot der Erfinderin&#8220;</em>) für alle europäischen Großmächte (siehe unten Bild aus der &#8222;realen&#8220; Welt mit den rot und blau hinterlegten Büdnisssystemen) wichtig sind.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="591" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Buendnissystem-1914.png?resize=600%2C591&#038;ssl=1" alt="Karte des Bündnissystems 1914" class="wp-image-3314" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Buendnissystem-1914.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Buendnissystem-1914.png?resize=300%2C296&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Buendnissystem-1914.png?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Alianzen_in_Europa_1914.svg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Furfur/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Am häufigsten sind aber Aufträge, bei denen er Personen wie den Luftfahrtpionier Alberto Santos Dumont (<em>&#8222;Das Luftdinner des Flugdandys&#8220;</em>) oder Bewegungen wie die Lebensreformer (<em>&#8222;Der Wellenflieger der Lebensreformer&#8220;</em>) ausspioniert und deren Techniken auf Folgen für das Deutsche Reich prüft.</p>



<p>Dabei gerät der Agent auch an eine Gruppe von Autoren, die in einer kleinen deutschen Universitätsstadt über einen kommenden Weltkrieg spekulieren und dabei Szenen aus dem &#8222;realen&#8220; Ersten und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">Zweiten Weltkrieg</a> (<em>&#8222;Die Imaginisten im Hinterzimmer&#8220;</em>) schildern.</p>



<p>Zusätzlich ist er in der Spionageabwehr tätig. Zum Beispiel bei der Sicherung eines Forschungsinstituts (<em>&#8222;Die Strömungsmaschine im Moor&#8220;</em>) und bei Nachforschungen zu zwei Mordfällen (<em>&#8222;Die Opfer der Strahlluftschiffsaffäre&#8220;</em>).</p>



<p>Oftmals reist der Agent ins Ausland. Bei diesen Aufträgen begegnet er den Gebrüdern Wright (<em>&#8222;Die Flugmaschine auf den äußeren Sandinseln&#8220;</em>), prüft die Befestigungen von Österreich-Ungarn in den Dolomiten und deren überraschende Bewaffnung (<em>&#8222;Das Geheimnis der Dolomitenwerke&#8220;</em>), infiltriert eine Gruppe irischer Rebellen (<em>&#8222;Der Lufttorpedo der Fenier&#8220;</em>) und besucht russische Flugzeugentwickler (<em>&#8222;Geheimbericht aus Aerograd&#8220;</em>). Bei Versuchen, britische (<em>&#8222;Die Entdeckung des Riesenohres&#8220;</em>) und französische Aktivitäten (<em>&#8222;Die Ödnis an der Maas&#8220;</em>) auszuspionieren, scheitert er aber.</p>



<p>Am Ende dieser Kapitel gibt es noch eine Auflistung verschiedener Gruppen (<em>&#8222;Die Gattung der Flugprimaten&#8220;</em>), die für die Entwicklung der modernen Luftfahrt wichtig sind. Und eine kurze Filmskizze über einen Erfinder (<em>&#8222;Der Flugpanzerfilm&#8220;</em>), dessen Assistent die Premiere seines Flugpanzers sabotiert.</p>



<p><em>&#8222;Das Fliegerbuch&#8220;</em> endet schließlich mit <em>&#8222;Echos&#8220;</em> und einem Glossar, in denen Kurt Möser viele, aber längst nicht alle Anspielungen aus den vorangegangenen Kapiteln erklärt.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="buch">Kleines, komplexes und nerdiges Buch</h3>



<p><em>&#8222;Das Fliegerbuch&#8220;</em> von Kurt Möser beschreibt ein anderes 1910. In einer Welt, die noch viel stärker vom Fliegen geprägt ist als die &#8222;Reale&#8220;.</p>



<p>Allerdings ist der Ankerpunkt dieser Welt unklar. Sowohl das Überleben von Kaiser Friedrich III. als auch die Zerstörung der USA in zwei Sezessionskriegen deutet Kurt Möser an. Mehr aber auch nicht.</p>



<p>Dafür prägen zahlreiche Anspielungen vor allem auf die Frühzeit der Luftfahrt, zum Beispiel die Gebrüder Wright und Louis Blériot, sowie die Science-Fiction des 19. Jahrhunderts, wie Jules Verne und Steampunk, das Buch (siehe Bild). </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="867" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Buchcover-Das-Fliegerbuch.jpg?resize=600%2C867&#038;ssl=1" alt="Cover von &quot;Das Fliegerbuch&quot; des Autors Kurt Möser" class="wp-image-5643" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Buchcover-Das-Fliegerbuch.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Buchcover-Das-Fliegerbuch.jpg?resize=208%2C300&amp;ssl=1 208w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Hinzukommen noch Hintergründe aus eigenen Erfahrungen und Erkenntnissen von Kurt Möser sowie aus der realen Technikgeschichte.</p>



<p>Insofern sind die 12 Seiten Glossar und Erklärungen am Ende bei 194 Seiten Text sehr notwendig. Und dass, obwohl sie nur einen Bruchteil der Anspielungen erklären.</p>



<p>Diese zahlreichen Anspielungen sowie die sehr kleinteilige Kapitelstruktur machten es für mich nicht leicht, <em>&#8222;Das Fliegerbuch&#8220;</em> trotz seiner Kürze zu lesen.</p>



<p>Hinzu kamen häufig komplexe, lange Sätze, viele altmodische Begriffe sowie für mich schwer zu verstehende Metaphern und Beschreibungen von Wolken.</p>



<p>Dabei schreibt Kurt Möser, beziehungsweise sein Alter Ego des Agenten/Amtsrats meistens in der Ich-Perspektive, probiert manchmal aber auch andere Stile aus.</p>



<p>Erst nachdem ich mich durch einige Kapitel &#8222;durchgekämpft&#8220; und eine Struktur für mich gefunden hatte, entdeckte ich langsam einen roten Faden.</p>



<p>Nach dieser Erkenntnis fand ich <em>&#8222;Das Fliegerbuch&#8220;</em> von Kurt Möser eine durchaus faszinierend geschriebene Alternativweltgeschichte über das Fliegen.</p>



<p>Die Empfehlung ist aber nur bedingt: Das Buch ist aus meiner Sicht vor allem etwas für Nerds mit Bezug zum Fliegen und zur Technikgeschichte.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Kurt Möser: Das Fliegerbuch. Abenteuer in einer anderen Vergangenheit. Bonn 2017.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Das+Fliegerbuch&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1046891065" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>GEO Epoche: Der Traum vom Fliegen. Von Leonardo da Vinci bis zur Mondlandung. Wie der Mensch den Himmel eroberte. 1500-1969. August 2017.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Das+Fliegerbuch&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1040999598" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>DER SPIEGEL Geschichte: Das Deutsche Kaiserreich. 1871 bis 1914: Der Weg in die Moderne. Mai 2013.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Das+Fliegerbuch&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1059829443" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Lore Schulze-Velmede: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article237151921/Luftfahrt-Erst-froren-seine-Augen-ein-dann-stuerzte-er-in-die-Tiefe.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">In der eisigen Höhe froren seine Augen ein, dann stürzte er in die Tiefe.</a> Nahtod-Erfahrung in der Luft, auf: welt.de (27.02.2023).</li>



<li>Frank Weinreich: <a href="https://polyoinos.de/science-fiction-geschichte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Science Fiction Geschichte</a>, auf: polyoinos.de (03.03.2016).</li>



<li>DIE ZEIT Geschichte: Das Deutsche Kaiserreich. November 2010.</li>
</ul>
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		<title>1917: Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten von Christian Kracht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Jan 2023 10:14:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der andere Erste Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Romane und Filme]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In dieser Dystopie gründet Lenin im Exil die Schweizer Sowjetrepublik. 96 Jahre später kämpft sich ein Schweiz-afrikanischer Politkommissar im kriegszerstörten Neu-Bern durch Schweizer Mythen und kommunistische Utopien. Ankerpunkt Lenin in der Schweiz Vor 1914 war die Schweiz wegen ihrer vergleichsweise liberalen Rede- und Versammlungsrechte ein Fluchtpunkt für viele Exilanten. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs strömten [&#8230;]</p>
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<p>In dieser Dystopie gründet Lenin im Exil die Schweizer Sowjetrepublik. 96 Jahre später kämpft sich ein Schweiz-afrikanischer Politkommissar im kriegszerstörten Neu-Bern durch Schweizer Mythen und kommunistische Utopien.</p>



<span id="more-5536"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#lenin">Lenin in der Schweiz</a></li>



<li><a href="#landesstreik">Der Landesstreik</a></li>



<li><a href="#reduit">Das Reduit </a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ssr">Die Schweizer Sowjetrepublik</a></li>



<li><a href="#politkommissar">Der Politkommissar</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#szenario">Das unwahrscheinliche Szenario</a></li>



<li><a href="#dystopie">Die Schweizer Dystopie des Kommunismus</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="lenin">Lenin in der Schweiz</h3>



<p>Vor 1914 war die Schweiz wegen ihrer vergleichsweise liberalen Rede- und Versammlungsrechte ein Fluchtpunkt für viele Exilanten. Nach Ausbruch des <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/erster-weltkrieg/">Ersten Weltkriegs</a> strömten weitere politische Flüchtlinge in das neutrale Land.</p>



<p>Darunter war auch der aus dem russischen Zarenreich verbannte Kommunist Wladimir Iljitsch Uljanow (siehe Bild), dessen &#8222;Kampfname&#8220; Lenin lautete.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="461" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?resize=600%2C461&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Foto von Lenin an seinem Schreibtisch" class="wp-image-4808" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?resize=300%2C231&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Der Vorsitzende der Bolschewiki, der <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">radikalen Fraktion</a> der russischen Sozialdemokraten, versuchte zuerst in Bern, Kontakte zu lokalen Vertretern der Schweizer Linken aufzubauen.</p>



<p>Diese Versuche scheiterten allerdings. Ebenso wie seine Agitation für einen bewaffneten Aufstand der Arbeiter auf den Konferenzen der europäischen Linken in Zimmerwald 1915 und Kiental 1916 (beides Kanton Bern).</p>



<p>Stattdessen zerstritt er sich mit dem mächtigen, aber gemäßigten Schweizer Sozialdemokraten Robert Grimm aus Bern.</p>



<p>Als Reaktion darauf zog Lenin nach Zürich. Dort arbeitete er nicht nur an theoretischen Werken des Kommunismus, sondern baute auch eine eigene politische Gruppierung um sich auf.</p>



<p>Eines der Ziele dieser Gruppe war es, einen bewaffneten Aufstand in der Schweiz vorzubereiten. </p>



<p>Nach anfänglichen Erfolgen bei den Züricher Sozialdemokraten scheiterte Lenin aber im Aufbau einer eigenen Organisation.</p>



<p>Stattdessen fokussierte er sich auf die im Februar 1917 ausgebrochene Revolution in Russland. </p>



<p>Dort suchte das kaiserliche Deutsche Reich seit 1915 bei den Exilanten um Lenin nach Verbündeten gegen das verfeindete Zarenreich. Lenin und die Bolschewiki waren interessant, da sie ein sofortiges Einstellen der Kämpfe durch Russland forderten.</p>



<p>Nachdem die deutschen Stellen bis 1917 die Bolschewiki finanziell unterstützt hatten, ermöglichten sie im März/April dieses Jahres die Reise von Lenin im teilweise plombierten Zug aus der Schweiz bis nach Russland.</p>



<p>Entscheidend dafür war auch die Fürsprache von Schweizer Sozialisten bei den deutschen Stellen.</p>



<p>Angekommen in Petrograd, dem vorherigen und heutigen St. Petersburg, propagierte Lenin im Gegensatz zur Mehrheit der Linken und Teilen der Bolschewiki einen Staatsstreich gegen die liberale Übergangsregierung.</p>



<p>Im Gegensatz zur Schweiz war er aber dort nach mehreren Versuchen erfolgreich, mit der Oktoberrevolution 1918.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="landesstreik">Der Landesstreik 1918</h3>



<p>Was wäre stattdessen gewesen, wenn Lenin 1917 <a href="https://ankerpunkte-blog.de/europaeische-geschichte/geschichte-schweiz/">in der Schweiz</a> geblieben wäre? Manche Autoren denken, dass dann der Landesstreik von 1918 für ihn die große Chance gewesen wäre, in der Schweiz einen Putschversuch zu unternehmen.</p>



<p>Bei diesem Ereignis handelte es sich um einen landesweiten Generalstreik im November 1918, der die Schweiz in die größte Krise des 20. Jahrhunderts stürzte.</p>



<p>Der Landesstreik entzündete sich an den wirtschaftlichen Verwerfungen des Ersten Weltkrieges, die auch das neutrale Land betrafen.</p>



<p>Auf der einen Seite profitierten viele Betriebe und die Bauernschaft von der Kriegskonjunktur. Dagegen bedrohte vor allem die Inflation die in Armut abgerutschte Arbeiterschaft.</p>



<p>Deshalb kam es bereits ab 1917 zu einer starken Zunahme von lokalen Streiks. </p>



<p>1918 verschärfte sich die Lage nochmals. Robert Grimm gelang es im Februar, die wichtigen Gewerkschafts- und Parteifunktionäre der Sozialisten/Sozialdemokraten im <em>&#8222;Oltener Aktionskomitee&#8220;</em> zu vereinigen. Dieses Gremium ermöglichte es der Arbeiterbewegung, ihre Forderungen geschlossen und mit der Drohung eines landesweiten Generalstreiks verbunden zu formulieren.</p>



<p>Im Herbst sorgten diese Drohungen und die stattfindenden Revolutionen in Deutschland sowie in Österreich aber bei den Schweizer Bürgerlichen und in der Armeeführung für eine enorme Angst vor einer sozialistischen Revolution (siehe Bild). Daher forderten Vertreter des <em>&#8222;Bürgerblocks&#8220;</em>, dass die bei Kriegsende demobilisierte Armee vorher eingreifen sollte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/09/Kommunismus.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Kommunistische rote Fahne mit Hammer und Sichel" class="wp-image-1885" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/09/Kommunismus.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/09/Kommunismus.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(All themes/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Der Landesstreik begann nach dem Einmarsch der Schweizer Armee in Zürich am 7. November. Diesen hatte der Schweizer Bundesrat vor dem Hintergrund von Unruhen beschlossen.</p>



<p>Das <em>&#8222;Oltener Aktionskomitee&#8220;</em> rief als Reaktion darauf am selben Tag zur Arbeitsniederlegung am 9. November auf.</p>



<p>Dieser Streiktag verlief ruhig. Am 10. November kam es aber in Zürich zwischen streikenden Arbeitern und Soldaten zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Dies heizte die Stimmung nochmals enorm auf.</p>



<p>Als Reaktion darauf und um den Einfluss auf die streikenden Arbeiter in Zürich nicht zu verlieren, rief das <em>&#8222;Oltener Aktionskomitee&#8220;</em> am 12. November den unbefristeten Generalstreik aus. Ein mögliches Ende verband es mit neun weitreichenden politischen und sozialen Forderungen.</p>



<p>Am darauffolgenden Landesstreik nahmen circa 250.000 Menschen teil. Dennoch verlief er größtenteils ruhig, da die Arbeiterorganisationen Maßnahmen durchsetzten, die eine Eskalation verhindern sollten. Nur in Grenchen (Kanton Solothurn) kam es nach einem Aufmarsch des Militärs zu Unruhen mit drei toten Streikenden. </p>



<p>Ein Putschversuch war vonseiten der fast unbewaffneten Arbeiterschaft zu keinem Zeitpunkt geplant.</p>



<p>Die bürgerlichen Parteien, die einen solchen Putschversuch befürchtet hatten, zeigten sich nach der ersten Überraschung und dem Ausbleiben einer revolutionären Eskalation zuerst kompromisslos.</p>



<p>Sie forderten einen bedingungslosen Streikabbruch, dem das <em>&#8222;Oltener Aktionskomitee&#8220;</em> aus Furcht vor einem Niederschlagen durch die Armee am 14. November nachgab.</p>



<p>Nachdem am 15. November die Arbeit größtenteils wiederaufgenommen worden war, kam es zuerst zu Repressionen gegen das <em>&#8222;Oltener Aktionskomitee&#8220;</em> und einzelne Streikende. Auch gehörte die Propaganda, der Landesstreik wäre ein Putschversuch gewesen, über bis in die 1970er Jahre fest zur antikommunistischen Propaganda der bürgerlichen Parteien.</p>



<p>Allerdings sorgte der Landesstreik langfristig für soziale Fortschritte. So kam es 1919 zur Erfüllung einer seiner Forderung durch das Einführen der 48-Stunden-Woche. Auch gaben sich Arbeitgeber und Bundesbehörden in verstärktem Maße kooperationsbereiter gegenüber den Gewerkschaften.</p>



<p>Dies zeigte sich vor allem im <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">Zweiten Weltkrieg</a>, als die Schweizer Behörden die Arbeiterorganisationen von Anfang an in die Organisation der Kriegswirtschaft miteinbezogen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="reduit">Das Reduit</h3>



<p>In diesem Konflikt, in dem die Schweiz nach der Niederlage Frankreichs 1940 komplett vom nationalsozialistischen Deutschen Reich und dessen Verbündeten umschlossen war, gewann das Konzept eines Reduit an Bedeutung.</p>



<p>Damit gemeint war eine zentrale Verteidigungsstellung in den Alpen von den Kantonen Wallis bis Schwyz (siehe auf der Karte blau unterlegt). Diese stützte sich auf die bereits zuvor ausgebauten Festungssysteme von Gotthard (im gleichnamigen Gebirgszug in der Mitte des blauen Bereichs), Saint-Maurice (Genfer See bis Großer St. Bernhard) und Sargan (Kanton St. Gallen an der Grenze zu Österreich).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="387" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Karte-Reduit.jpg?resize=600%2C387&#038;ssl=1" alt="Karte der Befestigungsanlagen in der Schweiz mit dem Reduit in den blau unterlegten Regionen." class="wp-image-5580" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Karte-Reduit.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Karte-Reduit.jpg?resize=300%2C194&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Reduit_Schweiz_Neu.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Auge=mit/CC BY-SA 4.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Das Reduit diente als letzte Befestigung sowie Rückzugsort für die Schweizer Armee und den Bundesrat.</p>



<p>Die schwer befestigten Stellungen, die nach einer Teilmobilisierung im Wechsel mit jeweils mehreren Divisionen besetzt waren, dienten vor allem der Abschreckung.</p>



<p>Neben den bis 1942 vollendeten Befestigungen sollten vor allem die schwierige Hochgebirgslage (siehe Bild des Gotthardpasses aus der heutigen Zeit) und die bei einem Angriff erfolgte Zerstörung der Nord-Süd-Verkehrsverbindungen die Achsenmächte von einer Invasion abhalten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="223" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Gotthardpass.jpg?resize=600%2C223&#038;ssl=1" alt="Panoramabild des Gotthardpasses" class="wp-image-5564" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Gotthardpass.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Gotthardpass.jpg?resize=300%2C112&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Freedom_wanted/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Das Konzept war nicht unumstritten: Kritiker monierten, dass bei einem Angriff die Schweizer Armee im Reduit abgeschnitten und binnen weniger Monate ohne großen Aufwand ausgehungert werden konnte.</p>



<p>Dennoch entwickelte sich vor allem in der Nachkriegszeit das Reduit zu einem nationalen Mythos der Schweiz. Es verkörperte vor allem für die darin stationierten (wehrpflichtigen) Soldaten den Verteidigungswillen einer unabhängigen Schweiz.</p>



<p>Nachdem die Schweizer Armee die Anlagen im Kalten Krieg noch weiter ausgebaut und genutzt hatte, wurden sie nach 1990 schrittweise aufgegeben und demontiert.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="ssr">Die Schweizer Sowjetrepublik</h3>



<p>Der namenlose Erzähler in <em>&#8222;Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten&#8220;</em> ist Politkommissar in der Schweizer Sowjetrepublik (SSR).</p>



<p>Die SSR entstand nach 1918, als Lenin nicht am Ende des Ersten Weltkrieges mit dem Zug nach Russland reiste. Denn sein Heimatland zerfiel durch die Folgen der Tunguska-Explosion immer mehr.</p>



<p>Stattdessen gründete er mit Leo Trotzki und Robert Grimm in der Schweiz die SSR.</p>



<p>Diese befindet sich in <em>&#8222;Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten&#8220;</em> seit 96 Jahren im Krieg mit mehreren Mächten: Im Norden entlang des Rheins kämpft die SSR gegen deutsche und britische Faschisten, im Osten Europas gegen die Soldaten Hindustans und Koreas.</p>



<p>Die SSR besteht in diesem Konflikt vor allem aus zwei Gründen.</p>



<p>Erstens verfügt sie mit dem Reduit über ein gewaltiges Festungswerk, das ihrer Führung als vermeintlich uneinnehmbarer Rückzugsort dient und so die Moral der eigenen Armee stärkt.</p>



<p>Zweitens gelang es der SSR zu einem unbekannten Zeitpunkt, Ostafrika bis nach Malawi von der Kolonialherrschaft zu befreien. Im Gegenzug für &#8222;moderne&#8220; Infrastruktur rekrutieren die Kommunisten seitdem über die von ihnen beherrschten norditalienischen Häfen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/">Ressourcen</a> und Soldaten aus diesen Gebieten.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="politkommissar">Der Politkommissar</h3>



<p>Der Erzähler von <em>&#8222;Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten&#8220;</em> ist in Njassaland (Malawi) geboren und wurde mit 14 Jahren Rekrut der SSR.</p>



<p>Zuerst begeistert vom antirassistischen Egalitarismus der Schweizer wurde er zu einem Offizier der SSR ausgebildet und schließlich in die Kriegszone nach Europa geschickt.</p>



<p>Als Politkommissar gilt er als gewissenhaft und als einer der wenigen Funktionäre, der dank seines Notizbuches noch Lesen und Schreiben kann. Denn Schrift und Bücher sind als Wissen fast ausgestorben sowie durch mündliche Überlieferung und Kommunikation ersetzt.</p>



<p>Im winterlichen (Neu-)Bern (siehe Bild aus der heutigen Zeit), das die Kommunisten nach acht Jahren deutscher Besetzung zurückerobert haben, sucht er den jüdischen Offizier Brazhinsky. Dieser gilt als potenzieller Verräter an der SSR.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Bern-Winter.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto des winterlichen Berns" class="wp-image-5563" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Bern-Winter.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Bern-Winter.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Boris Stroujko/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dabei erfährt er, dass Brazhinsky mit der <em>&#8222;Rauchsprache&#8220;</em> eine neue Art der Kommunikation nutzen kann, die Telepathie und Telekinese verbindet. </p>



<p>Nachdem seine Nachforschungen in Neu-Bern ergeben haben, dass der Offizier in das Reduit geflohen ist, nimmt er die Verfolgung in Richtung Süden auf.</p>



<p>Dabei entgeht er zweimal knapp dem Tod.</p>



<p>Doch als er Brazhinsky schließlich im Reduit aufspürt, wird er mit Entwicklungen konfrontiert, die seine Vorstellungen überschreiten und die das weitere Schicksal der SSR entscheiden.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="szenario">Das unwahrscheinliche Szenario</h3>



<p>Die Schweizer Sowjetrepublik aus <em>&#8222;Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten&#8220;</em> ist natürlich ein unwahrscheinliches <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">Alternative History</a> Szenario.</p>



<p>Lenin hatte zwar bis 1917 versucht, in seinem Schweizer Exil eine Gruppe von Revolutionären um sich zu scharen, die einen gewaltsamen kommunistischen Staatsstreich durchführen wollten.</p>



<p>Er scheiterte damit aber bereits, bevor er die Schweiz in Richtung Russland verließ.</p>



<p>Auch der Schweizer Landesstreik kann nicht als Vorlage dienen. Weder hatten seine Anführer im <em>&#8222;Oltener Aktionskomitee&#8220;</em> einen Putsch geplant, noch waren die Streikenden ausreichend bewaffnet, um einen solchen durchzuführen.</p>



<p>Ironischerweise lässt Christian Kracht die SSR sogar durch Lenin, Trotzki und Robert Grimm gründen, obwohl Lenin in der Realität Grimm als zu gemäßigt verurteilte.</p>



<p>Nur der Mythos des Reduit als letzte und uneinnehmbare Festung der SSR hat einen starken Bezug zur realen Schweizer Geschichte. Auch in dem Sinne, dass unklar ist, inwieweit der Mythos der realen Stärke der Befestigung entspricht.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="dystopie">Die Schweizer Dystopie des Kommunismus</h3>



<p>Mit <em>&#8222;Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten&#8220;</em> beschreibt Christian Kracht weniger ein realistisches Szenario als eine Dystopie mit dem Hintergrund der Schweiz und des Kommunismus. </p>



<p>So ist das Reduit im Roman eine Utopie auf die kommunistische Herrschaft und den Schweizer Verteidigungswillen. Beides wird überhöht, obwohl nie klar wird, wie das Reduit funktioniert. Beides erweist sich im Laufe der Geschichte als hohl.</p>



<p>Auch die multikulturelle Identität der Schweiz und ihre angebliche Toleranz wird in <em>&#8222;Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten&#8220;</em> (siehe Bild des Covers) satirisch überhöht. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="886" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Ich-werde-hier-sein-im-Sonnenschein-und-im-Schatten.jpg?resize=600%2C886&#038;ssl=1" alt="Cover von Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten von Christian Kracht" class="wp-image-5562" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Ich-werde-hier-sein-im-Sonnenschein-und-im-Schatten.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Ich-werde-hier-sein-im-Sonnenschein-und-im-Schatten.jpg?resize=203%2C300&amp;ssl=1 203w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>So schwankt der Politkommissar zwischen seiner beruflichen Identität als Schweizer Politkommissar und den Erinnerungen an seine Herkunft aus (Ost-)Afrika.</p>



<p>Auch die SSR ist eine kulturelle und sprachliche Mischung aus Elementen der Schweiz sowie von Ostafrika. Dies zeigt sich zum Beispiel im Verwenden von afrikanischen Begriffen und Gerichten im Laufe der in der Schweiz stattfindenden Handlung.</p>



<p>Verweise auf die kommunistische Utopie finden sich ebenfalls. So äußert der Politkommissar den Gedanken, dass das Elend seiner Welt endet, wenn der Kommunismus siegt.</p>



<p>Mit kleineren Erwähnungen verarbeitet Christian Kracht die Utopien der Nachkriegsmoderne in der &#8222;Modernisierung&#8220; von Ostafrika durch die SSR nach den Plänen des Architekten Le Corbusier.</p>



<p>Auch die Schweizer Toleranz und die im Buch geäußerte moralische Überlegenheit der SSR gegenüber ihren deutschen Feinden werden konterkariert. So gibt es auf beiden Konfliktseiten Rassismus und Gräueltaten.</p>



<p>Am Ende erweist sogar die <em>&#8222;Rauchsprache&#8220;</em>, die zuerst als Vorbote einer neuen Zeit gilt, als Chimäre.</p>



<p>Bezeichnenderweise lässt Christian Kracht den Politkommissar in Neu-Bern und im Reduit zuerst im tiefen Winter auftreten und kombiniert die Handlung mit dem Sommeranfang, je weiter der Erzähler sich von beidem entfernt.</p>



<p>Insgesamt ist <em>&#8222;Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten&#8220;</em> trotz einer Anspielung auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/orakel-vom-berge-philip-dick/">&#8222;Das Orakel vom Berge&#8220;</a> in einem Kapitel keine realistische Alternative History.</p>



<p>Aber eine gnadenlose Satire auf die Utopien der Schweiz und des Kommunismus.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Christian Kracht: Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten. Köln 2021.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Ich+werde+hier+sein+im+Sonnenschein+und+im+Schatten&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1001111941" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Bernhard Degen: <a href="https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/016533/2012-08-09/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Landesstreik.</a> Generalstreik (1918), auf: hls-dhs-dss.ch (09.08.2012).</li>



<li>GEO Epoche: Die Russische Revolution. Februar 2017.</li>



<li>GEO Epoche: Schweiz. Die bewegte Geschichte der Eidgenossenschaft 1291-2021. April 2021.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Ich+werde+hier+sein+im+Sonnenschein+und+im+Schatten&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1059773379" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Christian Koller: <a href="https://geschichtedergegenwart.ch/99-jahre-erinnerung-an-den-landesstreik/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">99 Jahre Erinnerung an den Landesstreik</a>, auf: geschichtedergegenwart.ch (01.11.2017).</li>



<li>Felix Münger: <a href="https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/landesstreik-1918-stand-die-schweiz-am-rande-des-buergerkriegs" target="_blank" rel="noreferrer noopener">1918 stand die Schweiz am Rande des Bürgerkriegs. </a>Landesstreik, auf: srf.ch (23.10.2017).</li>



<li>Marzio Pescia: <a href="https://www.swissinfo.ch/ger/lenin-und-die-revolution--die-nicht-stattfand/4076866" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lenin und die Revolution, die nicht stattfand</a>, auf: swissinfo.ch (02.09.2004).</li>



<li>Hans Senn: <a href="https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008696/2010-08-20/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Réduit</a>, in: hls-dhs-dss.ch (20.08.2010).</li>



<li>DER SPIEGEL Geschichte: Experiment Kommunismus. Die Russische Revolution und ihre Erben. Dezember 2007.</li>



<li>Hans Stadler: <a href="https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008596/2019-11-08/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Befestigungen</a>, in: hls-dhs-dss.ch (08.11.2019).</li>



<li>Stefan Welzel: <a href="https://www.luzernerzeitung.ch/schweiz/man-hat-die-bedrohungslage-wohl-uberschatzt-ld.1068293" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Historiker zum Landesstreik 1918: «Man hat die Bedrohungslage wohl überschätzt»</a>, auf: luzernerzeitung.ch (09.11.2018).</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/ich-werde-hier-sein-im-sonnenschein-und-im-schatten-christian-kracht/">1917: Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten von Christian Kracht</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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		<title>1906: Der Zusammenbruch der alten Welt von Ferdinand Grauthoff</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Mar 2022 00:28:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der andere Erste Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Romane und Filme]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was wäre gewesen, wenn der Erste Weltkrieg bereits 1906 ausgebrochen wäre? Ein historischer Roman aus dem Jahr 1905 versucht sich in durchaus realistischen Antworten. Ankerpunkt Die europäischen Mächte im Jahr 1906 Obwohl die Großmächte Europas Anfang des 20. Jahrhunderts die Welt beherrschten, erschien ihre Stärke gefährdet. Denn neben der Herausforderung durch aufstrebende Mächte wie die [&#8230;]</p>
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<p>Was wäre gewesen, wenn der Erste Weltkrieg bereits 1906 ausgebrochen wäre? Ein historischer Roman aus dem Jahr 1905 versucht sich in durchaus realistischen Antworten.</p>



<span id="more-3248"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#Europa">Die europäischen Mächte im Jahr 1906</a></li>



<li><a href="#deutschesreich">Das autonome Deutsche Reich</a></li>



<li><a href="#dreibund">Der unsichere Dreibund</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#weltkrieg">Der Weltkrieg im Jahr 1906</a></li>



<li><a href="#schlachten">Die Schlachten im Jahr 1906</a></li>



<li><a href="#zusammenbruch">Der Zusammenbruch der alten Welt im Jahr 1906</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#fiktiv">Der realistische fiktive Weltkrieg</a></li>



<li><a href="#grauthoff">Der Blick von Ferdinand Grauthoff im Jahr 1906</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="Europa">Die europäischen Mächte im Jahr 1906</h3>



<p>Obwohl die Großmächte Europas Anfang des 20. Jahrhunderts die Welt beherrschten, erschien ihre Stärke gefährdet.</p>



<p>Denn neben der Herausforderung durch aufstrebende Mächte wie <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">die USA</a> oder <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/alternative-history-japan/">Japan</a> drohte aufgrund eines polarisierten Bündnissystems ständig ein blutiger Krieg. </p>



<p>Noch in den 1880er Jahren waren die Mächte des Kontinents durch ein vielschichtiges Netz aus Bündnissen verflochten gewesen.</p>



<p>So sorgte der Dreibund zwischen dem Deutschen Reich sowie Österreich-Ungarn und Italien dafür, dass sich Interessen der letzten beiden in der Adria und in den italienischsprachigen Gebieten der Donaumonarchie nicht zu einem offenen Konflikt ausweiteten.</p>



<p>Gleiches galt für den Rückversicherungsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und Russland. Der Vertrag sicherte die Beziehungen zwischen beiden Ländern gegenüber den zahlreichen Konflikten zwischen Russland sowie Österreich-Ungarn ab und verhinderte damit eine Eskalation zwischen den letzten beiden Mächten.</p>



<p>Auch war Großbritannien über ein eher lockeres Mittelmeerabkommen mit Österreich-Ungarn und Italien in dieses Absicherungssystem integriert.</p>



<p>Dieses konfliktdämpfende System zerfiel in den 1890er und 1900er Jahren immer mehr.</p>



<p>So standen sich spätestens 1907 grob gesagt zwei relativ feste Bündnisse gegenüber: </p>



<p>Auf der einen Seite der seit 1882 geschlossene Dreibund. Wobei Italien dort eine relativ selbstständige Rolle spielte.</p>



<p>Auf der anderen Seite hatten sich Frankreich und Russland seit 1894 verbündet. Großbritannien hatte sich diesem Bündnis 1904 durch die <em>&#8222;Entente cordiale&#8220;</em> mit Frankreich und 1907 durch ein Abkommen mit Russland angenähert (siehe Karte von 1914).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="591" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Buendnissystem-1914.png?resize=600%2C591&#038;ssl=1" alt="Karte des Bündnissystems 1914" class="wp-image-3314" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Buendnissystem-1914.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Buendnissystem-1914.png?resize=300%2C296&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Buendnissystem-1914.png?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor CC-Lizenz: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Alianzen_in_Europa_1914.svg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Furfur/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Beide Bündnissysteme hatten mehrere Reibungspunkte.</p>



<p>Zunächst war das Verhältnis zwischen der französischen Republik und dem deutschen Kaiserreich seit der vernichtenden Niederlage Frankreichs im deutsch-französischen Krieg 1870/71 und der anschließenden Annexion von Elsass-Lothringen dauerhaft belastet.</p>



<p>Zwischen Russland und Österreich-Ungarn verschärften sich komplexe Konflikte um den Einfluss auf dem Balkan, den das im Niedergang begriffene Osmanische Reich immer weniger beherrschen konnte.</p>



<p>1906 waren diese Bündnissysteme aber auch nicht komplett starr. </p>



<p>So schloss Großbritannien die Vereinbarungen mit Frankreich und Russland nur, um damit die eigenen Konflikte mit beiden Mächten besser steuern zu können.</p>



<p>Noch waren diese Partnerschaften nicht primär gegen das Deutsche Reich gerichtet.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="deutschesreich">Das &#8222;autonome&#8220; Deutsche Reich</h3>



<p><a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/kaisertag-oliver-henkel/">Im Deutschen Reich</a> war die Wahrnehmung allerdings eine andere.</p>



<p>Das bis in die 1880er existierende Bündnissystem funktionierte auch deshalb, weil sich das Reich einer offensiven Interessenpolitik in Europa und in den entstehenden Kolonialreichen enthielt. </p>



<p>Diese Politik stieß in großen Teilen der adeligen, politischen Elite und dem wachsenden, nationalistischen Bürgertum auf Widerstand.</p>



<p>Sie sahen sich – nicht zu Unrecht – von den etablierten Groß- und Kolonialmächten ausgeschlossen und forderten eine von Bündnissystemen &#8222;unabhängigere&#8220; Machtpolitik.</p>



<p>Diese als <em>&#8222;neue Politik&#8220;</em> bekannte Strategie führte unter Kaiser Wilhelm II. und den Nachfolgern von Bismarck im Amt des Reichskanzlers zu verstärkten außenpolitischen Unsicherheiten.</p>



<p>Denn das auf <em>&#8222;Autonomie&#8220;</em> und den bekannten <em>&#8222;Platz an der Sonne&#8220;</em> abzielende Konzept war nicht durch strategische Grundsätze unterfüttert. </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>&#8222;Die Zeiten, wo der Deutsche dem einen seiner Nachbarn die Erde überließ, dem anderen das Meer und sich selbst den Himmel, wo die reine Doktrin thront – diese Zeiten sind vorüber. Wir wollen niemanden in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne.&#8220;</p>
<cite>Staatssekretär des Äußeren Bernhard von Bülow 1897</cite></blockquote>



<p>Es folgte nur der Überzeugung, von Fall zu Fall durch das Zeigen von Stärke die eigenen Interessen durchzusetzen.</p>



<p>Diese Einstellung galt vor allem <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/die-schlacht-bei-dorking-von-sir-george-tomkyns-chesney/">gegenüber Großbritannien</a>, das dem Deutschen Reich offen zeigte, dass es die neue Kontinentalmacht nicht als gleichrangige Weltmacht respektierte.</p>



<p>Vor allem der Aufbau einer immer stärkeren deutschen Flotte (siehe Bild) galt als Beispiel für diese Strategie, die Teile des Bürgertums und der Kaiser begeistert unterstützten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="384" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Skagerrak.jpg?resize=600%2C384&#038;ssl=1" alt="Deutsche Schlachtschiffe in der Nordsee kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs." class="wp-image-443" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Skagerrak.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Skagerrak.jpg?resize=300%2C192&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Historical/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dieses Flottenbauprogramm gefährdete zu keiner Zeit die britische Überlegenheit auf den Weltmeeren. Vor allem als die Royal Navy 1906 mit der <em>&#8222;HMS Dreadnought&#8220;</em> einen neuartigen Schiffstyp in Dienst stellte, der alle bestehenden Hochseeflotten auf einen Schlag entwertete.</p>



<p>Schon vorher hatte sich aber in Deutschland die Flotte zu einem Zeichen der neuen Stärke für die nationalistisch gesinnte Öffentlichkeit entwickelt.</p>



<p>Am Ende schloss diese sogenannte <em>&#8222;Weltpolitik&#8220;</em> zwar im Deutschen Reich selbst die nationalistischen Reihen, erwies sich aber als wenig ertragreich.</p>



<p>So reagierten die deutsche Politik sowie Öffentlichkeit überrascht und schockiert auf die Bekanntgabe des französisch-britischen Bündnisses 1904.</p>



<p>Nur die russische Schwäche in Folge der Niederlage im japanisch-russischen Krieg dämpfte die außenpolitische Gefährdung des Reiches etwas. Denn dem Zarenreich fehlten kurzfristig die Kräfte für militärische und außenpolitische Abenteuer.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="dreibund">Der unsichere Dreibund</h3>



<p>Was die Lage des Deutschen Reichs zusätzlich schwächte, war der Zustand des eigenen Bündnissystems.</p>



<p>Besonders das Verhältnis zwischen Österreich-Ungarn und Italien belastete den Dreibund massiv.</p>



<p>Beide Großmächte erhoben Ansprüche auf Interessensphären auf dem Balkan, zum Beispiel im heutigen Albanien und Montenegro.</p>



<p>Am meisten überschnitten sich beide Ansprüche in Bezug auf die italienischsprachigen Gebiete der Donaumonarchie, zum Beispiel den Trentino oder die Hafenstadt Triest (siehe Bild aus der heutigen Zeit).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Triest.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Panoramabild des Hafens der italienischen Stadt Triest" class="wp-image-3316" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Triest.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Triest.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Dinh Chi/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Während das katholisch-konservative Lager Italiens eher zu einer Kooperation mit Wien tendierte, plädierte die liberal-säkulare Politik des Landes für einen Konfrontationskurs und ein <em>&#8222;Risorgimento&#8220;</em> („Wiedererstehung“ oder &#8222;Wiedervereinigung&#8220;) mit Gebieten des Verbündeten.</p>



<p>Daher spielte das Königreich Italien eine durchaus unabhängige oder nach Sichtweise der deutsch-österreichischen Verbündeten unsichere diplomatische Rolle.</p>



<p>Zwar erneuerte das Land 1891, 1902 und 1912 den Dreibund. Gleichzeitig schloss es aber 1900 und 1902 Geheimabkommen mit Frankreich, die den Bündnisverpflichtungen im Dreibund entgegenstanden.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="weltkrieg">Der Weltkrieg im Jahr 1906</h3>



<p>In dieser Lage setzt der fiktionale Roman <em>&#8222;1906. Der Zusammenbruch der alten Welt&#8220;</em> von Ferdinand Grauthoff ein.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Wir stehen am Ende. Das furchtbare Jahr, in dem die alte Welt von Blut so rot war, ist vorrüber. Wir haben ihn gehabt, den frischen fröhlichen Krieg.</p>
<cite>Ferdinand Grauthoff: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt.</cite></blockquote>



<p>Am 3. März 1906 nehmen die Spannungen zwischen dem Deutschen Reich und Großbritannien zu. </p>



<p>Besonders im Hafen von Apia in der deutschen Südseekolonie Samoa steigt die Kriegsgefahr. Denn hier treffen, unterstützt von den jeweiligen Seestreitkräften, die Interessen des Deutschen Reiches, Großbritanniens und der USA aufeinander.</p>



<p>Als die Lage dort eskaliert und deutsche sowie britische Schiffe aufeinander schießen, setzt das ein Bündnissystem in Gang, das im Frühjahr 1906 <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/erster-weltkrieg/">zum Weltkrieg</a> führt.</p>



<p>Die meisten europäischen Mächte gruppieren sich im Konflikt zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich/Großbritannien um eine Seite (siehe Karte).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="591" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Buendnissystem-1906.png?resize=600%2C591&#038;ssl=1" alt="Karte des fiktiven Bündnissystems 1906" class="wp-image-3318" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Buendnissystem-1906.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Buendnissystem-1906.png?resize=300%2C296&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Buendnissystem-1906.png?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor CC-Lizenz: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Alianzen_in_Europa_1914.svg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Furfur/CC BY-SA 3.0 (geänderte Farben)</a>)</figcaption></figure>



<p><a href="https://ankerpunkte-blog.de/belgien/geschichte-belgien/">Belgien</a> und die Niederlande werden im wahrsten Sinne des Wortes von den Ereignissen überrannt und schließen sich zwangsweise den Westmächten beziehungsweise dem Deutschen Reich an.</p>



<p>Italien übernimmt erst nach einem provokativen Ultimatum Englands seine Verpflichtungen aus dem Dreibund, erleidet aber vor Neapel und Tarent eine vernichtende Niederlage seiner Flotte.</p>



<p>Österreich mobilisiert zwar seine Armee zugunsten des Dreibunds, ist aber durch Aufstände in Prag und Ungarn gezwungen, die Hälfte der Truppen im Land zu belassen.</p>



<p>Portugal und Spanien stellen sich auf die Seite von Großbritannien und Frankreich, fallen aber militärisch nicht ins Gewicht. </p>



<p>Die USA, Japan, das Osmanische Reich und das russische Zarenreich bleiben dagegen neutral.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="schlachten">Die Schlachten im Jahr 1906</h3>



<p>Die ersten Schlachten im Weltkrieg finden auf See statt.</p>



<p>Während in der Nordsee die ersten Gefechte beginnen, bombardiert eine britisch-französische Flotte Cuxhaven und ein erster Überraschungsangriff auf Kiel scheitert.</p>



<p>Die britische Flotte richtet danach jedoch bei einem Kommandoangriff auf Kiel großen Schaden an.</p>



<p>Schlussendlich endet der Seekrieg in einer gigantischen Schlacht in der Nordsee. Bei dieser wird zwar <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/1916-skagerrakschlacht/">die deutsche Hochseeflotte</a> fast vollständig vernichtet, kann aber der feindlichen Blockadeflotte so hohe Verluste zufügen, dass diese nicht mehr offensiv tätig wird.</p>



<p>Gleichzeitig mit den ersten Seeschlachten marschieren an den Grenzen die feindlichen Heere auf.</p>



<p>So gelingt es der deutschen Armee relativ schnell <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/leutnant-luettich/">in Belgien</a> bis auf Chaleroi vorzurücken und danach in Nordfrankreich bis Calais einzudringen.</p>



<p>Denn der Grabenkrieg in <em>&#8222;1906. Der Zusammenbruch der alten Welt&#8220;</em> erreicht nie die Dimensionen des &#8222;realen&#8220; Ersten Weltkriegs, sondern bleibt auf einem rudimentären Level (siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="422" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Tannenberg-1.jpg?resize=600%2C422&#038;ssl=1" alt="Deutsche Stellung in Ostpreußen, möglicherweise 1914." class="wp-image-442" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Tannenberg-1.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Tannenberg-1.jpg?resize=300%2C211&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption"> (Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Während die deutschen Kolonien nach und nach erobert werden, kommt es in Frankreich zur <em>&#8222;Millionenschlacht&#8220;</em>, bei der hunderttausende Franzosen und Deutsche aufeinanderstoßen.</p>



<p>Sie endet mit einer vernichtenden Niederlage der britisch-französischen Streitkräfte zwischen Laon und Reims.</p>



<p>Zwar besetzt die deutsche Armee danach große Teile Frankreichs, aber der Krieg erstarrt durch die hohen Verluste bis in den Herbst.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="zusammenbruch">Der Zusammenbruch der alten Welt im Jahr 1906</h3>



<p>Dies alles verblasst, als es in den Kolonien und in China zu Unruhen unter Afrikanern, Arabern und Chinesen kommt. </p>



<p>Als sich daraus ein massiver Aufstand entwickelt, der die europäische Herrschaft in Afrika und Asien hinwegfegt, kommt es zu einem Friedensschluss in Europa.</p>



<p>Zwar gelingt es den europäischen Mächten, sich zur Verteidigung ihrer wenigen verblieben Posten zusammenzuschließen, aber ihre Heere und Flotten sind durch die Verluste im Weltkrieg stark geschwächt.</p>



<p>Während sich die ersten Truppen an eine Rückeroberung der verlorenen Kolonien machen, müssen die geschwächten Weltmächte mit neuen Herausforderungen kämpfen.</p>



<p>Denn die unversehrt gebliebenen Großmächte Russland (siehe Bild), Japan und USA stellen ebenfalls Ansprüche auf Teile der alten, europäischen Einflusssphären.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="423" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Zarenreich-Russland.jpg?resize=600%2C423&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Foto eines russischen Manövers vor oder in den ersten Jahren des Ersten Weltkrieges" class="wp-image-3315" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Zarenreich-Russland.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Zarenreich-Russland.jpg?resize=300%2C212&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="fiktiv">Der realistische fiktive Weltkrieg</h3>



<p><em>&#8222;1906: Der Zusammenbruch der alten Welt&#8220;</em> ist ein <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">fiktionaler Roman</a>, der allerdings einen realistischen Blick auf die Welt und Europa aufweist.</p>



<p>Zumindest, wenn der Leser die Beschränkung des Blickwinkels aus der Sicht des deutschen Bürgertums in Kauf nimmt.</p>



<p>Denn Ferdinand Grauthoff nimmt das Bündnissystem im Jahr 1906 vergleichsweise realistisch wahr.</p>



<p>Auf der einen Seite stehen Frankreich und Großbritannien, auf der anderen das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn.</p>



<p>Dass Russland sein Bündnis mit Frankreich nicht wahrnimmt, entsprach der realen Lage.</p>



<p>Einerseits war das Zarenreich durch die unerwartete und schwere Niederlage im japanisch-russischen Krieg im Jahr zuvor sowie die darauf folgenden Unruhen und innenpolitischen Verwerfungen geschwächt.</p>



<p>Andererseits waren die Bündnissysteme nicht so gefestigt, dass ein theoretischer Bündnisfall zu einer Kettenreaktion wie im Jahr 1914 führte. </p>



<p>Selbst zu <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/erster-weltkrieg/">Beginn des Ersten Weltkriegs</a> war diese Kettenreaktion der Bündnisfälle keineswegs automatisch und unvermeidbar.</p>



<p>Dass Russland sogar gegen britische Provokationen auf dem Balkan vorgeht und damit indirekt Österreich-Ungarn unterstützt, erscheint dagegen unrealistisch. </p>



<p>Dass Italien 1906 schon als Schwachstelle des Dreibunds galt, zeigt sich ebenfalls in <em>&#8222;1906. Der Zusammenbruch der alten Welt&#8220;</em>. </p>



<p>Es ist eine gewisse Ironie, dass im Buch Großbritannien Italien durch eine Druckstrategie erst ins Lager des Dreibunds (zurück-)treibt, die in der Realität eher für die deutsche <em>&#8222;neue Politik&#8220;</em> typisch war.</p>



<p>Interessant am Roman von Ferdinand Grauthoff ist auch, dass die Neutralität Belgiens (siehe Bild) und der Niederlande wie in der Realität 1914 und 1940 nichts zählt. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="587" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-L%C3%BCttich.jpg?resize=600%2C587&#038;ssl=1" alt="Beispiel eines schweren Belagerungsgeschützes, wie es bei der Belagerung von Lüttich zum Einsatz kam." class="wp-image-483" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-L%C3%BCttich.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-L%C3%BCttich.jpg?resize=300%2C294&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Historical/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>In <em>&#8222;1906. Der Zusammenbruch der alten Welt&#8220;</em> sind es aber Frankreich und Großbritannien, die Belgien als Basis für einen Angriff nutzen.</p>



<p>Dabei wird wie im &#8222;realen&#8220; Ersten Weltkrieg Antwerpen zum letzten Rückzugsort für die britisch-belgischen Soldaten.</p>



<p>Auch dass am Ende die geschwächten europäischen Großmächte um ihre Kolonialreiche kämpfen müssen, erweist sich als Parallele zur Realität.</p>



<p>Ebenso, dass die USA, Russland und Japan danach immer mehr in die Rolle von Weltmächten hineinwachsen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="grauthoff">Der Blick von Ferdinand Grauthoff im Jahr 1906</h3>



<p>Zu beachten ist aber, dass Ferdinand Grauthoff aus dem deutschen Bürgertum stammt und diese Sichtweise merkt man <em>&#8222;1906. Der Zusammenbruch der alten Welt&#8220;</em> an. </p>



<p>Zwar ist der Roman nicht uneingeschränkt nationalistisch, aber die patriotische Ader des Buches lässt sich nicht leugnen. </p>



<p>So gelten die Sozialdemokraten bei ihm <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">als unpatriotische Verräter</a>. </p>



<p>Auch sind die Briten vor und im Krieg immer die eigentlichen Aggressoren, denen eine relativ moderate deutsche Politik gegenüber steht.</p>



<p>Wilhelm II. und Reichskanzler Bernhard von Bülow, beide auf diplomatischen Gebiet wenig erfolgreich und in der Bevölkerung durchaus umstritten, kommen daher sehr gut weg. </p>



<p>Wilhelm II. darf sogar den <em>&#8222;Höchstkommandierenden&#8220;</em> spielen, während er im &#8222;realen&#8220; Ersten Weltkrieg durch das Militär immer mehr zur Randfigur degradiert wurde.</p>



<p>Die damalige &#8222;reale&#8220; Prominenz, wie der Gouverneur von Samoa Wilhelm Solf, der Reichstagspräsident Franz von Ballestrem oder der Sozialdemokrat August Bebel tauchen ebenfalls in ähnlich schematischen Rollen auf.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="870" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Buchcover-1906.jpg?resize=600%2C870&#038;ssl=1" alt="Buchcover von &quot;1906. Der Zusammenbruch der alten Welt&quot;" class="wp-image-3317" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Buchcover-1906.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Buchcover-1906.jpg?resize=207%2C300&amp;ssl=1 207w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Manchmal erscheint das bekannteste Werk von Ferdinand Grauthoff in dieser Richtung unfreiwillig naiv. Zum Beispiel bei der deutschen Begeisterung zu Kriegsbeginn – wobei das sich für 1914 als Legende lange halten konnte – und der anschließenden freiwilligen Selbstzensur aller Medien.</p>



<p>Andererseits schildert Ferdinand Grauthoff den Krieg als durchaus blutig und entsetzlich, zum Beispiel wenn er das Schicksal eines schwer verwundeten Soldaten beschreibt.</p>



<p>Dabei greift er Lektionen auf, die die Armeen erst im Ersten Weltkrieg wirklich lernten, wie die &#8222;feldgraue&#8220; Tarnfarbe der Uniformen statt der bunten, glänzenden Militärkleidung der Vorkriegszeit.</p>



<p>Er bleibt aber trotzdem in den militärischen Traditionen der Zeit verhaftet. Denn die Entscheidungen fallen in großen Schlachten und an Land wie 1870 durch eine massive Kavallerieattacke. </p>



<p>Auch die Schiffsflotten zeigen die Vor-Dreadnought-Ära realistisch.</p>



<p>Die bürgerliche Flottenbegeisterung dringt in einer sehr marinelastigen Beschreibung des Weltkriegs durch. So wirken die Heeres-Kapitel vergleichsweise weniger detailliert und fundiert.</p>



<p>Positiv an <em>&#8222;1906. Der Zusammenbruch der alten Welt&#8220;</em> ist der sehr bildreiche, emotionale und spannende Schreibstil. </p>



<p>Neben den Kapiteln, in denen sich das Szenario eines Weltkriegs im Jahr 1906 entfaltet, gibt es immer wieder Erzählungen aus der Perspektive einzelner Personen. </p>



<p>Eine Mischung, die mir persönlich stilistisch sehr gut gefallen hat.</p>



<p>Das Ende des Buches war dagegen für mich als Person des Jahres 2021 schwer zu lesen.</p>



<p>Denn der Autor des Jahres 1906 fiel vom Schreibstil her bei der Beschreibung der Aufstände in Afrika und Asien in die rassistischen Vorstellungen seiner Zeit zurück.</p>



<p>Zusammenfassung halte ich <em>&#8222;1906. Der Zusammenbruch der alten Welt&#8220;</em> von Ferdinand Grauthoff für einen interessanten und vom Erzählstil her größtenteils gut geschriebenen Alternative History Roman.</p>



<p>Zu beachten ist aber unbedingt, dass der Romanautor eben ein deutscher Bürgerlicher des Jahres 1905 mit allen guten wie schlechten Einstellungen seiner Zeit ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Ferdinand Grauthoff: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt. Berlin 2016.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=1906.+Der+Zusammenbruch+der+alten+Welt&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1043362959" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Christopher Clark: Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog. München 2013.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=1906.+Der+Zusammenbruch+der+alten+Welt&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1030317341" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Alexander Demandt: <a href="https://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article11927212/Wenn-es-1906-Krieg-gegeben-haette.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wenn es 1906 Krieg gegeben hätte.</a> Was wäre passiert?, auf: welt.de (02.01.2011).</li>



<li>Dieter Hoffmann: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/julikrise-a-948733.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der ersehnte Weltkrieg.</a> Julikrise 1914, auf: spiegel.de (13.04.2010). </li>



<li>Dieter Hoffmann: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/august-bebel-a-948052.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Weitersager.</a> August Bebel, auf: spiegel.de (16.12.2008).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article130127289/Italien-bereitet-den-Buendniswechsel-vor.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Italien bereitet den Bündniswechsel vor.</a> Der Weg in den Krieg, auf: welt.de (14.07.2014).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article124016327/Die-groesste-Fehlinvestition-der-Marinegeschichte.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die größte Fehlinvestition der Marinegeschichte.</a> Schlachtschiffe, auf: welt.de (20.01.2014).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article164726066/Die-schwerste-Niederlage-einer-europaeischen-Flotte.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die schwerste Niederlage einer europäischen Flotte.</a> &#8222;Nullter Weltkrieg&#8220;, auf: welt.de (19.05.2017).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article119611762/Nur-wer-die-See-beherrscht-wird-eine-Weltmacht.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nur wer die See beherrscht, wird eine Weltmacht.</a> Seekriege, auf: welt.de (02.09.2013).</li>



<li>Florian Stark: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article169237541/Dieses-Schlachtschiff-machte-ganze-Flotten-wertlos.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dieses Schlachtschiff machte ganze Flotten wertlos</a>. Technikgeschichte, auf: welt.de (02.10.2017).</li>
</ul>
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		<title>1871: Die Schlacht bei Dorking von Sir George Tomkyns Chesney</title>
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					<comments>https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/die-schlacht-bei-dorking-von-sir-george-tomkyns-chesney/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Sep 2021 16:39:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der andere Erste Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Romane und Filme]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was wäre, wenn Großbritannien 1871 erobert und das Empire zerschlagen worden wäre? In diesem Invasionsroman von Sir George Tomkyns Chesney aus dem gleichen Jahr passiert genau das. Ankerpunkt Die alte Großmacht Großbritannien Das 19. Jahrhundert galt als die Blütezeit des weltumspannenden &#8222;British Empire&#8220;. Zwar hatte Großbritannien bereits vorher Kolonien im heutigen Kanada und Indien sowie [&#8230;]</p>
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<p>Was wäre, wenn Großbritannien 1871 erobert und das Empire zerschlagen worden wäre? In diesem Invasionsroman von Sir George Tomkyns Chesney aus dem gleichen Jahr passiert genau das.</p>



<span id="more-3245"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#grossbritanien">Die alte Großmacht Großbritannien</a></li>



<li><a href="#deutschesreich">Die neue Großmacht Deutsches Reich</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#dorking">50 Jahre nach der Schlacht bei Dorking</a></li>



<li><a href="#invasion">Die Invasion von Großbritannien</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#invasionsroman">Der erste Invasionsroman</a></li>



<li><a href="#militarysciencefiction">Der erste Military Science-Fiction-Roman</a></li>



<li><a href="#ineigenersache">In eigener Sache: Vorsicht vor Rechtsextremen</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="grossbritanien">Die alte Großmacht Großbritannien</h3>



<p>Das 19. Jahrhundert galt als die Blütezeit des weltumspannenden &#8222;British Empire&#8220;.</p>



<p>Zwar hatte Großbritannien bereits vorher Kolonien im heutigen Kanada und Indien sowie in der Karibik unter seiner Kontrolle. </p>



<p>Doch seit dem Seesieg in der &#8222;Schlacht von Trafalgar&#8220; konnte das Land eine mehr oder minder unangefochtene Stellung als führende See- und Handelsmacht erringen.</p>



<p>So expandierten die Gebiete in Amerika und Indien. </p>



<p>Vor allem die <em>&#8222;Royal Navy&#8220;</em> entwickelte sich zu einem Instrument der Expansionspolitik in diesem nach der amtierenden Königin (siehe Bild) benannten &#8222;viktorianischen&#8220; Zeitalter.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="450" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Koenigin-Viktoria.jpg?resize=600%2C450&#038;ssl=1" alt="Foto einer Statue von Queen Viktoria" class="wp-image-3857" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Koenigin-Viktoria.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Koenigin-Viktoria.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(casinozack/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Bis 1871 beanspruchte Großbritannien nicht nur Australien und Neuseeland für sich, sondern gründete auch neue Kolonien, wie zum Beispiel Singapur, und erpresste koloniale Konzessionen in China und Afrika.</p>



<p>Vor allem Indien entwickelte sich zum <em>&#8222;Juwel der Krone&#8220;</em>, denn die größte Kolonie des Empire wurde systematisch wirtschaftlich zugunsten von Großbritannien ausgebeutet.</p>



<p>Entsprechend ist Großbritannien um diese Zeit nicht nur die führende Kolonial- und Seemacht, sondern auch die bedeutendste Wirtschaftsmacht der Welt.</p>



<p>So ist London Mitte des 19. Jahrhunderts die größte Stadt der Welt, Zentrum des internationalen Handels sowie einer der bedeutendsten Häfen und Industriestandorte der Erde.</p>



<p>Doch dieser herausragende Status von Großbritannien täuschte nicht darüber hinweg, dass diese Stellung immer durch andere Mächte herausgefordert und bedroht wurde.</p>



<p>Vor allem, als nach 1871 zu den &#8222;alten&#8220; Rivalen Frankreich und Russland das neu gegründete Deutsche Reich kam.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="deutschesreich">Die neue Großmacht Deutsches Reich</h3>



<p>Als 1871 in Versailles das Deutsche Reich (siehe Bild) gegründet wurde, war dies mehr als eine Neugliederung Deutschlands.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="554" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Deutsches-Reich-ziegelbrenner.png?resize=600%2C554&#038;ssl=1" alt="Karte des Deutschen Reiches von 1871 bis 1918." class="wp-image-708" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Deutsches-Reich-ziegelbrenner.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/05/Deutsches-Reich-ziegelbrenner.png?resize=300%2C277&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Deutsches_Reich_(1871-1918)-de.svg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ziegelbrenner/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Anstelle des Deutschen Bundes, der eine Pufferfunktion für das europäische Machtgleichgewicht wahrnahm, trat eine neue Großmacht.</p>



<p>Der Aufstieg des Königreichs Preußen von der schwächsten Großmacht zur größten Kontinentalmacht sorgte aber auch aus anderen Gründen für Unruhe.</p>



<p>Denn die Vereinigung Deutschlands war keineswegs friedlich vonstattengegangen. </p>



<p>So führte Preußen 1866 nicht nur einen Bürgerkrieg gegen das Kaiserreich Österreich und dessen Verbündete im Deutschen Bund.</p>



<p>Nach dem Sieg bei Königgrätz annektierte es auch mehrere deutsche Staaten wie Hannover oder Frankfurt.</p>



<p>Im neuen Norddeutschen Bund, der die Vorlage für das Deutsche Reich war, waren die meisten deutschen Staaten außer Österreich mit Preußen vereinigt.</p>



<p>Hessen, Baden, Württemberg und Bayern waren mit ihm durch Bündnisverträge verbunden.</p>



<p>Geradezu ein Schock für die Welt war der anschließende Sieg der Deutschen im deutsch-französischen Krieg 1870/71.</p>



<p>Das französische Kaiserreich, das als führende Militärmacht des Kontinents galt, scheiterte nicht nur in mehreren Grenzschlachten mit seinen Angriffsplänen an den besser vorbereiteten Deutschen.</p>



<p>Als nach der Schlacht von Sedan eine komplette französische Armee mitsamt Kaiser Napoléon III. kapitulierte, brach das Kaiserreich sogar zusammen.</p>



<p>Die daraufhin entstandene französische Republik kapitulierte erst nach mehreren Niederlagen.</p>



<p>Durch diesen Sieg hatte das Deutsche Reich seine militärische Macht bewiesen.</p>



<p>Daher fühlen sich alle Großmächte Europas, darunter Großbritannien, herausgefordert.</p>



<p>Tatsächlich entwickelte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/kaisertag-oliver-henkel/">das Kaiserreich</a> nicht nur eine erfahrende, gut ausgestattete Armee.</p>



<p>Sondern auch eine dynamische Wirtschaft und Wissenschaftslandschaft sowie vergleichsweise sehr gut ausgebaute Infrastrukturen und Sozialversicherungssysteme.</p>



<p>Reichskanzler Otto von Bismarck gelang es allerdings bis zu seiner Entlassung 1890, die Befürchtungen vor einer darauf basierenden deutschen Dominanz in Europa und der Welt zu zerstreuen.</p>



<p>Erst die provokative &#8222;Weltpolitik&#8220; des Kaisers Wilhelm II. führte zu Bündnissen gegen das Deutsche Reich und in den <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/erster-weltkrieg/">Ersten Weltkrieg</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="dorking">50 Jahre nach der Schlacht bei Dorking</h3>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>&#8222;Wir Engländer sollten wachen und schaffen. – Ermüden wir jetzt und träumen selbstzufrieden dahin, so werden wir eines Tages unsanft geweckt werden mit der Tatsache, daß unsere Zeit dahin ist, und daß in dem Wettstreit europäischer Großmächte Deutschland die erste ist und der Rest – nirgends.&#8220;</p>
<cite>Macm. Mag. July 1878, 221</cite></blockquote>



<p>In <em>&#8222;Die Schlacht bei Dorking&#8220;</em> erzählt ein Engländer 50 Jahre nach den Ereignissen vom Untergang des britischen Empire nach einem verlorenen Krieg.</p>



<p>Der ungenannte Protagonist beginn zuerst mit einer kurzen Zustandsbeschreibung der <em>&#8222;alten guten Zeit&#8220;</em> seiner Jugend.</p>



<p>In dieser beherrschte Großbritannien aus seiner Sicht mit seinen Kolonien und seiner Flotte den weltweiten Freihandel. </p>



<p>Dies sorgte für wachsenden Wohlstand in einer wachsenden Bevölkerung.</p>



<p>Doch der Status als <em>&#8222;Werkbank der Welt&#8220;</em> täuschte über die Abhängigkeit vom Welthandel hinweg.</p>



<p>Der Erzähler kritisiert, dass das Land damals keine Vorkehrungen gegen einen nicht genannten, aber leicht als das Deutsche Reich erkennbaren Gegner unternommen hatte.</p>



<p>So hing die Sicherheit Großbritanniens nur an wenigen Kriegsschiffen wie der 1860 gebauten <em>&#8222;HMS Warrior&#8220;</em> (siehe Bild aus der heutigen Zeit).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/HMS-Warrior.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto des alten Kriegsschiffes HMS Warrior" class="wp-image-3859" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/HMS-Warrior.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/HMS-Warrior.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(colin13362/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dieser hatte 1870/71 Frankreich, die führende Militärmacht des Kontinents, vernichtend geschlagen ohne das Großbritannien davon eine Gefahr für die Insel ableitete.</p>



<p>Stattdessen scheiterte eine notwendige Militärreform an der Schwäche der Regierung und deren Abhängigkeit vom Parlament. </p>



<p>Im Vertrauen auf die Stärke der <em>&#8222;Royal Navy</em>&#8220; und das geografische Hindernis des Kanals, zog die Regierung sogar noch Truppen nach Indien, Kanada und Irland ab.</p>



<p>Als auch die Flotte immer mehr zum Schutz der Kolonien verteilt wurde, eskalierte die Lage schließlich.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="invasion">Die Invasion von Großbritannien</h3>



<p>Als das Deutsche Reich Dänemark und die Niederlande annektierte, erklärte Großbritannien den Krieg.</p>



<p>Dieser entwickelte sich zum <em>&#8222;Krieg von Überraschungen&#8220;</em>, denn das Deutsche Reich erwies sich als deutlich besser vorbereitet.</p>



<p>So kappte es alle Kommunikationsverbindungen zwischen Großbritannien und Nordeuropa. </p>



<p>Die überraschte <em>&#8222;Royal Navy&#8220;</em> erfuhr daher zu spät <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/1916-skagerrakschlacht/">von einer Flotte</a>, die sich für eine Invasion der Inseln sammelte.</p>



<p>Als sich die britische Flotte zum Angriff in der Nordsee formierte, lief sie in eine Falle und wurde fast komplett vernichtet.</p>



<p>Zwar stellte sich Großbritannien mit seiner verbliebenen Armee und Freiwilligenverbänden der Invasion entgegenzustellen. </p>



<p>Doch die hastig zusammengestellten Milizen waren untrainiert und kaum für Gefechte ausgerüstet.</p>



<p>Daher erwies sich die chaotisch organisierte, unter Nachschubproblemen leidende Verteidigung der Invasion nicht gewachsen.</p>



<p>Die entscheidende, blutige &#8222;Schlacht bei Dorking&#8220;, 40 Kilometer südlich von London in Surry (siehe Bild aus der heutigen Zeit), endete daher in einer vernichtenden Niederlage der Verteidiger.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="223" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Dorking-in-Surry.jpg?resize=600%2C223&#038;ssl=1" alt="Foto der Landschaft von Dorking" class="wp-image-3858" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Dorking-in-Surry.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Dorking-in-Surry.jpg?resize=300%2C112&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(TomCarpenter/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Da der Feind gleichzeitig das einzige Arsenal des Landes in Woolwich einnahm, war der Krieg verloren.</p>



<p>Der Protagonist, schwer verwundet, versuchte daraufhin nach Hause zu fliehen.</p>



<p>Nachdem auch London gefallen war, kapitulierte Großbritannien endgültig.</p>



<p>Danach musste es nicht nur hohe Reparationen zahlen, sondern auch seine Flotte sowie Kolonien abgeben und Besatzungstruppen im Land dulden.</p>



<p>50 Jahre nach Kriegsende ist Großbritannien immer noch verarmt, während das Deutsche Reiche die Stelle des einstigen Empires eingenommen hat.</p>



<p>Am Ende schließt der Erzähler mit einem deprimierenden Fazit und einem fiktiven Ratschlag in die Vergangenheit.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Wir hätten ebenso stark als Landmacht sein müssen, wie wir es als Seemacht waren, oder hätten andernfalls uns mit der stärksten Landmacht, der wir eben den Krieg erklärt hatten, zu Schutz und Trutz verbinden und mit ihr gemeinsam unsere Interessen in der Welt vertreten sollen. </p>
<cite>Sir George Tomkys Chesney: Die Schlacht bei Dorking</cite></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="invasionsroman">Der erste Invasionsroman</h3>



<p>Mit <em>&#8222;Die Schlacht bei Dorking&#8220;</em> begründete Sir George Tomkyns Chesney gleich zwei Genres.</p>



<p>Zuerst begründete er das kurzlebige Genre der Invasionsliteratur, die sozusagen ein Untergebiet der Military Science-Fiction ist.</p>



<p>Diese Literatur hatte bis zum Ersten und kurzzeitig bis zum <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">Zweiten Weltkrieg</a> eine – meistens deutsche – Invasion der Britischen Inseln zum Thema. In mehreren davon war die relativ flache Küste bei Harwich (siehe Bild aus der hetigen Zeit) der Handlungsschauplatz.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="397" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Kueste-von-Harwich.jpg?resize=600%2C397&#038;ssl=1" alt="Foto der Küste bei Harwich" class="wp-image-3860" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Kueste-von-Harwich.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Kueste-von-Harwich.jpg?resize=300%2C199&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Henk Colijn/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Auch <em>&#8222;Die Schlacht bei Dorking&#8220;</em> ist ein solches fiktives Werk, das aber hintergründig Politik macht.</p>



<p>Denn Sir George Tomkyns Chesney wollte damit auf die drohende Gefahr durch das neu gegründete Deutsche Reich aufmerksam machen.</p>



<p>Denn im Roman ist der eigentlich namenlose Feind dennoch klar, denn die Soldaten sprechen auch im englischen Original deutsch. </p>



<p>Er propagierte daher eine Stärkung der Heimatverteidigung, wie sein wenig subtiler letzter Absatz zeigt.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="militarysciencefiction">Der erste Military Science-Fiction-Roman</h3>



<p>Da sich <em>&#8222;Die Schlacht bei Dorking&#8220;</em> (siehe Nachdruck der deutschen AUsgabe von 1879) vor allem auf das Militär und Schlachten in der damaligen Zukunft konzentrierte, gilt der Roman als eines der ersten Werke der Military Science-Fiction.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="887" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/09/Nachdruck-Dorking.jpg?resize=600%2C887&#038;ssl=1" alt="Foto des Nachdrucks der ersten Deutschen Ausgabe von &quot;Die Schlacht bei Dorking&quot;" class="wp-image-3924" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/09/Nachdruck-Dorking.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/09/Nachdruck-Dorking.jpg?resize=203%2C300&amp;ssl=1 203w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>So beschreibt der Autor die militärischen Vorgänge sowie Orte sehr detailliert.</p>



<p>Man merkt der Handlung die Erfahrung aus seiner eigenen jahrzehntelangen Militärzeit an.</p>



<p>Wie viele Science-Fiction Autoren verlängert Sir George Tomkyns Chesney allerdings <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/1906-der-zusammenbruch-der-alten-welt-ferdinand-grauthoff/">die eigenen Erfahrungen</a> aus der Gegenwart in die Zukunft.</p>



<p>So bleibt er nah am deutsch-französischen Krieg.</p>



<p>Zu Beginn stehen sich wieder auf der einen Seite die bestens vorbereiteten deutschen Angreifer und auf der anderen Seite die überforderten Verteidiger gegenüber.</p>



<p>Die namensgebende Schlacht bei Dorking läuft dann ähnlich wie die Grenzschlachten im deutsch-französischen Krieg. </p>



<p>Denn die deutschen Angreifer können einfach so lange angreifen bis sie Erfolg haben, da die Verteidigung zu chaotisch läuft, um fehlgeschlagene, deutsche Angriffe auszunutzen.</p>



<p>Allerdings übertreibt es Sir George Tomkyns Chesney aus meiner Sicht mit seiner politischen Botschaft.</p>



<p>Dass er mit der Friedensarmee nicht zufrieden ist, zeigt er durch die Darstellung der britischen Generäle als unfähig, alt und mit Orden aus alten Schlachten behangen.</p>



<p>Sein Sarkasmus zeigt sich auch in Kleinigkeiten.</p>



<p>Zum Beispiel heißt eine Fregatte, die ahnungslos in die feindliche Flotte segelt und sofort geentert wird, <em>&#8222;Inconstant&#8220;</em> (Unbeständig).</p>



<p>Insgesamt ist die Handlung trotz einiger Spannung übertrieben in eine Richtung laufend.</p>



<p>So bleibt der Feind lange unsichtbar und somit automatisch un(an)greifbar.</p>



<p>Auch schießt die englische Artillerie stundenlang ohne zu treffen, während Feuer der Angreifer sofort zu hohen Verlusten führt. </p>



<h3 class="wp-block-heading" id="ineigenersache">In eigener Sache: Vorsicht vor Rechtsextremen</h3>



<p>Noch ein wichtiger Hinweis in eigener Sache.</p>



<p>Die Ausgabe von <em>&#8222;Die Schlacht bei Dorking&#8220;</em> aus dem Jahr 2011 zeigt indirekt auch <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">eine Gefahr der deutschen Alternative History</a>. </p>



<p>Wie ich erst bei den Recherchen für diese Rezension herausfand, ist der damalige Verlag auch für rechte Auslegungen des Genres offen. </p>



<p>So beschreibt das Nachwort durchaus gut die Geschichte der deutschen Alternative History Romane und der Interpretationsgeschichte von <em>&#8222;Die Schlacht bei Dorking&#8220;</em>.</p>



<p>Dann findet der Rezensent aber auch warme Worte für deutsche Romane aus dem Genre, die offen in die nationalsozialistische Ecke gehen.</p>



<p>Da die Grenze zwischen <em>&#8222;Die Schlacht bei Dorking&#8220;</em> und Empfehlungen für nationalsozialistisch angehauchte Literatur in der Ausgabe von 2011 offen ist, verzichte ich daher auf eine Nennung dieser Auflage im Quellen- und Literaturverzeichnis.</p>



<p><em>&#8222;Die Schlacht bei Dorking&#8220;</em> empfehle ich aber dennoch in einer anderen Auflage gerne weiter.</p>



<p>Denn Sir George Tomkyns Chesney begründete mit dem spannend geschriebenen Roman nicht zu Unrecht gleich zwei literarische Genres.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Sir George Tomkyns Chesney: Die Schlacht bei Dorking. 1871.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Die+Schlacht+bei+Dorking&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1061034787" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>GEO Epoche: Das britische Empire. 1815-1914. November 2015.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Die+Schlacht+bei+Dorking&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1034796279" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>GEO Epoche: Deutschland um 1900. Von Bismarck bis Wilhelm II.: Aufstieg und Fall des Kaiserreichs. März 2004.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Die+Schlacht+bei+Dorking&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1000594503" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article219217862/Krieg-1870-71-Jeder-auf-der-Strasse-konnte-nun-Opfer-werden.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Jeder auf der Straße konnte nun ein Opfer des Krieges werden“.</a> Wendepunkt 1870/71, auf: welt.de (03.11.2020).</li>



<li>Dennis Kluge: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article160307561/Die-Einigungskriege-1864-1871.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Einigungskriege 1864-1871.</a> Einig Vaterland, auf: welt.de (17.05.2011).</li>



<li>Emanuell Möbius: <a href="https://www.spiegel.de/kultur/literatur/nazi-science-fiction-wacker-an-die-stahlfront-a-628488.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wacker an die &#8222;Stahlfront&#8220;.</a> Nazi-Science-Fiction, auf: spiegel.de (12.06.2009).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article209858329/1870-71-Preussens-Truempfe-im-Krieg-gegen-Frankreich.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Preußens Trümpfe im Krieg gegen Frankreich.</a> Deutsch-Französischer Krieg, auf: welt.de (19.06.2020).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article172647940/Erster-Opiumkrieg-Als-England-weltgroesster-Drogendealer-wurde.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">So stieg England zum weltgrößten Drogendealer auf.</a> Erster Opiumkrieg, auf: welt.de (20.01.2018).</li>



<li>DER SPIEGEL Geschichte: Das britische Empire. 1600-1947: Als England die Welt regierte. Januar 2013.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Die+Schlacht+bei+Dorking&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1059829417" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>DER SPIEGEL Geschichte. Das deutsche Kaiserreich. 1871 bis 1914: Der Weg in die Moderne. Mai 2013.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Die+Schlacht+bei+Dorking&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1059829443" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>ZEIT Geschichte: Das Deutsche Kaiserreich. Fortschritt und Größenwahn: Die Kaiserzeit 1871-1918. November 2010.</li>
</ul>
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		<title>1919: Das Luxemburg-Komplott von Christian v. Ditfurth</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Mar 2021 17:44:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der andere Erste Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Romane und Filme]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der gewaltsame Tod von Rosa Luxemburg spaltete die deutsche Linke 1919 endgültig – sogar bis heute. Doch was wäre gewesen, wenn sie den Mordversuch überlebt hätte? Ankerpunkt Die Lage 1918/1919 Zu Beginn des Jahres 1919 waren das Deutsche Reich und vor allem Berlin in Aufruhr: In Folge des verlorenen Ersten Weltkriegs und der vom Kieler [&#8230;]</p>
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<p>Der gewaltsame Tod von Rosa Luxemburg spaltete die deutsche Linke 1919 endgültig – sogar bis heute. Doch was wäre gewesen, wenn sie den Mordversuch überlebt hätte?</p>



<span id="more-2541"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#1918">Die Lage 1918/1919</a></li>



<li><a href="#morde">Der Mord an Luxemburg und Liebknecht</a></li>



<li><a href="#ikone">Die Ikone Rosa Luxemburg</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#erfolgreich">Die erfolgreiche Revolution</a></li>



<li><a href="#gefaehrdet">Die gefährdete Revolution</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ditfurth">Die Stärke des Christian von Ditfurth</a></li>



<li><a href="#dilemmata">Die radikale Linke und ihre Dilemmata</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="1918">Die Lage 1918/1919</h3>



<p>Zu Beginn des Jahres 1919 waren das Deutsche Reich und vor allem Berlin in Aufruhr: In Folge des <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/erster-weltkrieg/">verlorenen Ersten Weltkriegs</a> und der vom Kieler Matrosenaufstand ausgehenden Revolution war das alte Kaiserreich zusammengebrochen. </p>



<p>Die neuen Regierenden im <em>&#8222;Rat der Volksbeauftragten&#8220;</em> standen vor beinahe unlösbaren Aufgaben: Das besiegte Heer (siehe Bild) musste demobilisiert und die Wirtschaft von Krieg auf Frieden umgestellt werden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="445" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Kaiseroffensive.jpg?resize=600%2C445&#038;ssl=1" alt="Verwundete deutsche Gefangene, die britischen Soldaten medizinisch versorgt werden, circa September 1918." class="wp-image-444" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Kaiseroffensive.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Kaiseroffensive.jpg?resize=300%2C223&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Zudem galt es, die Friedensverhandlungen mit den Alliierten rasch abzuschließen. Denn die Blockade der Handelswege seit Kriegsbeginn vor vier Jahren löste eine immer stärker werdende Hungersnot in der Bevölkerung aus.</p>



<p>Angesichts dieser Probleme ging fast unter, dass die <em>&#8222;Spanische Grippe&#8220;</em> als größte Epidemie des 20. Jahrhunderts auch im Land grassierte.</p>



<p>Zuletzt musste die provisorische Reichsregierung <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/kaisertag-oliver-henkel/">aus dem alten Kaiserreich</a> einen neuen Staat aufbauen.</p>



<p>Vor allem um diese Frage kam es zu Konflikten, die um die Jahreswende 1918/1919 eskalierten. </p>



<p>Denn die politische Linke als Trägerin der Revolution war gespalten: Parallel zum <em>&#8222;Rat der Volksbeauftragten&#8220;</em> existierten Arbeiter- und Soldatenräte, die ihren Einfluss behaupten wollten.</p>



<p>Auch der Rat war gespalten, denn die Vorkriegs-SPD als Sammelbecken der politischen Linken hatte sich ab 1914 in der Frage der Kriegskredite gespalten. </p>



<p>Während die <em>&#8222;Mehrheitssozialdemokratische Partei (MSPD)&#8220;</em> immer staatstragender auftrat, gab es die radikaleren Linken bei der <em>&#8222;Unabhängigen sozialdemokratischen Partei (USPD)&#8220;.</em> </p>



<p>Von letzterer spaltete sich die <em>&#8222;Spartakus-Gruppe&#8220;</em> ab, aus der später die <em>&#8222;Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)&#8220;</em> entstand.</p>



<p>Dieser Konflikt verschärfte sich vor allem durch die Tatsache, dass es im Reich kein Gewaltmonopol des Staates gab. </p>



<p>Stattdessen kursierten wildeste Gerüchte über politische Gegner und Gewaltaufrufe bis zum Mord. Immer wieder kam es daher zu Panikreaktionen der verschiedenen Gruppen und Schießereien mit Toten.</p>



<p>Da die provisorische Regierung über keine eigenen Truppen verfügte, stützte sie sich immer mehr auf die verbliebenen Einheiten der Reichswehr, die sich nach und nach zu rechtsradikalen Freikorps entwickelten. </p>



<p>Diese bestanden aus Soldaten, die von vier Jahren Weltkrieg enthemmt und ans Töten gewöhnt waren.</p>



<p>Diese Verhältnisse wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht im Januar 1919 zum Verhängnis.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="morde">Der Mord an Luxemburg und Liebknecht</h3>



<p>Ab dem 5. Januar versuchte die <em>&#8222;Spartakus-Gruppe&#8220;</em> um die populären Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die angesetzten Wahlen zur Nationalversammlung zu verhindern und stattdessen eine <em>&#8222;Räterepublik&#8220; </em>sowie die <em>„Diktatur des Proletariats“</em> zu errichten.</p>



<p>Als der Aufstand in Berlin nach nicht einmal einer Woche blutig scheiterte, tauchten beide unter. </p>



<p>Denn sie galten vor allem den rechten Freikorps, die die versuchte Revolution niedergeschlagen hatten, als zu vernichtende Feinde.</p>



<p>Als eine selbsternannte Bürgerwehr beide in ihrem Versteck aufspürte und in das Hauptquartier der konterrevolutionären <em>&#8222;Garde-Kavallerie-Schützen-Division&#8220;</em> brachte, war de facto ihr Leben verwirkt.</p>



<p>Soldaten des Freikorps misshandelten Luxemburg und Liebknecht, ermordeten beide am 15. Januar 1919 und versuchten danach zuerst, ihr Verhalten zu vertuschen.</p>



<p>Als der Mord allerdings öffentlich wurde, spaltete er vor allem die politische Linke in der entstehenden <em>&#8222;Weimarer Republik&#8220;</em>. </p>



<p>Umstritten war besonders die Rolle von Friedrich Ebert (siehe Bild) als Vorsitzender des <em>&#8222;Rats der Volksbeauftragten&#8220;</em> sowie des dort für Militär und Sicherheit zuständigen Gustav Noske.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="910" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Friedrich-Ebert.jpg?resize=600%2C910&#038;ssl=1" alt="Foto des Reichspräsidenten Friedrich Ebert" class="wp-image-2607" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Friedrich-Ebert.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Friedrich-Ebert.jpg?resize=198%2C300&amp;ssl=1 198w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Beide Sozialdemokraten trugen als Teil der provisorischen Reichsregierung formal die Verantwortung für das Militär. </p>



<p>Faktisch agierten die antisozialistischen Freikorps relativ autonom und hassten auch die provisorische MSPD-Regierung.</p>



<p>Dennoch warf seitdem die radikale Linke den Sozialdemokraten vor, die Morde nicht nur gutgeheißen, sondern sogar beauftragt zu haben. </p>



<p>Der Hauptzeuge Hauptmann Waldemar Pabst von der <em>&#8222;Garde-Kavallerie-Schützen-Division&#8220;</em> behauptete Jahre später sogar, er hätte die Ermordung mit Gustav Noske abgesprochen.</p>



<p>Symbolisch stand die Ermordung für den angeblichen Verrat der MSPD an Revolution und Arbeitern.</p>



<p>Die SPD konterte mit der Anklage, Luxemburg und Liebknecht hätten eine gewaltsame kommunistische Diktatur wie in der UdSSR angestrebt.</p>



<p>Da die Morde nie juristisch aufgeklärt wurden – der offizielle Prozess im Mai 1919 erwies sich als Justizskandal –, blieb diese Kontroverse ungeklärt. </p>



<p>Das Schicksal anderer Beteiligter des Aufstandes war unterschiedlich: Leo Jogiches als Nachfolger im KPD-Vorsitz wurde im März 1919 ermordet. Andere wie Paul Levi und George Ledebour wurden &#8222;nur&#8220; vor Gericht gestellt.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="ikone">Die Ikone Rosa Luxemburg</h3>



<p>In der <em>&#8222;Weimarer Republik&#8220; </em>wurde vor allem Rosa Luxemburg zu einer Märtyrerin der KPD, der bis heute an ihrem Todestag mit einem Umzug in Berlin gedacht wird. </p>



<p>Schon als Mitglied der SPD vor 1914 galt die promovierte Nationalökonomin als glänzende Rhetorikerin, begabte Theoretikerin und daher als eine der prominentesten Sozialdemokratinnen.</p>



<p><a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/">In der DDR</a> war das Verhältnis zu ihr dagegen zwiespältig. Zwar verehrte das Regime sie weiter als antifaschistische Ikone.</p>



<p>Allerdings machte sie vor allem ihr bekanntestes Zitat, <em>&#8222;Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden&#8220;</em> zu einem Vorbild für die DDR-Opposition und in Westdeutschland für die 68er-Generation.</p>



<p>Einer breiten Öffentlichkeit war aber unklar, in welchem Zusammenhang Luxemburg den Ausspruch meinte. </p>



<p>Schriftlich belegbar existierte er nur als Randbemerkungen in einem ihrer Texte, der erst nach ihrem Tod veröffentlicht wurde.</p>



<p>Am plausibelsten gilt, dass <em>&#8222;die Freiheit des Andersdenkenden&#8220;</em> nur <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/plan-d-simon-urban/">für Anhänger der Revolution</a> zu gelten hatte und nicht für <em>&#8222;Konterrevolutionäre&#8220;</em> und <em>&#8222;Arbeiterverräter&#8220;</em>.</p>



<p>Dennoch setzte sich damit <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/das-moskau-spiel-christian-von-ditfurth/">vom russischen Bolschewismus</a> ab, denn sie verurteilte so die Meinungsdiktatur einer einzigen Partei innerhalb der Revolution.</p>



<p>Dennoch galt der Lebensweg der gebürtigen Polin und Jüdin sowohl als faszinierend als auch durch ihre Ermordung als tragisch.</p>



<p>Die nach wie vor bestehende Verehrung für Rosa Luxemburg zeigt zum Beispiel eine Statue von ihr in Berlin (siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="683" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Statue-Rosa-Luxemburg.jpg?resize=600%2C683&#038;ssl=1" alt="Foto einer Statue Rosa Luxemburgs" class="wp-image-2608" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Statue-Rosa-Luxemburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Statue-Rosa-Luxemburg.jpg?resize=264%2C300&amp;ssl=1 264w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(ArTono/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Da die Morde bisher nie komplett aufgeklärt werden konnten, belasten die damaligen Ereignisse nach wie vor die politische Linke in Deutschland. </p>



<p>So gab es zum 100. Jahrestag 2019 erneut Forderungen von linken Intellektuellen, die SPD solle die Verantwortung für die Morde übernehmen. Dies wies die SPD zurück.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="erfolgreich">Die erfolgreiche Revolution</h3>



<p>In <em>&#8222;Das Luxemburg-Komplott&#8220;</em> werden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht dagegen am 15. Januar 1919 nicht getötet, sondern von unbekannten <em>&#8222;Revolutionären Obleuten&#8220;</em> befreit.</p>



<p>Als Reaktion schicken <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/ich-werde-hier-sein-im-sonnenschein-und-im-schatten-christian-kracht/">Lenin</a> und der Tscheka-Chef Felix Dserschinski den ehemaligen deutschen Soldaten und Tscheka-Angehörigen Sebastian Zacharias nach Berlin (siehe Bild von 1932).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="453" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Berlin-1932.jpg?resize=600%2C453&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Foto des Brandenburger Tors im Jahr 1932" class="wp-image-2510" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Berlin-1932.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Berlin-1932.jpg?resize=300%2C227&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dieser plagt sich noch mit seinen Traumata aus der Tscheka-Zeit, in der er echte und vermeintliche Feinde der sozialistischen Revolution umbrachte. </p>



<p>Er rechtfertigt dies vor sich selbst mit dem Argument, dass die bolschewistische Revolution in Russland sonst gescheitert wäre.</p>



<p>Zurück in Berlin erlebt Zacharias, wie sehr sich seine Erinnerungen aus der Vorkriegszeit von den aktuellen Verhältnissen unterscheiden. Denn die Metropole und seine Familie sind von Tod, Hunger, Elend und Gewalt geprägt.</p>



<p>Gleich bei seinem ersten Kontaktversuch mit den Anhängern von Rosa Luxemburg wird er von der Polizei verhaftet und kann sich nur durch seine Erfahrung mit konspirativen Methoden retten.</p>



<p>Ein zweiter Versuch ist zwar erfolgreich, aber die Linken um Rosa Luxemburg erweisen sich als zerstritten und sind ständig von den Freikorps bedroht. </p>



<p>Erst als Zacharias eine erneute Verhaftung verhindert, gelingt es ihm, das Vertrauen der Genossen im Untergrund zu gewinnen.</p>



<p>Die Wende bringen jedoch ein Generalstreik und der erneute Aufstand der Arbeiter in Berlin im März 1919. </p>



<p>Vor allem als Rosa Luxemburg und Zacharias vom geheimen Abkommen zwischen Friedrich Ebert und dem Oberbefehlshaber der Reichswehr Wilhelm Groener zur Niederschlagung des Aufstandes erfahren, stellen sich die Arbeiter an ihre Seite.</p>



<p>Dies führt zu einer erfolgreichen Revolution in Berlin. Am 8. März 1919 konstituiert sich im Reichstag eine provisorische Revolutionsregierung.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="gefaehrdet">Die gefährdete Revolution</h3>



<p>Doch damit beginnen neue Probleme.</p>



<p>Die Macht der Revolutionsregierung ist auf wenige Großstädte beschränkt, während außerhalb Freikorps zum Gegenschlag ansetzen. </p>



<p>Intern eskalieren die Konflikte zwischen Anhängern der russischen Bolschewiken, die Gewalt gegen echte und vermeintliche Feinde predigen, und den restlichen Sozialisten.</p>



<p>In dieser Situation ist Zacharias ständig im Zwiespalt zwischen seinem Auftrag, Rosa Luxemburg zu beschützen und andererseits für Lenin (siehe Bild) in Moskau zu arbeiten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="461" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?resize=600%2C461&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Foto von Lenin an seinem Schreibtisch" class="wp-image-4808" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?resize=300%2C231&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dieser Gegensatz verschärft sich schnell, als es zu einem ersten Anschlag auf Rosa Luxemburg kommt und Zacharias den Mord aufklären soll. </p>



<p>Gleichzeitig bedeuten ihm seine Auftraggeber, dass sie Rosa Luxemburg immer mehr als ein Hindernis auf dem Weg zur bolschewistischen Revolution in Deutschland betrachten.</p>



<p>Je tiefer Zacharias in die immer chaotischere Revolution und die Ermittlungen gerät, desto mehr muss er um das Leben von Rosa Luxemburg fürchten – und um sein eigenes.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="ditfurth">Die Stärke des Christian von Ditfurth</h3>



<p>In <em>&#8222;Das Luxemburg-Komplott&#8220; </em>zeigt sich einmal mehr die Stärke des Autors Christian von Ditfurth. </p>



<p>Wie bei den Hauptcharakteren in <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-consul-christian-von-ditfurth/"><em>&#8222;Der Consul&#8220;</em> </a>und <em><a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-21-juli-christian-von-ditfurth/">&#8222;Der 21. Juli&#8220;</a></em> ist Sebastian Zacharias ein mehrfach gebrochener Charakter. </p>



<p>Einerseits sieht sich Zacharias als jemanden, der noch immer in der eigenen Vergangenheit, teilweise vor dem Ersten Weltkrieg, teilweise in seiner Tscheka-Zeit lebt. Beides traumatisiert und verfolgt ihn nachvollziehbar.</p>



<p>Andererseits steht Zacharias stellvertretend für die Zerrissenheit der alten Sozialdemokratie, deren Gewissheiten 1918/1919 zerstört waren. Und deren Trauer über die verlorenen Wahrheiten teilweise in Hass umschlägt, auch wenn das Gewissen nie schweigt. </p>



<p>Neben dem interessanten Hauptcharakter stellt <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">die Dichte der Alternativwelt</a> erneut ein Plus von <em>&#8222;Das Luxemburg-Komplott&#8220;</em> dar. Als Leser taucht man sofort in das revolutionäre Berlin des Jahres 1919 ein.</p>



<p>Ein mehrseitiges Personenregister am Ende des Romans erleichtert dieses Mal die Orientierung und zeigt einmal mehr, wie gut es Christian von Ditfurth versteht, &#8222;reale&#8220; Persönlichkeiten in seine Romane einzubauen.</p>



<p>Damit zeigt sich, wie gebrochen manche Lebensläufe auch in der &#8222;realen&#8220; Geschichte waren. </p>



<p>Als Beispiel dient Ernst Reuter unter seinem Tarnnamen Friesland, der sich vom radikalen KPD-Mitglied 1919 zum antikommunistischen Oberbürgermeister von Westberlin während der <em>&#8222;Berliner Blockade&#8220;</em> der Sowjetunion 1948 wandelte.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="dilemmata">Die radikale Linke und ihre Dilemmata</h3>



<p>Mit den Charakteren und vor allem dem Hauptcharakter Zacharias stellt Christian von Ditfurth in <em>&#8222;Das Luxemburg-Komplott&#8220; </em>auch das ewige Dilemma der politischen und radikalen Linken dar.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="867" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Cover-Luxemburg-Komplott.jpg?resize=600%2C867&#038;ssl=1" alt="Buchcover &quot;Das Luxemburg-Komplott&quot;, geschrieben durch Christian von Ditfurth" class="wp-image-2606" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Cover-Luxemburg-Komplott.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Cover-Luxemburg-Komplott.jpg?resize=208%2C300&amp;ssl=1 208w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Dies betrifft das harte Ringen um die Begriffe &#8222;Demokratie&#8220; und &#8222;Revolution&#8220;. </p>



<p>Denn selbst innerhalb der revolutionären Linken des Jahres 1919 legt jede Gruppierung beides anders aus. </p>



<p>Und keine Gruppe versteht, dass die anderen Sozialisten nur anderen Auslegungen folgen. Stattdessen gelten Abweichler schnell als generelle Feinde der Revolution.</p>



<p>Ein Manko sowohl aus wissenschaftlich-historischer Sicht als auch für die Erzählung ist die auch im Roman bestehende Heiligenverehrung von Rosa Luxemburg. </p>



<p>Die Rosa Luxemburg, die im &#8222;realen&#8220; 1919 noch zur gewaltsamen Revolution aufrief, agiert hier einseitig nach ihrem bekanntesten Zitat. </p>



<p>Als einziger Charakter wirkt sie von Anfang bis Ende gut. Als einziges Manko beschreibt Christian von Ditfurth ihren naiven Glauben an das Gute im Sozialismus.</p>



<p>Der Ankerpunkt selbst wird am Anfang nur angedeutet und erst am Ende aufgelöst. Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Verschwörung der Reichswehr allerdings unrealistisch. </p>



<p>Der Hintergrund ist aber klug gewählt, da die Verschwörung nur funktioniert, weil die radikale Linke die gestellte Falle sofort glauben will.</p>



<p>Mein Fazit: Ein sehr lesenswerter Roman über einen alternativen Verlauf der Revolution von 1918/1919. Und über die Tatsache, dass auch die radikale Linke in der Geschichte und Politik Ikonen braucht – und wenn es nur theoretische oder in diesem Falle alternativgeschichtliche sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Christian von Ditfurth: Das Luxemburg-Komplott. München 2005.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Das+Luxemburg-Komplott&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1033434608" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Johann Althaus: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article170868845/Die-roheste-Form-kommunistischer-Staatlichkeit.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Die roheste Form kommunistischer Staatlichkeit“. </a>Lenins Tscheka, auf: welt.de (27.11.2017).</li>



<li>Christian Habbe: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/luxemburg-und-liebknecht-a-948107.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dauerfehde um einen Doppelmord.</a> Luxemburg und Liebknecht, spiegel.de (09.01.2009).</li>



<li>Lars-Broder Keil, Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article190001731/Maerzkaempfe-1919-Bestien-in-Menschengestalt-tobten-wie-Amoklaeufer-in-Berlin.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Bestien in Menschengestalt“ tobten wie Amokläufer.</a> Noske und die Märzkämpfe 1919, auf: welt.de (13.07.2020).</li>



<li>Lars-Broder Keil, Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article187009906/Maertyrer-der-KPD-So-starben-Karl-Liebknecht-und-Rosa-Luxemburg.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">So starben Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg.</a> Märtyrer der KPD, auf: welt.de (14.01.2019).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article223735374/Rosa-Luxemburg-Sie-wollte-den-Buergerkrieg.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sie wollte den Bürgerkrieg in Deutschland – um jeden Preis.</a> Rosa Luxemburg, auf: welt.de (05.01.2021).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article187670614/Rosa-Luxemburg-Was-Freiheit-der-Andersdenkenden-wirklich-meint.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Was „Freiheit der Andersdenkenden“ wirklich meint.</a> Rosa Luxemburg, auf: welt.de (25.01.2019).</li>



<li>Marc Reichwein: <a href="https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article186962098/Ernst-Pipers-Lebensbild-von-Rosa-Luxemburg.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Freiheit, anders zu denken, bezahlte sie tödlich.</a> Rosa Luxemburg, auf: welt.de (13.01.2019).</li>



<li>Dr. Klaus Wiegrefe: <a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/rosa-luxemburg-mord-spd-will-keine-schuld-tragen-a-1247559.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">SPD will keine Schuld an Rosa-Luxemburg-Mord tragen.</a> Ermordete Linken-Ikone, spiegel.de (11.01.2019).</li>



<li>ZEIT Geschichte: 1918/19. Die deutsche Revolution. Sturz der Monarchie – Geburt der Weimarer Republik. November 2018.</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">1919: Das Luxemburg-Komplott von Christian v. Ditfurth</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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