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	<title>Was wäre wenn: Zweiter Weltkrieg</title>
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	<description>Was wäre wenn... jemand einen Blog über Alternative History schreiben würde?</description>
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	<title>Was wäre wenn: Zweiter Weltkrieg</title>
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		<title>1521 bis 2015: ZEIT Geschichte 3/2025</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Aug 2025 16:49:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der andere Erste Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Der neue Klassiker Zweiter Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Die erfolgreiche Revolution 1848]]></category>
		<category><![CDATA[Die weiter existierende DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Historische Hintergründe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit der Ausgabe zum 20-jährigen Jubiläum widmete sich ZEIT Geschichte, das auf Geschichte spezialisiertes Magazin von &#8222;DIE ZEIT Verlagsgruppe&#8220;, der Alternative History. Verschiedene Autoren betrachteten dort 20 Szenarien aus der deutschen Geschichte unter dem Thema &#8222;Was wäre gewesen, wenn …? 20 Wendepunkte der deutschen Geschichte – und die Frage, wie es auch anders hätte kommen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/hintergruende/was-waere-gewesen-wenn-zeit-geschichte/">1521 bis 2015: ZEIT Geschichte 3/2025</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Mit der Ausgabe zum 20-jährigen Jubiläum widmete sich ZEIT Geschichte, das auf Geschichte spezialisiertes Magazin von &#8222;DIE ZEIT Verlagsgruppe&#8220;, der Alternative History.</p>



<p>Verschiedene Autoren betrachteten dort 20 Szenarien aus der deutschen Geschichte unter dem Thema <em>&#8222;Was wäre gewesen, wenn …? 20 Wendepunkte der deutschen Geschichte – und die Frage, wie es auch anders hätte kommen können&#8220;</em>.</p>



<span id="more-7018"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#deutsche-geschichte">Wissensgewinn von Alternative History für die deutsche Geschichte</a></li>



<li><a href="#alternative-history">Gefahren von Alternative History für die Geschichtswissenschaft</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#karl-luther">1521: Vorschlag zur Güte</a></li>



<li><a href="#dreissigjaehriger-krieg">1629: Das Gemetzel hätte früher enden können</a></li>



<li><a href="#mirakel-haus-brandenburg">1762: &#8222;Mein Unglück ist, dass ich noch lebe&#8220;</a></li>



<li><a href="#1848-friedrich-wilhelm">1849: Ein Kaiser von Volkes Gnaden</a></li>



<li><a href="#bismarck-attentat">1866: Keine Durchschlagskraft</a></li>



<li><a href="#schlacht-koeniggraetz">1866: Das deutsche Duell</a></li>



<li><a href="#kaiser-friedrich-iii">1888: &#8222;Eine Tragödie für die Deutschen&#8220;</a></li>



<li><a href="#attentat-sarajevo">1914: Bei Mord Krieg?</a></li>



<li><a href="#lenin-zug">1917: Passage am Polarkreis</a></li>



<li><a href="#revolution-hugo-haase">1919: Wie die Revolution gelungen wäre</a></li>



<li><a href="#reichspraesident-friedrich-ebert">1925: Retter der Republik</a></li>



<li><a href="#rheinlandbesetzung">1936: Letzte Ausfahrt Rheinland</a></li>



<li><a href="#attentat-georg-elser">1939: Dann hätte es keinen Holocaust gegeben</a></li>



<li><a href="#wunder-duenkirchen">1940: Das Wunder von Dünkirchen</a></li>



<li><a href="#morgenthau-plan">1944: Kartoffelacker oder Aufbauhilfe</a></li>



<li><a href="#bundeskanzler-adenauer">1949: Ära ohne Adenauer</a></li>



<li><a href="#dritter-weltkrieg">1961: Showdown der Supermächte</a></li>



<li><a href="#stanislaw-petrow">1983: &#8222;Jetzt nur keine Panik&#8220;</a></li>



<li><a href="#revolution-ddr">1989: Unwahrscheinliches Glück</a></li>



<li><a href="#fluechtlingskrise">2015: Grenze offen, Grenze dicht</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#struktur-zufall">Struktur und Zufall in der Alternative History</a></li>



<li><a href="#deutsche-alternative-history">Deutsche Sicht auf Alternative History</a><br><br><a href="#quellen-literatur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>
</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="deutsche-geschichte">Wissensgewinn von Alternative History für die deutsche Geschichte</h3>



<p>Zu Beginn der Ausgabe diskutierten verschiedene Autoren die grundsätzlichen Fragen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">der Alternative History</a> für die deutsche Geschichte. Eingeleitet durch das Vorwort des Chefredakteurs von ZEIT Geschichte, Frank Werner.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>&#8222;Wer im Krimi immer zuerst auf die letzte Seite blättert, wird von seinen verblüffenden Wendungen nicht überrascht. Er liest den Roman wie einen Zieleinlauf. Ähnlich blicken wir auf die Vergangenheit. Wir betrachten die Geschichte von ihrem bekannten Ende her, und es scheint, als strebe sie auf dieses Ende zu, als sei alles <em>Vor</em>geschichte. Überhaupt halten wir oft nur die Geschichte für möglich, deren Ende wir kennen – obwohl es viele Enden hätte geben können.</p>



<p>Für die Zeitgenossen ist die Geschichte ein Buch, das noch nicht geschrieben ist.&#8220;</p>
<cite>Frank Werner, Chefredakteur ZEIT Geschichte</cite></blockquote>



<p>Kontrafaktische Fragen gehören aus dieser Sichtweise zum Handwerkszeug der Geschichtswissenschaft. Denn sie dienen dem Erkenntnisgewinn über Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten von historischen Entwicklungen. Beispielsweise, welche Ereignisse in der deutschen Geschichte eher Zufall oder historische Notwendigkeit waren. Oder welche Rolle politische oder wirtschaftliche Strukturen spielten.</p>



<p>Dan Diner, der als Geschichtsprofessor an der Ausstellung &#8222;Roads not Taken. Oder: Es hätte auch anders kommen können&#8220; mitgearbeitet hatte, beschrieb dazu zwei Bespiele: die Machtübertragung an Adolf Hitler 1933 und das gescheiterte Attentat auf ihn 1944.</p>



<p>War Adolf Hitler (siehe Bild aus dem Ersten Weltkrieg unten links) eine <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/1889-geschichte-machen-von-stephen-fry/">unvermeidbare Entwicklung der deutschen Geschichte</a>. Oder war seine Ernennung ein historischer Zufall?</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="600" height="404" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Weltkrieg.jpg?resize=600%2C404&#038;ssl=1" alt="Foto von Weltkriegssoldaten, links unten davon Adolf Hitler" class="wp-image-3087" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Weltkrieg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Weltkrieg.jpg?resize=300%2C202&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock) </figcaption></figure>



<p>Strukturell war die Weimarer Verfassung auf einen starken Reichspräsidenten angelegt, der den Reichskanzler ohne Zustimmung des Parlaments ernannte. Speziell die Ernennung Hitlers war jedoch ein Ergebnis von individuellen Intrigen im persönlichen Umfeld des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg.</p>



<p>Die gleiche Frage zwischen Struktur und Zufall stellte sich für das <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-21-juli-christian-von-ditfurth/">fehlgeschlagene Attentat von Stauffenberg 1944</a>.</p>



<p>Strukturell waren die Widerständler von Anfang an im Nachteil. Nur wenige Militärs hatten sich ihnen angeschlossen. Und Adolf Hitler verfolgte eine jeweils kurzfristig organisierte Tagesplanung, was Attentatspläne erschwerte. Beim konkreten Attentat am 20. Juli 1944 gab es jedoch Zufälle, die zum Scheitern beitrugen. Zum Beispiel ein schwerer Eichentisch, der Teile der Explosion für den über den Tisch gebeugten Hitler abfing.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="alternative-history">Gefahren von Alternative History für die Geschichtswissenschaft</h3>



<p>Danach ging ZEIT Geschichte auf die Gefahren von Alternative History in der Erforschung der Geschichte ein. Vor allem allerdings anhand der britischen Geschichte.</p>



<p>In einem Interview kritisierte der britische Historiker Richard Evans, dass viele kontrafaktische Fragen <em>&#8222;dem Wunschdenken konservativer Historiker&#8220;</em> entspringen, die aktuelle Entwicklungen eher kritisch sehen. So entstand die Frage &#8222;Was wäre gewesen, wenn es zwischen Großbritannien und dem Deutschen Reich vor oder im Ersten Weltkrieg zu einem früheren Friedensabkommen gekommen wäre?&#8220; aus der konservativen Hoffnung, eine solche Entwicklung hätte das britische Empire (siehe Bild unten) nach 1914 erhalten und den linken Wohlfahrtsstaat nach 1945 verhindert.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="600" height="450" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Koenigin-Viktoria.jpg?resize=600%2C450&#038;ssl=1" alt="Foto einer Statue von Queen Viktoria" class="wp-image-3857" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Koenigin-Viktoria.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Koenigin-Viktoria.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(casinozack/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Evans erinnerte an diesem Beispiel an die politische Dimension von <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/literatur/">Alternative History Literatur</a>. Unter EU-Skeptikern in Großbritannien waren solche Romane weit vor dem Brexit 2016 verbreitet. Teilweise schrieben Gegner der EU selbst Alternative History Romane, um einen vermeintlichen Kampf gegen die EU in der Gegenwart populär zu machen.</p>



<p>Zwar können kontrafaktische Spekulationen Historiker unterstützen, den Spielraum Einzelner in der Geschichte realistisch einzuschätzen. Nach Evans sahen konservative Historiker aber größere individuelle Spielräume als tendenziell linke Wissenschaftler, die eher Strukturen betonten.</p>



<p>Um Wunschdenken auszuschließen, plädierte er daher dafür, die Antworten auf kontrafaktische Fragestellungen <em>&#8222;auf die für Zeitgenossen überschaubare Zukunft zu begrenzen.&#8220;</em> Denn ansonsten würden Fragesteller <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/wechselwelten-oliver-henkel/">mit ihren Szenarien in unbewusste Wunschvorstellunge</a>n geraten. Der Realitätsgehalt dieser wissenschaftlichen Spekulationen ist mit zunehmendem Fortschreiten der weiteren historischen Entwicklung aber unmöglich einzuschätzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<p>Die 20 darauf folgenden Alternative History Szenarien laufen von der frühen Neuzeit bis in die aktuelle Zeit.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="karl-luther">1521: Vorschlag zur Güte</h3>



<p>Anstatt Martin Luther wie in der realen Geschichte am 18. April 1521 beim Reichstag in Worms zum Widerruf seiner Thesen zu zwingen und bei einer Ablehnung die Reichsacht zu verhängen, schlug Kaiser Karl V. im ersten Szenario einen Kompromiss vor: Martin Luther (siehe auf der rechten Seite Bild unten) sollte unter seinem Schutz an einer Reform der Kirche mitarbeiten. Beide Seiten sahen diese Einigung zwar nur als Zeitgewinn, bis sich ihre jeweilige Sichtweise für die Reform durchgesetzt hatte. Daher stimmte Martin Luther vorerst zu.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Johannes-Eck-und-Martin-Luther.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Bronzerelief von Joahnnes Eck und Martin Luther an einem Denkmalsockel" class="wp-image-5458" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Johannes-Eck-und-Martin-Luther.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Johannes-Eck-und-Martin-Luther.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Anastazzo/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Mit einer solchen Alternative History wäre zwar die konfessionellen Begründungen für viele folgende Konflikte weggefallen. Aber nicht die sozialen Verwerfungen und die Machtkonflikte zwischen den einzelnen Monarchen. Allerdings hätte es mit dem interkonfessionellen Dialog, wie im <em>Augsburger Religionsfrieden</em> von 1555, auch kein Einüben von religiöser Toleranz gegeben.</p>



<p>Der Historiker Tillmann Bendikowski sieht das Szenario allerdings als unrealistisch. Denn 1521 waren die Spielräume der zwei handelnden Personen bereits eingeschränkt. Luther war von der katholischen Kirche als Ketzer exkommuniziert und seitdem gerade als Kritiker des römischen Papsttums enorm populär in der deutschsprachigen Bevölkerung. Karl V. war abhängig von anderen Machtfaktoren, wie Papst Leo X., der erst überraschend wenige Monate nach dem Reichstag starb.</p>



<p>Daher kam es in der realen Geschichte zu einem anderen Kompromiss: Karl V. verhängte zwar die Reichsacht über Luther und erklärte ihn damit für vogelfrei. Er ließ ihn aber unter dem Schutz des protestantischen sächsischen Kurfürsten entkommen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="dreissigjaehriger-krieg">1629: Das Gemetzel hätte früher enden können</h3>



<p>Elf Jahre nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges bestand Hoffnung, den Konflikt zu beenden.</p>



<p>Nach mehreren Niederlagen der Protestanten hatte König Christian IV. von Dänemark eine vernichtende Niederlage gegen die katholischen Heere erlitten. Daraufhin musste er einen relativ milden Frieden schließen, der den Krieg nach dem Kulturredakteur Raoul Löbbert zu einem Abschluss gebracht hätte. </p>



<p>Am 6. März 1620 erließ Kaiser Ferdinand II. aber das <em>&#8222;Restitutionsedikt&#8220;</em>: Mit diesem sollten die protestantischen Reichsstände alle katholischen Besitztümer zurückgeben, die sie sich seit 1555 angeeignet hatten. Ferdinand sah sich als Repräsentant <a href="https://ankerpunkte-blog.de/mittelalter/pavane-keith-roberts/">der katholischen Gegenreformation</a>, die er mit dem Edikt entscheidend voranbringen wollte. Machtpolitische Einwände gegen die Verabschiedung ließ er nicht gelten.</p>



<p>Daher fachte <em>&#8222;Restitutionsedikt&#8220;</em> den Widerstandswillen der Protestanten wieder an und lieferte die Begründung für den Kriegseintritt von König Gustav Adolf von Schweden (siehe Bild unten). Beides ließ den Konflikt wieder eskalieren und führte zu weiteren 19 Jahren in einem verheerenden Krieg.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="612" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Gustav-Adolf.jpg?resize=600%2C612&#038;ssl=1" alt="Statue von König Gustav Adolf" class="wp-image-5067" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Gustav-Adolf.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Gustav-Adolf.jpg?resize=294%2C300&amp;ssl=1 294w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(high fliers/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Hätte Kaiser Ferdinand II. auf das Restitutionsedikt verzichtet, wären durch ein Kriegsende Katastrophen wie die <em>&#8222;Magdeburger Bluthochzeit&#8220; </em>– die Zerstörung der Stadt Magdeburg im Jahr 1631 – und andere Grausamkeiten, die zu massiven Bevölkerungsverlusten führten, vorerst verhindert worden.</p>



<p>Jedoch wären andere Konflikte in dieser Alternative History nicht gelöst worden: Beispielsweise das Streben des schwedischen Königs nach der Vormachtstellung im Ostseeraum und der machtpolitische Gegensatz zwischen den französischen Königen sowie den österreichischen und spanischen Habsburgern.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="mirakel-haus-brandenburg">1762: &#8222;Mein Unglück ist, dass ich noch lebe&#8220;</h3>



<p>Das <em>&#8222;Mirakel des Hauses Brandenburg&#8220;</em> gehörte zu den Legenden um den preußischen König Friedrich den Großen.</p>



<p>1762 kämpfte er seit sechs Jahren gegen eine übermächtige Allianz aus Russland, Frankreich, Schweden, dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation und den österreichischen Habsburgern. Bevor er aber der Übermacht unterlag, sorgte der Tod der russischen Zarin Elisabeth am 5. Januar 1762 für ein Auseinanderbrechen des Bündnisses. Preußen konnte sich im <em>&#8222;Siebenjährigen Krieg&#8220;</em> als Großmacht behaupten.</p>



<p>1762 war die Lage Preußens nach mehreren Niederlagen und dem Einstellen der britischen Subsidien aber kritisch.</p>



<p>Jedoch hätte auch ein längeres Leben von Zarin Elisabeth dem Siebenjährigen Krieg nach Meinung des Redakteurs Samuel Rieth keine entscheidende Wendung gegeben. Bereits zuvor agierten die Verbündeten gegen Preußen zögerlich und unkoordiniert. Dies erlaubte es König Friedrich, auch vernichtende Niederlagen, wie in der Schlacht bei Kunersdorf 1759, zu überstehen. Zudem waren alle Kriegsbeteiligten 1762 kriegsmüde, finanziell ruiniert und kaum noch in der Lage, den Krieg im bisherigen Ausmaß weiterzuführen.</p>



<p>Daher hätte ein Szenario mit einem späterem Tod von Zarin Elisabeth den Krieg verlängert und verlustreicher gemacht. Auch wäre ein nach Erschöpfung aller Kriegsparteien geschlossener Frieden für Preußen nicht so günstig ausgefallen wie in der Realität. Doch selbst ein Tod von Friedrich 1759 hätte den Aufstieg Preußens nur gebremst, aber nicht verhindert.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="1848-friedrich-wilhelm">1849: Ein Kaiser von Volkes Gnaden</h3>



<p>Am 3. April 1849 traf eine Delegation des Frankfurter Paulskirchenparlaments auf den preußischen König Friedrich Wilhelm IV., um ihm die Kaiserwürde anzubieten. Friedrich Wilhelm IV. antwortete zwar diplomatisch, knüpfte seine Entscheidung aber an die Zustimmung der übrigen deutschen Monarchen und Staaten. Eine mehr oder minder verklausulierte Absage.</p>



<p>Denn zwar stimmen 28 von 38 Regierungen der deutschen Staaten bis April 1849 der Reichsverfassung mit einem möglichen Kaiser Wilhelm IV. an der Spitze zu. Aber es fehlen die großen Staaten wie <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayern/">die Königreiche Bayern</a> und Hannover, ebenso wie das Königreich Preußen selbst. Am 28. April 1849 lehnte Friedrich Wilhelm die Krone daher endgültig ab. Anschließende Revolten in vielen deutschen Staaten scheitern, ebenso wie ein Gegenentwurf unter preußischer Führung in Gestalt der <em>&#8222;Erfurter Union&#8220;</em>.</p>



<p>Wenn Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone angenommen hätte, wäre in dieser Alternative History <a href="https://ankerpunkte-blog.de/1848-revolution/revolution-1848/">ein relativ liberales Deutsches Reich</a> mit weitreichendem Männer-Wahlrecht und relativ vielen Befugnissen für das Parlament entstanden. Dieses Reich hätte sich sofort im Konflikt mit Österreich, Frankreich und Russland befunden. Bereits im Paulskirchenparlament zeigte sich auch ein starker deutscher Nationalismus mit weitreichenden Zielen. Daher wäre es unrealistisch, dass es selbst bei einer liberaleren Entwicklung Deutschlands nicht zu Kolonialismus und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/die-schlacht-bei-dorking-von-sir-george-tomkyns-chesney/">Konflikten mit anderen europäischen Mächten</a> gekommen wäre.</p>



<p>Am Ende sieht der Historiker Ralf Zerback eine Annahme der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. als unrealistisch: Der preußische König galt als <em>&#8222;Romantiker auf dem Thron&#8220;</em>, der sich eher für Gottesgnadentum und mittelalterliches Königtum begeisterte, als für demokratische und liberale Reformen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="bismarck-attentat">1866: Keine Durchschlagskraft</h3>



<p>Als der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck am 7. Mai 1866 auf dem Heimweg von einer Besprechung war, schoss der 22-jährige Ferdinand Cohen-Blind mehrfach auf ihn. Doch Bismarck blieb unverletzt: Die ersten Kugeln streiften ihn nur und drei prallten ab, da der eingesetzte Bündelrevolver zu wenig Durchschlagskraft entwickelt hatte, um seine dicke Kleidung zu durchdringen.</p>



<p>Cohen-Blind beging nach seiner Verhaftung Selbstmord. Der radikale Demokrat wollte einen möglichen Konflikt zwischen Preußen und Österreich verhindern. Dieser entzündete sich vordergründig um die Zukunft der Herzogtümer Schleswig und Holstein. Vor allem aber an der Frage um die Vorherrschaft um Deutschen Bund. Bismarck galt als treibende Kraft des sich immer mehr zuspitzenden Konflikts, der im Mai 1866 bereits zu einer preußischen Mobilmachung geführt hatte.</p>



<p>Doch ob Cohen-Blind sein Ziel erreichen hätte können, wenn er Bismarck getötet hätte, ist nach der Geschichtsprofessorin Ute Planert unwahrscheinlich. Erstens war Bismarck nicht der einzige Entscheidungsträger in der preußischen Regierung, der für einen Krieg plädiert hatte. Zweitens setzten die Mobilmachung sowie ein befristeter Geheimvertrag mit Italien gegen Österreich die preußische Regierung unter Handlungsdruck. Drittens war auch Österreich einem Krieg nicht abgeneigt, um seine angespannte Innenpolitik zu stabilisieren.</p>



<p>Bei einem gelungenen Attentat wäre Bismarck allerdings nicht als Reichseiniger in die Geschichte eingegangen, sondern nur als umstrittener preußischer <em>&#8222;Konfliktminister&#8220;.</em></p>



<h3 class="wp-block-heading" id="schlacht-koeniggraetz">1866: Das deutsche Duell</h3>



<p>Am 3. Juli 1866 trafen die preußische und die österreichische Armee bei Königgrätz im damaligen Böhmen zur Entscheidungsschlacht des Deutschen Krieges aufeinander. Gegen Mittag war die Lage der Preußen prekär, da ihre Angriffe gegen die überlegene Artillerie der Verteidiger erfolglos blieben. Eine preußische Division war sogar schweren Gegenattacken ausgesetzt, fügte den Österreichern aber mit dem Zündnadelgewehr enorme Verluste zu. Erst als die Armee des Kronprinzen Friedrich am frühen Nachmittag eintraf, wendete sich das Blatt. Die Österreicher erlitten schwere Verluste und mussten sich zurückziehen.</p>



<p>Generell war Österreich bereits vor der Schlacht im Nachteil. Es hatte mehrere Gefechte gegen die getrennt nach Königgrätz marschierenden preußischen Armeen verloren. Zudem waren Generalstab, Offiziere und Soldaten der Preußen (siehe Bild unten) besser ausgebildet als ihre österreichischen Gegner.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="657" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Preussische-Soldaten.jpg?resize=600%2C657&#038;ssl=1" alt="Bild von zwei preußischen Soldaten" class="wp-image-3020" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Preussische-Soldaten.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Preussische-Soldaten.jpg?resize=274%2C300&amp;ssl=1 274w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Marzolino/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Nach dem Sieg bei Königgrätz gelang es Bismarck, den preußischen König Wilhelm von einem raschen, milden Frieden zu überzeugen, um seine Ziele der Einigung Deutschlands unter preußischer Führung durchzusetzen. So kam es zur Gründung des Norddeutschen Bundes. Und 1871, nach dem Sieg gegen das kaiserliche Frankreich, zur Gründung des Deutschen Reichs.</p>



<p>In einer Alternative History hätte eine Niederlage von Preußen dagegen die Einigung verhindert. Neben Rücktritten von König Wilhelm und Ministerpräsident Bismarck hätte es nach dem Feuilleton-Redakteur Alexander Cammann keine kleindeutsche Lösung gegeben, sondern einen mehr oder minder starken Staatenbund mit einem deutlich geschwächten Preußen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="kaiser-friedrich-iii">1888: &#8222;Eine Tragödie für die Deutschen&#8220;</h3>



<p>Als am 9. März 1888 Kaiser Wilhelm I. mit 91 Jahren starb, hofften viele Liberale im Deutschen Reich auf seinen Nachfolger Friedrich III. Doch dieser litt seit Februar 1887 an Kehlkopfkrebs. Im Februar 1888 mussten die Ärzte einen Luftröhrenschnitt durchführen, was den zukünftigen Kaiser die Stimme kostete.</p>



<p>Daher konnte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-fahrt-des-leviathan-oliver-henkel/">Friedrich III. nur symbolische Handlungen</a> durchführen. Weitergehende Maßnahmen scheiterten an seinem schlechten Gesundheitszustand und dem Widerstand des Reichskanzlers Bismarck. Bereits am 15. Juni 1888 starb Friedrich (siehe Bild unten). Seine Nachfolge trat sein Sohn Wilhelm an, der als sprunghaft und preußisch-konservativ galt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="873" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Friedrich-III.jpg?resize=600%2C873&#038;ssl=1" alt="Porträt des Kaisers Friedrich III" class="wp-image-1592" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Friedrich-III.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Friedrich-III.jpg?resize=206%2C300&amp;ssl=1 206w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Oleg Golovnev/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Ob eine längere Regierungszeit Friedrich III. eine nachhaltige liberale Ausrichtung des Deutschen Reichs angestoßen hätte, ist umstritten. Denn Bismarck hatte den als liberal geltenden Kronprinzen bereits vor 1888 politisch isoliert, um seine konservative Politik weiterverfolgen zu können. Zudem waren die Machstrukturen und führenden Eliten des Deutschen Reiches konservativ dominiert, was den Spielraum für liberale Reformen weiter einschränkte. Zuletzt schwankte Friedrich als Kronprinz zwischen seiner liberalen Einstellung und der militärischen Tradition Preußens.</p>



<p>Jedoch galt der frühe Tod Friedrichs III., vor allem vor dem Hintergrund der desaströsen Weltpolitik Wilhelms II., für viele damalige Wissenschaftler und Literaten als Tragödie. Denn auch wenn die Vorstellungen von einer weitgehenden Liberalisierung unter Kaiser Friedrich III. eher Wunschvorstellung sind, wäre laut dem Historiker Volker Ulrich seine Politik moderater gewesen, als die von Wilhelm II.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="attentat-sarajevo">1914: Bei Mord Krieg?</h3>



<p>Als der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 Sarajevo besuchte, entging er zunächst mehreren Attentatsversuchen. Erst der fünfte Attentäter, Gavrilo Princip, konnte durch einen Zufall auf das vor ihm stoppende Auto des Thronfolgers schießen und sowohl Franz Ferdinand als auch dessen Ehefrau mit zwei Schüssen töten. Damit ging der Plan einer serbischen Verschwörergruppe auf, Österreich zu einer harten Reaktion gegen das Königreich Serbien zu provozieren. Und den Ersten Weltkrieg auszulösen.</p>



<p>Doch das gelungene Attentat (siehe Bild unten) hätte nicht zwangsläufig zum großen Konflikt führen müssen. So forderten die deutschen Militärs zwar häufig Präventivkriege gegen Frankreich und Russland. Die deutsche Militärführung unternahm jedoch nach dem Attentat zuerst keine entsprechenden Schritte. Auch hatte es in der Vergangenheit immer wieder erfolgreiche diplomatische Lösungen für ausgebrochene Konflikte zwischen den europäischen Großmächten gegeben.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="405" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Sarajevo.jpg?resize=600%2C405&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-440" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Sarajevo.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Sarajevo.jpg?resize=300%2C203&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Historical/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Doch aus Furcht vor einem Abfallen Österreich-Ungarns als einzigem Verbündeten gab die deutsche Regierung eine bedingungslose Bündniszusage. Ebenso gab es eine ähnliche Zusage von Frankreich an seinen Verbündeten Russland für einen Konflikt mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn. Erst <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/1906-der-zusammenbruch-der-alten-welt-ferdinand-grauthoff/">diese diplomatische Eskalation</a> ebnete den Weg <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/erster-weltkrieg/">in den Ersten Weltkrieg</a>. </p>



<p>Jedoch war diese Eskalation nicht das Ergebnis von Plänen oder Strukturen, sondern von Zufällen und politischen Fehleinschätzungen. Daher war diese Entwicklung auch nach dem Attentat nicht zwangsläufig. Ein gescheitertes Attentat auf Franz Ferdinand hätte daher nach dem Redakteur Christoph Nonn <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/kaisertag-oliver-henkel/">den Ersten Weltkrieg verhindert</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="lenin-zug">1917: Passage am Polarkreis</h3>



<p>Im April 1917 reiste eine Gruppe von russischen Kommunisten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/ich-werde-hier-sein-im-sonnenschein-und-im-schatten-christian-kracht/">aus der Schweiz zurück nach Russland</a>. Vermittelt hatte diese aufwändige Reise die deutsche Regierung, um den russischen Kriegsgegner zu destabilisieren. Denn zur Gruppe gehörte auch Wladimir Iljitsch Uljanow, besser bekannt unter dem Namen Lenin (siehe Bild unten), der für ein Ausscheiden seines Landes aus dem Krieg plädierte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="461" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?resize=600%2C461&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Foto von Lenin an seinem Schreibtisch" class="wp-image-4808" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?resize=300%2C231&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Daher war der britische Botschafter in Schweden alarmiert, als er von der Durchreise der Kommunisten erfuhr. Doch beim entscheidenden Grenzübertritt durchsuchten zwar russische Grenzbeamte mit britischer Unterstützung Lenin und seine Gruppe. Sie bekamen aber keine Anweisung zur Festnahme.</p>



<p>So reiste Lenin nach Russland ein und initiierte als Führer der Bolschewiki nach wenigen Monaten erfolgreich die <em>&#8222;Oktoberrevolution&#8220;</em>.</p>



<p>Was wäre gewesen, wenn Lenin und seine Gruppe an der Grenze aufgehalten worden wären? Der Redakteur Markus Flohr geht von einem anderen Verlauf der Geschichte aus. Denn vor seinem Grenzübertritt war Lenin keineswegs so unumstritten und bekannt, wie er es bis zur <em>&#8222;Oktoberrevolution&#8220;</em> wurde. Die Bolschewiki sowie andere sozialistische Gruppen um diverse Anführer wären zu gespalten gewesen, um eine Revolution durchzuführen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="revolution-hugo-haase">1919: Wie die Revolution gelungen wäre</h3>



<p>Als die Revolution im Jahr 1918 das Deutsche Reich am Ende des Ersten Weltkriegs erschütterte, bildete sich eine neue Regierung: ein <em>&#8222;Rat der Volksbeauftragten&#8220;</em> aus jeweils drei Vertretern von der sozialdemokratischen Parteien MSPD und USPD. Der Rat verständigte sich schnell auf innenpolitische Reformen wie den 8-Stunden-Tag oder das allgemeine Wahlrecht.</p>



<p>Dem gegenüber stand die <em>&#8222;Oberste Heeresleitung&#8220;</em>, die in der Revolution fast jeglichen Einfluss verloren hatte. Sie wollte aber die neuen Entwicklungen nutzen, um ihre alte politische und militärische Macht wiederherzustellen.</p>



<p>Denn der Rat war sich uneinig, wie stark der Einfluss der alten Eliten in Verwaltung und Militär beschnitten werden konnte und sollte. Die MSPD vertraute Loyalitätsbekundungen, während die USPD die Macht den sozialistisch geprägten Arbeiter- und Soldatenräten übertragen wollte. Als es ab 23. Dezember 1918 zu Gefechten von Armeeeinheiten mit der <em>&#8222;Volksmarinedivision&#8220;</em> aus linken Matrosen kam, schied die USPD aus der Regierung aus.</p>



<p>Der USPD-Vorsitzende Hugo Hase, selbst bis dahin Mitglied des <em>&#8222;Rats der Volksbeauftragten&#8220;</em>, entwarf danach selbst folgendes Alternative History Szenario.</p>



<p>Zuvor hatte die USPD die Wahlen zu einem neuen Zentralrat boykottiert, der die Regierung kontrollieren sollte. Hätte die USPD sich nach Haase beteiligt, hätte sie nach den Kämpfen im Dezember die MSPD-Regierungsmitglieder wegen der Zusammenarbeit mit der Heeresleitung zum Rücktritt zwingen können. Ausgehend von einem Rücktritt der MSPD-Regierungsmitglieder hätte die USPD die Regierung übernehmen und ihre Ziele wie ein <em>&#8222;Volkswehrprojekt&#8220;</em> durchsetzen können, um die Heeresleitung zu entmachten. </p>



<p>Dieses Wunsch-Szenario von Haase hatte nach dem Historiker Klaus Latzel jedoch zwei Haken: Erstens hatte die MSPD um Friedrich Ebert eine loyale Mehrheit im Zentralrat. Unabhängig davon arbeitete die Heeresleitung aktiv an einem Wiederaufbau ihrer Machtbasis. Zweitens war die USPD in sich stark gespalten zwischen gemäßigten Linken und radikalen Sozialisten, die sich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">an Rosa Luxemburg</a> (siehe Bild unten) orientierten. Dies engte den Spielraum der Parteiführung stark ein.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="683" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Statue-Rosa-Luxemburg.jpg?resize=600%2C683&#038;ssl=1" alt="Foto einer Statue Rosa Luxemburgs" class="wp-image-2608" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Statue-Rosa-Luxemburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Statue-Rosa-Luxemburg.jpg?resize=264%2C300&amp;ssl=1 264w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(ArTono/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>In der Realität billigte der Zentralrat die Entscheidungen der MSPD-Regierungsmitglieder. Daraufhin zog die USPD ihre Regierungsmitglieder endgültig zurück und verlor jeden Einfluss auf den weiteren Verlauf der Revolution.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="reichspraesident-friedrich-ebert">1925: Retter der Republik</h3>



<p>Als erster Reichspräsident nach der Revolution nutzte Friedrich Ebert ab 1919 das mächtige Amt, um in zahlreichen Krisen Kompromisse auszuloten, die bedrohte demokratische Ordnung zu stabilisieren und Realpolitik zu betreiben. Damit gelang es ihm, die <em>&#8222;Weimarer Republik&#8220;</em> bis 1924 etwas zu stabilisieren.</p>



<p>Aufgrund eines Prozesses wegen Verleumdung verschleppte Ebert (siehe Bild unten) aber eine Blinddarmentzündung, an der er am 28. Februar 1925 starb. Bei den darauf folgenden Wahlen gewann der Weltkriegsgeneral Paul von Hindenburg knapp gegen den Sammelkandidaten der demokratischen Parteien. Er leitete <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-consul-christian-von-ditfurth/">während seiner Amtszeit ab 1930 das Ende des parlamentarischen Systems</a> ein und ernannte im Jahr 1933 Hitler zum Reichskanzler.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="910" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Friedrich-Ebert.jpg?resize=600%2C910&#038;ssl=1" alt="Foto des Reichspräsidenten Friedrich Ebert" class="wp-image-2607" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Friedrich-Ebert.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Friedrich-Ebert.jpg?resize=198%2C300&amp;ssl=1 198w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Hätte Ebert 1925 überlebt, hätte er weiter die demokratische Ordnung verteidigt. Beispielsweise hätte er 1930 nicht die parlamentarisch gewählte Regierung des Reichskanzlers Hermann Müller gestürzt, um ein Präsidialkabinett zu installieren. Auch hätte er den Reichstag 1930 nicht aufgelöst. Die darauf folgenden Neuwahlen des Parlaments hatten den bis dahin im Reichstag bedeutungslosen Nationalsozialisten einen großen Wahlerfolg gebracht.</p>



<p>Das Szenario von Bernd Braun, Geschäftsführer der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte, kann allerdings nicht den weiteren Fortgang der Geschichte klären. Beispielsweise für den Fall, dass es 1932 nach der Weltwirtschaftskrise zu einer Reichspräsidentenwahl zwischen Friedrich Ebert und Adolf Hitler gekommen wäre.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="rheinlandbesetzung">1936: Letzte Ausfahrt Rheinland</h3>



<p>Im Alternatiuve History Szenario des freien Autors Andreas Molitor versuchte Adolf Hitler wie in der realen Geschichte 1936, das entmilitarisierte deutsche Rheinland zu besetzen. Allerdings griff Frankreich mit seiner Armee ein und überrannte die deutsche Vorhut förmlich. Der Rest der Wehrmacht musste sich zurückziehen. Hitler hatte in diesem Fall alles riskiert und verloren. Als Gespött der Weltöffentlichkeit und mit zerstörter Aura der Unfehlbarkeit trat er zurück und flüchtete auf den Berghof in die Alpen.</p>



<p>Danach übernahm Hermann Göring den Posten Hitlers als Reichskanzler. Unter ihm wandelt sich das Dritte Reich zu einer Einparteiendiktatur mit mehreren Machtzentren. Seine Politik zielte zwar auf eine Stärkung des Deutschen Reiches in Europa ab, wollte dafür aber nur begrenzte Kriege führen. Auch der Holocaust hätte wohl nie in diesem Ausmaß stattgefunden.</p>



<p>In der Realität war die Rheinlandbesetzung ab 7. März 1936 ein voller Erfolg für Adolf Hitler (siehe Bild unten) und das Dritte Reich. Denn die westlichen Demokratien Frankreich und Großbritannien leisteten keinen Widerstand, als die Wehrmacht das Gebiet besetzte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="600" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=600%2C600&#038;ssl=1" alt="Münze mit dem Bild von Adolf Hitler und dem Motto &quot;Unser die Zukunft Adolf Hitler&quot;" class="wp-image-3088" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Sytilin Pavel/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Jedoch war sich die deutsche Regierung um Hitler bis zum Einmarsch unsicher, ob die Westmächte nicht doch reagieren würden. Es gab sogar Berichte über einen Nervenzusammenbruch Hitlers während des Einmarsches, der fast zu einem Rückzug geführt hätte.</p>



<p>Am Ende triumphierte Hitler in den Augen der Weltöffentlichkeit sowie der eigenen Bevölkerung und galt <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/nacht-der-braunen-schatten-katharine-burdekin/">bald als unfehlbarer Stratege</a>. Ein Bild, das er sogar selbst begann, zu glauben.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="attentat-georg-elser">1939: Dann hätte es keinen Holocaust gegeben</h3>



<p>Bei den jährlichen Feierlichkeiten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-staehlerne-traum-norman-spinrad/">zum Putschversuch 1922</a> musste Hitler am 8. November 1939 wegen stürmischem Wetter statt des vorgesehenen Flugzeugs den Zug nehmen. Daher verließ er <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/oberbayern-muenchen/">den Münchner Bürgerbräukeller</a> früher als geplant und entging so dem Attentat, das Georg Elser geplant hatte. Die Explosion einer Bombe zerstörte erst nach seiner Abreise große Teil des Saals.</p>



<p>Elser, der persönliche Gewissensgründe als Grund angab, hatte das Attentat vorher monatelang und akribisch vorbereitet. Er wurde beim versuchten illegalen Übertritt über die Grenze <a href="https://ankerpunkte-blog.de/europaeische-geschichte/geschichte-schweiz/">zur Schweiz</a> verhaftet und kurz vor Kriegsende 1945 ermordet. Er galt daher &#8222;nur&#8220; als moralisches Beispiel, dass sich selbst unter einem Regime wie dem Dritten Reich erfolgreich Widerstand leisten ließ.</p>



<p>Wäre das Attentat gelungen, hätte es nach dem Historiker Michael Wildt <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">den Beginn des Zweiten Weltkrieges</a> zwar nicht mehr verhindern können. Aber die Bevölkerung und die Militärführung waren trotz des Sieges gegen Polen im September 1939 noch unsicher, was einen Angriff gegen die Großmächte Frankreich und Großbritannien anging.</p>



<p>Daher standen die Zeichen günstig, dass sich nach dem Tod Hitlers durch das Attentat eine Militärregierung unter Einbezug von nationalsozialistischen Parteiführern etabliert hätte. Diese hätte weiterhin Polen ausgebeutet und versucht, Land und Bevölkerung zu &#8222;germanisieren&#8220;. Aber ein Angriff auf die Westmächte und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/wenn-das-der-fuehrer-wuesste-otto-basil/">der Holocaust</a> (siehe Bild unten) wären unwahrscheinlicher geworden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="389" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Auschwitz.jpg?resize=600%2C389&#038;ssl=1" alt="Foto des Eingangs zum Konzentrationslager Auschwitz" class="wp-image-3089" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Auschwitz.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Auschwitz.jpg?resize=300%2C195&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(rafaelcavlaz/Shutterstock)</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading" id="wunder-duenkirchen">1940: Das Wunder von Dünkirchen</h3>



<p>Als der deutsche Angriff auf Frankreich erfolgte, kesselte die Wehrmacht Ende Mai 1940 den Großteil des britischen Heeres bei Dünkirchen an der französischen Kanalküste (siehe Bild unten) ein. Mehr als zwei Drittel der britischen Truppen in Europa, darunter die fünf besten Divisionen, standen vor der Vernichtung. Um den Krieg fortzusetzen, musste der kurz zuvor neugewählte britische Premier Winston Churchill die Soldaten evakuieren. Aber der britischen Flotte fehlten die kurzfristigen Kapazitäten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="191" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Duenkirchen.jpg?resize=600%2C191&#038;ssl=1" alt="Panorama des Strandes von Dünkirchen" class="wp-image-4816" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Duenkirchen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Duenkirchen.jpg?resize=300%2C96&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(rightclickstudios/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Da scheute Hitler das Risiko eines Angriffs und ließ diesen mehr als zwei Tage verzögern. Diese Zeit konnte die Royal Navy nutzen, um mit <em>&#8222;Operation Dynamo&#8220;</em> die Rettungsaktion für die eingeschlossenen Divisionen zu starten. Da sich die britisch-französischen Verteidiger inzwischen eingegraben hatten und auch deutsche Luftangriffe nicht den erhofften Erfolg brachten, evakuierten britische Schiffe mit 338.000 Soldaten den Großteil der Eingeschlossenen nach Großbritannien.</p>



<p>Gestützt auf die erfolgreiche Evakuierung konnte Churchill Großbritannien auf seine Linie des erbitterten Widerstands gegen das Dritte Reich einschwören.</p>



<p>Hätte es keinen solchen Haltebefehl gegeben, hätte die Amtszeit von Churchill schon nach wenigen Tagen mit einer vernichtenden Niederlage begonnen. In seinem Kriegskabinett gab es einflussreiche Personen, die für <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-pakt-philip-kerr/">eine Verständigung mit dem Dritten Reich</a> plädierten. Hauke Friedrichs, sicherheitspolitischer Korrespondent der ZEIT, ging davon aus, dass Churchill eventuell nach der Niederlage bereits durch einen Vertreter dieser Linie ersetzt worden wäre. Danach hätte Hitler <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/vaterland-robert-harris/">keinen Zwei-Fronten-Krieg gegen die Sowjetunion</a> befürchten müssen. Am Ende hätte jedoch der Kriegseintritt der USA <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/angriff-pearl-harbor/">nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour</a> doch noch <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/orakel-vom-berge-philip-dick/">das Blatt im Zweiten Weltkrieg gegen das Dritte Reich</a> gedreht.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="morgenthau-plan">1944: Kartoffelacker oder Aufbauhilfe</h3>



<p>Im September 1944 berichteten US-amerikanische Zeitungen über den Plan des US-amerikanischen Finanzministers Henry Morgenthau jr., das vor der Niederlage stehende Deutsche Reich in mehrere Teilstaaten aufzusplitten sowie weitgehend zu deindustrialisieren.</p>



<p>Der Morgenthau-Plan hätte nach dem Geschichtsprofessor Manfred Berg zu einer weitgehenden wirtschaftlichen Schwächung sowie Ernährungskrise in Deutschland geführt. Da sich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/morbus-kitahara-christoph-ransmayr/">damit die Erholung Europas</a> von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs verzögert hätte, wäre die Nachkriegsordnung <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/im-jahre-ragnaroek-oliver-henkel/">erheblich instabiler</a> gewesen.</p>



<p>In der Realität stieß der Plan in der US-amerikanischen Öffentlichkeit auf scharfe Ablehnung. Einerseits wollten die USA nicht die wirtschaftlichen Folgen des Planes tragen. Andererseits fürchten sie, der Plan könnte den Widerstandswillen der Deutschen kurz vor Kriegsende nochmals stärken. Daher wurde er schnell wieder fallen gelassen. Der Morgenthau-Plan erlangte aber Berühmtheit durch die nationalsozialistische Propaganda, die bis in die Nachkriegszeit wirkte.</p>



<p>Realistisch war das Alternative History Szenario daher nicht, beflügelte aber seitdem immer wieder die Fantasie von Romanschreibern.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="bundeskanzler-adenauer">1949: Ära ohne Adenauer</h3>



<p>Als im Sommer 1949 der erste Wahlkampf zum Bundestag erfolgte, waren die Kanzlerkandidaten in der Bundesrepublik noch nicht so zentral wie bei späteren Wahlen. Beispielsweise war Konrad Adenauer zwar einer der bekanntesten Politiker der CDU, musste aber Rücksicht auf andere mächtige Teile der Partei nehmen, ebenso wie auf die bayerische CSU.</p>



<p>Da das Wahlergebnis im August nur wenige Prozente und Abgeordnetenmandate zwischen CDU/CSU und SPD ergab, gab es in beiden Parteien viele Sympathisanten für eine gemeinsame Koalition. Obwohl es Adenauer gelang, in mehreren Verhandlungsrunden stattdessen eine konservativ-liberale Koalition aus CDU/CSU, FDP und der rechtskonservativen Deutschen Partei zu schmieden, war die Stabilität des Bündnisses unklar. Am 15. September 1949 wurde Adenauer nur mit dem denkbar knappsten Ergebnis von 202 aus 402 möglichen Stimmen zum ersten Bundeskanzler gewählt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="600" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=600%2C600&#038;ssl=1" alt="Karte der ehemaligen BRD und DDR" class="wp-image-2209" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Anupong Boonma/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Was wäre gewesen, wenn sich Adenauer nicht mit seiner eigenen Stimme gewählt hätte? Nach dem Geschichtsprofessor Norbert Frei hätte der Bundestag in zwei weiteren Wahlgängen einen Bundeskanzler wählen können. Frei hielt es für wahrscheinlich, dass dies im zweiten Anlauf auch Adenauer gewesen wäre. Es bestand jedoch auch die Möglichkeit, da ein Gegenbündnis der SPD unter Kurt Schumacher keine rechnerische Mehrheit hatte, dass sich danach dennoch eine schwarz-rote Koalition gebildet hätte.</p>



<p>Ein solches Bündnis hätte die Westbindung zögerlicher verfolgt, um<a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/die-republik-von-maxim-voland/"> eine mögliche Wiedervereinigung</a> nicht zu gefährden. Auch wäre die Innen-, Sozial- und Wirtschaftspolitik der entstehenden Bundesrepublik deutlich sozialdemokratischer geprägt worden, als in der Realität durch Adenauer und seinen Wirtschaftsminister Ludwig Erhard. Jedoch wäre es wie in der realen Geschichte auch zu einer umfassenden Amnestierung der Nationalsozialisten gekommen. Denn diese Politik war politischer Konsens unter allen Parteien.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="dritter-weltkrieg">1961: Showdown der Supermächte</h3>



<p>Im Oktober 1961 drohte der Kalte Krieg in Berlin zu eskalieren. Die ehemalige Hauptstadt des Dritten Reichs hatte für die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs eine enorme Bedeutung. Sie galt seit der ersten Berlin-Krise im Jahr 1948 mit der 300 Tage dauernden Blockade als Testfall für die Glaubwürdigkeit des westlichen Verteidigungsbündnisses und der USA. Für die Sowjetunion war Berlin ebenfalls von hohem Symbolwert, da es als westliches Schaufenster in die DDR und als Fluchtpunkt für deren Bevölkerung galt.</p>



<p>Im Oktober 1961 kam es zu einer neuen Krise, als DDR-Grenzer entgegen bestehender Abkommen von den US-Offiziellen Ausweiskontrollen einforderten. Dies war ein Verstoß gegen die Besatzungsrechte der US-Amerikaner, die <a href="https://ankerpunkte-blog.de/science-fiction-fantasy/der-anschlag-stephen-king/">Präsident Kennedy</a> zuvor in einer Rede als unverhandelbar bezeichnet hatte.</p>



<p>Lucius Clay, der als persönlicher Vertreter des Präsidenten in Berlin bei einem Nachgeben weitere Provokationen befürchtete, antwortete darauf mit einer Abordnung von Panzern zum Checkpoint Charlie. Am nächsten Tag, dem 27. Oktober 1961, fuhren sowjetische Panzer auf und richteten ihre Geschützrohre auf die US-Amerikaner. Dieser Showdown dauerte 16 Stunden. Erst dann waren Verhandlungen erfolgreich: Die Panzer zogen ab und die zweite Berlin-Krise war endgültig beendet.</p>



<p>Hätte Clay die Provokation durchgehen lassen, wäre es aus Sicht der USA wahrscheinlich gewesen, dass die Sowjetunion weitere Versuche unternommen hätte, die Position der westlichen Besatzungsmächte auszuhöhlen: bis zu einer endgültigen Vertreibung aus Westberlin und einer Integration der Gesamtstadt in die DDR. Dies hätte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/romane-filme/der-letzte-tag-der-schoepfung-wolfgang-jeschke/">in der Logik des Kalten Krieges</a> fatale Auswirkungen auf die globale Glaubwürdigkeit und Machtposition der USA gehabt.</p>



<p>Wäre die Situation am Checkpoint Charlie dagegen eskaliert, hätten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/dritter-weltkrieg/im-sturm-tom-clancy/">die militärischen Planungen</a> beider Seiten eine weitere Eskalation bis zum Nuklearkrieg vorgesehen. Der Historiker Andreas Etges merkte aber für ein solches Alternative History Szenario an, dass die Kuba-Krise ein Jahr später zeigte: Beide Seiten waren nicht an einem Atomkrieg interessiert und versuchten ihn im Krisenfall aktiv zu verhindern.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="stanislaw-petrow">1983: &#8222;Jetzt nur keine Panik&#8220;</h3>



<p>Von 1981 bis 1983 war der NATO-Doppelbeschluss Gegenstand heftiger Demonstrationen in der Bundesrepublik Deutschland. Er führte allerdings nach Michael Thumann, Osteuropa-Korrespondent der ZEIT, wenige Jahre später zu einer radikalen Abrüstung beider Seiten.</p>



<p>Dies war nur möglich, da am 26. September 1983 der Offizier Stanislaw Petrow die Nerven bewahrte. Er kommandierte ein Frühwarnzentrum der sowjetischen Atomstreitkräfte, das kurz nach Mitternacht Alarm gab und den Start einer US-amerikanischen Interkontinentalrakete meldete. Vom Start einer Rakete bis zum Einschlag blieben nur 25 Minuten Reaktionszeit. Zudem waren 1983 sowohl die USA und der Westen sowie die Sowjetunion und deren Verbündete <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-mauer-steht-am-rhein-christian-von-ditfurth/">noch stark auf Konfrontationskurs</a>.</p>



<p>Hätte Petrow sofort seinen Vorgesetzten informiert, hätte dieser einen Gegenschlag angeordnet. In der <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/das-moskau-spiel-christian-von-ditfurth/">Logik der Abschreckung im Kalten Krieg</a> hätte dies eine verheerende Welle an Atomangriffen beider Seiten (siehe Bild unten) ausgelöst.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="476" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Abschuss-einer-Atomgranate.jpg?resize=600%2C476&#038;ssl=1" alt="Foto des Abschusses einer Atomgranate mit Atompilz" class="wp-image-3729" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Abschuss-einer-Atomgranate.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Abschuss-einer-Atomgranate.jpg?resize=300%2C238&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Stattdessen meldete Petrow einen Fehlalarm. Er misstraute dem von ihm selbst mitentwickelten Frühwarnsystem und fürchtete, einen Dritten Weltkrieg auszulösen. Erst ein halbes Jahr später bestätigen Spezialisten einen seltenen technischen Fehler als Ursache.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="revolution-ddr">1989: Unwahrscheinliches Glück</h3>



<p>Als es am 9. Oktober 1989 zu Massendemonstrationen in Leipzig gegen die Führung der DDR kam, fürchteten viele Demonstranten und Beobachter eine gewaltsame Niederschlagung durch die staatlichen Sicherheitsorgane. Entsprechende Gerüchte kursierten seit Tagen und am 7. Oktober war die Staatsmacht noch mit Gewalt gegen Proteste in Ostberlin vorgegangen. Gleichlautende Pläne der Sicherheitsorgane gab es auch für Leipzig.</p>



<p>Zwar begann der Ostblock seit 1985 zu bröckeln. Ein entschlossenes Niederschlagen von Protesten war daher nicht mehr so selbstverständlich wie in den 1950er und 1960er Jahren. Die Führungsspitze der DDR um Generalsekretär Honecker verweigerte sich aber <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/plan-d-simon-urban/">trotz des maroden Zustands</a> des Landes (siehe Symbolbild unten) Reformversuchen und favorisierte eine <em>&#8222;chinesische&#8220;</em> Lösung. In China hatte die dortige Führung Proteste auf dem &#8222;Platz des Himmlischen Friedens&#8220; gewaltsam niedergeschlagen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto des alten Wappens der DDR" class="wp-image-2203" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(dimm3d/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Wäre die Demonstration in Leipzig ebenfalls niedergeschlagen worden, hätte das die Bürgerrechtsbewegung zwar kurzfristig geschwächt. Die Opposition gegen die Führung der DDR wäre jedoch nicht beendet gewesen, sondern hätte sich anders entwickelt. Vor allem aufgrund <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/">der steigenden Auswanderungszahlen in den Westen</a> hätte sich die DDR nicht halten können.</p>



<p>Verhindert hatten dieses Szenario nach der Historikerin Franka Maubach neben einem offen vorgetragenen Gewaltverzicht der Demonstranten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/die-letzte-kosmonautin-brandon-q-morris/">nur einige Zufälle</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="fluechtlingskrise">2015: Grenze offen, Grenze dicht</h3>



<p>Im letzten Artikel fanden sich zwei Perspektiven auf die Frage: Was wäre gewesen, wenn Kanzlerin Angela Merkel 2015 die Grenze gegenüber den Flüchtlingen geschlossen hätte?</p>



<p>Heinrich Wifing, Leiter des Politik-Ressorts bei der ZEIT, bezweifelte, dass sich die Grenze überhaupt hätte schließen lassen. Dies wäre nur unter harten Gewalteinsatz der Polizei möglich gewesen. Bilder, die Kanzlerin Merkel nicht wollte und die ihr schwere Kritik im In- sowie Ausland eingebracht hätten. Gleichzeitig hätten sich anderen europäische Staaten auf diese Entscheidung berufen und ihre Grenzen früher als in der Realität für Geflüchtete geschlossen. Dieses Alternative History Szenario hätte sowohl die Bilder der <em>&#8222;Willkommenskultur&#8220;</em> verhindert, als auch das Gefühl des <em>&#8222;Kontrollverlusts&#8220;</em>, der maßgeblich zum Aufstieg der deutschen Rechtspopulisten beitrug.</p>



<p>Der Geschichtsprofessor Andreas Rödder kritisierte dagegen das Nicht-Handeln der deutschen Regierung im September 2015. Er verwies ebenfalls auf die Angst vor Bildern von niedergeknüppelten geflüchteten Frauen und Kindern. Er argumentiert jedoch, dass durch eine Zurückweisung ein Magneteffekt auf andere Geflüchtete vermieden worden wäre. Zudem wäre die europäische Migrationspolitik früher reformiert worden. Zuletzt wäre ein Mobilisierungseffekt für die Rechtspopulisten ausgeblieben.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="struktur-zufall">Struktur und Zufall in der Alternative History</h3>



<p>Alle 20 Szenarien von ZEIT Geschichte griffen folgende Fragen auf: Welche Rolle spielten Struktur und Zufall für die Geschichte und die Alternative History.</p>



<p>Aus Sicht des Blogautors entschieden sich die meisten Autoren für die Struktur. In vielen Artikeln in einer solchen Art und Weise, dass eine Änderung der Geschichte kaum realistisch gewesen wäre oder dass sich die Veränderungen kaum ausgewirkt hätten.</p>



<p>In <em>&#8222;1521: Vorschlag zur Güte&#8220;</em> war ein Sinneswandel von Karl V. der Deus ex machina, der das Gedankenexperiment erst möglich machte. Tillmann Bendikowski betonte aber, dass das Szenario aufgrund der strukturell eingeschränkten Spielräume der Akteure unrealistisch war.</p>



<p>Bei <em>&#8222;1629: Das Gemetzel hätte früher enden können&#8220;</em> gestand Raoul Löbbert der Entscheidung zum <em>&#8222;Restitutionsedikt&#8220;</em> eine teilweise zufällige Entwicklung zu. Er verwies aber auf die begrenzte Veränderung der Geschichte angesichts der machtpolitischen Strukturen Europas im Jahr 1621.</p>



<p><em>&#8222;Mein Unglück ist, dass ich noch lebe&#8220;</em> gab dem Zufall durch einen möglichen Schlachtentot Friedrichs II. oder den Tod von Zarin Elisabeth zwar großen Raum. Eher deterministisch führte Samuel Rieth aber aus, dass sich dadurch die Entwicklung Preußens zur Großmacht nicht geändert hätte. Eine Einschätzung, die der Blogautor in diesem Artikel ausnahmsweise nicht nachvollziehen konnte.</p>



<p>Mit <em>&#8222;Ein Kaiser von Volkes Gnaden&#8220;</em> griff Ralf Zerback zwar ein durchaus populäres Szenario auf. Er sah aber angesichts der gesellschaftlichen Strukturen und der Person Friedrich Wilhelms IV. keine realistische Basis für eine andere Entwicklung der Geschichte.</p>



<p>In <em>&#8222;Keine Durchschlagskraft&#8220;</em> argumentierte Ute Planert zwar für den Zufall eines gelungenen Attentats auf Bismarck für eine große Änderung von dessen historischer Rolle. Aber auch sie betonte, dass der Konflikt zwischen Preußen und Österreich im Jahr 1866 aufgrund von militärischen und politischen Strukturen dennoch ausgebrochen wäre.</p>



<p>In eine andere Richtung schrieb Alexander Cammann mit <em>&#8222;Das deutsche Duell&#8220;</em> für den Fall einer preußischen Niederlage in der Schlacht bei Königgrätz. Seine Alternative History Spekulation ging aus Sicht des Blogautors ausnahmsweise aber bei der Änderung der Strukturen zeitlich sehr weit und sprengte bei weitem den Rahmen des <em>&#8222;auf die für Zeitgenossen überschaubare Zukunft&#8220;</em>.</p>



<p><em>&#8222;Eine Tragödie für die Deutschen&#8220;</em> von Volker Ulrich stellte erneut die politisch-wirtschaftlichen Strukturen der Gesellschaft des Deutschen Reichs im Jahr 1888 in den Vordergrund. Nur indirekt erkannte er im Vergleich der Personen Friedrich III. und Wilhelm II. die Rolle von Individuen und damit des Zufalls etwas an.</p>



<p>Christoph Nonn beantwortete in <em>&#8222;Bei Mord Krieg?&#8220;</em> dagegen die kontrafaktische Frage eindeutig für den Zufall. Denn die politischen Strukturen Europas im Jahr 1914 waren aus seiner Sicht nicht so deterministisch auf Krieg festgelegt, wie allgemein angenommen. Daher hätte ein durch Zufall erfolgloses Attentat keinen Ersten Weltkrieg auslösen können.</p>



<p>In eine ähnliche Richtung ging Markus Flohr bei <em>&#8222;Passage am Polarkreis&#8220;</em>. Die Strukturen im Russland des Jahres 1917 waren nicht von vorneherein auf eine kommunistische Revolution ausgelegt. Daher hätte eine durch Zufälle gelungene Verhaftung Lenins die Geschichte verändert.</p>



<p>Mit <em>&#8222;Wie die Revolution gelungen wäre&#8220;</em> beschrieb Klaus Latzel lange ein vermeintliches Wunschszenario der deutschen Revolution. Am Ende erklärte er aber, weshalb diese Entwicklung angesichts der politischen Strukturen von Anfang an unrealistisch gewesen wäre.</p>



<p><em>&#8222;Retter der Republik&#8220;</em> zeigte die Rolle des Zufalls in der Person sowie im Tod des Reichspräsidenten Ebert und hielt sich an die wissenschaftlich begründeten Begrenzungen von Alternative History Szenarien. Aus Sicht des Blogautors erklärte der Artikel auch gut, wie begrenzt <em>&#8222;wünschenswerte&#8220;</em> Entwicklungen laufen können.</p>



<p><em>&#8222;Letzte Ausfahrt Rheinland&#8220;</em> erzählte zwar zuerst breit ein mögliches Alternative History Szenario. Indirekt gab Andreas Molitor aber zu, dass auch diese Entwicklung unrealistisch gewesen wäre.</p>



<p>Michael Wildt betonte mit <em>&#8222;Dann hätte es keinen Holocaust gegeben&#8220;</em> die Rolle des Zufalls bei einem erfolgreichen Attentat auf Adolf Hitler. Er beschrieb aber auch, wie begrenzt sich die Geschichte dadurch geändert hätte.</p>



<p>Mit <em>&#8222;Das Wunder von Dünkirchen&#8220;</em> erklärte Hauke Friedrichs zuerst ein von einem zufälligen Haltebefehl ausgelöstes Szenario. Ebenso erläuterte er die kurzfristigen Veränderungen der Geschichte, die sich daraus ergeben hätten. Am Ende schränkte er diese Änderungen aber wieder zugunsten der militärischen Strukturen ein.</p>



<p>Bei <em>&#8222;Kartoffelacker oder Aufbauhilfe&#8220;</em> beschrieb Manfred Berg zwar ein enorm populäres Alternative History Szenario. Eines, dass allerdings aufgrund der Strukturen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">in den USA</a> des Jahres 1944 keine Chance auf eine Realisierung in der Geschichte hatte.</p>



<p>In <em>&#8222;Ära ohne Adenauer&#8220;</em> erklärte Norbert Frei umfassend die politischen Strukturen vor der ersten Kanzlerwahl 1949. Mit dem Verweis auf diese Strukturen schränkte er die historischen Folgen einer Nichtwahl von Adenauer stark ein.</p>



<p><em>&#8222;Showdown der Supermächte&#8220;</em> widmete sich ebenfalls einem populären Szenario der Alternative History. Aus Sicht von Andreas Etges hätten aber politische Strukturen einen Dritten Weltkrieg verhindern können.</p>



<p>Anders sah es bei <em>&#8222;Jetzt nur keine Panik&#8220;</em> von Michael Thumann aus. Hier spielte der Zufall in der schnellen Entscheidung des Offiziers Stanislaw Petrow eine entscheidende Rolle, um den Dritten Weltkrieg zu verhindern.</p>



<p><em>&#8222;Unwahrscheinliches Glück&#8220;</em> zeigte zwar, dass Zufälle durchaus eine Rolle in der Geschichte spielen können. In diesem Fall wäre nach Franka Maubach aber die strukturelle Entwicklung bzw. der strukturelle Niedergang der DDR unvermeidbar gewesen.</p>



<p><em>&#8222;Grenze offen, Grenze dicht&#8220;</em> als sehr aktuelles Alternative History Szenario blieb mit den beiden Autoren Heinrich Wifing und Andreas Rödder dagegen etwas vage. Zwar wurde einer anderen Entscheidung in der sogenannten Flüchtlingskrise im Jahr 2015 eine große Veränderung der Gegenwart zugebilligt. Beide Autoren lieferten aber keine Begründung, wie eine solche Änderung angesichts der damaligen politischen Strukturen erfolgt wäre. Der Artikel zeigte aber gut, dass historische Fragestellungen immer mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten verbunden sind.</p>



<p>Persönlich seltsam fand der Blogautor die Argumentation im letzten Artikel: Bei beiden Autoren ging es nur um die Angst der Politik vor Bildern bei eventuellen Gewalteinsätzen gegen Geflüchtete. Aber nicht um die Menschen, die auf den Bildern niedergeknüppelt worden wären.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="deutsche-alternative-history">Deutsche Sicht auf Alternative History</h3>



<p>Aus Sicht des Blogautors zeigte die Ausgabe von ZEIT Geschichte (siehe Bild) die Schwierigkeiten und Unsicherheiten beim Thema Alternative History in Deutschland bzw. <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/historiker/">in der deutschen wissenschaftlichen Community</a>.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="680" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/08/ZEIT-Geschichte.jpg?resize=600%2C680&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-7119" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/08/ZEIT-Geschichte.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/08/ZEIT-Geschichte.jpg?resize=265%2C300&amp;ssl=1 265w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Foto)</figcaption></figure>



<p>Wo im angelsächsischen Raum zu viel Fantasie und Spekulation herrscht, hat man aus Sicht des Blogautors in Deutschland fast Angst davor, den Pfad der realen Geschichte zu verlassen.</p>



<p>Diese Argumentation stützte sich auf den Eindruck des Blogautors von sehr langen Herleitungen und Erklärungen für die reale historische Entwicklung und dazu im Vergleich eher knappen Was-wäre-wenn-Teilen in den meisten Artikeln. Diese Schreibweise konnte aber auch daran liegen, dass die Ausgabe insgesamt einem Nicht-Fachpublikum eine enorme Spanne an historischen Zeiträumen und Ereignissen vorstellte.</p>



<p>Auffällig war, dass Historiker skeptischer waren, was die Auswirkungen der Was-wäre-wenn-Fragen anging, als die Autoren, die &#8222;nur&#8220; als Redakteure beschrieben wurden.</p>



<p>Bei einzelnen Was-wäre-wenn-Spekulationen war diese Skepsis durchaus angemessen. Es stellte sich aber die Frage, ob die Auswahl der 20 Ankerpunkte eventuell Szenarien begünstigte, die Strukturen oder unrealistische Alternative History betonten.</p>



<p>Allerdings versuchte ZEIT Geschichte in dieser Ausgabe durchaus einen schwierigen Spagat: Zwischen populären, relativ häufig vorkommenden Szenarien wie der niedergeschlagenen Revolution in der DDR 1989 und historischen Ereignissen der deutschen Geschichte, die in der Alternative History bisher nicht oft auftauchten wie der Tod Eberts 1925.</p>



<p>Allgemein stellte sich für den Blogautor aber der Sinn von Szenarien, wenn diese am Ende des Artikels als von vorneherein &#8222;unrealistisch&#8220; eingestuft wurden. Ein solches Ergebnis konnte ausdrücklich eine Antwort der kontrafaktischen Fragestellung sein. Aber wenn es die einzige Antwort ist, stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/ankerpunkte-alternative-history-canvas/">der wissenschaftlichen Methodik</a>.</p>



<p>Insgesamt war ZEIT Geschichte mit der Ausgabe <em>&#8222;Was wäre gewesen, wenn &#8230;? 20 Wendepunkte der deutschen Geschichte – und die Frage, wie es auch anders hätte kommen können&#8220;</em>, eine anregende Lektüre, die im Ankerpunkte Blog auch an anderer Stelle verarbeitet wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellen-literatur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Benjamin Bidder: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/vergessener-held-a-948852.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Mann, der den dritten Weltkrieg verhinderte.</a> Vergessene Helden, auf: spiegel.de (21.04.2010).</li>



<li>Philip Cassier: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article255568930/Kaiser-Friedrich-III-Was-waere-gewesen-wenn-er-laenger-Zeit-gehabt-haette.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Kaiser, der den Deutschen viel Unglück erspart hätte.</a> Friedrich III., auf: welt.de (15.03.2025).</li>



<li>Richard J. Evans: Veränderte Vergangenheiten. Über kontrafaktisches Erzählen in der Geschichte. München 2013.</li>



<li>Erich Follath: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/attentat-von-sarajevo-1914-franz-ferdinand-und-der-erste-weltkrieg-a-977651.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Am Tag, als das Feuer kam.</a> Sarajevo-Attentat 1914, auf: spiegel.de (24.09.2013).</li>



<li>Lukas Gedziorowski: <a href="https://www.deutschlandfunk.de/friedrich-ebert-todestag-weimarer-republik-reichspraesident-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der ungeliebte erste Reichspräsident.</a> Friedrich Ebert, auf. deutschlandfunk.de (27.02.2025).</li>



<li>Lars-Broder Keil, Sven-Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/geschichten/article186127052/Aus-dem-Bundesarchiv-So-blutig-war-Weihnachten-1918-in-Berlin.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">So blutig waren die Berliner Weihnachtstage 1918.</a> Aus dem Bundesarchiv, auf: welt.de (27.12.20218).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article201592538/Friedliche-Revolution-Was-war-am-Morgen-des-10-Oktobers-anders.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Bis heute wissen wir nicht, warum es gewaltfrei blieb“</a>. Friedliche Revolution, auf: welt.de (30.08. 2021).</li>



<li>Sven-Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article230928921/Ferdinand-Cohen-Blind-Was-den-Bismarck-Attentaeter-antrieb.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Die einzige Lösung ist die Beseitigung Bismarcks“.</a> Ferdinand Cohen-Blind, auf: welt.de (07.05.2021).</li>



<li>Sven-Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article251243936/Deutschland-Wie-das-Land-waere-wenn-Preussens-Koenig-die-Kaiserkrone-genommen-haette.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie Deutschland wäre, wenn Preußens König die Kaiserkrone genommen hätte.</a> Friedrich Wilhelm IV., auf: welt.de (06.05.2024).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article231034257/Henry-Morgenthau-So-kam-es-zu-seinem-beruechtigen-Plan.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie es zum berüchtigten „Morgenthau-Plan“ kam.</a> Henry Morgenthau, auf: welt.de (11.05.2021).</li>



<li>Tim Pröse: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/georg-elser-und-das-attentat-auf-adolf-hitler-nur-13-minuten-fehlten-a-1142134.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Es fehlten nur dreizehn Minuten.</a> Hitler-Attentäter Georg Elser, auf: spiegel.de (07.04.2017).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article156742070/Koeniggraetz-1866-Diese-gigantische-Schlacht-schuf-Deutschland.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Diese gigantische Schlacht schuf Deutschland.</a> Königgrätz 1866, auf: welt.de (03.07.2016).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article208208325/Halt-Befehl-Warum-Hitler-den-Sturm-auf-Duenkirchen-stoppte.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Warum Hitler den Sturm auf Dünkirchen stoppte.</a> &#8222;Halt-Befehl&#8220;, auf: welt.de (25.11.2021).</li>



<li>Bernd Ulrich: <a href="https://www.deutschlandfunk.de/berlin-1961-konfrontation-am-checkpoint-charlie-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Konfrontation am Checkpoint Charlie.</a> Berlin 1961, auf: deutschlandfunk.de (27.10.2021).</li>



<li>ZEIT Geschichte: Was wäre gewesen, wenn…?&#8220; 20 Wendepunkte der deutschen Geschichte – und die Frage, wie es auch anders hätte kommen können. Mai 2025.</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/hintergruende/was-waere-gewesen-wenn-zeit-geschichte/">1521 bis 2015: ZEIT Geschichte 3/2025</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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		<title>1937: Nacht der braunen Schatten von Katharine Burdekin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Oct 2023 20:14:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der neue Klassiker Zweiter Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Romane und Filme]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hunderte Jahre nach dem Sieg der Nationalsozialisten wird Adolf Hitler als Gott verehrt und Frauen gelten als halb-intelligente Gebärmaschinen. Doch die Wahrheit über den Diktator und die Frauen existiert noch im Verborgenen. Ankerpunkt Die Nationalsozialisten und die Frauen In &#8222;Nacht der braunen Schatten&#8220; beschäftigt sich Katharine Burdekin vor allem mit dem Verhältnis der Nationalsozialisten zu [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/nacht-der-braunen-schatten-katharine-burdekin/">1937: Nacht der braunen Schatten von Katharine Burdekin</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Hunderte Jahre nach dem Sieg der Nationalsozialisten wird Adolf Hitler als Gott verehrt und Frauen gelten als halb-intelligente Gebärmaschinen. Doch die Wahrheit über den Diktator und die Frauen existiert noch im Verborgenen.</p>



<span id="more-5959"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#frauen">Die Nationalsozialisten und die Frauen</a></li>



<li><a href="#adolf-hitler">Die quasi-religiöse Verehrung für Adolf Hitler</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#hitler">Das Jahr 720 nach Hitler</a></li>



<li><a href="#foto-buch">Ein Foto und ein Buch aus der Vergangenheit</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#nacht-der-braunen-schatten">Die jahrhundertelange <em>&#8222;Nacht der braunen Schatten&#8220;</em></a></li>



<li><a href="#emanzipatorisch">Ein emanzipatorischer Roman</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="frauen">Die Nationalsozialisten und die Frauen</h3>



<p>In <em>&#8222;Nacht der braunen Schatten&#8220;</em> beschäftigt sich Katharine Burdekin vor allem mit dem Verhältnis der Nationalsozialisten zu Frauen.</p>



<p>Das &#8222;reale&#8220; Drittes Reich basierte stark auf einer sogenannten <em>&#8222;Volksgemeinschaft&#8220;</em>, die sich vor allem in verschiedenen Formen der <em>&#8222;Lagererziehung&#8220;</em> zeigte. So hatte jede Organisation wie die <em>&#8222;Hitlerjugend&#8220;</em> oder der <em>&#8222;Bund deutscher Mädchen&#8220;</em> eigene Lager, in denen unter totaler Kontrolle ein Kollektiv erzwungen wurde. Viele erlebten diese <em>&#8222;Lagergemeinschaft&#8220;</em> aber als egalitäre Kameradschaft, die sie mit einem großen Glückserlebnis verbanden und loyal zum Regime stehen ließ.</p>



<p>Als verbindendes Element der <em>&#8222;Volksgemeinschaft&#8220; </em>galt das gemeinsame arisch-deutsche &#8222;Blut&#8220;, auch zur Abgrenzung nach außen. Damit verbunden war ein Bekenntnis zur Ungleichheit, insbesondere der unterschiedlichen Wertigkeiten von Menschen durch ihre <em>&#8222;Rasse&#8220;</em>.</p>



<p>Die Erziehung in diesem Sinne, so Hitler in <em>&#8222;Mein Kampf&#8220;</em>, sollte nicht durch Bildung erfolgen, sondern durch <em>&#8222;Körperzüchtigung&#8220;</em> in den Lagern. </p>



<p>Verschiedene Organisationen sollten die Kinder ab zehn Jahren in die nationalsozialistische Weltsicht integrieren und sie so lange formen, dass sie unabhängig von ihren Familien komplett im nationalsozialistischen Sinne geprägt waren.</p>



<p>Diese Ziele verfolgten die Nationalsozialisten auch für die Frauen, wobei die für sie zuständigen Institutionen in ihrer Autonomie eingeschränkt wurden.</p>



<p>So gab es bereits in der NSDAP vor 1933 eine klare Abgrenzung: Alleine die Männer führten den politischen Kampf. Zum Beispiel gab es nie eine nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete. </p>



<p>Eine unterstützende Rolle war dagegen erwünscht. Beispielsweise galten Frauen, die für <em>&#8222;NS-Kämpfer&#8220;</em> kochten als akzeptabel. Sie entsprachen damit dem Bild einer aufopferungsvollen Frau, die ihrem angeblich natürlichen Instinkt folgte.</p>



<p>Zwar gab es mit der <em>&#8222;NS-Frauenschaft&#8220;</em> und dem <em>&#8222;Deutschen Frauenwerk</em>&#8220; eigene Frauen-Organisationen. Allerdings war die <em>&#8222;Reichsfrauenführerin&#8220;</em> immer männlichen Vorgesetzten untergeordnet und eine selbstständigere Rolle der Organisationen wurde unterbunden.</p>



<p>Stattdessen sollten die Organisationen ein nationalsozialistisches Frauenbild verankern. Zum Beispiel, indem Frauen (siehe Bild unten) zur Aufgabe einer Erwerbsarbeit zugunsten von <em>&#8222;Kinder, Küche, Kriegsarbeit&#8220; </em>ermuntert wurden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="754" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/10/Frauen-Nationalsozialismus.jpg?resize=600%2C754&#038;ssl=1" alt="Foto einer Gruppe von Frauen zur Zeit des Nationalsozialismus" class="wp-image-6291" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/10/Frauen-Nationalsozialismus.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/10/Frauen-Nationalsozialismus.jpg?resize=239%2C300&amp;ssl=1 239w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Ironisch war daran, dass diese Propaganda durchaus erfolgreich war. Denn die mystifizierte Rolle der opferbereiten Mutter belohnte die Frauen erstmals für Tätigkeiten wie Haushalt und Kindererziehung mit Anerkennung in der Gesellschaft.</p>



<p>So begann Hitler seine Reden oft mit <em>&#8222;Volksgenossinnen und Volksgenossen&#8220;</em>, was zumindest öffentlichkeitswirksam rhetorische Anerkennung zum Ausdruck brachte.</p>



<p>Besonders Anfang der 1930er Jahre konnte sich Adolf Hitler bei vielen Frauen als paternalistische Führungsfigur inszenieren, die wieder für Sicherheit und Stabilität sorgen wollte. Bereits vorher waren viele traditionell und konservativ eingestellte Frauen von einem streng konservativen und auch antisemitischen Frauenbild geprägt gewesen.</p>



<p>Ab 1933 gab es öffentlichkeitswirksame Inszenierungen wie einen <em>&#8222;Muttertag&#8220;</em> oder ab 1939 das <em>&#8222;Mutterkreuz&#8220;</em> für kinderreiche Mütter. Gerade letzteres entwickelte sich durch zahlreiche damit verbundene Privilegien zu einer begehrten Auszeichnung unter den Frauen.</p>



<p>Die Rolle der Frauen bestand im Nationalsozialismus vor allem darin, möglichst viele Kinder zur Welt zu bringen und diese im nationalsozialistischen Sinne zu erziehen.</p>



<p>Eine Rolle, die viele Frauen bis 1939 begeistert annahmen: So waren 12 Millionen deutsche Frauen Mitglieder in den nationalsozialistischen Organisationen. Und nach Kriegsende stellten die Alliierten bis zu 8.000 archivierte Liebesbriefe von Frauen an Adolf Hitler sicher.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="adolf-hitler">Die quasi-religiöse Verehrung für Adolf Hitler</h3>



<p>Ein weiterer Faktor von <em>&#8222;Nacht der braunen Schatten&#8220;</em> ist die Verehrung der Person Adolf Hitler. Dass diese zweifelsfrei vorhanden war, zeigten die bereits erwähnten Liebesbriefe.</p>



<p>Diese Verehrung war kein Zufall: Durch Parolen wie <em>&#8222;Auch Du gehörst dem Führer&#8220;</em> für den <em>&#8222;Bund deutscher Mädchen&#8220;</em> oder <em>&#8222;Jugend dient dem Führer&#8220;</em> für die <em>&#8222;Hitlerjugend&#8220;</em> verstärkte die nationalsozialistische Propaganda den emotionalen Fokus auf die Person Adolf Hitler.</p>



<p>Dieser Faktor ist etwas ironisch, da Hitler wie viele aus der Führungsriege der Nationalsozialisten nicht dem arischen Idealbild eines blonden, blauäugigen und körperlich starken Mannes entsprach: Adolf Hitler war <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/1889-geschichte-machen-von-stephen-fry/">dunkelhaarig und wenig kräftig</a>, Joseph Goebbels relativ klein und gehbehindert, Hermann Goering fettleibig und drogensüchtig. </p>



<p>Im national-protestantischen Milieu galt Hitler dennoch vielen Menschen bereits <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-consul-christian-von-ditfurth/">vor seiner Wahl zum Reichskanzler</a> als potenzielle Erlöserfigur, die sowohl mit hohen Erwartungen als auch mit viel Vertrauen in seine Fähigkeiten überfrachtet war.</p>



<p>Die nationalsozialistische Propaganda sowohl vor als auch nach 1933 förderte diesen Effekt, indem sie sich stark <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/wenn-das-der-fuehrer-wuesste-otto-basil/">auf die Person Adolf Hitler</a> konzentrierte. Da er so der normalen Politik enthoben wurde, konnten die Anhänger ihre positiven Gefühle und Hoffnungen ganz auf ihn projizieren. Am Ende stand so nicht nur ein politischer <em>&#8222;Führer&#8220;</em>, sondern eine quasi-religiöse Erlöserfigur.</p>



<p>Diese Fokussierung zeigte sich 1934, als er nach dem Tod des Reichspräsidenten Hindenburg auch dessen Befugnisse übernahm. So ließ er alle Soldaten der Reichswehr einen persönlichen Eid auf sich als <em>&#8222;Führer des Deutschen Reiches und Volkes&#8220;</em> schwören. Dazu gab es die propagandistische Schlagzeile: <em>&#8222;Heute ist Hitler ganz Deutschland!&#8220;</em></p>



<p>Bereits zur gleichen Zeit begannen Städte, ihre Straßen und Plätze nach ihm zu benennen und so den öffentlichen Raum durch ihn einzunehmen – sowie von bisherigen Repräsentanten zu löschen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="600" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=600%2C600&#038;ssl=1" alt="Münze mit dem Bild von Adolf Hitler und dem Motto &quot;Unser die Zukunft Adolf Hitler&quot;" class="wp-image-3088" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Sytilin Pavel/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Auch galt der <em>&#8222;Deutsche Gruß&#8220;</em> mit seinem <em>&#8222;Heil Hitler&#8220;</em> bald für große Teile der Bevölkerung als selbstverständlich.</p>



<p>Die Verehrung für ihn zeigten die begeisterten Reaktionen breiter Bevölkerungsschichten bei Besuchen von Adolf Hitler in den Städten und Regionen des Deutschen Reiches. Zudem &#8222;pilgerten&#8220; tausende Anhänger zur Residenz Hitlers auf dem bayerischen Obersalzberg, um ihn zu sehen. Ein Ritual, bei dem selbst Zeitzeugen eine religiöse Komponente bemerkten.</p>



<p>Ziel der Propaganda war ein <em>&#8222;Führer-Mythos&#8220;</em> mit einem genial-heroischen Adolf Hitler als Verkörperung Deutschlands und des deutschen Volkes, dessen persönliche Leistung alle wirtschafts- und außenpolitischen Erfolge nach 1933 waren.</p>



<p>Damit dockte die Propaganda an bereits verbreitete Wünsche nach einer nationalen Volksgemeinschaft an, die Adolf Hitler als strenges, aber nur dem Wohle der Gemeinschaft verpflichtetes Oberhaupt führte.</p>



<p>Bezeichnend für diese Einstellung ist ein Aufsatz aus dem Jahr 1921, mit dem Rudolf Hess, später stellvertretender NSDAP-Parteivorsitzender, die Frage eines Preisausschreibens beantwortete: <em>„Wie wird der Mann beschaffen sein, der Deutschland wieder zur Höhe führt?“</em></p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Der Mann, der Deutschland wieder aufwärts führt, ist zwar auch ein Diktator, aber in heiliger Vaterlandsliebe hält er über allem eigenen Ehrgeiz seines Landes Wohl und zukünftige Größe als einziges Ziel im Auge“, schrieb der Student und ehemalige Frontoffizier: „Er wird Deutschland wieder zur Vernunft bringen wie der Arzt einen Halbirren – wenn nötig mit brutalster Gewalt.“</p>
<cite>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article247859556/Rudolf-Hess-So-stellte-sich-Hitlers-Privatsekretaer-den-Fuehrer-vor.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Caesar, Napoleon, Hitler – So stellte sich Rudolf Hess den „Führer“ vor.</a> Neue Biographie, auf: welt.de (16.10.2023).</cite></blockquote>



<p>Durch die so entstandene hohe Beliebtheit blieb Hitler innerhalb der nationalsozialistischen Bewegung und für die Organisationen, in denen noch 1933 die alten Eliten dominierten, unantastbar. <em>&#8222;Wenn das der Führer wüsste&#8220;</em> war eine weit verbreitete Parole, um Unzufriedenheit mit dem Regime auszudrücken, ohne dies der Person Hitlers anzulasten.</p>



<p>Dies ging so weit, dass Hitler selbst ab 1935/37 an seine eigene Unfehlbarkeit und seine messianische Mission, was die Judenverfolgung und das Gewinnen von <em>&#8222;Lebensraum&#8220;</em> anging, glaubte und diese widerspruchslos durchsetzte.</p>



<p>So wurde seine Rhetorik messianischer, da er sich als <em>&#8222;Erwählter&#8220;</em> des Deutschen Volkes sah und unbeirrbar auf einer historischen Mission wähnte. Eine Mission, die direkt <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/vaterland-robert-harris/">in den Holocaust</a> und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">den Zweiten Weltkrieg</a> führte.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="hitler">Das Jahr 720 nach Hitler</h3>



<p>In der fernen Zukunft von <em>&#8222;Nacht der braunen Schatten&#8220;</em> – beschrieben als Jahr 720 nach Hitler – wird Adolf Hitler in einer eigenen Religion als Gott beziehungsweise Gottessohn verehrt. </p>



<p>Hermann Göring und Joseph Goebbels sind als <em>&#8222;Erzhelden&#8220;</em> Teil eines nationalsozialistischen Glaubensbekenntnisses. <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">Lenin</a>, Stalin, Ernst Röhm und Karl Barth – ein protestantischer Theologe und Widerstandskämpfer – gelten dagegen als <em>&#8222;Teufel&#8220;</em>, die <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-staehlerne-traum-norman-spinrad/">der vergöttlichte Hitler</a> in ferner Vergangenheit besiegt hatte. </p>



<p>In der göttlichen Version wird er nach dem Vorbild alter skandinavischer Götter (siehe Bild) als enorm groß, mit langem blonden Haar und Bart sowie tiefblauen Augen dargestellt. Neben zahlreichen legendären Heldentaten gilt er als entrückt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="577" height="1024" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/10/Skandinavischer-Gott.jpg?resize=577%2C1024&#038;ssl=1" alt="Foto einer Statue des alten skandinavischen Gottes Thor. Ähnlich wird Adolf Hitler in &quot;Nacht der braunen Schattebn dargestellt&quot;." class="wp-image-6290" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/10/Skandinavischer-Gott.jpg?resize=577%2C1024&amp;ssl=1 577w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/10/Skandinavischer-Gott.jpg?resize=169%2C300&amp;ssl=1 169w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/10/Skandinavischer-Gott.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w" sizes="auto, (max-width: 577px) 100vw, 577px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Liub Shtein/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Als weiterer religiöser Grundsatz im <em>&#8222;Heiligen Deutschen Reich&#8220;</em> gilt eine hierarchische Gesellschaftsordnung der Rassen- und Klassenüberlegenheit: </p>



<ul class="wp-block-list">
<li>von unten ausländische Hitleranhänger (nach einem zwanzigjährigen Weltkrieg unterworfene Völker)</li>



<li>deutsche Nazis</li>



<li>Ritter (Nachfahren von 3.000 von Hitler <em>&#8222;geweihten&#8220;</em> Anhängern)</li>



<li>an der Spitze ein Führer mit einem inneren Kreis von zehn Rittern</li>
</ul>



<p>Nur die Ritter haben Familiennamen und eine männliche Familienlinie. Nazis und ausländische Hitleranhänger haben nur Vornamen, um keinen generationenübergreifenden Familiensinn zu entwickeln und nur Loyalität gegenüber dem <em>&#8222;heiligen Blut&#8220;</em> der Deutschen zu empfinden.</p>



<p>Diese Hierarchie gilt nur für Männer: Frauen leben strikt getrennt in eigenen Vierteln und haben die oberste Aufgabe, Söhne zu gebären, die ihnen nach achtzehn Monaten weggenommen werden.</p>



<p>Da die männliche Gesellschaft sie als unreine, nur halb-intelligente Tiere ohne Seele ansieht, werden die Frauen gezwungen, kahlgeschoren und in gebeugter Haltung zu gehen. </p>



<p>Das Gefühl der Liebe gilt nur unter den jeweiligen Männern der verschiedenen Rassen und Klassen als akzeptabel.</p>



<p>Christen gibt es nur noch als kleine, von der Gesellschaft abgesonderte Gemeinschaften, die als Feindbild dienen. Da Bücher bis auf technische Werke nicht mehr existieren, ist die christliche Religion selbst unter den Christen nur verfälscht überliefert. </p>



<p>Die Juden sind dagegen vollständig ausgerottet, während die russische Bevölkerung noch als unterworfenes Volk existiert. In der offiziellen Geschichtsschreibung galten die unterworfenen Völker vor ihrer Eroberung als primitive Stämme, da nur die Deutschen in der Lage waren, fortschrittliche Technologie zu entwickeln.</p>



<p>Neben dem Deutschen Reich existiert <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/alternative-history-japan/">nur das japanische Reich</a>, mit dem nach mehreren Kriegen seit 70 Jahren Frieden herrscht. Japan beherrscht unter anderem <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">die USA</a>, Kanada und Australien. Die deutschen Nazis, die zum Beispiel Afrika, <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-persien-iran/">Persien</a> und große Teile Russlands unterworfen haben, bereiten sich aber auf den nächsten Krieg vor.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="foto-buch">Ein Foto und ein Buch aus der Vergangenheit</h3>



<p><em>&#8222;Nacht der braunen Schatten&#8220;</em> folgt zuerst dem deutschen Bauern und Nazi Hermann. Er wird in seinem Dorf von Alfred besucht, einem Engländer auf <em>&#8222;Pilgerfahrt zu den heiligen Stätten in Deutschland&#8220;</em>.</p>



<p>Die Engländer gelten einerseits als verdächtig, da sie die letzten waren, die sich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/orakel-vom-berge-philip-dick/">gegen die Nationalsozialisten verteidigt hatten</a>. Und noch vor hundert Jahren hatten sie einen Aufstand gewagt. </p>



<p>Andererseits gibt es unter vielen deutschen Nazis eine große Sympathie für England. Deshalb ist der Dienst in der dortigen Besatzungsarmee sehr beliebt. So ist Hermann seitdem in Alfred verliebt, obwohl er im Gegensatz zu diesem ein Analphabet und wenig intellektuell ist.</p>



<p>Alfred erzählt Hermann überraschend von seinem Plan, das <em>&#8222;Heilige Deutsche Reich&#8220;</em> zu zerstören. Er plant, den Glauben an Hitler als Gott zu erschüttern, der die Basis für die Herrschaft des Reiches darstellt.</p>



<p>Da Hermann einen anderen Nazi fast totschlägt, der ein christliches Mädchen vergewaltigen will – was als <em>&#8222;Blutschande&#8220;</em> gilt – kommt Alfred in Kontakt mit dem vorgesetzten Ritter Friedrich von Hess zu Hohenlinden. </p>



<p>Von Hess ist der letzte seines Rittergeschlechts und hütet <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/nsa-nationales-sicherheits-amt-andreas-eschbach/">mehrere Familiengeheimnisse</a>.</p>



<p>Zuerst zeigt er Alfred und Hermann eine Fotografie aus der Vergangenheit, die Hitler in seinem echten Aussehen zeigt. Was die Männer noch mehr erschüttert, ist eine hübsche junge Frau auf dem Bild.</p>



<p>Danach zeigt er beiden ein Buch, in dem einer seiner Vorfahren bruchstückhaft die Menschheitsgeschichte aufgeschrieben hatte, bevor diese komplett durch die nationalsozialistischen Mythen umformuliert wurde. Dabei erklärt Hess den Ursprung der Trennung zwischen Männern und Frauen.</p>



<p>Ebenso verrät er ihnen, dass ein Krieg zwischen Deutschland und Japan unmöglich ist. Die jeweiligen <em>&#8222;Herrenrassen&#8220;</em> schrumpfen, da immer weniger Töchter auf die Welt kommen. Und die unterworfenen Völker dürften nicht mit komplexen Waffen kämpfen.</p>



<p>Doch es gibt einen Grund, weshalb er ihnen das anvertraut: Er möchte, dass Alfred das Buch und die Fotografie verwahrt. Unter Einsatz seines Lebens.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="nacht-der-braunen-schatten">Die jahrhundertelange <em>&#8222;Nacht der braunen Schatten&#8220;</em></h3>



<p>Katharine Burdekin baut in ihrem Roman <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">eine Alternativwelt</a> auf, in der sich die nationalsozialistische Propaganda über die Jahrhunderte zu einem Mythos und einer Religion entwickelt hat. Somit wurde die Geschichte komplett nach dem nationalsozialistischen Mythos umgestaltet. </p>



<p>Indirekt weist sie durch die vergöttlichten Nationalsozialisten darauf hin, dass weder Hitler noch Göring oder Goebbels oder andere Nationalsozialisten (siehe Bild von Ernst Röhm) dem selbst propagierten Bild eines nordischen Ariers entsprachen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="505" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Ernst-Roehm.jpg?resize=600%2C505&#038;ssl=1" alt="Foto des nationalsozialisten Ernst Röhm mit Mutter und Schwester" class="wp-image-2512" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Ernst-Roehm.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Ernst-Roehm.jpg?resize=300%2C253&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption"> (Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>In ihrem 1936 erschienen Roman beschrieb Katharine Burdekin reale Entwicklungen allerdings sehr passend.</p>



<p>Zuerst sah sie klar das Ziel der Nationalsozialisten, die Welt zu unterwerfen und die Juden auszulöschen.</p>



<p>Vor allem betrifft dies aber die Rolle der Frauen im nationalsozialistischen <em>&#8222;Heiligen Deutschen Reich&#8220;</em>, die ausgehend von der &#8222;realen&#8220; propagandistischen Reduzierung auf die Mutterrolle in <em>&#8222;Nacht der braunen Schatten&#8220;</em> auf rechtlose Gebärmaschinen reduziert wurden.</p>



<p>Das Nachwort der Ausgabe von 1995 lobt daher zu Recht den Roman als eine der ersten Beschreibungen des Zusammenhangs zwischen Faschismus und Patriarchat beziehungsweise Frauenfeindlichkeit. </p>



<p>Die gleiche Entwicklungslinie gilt für die &#8222;reale&#8220; Verehrung, die Adolf Hitler durch seine Anhänger entgegenschlug und die ab 1933 ein quasi-religiöses Niveau erreichte.</p>



<p>Von daher finde ich es durchaus logisch, wenn Katharine Burdekin erklärt, dass die nationalsozialistische Religion mit ihren Auswirkungen für die Gesellschaft in <em>&#8222;Nacht der braunen Schatten&#8220;</em> zwar vom Führer sowie seinem inneren Kreis entworfen und beschlossen wurde. Entscheidend war jedoch eine hysterische Bevölkerung, die den Mythos Hitler in eine Religion übertragen wollte.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="emanzipatorisch">Ein emanzipatorischer Roman</h3>



<p>Kathrin Burdekin zeigt in ihrem Roman eine andere Art, Geschichten zu erzählen und viele emanzipatorische Gedanken. Vor allem in Bezug auf die Rolle der Frau und vor dem Hintergrund, dass der Roman bereits 1937 erschien.</p>



<p>So weist <em>&#8222;Nacht der braunen Schatten&#8220;</em> wenig Handlung auf. Dagegen gibt es lange Dialoge zwischen Hermann, Alfred und Ritter von Hess.</p>



<p>Alle drei sind interessante Charaktere. Wobei sie realistisch in ihrer Alternativwelt – und teilweise dem Frauenbild des &#8222;realen&#8220; Jahres 1937 – verwurzelt bleiben. So ist der Ritter trotz seines Wissens um die früheren Frauen davon überzeugt, dass Frauen keinen eigenen Willen haben.</p>



<p>Ironisch ist, dass im 1937 veröffentlichen Roman gerade der Ritter von Hess die Vertrauenswürdigkeit des Engländers Alfred mit einem gemeinsamen Flug testet. Denn sein Vorfahr Rudolf Heß flog in der &#8222;realen&#8220; Geschichte 1941 unter mysteriösen Umständen nach Großbritannien, um einen Friedensschluss zu verhandeln.</p>



<p>Eine große Stärke des Romans sind aus meiner Sicht kluge Gedanken, die Katharine Burdekin in den Dialogen unterbringt.</p>



<p>So formuliert Alfred die These, dass die unterworfenen Völker die Idee des vergöttlichten Hitlers akzeptierten, um die eigene Niederlage erträglicher zu machen.</p>



<p>Ebenso finde ich interessant, wie die Charaktere über die &#8222;vergangene&#8220; Zivilisation sprechen und sich zum Beispiel über christliche Priester wundern. Damit bringt Kathrin Burdekin damals – und nicht nur damals – aktuelle Debatten in den Roman.</p>



<p>Denn durch Alfred formuliert sie moderne emanzipatorische Grundlagen, zum Beispiel, dass Frauen <em>&#8222;sexuelle Unanfechtbarkeit und Stolz auf das eigene Geschlecht&#8220;</em> entwickeln müssen. Erst damit wird ihre eigenständige Entwicklung eingeleitet und für sie inakzeptabel, dass Männer über ihre Lebensweise bestimmen.</p>



<p>Etwas übertrieben ist aus meiner Sicht, dass im Roman die Engländer als Ausnahmeerscheinung gelten, die sich unter den unterworfenen Bevölkerungen als einzige etwas Unbeugsamkeit und Prinzipientreue bewahrt haben.</p>



<p>Insgesamt bietet <em>&#8222;Nacht der braunen Schatten&#8220;</em> (siehe Bild) neben einem durchaus realistischen Szenario viele interessante Gedanken. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="693" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/10/Nacht-der-braunen-Schatten.jpg?resize=600%2C693&#038;ssl=1" alt="Cover des Romans Nacht der braunen Schatten von Katharine Burdekin" class="wp-image-6289" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/10/Nacht-der-braunen-Schatten.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/10/Nacht-der-braunen-Schatten.jpg?resize=260%2C300&amp;ssl=1 260w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Leider ist Katharine Burdekin als Feministin und (heimliche) Homosexuelle eine Ausnahmeerscheinung in der <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">Alternative History</a>. Schade, denn sie bringt eine interessante und wertvolle Perspektive ein. Eine, die ich gerne weiterempfehle.</p>



<h3 class="wp-block-heading">In eigener Sache: Vorsicht vor rechten Auslegern</h3>



<p>Leider auch hier wieder ein Hinweis in eigener Sache.</p>



<p>Die Ausgabe von <em>&#8222;Nacht der braunen Schatten&#8220;</em> aus dem Jahr 2016 führte mich nach einigen Recherchen wieder zu einem Verlag, der nach meinem Kenntnisstand auch für rechte Auslegungen des Alternative History Genres offen ist.</p>



<p>Zwar publiziert diese Ausgabe ebenfalls das Nachwort, das auf die Kritik an Faschismus und Patriarchat bei Katharine Burdekin eingeht und diese lobt. Danach gibt es aber Werbung für Bücher, bei denen ich schwer einschätzen kann, in welche politische Richtung sie gehen.</p>



<p>Daher verzichtete ich auf eine Nennung dieser Ausgabe im Quellen- und Literaturverzeichnis, empfehle aber gerne die Ausgabe von 1995 weiter. Leider ist diese nur noch schwer zu bekommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Katharine Burdekin: Nacht der braunen Schatten. Münster 1995.</li>



<li>Evangelische Kirche in Deutschland: <a href="https://www.ekd.de/karl-barth-41275.htm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Karl Barth</a>, auf: ekd.de (10.12.2018).</li>



<li>GEO Epoche: Deutschland unter dem Hakenkreuz. Teil 1: 1933-1936. Die ersten 1000 Tage der Diktatur. Oktober 2012.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Nacht+der+braunen+Schatten&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1018292538" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article247859556/Rudolf-Hess-So-stellte-sich-Hitlers-Privatsekretaer-den-Fuehrer-vor.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Caesar, Napoleon, Hitler – So stellte sich Rudolf Hess den „Führer“ vor.</a> Neue Biographie, auf: welt.de (16.10.2023).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article166890633/Was-so-viele-Frauen-an-Hitler-faszinierte.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Was so viele Frauen an Hitler faszinierte.</a> Nationalsozialismus, auf: welt.de (24.07.2017).</li>



<li>Michaela Kipp: <a href="https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/innenpolitik/frauenpolitik.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die NS-Frauenpolitik</a>, auf: lemo.de (12.09.2000).</li>



<li>Benjamin Maack: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/liebesbriefe-an-hitler-ich-kuesse-dich-auf-deine-vier-buchstaben-a-949197.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;Ich küsse Dich auf Deine vier Buchstaben&#8220;.</a> Liebesbriefe an Hitler, auf: spiegel.de (15.04.2008).</li>



<li>Yvonne Schymura: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/mutterkreuze-unter-hitler-mutterkult-im-nationalsozialismus-a-967822.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;Das Mutterkreuz ist mein sehnlichster Wunsch&#8220;.</a> Frauen im&nbsp;Nationalsozialismus, auf: spiegel.de (11.05.2014).</li>



<li>DER SPIEGEL Geschichte: Faschismus. Das Europäische Inferno. Mai 2017.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Nacht+der+braunen+Schatten&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1059829416" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>DER SPIEGEL Geschichte: Hitlers Machtergreifung. 30. Januar 1933. Der Anfang vom Untergang. Januar 2008.</li>



<li>DER SPIEGEL Geschichte: Hitlers treues Volk. Warum die Deutschen dem Nationalsozialismus verfielen. November 2022.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Nacht+der+braunen+Schatten&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1068478116" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>ZEIT Geschichte: Diktatoren. Die Feinde der Demokratie: Eine Geschichte von Mussolini bis Putin. Juli 2022.</li>



<li>ZEIT Geschichte: Europas Weg in den Faschismus. November 2013.</li>
</ul>
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		<title>1889: Geschichte machen von Stephen Fry</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Sep 2023 19:29:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der neue Klassiker Zweiter Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Romane und Filme]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Welt ohne Adolf Hitler scheint auf den ersten Blick eine bessere Welt zu sein. Doch der Historiker Michael Young muss in diesem Roman schnell feststellen, dass sich die Geschichte nicht wie ein Film ändern lässt. Ankerpunkt Die Kindheit von Adolf Hitler Die in &#8222;Geschichte machen&#8220; thematisierte Geburt und Kindheit von Adolf Hitler sind jenseits [&#8230;]</p>
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<p>Eine Welt ohne Adolf Hitler scheint auf den ersten Blick eine bessere Welt zu sein. Doch der Historiker Michael Young muss in diesem Roman schnell feststellen, dass sich die Geschichte nicht wie ein Film ändern lässt.</p>



<span id="more-6175"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
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<li><a href="#kindheit">Die Kindheit von Adolf Hitler</a></li>



<li><a href="#nationalsozialismus">Die Rolle von Adolf Hitler für den Nationalsozialismus</a></li>
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<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
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<li><a href="#michael-young">Der Historiker Michael Young</a></li>



<li><a href="#adolf-hitler">Die Welt ohne Adolf Hitler</a></li>
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<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#geschichte">Geschichte von etwas nie Geschehenen</a></li>



<li><a href="#geschichte-machen">Verwirrendes <em>&#8222;Geschichte machen&#8220;</em></a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="kindheit">Die Kindheit von Adolf Hitler</h3>



<p>Die in <em>&#8222;Geschichte machen&#8220;</em> thematisierte Geburt und Kindheit von Adolf Hitler sind jenseits von rudimentären Daten selten Thema in Diskussionen über seine Person.</p>



<p>Dies lag daran, dass diese Jugend lange Zeit durch Zeitzeugen und die eigenen Beschreibungen von Adolf Hitler geprägt war, was die Forschung erschwerte.</p>



<p>Adolf Hitler wurde am 20. April 1889 im österreichischen Braunau am Inn geboren. Vor ihm hatten seine Eltern bereits zwei Kinder gehabt und nach ihm kamen noch drei Geschwister auf die Welt. Von diesen überlebte neben Adolf aber nur eine jüngere Schwester das Kindesalter.</p>



<p>Sein Vater war der kaiserlich-königliche Zollbeamte Alois Hitler (1837-1903, siehe Bild unten). Geboren als uneheliches Kind einer Kleinbäuerin – deren Namen Schicklgruber er lange trug – stieg er zu einem uniformierten und damit etwas angesehenen Beamten auf. Er war jedoch jähzornig, besserwisserisch, überkorrekt und herrisch.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="860" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/09/Alois-Hitler.jpg?resize=600%2C860&#038;ssl=1" alt="Schwarz-weißes Foto des Vaters von Adolf Hitler, Alois Hitler" class="wp-image-6214" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/09/Alois-Hitler.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/09/Alois-Hitler.jpg?resize=209%2C300&amp;ssl=1 209w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Die Mutter Klara (1860-1907) – eine Nichte ersten oder zweiten Grades von Alois – wurde von Alois Hitler teilweise wie ein Dienstmädchen behandelt. Sie galt im Vergleich zu ihm als warmherzig, fügsam und überängstlich. Neue Forschungen stellen dieses Bild infrage und haben zum Beispiel gezeigt, dass sie die Finanzen der Familie unter Kontrolle hatte.</p>



<p>Beide Elternteile prägten Adolf Hitler: Während ihn die Mutter vergötterte und ihn im Glauben bestätigte, etwas Besonderes zu sein, demütigte ihn der Vater regelmäßig und verprügelte ihn oft. Hintergrund schien, dass Alois Sohn aus erster Ehe zum Kleinkriminellen geworden war und der Vater dies beim jungen Adolf durch eine besonders strenge Erziehung verhindern wollte.</p>



<p>Daraus resultierten in der Oberschule von Linz erste Rückschläge: Adolf Hitler musste bereits das erste Jahr wiederholen und wurde wegen Betragen sowie fehlendem Fleiß getadelt. Er schien sich hier bereits in eine Fantasiewelt geflüchtet zu haben, die aber noch von den damals populären Karl May Romanen geprägt war.</p>



<p>Selbst nach dem Tod des ungeliebten Vaters im Jahr 1903 besserten sich die Noten nicht. Obwohl er nur mit Mühe 1905 ein Abschlusszeugnis erreichte, wollte Adolf Hitler Künstler in Wien werden.</p>



<p>Bereits damals sah er sich als <em>&#8222;Genie im Wartestand&#8220;</em> und hielt rechthaberische Monologe. Diese Traumwelt brach jedoch zusammen, als er 1907 an der Kunstakademie in Wien abgelehnt wurde. Im selben Jahr starb auch Klara Hitler an Brustkrebs.</p>



<p>Daraufhin erfolgte sein enormer sozialer Abstieg bis zum Postkartenkopierer in einem Heim für arme Männer. Dennoch war er bei Diskussionen seiner Mitbewohner weiterhin rechthaberisch und wütete gegen Sozialdemokraten, die nationalen Minderheiten in Österreich-Ungarn und die Eliten des Landes.</p>



<p>Stattdessen idealisierte er das Deutsche Reich und nutzte 1913 seinen ausgezahlten Anteil am väterlichen Erbe, um nach München überzusiedeln.</p>



<p>Doch erst der <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/erster-weltkrieg/">Erste Weltkrieg</a> beendete sein unstetes Leben.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="nationalsozialismus">Die Rolle von Adolf Hitler für den Nationalsozialismus</h3>



<p>Die Rolle von Adolf Hitler für die Nationalsozialisten, die er nach diesem Krieg zu spielen begann, war ebenfalls lange Gegenstand der Diskussion in der Forschung. </p>



<p>So war für viele Sozialhistoriker klar, dass ein deutscher <em>&#8222;Sonderweg&#8220;</em> seit Otto von Bismarck oder Martin Luther mit seiner Obrigkeitshörigkeit und seinem aggressiven Nationalismus zwangsläufig eine Diktatur wie das <em>&#8222;Dritte Reich&#8220;</em> hervorbringen musste. Die Person Adolf Hitler blieb dabei austauschbar.</p>



<p>Andere sahen in ihm eine Art <em>&#8222;Dämon der deutschen Geschichte&#8220;</em>, der das schlimmste Kapitel in dieser entscheidend ausgelöst hatte.</p>



<p>Inzwischen tendiert die Geschichtswissenschaft zu einem Konsens aus beiden Forschungsansätzen.</p>



<p>Das Soldatenleben war für Hitlers spätere Rolle prägend. Denn er verbrachte den Krieg größtenteils als sicherer Meldegänger hinter der Westfront (siehe Bild unten links). Zudem gab ihm diese Phase erstmals Anerkennung und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="404" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Weltkrieg.jpg?resize=600%2C404&#038;ssl=1" alt="Foto von Weltkriegssoldaten, links unten davon Adolf Hitler, wie er auch in &quot;Geschichte machen&quot; beschrieben wird." class="wp-image-3087" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Weltkrieg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Weltkrieg.jpg?resize=300%2C202&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock) </figcaption></figure>



<p>Daher war er umso mehr desillusioniert, als das Deutsche Reich am Ende des Krieges kapitulieren musste. Vorerst blieb er nach der Rückkehr in die Heimat bei seinem Regiment in München.</p>



<p>Als er Teil von dessen <em>&#8222;Nachrichtenabteilung&#8220;</em> wurde, zeigte sich erstmals sein rhetorisches Talent. </p>



<p>Als <em>&#8222;Aufklärungsredner&#8220;</em> trat er 1919 unter ungeklärten Umständen in die <em>&#8222;Deutsche Arbeiterpartei&#8220;</em> ein, die Nationalismus und Sozialismus verbinden wollte, um die Arbeiterschaft für die nationalistische Seite zu gewinnen.</p>



<p>Schnell entwickelte sich Hitler zum einflussreichsten Redner der bald in <em>&#8222;Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei&#8220;</em> (NSDAP) umbenannten Gruppierung. </p>



<p>So arbeitete er <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-staehlerne-traum-norman-spinrad/">hauptamtlich als Agitator für die Partei</a> und brachte sie immer mehr in die Öffentlichkeit. Vor allem seine Rhetorik, die mühelos zwischen wütenden Tiraden, Schwarz-Weiß-Bildern und leidenschaftlichen Ausbrüchen wechselte, machte ihn in den Münchner Bierkellern zu einem bekannten und beliebten Redner.</p>



<p>Dabei inszenierte er sich bewusst als <em>&#8222;Mann aus dem Volk&#8220;</em>, der es nicht dank seiner Herkunft, sondern mit eigener Leistung &#8222;nach oben&#8220; geschafft hatte. So trug er demonstrativ seine Gefreiten-Uniform aus dem Ersten Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse.</p>



<p>Schnell galt er als <em>&#8222;Gesicht und Stimme&#8220;</em> der NSDAP, lehnte aber zuerst zaudernd den Parteivorsitz ab. Erst nach mehrfachem Drängen der Mitglieder fordert er <em>&#8222;diktatorische Machtbefugnisse&#8220;</em> und drohte sonst mit einem Verlassen der Partei. Die überrumpelte Mitgliedschaft ließ sich darauf ein.</p>



<p>Daher konnte Hitler die NSDAP auf ein radikales Weltbild ausrichten, zum Beispiel durch das Fordern einer <em>&#8222;rassenreinen Volksgemeinschaft&#8220;</em> für ein zukünftiges Deutschland oder Gewaltandrohungen als Standardmittel der politischen Auseinandersetzung.</p>



<p>Danach feierte die NSDAP zum Beispiel beim <em>&#8222;Deutschen Tag&#8220;</em> <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberfranken-bayreuth/">in Coburg 1922</a> erste Erfolge, die Hitler auch reichsweit in der rechten und nationalistischen Szene bekannt machten. <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/oberbayern-muenchen/">In München und Bayern</a> wuchs die Partei bereits auf 50.000 Mitglieder an und Teile der Presse feierten ihn als <em>&#8222;König von München&#8220;</em>.</p>



<p>Erst der gescheiterte Putschversuch 1923 in München bremste den Aufstieg der Nationalsozialisten. Aber nur vorerst, denn den Putsch und die darauffolgende Haft nutzte Hitler erneut propagandistisch und wurde so zum reichsweit bekannten <em>&#8222;Helden von München&#8220;.</em></p>



<p>Die NSDAP blieb zwar bei Wahlen eine zu vernachlässigende Splitterpartei. Sie verfügte jedoch über einen starken Organisationsgrad, obwohl sich Hitler als Vorsitzender kaum in die Organisationsarbeit einmischte und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/wenn-das-der-fuehrer-wuesste-otto-basil/">nur bedingungslosen Gehorsam</a> gegenüber seiner Person erwartete.</p>



<p>Stattdessen hielt er die Partei und deren Anhängerschaft durch seine Rhetorik und seine Auftritte am Leben, in denen er ihnen erfolgreich die Propaganda vermittelte, Teil einer großen <em>&#8222;Bewegung&#8220;</em> zu sein.</p>



<p>Erst in der Weltwirtschaftskrise, die sich mit der politischen Krise der <em>&#8222;Weimarer Republik&#8220;</em> verband, wurde aus der NSDAP eine Massenpartei. Und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-consul-christian-von-ditfurth/">durch Intrigen der politischen Elite</a> schließlich aus ihrem Parteivorsitzenden ab 1933 der <em>&#8222;Führer&#8220;</em> des <em>&#8222;Dritten Reiches&#8220;.</em></p>



<p>Dort löste sich der bald <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/nacht-der-braunen-schatten-katharine-burdekin/">pseudoreligiös von den meisten Deutschen verehrte <em>&#8222;Führer&#8220;</em></a> immer mehr vom Menschen Adolf Hitler. Aber auch hier blieb vor allem seine Rhetorik im Mittelpunkt.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="michael-young">Der Historiker Michael Young</h3>



<p>Stephen Fry teilt <em>&#8222;Geschichte machen&#8220;</em> in zwei Bücher ein.</p>



<p>Das erste beginnt mit dem 24-jährigen Historiker Michael Young im Jahr 1996. Er promoviert in Cambridge über <em>&#8222;Von Braunau nach Wien: Die Wurzeln der Macht.&#8220;</em> </p>



<p>Doch als er seine Doktorarbeit fertig hat, verlässt ihn seine dominante Freundin für kurze Zeit. Daneben fühlt er sich als Kind aus der Arbeiterklasse und schüchterner Mensch oft deplatziert an der Elite-Universität.</p>



<p>Durch Zufälle lernt er Professor Leo Zuckermann kennen. Der Physiker interessiert sich für die Geschichte des Holocaust und Adolf Hitler.</p>



<p>Danach entdeckt Young im Labor seiner Freundin eine Pille, die Männer dauerhaft sterilisiert.</p>



<p>Als sein Doktorvater die Doktorarbeit hart kritisiert und ablehnt, ist er am Boden zerstört.</p>



<p>Dann zeigt ihm Zuckermann seine Forschung: Er kann mit einem Zeitfenster in die Vergangenheit schauen. Aber außer bestimmten Formen kann er wenig erkennen.</p>



<p>Nach einem Kater hat Young die Idee, das Gerät umzubauen, sodass es auch senden kann. So will er mithilfe der Sterilisationspillen die Geburt von Adolf Hitler verhindern. </p>



<p>Zuckermann wird von dieser Idee überzeugt, denn er hütet ein Geheimnis über die Vergangenheit seiner Familie in Auschwitz (siehe Bild unten).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="389" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Auschwitz.jpg?resize=600%2C389&#038;ssl=1" alt="Foto des Eingangs zum Konzentrationslager Auschwitz" class="wp-image-3089" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Auschwitz.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Auschwitz.jpg?resize=300%2C195&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(rafaelcavlaz/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>So gelingt es ihnen, Sterilisationspillen in die Wasserversorgung von Braunau zu schicken. Im Juni 1888, wenige Monate vor Adolf Hitlers Geburt.</p>



<p>Daneben folgt <em>&#8222;Geschichte machen&#8220;</em> der Familie Hitler.</p>



<p>Alois ist ein pedantischer, fortschrittsgläubiger und nationalistischer Zollbeamter, der seine Macht im Dienst genießt. Zu Hause ist er gegenüber Klara gewalttätig, da bisher keines ihrer gemeinsamen Kinder überlebt hat.</p>



<p>Als der junge Adolf geboren wird, hat Alois zwar den ersehnten Sohn. Aber in der Schule zeigt sich dieser aufsässig und droht sogar dem Vater. </p>



<p>Am Ende des ersten Buches beschreibt <em>&#8222;Geschichte machen&#8220;</em> Adolf Hitler an der Westfront. Er überredet den Offizier Rudolf Gloder zu einem gefährlichen Einsatz, den letzterer nicht überlebt.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="adolf-hitler">Die Welt ohne Adolf Hitler</h3>



<p>Nachdem die Sterilisationspillen abgeschickt sind, ändert sich die Realität. Damit beginnt das zweite Buch von <em>&#8222;Geschichte machen&#8220;.</em> Nur Michael Young behält die Erinnerungen an seine alte Wirklichkeit. </p>



<p>Statt in Cambridge studiert er in Princeton Philosophie und ist US-Amerikaner, da seine Eltern in den 1960er Jahren aus England eingewandert sind.</p>



<p>Doch Adolf Hitler existiert in dieser Realität auf jeden Fall nicht und Young wähnt sich schon am Ziel einer besseren Welt.</p>



<p>Doch dann stellt er fest, dass sein Eingriff zwar erfolgreich war, aber andere Folgen hatte als gedacht.</p>



<p>Denn das zweite Buch folgt dem Aufstieg von Rudolf Gloder, der ohne Adolf Hitler den Einsatz nicht nur überlebt, sondern dafür als Kriegsheld gefeiert wird.</p>



<p>Gloder erweist sich ebenfalls als radikaler Nationalist und Antisemit. Im Gegensatz zu Adolf Hitler ist er aber aus einer bürgerlichen Familie, sehr gebildet und ein geborener Stratege. Und absolut skrupellos im Durchsetzen seiner Karrierepläne. Denn er sieht sich selbst als Übermensch und wird so auch von vielen seiner Mitmenschen – im positiven Sinne – wahrgenommen.</p>



<p>So stößt er in München zur <em>&#8222;Deutschen Arbeiterpartei&#8220;</em> und formt diese wesentlich geschickter zur <em>&#8222;Nationalsozialistischen Arbeiterpartei&#8220;</em> (siehe Bild unten). Zum Beispiel gelingt es ihm einerseits, den Antisemitismus als Propaganda für breite Massen zu nutzen, gleichzeitig aber jüdische Wissenschaftler wie Albert Einstein davon zu überzeugen, dieser sei nur bloße Scharade und für diese Gruppe ungefährlich.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="469" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Schutzabteilung.jpg?resize=600%2C469&#038;ssl=1" alt="Foto von marschierenden Nationalsozialisten in den 1920er Jahren" class="wp-image-3091" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Schutzabteilung.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Schutzabteilung.jpg?resize=300%2C235&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Daher gelingt es ihm nicht nur ohne Probleme, ab 1932 die Macht in Deutschland demokratisch zu übernehmen. Bis 1942 ist das Großdeutsche Reich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/orakel-vom-berge-philip-dick/">eine Weltmacht mit Atomwaffen</a>, die Europa <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/vaterland-robert-harris/">bis Russland</a> unter Kontrolle hat.</p>



<p>Und Gloder fördert die Wissenschaften. Vor allem als diese auf die merkwürdige, sterilisierende Wirkung des Wassers in Braunau stößt.</p>



<p>Daher muss Michael Young <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">in den veränderten USA</a> des Jahres 1996 alles daransetzen, seinen eigenen Eingriff in die Geschichte rückgängig zu machen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="geschichte">Geschichte von etwas nie Geschehenen</h3>



<p>Stephen Fry stellt bei <em>&#8222;Geschichte machen&#8220;</em> literarisch die Frage, die die Geschichtswissenschaft schon lange beschäftigt: Wie wichtig war Adolf Hitler für die Nationalsozialisten und das <em>&#8222;Dritte Reich&#8220;</em>?</p>



<p>Dabei ist das Buch vom Wissensstand her veraltet, da Fry es bereits 1997 verfasste. Auch ist sein Verständnis von Geschichtswissenschaft auf den ersten Blick veraltet, aber die Beschreibung von Michael Young, der einen Historiker als <em>&#8222;rückwärtsgekehrten Philosophen&#8220;</em> bezeichnet, wirkt doch etwas modern.</p>



<p>Als studierter Literaturwissenschaftler beschreibt Fry daher oberflächlich eine Alternativwelt, in der Adolf Hitler (siehe Bild unten) <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-21-juli-christian-von-ditfurth/">nicht mehr existiert</a>.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="600" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=600%2C600&#038;ssl=1" alt="Münze mit dem Bild von Adolf Hitler und dem Motto &quot;Unser die Zukunft Adolf Hitler&quot;" class="wp-image-3088" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Sytilin Pavel/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>So verweist er zu Recht darauf, dass der aggressive Nationalismus und der weit verbreitete Antisemitismus die Entstehung einer nationalsozialistischen Bewegung hervorbrachten.</p>



<p>Auch sein Argument, dass diese Bewegung im Gefolge der verschiedenen Krisen der <em>&#8222;Weimarer Republik&#8220;</em> quasi automatisch Erfolg hatte, ist nicht unrealistisch. Allerdings wurden selbst in der Realität des Jahres 1933 anderen nationalistischen Gruppierungen größere Chancen auf die Macht im Deutschen Reich zugeschrieben.</p>



<p>Allerdings schildert Fry Rudolf Gloder – vermutlich satirisch überspitzt – quasi als intelligenteren und taktisch unfehlbaren <em>&#8222;Über-Hitler&#8220;</em>. Diese Überlegenheit passt allerdings meines Erachtens nicht dazu, dass der fiktive Rudolf Gloder im ersten Buch einer einfachen Lüge von Adolf Hitler zum Opfer fällt.</p>



<p>Stimmig finde ich, dass die USA im jahrzehntelangen <em>&#8222;Kalten Krieg&#8220;</em> mit dem nationalsozialistisch dominierten Europa nicht die Supermacht sind, wie in der Realität, und durch den Konflikt zum Beispiel die Bürgerrechtsbewegung nie Erfolg hatte.</p>



<p>Daher sehe ich die Alternativwelt von <em>&#8222;Geschichte machen&#8220;</em> zwar als interessante, eventuell sogar satirisch gute Idee. Aber sie ist aus meiner Sicht nur oberflächlich.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="geschichte-machen">Verwirrendes <em>&#8222;Geschichte machen&#8220;</em></h3>



<p><em>&#8222;Geschichte machen&#8220;</em> war für mich am Anfang verwirrend und schwer zu lesen.</p>



<p>Zum Beispiel ist der Beginn langatmig. Das Experiment mit dem Zeitfenster wird dagegen sehr knapp beschrieben.</p>



<p>In diesem und einigen folgenden Kapiteln weicht Stephen Fry von seinem normalen Ich-Erzählstil ab und erzählt das Geschehen wie in einem Drehbuch. Das dazu und zum Titel passende Zitat lautet: <em>&#8222;Filme schreibt man nicht. Man macht sie.&#8220;</em></p>



<p>Doch das Skript von <em>&#8222;Geschichte machen&#8220;</em> zündet in meinen Augen nicht. Ich vermute, dass der englische Originaltext mit seinen Anspielungen und Witzen – zum Beispiel in den Kapiteltiteln – in der deutschen Übersetzung nicht komplett übertragen werden konnte.</p>



<p>Auch kommentiert Michael Young alles ironisch und in seinem eigenen, inzwischen verstaubt wirkendem Jugendslang. Dabei wirkt er im ersten Buch wie ein Außenseiter, der sich als <em>&#8222;Arschloch&#8220;</em> tarnt, ohne dabei sympathisch zu werden.</p>



<p>Auch beschreibt Stephen Fry die Gedanken von Michael Young oft bewusst chaotisch. Das wirkt zwar authentisch, ist aber schwer zu lesen.</p>



<p>Besser wird <em>&#8222;Geschichte machen&#8220;</em> (siehe unten) im zweiten Buch. Hier nimmt nicht nur die Erzählung <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">der Alternative History</a> Fahrt auf.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="800" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/09/Cover-Geschichte-machen.jpg?resize=600%2C800&#038;ssl=1" alt="Buchcover des Romans &quot;Geschichte machen&quot; von Stephen Fry" class="wp-image-6215" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/09/Cover-Geschichte-machen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/09/Cover-Geschichte-machen.jpg?resize=225%2C300&amp;ssl=1 225w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Auch der Erzählstil wird flüssiger und besser zu lesen. Zuletzt entwickelt sich Young als Charakter selbstsicherer und damit sympathischer.</p>



<p>Nur zwei Sachen trüben den guten Eindruck des zweiten Buches.</p>



<p>Erstens verschenkt Stephen Fry erzählerisches Potenzial, indem er den Weg Gloders nur kurz in wenigen eigenen Kapiteln schildert und den Rest in einem mehrseitigen Lexikonartikel abhandelt.</p>



<p>Zweitens gibt es kleinere Logikbrüche: So weiß Michael Young durch seine Nähe zum Zeitfenster beim Experiment noch alles aus der alten Realität. Der nur etwas weiter danebenstehende Zuckermann ist dagegen komplett unbetroffen von diesem Effekt.</p>



<p>Insgesamt sehe ich <em>&#8222;Geschichte machen&#8220; </em>eher als unterhaltsames Filmskript, das sich mit dem Versuch auseinandersetzt, durch ein Beseitigen von Adolf Hitler eine bessere Welt zu schaffen. </p>



<p>Als Alternative History würde ich den Roman nur bedingt weiterempfehlen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Stephen Fry: Geschichte machen. Berlin 2020.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Geschichte+machen&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1000946269" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>GEO Epoche: Deutschland unter dem Hakenkreuz. Teil 1: 1933-1936. Die ersten 1000 Tage der Diktatur. Oktober 2012.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Geschichte+machen&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1018292538" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article227189719/Hitlers-Vater-Ein-vermeintlich-allwissender-Autodidakt.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hitlers Vater – ein vermeintlich „allwissender Autodidakt“.</a> Quellenfund, auf: welt.de (27.02.2021).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article155839073/Hitlers-Familiengeschichte-muss-korrigiert-werden.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hitlers Familiengeschichte muss korrigiert werden.</a> Behinderter Bruder, auf: welt.de (31.05.2016).</li>



<li>Caecilia Smekal: <a href="https://orf.at/stories/3202674/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Neue Ansichten auch über Mutter Klara.</a> Biografie über Alois Hitler, auf: orf.at (23.02.2021).</li>



<li>ZEIT Geschichte: Diktatoren. Die Feinde der Demokratie: Eine Geschichte von Mussolini bis Putin. Juli 2022.</li>



<li>ZEIT Geschichte: Der Weg in den Holocaust. Die Wannsee-Konferenz und die &#8222;Endlösung der Judenfrage&#8220;. Februar 2017.</li>
</ul>
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		<title>1945: Wenn das der Führer wüsste von Otto Basil</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Dec 2022 20:35:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der neue Klassiker Zweiter Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Romane und Filme]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was wäre, wenn die Nationalsozialisten nicht nur den Zweiten Weltkrieg gewonnen, sondern auch über 20 Jahre uneingeschränkt ihre Ideologie durchsetzen hätten können? Diese harte Satire aus dem Jahr 1966 kommt der Antwort erstaunlich nahe. Ankerpunkt Das nationalsozialistische Volk Als die Nationalsozialisten um Adolf Hitler 1933 die Macht im Deutschen Reich übernahmen, verweigerte sich nur eine [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Was wäre, wenn die Nationalsozialisten nicht nur den Zweiten Weltkrieg gewonnen, sondern auch über 20 Jahre uneingeschränkt ihre Ideologie durchsetzen hätten können? Diese harte Satire aus dem Jahr 1966 kommt der Antwort erstaunlich nahe.</p>



<span id="more-3576"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#volk">Das nationalsozialistische Volk</a></li>



<li><a href="#esoterik">Die nationalsozialistische Esoterik</a></li>



<li><a href="#nationalsozialismus">Der internationale Nationalsozialismus</a></li>



<li><a href="#atomkrieg">Der &#8222;gewinnbare&#8220; Atomkrieg</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#grossgermanischereich">Das Großgermanische Reich</a></li>



<li><a href="#albintotilahoellriegel">Die Reise des Albin Totila Höllriegel</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#dystopie">Die dystopische Satire einer Alternative History</a></li>



<li><a href="#heldenreise">Die nationalsozialistische Heldenreise</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="volk">Das nationalsozialistische Volk</h3>



<p>Als die Nationalsozialisten um Adolf Hitler 1933 die Macht im Deutschen Reich übernahmen, verweigerte sich nur eine kleine Minderheit. Und nur eine noch kleinere Gruppe leistete aktiv Widerstand.</p>



<p>Der Widerständler Klemens von Klemperer sprach deshalb von einer <em>&#8222;Diktatur nicht gegen das Volk, sondern mit dem Volk&#8220;</em>.</p>



<p>Dabei konnte sich das nationalsozialistische Regime wie viele autoritäre und totalitäre Systeme auf drei Säulen stützen:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Legitimation durch Überzeugung der Bevölkerung</li>



<li>Repression gegen mögliche Opposition</li>



<li>Verleihung von materiellen und immateriellen Privilegien gegen Loyalität.</li>
</ol>



<p>Erstens befürworteten viele Deutsche ein autoritäres System, das das Deutsche Reich zu <em>&#8222;alter Größe&#8220;</em> führen sollte. Im Gegenzug verachteten sie die Demokratie sowie die politische Linke und pflegten jahrhundertealte Vorurteile gegen Juden. An diese Einstellungen konnten die Nationalsozialisten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/1889-geschichte-machen-von-stephen-fry/">erfolgreich appellieren</a> und nach 1933 auch zuerst oppositionelle Bevölkerungsgruppen, wie die Katholiken, für sich gewinnen.</p>



<p>Zweitens griff dadurch die Repression gegen die immer kleinere Opposition umso mehr. So war der Terror, den SA und SS kurz nach der Machtübernahme zum Beispiel mit den Konzentrationslagern starteten, besonders effektiv. Damit zerschlug das Dritte Reich von Anfang an jede Organisation, die Basis für einen Widerstand gewesen wäre.</p>



<p>Beispielhaft für diese beiden Säulen der nationalsozialistischen Diktatur steht die Toraufschrift des Konzentrationslagers Auschwitz (siehe Bild), die sowohl für die angeblichen Einstellungen der Nationalsozialisten als auch für die reale Vernichtung der Lagerinsassen stand.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="409" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Toraufschrift-Auschwitz.jpg?resize=600%2C409&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Fotografie der Toraufschrift des Konzentrationslagers Auschwitz mit den Worten &quot;Arbeit macht frei&quot;" class="wp-image-5592" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Toraufschrift-Auschwitz.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/12/Toraufschrift-Auschwitz.jpg?resize=300%2C205&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(G_D Photography/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Drittens brachte das Ausschalten und Ausplündern von Oppositionellen und Verfolgten, wie den Juden, materielle Vorteile für die übrige Bevölkerung. Zusätzlich reklamierten die Nationalsozialisten Erfolge für sich. Darunter die gesunkenen Arbeitslosenzahlen, die schrittweise Auflösung des als Schande empfundenen Vertrags von Versailles oder die Freizeitangebote der NS-Massenorganisation <em>&#8222;Kraft durch Freude&#8220;</em>.</p>



<p>Dabei griff der Nationalsozialismus häufig zu religiös anmutender Propaganda, wie DER SPIEGEL Geschichte zeigte.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Hitler inszenierte seine Auftritte vor Menschenmaschen als quasireligiöse Events. Dem Bad in der Menge folgte die dramatische Entrückung, die donnernde Rede des &#8222;Führers&#8220;. So wurde er zum Idol, zum Übermenschen stilisiert. &#8222;Er ist unser aller Abgott&#8220;, schrieb Goebbels. </p>
<cite>DER SPIEGEL Geschichte: Hitlers treues Volk.</cite></blockquote>



<p>Beispielhaft für diese Überhöhung war der Ausspruch <em>&#8222;Wenn das der Führer wüsste&#8220;</em>. Mit diesem sprachen die Deutschen Fehlleistungen des Regimes nicht <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/nacht-der-braunen-schatten-katharine-burdekin/">dem mythisch überhöhten Adolf Hitler</a> zu. Sondern Untergebenen, die ihn angeblich nicht über Fehler informierten.</p>



<p>So konnte der Nationalsozialismus seine Ziele für eine neue Gesellschaft, in der die Individuen in der Gesellschaft und in den nationalsozialistischen Werten aufging, zwischen 1933 und 1945 sehr erfolgreich verfolgen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="esoterik">Die nationalsozialistische Esoterik</h3>



<p>Als im 19. Jahrhundert die Bindungskraft des Christentums immer mehr schwand, entstand als Gegenreaktion unter anderem eine spiritualistisch geprägte Bewegung.</p>



<p>Teile dieser Ideologie zeigten bereits starke rassistische und antisemitische Züge.</p>



<p>Entsprechend <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-staehlerne-traum-norman-spinrad/">schöpfte Adolf Hitler</a>, zum Beispiel für <em>&#8222;Mein Kampf&#8220;</em>, aus spiritualistisch-okkulten Quellen. Zum Beispiel in der Vorstellung, dass nur die arische Rasse in der Weltgeschichte Kulturen begründet hätte.</p>



<p>Damit war er nicht der einzige Nationalsozialist.</p>



<p>Zum Beispiel war sein Stellvertreter in der NSDAP, Rudolf Heß, Anhänger der Astrologie und sympathisierte mit spiritualistisch ausgerichteten Bewegungen.</p>



<p>Der Chefideologie der Nationalsozialisten, Alfred Rosenberg, forderte bereits 1933, das Christentum zugunsten einer völkischen Esoterik zurückzudrängen.</p>



<p>Der größte Verfechter einer nordisch geprägten, spiritualistisch-okkulten Ideologie war die SS unter der Führung des germanisch-mythologisch geprägten Heinrich Himmler. </p>



<p>Himmler regelte persönlich das familiäre Leben seiner Untergebenen, zum Beispiel durch Anweisungen, mehr Kinder zu zeugen. </p>



<p>Um die Ernährung der Soldaten auf die von Himmler bevorzugten nicht-alkoholischen Getränke zu forcieren, übernahm die nationalsozialistische Elite-Organisation sogar im Laufe des Zweiten Weltkrieges den deutschen Mineralwassermarkt.</p>



<p>Himmler führte in der SS auch statt Weihnachten das angeblich germanische Julfest ein.</p>



<p>Als Stätte für solche und ähnliche <em>&#8222;Weihefeiern&#8220;</em> der nationalsozialistischen Rassenlehre dienten zum Beispiel die angeblich germanischen Kultstätten der Externsteine bei Detmold (siehe Bild). </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Externsteine.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto der Externsteine bei Nacht" class="wp-image-3653" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Externsteine.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Externsteine.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(wewi-photography/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Diese waren vorher und sind bis heute auch bei Esoterikern als angeblich spiritueller <em>&#8222;Kraftort&#8220;</em> beliebt.</p>



<p>In der Nähe der Externsteine ließ Himmler mit der Wewelsburg daher das ideologische Zentrum der SS erbauen. </p>



<p>Diese esoterisch angehauchte Romantik hat auch bis in die heutige Zeit überlebt und wird aktuell mit Teilen der sogenannten <em>&#8222;Querdenkerszene&#8220;</em> sowie den <em>&#8222;neuen Rechten&#8220;</em> in Verbindung gebracht.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="nationalsozialismus">Der internationale Nationalsozialismus</h3>



<p>Als die Nationalsozialisten 1933 im Deutschen Reich an die Macht kamen, waren sie zuerst außenpolitisch isoliert.</p>



<p>Dies bedeutete aber nicht, dass es in anderen Ländern nicht auch Gruppen gegeben hätte, die bis 1945 ideologisch an sie anschlussfähig gewesen wären.</p>



<p>Dies betraf nicht nur das lange als Vorbild geltende faschistische Italien unter dem <em>&#8222;Duce&#8220;</em> Benito Mussolini. </p>



<p>Zum Beispiel gab es <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-pakt-philip-kerr/">auf Seiten des späteren Kriegsgegners Großbritannien </a>mit dem Kurzzeit-König Edward VII., dem einflussreichen Lord Londonderry und dem Führer der <em>&#8222;British Union of Fashists&#8220;</em>, Oswald Mosley, große Sympathisanten für das Dritte Reich.</p>



<p>Diese Menschen und Gruppen waren im Europa der 1930er und frühen 1940er Jahre eher die Regel als die Ausnahme.</p>



<p>In fast jedem Land gab es eine einflussreiche und mitgliederstarke faschistische beziehungsweise nationalsozialistische Bewegung:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>In Spanien die <em>&#8222;Falange&#8220;</em></li>



<li>In Norwegen die <em>&#8222;Nationalen Vereinigung&#8220;</em> unter Vidkun Quisling.</li>



<li>In Rumänien die <em>&#8222;Eiserne Garde&#8220;</em> als faschistische Dachorganisation.</li>



<li>In Kroatien die <em>&#8222;Ustascha&#8220;</em></li>



<li>In Ungarn die <em>&#8222;Pfeilkreuzler</em>&#8220; </li>



<li>In Frankreich die <em>&#8222;Französische Volkspartei&#8220;</em>. </li>



<li>Die sogenannte <em>&#8222;Vichyregierung&#8220; </em><a href="https://ankerpunkte-blog.de/politik/die-praesidentin-francois-durpaire-farid-boudjellal/">unter Marschall Philippe Petain</a> (siehe Bild) und Pierre Laval kollaborierte sogar bis Kriegsende mit dem Dritten Reich. Zu den letzten Verteidigern von Berlin 1945 gehörten französische SS-Angehörige.</li>
</ul>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="903" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/04/Portraet-Petain.jpg?resize=600%2C903&#038;ssl=1" alt="Porträt des Generals Philippe Petain" class="wp-image-2941" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/04/Portraet-Petain.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/04/Portraet-Petain.jpg?resize=199%2C300&amp;ssl=1 199w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<ul class="wp-block-list">
<li>Selbst in den besetzten Gebieten der Ukraine und Russlands gab es mit Gruppen um Stephan Bandera und dem übergelaufenen General Andrej Wlassow Sympathisanten und Kollaborateure des Nationalsozialismus.</li>
</ul>



<p>1942 gründeten die Nationalsozialisten in Wien sogar einen <em>&#8222;Europäischen Jugendverband&#8220;</em>, der die verschiedenen Organisationen europaweit verbinden sollte.</p>



<p>Die Niederlage <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">im Zweiten Weltkrieg</a> bedeutete aber das offizielle Ende für die meisten faschistischen und nationalsozialistischen Organisationen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="atomkrieg">Der &#8222;gewinnbare&#8220; Atomkrieg</h3>



<p>Der nach dem Zweiten Weltkrieg beginnende <em>&#8222;Kalte Krieg&#8220;</em> zwischen 1945 und 1990 galt zeitweise als sehr stabile politische Ordnung.</p>



<p>Denn obwohl sich mit dem westlichen und östlichen Block (siehe Karte) stark militarisierte Bündnissysteme gegenüberstanden, kam es nie zu einer direkten Konfrontation.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="390" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Europa-Kalter-Krieg.jpg?resize=600%2C390&#038;ssl=1" alt="Karte von Europa im Kalten Krieg" class="wp-image-2649" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Europa-Kalter-Krieg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Europa-Kalter-Krieg.jpg?resize=300%2C195&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Borhax/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Als verantwortlich dafür galt das <em>&#8222;Gleichgewicht des Schreckens&#8220;</em>, das vereinfacht gesprochen so lautete:</p>



<p>Wer als erstes Atomwaffen in einem Krieg einsetzte, fiel danach unweigerlich dem Zweitschlag seiner Gegner zum Opfer.</p>



<p>Zwar hatten sowohl die NATO <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">unter Führung der USA</a> als auch der <em>&#8222;Warschauer Pakt&#8220;</em> unter dem Oberbefehl der UdSSR konkrete Pläne für den Fall eines Atomkriegs. </p>



<p>Allerdings hatte keine Seite den Wunsch, einen solchen Krieg zu beginnen.</p>



<p>So führte diese <em>&#8222;Mutual Assured Destruction&#8220;</em> vor allem nach der Kubakrise 1962 zu Maßnahmen der Deeskalation und kontrollierten Aufrüstung.</p>



<p>Dennoch gab es auf beiden Seiten zumindest theoretische Überlegungen, im Kriegsfall Atomwaffen offensiv einzusetzen und so den Konflikt schnell für sich zu entscheiden.</p>



<p>Diese Planungen betrafen allerdings vor allem den Einsatz von kleineren Sprengköpfen in Gefechten und wurden soweit bekannt immer negativ beschieden.</p>



<p>In der Nachschau betrachtet kamen sämtliche Studien zum Ergebnis, dass ein Atomkrieg zu viel zu großen Verlusten führen würde, um ihn bewusst zu beginnen.</p>



<p>Da beide Seiten diese rationale Betrachtung bei ihren Gegnern voraussetzten, kam es nie zu einem atomar geführten Krieg.</p>



<p>Dies war allerdings nur so lange der Fall, als auf beiden Seiten rationale Akteure den Oberbefehl innehatten und diese keine missverständlichen Informationen über die Aktionen der Gegenseite erhielten.</p>



<p>Ansonsten war der Ausbruch eines Atomkriegs, der in der Vernichtung der Welt enden würde, eine reine Frage von Zufall und Glück.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="grossgermanischereich">Das Großgermanische Reich</h3>



<p>In <em>&#8222;Wenn das der Führer wüsste&#8220;</em> wird ein solcher Atomkrieg durchgespielt.</p>



<p>In dieser Alternative History haben die Nationalsozialisten den <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">Zweiten Weltkrieg gewonnen</a> und unter Adolf Hitler ein Weltreich errichtet.</p>



<p>Einen Atomschlag (siehe Bild) gegen London im Frühjahr 1945 deutet Otto Basil als entscheidenden Wendepunkt an.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="464" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/07/Nagasaki.jpg?resize=600%2C464&#038;ssl=1" alt="Foto der Explosion der Atombombe über Nagasaki" class="wp-image-1144" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/07/Nagasaki.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/07/Nagasaki.jpg?resize=300%2C232&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Danach bleibt der Verlauf des Krieges offen.</p>



<p>Nur eine Operation Seelöwe II, Luftangriffe gegen das Deutsche Reich, Aufstände in der UdSSR gegen die Kommunisten und Kriegsverbrecherprozesse gegen die ehemaligen Alliierten Staatsmänner werden beiläufig erwähnt.</p>



<p>In den 1960er Jahren dieser Alternativwelt beherrschen die Nationalsozialisten Europa, Amerika sowie Afrika und unternehmen erste Weltraumflüge.</p>



<p>Die Einflusszone des <em><a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/vaterland-robert-harris/">&#8222;Großgermanischen Reiches&#8220;</a></em> geht sogar bis nach Sibirien und Tibet.</p>



<p>In Osteuropa und der ehemaligen UdSSR wurde die einheimische Bevölkerung, sofern nicht als <em>&#8222;rassisch geeignet&#8220;</em> eingestuft, größtenteils ermordet.</p>



<p>Das Land wurde danach für eine Besiedlung durch die neuen <em>&#8222;Herrenmenschen&#8220;</em> vorbereitet.</p>



<p><em>&#8222;Untermenschen&#8220;</em>-Leibeigene gelten als Halbtiere und werden für niedere Arbeiten eingesetzt. Mittels neurologischer Experimenten sollen sie komplett zu Haustieren herabgesetzt werden.</p>



<p>Juden gibt es offiziell nur noch als ausgestopfte Exemplare in Museen.</p>



<p>In Amerika sind <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/orakel-vom-berge-philip-dick/">die USA als die <em>&#8222;Vereinigten Gefolgschaften von Amerika (United Vassal States of America)&#8220;</em></a> der größte nationalsozialistische Marionettenstaat. Dort hat der Ku-Klux-Klan die Sklaverei wieder eingeführt und die Schwarzen in Reservate gesperrt.</p>



<p>Nur im Pazifik und Teilen Asiens herrscht <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/alternative-history-japan/">mit Japan</a> noch eine andere Macht.</p>



<p>Im <em>&#8222;Großgermanischen Reich&#8220;</em> selbst konnte der Nationalsozialismus in über 20 Jahren seine Ideen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/nsa-nationales-sicherheits-amt-andreas-eschbach/">durchsetzen</a>.</p>



<p>So ist das Christentum fast verschwunden. Stattdessen bekämpfen sich esoterisch und materialistische Ausprägungen der nationalsozialistischen Staatsideologie.  </p>



<p>Ordensburgen der SS sowie Zuchtmutterklöster des <em>&#8222;Bundes Deutscher Mädel&#8220;</em> übernehmen die Geburtenpolitik und Ausbildung der Jugend.</p>



<p>Das Euthanasieprogramm läuft weiter, wobei <em>&#8222;Erbkranke&#8220;</em> als Testobjekte für die Neurochirurgie dienen.</p>



<p>Reichsbeamte werden mit Filmen über Folter und Hinrichtung &#8222;geschult&#8220;. Ähnliche <em>&#8222;Abhärtungssendungen&#8220;</em> für die Bevölkerung dürfen bei Todesstrafe nicht abgeschaltet werden. </p>



<h3 class="wp-block-heading" id="albintotilahoellriegel">Die Reise des Albin Totila Höllriegel</h3>



<p><em>&#8222;Wenn das der Führer wüsste&#8220;</em> folgt in dieser Welt dem <em>&#8222;Strahlungsspührer und Pendler&#8220;</em> Albin Totila Höllriegel.</p>



<p>Seine Reise beginnt in einem unbekannten Jahr der 1960er und am 9. November, dem Jahrestag des Hitlerputsches und der Novemberpogrome.</p>



<p>Höllriegel, ein österreichischer Nationalsozialist der &#8222;ersten Stunde&#8220; arbeitet in einer Kleinstadt Heydrich (früher Bad Frankenstein) im Kyffhäusergebirge.</p>



<p>Als &#8222;NS-Naturarzt&#8220; hat er genügend Arbeit.</p>



<p>Denn psychisch sind die Menschen im <em>&#8222;Germanischen Weltreich&#8220; </em>am Ende.</p>



<p>Eine offiziell verschwiegene Selbstmordwelle in Gefolge <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/morbus-kitahara-christoph-ransmayr/">von psychischen Erkrankungen</a> beschäftigt Höllriegel, da er dies auf den Einfluss von Erdstrahlen zurückführt.</p>



<p>In diesem Zusammenhang hat er die Gelegenheit, die bekannte ehemalige Konzentrationslager-Kommandantin Ulla Frigg von Eycke zu behandeln.</p>



<p>Höllriegel fühlt sich allerdings zu der als <em>&#8222;Hüterin der Art&#8220;</em> populären Nationalsozialistin in masochistisch-sadistischer Weise hingezogen. </p>



<p>Dann wird er noch zu einem für ihn undurchsichtigen Auftrag in die Reichshauptstadt Berlin geschickt. Dort er stößt dort auf Geschehnisse, die sein Weltbild kurzzeitig infrage stellen. </p>



<p>Dies ist jedoch nichts im Vergleich zu den weiteren Ereignissen.</p>



<p>Denn als Adolf Hitler stirbt, gerät das Leben von Höllriegel und die gesamte Welt endgültig aus den Fugen. Denn in der Alternativwelt des Albin Totila Höllriegel steht Hitler (siehe unten) für die &#8222;gute alte Zeit&#8220; und die gemäßigte Mitte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="600" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=600%2C600&#038;ssl=1" alt="Münze mit dem Bild von Adolf Hitler und dem Motto &quot;Unser die Zukunft Adolf Hitler&quot;" class="wp-image-3088" style="width:600px;height:600px" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Sytilin Pavel/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Denn die neuen Machthaber des <em>&#8222;Großgermanischen Reiches&#8220;</em> sind nochmals fanatischer, emotionsloser und skrupelloser als ihre Vorgänger.</p>



<p>So bricht nicht nur ein Bürgerkrieg im <em>&#8222;Großgermanischen Reich&#8220;</em> aus,  sondern auch der atomar geführte Dritte Weltkrieg mit Japan.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="dystopie">Die dystopische Satire einer Alternative History</h3>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>In einer total vermondeten Welt <br>wie der hier geschilderten <br>durch die jedoch<br>die Umrisse der heutigen realen Hindurchschimmern<br>darf der Autor kein Pardon geben<br>können nur negative Figuren auftreten<br>Der Autor selbst nimmt für sich in Anspruch <br>eine solche zu sein</p>
<cite>Otto Basil: Wenn das der Führer wüsste</cite></blockquote>



<p>Das Vorwort von <em>&#8222;Wenn das der Führer wüsste&#8220;</em> sagt eigentlich schon alles aus.</p>



<p>Denn der Roman von Otto Basil reizt das dystopische und satirische Potenzial von <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">Alternative History</a> über jede Grenze hinaus aus.</p>



<p>Das war von Otto Basil, der unter den Nationalsozialisten Schreibverbot hatte, genau so beabsichtigt, wie <a href="https://shop.falter.at/detail/9783852861975" target="_blank" rel="noreferrer noopener">der Falter</a> in einer Rezension 2010 bemerkte.</p>



<p>Entsprechend schwer ist der Roman dadurch zu lesen.</p>



<p>Die Satire hat aus meiner Sicht eine erste große Stoßrichtung und eine zweite kleine.</p>



<p>Die erste trifft wenig überraschend den Nationalsozialismus.</p>



<p>So haben sich die Werte der Gesellschaft komplett im nationalsozialistischen Sinne verschoben. </p>



<p>Konzentrationslager wie Auschwitz-Birkenau (siehe Bild) sind in <em>&#8222;Wenn das der Führer wüsste&#8220;</em> geschlossen, da der Nationalsozialismus seine Ziele auf ganzer Linie durchgesetzt hat.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Konzentrationslager-Auschwitz.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto der Eisenbahn und des Eingangs zum Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau" class="wp-image-3392" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Konzentrationslager-Auschwitz.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/07/Konzentrationslager-Auschwitz.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Maciej Matlak/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Daher sind die Menschen im <em>&#8222;Großgermanischen Reich&#8220;</em> von Rassismus, Herrenmenschentum, Esoterik, Technokratie und Unmenschlichkeit geprägt.</p>



<p>Zum Beispiel verkörpert die &#8222;goldene Mitte&#8220; für Höllriegel die alte NSDAP beziehungsweise nationalsozialistische Bewegung in der Parole <em>&#8222;Die Partei denkt für Dich!&#8220;</em>.</p>



<p>Im Vergleich dazu verachten die neuen Nationalsozialisten die alten für ihre angebliche &#8222;Weichheit&#8220; im Umgang mit den Japanern oder den <em>&#8222;Untermenschen&#8220;</em>.</p>



<p>In <em>&#8222;Wenn das der Führer wüsste&#8220;</em> gibt auch keinen Widerstand gegen den Nationalsozialismus, außer in den von den Japanern eroberten Gebieten.</p>



<p>So kommt Otto Basil aus meiner Sicht einer möglichen nationalsozialistischen Nachkriegsgesellschaft sehr nahe.</p>



<p>Denn einerseits ist in <em>&#8222;Wenn das der Füher wüsste&#8220;</em> eine nordisch geprägte Esoterik mächtig und von höchster Stelle abgesegnet. Diese ideologische Komponente findet sich bis heute im rechtsradikalen und nationalsozialistischen Spektrum.</p>



<p>Andererseits zeigen die fiktiven Ereignisse um Hitlers Tod, dass die Nationalsozialisten in der &#8222;realen&#8220; Geschichte auf ein Netzwerk an Personen bauen konnten, die in den einzelnen Ländern ideologisch anschlussfähig waren. So dauert der Aufmarsch der durchaus bekannten Vasallen- und Marionetten-Regierungen des <em>&#8222;Großgermanischen Reiches&#8220; </em>in <em>&#8222;Wenn das der Führer wüsste&#8220;</em> mehrere Seiten.</p>



<p>Die zweite, eher im zweiten Teil des Romans zu findende Grundlage der Satire fußt in den &#8222;realen&#8220; 1960er Jahren.</p>



<p>Otto Basil verweist hier auf die damals durchaus verbreiteten Gedankenspiele eines vermeintlich gewinnbaren Atomkriegs.</p>



<p>Zum Beispiel in folgendem Zitat.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Aus jedem Wort sprachen Zuversicht, Siegeswille, Vertrauen in die neue Führung, in Partei und Wehrmacht. Das Großgermanische Reich war eine Weltmacht, die nicht mehr zerschlagen werden konnte. Andere Ansichten gab es nicht; und hätte es sie gegeben, wären sie nicht laut geworden.</p>
<cite>OTTo Basil: Wenn das der Führer Wüsste.</cite></blockquote>



<p>So erfährt der Leser im Roman oftmals nur beiläufig von Atomschlägen der Deutschen und Japaner.</p>



<p>Auch gibt es immer wieder Hinweise auf den Plan, dass die <em>&#8222;Herrenmenschen&#8220;</em> sich in sicheren Weltregionen verschanzen und nach dem atomaren Dritten Weltkrieg die weltweite Diktatur errichten können.</p>



<p>Dies brachte mich auch direkt zu einer Frage meines ehemaligen Geschichtslehrers:</p>



<p>&#8222;Was wäre gewesen, wenn ein Wahnsinniger wie Hitler die Atombombe gehabt hätte?&#8220; </p>



<p>Denn das atomare Gleichgewicht des Schreckens im &#8222;realen&#8220; Kalten Krieg&#8220; funktionierte nur bei rationalen Akteuren.</p>



<p>Die Antwort auf Frage meines Geschichtslehrers liefert meines Erachtens <em>&#8222;Wenn das der Führer wüsste&#8220;</em> ebenso realistisch wie dystopisch.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="heldenreise">Die nationalsozialistische Heldenreise</h3>



<p>Ich betone es mit Absicht nochmals: Entsprechend schwer ist der Roman zu lesen.</p>



<p>In <em>&#8222;normalen&#8220;</em> Romanen findet sich ein Held, der auf der sogenannten Heldenreise Hindernisse überwindet und am Ende sein Ziel erreicht.</p>



<p>Auch gibt es Charaktere mit denen sich verschiedene Leser identifizieren können.</p>



<p>Die Heldenreise gibt es in <em>&#8222;Wenn das der Führer wüsste&#8220;</em> tatsächlich. </p>



<p>Sie ist allerdings von Anfang bis Ende nationalsozialistisch durchdrungen. </p>



<p>So ist der &#8222;Held&#8220; ein aus unserer heutigen Perspektive ein perverser esoterischer Nazi, der zudem paranoid und psychotisch ist. So empfindet er zunächst Freude über den (neuen) Nationalsozialismus und den ausgebrochenen (Atom-)Krieg.</p>



<p>Daneben lebt Höllriegel einen simplen Alltag, der aber komplett von der nationalsozialistischen Ideologie und Esoterik geprägt ist. So ist die aufkommende Sprache des <em>&#8222;Mutterdeutsch&#8220;</em>, die Otto Basil unübersetzt einsetzt, ein guter Hinweis, wie immer weniger man diese nationalsozialistische Welt versteht.</p>



<p>Diese Prägung trifft auch auf die anderen Charaktere zu.</p>



<p>Deshalb gibt es im ganzen Roman keine &#8222;Guten&#8220;, mit denen sich ein Leser identifizieren könnte.</p>



<p>Otto Basil schont in seiner harten Satire wirklich niemanden. </p>



<p>So gibt es ein eigenes Kapitel über einen antisemitischen Juden.</p>



<p>Dem unvorbereiteten Leser geht es daher möglicherweise so wie mir, als ich das Buch mit Anfang 20 das erste Mal gelesen habe, und mir schlecht wurde.</p>



<p>Deshalb ist auch das Ende von <em>&#8222;Wenn das der Führer wüsste&#8220;</em> passend für einen kaputten Hauptcharakter und einen kaputten Roman mit kaputten Charakteren.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="829" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Cover-Wenn-das-der-Fuehrer-wuesste.jpg?resize=600%2C829&#038;ssl=1" alt="Cover des Buches &quot;Wenn das der Führer wüsste&quot;" class="wp-image-3652" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Cover-Wenn-das-der-Fuehrer-wuesste.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Cover-Wenn-das-der-Fuehrer-wuesste.jpg?resize=217%2C300&amp;ssl=1 217w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Ein weiterer Punkt, der das Lesen des Romans erschwert, ist die Vorliebe von Otto Basil für seitenlange Aufzählungen sowie für Anspielungen auf &#8222;reale&#8220; Personen und Ereignisse.</p>



<p>So wird zum Beispiel der Philosoph Martin Heidegger mit einem eigenen Charakter satirisch gespiegelt.</p>



<p>Daher bräuchte der 1966 erschienen Romans meines Erachtens zum Lesen eine Art Glossar.</p>



<p><em>&#8222;Wenn das der Führer wüsste&#8220;</em> von Otto Basil ist insgesamt eine schwer zu lesende, aber erschreckend <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/im-jahre-ragnaroek-oliver-henkel/">realistische Dystopie</a> über einen siegreichen Nationalsozialismus.</p>



<p>Trotzdem empfehle ich den Roman weiter. </p>



<p>Denn er zeigt aus meiner Sicht am realistischsten eine nationalsozialistische Dystopie.</p>



<p>Potenzielle Leserinnen und Leser sollten sich aber bewusst sein, dass der Roman gerade deshalb schwer zu lesen ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Otto Basil: Wenn das der Führer wüsste. Wien 2013.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Wenn+das+der+F%C3%BChrer+w%C3%BCsste&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1070375270" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>DER SPIEGEL Geschichte: Die Bombe. Das Zeitalter der nuklearen Bedrohung. Juli 2015.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Wenn+das+der+F%C3%BChrer+w%C3%BCsste&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1059839090" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>DER SPIEGEL Geschichte: Faschismus. Das Europäische Inferno. Mai 2017.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Wenn+das+der+F%C3%BChrer+w%C3%BCsste&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1059829416" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>DER SPIEGEL Geschichte: Hitlers treues Volk. Warum die Deutschen dem Nationalsozialismus verfielen. November 2022.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Wenn+das+der+F%C3%BChrer+w%C3%BCsste&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1068478116" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>GEO Epoche: Der Kalte Krieg. Das Kräftemessen der Supermächte im Schatten der Atombombe. 1947-1991. September 2018.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Wenn+das+der+F%C3%BChrer+w%C3%BCsste&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1048463592" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Sebastian Hammelehle: <a href="https://www.spiegel.de/kultur/corona-proteste-in-stuttgart-politische-esoterik-a-e0d064f1-952c-4afc-b835-be9267ce4949" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Politische Esoterik.</a> Coronaproteste, auf: spiegel.de (08.08.2020).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article136958655/Die-okkultistische-Seite-des-Dritten-Reiches.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die okkultistische Seite des Dritten Reiches.</a> „Wahn und Wahnsinn“, auf: welt.de (01.02.2015).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article144397997/So-viele-Freunde-hatte-Hitler-in-Grossbritannien.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">So viele Freunde hatte Hitler in Großbritannien.</a> NS-Sympathisanten, auf: welt.de (27.07.2015).</li>



<li>Julien Reitzenstein: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/himmlers-wirtschaftskonzern-a-949325.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Selters und Sudetenquell &#8211; Marke SS.</a> Himmlers Wirtschaftskonzern, auf: spiegel.de (02.11.2008).</li>



<li>Florian Stark: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article119325883/Wo-die-Nazis-ihren-heiligen-Germanen-huldigten.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wo die Nazis ihren heiligen Germanen huldigten.</a> Braune Esoterik, auf: welt.de (24.08.2013).</li>



<li>ZEIT Geschichte: Der Kalte Krieg. Weltpolitik im Schatten der Bombe. August 2012.</li>
</ul>
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		<title>1932: Der Consul von Christian v. Ditfurth</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Nov 2022 18:09:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der neue Klassiker Zweiter Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Romane und Filme]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>1932 liegt die &#8222;Weimarer Republik&#8220; im Sterben. Was danach kommt, ist noch unklar. Erst recht als Adolf Hitler in Weimar ermordet wird. Ankerpunkt Die sterbende &#8222;Weimarer Republik&#8220; Im November 1932 lag die knapp zehn Jahre alte &#8222;Weimarer Republik&#8220; in ihren letzten Zügen. Neben einer sich seit 1929 immer mehr verschärfenden Wirtschaftskrise war das politische System [&#8230;]</p>
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<p>1932 liegt die <em>&#8222;Weimarer Republik&#8220;</em> im Sterben. Was danach kommt, ist noch unklar. Erst recht als Adolf Hitler in Weimar ermordet wird.</p>



<span id="more-2461"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#inhalt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#weimarerrepublik">Die sterbende &#8222;Weimarer Republik&#8220;</a></li>



<li><a href="#strassenkampf">Eskalierende Straßenkämpfe</a></li>



<li><a href="#nazis">Die vermeidbaren Nationalsozialisten</a></li>



<li><a href="#spaltung">Die gescheiterte Spaltung der NSDAP</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#hitler">Der Mord an Hitler</a></li>



<li><a href="#buergerkrieg">Der Bürgerkrieg</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ende">Das alternative Ende der &#8222;Weimarer Republik&#8220;</a></li>



<li><a href="#spagat">Guter Spagat zwischen Geschichte und Roman</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="-ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="weimarerrepublik">Die sterbende &#8222;Weimarer Republik&#8220;</h3>



<p>Im November 1932 lag die knapp zehn Jahre alte <em>&#8222;Weimarer Republik&#8220;</em> in ihren letzten Zügen.</p>



<p>Neben einer sich seit 1929 immer mehr verschärfenden Wirtschaftskrise war das politische System immer handlungsunfähiger geworden.</p>



<p>Im März 1930 war die letzte Koalition zerbrochen, die sich noch auf eine Mehrheit im demokratisch gewählten Reichstag stützen konnte. Seitdem regierten die Reichskanzler oftmals nur mit Notverordnungen und sogar bewusst gegen die Parlamentsmehrheit.</p>



<p>Hinzu kam, dass die erste Reichstagswahl des Jahres 1932, im März, mit Siegen für die Kommunisten und noch mehr für die deutlich erstarkten Nationalsozialisten endete. Beide konnten danach den Reichstag mit ihrer <em>&#8222;negativen Mehrheit&#8220;</em> jederzeit blockieren.</p>



<p>Auch der mächtige Reichspräsident Paul von Hindenburg (auf dem Bild in seiner kaiserlichen Generalsuniform) war kein Freund der Demokratie.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="870" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Paul-von-Hindenburg.jpg?resize=600%2C870&#038;ssl=1" alt="Foto des Paul von Hindenburg" class="wp-image-2513" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Paul-von-Hindenburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Paul-von-Hindenburg.jpg?resize=207%2C300&amp;ssl=1 207w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Zwar hielt er sich in seinem Amt strikt an die republikanischen Gesetze, aber er und eine <em>&#8222;Kamarilla&#8220;</em> genannte Gruppe aus seinen Günstlingen bei den politischen Rechten strebten offen eine Abschaffung der Republik an.</p>



<p>So gab es bei ihnen Überlegungen, den Reichstag ohne Neuwahlen aufzulösen und eine Präsidialdiktatur zu erreichten.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="strassenkampf">Eskalierende Straßenkämpfe</h3>



<p>Hinzu kam ein sich seit 1930 verstärkender Kampf der verschiedenen politischen Gruppierungen, der zunehmend in bewaffneten und tödlichen Terror auf der Straße umschlug. </p>



<p>Damit normalisierte sich Gewalt als Mittel der Politik in den Köpfen der Menschen. Vor allem je weniger der demokratische Staat in der Lage schien, dabei die Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten.</p>



<p>Vor allem die nationalsozialistische <em>&#8222;Sturmabteilung&#8220;</em> (SA) und der kommunistische <em>&#8222;Rotfrontkämpferbund&#8220;</em> eskalierten die Lage immer mehr. </p>



<p>Das demokratisch geprägte <em>&#8222;Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold&#8220;</em> war dagegen trotz seiner zahlreichen Mitglieder auf der Straße und in der Politik in die Defensive gedrängt. Dies hing damit zusammen, dass die es tragenden Parteien – SPD, Zentrum und eine liberale Splitterpartei – geschwächt waren, während die protestantisch-konservativen Parteien erodierten oder in eine extreme Richtung drifteten.</p>



<p>Diese Verhältnisse erinnerten viele Menschen an die bürgerkriegsähnlichen Straßenkämpfe zu Beginn der 1920er Jahre, zum Beispiel in Berlin (siehe Bild). </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="453" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Berlin-1932.jpg?resize=600%2C453&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Foto des Brandenburger Tors im Jahr 1932" class="wp-image-2510" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Berlin-1932.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Berlin-1932.jpg?resize=300%2C227&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Damals hatte die <em>&#8222;Organisation Consul&#8220;</em> bei erfolgreichen Attentaten den Reichsfinanzminister Matthias Erzberger und den Außenminister Walter Rathenau getötet. Als Organisation war sie danach zerschlagen worden, aber zahlreiche Mitglieder waren noch in verschiedenen Gruppen der radikalen politischen Rechten aktiv.</p>



<p>Diese Situation schien sich nun zu wiederholen.</p>



<p>Beispielhaft war es im Juli 1932 zu blutigen Ausschreitungen im damals preußischen Altona gekommen. Am sogenannten <em>&#8222;Altonaer Blutsonntag&#8220;</em> starben nach einer provozierenden nationalsozialistischen Demonstration sowie anschließenden Straßenkämpfen der Nationalsozialisten mit Polizisten und Kommunisten 18 Personen.</p>



<p>Als Reaktion hatte die Reichsregierung unter Kanzler Franz von Papen die demokratisch eingestellte preußische Landesregierung abgesetzt und den größten Bundesstaat unter Reichsverwaltung gestellt. </p>



<p>Damit war das letzte starke Bollwerk der <em>&#8222;Weimarer Republik&#8220;</em> gefallen. Zur Wahrheit gehörte aber auch, dass die abgesetzte preußische Regierung – wie viele Landesregierungen 1932 – sich nach den letzten Wahlen nicht mehr auf eine demokratische Mehrheit im Landtag stützen konnte.</p>



<p>Daher war die Lage im Berlin des Jahres 1932 extrem angespannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="nazis">Die vermeidbaren Nationalsozialisten</h3>



<p>Es lief <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/nsa-nationales-sicherheits-amt-andreas-eschbach/">jedoch nicht zwangsläufig</a> auf die 1933 folgende <em>&#8222;Machtübernahme&#8220; </em> der Nationalsozialisten hinaus.</p>



<p>Zum Beispiel spekulierten 1932 viele Beobachter und rechte Parteien auf eine Restauration der Monarchie, eine Militärdiktatur oder einen faschistischen Ständestaat nach portugiesischem oder italienischem Vorbild.</p>



<p>Vor allem <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-staehlerne-traum-norman-spinrad/">die Person Adolf Hitler</a> war selbst innerhalb der Elite der politischen Rechten umstritten und seine absoluten Machtansprüche wurden bis zu seiner Ernennung zum Reichskanzler dort nicht überall akzeptiert.</p>



<p>Nicht viel mehr als die latente Angst <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">vor einem kommunistischen Umsturz</a>, den die KPD zumindest lautstark propagierte, hielt die verschiedenen rechten Gruppierungen zusammen.</p>



<p>Wie prekär die Lage der NSDAP 1932 dennoch war, zeigten zwei Ereignisse:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Trotz der Wahlerfolge war es der NSDAP erst im Februar 1932 gelungen, <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/1889-geschichte-machen-von-stephen-fry/">für Adolf Hitler die Staatsbürgerschaft</a> eines deutschen Bundesstaates und damit das Wahlrecht zu erreichen. Dem vorangegangen waren mehrere gescheiterte und in der Presse gehässig ausgeschlachtete Versuche, ihm die Staatsbürgerschaft durch einen Beamtenposten in den Bundesstaaten Thüringen und Braunschweig zu verschaffen. Ohne eine solche konnte er in der <em>&#8222;Weimarer Republik&#8220;</em> kein Amt antreten, was seine Kandidatur für die Reichspräsidentschaft im gleichen Jahr bis kurz vor der Wahl unmöglich gemacht hatte. </li>



<li>Am 6. November kam es wegen der Blockade des Reichstags zu einer Neuwahl, die mit einer Niederlage der NSDAP endete. Zwar blieb sie stärkste Partei, allerdings war die Erzählung eines unaufhaltsamen Aufstiegs gebrochen. Entsprechend kam es zu ersten Richtungsstreitigkeiten in der nationalsozialistischen Bewegung. Zudem hatte die Partei in aufwändigen Wahlkämpfen ihre finanziellen Reserven nahezu aufgebraucht.</li>
</ol>



<h3 class="wp-block-heading" id="spaltung">Die gescheiterte Spaltung der NSDAP</h3>



<p>Entsprechend versuchte der seit Dezember amtierende Reichskanzler Kurt von Schleicher, die NSDAP zu spalten und im Reichstag mit deren Abweichlern eine <em>&#8222;Querfront&#8220;</em> bis zu den politischen Linken zu bilden.</p>



<p>Diesem Plan wurden zunächst Chancen eingeräumt. Der mächtige Organisationsleiter der NSDAP, Gregor Strasser, schien aufgeschlossen und viele Nationalsozialisten waren nach den Jahren der entbehrungsreichen Kämpfe für eine Regierungsbeteiligung und damit einen Zugang zu staatlichen Ressourcen.</p>



<p>Mehrere Wochen um den Jahreswechsel 1932/1933 gab es Sondierungen zwischen unterschiedlichen Personen und Lagern des rechten politischen Spektrums.</p>



<p>Erst als Ende Januar die Querfront-Pläne an <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/nacht-der-braunen-schatten-katharine-burdekin/">der dennoch unumstrittenen Führungsrolle von Adolf Hitler</a> in der NSDAP scheiterten, erwog die politische Rechte neben einer Regierungsbeteiligung der Nationalsozialisten auch andere Optionen.</p>



<p>Allerdings scheiterten Pläne, den Reichstag komplett auszuschalten und nur mit Präsidialdekreten zu regieren, am Widerstand von Hindenburg.</p>



<p>Doch erst mit der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 endeten diese Pläne sowie Gerüchte um einen Putsch der Reichswehr zu Errichtung einer autoritären Regierung.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="hitler">Der Mord an Hitler</h3>



<p>In <em>&#8222;Der Consul&#8220;</em> lässt es Christian von Ditfurth nie soweit kommen.</p>



<p>Am 8. November 1932 reißt eine überraschende Nachricht den Berliner Kriminalkommissar und mehrfach traumatisierten Weltkriegsveteran Stefan Soetting aus dem Schlaf. </p>



<p>In Weimar wurde Adolf Hitler, Anführer der NSDAP, ermordet. </p>



<p>Da damit ein Zerfall der stärksten Partei des Landes und ein Bürgerkrieg droht, übernimmt der renommierte Ermittler Soetting im Auftrag des Reichskanzlers Franz von Papen und des Reichswehrministers Kurt von Schleicher die Ermittlungen.</p>



<p>Als Soetting in Weimar ankommt, scheint der Fall bereits geklärt und zwei kommunistische Verdächtige verhaftet. </p>



<p>Doch er zweifelt nach ersten Untersuchungen an deren Schuld. Vor allem als zurück in Berlin weitere Größen der NSDAP Morden zum Opfer fallen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="505" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Ernst-Roehm.jpg?resize=600%2C505&#038;ssl=1" alt="Foto von Ernst Röhm mit Mutter und Schweter" class="wp-image-2512" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Ernst-Roehm.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Ernst-Roehm.jpg?resize=300%2C253&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Zuerst wird die Leiche des SA-Chefs Ernst Röhm (rechts im Bild, mit seiner Mutter und Schwester) aus dem Wasser gezogen, dann der Gauleiter von Berlin, Joseph Goebbels, erhängt. Zuletzt wird der Reichsorganisationsleiter der NSDAP, Otto Strasser, ermordet.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="buergerkrieg">Der Bürgerkrieg</h3>



<p>Parallel marschieren in den Straßen die Nationalsozialisten auf, mal mit, mal gegen die Kommunisten und ein Bürgerkrieg aller gegen alle greift im Deutschen Reich um sich.</p>



<p>Währenddessen versucht Soetting weiter zu ermitteln und vor allem die verdächtige Sofia Schmoll zu schützen. Doch beide Ziele erweisen sich als zunehmend unvereinbar.</p>



<p>Erst recht als aus der Asche des Bürgerkriegs ein neues Deutsches Reich entsteht, dass sowohl die Republik als auch den Rechtsstaat, dem Soetting sich immer noch verpflichtet fühlt, zu Grabe trägt.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="ende">Das alternative Ende der &#8222;Weimarer Republik&#8220;</h3>



<p>Mit <em>&#8222;Der Consul&#8220;</em> beschreibt Christian von Ditfurth ein alternatives Ende der <em>&#8222;Weimarer Republik&#8220;</em> und zeigt auf, dass die Machtübernahme der Nationalsozialisten nicht alternativlos war.</p>



<p>Oder wie es der Historiker Heinrich August Winkler formulierte:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Hitler, so weit besteht Einigkeit, kam weder zwangsläufig noch zufällig an die Macht. Seine Kanzlerschaft war bis zuletzt vermeidbar.</p>
<cite>Heinrich August Winkler</cite></blockquote>



<p>Sehr gut ist die Darstellung, dass die NSDAP zwar die größte, aber nicht die mächtigste Gruppierung innerhalb der politischen Rechten im Deutschen Reich war. </p>



<p>Nah an der realen Entwicklung ist auf jeden Fall das Ausnutzen von Teilen der Nationalsozialisten für die Agenda der traditionellen politischen Rechten. Was in der Realität scheiterte, gelingt in <em>&#8222;Der Consul&#8220; </em>durch die Morde an verschiedenen Nazi-Größen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="808" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Cover-Der-Consul.jpg?resize=600%2C808&#038;ssl=1" alt="Buchcover des Romans &quot;Der Consul&quot;" class="wp-image-2511" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Cover-Der-Consul.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Cover-Der-Consul.jpg?resize=223%2C300&amp;ssl=1 223w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Der Hauptcharakter Soetting fügt sich gut in das Szenario des Romans ein. Als Leser bin ich ihm gerne gefolgt und kann seine Gedanken nachfühlen.</p>



<p>Interessant sind vor allem seine noch immer vorhandenen Traumata aus <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/erster-weltkrieg/">dem Ersten Weltkrieg</a> sowie das Verhältnis zu zweien seiner damaligen Kameraden.</p>



<p>Sie stehen quasi stellvertretend für die Entwicklung der <em>&#8222;Weimarer Republik&#8220;</em> nach der Kriegsniederlage: Einer landet bei der Reichswehr und der politischen Rechten, einer beim kommunistischen <em>&#8222;Rotfrontkämpferbund&#8220;</em> und der Dritte in Gestalt von Soetting arbeitet ohne emotionale Überzeugung für die Republik.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="spagat">Guter Spagat zwischen Geschichte und Roman</h3>



<p>Insgesamt gelingt <em>&#8222;Der Consul&#8220;</em> ein guter Spagat zwischen der &#8222;realen&#8220; sowie <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">&#8222;alternativen&#8220; Geschichte</a> sowie der Erzählung in Form eines Krimis.</p>



<p>Christian von Ditfurth beschreibt die bekannten und unbekannten Nazi-Größen sowie das Berlin des Jahres 1932 sehr detailreich und gibt dem Roman dadurch eine große Dichte. Eine erzählerische Stärke, die er auch bei <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-21-juli-christian-von-ditfurth/">&#8222;Der 21. Juli&#8220;</a>, <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-mauer-steht-am-rhein-christian-von-ditfurth/">&#8222;Die Mauer steht am Rhein&#8220;</a> und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/das-moskau-spiel-christian-von-ditfurth/">&#8222;Das Moskau-Spiel&#8220;</a> zeigt.</p>



<p>So gibt es zahlreiche Anspielungen auf Ereignisse der <em>&#8222;Weimarer Republik&#8220;</em>, wie die Rüstungszusammenarbeit mit der UdSSR oder die Ringvereine des Berliner Untergrunds. </p>



<p>Zwei Sachen trüben den sehr guten Gesamteindruck etwas.</p>



<p>Erstens erinnert die Konstellation der Hauptfiguren des Krimis zuerst stark an den Klassiker der <em>&#8222;Alternative History Krimis&#8220;</em>, <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/vaterland-robert-harris/">des von Robert Harris geschriebenen Roman <em>&#8222;Vaterland&#8220;</em></a><em>.</em></p>



<p>Zweitens wird Soetting zwar am Anfang als renommierter Ermittler der Berliner Polizei eingeführt. Im Laufe des Romans unterlaufen ihm aber mehrfach irrationale Handlungen und er wird durch handwerkliche Fehler überrumpelt.</p>



<p>Dies kostet ihn am Ende auch den Kopf, auch wenn das Ende etwas offen bleibt. </p>



<p>Vielleicht ist der spannend geschriebene Roman so aber auch eine Geschichte darüber, dass Politik eben auch Folgen für unpolitische Menschen wie Soetting hat. </p>



<p>Oder noch mehr vor dem Hintergrund der <em>&#8222;Alternative History&#8220;</em>: In <em>&#8222;Der Consul&#8220;</em> zeigt Christian von Ditfurth gut auf, wie viele Spielräume das Individuum in der Geschichte hat.</p>



<p>Das macht den Roman auf jeden Fall lesenswert.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Christian von Ditfurth: Der Consul. München 2003.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Der+Consul&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1031608374" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Ernst Cramer: <a href="https://www.welt.de/kultur/history/article1423413/Querfront-gegen-Hitler.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Querfront gegen Hitler.</a> 1932, auf: welt.de (03.12.2007).</li>



<li>Arne Cypionka: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/reichsbanner-schwarz-rot-gold-die-weimarer-republik-haette-gerettet-werden-koennen-a-396e0a79-a016-4bdb-a113-3d974ad985d8" target="_blank" rel="noreferrer noopener">»Die Weimarer Republik hätte gerettet werden können«.</a> Wenn Gewalt die Demokratie bedroht, spiegel.de (03.02.2022).</li>



<li>Franziska von Haaren: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article160094975/Der-Luegenbaron-der-ueber-die-Leichen-Verwandter-ging.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Lügenbaron, der über die Leichen Verwandter ging.</a> Franz von Papen, welt.de (08.12.2016).</li>



<li>Dirk Gerhardt: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/altonaer-blutsonntag-1932-massaker-unter-zivilisten-a-949531.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Lüge von den Heckenschützen.</a> Blutige NSDAP-Demo, auf: spiegel.de (13.07.2012).</li>



<li>Florian Huber: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/rechtsterrorismus-in-deutschland-hundert-jahre-mord-a-0be6cb6b-19ee-4f98-90c5-afc5e59381e6" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hundert Jahre Mord.</a> Rechter Terror in Deutschland, spiegel.de (11.09.2020).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/regionales/berlin/article3454193/Der-Preussenschlag-machte-den-Weg-frei-fuer-Hitler.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Preußenschlag machte den Weg frei für Hitler.</a> 200 Jahre Polizeipräsidium, welt.de (27.03.2009).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article113204765/Der-Tag-an-dem-Hitler-die-Macht-zufiel.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Tag, an dem Hitler die Macht zufiel.</a> Machtergreifung, welt.de (30.01.2013).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/kultur/history/article1604585/Die-letzten-Tage-der-ungeliebten-Republik.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die letzten Tage der ungeliebten Republik</a>. 1933, auf: welt.de (28.01.2008).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article228746547/Machtergreifung-Es-gab-1933-eine-Alternative-zu-Hitler.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Es gab 1933 eine Alternative zu Hitler. </a>„Machtergreifung“, auf: welt.de (21.03.2021).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article178148970/Schwarz-Rot-Gold-Hitler-und-Goebbels-schimpften-sie-Reichsbananen.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hitler und Goebbels schimpften sie „Reichsbananen“.</a> Schwarz-Rot-Gold, welt.de (25.06.2018).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article228852503/Ungeschehene-Geschichte-Gregor-Strasser-eine-Alternative-zu-Hitler.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wenn Strasser statt Hitler die Macht ergriffen hätte.</a> Ungeschehene Geschichte, auf: welt.de (22.03.2021).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article207412025/Rechtsterrorismus-Wie-aus-Soldaten-politische-Moerder-wurden.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie aus Soldaten politische Mörder wurden.</a> Rechtsterrorismus, welt.de (22.04.2020).</li>



<li>Johanna Lutteroth: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/schwierige-einbuergerung-wie-hitler-deutscher-wurde-a-946762.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie Hitler Deutscher wurde.</a> Schwierige Einbürgerung, auf: spiegel.de (15.10.2010).</li>



<li>Christoph Strupp: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/machtergreifung-hitlers-aus-sicht-der-diplomaten-a-951021.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;Na, es hätte schlimmer ausfallen können&#8220;.</a> &#8222;Machtergreifung&#8220; aus Diplomatensicht, auf: spiegel.de (29.01.2013).</li>



<li>Franz Walter: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/der-putsch-am-20-juli-1932-a-946636.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie der Mythos Preußen zerschlagen wurde.</a> Der Putsch am 20. Juli 1932, auf: spiegel.de (15.08.2007).</li>



<li>Severin Weiland: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/ermaechtigungsgesetz-a-946843.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;Die SPD hat die Ehre der Weimarer Republik gerettet&#8220;.</a> Ermächtigungsgesetz, auf: spiegel.de (09.04.2008).</li>



<li>Heinrich August Winkler: <a href="https://www.zeit.de/2021/06/deutsches-kaiserreich-moderne-nationalsozialismus-debatte-geschichte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">War Hitler doch ein Betriebsunfall?</a> Deutsches Kaiserreich, auf: zeit.de (03.02.2021).</li>



<li>ZEIT Geschichte: Weimars Ende. Warum scheiterte Deutschlands erste Demokratie? September 2022.</li>
</ul>
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		<title>1949: Die Republik von Maxim Voland</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Jul 2022 10:02:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der neue Klassiker Zweiter Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Romane und Filme]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was wäre gewesen, wenn die Wiedervereinigung 1949 unter umgekehrten Voraussetzungen stattgefunden hätte? In diesem Roman existiert die DDR noch im Jahr 2020. Ankerpunkt Die Bundesrepublik, die DDR und Berlin 1949 Als die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs 1945 die Zukunft des geschlagenen Deutschen Reichs verhandelten, war die Teilung des Landes noch keine Option. Zwar hatten Frankreich, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Was wäre gewesen, wenn die Wiedervereinigung 1949 unter umgekehrten Voraussetzungen stattgefunden hätte? In diesem Roman existiert die DDR noch im Jahr 2020.</p>



<span id="more-3499"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#bundesrepublik">Die Bundesrepublik, die DDR und Berlin 1949</a></li>



<li><a href="#geheimorganisation">Die Geheimorganisationen gegen die DDR</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ddr">Die DDR im Jahr 2020</a></li>



<li><a href="#ostberlin">Der Anschlag in Ostberlin</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#szenario">Ein Szenario mit großer Fallhöhe</a></li>



<li><a href="#roman">Ein Roman mit verschenktem Potenzial</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="bundesrepublik">Die Bundesrepublik, die DDR und Berlin 1949</h3>



<p>Als die Siegermächte des <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">Zweiten Weltkriegs</a> 1945 die Zukunft des geschlagenen Deutschen Reichs verhandelten, war die Teilung des Landes noch keine Option.</p>



<p>Zwar hatten Frankreich, Großbritannien, die UdSSR und die USA Deutschland in vier Besatzungszonen eingeteilt und die Gebiete jenseits der Oder-Neiße-Grenze abgetrennt.</p>



<p>Jedoch behandelten sie die vier Gebiete noch als Teil eines Staates, dessen Zukunft noch zu klären wäre.</p>



<p>So verwalteten alle vier Siegermächte die ehemalige Hauptstadt Berlin gemeinsam (siehe Karte).</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="760" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/04/Besatzungszonen-Deutschland.jpg?resize=600%2C760&#038;ssl=1" alt="Karte der vier Besatzungszonen in Deutschland" class="wp-image-2868" style="width:600px;height:760px" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/04/Besatzungszonen-Deutschland.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/04/Besatzungszonen-Deutschland.jpg?resize=237%2C300&amp;ssl=1 237w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Deutschland_Besatzungszonen_1945.svg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">glglgl/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>In den nächsten Jahren entwickelten sich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/im-jahre-ragnaroek-oliver-henkel/">die Besatzungszonen</a> der Westmächte und der UdSSR aber immer unterschiedlicher.</p>



<p>So sollte eine Gruppe um ausgewählte Kommunisten unter der Führung von Walter Ulbricht die sowjetische Zone unter kommunistischen Vorzeichen aufbauen.</p>



<p>Berühmt wurde ein Satz von Ulbricht, den Maxim Voland auch in <em>&#8222;Die Republik&#8220;</em> zitiert:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>&#8222;Es muss demokratisch aussehen, aber müssen alles in der Hand haben.&#8220;</p>
<cite>Walter Ulbricht</cite></blockquote>



<p>So fusionierten 1946 die Kommunistische Partei Deutschlands und die Sozialdemokratische Partei Deutschlands zur <em>&#8222;Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands&#8220;</em> (SED).</p>



<p>Die SED stieß anfangs auf große Zustimmung: Zum Beispiel brachte eine Landreform vielen Kleinbauern Landbesitz.</p>



<p>Doch vor allem der entstehende Überwachungsstaat der UdSSR und der SED sorgten für einen Stimmungsumschwung.</p>



<p>In den Besatzungszonen des Westens ging die Entwicklung dagegen in Richtung von liberaler Demokratie und Marktwirtschaft.</p>



<p>Zum großen Bruch im beginnenden Kalten Krieg kam es 1948.</p>



<p>Als in den westlichen Zonen durch die Währungsreform die D-Mark eingeführt wurde, reagierte die UdSSR mit einer Blockade von Westberlin.</p>



<p>Diese <em>&#8222;Berlin-Blockade&#8220;</em> scheiterte aber und sorgte dafür, dass die Deutschen in den westlichen Staaten neue Verbündete gegen die Kommunisten sahen.</p>



<p>Im selben Jahr erging an die westlichen Länderregierungen der Auftrag, eine Verfassung für eine zukünftige Bundesrepublik zu erarbeiten.</p>



<p>Endgültig wurde die Trennung 1949.</p>



<p>Am 23. Mai 1949 gründete sich die Bundesrepublik Deutschland, am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik, kurz DDR.</p>



<p>Beide Staaten erkannten sich gegenseitig nicht an und beanspruchten, für ganz Deutschland zu sprechen.</p>



<p>Nur Berlin verblieb unter der Autorität der Besatzungsmächte und wurde einer der Hauptschauplätze des Kalten Krieges, zum Beispiel für die Geheimdienste. </p>



<p>Bis 1990 und zur Wiedervereinigung beider Staaten blieb dies so.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="geheimorganisation">Die Geheimorganisationen gegen die DDR</h3>



<p>Während so die Verhältnisse nach außen klar erschienen, arbeiteten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/das-moskau-spiel-christian-von-ditfurth/">die Geheimdienste aller Mächte</a> in den deutschen Staaten im Verborgenen gegeneinander.</p>



<p>Während die Aktionen der Stasi und der östlichen Geheimdienste inzwischen relativ bekannt sind, ist das Ausmaß der Aktivitäten von westlichen Geheimdiensten bisher wenig erforscht und eher Gegenstand von Spekulationen.</p>



<p>Die bekannteste Theorie dreht sich um eine ganze NATO-Geheimarmee unter dem Kürzel <em>&#8222;Gladio&#8220;</em>, deren Mitglieder bei einem Kriegsausbruch als Guerillas gegen die Angreifer agieren sollten.</p>



<p>So finanzierte die CIA bis 1959 eine sogenannte &#8222;<em>Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit e.V. (KgU)&#8220;</em>. </p>



<p>Diese verübte ab 1948 in der DDR Sabotageakte, betrieb Propaganda und spionierte für die US-Amerikaner. </p>



<p>Doch die Geheimdienste der UdSSR und der DDR zerschlugen die Gruppe größtenteils, bis die CIA die Finanzierung einstellte.</p>



<p>Die KgU war dabei nur ein Beispiel für verschiedene antikommunistische Gruppierungen, die unterstützt von Geheimdiensten aus Westberlin versuchten, gegen die DDR und das SED-Regime zu arbeiten.</p>



<p>Diese Gruppen, darunter auch das <em>&#8222;Ostbüro der SPD&#8220;</em> kamen ihren Zielen aber nie nahe.</p>



<p>Sowohl ihre Propaganda- als auch Sabotageaktionen gingen nie über Nadelstiche hinaus.</p>



<p>Stattdessen verhaftete die Stasi viele Anhänger dieser Organisationen und die DDR-Justiz verurteilte sogar einige von ihnen zur Todesstrafe.</p>



<p>Vor allem der Mauerbau 1961 erschwerte die Kontakte der Widerstandsgruppen in die DDR.</p>



<p>Daher waren sie nie eine wirkliche Gefahr für den kommunistischen Staat.</p>



<p>Ein anderes Kaliber waren die ersten, ebenfalls bereits Anfang des Kalten Krieges in der Bundesrepublik gegründeten, <em>&#8222;Stay-behind-Organisationen&#8220;</em>.</p>



<p>Diese sollten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/dritter-weltkrieg/im-sturm-tom-clancy/">im Falle eines sowjetischen Angriffs</a> auf die Bundesrepublik als Partisanen hinter den feindlichen Linien Sabotage (siehe Bild) betreiben.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Geheimarmee-Partisanen.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto von Männern in Tarnfleck, die durch einen Wald laufen." class="wp-image-3570" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Geheimarmee-Partisanen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Geheimarmee-Partisanen.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(7_11/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dazu erhielten Gruppen wie der 1951 gegründete <em>&#8222;Technische Dienst der Bund der Deutschen Jugend&#8220;</em> (TD) von den US-Amerikanern nicht nur eine paramilitärische Ausbildung, sondern auch Materialien, um geheime Waffendepots anzulegen.</p>



<p>Da sich diese Gruppen vor allem <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/nsa-nationales-sicherheits-amt-andreas-eschbach/">aus ehemaligen Angehörigen der Wehrmacht und der SS</a> rekrutierten, entwickelten sie schnell ein unkontrolliertes Eigenleben.</p>



<p>So kursierten Todeslisten von linken Politikern für den Fall eines sowjetischen Angriffs.</p>



<p>1952 flog der TD allerdings auf und wurde 1953 verboten.</p>



<p>Andere, von Geheimdiensten aufgebaute, Sabotagetrupps unter den Codenamen <em>&#8222;Kranich&#8220;</em>, <em>&#8222;Kiebitz-15&#8220;</em> oder <em>&#8222;Saturn&#8220;</em> waren noch kleiner und zu schlecht bewaffnet, um im Ernstfall eine kriegsentscheidende Rolle zu spielen.</p>



<p>Inzwischen gehen Wissenschaftler davon aus, dass die gegnerischen Geheimdienste im Kriegsfalle diese Gruppen schnell identifizieren und ausschalten hätten könnten.</p>



<p>Daher wären sie auch keine Gefahr für die DDR gewesen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="ddr">Die DDR im Jahr 2020</h3>



<p>In <em>&#8222;Die Republik&#8220;</em> gründet sich die DDR wie in der Realität am 7. Oktober 1949.</p>



<p>Sie beansprucht von Anfang an ebenfalls das gesamte heutige deutsche Bundesgebiet.</p>



<p>Vollkommen überraschend für die Welt ziehen allerdings <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-pakt-philip-kerr/">Frankreich, Großbritannien und die USA</a> ihre Truppen am selben Tag aus der Bundesrepublik zurück. </p>



<p>Während die Bundesrepublik faktisch aufhört zu bestehen und die ehemaligen Besatzungsmächte die Flüchtlingsströme an den neuen Grenzen aufhalten, bleibt Westberlin bestehen.</p>



<p>Es wird von den Westmächten sogar als einziger Rest der Bundesrepublik angesehen und bleibt unabhängig von UdSSR sowie DDR.</p>



<p>Nur wenige wissen bis ins Jahr 2020, warum die Bundesrepublik 1949 aufgegeben wurde und warum gerade Westberlin verschont blieb.</p>



<p>Die DDR besteht bis heute, da die Unruhen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/wechselwelten-oliver-henkel/">in den ehemaligen &#8222;Westländern&#8220;</a> 1989 niedergeschlagen wurden und nur zur Absetzung des Generalsekretärs Erich Honecker führten.</p>



<p>In <em>&#8222;Die Republik&#8220;</em> ist die DDR nicht marode (siehe Bild), sondern digital auf neustem Stand.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto des alten Wappens der DDR" class="wp-image-2203" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(dimm3d/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Denn als in den Jahren danach der Ostblock zusammenbrach, gelang es der DDR dank ausgefeilter Planwirtschaft und einem immer perfekteren Überwachungsstaat nicht nur zu überleben, sondern auch ähnlich wie China <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/">zu prosperieren</a>.</p>



<p>2020 ist sie also ein wirtschaftlicher Global Player, eine militärische Großmacht in Europa und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">ein starker Rivale der USA</a>.</p>



<p>Westberlin existiert ebenfalls als <em>&#8222;Berlin-Deutschland&#8220;</em> und als theoretischer Überrest der Bundesrepublik, ist aber ein von der Mauer umringter machtloser Stadtstaat, Billiglohnland sowie Paradies für Glücksspieler und Geheimdienste.</p>



<p>Insgesamt eine zwar bereits lang anhaltende, aber nur an der Oberfläche stabile Konstellation.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="ostberlin">Der Anschlag in Ostberlin</h3>



<p>Diese Lage wird durch einen Giftgasanschlag auf dem Platz der Republik in Ostberlin erschüttert, dem zahllose Menschen zum Opfer fallen.</p>



<p>Dies löst internationale Spannungen aus, denn die Täter und die Ursache sind entgegen offizieller Verlautbarungen der DDR zunächst unklar. </p>



<p>Der früher hochdekorierte, aber inzwischen desillusionierte Stasi-Oberst Gustav Kuhn verliert bei diesem Anschlag mehr als offiziell bekannt ist. </p>



<p>Unerwartet wird er trotz seiner Vergangenheit von höchster Stelle mit den Ermittlungen beauftragt.</p>



<p>Doch als er bereits zu Beginn der Ermittlungen fast ermordet wird, weiß er, dass er in Gefahr ist.</p>



<p>Erst recht, als er in Moskau erneut einen Kampf knapp überlebt. </p>



<p>Immer mehr stößt er auf Hinweise, dass weitere Anschläge mit Giftgas geplant sind. </p>



<p>Und dass seine Feinde <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/die-letzte-kosmonautin-brandon-q-morris/">mächtiger und gefährlicher</a> sind, als er schon dachte. Selbst mächtiger und gefährlicher als die Stasi (siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/Stasi.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto der Mütze eines Stasi-Offiziers" class="wp-image-2201" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/Stasi.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/Stasi.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Steve Scott/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Gleichzeitig beginnt die britische Agentin Harper Parker-Moreau in Westberlin mit Nachforschungen. Dabei ist sie immer auf den eigenen Vorteil und das eigene Vergnügen bedacht.</p>



<p>Bereits bei ihrer ersten Aktion wird sie jedoch fast von einer mysteriösen Spezialeinheit getötet. </p>



<p>Als selbst ihr erfahrener Vorgesetzter von dieser Gruppe getötet wird, ist sie endgültig in einem Kampf auf Leben und Tod auf sich gestellt. </p>



<p>Währenddessen reist der deutsch-französische Dolmetscher Jean-Christophe Mueller zur Beerdigung eines Verwandten in Homburg in die DDR ein.</p>



<p>Seit der Flucht der Großeltern ist es der erste Besuch bei seinen deutschen Verwandten und mit entsprechend vielen Eindrücken wird Christophe konfrontiert. </p>



<p>Doch das gerät jäh in den Hintergrund als die Familie von Unbekannten, die es auf bestimmte Karten abgesehen haben, überfallen und ermordet wird.</p>



<p>Zusammen mit seiner Cousine Alicia Müller heftet sich Chris eher notgedrungen an die Spuren der Killer.</p>



<p>Doch je tiefer alle in die Geheimnisse der Vergangenheit von 1949 geraten, desto gefährlicher wird die Situation für sie und die ganze Welt.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="szenario">Ein Szenario mit großer Fallhöhe</h3>



<p>Um <em>&#8222;Die Republik&#8220; </em>des Autors Maxim Voland gab es vor der Veröffentlichung für das Genre einen vergleichsweise großen Hype.</p>



<p>Einerseits, weil der Autor unter seinem &#8222;echten Namen&#8220; Markus Heitz ein bereits bekannter und anerkannter Schriftsteller im Fantasy-Genre ist.</p>



<p>Andererseits investierte der Verlag sehr viel Geld zum Beispiel in Social Media und vergab, soweit ich es auf Instagram gesehen habe, auch sehr frei Rezensionsexemplare.</p>



<p>Entsprechend groß war dadurch die Fallhöhe für das Szenario und die Handlung von <em>&#8222;Die Republik&#8220;.</em></p>



<p>Die Grundfrage ist ähnlich wie bei die <em><a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-mauer-steht-am-rhein-christian-von-ditfurth/">&#8222;Mauer steht am Rhein&#8220;</a></em> aus der Feder von Christian von Ditfurth: &#8222;Was wäre gewesen, wenn die Wiedervereinigung umgekehrt gelaufen wäre?&#8220;</p>



<p>Der Ankerpunkt an sich ist sehr spannend gewählt, ebenso dass Maxim Voland das Geheimnis um die Alternative History des Jahres 1949 erst gegen Ende aufklärt.</p>



<p>So entsteht eine konstante Hintergrundspannung während des gesamten Romans.</p>



<p>Aus meiner Sicht ist es allerdings unrealistisch aus den Ereignissen nach Kriegsende auf die Entwicklung bis ins Jahr 2020 zu schließen.</p>



<p>Entsprechend konstruiert wirkt die nicht nur überlebende, sondern auch extrem erfolgreiche DDR von <em>&#8222;Die Republik&#8220;</em>.</p>



<p>Nur zaghaft deutet Maxim Voland die Gründe <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/plan-d-simon-urban/">für das Überleben der DDR</a> über das Jahr 1989 hinaus an.</p>



<p>Einmal spielt er auf das Vorbild der Volksrepublik China an, die es in der Realität mit einem Mischsystem aus wirtschaftlichem Kapitalismus, kommunistischer Gesellschaftspolitik und rigoroser Überwachung geschafft hat, zur Weltmacht neben den USA aufzusteigen.</p>



<p>Diese Vorlage zeigt sich auch in der Beschreibung der DDR, die Maxim Voland als Paralellweltgeschichte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/mirage-matt-ruff/">fast satirisch-propagandistisch</a> übertreibt. </p>



<p>Denn die DDR des Jahres 2020 ist auf fast allen Gebieten den westlichen Ländern überlegen. Zusätzlich ist sie noch ökologischer als der kriselnde Westen.</p>



<p>Hier wirkt das Szenario von <em>&#8222;Die Republik&#8220; </em>allerdings stark konstruiert. Denn es bleibt jenseits von Andeutungen über die <em>&#8222;ausgefeilte Planwirtschaft&#8220; </em>unklar, wie die DDR den chinesischen Weg geschafft hat.</p>



<p>Vor allem, da die reale DDR 1989 nicht &#8222;nur&#8220; durch Proteste der Bevölkerung unter Druck stand, sondern auch wirtschaftlich am Ende war.</p>



<p>Zusätzlich spielt auch eine um die ehemalige Bundesrepublik gewachsene DDR nicht in einer Größenordnung wie China.</p>



<p>Gleiches trifft auf Berlin-Deutschland zu, das etwas an Hongkong angelehnt scheint. Auch hier fehlen zum realen Vorbild die geografischen Bedingungen, was eine Millionenstadt inmitten des kommunistischen Feindes unrealistisch macht.</p>



<p>Der Einbau der Schläferzellen um ehemalige Westagenten ist durchaus spannend, aber auch wiederum unrealistisch.</p>



<p>Einerseits sind diese Menschen bisher unter dem Radar der angeblich perfekten Überwachung der Stasi gelaufen. Andererseits sind sie so schwer bewaffnet und gut ausgebildet, um es sogar mit Sondereinsatzkommandos der Polizei und der Armee aufzunehmen.</p>



<p>Insgesamt verschenkt das Szenario aus meiner Sicht viel seines Potenzials. Die Idee und den Anspruch von Maxim Voland, die<a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/"> Alternative History</a> einer umgekehrten Wiedervereinigung möglichst realistisch darzustellen, erfüllt <em>&#8222;Die Republik&#8220;</em> damit nicht.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="600" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=600%2C600&#038;ssl=1" alt="Karte der ehemaligen BRD und DDR" class="wp-image-2209" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Anupong Boonma/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Die Alternativwelt und die Auflösung zu deren Entstehung wirken eher als konstruierte Staffage für die Handlung. </p>



<p>Den Ankerpunkt halte ich selbst für schwer erklärbar, da ein Teil an die Handlung angebunden ist, der andere aber komplett konstruiert wirkt.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="roman">Ein Roman mit verschenktem Potenzial</h3>



<p>Ähnlich wie bei der Alternativwelt an sich ging es mir mit der Handlung und den Charakteren von <em>&#8222;Die Republik&#8220;.</em></p>



<p>So ist die Handlung sehr actionreich und von Maxim Voland durchaus spannend beschrieben.</p>



<p>Auch weist der Roman zumindest am Anfang einige gute Wendungen auf.</p>



<p>Je weiter ich die <em>&#8222;Die Republik&#8220;</em> gelesen habe, desto mehr fand ich die Handlung allerdings konstruiert oder verwirrend.</p>



<p>So sterben in einem unübersichtlichen Feuergefecht alle Nebenfiguren, inklusive Soldaten, während die Hauptfiguren, obwohl Zivilisten, alle überleben.</p>



<p>Am Ende war mir auch nicht mehr klar, welche Verschwörung nun welche Ziele genau verfolgte und wie sie von anderen ausgenutzt wurde.</p>



<p>Ähnlich ging es mir mit den Einschüben aus Zitaten der realen oder fiktiven Geschichte der DDR zwischen den Kapiteln, die keiner mir erkennbaren Logik folgten. </p>



<p>Auch die letzte große Wendung im letzten Kapitel ließ mich mit einem Fragezeichen zurück und machte auf mich den Eindruck, dass Maxim Voland unbedingt dem Leser am Ende noch einen Dämpfer verpassen wollte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="897" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Cover-Die-Republik.jpg?resize=600%2C897&#038;ssl=1" alt="Buchcover von &quot;Die Republik&quot;" class="wp-image-3569" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Cover-Die-Republik.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Cover-Die-Republik.jpg?resize=201%2C300&amp;ssl=1 201w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Die Charaktere machten auf mich zuerst den Eindruck, Potenzial für vielschichtige und verschiedene Entwicklungen zu bieten.</p>



<p>So ist Gustav Kuhn am Anfang durchaus ambivalent in seinen Methoden. Durch ihn erscheint die Stasi zeitweise als &#8222;Gut&#8220;, indem sie ihr Überwachungs- und Verhörpotenzial gegen die Terroristen einsetzt.</p>



<p>Allerdings nutzt Maxim Voland aus meiner Sicht diese Möglichkeiten nicht komplett. So gibt es in <em>&#8222;Die Republik&#8220;</em> nur wenige Andeutungen über die düstere Stasi-Vergangenheit von Kuhn.</p>



<p>Insgesamt fehlt für mich in <em>&#8222;Die Republik&#8220;</em> immer etwas, sowohl bei der Alternativwelt und dem Szenario als auch bei Charakteren und Handlung.</p>



<p>Daher kann ich den Roman von Maxim Voland nur bedingt weiterempfehlen, zum Beispiel wenn die Leserinnen und Leser am DDR-Hintergrund interessiert sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Maxim Voland: Die Republik. München 2020.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Die+Republik&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1062455489" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>DER SPIEGEL Geschichte: Die DDR. Leben im sozialistischen Deutschland. Mai 2015.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Die+Republik&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1059829683" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>DER SPIEGEL Geschichte: Der Kalte Krieg. Wie die Welt das Wettrüsten überlebte. Januar 2008.</li>



<li>DER SPIEGEL Geschichte: Die Nachkriegszeit. Als Deutschland sich neu erfand. 1945-1949. Februar 2018.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Die+Republik&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1059829649" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>GEO Epoche: Die DDR. Alltag im Arbeiter-und-Bauern-Staat 1949-1990. April 2014.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Die+Republik&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1026886227" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>GEO Epoche: Europa nach dem Krieg. Chaos und Neuanfang 1943-1953. Mai 2016.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Die+Republik&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1038317671" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article200662504/Stay-behind-Diese-Partisanen-sollten-die-Rote-Armee-bekaempfen.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sabotagekommando „Kibitz-15“ wurde 1953 von der CIA „abgeschaltet“.</a> Stay behind-Organisation, auf: welt.de (22.09.2019).</li>



<li>Uwe Klußmann: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/spd-kpd-sed-war-es-1946-eine-zwangsvereinigung-a-8f67867c-566e-4c30-a089-eae70c536d9c" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Von der Sowjetunion lernen heißt siechen lernen.</a> Gründung der SED 1946, auf: spiegel.de (21.04.2021).</li>



<li>Ralf Langroth: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/rechte-geheimgruppe-technischer-dienst-finstere-plaene-fuer-den-tag-x-a-48f81106-44a4-4838-997e-7a10d3e36f0a" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Finstere Pläne für den Tag X.</a> Rechte Geheimorganisation in der Ära Adenauer, auf: spiegel.de (16.04.2021).</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/die-republik-von-maxim-voland/">1949: Die Republik von Maxim Voland</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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