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	<title>Was wäre wenn: Hintergründe</title>
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	<description>Was wäre wenn... jemand einen Blog über Alternative History schreiben würde?</description>
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	<title>Was wäre wenn: Hintergründe</title>
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		<title>1521 bis 2015: ZEIT Geschichte 3/2025</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Aug 2025 16:49:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der andere Erste Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Der neue Klassiker Zweiter Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Die erfolgreiche Revolution 1848]]></category>
		<category><![CDATA[Die weiter existierende DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Historische Hintergründe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit der Ausgabe zum 20-jährigen Jubiläum widmete sich ZEIT Geschichte, das auf Geschichte spezialisiertes Magazin von &#8222;DIE ZEIT Verlagsgruppe&#8220;, der Alternative History. Verschiedene Autoren betrachteten dort 20 Szenarien aus der deutschen Geschichte unter dem Thema &#8222;Was wäre gewesen, wenn …? 20 Wendepunkte der deutschen Geschichte – und die Frage, wie es auch anders hätte kommen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/hintergruende/was-waere-gewesen-wenn-zeit-geschichte/">1521 bis 2015: ZEIT Geschichte 3/2025</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Mit der Ausgabe zum 20-jährigen Jubiläum widmete sich ZEIT Geschichte, das auf Geschichte spezialisiertes Magazin von &#8222;DIE ZEIT Verlagsgruppe&#8220;, der Alternative History.</p>



<p>Verschiedene Autoren betrachteten dort 20 Szenarien aus der deutschen Geschichte unter dem Thema <em>&#8222;Was wäre gewesen, wenn …? 20 Wendepunkte der deutschen Geschichte – und die Frage, wie es auch anders hätte kommen können&#8220;</em>.</p>



<span id="more-7018"></span>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#ankerpunkt">Ankerpunkt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#deutsche-geschichte">Wissensgewinn von Alternative History für die deutsche Geschichte</a></li>



<li><a href="#alternative-history">Gefahren von Alternative History für die Geschichtswissenschaft</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#inhalt">Inhalt</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#karl-luther">1521: Vorschlag zur Güte</a></li>



<li><a href="#dreissigjaehriger-krieg">1629: Das Gemetzel hätte früher enden können</a></li>



<li><a href="#mirakel-haus-brandenburg">1762: &#8222;Mein Unglück ist, dass ich noch lebe&#8220;</a></li>



<li><a href="#1848-friedrich-wilhelm">1849: Ein Kaiser von Volkes Gnaden</a></li>



<li><a href="#bismarck-attentat">1866: Keine Durchschlagskraft</a></li>



<li><a href="#schlacht-koeniggraetz">1866: Das deutsche Duell</a></li>



<li><a href="#kaiser-friedrich-iii">1888: &#8222;Eine Tragödie für die Deutschen&#8220;</a></li>



<li><a href="#attentat-sarajevo">1914: Bei Mord Krieg?</a></li>



<li><a href="#lenin-zug">1917: Passage am Polarkreis</a></li>



<li><a href="#revolution-hugo-haase">1919: Wie die Revolution gelungen wäre</a></li>



<li><a href="#reichspraesident-friedrich-ebert">1925: Retter der Republik</a></li>



<li><a href="#rheinlandbesetzung">1936: Letzte Ausfahrt Rheinland</a></li>



<li><a href="#attentat-georg-elser">1939: Dann hätte es keinen Holocaust gegeben</a></li>



<li><a href="#wunder-duenkirchen">1940: Das Wunder von Dünkirchen</a></li>



<li><a href="#morgenthau-plan">1944: Kartoffelacker oder Aufbauhilfe</a></li>



<li><a href="#bundeskanzler-adenauer">1949: Ära ohne Adenauer</a></li>



<li><a href="#dritter-weltkrieg">1961: Showdown der Supermächte</a></li>



<li><a href="#stanislaw-petrow">1983: &#8222;Jetzt nur keine Panik&#8220;</a></li>



<li><a href="#revolution-ddr">1989: Unwahrscheinliches Glück</a></li>



<li><a href="#fluechtlingskrise">2015: Grenze offen, Grenze dicht</a></li>
</ul>
</li>



<li><a href="#rezension">Rezension</a>
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="#struktur-zufall">Struktur und Zufall in der Alternative History</a></li>



<li><a href="#deutsche-alternative-history">Deutsche Sicht auf Alternative History</a><br><br><a href="#quellen-literatur">Quellen und Literatur</a></li>
</ul>
</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkt</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="deutsche-geschichte">Wissensgewinn von Alternative History für die deutsche Geschichte</h3>



<p>Zu Beginn der Ausgabe diskutierten verschiedene Autoren die grundsätzlichen Fragen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">der Alternative History</a> für die deutsche Geschichte. Eingeleitet durch das Vorwort des Chefredakteurs von ZEIT Geschichte, Frank Werner.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>&#8222;Wer im Krimi immer zuerst auf die letzte Seite blättert, wird von seinen verblüffenden Wendungen nicht überrascht. Er liest den Roman wie einen Zieleinlauf. Ähnlich blicken wir auf die Vergangenheit. Wir betrachten die Geschichte von ihrem bekannten Ende her, und es scheint, als strebe sie auf dieses Ende zu, als sei alles <em>Vor</em>geschichte. Überhaupt halten wir oft nur die Geschichte für möglich, deren Ende wir kennen – obwohl es viele Enden hätte geben können.</p>



<p>Für die Zeitgenossen ist die Geschichte ein Buch, das noch nicht geschrieben ist.&#8220;</p>
<cite>Frank Werner, Chefredakteur ZEIT Geschichte</cite></blockquote>



<p>Kontrafaktische Fragen gehören aus dieser Sichtweise zum Handwerkszeug der Geschichtswissenschaft. Denn sie dienen dem Erkenntnisgewinn über Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten von historischen Entwicklungen. Beispielsweise, welche Ereignisse in der deutschen Geschichte eher Zufall oder historische Notwendigkeit waren. Oder welche Rolle politische oder wirtschaftliche Strukturen spielten.</p>



<p>Dan Diner, der als Geschichtsprofessor an der Ausstellung &#8222;Roads not Taken. Oder: Es hätte auch anders kommen können&#8220; mitgearbeitet hatte, beschrieb dazu zwei Bespiele: die Machtübertragung an Adolf Hitler 1933 und das gescheiterte Attentat auf ihn 1944.</p>



<p>War Adolf Hitler (siehe Bild aus dem Ersten Weltkrieg unten links) eine <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/1889-geschichte-machen-von-stephen-fry/">unvermeidbare Entwicklung der deutschen Geschichte</a>. Oder war seine Ernennung ein historischer Zufall?</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="600" height="404" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Weltkrieg.jpg?resize=600%2C404&#038;ssl=1" alt="Foto von Weltkriegssoldaten, links unten davon Adolf Hitler" class="wp-image-3087" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Weltkrieg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Weltkrieg.jpg?resize=300%2C202&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock) </figcaption></figure>



<p>Strukturell war die Weimarer Verfassung auf einen starken Reichspräsidenten angelegt, der den Reichskanzler ohne Zustimmung des Parlaments ernannte. Speziell die Ernennung Hitlers war jedoch ein Ergebnis von individuellen Intrigen im persönlichen Umfeld des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg.</p>



<p>Die gleiche Frage zwischen Struktur und Zufall stellte sich für das <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-21-juli-christian-von-ditfurth/">fehlgeschlagene Attentat von Stauffenberg 1944</a>.</p>



<p>Strukturell waren die Widerständler von Anfang an im Nachteil. Nur wenige Militärs hatten sich ihnen angeschlossen. Und Adolf Hitler verfolgte eine jeweils kurzfristig organisierte Tagesplanung, was Attentatspläne erschwerte. Beim konkreten Attentat am 20. Juli 1944 gab es jedoch Zufälle, die zum Scheitern beitrugen. Zum Beispiel ein schwerer Eichentisch, der Teile der Explosion für den über den Tisch gebeugten Hitler abfing.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="alternative-history">Gefahren von Alternative History für die Geschichtswissenschaft</h3>



<p>Danach ging ZEIT Geschichte auf die Gefahren von Alternative History in der Erforschung der Geschichte ein. Vor allem allerdings anhand der britischen Geschichte.</p>



<p>In einem Interview kritisierte der britische Historiker Richard Evans, dass viele kontrafaktische Fragen <em>&#8222;dem Wunschdenken konservativer Historiker&#8220;</em> entspringen, die aktuelle Entwicklungen eher kritisch sehen. So entstand die Frage &#8222;Was wäre gewesen, wenn es zwischen Großbritannien und dem Deutschen Reich vor oder im Ersten Weltkrieg zu einem früheren Friedensabkommen gekommen wäre?&#8220; aus der konservativen Hoffnung, eine solche Entwicklung hätte das britische Empire (siehe Bild unten) nach 1914 erhalten und den linken Wohlfahrtsstaat nach 1945 verhindert.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="600" height="450" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Koenigin-Viktoria.jpg?resize=600%2C450&#038;ssl=1" alt="Foto einer Statue von Queen Viktoria" class="wp-image-3857" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Koenigin-Viktoria.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Koenigin-Viktoria.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(casinozack/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Evans erinnerte an diesem Beispiel an die politische Dimension von <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/literatur/">Alternative History Literatur</a>. Unter EU-Skeptikern in Großbritannien waren solche Romane weit vor dem Brexit 2016 verbreitet. Teilweise schrieben Gegner der EU selbst Alternative History Romane, um einen vermeintlichen Kampf gegen die EU in der Gegenwart populär zu machen.</p>



<p>Zwar können kontrafaktische Spekulationen Historiker unterstützen, den Spielraum Einzelner in der Geschichte realistisch einzuschätzen. Nach Evans sahen konservative Historiker aber größere individuelle Spielräume als tendenziell linke Wissenschaftler, die eher Strukturen betonten.</p>



<p>Um Wunschdenken auszuschließen, plädierte er daher dafür, die Antworten auf kontrafaktische Fragestellungen <em>&#8222;auf die für Zeitgenossen überschaubare Zukunft zu begrenzen.&#8220;</em> Denn ansonsten würden Fragesteller <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/wechselwelten-oliver-henkel/">mit ihren Szenarien in unbewusste Wunschvorstellunge</a>n geraten. Der Realitätsgehalt dieser wissenschaftlichen Spekulationen ist mit zunehmendem Fortschreiten der weiteren historischen Entwicklung aber unmöglich einzuschätzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="inhalt">Inhalt</h2>



<p>Die 20 darauf folgenden Alternative History Szenarien laufen von der frühen Neuzeit bis in die aktuelle Zeit.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="karl-luther">1521: Vorschlag zur Güte</h3>



<p>Anstatt Martin Luther wie in der realen Geschichte am 18. April 1521 beim Reichstag in Worms zum Widerruf seiner Thesen zu zwingen und bei einer Ablehnung die Reichsacht zu verhängen, schlug Kaiser Karl V. im ersten Szenario einen Kompromiss vor: Martin Luther (siehe auf der rechten Seite Bild unten) sollte unter seinem Schutz an einer Reform der Kirche mitarbeiten. Beide Seiten sahen diese Einigung zwar nur als Zeitgewinn, bis sich ihre jeweilige Sichtweise für die Reform durchgesetzt hatte. Daher stimmte Martin Luther vorerst zu.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Johannes-Eck-und-Martin-Luther.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Bronzerelief von Joahnnes Eck und Martin Luther an einem Denkmalsockel" class="wp-image-5458" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Johannes-Eck-und-Martin-Luther.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Johannes-Eck-und-Martin-Luther.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Anastazzo/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Mit einer solchen Alternative History wäre zwar die konfessionellen Begründungen für viele folgende Konflikte weggefallen. Aber nicht die sozialen Verwerfungen und die Machtkonflikte zwischen den einzelnen Monarchen. Allerdings hätte es mit dem interkonfessionellen Dialog, wie im <em>Augsburger Religionsfrieden</em> von 1555, auch kein Einüben von religiöser Toleranz gegeben.</p>



<p>Der Historiker Tillmann Bendikowski sieht das Szenario allerdings als unrealistisch. Denn 1521 waren die Spielräume der zwei handelnden Personen bereits eingeschränkt. Luther war von der katholischen Kirche als Ketzer exkommuniziert und seitdem gerade als Kritiker des römischen Papsttums enorm populär in der deutschsprachigen Bevölkerung. Karl V. war abhängig von anderen Machtfaktoren, wie Papst Leo X., der erst überraschend wenige Monate nach dem Reichstag starb.</p>



<p>Daher kam es in der realen Geschichte zu einem anderen Kompromiss: Karl V. verhängte zwar die Reichsacht über Luther und erklärte ihn damit für vogelfrei. Er ließ ihn aber unter dem Schutz des protestantischen sächsischen Kurfürsten entkommen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="dreissigjaehriger-krieg">1629: Das Gemetzel hätte früher enden können</h3>



<p>Elf Jahre nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges bestand Hoffnung, den Konflikt zu beenden.</p>



<p>Nach mehreren Niederlagen der Protestanten hatte König Christian IV. von Dänemark eine vernichtende Niederlage gegen die katholischen Heere erlitten. Daraufhin musste er einen relativ milden Frieden schließen, der den Krieg nach dem Kulturredakteur Raoul Löbbert zu einem Abschluss gebracht hätte. </p>



<p>Am 6. März 1620 erließ Kaiser Ferdinand II. aber das <em>&#8222;Restitutionsedikt&#8220;</em>: Mit diesem sollten die protestantischen Reichsstände alle katholischen Besitztümer zurückgeben, die sie sich seit 1555 angeeignet hatten. Ferdinand sah sich als Repräsentant <a href="https://ankerpunkte-blog.de/mittelalter/pavane-keith-roberts/">der katholischen Gegenreformation</a>, die er mit dem Edikt entscheidend voranbringen wollte. Machtpolitische Einwände gegen die Verabschiedung ließ er nicht gelten.</p>



<p>Daher fachte <em>&#8222;Restitutionsedikt&#8220;</em> den Widerstandswillen der Protestanten wieder an und lieferte die Begründung für den Kriegseintritt von König Gustav Adolf von Schweden (siehe Bild unten). Beides ließ den Konflikt wieder eskalieren und führte zu weiteren 19 Jahren in einem verheerenden Krieg.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="612" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Gustav-Adolf.jpg?resize=600%2C612&#038;ssl=1" alt="Statue von König Gustav Adolf" class="wp-image-5067" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Gustav-Adolf.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Gustav-Adolf.jpg?resize=294%2C300&amp;ssl=1 294w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(high fliers/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Hätte Kaiser Ferdinand II. auf das Restitutionsedikt verzichtet, wären durch ein Kriegsende Katastrophen wie die <em>&#8222;Magdeburger Bluthochzeit&#8220; </em>– die Zerstörung der Stadt Magdeburg im Jahr 1631 – und andere Grausamkeiten, die zu massiven Bevölkerungsverlusten führten, vorerst verhindert worden.</p>



<p>Jedoch wären andere Konflikte in dieser Alternative History nicht gelöst worden: Beispielsweise das Streben des schwedischen Königs nach der Vormachtstellung im Ostseeraum und der machtpolitische Gegensatz zwischen den französischen Königen sowie den österreichischen und spanischen Habsburgern.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="mirakel-haus-brandenburg">1762: &#8222;Mein Unglück ist, dass ich noch lebe&#8220;</h3>



<p>Das <em>&#8222;Mirakel des Hauses Brandenburg&#8220;</em> gehörte zu den Legenden um den preußischen König Friedrich den Großen.</p>



<p>1762 kämpfte er seit sechs Jahren gegen eine übermächtige Allianz aus Russland, Frankreich, Schweden, dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation und den österreichischen Habsburgern. Bevor er aber der Übermacht unterlag, sorgte der Tod der russischen Zarin Elisabeth am 5. Januar 1762 für ein Auseinanderbrechen des Bündnisses. Preußen konnte sich im <em>&#8222;Siebenjährigen Krieg&#8220;</em> als Großmacht behaupten.</p>



<p>1762 war die Lage Preußens nach mehreren Niederlagen und dem Einstellen der britischen Subsidien aber kritisch.</p>



<p>Jedoch hätte auch ein längeres Leben von Zarin Elisabeth dem Siebenjährigen Krieg nach Meinung des Redakteurs Samuel Rieth keine entscheidende Wendung gegeben. Bereits zuvor agierten die Verbündeten gegen Preußen zögerlich und unkoordiniert. Dies erlaubte es König Friedrich, auch vernichtende Niederlagen, wie in der Schlacht bei Kunersdorf 1759, zu überstehen. Zudem waren alle Kriegsbeteiligten 1762 kriegsmüde, finanziell ruiniert und kaum noch in der Lage, den Krieg im bisherigen Ausmaß weiterzuführen.</p>



<p>Daher hätte ein Szenario mit einem späterem Tod von Zarin Elisabeth den Krieg verlängert und verlustreicher gemacht. Auch wäre ein nach Erschöpfung aller Kriegsparteien geschlossener Frieden für Preußen nicht so günstig ausgefallen wie in der Realität. Doch selbst ein Tod von Friedrich 1759 hätte den Aufstieg Preußens nur gebremst, aber nicht verhindert.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="1848-friedrich-wilhelm">1849: Ein Kaiser von Volkes Gnaden</h3>



<p>Am 3. April 1849 traf eine Delegation des Frankfurter Paulskirchenparlaments auf den preußischen König Friedrich Wilhelm IV., um ihm die Kaiserwürde anzubieten. Friedrich Wilhelm IV. antwortete zwar diplomatisch, knüpfte seine Entscheidung aber an die Zustimmung der übrigen deutschen Monarchen und Staaten. Eine mehr oder minder verklausulierte Absage.</p>



<p>Denn zwar stimmen 28 von 38 Regierungen der deutschen Staaten bis April 1849 der Reichsverfassung mit einem möglichen Kaiser Wilhelm IV. an der Spitze zu. Aber es fehlen die großen Staaten wie <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayern/">die Königreiche Bayern</a> und Hannover, ebenso wie das Königreich Preußen selbst. Am 28. April 1849 lehnte Friedrich Wilhelm die Krone daher endgültig ab. Anschließende Revolten in vielen deutschen Staaten scheitern, ebenso wie ein Gegenentwurf unter preußischer Führung in Gestalt der <em>&#8222;Erfurter Union&#8220;</em>.</p>



<p>Wenn Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone angenommen hätte, wäre in dieser Alternative History <a href="https://ankerpunkte-blog.de/1848-revolution/revolution-1848/">ein relativ liberales Deutsches Reich</a> mit weitreichendem Männer-Wahlrecht und relativ vielen Befugnissen für das Parlament entstanden. Dieses Reich hätte sich sofort im Konflikt mit Österreich, Frankreich und Russland befunden. Bereits im Paulskirchenparlament zeigte sich auch ein starker deutscher Nationalismus mit weitreichenden Zielen. Daher wäre es unrealistisch, dass es selbst bei einer liberaleren Entwicklung Deutschlands nicht zu Kolonialismus und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/die-schlacht-bei-dorking-von-sir-george-tomkyns-chesney/">Konflikten mit anderen europäischen Mächten</a> gekommen wäre.</p>



<p>Am Ende sieht der Historiker Ralf Zerback eine Annahme der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. als unrealistisch: Der preußische König galt als <em>&#8222;Romantiker auf dem Thron&#8220;</em>, der sich eher für Gottesgnadentum und mittelalterliches Königtum begeisterte, als für demokratische und liberale Reformen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="bismarck-attentat">1866: Keine Durchschlagskraft</h3>



<p>Als der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck am 7. Mai 1866 auf dem Heimweg von einer Besprechung war, schoss der 22-jährige Ferdinand Cohen-Blind mehrfach auf ihn. Doch Bismarck blieb unverletzt: Die ersten Kugeln streiften ihn nur und drei prallten ab, da der eingesetzte Bündelrevolver zu wenig Durchschlagskraft entwickelt hatte, um seine dicke Kleidung zu durchdringen.</p>



<p>Cohen-Blind beging nach seiner Verhaftung Selbstmord. Der radikale Demokrat wollte einen möglichen Konflikt zwischen Preußen und Österreich verhindern. Dieser entzündete sich vordergründig um die Zukunft der Herzogtümer Schleswig und Holstein. Vor allem aber an der Frage um die Vorherrschaft um Deutschen Bund. Bismarck galt als treibende Kraft des sich immer mehr zuspitzenden Konflikts, der im Mai 1866 bereits zu einer preußischen Mobilmachung geführt hatte.</p>



<p>Doch ob Cohen-Blind sein Ziel erreichen hätte können, wenn er Bismarck getötet hätte, ist nach der Geschichtsprofessorin Ute Planert unwahrscheinlich. Erstens war Bismarck nicht der einzige Entscheidungsträger in der preußischen Regierung, der für einen Krieg plädiert hatte. Zweitens setzten die Mobilmachung sowie ein befristeter Geheimvertrag mit Italien gegen Österreich die preußische Regierung unter Handlungsdruck. Drittens war auch Österreich einem Krieg nicht abgeneigt, um seine angespannte Innenpolitik zu stabilisieren.</p>



<p>Bei einem gelungenen Attentat wäre Bismarck allerdings nicht als Reichseiniger in die Geschichte eingegangen, sondern nur als umstrittener preußischer <em>&#8222;Konfliktminister&#8220;.</em></p>



<h3 class="wp-block-heading" id="schlacht-koeniggraetz">1866: Das deutsche Duell</h3>



<p>Am 3. Juli 1866 trafen die preußische und die österreichische Armee bei Königgrätz im damaligen Böhmen zur Entscheidungsschlacht des Deutschen Krieges aufeinander. Gegen Mittag war die Lage der Preußen prekär, da ihre Angriffe gegen die überlegene Artillerie der Verteidiger erfolglos blieben. Eine preußische Division war sogar schweren Gegenattacken ausgesetzt, fügte den Österreichern aber mit dem Zündnadelgewehr enorme Verluste zu. Erst als die Armee des Kronprinzen Friedrich am frühen Nachmittag eintraf, wendete sich das Blatt. Die Österreicher erlitten schwere Verluste und mussten sich zurückziehen.</p>



<p>Generell war Österreich bereits vor der Schlacht im Nachteil. Es hatte mehrere Gefechte gegen die getrennt nach Königgrätz marschierenden preußischen Armeen verloren. Zudem waren Generalstab, Offiziere und Soldaten der Preußen (siehe Bild unten) besser ausgebildet als ihre österreichischen Gegner.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="657" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Preussische-Soldaten.jpg?resize=600%2C657&#038;ssl=1" alt="Bild von zwei preußischen Soldaten" class="wp-image-3020" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Preussische-Soldaten.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Preussische-Soldaten.jpg?resize=274%2C300&amp;ssl=1 274w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Marzolino/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Nach dem Sieg bei Königgrätz gelang es Bismarck, den preußischen König Wilhelm von einem raschen, milden Frieden zu überzeugen, um seine Ziele der Einigung Deutschlands unter preußischer Führung durchzusetzen. So kam es zur Gründung des Norddeutschen Bundes. Und 1871, nach dem Sieg gegen das kaiserliche Frankreich, zur Gründung des Deutschen Reichs.</p>



<p>In einer Alternative History hätte eine Niederlage von Preußen dagegen die Einigung verhindert. Neben Rücktritten von König Wilhelm und Ministerpräsident Bismarck hätte es nach dem Feuilleton-Redakteur Alexander Cammann keine kleindeutsche Lösung gegeben, sondern einen mehr oder minder starken Staatenbund mit einem deutlich geschwächten Preußen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="kaiser-friedrich-iii">1888: &#8222;Eine Tragödie für die Deutschen&#8220;</h3>



<p>Als am 9. März 1888 Kaiser Wilhelm I. mit 91 Jahren starb, hofften viele Liberale im Deutschen Reich auf seinen Nachfolger Friedrich III. Doch dieser litt seit Februar 1887 an Kehlkopfkrebs. Im Februar 1888 mussten die Ärzte einen Luftröhrenschnitt durchführen, was den zukünftigen Kaiser die Stimme kostete.</p>



<p>Daher konnte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-fahrt-des-leviathan-oliver-henkel/">Friedrich III. nur symbolische Handlungen</a> durchführen. Weitergehende Maßnahmen scheiterten an seinem schlechten Gesundheitszustand und dem Widerstand des Reichskanzlers Bismarck. Bereits am 15. Juni 1888 starb Friedrich (siehe Bild unten). Seine Nachfolge trat sein Sohn Wilhelm an, der als sprunghaft und preußisch-konservativ galt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="873" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Friedrich-III.jpg?resize=600%2C873&#038;ssl=1" alt="Porträt des Kaisers Friedrich III" class="wp-image-1592" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Friedrich-III.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/08/Friedrich-III.jpg?resize=206%2C300&amp;ssl=1 206w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Oleg Golovnev/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Ob eine längere Regierungszeit Friedrich III. eine nachhaltige liberale Ausrichtung des Deutschen Reichs angestoßen hätte, ist umstritten. Denn Bismarck hatte den als liberal geltenden Kronprinzen bereits vor 1888 politisch isoliert, um seine konservative Politik weiterverfolgen zu können. Zudem waren die Machstrukturen und führenden Eliten des Deutschen Reiches konservativ dominiert, was den Spielraum für liberale Reformen weiter einschränkte. Zuletzt schwankte Friedrich als Kronprinz zwischen seiner liberalen Einstellung und der militärischen Tradition Preußens.</p>



<p>Jedoch galt der frühe Tod Friedrichs III., vor allem vor dem Hintergrund der desaströsen Weltpolitik Wilhelms II., für viele damalige Wissenschaftler und Literaten als Tragödie. Denn auch wenn die Vorstellungen von einer weitgehenden Liberalisierung unter Kaiser Friedrich III. eher Wunschvorstellung sind, wäre laut dem Historiker Volker Ulrich seine Politik moderater gewesen, als die von Wilhelm II.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="attentat-sarajevo">1914: Bei Mord Krieg?</h3>



<p>Als der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 Sarajevo besuchte, entging er zunächst mehreren Attentatsversuchen. Erst der fünfte Attentäter, Gavrilo Princip, konnte durch einen Zufall auf das vor ihm stoppende Auto des Thronfolgers schießen und sowohl Franz Ferdinand als auch dessen Ehefrau mit zwei Schüssen töten. Damit ging der Plan einer serbischen Verschwörergruppe auf, Österreich zu einer harten Reaktion gegen das Königreich Serbien zu provozieren. Und den Ersten Weltkrieg auszulösen.</p>



<p>Doch das gelungene Attentat (siehe Bild unten) hätte nicht zwangsläufig zum großen Konflikt führen müssen. So forderten die deutschen Militärs zwar häufig Präventivkriege gegen Frankreich und Russland. Die deutsche Militärführung unternahm jedoch nach dem Attentat zuerst keine entsprechenden Schritte. Auch hatte es in der Vergangenheit immer wieder erfolgreiche diplomatische Lösungen für ausgebrochene Konflikte zwischen den europäischen Großmächten gegeben.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="405" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Sarajevo.jpg?resize=600%2C405&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-440" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Sarajevo.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Everett-Historical-Sarajevo.jpg?resize=300%2C203&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Historical/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Doch aus Furcht vor einem Abfallen Österreich-Ungarns als einzigem Verbündeten gab die deutsche Regierung eine bedingungslose Bündniszusage. Ebenso gab es eine ähnliche Zusage von Frankreich an seinen Verbündeten Russland für einen Konflikt mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn. Erst <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/1906-der-zusammenbruch-der-alten-welt-ferdinand-grauthoff/">diese diplomatische Eskalation</a> ebnete den Weg <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/erster-weltkrieg/">in den Ersten Weltkrieg</a>. </p>



<p>Jedoch war diese Eskalation nicht das Ergebnis von Plänen oder Strukturen, sondern von Zufällen und politischen Fehleinschätzungen. Daher war diese Entwicklung auch nach dem Attentat nicht zwangsläufig. Ein gescheitertes Attentat auf Franz Ferdinand hätte daher nach dem Redakteur Christoph Nonn <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/kaisertag-oliver-henkel/">den Ersten Weltkrieg verhindert</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="lenin-zug">1917: Passage am Polarkreis</h3>



<p>Im April 1917 reiste eine Gruppe von russischen Kommunisten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/ich-werde-hier-sein-im-sonnenschein-und-im-schatten-christian-kracht/">aus der Schweiz zurück nach Russland</a>. Vermittelt hatte diese aufwändige Reise die deutsche Regierung, um den russischen Kriegsgegner zu destabilisieren. Denn zur Gruppe gehörte auch Wladimir Iljitsch Uljanow, besser bekannt unter dem Namen Lenin (siehe Bild unten), der für ein Ausscheiden seines Landes aus dem Krieg plädierte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="461" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?resize=600%2C461&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Foto von Lenin an seinem Schreibtisch" class="wp-image-4808" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Lenin.jpg?resize=300%2C231&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Daher war der britische Botschafter in Schweden alarmiert, als er von der Durchreise der Kommunisten erfuhr. Doch beim entscheidenden Grenzübertritt durchsuchten zwar russische Grenzbeamte mit britischer Unterstützung Lenin und seine Gruppe. Sie bekamen aber keine Anweisung zur Festnahme.</p>



<p>So reiste Lenin nach Russland ein und initiierte als Führer der Bolschewiki nach wenigen Monaten erfolgreich die <em>&#8222;Oktoberrevolution&#8220;</em>.</p>



<p>Was wäre gewesen, wenn Lenin und seine Gruppe an der Grenze aufgehalten worden wären? Der Redakteur Markus Flohr geht von einem anderen Verlauf der Geschichte aus. Denn vor seinem Grenzübertritt war Lenin keineswegs so unumstritten und bekannt, wie er es bis zur <em>&#8222;Oktoberrevolution&#8220;</em> wurde. Die Bolschewiki sowie andere sozialistische Gruppen um diverse Anführer wären zu gespalten gewesen, um eine Revolution durchzuführen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="revolution-hugo-haase">1919: Wie die Revolution gelungen wäre</h3>



<p>Als die Revolution im Jahr 1918 das Deutsche Reich am Ende des Ersten Weltkriegs erschütterte, bildete sich eine neue Regierung: ein <em>&#8222;Rat der Volksbeauftragten&#8220;</em> aus jeweils drei Vertretern von der sozialdemokratischen Parteien MSPD und USPD. Der Rat verständigte sich schnell auf innenpolitische Reformen wie den 8-Stunden-Tag oder das allgemeine Wahlrecht.</p>



<p>Dem gegenüber stand die <em>&#8222;Oberste Heeresleitung&#8220;</em>, die in der Revolution fast jeglichen Einfluss verloren hatte. Sie wollte aber die neuen Entwicklungen nutzen, um ihre alte politische und militärische Macht wiederherzustellen.</p>



<p>Denn der Rat war sich uneinig, wie stark der Einfluss der alten Eliten in Verwaltung und Militär beschnitten werden konnte und sollte. Die MSPD vertraute Loyalitätsbekundungen, während die USPD die Macht den sozialistisch geprägten Arbeiter- und Soldatenräten übertragen wollte. Als es ab 23. Dezember 1918 zu Gefechten von Armeeeinheiten mit der <em>&#8222;Volksmarinedivision&#8220;</em> aus linken Matrosen kam, schied die USPD aus der Regierung aus.</p>



<p>Der USPD-Vorsitzende Hugo Hase, selbst bis dahin Mitglied des <em>&#8222;Rats der Volksbeauftragten&#8220;</em>, entwarf danach selbst folgendes Alternative History Szenario.</p>



<p>Zuvor hatte die USPD die Wahlen zu einem neuen Zentralrat boykottiert, der die Regierung kontrollieren sollte. Hätte die USPD sich nach Haase beteiligt, hätte sie nach den Kämpfen im Dezember die MSPD-Regierungsmitglieder wegen der Zusammenarbeit mit der Heeresleitung zum Rücktritt zwingen können. Ausgehend von einem Rücktritt der MSPD-Regierungsmitglieder hätte die USPD die Regierung übernehmen und ihre Ziele wie ein <em>&#8222;Volkswehrprojekt&#8220;</em> durchsetzen können, um die Heeresleitung zu entmachten. </p>



<p>Dieses Wunsch-Szenario von Haase hatte nach dem Historiker Klaus Latzel jedoch zwei Haken: Erstens hatte die MSPD um Friedrich Ebert eine loyale Mehrheit im Zentralrat. Unabhängig davon arbeitete die Heeresleitung aktiv an einem Wiederaufbau ihrer Machtbasis. Zweitens war die USPD in sich stark gespalten zwischen gemäßigten Linken und radikalen Sozialisten, die sich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">an Rosa Luxemburg</a> (siehe Bild unten) orientierten. Dies engte den Spielraum der Parteiführung stark ein.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="683" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Statue-Rosa-Luxemburg.jpg?resize=600%2C683&#038;ssl=1" alt="Foto einer Statue Rosa Luxemburgs" class="wp-image-2608" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Statue-Rosa-Luxemburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Statue-Rosa-Luxemburg.jpg?resize=264%2C300&amp;ssl=1 264w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(ArTono/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>In der Realität billigte der Zentralrat die Entscheidungen der MSPD-Regierungsmitglieder. Daraufhin zog die USPD ihre Regierungsmitglieder endgültig zurück und verlor jeden Einfluss auf den weiteren Verlauf der Revolution.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="reichspraesident-friedrich-ebert">1925: Retter der Republik</h3>



<p>Als erster Reichspräsident nach der Revolution nutzte Friedrich Ebert ab 1919 das mächtige Amt, um in zahlreichen Krisen Kompromisse auszuloten, die bedrohte demokratische Ordnung zu stabilisieren und Realpolitik zu betreiben. Damit gelang es ihm, die <em>&#8222;Weimarer Republik&#8220;</em> bis 1924 etwas zu stabilisieren.</p>



<p>Aufgrund eines Prozesses wegen Verleumdung verschleppte Ebert (siehe Bild unten) aber eine Blinddarmentzündung, an der er am 28. Februar 1925 starb. Bei den darauf folgenden Wahlen gewann der Weltkriegsgeneral Paul von Hindenburg knapp gegen den Sammelkandidaten der demokratischen Parteien. Er leitete <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-consul-christian-von-ditfurth/">während seiner Amtszeit ab 1930 das Ende des parlamentarischen Systems</a> ein und ernannte im Jahr 1933 Hitler zum Reichskanzler.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="910" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Friedrich-Ebert.jpg?resize=600%2C910&#038;ssl=1" alt="Foto des Reichspräsidenten Friedrich Ebert" class="wp-image-2607" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Friedrich-Ebert.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/02/Foto-Friedrich-Ebert.jpg?resize=198%2C300&amp;ssl=1 198w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Hätte Ebert 1925 überlebt, hätte er weiter die demokratische Ordnung verteidigt. Beispielsweise hätte er 1930 nicht die parlamentarisch gewählte Regierung des Reichskanzlers Hermann Müller gestürzt, um ein Präsidialkabinett zu installieren. Auch hätte er den Reichstag 1930 nicht aufgelöst. Die darauf folgenden Neuwahlen des Parlaments hatten den bis dahin im Reichstag bedeutungslosen Nationalsozialisten einen großen Wahlerfolg gebracht.</p>



<p>Das Szenario von Bernd Braun, Geschäftsführer der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte, kann allerdings nicht den weiteren Fortgang der Geschichte klären. Beispielsweise für den Fall, dass es 1932 nach der Weltwirtschaftskrise zu einer Reichspräsidentenwahl zwischen Friedrich Ebert und Adolf Hitler gekommen wäre.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="rheinlandbesetzung">1936: Letzte Ausfahrt Rheinland</h3>



<p>Im Alternatiuve History Szenario des freien Autors Andreas Molitor versuchte Adolf Hitler wie in der realen Geschichte 1936, das entmilitarisierte deutsche Rheinland zu besetzen. Allerdings griff Frankreich mit seiner Armee ein und überrannte die deutsche Vorhut förmlich. Der Rest der Wehrmacht musste sich zurückziehen. Hitler hatte in diesem Fall alles riskiert und verloren. Als Gespött der Weltöffentlichkeit und mit zerstörter Aura der Unfehlbarkeit trat er zurück und flüchtete auf den Berghof in die Alpen.</p>



<p>Danach übernahm Hermann Göring den Posten Hitlers als Reichskanzler. Unter ihm wandelt sich das Dritte Reich zu einer Einparteiendiktatur mit mehreren Machtzentren. Seine Politik zielte zwar auf eine Stärkung des Deutschen Reiches in Europa ab, wollte dafür aber nur begrenzte Kriege führen. Auch der Holocaust hätte wohl nie in diesem Ausmaß stattgefunden.</p>



<p>In der Realität war die Rheinlandbesetzung ab 7. März 1936 ein voller Erfolg für Adolf Hitler (siehe Bild unten) und das Dritte Reich. Denn die westlichen Demokratien Frankreich und Großbritannien leisteten keinen Widerstand, als die Wehrmacht das Gebiet besetzte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="600" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=600%2C600&#038;ssl=1" alt="Münze mit dem Bild von Adolf Hitler und dem Motto &quot;Unser die Zukunft Adolf Hitler&quot;" class="wp-image-3088" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Sytilin Pavel/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Jedoch war sich die deutsche Regierung um Hitler bis zum Einmarsch unsicher, ob die Westmächte nicht doch reagieren würden. Es gab sogar Berichte über einen Nervenzusammenbruch Hitlers während des Einmarsches, der fast zu einem Rückzug geführt hätte.</p>



<p>Am Ende triumphierte Hitler in den Augen der Weltöffentlichkeit sowie der eigenen Bevölkerung und galt <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/nacht-der-braunen-schatten-katharine-burdekin/">bald als unfehlbarer Stratege</a>. Ein Bild, das er sogar selbst begann, zu glauben.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="attentat-georg-elser">1939: Dann hätte es keinen Holocaust gegeben</h3>



<p>Bei den jährlichen Feierlichkeiten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-staehlerne-traum-norman-spinrad/">zum Putschversuch 1922</a> musste Hitler am 8. November 1939 wegen stürmischem Wetter statt des vorgesehenen Flugzeugs den Zug nehmen. Daher verließ er <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/oberbayern-muenchen/">den Münchner Bürgerbräukeller</a> früher als geplant und entging so dem Attentat, das Georg Elser geplant hatte. Die Explosion einer Bombe zerstörte erst nach seiner Abreise große Teil des Saals.</p>



<p>Elser, der persönliche Gewissensgründe als Grund angab, hatte das Attentat vorher monatelang und akribisch vorbereitet. Er wurde beim versuchten illegalen Übertritt über die Grenze <a href="https://ankerpunkte-blog.de/europaeische-geschichte/geschichte-schweiz/">zur Schweiz</a> verhaftet und kurz vor Kriegsende 1945 ermordet. Er galt daher &#8222;nur&#8220; als moralisches Beispiel, dass sich selbst unter einem Regime wie dem Dritten Reich erfolgreich Widerstand leisten ließ.</p>



<p>Wäre das Attentat gelungen, hätte es nach dem Historiker Michael Wildt <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">den Beginn des Zweiten Weltkrieges</a> zwar nicht mehr verhindern können. Aber die Bevölkerung und die Militärführung waren trotz des Sieges gegen Polen im September 1939 noch unsicher, was einen Angriff gegen die Großmächte Frankreich und Großbritannien anging.</p>



<p>Daher standen die Zeichen günstig, dass sich nach dem Tod Hitlers durch das Attentat eine Militärregierung unter Einbezug von nationalsozialistischen Parteiführern etabliert hätte. Diese hätte weiterhin Polen ausgebeutet und versucht, Land und Bevölkerung zu &#8222;germanisieren&#8220;. Aber ein Angriff auf die Westmächte und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/wenn-das-der-fuehrer-wuesste-otto-basil/">der Holocaust</a> (siehe Bild unten) wären unwahrscheinlicher geworden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="389" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Auschwitz.jpg?resize=600%2C389&#038;ssl=1" alt="Foto des Eingangs zum Konzentrationslager Auschwitz" class="wp-image-3089" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Auschwitz.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Auschwitz.jpg?resize=300%2C195&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(rafaelcavlaz/Shutterstock)</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading" id="wunder-duenkirchen">1940: Das Wunder von Dünkirchen</h3>



<p>Als der deutsche Angriff auf Frankreich erfolgte, kesselte die Wehrmacht Ende Mai 1940 den Großteil des britischen Heeres bei Dünkirchen an der französischen Kanalküste (siehe Bild unten) ein. Mehr als zwei Drittel der britischen Truppen in Europa, darunter die fünf besten Divisionen, standen vor der Vernichtung. Um den Krieg fortzusetzen, musste der kurz zuvor neugewählte britische Premier Winston Churchill die Soldaten evakuieren. Aber der britischen Flotte fehlten die kurzfristigen Kapazitäten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="191" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Duenkirchen.jpg?resize=600%2C191&#038;ssl=1" alt="Panorama des Strandes von Dünkirchen" class="wp-image-4816" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Duenkirchen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/03/Duenkirchen.jpg?resize=300%2C96&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(rightclickstudios/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Da scheute Hitler das Risiko eines Angriffs und ließ diesen mehr als zwei Tage verzögern. Diese Zeit konnte die Royal Navy nutzen, um mit <em>&#8222;Operation Dynamo&#8220;</em> die Rettungsaktion für die eingeschlossenen Divisionen zu starten. Da sich die britisch-französischen Verteidiger inzwischen eingegraben hatten und auch deutsche Luftangriffe nicht den erhofften Erfolg brachten, evakuierten britische Schiffe mit 338.000 Soldaten den Großteil der Eingeschlossenen nach Großbritannien.</p>



<p>Gestützt auf die erfolgreiche Evakuierung konnte Churchill Großbritannien auf seine Linie des erbitterten Widerstands gegen das Dritte Reich einschwören.</p>



<p>Hätte es keinen solchen Haltebefehl gegeben, hätte die Amtszeit von Churchill schon nach wenigen Tagen mit einer vernichtenden Niederlage begonnen. In seinem Kriegskabinett gab es einflussreiche Personen, die für <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-pakt-philip-kerr/">eine Verständigung mit dem Dritten Reich</a> plädierten. Hauke Friedrichs, sicherheitspolitischer Korrespondent der ZEIT, ging davon aus, dass Churchill eventuell nach der Niederlage bereits durch einen Vertreter dieser Linie ersetzt worden wäre. Danach hätte Hitler <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/vaterland-robert-harris/">keinen Zwei-Fronten-Krieg gegen die Sowjetunion</a> befürchten müssen. Am Ende hätte jedoch der Kriegseintritt der USA <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/angriff-pearl-harbor/">nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour</a> doch noch <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/orakel-vom-berge-philip-dick/">das Blatt im Zweiten Weltkrieg gegen das Dritte Reich</a> gedreht.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="morgenthau-plan">1944: Kartoffelacker oder Aufbauhilfe</h3>



<p>Im September 1944 berichteten US-amerikanische Zeitungen über den Plan des US-amerikanischen Finanzministers Henry Morgenthau jr., das vor der Niederlage stehende Deutsche Reich in mehrere Teilstaaten aufzusplitten sowie weitgehend zu deindustrialisieren.</p>



<p>Der Morgenthau-Plan hätte nach dem Geschichtsprofessor Manfred Berg zu einer weitgehenden wirtschaftlichen Schwächung sowie Ernährungskrise in Deutschland geführt. Da sich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/morbus-kitahara-christoph-ransmayr/">damit die Erholung Europas</a> von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs verzögert hätte, wäre die Nachkriegsordnung <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/im-jahre-ragnaroek-oliver-henkel/">erheblich instabiler</a> gewesen.</p>



<p>In der Realität stieß der Plan in der US-amerikanischen Öffentlichkeit auf scharfe Ablehnung. Einerseits wollten die USA nicht die wirtschaftlichen Folgen des Planes tragen. Andererseits fürchten sie, der Plan könnte den Widerstandswillen der Deutschen kurz vor Kriegsende nochmals stärken. Daher wurde er schnell wieder fallen gelassen. Der Morgenthau-Plan erlangte aber Berühmtheit durch die nationalsozialistische Propaganda, die bis in die Nachkriegszeit wirkte.</p>



<p>Realistisch war das Alternative History Szenario daher nicht, beflügelte aber seitdem immer wieder die Fantasie von Romanschreibern.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="bundeskanzler-adenauer">1949: Ära ohne Adenauer</h3>



<p>Als im Sommer 1949 der erste Wahlkampf zum Bundestag erfolgte, waren die Kanzlerkandidaten in der Bundesrepublik noch nicht so zentral wie bei späteren Wahlen. Beispielsweise war Konrad Adenauer zwar einer der bekanntesten Politiker der CDU, musste aber Rücksicht auf andere mächtige Teile der Partei nehmen, ebenso wie auf die bayerische CSU.</p>



<p>Da das Wahlergebnis im August nur wenige Prozente und Abgeordnetenmandate zwischen CDU/CSU und SPD ergab, gab es in beiden Parteien viele Sympathisanten für eine gemeinsame Koalition. Obwohl es Adenauer gelang, in mehreren Verhandlungsrunden stattdessen eine konservativ-liberale Koalition aus CDU/CSU, FDP und der rechtskonservativen Deutschen Partei zu schmieden, war die Stabilität des Bündnisses unklar. Am 15. September 1949 wurde Adenauer nur mit dem denkbar knappsten Ergebnis von 202 aus 402 möglichen Stimmen zum ersten Bundeskanzler gewählt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="600" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=600%2C600&#038;ssl=1" alt="Karte der ehemaligen BRD und DDR" class="wp-image-2209" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/BRD-DDR.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Anupong Boonma/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Was wäre gewesen, wenn sich Adenauer nicht mit seiner eigenen Stimme gewählt hätte? Nach dem Geschichtsprofessor Norbert Frei hätte der Bundestag in zwei weiteren Wahlgängen einen Bundeskanzler wählen können. Frei hielt es für wahrscheinlich, dass dies im zweiten Anlauf auch Adenauer gewesen wäre. Es bestand jedoch auch die Möglichkeit, da ein Gegenbündnis der SPD unter Kurt Schumacher keine rechnerische Mehrheit hatte, dass sich danach dennoch eine schwarz-rote Koalition gebildet hätte.</p>



<p>Ein solches Bündnis hätte die Westbindung zögerlicher verfolgt, um<a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/die-republik-von-maxim-voland/"> eine mögliche Wiedervereinigung</a> nicht zu gefährden. Auch wäre die Innen-, Sozial- und Wirtschaftspolitik der entstehenden Bundesrepublik deutlich sozialdemokratischer geprägt worden, als in der Realität durch Adenauer und seinen Wirtschaftsminister Ludwig Erhard. Jedoch wäre es wie in der realen Geschichte auch zu einer umfassenden Amnestierung der Nationalsozialisten gekommen. Denn diese Politik war politischer Konsens unter allen Parteien.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="dritter-weltkrieg">1961: Showdown der Supermächte</h3>



<p>Im Oktober 1961 drohte der Kalte Krieg in Berlin zu eskalieren. Die ehemalige Hauptstadt des Dritten Reichs hatte für die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs eine enorme Bedeutung. Sie galt seit der ersten Berlin-Krise im Jahr 1948 mit der 300 Tage dauernden Blockade als Testfall für die Glaubwürdigkeit des westlichen Verteidigungsbündnisses und der USA. Für die Sowjetunion war Berlin ebenfalls von hohem Symbolwert, da es als westliches Schaufenster in die DDR und als Fluchtpunkt für deren Bevölkerung galt.</p>



<p>Im Oktober 1961 kam es zu einer neuen Krise, als DDR-Grenzer entgegen bestehender Abkommen von den US-Offiziellen Ausweiskontrollen einforderten. Dies war ein Verstoß gegen die Besatzungsrechte der US-Amerikaner, die <a href="https://ankerpunkte-blog.de/science-fiction-fantasy/der-anschlag-stephen-king/">Präsident Kennedy</a> zuvor in einer Rede als unverhandelbar bezeichnet hatte.</p>



<p>Lucius Clay, der als persönlicher Vertreter des Präsidenten in Berlin bei einem Nachgeben weitere Provokationen befürchtete, antwortete darauf mit einer Abordnung von Panzern zum Checkpoint Charlie. Am nächsten Tag, dem 27. Oktober 1961, fuhren sowjetische Panzer auf und richteten ihre Geschützrohre auf die US-Amerikaner. Dieser Showdown dauerte 16 Stunden. Erst dann waren Verhandlungen erfolgreich: Die Panzer zogen ab und die zweite Berlin-Krise war endgültig beendet.</p>



<p>Hätte Clay die Provokation durchgehen lassen, wäre es aus Sicht der USA wahrscheinlich gewesen, dass die Sowjetunion weitere Versuche unternommen hätte, die Position der westlichen Besatzungsmächte auszuhöhlen: bis zu einer endgültigen Vertreibung aus Westberlin und einer Integration der Gesamtstadt in die DDR. Dies hätte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/romane-filme/der-letzte-tag-der-schoepfung-wolfgang-jeschke/">in der Logik des Kalten Krieges</a> fatale Auswirkungen auf die globale Glaubwürdigkeit und Machtposition der USA gehabt.</p>



<p>Wäre die Situation am Checkpoint Charlie dagegen eskaliert, hätten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/dritter-weltkrieg/im-sturm-tom-clancy/">die militärischen Planungen</a> beider Seiten eine weitere Eskalation bis zum Nuklearkrieg vorgesehen. Der Historiker Andreas Etges merkte aber für ein solches Alternative History Szenario an, dass die Kuba-Krise ein Jahr später zeigte: Beide Seiten waren nicht an einem Atomkrieg interessiert und versuchten ihn im Krisenfall aktiv zu verhindern.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="stanislaw-petrow">1983: &#8222;Jetzt nur keine Panik&#8220;</h3>



<p>Von 1981 bis 1983 war der NATO-Doppelbeschluss Gegenstand heftiger Demonstrationen in der Bundesrepublik Deutschland. Er führte allerdings nach Michael Thumann, Osteuropa-Korrespondent der ZEIT, wenige Jahre später zu einer radikalen Abrüstung beider Seiten.</p>



<p>Dies war nur möglich, da am 26. September 1983 der Offizier Stanislaw Petrow die Nerven bewahrte. Er kommandierte ein Frühwarnzentrum der sowjetischen Atomstreitkräfte, das kurz nach Mitternacht Alarm gab und den Start einer US-amerikanischen Interkontinentalrakete meldete. Vom Start einer Rakete bis zum Einschlag blieben nur 25 Minuten Reaktionszeit. Zudem waren 1983 sowohl die USA und der Westen sowie die Sowjetunion und deren Verbündete <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/die-mauer-steht-am-rhein-christian-von-ditfurth/">noch stark auf Konfrontationskurs</a>.</p>



<p>Hätte Petrow sofort seinen Vorgesetzten informiert, hätte dieser einen Gegenschlag angeordnet. In der <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/das-moskau-spiel-christian-von-ditfurth/">Logik der Abschreckung im Kalten Krieg</a> hätte dies eine verheerende Welle an Atomangriffen beider Seiten (siehe Bild unten) ausgelöst.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="476" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Abschuss-einer-Atomgranate.jpg?resize=600%2C476&#038;ssl=1" alt="Foto des Abschusses einer Atomgranate mit Atompilz" class="wp-image-3729" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Abschuss-einer-Atomgranate.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/08/Abschuss-einer-Atomgranate.jpg?resize=300%2C238&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Stattdessen meldete Petrow einen Fehlalarm. Er misstraute dem von ihm selbst mitentwickelten Frühwarnsystem und fürchtete, einen Dritten Weltkrieg auszulösen. Erst ein halbes Jahr später bestätigen Spezialisten einen seltenen technischen Fehler als Ursache.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="revolution-ddr">1989: Unwahrscheinliches Glück</h3>



<p>Als es am 9. Oktober 1989 zu Massendemonstrationen in Leipzig gegen die Führung der DDR kam, fürchteten viele Demonstranten und Beobachter eine gewaltsame Niederschlagung durch die staatlichen Sicherheitsorgane. Entsprechende Gerüchte kursierten seit Tagen und am 7. Oktober war die Staatsmacht noch mit Gewalt gegen Proteste in Ostberlin vorgegangen. Gleichlautende Pläne der Sicherheitsorgane gab es auch für Leipzig.</p>



<p>Zwar begann der Ostblock seit 1985 zu bröckeln. Ein entschlossenes Niederschlagen von Protesten war daher nicht mehr so selbstverständlich wie in den 1950er und 1960er Jahren. Die Führungsspitze der DDR um Generalsekretär Honecker verweigerte sich aber <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/plan-d-simon-urban/">trotz des maroden Zustands</a> des Landes (siehe Symbolbild unten) Reformversuchen und favorisierte eine <em>&#8222;chinesische&#8220;</em> Lösung. In China hatte die dortige Führung Proteste auf dem &#8222;Platz des Himmlischen Friedens&#8220; gewaltsam niedergeschlagen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto des alten Wappens der DDR" class="wp-image-2203" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/11/DDR-Wappen.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(dimm3d/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Wäre die Demonstration in Leipzig ebenfalls niedergeschlagen worden, hätte das die Bürgerrechtsbewegung zwar kurzfristig geschwächt. Die Opposition gegen die Führung der DDR wäre jedoch nicht beendet gewesen, sondern hätte sich anders entwickelt. Vor allem aufgrund <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/schwarzes-gold-aus-warnemuende-harald-martenstein-tom-peuckert/">der steigenden Auswanderungszahlen in den Westen</a> hätte sich die DDR nicht halten können.</p>



<p>Verhindert hatten dieses Szenario nach der Historikerin Franka Maubach neben einem offen vorgetragenen Gewaltverzicht der Demonstranten <a href="https://ankerpunkte-blog.de/ddr/die-letzte-kosmonautin-brandon-q-morris/">nur einige Zufälle</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="fluechtlingskrise">2015: Grenze offen, Grenze dicht</h3>



<p>Im letzten Artikel fanden sich zwei Perspektiven auf die Frage: Was wäre gewesen, wenn Kanzlerin Angela Merkel 2015 die Grenze gegenüber den Flüchtlingen geschlossen hätte?</p>



<p>Heinrich Wifing, Leiter des Politik-Ressorts bei der ZEIT, bezweifelte, dass sich die Grenze überhaupt hätte schließen lassen. Dies wäre nur unter harten Gewalteinsatz der Polizei möglich gewesen. Bilder, die Kanzlerin Merkel nicht wollte und die ihr schwere Kritik im In- sowie Ausland eingebracht hätten. Gleichzeitig hätten sich anderen europäische Staaten auf diese Entscheidung berufen und ihre Grenzen früher als in der Realität für Geflüchtete geschlossen. Dieses Alternative History Szenario hätte sowohl die Bilder der <em>&#8222;Willkommenskultur&#8220;</em> verhindert, als auch das Gefühl des <em>&#8222;Kontrollverlusts&#8220;</em>, der maßgeblich zum Aufstieg der deutschen Rechtspopulisten beitrug.</p>



<p>Der Geschichtsprofessor Andreas Rödder kritisierte dagegen das Nicht-Handeln der deutschen Regierung im September 2015. Er verwies ebenfalls auf die Angst vor Bildern von niedergeknüppelten geflüchteten Frauen und Kindern. Er argumentiert jedoch, dass durch eine Zurückweisung ein Magneteffekt auf andere Geflüchtete vermieden worden wäre. Zudem wäre die europäische Migrationspolitik früher reformiert worden. Zuletzt wäre ein Mobilisierungseffekt für die Rechtspopulisten ausgeblieben.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="rezension">Rezension</h2>



<h3 class="wp-block-heading" id="struktur-zufall">Struktur und Zufall in der Alternative History</h3>



<p>Alle 20 Szenarien von ZEIT Geschichte griffen folgende Fragen auf: Welche Rolle spielten Struktur und Zufall für die Geschichte und die Alternative History.</p>



<p>Aus Sicht des Blogautors entschieden sich die meisten Autoren für die Struktur. In vielen Artikeln in einer solchen Art und Weise, dass eine Änderung der Geschichte kaum realistisch gewesen wäre oder dass sich die Veränderungen kaum ausgewirkt hätten.</p>



<p>In <em>&#8222;1521: Vorschlag zur Güte&#8220;</em> war ein Sinneswandel von Karl V. der Deus ex machina, der das Gedankenexperiment erst möglich machte. Tillmann Bendikowski betonte aber, dass das Szenario aufgrund der strukturell eingeschränkten Spielräume der Akteure unrealistisch war.</p>



<p>Bei <em>&#8222;1629: Das Gemetzel hätte früher enden können&#8220;</em> gestand Raoul Löbbert der Entscheidung zum <em>&#8222;Restitutionsedikt&#8220;</em> eine teilweise zufällige Entwicklung zu. Er verwies aber auf die begrenzte Veränderung der Geschichte angesichts der machtpolitischen Strukturen Europas im Jahr 1621.</p>



<p><em>&#8222;Mein Unglück ist, dass ich noch lebe&#8220;</em> gab dem Zufall durch einen möglichen Schlachtentot Friedrichs II. oder den Tod von Zarin Elisabeth zwar großen Raum. Eher deterministisch führte Samuel Rieth aber aus, dass sich dadurch die Entwicklung Preußens zur Großmacht nicht geändert hätte. Eine Einschätzung, die der Blogautor in diesem Artikel ausnahmsweise nicht nachvollziehen konnte.</p>



<p>Mit <em>&#8222;Ein Kaiser von Volkes Gnaden&#8220;</em> griff Ralf Zerback zwar ein durchaus populäres Szenario auf. Er sah aber angesichts der gesellschaftlichen Strukturen und der Person Friedrich Wilhelms IV. keine realistische Basis für eine andere Entwicklung der Geschichte.</p>



<p>In <em>&#8222;Keine Durchschlagskraft&#8220;</em> argumentierte Ute Planert zwar für den Zufall eines gelungenen Attentats auf Bismarck für eine große Änderung von dessen historischer Rolle. Aber auch sie betonte, dass der Konflikt zwischen Preußen und Österreich im Jahr 1866 aufgrund von militärischen und politischen Strukturen dennoch ausgebrochen wäre.</p>



<p>In eine andere Richtung schrieb Alexander Cammann mit <em>&#8222;Das deutsche Duell&#8220;</em> für den Fall einer preußischen Niederlage in der Schlacht bei Königgrätz. Seine Alternative History Spekulation ging aus Sicht des Blogautors ausnahmsweise aber bei der Änderung der Strukturen zeitlich sehr weit und sprengte bei weitem den Rahmen des <em>&#8222;auf die für Zeitgenossen überschaubare Zukunft&#8220;</em>.</p>



<p><em>&#8222;Eine Tragödie für die Deutschen&#8220;</em> von Volker Ulrich stellte erneut die politisch-wirtschaftlichen Strukturen der Gesellschaft des Deutschen Reichs im Jahr 1888 in den Vordergrund. Nur indirekt erkannte er im Vergleich der Personen Friedrich III. und Wilhelm II. die Rolle von Individuen und damit des Zufalls etwas an.</p>



<p>Christoph Nonn beantwortete in <em>&#8222;Bei Mord Krieg?&#8220;</em> dagegen die kontrafaktische Frage eindeutig für den Zufall. Denn die politischen Strukturen Europas im Jahr 1914 waren aus seiner Sicht nicht so deterministisch auf Krieg festgelegt, wie allgemein angenommen. Daher hätte ein durch Zufall erfolgloses Attentat keinen Ersten Weltkrieg auslösen können.</p>



<p>In eine ähnliche Richtung ging Markus Flohr bei <em>&#8222;Passage am Polarkreis&#8220;</em>. Die Strukturen im Russland des Jahres 1917 waren nicht von vorneherein auf eine kommunistische Revolution ausgelegt. Daher hätte eine durch Zufälle gelungene Verhaftung Lenins die Geschichte verändert.</p>



<p>Mit <em>&#8222;Wie die Revolution gelungen wäre&#8220;</em> beschrieb Klaus Latzel lange ein vermeintliches Wunschszenario der deutschen Revolution. Am Ende erklärte er aber, weshalb diese Entwicklung angesichts der politischen Strukturen von Anfang an unrealistisch gewesen wäre.</p>



<p><em>&#8222;Retter der Republik&#8220;</em> zeigte die Rolle des Zufalls in der Person sowie im Tod des Reichspräsidenten Ebert und hielt sich an die wissenschaftlich begründeten Begrenzungen von Alternative History Szenarien. Aus Sicht des Blogautors erklärte der Artikel auch gut, wie begrenzt <em>&#8222;wünschenswerte&#8220;</em> Entwicklungen laufen können.</p>



<p><em>&#8222;Letzte Ausfahrt Rheinland&#8220;</em> erzählte zwar zuerst breit ein mögliches Alternative History Szenario. Indirekt gab Andreas Molitor aber zu, dass auch diese Entwicklung unrealistisch gewesen wäre.</p>



<p>Michael Wildt betonte mit <em>&#8222;Dann hätte es keinen Holocaust gegeben&#8220;</em> die Rolle des Zufalls bei einem erfolgreichen Attentat auf Adolf Hitler. Er beschrieb aber auch, wie begrenzt sich die Geschichte dadurch geändert hätte.</p>



<p>Mit <em>&#8222;Das Wunder von Dünkirchen&#8220;</em> erklärte Hauke Friedrichs zuerst ein von einem zufälligen Haltebefehl ausgelöstes Szenario. Ebenso erläuterte er die kurzfristigen Veränderungen der Geschichte, die sich daraus ergeben hätten. Am Ende schränkte er diese Änderungen aber wieder zugunsten der militärischen Strukturen ein.</p>



<p>Bei <em>&#8222;Kartoffelacker oder Aufbauhilfe&#8220;</em> beschrieb Manfred Berg zwar ein enorm populäres Alternative History Szenario. Eines, dass allerdings aufgrund der Strukturen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">in den USA</a> des Jahres 1944 keine Chance auf eine Realisierung in der Geschichte hatte.</p>



<p>In <em>&#8222;Ära ohne Adenauer&#8220;</em> erklärte Norbert Frei umfassend die politischen Strukturen vor der ersten Kanzlerwahl 1949. Mit dem Verweis auf diese Strukturen schränkte er die historischen Folgen einer Nichtwahl von Adenauer stark ein.</p>



<p><em>&#8222;Showdown der Supermächte&#8220;</em> widmete sich ebenfalls einem populären Szenario der Alternative History. Aus Sicht von Andreas Etges hätten aber politische Strukturen einen Dritten Weltkrieg verhindern können.</p>



<p>Anders sah es bei <em>&#8222;Jetzt nur keine Panik&#8220;</em> von Michael Thumann aus. Hier spielte der Zufall in der schnellen Entscheidung des Offiziers Stanislaw Petrow eine entscheidende Rolle, um den Dritten Weltkrieg zu verhindern.</p>



<p><em>&#8222;Unwahrscheinliches Glück&#8220;</em> zeigte zwar, dass Zufälle durchaus eine Rolle in der Geschichte spielen können. In diesem Fall wäre nach Franka Maubach aber die strukturelle Entwicklung bzw. der strukturelle Niedergang der DDR unvermeidbar gewesen.</p>



<p><em>&#8222;Grenze offen, Grenze dicht&#8220;</em> als sehr aktuelles Alternative History Szenario blieb mit den beiden Autoren Heinrich Wifing und Andreas Rödder dagegen etwas vage. Zwar wurde einer anderen Entscheidung in der sogenannten Flüchtlingskrise im Jahr 2015 eine große Veränderung der Gegenwart zugebilligt. Beide Autoren lieferten aber keine Begründung, wie eine solche Änderung angesichts der damaligen politischen Strukturen erfolgt wäre. Der Artikel zeigte aber gut, dass historische Fragestellungen immer mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten verbunden sind.</p>



<p>Persönlich seltsam fand der Blogautor die Argumentation im letzten Artikel: Bei beiden Autoren ging es nur um die Angst der Politik vor Bildern bei eventuellen Gewalteinsätzen gegen Geflüchtete. Aber nicht um die Menschen, die auf den Bildern niedergeknüppelt worden wären.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="deutsche-alternative-history">Deutsche Sicht auf Alternative History</h3>



<p>Aus Sicht des Blogautors zeigte die Ausgabe von ZEIT Geschichte (siehe Bild) die Schwierigkeiten und Unsicherheiten beim Thema Alternative History in Deutschland bzw. <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/historiker/">in der deutschen wissenschaftlichen Community</a>.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="680" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/08/ZEIT-Geschichte.jpg?resize=600%2C680&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-7119" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/08/ZEIT-Geschichte.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/08/ZEIT-Geschichte.jpg?resize=265%2C300&amp;ssl=1 265w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Foto)</figcaption></figure>



<p>Wo im angelsächsischen Raum zu viel Fantasie und Spekulation herrscht, hat man aus Sicht des Blogautors in Deutschland fast Angst davor, den Pfad der realen Geschichte zu verlassen.</p>



<p>Diese Argumentation stützte sich auf den Eindruck des Blogautors von sehr langen Herleitungen und Erklärungen für die reale historische Entwicklung und dazu im Vergleich eher knappen Was-wäre-wenn-Teilen in den meisten Artikeln. Diese Schreibweise konnte aber auch daran liegen, dass die Ausgabe insgesamt einem Nicht-Fachpublikum eine enorme Spanne an historischen Zeiträumen und Ereignissen vorstellte.</p>



<p>Auffällig war, dass Historiker skeptischer waren, was die Auswirkungen der Was-wäre-wenn-Fragen anging, als die Autoren, die &#8222;nur&#8220; als Redakteure beschrieben wurden.</p>



<p>Bei einzelnen Was-wäre-wenn-Spekulationen war diese Skepsis durchaus angemessen. Es stellte sich aber die Frage, ob die Auswahl der 20 Ankerpunkte eventuell Szenarien begünstigte, die Strukturen oder unrealistische Alternative History betonten.</p>



<p>Allerdings versuchte ZEIT Geschichte in dieser Ausgabe durchaus einen schwierigen Spagat: Zwischen populären, relativ häufig vorkommenden Szenarien wie der niedergeschlagenen Revolution in der DDR 1989 und historischen Ereignissen der deutschen Geschichte, die in der Alternative History bisher nicht oft auftauchten wie der Tod Eberts 1925.</p>



<p>Allgemein stellte sich für den Blogautor aber der Sinn von Szenarien, wenn diese am Ende des Artikels als von vorneherein &#8222;unrealistisch&#8220; eingestuft wurden. Ein solches Ergebnis konnte ausdrücklich eine Antwort der kontrafaktischen Fragestellung sein. Aber wenn es die einzige Antwort ist, stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/ankerpunkte-alternative-history-canvas/">der wissenschaftlichen Methodik</a>.</p>



<p>Insgesamt war ZEIT Geschichte mit der Ausgabe <em>&#8222;Was wäre gewesen, wenn &#8230;? 20 Wendepunkte der deutschen Geschichte – und die Frage, wie es auch anders hätte kommen können&#8220;</em>, eine anregende Lektüre, die im Ankerpunkte Blog auch an anderer Stelle verarbeitet wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellen-literatur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Benjamin Bidder: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/vergessener-held-a-948852.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Mann, der den dritten Weltkrieg verhinderte.</a> Vergessene Helden, auf: spiegel.de (21.04.2010).</li>



<li>Philip Cassier: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article255568930/Kaiser-Friedrich-III-Was-waere-gewesen-wenn-er-laenger-Zeit-gehabt-haette.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Kaiser, der den Deutschen viel Unglück erspart hätte.</a> Friedrich III., auf: welt.de (15.03.2025).</li>



<li>Richard J. Evans: Veränderte Vergangenheiten. Über kontrafaktisches Erzählen in der Geschichte. München 2013.</li>



<li>Erich Follath: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/attentat-von-sarajevo-1914-franz-ferdinand-und-der-erste-weltkrieg-a-977651.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Am Tag, als das Feuer kam.</a> Sarajevo-Attentat 1914, auf: spiegel.de (24.09.2013).</li>



<li>Lukas Gedziorowski: <a href="https://www.deutschlandfunk.de/friedrich-ebert-todestag-weimarer-republik-reichspraesident-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der ungeliebte erste Reichspräsident.</a> Friedrich Ebert, auf. deutschlandfunk.de (27.02.2025).</li>



<li>Lars-Broder Keil, Sven-Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/geschichten/article186127052/Aus-dem-Bundesarchiv-So-blutig-war-Weihnachten-1918-in-Berlin.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">So blutig waren die Berliner Weihnachtstage 1918.</a> Aus dem Bundesarchiv, auf: welt.de (27.12.20218).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article201592538/Friedliche-Revolution-Was-war-am-Morgen-des-10-Oktobers-anders.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Bis heute wissen wir nicht, warum es gewaltfrei blieb“</a>. Friedliche Revolution, auf: welt.de (30.08. 2021).</li>



<li>Sven-Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article230928921/Ferdinand-Cohen-Blind-Was-den-Bismarck-Attentaeter-antrieb.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Die einzige Lösung ist die Beseitigung Bismarcks“.</a> Ferdinand Cohen-Blind, auf: welt.de (07.05.2021).</li>



<li>Sven-Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article251243936/Deutschland-Wie-das-Land-waere-wenn-Preussens-Koenig-die-Kaiserkrone-genommen-haette.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie Deutschland wäre, wenn Preußens König die Kaiserkrone genommen hätte.</a> Friedrich Wilhelm IV., auf: welt.de (06.05.2024).</li>



<li>Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article231034257/Henry-Morgenthau-So-kam-es-zu-seinem-beruechtigen-Plan.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie es zum berüchtigten „Morgenthau-Plan“ kam.</a> Henry Morgenthau, auf: welt.de (11.05.2021).</li>



<li>Tim Pröse: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/georg-elser-und-das-attentat-auf-adolf-hitler-nur-13-minuten-fehlten-a-1142134.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Es fehlten nur dreizehn Minuten.</a> Hitler-Attentäter Georg Elser, auf: spiegel.de (07.04.2017).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article156742070/Koeniggraetz-1866-Diese-gigantische-Schlacht-schuf-Deutschland.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Diese gigantische Schlacht schuf Deutschland.</a> Königgrätz 1866, auf: welt.de (03.07.2016).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article208208325/Halt-Befehl-Warum-Hitler-den-Sturm-auf-Duenkirchen-stoppte.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Warum Hitler den Sturm auf Dünkirchen stoppte.</a> &#8222;Halt-Befehl&#8220;, auf: welt.de (25.11.2021).</li>



<li>Bernd Ulrich: <a href="https://www.deutschlandfunk.de/berlin-1961-konfrontation-am-checkpoint-charlie-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Konfrontation am Checkpoint Charlie.</a> Berlin 1961, auf: deutschlandfunk.de (27.10.2021).</li>



<li>ZEIT Geschichte: Was wäre gewesen, wenn…?&#8220; 20 Wendepunkte der deutschen Geschichte – und die Frage, wie es auch anders hätte kommen können. Mai 2025.</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/hintergruende/was-waere-gewesen-wenn-zeit-geschichte/">1521 bis 2015: ZEIT Geschichte 3/2025</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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		<title>28 Punkte, an denen die Geschichte Bayerns anders gelaufen wäre</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 May 2025 09:33:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayerische Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Historische Hintergründe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Geschichte Bayerns zeigt mit vielen Ereignissen und Entwicklungen, wie regionale Geschichte mit der deutschen und europäischen Geschichte verknüpft ist. Die Alternative History des Freistaats und seiner Regionen hat damit nicht nur häufig Folgen für ganz Deutschland oder sogar Europa. Sie kann auch das Verständnis für historische Entscheidungen verbessern und Möglichkeiten für Vergangenheit sowie Zukunft [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayern/">28 Punkte, an denen die Geschichte Bayerns anders gelaufen wäre</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Die Geschichte Bayerns zeigt mit vielen Ereignissen und Entwicklungen, wie regionale Geschichte mit der deutschen und europäischen Geschichte verknüpft ist. Die Alternative History des Freistaats und seiner Regionen hat damit nicht nur häufig Folgen für ganz Deutschland oder sogar Europa. Sie kann auch das Verständnis für historische Entscheidungen verbessern und Möglichkeiten für Vergangenheit sowie Zukunft aufzeigen.</p>



<span id="more-698"></span>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="591" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Bayern-Regierungsbezirke.png?resize=600%2C591&#038;ssl=1" alt="Karte des Freistaats Bayern mit den Regierungsbezirken Unterfranken, Oberfranken, Mittelfranken, Oberpfalz, Schwaben, Niederbayern und Oberbayern." class="wp-image-6978" style="width:599px;height:auto" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Bayern-Regierungsbezirke.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Bayern-Regierungsbezirke.png?resize=300%2C296&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Bayern-Regierungsbezirke.png?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bayern#/media/Datei:Bavaria,_administrative_divisions_(government_districts_only)_-_de_-_colored.svg">TUBS/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Näheres zu den Ankerpunkten der bayerischen Geschichte in den verschiedenen Regionen des Freistaats gibt es unter folgenden Seiten:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberpfalz-regensburg/">21 Punkte, an denen die Geschichte der Oberpfalz und Regensburgs anders gelaufen wäre</a></li>



<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayerisch-schwaben-augsburg/">19 Punkte, an denen die Geschichte von Bayerisch-Schwaben und Augsburg anders gelaufen wäre</a></li>



<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-mittelfranken-nuernberg/">11 Punkte, an denen die Geschichte Mittelfrankens und Nürnbergs anders gelaufen wäre</a></li>



<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberfranken-bayreuth/">17 Punkte, an denen die Geschichte Oberfrankens anders gelaufen wäre</a></li>



<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-unterfranken-wuerzburg/">10 Punkte, an denen die Geschichte Unterfrankens und von Würzburg anders gelaufen wäre</a></li>



<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-niederbayerns/">14 Punkte, an denen die Geschichte Niederbayerns anders gelaufen wäre</a></li>



<li><a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/oberbayern-muenchen/">16 Punkte, an denen die Geschichte Oberbayerns und Münchens anders gelaufen wäre</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Ankerpunkte</h2>



<ol class="wp-block-list">
<li><a href="#varusschlacht">9 nach Christus: Die wegweisende Varusschlacht</a></li>



<li><a href="#agilolfinger">788: Das unbekannte Ende der Agilolfinger</a></li>



<li><a href="#pressburg">907: Die vernichtende Niederlage von Pressburg</a></li>



<li><a href="#augsburg">955: Die schlachtentscheidende Verteidigung von Augsburg</a></li>



<li><a href="#schweinfurter">1057: Das langwierige Ende der Schweinfurter</a></li>



<li><a href="#muenchen">1158: Die umstrittene Gründung Münchens</a></li>



<li><a href="#wittelsbacher">1204: Der endgültige Durchbruch der Wittelsbacher</a></li>



<li><a href="#regensburg">1245: Die freie und Reichsstadt Regensburg</a></li>



<li><a href="#konradin">1268: Der zersplitternde Tod von Konradin</a></li>



<li><a href="#ampfing-muehldorf">1313: Die entscheidende Schlacht bei Ampfing/Mühldorf</a></li>



<li><a href="#pavia">1329: Der zersplitternde Hausvertrag von Pavia</a></li>



<li><a href="#neuboehmen">1373: Das kurzfristige Ende von Neuböhmen</a></li>



<li><a href="#agnes-bernauer">1435: Die berühmte Ermordung von Agnes Bernauer</a></li>



<li><a href="#donauwoerth">1607: Die illegale Besetzung von Donauwörth</a></li>



<li><a href="#schlacht-hoechstaedt">1704: Die zu Beginn verlorene Schlacht von Höchstädt</a></li>



<li><a href="#niederbayern">1778: Das österreichische Niederbayern</a></li>



<li><a href="#markgraf">1791: Die amouröse Abdankung des letzten Markgrafen</a></li>



<li><a href="#pariser-vertrag">1810: Der bayerisch-württembergische Pariser Vertrag</a></li>



<li><a href="#sued-nord-bahn">1838: Die umstrittene Ludwig-Süd-Nord-Bahn</a></li>



<li><a href="#ludwig-II">1886: Der vermeidbare Tod von Ludwig II.</a></li>



<li><a href="#kurt-eisner">1919: Die sekundenschnelle Ermordung von Kurt Eisner</a></li>



<li><a href="#hitler">1923: Der gescheiterte Hitler-Putsch</a></li>



<li><a href="#georg-elser">1939: Das zu präzise Attentat von Georg Elser</a></li>



<li><a href="#amberg">1945: Die tödlich verhinderte Verteidigung von Amberg</a></li>



<li><a href="#neu-gablonz">1945: Das Kaufbeurer Neu-Gablonz</a></li>



<li><a href="#aschermittwoch">1948: Der &#8222;erste politische&#8220; Aschermittwoch</a></li>



<li><a href="#waa">1989: Die kontroverse Aufgabe der WAA</a></li>



<li><a href="#th-deggendorf">1992: Die umkämpfte Fachhochschule Deggendorf</a><br><br><a href="#quellen-literatur">Quellen und Literatur</a></li>
</ol>



<h3 class="wp-block-heading" id="varusschlacht">1. 9 nach Christus: Die wegweisende Varusschlacht</h3>



<p>Als der römische Statthalter Publius Quinctilius Varus im <em>Teutoburger Wald</em> in einen Hinterhalt von germanischen Aufständischen unter Führung des Cheruskers Arminius geriet, hatte dies Folgen für Bayern.</p>



<p>Seit 15 vor Christus hatte <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/geschichte-roemisches-reich/">das Römische Reich</a> das Alpenvorland bis zur Donau erobert.</p>



<p>Die Pläne gingen jedoch weiter. Seit 7 vor Christus waren in der sogenannten <em>Germania magna</em> auch Teile des späteren Nordbayerns unter Kontrolle gebracht und als Provinz in das Imperium eingegliedert worden.</p>



<p>Davon zeugte ein 1985 entdecktes Legionslager in Marktbreit (Unterfranken). Es konnte zwei Legionen aufnehmen und war als Stützpunkt für eine weitere Expansion angelegt worden.</p>



<p>Nach der Niederlage des Varus waren aber zwei Drittel der römischen Rheinarmee vernichtet. Das restliche Drittel konnte sich nur schnell hinter Rhein und Donau zurückziehen.</p>



<p>Daher – und als folgende römische Gegenoffensiven ohne dauerhaften Erfolg blieben – wurde das Lager in Marktbreit aufgegeben. Die Legionäre (siehe Reenactment-Bild aus der heutigen Zeit) verließen das heutige Unterfranken wieder.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/08/roemische-Legionaere.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto von fünf Römischen Legionären in einem Reenactment" class="wp-image-5283" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/08/roemische-Legionaere.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/08/roemische-Legionaere.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(J.Sabel/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Zwar expandierten die Römer ab 90 nach Christus erneut nach Schwaben und Franken. Sie errichteten den obergermanisch-raetischen Limes und gründeten im Jahr 175 mit dem Legionslager Castra Regina das heutige Regensburg, um die Grenzflüsse Donau, Naab und Regen zu überwachen.</p>



<p>Sie blieben aber auf „ihrer“ Seite von Main sowie Donau und unternahmen keine Eroberungsversuche in Richtung der Gebiete der heutigen Oberpfalz oder von Oberfranken.</p>



<p>Als der obergermanisch-raetische Limes schließlich 253/254 angesichts der Angriffe der Alamannen aufgeben wurde, endete die römische Präsenz in Nordbayern endgültig.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich das "römische Bayern" entwickelt, wenn Varus nicht in den Hinterhalt des Arminius geraten wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="agilolfinger">2. 788: Das unbekannte Ende der Agilolfinger</h3>



<p>Nach dem endgültigen Abzug der Römer im 5. Jahrhundert blieben Teile der romanisierten Bevölkerung in Südbayern. Ebenso wie germanische Söldner aus Siedlungen nördlich der Donau, die immer mehr Aufgaben der römischen Grenztruppen übernommen hatten.</p>



<p>Aus beiden Gruppen, weiteren germanischen Stämmen und zahllosen anderen Zuwanderern bildete sich eine neue Ethnie heraus, die die bayerische Geschichte begründete: die Bajuwaren.</p>



<p>Im 8. Jahrhundert dominierte vom immer noch stark befestigten Regensburg aus <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/800-de-bello-baiuvaria/">die Familie der Agilolfinger</a> als Herzöge diesen neuen Stamm.</p>



<p>Zwar sahen die Könige des Frankenreiches (auf der Karte in grünen Farben) sich als Oberherrscher der bajuwarischen Herzöge. Die Agilolfinger, die zu den mächtigsten und ältesten Familien des gesamten Reiches gehörten, versuchten aber immer wieder, sich dieser Oberherrschaft zu entziehen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="425" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Baiuvaria-im-Fraenkischen-Reich.png?resize=600%2C425&#038;ssl=1" alt="Karte des Fränkischen Reiches mit dem Gebiet der Bajuwaren" class="wp-image-2683" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Baiuvaria-im-Fraenkischen-Reich.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Baiuvaria-im-Fraenkischen-Reich.png?resize=300%2C213&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Baiuaria_im_Fr%C3%A4nkischen_Reich.svg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Plinganser/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Dabei waren sie unterschiedlich erfolgreich: Einzelne Herzöge regierten fast ohne Einmischung der Frankenkönige. Andere wurden durch Kriegszüge zur Unterwerfung gezwungen.</p>



<p>788 endete diese Phase der bayerischen Geschichte: Das unter den Karolingern erstarkende Frankenreich hatte die Unabhängigkeit der Agilolfinger immer mehr beschnitten. In diesem Jahr <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/zeitmaschine-karls-des-grossen-oliver-henkel/">setzte Karl der Große</a> schließlich Herzog Tassilo III. ab.</p>



<p>Dieser Sturz war für die bayerische Geschichte einschneidend, sein Ablauf blieb aber unbekannt, da die wenigen Quellen Propaganda der Franken wiedergeben.</p>



<p>Für Bayern hatte dies große Folgen. Das Land sank von einem fast unabhängigen Stammesherzogtum zu einer Provinz an der Peripherie des großen Frankenreiches herab.</p>



<p>Der Hauptsitz der Agilolfinger, Regensburg, entwickelte sich dagegen bis zum Aussterben der Karolinger zu einem Zentrum der Königsherrschaft im entstehenden ostfränkisch-deutschen Reich.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Bayern weiterentwickelt, wenn die Agilolfinger an der Macht geblieben wären?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="pressburg">3. 907: Die vernichtende Niederlage von Pressburg</h3>



<p>Um 900 war Bayern zwar weiter Teil des ostfränkischen Reiches.</p>



<p>Der bayerische Markgraf Luitpold handelte aber immer mehr wie ein unabhängiger Herrscher in einem neu entstandenen Stammesherzogtum.</p>



<p>Zu seinen Aufgaben gehörte die Sicherung der Grenzen gegen die stärker werdenden Einfälle des Reitervolks der Ungarn.</p>



<p>Nachdem er in den ersten Gefechten erfolgreich geblieben war, ging er 907 mit einem Großteil des bayerischen Heeres in die Offensive.</p>



<p>Unter bis heute unklaren Umständen erlitt er aber in der Umgebung von Pressburg, des heutigen Bratislavas (siehe Bild der Burg Devin unten), eine verheerende Niederlage. Dabei wurde ein Großteil des bayerischen Heeres, mit mehreren hohen bayerischen Würdenträgern, vernichtet.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="295" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Burg-Devin.jpg?resize=600%2C295&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5368" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Burg-Devin.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Burg-Devin.jpg?resize=300%2C148&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Rasto SK/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dies hatte enorme Folgen für Bayern unter dem neuen Markgrafen, Luitpolds Sohn Arnulf.</p>



<p>Um neue Mittel und Soldaten gegen weitere Ungarneinfälle zu gewinnen, säkularisierte dieser zahlreiche Klöster. Stattdessen entstanden die ersten Burgen in der Region als Fluchtpunkte für die Bevölkerung.</p>



<p>Dennoch konnte Arnulf die Ungarneinfälle nicht unterbinden. Die Ungarn verwüsteten Bayern häufig. Der Markgraf konnte höchstens Siege gegen Heere erringen, die mit Beute beladen auf dem Rückweg waren.</p>



<p>Erst der Sieg König Ottos I. auf dem Lechfeld bei Augsburg 955 beendete die Angriffe der Ungarn endgültig.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Markgraf Luitpold die Schlacht bei Pressburg nicht verloren hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="augsburg">4. 955: Die schlachtentscheidende Verteidigung von Augsburg</h3>



<p>Dieser für die deutsche Geschichte bedeutende Sieg hatte viel mit den Entwicklungen im heutigen Bayerisch-Schwaben zu tun.</p>



<p>Aus dem Stamm der Alemannen hatte sich im Frühmittelalter westlich des bayerischen Herzogtums das Herzogtum Schwaben entwickelt.</p>



<p>Neben den häufig wechselnden Herzögen bildete sich die Bischofsstadt Augsburg als ein Machtzentrum dieses Gebietes heraus.</p>



<p>Dies zeigte sich bei den Einfällen der Ungarn, die erst in der Schlacht auf dem Lechfeld vor der Stadt beendet wurden.</p>



<p>Dass es so weit kam, lag daran, dass Augsburg unter dem Bischof Ulrich lange genug der Blockade und Belagerung durch die angreifenden Ungarn standhielt. So konnte das ostfränkische Reichsheer unter König Otto I. rechtzeitig heranrücken.</p>



<p>Bis dahin hatte Bischof Ulrich, der als Reichsfürst auch das Militär der Stadt leitete, Augsburg trotz mehrerer kritischer Situationen erfolgreich verteidigt.</p>



<p>Die erfolgreiche Verteidigung ermöglichte es dem Heer unter König Otto I., die Ungarn in einer dramatischen Schlacht entscheidend zu schlagen. Dieser Sieg beendete nicht nur die Ungarneinfälle, sondern gab König Otto I. genug Prestige, um sich zum Kaiser krönen zu lassen und damit das spätere Heilige Römische Reich Deutscher Nation zu begründen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Ungarn Augsburg vor dem Eintreffen des Reichsheeres eingenommen hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="schweinfurter">5. 1057: Das langwierige Ende der Schweinfurter</h3>



<p>Im Jahr 1000 war das heutige Bayern machtpolitisch zweigeteilt.</p>



<p>In Nordbayern hatten die Grafen von Schweinfurt ein großes Herrschaftsgebiet im Raum zwischen der Stadt Schweinfurt mit ihrer Stammburg und der heutigen Oberpfalz bis zum Böhmerwald etabliert.</p>



<p>Diese starke Stellung nördlich ihrer Herrschaftsgebiete mit der Hauptstadt Regensburg konnte das damalige bayerische Herzogsgeschlecht der bayerischen Ottonen nicht zulassen.</p>



<p>Als einer der ihren als König Heinrich II. ab 1002 über das ostfränkisch-deutsche Reich regierte, brach der Konflikt zwischen ihm als bayerischer Herzog und der Schweinfurter Grafenfamilie offen aus.</p>



<p>Heinrich II. schlug einen Aufstand der Schweinfurter nieder und schwächte durch die Vergabe von Lehnsrechten die Stellung der Markgrafen.</p>



<p>Zum Beispiel gründete er, um ein Wiedererstarken der Schweinfurter zu verhindern, 1007 das Bistum Bamberg. Dieses baute er durch reiche Beschenkungen und die Vergabe von Herrschaftsrechten zum regionalen geistlichen Zentrum und einem weltlichen Machtfaktor in Nordbayern aus.</p>



<p>Zuletzt beschenkte er das Bistum zahlreich, zum Beispiel mit Reliquien, um eine dauerhafte Grablege für sich zu schaffen. Daher ist Heinrich II. auch im heutigen Bamberger Dom (siehe Bild) beerdigt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="450" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/06/Bamberg-Dom.jpg?resize=600%2C450&#038;ssl=1" alt="Foto des Bamberger Doms." class="wp-image-5187" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/06/Bamberg-Dom.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/06/Bamberg-Dom.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Takashi Images/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Doch erst der Tod des letzten Schweinfurters, Otto, beendet 1057 die Versuche der Markgrafen, ein geschlossenes Herrschaftsgebiet im heutigen Nordbayern aufzubauen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Nordbayern entwickelt, wenn die Schweinfurter nicht gescheitert wären?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="muenchen">6. 1158: Die umstrittene Gründung Münchens</h3>



<p>Die Gründung der heutigen bayerischen Hauptstadt München war das Ergebnis eines Konfliktes zwischen dem welfisch-bayerischen Herzog Heinrich dem Löwen und Bischof Otto von Freising.</p>



<p>Als Beispiel galt das Zerstören der bisherigen Freisinger Isarbrücke in Oberföhring samt Markt und Zollstation durch Heinrich.</p>



<p>Aber Otto von Freising war kein simples Opfer. Er stand im Verdacht, mit Oberföhring bisherige Reichsrechte an Brücke, Zoll und Markt an sich gerissen zu haben.</p>



<p>Erste Versuche der Freisinger Seite, die Brücke wiederaufzubauen, scheiterten jedoch an Heinrichs Gegenmaßnahmen.</p>



<p>Dadurch gewann der von Heinrich verlegte Isarübergang an einen Ort namens „Munichen“ (siehe Foto der Isar in München aus der heutigen Zeit) immer mehr regionales Gewicht.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Isar-bei-Muenchen.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto der Isar bei München zwischen Bäumen" class="wp-image-5457" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Isar-bei-Muenchen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Isar-bei-Muenchen.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(streetflash/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Diese Verlegung bestätige schließlich Kaiser Friedrich I. Barbarossa im <em>„Augsburger Schied“</em> am 14. Juni 1158. Als Ersatz erhielt der Freisinger Bischof in der Urkunde ein Drittel des Münchner Brückenzolls.</p>



<p>Dieses Dokument gilt aufgrund der ersten Erwähnung als Gründungsurkunde von München.</p>



<p>Schnell entstand danach auf dem bisher weitgehend unbesiedelten Gebiet eine wachsende Stadt als überregionaler herzoglicher Stützpunkt.</p>



<p>Daran änderte sich auch nichts, als Kaiser Friedrich I. Barbarossa nach dem Sturz Heinrichs des Löwen 1180 den <em>„Augsburger Schied“</em> für ungültig erklärte. Denn der Freisinger Bischof zog es vor, die gesicherten Einnahmen aus dem Münchner Brückenzoll zu bekommen, anstatt in Oberföhring die Infrastruktur neu aufzubauen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Verlegung der Isarbrücke bis 1158 gescheitert wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="wittelsbacher">7. 1204: Der endgültige Durchbruch der Wittelsbacher</h3>



<p>Als die Wittelsbacher 1180 als Nachfolger der Welfen die bayerische Herzogswürde durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa erlangten, gehörten sie zwar zum bayerischen Uradel und hatten viele Besitzungen im heutigen Bayerisch-Schwaben sowie in Ober- und Niederbayern.</p>



<p>Das von ihnen neu beherrschte Herzogtum war jedoch 1180 deutlich reduziert worden: Es verlor zum Beispiel die meisten Gebiete im heutigen Österreich.</p>



<p>Im übrigen Herzogtum standen mehrere mächtige Adelsfamilien dem Herrschaftsanspruch der neuen Herzöge entgegen.</p>



<p>In Niederbayern agierten die Grafen von Bogen als Vormacht. Sie herrschten zum Beispiel von Burgen wie Natternberg beim wichtigen Donauübergang Deggendorf (siehe Bild aus der heutigen Zeit) und dominierten die Besiedlung des Bayerischen Waldes.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="524" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Natternberg.jpg?resize=600%2C524&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5374" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Natternberg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Natternberg.jpg?resize=300%2C262&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Martin Erdniss/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Die Wittelsbacher versuchten, diese regionale Herrschaft zu brechen. Die Kämpfe endeten zuerst ohne eindeutigen Sieger.</p>



<p>Erst als 1204 sowohl der amtierende Graf von Bogen starb und gleichzeitig die Markgrafen von Cham-Vohburg endgültig ausstarben, gelang den Wittelsbachern der Durchbruch.</p>



<p>Denn Herzog Ludwig I. heiratete die Witwe des Bogener Grafen, womit er Ansprüche auf dessen Erbe geltend machen konnte. Und er zog den Besitz der Markgrafen von Cham-Vohburg komplett ein. Damit verschaffte er sich die Vormacht im niederbayerischen Raum bis zur böhmischen Grenze.</p>



<p>Auch später profitierten die Wittelsbacher Herzöge vom Aussterben regionaler Herrscher. 1248 starb zum Beispiel der letzte Herzog von Andechs-Meranien kinderlos und unter ungeklärten Umständen. Danach gelang es den Wittelsbachern, den oberbayerischen Besitz der Andechs-Meranier, zum Beispiel bei München, an sich zu bringen und den oberbayerischen Raum endgültig zu dominieren.</p>



<p>In der Oberpfalz zogen die Wittelsbacher 1305/1307 endgültig den Besitz der ehemaligen Grafen von Sulzbach ein, die weite Teile des späteren Bezirks beherrscht hatten. In diesem Fall war es eine längere Entwicklung, bis sämtliche Nachfolgefamilien der Grafen von Sulzbach ausgestorben waren.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die ersten Wittelsbacher Herzöge mit ihrem Machtanspruch 1204 gescheitert wären?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="regensburg">8. 1245: Die freie und Reichsstadt Regensburg</h3>



<p>Die Entwicklung des bayerischen Herzogtums unter den Wittelsbachern ging jedoch nicht nur in eine Richtung. Denn die neuen Herzöge mussten auch Verluste hinnehmen, zum Beispiel Regensburg.</p>



<p>Die Stadt entwickelte sich im Mittelalter nicht nur zum politischen und kulturellen Hauptort des bayerischen Herzogtums. Gestützt auf den wachsenden europäischen Handel mit Luxusgütern über die Donau – aber auch über den Regen nach Böhmen – wuchs die Stadt zur größten Wirtschaftsmetropole im süddeutschen Raum heran.</p>



<p>Zeugnis dieser Bedeutung und des Reichtums waren der Bau der Steinernen Brücke als einzigem festen Donauübergang zwischen Ulm und Wien von 1135 bis 1146 sowie des Doms ab 1273 (siehe Bild unten). Hinzu kamen zahlreiche Geschlechtertürme als Ausweis des Reichtums der Patrizier.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="441" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Regensburg.jpg?resize=600%2C441&#038;ssl=1" alt="Foto der Steinernen Brücke und des Doms in Regensburg." class="wp-image-786" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Regensburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Regensburg.jpg?resize=300%2C221&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Foto)</figcaption></figure>



<p>Entsprechend umkämpft waren die Herrschaftsrechte in der Stadt zwischen den bayerischen Herzögen und den Bischöfen von Regensburg. Auch der deutsche König, ab 1138 aus der Familie der Staufer, versuchte, die Metropole mehr an seine Herrschaft zu binden.</p>



<p>Dieses Spannungsfeld nutzten die reichen Bürger, um immer mehr Rechte der verschiedenen Streitparteien an sich zu ziehen. 1245 gewährte ihnen schließlich Kaiser Friedrich II. das Recht der freien Wahl von Bürgermeistern und Stadträten. Regensburg wurde freie und Reichsstadt.</p>



<p>Was für ein bedeutender Verlust die Stadt für die bayerischen Herzöge war, zeigten mehrere Versuche, die „verlorene Hauptstadt“ zurückzuerobern. Der damit einhergehende Wirtschaftskrieg und sich verändernde Handelsströme führten aber zu einer Verarmung der Reichsstadt.</p>



<p>Gleichzeitig entwickelte sich Regensburg im 16. Jahrhundert zu einem beliebten Standort für die Reichstage, die regelmäßigen Versammlungen der Kurfürsten, Fürsten und Reichsstädte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.</p>



<p>Als 1663, als der Reichstag nicht mehr wie üblich seinen Abschied nahm, entwickelte sich die Stadt sogar zum permanenten Sitz dieser Institution bis zum Ende des Reiches 1806.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Regensburg entwickelt, wenn die Stadt bayerische Hauptstadt geblieben wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="konradin">9. 1268: Der zersplitternde Tod von Konradin</h3>



<p>Im Gegensatz zu Bayern war Schwaben, und damit Bayerisch-Schwaben, im Hochmittelalter ein Zentrum der mittelalterlichen Kaiserherrschaft.</p>



<p>Diese Entwicklung hing an der Verbindung von schwäbischer Herzogswürde und römisch-deutschem Kaisertitel in der Familie der Staufer seit 1138.</p>



<p>Diese Verbindung erlosch jedoch, als König Konrad 1254 nur 26-jährig bei einem Kriegszug im Königreich Sizilien starb.</p>



<p>Damit endete nicht nur die Linie der staufischen Könige und Kaiser. Auch die Zentralmacht im Herzogtum Schwaben begann, sich langsam aufzulösen.</p>



<p>Zwar gab es danach mit Konradin noch einen Staufer, der mit 10 Jahren zum Herzog von Schwaben erhoben worden war. Ihm gelang es jedoch aufgrund seines Alters nicht, das Herzogtum unter Kontrolle zu bekommen.</p>



<p>Zudem wurde er 1268 nach seiner Niederlage im Kampf um das Erbe in Sizilien hingerichtet, womit die Staufer als Herrschaftsgeschlecht aufhörten zu existieren.</p>



<p>Das schwäbische Herzogtum zersplitterte sich danach in eine Vielzahl von Herrschaften (siehe Karte aus dem Jahr 1400).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="856" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayerisch-Schwaben-1400.png?resize=600%2C856&#038;ssl=1" alt="Karte der heutigen Region von Bayerisch-Schwaben im Jahr 1400 mit zahlreichen kleinen Territorien." class="wp-image-4930" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayerisch-Schwaben-1400.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayerisch-Schwaben-1400.png?resize=210%2C300&amp;ssl=1 210w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:HRR_1400.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ziegelbrenner/CC BY-SA 3.0 (Ausschnitt)</a>)</figcaption></figure>



<p>Davon profitierten ausgehend von Augsburg, Ulm und Memmingen vor allem zahlreiche Städte, die zu den <em>„oberschwäbischen Reichsstädten“</em> heranwuchsen.</p>



<p>Diese Zersplitterung blieb als „Fleckerlesteppich“ für Bayerisch-Schwaben typisch für die nächsten Jahrhunderte, ebenso wie die ständigen Konflikte mit den bayerischen Herzögen, die das Erbe der Staufer in Schwaben für sich reklamierten, um Herrschaftsrechte.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätten sich Schwaben und Bayern entwickelt, wenn Konradin nicht hingerichtet worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="ampfing-muehldorf">10. 1313: Die entscheidende Schlacht bei Ampfing/Mühldorf</h3>



<p>An anderer Stelle waren die bayerischen Herzöge im 14. Jahrhundert erfolgreicher.</p>



<p>Als am 28. September 1322 die Heere der Wittelsbacher und der Habsburger bei Ampfing oder Mühldorf (beides in Oberbayern) aufeinandertrafen, entschied sich nicht nur der Streit um die deutsche Königskrone zwischen Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen.</p>



<p>Durch den Sieg Ludwigs, der daraufhin König und Kaiser wurde, kam es auch zu neuen Entwicklungen für die Geschichte von Bayern.</p>



<p>Die Schlacht selbst wurde daher stark mythologisiert, wodurch wenige Details klar sind.</p>



<p>So ist zum Beispiel nicht geklärt, warum Friedrich trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit die von Ludwig angebotene Schlacht annahm, an deren Ende der Habsburger in Gefangenschaft geriet. Denn von Süden marschierten noch Verstärkungen seines Bruders heran, die die Heeresgrößen zugunsten von Friedrich gedreht hätten.</p>



<p>Auch die konkrete Rolle von Ludwig (siehe Statue aus der heutigen Zeit) in der Schlacht ist bis heute unklar.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="765" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Statue-Ludwig-der-Bayer.jpg?resize=600%2C765&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5497" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Statue-Ludwig-der-Bayer.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Statue-Ludwig-der-Bayer.jpg?resize=235%2C300&amp;ssl=1 235w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(ArTono/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Für Bayern hatte die gewonnene Schlacht große Folgen.</p>



<p>Zum Beispiel für München bedeutete die Königs- und Kaiserkrone von Ludwig trotz dessen fortwährenden Kämpfen mit Habsburgern, Luxemburgern und dem Papst eine enorme Aufwertung. Denn die Stadt blieb weiter seine geförderte Hauptresidenz und wurde beispielsweise zum europaweiten Sammelpunkt von papstkritischen Intellektuellen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Ludwig der Bayer die Schlacht von Ampfing/Mühldorf verloren hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="pavia">11. 1329: Der zersplitternde Hausvertrag von Pavia</h3>



<p>Diese Vormachtstellung der bayerischen Wittelsbacher endete jedoch schnell.</p>



<p>Um die ständigen Querelen innerhalb der Wittelsbacher zu beenden, teilte Kaiser Ludwig der Bayer die Territorien seiner Familie im Hausvertrag von Pavia.</p>



<p>Der Versuch, durch einen Interessenausgleich die Einheit der Familie zu wahren, war jedoch erfolglos.</p>



<p>Stattdessen spaltete sie sich in zuerst zwei Hauptlinien, eine pfälzische mit dem Zentrum um Heidelberg und eine bayerische mit den meisten Besitzungen im heutigen Ober- und Niederbayern.</p>



<p>Da die Pfalz an sich zu klein für ein Machtgleichgewicht war, kamen im Hausvertrag von Pavia Teile des bayerischen Nordgaus zur pfälzischen Linie. Aus diesen entwickelte sich die <em>„Obere Pfalz“</em>.</p>



<p>Die bayerische Linie begann sich danach sogar noch weiter aufzuspalten, bis 1392 sogar vier Familien existierten (siehe Karte unten).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="478" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Herzogt%C3%BCmer-Bayern.png?resize=600%2C478&#038;ssl=1" alt="Karte der vier bayerischen Herzogtümer im Jahr 1392." class="wp-image-803" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Herzogt%C3%BCmer-Bayern.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/06/Herzogt%C3%BCmer-Bayern.png?resize=300%2C239&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">Wikimedia-Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bayern_nach_der_Teilung_1392.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lencer/CC BY-SA 3.0</a></figcaption></figure>



<p>Einerseits profitierten viele Städte von der Aufteilung. So wurde Amberg erstmals Sitz des Regierungsamts und Residenzstadt für die kurpfälzischen Statthalter in der Oberpfalz. Nicht selten waren dies die Söhne und designierten Nachfolger der Pfalzgrafen.</p>



<p>Die Zersplitterung der Herrschaft und die internen Konflikte innerhalb der Familie sorgten jedoch dafür, dass die bayerischen Herzöge im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation nicht als einheitlicher Machtfaktor auftreten konnten.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Bayern ohne den Hausvertrag von Pavia entwickeln können?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="neuboehmen">12. 1373: Das kurzfristige Ende von Neuböhmen</h3>



<p>Kaiser Karl IV., Nachfolger von Ludwig dem Bayern, nutzte diese Zersplitterung für seine eigene Machtpolitik.</p>



<p>Er wollte einen Landkorridor aufbauen, der von der heutigen Tschechischen Republik, die er als König von Böhmen beherrschte, bis zu den Zentren des Heiligen Römischen Reiches, Nürnberg und Frankfurt, reichte.</p>



<p>Dazu erwarb er bis 1353 Gebiete in der nördlichen Oberpfalz (auf der Karte der grüne Zipfel links von Böhmen), die er von Sulzbach aus verwalten ließ.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="599" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?resize=600%2C599&#038;ssl=1" alt="Karte der Länder der böhmischen Krone unter Karl IV." class="wp-image-2685" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Karte-Boehmen-unter-Karl-IV..png?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Karte_B%C3%B6hmen_unter_Karl_IV.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Maximilian Dörrbecker (Chumwa)/CC BY-SA 2.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Diese Herrschaft, kurz Neuböhmen genannt, förderte er durch gezielte Vergabe von Privilegien sowie den Ausbau des Straßen- und Handelsnetzes der <em>„Goldenen Straße“</em>.</p>



<p>Besonders profitierte Nürnberg von Neuböhmen. Die Handelsgesellschaften der Stadt finanzierten große Teile der Pläne Karls IV. im Ausgleich für Handelsprivilegien in dessen Herrschaftsgebiet. Der Kaiser wertete Nürnberg entsprechend auf, beispielsweise in der dort verkündeten <em>„Goldenen Bulle“</em> 1356 als <em>„vornehmste und bestgelegendste Stadt des Reiches“</em>.</p>



<p>Jedoch gab Karl IV. seine Ziele 1373 kurzfristig auf: Im Vertrag von Fürstenwalde tauschte er große Teile von Neuböhmen gegen die strategisch wichtigere Mark Brandenburg.</p>



<p>Zwar gab es um Auerbach in der Oberpfalz noch ein kleines Restgebiet. Dieses ging aber unter Karls Nachfolger Wenzel in kriegerischen Auseinandersetzungen fast vollständig verloren.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich ein länger bestehendes Neuböhmen auf Bayern ausgewirkt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="agnes-bernauer">13. 1435: Die berühmte Ermordung von Agnes Bernauer</h3>



<p>In Straubing spielte sich zwischen 1433 und 1435 eine Episode ab, die entscheidend für die bayerischen Wittelsbacher war.</p>



<p>Denn dort residierte mit Albrecht, dem einzigen Sohn von Herzog Ernst, der einzige, herrschaftsfähige Nachkomme der Linie Bayern-München.</p>



<p>Daher erregte seine Affäre mit Agnes Bernauer, über die selbst nicht viel bekannt ist, die Aufmerksamkeit des Münchner Hofes.</p>



<p>Denn es gab bis heute unbestätigte, aber in der Forschung nicht mehr bezweifelte Gerüchte um eine Eheschließung von Albrecht mit der nicht standesgemäßen Frau. Beide agierten in Straubing zunehmend selbstständig gegenüber dem Hof in München.</p>



<p>Da damit die Einheit des Herzogtums und der Fortbestand der Linie Bayern-München in Gefahr waren, entschloss sich Herzog Ernst zu einem riskanten Manöver.</p>



<p>Er nutzte die Abwesenheit seines Sohnes bei einem Jagdausflug, um Agnes Bernauer am 12. Oktober 1435 in Straubing verhaften zu lassen. Danach ließ er sie dort in der Donau (siehe Bild aus der heutigen Zeit) ertränken.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Straubing-Donau.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5366" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Straubing-Donau.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Straubing-Donau.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wirestock Creators/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Der erzürnte Albrecht plante zuerst mit den verwandten Herzögen von Bayern-Landshut einen Krieg gegen seinen Vater.</p>



<p>Bereits 1436 söhnte er sich aber mit Ernst aus, heiratete standesgemäß und sicherte den Weiterbestand der Herzöge von Bayern-München. Die Linie von Bayern-München vereinte schließlich nach dem Aussterben der anderen bayerischen Linien das bayerische Herzogtum wieder unter einem Herrscher.</p>



<p>Agnes Bernauer und ihre tragische Geschichte brachten es dagegen zu einem gewissen Nachruhm, zum Beispiel durch die in Straubing alle vier Jahre stattfindenden <em>„Agnes-Bernauer-Festspiele“</em>.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Plan zur Ermordung von Agnes Bernauer 1435 gescheitert wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="donauwoerth">14. 1607: Die illegale Besetzung von Donauwörth</h3>



<p>Diese bayerischen Herzöge spielten eine große Rolle, als Anfang des 17. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich die Spannungen zwischen Katholiken und Protestanten eskalierten.</p>



<p>Ein Höhepunkt war der Konflikt in der freien und Reichsstadt Donauwörth.</p>



<p>Die Stadt war mehrheitlich protestantisch, hatte aber eine katholische Minderheit um das Kloster Heilig Kreuz (siehe Bild) zu dulden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="604" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?resize=600%2C604&#038;ssl=1" alt="Foto der Klosterkirche Heilig Kreuz in Donauwörth." class="wp-image-4929" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?resize=298%2C300&amp;ssl=1 298w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>In dieser Ausgangslage ereigneten sich 1606 und 1607 die sogenannten <em>„Kreuz- und Fahnengefechte“</em>. Dabei griffen Protestanten katholische Prozessionen, deren Auftreten mit Kreuzen und Fahnen sie als Provokation empfanden, an und jagten die Katholiken auseinander.</p>



<p>Nachdem Kaiser Rudolf II. 1606 die Reichsacht angedroht hatte, verfügte er diese nach dem zweiten <em>„Gefecht“</em> ein Jahr später.</p>



<p>Eigentlich wäre der protestantische württembergische Herzog als Obmann des schwäbischen Reichskreises, zu dem Donauwörth gehörte, für die Exekution zuständig gewesen.</p>



<p>Rudolf II. beauftragte allerdings den katholischen, bayerischen Herzog Maximilian I.</p>



<p>Dieser nutzte die Gelegenheit, um die Stadt zu besetzen und de facto zu annektieren. Als er Donauwörth rekatholisierte, führte dies zur Auswanderung vieler Protestanten.</p>



<p>Die protestantischen Mächte des Reiches sahen diese Entwicklung als Bedrohung und schlossen sich zu einem Bündnis zusammen. Daher galt die Besetzung von Donauwörth als einer der bedeutendsten Auslöser des Dreißigjährigen Krieges wenige Jahre später.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn nicht der bayerische, sondern der zuständige württembergische Herzog die Reichsacht in Donauwörth exekutiert hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="schlacht-hoechstaedt">15. 1704: Die zu Beginn verlorene Schlacht von Höchstädt</h3>



<p>Die in Folge des Dreißigjährigen Krieges zu Kurfürsten aufgestiegenen bayerischen Wittelsbacher planten vor allem unter Maximilian II. Emanuel eine europäische Großmachtpolitik. So stellte er sich zu Beginn des <em>„Spanischen Erbfolgekrieges“</em> 1702 auf die Seite des Königreichs Frankreich und damit gegen das Heilige Römische Reich unter den Habsburger-Kaisern.</p>



<p>Obwohl von feindlichen Mächten umgeben, gelang es dem militärisch erfahreneren Kurfürsten, Bayern zu verteidigen und Vorstöße gegen die Habsburger zu unternehmen. Bis diese in so große militärische Schwierigkeiten gerieten, dass die englisch-niederländischen Alliierten eine Armee unter dem Herzog von Marlborough entsandten. Als Reaktion schickten die Franzosen auch Verstärkungen.</p>



<p>Am Ende von mehreren Manövern stellte die alliierte Armee unter Marlborough und Prinz Eugen von Savoyen in der Nähe des Schlosses Höchstädt (in Bayerisch-Schwaben, siehe Bild unten) die bayerisch-französische Armee unter Maximilian II. Emanuel sowie den Marschällen Tallard und Marsin vor Höchstädt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="336" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Schloss-Hoechstaedt-1.jpg?resize=600%2C336&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-6975" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Schloss-Hoechstaedt-1.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2025/05/Schloss-Hoechstaedt-1.jpg?resize=300%2C168&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Obwohl die französisch-bayerischen Linien unter dem Befehl von Maximilian II. Emanuel und Marsin mehrere Attacken bis zur Erschöpfung der Angreifer abwehrten und sogar Gegenangriffe starteten, beging die Armee von Tallard bereits zu Beginn einen entscheidenden Fehler beim Dorf Blindheim.</p>



<p>Die zuerst angegriffenen Franzosen verstärkten ihre Garnison dort so stark, dass ihnen keine Reserven mehr blieben. Obwohl Tallard mehrere Attacken zurückschlagen konnte, brach Marlborough genau westlich des Dorfes massiv durch die Linien der Verteidiger. Die übrigen Einheiten von Tallards Armee flohen, aber die Truppen von Maximilian II. Emanuel und Marsin zogen sich geordnet zurück.</p>



<p>Doch die Niederlage entwickelte sich durch Bindheim zur Katastrophe. Marschall Tallard wurde beim Versuch, das Dorf zu erreichen, gefangen genommen. Die demoralisierten und ohne Befehlshaber verbliebenen Franzosen kapitulierten dort in großer Masse.</p>



<p>Dadurch verblieb der übrigen bayerisch-französischen Armee nicht mehr genug Schlagkraft, um den Alliierten weiteren Widerstand in Bayern entgegenzusetzen. Bis 1714 wurde Bayern besetzt und ausgeplündert. Aufflammende Rebellionen wurden, wie in der <em>„Sendlinger Mordweihnacht“</em>, unterdrückt. Die Gefahr eines militärischen Zusammenbruchs der Habsburger war beendet.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätten sich die Schlacht und der weitere Krieg in Bayern entwickelt, wenn die Franzosen ihre Soldaten nicht in Blindheim konzentriert hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="niederbayern">16. 1778: Das österreichische Niederbayern</h3>



<p>1777 endete die bayerische Linie der Wittelsbacher, als Kurfürst Maximilian III. Joseph kinderlos starb.</p>



<p>Nach den Wittelsbachischen Erbverträgen hätte nun der Pfälzer Kurfürst Karl Theodor (siehe Bild) die Macht in ganz Bayern ergreifen sollen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="879" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Karl-Theodor.jpg?resize=600%2C879&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5370" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Karl-Theodor.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Karl-Theodor.jpg?resize=205%2C300&amp;ssl=1 205w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Oleg Senkov/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Kaiser Joseph II. sah aber nach den verlorenen Schlesischen Kriegen gegen den preußischen König Friedrich II. die Gelegenheit zu Gebietsgewinnen.</p>



<p>Er übte Druck auf Karl Theodor aus und schloss mit ihm 1778 die <em>„Wiener Konvention“</em>. Darin trat Karl Theodor unter anderem Gebiete um Straubing und Burghausen an Österreich ab.</p>



<p>Als die einmarschierenden kaiserlichen Armeen aber fast ganz Ostbayern bis kurz vor Landshut besetzten, rief dies Friedrich II. auf den Plan.</p>



<p>Zusammen mit anderen Reichsfürsten stellte er sich im sogenannten „Bayerischen Erbfolgekrieg“ gegen die Wiener Konvention.</p>



<p>Nachdem der <em>„Kartoffelkrieg“</em> oder <em>„Zwetschgenrummel“</em> genannte Konflikt ohne große kriegerische Entscheidung geblieben war, beendete erst der Frieden von Teschen 1779 die Auseinandersetzungen.</p>



<p>Der Großteil von Niederbayern wurde wieder bayerisch. Nur das Innviertel mit den Städten Braunau und Schärding blieb bis in die heutige Zeit österreichisch.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Österreicher 1778 nur die ihnen durch die <em>"Wiener Konvention" </em>zugestandenen bayerischen Gebiete besetzt hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="markgraf">17. 1791: Die amouröse Abdankung des letzten Markgrafen</h3>



<p>Während die Wittelsbacher die heutigen Bezirke Nieder- und Oberbayern sowie die Oberpfalz beherrschten, war Franken in zahlreiche Territorien zersplittert. Eine gewisse Vormacht hatten dort neben den Fürstbischöfen von Bamberg und Würzburg die Markgrafen aus der fränkischen Linie der Hohenzollern inne.</p>



<p>1769 vereinigte Markgraf Karl Alexander diese Gebiete um Ansbach und Bayreuth unter seiner Herrschaft.</p>



<p>Er war ein Anhänger des aufgeklärten Absolutismus und förderte zum Beispiel die Universität in Erlangen (siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Schloss-Erlangen.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Foto des Erlanger Schlosses mit Park" class="wp-image-5069" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Schloss-Erlangen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/05/Schloss-Erlangen.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Scirocco340/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Auch bei der Wahl seiner Partnerinnen zog er persönliche Interessen dynastischen Erwägungen vor: Während sich seine erste Geliebte nicht in die Politik einmischte, tat dies jedoch die zweite, Lady Elisa Craven.</p>



<p>Sie nutzte vor allem den Pessimismus des Markgrafen über die Zukunft seiner Länder, die durch seine Kinderlosigkeit nach seinem Tod an Preußen fallen sollten.</p>



<p>Daher gelang es Craven, ihn davon zu überzeugen, bereits im Januar 1791 seine Länder in einem Geheimvertrag an Preußen zu übertragen. Als er gegen eine finanzielle Zuwendung im Dezember 1791 zurücktrat, gingen so Ansbach und Bayreuth an Preußen – bis 1806.</p>



<p>In diesem Jahr – fast 15 Jahre nach seiner Abdankung – verstarb Karl Alexander mit knapp 70 Jahren.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich das fränkische Hohenzollerngebiet entwickelt, wenn Karl Alexander nicht oder zu einem anderen Zeitpunkt abgedankt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="pariser-vertrag">18. 1810: Der bayerisch-württembergische Pariser Vertrag</h3>



<p>Infolge der Kriege des revolutionären Frankreichs und später des Kaisers Napoleon kam es in diesen Jahren zu großen Umwälzungen in Bayern, Franken und Schwaben.</p>



<p>So expandierte das seit 1806 als Königreich existierende Bayern in Richtung Schwaben und Franken.</p>



<p>Ein entscheidender Einschnitt war der Grenzvertrag mit Württemberg, den Bayern 1810 in Paris schloss.</p>



<p>Darin trat es das 1802/1803 erworbene Ulm an das benachbarte Königreich ab und erhielt von Frankreich das ehemalige Fürstentum Bayreuth.</p>



<p>Zuvor hatte eine bayerisch-württembergische Kommission die bisherige Grenze (siehe Karte) zwischen beiden Staaten neu verhandelt und sich dabei an den Flüssen als Grenze orientiert.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="654" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayern-1806.png?resize=600%2C654&#038;ssl=1" alt="Karte von Bayern im Jahr 1806. " class="wp-image-4928" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayern-1806.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayern-1806.png?resize=275%2C300&amp;ssl=1 275w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rheinbund_1806,_political_map.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ziegelbrenner/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Der Grenzvertrag hatte auch Folgen für andere Teile Bayerns: So machte er Memmingen zur Grenzstadt. Im heutigen Oberfranken verschob sich das Zentrum durch den Vertrag. Denn der Regierungssitz wechselte in das neu erworbene Bayreuth und die ehemalige Bischofsresidenz Bamberg verlor an Bedeutung.</p>



<p>Der Vertrag stand stellvertretend für die verschiedenen Veränderungen in Bayern während der Ära Napoleons.</p>



<p>So nahm das Königreich Bayern wenige Tage nach dem Grenzvertrag endgültig <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/autofreundliche-altstadt-regensburg/">Regensburg</a> in Besitz und machte es zur Hauptstadt des späteren Bezirks Oberpfalz. Dafür büßte Amberg seine jahrhundertealte Hauptstadtfunktion ein.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Grenzvertrag anders verhandelt worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="sued-nord-bahn">19. 1838: Die umstrittene Ludwig-Süd-Nord-Bahn</h3>



<p>Als das Eisenbahnzeitalter in Bayern anbrach, bedeutete dies für verschiedene Regionen langfristige Entscheidungen. Denn die Eisenbahn war im 19. Jahrhundert der entscheidende Treiber für die Industrialisierung der an sie angeschlossenen Städte und Regionen.</p>



<p>Entsprechend war die geplante Trasse der Ludwig-Süd-Nord-Bahn umstritten. Denn sie war die erste ganz Bayern durchquerende Eisenbahnstrecke.</p>



<p>So bildeten sich in Bayreuth und Hof Eisenbahnkomitees, die für einen Anschluss an die Ludwig-Süd-Nord-Bahn warben. Bayreuth argumentierte mit dem Hauptstadtstatus, Hof mit einem besseren Anschluss an das sächsische Eisenbahnnetz.</p>



<p>1838 entschied König Ludwig I. schließlich, dass die Strecke in Oberfranken von Bamberg über Kulmbach nach Hof führen sollte. Damit gewann Hof nicht nur einen Verkehrsknotenpunkt, sondern auch die Möglichkeit zur Versorgung mit Steinkohle aus dem Zwickauer Revier. So wurde Hof eine der ersten Industriestädte von Oberfranken und Bayern.</p>



<p>Auch in Bayerisch-Schwaben war die Streckenführung der Ludwig-Süd-Nord-Bahn umkämpft. Ursprünglich sollte die Strecke zwischen Augsburg und Lindau auf einer technisch einfacheren Route gebaut werden. Denn das Allgäu war aufgrund seiner gebirgigen Landschaft (siehe Bild aus der heutigen Zeit unten) für Planer und Ingenieure bereits eine enorme Herausforderung.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Zugfahrt-Allgaeu.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Foto eines modernen Zuges mit zwei Triebwägen in einer Stadt im Allgäu vor den Bergen der Alpen" class="wp-image-6478" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Zugfahrt-Allgaeu.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Zugfahrt-Allgaeu.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Hagen Simon/Shuttertock)</figcaption></figure>



<p>Der geplanten Streckenführung widersetzten sich jedoch Kempten und Kaufbeuren am Ende erfolgreich, und die Bahnstrecke musste auf der technisch schwierigeren Route gebaut werden. Letztere erwies sich jedoch als wirtschaftlich erfolgreich und förderte die ab 1840 einsetzende Industrialisierung im Allgäu, zum Beispiel mit Textilherstellung in Kaufbeuren.</p>



<p>Auch andere neue Eisenbahnstrecken waren umstritten: In Unterfranken sorgte die Ludwigs-West-Bahn ab 1852 durch eine länger als ursprünglich geplante Streckenführung für das Aufblühen von Schweinfurt als Industriestandort. In der Oberpfalz profitierten Schwandorf und Weiden von der Eisenbahn, während Amberg verkehrstechnisch zurückfiel.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn sich König Ludwig I. für eine der anderen Eisenbahnstrecken entschieden hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="ludwig-II">20. 1886: Der vermeidbare Tod von Ludwig II.</h3>



<p>Als das Königreich Bayern 1871 Teil <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/kaisertag-oliver-henkel/">des Deutschen Reiches</a> wurde, verlor der junge König Ludwig II. große Teile seiner bisherigen Macht. Als er, und der ihn begleitende Psychiater Bernhard von Gudden am Abend des 13. Juni im Starnberger See starben, begann mit dem bis heute ungeklärten und von zahlreichen Theorien überwucherten Tod der Mythos um den <em>„Märchenkönig“</em>.</p>



<p>Verstärkt durch seine heute als Tourismusmagneten bestehenden Bauten Linderhof, Herrenchiemsee (beides in Oberbayern) und das im Allgäu liegende Neuschwanstein prägte er das Bild von Bayern bis in die heutige Zeit.</p>



<p>Deren Baukosten führten aber 1886 mit zur Absetzung von Ludwig II. Erleichtert wurde dies durch sein immer soziopathischeres Verhalten, das in Regierung und Bevölkerung auf Unverständnis stieß.</p>



<p>Als für die amtierende Landesregierung die Gefahr bestand, vom König abgesetzt zu werden, stieß diese seine rechtlich umstrittene Absetzung an. Basis war ein fachlich ungeeignetes Gutachten durch Bernhard von Gudden.</p>



<p>Als eine Kommission am 10. Juni 1886 in Neuschwanstein (siehe Bild) eintraf, um Ludwig II. abzusetzen, endete ihr Besuch im Desaster. Auf Befehl des Königs nahm die Gendarmerie von Füssen deren Mitglieder gefangen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="394" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Schloss-Neuschwanstein.jpg?resize=600%2C394&#038;ssl=1" alt="Foto von Schloss Neuschwanstein" class="wp-image-2771" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Schloss-Neuschwanstein.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Schloss-Neuschwanstein.jpg?resize=300%2C197&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Natalia Klenova/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dann jedoch blieb Ludwig II. überraschenderweise passiv. Weder folgte er Ratschlägen, nach München zu fahren, um sich dem Volk zu zeigen, oder nach Tirol zu fliehen. Noch ergriff er weitere Sicherungsmaßnahmen oder regierte auf die ohne sein Wissen erfolgte Freilassung der Kommission.</p>



<p>Vermutungen gehen davon aus, dass der wirklich kranke König unter einem plötzlichen Schub von Depression litt.</p>



<p>Der Rest der Geschichte ist Teil des Mythos: In der Nacht vom 11. auf den 12. Juli ließ sich Ludwig II. ruhig und widerstandslos durch eine zweite Kommission unter von Gudden gefangen nehmen. Erst der am nächsten Tag erfolgte mysteriöse Tod machte aus der <em>„Königskrise“</em> dann den <em>„Märchenkönig“</em>.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Ludwig II. zwischen dem 10. und 12. Juni nach München oder Tirol geflohen wäre oder sich gegen eine Gefangennahme geschützt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="kurt-eisner">21. 1919: Die sekundenschnelle Ermordung von Kurt Eisner</h3>



<p>Am 21. Februar 1919 schien die Zeit linker Macht in München und Bayern endgültig zu Ende zu gehen: Zwar wurde das Land seit dem Sturz der Wittelsbacher Monarchie am Ende des Ersten Weltkrieges von einer Revolutionsregierung unter dem Ministerpräsidenten Kurt Eisner regiert.</p>



<p>Dieser unabhängige Sozialdemokrat hatte am 7. November 1918 die Republik ausgerufen und danach den Freistaat Bayern begründet.</p>



<p>Nach der Niederlage bei der ersten freien Landtagswahl 1919 war Eisner aber nach Druck durch die Mehrheitssozialdemokraten bereit, zurückzutreten.</p>



<p>Doch dazu kam es nicht, als er die heutige Karl-Faulhaber-Straße (siehe Bild) betrat.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Muenchen-Kardinal-Faulhaber-Strasse.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5494" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Muenchen-Kardinal-Faulhaber-Strasse.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Muenchen-Kardinal-Faulhaber-Strasse.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Ihor Pasternak/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Auf dem kurzen Weg zwischen seinem Dienstsitz und dem Landtag folgte der demobilisierte Offizier Anton Graf Arco-Valley dem noch amtierenden Ministerpräsidenten, ohne von dessen beiden Leibwächtern und dessen Sekretär bemerkt zu werden.</p>



<p>So gelang es Arco-Valley schnell hinter Eisner zu kommen, eine Pistole zu ziehen und zwei Schüsse in dessen Nacken abzugeben. Der Ministerpräsident war auf der Stelle tot.</p>



<p>Dies löste eine Welle von Unruhen, Attentaten und linken Aufständen in München und Bayern aus.</p>



<p>So kam es zur Ausrufung <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">von mehreren, immer radikaleren Räterepubliken</a> in München und Umgebung, die erst durch rechtsradikale Freikorps blutig niedergeschlagen wurden.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich die Lage in München und Bayern entwickelt, wenn das Attentat auf Eisner erfolglos gewesen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="hitler">23. 1923: Der gescheiterte Hitler-Putsch</h3>



<p>In den 1920er Jahren galt Bayern daher als Zentrum der politischen Rechten im Deutschen Reich. So vertrat der Ministerpräsident Gustav Ritter von Kahr das Konzept einer „Ordnungszelle Bayern“ gegen die <em>„marxistische“</em> und <em>„verjudete“</em> Weimarer Republik.</p>



<p>Im Herbst 1923 eskalierte dieser ideologische Konflikt auf politischer Ebene. Der mit diktatorischen Vollmachten als Generalstatthalter regierende von Kahr ignorierte einen von Reichspräsident Friedrich Ebert verhängten reichsweiten Ausnahmezustand und unterstellte rechtswidrig die bayerischen Reichswehreinheiten seinem Oberbefehl. In seinem Umfeld gab es Pläne, die <em>„Ordnungszelle Bayern“</em> als Ausgangspunkt für eine nationale Erhebung und einen <em>„Marsch auf Berlin“</em> zu nutzen.</p>



<p>Diese angespannte Atmosphäre wollte Adolf Hitler mit seiner inzwischen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/nacht-der-braunen-schatten-katharine-burdekin/">40.000 Mitglieder umfassenden NSDAP</a> ausnutzen. Die Nationalsozialisten waren unter ihm zu einer starken Kraft im rechtsextremistischen Spektrum herangewachsen, ohne Einfluss auf die Landespolitik zu gewinnen.</p>



<p>Ausgangspunkt <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/1889-geschichte-machen-von-stephen-fry/">der Pläne Hitlers</a> war eine Kundgebung der <em>„Vaterländischen Verbände“</em> im Münchner Bürgerbräukeller am 8. November 1923, bei der auch von Kahr, Ministerpräsident von Knilling sowie die Oberbefehlshaber der bayerischen Reichswehr und der Landespolizei anwesend waren.</p>



<p>Zwar <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-staehlerne-traum-norman-spinrad/">gelang es den Nationalsozialisten</a> unter Adolf Hitler und dem bekannten Weltkriegsgeneral Erich von Ludendorff, diese Kundgebung zu stürmen und unter dem Jubel des Publikums eine <em>„nationale Revolution“</em> zu verkünden.</p>



<p>Als sie jedoch die anwesenden Landespolitiker entließen, begannen diese, den Widerstand gegen den <em>„Hitlerputsch“</em> zu organisieren.</p>



<p>Daher scheiterte ein Demonstrationszug am nächsten Tag im Feuer der bayerischen Landespolizei an der Feldherrnhalle (siehe Bild aus der heutigen Zeit).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="403" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Muenchen-Odeonsplatz-Feldherrnhalle.jpg?resize=600%2C403&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5495" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Muenchen-Odeonsplatz-Feldherrnhalle.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/10/Muenchen-Odeonsplatz-Feldherrnhalle.jpg?resize=300%2C202&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Diego Grandi/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Nach der Niederschlagung des <em>„Hitlerputsches“</em> kam es zu einer kurzfristigen Schwächung der <em>„Ordnungszelle Bayern“</em>. Langfristig profitierte aber Adolf Hitler von der durch den Putsch und die darauffolgende Gerichtsverhandlung gestiegenen Bekanntheit.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich der "Hitlerputsch" in München entwickelt, wenn die Nationalsozialisten die im Bürgerbräukeller anwesenden Landespolitiker nicht freigelassen hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="georg-elser">24. 1939: Das zu präzise Attentat von Georg Elser</h3>



<p>Diesen Putschversuch <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/wenn-das-der-fuehrer-wuesste-otto-basil/">feierten die Nationalsozialisten</a> jedes Jahr, vor allem nach <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/der-consul-christian-von-ditfurth/">ihrer Machtergreifung 1933</a>, am Jahrestag in München.</p>



<p>1938 brachte dies den Möbeltischler Georg Elser auf die Idee eines Attentats.</p>



<p>Dieses bereitete er akribisch vor.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Er ließ sich an 30 Tagen im Bürgerbräukeller einsperren, um eine Säule neben dem Rednerpult von Hitler für seine Bombe auszuhöhlen.</li>



<li>Zusätzlich wählte er eine Säule aus, die statisch enorm wichtig für den Keller war, denn sie stabilisierte zwei Längs- und einen Querträger, die weitere Träger stützten.</li>



<li>Er baute in den Mechanismus zwei Uhrwerke ein, um eine zeitlich präzise Detonation zu sichern.</li>



<li>Die Bombe an sich war, wie selbst die Ermittler einräumten, meisterhaft konstruiert und funktionierte problemlos.</li>
</ul>



<p>Alles verlief wie geplant: Am 8. November 1939 explodierte um 21 Uhr 20 die Bombe und führte nach der unmittelbaren Detonation zum Einsturz der ganzen Dachkonstruktion. Der Bürgerbräukeller war danach eine einzige Trümmerlandschaft und es kam zu acht Toten sowie 63 Verletzten.</p>



<p>Nur Hitler (siehe Bild) und seine Entourage waren nicht darunter.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="600" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=600%2C600&#038;ssl=1" alt="Münze mit dem Bild von Adolf Hitler und dem Motto &quot;Unser die Zukunft Adolf Hitler&quot;" class="wp-image-3088" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/05/Adolf-Hitler-Zukunft.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Sytilin Pavel/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Entgegen der Ankündigung und seiner sonstigen Redegewohnheit hatte Hitler den Saal bereits 13 Minuten vor der Explosion verlassen. Denn im nebligen München musste er statt mit dem Flugzeug mit dem früher fahrenden Zug reisen.</p>



<p>Damit scheiterte das durch den Einzelgänger perfekt vorbereitete Attentat.</p>



<p>Elser wurde bereits vor dem Attentat beim gescheiterten Grenzübertritt verhaftet und später mit dem Anschlag in Verbindung gebracht. Danach wurde er gefoltert, ins Konzentrationslager eingeliefert und dort kurz vor Kriegsende ermordet. Erst lange nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde sein Attentatsversuch Teil der bundesdeutschen Erinnerungskultur.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn das Attentat auf Hitler 1939 gelungen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="amberg">25. 1945: Die tödlich verhinderte Verteidigung von Amberg</h3>



<p>Am Ende der nationalsozialistischen Herrschaft und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">des Zweiten Weltkrieges</a> ging es für viele bayerische Städte nur noch darum, <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/im-jahre-ragnaroek-oliver-henkel/">einer Zerstörung</a> zu entgehen.</p>



<p>Denn <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">als die US-Amerikaner</a> im April 1945 nach Bayern vorstießen, war die fast zerschlagene Wehrmacht zu keinem durchgängigen Widerstand mehr in der Lage. Da die Angreifer allerdings kurz vor Ende Krieges keine Risiken mehr eingehen wollten, führte auch nur geringer örtlicher Widerstand zu massiven Bombardements durch die US-Luftwaffe und Artillerie. Das erlebte zum Beispiel das oberpfälzische Neumarkt, das von wenigen hundert Soldaten mehrere Tage verteidigt und so fast vollständig zerstört wurde.</p>



<p>Im benachbarten Amberg waren die meisten nationalsozialistischen Verantwortlichen gegen eine Verteidigung der Stadt durch die wenigen verbliebenen Truppen. Zumal die Stadt (siehe Bild vom Mariahilfberg aus der heutigen Zeit) bis dahin von größeren Zerstörungen verschont geblieben war.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="506" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Blick-auf-Amberg.jpg?resize=600%2C506&#038;ssl=1" alt="Blick vom Mariahilfberg auf die Stadt Amberg und ihre historische Altstadt." class="wp-image-5945" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Blick-auf-Amberg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Blick-auf-Amberg.jpg?resize=300%2C253&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Der Kreisleiter der NSDAP, Artur Kolb, forderte jedoch eine bedingungslose Verteidigung von Amberg und die anderen Verantwortlichen, darunter der Bürgermeister, wagten nicht, gegen ihn zu agieren.</p>



<p>Als die US-Amerikaner daraufhin am 22. April die Beschießung der Stadt begannen, wollte Kolb mit einem Auto die Front am Mariahilfberg inspizieren. Dabei geriet sein Wagen in das Gewehrfeuer der Angreifer. Kolb wurde schwer verwundet und starb kurz darauf.</p>



<p>Das so entstandene Machtvakuum nutzten die restlichen Amberger Verantwortlichen, um zu kapitulieren. Daher nahmen die US-Amerikaner Amberg am 23. April ohne Widerstand und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/morbus-kitahara-christoph-ransmayr/">ohne größere Zerstörunge</a>n ein.</p>



<p>Solche dramatischen Entwicklungen spielten sich auch in anderen Städten ab: Im schwäbischen Nördlingen konnten nur zähe Verhandlungen mit dem Stadtkommandanten der Wehrmacht das Einziehen von weißen Flaggen so lange verzögern, bis der Kommandant die Stadt verließ und Nördlingen ohne Zerstörung an die US-Amerikaner übergeben werden konnte.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Amberger NSDAP-Kreisleiter Kolb nicht am 22. April erschossen worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="neu-gablonz">26. 1945: Das Kaufbeurer Neu-Gablonz</h3>



<p>Als es nach 1945 zur Vertreibung unter anderem der Sudetendeutschen kam, suchte eine Gruppe um den Diplomingenieur Erich Huschka einen neuen Standort für die Vertriebenen aus der Stadt Gablonz an der Neiße. Diese war bis dahin ein Zentrum der böhmischen Glas- und Schmuckherstellung gewesen. Diese Wirtschaftsstruktur wollte die Gruppe in Deutschland wiederaufbauen.</p>



<p>Dazu sondierten sie verschiedene Regionen, zum Beispiel in Süddeutschland und im Bayerischen Wald. Kaufbeuren (siehe Bild unten) in Bayerisch-Schwaben war eine Möglichkeit wegen einer ehemaligen Sprengstofffabrik mit einem großen Gelände und eigener Versorgungsinfrastruktur.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="200" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Altstadt-Kaufbeuren.jpg?resize=600%2C200&#038;ssl=1" alt="Panoramabild der Altstadt von Kaufbeuren mit alter Stadtmauer und Kirchentürmen" class="wp-image-6477" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Altstadt-Kaufbeuren.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Altstadt-Kaufbeuren.jpg?resize=300%2C100&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(cityfoto24/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Allerdings war der für Wirtschaftsfragen zuständige Beamte im Kaufbeurer Rathaus gegen eine Ansiedlung der Vertriebenen, da er das Gelände als ungeeignet ansah.</p>



<p>Huschka gelang es, diesen Widerstand zu überwinden, indem er einen ausgearbeiteten Ansiedlungsplan für Kaufbeuren direkt an die bayerischen Ministerien schickte. Diese waren sehr daran interessiert, die Gablonzer Industrien in Bayern anzusiedeln. Der damalige bayerische Wirtschaftsminister Ludwig Erhard favorisierte allerdings eine Ansiedlung der Gablonzer mehrheitlich im Fichtelgebirge und in Bayreuth.</p>



<p>Ein weiteres Hindernis waren Vorbehalte der US-amerikanischen Besatzungsbehörden, die gegen eine geschlossene Ansiedlung der Sudetendeutschen auf diesem Gelände waren. Dies konnte der Oberbürgermeister von Kaufbeuren erst umgehen, als er die kommunale Planungshoheit über das Gelände beanspruchte. Damit übernahm die Stadt auch die Verantwortung für die kostspielige Infrastruktur von den US-Amerikanern.</p>



<p>Somit gelang es ab Juni 1946, die Gablonzer im neuen Stadtteil Kaufbeuren-Hart anzusiedeln. 1952 erfolgte die Umbenennung in Kaufbeuren-Neugablonz. Die dort angesiedelte Industrie erwies sich bis in die 1970er Jahre als Wachstumsmotor der Stadt und Region. Bis 1961 verdreifachte Kaufbeuren so durch die 17.000 Vertriebenen seine Einwohnerzahl.</p>



<p>Lange blieb Neu-Gablonz eine Sprachinsel des im sudetendeutschen Gablonz gesprochenen <em>„Paurischen“</em> und bis in die heutige Zeit sind dort Traditionen aus dem böhmischen Kulturkreis lebendig.</p>



<pre class="wp-block-verse">Welche Folgen hätte eine Ansiedlung der Gablonzer an einem anderen Standort gehabt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="aschermittwoch">27. 1948: Der &#8222;erste politische&#8220; Aschermittwoch</h3>



<p>Bereits 1919 hatte der Bayerische Bauernbund den traditionellen Viehmarkt in Vilshofen zu einer Volksversammlung geladen, um bei den Bauern in Niederbayern für seine politischen Ziele zu werben.</p>



<p>Dies begründete jedoch keine langfristige Tradition. Erst 1927 kam es zu einer neuen Kundgebung des Christlichen Bauernvereins, der im Kernland des Bayerischen Bauernbundes dessen Einfluss zurückdrängen wollte.</p>



<p>Erst 1932 gab es nach mehrjähriger Pause erstmals mehr als eine Veranstaltung am Aschermittwoch in Vilshofen (siehe Bild): Neben dem Christlichen Bauernverein hielt die Bayerische Volkspartei eine Kundgebung ab. 1933 kam es bereits zu Veranstaltungen des Bauern- und Mittelstandsbunds sowie der Kommunisten und der NSDAP.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="322" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Vilshofen.jpg?resize=600%2C322&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5367" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Vilshofen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Vilshofen.jpg?resize=300%2C161&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Animaflora PicsStock/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Diese Entwicklung endete jedoch sofort mit der Gleichschaltung der Nationalsozialisten. Diese propagierten zwar dort bis 1937 eigene Veranstaltungen über die Wochenschau im ganzen Reich, danach fanden aber bis 1945 keine Kundgebungen mehr statt.</p>



<p>Erst 1946 lud der Bayerische Bauernverband zu einer „unpolitischen“ Veranstaltung am Aschermittwoch ein, um die Erlaubnis der alliierten Besatzungsbehörden für politische Kundgebungen zu umgehen. 1947 fand aber wiederum keine Kundgebung statt.</p>



<p>Die Initialzündung legte schließlich das Jahr 1948. Erstmals hielten Bayernpartei, CSU und SPD Großkundgebungen für die Bauern ab. Besondere Emotionalität brachte der Auftritt von Josef Baumgartner für die Bayernpartei ein, da er kurz zuvor aus der Landesregierung und der CSU ausgetreten war.</p>



<p>Dies legte den Grundstein für erbitterte politische Schlagabtausche zwischen beiden Parteien in den 1950er und Anfang der 1960er Jahre, für die besonders die Rededuelle zwischen Josef Baumgartner und dem CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß standen.</p>



<p>Damit begründete sich endgültig die bis heute bundesweit bekannte Tradition des politischen Aschermittwochs.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn sich nach 1948 keine Tradition des politischen Aschermittwochs etabliert hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="waa">28. 1989: Die kontroverse Aufgabe der WAA</h3>



<p>Als sich 1985 die Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen für Wackersdorf bei Schwandorf als Standort der bundesdeutschen atomaren Wiederaufbereitungsanlage (kurz WAA, im Bild der Komplex im französischen La Hague) entschied, galt die Atomkraft als Zukunftstechnologie.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="281" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Wiederaufbereitungsanlage-La-Hague.jpg?resize=600%2C281&#038;ssl=1" alt="Foto der Wiederaufbereitungsanlage von La Hague" class="wp-image-2726" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Wiederaufbereitungsanlage-La-Hague.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/03/Wiederaufbereitungsanlage-La-Hague.jpg?resize=300%2C141&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(riekephotos/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Daher sah eine Mehrzahl der lokalen und bayerischen Politiker zuerst die Vorteile von hochqualifizierten Arbeitsplätzen in der strukturschwachen Oberpfalz.</p>



<p>Doch die Stimmung in der Bevölkerung hatte sich bereits gedreht.</p>



<p>Erste Initiativen gründeten sich und bauten den Widerstand mithilfe der Menschen in der Region auf. Vor allem der Landrat von Schwandorf, Hans Schuierer, entwickelte sich zur Symbolfigur des immer stärkeren Widerstands.</p>



<p>Höhepunkt war 1986 das <em>„Anti-WAAhnsinns-Festival“</em> in Burglengenfeld mit deutschlandweit bekannten Musikern wie Herbert Grönemeyer und circa 100.000 Besuchern.</p>



<p>Heute erinnert ein Gedenkstein am Naabufer von Burglengenfeld an den Widerstand und das Festival, aber auch an die damals gespaltene Gesellschaft.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="727" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Widerstand-WAA.jpg?resize=600%2C727&#038;ssl=1" alt="Gedenkstein zur Erinnerung an den friedlichen Widerstand gegen die Wiederaufbereitungsanlage in der Oberpfalz und an das MUsikfestival" class="wp-image-5949" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Widerstand-WAA.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/04/Gedenkstein-Widerstand-WAA.jpg?resize=248%2C300&amp;ssl=1 248w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Obwohl die Polizei, teilweise mit Gewalt, diese Proteste im Zaum hielt, sank der wirtschaftliche und politische Rückhalt für das Projekt im Laufe der 1980er.</p>



<p>Als 1988 mit dem Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß der einflussreichste Befürworter starb, beendeten seine Nachfolger das bundesweit bekannte Projekt ein Jahr später.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich eine tatsächlich gebaute Wiederaufbereitungsanlage in der Oberpfalz und in Bayern ausgewirkt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="th-deggendorf">29. 1992: Die umkämpfte Fachhochschule Deggendorf</h3>



<p>Als die bayerische Regierung Anfang der 1990er Jahre die Gründung von neuen Fachhochschulen in Aussicht stellte, löste dies in ganz Bayern einen harten Wettbewerb um die zukünftigen Standorte aus.</p>



<p>Vor allem zwischen Straubing und Deggendorf (siehe Bild) kam es zu einem langen Ringen um die Fachhochschule in Niederbayern.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="312" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Marktplatz-Deggendorf.jpg?resize=600%2C312&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5372" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Marktplatz-Deggendorf.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Marktplatz-Deggendorf.jpg?resize=300%2C156&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Martin Erdniss/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Während Straubing (siehe Bild) auf seine alte und neue Zentrumsfunktion in Niederbayern setze, argumentierte Deggendorf vor allem mit seiner günstigen Lage im Einzugsbereich des Bayerischen Waldes.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Marktplatz-Straubing.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5373" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Marktplatz-Straubing.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/09/Marktplatz-Straubing.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Boerescu/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Am Ende setzte sich Deggendorf durch und wurde 1994 Standort der heutigen <em>„Technischen Hochschule“</em>. Diese brachte mit ihren inzwischen mehreren tausend Studierenden und acht Fakultäten, vor allem aber durch ihre über ganz Ostbayern verteilten Forschungscampi entscheidende Impulse in die Stadt und Region an der Grenze zum und im Bayerischen Wald.</p>



<p>Erst 2000 zog Straubing durch die Gründung des <em>„Kompetenzzentrums für Nachwachsende Rohstoffe“</em> nach und wurde ebenfalls Hochschulstandort.</p>



<p>Auch in anderen Regionen war der Fachhochschulstandort hart umkämpft: In der Oberpfalz hatten sich sowohl Amberg als auch Weiden beworben und nach harten Diskussionen kam es zur Kompromisslösung eines Doppelstandortes in Form <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/oth-amberg-weiden/">der heutigen Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Amberg-Weiden</a>.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Straubing statt Deggendorf 1992 die Fachhochschule bekommen hätte?</pre>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellen-literatur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Tobias Appl, Alfred Wolfsteiner (Hrsg.): Auf alten Wegen durch die Oberpfalz. Zur Geschichte der Mobilität und Kommunikation in der Mitte Europas. (Beiträge zur Geschichte und Kultur der Oberpfalz 3). Regensburg 2022.</li>



<li>Martina Bauernfeind, Horst-Dieter Beyerstedt, Michael Diefenbacher: Nürnberg. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2017.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Mittelfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1046148825" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Lutz-Dieter Behrendt: Deggendorf. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2017.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Niederbayern&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1043270552" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Karin Dengler-Schreiber: Kleine Bamberger Stadtgeschichte. Regensburg 2013.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1059307917" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Günter Dippold: Kleine Geschichte Oberfrankens. Regensburg 2020.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1058295150" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Matthias Freitag: Regensburg. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2016.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1039876372" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Stefan Fischer: Kleine Geschichte des Allgäus. Regensburg 2024.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1068847871" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Axel Hermann: Kleine Hofer Stadtgeschichte. Regensburg 2012.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1023271403" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Reinhard Heydenreuter: Kleine Münchner Stadtgeschichte. Regensburg 2012.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberbayern&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1000916281" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Thomas Horling, Uwe Müller, Erich Schneider: Schweinfurt. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2014.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Unterfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1033858512" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Gerald Huber: Kleine Geschichte Niederbayerns. Regensburg 2015.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Niederbayern&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1063823608" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Gerhard Immler: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/K%C3%B6nigskrise_(1885/86)" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Königskrise (1885/86)</a>, in: historisches-lexikon-bayerns.de (19.10.2021).</li>



<li>Marcus Junkelmann: Das greulichste Spectaculum. Die Schlacht von Höchstädt 1704 (Hefte zur bayerischen Geschichte und Kultur, Band 30). Augsburg 2004.</li>



<li>Lars-Broder Keil, Sven Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article189020253/Attentat-auf-Kurt-Eisner-1919-Rechte-hassten-Bayerns-Regierungschef.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bayerns Ministerpräsident war für die Rechte eine Unperson.</a> Attentat auf Kurt Eisner, auf: welt.de (14.06.2021).</li>



<li>Rolf Kießling: Kleine Geschichte Schwabens. Regensburg 2021.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1062033411" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Dorit-Maria Krenn: Straubing. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2019.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Niederbayern&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1053099923" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Johannes Laschinger: Amberg. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2015.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1036516104" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Bernd Mayer: Kleine Bayreuther Stadtgeschichte. Regensburg 2010.</li>



<li>Franz Metzger: Kleine Geschichte Mittelfrankens. Regensburg 2020.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Mittelfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1058271794" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Karl Borromäus Murr: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Schlacht_von_M%C3%BChldorf,_1322" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schlacht von Mühldorf.</a> 1322, in: historisches-lexikon-bayerns.de (18.10.2010).</li>



<li>Rainer Ostermann: Kriegsende in der Oberpfalz. Ein historisches Tagebuch. Regensburg 2015.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1067920502" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Marita A. Panzer: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Ermordung_der_Agnes_Bernauer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ermordung der Agnes Bernauer</a>, auf: historisches-lexikon-bayerns.de (08.03.2010).</li>



<li>Wolf-Henning Petershagen: Ulm &amp; Neu-Ulm. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2019. <a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1053094556" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Ernst Piper: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/elser-attentat-vor-70-jahren-allein-gegen-hitler-a-948584.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Allein gegen Hitler.</a> Elser-Attentat, auf: spiegel.de (06.11.2009).</li>



<li>Tim Pröse: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/georg-elser-und-das-attentat-auf-adolf-hitler-nur-13-minuten-fehlten-a-1142134.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Es fehlten nur dreizehn Minuten.</a> Hitler-Attentäter Georg Elser, auf: spiegel.de (07.04.2017).</li>



<li>Erich Schneider: Kleine Geschichte Unterfrankens. Regensburg 2020.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Unterfranken&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1058295199" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Anna Schiener: Kleine Geschichte der Oberpfalz. Regensburg 2016.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberpfalz&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1061937507" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article157867599/Der-Kini-entlarvte-den-Putsch-bevor-er-starb.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Kini entlarvte den Putsch, bevor er starb.</a> Brief Ludwigs II., auf: welt.de (26.08.2016).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/kultur/history/article13370444/Die-Suechte-trieben-Ludwig-II-in-den-Tod.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Süchte trieben Ludwig II. in den Tod.</a> Deutsche Royals, auf: welt.de (13.05.2011).</li>



<li>Wilfried Sponsel: Das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Jahre des Neubeginns in Nördlingen (1945-1950). Neustadt an der Aisch 2020.</li>



<li>Florian Stark: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article128076618/Warum-Ludwig-II-seinen-Psychiater-in-den-Tod-zog.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Warum Ludwig II. seinen Psychiater in den Tod zog.</a> Märchenkönig, auf: welt.de (16.05.2014).</li>



<li>Michael W. Weithmann: Kleine Geschichte Oberbayerns. Regensburg 2016.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Oberbayern&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1041372312" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Florian Felix Weyh: <a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/kaufbeuren-neugablonz-wie-die-sudetendeutsche-100.html">Wie die sudetendeutsche Schmuckindustrie nach Bayern kam. Kaufbeuren-Neugablonz</a>, auf: deutschlandfunkkultur.de (03.02.2019).</li>
</ul>
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		<title>18 Punkte, an denen die Geschichte Belgiens anders hätte verlaufen können</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Sep 2024 14:06:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Belgische Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Historische Hintergründe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Geschichte des Landes ist nicht nur im Verhältnis zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen der Flamen und Wallonen reich an Wendungen und damit Ankerpunkten. Belgien zeigt sich in den historischen Hintergründen auch von einer anderen Seite als der des „künstlichen“, nur zerstrittenen Landes. Daher leistet dieser Artikel einen Beitrag zur Alternative History jenseits der Standard-Szenarien. Dieser [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Die Geschichte des Landes ist nicht nur im Verhältnis zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen der Flamen und Wallonen reich an Wendungen und damit Ankerpunkten. Belgien zeigt sich in den historischen Hintergründen auch von einer anderen Seite als der des „künstlichen“, nur zerstrittenen Landes.</p>



<span id="more-184"></span>



<p>Daher leistet dieser Artikel einen Beitrag zur <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">Alternative History</a> jenseits der Standard-Szenarien.</p>



<p><em>Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal am 22. September 2019. Er wurde am 15. September 2024 überarbeitet.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ankerpunkte</h2>



<ol class="wp-block-list">
<li><a href="#bruegge">1302: Die „Brügger Frühmette“</a></li>



<li><a href="#burgund">1419: Der erste Herzog von Burgund</a></li>



<li><a href="#bruegge-gent">1485: Der gescheiterte Aufstand gegen die Habsburger</a></li>



<li><a href="#achzigjaehriger-krieg">1567: Der kuriose Beginn des Achtzigjährigen Krieges</a></li>



<li><a href="#genter-pazifikation">1577: Die gescheiterte Genter Pazifikation</a></li>



<li><a href="#antwerpen">1585: Die verheerende Sperre der Schelde</a></li>



<li><a href="#habsburger">1598: Die einmaligen belgischen Habsburger</a></li>



<li><a href="#brabanter-revolution">1789: Die erfolglose &#8222;Brabanter Revolution&#8220;</a></li>



<li><a href="#belgische-revolution">1830: Die erfolgreiche belgische Revolution</a></li>



<li><a href="#spellingoorlog">1844: Der flämische Rechtschreibkrieg</a></li>



<li><a href="#zweisprachig">1898: Das zweisprachig-einsprachige Königreich</a></li>



<li><a href="#belgien">1914: Das wehrhafte Belgien</a></li>



<li><a href="#pierlot-spaak">1940: Die knappe Flucht der Exilregierung</a></li>



<li><a href="#genter-altar">1945: Die verhinderte Zerstörung des Genter Altars</a></li>



<li><a href="#koenigsfrage">1950: Die umstrittene Königsfrage</a></li>



<li><a href="#bruessel">1952: Brüssel als verzögerte „Hauptstadt Europas“</a></li>



<li><a href="#atomium">1958: Die knappe Fertigstellung des Atomiums</a></li>



<li><a href="#sprachgrenze">1963: Die starre Sprachgrenze</a><br><br><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ol>



<h3 class="wp-block-heading" id="bruegge">1. 1302: Die erfolgreiche Brügger Frühmette und Sporenschlacht</h3>



<p>Um 1300 entstand auf Gebiet des heutigen Belgiens in Flandern eine prosperierende Region. Städte wie Antwerpen, Brügge und Gent entwickelten sich durch die Tuchproduktion und den Handel zu neuen Zentren mit einer selbstbewussten Bürgerschaft. Ihr Reichtum erlaubte es ihnen, kampfstarke Milizen auszurüsten.</p>



<p>Die relativ unabhängige Grafschaft Flandern geriet damit in das Blickfeld des benachbarten Königreichs Frankreich. Dessen König Philipp IV. unterwarf 1297 das Land und erhöhte mithilfe französischer Beamter die Steuern massiv.</p>



<p>Fünf Jahre später kam es zum Aufstand unter Verwandten des abgesetzten Grafen, Guido von Flandern und Wilhelm von Jülich. Als Auftakt stürmten die Bürger in Brügge unter Jan Breydel und Pieter de Coninck (siehe Bild einer Statue unten) das Rathaus und massakrierten in der <em>„Brügger Frühmette“</em> sowohl die französischen Verwalter als auch die französische Garnison.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="483" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2019/09/Br%C3%BCgger-Fr%C3%BChmette-1.jpg?resize=600%2C483&#038;ssl=1" alt="Foto der Statue der Anführer der Brügger Frühmette." class="wp-image-243" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2019/09/Br%C3%BCgger-Fr%C3%BChmette-1.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2019/09/Br%C3%BCgger-Fr%C3%BChmette-1.jpg?resize=300%2C242&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /></figure>



<p>Als Reaktion setzte Philipp IV. ein Heer in Bewegung, dass die aufständischen Städte zurückerobern sollte. Es stand unter dem Oberbefehl des erfahrenen Grafen Robert von Artois und zählte knapp 2.000 Ritter als Kern.</p>



<p>Vor Kortjik in Westflandern trafen die Angreifer am 11. Juli 1302 auf das flämische Aufgebot mit knapp 10.000 Mann, das sich vor allem aus den Bürgermilizen der Städte rekrutiert hatten. Die wenigen flämischen Ritter hatten sich eingereiht.</p>



<p>Hier kam es zur <em>„Sporenschlacht“</em>. Denn die angreifenden Franzosen scheiterten am sumpfigen Gelände, das die Flamen zusätzlich mit Gruben präpariert hatten, und an den geschlossenen Linien der Verteidiger.</p>



<p>Als die Flamen anschließend mit ihren Hellebarden, den <em>„Goedendags“</em>, zum Angriff übergingen, erlitten die Franzosen schwere Verluste. Robert von Artois sowie zwei weitere Marschälle von Frankreich fielen.</p>



<p>Damit verhinderte die Grafschaft Flandern mit den Städten eine vorzeitige Integration in das Königreich Frankreich. Die Sieger brachten mehr als 500 vergoldete Sporen als Beute in die Liebfrauenkirche von Kortjik und heute feiern die Flamen den Jahrestag der Schlacht als den Nationalfeiertag <em>„Guldensporenslag“</em>.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich die Grafschaft Flandern unter einer weiteren französischer Besatzung weiterentwickelt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="burgund">2. 1419: Der erste Herzog von Burgund</h3>



<p>1384 geriet Flandern durch Heirat an die Herzöge von Burgund, die mit Philipp dem Kühnen durch den jüngsten Sohn des Königs von Frankreich begründet wurden.</p>



<p>Dieser erwarb zwar benachbarte Gebiete wie die Grafschaft Artois im Süden Flanderns, sah er sich aber in erster Linie als Mitglied des französischen Königshauses mit Ambitionen in Paris.</p>



<p>Anders sein Enkel, der 1419 Herzog wurde: Philipp der Gute (1396-1467) betrachtete seine burgundischen und flandrischen Ländereien (siehe Bild unten) als eigenen Komplex. Daher begann er sie zu erweitern, zum Beispiel durch den Kauf des Erbrechts der Grafschaft Namur, die 1429 Teil von Burgund wurde.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="894" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/09/Karte-Burgund-Philipp-der-Gute.png?resize=600%2C894&#038;ssl=1" alt="Karte des Herzogtums Burgund unter der Herrschaft des Herzogs Philipp des Guten" class="wp-image-6879" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/09/Karte-Burgund-Philipp-der-Gute.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/09/Karte-Burgund-Philipp-der-Gute.png?resize=201%2C300&amp;ssl=1 201w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Karte_Haus_Burgund_3.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Marco Zanoli/CC BY-SA 4.0</a>)</figcaption></figure>



<p>1433 erzwang Philipp die gewaltsame Annexion von Holland, Zeeland und Hennegau. Drei Jahre zuvor hatte er bereits durch Erbfall die Herzogtümer Brabant und Limburg erworben. 1451 kaufte er noch Luxemburg von deren verschuldeten Herrscherin.</p>



<p>In allen Gebieten seines Herrschaftskomplexes gab es eigene Ständeversammlungen, die Steuern zustimmen mussten. Diese tagten 1464 für die nördlichen Gebiete erstmals gemeinsam in Brügge, woraus sich die Bezeichnung Generalstaaten entwickelte.</p>



<p>Ein erster Nukleus von Belgien (und den Niederlanden).</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätten sich Flandern und die anderen Gebiete entwickelt, wenn sich Philipp der Gute wie seine Vorgänger nach Frankreich orientiert hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="bruegge-gent">3. 1485: Der gescheiterte Aufstand gegen die Habsburger</h3>



<p>Unter den Grafen von Flandern und den Herzögen von Burgund florierten die Städte weiter. Einzelne wie Brügge, Gent (siehe Bild unten) und Ypern gelang es sogar, Teile ihres Umlands unter ihren Einfluss zu bringen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="450" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/09/Gent.jpg?resize=600%2C450&#038;ssl=1" alt="Foto der Genter Kathedrale mit den Statuen der Maler van Eyck im Vordergrund" class="wp-image-6877" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/09/Gent.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/09/Gent.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Damit konnten sie die eigene Lebensmittelversorgung steuern, erreichten aber nie den Status von unabhängigen Stadtrepubliken wie zum Beispiel Mailand in Italien. Dazu war die Macht der Grafen und Herzöge zu groß.</p>



<p>1477 kam es jedoch zu einer Schwächung der bisherigen Herrschaft. Denn der Burgunderherzog Karl der Kühne, Sohn Philipps des Guten, starb bei der erfolglosen Belagerung von Nancy ohne einen männlichen Nachfolger zu haben.</p>



<p>Seine Tochter Maria von Burgund musste zuerst den Generalstaaten im <em>„Großen Privileg“</em> das Recht einräumen, aus eigener Initiative zusammenzukommen und Kriege der Herzogstochter zu genehmigen.</p>



<p>Maria von Burgund bot daraufhin dem österreichischen Erzherzog Maximilian eine Heirat an, was der Habsburger annahm. Sie wollte damit eine Zwangsheirat mit dem französischen Königshaus verhindern, da der französische König sich das gesamte burgundische Erbe einverleiben wollte.</p>



<p>Zwar kam es bereits im August 1477 zur Heirat und Maximilian nahm im <em>Burgundischen Erbfolgekrieg </em>den Kampf mit den französischen König auf.</p>



<p>Da er aber keine eigenen finanziellen Mittel hatte, mussten vor allem die Generalstaaten den Krieg finanzieren, was seine Popularität vor Ort schwächte.</p>



<p>Als Maria von Burgund 1482 nach einem Reitunfall starb kam es zur Eskalation.</p>



<p>Gent startete einen Aufstand und nahm die Kinder von Maximilian und Maria in Gewahrsam. Die Genter Rebellen erklärten sich zu den Vormündern der Kinder, denen nach ihrer Ansicht die Herrschaft zustand, und verkündeten, mit Frankreich Frieden schließen zu wollen.</p>



<p>1488 eskalierte die Situation weiter. Gent wollte sich zu einer Stadtrepublik unter dem Schutz Frankreichs erklären. Als Maximilian von Brügge aus gegen Gent vorgehen wollte, entwaffneten Aufständische seine Landsknechte und nahmen auch ihn gefangen.&nbsp;</p>



<p>Er lehnte jedoch alle Forderungen ab, seine Herrschaftsansprüche fallen zu lassen. Obwohl ihn Teile der Aufständischen mit dem Tod drohten.</p>



<p>Erst im Mai 1488 ließen ihn die Aufständischen gegen Zusagen frei.</p>



<p>Maximilian hielt sich an keine davon und schlug den Aufstand im Laufe von vier Jahren nieder. Er sicherte damit die Herrschaft der Habsburger über die Generalstaaten.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn sich Gent und Brügge unter französischen Schutz für unabhängig erklärt hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="achzigjaehriger-krieg">4. 1567: Der kuriose Beginn des Achtzigjährigen Krieges</h3>



<p>Unter dem Habsburger Karl V. lösten sich die Generalsstaaten 1548 im Vertrag von Augsburg weitgehend aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Damit einherging eine gewisse Zentralisierungspolitik, die aber auf Widerstand in den einzelnen Städten und Provinzen stieß.</p>



<p>Diese Konflikte verschärften sich, je mehr protestantische Glaubensströmungen vor Ort Anhänger fanden. Denn Karl V. verfolgte diese als Häretiker hart, was weiteren Widerstand provozierte. Denn in den Generalstaaten galt die Gewissensfreiheit in Glaubensfragen als hohes Gut.</p>



<p>Zu einer weiteren Verschärfung kam es unter Philipp II., der Karl V. als König in Spanien und Herrscher über die Generalstaaten nachfolgte. Denn er versuchte das Land weiter von Spanien aus zu zentralisieren. Dies stieß auf den Widerstand des lokalen Adels.</p>



<p>1564 zwangen die Hochadeligen der Generalstaaten Philipp zu ersten Zugeständnissen und zwei Jahre später forderten 300 Vertreter des niederen Adels von der Statthalterin Philipps, Margarete von Parma, erfolgreich ein Aussetzen der bisherigen Ketzergesetze.</p>



<p>Doch diese vergleichsweise tolerante Religionspolitik nahmen fanatische Calvinisten zum Anlass in den Generalstaaten zum <em>„beeldenstorm“</em>, einem Bildersturm in den Kirchen, anzusetzen. Diese Verwüstungen diskreditierten die Forderungen und die Machtstellung des lokalen Adels.</p>



<p>Als Reaktion kam es zu einem kurzzeitigen Schulterschluss zwischen Adel und Statthalterin. Es folgten wenigen Hinrichtungen und kleinere Aufstände der Calvinisten wurden niedergeschlagen. Im Frühjahr 1567 war die öffentliche Ordnung wiederhergestellt und die jegliche protestantische Predigt verboten.</p>



<p>Nun zeigte sich aber ein Nachteil, der ursprünglich einen Vorteil für die lokalen Adeligen bedeutet hatte. Die Kommunikationswege zum König in Spanien waren lang. Briefe brauchten mehrere Wochen, um ihn zu erreichen und eine Reaktion hervorzurufen.</p>



<p>Dies galt auch für den Brief, der die erfolgreiche Wiederherstellung der Ordnung nach Madrid melden sollte.</p>



<p>In der Zwischenzeit hatte Philipp den Herzog von Alba mit 10.000 spanischen Elitesoldaten entsandt. Alba plädierte für ein hartes Durchgreifen. Im sogenannten <em>„Blutrat“</em> verurteilte ein Sondergericht in den nächsten Jahren über 1.000 Menschen zum Tode. Besonders die Enthauptung der Grafen Egmont und Hoorn in Brüssel galt als Symbol der spanischen Schreckensherrschaft. Denn beide Adeligen waren Teil der bisherigen Regierung und gehörten zu den mächtigsten Männern der Generalstaaten.</p>



<p>Danach schaukelte sich der Konflikt immer weiter hoch, bis er den protestantischen Aufstand, den <em>Achtzigjährigen Krieg</em> und die Abspaltung der Niederlande an dessen Ende auslöste.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Brief über die Wiederherstellung der Ordnung rechtzeitig angekommen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="genter-pazifikation">5. 1577: Die gescheiterte Genter Pazifikation</h3>



<p>Der von Wilhelm von Oranien begonnene Aufstand schien bis 1572 wenig erfolgreich zu verlaufen. Mit einer Mischung aus kalkulierter Grausamkeit und überlegener Militärmacht konnte Alba die Aufständischen bis auf Holland zurückdrängen.</p>



<p>Dort stockte sein Angriff aber am hartnäckigen Widerstand der mit dem Rücken zur Wand stehenden Aufständischen. Belagerungen scheiterten am harten Winter und an bewusst herbeigeführten Überflutungen. Alba wurde abberufen und sein Nachfolger konnte aufgrund des Staatsbankrotts von Spanien keine weiteren Angriffe organisieren, bis er plötzlich starb.</p>



<p>In diesem Machtvakuum verhandelten die Generalstaaten der 17 Provinzen über einen Friedensvertrag, der das ganze Land unter Wilhelm von Oranien vereinte: Einzigartig waren Kapitel zur Glaubensfreiheit, die ein Unterdrücken von katholischen oder calvinistischen Minderheiten verboten.</p>



<p>Die Kräfte hinter diesem Ausgleich scheiterten jedoch an den Glaubensextremisten sowohl auf calvinistischer als auch auf katholischer Seite. 1579 wandten sich die Katholiken in der <em>Union von Arras</em> wieder den Spaniern zu, während sich die Calvinisten in der <em>Union von Utrecht</em> zusammenschlossen.</p>



<p>Als Verhandlungen zwischen diesen beiden Seiten ebenfalls scheiterten, ging der <em>Achtzigjährige Krieg</em> weiter.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich eine erfolgreichere Pazifikation auf die 17 Provinzen ausgewirkt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="antwerpen">6. 1585: Die verheerende Sperre der Schelde</h3>



<p>Um 1500 war Antwerpen mit über 100.000 Einwohnern eine der größten Städte Europas. Durch das Versanden des Hafens von Brügge hatte sich der Überseehandel der Generalstaaten dorthin verlagert und machte die Stadt reich. Zeitweise war der Hafen der größte Europas.</p>



<p>Zeichen dieses Reichtums waren zahlreiche repräsentative Gebäude in der Altstadt (siehe Bild) und die zweitälteste Börse der Welt, in der die Händler Güter anboten und verkauften.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="299" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/09/Antwerpen.jpg?resize=600%2C299&#038;ssl=1" alt="Foto des Rathauses von Antwerpen mit Fahnen von vielen Ländern" class="wp-image-6880" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/09/Antwerpen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/09/Antwerpen.jpg?resize=300%2C150&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Diese Zeit endete mit den religiösen Spannungen und den daraus resultierenden Kriegen zwischen den katholischen Spaniern und den protestantischen Aufständischen.</p>



<p>Zwar gelang es den Spaniern 1585 die Stadt zurückzuerobern. Allerdings sperrten die sich bildenden Niederlande als Reaktion die Mündung der Schelde in die Nordsee und damit die Lebensader der Handelsstadt.</p>



<p>Bedeutete die Flucht von zahlreichen wohlhabenden Protestanten in die nördlichen Niederlande einen harten Einschnitt in die Stadtgeschichte, verhinderte die Sperrung der Schelde eine Erholung.</p>



<p>Denn diese Sperre hatte Jahrhunderte bestand. Sie wurde im Westfälischen Frieden 1648 erstmalig bestätigt und konnte trotz zahlreicher Verhandlungen nach den vielen Kriegen im 18. Jahrhundert nicht komplett aufgehoben werden.</p>



<p>Erst im 19. Jahrhundert mit der Bildung des Vereinigten Königreichs der Niederlande entfiel die Grenze zwischen dem heutigen Belgien und der Niederlande. Bis zur Unabhängigkeit Belgiens 1830 blühte der Handel wieder auf. </p>



<p>Danach kam es zu Rückschlägen, da die Niederlande hohe Zölle für die Durchfahrt der Scheldemündung einforderten. </p>



<p>Erst 1863 entfielen diese Gebühren nachdem Belgien und verschiedene deutsche Staaten mit Handelsbeziehungen zu Antwerpen eine enorme Einmalzahlung an die Niederlande geleistet hatten.</p>



<p>Seitdem floriert der Hafen und ist erneut die Basis für den Wohlstand von Antwerpen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Antwerpen entwickelt, wenn die Schelde nicht so lange blockiert worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="habsburger">7. 1598: Die einmaligen belgischen Habsburger</h3>



<p>Der andauernde Krieg belastete vor allem Brabant um Brüssel und Flandern bis Antwerpen schwer. Denn neben den Kriegszerstörungen und den verlorenen wirtschaftlichen Verbindungen zu den späteren Niederlanden kam es zu erheblichen Abwanderungen der protestantischen Bevölkerung. So verloren Antwerpen und Gent die Hälfte ihrer Bevölkerung.</p>



<p>Die Region schöpfte wieder etwas Hoffnung, als der spanische König Philipp II. die Herrschaft über die südlichen Generalstaaten an seine Tochter Isabella und ihren Mann Albrecht von Österreich übertrug. Sie sollten unabhängig von Spanien agieren und nur für den Fall, dass sie keine Nachfolger hatten, sollte das Land wieder unter spanische Herrschaft kommen.</p>



<p>Beide bemühten sich, ihr neues Herrschaftsgebiet wiederaufzubauen. So schlossen sie 1609 in Antwerpen einen zwölfjährigen Waffenstillstand mit den Niederlanden.</p>



<p>Die Wirtschaft begann sich so etwas zu erholen und Brüssel entwickelte sich wieder zu einem künstlerischen Zentrum. Auch war vor allem Isabella durch ihre tolerante und volksnahe Art bei der Bevölkerung sehr beliebt.</p>



<p>Unter ihrer Herrschaft kam es zur Gegenreformation und einem Aufblühen von katholisch geprägter Kunst wie in den Bildern von Peter Paul Rubens in Antwerpen. Damit prägte der Katholizismus auf die nächsten Jahrhunderte das spätere Belgien.</p>



<p>Doch da kein Kind des Paares das Erwachsenenalter erreichte, war klar, dass ihre Herrschaft nur eine Episode bleiben würde. Daher griff Spanien bereits vor dem Tod von Albrecht 1621 und von Isabella 1633 wieder verstärkt ein. So verschärften spanische Militärs und Beamte zum Beispiel die Spannungen mit den Niederlanden wieder, so dass 1621 erneut Krieg ausbrach.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich ein dritter Familienzweig der Habsburger für Belgien, die Niederlande und Europa ausgewirkt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="brabanter-revolution">8. 1789: Die erfolglose „Brabanter Revolution“</h3>



<p>So blieb das spätere Belgien unter der Herrschaft der spanischen Habsburger und nach deren Aussterben gingen die Provinzen im <em>Frieden von Utrecht </em>1713 an deren österreichische Verwandte.</p>



<p>Diese regierten die Region im 18. Jahrhundert zuerst aus der Ferne und förderten nur den Ausbau der Wirtschaft etwas. Sofern die Steuerabgaben entrichtet wurden, mischte sich Wien wenig in die Angelegenheiten vor Ort ein.</p>



<p>Dies änderte sich 1780 mit dem Herrschaftsantritt des Kaisers Joseph II. Zwar besuchte der Habsburger 1781 als erster Herrscher seit Isabella das Land, zog Erkundigungen ein und empfing in wenigen Wochen über 5.000 Menschen.</p>



<p>Doch sein Ideal war ein zentralistischer Musterstaat, der überall nach den gleichen Kriterien zum Wohl des Volkes handelte. So erließ er ein Toleranzedikt zugunsten der Protestanten und Juden, hob Klöster auf, unterstellte die Priester dem Staat und führte die zivile Eheschließung ein. Zudem hob er die Ständeversammlungen der Provinzen auf, teilte die Provinzen neu ein und reformierte die bisherigen Gerichte grundlegend.</p>



<p>Vor allem die Glaubensreformen griffen tief in das Alltagsleben der Bevölkerung ein und provozierten entschiedenen Widerstand gegen die zentralistischen Maßnahmen aus Wien.</p>



<p>1788 kam es zum gewaltsamen Aufstand. Die sogenannten <em>„Patrioten“</em> wehrten sich gegen die Reformen und bis Ende des Jahres hatten sie bis auf Luxemburg und das von den Habsburgern unabhängige Fürstbistum Lüttich fast das gesamte Gebiet des späteren Belgiens unter Kontrolle.</p>



<p>In Lüttich kam es jedoch unabhängig von den österreichischen Niederlanden 1789 ebenfalls zu einer Revolution, die aber demokratisch orientiert war und den Fürstbischof zuerst vertrieb.</p>



<p>Im Januar 1790 gründeten die Aufständischen in Brabant die <em>„Vereinigten Belgischen Staaten“.</em> Aber die maßgebliche konservative Strömung orientierten sich an der Regierungsform der mittelalterlichen Versammlungen der einzelnen Stände und an der Vormachtstellung der katholischen Kirche aus der Zeit vor den Reformen.</p>



<p>Die Aufstände im späteren Belgien hielten sich aber nicht mehr lange. Nachdem Preußen keine Unterstützung für die <em>„Brabanter Revolution“</em> zusagte, konnten österreichische Truppen sowohl die Österreichische Niederlande als auch das Fürstbistum Lüttich wieder unter Kontrolle bringen.</p>



<p>Dies währte allerdings nur kurz, denn 1792 eroberten französische Revolutionstruppen erstmals das Land.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre passiert, wenn die "Vereinigten Belgischen Staaten" weiterexistiert hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="belgische-revolution">9. 1830: Die opernhafte belgische Revolution</h3>



<p>Nachdem die Region bis 1815 unter französischer Herrschaft gestanden hatte, fiel das Land nach der Niederlage von Napoleon bei Waterloo südlich von Brüssel an das <em>Vereinigte Königreich der Niederlande.</em></p>



<p>Dieser auf dem <em>Wiener Kongress </em>neu geschaffene Staat sollte unter dem niederländischen König stark genug sein, um französischen Ansprüchen Stand halten zu können.</p>



<p>Dieses Königreich hieß zwar auf niederländisch <em>Koninkrijk der Nederlanden </em>und bezeichnete die Untertanen des Königs in dieser Sprache als <em>Nederlanders</em>. Auf Französisch hieß es jedoch <em>Royaume des Belgique </em>und die Untertanen waren <em>Belges.</em></p>



<p>Jedoch kam es im Laufe der Jahre zu einer verstärkten Vereinigungspolitik, die auf eine Übernahme des Südens durch die Niederlande hinausliefen. Vor allem die starke Förderung der niederländischen Sprache, die staatliche Kontrolle der katholische Kirche und eine anti-liberale Gesetzgebung führten zu Widerstand von unterschiedlichen Gruppen.</p>



<p>Der Konflikt verschärfte sich ab 1828, als sich liberale und konservative Gruppen zu einer <em>„Heiligen Allianz“</em> gegen den niederländischen König und seine Politik zusammenschlossen. Aufgrund der bisherigen ideologischen Gräben zwischen den Oppositionellen erhielt das Bündnis den Spitznamen <em>„Monster-Verbund“</em>.</p>



<p>Zwar kam der König der Opposition in der Sprachen- und Glaubenspolitik entgegen, pochte aber weiter auf einem absoluten Herrschaftsanspruch.</p>



<p>Daher beruhigte sich die Lage nicht.</p>



<p>1830 verschlechterte sich schließlich die wirtschaftliche Lage für die Unterschichten in den Städten und in der <em>„Julirevolution“</em> stürzten die Franzosen ihr bisheriges Königshaus.</p>



<p>So kam es am 25. August 1830 nach der Aufführung der Oper <em>„Der stumme von Portici“</em>, die einen Volksaufstand thematisierte, zum Aufruhr in Brüssel.</p>



<p>Dieser führte nicht nur zu gewalttätigen Ausschreitungen. In Folge der Unruhen bildeten sich in Belgien auch Bürgermilizen, die sofort die Macht von den niederländischen Behörden übernahmen und die schwarz-gelb-roten Fahnen von Brabant hissten.</p>



<p>Nachdem der niederländische König und sein Militär zuerst passiv geblieben waren, scheiterte im September eine Rückeroberung von Brüssel. Im Gefolge dessen übernahmen Revolutionäre in allen belgischen Städten die Macht, während sich die niederländischen Strukturen dort schlicht auflösten oder zu den Revolutionären übergingen.</p>



<p>Zwar gelang es dem Land schnell eine Verfassung zu verabschieden. Doch seine Lage war nach wie vor prekär. Einzelne Großmächte wollten die Niederländer beim Niederschlagen des Aufstandes unterstützen, wurden dann aber von Unruhen in den eigenen Ländern abgehalten. Auch verfolgte Frankreich Pläne für eine Annexion von Wallonien.</p>



<p>So garantierte 1830 die <em>Londoner Konferenz</em> der europäischen Großmächte die Unabhängigkeit und Neutralität von Belgien. Mit Leopold I. (siehe Bild) gab es ab Juli 1831 den ersten <em>„König der Belgier“</em>.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Angelina-Dimitrova-K%C3%B6nig-Leopold.jpg?resize=600%2C400" alt="Reiterstatue des Königs Leopold I. von Belgien." class="wp-image-453" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Angelina-Dimitrova-K%C3%B6nig-Leopold.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Angelina-Dimitrova-K%C3%B6nig-Leopold.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Angelina Dimitrova/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Damit war die Unabhängigkeit aber noch nicht endgültig gesichert. Die Niederländer starteten einen neuen Feldzug, um das Land zurückzuerobern. Die erst entstehenden belgischen Streitkräfte konnten dem zuerst nichts entgegensetzen.</p>



<p>Erst als Frankreich auf Seiten Belgiens eingriff, endete der <em>„Zehn-Tage-Feldzug“</em> mit einem Rückzug der Niederländer.</p>



<p>Aber erst 1839 erkannte der niederländische König die Unabhängigkeit von Belgien an.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Aufstand gescheitert wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="spellingoorlog">10. 1844: Der flämische Rechtschreibkrieg</h3>



<p>Das neue belgische Königreich war stark von der französischen Sprache geprägt, obwohl die Verfassung keine Staatsprache festlegte. Selbst in Flandern sprach die Elite Französisch, vor allem vor Gericht und in der Verwaltung.</p>



<p>Die verschiedenen flämischen Dialekte galten dagegen als primitiv und Sprache der Unterschichten. Zudem waren sie so verschieden, dass sich einzelne Dialektsprechende nicht immer untereinander verstehen konnten.</p>



<p>Die Zeit im Vereinigten Königreich der Niederlande hatte aber unter einigen flämischsprachigen Literaten den Wunsch geschaffen, ihre Sprache aufzuwerten.</p>



<p>Dabei standen sich jedoch zwei Gruppierungen gegenüber. Die <em>„Flaminganten“</em> wollten die flämischen Dialekte nach dem Vorbild des Niederländischen vereinheitlichen und durch die Aufwertung zur zweiten Standartsprache machen. Die <em>„Sprach-Partikularisten“</em> wollten dagegen die Vielfalt der Dialekte erhalten.</p>



<p>Daher kam es zwischen 1839 und 1844 zum <em>„Spellingoorlog“,</em> dem Rechtschreibkrieg unter den Literaten. Am Ende konnten sich die Befürworter einer Vereinheitlichung durchsetzen. Damit wurde Flämisch aus einer Regionalsprache mit unterschiedlichsten Dialekten zur zweiten Einheitssprache im noch französisch geprägten Königreich Belgien.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich die Zweisprachigkeit von Belgien entwickelt, wenn Flämisch eine Ansammlung von Regionaldialekten geblieben wäre? </pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="zweisprachig">11. 1898: Das zweisprachig-einsprachige Königreich</h3>



<p>Nach dem <em>„Spellingoorlog“ </em>erhoben die <em>„Flaminganten“ </em>erste Forderungen an den französisch geprägten Zentralstaat. So forderten sie die Einführung des Flämischen in der Verwaltung, in Gerichtsprozessen und in weiterführenden Schulen.</p>



<p>Diese Forderung wiesen die französischsprachigen Eliten aber in den 1840er Jahren schroff ab. Erst nach einigen Justizskandalen und einem Erstarken der flämischen Bewegung kam es in den 1870er und 1880er Jahren zu einer Umsetzung der ersten Forderungen.</p>



<p>1898 verabschiedete das Parlament sogar ein Gleichheitsgesetz, das Flämisch zur gleichberechtigen Amtssprache neben Französisch machen sollte.</p>



<p>Dagegen wandte sich jedoch die <em>Wallonische Bewegung</em>, die sich als Reaktion auf die <em>„Flaminganten“ </em>gegründet hatte. Für sie war es unzumutbar, Flämisch im ganzen Land als dem Französischen gleichgestellt zu akzeptieren. Sie forderten stattdessen erfolgreich weiter den Vorrang des Französischen und lehnten das Erlernen der flämischen Sprache ab.</p>



<p>Dies führte zur Radikalisierung der Flämischen Bewegung, die sich von einer Zweisprachigkeit im gesamten Land als Ziel verabschiedete. Stattdessen propagierte sie analog zur Wallonischen Bewegung eine exklusive Stellung des Flämischen in den nördlichen und westlichen Landesteilen.</p>



<p>Dadurch kam es langfristig zu einem Ende der Zweisprachigkeit in allen Regionen des Landes und zur Aufteilung in zwei jeweils einsprachige Gebiete.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich der belgische <em>"Sprachenstreit</em>" entwickelt, wenn Flämisch bereits 1898 Amtssprache geworden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="belgien">12. 1914: Das wehrhafte Belgien</h3>



<p>Als 1914 die <em>„Julikrise“</em> immer mehr <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/erster-weltkrieg/">zum Ersten Weltkrieg</a> eskalierte, griffen die militärischen Planungen der europäischen Großmächte.</p>



<p>So plante das Deutsche Reich im <em>„Schlieffen-Plan“ </em>zu Beginn über Belgien in Frankreich einzumarschieren und nach einem Sieg die Truppen gegen Russland einzusetzen.</p>



<p>Als Vorwand dienten angebliche Erkenntnisse über französische Einmarschpläne. In einem Ultimatum forderte das Deutsche Reich Durchmarschrechte und kündigte für den Fall einer Ablehnung einen Angriff ein. Das Ultimatum war auf 12 Stunden begrenzt.</p>



<p>Anders als von den Deutschen erwartet, entschied sich die belgische Regierung nach kurzer Diskussion zum Widerstand. Der König rief seine Armee und die Nation leidenschaftlich zum Kampf auf und riss damit die Bevölkerung mit.</p>



<p>Dennoch setzte die deutsche Armeeführung darauf, dass die belgische Armee kaum Widerstand leisten würde und könnte.</p>



<p>Eine Fehlkalkulation.</p>



<p>Bereits bei der Einnahme der für den <em>„Schlieffen-Plan“ </em><a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/leutnant-luettich/">entscheidenden Festung Lüttich</a> kam es zu längeren und heftigeren Kämpfen als erwartet. Erst der Einsatz von größeren Artilleriegeschützen brachte den Durchbruch. Auch auf dem weiteren Durchmarsch kam es immer wieder zu massiven Gefechten.</p>



<p>Da die deutsche Armee mit diesem Widerstand nicht gerechnet hatte und die Bevölkerung des Partisanenkriegs verdächtigte, kam es zu zahlreichen Kriegsverbrechen wie Massakern an der Zivilbevölkerung in den wallonischen Orten Dinant und Tamines. Oder zur Zerstörung der Universitätsstadt Löwen.</p>



<p>Am Ende gelang es der deutschen Armee nicht, ganz Belgien zu besetzen. Durch das Öffnen der Schleusen konnte die belgische Armee gemeinsam mit Briten und Franzosen die letzten Stellungen bei Nieuwpoort und Diksmuide halten.</p>



<p>Da die Bevölkerung den Widerstand im besetzten Land weiter mittrug, kollaborierte dort nur eine sehr kleine Minderheit der Flämischen Bewegung mit den Deutschen.</p>



<p>So blieb Belgien im Ersten Weltkrieg bis zum Ende aktiver Kriegsteilnehmer im Widerstand gegen die deutschen Angreifer.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte es sich auf den Ersten Weltkrieg ausgewirkt, wenn Belgien sich nicht verteidigt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="pierlot-spaak">13. 1940: Die knappe Flucht der Exilregierung</h3>



<p>Auch <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">im Zweiten Weltkrieg</a> überfiel das Deutsche Reich Belgien.</p>



<p>Anders als im vorangegangen Konflikt hielt die belgische Armee aber dem Angriff nur 18 Tage stand. Am 28. Mai 1940 erklärte König Leopold III. als Oberbefehlshaber eigenmächtig und überraschend die Kapitulation der Streitkräfte.</p>



<p>Damit kam es auch zum Bruch mit der belgischen Regierung unter Premierminister Hubert Pierlot von der Katholischen Partei und Außenminister Paul Henri Spaak von den Sozialisten, letzterer einer der Väter der späteren europäischen Einigung.</p>



<p>Denn der König weigerte sich ebenfalls, der Regierung ins Exil zu folgen und an der Seite der Alliierten, zum Beispiel mit der belgischen Kolonie Kongo, weiterzukämpfen. Stattdessen begab er sich freiwillig in die Kriegsgefangenschaft des Deutschen Reiches.</p>



<p>Für den eher autokratisch eingestellten Monarchen hatte eine Sicherung des belgischen Staates und der Monarchie Priorität. Durch den aus seiner Sicht unvermeidlichen deutschen Sieg war eine demokratische Ausgestaltung Belgiens für ihn nicht mehr zwangsläufig.</p>



<p>Premierminister Pierlot erklärte daraufhin in einer Radioansprache aus Frankreich, dass durch die Kriegsgefangenschaft des Königs dessen Befugnisse auf das Kabinett übergegangen waren.</p>



<p>Doch die führenden Köpfe dieses Kabinetts gerieten schnell selbst in Gefahr. Sie hielten sich so lange wie möglich in Frankreich auf. Nach dessen Kapitulation scheiterte aber ein erster Versuch von Pierlot und Spaak, ohne ein Visum über Spanien nach London zu gelangen.</p>



<p>Erst nach drei Tagen im Niemandsland zwischen den Grenzen konnten sie nach Spanien einreisen. Dort stellte das Franco-Regime aber Pierlot und Spaak in Barcelona unter Hausarrest, in dem sie mehrere Wochen verblieben.</p>



<p>Als sich Gerüchte verbreiteten, dass sich der <em>Reichsführer-SS</em> Heinrich Himmler in Spanien aufhalten würde, fürchteten beide eine Auslieferung.</p>



<p>Daher flüchteten sie mithilfe eines doppelten Bodens in einem Kleinlaster, den der belgische Botschafter organisiert hatte. Nach 15 Stunden Fahrt und einer erfolglosen Kontrolle durch spanische Grenzer erreichten sie schließlich Portugal.</p>



<p>Von dort aus gelangten sie nach Großbritannien und führten weiter die Exilregierung im Widerstand gegen das Dritte Reich.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Flucht von Pierlot und Spaak gescheitert wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="genter-altar">14. 1945: Die verhinderte Zerstörung des Genter Altars</h3>



<p>Der Genter Altar (siehe Bild unten) gilt als ein Meisterstück der flämischen Kunst und steht für die Blütezeit der durch Tuchhandel reichen Stadt Gent. Er war eine Auftragsarbeit der Maler Hubert und Jan van Eyck für ein reiches Bürgerehepaar, die damit eine gestiftete Kapelle in der Genter Kathedrale vervollständigen wollten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="453" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/09/Genter-Altar.jpg?resize=600%2C453&#038;ssl=1" alt="Foto des Genter Altars" class="wp-image-6878" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/09/Genter-Altar.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/09/Genter-Altar.jpg?resize=300%2C227&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Die Geschichte des Altarbildes blieb sehr bewegt, da es zum Beispiel zwischen 1794 und 1918 über Belgien, Frankreich und Deutschland verteilt war.</p>



<p>Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges scheiterte der Versuch, das Kunstwerk vor den Deutschen in Sicherheit zu bringen. Diese brachten es in ihren Besitz und lagerten es 1944 in einer Salzmine im österreichischen Altaussee ein.</p>



<p>Dort wäre es fast zur Zerstörung des Genter Altars gekommen. Der dortige Gauleiter wollte die Mine sprengen lassen, um alle dort gelagerten Kunstwerke nicht in die Hände der Kriegsgegner fallen zu lassen.</p>



<p>Doch es gelang lokalen Verantwortlichen, die Sprengung zu verhindern und die anrückenden Alliierten zu informieren.</p>



<p>Diese sicherten nach der Kapitulation des Dritten Reiches die Kunstwerke und gaben den Genter Altar nach Belgien zurück, wo er noch heute in der Kathedrale ausgestellt wird.</p>



<p>Der Raub und die Rettung des Genter Altars waren 2014 sogar – relativ frei – Thema des Kinofilms<em> „Monuments Men“</em>.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="koenigsfrage">15. 1950: Die umstrittene Königsfrage</h3>



<p>Nach Kriegsende kam es in Belgien zu heftigen Auseinandersetzungen um die Rolle der Menschen während der deutschen, nationalsozialistischen Besatzungszeit.</p>



<p>Zwar hatte jeweils nur eine Minderheit kollaboriert oder war im Widerstand gewesen. Doch der Streit, wie vor allem mit den Kollaborateuren zu verfahren war, belastete die Nachkriegsgesellschaft.</p>



<p>Zudem kam es schnell zu einer Verkürzung auf den Konflikt zwischen Flandern und Wallonien, da die Flamen unter dem Verdacht standen, mehr mit den Deutschen zusammengearbeitet zu haben.</p>



<p>Die Auseinandersetzung drehte sich vor allem um die Rolle von König Leopold III. während seiner Kriegsgefangenschaft. Galt diese zuerst in der belgischen Bevölkerung als ein Akt der Solidarität, hatten seine Handlungen danach seine Glaubwürdigkeit untergraben.</p>



<p>So hatte er 1941 eine neue Frau geheiratet, womit das Bild des mit der Bevölkerung leidenden Kriegsgefangenen Schaden nahm. Zudem war seine 1935 verstorbene erste Frau sehr beliebt gewesen.</p>



<p>Zwar hatten ihn die Nationalsozialisten 1944 in das Deutsche Reich verschleppt. Dennoch warnte Leopold III. nach Kriegsende vor einer Besetzung Belgiens durch die Alliierten, forderte eine Entschuldigung der Exilregierung um Pierlot wegen des Bruchs mit ihm 1940 und verurteilte weder die Kriegsverbrechen der Nationalsozilisten, noch würdigte er den belgischen Widerstand.</p>



<p>Die belgische Regierung ernannte zuerst seinen jüngeren Bruder zum Übergangsregenten und vertagte die Frage nach einer Rückkehr Leopolds.</p>



<p>Während Leopold für Kommunisten und Sozialisten, die federführend im Widerstand gewesen waren, ein Symbol der Kollaboration war, befürworteten die Konservativen ein nicht bindendes Referendum über eine Rückkehr des Monarchen. Dabei wussten sie viele Belgier hinter sich, die kollaboriert oder in der Besatzungszeit eine abwartende Haltung eingenommen hatten.</p>



<p>1950 kam es schließlich zum Referendum mit der Frage: <em>„Sind Sie der Meinung zugetan, dass König Leopold III. die Ausübung seiner verfassungsmäßigen Befugnisse wieder aufnehmen sollte?“</em></p>



<p>Einerseits stimmte dabei eine Mehrheit von 58 % für die Wiederaufnahme. Andererseits hatten in Brüssel nur 48 % und in Wallonien 42 % dafür gestimmt, während es in Flandern 72 % waren. Dies beförderte die regionale Spaltung, obwohl der König eigentlich ein Bindeglied des ganzen Landes sein sollte.</p>



<p>Nachdem die Konservativen mit absoluter Mehrheit die danach folgende Parlamentswahl gewonnen hatten, kehrte Leopold III. als König zurück.</p>



<p>Dies führte zur sofortigen Eskalation auf Seiten der Kommunisten und Sozialisten. Es kam zu Streiks, Demonstrationen und Krawallen, die in Lüttich sogar zu Toten führten. Die Drohungen der Linken im Parlament beförderten bei den Konservativen die Furcht vor revolutionären Verhältnissen.</p>



<p>Die konservative Regierung legte Leopold III. daher eine Abdankung nahe, die er aber erst vollzog, als die Regierung geschlossen mit Rückzug drohte. Nachfolger wurde sein 20jähriger Sohn Baudouin, der bis zu seinem Tod 1993 König und Integrationsfigur blieb.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Leopold III. nicht zurückgetreten wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="bruessel">16. 1952: Brüssel als verzögerte &#8222;Hauptstadt Europas&#8220;</h3>



<p>Wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges gründete sich 1951 die <em>Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl</em> mit den Mitgliedern Frankreich, Italien, Niederlande, Belgien, Luxemburg und Westdeutschland.</p>



<p>1952 sollte die Organisation die Arbeit aufnehmen. Die Auswahl des Standortes für die Institutionen verzögerte sich aber. Eine Mehrzahl der Mitglieder war zwar für Brüssel, da die Stadt zentral gelegen, von den Verkehrswegen her gut angebunden, mehrsprachig und nicht Hauptstadt eines großen Landes war.</p>



<p>Doch Belgien war zuerst dagegen. Denn die belgische Regierung wollte die europäischen Institutionen nach Lüttich vergeben. Einmal, weil es das Zentrum der belgischen Kohle- und Stahlindustrie war. Und zum anderen, um die Gemüter nach den Unruhen um die Königsfrage zu besänftigen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/ASkwarczynski-Br%C3%BCssel.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Flaggen der Europäischen Union in einer Flagge und Flaggen der Länder der Europäischen Union." class="wp-image-451" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/ASkwarczynski-Br%C3%BCssel.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/ASkwarczynski-Br%C3%BCssel.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /></figure>



<p>Die anderen Länder waren jedoch dagegen und wählten zuerst Luxemburg sowie Straßburg als Standorte der Institutionen.</p>



<p>Erst 1957 mit Gründung der <em>Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft</em> (EWG) kam nochmals Bewegung in die Frage. Die neuen Institutionen wurden zuerst im halbjährigen Wechsel von jeweils einem Mitgliedsland geleitet. Und da Belgien im Alphabet zuerst kam, mietete der erste Präsident des europäischen Ministerrats, der belgische Außenminister, ein Gebäude in Brüssel an.</p>



<p>Damit war noch keine Einigung über den zukünftigen Sitz verbunden. Aber da es diese auch in den folgenden Jahren nicht gab, blieben die EWG-Institutionen in Brüssel und begannen weitere Gebäude anzumieten oder zu bauen.</p>



<p>Erst 2000 wurde Brüssel etwas offiziell Sitz der Institutionen der <em>Europäischen Union</em>, als die Regierungschefs beschlossen, ihre halbjährigen Konferenzen nur noch dort abzuhalten.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wo wären die Europäischen Institutionen gelandet, wenn Brüssel sich nicht beworben hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading atomium" id="atomium">17. 1958: Die knappe Fertigstellung des Atomiums</h3>



<p>1953 bekam die belgische Hauptstadt Brüssel den Zuschlag für die erste Weltausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg.</p>



<p>Unter dem Motto <em>„Die Arbeit der Welt – für eine menschliche Welt“ </em>sollte die Expo als Schaufenster für Brüssel, Belgien und die Welt dienen und einen fast grenzenlosen Fortschrittsoptimismus propagieren.</p>



<p>Ein Herzstück der Weltausstellung stellte das Atomium (siehe Bild unten) dar, das in einer einzigartigen Architektur eine milliardenfache Vergrößerung der Elementarzelle von Eisen darstellte. Es sollte somit sowohl die Atomenergie als auch die Wissenschaft symbolisieren, die der Menschheit den Fortschritt bringen würden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="585" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/09/Atomium.jpg?resize=600%2C585&#038;ssl=1" alt="Foto des Atomiums in Brüssel" class="wp-image-6882" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/09/Atomium.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/09/Atomium.jpg?resize=300%2C293&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Durch die herausfordernde Struktur war der Bau des Atomiums komplettes Neuland und für die Beteiligten Unternehmen eine enorme Herausforderung. Vor allem, da die Konstruktion sowohl schnell als auch einfach ausgeführt werden sollte.</p>



<p>Trotz dieser Risiken gelang es den Verantwortlichen, das Atomium im März 1958 fertig zu stellen – einen Monat vor Eröffnung der Weltausstellung.</p>



<p>Es entwickelte sich zu einem beliebten Besuchsziel der Expo. Und blieb auch danach erhalten, obwohl zuerst ein Abriss geplant war.</p>



<p>Langfristig wurde es sogar zu einem der wenigen unumstrittenen Symbole für Belgien, da seine abstrakte Form weder Flamen noch Wallonen zugeordnet werden konnte.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn das Atomium nicht rechtzeitig zur Weltausstellung fertig geworden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="sprachgrenze">18. 1963: Die starre Sprachgrenze</h3>



<p>Ansonsten entwickelten sich beide Sprachgruppen häufig gegeneinander. Eine Entwicklung der bisherigen Sprachgrenzen ist dabei ausgeschlossen.</p>



<p>Von 1921 bis 1962 hatte es jeweils im Abstand von zehn Jahren eine Zählung gegeben, in der die Bürger angeben mussten, welche Sprache sie am meisten benutzten. Kam der Anteil einer Sprache auf 20 Prozent, später 30 Prozent, mussten bestimmte Dienste auch in dieser Sprache angeboten werden.</p>



<p>Die Flamen sahen sich dabei benachteiligt. So entwickelte sich Brüssel zu einer französischsprachigen Stadt, obwohl sie historisch in Flandern lag. Auch in den Umlandgemeinden der Hauptstadt steigerte sich durch den Zuzug aus Brüssel der Anteil der Französischsprachigen.</p>



<p>Da die Flamen diese Ausbreitung des Französischen fürchteten, die auf eine Übernahme der Hauptstadt samt Umland hinausliefen, forderten sie die Einrichtung einer festen Sprachgrenze (siehe Bild unten).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="522" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2019/09/Sprachgrenzen-Belgien.png?resize=600%2C522&#038;ssl=1" alt="Karte der flämischen, französischen und deutschen Sprachgrenzen in Belgien." class="wp-image-201" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2019/09/Sprachgrenzen-Belgien.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2019/09/Sprachgrenzen-Belgien.png?resize=300%2C261&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia Autor: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Belgium,_administrative_divisions_(communities)_-_de_-_colored.svg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">TUBS/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Als diese 1962/1963 politisch beschlossen wurde, fror sie die Verhältnisse quasi in diesen Jahren ein und sorgte für einen gestiegenen Anpassungsdruck innerhalb dieser Grenzen sowie zu einer Verstärkung der Zweiteilung von Belgien.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Belgien entwickelt, wenn die Sprachgrenzen auch noch 1963 alle zehn Jahre flexibel festgelegt worden wären?</pre>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Bob Beelen: <a href="https://www.stadtfuehrung.be/post/antwerpen-und-deutschland-eine-lange-geschichte">Antwerpen und Deutschland</a>: Eine lange Geschichte, auf: .stadtfuehrung.be (22.04.2021).</li>



<li>Christoph Driessen: Geschichte Belgiens. Die gespaltene Nation. Regensburg 2018. <a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Belgien&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1050522643" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Jan von Flocken: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article154792947/Der-erste-grosse-Sieg-des-Buergers-ueber-den-Ritter.html">Der erste große Sieg des Bürgers über den Ritter.</a> Courtrai 1302, auf: welt.de (27.04.2016).</li>



<li>Dieter Hoffmann: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/beginn-des-ersten-weltkrieges-a-947910.html">&#8222;Ich habe befohlen, die Dörfer abzubrennen&#8220;.</a> Beginn des Ersten Weltkrieges, auf: spiegel.de (11.11.2008).</li>



<li>Homepage des Atomiums mit den Artikeln <a href="https://atomium.be/expo58?lang=de">EXPO 58</a>, <a href="https://atomium.be/the_shape_of_the_atomium">DIE FORM DES ATOMIUMS</a> und <a href="https://atomium.be/construction_of_the_atomium?lang=de">DER BAU &amp; DIE WERKSTOFFE</a>.</li>



<li>Sven-Felix Kellerhoff: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article133730478/Wassermassen-retten-das-letzte-bisschen-Belgien.html">Wassermassen retten das letzte bisschen Belgien.</a> Erster Weltkrieg, auf: welt.de (28.10.2014).</li>



<li>Peter Schmidt: Der Genter Altar. Brüssel 2014.</li>



<li>Florian Stark: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article211656647/Krieg-im-Mittelalter-Wie-erstmals-ein-Buergerheer-ueber-die-Ritter-triumphierte.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bürgermilizen vernichteten Frankreichs arrogante Ritter.</a> „Sporenschlacht“ 1302, auf: welt.de (15.07.2020).</li>



<li>Dieter Wulf: <a href="https://www.deutschlandfunk.de/die-seele-von-antwerpen-100.html">Die Seele von Antwerpen</a>, auf: deutschlandfunk.de (06.01.2023).</li>
</ul>



<p></p>
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		<title>Was sind Alternative History und der Ankerpunkte Blog?</title>
		<link>https://ankerpunkte-blog.de/hintergruende/was-ist-alternative-history/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Aug 2024 16:07:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Historische Hintergründe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Alternative History beschreibt ausgehend von einer „Was wäre wenn“-Frage einen alternativen Verlauf der Geschichte. Ausgangspunkt ist ein Ereignis oder eine Entscheidung in der Vergangenheit. Anschließend gehen Wissenschaft und Literatur einer veränderten Vergangenheit und deren Folgen nach. In diesem Blog heißen diese Ereignisse und Entscheidungen Ankerpunkte. Weiterlesen</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/hintergruende/was-ist-alternative-history/">Was sind Alternative History und der Ankerpunkte Blog?</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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<p>Alternative History beschreibt ausgehend von einer „Was wäre wenn“-Frage einen alternativen Verlauf der Geschichte.</p>



<p>Ausgangspunkt ist ein Ereignis oder eine Entscheidung in der Vergangenheit. Anschließend gehen Wissenschaft und Literatur einer veränderten Vergangenheit und deren Folgen nach.</p>



<p>In diesem Blog heißen diese Ereignisse und Entscheidungen Ankerpunkte.</p>



<p class="more-link-wrapper"><a class="more-link faux-button" href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">Weiterlesen</a></p>
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		<title>22 Punkte, an denen die Geschichte von Japan vielleicht anders verlaufen wäre</title>
		<link>https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/alternative-history-japan/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Jun 2024 16:47:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Historische Hintergründe]]></category>
		<category><![CDATA[Verschwundene Reiche]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Japan weist nicht nur eine 2000-jährige Geschichte mit unterschiedlichen Entwicklungen und vielfältigen Verknüpfungen nach Asien auf. In dieser Geschichte finden sich auch zahlreiche Ankerpunkte für Alternative History, die Japan in eine andere Richtung hätten bringen können. Diese Alternative Histories hätten auch Einfluss auf die Geschichte von Asien und der Welt darüber hinaus gehabt. Das heutige [&#8230;]</p>
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<p>Japan weist nicht nur eine 2000-jährige Geschichte mit unterschiedlichen Entwicklungen und vielfältigen Verknüpfungen nach Asien auf. </p>



<p>In dieser Geschichte finden sich auch zahlreiche Ankerpunkte für Alternative History, die Japan in eine andere Richtung hätten bringen können.</p>



<span id="more-674"></span>



<p>Diese <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">Alternative Histories</a> hätten auch Einfluss auf die Geschichte von Asien und der Welt darüber hinaus gehabt.</p>



<p>Das heutige Japan (siehe Karte) erstreckt sich über seine vier Hauptinseln (Honshū, Shikoku, Kyūshū, Hokkaidō) sowie über 6.800 Nebeninseln, von denen das zu den Ryūkyū-Inseln gehörige Okinawa die größte ist.</p>



<p>Daneben ist das Land in 47 Präfekturen eingeteilt. Die größte Insel Honshū ist zusätzlich in Großregionen wie die Kantō-Ebene um die Hauptstadt Tokyo eingeteilt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="542" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Karte-Japan.png?resize=600%2C542&#038;ssl=1" alt="Karte des heutigen Japans" class="wp-image-4138" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Karte-Japan.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Karte-Japan.png?resize=300%2C271&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia-Autor: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Japan_(regions%2Bprovinces)_(-Kuril_Islands),_administrative_divisions_-_de_-_colored.svg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">TUBS/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p><em>Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal am 26. November 2021. Er wurde am 11. Juni 2024 überarbeitet.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="ankerpunkt">Ankerpunkte</h2>



<ol class="wp-block-list">
<li><a href="#paecke">663: Die gescheiterte Rückeroberung von Paekche</a></li>



<li><a href="#dokyo">769: Das zweifache Orakel des Dōkyō</a></li>



<li><a href="#dan-no-ura">1185: Die endgültige Niederlage von Dan-no-ura</a></li>



<li><a href="#mongolen">1274: Die zurückgeschlagene Invasion der Mongolen</a></li>



<li><a href="#go-daigo">1336: Die versuchte Restauration des Kaisers Go-Daigo</a></li>



<li><a href="#onin-bunmai">1467: Der Beginn des verheerenden <em>&#8222;Ōnin-Bunmei-Krieges&#8220;</em></a></li>



<li><a href="#okehazama">1560: Der unerwartete Sieger von Okehazama</a></li>



<li><a href="#oda-nobunaga">1582: Der überraschende Tod von Oda Nobunaga</a></li>



<li><a href="#sekigahara">1600: Die entscheidende Schlacht von Sekigahara</a></li>



<li><a href="#philippinen">1637/38: Die nie erfolgte Eroberung der Philippinen</a></li>



<li><a href="#tanuma-okitsugu">1788: Die gescheiterten Reformen des Tanuma Okitsugu</a></li>



<li><a href="#seidenraupe">1854: Die lukrative Seidenraupenepidemie in Europa (neu)</a></li>



<li><a href="#tokugawa">1858: Die Nachfolge des vorletzten Tokugawa- Shōgun (neu)</a></li>



<li><a href="#komei">1867: Der schnelle Tod des Kaisers Kōmei</a></li>



<li><a href="#korea">1873: Die verhinderte Invasion von Korea</a></li>



<li><a href="#inukai-tsuyoshi">1932: Die folgenreiche Ermordung von Inukai Tsuyoshi</a></li>



<li><a href="#offiziere">1936: Der umkämpfte Staatsstreich der Offiziere (neu)</a></li>



<li><a href="#pearl-harbor">1941: Der riskante Angriff auf Pearl Harbor</a></li>



<li><a href="#hirohito">1945: Der gescheiterte Putsch gegen Kaiser Hirohito</a></li>



<li><a href="#blacklist">1946: Die erfolgreiche Operation &#8222;Blacklist&#8220;</a></li>



<li><a href="#ldp">1994: Die kurzlebige Koalitionsregierung</a></li>



<li><a href="#fukushima">2011: Die verheerende Katastrophe von Fukushima (neu)</a></li>
</ol>



<p><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></p>



<h3 class="wp-block-heading" id="paecke">1. 663: Die gescheiterte Rückeroberung von Paekche</h3>



<p>Bis 562 besaß der damalige japanische Staat, <em>&#8222;Wa&#8220;</em> oder <em>&#8222;Yamato&#8220;</em>, auch Besitzungen auf der koreanischen Halbinsel. Welchen Status diese Besitzungen hatten, ist bis heute zwischen japanischen und koreanischen Historikern umstritten.</p>



<p>In jedem Fall war der japanische Staat in die Kämpfe zwischen verschiedenen koreanischen sowie chinesischen Reichen eingebunden. Gleichzeitig kam es immer wieder zu einem Kultur- und Elitentransfer.</p>



<p>Die Leistungsfähigkeit dieses japanischen Staates &#8222;Wa/Yamato&#8220; zeigten Grabhügel wie die riesige Landschaft des Daisenryō Kofun (siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Daisenryo-Kofun.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto des Grabhügels Daisenryō Kofun" class="wp-image-4143" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Daisenryo-Kofun.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Daisenryo-Kofun.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(panparinda/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Der <em>&#8222;Mimana&#8220;</em> genannte Bereich in Korea ging aber 562 verloren.</p>



<p>Als 663 das verbündete koreanische Reich Paekche vom verfeindeten Silla zerstört wurde, unternahm Wa/Yamato einen neuen Versuch, in Korea Fuß zu fassen.</p>



<p>Die Rückeroberung von Paekche scheiterte jedoch in der entscheidenden Seeschlacht von Haku-suki-no-e desaströs. </p>



<p>Stattdessen geriet Wa/Yamato nach dieser Niederlage unter Druck durch das erstarkende China unter der Tang-Dynastie. </p>



<p>Diese Entwicklung hatte weitreichende Folgen für die Geschichte Japans. </p>



<p>Die damals an die Macht gekommene Tang-freundliche Dynastie setze sich endgültig durch und etablierte das bis heute amtierende Kaiserhaus. </p>



<p>Unter diesen Herrschern begann Wa/Yamato seine Expansion weg von der koreanischen Halbinsel. Stattdessen erkämpften die Streitkräfte des neuen Kaiserhauses bis 811 Gebiete bis zur Nordspitze von Honshū gegen das Volk der Emishi und eroberten 720 Süd-Kyūshū vom Volk der Hayahito.</p>



<p>In dieser geografischen Ausdehnung blieb der nun entstandene japanische Staat bis in das 19. Jahrhundert erhalten.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Rückeroberung von Paekche nicht gescheitert wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="dokyo">2. 769: Das zweifache Orakel des Dōkyō</h3>



<p>Gleichzeitig zur territorialen Expansion veränderte sich das nun <em>&#8222;Nippon/Nihon&#8220;</em> genannte Japan.</p>



<p>Unter den neuen Kaisern, <em>&#8222;tennō&#8220;</em> genannt, und von China geprägten Reformern entwickelte es sich immer mehr zu einem zentralisierten Beamtenstaat.</p>



<p>Diese Entwicklung ging einher mit dem Erstarken des aus Indien und China kommenden Buddhismus gegenüber der einheimischen Naturreligion des Shintō.</p>



<p>So zeigte die mit enormem Aufwand 751 fertig gestellte, 15 Meter große und 450 Tonnen schwere Figur des Großen Buddha im Tōdai-ji-Tempel von Nara den starken Einfluss des Buddhismus in dieser Zeit bei den japanischen Kaisern.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Buddha-Nara.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto des Großen Buddha von Nara" class="wp-image-4142" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Buddha-Nara.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Buddha-Nara.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Luciano Mortula &#8211; LGM/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Einen vorläufigen Höhepunkt stellte die Zeit der Kaiserin Kōken dar. Denn nachdem sie der bekannte Mönch Dōkyō angeblich von einer schweren Krankheit geheilt hatte, verlieh sie ihm immer mächtigere Ämter.</p>



<p>Bald hatte er eine tennō-ähnliche Machtstellung erreicht und zahlreiche Ämter mit seinen Anhängern besetzt.</p>



<p>Höhepunkt war 769 die Bekanntgabe eines Orakelspruches, der für eine Ernennung von Dōkyō eine Friedenszeit prophezeite – der Beginn des sogenannten <em>&#8222;Dōkyō-Zwischenfalls&#8220;</em>. </p>



<p>Doch die Kaiserin war sich unsicher, da der <em>&#8222;tennō&#8220;</em> im Gegensatz zu allen anderen Ämtern des japanischen Staates – und zum chinesischen Kaiser – seine Autorität aus einer Abstammung aus der kaiserlichen Familie zog.</p>



<p>Daher bat sie um eine Bestätigung des Orakelspruches. Statt einer solchen Nachricht gab das Orakel aber bekannt, dass kein Untertan jemals Kaiser werden dürfte.</p>



<p>Dieser zweite Orakelspruch schwächte die Position Dōkyōs bei Hofe entscheidend, noch bevor Kōken 770 starb.</p>



<p>Danach wurde Dōkyō sofort vom Hof verbannt und starb zwei Jahre später im Exil.</p>



<p>Einer der Nachfolger von  Kōken, Kammu, erbaute schließlich zwei neue Hauptstädte. Seine Begründung war, dass er sich und den Hof dem zu starken Einfluss der buddhistischen Mönche entziehen wollte.</p>



<p>So gründete er im Jahr 794 mit Haian das heutige Kyoto, das bis 1869 der Sitz des japanischen Kaiserhauses bleiben sollte.</p>



<p>Zu seiner Regierungszeit entstanden außerdem in Japan neue buddhistische Schulen, die mehr mit dem traditionellen Shintō -Glauben verschmolzen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätten sich Japan und der Buddhismus dort entwickelt, wenn Dōkyō 769/770 tatsächlich Kaiser geworden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="dan-no-ura">3. 1185: Die endgültige Niederlage von Dan-no-ura</h3>



<p>Im Laufe der nächsten Jahrhunderte erodierte die Machtbasis des kaiserlichen Japans zusehends. </p>



<p>Ein Grund war, dass es den Kaisern nie gelang, zwei Prinzipien durchzusetzen.</p>



<p>Erstens konnten sie eine Vergabe von Hofämtern nie komplett an den Bildungsabschluss, also unabhängig von Familienbanden, knüpfen. </p>



<p>Stattdessen bildeten sich immer mehr Familienverbände wie die Fujiwara, die über de facto erbliche Ämter die Kaiser auf eine zeremonielle und religiöse Rolle zurückdrängten.</p>



<p>Zweitens schaffte es die zivile kaiserliche Verwaltung nicht dauerhaft, alles Land in der Hand des Staates zu halten und zu besteuern. Im Laufe der Jahrhunderte bildete sich so vor allem in den neu eroberten Gebieten ein Provinzadel, der im Grenzland kampfstarke Milizen unterhielt. </p>



<p>Aus diesen Kampfverbänden und dem Provinzadel entwickelte sich der spätere Stand der Samurai, aus denen im 12. Jahrhundert vor allem die Familien der Taira und der Minamoto herausragten.</p>



<p>Beide griffen schließlich in Streitigkeiten innerhalb der Kaiserfamilie ein.</p>



<p>Bis 1159 ging aus diesen Konflikten Taira no Kiyomori (siehe Bild) als Sieger hervor. </p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Ashikaga-Takauji.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Statue von Taira no Kiyomori" class="wp-image-4163" style="width:600px;height:400px" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Ashikaga-Takauji.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Ashikaga-Takauji.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Chi-kama/Shutterstock) </figcaption></figure>



<p>Obwohl als Provinzadeliger und Militär Außenseiter, fügte er sich noch in die Struktur des Kaiserhofes ein. So verschaffte er dort Mitgliedern seiner Familie Ämter und verheiratete sie mit dem Kaiserhaus.</p>



<p>Eine neue Entwicklung ergab sich, als nach seinem Tod die Minamoto mit ihren Verbündeten zum Gegenangriff übergingen und der <em>&#8222;Gempei-Krieg&#8220;</em> ausbrach.</p>



<p>Das Zentrum der Minamoto unter ihrem Anführer Yoritomo war die heutige Kantō-Region und der Nordosten des Landes. Yoritomo errichtete dort in Kamakura erfolgreich eine eigene Residenz mit angeschlossener Verwaltung – japanisch <em>„samurai dokoro“</em> –, die der Hauptstadt Kyoto als Herrschaftszentrum Konkurrenz machte.</p>



<p>Nachdem er sowohl Anhänger der Taira als auch Rivalen im eigenen Clan eliminiert hatte, griffen die Truppen der Minamoto die Taira erfolgreich in Kyoto an.</p>



<p>Nach mehreren Schlachten, in denen vor allem Yoshitsune no Minamoto einen Ruf als legendärer Krieger und General erwarb, kam es in der Seeschlacht von Dan-no-ura zur Entscheidung.</p>



<p>Anfangs feierte die Flotte der einheimischen Taira durch ihre größere Erfahrung und Kenntnis der Strömung Erfolge. </p>



<p>Doch als sich die Gezeiten drehten und ein Verbündeter der Taira die Seiten wechselte, endete die Schlacht von Dan-no-ura in einem Blutbad unter den Verlierern. </p>



<p>Die siegreichen Minamoto unter ihrem Anführer Yoritomo, der auch seinen Bruder Yoshitsune als möglichen Rivalen ausgeschaltet hatte, strebten aber nicht nach Ämtern und direktem Einfluss am Kaiserhof. </p>



<p>Stattdessen setzte Yoritomo eine neue Struktur durch.</p>



<p>Als <em>&#8222;Shōgun&#8220;</em>, ein vom Kaiser eingesetzter Militärherrscher, ernannte er in den verschiedenen Provinzen Militärgouverneure und militärische Verwalter von großen Landgütern.</p>



<p>Die Männer für diese Aufgaben rekrutierte Yoritomo aus seinen persönlichen Hausvasallen, die im ihm gegenüber bedingungslos loyal waren. Diese <em>„bushi“</em> wurden vor Ort zu lokalen Herrschern, waren aber nach wie vor an den Shōgun gebunden. Aus ihnen entwickelte sich die spätere Gesellschaftsschicht der Samurai.</p>



<p>Damit etablierte er von seiner Residenz Kamakura aus das System des <em>&#8222;Bakufu&#8220;</em> als &#8222;Regierung im Feldlager&#8220;, benannt nach den im Feld um die Kommandozentrale gespannten Vorhängen.</p>



<p>Mit Kamakura etablierte sich in der Folge die heutige Region Kantō als zweites Landeszentrum neben der Kinki-Region um Kyoto.</p>



<p>Beispielhaft für diesen Aufschwung sind zahlreiche Tempelbauten Kamakura, darunter der Kōtoku-in mit der bekannten Statue des Großen Buddha (siehe Bild unten).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="781" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Grosser-Buddha-Kamakura.jpg?resize=600%2C781&#038;ssl=1" alt="Große Buddha-Statue aus Metall vor einer japanischen Tempelanlage in Kamakura" class="wp-image-6840" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Grosser-Buddha-Kamakura.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Grosser-Buddha-Kamakura.jpg?resize=230%2C300&amp;ssl=1 230w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Damit entstand eine militärische Struktur, die den Kaiserhof sowie dessen zivile Verwaltung entmachtete und die japanische Regierung bis 1869 prägen sollte.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich die japanische Regierungsform entwickelt, wenn die Taira die Seeschlacht von Dan-no-ura gewonnen hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="mongolen">4. 1274: Die zurückgeschlagene Invasion der Mongolen</h3>



<p>Bis in das 13. Jahrhundert hinein war dieses Japan zwar in den Kulturtransfer und das eher lockere Tributsystem des Kaiserreiches China eingebunden. Es hatte diese Hierarchie allerdings nie in Form einer chinesischen Oberherrschaft anerkannt.</p>



<p>Diese Haltung hatte China bis dahin nie zu einer militärischen Reaktion gegen die Inseln provoziert.</p>



<p>Diese Position ändert sich jedoch mit der Machtübernahme der mongolischen Yuan-Dynastie unter Kaiser Kublai Khan in Beijing.</p>



<p>Denn dieser sah sich mit zwei Gegnern konfrontiert: </p>



<ol class="wp-block-list">
<li>In Südchina der nach wie vor Widerstand leistenden Song-Dynastie, die sich teilweise über Handelsbeziehungen mit Japan finanzierte. </li>



<li>Auf der unterworfenen koreanischen Halbinsel mit Aufständischen, deren Nachschubbasen auf kleineren japanischen Inseln lagen.</li>
</ol>



<p>Daher rüstete Kublai Khan, nachdem Verhandlungen gescheitert waren, eine gewaltige Invasionsflotte gegen Japan aus.</p>



<p>Die aus 900 Schiffen und 40.000 Mann bestehende Armee landeten erfolgreich in der Hakata-Bucht des nördlichen Kyūshū.</p>



<p>Diese ist eine ausnahmsweise etwas weiter ins gebirgige Landesinnere gehende flache Landschaft (siehe Bild aus der heutigen Zeit).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Hakata.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Luftaufnahme der Bucht von Hakata" class="wp-image-4160" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Hakata.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Hakata.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(motive56/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Anfangs war die Angreifer den japanischen Verteidigern sowohl zahlenmäßig als auch technisch überlegen. Die Samurai mussten sich unter hohen Verlusten und schockiert von der Kampfweise sowie der Militärtechnik der Angreifer von den Stränden zurückziehen.</p>



<p>Dennoch zogen sich die Mongolen am ersten Tag wegen eigener hoher Verluste ebenfalls zurück.</p>



<p>Danach sind sich die Quellen uneins. In der bisherigen japanischen Geschichtsschreibung dominierte die Überlieferung, dass ein Taifun die angreifende Flotte schließlich zerstörte.</p>



<p>Aber erst als 1281 eine erneute Invasion an den besser vorbereiteten Verteidigern und deren Befestigungen sowie am Ende einem zweiten Taifun, von den Japanern als göttlicher Wind <em>„Kamikaze“</em> interpretiert, scheiterte, wagten die Mongolen keine neue Invasion.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die erste Invasion der Mongolen erfolgreich gewesen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="go-daigo">5. 1336: Die versuchte Restauration des Kaisers Go-Daigo</h3>



<p>Die Mongoleninvasion hatte jedoch dazu geführt, dass die Samurai hoch verschuldet waren. Denn sie hatten sich für die Verteidigung von Hakata auf eigene Kosten ausgerüstet, aber keine Beute als Kompensation erhalten.</p>



<p>Zugleich war die zentrale Militärregierung durch die Ausgaben für die Verteidigungsanlagen in Hakata, die sie bis zum Tod Kublai Khans 1294 unterhielt, ebenfalls stark verschuldet.</p>



<p>In Kamakura hatte der Clan der Hōjō die Macht als Regenten – japanisch <em>„Shikken“</em> – inne. Die Minamoto-Shōgune waren dagegen nur noch Strohmänner. Hatten die Hōjō bis Anfang des 14. Jahrhunderts vergleichsweise kompetent und ohne interne Streitigkeiten regiert, waren sie 1284 durch den überraschenden Tod des fähigen Hōjō Tokimure und 1313 durch den Tod seines Nachfolgers Sadatoki geschwächt. Denn beide hinterließen zuerst minderjährige Nachfolger, die nicht selbst regieren konnten.</p>



<p>Eher mit internen Machtkämpfen beschäftigt, konnte das Shōgunat immer weniger die öffentliche Ordnung in Japan gegen ein wachsendes Banditenwesen aufrecht erhalten. Ein Grund dafür war häufig, dass selbst örtliche <em>„bushi“</em> sich den wachsenden Banden anschlossen oder diese anführten.</p>



<p>Diese Krise des Kamakura-Shōgunats versuchte 1331 der Kaiser Go-Daigo mit einem Aufstand zu nutzen. Unterstützt von fähigen Beratern und Feldherren wie dem später berühmten General Kusunoki Masahige (siehe Bild unten) rief er zum Widerstand gegen das geschwächte Shōgunat auf.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="658" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Statue-Kusunoki-Masahige.jpg?resize=600%2C658&#038;ssl=1" alt="Statue von Kusunoki Masahige in den kaiserlichen Gärten von Tokyo" class="wp-image-6843" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Statue-Kusunoki-Masahige.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Statue-Kusunoki-Masahige.jpg?resize=274%2C300&amp;ssl=1 274w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Dieser Aufstand gelang allerdings erst nach mehreren Niederlagen zwei Jahre später, als Go-Daigo mit Ashikaga Taka’uji einen mächtigen Militär auf seine Seite zog.</p>



<p>Daraufhin versuchte Go-Daigo mit der sogenannten <em>&#8222;Kemmu-Restauration&#8220;</em> die Macht des Kaisers wiederherzustellen. So ernannte er seinen Sohn zum neuen Shōgun, um den Militärapparat unter seine Kontrolle zu bekommen.</p>



<p>Dieser Versuch scheiterte nach einigen Fehlentscheidungen von Go-Daigo vor allem am Widerstand von Ashikaga Taka’uji. Dieser rebellierte erfolgreich gegen den Kaiser und übernahm in Kyoto die Macht des Shōgunats für seinen Clan.</p>



<p>Der abgesetzte Kaiser konnte sich aber nach Yoshino südlich von Kyoto zurückziehen (<em>&#8222;Südhof&#8220;</em>), wo er sich erfolgreich gegenüber den Ashikaga-Shōgunen und dem von ihnen eingesetzten Kaiser (<em>&#8222;Nordhof&#8220;</em>) behauptete.</p>



<p>Erst 1392 wurden beide Höfe unter den Ashikaga-Shōgunen zugunsten des Nordhofes wieder vereinigt.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Japan entwickelt, wenn sich Kaiser Go-Daigo durchgesetzt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="onin-bunmai">6. 1467: Der Beginn des verheerenden <em>&#8222;Ōnin-Bunmei-Krieges&#8220;</em></h3>



<p>Das Ashikaga-Shōgunat konnte aber ein halbes Jahrhundert später den Ausbruch eines Konfliktes zwischen den verfeindeten Clans der Yamana und Hosokawa nicht verhindern.</p>



<p>Denn seit der Ermordung des despotisch regierenden Shōguns Ashikaga Yoshinari 1441 hatte die Zentralregierung das Recht zur Ernennung von mächtigen Clanoberhäuptern an die jeweiligen Familien verloren. Da damit keine verlässlichen Nachfolgeregelungen existierten, die Oberhäupter aber immer mächtiger und einflussreicher innerhalb ihrer Clans wurden, kam es in den Kriegerfamilien zu immer mehr Konflikten.</p>



<p>Gleichzeitig zogen die Clans immer mehr Provinzen an sich, ohne das die Ashikaga dies verhindern konnten. Deshalb und dadurch dass große Clans nicht alle von ihnen beanspruchte Provinzen gegen lokale Kräfte beherrschen konnten, wurde die Zentralregierung immer schwächer.</p>



<p>Anfang 1467 eskalierten schließlich drei Konflikte gleichzeitig:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Im Clan der Hatakeyama stritten sich Sohn und Neffe des Familienoberhauptes um die Nachfolge. Da das Oberhaupt der Hatakeyama amtierender Stellvertreter des Shōguns war, betraf dieser Streit eine der mächtigsten Familien Japans.</li>



<li>Im Clan der Shiba, der wie die Hatakeyama das Recht hatte im Wechsel die Stellvertreter des Shōguns zu stellen, kam es ebenfalls über die Nachfolge des Familienoberhaupts zu einer Spaltung. Dieser Konflikt eskalierte so stark, dass der Vasallenclan der Asakura die Macht von ihren Herren übernahm. Ein Grund dafür war, dass das Oberhaupt des mächtigen Yamana-Clans die Asakura unterstützte.</li>



<li>1464 hatte amtierende Shōgun Yoshimasa seinen Rücktritt verkündet und angesichts der eigenen Kinderlosigkeit seinen Bruder Yoshimi als Nachfolger eingesetzt. Ein Jahr später gebar jedoch Yoshimasas Frau Hino Tokimo mit Yoshihisa einen Sohn, den sie zum neuen Shōgun aufbaute.</li>
</ul>



<p>Diese drei Konflikte innerhalb der mächtigsten Clans des Landes spalteten bereits vor dem Ausbruch des Krieges Kyoto. Während die Shiba und Hatakeyama gespalten blieben, beherrschten die Hosokawa den Osten der Hauptstadt und unterstützten Yoshimi. Die Yamana agierten im Osten der Stadt und wollten die eigene Macht ausbauen.</p>



<p>Der daraus hervorgehende verheerende, elfjährige <em>&#8222;Ōnin-Bunmei-Krieg&#8220; </em>zerstörte nicht nur die Hauptstadt Kyōto als Hauptschauplatz fast vollständig.</p>



<p>Er ruinierte auch die Machtbasis der bisher anerkannten zentralen Instanzen, also sowohl des Kaiserhauses als auch des Shōgunats, vollständig.</p>



<p>Am Ende gab es nach zahlreichen Scharmützeln keinen Sieger, auch wenn Yoshihisa Shōgun wurde.</p>



<p>Das Ergebnis war der Beginn der <em>&#8222;Ära der streitenden Reiche&#8220;</em>. Denn die Provinzfürsten konnten sich nun als <em>&#8222;Daimyō&#8220;</em> ihre Machtbasis unabhängig vom Zentralstaat und dessen Legitimation sichern.</p>



<p>Ein Beispiel waren die Takeda, von deren einstigen Macht noch die Ruine ihrer Hauptburg (siehe Bild) zeugt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Takeda-Burg.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Bild der Burgruine der Takeda, die sich vor Bergen aus dem Nebel erhebt." class="wp-image-4165" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Takeda-Burg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Takeda-Burg.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Kenan Yarici/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Das Ergebnis war, dass Japan in dieser <em>&#8222;Sengoku-Zeit&#8220;</em> fast ein Jahrhundert ohne zentrale Macht war. </p>



<p>Durch dieses Machtvakuum entstand aber auch eine große soziale Beweglichkeit, denn auch buddhistische Klöster, einzelne Städte und Zusammenschlüsse von Landständen erkämpften sich Autonomie.</p>



<p>Allerdings war es das Ziel aller <em>&#8222;Daimyō&#8220;</em> genügend militärische und wirtschaftliche Macht auf sich zu vereinen, um durch einen &#8222;Marsch auf  Kyōto&#8220; eine neue Zentralgewalt unter eigener Vorherrschaft zu installieren.</p>



<p>In dieser Zeit traten daher viele Männer auf, die bis heute im historischen Gedächtnis als idealisierte Verkörperung der japanischen Samurai gelten: Zu nennen sind hier Persönlichkeiten wie Takeda Shingen (<em>&#8222;Der Tiger von Kai&#8220;</em>), dessen hartnäckigster Gegner Uesugi Kenshin (<em>&#8222;Der Tiger von Echigo&#8220;</em>), aber auch Date Masamune (<em>&#8222;Der einäugige Drache des Nordens&#8220;</em>, siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Date-Masamune.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto einer Reiterstatue von Date Masamune" class="wp-image-4166" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Date-Masamune.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Date-Masamune.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(nagomi_camera/Shutterstock)</figcaption></figure>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Japan entwickelt, wenn der <em>"Ōnin-Bunmei-Krieg"</em> nicht ausgebrochen wäre?

</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="okehazama">7. 1560: Der unerwartete Sieger von Okehazama</h3>



<p>1560 wollte der mächtige Kriegsherr Imagawa Yoshimoto aus Shizuoka wie mancher vor ihm auf Kyoto marschieren. </p>



<p>Seine Chancen standen aber nicht schlecht: Er galt als einer mächtigsten Daimyō Japans und der Region Chūbu. Daher konnte er mit 25.000 Mann eine vergleichsweise große Armee aufstellen.</p>



<p>Auf seinem Weg passierte er auch seine Nachbarprovinz Owari, die der mit ihm rivalisierende Clan der Oda beherrschte. </p>



<p>Dessen Herrscher Oda Nobunaga (siehe Bild) war auf den ersten Blick kein großes Hindernis. Er galt als extravaganter Außenseiter, der mit seinen regelmäßigen Verstößen gegen Sitten und Rituale der Zeit aneckte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="899" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Oda-Nobunaga.jpg?resize=600%2C899&#038;ssl=1" alt="Statue von Oda Nobunaga" class="wp-image-4161" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Oda-Nobunaga.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Oda-Nobunaga.jpg?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(mTaira/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>So hatte sich Nobunaga erst nach längeren Kämpfen gegen Rivalen in der Familie als Oberhaupt des Oda-Clans durchgesetzt.</p>



<p>Auch konnte er nur 3.000 Mann mobilisieren und Imagawa Yoshimoto nur durch ausgestopfte Attrappen von einer deutlich größeren Verteidigungsarmee überzeugen.</p>



<p>Doch erst die Schlacht von Okehazama bedeutete die überraschende Wende in diesem Konflikt.</p>



<p>Oda Nobunaga gelang es mit der unkonventionellen Strategie, während eines Unwetters anzugreifen, die bereits den Sieg mit Alkohol feiernden Imagawa-Truppen zu überrumpeln und Yoshimoto zu töten.</p>



<p>Dieser Sieg besiegelte nicht nur den Abstieg der Imagawa, sondern auch den Aufstieg von Oda Nobunaga zum ersten <em>&#8222;Reichseiniger&#8220;</em>. </p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Oda Nobunaga die Schlacht von Okehazama verloren hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="oda-nobunaga">8. 1582: Der überraschende Tod von Oda Nobunaga</h3>



<p>12 Jahre später war Oda Nobunaga nahe daran, Alleinherrscher von Japan zu werden.</p>



<p>Er besiegte in dieser Zeit mehrere rivalisierende <em>&#8222;Daimyō&#8220;</em>, setzte die machtlosen Ashikaga-Shōgune ab und ging als bei weitem stärkster Feudalherr daran, den Rest Japans außerhalb der Kernregionen auf Honshū zu unterwerfen.</p>



<p>Dazu nutzte er zum Beispiel verstärkt die von Portugiesen ins Land gebrachten Feuerwaffen. Mit diesen importierten Arkebusen und im Land gefertigten <em>&#8222;Tanegashima&#8220;</em> vernichtete er 1575 in der Schlacht von Nagashino die legendäre Reiterei des Takeda-Clans.</p>



<p>Gleichzeitig rekrutierte er fähige Untergebene aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten, zum Beispiel die späteren <em>&#8222;Reichseiniger&#8220;</em> Toyotomi Hideyoshi (1536–1598) und Tokugawa Ieyasu (1543–1616). Mit diesen sicherte er auch die eroberten Gebiete ab und stabilisierte so seine Herrschaft dauerhaft.</p>



<p>Zuletzt zeigte er sich unerbittlich und grausam bei der Verfolgung der Gegner seiner <em>„Herrschaft durch Gewalt“</em>. Zum Beispiel ließ er die Mönche und Anhänger der bewaffneten und ihm feindlich gesinnten buddhistischen Ikko-Sekte sowie deren Familien gnadenlos vernichten. Damit löschte er auch potenzielle Gegner für die Zukunft vollkommen aus.</p>



<p>Nach später wiedergegebenen Äußerungen reichten seine Ambitionen schon über Japan hinaus und er spielte zumindest mit dem Gedanken einer Eroberung Koreas.</p>



<p>1582 aber schickte er seinen Feldherrn Toyotomi Hideyoshi als Vorhut auf den nächsten Feldzug und machte sich selbst daran, mit der Hauptstreitmacht von Kyōto aus loszumarschieren.</p>



<p>Bevor er dies jedoch konnte, attackierte ihn überraschend der sich zurückgesetzt fühlende General Akechi Mitsuhide im Tempel Honnō-ji von Kyoto (siehe Bild aus der heutigen Zeit unten).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="416" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Honno-ji-Tempel.jpg?resize=600%2C416&#038;ssl=1" alt="Foto des japanischen Honno-ji Tempels in Kyoto" class="wp-image-6852" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Honno-ji-Tempel.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Honno-ji-Tempel.jpg?resize=300%2C208&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Umzingelt im brennenden Gebäude beging Oda Nobunaga Seppuku, den ritualisierten Selbstmord der Samurai.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Oda Nobunaga nicht im Tempel Honnō-ji überrascht worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="sekigahara">9. 1600: Die entscheidende Schlacht von Sekigahara</h3>



<p>Diese Schlacht entschied die weitere Entwicklung Japans für Jahrhunderte. </p>



<p>Grob gesagt standen sich in ihr die Daimyō aus Ostjapan als Anhänger der Toyotomi-Familie und die Kriegsherren aus Westjapan unter der Familie  Tokugawa gegenüber.</p>



<p>Der Ort der Schlacht war kein Zufall. Das Tal von Sekigahara (siehe Bild aus der heutigen Zeit) war ein strategisch wichtiger Durchgang in den Bergen zwischen den bedeutenden Regionen Chūbu und Kinki.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Sekigahara.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Bild in das Tal von Sekigahara" class="wp-image-4164" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Sekigahara.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Sekigahara.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(hayakato/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Die Schlacht selbst wogte mehrfach hin- und her, vor allem da am Anfang dichter Nebel eine taktische Kampführung unmöglich machte.</p>



<p>Am Ende führte erst der überraschende Verrat einiger Verbündeter zur Niederlage des Toyotomi-Heeres unter seinem Anführer Ishida Mitsunari.</p>



<p>Nach seinem Sieg ging stattdessen Tokugawa Ieyasu daran, seine Herrschaft als Shōgun dauerhaft zu sichern. </p>



<p>Sein Ziel war es nach den Bürgerkriegsjahren ein stabiles, geografisch klar umrissenes Japan mit einer hierarchisch abgestuften Gesellschaft aufzubauen</p>



<p>Nach Abschluss der von ihm durchgesetzten Reformen bis Mitte des 16. Jahrhunderts prägte diese Zielsetzung die japanische Gesellschaft über 200 Jahre. </p>



<p>Denn Tokugawa Ieyasu sicherte nicht nur das Amt des Shōguns für diese Zeit in seiner Familie. </p>



<p>Er machte mit Edo auch das heutige Tokio zu seiner Hauptstadt. Daher prägte sich für die Herrschaft seines Clans der Name <em>&#8222;Edo-Zeit&#8220;</em> ein.</p>



<p>Die Gesellschaft teilte er dauerhaft in die vier Stände Samurai, Bauern, Handwerker und Händler ein. Nur das Kaiserhaus, dessen Hofadel und Minderheiten wie die Ainu in Hokkaidō standen außerhalb dieser Ordnung.</p>



<p>Zusätzlich versetzte er die Daimyō-Familien je nach deren Loyalität innerhalb des Landes und teilte ihnen verschiedene jährliche Reismengen als Steuereinnahmen zu.</p>



<p>Erst dadurch entwickelte sich eine Kultur, die im Westen als typisch-japanische wahrgenommen wurde. Zum Beispiel über den Ehrencodex der Samurai (siehe Bild), die sich jedoch in der <em>&#8222;Edo-Zeit&#8220;</em> immer mehr von einer Kriegerelite zur Beamtenschaft des neuen Staates entwickelten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="403" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Samurai.jpg?resize=600%2C403&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Bild von mehreren Samurai" class="wp-image-4159" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Samurai.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Samurai.jpg?resize=300%2C202&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Marzolino/Shutterstock)</figcaption></figure>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Japan entwickelt, wenn die Tokugawa die Schlacht von Sekigahara verloren hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="philippinen">10. 1637/38: Die nie erfolgte Eroberung der Philippinen</h3>



<p>Am Beginn der Tokugawa-Herrschaft war Japan keineswegs so abgeschlossen, wie es die spätere Geschichtsschreibung behauptete.</p>



<p>Denn Japaner waren im 16. und beginnenden 17. Jahrhundert als Händler und Söldner in ganz Ostasien unterwegs. Nachweisbar waren sie zum Beispiel im heutigen Thailand, Myanmar (Birma) und Kambodscha.</p>



<p>Auch in Kagayan und Manila auf den Philippinen gab es japanische Niederlassungen und Handelsposten.</p>



<p>Mehrfach beschuldigten die dort herrschenden Spanier die Japaner, Aufstände der Einheimischen gegen die Europäer angezettelt zu haben. Oftmals kam es zu Auseinandersetzungen zwischen japanischen Schiffen und spanischen Galeonen.</p>



<p>Gleichzeitig galten die spanisch beherrschten Inseln als potenzielles Sprungbrett für eine Invasion der Europäer gegen die japanischen Inseln.</p>



<p>Daher plante der Shōgun Tokugawa Iemitsu, Enkel von Ieyasu, einen Angriff auf die Philippinen. </p>



<p>Dies war auch Teil der japanischen Pläne, nach dem Vorbild Chinas um das Kernland einen Ring aus tributpflichtigen Vasallenstaaten zu legen.</p>



<p>Sie sollten das Kernland nicht nur militärisch abschirmen, sondern auch als Wirtschaftszone die ökonomische Unabhängigkeit Japans sichern.</p>



<p>Die strategische Lage war für Iemitsu günstig, da japanische Kolonien auf Taiwan und das 1609 eroberte Königreich von Ryūkyū auf Okinawa als Basis dienen konnten.</p>



<p>Doch die 1637 ausgebrochene Shimabara-Revolte ließ sich nur unter großen militärischen Anstrengungen und mithilfe von holländischen Schiffen niederschlagen.</p>



<p>Danach verfolgte Iemitsu seine Pläne nicht mehr weiter.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Tokugawa Iemitsu auch nach der Shimabara-Revolte eine Invasion der Philippinen geplant hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="tanuma-okitsugu">11. 1788: Die gescheiterten Reformen des Tanuma Okitsugu</h3>



<p>Im Laufe des 18. Jahrhunderts begannen die Strukturen des Tokugawa-Shōgunats langsam zu bröckeln.</p>



<p>Zwar erlebte Japan eine relativ friedliche Zeit und war nicht von äußeren Feinden bedroht.</p>



<p>Im Inneren zerfiel jedoch immer mehr die Basis der Gesellschaft. </p>



<p>Denn in den 1720er und 1730er Jahren hatten mehrere Naturkatastrophen zu Missernten und Hungersnöten geführt.</p>



<p>So gilt der Vulkan Fuji heute als touristisches Wahrzeichen und religiöses Symbol Japans. In dieser Zeit lösten seine Ausbrüche aber auch immer wieder Hungersnöte aus.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Fuji.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Foto des japanischen Vulkans Fuji mit seiner schneebedeckten Spitze" class="wp-image-4242" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Fuji.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Fuji.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(p_jirawat/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dies minderte auch die Einnahmen der regionalen Daimyō und des Zentralstaates, da der Großteil der Steuern von den Bauern aufgebracht und in Reis bezahlt wurde.</p>



<p>Da die Steuern nur langsam an den realen Reisertrag angepasst wurden, spaltete sich die formell egalitäre Landbevölkerung in verarmte Bauern und eine bäuerliche Oberschicht, die immer mehr Bodennutzungsrechte erwarb.</p>



<p>In den prosperierenden Städten errangen die teilweise als Oligopol agierenden und von Steuern weitgehend unbehelligt gebliebenen Händler, formell am Ende der konfuzianisch strukturierten Gesellschaft stehend, durch ihren Reichtum eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorrangstellung. </p>



<p>Zusammengefasst führten diese Entwicklungen dazu, dass sich die regionalen Fürstenhäuser und Samurai immer mehr verschuldeten und teilweise in Abhängigkeit zu den Händlern gerieten.</p>



<p>Dagegen forderten konfuzianische Gelehrte ein Eingreifen des Shōgunats, das mit autoritären Eingriffen in Wirtschaft und Gesellschaft die alte Sozialordnung wiederherstellen sollte.</p>



<p>Diese <em>&#8222;Sparsamkeitsedikte&#8220;</em> scheiterten jedoch jeweils nach kurzer Zeit, da sie eine idealisierte Ordnung verteidigten, die so nie Bestand gehabt hatte.</p>



<p>In eine andere Richtung gingen die Reformen von Tanuma Okitsugu, der 1769 aus der Stellung eines niedrigen Vasallen des Shōguns zum einflussreichsten Fürsten der Regierung aufgestiegen war.</p>



<p>Er verwarf die bisherigen konfuzianischen Reformversuche vollständig.</p>



<p>Stattdessen förderte er den innerjapanischen Handel und besteuerte ihn im Gegenzug erfolgreich. Zum Beispiel führte er ein staatliches Monopol auf den Handel für Ginseng, Kupfer, Eisen sowie Messing ein und vergab gegen Bezahlung Handelslizenzen. Außerdem förderte er die Erschließung von neuen landwirtschaftlichen Flächen und Minen.</p>



<p>Auch den Außenhandel über Nagasaki wollte er ausbauen und damit die finanzielle Basis des Staates dauerhaft verbessern sowie von den Reisernten unabhängiger machen.</p>



<p>Zudem unterstützte er den Import von holländischen Büchern und damit Wissenschaft sowie Kultur. </p>



<p>Als jedoch sein Förderer, der Shōgun Ieharu 1786 starb, und Japan erneut von Naturkatastrophen und Bauernaufständen erschüttert wurde, entmachteten seine konfuzianisch gesinnten Gegner den zusätzlich noch unter Korruptionsvorwürfen leidenden Tanuma Okitsugu.</p>



<p>Sein Reformprogramm war damit ebenfalls am Ende und wurde von den Tokugawa-Shōgunen niemals mehr in Betracht gezogen.</p>



<p>Daher blieb das System dauerhaft instabil und geriet gegenüber den aufstrebenden Europäern immer mehr ins Hintertreffen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich das Tokugawa-Shōgunat entwickelt, wenn Tanuma Okitsugu eine Reformen fortgesetzt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="seidenraupe">12. 1854: Die lukrative Seidenraupenepidemie in Europa (neu)</h3>



<p>Diese Rückständigkeit zeigte sich dramatisch mit der Ankunft der <em>&#8222;Schwarzen Schiffe&#8220;</em> unter dem US-amerikanischen Commodore Matthew Perry 1853.</p>



<p>Japan konnte aufgrund der ausgebliebenen Reformen und erneuter wirtschaftlicher Krisen, die die Autorität des Tokugawa-Shōgunats bereits untergraben hatten, seine in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verstärkte Isolationspolitik nicht länger aufrechterhalten.</p>



<p>Stattdessen musste das Shōgunat danach zahlreiche <em>&#8222;ungleiche Verträge&#8220;</em> <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/geschichte-usa/">mit den USA</a> und den europäischen Großmächten schließen, die endgültig die Machtlosigkeit der Zentralregierung zeigten.</p>



<p>Um dem gleichen Schicksal wie China, das von den Europäern bereits mehrfach militärisch gedemütigt worden war, zu entgehen, begann Japan eine vorsichtige Reformpolitik.</p>



<p>Ein Ereignis in Europa erwies sich in diesen Krisen- und Umbruchszeiten des 19. Jahrhunderts für Japan als günstig. Ab 1854 vernichtete eine plötzlich auftretende Krankheit die gesamte Seidenraupenzucht in Frankreich und Europa.</p>



<p>Die so entstandene Marktlücke konnte das sich öffnende Japan als eine der wenigen Gelegenheiten nutzen, um Überschüsse im Außenhandel zu erwirtschaften.</p>



<p>Normalerweise war das Land in den Handelsbeziehungen durch die <em>„ungleichen Verträge“</em> im Welthandel stark diskriminiert. Zum Beispiel durfte es auf importierte Güter keine Zölle erheben, japanische Unternehmen mussten aber Zölle bei Exporten ins Ausland zahlen.</p>



<p>Mit den überwirtschafteten Überschüssen aus der Seide konnte das Land dringend benötige Maschinen und Waffen für die Modernisierung von Wirtschaft und Armee auf dem Weltmarkt einkaufen.</p>



<p>Entsprechend stark stiegen die Exportzahlen in diesem Bereich an. Exportierte Japan 1868 noch 2,3 Millionen Pfund Rohseide, waren es 1893 bereits 10,2 Millionen Pfund. Durchschnittlich wies Seide einen Anteil von 42 % an allen exportierten Gütern in diesem Zeitraum aus.</p>



<p>Da das japanische Steuersystem sich vor allem aus der Landwirtschaft und deren Produkten finanzierte, bedeutete dieser Boom eine wichtige dauerhafte Einnahme, um den Entwicklungsrückstand des Landes aufzuholen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Japan entwickelt, wenn es nicht zur Seidenraupen-Epidemie in Europa gekommen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="tokugawa">13. 1858: Die Nachfolge des vorletzten Tokugawa- Shōgun (neu)</h3>



<p>Der eingeschlagene Reformkurs bedeutete aber endgültig die Auflösung einer Gesellschaftsordnung, auf der das Tokugawa-Shōgunat eigentlich basierte.</p>



<p>So war der gegenüber den Großmächten friedliche Kurs innerhalb der japanischen Gesellschaft hochumstritten. So kam es in der strategisch wichtigen Seestraße von Shimonoseki zwischen den Inseln Honshū und Kyūshū häufig zu Kämpfen zwischen britischen Schiffen sowie japanischen Truppen der Tokugawa-Gegner (siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="370" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/HMS-Medusa-Shimonoseki.jpg?resize=600%2C370&#038;ssl=1" alt="Gemälde eines britischen Kriegsschiffes, dass in Japan kämpft" class="wp-image-4238" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/HMS-Medusa-Shimonoseki.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/HMS-Medusa-Shimonoseki.jpg?resize=300%2C185&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Zusätzlich gab es einen Streit um die absehbare Nachfolge des kränkelnden Shōgun Iesada, der keine Kinder hatte. </p>



<p>Einige Daimyō favorisierten mit Tokugawa Yoshinobu den 20-jährigen Sohn des Daimyō von Mito, der als durchaus begabt galt und dessen Vater einer der härtesten Kritiker der bisherigen Politik war.</p>



<p>Dennoch blieb die Nachfolgefrage lange ungeklärt, da der Streit um den Abschluss von Handelsverträgen die Anführer des Shōgunats beschäftigte und zu mehreren Wechsel in den Verwaltungsspitzen führte.</p>



<p>Beim Tod von Iesada im August 1858 entschied sich Ii Naosuke, der im gleichen Jahr die Regierung übernommen hatte, statt für Yoshinobu für den unmündigen Tokugawa Iemochi aus einer weiteren Nebenfamilie der Tokugawa. Sein Ziel war es, für diesen als Regent weiter die Macht inne zu haben.</p>



<p>Dennoch gab es Kritik von vielen Daimyō und von Widersachern am Kaiserhof. Ii Naosuke konnte sich aber durchsetzen.</p>



<p>Danach begann Ii Naosuke seine Gegner sowie Anhänger von Yoshinobu mit Gewalt zu verfolgen, bis er 1860 im sogenannten <em>„Sakuradamon-Zwischenfall“</em> am gleichnamigen Tor der Burg von Edo durch Samurai, die ein Ende des Shōgunats forderten, ermordet wurde.</p>



<p>Sowohl durch die schwache Stellung von Iemochi als auch durch den Tod von Ii Naosuke war das Tokugawa-Shōgunat so stark geschwächt, dass es trotz einiger Reformbemühungen und Erfolge in den 1860er Jahren sich immer weniger gegen seine zahlreichen Gegner behaupten konnte.</p>



<p>So wurde Yoshinobu nach dem überraschenden Tod Iemochis 1866 zwar noch Shōgun. Er sollte aber der letzte werden.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Tokugawa Yoshinobu bereits 1858 Shogun geworden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="komei">14. 1867: Der schnelle Tod des Kaisers Kōmei</h3>



<p>In Folge der Schwäche des Shōgunats erstarkten zahlreiche Reformkräfte, unter denen viele im seit langem entmachteten Kaiserhaus einen Identifikationspunkt sahen.</p>



<p>Der amtierende Komei-tennō nahm diese Rolle durchaus gerne an und gab sich als großer Gegner jeglichen ausländischen Einflusses.</p>



<p>Der 35-jährige Kaiser war aber an größeren Reformen, wie sie sich die stärksten Tokugawa-Gegner wünschten, nicht interessiert.</p>



<p>Im Januar 1867 starb er jedoch plötzlich und in relativ kurzer Zeit an den Pocken.</p>



<p>Sein Nachfolger, der 14-jährige Mutsuhito und spätere Meiji-tennō, war weder alt noch erfahren genug, um eine selbständige Rolle im immer mehr eskalierenden Konflikt zwischen dem Shōgunat und seinen Gegnern zu spielen.</p>



<p>Letztere machten ihn aber nach ihrem Sieg im kurzen <em>&#8222;Boshin-Krieg&#8220;</em> nur ein Jahr nach dem Tod seines Vaters zum eigentlichen Staatsoberhaupt von Japan. Symbol dafür war der Umzug des Kaisers aus Kyoto in die ehemalige Residenz des Shōgun (siehe Bild unten) in der neuen Hauptstadt Tokyo.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="208" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Kaiserpalast-Tokyo.jpg?resize=600%2C208&#038;ssl=1" alt="Japanischer Turm mit Mauer vor Wassergraben in den kaiserlichen Gärten von Tokyo" class="wp-image-6841" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Kaiserpalast-Tokyo.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/06/Kaiserpalast-Tokyo.jpg?resize=300%2C104&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Dabei fungierte der junge Herrscher aber nur als formelles Oberhaupt, das es den Reformern ermöglichte, ihren Kurs aus Modernisierungen im Inneren und Zurückhaltung gegenüber den Großmächten mit kaiserlichem Segen voranzutreiben.</p>



<p>So gab es gegen die verschiedenen Reformen nach westlichem Muster zwar mehrere Aufstände von Samurai und Bauern. Diese war aber nie stark genug, um den Reformkurs an sich zu gefährden.</p>



<p>Stattdessen ging diese Zeit als <em>&#8222;Meji-Restauration&#8220;</em> in die japanische Geschichte ein.</p>



<pre class="wp-block-verse">Welche Rolle hätte der ältere und erfahrenere Komei-tennō gegenüber den Reformern gespielt?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="korea">15. 1873: Die verhinderte Invasion von Korea</h3>



<p>Seit 1854 reformierte sich Japan nicht nur im Inneren.</p>



<p>Es begann auch, neben der Propaganda einer <em>&#8222;pan-asiatischen Solidarität&#8220;</em> gegen &#8222;westliche&#8220; Einmischung erste Schritte in Richtung einer eigenen aggressiven Außenpolitik.</p>



<p>Erstes Ziel war das Königreich Korea, das 1873 den japanischen Forderungen nach Handelsprivilegien – ähnlich denjenigen westlicher Länder in Japan – nicht nachgeben wollte.</p>



<p>In Japan war in diesem Jahr nur eine Statthalter-Regierung vor Ort, da sich die Spitzen des neuen Regimes größtenteils auf der sogenannten <em>&#8222;Iwakura-Gesandtschaft&#8220;</em> befanden.</p>



<p>Die von Außenminister Iwakura Tomomi (siehe Bild) geleitete Delegation sollte die <em>&#8222;ungleichen Verträge&#8220;</em> in Europa und den USA neu verhandeln sowie die Gelegenheit nutzen, um neues Wissen für Japan zu erwerben. Sie erreichte aber nur das zweite Ziel.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="715" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Iwakura-Tomomi.jpg?resize=600%2C715&#038;ssl=1" alt="Porträt von Iwakura Tomomi" class="wp-image-4246" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Iwakura-Tomomi.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Iwakura-Tomomi.jpg?resize=252%2C300&amp;ssl=1 252w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Prachaya Roekdeethaweesab/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dieses Machtvakuum wollte der Samurai Saigō Takamori, einer der wenigen zurückgebliebenen Mächtigen, nutzen, um als Reaktion auf den koreanischen Widerstand eine Invasion des Nachbarlandes voranzutreiben.  </p>



<p>Er wollte damit auch die Stellung der Samurai als Kriegerelite wieder stärken.</p>



<p>Denn durch die Reformen waren die Samurai als Stand immer mehr politisch ausgeschaltet und wirtschaftlich deklassiert worden.</p>



<p>Als die <em>&#8222;Iwakura-Gesandtschaft&#8220;</em> von diesen Plänen erfuhr, lehnten die Mitglieder die Angriffspläne ab. Aus ihrer Sicht war Japan noch nicht innenpolitisch stark und reformiert genug, um mögliche außenpolitische Folgen eines Krieges ausgleichen zu können.</p>



<p>Daher änderte die Gesandtschaft kurzfristig ihre Reiseroute und konnte die Invasionspläne noch rechtzeitig verhindern. </p>



<p>Enttäuscht von dieser Reaktion zog sich Saigō Takamori aus den Regierungsgeschäften zurück. Von seiner Heimatprovinz heraus entwickelte er sich zum gefährlichsten Gegner der Regierung. 1877 war er schließlich Anführer der <em>&#8222;Satsuma-Revolution&#8220;</em> aus unzufriedenen Samurai. </p>



<p>Der Versuch, die Regierung zu stürzen, scheiterte jedoch schnell und endete im Tod von Saigō Takamori sowie in einer endgültigen Stabilisierung der Regierung.</p>



<p>Dass diese eine Unterwerfung der Nachbarstaaten nicht prinzipiell ablehnte, zeigten militärische Interventionen und Drohungen gegen das chinesische Taiwan 1874 und auch gegen Korea 1876.</p>



<p>Im gleichen Jahr gelang es Japan auch, den einst von Saigō Takamori  geforderten Handelsvertrag durchzusetzen.</p>



<p>Ende des 19. Jahrhunderts annektierte es sogar nach einem siegreichen Krieg gegen China Korea und Taiwan.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie wäre eine japanische Invasion gegen Korea 1873 ausgefallen und was wären deren Folgen gewesen?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="inukai-tsuyoshi">16. 1932: Die folgenreiche Ermordung von Inukai Tsuyoshi</h3>



<p>Zwischen 1918 und 1927/28 machte Japan eine Phase durch, die als <em>&#8222;Taishō-Demokratie&#8220;</em> bezeichnet wurde.</p>



<p>Sie zeichnete sich durch einen verstärkten gesellschaftlichen Wandel, das Entstehen von verschiedenen sozialen und politischen Bewegungen sowie in den Städten durch eine Orientierung an westlichen Lebensstilen aus.</p>



<p>Ein Merkmal dieser Phase war, dass sich Premierminister und Regierungen nicht mehr aus der alten zivilen und militärischen Oligarchie der <em>&#8222;Meji-Restauration&#8220;</em> rekrutierten.</p>



<p>Stattdessen stellten meistens die zwei stärksten konservativen Parteien den Premierminister.</p>



<p>Allerdings bildeten die Parteien und ihre Regierungskabinette nur eines von mehreren Machtzentren und konnten andere Machtzirkel wie das Militär oder das von der Oligarchie nach wie vor dominierte Oberhaus des Parlaments nicht unter ihre Kontrolle bringen.</p>



<p>Über allem stand der Kaiser, seit 1912 der die Ära prägende Taishō-tennō. </p>



<p>Dieser war allerdings bereits bei Regierungsantritt kränklich, weshalb 1921 sein Sohn Hirohito die Regierungsgeschäfte übernahm. 1925 starb der Kaiser und Hirohito wurde als Shōwa-tennō Staatsoberhaupt.</p>



<p>Zu dieser Zeit kämpften die Parteienregierungen bereits mit vielen wirtschaftlichen und sozialen Problemen, die sich mit der Weltwirtschaftskrise 1929 verschärften.</p>



<p>Auch rechtsradikale Kräfte, die die Parteienregierung ablehnten, erstarkten. So starb Hamaguchi Osachi im August 1931 an den Folgen eines Attentats, das ein Rechtsradikaler im November 1930 auf den damaligen Premierminister verübt hatte.</p>



<p>Zudem gerieten die moderaten Parteiregierungen immer mehr in einen Gegensatz zu den Kräften in Militär und Gesellschaft, die eine aggressive Linie vor allem bei der Expansion in China, zum Beispiel in der Mandschurei, forderten.</p>



<p>So versuchte der Premierminister Inukai Tsuyoshi trotz der teilweise eigenmächtigen Angriffe der japanischen Armee in der Mandschurei und auf Shanghai 1931 noch zu einer Verhandlungslösung mit China zu kommen.</p>



<p>Dennoch blieb das Prinzip der Premierminister aus Parteien bestehen.</p>



<p>Bis am 15. Mai 1932 Marineoffiziere einen Putschversuch unternahmen.</p>



<p>Dieser scheiterte zwar. Aber es gelang ihnen, den konservativen Premierminister Inukai Tsuyoshi zu ermorden.</p>



<p>Vor allem das geringe Strafmaß für die Attentäter und die große Sympathie, die ihnen aus Teilen der Bevölkerung entgegenschlug, schwächten die Parteien entscheidend und führten zu einem nicht mehr rückgängig zu machenden Machtzuwachs des Militärs.</p>



<p>Dieses nutzte seinen gestiegenen Einfluss, um eine ultranationalistische und antiliberale, autoritäre Innen- und Außenpolitik durchzusetzen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn Inukai Tsuyoshi den Putschversuch überlebt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="offiziere">17. 1936: Der umkämpfte Staatsstreich der Offiziere (neu)</h3>



<p>In den nächsten Jahren steigerte sich ebenfalls der Einfluss der ultranationalistischen Kräfte, die Rückhalt bei Grundbesitzern, Bauern, jungen Offizieren und rechtsradikalen Intellektuellen hatten.</p>



<p>Dabei schreckten die Ultranationalisten weiter vor Gewalt als Mittel der Politik nicht zurück. Dies führte aber dazu, dass die konservativen Eliten, die sich auf große Teile der Finanzwelt, der Industrie, der Verwaltung und der Parteien stützten nur teilweise auf die ultranationalistischen Forderungen eingingen.</p>



<p>Dass Armee und Marine in der Frage der Loyalität gegenüber diesen Gruppierungen gespalten waren, zeigte sich im Februar 1936. </p>



<p>Nachdem ein junger Offizier den Chef des Militärbüros im Heeresministerium ermordet hatte und ultranationalistische Kräfte den folgenden Prozess für ihre Propaganda nutzten, wollte die Regierung besonders radikale Armeeangehörige aus Japan in die Mandschurei zu verlegen.</p>



<p>Als Reaktion darauf entschloss sich die <em>„Fraktion des kaiserlichen Weges“</em> – japanisch <em>„kōdōha“</em> –, ein Zusammenschluss von radikalen Ultranationalisten – zu einem Staatsstreich.</p>



<p>Am 26. Februar 1936 startete der Putsch in Tokyo mit 1.500 Soldaten unter dem Kommando von ultranationalistischen Offizieren. Innerhalb weniger Stunden gelang es den Aufständischen, mit Angriffen auf die Ministerien das Regierungsviertel unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie ermordeten zudem den ehemaligen Premierminister Saitō Makoto und den amtierenden Finanzminister Takahashi Korekiyo.</p>



<p>Allerdings konnte Premierminister Okada Keisuke fliehen. Zusammen mit loyalen Kräften von Armee und Marine organisierte er anschließend den Widerstand.</p>



<p>Dennoch war mehr als drei Tage unklar, ob der Staatsstreich nicht doch Erfolg haben könnte. Erst eine Erklärung des Tennō Hirohito, der sich gegen den Putsch stellte, beendete die Kämpfe zugunsten der Regierung.</p>



<p>Die Anführer des Aufstands, 17 Offiziere, wurden zum Tode verurteilt und gehängt.</p>



<p>Dennoch übernahmen weiter – vergleichsweise gemäßigte – Militärs die Macht in der japanischen Regierung.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der ultranationalistische Putsch Erfolg gehabt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="pearl-harbor">18. 1941: Der riskante Angriff auf Pearl Harbor</h3>



<p>Ende 1941 befanden sich Japan und die USA auf klarem Konfrontationskurs wegen der aggressiven japanischen Expansionsbestrebungen in China und Südostasien.</p>



<p>Während die japanische Militärführung die Truppen in den britischen (Hongkong, Singapur, Malaysia, Birma) und niederländischen (Niederländisch-Indien, heute Indonesien) Kolonien als schlagbar einschätze, sah sie in den USA den Hauptgegner.</p>



<p>Insbesondere die in Pearl Harbor auf Hawaii konzentrierte US-Pazifikflotte galt als Haupthindernis für die japanischen Angriffspläne.</p>



<p>Daher fasste das japanische Militär den Plan, die USA durch einen Überraschungsangriff so zu schwächen, dass diese keinen Widerstand gegen die japanische Expansion leisten konnten und am Ende in einem Friedensvertrag die neuen Eroberungen in den europäischen Kolonien anerkennen mussten.</p>



<p>Dieser mit erheblichen Risiken behaftete Überraschungsangriff gelang am 7. Dezember 1941 fast vollständig. </p>



<p>Nicht nur schaffte es der japanische Flottenverband der <em>&#8222;Kidō Butai&#8220;</em> (deutsch: mobile Truppe) mit sechs Flugzeugträgern und fast der gesamten Elite der Trägerpiloten, sich unbemerkt nördlich von Pearl Harbor zu platzieren. </p>



<p>Es gelang den Japanern auch, in zwei Angriffswellen elf amerikanische Schiffe, darunter fünf Schlachtschiffe (im Bild unten) zu versenken. Zusätzlich zerstörten sie 188 Flugzeuge und töteten 2.349 Soldaten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/07/Pearl-Harbor.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Blick aus einem japanischen Flugzeug beim Angriff auf den Hafen von Pearl Harbor" class="wp-image-1146" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/07/Pearl-Harbor.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/07/Pearl-Harbor.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Der Angriff war jedoch nicht nur aufgrund der riskanten und dadurch für die US-Amerikaner überraschenden Strategie erfolgreich. </p>



<p>Die Verteidigung eines der wichtigsten Stützpunkte der USA war so pannenbehaftet, dass sich bis heute Verschwörungstheorien dazu halten.</p>



<p>Denn die amerikanischen Oberbefehlshaber in Washington rechneten zwar mit einem baldigen japanischen Angriff, waren aber nicht auf den Ort und die Zeit vorbereitet. </p>



<p>So wurden geknackte japanische Meldungen zu spät oder gar nicht weitergegeben, erste Meldungen über gesichtete japanische U-Boote und Flugzeuge ignoriert. Da der 7. Dezember auf einen Sonntag fiel, waren viele Offiziere nicht auf ihrem Posten und die Munition für die Flugabwehrgeschütze war teilweise weggesperrt. Die Flugzeuge auf den Basen waren noch dazu kurz zuvor aus Angst vor Sabotage mitten auf den Flugfeldern in Reih und Glied aufgestellt worden.</p>



<p>Die so verursachte Niederlage sorgte dafür, dass die Japaner im ersten Jahr des Pazifikkrieges bei ihren Offensiven in Südostasien relativ freie Hand hatten.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie wäre der Angriff auf Pearl Harbor verlaufen, wenn die US-Amerikaner die Warnungen früher ernst genommen und Verteidigungsmaßnahmen gegen den japanischen Angriff unternommen hätten?

Mögliches Szenario
<a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/angriff-pearl-harbor/">1941: Der Angriff auf Pearl Harbor wird erkannt</a></pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="hirohito">19. 1945: Der gescheiterte Putsch gegen Kaiser Hirohito</h3>



<p>In der Endphase des <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">Zweiten Weltkrieges</a> im August 1945 war die Lage von Japan dagegen unhaltbar: Seine Verbündeten hatten wie das Deutsche Reich kapituliert oder wie Italien die Seiten gewechselt. </p>



<p>Seine Flotte war bereits seit 1944 nicht mehr in der Lage, eine sichere Verbindung zwischen den Hauptinseln und den anderen Teilen des Reiches aufrechtzuerhalten. </p>



<p>Seit der erfolgreichen Eroberung der Inseln Iwo Jima und Okinawa besaßen die US-Amerikaner sogar Basen in direkter Nähe der japanischen Hauptinseln für Luftangriffe und zur Vorbereitung einer Invasion. </p>



<p>In den letzten Wochen des Sommers 1945 hatte sich die Lage weiter verschlechtert. </p>



<p>Durch die Kriegserklärung der Sowjetunion am 8. August und ihrer Invasion in China sowie Korea war nicht nur dieser Kriegsschauplatz für das Kaiserreich verloren, sondern auch der Weg für eine Verhandlungslösung über die bisher neutrale UdSSR. </p>



<p>Zudem hatten die US-Amerikaner durch den Abwurf der Atombomben auf Hiroshima (6. August) und Nagasaki (9. August, siehe Bild) bewiesen, dass sie auf keine großangelegte und möglicherweise verlustreiche Invasion angewiesen waren, um Japan zu zerstören.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="464" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/07/Nagasaki.jpg?resize=600%2C464&#038;ssl=1" alt="Foto der Explosion der Atombombe über Nagasaki" class="wp-image-1144" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/07/Nagasaki.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2020/07/Nagasaki.jpg?resize=300%2C232&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dennoch war die Kapitulation im japanischen Obersten Kriegsrat eine nach wie vor umstrittene, teilweise sogar undenkbare Option. </p>



<p>Erst als Kaiser Hirohito auf Veranlassung von friedenswilligen Regierungsmitgliedern sein jahrelanges Schweigen brach, stimmten die Kriegsbefürworter aus Loyalität zu ihm einer Kapitulation zu. </p>



<p>Doch auch dies bedeutete nicht das Ende der Kämpfe. </p>



<p>In der Nacht vom 14. auf den 15. August versuchten jüngere Offiziere gegen die friedenswillige Fraktion zu putschen und die Nachricht des Kaisers, in der er die Kapitulation verkündete, zu vernichten. </p>



<p>Sie wollten stattdessen weiter gegen die Alliierten kämpfen. </p>



<p>Dass ihre Haltung keine Ausnahme war, zeigten zwei Entwicklungen nach der Kapitulation.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Erstens mussten teilweise Angehörige des Kaiserhauses zu verschiedenen japanischen Truppen reisen, um diese zur Aufgabe zu bewegen.</li>



<li>Zweitens hielten sich bis in die 1970ern Jahre einzelne Soldaten der kaiserlich-japanischen Armee in den Dschungeln Südostasiens versteckt, da sie die Kapitulation nicht wahrhaben wollten.</li>
</ul>



<p>Doch der Putsch scheiterte bereits nach wenigen Stunden, da es den Putschisten nicht gelang, das Militär am Kaiserhof auf ihre Seite zu ziehen, und vor allem die Nachricht von Hirohito nicht zerstört werden konnte. </p>



<p>Daher kapitulierte Japan am 2. September 1945 und beendete so den Zweiten Weltkrieg.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte der Zweite Weltkrieg geendet, wenn der Putsch erfolgreich gewesen wäre und die Japaner im September 1945 weitergekämpft hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="blacklist">20. 1946: Die erfolgreiche Operation &#8222;Blacklist&#8220;</h3>



<p>Nach der Kapitulation besetzten die USA Japan vollständig und wollten das Land demilitarisieren, demokratisieren und eine Friedenswirtschaft aufbauen.</p>



<p>Entscheidend für diese Phase waren zwei Personen beziehungsweise deren Rollen.</p>



<p>Auf japanischer Seite war dies Kaiser Hirohito, dessen Rolle im Zweiten Weltkrieg noch umstritten war. </p>



<p>Einerseits hatte er die Kriege und Verbrechen der japanischen Armee bis 1945 abgesegnet. Andererseits war er auch daran beteiligt, dass das Land schließlich bedingungslos kapitulierte und sich friedlich der US-amerikanischen Besatzungsherrschaft unterwarf.</p>



<p>So war 1945 bezeichnenderweise der Kaiserpalast (siehe Bild) eines der wenigen Gebäude in Tokyo, das den Krieg relativ unbeschadet überstanden hatte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="476" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Kaiserpalast-Tokyo.jpg?resize=600%2C476&#038;ssl=1" alt="Schwarz-Weiß-Foto des Japanischen Kaiserpalastes von 1945" class="wp-image-4237" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Kaiserpalast-Tokyo.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Kaiserpalast-Tokyo.jpg?resize=300%2C238&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Everett Collection/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Die andere Person war General Douglas MacArthur, der als Oberkommandierender der alliierten Besatzungsmächte das letzte Wort für das konkrete Ausgestalten der Besatzungsherrschaft in Japan hatte.</p>



<p>Er hatte große Gestaltungsspielräume, da die US-amerikanischen Nachkriegspläne für Japan im Vergleich zu Deutschland nicht so präzise ausgearbeitet waren.</p>



<p>Als Kriegsheld war er in der US-amerikanischen Bevölkerung beliebt. Auch bei den Japanern erwarb er sich Sympathien: Einerseits durch sein mutiges und lässiges Auftreten als Soldat, andererseits durch eine gegenüber den Japanern freundliche Rhetorik.</p>



<p>MacArthur galt aber auch als arroganter und selbstverliebter Charakter, der Vorschriften nach eigenen Gutdünken und entgegen den Weisungen aus Washington anwandte.</p>



<p>Er musste nun über das Schicksal des Kaisers entscheiden. </p>



<p>Denn viele US-amerikanische Politiker und Militärs forderten mindestens eine Anklage gegen Hirohito bei den anstehenden Kriegsverbrecherprozessen.</p>



<p>MacArthur entschied jedoch, den Kaiser zu verschonen und stattdessen als nationales Symbol beizubehalten, um den demokratischen Umbruch abzusichern.</p>



<p>So wies er seinen Stab an, entlastendes Material zu recherchieren und in den Kriegsverbrecherprozessen Angeklagte so zu beeinflussen, dass sie die Schuld für die Verbrechen auf sich nahmen — die schließlich erfolgreiche <em>&#8222;Operation Blacklist&#8220;</em>.</p>



<p>Auch gegenüber Kritik aus Washington verteidigte MacArthur seinen Kurs: Sein Argument war, dass es ohne den Kaiser zu einem Guerillakrieg der bislang friedlich gebliebenen Japaner gegen die US-amerikanischen Besatzer käme.</p>



<p>Diese herausragende Stellung von Hirohito in der Bevölkerung gilt mittlerweile aber als nicht mehr unumstritten. Denn viele Japaner waren mit dem unmittelbaren Überleben im Nachkriegselend beschäftigt.</p>



<p>Hirohito füllte danach seine Rolle insofern aus, dass er den Kurs von MacArthur zur Demokratisierung unterstützte und so gegen die noch bestehenden nationalen Kräfte abschirmte.</p>



<p>Zum Beispiel im Geschichtsbild gegenüber den Nachbarstaaten oder beim Besuch des nationalistischen Yasukuni-Schreins – beides Symbole für die im Land nicht aufgearbeitete Rolle Japans im Zweiten Weltkrieg – gab er sich liberaler als die meisten demokratisch gewählten konservativen Regierungen.</p>



<p>Kritiker bemängeln aber, dass durch das Verschonen von Hirohito die alten Eliten ebenfalls eine Symbolfigur behielten, wodurch eine gesellschaftlich breite und dauerhafte Demokratisierung unterblieb.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Japan entwickelt, wenn sich MacArthur dazu entschieden hätte, Kaiser Hirohito doch anzuklagen?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="ldp">21. 1994: Die kurzlebige Koalitionsregierung</h3>



<p>Seit den 1950er Jahren hatte die &#8222;Liberaldemokratische Partei&#8220; (LDP) als absolute Regierungspartei Nachkriegsjapan dominiert. </p>



<p>Sie profitierte dabei neben dem enormen wirtschaftlichen Erfolg von einer engen Bindung an Unternehmen und die Ministerialbürokratie, ein zeitweise <em>&#8222;eisernes Dreieck&#8220;</em> genanntes Beziehungsgeflecht bis auf lokale Ebene.</p>



<p>Ein Symbol für den Aufstieg von Japan zur wirtschaftlichen Großmacht war die Skyline von Tokyo aus zahlreichen modernen Wolkenkratzern (siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Tokyo.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Panoramabild der Wolkenkratzer von Tokyo in Japan" class="wp-image-4239" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Tokyo.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2021/11/Tokyo.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(nyker/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Anfang der 1990er Jahre schien dieses politische Modell an ein Ende zu kommen. </p>



<p>Nicht nur geriet die japanische Wirtschaft durch das Platzen der <em>&#8222;Seifenblasenwirtschaft&#8220;</em> in die Rezession. Auch mehrere Korruptionsskandale nährten erstmals Zweifel an der LDP und deren  <em>&#8222;eisernem Dreieck&#8220;</em>.</p>



<p>So kam es 1993 nach politischen Turbulenzen erstmals seit 1948 mit Hosokawa Morihito zur Wahl eines Nicht-LDP-Politikers als Premierminister. Die LDP wurde sogar durch eine Sieben-Parteien-Koalition in der Regierung abgelöst und in die Opposition geschickt.</p>



<p>Hosokawa Morihito selbst galt zu Beginn seiner Amtszeit als sehr populär. Seine Regierung hatte einige starke Persönlichkeiten wie Ozawa Ichirō, der 1994 durch programmatische Schriften zur Außen- und Regionalpolitik für Aufsehen gesorgt hatte.</p>



<p>Die neue Koalition reformierte zwar die Wahlgesetze und Bestimmungen für den politischen Wettbewerb.</p>



<p>Sie war jedoch instabil und primär von der Antipathie gegen die LDP zusammengehalten.</p>



<p>Dennoch gelang es letzterer, selbst von einer Spaltung bedroht, 1994 zwei Parteien aus der Koalition zu lösen und wieder in die Regierung zu kommen.</p>



<p>Seitdem dominiert sie wieder die japanische Politik — bis heute.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn es der LDP 1994 nicht mehr gelungen wäre, die Regierungskoalition rechtzeitig vor der eigenen Spaltung zu spalten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="fukushima">22. 2011: Die verheerende Katastrophe von Fukushima (neu)</h3>



<p>Als am 11. März 2011 im Nordosten Japans die Erde bebte war dies der Auftakt zur größten Katastrophe in der neueren Geschichte Japans.</p>



<p>Das Erdbeben der Stärke 9,0 auf der Richter-Skala war bis Zentral-Japan zu spüren. Hinzu kamen in den folgenden Stunden und Tagen über 80 Nachbeben der Stärke 6,0 oder mehr.</p>



<p>Die Folge des massiven Erdbebens, dessen Wucht die Insel Honshu mehrere Meter nach Osten verschob, war ein Tsunami in Höhe von über 15 Metern. Dieser verwüstete einen Küstenstreifen von circa 1.000 Kilometern in Nordostjapan und war Todesursache bei 90 % der 22.000 Toten der <em>„Großen Katastrophe von Ost-Japan“.</em></p>



<p>Anschließend eskalierte die Lage am dortigen Atomkraftwerk Fukushima I, das von der Tsunami-Welle überspült wurde. Dadurch entfiel die Stromversorgung für die Reaktorkühlung. Es kam in drei Blöcken zu einer Kernschmelze, die Luft und Wasser radioaktiv verseuchte.</p>



<p>Diese <em>„Dreifachkatastrophe“</em> stellte selbst die katastrophenerfahrenen japanischen Behörden vor enorme Herausforderungen. Zusätzlich zur aufwändigen Suche nach Vermissten, der Versorgung der Verletzten und der Bergung der Toten mussten sie die Region um das Atomkraftwerk evakuieren und die Folgen der Kernschmelze bewältigen.</p>



<p>Dabei sah es lange Zeit nach einer viel größeren Katastrophe aus: Die politische Führung um den Premierminister Kan Naoto beklagte vor allem mangelnde Informationen des Kraftwerksbetreibers TEPCO. Die eigentlich zuständige Atomaufsichtsbehörde erwies sich als wenig hilfreich, da ihr Leiter ein Ökonom ohne Expertise im Bereich Atomkraft war.</p>



<p>Zeitweise wollte TEPCO das Atomkraftwerk sogar aufgeben, da die Lage dort vollkommen außer Kontrolle zu geraten schien. Im Raum stand im schlimmsten Fall eine Evakuierung Nordostjapans und des Großraums Tokyo mit circa 50 Millionen Menschen.</p>



<p>Premierminister Kan zwang aber TEPCO alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um diesen schlimmsten Fall abzuwenden. Am Ende gelang es einigen wenigen Fachleuten vor Ort mit <em>„einer Portion Glück“</em> (Wolfgang Schwentker) die Kühlung der Brennelemente wiederherzustellen und eine weitere Eskalation zu verhindern.</p>



<p>Bis heute ist das Atomkraftwerk Fukushima jedoch Katastrophengebiet. Die Maßnahmen zur Stabilisierung und anschließenden Stilllegung der Anlage sollen 30 bis 40 Jahre dauern.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Lage im Atomkraftwerk Fukushima nochmals eskaliert wäre?</pre>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Jan von Flocken: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article155939149/So-rettete-Kamikaze-Japan-vor-dem-Untergang.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">So rettete Kamikaze Japan vor dem Untergang.</a> Mongolen-Sturm, auf: welt.de (05.06.2016).</li>



<li>GEO Epoche: Das kaiserliche Japan. Samurai und Shogune, Mönche und Kaiser, Geisha und Kurtisanen: Wie sie die Geschicke der ältesten Monarchie der Welt bestimmten. Februar 2006.</li>



<li>GEO Epoche: Der Zweite Weltkrieg. Teil 1 1939-1942. Von Polen bis zum Pazifik: Wie die Katastrophe begann. Juni 2010.</li>



<li>GEO Epoche: Der Zweite Weltkrieg. Teil 2 1943-1945. Von der Ostfront bis Nagasaki: Wie die Katastrophe endete. August 2010.</li>



<li><a href="https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte/Shinto_Mittelalter/Kamikaze" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Götterwinde Religion und Krieg zur Zeit der mongolischen Eroberungen</a>, auf Bernhard Scheid, <em>Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch</em>. Universität Wien, seit 2001.</li>



<li>Daniel Hedinger: <a href="https://www.nzz.ch/international/kapitulation-japans-in-asien-dauerte-der-zweite-weltkrieg-laenger-ld.1570650" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der letzte japanische Soldat kämpfte fast dreissig Jahre über das Kriegsende hinaus – sein Fall sagt viel über den Zweiten Weltkrieg in Asien aus</a>, auf: nzz.de (15.08.2020).</li>



<li>Felix Hill: <a href="https://www.deutschlandfunk.de/japans-kronprinz-und-kaiser-hirohito-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kaiser / Vor 100 Jahren übernahm Japans Kronprinz Hirohito die Regentschaft</a>, auf: deutschlandfunk.de (25.11.2021).</li>



<li>Josef Kreiner (Hrsg.): Geschichte Japans. Ditzingen 2018.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Japan&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1049976245" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Jasmin Lörchner: <a href="https://www.spiegel.de/geschichte/teruo-nakamura-und-co-japans-letzte-weltkriegssoldaten-versteckt-im-dschungel-a-99a09f95-5c89-482c-a3f1-73f6c7cb631f" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Japans letzte Krieger.</a> Versteckt im Dschungel, auf: spiegel.de (14.09.2020).</li>



<li>Maria-Laura Mitsuoka: <a href="https://www.japandigest.de/kulturerbe/geschichte/geschichte/aus-edo-wird-tokyo-der-traum-eines-shoguns/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Aus Edo wird Tōkyō – Der Traum eines Shōguns</a>, auf: Japandigest.de (06.10.2022).</li>



<li>Maria-Laura Mitsuoka: <a href="https://www.japandigest.de/kulturerbe/geschichte/geschichte/shimabara-rebellion/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Shimabara-Rebellion: Der größte Aufstand der Edo-Zeit</a>, auf: Japandigest.de (14.10.2022).</li>



<li>Maria-Laura Mitsuoka: <a href="https://www.japandigest.de/kulturerbe/geschichte/geschichte/minamoto-no-yoritomo/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Minamoto-no-Yoritomo: Von Krieg und Brudermord</a>, auf: Japandigest.de (26.12.2022).</li>



<li>Maria-Laura Mitsuoka: <a href="https://www.japandigest.de/kulturerbe/geschichte/geschichte/oda-nobunaga/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Oda Nobunaga: Der Große Teufel des Sechsten Himmels</a>, auf: Japandigest.de (12.01.2021).</li>



<li>Maria-Laura Mitsuoka: <a href="https://www.japandigest.de/kulturerbe/geschichte/geschichte/uesugi-kenshin/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Uesugi Kenshin – Der Tiger von Echigo</a>, auf: Japandigest.de (31.05.2021).</li>



<li>Manfred Pohl: Geschichte Japans. München 2014.<a href="https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1033272359?pid=1574010-Japan&amp;partner_ref=Japan&amp;contactdate=1718136992&amp;group_id=0&amp;banner_id=0&amp;product_id=0&amp;utm_medium=affiliate&amp;utm_source=ankerpunkte-blog.de&amp;sv1=affiliate&amp;sv_campaign_id=1574010&amp;awc=14158_1718136992_98d4e07b1e3630e864f33bb5ce4dc68a&amp;ProvID=10911403" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Uwe Schmitt: <a href="https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article114766366/Warum-Japans-Kaiser-nicht-gehaengt-werden-durfte.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Warum Japans Kaiser nicht gehängt werden durfte.</a> Krieg im Pazifik, auf: welt.de (26.03.2013).</li>



<li>Wolfgang Schwendtker: Die Samurai. München 2019.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Japan&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1068178906" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Wolfgang Schwentker: Geschichte Japans. München 2022.<a href="https://www.thalia.de/shop/home/suggestartikel/A1056699175?pid=1574010-Japan&amp;partner_ref=Japan&amp;contactdate=1718136984&amp;group_id=0&amp;banner_id=0&amp;product_id=0&amp;utm_medium=affiliate&amp;utm_source=ankerpunkte-blog.de&amp;sv1=affiliate&amp;sv_campaign_id=1574010&amp;awc=14158_1718136984_e35186e4bd3474b175913839ab893045&amp;ProvID=10911403" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article688b396deba40421e07df71f/Japan-1945-Der-Kriegsminister-und-acht-hohe-Militaers-schlitzten-sich-den-Bauch-auf.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Kriegsminister und acht hohe Militärs schlitzten sich den Bauch auf.</a> Putsch gegen Japans Kaiser, auf: welt.de (22.08.2025).</li>



<li>Berthold Seewald: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article227943715/Samurai-Gegen-Gewehre-hatten-sie-bei-Nagashino-keine-Chance.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Eine Waffe aus Portugal vernichtete Japans Samurai.</a> Schlacht bei Nagashino 1575, auf: welt.de (10.03.2021).</li>



<li>SPIEGEL Geschichte: Japan. Das geheimnisvolle Kaiserreich. September 2011.</li>



<li>Florian Stark: <a href="https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article213576548/Kapitulation-Japans-Wie-der-Pazifikkrieg-fast-weitergegangen-waere.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie der Weltkrieg im Pazifik beinahe weitergegangen wäre.</a> Kapitulation Japans 1945, auf: welt.de (15.08.2020).</li>



<li>ZEIT Geschichte: 1945. Auschwitz, Berlin, Hiroshima: Die Welt zwischen Krieg und Frieden. Februar 2015.</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/verschwundene-reiche/alternative-history-japan/">22 Punkte, an denen die Geschichte von Japan vielleicht anders verlaufen wäre</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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		<title>19 Punkte, an denen die Geschichte von Bayerisch-Schwaben und Augsburg anders gelaufen wäre</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bastian Vergnon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Feb 2024 13:37:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayerische Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Historische Hintergründe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der bayerische Regierungsbezirk Schwaben ist mehr als &#8222;nur&#8220; der östliche Teil Schwabens. Er verfügt in seinen (historischen) Regionen über eine lange und vielfältige Geschichte. Mit enormem Potenzial für Alternative History. Denn in seinen vier kreisfreien Städten Augsburg, Memmingen, Kaufbeuren und Kempten sowie den zehn Landkreisen haben sich über Jahrhunderte verschiedene Entwicklungen und Konflikte zwischen Bayern [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayerisch-schwaben-augsburg/">19 Punkte, an denen die Geschichte von Bayerisch-Schwaben und Augsburg anders gelaufen wäre</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Der bayerische Regierungsbezirk Schwaben ist mehr als &#8222;nur&#8220; der östliche Teil Schwabens. Er verfügt in seinen (historischen) Regionen über eine lange und vielfältige Geschichte. Mit enormem Potenzial für Alternative History.</p>



<span id="more-4851"></span>



<p>Denn in seinen vier kreisfreien Städten Augsburg, Memmingen, Kaufbeuren und Kempten sowie den zehn Landkreisen haben sich über Jahrhunderte verschiedene <a href="https://ankerpunkte-blog.de/alternative-geschichte/">Entwicklungen und Konflikte</a> zwischen Bayern und Schwaben Bahn gebrochen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="931" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Karte-Bayerisch-Schwaben.png?resize=600%2C931&#038;ssl=1" alt="Aktuelle Karte von Bayerisch-Schwaben mit von Norden nach Süden den kreisfreien Städten Augsburg, Memmingen, Kaufbeuren und Kempten sowie den LandkreisenDonau-Ries, Dillingen an der Donau, Augsburg, Aichach-Friedberg, Günzburg, Neu-Ulm, Unterallgäu, Ostallgäu, Oberallgäu und Lindau am Bodensee." class="wp-image-4931" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Karte-Bayerisch-Schwaben.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Karte-Bayerisch-Schwaben.png?resize=193%2C300&amp;ssl=1 193w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia Autor: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bavaria,_administrative_divisions_-_de_-_colored.svg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">TUBS/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p><em>Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal am 3. April 2022. Er wurde am 17. Februar 2023 und am 04. Februar 2024 überarbeitet.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ankerpunkte</h2>



<ol class="wp-block-list">
<li><a href="#limes">259/260: Die einschneidende Rücknahme des Limes</a></li>



<li><a href="#augsburg">955: Die gescheiterte Belagerung von Augsburg</a></li>



<li><a href="#welf">1167: Der ferne Tod von Welf VII.</a></li>



<li><a href="#konradin">1268: Der zersplitternde Tod von Konradin</a></li>



<li><a href="#ulm">1376: Die gescheiterte Belagerung von Ulm</a></li>



<li><a href="#reichsfreiheit">1426: Die endgültige Reichsfreiheit von Augsburg</a></li>



<li><a href="#weingarten">1525: Der schlichtende Vertrag von Weingarten</a></li>



<li><a href="#kempten">1525: Der trennende <em>„Große Kauf“ von Kempten</em></a></li>



<li><a href="#donauwoerth">1607: Die illegale Besetzung von Donauwörth</a></li>



<li><a href="#lindau">1626: Der folgenreiche <em>&#8222;Neukomm-Aufstand&#8220;</em> in Lindau</a></li>



<li><a href="#noerdlingen">1634: Die &#8222;gebriefte&#8220; Schlacht bei Nördlingen</a></li>



<li><a href="#maxemanuel">1702: Der risikoreiche Handstreich auf Ulm</a></li>



<li><a href="#pariservertrag">1810: Der bayerisch-württembergische Pariser Vertrag</a></li>



<li><a href="#ludwig-sued-nord-bahn">1843: Der umkämpfte Verlauf der „Ludwig -Süd-Nord-Bahn“</a></li>



<li><a href="#grossschwaben">1919: Der kurzzeitige Traum von <em>&#8222;Großschwaben&#8220;</em></a></li>



<li><a href="#zweiterweltkrieg">1945: Die verhinderte Verteidigung von Nördlingen</a></li>



<li><a href="#neu-gablonz">1945: Das Kaufbeurer Neu-Gablonz</a></li>



<li><a href="#deiningen">1947: Die selbstbewusste politische Siedlung Deiningen</a></li>



<li><a href="#universitaetaugsburg">1949: Die gescheiterte Gründung der Universität Augsburg</a><br><br><a href="#quellenliteratur">Quellen und Literatur</a></li>
</ol>



<h3 class="wp-block-heading" id="limes">1.259/260: Die einschneidende Rücknahme des Limes</h3>



<p>Bis Mitte des 3. Jahrhunderts war das heutige Bayerisch-Schwaben als Provinz Rätien ein prosperierender <a href="https://ankerpunkte-blog.de/roemische-reich/geschichte-roemisches-reich/">Teil des Römischen Reiches</a>. Ausgehend von Städten wie Cambodunum (Kempten) oder Augusta Vindelicum (Augsburg) bildete sich im Schutz des Obergermanisch-Raetischen Limes eine ausgefeilte Wirtschafts- und Infrastruktur aus.</p>



<p>Diese Zeit endete in der sogenannten Reichskrise des 3. Jahrhunderts. In dieser musste das geschwächte Römische Reich die bisherige Grenze (siehe Bild) zu germanischen Stämmen zurücknehmen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Roemischer-Limes.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Foto eines römischen Wachturms aus Holz mit Palisade davor." class="wp-image-4938" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Roemischer-Limes.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Roemischer-Limes.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(ThePhotoFab/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Der nach seinen Grenzflüssen benannte Donau-Iller-Rhein-Limes bedeutete auch für Rätien einen großen Einschnitt. Städte wie Cambodunum, bisher im Hinterland der Provinz gelegen, waren auf einmal Grenzfestungen und mussten in besser zu verteidigende Flächen verlegt werden. </p>



<p>Die neue Grenze trennte über die Donau wie heute das danach alemannisch besiedelte Ulm (auf der Karte oben am westlichsten Punkt von Bayerisch-Schwaben) vom noch römisch gebliebenen Gebiet von Neu-Ulm.</p>



<p>Diese Rücknahme verhinderte jedoch nicht, dass vor allem der sich bildende Stamm der Alemannen immer mehr in die Provinz einsickerte. Teilweise als Invasoren und Plünderer, teilweise als angeworbene Grenzsoldaten und friedliche Siedler.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Räten entwickelt, wenn der Limes zu einem anderen Zeitpunkt zurückgenommen worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="augsburg">2. 955: Die gescheiterte Belagerung von Augsburg</h3>



<p>Aus dem Stamm der Alemannen entwickelte sich über die nächsten Jahrhunderte das Herzogtum Schwaben. </p>



<p>Neben den wechselnden Herzögen bildete sich die Bischofsstadt Augsburg als ein Machtzentrum dieses Gebietes heraus.</p>



<p>Dies zeigte sich bei den Einfällen der Ungarn, die erst in der bekannten Schlacht auf dem Lechfeld vor der Stadt beendet wurden.</p>



<p>Dass es so weit kam, lag daran, dass Augsburg unter dem Bischof Ulrich lange genug der Blockade und Belagerung durch die Ungarn standhielt. So konnte das Reichsheer unter König Otto I. rechtzeitig heranrücken. </p>



<p>Bis dahin hatte Bischof Ulrich, der als Reichsfürst auch das Militär der Stadt leitete, Augsburg trotz mehrerer kritischer Situationen erfolgreich verteidigt.</p>



<p>Daher wurde Bischof Ulrich einer der Stadtpatrone von Augsburg.</p>



<p>Danach entwickelte sich Augsburg unter den Bischöfen weiter zur <em>&#8222;Alemanniae metropolis&#8220;</em>, zu einer Hauptstadt von Schwaben.</p>



<p>Das gestiegene Prestige von Bischof Ulrich förderte zudem den Ausbau des Hochstiftes Augsburg, das sein Territorium unter dessen Nachfolgern bis zu den wichtigen Alpenpässen erweitern konnte.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Ungarn 955 Augsburg vor dem Eintreffen des Reichsheeres eingenommen hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="welf">3. 1167: Der ferne Tod von Welf VII.</h3>



<p>Im 12. Jahrhundert kämpften zwei Geschlechter um das heutige Bayerisch-Schwaben: Die Staufer als Herzöge von Schwaben und die Welfen als Herzöge von Bayern.</p>



<p>Beide versuchten, die Region durch die Übernahme von Herrschaftsrechten, Klosterstiftungen und Landesausbau für sich zu gewinnen und in das jeweilige Herzogtum zu integrieren.</p>



<p>Es kam aber auch zu kriegerischen Auseinandersetzungen, bei denen 1134 der staufische Stützpunkt Ulm von einem Welfenheer erobert und zerstört wurde.</p>



<p>Entscheidend war 1167 der Malaria-Tod von Welf VII. bei einem Italienzug des staufischen Königs und Kaisers Friedrich I. Barbarossa (siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Kaiser-Barbarossa.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Reiterstatue von Kaiser Friedrich Barbarossa." class="wp-image-4939" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Kaiser-Barbarossa.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Kaiser-Barbarossa.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(quality_by_Simon/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Hatten die Staufer vorher schon eine gewisse Übermacht im Machtkampf mit den Welfen errungen, indem sie den Königsbesitz in der Region nutzten, kippte die Balance nun endgültig.</p>



<p>Tief getroffen vom Tod seines einzigen Sohns und Nachfolgers, zog sich Herzog Welf VI. aus der Politik zurück und gab sich Vergnügungen hin. </p>



<p>1178/1179 überschrieb Welf VI. sogar seine Besitzungen an seinen Neffen Barbarossa, auch wenn diese erst endgültig 1191 mit dem Tod von Welf in den Besitz der Staufer übergingen.</p>



<p>Mit dieser Kombination aus eigenen Territorien, königlichen Gütern und den ehemaligen Gebieten der Welfen in Bayerisch-Schwaben konnten die Staufer die Region endgültig dominieren und in ihren Herrschaftsverband integrieren.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Bayerisch-Schwaben entwickelt, wenn Welf VII. nicht gestorben wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="konradin">4. 1268: Der zersplitternde Tod von Konradin</h3>



<p>Danach war Schwaben, und damit auch die Region von Bayerisch-Schwaben, ein Zentrum des mittelalterlichen Kaiserreiches.</p>



<p>Diese Entwicklung hing allerdings an der Verbindung mit den Staufern. Als König Konrad 1254 nur 26-jährig starb, begann sich die Zentralmacht im Herzogtum Schwaben langsam aufzulösen.</p>



<p>Zwar gab es danach mit Konradin noch einen Staufer, der mit 10 Jahren zu Herzog von Schwaben erhoben worden war. Ihm gelang es jedoch aufgrund seines Alters nicht, das Herzogtum unter Kontrolle zu bekommen.</p>



<p>Zudem wurde er 1268 nach seiner Niederlage im Kampf um das Erbe in Sizilien hingerichtet, womit die Staufer als Herrschaftsgeschlecht aufhörten zu existieren.</p>



<p>Zwar hatte Konradin vor seiner Abreise seinen Vormund und Erzieher, den <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/oberbayern-muenchen/">Bayernherzog Ludwig von Wittelsbach</a> zu seinem Erbe ernannt. Dieser konnte sich allerdings nur einen kleinen Teil des Herzogtums am Lechrain sowie zwischen Lauingen und Neuburg sichern. </p>



<p>Das restliche Herzogtum zersplitterte sich danach in eine Vielzahl von Herrschaften (siehe Karte aus dem Jahr 1400). </p>



<p>Davon profitierten ausgehend von Augsburg, Ulm und Memmingen vor allem zahlreiche Städte, die zu den &#8222;oberschwäbischen Reichsstädten&#8220; heranwuchsen. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="856" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayerisch-Schwaben-1400.png?resize=600%2C856&#038;ssl=1" alt="Karte der heutigen Region von Bayerisch-Schwaben im Jahr 1400 mit zahlreichen kleinen Territorien." class="wp-image-4930" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayerisch-Schwaben-1400.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayerisch-Schwaben-1400.png?resize=210%2C300&amp;ssl=1 210w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:HRR_1400.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ziegelbrenner/CC BY-SA 3.0 (Ausschnitt)</a>)</figcaption></figure>



<p>Diese Zersplitterung blieb als <em>&#8222;Fleckerlesteppich&#8220;</em> für Bayerisch-Schwaben typisch für die nächsten Jahrhunderte.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Bayerisch-Schwaben entwickelt, wenn Konradin nicht hingerichtet worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="ulm">5. 1376: Die gescheiterte Belagerung von Ulm</h3>



<p>Bis ins 14. Jahrhundert hatte sich Ulm nicht nur zu einer freien und Reichsstadt entwickelt. Die reiche Handelsstadt hatte auch das befestigte Stadtgebiet (siehe Bild aus der heutigen Zeit) und das reichsstädtische Territorium erweitert.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Ulm.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Foto von der Donau aus in die mittelalterliche Alttadt von Ulm." class="wp-image-4932" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Ulm.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Ulm.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Scirocco340/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dabei geriet sie in das Blickfeld der benachbarten Landesherren, vor allem der Herzöge von Württemberg und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-niederbayerns/">der von Bayern</a>.</p>



<p>Kaiser Karl IV. als Schutzherr der Stadt war keine Unterstützung, da er aus Geldmangel dazu geneigt war, Rechte an der Stadt zu verpfänden. Zudem war er ein Gegner der Bündnisse, mit denen sich die schwäbischen Städte unter der Führung von Ulm zusammengeschlossen hatten.</p>



<p>Der Kaiser zog sogar mit einem Heer nach Ulm und belagerten die Stadt. Diese Belagerung war später mythenumrankt, aber erfolglos. </p>



<p>Dadurch sicherte Ulm nicht nur seine Unabhängigkeit, sondern auch von weiteren Teilen (Bayerisch-)Schwabens.</p>



<p>Auch für Ulm selbst hatte die Belagerung Folgen: Da die Pfarrkirche der Stadt außerhalb der Mauern lag, beschlossen die Bürger endgültig den Bau einer neuen Kirche innerhalb der Mauern: des späteren Ulmer Münsters.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Ulm entwickelt, wenn die Belagerung 1376 erfolgreich gewesen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="reichsfreiheit">6. 1426: Die endgültige Reichsfreiheit von Augsburg</h3>



<p>Als Kaiser Sigismund in diesem Jahr der Stadt das Privileg der Wahl des Stadtvogtes verlieh, kam damit ein langer Prozess zum Abschluss. Zwar hatte sich Augsburg seit dem 12. Jahrhundert um eine Emanzipation gegenüber dem Bischof bemüht.</p>



<p>Da das durchaus mächtige Hochstift Augsburg dies nicht widerstandslos hinnahm und die römisch-deutschen Könige/Kaiser ihre eigenen Interessen verfolgten, war die Reichsfreiheit der Stadt ein umkämpfter und langer Prozess.</p>



<p>Erst 1156 hatte Kaiser Friedrich I. Barbarossa in einem Stadtrechtsprivileg die Rechte der Bürgerschaft erweitert und festgeschrieben. 1237 ist das erste Bürgersiegel feststellbar, 1276 kodifizierte das Stadtbuch eine Art innere Verfassung von Augsburg und 1316 legte Kaiser Ludwig der Bayer die Unveräußerlichkeit der Stadt vom Reich fest.</p>



<p>Auch wenn der Bischof noch im 15. Jahrhundert versuchte, die Herrschaft über die Stadt zurückzugewinnen, waren es immer mehr die römisch-deutschen Monarchen, die dominierten. </p>



<p>Sinnbild dafür und für das Selbstbewusstsein der Bürgerschaft ist das 1624 fertig gestellte Rathaus von Augsburg (siehe Bild). Es war von der Größe sogar für das Abhalten von Reichstagen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation konzipiert.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="431" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Rathaus-Augsburg.jpg?resize=600%2C431&#038;ssl=1" alt="Foto des Rathauses von Augsburg mit dem Perlachturm" class="wp-image-5853" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Rathaus-Augsburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Rathaus-Augsburg.jpg?resize=300%2C216&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Dmitry Naumov/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Vor allem in der Blütezeit der reichen Handelsstadt im 15. und 16. Jahrhundert fanden viele Reichstage am Lech statt. Darunter die bedeutenden von 1518 (Verhör von Martin Luther), 1530 <em>(„Confessio Augustana“</em>) und 1555 (<em>„Augsburger Religionsfriede“</em>).</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Augsburg entwickelt, wenn die Stadt keine freie Reichsstadt geworden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="weingarten">7. 1525: Der schlichtende Vertrag von Weingarten</h3>



<p>Anfang des 16. Jahrhunderts kam es auch in Bayerisch-Schwaben zu Bauernunruhen. </p>



<p>Inspiriert von der Reformation schlossen sich verschiedene Gruppen zu sogenannten<em> &#8222;Haufen&#8220;</em> zusammen und gingen gegen ihre Lehensherren vor.</p>



<p>Höhepunkt waren die Memminger <em>&#8222;12 Artikel&#8220;</em>, in denen die Aufständischen ihre Förderungen zusammenfassten und die teilweise als erste Erklärung von Menschenrechten gelten.</p>



<p>Die regionale Obrigkeit bekämpfte jedoch die Aufstände hart. Dafür nutzte sie den <em>&#8222;Schwäbischen Bund&#8220;</em> als Zusammenschluss verschiedener schwäbischer Gebiete. </p>



<p>Von diesem angeworbene Landsknechte (siehe Bild) zerschlugen daraufhin die meisten <em>&#8222;Bauernhaufen&#8220;</em> und beendeten die <em>&#8222;Bauernkriege&#8220;</em> blutig.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="876" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Landsknechte.jpg?resize=600%2C876&#038;ssl=1" alt="Illustration von einem Landsknecht auf dem Pferd und einem Fußsoldaten." class="wp-image-4936" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Landsknechte.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Landsknechte.jpg?resize=205%2C300&amp;ssl=1 205w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Sammy33/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Eine Ausnahme bildete der Vertrag von Weingarten. Diesen schlossen der <em>&#8222;Schwäbische Bund&#8220; </em>sowie die Bauern des Allgäuer und des Seehaufens im April 1525.</p>



<p>Gegen eine Rückgabe der eroberten Güter und eine Auflösung der Haufen konnten sich die Bauern Straffreiheit und eine Schlichtungslösung ihrer Forderungen durchsetzen.</p>



<p>Zwar verlief diese Durchführung vielfach nicht wie vereinbart, sie brachte jedoch für die Region im Allgäu das Einführen von &#8222;Agarverfassungsverträgen&#8220;, die einen Interessensausgleich zwischen Bauern und ihren Lehensherren vorsahen.</p>



<p>Der &#8222;Oberallgäuer Bauernhaufen&#8220; lehnte diese Lösung ab und wurde im Juli des gleichen Jahres in der Schlacht bei Leubas vernichtet.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Vertrag von Weingarten sich mehr durchgesetzt hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="kempten">8. 1525: Der trennende <em>„Große Kauf“ </em>von Kempten</h3>



<p>Auch Kempten hatte bis in das 16. Jahrhundert eine lange Entwicklung bis zur freien Reichsstadt durchgemacht. </p>



<p>Zwar hatte die Bürgerschaft ab dem 14. Jahrhundert immer mehr Rechte der Fürstabtei an sich gezogen. Die Fürstäbte behielten aber nach wie vor bedeutende Rechte in Kempten, wie die Besetzung des Stadtamtmannes und Anteile an städtischen Einnahmen.</p>



<p>Zudem bauten sie die Fürstabtei zu einem bedeutenden Herrschaftsgebiet in Schwaben und im Allgäu aus, in dem die Stadt Kempten wie eine kleine Insel lag.</p>



<p>Erst im <em>„Großen Kauf“</em> gelang es den Kemptener Verhandlungsführern, dem Fürstabt alle seine Rechte innerhalb der Bürgerstadt abzukaufen. Für 30.000 Gulden trat der Geistliche damit ein Territorium ab, das nahe an seinem Kloster lag.</p>



<p>Er sah sich kurzfristig dazu gezwungen, da er durch aufständische Bauern, die sich der Territorialherrschaft des Klosters und der damit einhergehenden Leibeigenschaft nicht beugen wollten, in Bedrängnis war.</p>



<p>So hatte der Abt vor den Aufständischen, die ihn und den Klosterkonvent zeitweise auf der Burg Liebenthann bei Obergünzburg belagert hatten, in die Reichsstadt flüchten müssen.</p>



<p>Die immer mehr der Reformation zuneigenden Kemptener konnten so den <em>„Großen Kauf“</em> größtenteils mit den eingezogenen und eingeschmolzenen Kirchenschätzen der Stadt abwickeln.</p>



<p>Damit endeten die Streitigkeiten nicht. Das Territorium der Reichsstadt war komplett von der Fürstabtei umgeben und wirtschaftlich eng mit diesem verflochten. Sowohl die Reichsstadt als auch die Stiftstadt Kempten lagen auf dem westlichen Ufer der Iller und waren räumlich kaum zu trennen.</p>



<p>So sind die ehemalige Residenz des Fürstabtes (siehe erster Bild unten) und das Rathaus der ehemaligen Reichsstadt (siehe zweites Bild unten) kaum mehr als einen halben Kilometer voneinander entfernt. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="481" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Klosterresidenz-Kempten.jpg?resize=600%2C481&#038;ssl=1" alt="Foto der Kirche St. Lorenz in Kempten mit der ehemaligen Residenz der Fürstäbte von Kempten" class="wp-image-5851" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Klosterresidenz-Kempten.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Klosterresidenz-Kempten.jpg?resize=300%2C241&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(FooTToo/Shutterstock)</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Rathaus-Kempten.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto des Rathauses von Kempten" class="wp-image-5854" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Rathaus-Kempten.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Rathaus-Kempten.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Sina Ettmer Photography/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Diese Trennung blieb sogar nach der Besetzung durch Bayern 1802 bestehen, da die Verwaltungsakte zur gewünschten Vereinigung der Doppelstadt lange dauerten. </p>



<p>Erst 1818 fusionierten die ehemalige Reichsstadt und Stiftsstadt zum heutigen Kempten. Die Reichsstadt wurde zur Altstadt, die Stiftstadt zur Neustadt der neu eingerichteten Gemeinde.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Kempten bis 1818 entwickelt, wenn der „Große Kauf“ nicht erfolgreich gewesen wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="donauwoerth">9. 1607: Die illegale Besetzung von Donauwörth</h3>



<p>Die freie und Reichsstadt Donauwörth (heute im Süden des Landkreises Donau-Ries) war mehrheitlich protestantisch, hatte aber eine katholische Minderheit zu dulden. Dazu gehörte zum Beispiel das katholisch gebliebene Kloster Heilig Kreuz am Stadtrand (siehe Bild).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="604" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?resize=600%2C604&#038;ssl=1" alt="Foto der Klosterkirche Heilig Kreuz in Donauwörth." class="wp-image-4929" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?resize=298%2C300&amp;ssl=1 298w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Heilig-Kreuz-Donauwoerth.jpg?resize=88%2C88&amp;ssl=1 88w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Eigenes Bild)</figcaption></figure>



<p>Anfang des 17. Jahrhunderts eskalierten allerdings im Heiligen Römischen Reich die Spannungen zwischen Katholiken und Protestanten.</p>



<p>Dies betraf auch Donauwörth, wo sich 1606 und 1607 die sogenannten <em>&#8222;Kreuz- und Fahnengefechte&#8220;</em> ereigneten.</p>



<p>Dabei griffen Protestanten katholische Prozessionen, deren Auftreten mit Fahnen und Gesängen sie als Provokation empfanden, an und jagten die Katholiken auseinander.</p>



<p>Unklar ist bis heute, ob die Prozessionen von katholischer Seite bewusst als Provokation ausgelegt waren, um katholische Mächte zum Eingreifen zu bewegen.</p>



<p>Die Folgen waren dagegen klar: Nachdem Kaiser Rudolf II. 1606 noch die Reichsacht angedroht hatte, verfügte er diese nach dem zweiten <em>&#8222;Gefecht&#8220;.</em></p>



<p>Eigentlich wäre der protestantische württembergische Herzog als Obmann des schwäbischen Reichskreises für die Exekution zuständig gewesen. </p>



<p>Rudolf II. beauftragte allerdings den katholischen, bayerischen Herzog Maximilian I.</p>



<p>Dieser nutzte die Gelegenheit und die kompromisslose Haltung von Donauwörth gegen seine Verhandlungsversuche, um die Stadt zu besetzen und de facto zu annektieren.</p>



<p>Als er Donauwörth zusätzlich rekatholisierte, führte dies nicht nur zu einer protestantischen Auswanderung und einer Verarmung der Stadt.</p>



<p>Die protestantischen Mächte des Reiches sahen diese Entwicklung als Bedrohung und schlossen sich zu einem Bündnis zusammen.</p>



<p>Daher gilt die Besetzung von Donauwörth als einer der bedeutendsten Auslöser des Dreißigjährigen Krieges wenige Jahre später.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn nicht der bayerische, sondern der zuständige württembergische Herzog die Reichsacht in Donauwörth exekutiert hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="lindau">10. 1626: Der folgenreiche <em>„Neukomm-Aufstand“</em> in Lindau</h3>



<p>Die freie und Reichsstadt Lindau war durch den Handel am Bodensee und <a href="https://ankerpunkte-blog.de/europaeische-geschichte/geschichte-schweiz/">über die Alpenpässe</a> lange reich geworden.</p>



<p>Diese günstige Lage (siehe Bild unten) sorgte aber im beginnenden Dreißigjährigen Krieg dafür, dass die durchziehenden katholischen Heere die protestantische Stadt wirtschaftlich und sozial stark belasteten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="337" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Lindau.jpg?resize=600%2C337&#038;ssl=1" alt="Luftaufnahme der Stadt Lindau auf einer Insel im Bodensee aus Richtung Norden." class="wp-image-5852" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Lindau.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2023/02/Lindau.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(megula/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dies führte zu immer größeren Spannungen in Lindau.</p>



<p>Diese entzündeten sich vor allem zwischen dem Stadtrat aus Patriziern, der die Neutralität der Stadt im Krieg und die Treue zum Kaiser erhalten wollte, und einigen Einwohnern, die als Protestanten unten wirtschaftlichen sowie sozialen Nöten litten. Besonders der rangälteste protestantische Prediger der Stadt, Alexius Neukomm, nutzte die Spannungen zu seinem persönlichen Vorteil und griff den Stadtrat mehrfach scharf in demagogischen Predigten an.</p>



<p>Als der Rat seinen Angriffen nicht energisch entgegentrat eskalierte der Konflikt in der Karwoche 1626 um die Frage der Wiedereinführung er Privatbeichte. Neukomm verweigerte diese strikt und hatte bereits vorher den Rat scharf angegriffen, ohne dass dieser harte Gegenmaßnahmen gegen ihn durchgesetzt hatte.</p>



<p>Als der Stadtrat den immer stärker eskalierenden Konflikt am 6. November mit der Absetzung von Neukomm beenden wollte, löste dies am nächsten Tag den offenen Aufstand von Neukomms Anhängerschaft und vielen unzufriedenen Einwohnern aus.</p>



<p>Unter diesem Druck musste der Rat am 7. November faktisch vor den Aufständischen kapitulieren und sagte in einer schriftlichen Vereinbarung die Erfüllung von dessen Forderungen wie einer Wiedereinsetzung von Neukomm zu.</p>



<p>Im Laufe des Novembers/Dezembers gelang es zwar, diese Vereinbarungen durch einen für alle Seiten annehmbaren Vergleich zu ersetzen. Und im Februar 1627 starb mit Alexius Neukomm der Verursacher des nach ihm benannten Aufstandes.</p>



<p>Allerdings nutzte der katholische Kaiser Ferdinand II., der die protestantische Stadt schon vor Kriegsbeginn des Verrats verdächtigt hatte, den Aufstand als Vorwand für eine Untersuchungskommission. Deren Erkenntnisse führten im Februar/März 1628 schließlich zur Besetzung der Stadt mit einer kaiserlichen Streitmacht für die Dauer des Krieges.</p>



<p>Diese verstärkte nicht nur die wirtschaftlichen und sozialen Lasten von Lindau im Krieg, sondern involvierten die Stadt als kaiserliche Festung auch bis zum Ende des Krieges noch stärker in die Konflikte des Krieges.</p>



<p>Als Vorteil erwies sich, dass die kaiserliche Besatzung die Befestigungen der Stadt ausbauen konnte. Die Pläne dafür hatte es bereits länger gegeben. Der katholische Kaiser hatte aber der Reichststadt aufgrund seines Misstrauens die Erlaubnis zum Ausbau der Stadtverteidigung verweigert.</p>



<p>Nachdem 1632 schwedische Patrouillen zum ersten Mal die Lindauer Region erreicht hatten, kam es in der strategisch und wirtschaftlich wertvollen Bodenseeregion immer wieder zu Kämpfen zwischen Schweden und Kaiserlichen. Nur gegen die Festigung Lindau gingen die Angreifer nicht vor, da ihre Kräfte dafür zu schwach waren.</p>



<p>Erst am Ende des Krieges, Anfang 1647, belagerten die Schweden einmalig Lindau für mehrere Wochen, scheiterten aber an der vorbereiteten Garnison und den inzwischen ausgebauten Befestigungen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Stadtrat Alexius Neukomm früher entgegengetreten wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="noerdlingen">11.1634: Die &#8222;gebriefte&#8220; Schlacht bei Nördlingen</h3>



<p>Die freie und Reichsstadt Nördlingen lag günstig inmitten der Region des  Ries (siehe Bild aus der heutigen Zeit). Diese lag nicht nur verkehrstechnisch günstig, zum Beispiel zwischen Schwaben <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-mittelfranken-nuernberg/">und Franken</a>, sondern war auch sehr fruchtbar.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Noerdlinger-Ries.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Foto der Landschaft des Nördlinger Ries mit zahlreichen Äckern." class="wp-image-4934" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Noerdlinger-Ries.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Noerdlinger-Ries.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wolfgang Zwanzger/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Was die Stadt bis dahin reich gemacht hatte, bedrohte sie aber im Dreißigjährigen Krieg.  </p>



<p>1634 geriet die protestantische, durch eine schwedische Besatzung geschützte Stadt in den Fokus der katholischen Verbündeten.</p>



<p>Zuerst begann ein bayerisches Heer die Stadt zu belagern und gleichzeitig die Region zu nutzen, um sich zu versorgen, bis Verstärkungen aus Spanien eintrafen.</p>



<p>Die harte Belagerung und das Ausbleiben einer protestantischen Entsatzstreitmacht führten am 22. August zu Diskussionen im Rat von Nördlingen, ob die Stadt auf die Übergabeforderungen der Belagerer eingehen sollte.</p>



<p>Erst ein in die Stadt geschmuggeltes Schreiben der protestantischen Heerführer, das deren baldige Ankunft ankündigte, beendete diese Diskussionen. Als zwei Tage später General Horn erfolgreich Nördlingen besuchte, war die Diskussion endgültig vorbei.</p>



<p>Nördlingen widerstand der Belagerung, bis das protestantische Entsatzheer ab dem 5. September in der <em>&#8222;Schlacht auf dem Albuch&#8220;</em> die Belagerer angriff.</p>



<p>Dieser Angriff endete jedoch in einer desaströsen Niederlage der protestantischen Seite gegen die Katholiken, die im Dreißigjährigen Krieg für die nächsten Jahre die Oberhand behielten.</p>



<p>Nördlingen musste nach dieser Niederlage ebenfalls kapitulieren, hatte aber vergleichsweise wenig desaströse Bedingungen zu erfüllen.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich die Schlacht bei Nördlingen entwickelt, wenn die Stadt bereits am 22. August kapituliert hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="maxemanuel">12. 1702: Der risikoreiche Handstreich auf Ulm</h3>



<p>Im 17. Jahrhundert war die Reichsstadt Ulm eine mächtige Festung. Noch während des Dreißigjährigen Krieges hatte die Stadt ihre Befestigungen modernisiert und ausgebaut.</p>



<p>Zudem war die Stadt Kreisfestung des Schwäbischen Reichskreises, der dort seine Artillerie lagerte.</p>



<p>Daher griff der bayerische Kurfürst Maximilian II. Emanuel zu einer hochriskanten List: Am 8. September versuchten seine als Bauern verkleidete Soldaten, sich über das Gänstor (siehe Bild) in die Stadt zu schmuggeln. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="582" height="1024" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Gaenstor-Ulm.jpg?resize=582%2C1024&#038;ssl=1" alt="Foto des Gänstors von Ulm." class="wp-image-4935" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Gaenstor-Ulm.jpg?resize=582%2C1024&amp;ssl=1 582w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Gaenstor-Ulm.jpg?resize=170%2C300&amp;ssl=1 170w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Gaenstor-Ulm.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w" sizes="auto, (max-width: 582px) 100vw, 582px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Vollverglasung/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Die Torwachen bemerkten die Kommandoaktion zu spät. Auch wenn einer der Angreifer im anschließenden Gefecht seinen Anführer aus Versehen erschoss,waren die wenigen Ulmer Wachen gegen die bayerischen Soldaten und deren schnell nachrückende Verstärkung chancenlos. </p>



<p>Zwar mobilisierte der Angriff die 3.000 Mann starken Bürgerkompanien schnell. Doch da eine Verteidigung nur zu Zerstörungen innerhalb der Stadt geführt hätte, kapitulierte Ulm.</p>



<p>Die anschließende bayerische und französische Besetzung sowie Kampfhandlungen im <em>&#8222;Spanischen Erbfolgekrieg&#8220;</em> ruinierten die Stadt langfristig. Sie erholte sich davon nicht mehr, bis sie ihre Reichsfreiheit fast 100 Jahre später verlor.</p>



<p>Der Fall von Ulm machte den Weg des bayerischen Heeres für eine Invasion weiterer Städte frei. So wurde zum Beispiel Memmingen besetzt, wodurch dessen Reichsfreiheit ebenfalls in Gefahr geriet.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die Ulmer Stadtwachen das bayerische Kommando rechtzeitig entdeckt hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="pariservertrag">13. 1810: Der bayerisch-württembergische Pariser Vertrag</h3>



<p>1802/1803 war Ulm in Folge des Bündnisses zwischen Frankreich unter Napoléon und Bayern in den Besitz des letzteren gekommen.</p>



<p>Bayern machte Ulm sogar zur Hauptstadt seiner neuen Provinz &#8222;Schwaben&#8220;, weshalb die Stadt eine Aufwertung durch viele Behörden erhielt.</p>



<p>Dies änderte sich 1810, als Bayern in Folge eines in Paris geschlossenen Grenzvertrags mit Württemberg Ulm an das benachbarte Königreich abtrat.</p>



<p>Dafür erhielt es von Frankreich <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberfranken-bayreuth/">das ehemalige Fürstentum Bayreuth</a>.</p>



<p>Zuvor hatte eine bayerisch-württembergische Kommission die bisherige Grenze (siehe Karte) zwischen beiden Staaten neu verhandelt und sich dabei vor allem an den Flüssen als Grenze orientiert.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="654" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayern-1806.png?resize=600%2C654&#038;ssl=1" alt="Karte von Bayern im Jahr 1806. " class="wp-image-4928" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayern-1806.png?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Bayern-1806.png?resize=275%2C300&amp;ssl=1 275w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Wikimedia Autor: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rheinbund_1806,_political_map.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ziegelbrenner/CC BY-SA 3.0</a>)</figcaption></figure>



<p>Die Übergabe von Ulm führte nicht nur zu Ärger bei der bayerischen Verwaltung, die dem durch Mitnahme allen beweglichen Guts Ausdruck verlieh. Ebenso demolierten bayerischen Soldaten aus Frust über ihren Abzug ihre Kasernen.</p>



<p>Die Verträge trennten Ulm auch von seinen Gebieten auf dem rechten Ufer der Donau. Dort entstand ab 1811 mit Neu-Ulm eine bayerische Gemeinde.</p>



<p>Zwar gab es seitdem mehrere Versuche, Neu-Ulm wieder in Ulm einzugliedern. Diese scheiterten jedoch spätestens an der bayerischen Gegenforderung, dann Ulm nach Bayern einzugliedern.</p>



<p>Der Grenzvertrag hatte auch Folgen für andere Teile von Bayerisch-Schwaben: So trennte er Memmingen von Teilen seines ehemaligen reichsstädtischen Hinterlandes und machte es zur Grenzstadt.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn der Grenzvertrag anders verhandelt worden wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="ludwig-sued-nord-bahn">14. 1843: Der umkämpfte Verlauf der „Ludwig -Süd-Nord-Bahn“</h3>



<p>Bereits 1835 gab es in Bayerisch-Schwaben Versuche, eine Eisenbahnstrecke zwischen Lindau und Augsburg zu etablieren. Dies scheiterte aber an den Uneinigkeiten über die Streckenführung.</p>



<p>Dies galt ebenso bei der geplanten „Ludwig -Süd-Nord-Bahn“, die Bayern von Lindau bis nach Hof erschließen sollte. Ursprünglich sollte die Strecke auf der technisch einfacheren Route von Buchloe über Marktoberdorf und Unterthingau bis nach Immenstadt gebaut werden.</p>



<p>Wobei das Allgäu an sich aufgrund seiner gebirgigen Landschaft (siehe Bild aus der heutigen Zeit unten) für die Planer und Ingenieure bereits eine enorme Herausforderung war.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="399" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Zugfahrt-Allgaeu.jpg?resize=600%2C399&#038;ssl=1" alt="Foto eines modernen Zuges mit zwei Triebwägen in einer Stadt im Allgäu vor den Bergen der Alpen" class="wp-image-6478" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Zugfahrt-Allgaeu.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Zugfahrt-Allgaeu.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Hagen Simon/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Der geplanten Streckenführung widersetzten sich jedoch Kempten und Kaufbeuren, am Ende erfolgreich. Daher musste die Bahnstrecke auf einer technisch noch anspruchsvolleren Route gebaut werden.</p>



<p>Diese erwies sich jedoch als wirtschaftlich erfolgreich und förderte die ab 1840 einsetzende Industrialisierung im Allgäu entscheidend. So begann mit dem Eisenbahnanschluss von Kaufbeuren im Jahr 1847 der Erfolg der dortigen Textilherstellung. Doch vor allem Kempten entwickelte sich zu einem Zentrum der Industrialisierung in der Region.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die „Ludwig -Süd-Nord-Bahn“ die ursprüngliche Streckenführung beibehalten hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="grossschwaben">15. 1919: Der kurzzeitige Traum von <em>&#8222;Großschwaben&#8220;</em> </h3>



<p><a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/erster-weltkrieg/">Nach dem Ersten Weltkrieg</a> und den revolutionären Wirren der Räterepubliken entstand in Bayerisch-Schwaben kurzzeitig  eine <em>&#8222;Großschwaben-Bewegung&#8220;</em>. </p>



<p>Diese forderte die Integration der Region in ein eigenes <em>&#8222;Reichsland Schwaben&#8220;</em>, indem der gesamte schwäbische Raum vereinigt werden sollte.</p>



<p>Diese Bewegung fand zum Beispiel große Sympathien in Ulm, Neu-Ulm, Memmingen und Kaufbeuren. Dillingen, Nördlingen und Lindau blieben dagegen distanziert.</p>



<p>Auf Ebene des Deutschen Reiches gab es zu dieser Zeit ebenfalls Diskussionen über eine Niedergliederung der Länder zu in etwa gleich großen Einheiten. </p>



<p>Als <a href="https://ankerpunkte-blog.de/erster-weltkrieg/das-luxemburg-komplott-christian-von-ditfurth/">die revolutionäre Instabilität</a> allerdings zurückging und erste Neugliederungspläne auf Reichsebene scheiterten, ging auch die <em>&#8222;Großschwaben-Bewegung&#8220;</em> zurück. In Memmingen zum Beispiel zugunsten der im Allgäu starken Heimatschutzbewegung.</p>



<p>Diskussionen über ein <em>&#8222;Reichsland Schwaben&#8220;</em> blieben allerdings die gesamten 1920er Jahre lebendig.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die <em>"Großschwaben-Bewegung"</em> länger einflussreich geblieben wäre?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="zweiterweltkrieg">16. 1945: Die verhinderte Verteidigung von Nördlingen</h3>



<p>Bis in den April 1945 war Nördlingen (siehe Bild aus der heutigen Zeit) von den Zerstörungen <a href="https://ankerpunkte-blog.de/zweiter-weltkrieg/zweite-weltkrieg/">des Zweiten Weltkriegs</a> verschont geblieben. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="338" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Noerdlingen-Altstadt.jpg?resize=600%2C338&#038;ssl=1" alt="Luftbild der Altstadt von Nördlingen." class="wp-image-4937" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Noerdlingen-Altstadt.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Noerdlingen-Altstadt.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(oliverfoerschner/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Dennoch sollten die wenigen verbliebenen deutschen Einheiten die Stadt verteidigen. Daher waren Schützengraben ausgehoben und die Brücke vor dem <em>&#8222;Baldinger Tor&#8220;</em> mit Sprengsätzen ausgestattet.</p>



<p>Auch der Stadtkommandant lehnte eine friedliche Übergabe an die US-Amerikaner ab.</p>



<p>Dennoch gelang es den Mitarbeitern des Nördlinger Stabsarztes, auf dem Turm der Stadtkirche Rotkreuzfahnen zu hissen, zwischen denen ein weiterer Nördlinger sogar eine weiße Fahne geschmuggelt hatte.</p>



<p>Dies brachte Nördlingen jedoch in Gefahr, als der Stadtkommandant auf einem Einziehen der Fahnen bestand. </p>



<p>Denn die US-Amerikaner konnten dies nur als Signal verstehen, dass die Stadt verteidigt wird. Dies hätte in jedem Fall <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-unterfranken-wuerzburg/">schwere Angriffe</a> aus der Luft und mit Artillerie bedeutet.</p>



<p>Dass es nicht dazu kam, war Verhandlungen zwischen dem Stadtkommandanten und dem Stabsarzt zu verdanken. Zwar sollten die Fahnen abgehängt werden, jedoch nur Stück für Stück.</p>



<p>Diese Verzögerung genügte, denn am 23. April zog sich der Stadtkommandant plötzlich aus Nördlingen zurück und die Stadt konnte friedlich an die US-Amerikaner übergeben werden. </p>



<p>So blieb vor allem die historische Altstadt größtenteils erhalten und Nördlingens Bevölkerung überstand die &#8222;Eroberung&#8220; durch die US-Amerikaner vergleichsweise glimpflich.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre mit Nördlingen passiert, wenn die Fahnen auf der Kirche schneller abhängt worden wären?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="neu-gablonz">17. 1945: Das Kaufbeurer Neu-Gablonz</h3>



<p>Als es nach 1945 zur Vertreibung unter anderem der Sudetendeutschen kam, suchte eine Gruppe um den Diplomingenieur Erich Huschka in Eigeninitiative einen neuen Standort für die Vertriebenen aus der Stadt Gablonz an der Neiße.</p>



<p>Diese war bis zur Vertreibung ihrer Einwohner ein Zentrum der böhmischen Glas- und Schmuckherstellung gewesen. Diese ausdifferenzierte Wirtschaftsstruktur wollte die Gruppe um Huschka an einem geeigneten Standort in Deutschland wiederaufbauen.</p>



<p>Dazu sondierten sie verschiedene Regionen, zum Beispiel in Süddeutschland und im Bayerischen Wald. Kaufbeuren war eine Möglichkeit, da die Stadt mit einer ehemaligen Sprengstofffabrik über ein großes Gelände verfügte, das durch Versorgungsinfrastruktur erschlossen war, aber noch keine neue Funktion hatte.</p>



<p>Kaufbeuren mit seiner mittelalterlichen Altstadt (siehe Bild unten) und das Allgäu waren bis größtenteils ländlich-landwirtschaftlich strukturiert und vergleichsweise dünn besiedelt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="200" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Altstadt-Kaufbeuren.jpg?resize=600%2C200&#038;ssl=1" alt="Panoramabild der Altstadt von Kaufbeuren mit alter Stadtmauer und Kirchentürmen" class="wp-image-6477" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Altstadt-Kaufbeuren.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2024/02/Altstadt-Kaufbeuren.jpg?resize=300%2C100&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(cityfoto24/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Allerdings war der für Wirtschaftsfragen zuständige Beamte im Kaufbeurer Rathaus gegen eine Ansiedlung der Vertriebenen, da er das Gelände als ungeeignet ansah.</p>



<p>Huschka gelang es, diesen Widerstand zu überwinden, indem er einen ausgearbeiteten Ansiedlungsplan für Kaufbeuren direkt an die bayerischen Ministerien schickte. Diese waren sehr daran interessiert, die Gablonzer Industrien in Bayern anzusiedeln.</p>



<p>Der damalige bayerische Wirtschaftsminister Ludwig Erhard favorisierte allerdings eine Ansiedlung der Gablonzer mehrheitlich im Fichtelgebirge und in Bayreuth.</p>



<p>Ein weiteres Hindernis waren Vorbehalte der US-amerikanischen Besatzungsbehörden, die gegen eine geschlossene Ansiedlung der Sudetendeutschen auf diesem Gelände waren. Dies konnte der Oberbürgermeister von Kaufbeuren erst umgehen, als er die kommunale Planungshoheit über das Gelände beanspruchte. Damit übernahm die Stadt auch die Verantwortung für die kostspielige Infrastruktur von den US-Amerikanern.</p>



<p>Somit gelang es ab Juni 1946, die Gablonzer im neuen Stadtteil Kaufbeuren-Hart anzusiedeln. 1952 erfolgte die Umbenennung in Kaufbeuren-Neugablonz. Die dort angesiedelte Industrie erwies sich bis in die 1970er Jahre als Wachstumsmotor der Stadt und Region. Bis 1961 verdreifachte Kaufbeuren so durch die 17.000 Vertriebenen seine Einwohnerzahl.</p>



<p>Lange blieb Neu-Gablonz eine Sprachinsel des im sudetendeutschen Gablonz gesprochenen <em>„Paurischen“</em> und bis in die heutige Zeit sind dort Traditionen aus dem böhmischen Kulturkreis lebendig.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Kaufbeuren entwickelt, wenn sich die Gablonzer mit ihrer Industrie nicht in der Stadt angesiedelt hätten?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="deiningen">18. 1947: Die selbstbewusste politische Siedlung Deiningen</h3>



<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Vertriebene auch nach Bayerisch-Schwaben. Um diese Masse unterzubringen, entstanden Flüchtlingslager, unter anderem in Deiningen.</p>



<p>Dieses Lager mit 400 Bewohnern war allerdings eine Ausnahme: Es bestand mehrheitlich aus sudetendeutschen Sozialdemokraten des Bezirks Marienbad und entwickelte 1947 ein enormes Eigenleben.</p>



<p>Höhepunkt war eine Erklärung an den Landkreis Nördlingen, in dem sich das Lager als <em>&#8222;sozialistische Siedlung&#8220;</em> für autonom erklärte.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>&#8222;Die SPD Umsiedlerstelle übernimmt somit die gesamte Verwaltung und Organisation der sozialistischen Siedlung und ersucht das Flüchtlingskommissariat um freundliche Kenntnisname dieser Mitteilung&#8220;.</em></p>
<cite>Telegramm des Landratsamtes Nördlingen an den Gemeinderat von Deiningen, Betreff:&nbsp;Antifa-Siedlung Deiningen. (31.07.1947).</cite></blockquote>



<p>Dies führte zu heftigen Konflikten mit der bayerischen Flüchtlingsverwaltung und der Gemeinde Deiningen, die eine politische Siedlung und deren Autonomie strikt ablehnten.</p>



<p>Trotz dieser Konflikte und einer dadurch bedingten fehlenden Unterstützung existierte die Siedlung bis 1952, als sie wegen wirtschaftlicher Probleme aufgelöst wurde.</p>



<pre class="wp-block-verse">Was wäre gewesen, wenn die politische Siedlung Deiningen weiter existiert hätte?</pre>



<h3 class="wp-block-heading" id="universitaetaugsburg">19. 1949: Die gescheiterte Gründung der Universität Augsburg</h3>



<p>Bayerisch-Schwaben hat eine lange Hochschultradition. Bereits 1543 gründete der Kemptener Fürstabt eine Universität in Ottobeuren.</p>



<p>Diese <em>&#8222;Academia Ottemburana&#8220;</em> hatte den Zweck, als Reaktion auf die Reformation die Ausbildung von katholischen Priestern zu verbessern. Sie ging allerdings bereits drei Jahre später im <em>&#8222;Schmalkaldischen Krieg&#8220;</em> unter.</p>



<p>Ihre Nachfolge trat 1549 die Universität Dillingen an, die der Augsburger Bischof in seiner Residenzstadt gründen ließ. Sie bestand bis zur Säkularisierung durch Bayern 1803. 1923 entstand sie als Philosophisch-Theologische Hochschule wieder.</p>



<p>Eine solche Hochschule existierte bis nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Augsburg. Dort gab es aber Bestrebungen, eine eigene Universität einzurichten.</p>



<p>Nachdem 1947 der erste Versuch am Widerstand der Kirche gescheitert war, kam es im darauf folgenden Jahr zu einem neuen Schub.</p>



<p>Denn vertriebene Mitglieder der 1945 aufgelösten Deutschen Universität Prag zeigten sich interessiert, die Tradition der ältesten deutschsprachigen Universität in Augsburg fortzusetzen.</p>



<p>Es gab sogar eine <em>&#8222;Denkschrift über die Wiedererrichtung der juristischen und philosophischen Fakultät der deutschen Karlsuniversität in Prag in Augsburg&#8220;</em>  sowie vom 31. August bis 4. September 1949 öffentlichkeitswirksame <em>&#8222;Augsburger Hochschultage&#8220;</em>.</p>



<p>Da die sudetendeutschen Professoren allerdings fast <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-oberpfalz-regensburg/">zeitgleich Regensburg</a> als neuen potenziellen Standort für sich entdeckten, versandete der Versuch erneut.</p>



<p>Erst 1970 kam es zur Einrichtung der Universität Augsburg (siehe Bild), die 1972 auch die Hochschule und damit die Tradition aus Dillingen übernahm.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="600" height="301" src="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Universitaet-Augsburg.jpg?resize=600%2C301&#038;ssl=1" alt="Foto der Universität Augsburg." class="wp-image-4933" srcset="https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Universitaet-Augsburg.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/ankerpunkte-blog.de/wp-content/uploads/2022/04/Universitaet-Augsburg.jpg?resize=300%2C151&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Werner Rebel/Shutterstock)</figcaption></figure>



<p>Heute ist die Universität Augsburg mit knapp 20.000 Studierenden eine der größten Hochschulen Bayerns und prägt die Stadt trotz ihrer kurzen Geschichte stark.</p>



<pre class="wp-block-verse">Wie hätte sich Augsburg entwickelt, wenn die Universität bereits 1949 erfolgreich eingerichtet worden wäre? </pre>



<h2 class="wp-block-heading" id="quellenliteratur">Quellen und Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Christoph Engelhard: Memmingen. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2021. <a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1060833827" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Stefan Fischer: Kleine Geschichte des Allgäus. Regensburg 2024.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1068847871" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Christopher R. Friedrichs: Nördlingen im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges. Neustadt an der Aisch 2018.</li>



<li>Karl-Ulrich Gelberg: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Neugliederung_des_Reiches_(1919-1945)" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Neugliederung des Reiches (1919-1945)</a>, auf historisches-lexikon-bayerns.de (15.11.2007).</li>



<li>Gerhard Immler: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Kempten,_F%C3%BCrstabtei:_Politische_Geschichte_(Sp%C3%A4tmittelalter)" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kempten</a>, Fürstabtei: Politische Geschichte (Spätmittelalter), auf: historisches-lexikon-bayerns.de (15.09.2009).</li>



<li>Birgit Kata, Volker Laube, Markus Naumann, Wolfgang Petz (Hrsg.): „Mehr als tausend Jahre. Das Stift Kempten zwischen Gründung und Auflassung 752 bis 1802 (Allgäuer Forschungen zur Archäologie und Geschichte 1). Friedberg 2006.</li>



<li>Wolf-Henning Petershagen: Ulm &amp; Neu-Ulm. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2019. <a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1053094556" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Rolf Kießling: Kleine Geschichte Schwabens. Regensburg 2021.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1062033411" target="_blank" rel="noreferrer noopener sponsored nofollow"><img decoding="async" border="0" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Werner Lenger: <a href="https://assets.uni-augsburg.de/media/filer_public/a7/7b/a77b0d2e-8e21-4b94-8145-a60d52933611/geschichte_der_universitaet_augsburg__pdf.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Eine kleine Geschichte der Universität Augsburg</a>. Augsburg 2004.  </li>



<li>Otto Mayr: Die schwedische Belagerung von Lindau 1647. Der Dreißigjährige Krieg am Bodensee und in Oberschwaben (Historischer Verein Lindau (B), Neujahrsblatt 53). München 2016.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1039653076" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Christoph Paulus: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Augsburg,_Reichsstadt:_Politische_und_soziale_Entwicklung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Augsburg</a>, Augsburg, Reichsstadt: Politische und soziale Entwicklung, auf: historisches-lexikon-bayerns.de (08.12.2017).</li>



<li>Wolfgang Petz: <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Kempten,_Reichsstadt" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kempten</a>, Reichsstadt, auf: historisches-lexikon-bayerns.de (10.09.2012).</li>



<li>Wilfried Sponsel: Das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Jahre des Neubeginns in Nördlingen (1945-1950). Neustadt an der Aisch 2020.</li>



<li>Bastian Vergnon: Die sudetendeutschen Sozialdemokraten und die bayerische SPD 1945 bis 1978, Frankfurt am Main 2017.<a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=14158&amp;awinaffid=1574010&amp;clickref=Bayerisch-Schwaben&amp;ued=https%3A%2F%2Fwww.thalia.de%2Fshop%2Fhome%2Fartikeldetails%2FA1046354157" target="_blank" rel="sponsored noopener"><img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=3524487&amp;v=14158&amp;q=377601&amp;r=1574010" border="0" alt="Thalia Button"></a></li>



<li>Florian Felix Weyh: <a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/kaufbeuren-neugablonz-wie-die-sudetendeutsche-100.html">Wie die sudetendeutsche Schmuckindustrie nach Bayern kam. Kaufbeuren-Neugablonz</a>, auf: deutschlandfunkkultur.de (03.02.2019).</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://ankerpunkte-blog.de/bayern-geschichte/geschichte-bayerisch-schwaben-augsburg/">19 Punkte, an denen die Geschichte von Bayerisch-Schwaben und Augsburg anders gelaufen wäre</a> erschien zuerst auf <a href="https://ankerpunkte-blog.de">Ankerpunkte Blog</a>.</p>
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